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PREÜSSISCHES WÖRTERBUCH
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OST- UND WESTPBEUSSISCHE PEOVINZIALISMEN
IN ALPHABETISCHER FOLGE.
VON
H. FRISCHBIER.
ZWEITER BAND.
L — Z. Nachträge und Berichtigungen.
BERLIN 1883.
VERLAG VON TH. CHR. FR. ENSLIN.
(RICHARD SCHOETZ.)
/
L.
I, Schmelzlaut, behält im Plattdeutsch
an-, in- und auslautend hochdeutschen
Klang; nur bleibt es zuweilen vor s
weg: als as.
Laaky /., StraPze in Königsberg am
rechten Pregelufer. Estn. lagge^ finn.
laaka flach, holstein. Laak Pfütze,
Lache; in Hamburg in gleicher Bedeu-
tung Lake^ in Breu). dasselbe, doch
besonders niedrige sumpfige Wiese, mnd.
lake Lache, seichte Stelle. Vor ihrer
Bebauung war die Königsberger Laak
flaches Wieseoland. S allmann, 24.
Schützen,!. Richey, 146. Brem.
Wb. III, 5. Mnd. Wb. 11, 613b. S.
Lake.
Laby L&f, Laf, n. 1. der vierte Magen
des Rindes. 2. die sauer gewordene
und geronnene Feuchtigkeit in dem
vierten Magen eines Kalbes, die Käl-
bermagensäure, welche man benutzt,
um frische süJ'ze Milch gerinnen zu
machen. Das Lab ist nur von solchen
Kälbern brauchbar, welche gesogen und
noch nicht gefressen haben. 3. Laf, in
der Danziger Gegend magerer frischer
Käse. W. S ei d e 1 , 32. In Brem. Lebbe^
mnd. lafy hoU. leb, lebbe^ luhbe^ schwed.
lope, Brem. Wb. III, 28. Vgl. Bock,
Nat. I, 260.
Lab, m. jud. Vorn., s. Leib.
Labach, Labbach, m,j s. LAband.
Labagienen, Ortsn., Fischerdorf bei
Labiau mit Fischguano- und Knochen-
FrUehbitr, WÖrtArbocb II.
mehl-Fabrik; daher im Volke: Laba-
gienen ist eher zu riechen ah zu sehen,
LAband, m.^ grofzer (langer) träger,
unordentlicher Mensch, Nichtsnutz, Tau-
genichts, arbeitsscheuer Herumtreiber.
Als Schimpfwort, namentlich auf halb-
wüchsige Jungen. In Berlin Laban;
in Konitz Labasch, im Ermlande und in
Elbing Labach; sonst auch noch Labas.
Treichel hat für Westpr. noch Lu-
batsch. Laband wohl Anlehnung an
den biblischen Laban. Vgl. Büch-
mann , Geflügelte Worte. 12. Aufl. S. 5.
Die Verwandtschaft mit Lorbas, Lai-
dak, Lodschak, Ludschak, Leichak, welche
alle gleiche Bedeutung haben, ist er-
kenntlich. Von allen Wörtern werden
Adjektive auf ig gebildet.
Labas, m., s. das vor.
Labasch, m, 1. s. v. a. Ldband. 2.
Scheltwort auf eioen Jungen, der sich
herumgetrieben. Aber, kliener Labbasch,
tüte hott'r sich wödder abgeröcht. Schal tj.
3, 4.
labaschig, . adj. von Labasch. En gro-
terlabascKgerBengel, Dorr, 1. Wiew.,
126.
Labber, m. u. /., weiches, schwam-
miges Fleisch, Hautfleisch, fleischige
Haut. Kalbfleisch hat viel Lahber —
ist (oft) die reine Labber. Vgl. Ladder.
labberig, adj., s. labbrig.
labbern, sw., s. labbern und sabbern.
labbern, lebbern, IVbbern, libbern, sw.,
l
Läbberschulden — LächeL
nippend trinken, in verschiedenen Ab-
sätzen und kleinen Zügen trinken, zö-
gernd und mit Unlust Speise oder Trank
geniefzen; lecken, schlürfen; auch lek-
kern. Fratien labbern das Biei^ den
Wein. Bock, 31, u. Hennig, 147:
löbbeimy lübbem; Schemionek, 23:
löbbem, HoU. labberen schlappen, dän.
labe lecken, schlürfen, mhd. lafien^ ahd
laffan^ lat. lambere lecken : lahium Lippe.
Vgl. Schade, 530b. Mühling hat
labbern^ labbern zunächst in der Be-
deutung: saugen; Gordack labbern u.
lebbern schlürfend und zögernd essen.
Sich labbern^ sich in kleinen Posten,
kleckweise mehren. Das labbert sich
zusammen, aus Pfennigen werden Tha-
ler. Kleine Schulden^ die allmählich
bei verschiedenen Gläubigem gemacht
wurden, sind Läbberschulden, Flick-
schulden. Statt labbern u. in allen Bil-
dungen auch läppern; bei Schmeller
II, 486, u. Vilmar, 247: leppem. aus-
iäbbem, etwas labbernd ausessen. Einen
Teller mit Suppe ausläbbem. Mühling
hat noch als Erklärung für ausläbbem:
kindisch zu sein aufhören; zu küssen
aufhören, veriäbbern, leckemd und für
Eleioigkeiten sein Geld verschwenden.
Läbberschulden, plur,, s. das vor.
labbrig, labberig, adj. 1. von Speisen:
flau, fade, weichlich, ungesalzen, süi'z-
lich und darum für den^ der an kräf-
tige Kost gewöhnt ist, widerlich. Das
Essen ist mir zu labbrig, Bock, 30.
Hennig, 140. Schemionek, 22.
Nach Gordack adj, von labbern. Im
Götting. labbefnffy lauywerig; auch: en
labberig Minsche, ein schlaffer Mensch.
Schamb., 117a. 2. von der Wärme:
flau, mäl'zrg, von geringer Höhe. Das
war ein labbriger Winter. Dän. in der
Seemannssprache laber schwach, leise,
mäfzig, holl. lahber schwach, von der
Kälte. 3. vom menschlichen Befinden:
'Ml ÖS labbtng to Mod, mir ist flau zu
Mute.
labfiren, sw., umherschweifen, ^rumr-
laberen, sich umhertreiben. Treichel.
Im Brem. Wb. HI, 2: labben plaudern
gehen, holl. lafen; bei Frisch, Wb.
I, 563 c: la/eren, lafem schwatzen.
Labiau, Ortsn.« Kreisstadt an der
Deime. Er kommt an wie der Hund
von Labiap,, Sprw. I, 83.
Lablaugken, Name eines Waldgebietes
im Kreise Darkehmen. S. Rogge^ 4.
Vgl. Gttnig.
Labommel, nach Treichel Labummel,
77)., von bammeln bummeln^ also Bumm-
ler; doch zunächst groizer, geil auf-
geschossener, schlottriger junger Mensch,
abgerissener Nichtsnutz; zur Verwandt-
schaft der Ldbande und Lorbasse ge-
hörig. Bock, 30. Hennig, 140.
Sperber, 42. Schemionek, 22.
Davon: labommeln, sw., bummeln, sich
zwecklos herumtreiben, labommellg, adj,,
wie ein Labommel sein.
Labskaus, m,, Gericht: Stockfisch mit
Kartoffeln. Danzig.
Labummel, m,, s. Labommel.
Lachader, /. Ihm ist die Lachader
geplatzt, sagt man scherzend von dem,
der sich im Lachen nicht zu mäi'zigen
vermag. Sprw. I, 2266.
Lachaim-taufe, jüd. -deutsch. Trink-
spruch. Sperber, 44. Rein iiebräisch :
Vchajim tauvim zu einem guten Leben
= vivat Allgemein gebräuchlich.
LAche, /., s. LAke.
Uchel, Lechel, Lttchel, Ugel, Legel,
Dem. Lächelke etc. n., Fäfzchen, das
gewöhnlich an einem Riemen getragen
wird. Es schickte Herr , . . einen Bohten
mit einem Legel nach Or. -Lichtenau,
vor sich gute reine Butter-Milch zu hoh-
len. Hartwich, 524. Dabey ein gut
lachen — Lachsangel.
Ldgel mit Bier. Pierson, Matth. Prätor.,
83. Geht auch mit dem Lägel herum
und theilt einem jeden was davon mit.
Ibid., 89. Schemionek, 23: Läget,
ein Viertelankerfafz, aufs Feld mit-
zonehmen Ahd. lagelld^ mhd. lagel^
ldgel, legely mnd. läge, lechelen, legelen^
lechelken, lat., mlat. lagena^ lagellum,
aleman. logel^ lit. u. lett. legh*^, poln.
lagiew\ dän. legel, schwed. ldgel. In
Hessen Legel. Vi 1 mar, 240. Brem.
Wb. III, 36. Mnd. Wb. II, 612b. 642a.
Vielfach ist das Legel so eingerich-
tet, dai'z es beim Trinken an den Mund
gesetzt werden kann. S allmann,
36 b.
lachen, sw,, in Redensarten: Er lacht
vne ein Spitzbubey er freut sich über
die Verlegenheit oder den Unfall eines
andern. Er lacht mit dem ganzen Ge-
sieht, ist Seelen vergnügt. Er lacht sich
die Faust voll — in\ Fäustchen, Er
lacht sich zum Spänchen, er lacht ohne
Aufhören. Er lacht sich einen Puckel
wie eine grofze graue Erbse, Ös noch
wU vom Lache, säd jen Make on gren.
Er hat Lachen und Weinen in einem
Sack, Sprw. I, 2267 ff.
LAchengeschworener, m., s. LAke.
iachern, sw., zum Lachen geneigt sein,
lachein, aus Wohlbehagen, innerm Glück,
Zufriedenheit, aber auch aus Verlangen.
Dat lacherd mienem Ohm en bat (dal'z
seine Tochter schön gefunden wurde).
Dorr, 15. Em lächert de Bart nau'm
Posske, er hat Verlangen nach einem
Külzchen.
Lacherty m,, lautes Lachen. Er kriegt
den Lächert, er bricht in lautes Lachen
aus. V. Auer.
Lachmann, m. jQd. Vom. Flatow.
Schmitt, 112.
lachrig, adj., zum Lachen geneigt.
Mir ist wol nicht lachrig^ ich bin nicht
in der Stimmung zu lachen. Soph. R.
VI, 231.
iächrig, ad;,, s! löcherig.
Lachs, pltd. Las, m. 1. der bekannte
Fisch salmo: Trutta salar L, Man
unterscheidet: Silberlachs, der heller ge-
färbte weibliche Fisch, Hakenlachs, Fisch
mit hakenförmig gebogener Schnauze,
Schwarzlachs, Strandlachs. Die beiden
letzten Namen bezeichnen den dunklem,
sterilen Lachs, der nicht in die Flüsse
aufsteigt, sondern an der Seeküste ver-
weilt und hier ziemlich viel gefangen
wird; den Namen Silberlachs führt auch
eine gleiche Form der Meerforelle (s.
Lachs forelle). Altpr. lasasso, lit., kur.,
laszis, mas., kass. losos, laususz, Lit.
heifzt der Hakenlachs woszis, der ma-
gere, vom Laichen zurückkehrende
Lachs 'kargis, kleine Lachse heü'zen
gleich der Meerforelle trump, trumpis.
Benecke, 157 ff. Der Länge nach, in
Streifen, Streimel, geschnitten, wird der
Lachs geräuchert und als Streimellachs
verkauft. 2. Redensart: Der Lachs ist
mitzunehmen, ein augenscheinlicher,
bedeutender Vorteil. Sprw. I, 2275.
3. Danziger Lachs, stark abgezogener
Branntwein. Klein I, 2(58. Er gähnte,
sah in die . Uhr, nahm einen Schluck
Lachs etc. Soph. R. 1, 44. Nun ein
Schnappschen Lachsf Ibid. IV, 71. Der
danziger Laichs und sein Krambambuli
sind beinahe in der ganzen Welt be-
rühmt. Bock, Nat. I, 655; III, 650.
(Der „Lachs^ war ursprünglich die
Firma der Döstillation in Danzig.) Vgl.
Danziger.
Lachsangel, /., Ajigel zum Lachs-
fange; man unterscheidet an ihr drei
Stücke: das Steintau mit der Boje, die
Lenkleine mit der Lenk und den Vorlauf
mit dem Angelhaken. Beschreibung
und Abbildung in Benecke, 401 f.
V
Lachsfang — laden.
Lachsfang, ?/»., Falle, in welche der
Lachs hineinspringen mui'z und in der
er, teils wegen der geringen Wasser-
tiefe, teils weil er nicht stromabwärts
springt, gefangen bleibt. In den klei-
nen Flüssen, welche dem Putziger Wiek
zuströmen. Benecke, 400.
Lachsfaren, m., s. Lachsforelle.
Lachsforelle, /., Silberlachs, m., Lachs-
faren, w., die Meerforelle, Trutta trutta
L,; lit., kur. trump, trumpis, Silber-
lachs heifzt der ungefleckte Fisch. Be-
necke, 161. Bujack, 392.
Lachslanke, /., s. Lachsnetz.
Lachsnetz, n., Netz zum Fang der
Lachse. Dreifzig solcher in gerader
Linie vor Pricken aufgestellter Netze
bilden eine Lachslanke; jedes dieser Netze
ist 15 bis 18 Klafter lang. Die Maschen
der Netze und Säcke enthalten 3 Zoll
im Quadrat. Die Lachslankenfischerei
wird wie die Stcücnetzfischei'ei ausgeführt.
Fisch.-Ord. f. d. fr. Haff, § 31. Sper-
ber, 20.
Lachsstelle, /., Stelle, d. i. Ne^auf-
stellung aus Streichtuch und Säcken
bestehend, zum Fang der Lachse. Be-
schreibung und Abbildung in Ben-ecke,
394 f.
Lachstaparre, /., Fischn., s. DTbel.
Lachswadegam, n., Wadegarn zum
Lachsfange. S. Beneckc, 355.
lachtig, adjektivisches Grundwort in
Zusammensetzungen , aus schlachten
schlagen, ähneln, nacharten. Es deutet
an, daf'z die im Bestimmungswort ge-
nannte Eigenschaft annähernd erreicht
wird und entspricht den Endungen ?^,
ZtcA, licht RMlachtig ist alles, was
ins Rote schlägt; ebenso gelblachtig,
graulachtig^ griinlachtig ^ tceifzlachtig^
was ins Gelbe, Graue, Grüne, Weifzc
fallt . . . di£ Land'Haufz- Mutter sa-
gende: Dafz die Bleyfarbe Leinwand
ehe weifz würde als die weifzschlachte.
Linem., Qq la. Aul'zer Farben: kühl-
lachtig^ trüblachtig^ dicMachtig^ diinn-
lachtig, alüachtig, bei Mielcke II, 22b:
altlächtig. Vgl. schlachten.
Lack, m. , Siegellack; ostindischer
Harzsaft zum Firnissen. Lit. lakis,
poln. laky laka. Doch glaub ich, wenrCs
(das Kloster) auch war mit Lack und
Pech versiegelt, So schleicht des Mönchen
Lieb doch durch die Seufzer ein. Carm.
nupt II, 170 c. B}r ist im -Lack —
ist lackiert, ist angetrunken.
lackieren, sw,, s. das vor.
LAdchen, n.. Dem. von Lade, kleiner
Kasten.
Ladder, (?), das weiche Fleisch im
Gegensatz zum Kemfleisch. Sche-
mionek, 22. Vgl. Labber.
Lade, pltd. Lad' (a =-- ä), f. 1. Kasten,
Truhe, kistenförmiger Behälter; mhd.
lade, poln. lada, lit. lade, schwed. Idda.
Gewerkslade, Lade zur Aufbewahrung
der Dokumente, Bücher und Gelder
des Gewerkes. Sie wird nur bei Ge-
werks Versammlungen, Quartalen, unter
althergebrachten Ceremonien geöffnet.
2. Decke, Deckel, Flügel, eigentlich der
Laden: Fensterlade,/., hölzerner Flügel
zum Verschlul'z der Fenster über Nacht.
Einem die Fensterladen anhalten, ihm
die Augen blau schlagen. Sprw. I,
831.
laden, pltd. lade(n) (a^ä), st 1.
einladen. Ahd. ladön, laden, mhd. la~
den, goih. lathon. Schade, 530a. Hei
Idd't de ganze Welt 6k de vntt Kobbel,
er ladet eine groize Gesellschaft ein.
Sprw. I, 2276. 2. aufladen, abladen,
einpacken, auspacken. Ann, du hest
et nich 7nehr schwoar. Du loodst dat
letzte Moal dit Joahr, Dorr, 44. Bild-
lich: Er hat gut — er hat schief gela-
den, er ist betrunken.
Ladenschwengel — Lake.
Ladenschwengel, m.^ verächtliche Be-
nennung eines Handlungsgehilfen, La-
dendieners.
Lader, pltd. Lader (a = a), m., von'
laden 2, der Auflader^ Ablader bei den
Feldarbeiten, in der Ernte.
Laderin, pltd. Ladersche (ji = ä\ /.,
von Lader, Die Laderin ferkelty wenn
ihr beim Einfahren des Getreides einige
Garben vom Wagen fallen. Sprw. I,
2278.
Lädings, Leidings, nach Sperber, 21,
Leiding u. LUding, m., Netzwand zwischen
zwei Säcken oder Wentem. S. Streich-
tuch.
ladschig, adj., s. latschig.
Ladung, pltd. Ladung (a = d), /. Seine
Ladung voll haben^ genug getrunken
haben, angetrunken sein. Wenn nun
ein jeder seine Ladung voll hat^ gehen
sie von einander und machen ein Ende
dieses Trauermahls, Pierson, Matth.
Prätor., 105.
Ladwich^ m. Vorn, Ludwig. Hart-
wich, 54,
LAf, Laf, n., s. Lftb.
Lafferei, /., albernes, dummes Wesen,
Possen,Narrenzeug.Mühling. Grimm,
Wb. VI, 57, hat nur einen Beleg des
Wortes aus Herders Schriften, ein Be-
weis, dafz das Wort provinziell.
lag, adj.^ s. Kg.
Lägel, n., s. Lächel.
Lagerbruder, pltd. Lagerbröder (a=äX
w., Bruder vom Lager, Gelage, Säufer.
Mühling. Sprw. I, 2281.
Lagerkom, pltd. Lagerkörn (a = a), n.,
Roggen, der sich, meist in Folge hef-
tiger Regengüsse, legt, lagert
Lagerstock, m,, s. Ueger.
lahm, pltd. Iftm (a = ä)^ adj,^ krank,
beschädigt, verletzt. Man spricht vom
lahmen Kopt\ Auge^ Puckel etc.: es
kann jeder Körperteil lahvh werden.
lahm druckt überhaupt eine Beschädi-
gung, einen Fehler aus. Ahd. u. mhd.
lam^ engl, lame^ schwed., dän. u. hoU. *
lam^ altnord. lami lahm; lit. Iüttmjs
lahm (an den Händen), altpreufz. Kw-
twei brechen, poln. tamac brechen, zer-
brechen. Vgl. Adelung H, 1873.
Grimm, Wb. VI, 72. Nsslm. Th.,
93. Scherzweise heifzt es von einem
Hinkenden : Hei ös lahm on hinkt dabl.
Bei Jeroschin bildlich: sigis la7n wer-
din 76d. Pfeiffer, 185.
lahmen, pltd. lame(n) (a = d), »w,^
lahm gehen, hinken. Er lahmt auf
einem Fufz.
Lahmpot', 7/1., Mensch mit lahmer
Pfote, gelähmter, kranker Hand. Trei-
chel.
Laichfisch, pltd. LfikfUsch, m.^ die
Quappe, Gadus Lota^ weil die Fischer
glauben, dafz alle übrigen Fische sich
im Laichen nach der Quappe richten.
Bock, Nat. IV, 552.
Laichgam, pltd. Lfikgarn (a --= a), n.,
Fischernetz zum nächtlichen Fang der
Brassen während der Laichzeit. Bock,
Nat. IV, 696, u. Hennig, 80: Leich-
garn.
Laidak, gewöhnlich Leidak, m., lieder-
licher, nichtsnutziger Mensch, Tauge-
nichts, Bummler. Aus dem gleichbed.
poln. tajdak^ und dies vielleicht zurück-
zufuhren auf das lit. Uidmi^ UidaUy
leisti etc. einer Sache ihren Zug lassen;
erlauben, zulassen, gehen lassen; flöfzen,
und in sonst noch vielgestaltiger Be-
deutung, woraus auch leidikkas Holz-
flösser. S. Nsslm.Wb., 360a. Schmitt,
107; Westpr., 166. Sperber, 38.
Lake, LAche, /., plur. Ldken^ Lachen,
1. die kleinen naturlichen Abflüsse der
Niederungen: die Jung f ersehe Ldclve;
die Seeldkey wie die kleine Schwente
anfanglich heilzt; aber auch die zahl-
lakeidern — Land.
reichen künstlich hergestellten Kanäle,
welche nach den natürlichen Wasser-
zügen geleitet sind. Endlich ist auch
der Bruch in dem Dainme der Jung-
f erzchen Lache gefangen. Kgsbg. Hartg.
Ztg. 1871. No. 89.' 1. Beilage. Wenn
wi nu (im Winter auf dem Eise) flitzen
frank on fH Op Look on Haff^ op
Schwönt (Schwente) on Ti (Tiege).
Dorr, 16. Mit der Beaufsichtigung
dieser Vorfluten sind die LAken-, La-
chen- oderSchiickgeschworenen beauftragt,
welche aus dem Stande der Besitzer
gewählt werden. Prov. Preufz., 474.
Bei Hart wich finden sich S. 320,
aul'zer den Ldk- und Schlickgeschworenen
noch Schwentgeschworene, . welche ihren
Namen wohl nach dem Schweoteflufz
haben. 2. Pfütze. Ahd. lacha, mhd.
lache Pfütze; schwed. lag Feuchtigkeit,
Wasser, See, lat lacus, ital. lago^ franz.
lac. Hennig, 141. Vgl. Laak.
lakeidern, sw,^ zwecklos hin und her
rennen, fahren; bummeln. Mühling.
LAken, Laken, pltd. Lake(n) (^a^d),
n, 1 . zunächst Tuch (von Wolle), dann
aber auch Gewebe aus Linnen und
Seide. Ahd. lahhan, lachan, mhd. lachen,
alts. lacan, mnd. laken^ hoU. laken.
Schade, 531a. Ein Idkenei* Rock,
ein Tuchrock. Ein Schneider brauchet
Eir und Lacken. Carm, nupt I, 250.
Da hett he lang* on körte (Röcke) vom
schonst^ Laketieg Lhrztg. 4, 355 b. 2.
Decke, Spreittuch, Betttuch. Bettlaken
oder Leildkeny Leilach, d. i. Leinlaken,
pr.-poln. ptachta. Der Kranz wird mit
einem weifzen bunten Leylach bedeckt,
welches von beideri Seiten und hinten
herab hanget Pierson, Matth. Prätor.,
83. S. das. S. 87. Nach Vilmar, 245,
ist Leilaken aus Uh (Leich corpus) und
laken zusammengesetzt. Tischlaken
Tischtuch. Uennig, 141.
LAk-, LAkengeschworener, m., s. Lake.
Läkenwall, m.. Wall, Damm, der die
Laken einschlielzt. Öck keem moal von
der Jagd Den Loakenwall to goan\
Dorr, 24.
lakömsch, adj., lecker, naschhaft wäh-
lerisch beim Essen. Er ist ein lakom-
scher Kerl, ein Feinschmecker, Gour-
mand. Westpr. Von dem poln. tako-
mic sif lecker oder gierig auf etwas
werden oder sein, woraus das Adj.
takojny gierig, begierig, naschhaft, lecker.
Mrongo V. I, 190a. Schmitt, 108,
und Westpr., 166, hat aus gleicher
Wurzel iakummig, adj,, geizig, gierig,
habsüchtig.
Läks, Ortsn., Dorf in den Laukschen,
dem Grafen Dohna-Schlobitten ge-
hörigen Gütern. Spott: Wenn\ bottert,
denn botteris, on morge bottre se ön
Läks. Sprw. I, 508.
iakummig, adj,, s. lakömsch.
lammen, sw.^ zunächst ein Lamm ge-
bären; dann überhaupt gebären. So
schwär, OS wenn de Bock lamme wöll.
Sprw. I, 3452. Vgl. bocken.
LämmerhUpfen, n., das Hüpfen der
Lämmer, zur Bezeichnung des Tanzes
der Backfische. Treichel.
Lämmerschwänze, plur,, Pflzn., Segge-
arten, Carea: Mich. Saalfeld.
Lampe, /., bildlich: Kehle, Hals,
Schlund. Einen (Schnaps) auf die
Lampe giefzen. Sprw. I, 1532.
Land, n, 1. neues^ das sich neu bil-
dende Terrain am Ausflusse der Nogat
und Weichsel, aus Sumpf, Land und
Wasser bestehend, mit seiner amphi-
bienartigen Halbnatur einen scharf aus-
geprägten Gegensatz gegen die Niede-
rung des kleinen und groCzen Werders
bildend. y^Neues Land'' nennen es die
Beicohner der altem AUuvionen und
blicken darauf mit einer Art von Ver-
Landbote — lang.
acktang^ wie die römischen Patrizier auf
die yjwmines novi*^. Passarge, 204.
2. In Redensarten: Wer Land hat,
Tnu/z eine Band haben, sonst bringt es
ihm keinen Vorteil. Wer Land hat,
hat Streit, mit den Nachbarn. Noch
ist Land! noch ist die Gefahr nicht zu
grofz, noch bleibe ich Herr der Situa-
tion: Etwas ans Land ziehen. Zunächst
wörtlich von den Bewohnern des Ost-
seestrandes. In manchen Strandkirchen
wurde früher sogar Gott um einen „ge-
segneten Strand^ angefleht. Sprw. I,
2284. Von heiratslustigen Mädchen
heifzt es: Et ös nich blofz e Hand voU^
et OS dat ganze Land voll Ibid., 2286.
Landbote, m., Titel für den Schreiber
des Deichgräfen,
Landbringgeld, n., es ist ein zwei-
faches: das des Schiffers und das
der Papiere. Ersteres wird gezahlt,
wenn der Kapitän eines auf der Reede
vor Anker liegenden Schiffes mit dem
Lotsen ans Land kommt (1 Thlr.);
letzteres, in gleichem Betrage, müTz
entrichtet werden, wenn der Kapitän
das Schiff nicht verlassen kann und
dem Lotsen die Schiff und Ladung be-
treffenden Papiere zur Aushändigung
an seinen Mäkler übergiebt. Pillau.
Fr. Prov.-Bl. XVU, 51.
Ländchen, n., blaues, Name der Kreise
Neustadt und Bereut in Westpreulzen.
Muhling.
Landding, n., zur Ordenszeit das Land-
gericht in Angelegenheiten des Grund-
besitzes, mnd. lantdink Ijuid-, allge-
meines Gericht Es bestand als stehen-
des Gericht aus einem Landrichter und
gewöhnlich 12 Schoppen aus dem Stande
der Ritter oder vornehmer Lehnsleute.
Appellations - Instanz war der Hoch-
meister. Das Land war in verschiedene
Gerichtsbezirke geteilt, deren jeder
ein Landding hatte. Muhling; Mnd.
Wb. n, 621 b.
Landgarn, n,, s. Wade- u. Windegarn.
Landgamfischerei, /, s. Wade- u. Wind-
gamfischerei.
Landl(omtur, m., s. Komtur.
landsch, adj,, ländlich, im Gegensatz
zu städtisch. Sie ist ganz hübsch, aber
gräjzlich landsch, sie hat sich an städ-
tisches Leben und Wesen noch wenig
gewohnt. Substantivisch die Landechen.
Die Landsche haben 'ne annere M6d^
als jenne in der Stadt
landtagen, sw., herumlandtagen, sich *
unbeschäftigt umhertreiben, bummeln.
Sprw. I, 2291.
Landverzehrer, pltd. Landvertfirer, m.,
die Wucherblume, Chrysanthemum se-
getum L. S. Banicrottblume.
Landwehr, /., Wehr, Verteidigung des
Landes; Einrichtung, Befestigung zur
Verteidigung eines Landes. Bei Je-
r 0 s c h i n : der meistir — zusamme brachte
ein michil her haltinde kegn in lantwer
121a. zuhant nach disen zttin wurdin
zu Ragntten in eine lantwer gesant dt
brüdrelBSh. Pfeiffer, 186. Grimm,
Wb. VI, U9. ^
lang, adj. u. adv, 1. hmgus. Sprw.:
Wer lang hat, läfzt lang hangen, zum
Wohlhabenden, der Aufwand machen
kann. Hennig, 141, meint, dafz die
langen Gewänder der reichen Vorvor-
dem die Entstehung des Sprichwortes
vcranlalzt haben. Das ist so lang, so
breit, es ist völlig gleich — wie ich
z. B. eine Sache ausführe. 2. zähe;
von Speisen und Getränken. Das Essen
wurde mir so lang im Munde. 3. dünn,
wässerig; von Brühen, Suppen. Das
ist eine lange Suppe, 4. entlang, längs.
di littouwsche dit gesezzin di der Memil
lanc. Jeroschin, 139b Pfeiffer,
185.
8
Langbau ra — Lanke.
Langbaum, pitd. Langböm, 9n., Baum,
der die Vorder- and Hinterachse eines
(Leiter-) Wagens verbindet.
Langbroi, n., nach Hennig, 142, ein
kleines längliches Brötchen, welches
1 Schilling kostete. Jetzt als beson-
derer Brotname nicht mehr üblich.
längdaus, adv.y der Länge nach. Längd-
aus gehen — hauen (mähen).
langen, siv, 1. reichen, erreichen, der
Länge nach ausreichen. Der Rock
langt bis ans Knie, Lang' das Glas
hei\ Ich kann ni^ht langen^ ich bin zu
klein, um den hoch stehenden Gegen-
stand erreichen zu können. 2. aus-
reichen, auf die Länge aushalten, zu-
reichen. Das Tu^h langt nicht zum
Rocke ^ langt nicht aus, reicht nicht
hin. Da» bijzchen Mehl langt nicht zu
einem Brot, Das langt nicht hin^ nicht
hei\ ist unzulänglich. Das Geld langte
ist ausreichend, hält für bestimmten
Zweck vor. Nach Treichel beim
Kartenspiel beim Uberstechen : das längt
= langt nicht!
Langgassenträger, plur., zu Hennigs
Zeit Eckensteher, Arbeitsleute, in Kö-
nigsberg, so genannt, weil sie sich vor-
zugsweise in den drei Langgassen Kö-
nigsbergs aufgestellt hatten. Hennig,
142.
Langhals, auch Pfeilschwanz, Tn.^Spiefz-
ente, Anas acuta. Drausensee. Müh-
ling, Tiern., 174.
Langhans, m., langer Hans, auch
Langmann, langer Mann; in der Kinder-
sprache der Mittelfinger. In der Ge-
gend von Tollniingkehmen heifzt er als
Nachbar des Goldfingers: Goldapet* mit
Hinblick auf die Stadt Gohlap.
Langkohl, wi., langgeschnittener Weilz-
kolil, den man in Fleischsuppen kocht.
Langmann, m., s. Langhans.
Langschnabel, m., s. Kneifer.
längst, praep. u. adv.^ längs. Längst
der Wand — dem Zaun gehen.
Langstroh, pltd. Langströ, -strau, n.,
langes, ungeknicktes Roggenstroh, wie
man's zum Dachdecken gebraucht, ge-
wöhnlich Richtstroh (s. d.).
Langut, n.^ von dem poln. lan Hufe,
Lehngut in Westpreufzen und Erniland
zur Zeit der polnischen Herrschaft, das
bei einem allgemeinen Aufgebot einen
völlig ausgerüsteten und in den Waffen
geübten Krieger zu Ful'z zu stellen
hatte, sonst aber von allen weiteren
Abgaben and Lasten befreit war. Zur
Entstehung der Langüter gab die Er-
richtung einer regulären Infanterie un-
ter König Stephan Veranlassung, indem
von demselben mit Zustimmung des
Reichstages verordnet wurde, flalz in
den Königlichen Domaineugütern jede
erledigte zwanzigste tarifmäCzige Hufe
— deren jede aus einer Hufe in allen
drei Feldern, folglich aus drei Hufgn
kulmisch bestand — unter der oben
angeführten Bedingung vergeben wer-
den sollte. Die übrigen 19 Hufen
muCzten die sonstigen Abgaben und
Lasten übernehmen. Später, bei Ein-
führung eines stehenden Heeres, wurde
dieser Natural kriegsdienst in eine Geld-
abgabe (JLanowe) verwandelt, anfanglich
IQO Gulden poln., später 16 Thlr. 60 Gr.
preuGs. List, Contributions- Verfassung
in Westpr. und Ermland. Beitr. z.
Kde. Pr. IV, 342.
Langzung, Langtung, m., Schimpfname
für einen Verleumder, Zänker, Läste-
rer. Hennig, 142.
Lanke, /. 1 . eine Netzreihe, bestehend
aus einem Sack, einem Tuch und wie-
der einem Sack. Es müssen zicisc/ten
den sogen, Lanken^ sotvie zwischen den
einzelnen Stak- und Kaulbarsnetzen öff-
nu7igen von 20 RiUeii zum Durchgang
Lapatte — läppern.
der Fische und zur Schiffahrt ofen
bleiben. Fisch.-Ord. f. d. fr. Haff § 37.
Nach Benecke, 376, bilden 20 Stör-
netze, zusammengefügt, eine Lanke. 2.
Busen des kurischen Haffes. Fisch.-
Ord. f. d. kur. Haff § 12. Nach Grimm,
Wb. VI, 187, ist Lanke, die Seite, eins
mit Flanke, ahd. hlancha, lancha, mhd.
lanchCy lanke.
Lapatte,/., Dem. Lapatchen, Lapatke,
Lepatke, n. 1. Schulterblatt, Schulter-
stuck, besonders vom Hasen und Reh,
doch auch von andern Tieren, wie
Hammel und Schwein; nach Hennig,
142, das Vorderviertel vom geschlach-
teten Vieh. „Nach dem Eulmischen
Privilegio mufzte eine Lapatte jedes-
mal an die Herrschaft gegeben werden.
Die alten Litauer beurteilten aus den
Knochen der Schweinelapatte das Wet-
ter des künftigen Jahres." Hennig,
a. a. 0. Erl. Pr. I, 133. Lit. lapatka,
poln. u. russ. Icpaika Schulterblatt, wohl
Dem. zu lit. lapetäy poln. u. russ. fo-
päta Schaufel; im prlz. Voc. ist lopto
(548) Spaten, pette (104) Schulter und
petiis (106) Schulterblatt. Nsslm.,
Forsch. 2; TL, 89. Schmitt, 108;
Westpr., 166. Pierson, Lit.-Aeq., 20.
2. Sperber, 38: die Lopatt und Lapatt
der Lauf des Hasen. Schemionek,
23: Lapattkeii die Vorderbeine vom
Hasen oder Wild. Hier das franz. la
patte Pfote. Daher auch übertragen
die Hand. Enem bt de Lapattkes nehme,
ihn bei den Händen ergreifen.
Lapitschkeschwenker, m., Slovake, der
mit MausfaUen etc. umherzieht, Töpfe
mit Draht bestrickt. Aus dem poln.
tapica Falle, Mausfalle, und dem deutsch.
schwenken*, letzteres wohl besonders in
Bezug auf den Draht. Westpr.; sie
heifzen hier nach Treicbel auch Lapki.
Man nennt diese Leute häufiger: Ratzi-
faller, Mausefaller.
Lapitzer, ?/»., s. Lappjuch.
Lapki, m., s.' Lapitschkeschwenker.
Lappchen, pltd. Lappke, n., Dem. von
Lappen, ein bil'zchen-, ein wenig. B}n
Lapke Heu. Treichel.
läppen, sw., schwatzen, albernes Zeug
reden, wobei Aufschneiderei und Luge
mit unterlaufen. Summa, welcher Na-
tivitetsteller am hurtigsten läppen kan,
ist der beste und wertheste Mann.
Lineu)., T la. Schmeller H, 486,
führt aus dem Jahre 1618 das Sprich-
wort auf: Thaler klappen, Wort läppen,
dicta mm sonant.
Lappen, m., in der Jägersprache die
Zeugflicken, welche an langer Schnur
ein Jagdrevier umschliefzen, um das
Wild von dem Durchgange abzuhalten.
Bricht es dennnoch aus dem Revier,
so ist es durch die Lappen gegangen.
Lost mer nich des meinste Wild dorch
de Lappes gehn! Dorr, Driewjagd.
Hiervon bildlich von einer Person, die
entkommen, oder einer Sache, die ver-
loren gegangen: sie ist durch die Lap-
pen gegangen. Gegenteils im eigentlichen
wie bildlichen Sinne: belappen, belapsen.
Hennig, U2. Sprw. I, 2300. Sper-
ber, 20. Schemionek, 23.
Lappen jagd,/., Jagdreiten ähnlich der
Schnitzeljagd ^ wobei die Wegstationen
durch Lappen bezeichnet sind. Trei-
chel.
Lapperei, /*., von Lappen. 1. das Zer-
lappte, in Lappen Aufgelöste, Plunder.
2. eine unwichtige, unbedeutende Sache,
Kleinigkeit. Manclier mochte wol sehr
weitlich lachen, wai^mb ich mit solcher
lapperey zu marckt käme. Linem.,
Uu4b.
läppern, sw., s. labbern.
10
Lappjach — lassen.
Lappjuch, m.^ abgerissener, in Lappen^
Lumpen, gehender Mensch, Herumtrei-
ber; ein solcher, der überhaupt nichts
auf sein Aufzeres halt. Auch Lapitzer,
m, Mühling. Lapitzer könnte wohl
von poln. lapica Falle abgeleitet sein.
Vgl. Lapitschkeschwenker.
Lappländer, m., ein in Kleidern her-
untergekommener Mensch, der in Lap-
pen umhergeht; von dem Bewohner
Lapplands ist nur des Scherzes halber
der Name geliehen. Sperber, 44,
schreibt LappUnder.
Lappsack, m., armseliger Mensch;
nach Mühling auch ein alberner, also
soviel wie Laps,
Laps, m., läppischer, alberner, un-
gehobelter Mensch; nach Treichel
auch Laphans, in den Gedanism. Flaps.
Es 18 ein rechter Laps. Du wärscht e
LapSy du bo8t e Laps on warscht e
Lapske hltwe, Sprw. I, 2304. Ee^ rep
de Spej'zmann: Oler Laps, nomm' dach
e Schnaps! Firmenich III, 116a. Bei
Bernd, 153: der' Ldppsch; bei Sall-
mann, 18b: Laps Eind. Davon lap-
slg, adj,, läppisch, albern, unreif an
Gestalt und Wesen. Er ist lapsig —
sieht lapsig aus.
tapsen, sw., entwenden, stehlen; auf
Exekution kommen. Davon Lapser, m.,
Dieb, im Ermlande mehr noch Exeku-
tor, lapsersch, adj.y diebisch; im Erm-
lande mehr abdringend, quälend, zwin-
gend. Mühling.
Lapshans, m., lapsig, adj., s. Laps.
Larbe, /., Larve. Man kennt den
Falcken an der Färb So hat sein (des
Bräutigams) Wandel keine Larb. Cann.
nupt I, 262.
Lanil, 9n., zunächst Lärm, dann, da
68 auf Hochzeit oder. Eindtaufe mun-
ter und laut herzugehen pflegt, Hoch-
zeits- oder Eindtaufisschmaus. Will bei
solchen Festen die Munterkeit nicht
recht aufkommen, so fragt man: ös
hier Zarm oder Larmf Samland. Zarm
(s. d.) = Festmahl beim Begräbnis.
Lftrmstange, /., grol'zcr Mensch, na-
mentlich grofzes Frauenzimmer. Sie
ist eine wahre Lärmstange,
Las, 77»., s. Lachs.
lasch, ad}., lässig, träge; feige, mut-
los, schlaff, matt; mnd. la>s, lasch; franz.
lache, En lascher Lakai g§ft ''nen
frischen Tapper (Zapfer). Dorr, 1.
Wiew., 18. Sperber, 44.
Lasche, Latsche, /. 1. ein als Keil,
Streifen oder Zwickel angesetztes Stück,
besonders an Kleidungsstücken. Die
Latsche im Hemd, Keil im untern Teile
des Ärmels; sie heifzt auch Winnlatsphe,
weil durch sie die Weite des Ärmels
gewonnen wird. Mühling. Klein
II, 233, hat für Danzig Windlatsche.
Die Latsche am Rock, die Platte an
der Seitentasche. Vgl. Adelang 11^
1910. Grimm, Wb. VI, 210. 2, Strei-
fen, Lappen, Fetzen überhaupt, er wart
also zuhouunn, daz man mocJUe schau-
win im hengin von dem libe bloz man--
chin vleischis laschin gröz, Jeroschin,
99c. Pfeiffer, 186. Vgl. latschen.
laichfir, adj., leicht^ bequem, unge-
zwungen, das franz. Idger, Sperber,
44.
Lasker, m. jüd. Vom. Lascaris. Fla-
tow. Schmitt, 112.
lassen, pltd. late(n) ia = d), st. 1.
sinere. 2. mögen, sollen. La/z er man,
mag er doch! La/z er man kommen!
La/z ihn man reden! La/z er das
nicht noch einmal thun! La/z er doch
gehen! Ldt em manrtde. Volksr., 38,
147. 3. kleiden, aussehen, sich machen,
sich geziemen, scheinen, das Ansehen
haben. Dat lett em e mal stramm, das
kleidet ihn einmal schön! 4. aufzer
Last — Latsche.
11
sich sein; sich nicht bergen, retten
können. Öck wüst mt nich to lote ver
Lache. Dat measchte huckt he (der
Späfzemacher) dem Lehra op'm Ledda^
de »öck ganich to loate umst Boldt,
7. Ahd. Idzan, Idzen, mhd. lazen. Vgl.
Sprw. II, 1658 f. ' ..
Last, /., Zasaromenfassung von 60
Scheffeln (Getreide) zu einer Einheit.
Ein Schiff von x Last^ zur Bezeich-
nung der Grölze des Fahrzeuges Vgl.
Wispel.
LastadiS, Lastadje, /., Ladeort an den
Flulzufem von Handelsstädten. Die
Lastadie (Laatadiengasse) in Königs*
berg — in Damig. Mnd. lastadie, hoU.
lastadje. Nach Adelung U, 1919, aus
dem von Last geformten mit. lastadium
und lastagium Ballast, Schiffsfracht,
fmz. lestage, engl, lastage.
Lasterbalg, m., Schimpfwort schon zu
Jeroschins Zeit . . . ein engistltche
valscheit, in der sich mit gelubede wdÜc
ziizin sus der lastirbalk 41b. kegn des
tuväs lastirbalc 46c. Pfeiffer, 186.
In jetziger Zeit ist Balg in diesem
Sinne sächlichen Geschlechts.
Labbauer, m.^ Bauer, dem Land und
Inventarium seiner Besitzung nicht
eigentumlich gehörten, sondern von
der Gutsherrschaft nur belassen vira-
ren; er konnte mithin sie auch nicht
vererben. Die weitere Vergebung der
Besitzung an einen der Angehörigen
blieb ein Vorrecht des Gutsherrn. Im
Öffentl. Anzeiger des Amtsblattes der
Eönigl. Regierung zu Königsberg, 1840,
Nr. 35, 8. 280, wird von Seiten des
Land- und Stadt-Gerichtes Wormditt
der adliche LaJzbaiLerhof Thalbach
Nr. 4, zum geistlichen Stifte Krossen
bei Wormditt gehörig, zum Verkaufe
ausgeboten. Mühling.
Lafzbauerhof, m.^ Hof eines La/zbauem.
S. das vor.
LafzdUnkel, m., eingebildeter Mensch.
Dieses sei zu gefallen dem Einfältigen,
atu:h wol vielleicht einem und dem an-
deren La/zdünkel cmgezeiget. Linem.,
S2b.
lat, adv., spät. En bet to lat, is vel
to lat, ein biizchen zu spät, ist viel zu
spät. Gr. Werder. Freej op de Beer!
on lat fiit Bedd. Dorr, 1. Wiew., 27.
Leewer dree Stunden to freej, as eene
Minut to lat Ibid,, 50. In Hessen
Mte spät am Tage, zur Abendzeit.
Vi 1 mar, 237, Vgl. lOt
LatallHz, m., dämonisches Wesen, dem
Alf (s. d.) gleich, schwarz mit feurigem
Schweife, der den Seinen durch den
Schornstein die Kisten und Kasten mit
Schätzen füllt. Er hat den Latallitz,
ihm gedeiht alles. Mewe. Berent.
Carthaus. Treichel. Vgl. Parok.
Latke, Latkeblatt, Pflzn., s. Lottchen-
blatL
Latsch, f. Bei Pr.-Eylau Name fQr
ein Wäldchen : die krumme Latsch. Mnd.
las, lasche, keil- oder zwickeiförmiger
Streifen; Gehre. Mnd. Wb. H, 630a.
Vgl. Lasche.
Latsche, LAtsche, / 1. plumper,
groizer Fufz; Latschen, plur., auch weit
ausschreitende Beine. Sperber, 42.
2. schlechter niedergetretener aus-
schlüpfender Schuh. In Hessen Datsche,
Latschen^ Latsche der aus Lumpen oder
Salbenden zusammengenähte oder zu-
sammengeflochtene Schuh (wohl unsere
Wuschen) ärmerer Leute, zumal der
Frauen; von Tatze. Vilmar, 66. 238
In Posen Latsche in ihrem Anzüge
nachlässige Person, namentlich weib-
lichen Geschlechts. Ich bin ein Ldht-
schel gewesen, desto besser kann ich jetz
12
latschen — laufen.
vnrthschaften. Soph. R. I, 634. 3.
Federbüschel an den Füfzen der Hüh-
ner und Tauben: LaUchfufze^ haizehr-
kühner^ Latschtatiben.
latschen, »w., auch latschen, in Lat-
schen gehen; schlürfend, schleifend
gehen, als trüge man latschen. In Est-
land litsch-latsch lautnacbahmend vom
schleppenden Gang. Sallmann, 70a.
verlatschen, Schuhe schief treten, aus-
treten, zu Latschen machen; auch aiis-
latschen, herumlatschen, latschend um-
hergehen, in latschigem Schuhwerk
gehen. Marold hat für latschen und
die Komposita lautschen, Treichel
ISschen; auch: Eine 'runtei^ldtschen^ eine
Ohrfeige austeilen.
latschig, läbchig, adj. von latschen^
nachlässig, ohne Halt; von der Klei-
dung, vom Gange. Südlich und Iaht-
schig bei zunehmendem Mangel. Soph.
R. HI, 231. Die des morgens recht
lahtschig aussehen. Ibid. VI, 477.
Schemionek, 23: ladschig. Vgl.
schludrig.
Lattenzaun, pltd. Lattetfin, m., Zaun
aus Lattenstaben oder Staketen, daher
auch Stakfitenzaun.
Latze, /v Klappe oder auch (neuer-
dings) Spalte an der Männerhose; sonst
allgemein der Latz. Vgl. Brustlatz. S.
Grimm, Wb. VI, 282.
lau, adj.^ mild. Laues Wetter; lauer
Winter. Schon bei Jeroschin: Nu
was der wintir aho Id 70b. Pfeiffer,
185.
Lau, m.y der Leu, Löwe. In Danzig
heilzen Speicher: der goldene, der rote
Lau (Passarge, 112); in Königsbei^
giebt es einen Lauen-Krug.
Laube, im Ermland Lfiwde, /., be-
deckter, vom und an den Seilen offe-
ner Vorbau, von Säulen getragen. Bei
den Häusern um den Markt in Marien-
burg und in den ermländischen Städ-
ten, wo die an einander hängenden
Lauben einen verdeckten Gang die
ganze Marktstrafze entlang oder den
Markt umischlielzend bilden. In den
Lauben, im Volksmunde Lewen^ Löwen,
Lewden, bieten Kleinhändlerinnen ihre
Waren feil. An den vereinzelt stehen-
den Landhäusern nennt man diese Vor-
hallen Vorlauben (s. d ). Schlecht ver-
hochdeutscht von dem altpr. lubbo^
Zimmerdecke, Bretterlage über den
Balken, lit. lubcL, gew. im Plur. lubos;
im Lett. ist lubba wie oben Laube.
Zu vergleichen poln. lub Wagendecke,
russ. pa-liiba Schiffsdeck. Nsslm.
Thes., 97. In Posen LöwCy Ijobe. Bernd,
158.
Lauben, m., Fischn., s. Häsling.
Laubenkraut, n., gemeiner Teufels-
zwirn, Lycium barbarum L., weil es
als Zierstrauch zu Lauben herangezo-
gen wird. Treichel, Volksth. II.
Lauchel, Pflzn., Knoblauchs-Hederich,
Erysimum alliaria L. Hagen, 694.
Lauenberg, Wald zwischen Herms-
dorf und Zinten. Gd na Laueberg Zege
hede. Zum alten tJunggesellen, zur alten
Jungfer. Sprw. I, 1146.
Lauend, /, s. Leinwad.
lauem, pltd. lQre(n), ^ir., harren, war-
ten. Ldt ons nick lang Iure, Det Ber
wat*d ans versure! Volksr., 225, 12. S.
belauem.
laufen, pltd. Idpe(n), st. 1. in Redens-
arten: Er läuft sich die Beine ab —
läuft sich das Genick ab — er bemüht
sich ei£rig, namentlich durch viele Gänge
um eine Sache. Er läuß, dafz ihm
die Hacken ßiegen, sehr schnell. Er
läuft wie ein Fajzbinder — wie die
Katz von Sinnen (?). He lept mot de
Lvs dm e Wedd. Wer läu/t^ ist gut
Jagen, Hei lept tcie de Filzlüs op de
Laufschwarke — Laaser.
13
geteerte Presenning. Lat em lope, os
nich om Foss. Vgl. Sprw. I, 2318 ff.;
II, 1661 ff. 2. von Gefafzen, die leck
sind: der Eimer — die Wassertanne
lauft.
Laufschwarke, /., die laufende, d. i.
schnell ziehende Schwarke (s. d.) =
Regenwolke. Hennig, 142.
Laufspule, pltd. LOf-, LOp8pOI(e), /.,
groJ'ze Spule, worauf das zur Scherung
gehörige Garn von der Garnwinde mit-
tels des Spulrades (mit breitem Lauf)
gewunden wird. Die Zahl der Lauf-
spulen beträgt gewöhnlich 20, oft noch
einmal so viel. Auf jede Spule mui'z
das gewisse Garn, die bestimmte An-
zahl Stucke, Gebinde kommen. Das
• Wirkgestell, 126.
Lauftagel, m., bei Stein, Peregrinus
III, 7, unter res nauticae, Tagel (s. d.)
s. V. a. Strick.
Laura, blav£^ Pflzn., Winde, ConvoU
vtdus tricolor L, Weichseldelta. Trei-
chel, Volksth. IH.
Laurin, Pflzn., gemeines Tausend-
guldenkraut, Efryihraea centaurium L,
Hagen, 255. Hennig, 143.
Laus, pltd. LOS, f. Vielfach in Sprich-
wörtern und Redensarten. £}r hat sich
eine Laus in den Pelz gesetzt Wenn
de Lüs ut em Schorf gehawe ward, denn
ward se schäftig, E Lus ön e Komst
os beter als gar kein Flesch. Wenn der
Junge die Mutze abzunehmen vergifzt
(beim Grul'z oder Eintritt ins Zimmer):
Jungy hast Angst, dat dt de Lues ter-
frere. Vgl. Sprw. I, 2324 ff. Studen-
tischer Ausdruck: Nicht die Laus, nicht
das Geringste. Der Mensch, vergUchen
mit der Laus: Wie eine Laus kriechen;
— geschäftig — karsch — lustig —
schäftig sein; wählig sein wie eine Laus
int Schorf; — sich pflegen — den eige-
enn Willen haben wie eine Laus im
Schorf; — karwendig — luchter sein
wie eine Kleiderlaus; — einem auf dem
Halse sitzen wie eine Laus, Korrespbl.
m, 52.
Lausangel, pltd. LOsangel, m., Schimpf-
wort; dem eigentlichen Sinne nach zer-
lumpter, lausiger Kerl, „gleichsam eine
Angel für die Läuse**. Sperber, 20.
Das Brem. Wb. I, 18, weist für die
Herleitung auf die alten Angeln hin,
„welche (ihrer Seeräubereien wegen)
vielleicht bei den übrigen Sachsen im
Übeln Ruf gewesen als heimtückische
und garstige Leute . . . , so dafz man
einen verhalzten Menschen einen An-
gel genannt hat**. Da aulzer Laus-
angel (hier übrigens Lau-sangel ge-
sprochen) anderweitig noch weitere Zu-
sammensetzungen mit Angel auftreten,
wie: Netangel, der Nisse, Lauseier hat,
Fretangel Fresser, Fletangel Grobian,
Zotenreii'zer, Glür- oder Lürangel heim-
tückischer, lauernder Mensch, Spudd-
angel Schmutzfink u. a., so deutet das
Mnd. Wb. I, 88b an, dafz Angel sich
vielleicht auf anghe (^hanghe) Natur,
Wesen, Gewohnheit (bei uns auch
Angewohnheit) zurückführen lasse.
Lausbart, pltd. LQsbart (a = a), m.,
Kerl, der im Bart Läuse hat; Schimpf-
wort.
Lauschenknicker , pltd. LQskeknUcker,
Läuseknicker, in der Kindersprache der
Daumen. Volksr., 32, 124.
lausen, pltd. IQse(n), sw. 1. nach Läu-
sen suchen. 2. einen züchtigen, . durch-
prügeln. Öck war dt lüse! als Drohung.
3. betrügen, ausbeuteln. Se hebbe mt
got gelüst.
Lausepulver, n., s. KuckuckssaaL
Lauser, pltd. LQser, m., Mensch, der
Lause hat. Bei Stein, Peregrinus
XIII, 88, unter den Schimpfwörtern
neben Lausbart, Das. 90: Laushund,
14
lausern — lawen.
Lauspungel als Schimpfwort unter Ehe-
leuten. W. Mtsbl. VI, 159. 173.
lausern, pltd. iQsem, sw,^ lauernd zö-
gern, zaudern, verziehen, saumselig
warten, langsam sich fördern, langsam
arbeiten. Latcser nicht so lang!
Lausetag, pltd. LQsdag, 7/1., Tag, an
dem den Kindern die Läuse abgekämmt
werden, der Sonnabend. Vgl. Kamm-
tag.
Lausharke, /., Harke, Rechen, für
Läuse, Umschreibung für Kamm. Volks-
ausdruck?
Laushund, m., Schimpfwort, s. Lauser.
lausig, pltd. IQsig, adj., mit Läusen
behaftet. Beliebtes Schimpfwort: lau-
siger Kei*l — Hund etc.
Lauskamm, m., Kamm für Läuse,
dichtef Kamm. Vgl. klattem u. Nufz-
kamm.
Lauspungel, m., Schimpfwort, s. Lau-
ser.
Lauswenzel, m., schlechter Rauch-
tabak, Tabak, an dessen Rauch selbst
Läuse zu Grunde gehen. He schockt
ml na e Packke vom dtre LvswenzeL
Kgsbg. Firmenich I, 102b.
laut, pltd. IQt, adj. laut werden —
vom Hunde, der auf der Fährte des
Wildes anschlägt. Wenn §k dittmal
lud warr^ on §k heww keene Spar (Spur,
Fährte)^ denn trat mi miendag nick
mehr. Dorr, 1. Wiew., 101.
lauten, pltd. lUdde(n), sw., läuten. Die
Glocken lauten.
lautschen, sw.^ s. latschen.
lavieren, pltd. Iaw6re(n), 8w. 1. hin
und her segeln, um gegen Wind vor-
wärts zu kommen. 2. bildlich: widri-
gen Verhältnissen durch Abwarten und
geschicktes Entgegenwirken vorbeugen,
entgegen arbeiten, Umwege, Umschweife
machen, wenn man auf geradem Wege
nicht zum Ziele gelangt. He lawert
vne Boldt öm Landgräwe^ er kommt
nicht zum Ziel. Danzig. Sprw. I, 2339.
Hennig, 143.
Lftwd, /., s. LAwe.
Lftwe, LAwd, LAbe, LObde, LUwd, /.
1. Verlobung, die im Ermlande feier-
lich durch den Geistlichen geschieht.
Item^ Wann Lobde geschickt^ da.zu sollen
personen vber fünff nicht körnen^ den
Breütigam mit ein gerechent Kleider-
Ordnung in Königsberg. N. Pr. Prov.-
Bl. a. F. Vn, 374. De Lawd on de
Kesting koste foats e poa Hundat. Ermld.
Freisch., 10. 2. der Schmaus nach der
Verlobung. Ermland. Mnd. lovede,
lovete^ lofte. Nsslm., Forsch. 2, führt
die Formen Ldwe, Lobe^ Lobde auf
das Altpr. zurück; sie gehören nach
seiner Angabe augenscheinlich der Wur-
zel an, von der wir im Katechismus
lubnigsy luieniks der Kopulierer, lubir-
laiskas Traubuch, Trauformular, sa-lu-
ban^ salavban Ehe, sa-lubsna Trauung
haben. Lit. litibyju^ liübyti gern haben,
lieben, susi-liübyti sich lieben, Neigung
haben einander zu heiraten. Vgl. auch
Nsslm. Th., 97,
LAwegeld, Lobegeld, n., Abgabe, welche
bei der Verlobung eines Paares zu
entrichten war. Wir heben auf und
tödten in ganz Preussen alle üngelde^
Accisen^ Lawegelde etc. Begnadigungs-
schrift des Polenkönigs Wladislaw Ja-
gello v. J. 1410. Verschieden im Sinne
ist das Lobegeld der älteren deutschen
Rechtssprache, lat. laudemium. Vgl.
Adelung II, 2082. Nsslm., Forsch.
2. Hennig, 143.
Lawelbier, pltd. LawelbSr, n., mnd.
lovelber^ Gastmahl bei der Verlobung,
Verlobungsfeier. In der Landesordnung
des Siegfried von Feuchtwangen, Art.
12. Hennig, 143. Vgl. Kindelbier.
läwen, sw. 1. loben, preisen. 2. dem
Lebas — Lebenskraut.
15
Werte Dach schätzen, veranschlagen, sön, Dat ös e Lewe vde öm Lehm, Das
den Preis angeben. Wat Idwe se dat Leben üt jetzt Gras^ es geht damit zu
Toppke, was loben sie das Töpfchen, Ende, ist in Gefahr; auch als scherz-
was soll es kosten? 3. verloben. Das hafte Drohung. Vgl. Sprw. I, 2340 ff.;
ahd. lobon^ hpon u. loben^ wie das mhd. II, 1671 ff. 2. lautes, unruhiges We-
loben haben aufzer der Bedeutung un- sen, Lärm. Mach nicht solch ein Le-
ter 1, auch noch die von geloben und hen! ruft man dem lärmenden Knaben
versprechen. Vgl. Lftwe. zu. Er macht von der Geschichte ein
Lebas, m.^ fauler, träger Mensch, so grofzes Leben, d. i. Aufheben, spricht
Treichel. Wäre das Wort gleichbed. viel darüber.
mit Dummkopf, so würde es zurück- Lebensbaum, m., wuchernder Stein-
zufuhren sein auf das poln. ieb Kopf brech, Saadfraga sarmentosa L., auch
in verächthchem Sinn. Mrongov. I, Schusterblume, (?). Treichel, Volksth.,
193a. Vgl. Lorbas.
lebbem, sw.y s. labbern.
II, 20.
Lebensgeist, pltd. Lewensgeist, m., Zu-
leben, pltd. Iewe(n), sw., in zahlreichen sammensetzung aus Oeist und Leben.
volkstümlichen Redensarten und Sprich- He heft Lewensgeistei'y er ist ein geizig
Wörtern: Er lebt auf Regiments ünr begabter, geweckter Kopf.
hosten — vom Winde — von Essen und Lebenskraut, pltd. Lewenskrflt, n., Fett-
Trinken — wie Gott in Frankreich — henne, Sedum telephium L. Der Name
wie die Made im Speck — wie ein Mo- rührt daher, dai'z die Pflanze, in freier
tador. He lewt üt Solt on Wäter^ sehr Luft hängend, zu vegetieren fortfahrt
elend — wie Forschte Sü on e Sesswäke^ und, nach der Volksmeinung, Leben
es geht ihm sehr gut. Er lebt vne der und Tod anzeigt; daher beü'zt sie nach
Bauer auf seinen Hufen — tvie der Mühling in der Gegend von Rössel
Bauer Kieunt in Lohberg — une der auch Leben und Sterben. Hagen, 478:
fapst von Lenzen — he lewt so as Bo- Wenn sie in einer Stube, worin ein
napat om (am?) Heckeposte. Jerrento- Kranker ist, unter den Balken gescho-
witz. Er lebt auf seine eigne Hand und ben, aus wächst, so zeigt dieses die
kocht sieh selber. Je länger da/z man Wiederherstellung des Kranken an; ge-
lebt, je mehr einem widerfahrt. Pannke schiebt dieses nicht, so hält man ihn
fett leben. Wt lewe rtw on niche Johrke für verloren. Nach Hagen, a. a. 0.
so lang. Warscht lewe, warscht sehne — schleicht sich auf dem Lande das un-
war wie lewe, war wi sehne u. a. Se verheiratete Gesinde in der Johannis-
lewe vom Profit on föhre Stdt vom Be- nacht, weun der Hahn zum erstenmal
drege. Dönh. Vgl. Sprw. I, 2346 ff.; kräht, auf das Feld und sucht die
n, 1674 ff.
Pflanze auf. Diese wird den folgenden
Leben, pltd. Lewe, in der Dzg. Nhrg. Tag zwischen 11 und 12 Uhr mittags
LBwen, n. Vi o 16t, 102. 1. in Sprich- unter einen Kreuzbalken versteckt und
Wörtern und Redensarten: E Lewe ohne täglich besehen. Hält sie sich bis den
Lew ÖS wie e Hund ohne Zägel — toie zwölften Tag frisch, so bekommt die
e Hund fei' e Gfvsche. He frett sock Dirne in dem Jahr einen Mann und
dat Lewe af er verzehrt sich in Gram, der Knecht eine Frau. Verdorrt sie
Fer solk Lewe schon lewer verheiräft dagegen, so bedeutet dieses Böses
tma»
uBSsacaBM
JEm
16
Leben — Lecks.
und wohl gar den Tod dessen, der eine
fröhlichere Vorbedeutung erwartete.
In der Gegend von Saalfeld wird als
Lebenskraut Sedum mcucimum unter
die Stubendecke gehängt „für jeden^
wo (den) man will: für Vater, Mutter,
Schwester etc." Abgekochtes Sedum
max. liefert einen heilsamen Trank.
Auch benutzt man nach Treichel im
Weichseldelta als Lebenspflanze den
Gartenkohl, Brassica oleracea L., indem
man am Johannisabende einzelne Pflan-
zen für die Angehörigen einpflanzt.
Weil die Pflanze in der Johannisnacht
gesammelt wird, heifzt sie auch Johannis-
kraut Vgl. Volkskal., 113.
Leben und Sterben, Pflzn., s. das vor.
Leberwurst, pltd. Lfiwerworscht, /. 1.
Wurst von Leber. 2. Name im Volks-
witz: Hans Hans Lcwerworscht^ lewt
dtn öl Wiw noch? Ja^ ja^ se ISwt noch^
liggi öm Bed on zabbelt noch,
Lechel, n., s. LächeL
lecken, pltd. lUcke(n), sw. 1. rinnen,
triefen, tropfenweise flrel'zen. Der Eimer
leckt^ er hält nicht dicht, ist verspakt.
Hennig, 144. Die Nase leckt ihm^
er hat starken Schnupfen. Das Blut
leckt" ihm man so aus der Nase, ihm
blutete die Nase heftig. Bildlich: Es
leckt ihm in die Bude, er hat Schaden,
Unglück. 2. wenig, oder mit Unlust,
langen Zähnen essen. Vom Lecken wird
keiner fett. 3. trinken. Hesiu ml sehne
locke! d. i. mit Begierde und Wohl-
behagen trinken. Carm. nupt I, 282,
15. 4. küssen. In ihrem (der Nadrauer)
Ehestande wird man aber nicht gewahr,
dass sie si<;h so öf entlich lecken, als man
toohl bei den jungen deutschen Eheleuten
siehet Pierson, Matth. Prätor., 93.
Das viele Lecken setzt blaue Flecken,
die Zärtlichkeit während der Braut-
schaft schlägt in der Ehe oft in ihr
Gegenteil um. Wenn vmn en Possken
von erem Fell on Leppen leckt Carm.
nupt. I, 298. 5. sich sauber und rein-
lich kleiden. Sie ist wie vom Bullen
geleckt, namentlich, wenn das Haar glatt
und glänzend gemacht ist.
Lecker, m. 1. Appetit, lebhafte Be-
gierde, heftiges Verlangen. Sich den
Lecker stillen — vergehen lassen. Der
Schmecker verdirbt den Lecker^ zu Kin-
dern, wennsie sich etwas „zu schmecken*
erbitten. 2. die Zunge. Sich den Lecker
verbrennen.. Sprw. I, 2379.
leckern, sw., naschen, für Süfzig-
keiten das Geld verthun; liebeln. S.
löffeln.
Leckgut, n. über die Schweinsborsten
haben die Königsbergische Bürstenbinder
ein Privilegium, da/z kein sogenannte
Leckgut, welches weifze auserlesene £(w-
sten sind, ohn ihre Marke im Handel
vertrieben werden kann, Bock, Nat.
IV, 248.
Leckkuchen, m., Lebkuchen, Honig-
kuchen. Thomer Leckkuchen. Bock,
Nat. I, 269.
leckmaulen, pltd. lUckmQle(n), sw., das
Maul, die Lippen lecken, nach etwas
starken Appetit haben. Ile leckmült
OS Lemke's Bock ndm Arftestroh. He
löckmiUt wie de Domnausche StadtboU.
In Domnau hat man einst den Stadt-
bullen an einer um den Hals gelegten
Schlinge aufs Stadtlhor gewunden, da-
mit er das dort wachsende Gras ab-
weide. Als das in der Luft schwebende
Tier, dem Ersticken nahe, die Zunge
zum Rachen herausstreckt, schreien die
Domnauer fröhlich: Seht, seht, nun
leckmault er schon nach dem Grase!
Vgl. Sprw. I, 2381.
Leckmeritzensaft, m. , Lakritzensaft,
SUCCU8 liquiritiae.
Lecks mir am langen Widerhaken, Me-
Leckwerk — leg.
17
dikament. Elixir ad longam vitam.
Königsberg.
Leckwerky n., Med., EUctuarium e
Senfut.
L6d, n. 1. Lied. 2. Leid. Mtn's
graten Leck! ist nach Bock, 31, und
Hennig, 144, durchgängig die Aus-
ruf ungsformel bei Schreck oder Ver-
wunderung, oder auch, wenn man etwas
Übles befürchtet. Nach dem Preulz.
Archiv I, 530, lautet der Ausruf: Meins
grojze Lids! Er hat sich ein Leid ge-
\han^ er hat sich ums Leben gebracht.
3. Glied. Vgl. Udwasser.
LCde, ^/., wüst hegendes Land, na-
mentlich in Niederungen ; von leg (s. d.).
Eis ist sehr wahrscheinlich^ dafz hieseihst
nctch 20 oder 30 Jahren keine Brücher,
Leeden und ungebauete Felder dürften
angesoffen werden; die wenigere aus-
genommen ^ so einer Verbesserung un»
fähig sind, Bock, Nat.l, 639. Grimm,
Wb. VI, 537: Lehde.
Leder, n , Haut des Menschen. Einem
aufs Ledergehen, ihm mit Prügel drohen,
ihn durchprügeln. Sprw. I, 1. Enem
op*m Ledder hucke^ ihn belästigen mit
Besuchen, Aufträgen, Späl'zen etc.
Ledering, /., s. Gadder.
Ledermatz, pltd. Leddermatz, 9n.,
Schimpfwort: er ist ein rechter Leder-
matz. Gedanism.
Lederung,'/., s. Gadder.
ledig, pltd. leddig, adj. 1. ledig, leer.
De Buk ÖS leddig, der Bauch, d. i. der
Magen, ist leer, ich bin hungrig. 2.
unverheiratet öck si noch leddig, Se
ÖS en leddget Fntenzömmer. Schon bei
Jeroschin: do quam ein ledic vrouwil
gdn 64b. Pfeiffer, 186.
LMkauf, LTdkauf, m., eigentlich Leid-
kauf, das festgesetzte Reuegeld, das
beim Rücktritt von einem Kaufe zu
zahlen ist Hinzuweisen ist auf das
Fritehbier» Wörterbuch II.
mlat. leudum Währgeld. Vgl. Lein-
kauf.
Lfidwasser, n., Wasser im Led, Glied,
Gliedwasser, Eiterwasser unter der Haut
bei Wunden. Im Brem. Wb. IH, 64:
Ledewater,
Ifidweg, I6dw6gig, adf, in Königsberg
auch I6gw6lig, wackelig, gebrechlich,
ohne Festigkeit und Halt in den Glie-
dern oder Fugen. Von Möbeln und
anderen Sachen, aber auch vom Men-
schen. Das Rad am Wagen ist led-
wegig. Ein ledwegiger Stuhl, Tisch —
ein ledwegiger Mensch, ein lang auf-
geschossener Mensch ohne Festigkeit,
Halt und Kraft. In Hamburg und
Bremen ledeweek, Brem. Wb. III, 64.
Der erste Teil des Wortes ist LM,
Lid, Glied, der zweite in dem ham-
burg-bremischen ledeweek: wek weich.
Hennig, 144.
Leffel, pltd. LSpel, m., s. LOffeL
leffeln, pltd. ISpeln, sw,, s. löffeln.
I6g, lag, adj. 1. niedrig, seicht; ahd.
läge, mnd. lech, lege, ags. Iah, holl.
laag, leeg, dän. lav. Der Stuhl ist lag,
niedrig. Der Bach ist lag, seicht. Det
läje Föld öm Woater steit Dorr, 18.
In Elbing giebt es eine hohe und eine
leege Brücke, letztere stromabwärts von
ersterer gelegen, in Danzig ein hohes
und ein leges Tlior, auch eine lege Stadt,
Niederstadt, als Stadtteil. Als Sub-
stantiv L6g, /., niedrige Fläche, Thal.
Der Weg in der Leg ist recht schlecht
Saalfeld. Auch auf Personen ange-
wandt: Hoch on Leeg bedreegen, Rick
on Arm, hoch und niedrig betrügen,
reich und arm. Dorr, 1. Wiew., 22.
Ludewig Napolejohn, so'n Kerl, so leg
on wenig. Volkslied: Dat Danziger
VoUblod. 2. abgeschrägt, abfallend zur
Niederung. Ein Grahenufer ist leg, es
schrägt sich zur Tiefe ab. Vgl. Brem.
2
18
LegaD — lebreii.
Wb. III, 4: laag. Schütze II, 19 u.
Dähn., 271a: leeg. Hennig, 144.
Sperber, 21. ScLemionek, 23.
Grimm, Wb. VI, 68.
Legan, d. i leg an, mache Halt, Name
für Gast- und Wirtshäuser. Vor dem
Steindammer Thor Königsbergs gab es
ein Wirtshaas Legan, das durch den
Festungsbau beseitigt ist, \vähren(l das
benachbarte Sprechan^ d. i. sprich an,
noch heute besteht. In Danzig ein
Legan an der Weichsel. Hennig,
144.
Ugde, /., s. Lege.
Lege, pltd. Legg, Legge, /., von legen^
det Hintere der Hühner, weil sie aus
demselben die Eier legen. De Legg
heft sock schon ganz verändert^ de Höh-
net' wäre bölä legge. Übertragen auf
den Podex des Menschen. Er hat eine
gute Lege, Ihm rei/zt die Legge aws,
er läfzt einen fahren. Samland (Kor-
kehnen).
L6ge, LSgde, /., von leg^ läg^ niedrig
gelegene Stelle, Vertiefung in 11 acher
Gegend. Mühling.
Legel, n.y s. Lächel.
legwSlig, adj,^ s. ledwSg.
Lehmblätter, Pllzn. , groi'z blättriger
Huflattich, Tussilago petasites L, S.
Lottchenblatt u. Pestilenzwurzel. Hagen,
867.
Lehmdiele, pltd. LehmdSI, /'., Scheu-
nendiele, Tenne, weil der Fulzboden
aus festgeschlagenem Lehm besieht.
Lehmkaule, /., s. Kaul.
Lehmpatze, /., Ziegel aus Lehui, in
der Luft getrocknet, also ungebrannt.
LehmstAke, /., Fachwerk mit hölzer-
nen Sprossen (ßuikeri)^ welche mit Lehm
ausgeklebt sind. Mühling. Nach
Treichel Füllung in Wänden, wozu
Stücke Ziegel nebst Lehm und Stroh
verwandt siod; auch Klebst&ken. Nach
dem Mnd. Wb. H, 662b, lemstaken
Flechtwerk von Zweigen und Pfählen
mit Lehm dazwischen.
Lehne, /., Pflzn., s. Leinbaum,
lehnen, lenen, leinen, sw,^ leihen, bor-.
gen. Lehn mir doch dein Messer!
Ebenso in Liv- und Estland. Hupel,
141. Mnd. lenen^ leJienen, leinen. Da-
von ablehnen, . weglehnen.
Lehnsleute, plur.^ Bezeichnung für
alle diejenigen, welche in der alten
Verfassung bei den Anstalten zum Han-
del beschäftigt waren, als die Korn-,"
Holz-, Herings-, Gewürz-, Flachskapi-
tane, die Messer, Braker etc. Sie
wurden mit ihrem Amte vom Magistrate
belehnt und eingeschworen, bildeten
eine Körperschaft und konnten ihr Lehn
auch an andere Personen verkaufen.
Danzig. W. Seidel, 32. Vgl. Be-
lehnter.
Lehr, /'., Lehre. 1. Unterweisung in
den Fertigkeiten eines Handwerkes.
Er ist beim Uhrmacher in der Lehr,
2. Unterricht der Konfirmanden in der
Religion durch den Geistlichen, und
dann gewöhnlich Kinderlehre (s. d.).
Sie geht in die Lehr, Oberland. 3.
Unterricht überhaupt. Hei ös schlecht
ön e Lehr^ vom Schüler, der Lehre
und Unterricht nur schwer zu fassen
vermag.
lehren, pltd. ISre(n), oberländisch ITren,
5w;., Verwechselung mit leimen^ wie
lernen mit lehren. De Jung lehrt nuscht
ön e Scholz der Junge lernt nichts in
der Schule. De Mönsch ward alt wl
e Ko on lehrt (lernt) Ö7nmer Tnehr dato.
Sprw. I, 44. Ga ön de Schul on lehre
wat. Volksl., 25, 16, 3. Zum Lehrer,
dem die Mutter das Söhnchen ziiführt:
Lernen sie ihm doch man gut. Wer
hat dir das geleimt^ Ebenso scliwed.
löra lehren und * lernen, hoU. leeren.
Lebrkind — Leibstuck.
19
Bei Jeroschin (3070. Strehlke): Di
Jüdin — bi in (den Heiden) stritin
lerten und dt iei*e kei*tin vurbaz ouch
an ire kint S. ablehren.
Lehrkifid, n., Konfirmunde.
Leib, pltd. LIW, n., Leib, Bauch, Ma-
^en. Ins Leib schlagen^ essen. E
Schdlche (Schälclien) icas Warmes ins
Leib, Das Leib tJiut mir weh. Ich
hab' ein schlhmnes Leib^ Durchfall mit
Leibschmerzen verknüpft. Die schmerz-
lose Diarrhöe bezeichnet man mit
boses^ offenes Leib, Sie hat sich den
Leib vollgeärgert^ ist schwanger gewor-
den. In der Zusammenfugung mit Le-
ben : Bei Leib und, Leben nicht, durch-
aus nicht. Es fror mich übei* Leib
und Leben^ am ganzen Leibe. Dat ös
hei möt Ltw on Lewe, das ist er, wie
er leibt und lebt. Eebb eck mtns Lfws
Letvs Dag solk Titverdrtw gesöhne!
Carm, nupt I, 282, 9. Uennig, 144.
Leib, m. jüd. Vom., Levi. Auch
Leibusch^ Lab^ Lobel, Flatow. Schmitt,
112.
Leibchen, pltd. Uwke, n., Dem. von
Leib^ pltd. Ltw, Frauenjacke ohne
Ärmel, Mieder, Weste, Joppe.
Leibchenkraut, pltd. LlwkekrQt, Pflzn.,
domige Hauhechel, Ononis spinosa L.,
also Leibeskraut, Kraut für den Leib.
Es dient mit vielen anderen Pflanzen
präparieit als Mittel gegen Schwind-
sucht. Der Name hängt wohl zusam-
men mit der poln. Bezeichnung babie
drzeuso = Frauenbaum. Treichel,
Volksth.
Leibgericht, pltd. LTwgerUcht, n., Ge-
richt, das man gern il'zt^ das dem Leibe
lieb ist. Heute hat die Mutter viein
Leibgericht gekocht. Gliek bringt evi de
Mutschke ok hiede sien Lietvgeröcht
Boldt, 19. J}bs> Leibgericht wird dem
Kinde gewöhnlich zum Geburtstage be-
reitet.
Leibkuchen, pltd. LTwköke, m.^ kreis-
runder, aus Butterteig gebackener Ku^
chen, der vorzugsweise an Festtagen
beliebt ist. Zu Bocks und Hennigs
Zeit pflegte man am Neujahr recht
grolze Leibkuchen zu bereiten. S auch
Bock, Nat. 1, 270. Bock, 30, erzählt
noch, dalz abergläubische Leute auf die
Neujahrs-Leibkuchen vor dem Backen
die Namen der Personen kleben liefzen,
an welche sie dieselben verschenken
wollten. Derjenige, dessen Kuchen ge-
borsten war, mul'zte, nach ihrer Mei-
nung, in dem Jahre sterben. Der Stamm
des Wortes ist. wohl das goth. hlaifs^
hlaibs Brot, ahd. leib, leip und hlaiba,
laiboj mhd. leib Laib, geformtes Brot;
ags. hldf, engl. Icaf schwed. lef, böhm.
chleba^ poln. chleb, ser b , hlab. Schade,
404b. S. Adelung II, 1997. Hen-
nig, 144. Sperber, 20, erklärt Lcmä-
kuchen als Lebkuchen, was, wenn da-
mit der Pfeflferkuchen gemeint ist, we-
nigstens für Königsberg unrichtig ist.
Sperbers Erklärung als berechtigt an-
genommeu, wäre das Wort auf das lat.
libum Kuchen, Opferkuchen zurückzu-
führen. * •
Leibrock, pltd. LTwrock, m., Frack.
Zieh den Leibrock an, zieh den Leib-
rock an, am Sackrock sind nicht Knopfe
dran, Dönh. Sprw. II, 1 693. S.Sper-
ber, 20.
Leibschneidung, pltd. LTwschnTdung, /.
u. n., Leibschneiden, Schneiden, Schmerz
in den Eingeweiden. Ock hebb son
Ltvfschntdung,
LeibstUck, pltd. LTwstOck, n., Rumpf,
torso; Kleidungsstück, Weste. Rock
on kein Liefstock dran. Volksl., 87,
22. Junge Frü möt dem öle Ltwstock,
2*
20
Leibtage — Leink&fer.
als neckeDder Zornf an Mädchen und
Frauen, ist doppelsinnig.
Leibtage, plur,^ Tage meines Leibes;
in der Zusammenziehang mit Lebtage^
Tage meines Lebens. Gedrungen! mein
leibundlebtagef Soph. R. VI, 325.
Leibwehtage, /*., s. Wehtage.
Leichenträger, pltd. LTIcedräger, m. Er
ist besoffen wie ein Leichenträger. Eönigs-
berg.
Leichtericahn, m., s. Lichter.
Leidalc, m., s. Laidalc
Leiden, n. Bjt ist im Leiden, er hat
einen Rausch. Tiegenhof.
leiden, sw, 1. leiten, führen. 2. ge-
leiten, begleiten. In erster Bedeutung
pltd. ledde(n), ahd. leitan, mhd. leiten,
alts. Irdjany in zweiter pltd. leide(n),
ahd. Itdan, liden lidin, mhd. Itden einen
Weg nehmen, gehen, fahren. Schade,
545 a. 553 a. Dat Perd to Uid^ spanne,
das Pferd als leitendes spannen, als
Leitpferd, Leinenpferd, Sattelpferd.
leidern, sw,, klagen. Hei leidert noch
emTner öm das schone Geld, das er dum-
mcUs (damals) verlor. Saalfeld.
Leidings, m., s. Lädings.
Leidomassis, (?), Zugnetz. Zu dem
Ende (Fischerei mit Kähnen) können
sie einZugnetz^Leidomassis oder Tinklas-
Leidzamaszis) und ein Vorstellnetz (^Me-
tomage oder Tinklas-Mettomaszis) zu
Hülfe nehmen. Fisch.-Ord. f. d. kur.
HalBF § 23. Sperber, 40.
Leie, w. jüd. Vorn., Lea. Flatow.
Schmitt, 114.
leiern, sw,, von Leier, zunächst die
Drehorgel, die Leier, spielen. Von
deren stetem Einerlei: L dasselbe fort
und fort wiederholen, ein Musikstück,
ein Lied, eine Rede, einen Yers, einen
Satz etc. Leien^ nicht imvaer dasselbe!
Das ist ja die alte Leier, 2. langsam,
schläfrig fahren. Er leiert so langsamche
fort. Ebenso: langsam arbeiten. 3.
ohne gute Betonung reden, namentlich
deklamieren. In ähnlicher Bedeutung
in Liv- und Estland und weiter. Ha-
pel, 141. Grimm, Wb. VI, 686.
Leim, m., Lehm, Töpferthon. Der
geübte Bawherr giebt auch wol Acht,
dafz auch der Leim aus seiner Gruben
nicht anders als bey oder neben dem
Newen Licht möge gegraben tferden.
Linem., Mm 2a. Soll sich auch keiner
unterstehen, Leim oder Sand . . . zu
gi^aben. Hartwich, 331. . . ein sehr
strenger Leime tregt nicht leichüich
Röcken, Gersten, Heydenkom etc. Hen-
nenberger, I.
Leim'd, /., Leinwand, s. Leinwad.
leimen, sw., gliemen, stänkern, sich
unmanierlich auffuhren; betrugen.
leimem, adj. von Leim^ lehmem, thö-
nern. Das „Kind der Sorge" nennt
Herder ein leimemes Bild.
Leinbauer, m., Bauer, der vorzugs-
weise Lein oder Flachs anbaut. Die
Leinbauem im ßrmlande.
Leinbaum, Ltnbaum, Linbaum, m., spitz-
blättriger Ahorn, Acer platanoides und
campestre L, Der Baum heifzt auch
Lehne, Lenne, Lönne. Hagen, 1075.
Hennig, 330. Vgl. Brillenbaum.
leinen, sw., s. lehnen.
Leinenechse, m., s. das folg.
Leinenpferd, pltd. Ltnepfird, n., eigent-
lich leitendes Pferd, das, weil es vom
Kutscher gefuhrt wird, das Nebenpferd
leitet; daher gewöhnlich Leitpferd.
Wird das Gespann vom Wagen aus
durch die licine dirigiert, so ist das
Pferd links vom Fuhrmann in eigent-
lichem Sinne das Leinenpferd. Ebenso
Leinenochse. Vgl. leiden.
Leinentänzer, pltd. Ltnedanzer, m.,
Tänzer auf der Leine, Seiltänzer.
Leinkäfer, m., Maikäfer. Oberland.
Leinkauf — Lelek.
21
Leinkauf, pltd. UnkOp, m., Trank,
Schmaus nach abgeschlossenem Ver-
kauf, Kauf-, Vertragstrunk, den in der
Regel der Verkäufer bezahlen muiz.
In manchen Gegenden pflegt man bei
Viehverkäufen die Neige des Trunkes
rückwärts über den Kopf zu giel'zen,
damit das Gekaufte gedeihe. Statt
Leinkauf hört man auch Magrietech
(9. d.). Das poln. Uikup ist ein Ger-
manismus und hat auch die Bedeutung
von Handgeld, mnd. litkop, Vkdp, Vgl.
über Leinkauf Haupts Zeitschr. £
deutsch. Altertb. VI, 269 ff. Der Lein-
kauf wird schon im pomesanischen
Recht etwa um die Mitte des 14. Jahrh.
erwähnt. La band, Jura Prutenorum
1866, p. 12. Altpr. Mtsschr. IH, 691.
— Im Ravensbergischen heilzt nach
Klein H, 232, das Handgeld Wien-
koop^ Weinkauf. Das Wort ist zurück-
zuführen auf die allgemeine deutsche
Sitte, erst nach dem Gelage wichtige
Beschlüsse zu fassen, ja selbst die be-
deutendsten Kaufverträge abzuschliei'zen.
Leinwad, Linwad, Linwand, /., Lein-
wand. Alle Ausdrücke sind veraltet,
dagegen hört man im Krmlande Leim'd,
Leiwind, Leiend, Leuend, und überall
pltd. LUnwand. Die beiden letzten
Namen und Lauend auch in der Elbin-
ger und Danziger Gegend. He hadd
'nen langen Mantel von wittei* Lauend
omnamen. Dorr, Driewjagd. Bre-r
misch-nds. Lewend. Brem. Wb. HI,
60. , . . da die Stadt-Frawe verdrufz
hatte über ihre schwartze oder BUyfarbe
Linwad, . . . Nun ists bekand^ je stär-
cker die Sonne wircket auf der Linwand
je geschwinder wird sie trocken, Line m.,
Qqla.
Leinwandsbaum,' pltd. LSnwandsbOm,
1»., im Webestuhl der Querbaum, vom
unten gelegen, auf den das fertige Ge-
webe, die Leinwand, gerollt wird, in-
dem sie über Brustbaum und Knie-
baum sich hin wegzieht. Vgl. Das Wirk-
gestell, 124.
Leinwebergasse, pltd. LUnnewfiwergass',
StraCzenname in Königsberg, Strafze, in
der Leinweber wohnten.
Leis, Leise, n.y Gleis, Geleise, Spur.
Gewöhnlich in der Zusammensetzung:
Wagenleis. Ahd. leisa, mhd. leise^ leis.
Schade, 543b. Hennig, 331.
* leisen, sw,y fest im Leise^ Geleise,
bleiben. Zunächst vom Wagen, der
in seinen Rädern fest ist, nicht schwankt.
Mühling.
Leiser, m. jüd. Vom., auch Lesser^
Loser ^ Loser, Less, Les-che. Elieser.
Flatow. Schmitt, 112.
Leisten, Liestfin, Listen, Ortsn., Löwen-
stein, Kirchdorf im Kreise Gerdauen.
Dönh.
Leibienen, Ortsn., Dorf im Kreise
Wehlau. Vgl. Schallen.
leit, 3. Person des Präsens von
liegen und legen, Ermland. Ober-
land. Da leit er, da liegt er, der Ge-
fallene. He leit (legt) sick längs de
Awebank. VolksL, 32, 21, 2.
Leiter, Leitfisch, pltd. Ledder, Ledd-
fOsch, m,, ein Bastard des Brassen oder
des Gieben; von den Fischern des
frischen HaiSTes so genannt. S. Be-
necke, 125.
Leitpferd, n., s. leiden und Leinen-
pferd.
Leiwind, /, Leinwand, s. Leinwad.
ISIcen, sw.j laichen, schwed. leka. De
Schulmeister leke, sie gehen in der Fe-
rienzeit auf Reisen. Sprw. I, 3421.
Lelek, m, nach Mrongov., Wb. I,
194a, der Waldkauz, Strix aluco; nach
Treichel der Tagschlaf oder Ziegen-
melker, Caprimulgus europaeus. Der
Name ist rein polnisch.
22
UJUm -— lesen.
lAiOtf fulj»^ wackelif^, von alt*?m Ilau.'i-
ger&t, H, V, a, IMwIg.
Ltfltflltl, m, jfid. Vom,, I^muel. Fla-
Llflf w. Vom, ll<;lf;n^, Magdalcne.
Hart wich, hh.
lanen, ir?^, h, lehnen.
Linertf rn. Vom«, Lcontiard. Ilart-
Lenewen, (?), aU«r KUnderHioff. Vio-
l/'t, 178.
Lenk, /'., »- Lenkleine.
Lenkleine, pli<l. Lenkitn, f., Leine mit
FloU.lir>|jf5i«i n, am oberen Knde den Stein-
tnueM hefeHiigt und in die Lenk, einen
aJM Hoje dienenden Ilol/kloU, endigend;
nie lenkt, leitet, lülirt nnd hfUt die
eigentlich<* AngelHchnur mit dem Laehs,
det* daran geltisHen. S. Heneeko, 402.
VkI. Laohiangel.
Lenne, /., h. Leinbaum.
LenOr, w. Vorn., KWnore. llart-
wieli, ßf).
lernen, ^^e., 8eliilTernusdruek, ein
leekeH SehilV dureh pumpen *flott er-
halten. Troie.hel. I>l\n. hnM\ lioll.
/f'W^vw leeren.
Lernen. OrUn., Oorf. ly, ^[oilen
noi*tl«\s(lieh von Klhing, in der Nahe
des iVisehen Haffes, bekannt und be-
sueht we^en der weiten und lierrlioheu
Aussiebt von den dortigen Hölien. Der
Nan^e ist eine VorstümmeUuig des altpr.
8. Nssluu, Tbes . 8l>.
Lentitange« i\^ s, Lindstock.
Lftpe. /\ Milohnapf. l\Mih.
L^k« w^» \^fkh. Sperber, o8.
Lerchtn. fiH%\ von /.c^väa bildlich
t'rtr liold. h\ liv'^t />*fvA/w i/tiryrw> er
giobt viel i?eld aus. Vgl. Llwtriu
Lerchefiklt«\ Tfl^n.. Feld-Kitterspom,
LerchentriDer, m., Benemumg far einen
Aüi'zen Schnaps.
Lerke, /., s. LSwarfc.
lefinen, «ir., s. v. a. lehren (s. d).
Lesbretty Lesebrett^ n., etwa drei Fin-
ger breites Brettchen mit Handgriff,
das an jeder Seite 20 Löcher hat, durch
welche beim Abwinden des Games von
der Scherleiter die Fäden der einzelnen
Spulen gefuhrt werden, wodurch beim
Scheren das Verlesen der Fäden er-
leichtert wird. Vgl. Das Wirkgestell,
127.
Leichak, m,^ Faulenzer, zu allem un-
lustiger Mensch. Poln. lezuch Faulen-
zer, la:§ga fauler Schleicher, Land-
streicher, langsamer Kriecher, leiak
Lagerholz, liegender Bienenstock, Lager-
stnck. Vgl. Nsslm., Forsch. 3; Th.,
93 Altpr. Mtsschr.' XV , 582. Nach
den Gedanism soll poln. lejak der
Pfahl heilzen, den man auf Weiden
einschlägt, damit daran das Vieh sich
reibe; gewöhnlich heil'zt dieser Pfahl
Schubbjak (s. d.). Die Annahme von
Schmitt, 107(Westpr. 166), dafz Le^
i^chak nach dem Poln. Leichtfufz be-
deute, ist nicht nachweisbar. Nach
dem Wb. von Mrongov. II, 483 b,
heilzt Leichtfufz frzpiot^ rozstrzepaniec.
leichaken, sw,, von Leichak^ sich fau-
lenzend herumtreiben, unbeschäftigt
die Zeit verbringen. Westpr. Spfw. 1,
2291.
L6s-chey m. jud. Vorn., s. Leiser.
LesebretL n., s. LesbretL
Lesebuch, pltd. Lfisbök. n., kirchliches
(lesaugbuch. Westpr. Hintz, 81.
Ifiselkes. adj.. s. Kslich.
lesen. .<f.« sammelnd aufheben« nach-
einander aufnehmen. Ähren ^ Kartof-
rW« eti\ roni FWA- tev». Er taffn
Ei-'h^m tJtis Jer SchHUsel /«tstw, der un-
leslich — Letzte.
23
tüchtige Leseschüler, — belesen, das
Fleisch mit dem Munde vom*Knochen
abnagen, den man in den Fingern
hält. Sperber, 21. Vgl. pQlen.
ISslich, Ifiselkes, adj, u. adi\^ leise,
behutsam^ sanft, gelind. Gah leslich.
Fat et man leseVces an, behutsam, da-
mit es nicht zerbrochen werde. Er
ist leüich mit ihm umgegangen., er htft
ihn sanft,, milde, schonend behandelt.
Hennig, 148, schreibt fOslich; mnd.
losUken, adv. Bei Jeroschin: daz was
bl der sumirztt als das wetir warmin
pfitt und dt kelde wesit Us 138a. Pfeif-
fer, 189.
Lespler, m., Lispeier. Bei Stein,
Peregrinus XII, 82, al^ Ekelname und
Schimpfwort. W. Mtsbl. V, 191.
Less, Lesser, m. jöd. Vorn., s. Leiser.
Lesung, /., s. v. a. Einlesung (s. d.).
leterbängig, adj., lehmig, thpnhaltig,
*zäh ; vom Acker. In der ersten Hälfte
des Worteis Anklang an Letten.
Kterbfinig, adj., gedrückt, trübselig.
Kastenburg. In Hessen letterbmig eigen-
sinnig, übel zu lenken, störrig, unge-
horsam, zumal von heranwachsenden
Knaben, welche in die sogen. Flegel-
jahre getreten sind. Vilmar, 248
Lfitharl, LOtharl, -hardel, Pflzn., aus-
dauernder Lolch, Lolium perenne L.
Mühling.
Lettauen, n., s. Litauen.
Lettauer, m., s. Litauer.
lettisch, adj.y von Lette, zur Bezeich-
nung der Sprache. Die lettische Sprache
ist von der litauischen nur unwesent-
lich unterschieden, daher lettisch oft
gleichbed. mit litauisch. Auf der kü-
rischen Nehrung nennt man das Let-
tische kurisch. Letisch Farkel, Ditsch-
tei^darwer, zu einem das Deutsche rade-
brechenden Litauer. Sprw. I, 836.
Letz, n., Lektion. Ahd. Jicijd, mhd.
lecze, letze, /.
0 lieber Meistet* und mein Herr,
Möcht ich doch allen. Flei/z ankehm,
Di/z Letz die ist mir viel zu schivar.
Ich lehr (lerne) sie nicht in Hundert
Jahr.
Hartwich, 299, aus einem Gesprächs-
liede. Vgl. Fäm.
Letzte, m. 1. in Sprichwörtern und
Redensarten: Den Letzten beten deHuing.
Elbingc Ndrg. Allgemein hchd. : Den
Letzten beifzen die Hunde Der Letzte
der Fettste. De letzte Schwtn krtge den
dickste Drank. 2. als Kinderspiel. Wenn
die Kinder aus der Schule oder vom
Spielplatz nach Hause kehren, so giebt
dieses oder jenes mit dem Rute: Den
Letzten! dem andern einen Schlag und
läuft davon. Der Geschlagene eilt dem
Gegner nach, um diesem „den Letzten^
zurückzugeben, was sich so lange wie-
derholt, bis einer „den Letzten^ zu-
frieden mit nach Hause nimmt: er h<it
den Letzten. Zu seiner Beruhigung und
dem Gegner zum Hohn ruft er diesem
zu:
Letzte — fettste Düweschlag^
Biet de Katt de Zägel af!
oder: (Oberland.)
Letzte — fettste Awendschlag,
ScheUer mu^ker Drw! (Samland.)
In Königsberg ruft der Schlagende:
Letzter — fettster Kringeldieb!
Der Geschlagene antwortet:
Ic?i nelivi' den Letzten vorli^b,
Du bist ein *KHngeldieb !
oder:
Wei* den Letzten giebt,
Ist ein Kringeldieb!
{Ist dem Bäcker sein Kringeldieb!)
Als triumphierende Rückantwort hört
man noch:
2i
Lctttboler — Lrvark.
Wer dm Latztm pebm komm.
O das iüt em broK^ Mamml
Vgl gprw- L 2404, Volki^- 91. 385.
Ia Bcfiic beiJiEi die» Kioder^lel ZddL
Lf tTtfcthr plvi^ I itrtfcyii (g = a^ »^
H</J^ de^ hewufüL Bei den HihKut-
>>ritterD in K^Hai^rct^erf defi^nig«, weicher
diui Letztie Too deo Tnbem abkok and
daf'ir ckfat nur da« nasE« Stroh. &oii-
dem aiick «to« Vienelu^niie Taielbier
ohesieiu bekommt. Heonig. 145.
alliDaiilk-k TerzeixreD. I>en Frmrti
rieLen diese Wüii&er bkrcälea vibrend
ikrer Pesi-jäe in den J^nytshih. Streut
mas A»ehe — ZTo}fi«£sia&<LeL d. k. in
den Zv^lücn gebraxizii«' Af«^ — nm
den KiankcüL «o w&chesi ^
Körper, \a man aekt dans sccar ihre
Fa:z$parcn. In der Wehla^^acr Gegend
A s. UcMh
/., Leinwand^ s.
pitd. IM% plur,. Dem.
L in gewöhnlicher Bedentong in Sprich-
w<(irtem and Iledensarteo : AIU Leuf
mnd wunderlich. OU UUd iönd vrun-
dtrlich, wenn u iU^ woUe u ok kacke
— ir^nn u kacke j wolle »e ok pm^ —
wenn $e gti'jete keljbe^ wolle u ok drinke.
Junge Lüed de wp^U fj^m^ ohle l.üed
de brf/mme ghn. Jonge Landborschen,
welche gern zur Stadt mit mochten,
fragt man zurftckweLsend: Wat woUät
daj wolUt LüeJ grt'te (grüizec; an
St/'ner »t'tef Schöne Leute haben schöne
Sachen; auch mit dem Zusätze: wenn
tie nie nicht haben, lauen sie rieh machen,
Öck von Lüedkeg on Lüedken von mij
eine Hand wäscht die andere. Einen
mank (unter) die Leute brinffen, ihn
ioH Gertfde bringen, .schlecht machen.
Vgl. Sprw. 1, 2406 ff.; Sprw. U, 1705 ff.
2. Gesinde. Ldt de Lüed tom Ete
klinge. De Uledstiw, Leutestabe. Dat
UMbrot dos Brot fOr die Leute. 3.
da« Brautpaar, junge Ehepaar. Nu^
Oott behöd fu junye Lüed. Lärm. nupt.
l 282, 17.
Ltllte, plur., kalte, kleine^ farlnge^
wei/ze, nach dem Volks»;laul)€n Wür-
mer, Kobolde, welche den Menächen
in iieinem Innern plagen, quälen und
Kopfe, mit denen ein S;ecLen Terbon-
den ist. Poln. kratsmo hrda n. büde
htdzie. Genaueres üh«r die?e Lernte^
wie deren Erkennung and Vertreibung
s. Toppen^ AbergL, i2S. Hexspr.,
74ft
Lewarfc. Lewerfc, Lewrik. LemML Urfc,
Lkkt, Urfce, nach Treichel Lewnk,
in Westpr. auch Lsrcfc, im Oberiande
Lirch, /. u. m., Lerche, Alauda arten-
9U, Ahd. lerahha. amhd. h'werchj mhd.
Vrche^ mnd. lewerike^ lewerke^ ags^ Id-
verre, schott. laceroc^ engl, lark^ holL
lewerUc (auf leeuw Löwe gedeutet), dan.
lärke. S. Schade, 549b. Hennig,
144. So lange die Lerche Tor Licht-
mel'z (2. Februar) singt, so lange mul'z
sie nach Lichtmelz schweigen. Wenn
de Lewark singt cer »ine Tldj so mot
he schwif^e on sine Ttd, t. Au er.
Samland. Wenn die Lerche Tor Petri
Stuhlfeier (22. Februar) singt, so muTz
sie nach diesem Tage unter dem
Schlitten singen (der „Gesang^ des
unter dem Schlitten pfeifend knirschen-
den Schnees soll damit angedeutet wer-
den), und zwar für jeden Tag vorher
eine Woche. Dönh. Wenn aber die
Lerche dauernd sin;?t, so will die Ar-
beit in der Stube nicht mehr behagen:
De Lewark singt.,
De Wocke stinkt.
In Natangen auch: Der Leicark singt.
On hhed (das Schneiderlein) möt e (der
Prinzessin) oagnegt un e Lowrik un^mn
L^wd — lichten.
25
MimmeL Rastenburg Firmenich I,
110b. Den Gesang der Lerche hat
das Volk mannigfach in Worte über-
tragen. Er lautet:
DrtWy Peterke, drtw driw!
Hast e ffode Werth^ denn bltw bliw,
ös hei schlämm denn teh wtt wU wtt
weg weg weg! Samland.
Weitere Varianten des Gesanges s.
Volksr., 68, 260. Der Mensch, ver-
glichen mit der Lerche : Wie eine Lerche
munter sein; — vtsene wl e drachige
Lwch. Korrespbl. 111, 52. * Brem. Wb.
III, 59 auch: Lenerke,
Uwd, /., s. LOwd.
Uwde, /., s. Laube.
Uwen, in der Dzg. Nhg. LOwen, n.,
Leben.
Lewendel, tt»., Lavendel, Lavandula.
Lewerengs, LOwerenz, /., Korrumpie-
rang von Reverenz. Eck maakt en
Löwerengs^ on böckd mi quantswls dep.
Carm, nupt I, 282, 10. So mahckt eck
Loewerengcks on boeckt mie srhrecklüh
doehp. Ibid. 111, 77 c. 8. Lorenz.
Lftwerk, LCwrik, LCwrink, /., s. Lewark.
ISwthulig, lüwthulig, adj., in Liebe zu-
gethan, zuthunlich, anhänglich. Sche-
mionek, 23.
libbern, sw,^ s. labbern.
licht, ad;., hell, oflFen, frei und .un-
behindert in der Aussicht. So danz^
wC bet tom lichte Morge. Volksl. 45,
28, 6. E lichte Stäw, eine helle, freund-
liche, der Sonne zugekehrte Stube. De
Schtoaw (Stube) ös man e böske licht.
Boldt, 14. Ein lichter Waldy ein we-
nig bewachsener Wald. Eine lichte
Stelle im Walde. Vgl. Uchiung.
Lichtchenschwemmen, pltd. Lichtke-
SChwemme, n., Sylvesterbelustigung. Für
jedes Familienglied wird ein Endchen
W^achsstock auf ein Kartenblatt oder
in eine Walnafzschale geklebt, ange-
zündet und in eine Schale mit Wasser
gesetzt. Wessen Licht zuerst erlischt
oder untergeht, der mui'z im kommen-
den Jahre sterben. Auch werden nur
zwei solcher Lichtschiffchen auf das
Wasser gesetzt, das eine nach einenji
Jüngling, das andere nach einem
Mädchen benannt. Treffen die Schiff-
chen zusammen und schwimmen ver-
eint, so wird sich das Paar heiraten.
Samland. Yolkskal., 28.
Uchtchenträger, pltd. Uchtkedräger, m,,
Irrlicht. Natangen. Et ös eene grote
Sing (Sünde), kleene Kinga ongedeept
(ungetauft) scktoarwe to late. De Geista-
kes (Geisterchen) motte sea lang as
Lichtkedrägasch oppe Sörnp römhöpse
(auf den Sümpfen umherhüpfen). Boldt,
10.
Lichtchentröpfen, pltd. LichtkedrOppe(n),
-drippen, n., als das Schicksal befra-
gende Belustigung in der Sylvester-
nacht. In das Wasser einer Schüssel
läl'zt ein Braut- oder Liebespaar Talg-
oder Wachstropfen eines brennenden
Lichtes fallen. Kommen die nach dem
Paar benannten Tropfen zusammen, so
vermählt sich dasselbe in dem neuen
Jahre. Vgl. Lichtchenschwemmen, s.
GlUck.
Lichtdieb, pltd. Lichtdäw, m., in frühe-
rer Zeit, als Talglichte gebrannt wur-
den, üblicher als heute: Dochtknoten,
der stärker und mit Funken brennend,
den übermäfzig geschmolzenen Talg
zum Überflieizen brachte.
Lichtdrippen, 7i,, s. UchtchentrSpfen.
lichten, sw, 1. leichter machen, ent-
lasten. Ein Schiff lichten^ es ausladen.
Oft geschieht dies nur teilweise, damit
das Schiff geringem Tiefgang erhalte
und auch den Flufz befahren könne;
so wurden Seeschiffe, welche nach Kö-
nigsberg sollen, in Pillau gelichtet.
26
Lichter — licken.
Kähne, mittels deren man Seeschiffe
lichtet, heil'zen Lichter oder Lichter-
kähne, Bei Jeroschin: sich der Sün-
den entlichten, ich mac nicht irsterben
-^ ich enhabe o gebtcht und allir sun-
dinmich intltcht n2ei. Pfeiffer, 144.
(Wir sprechen: bichten — entlichten),
2, leuchten. Ldcht em de Trepp ^run-
der. Bildlich: Bhiem e Wüüichte,, —
ihm heimleiichten^ ihn mit harten Wor-
ten oder gar Schlägen zum Hause hin-
ausweisen. 3. l)litzen, engl, to lighten.
S. Uchting. 4. im lichten: a) zur Be-
zeichnung der Weite eines umgrenzten
Raumes. „Eine Stube hat 12DFurz
im lichten^ d. h. sie ist 12 Fulz lang
und ebenso viel Fufz breit, die Mauer
mag übrigens so viel Fui'z einnehmen,
als sie will^. Hennig, 145. Holl.
ligten^ von ligt leicht, helle, b) Sich
im lichten stehen^ sich irren, unerwartet
Nachteil haben.
Lichter, Lichterkahn, auch Leichterkahn,
w., im Weichselgebiet Lidgan, w., klei-
neres Fahrzeug zum Lichten gröCzerer
Schiffe. Engl, lighter, lighterboat, holl.
ligtet\ poln. lichtan^ lichton.
Lichterknecht, m., Knecht, der die
Lichtstümpfchen trägt, Einsatz für den
Leuchter, auf dessen Zacken der Stumpf
gespiel'zt wird; er heil'zt auch, recht
bezeichnend, Profiichen, polonisiert pro-
fitka. Bock, 24. Hennig, 126.
lichtfärig, adj,, leichtfahrig, wie ein
leicht gehender Wageuy leicht zu Fufz,
schnell, leicht fertig, leichtfertig. M ü h -
ling.
Lichting, m., in der Saalfelder Gegend
auch Leuchting, /., der Blitz; der Teu-
fel. Gotts Lichting! nu ginget arCt
Schmerlexen, Parad., 49 Dat dt de
Lichting! Fluch: dalz dich der Blitz
erschlüge! Hol ihn der Lichting! im
Sinne von: Hol ihn der Kuckuck, der
Teufel. Fahr* zum Lichting! Das'
Wort tritt auch adjektiv auf, so in dem
Fluche: lichtingsch Oicedder (Unwetter),
wobei an Blitz und Donner zugleich
gedacht ist. Westpr. Donner on Lieh-
tmg, w^n §k noch mal juivg weer^ dat
Schwert sullmi helpen, * Dorr, 1. Wiew.,
4. Schhig on lAchting^ dat da gk. Ibid.,
6. lAchting noch eent^ wat heww §k
vergeten! Ibid., 29. 50. Botts Lichting
«= Gottes Blitz: Ibid., 78. Hai em de
Lichting! Ibid., 69. Du Lichting! auch
als Scheltwort. Treichel. — Lichting
a. s. a. Lichtung (s. d.).
lichtingsch, adj,, von Lichting^ blitz-
artig, teufelmäfzig. Für die erstere Be-
deutung s. Belegstelle unter ßitzen. He
es ganz lichtingsche kaspi'at daräwer,
dat se §m §nt Water schmeeten. Dorr,
1. Wiew, 88. .
Lichtingszeug , pltd. Uchtingstfg , n.,
Blitzzeug, Teufelszeug; als Scliimpf-
wort. Dat Lichtingstieg schmeet mi §n
dat Water, Dorr, 1. Wiew., 81.
lichtlich, adj, u. adv,^ auf leichte Weise.
Jeros chi n : d* burc sooestewas^ daz man
in lichtlicher Schicht ir gewinnin mochte
nicht 53 b. wa7it er nü lichtlich hofte'
nemin da das huis gewunnin 157 a.
Pfeiffer, 189.
Lichtschwemmen, n., s. Uchtchen-
schwemmen.
Lichtung, f.^ lichte, ausgehauene Stelle
im Walde, Aushau, Waldblöfze; auch
Lichting. Vgl. licht
licken, sw.^ ostpr. pltd. glike(n% glei-
chen, gleichkommen, ähneln, .nach-
schlagen (s. schlachten), Sönd uk noch
andre scheen, Wer lickent dif Dorr,
37. Dat lickent nich nd em^ nich na
er, Einlage bei Elbing. Sprw. 11,
1716. Das likentihm nicht, kommt ihm
nicht gleich. Schemionek, 23. Dat
ji dem Kneebands' Ring deiin lichien ganz.
liddern — Lilach.
27
Dorr, 1. Wiew., 121. Im Brem. Wb.
III, 70: liken, bei Schamb., I24b:
liken.
liddern, sw., s. beliddem.
Ifden, s^M dulden, ertragen, aushalten.
Se mot dat alles liden. Bei Jeroschin:
dfi von er diz nwkt lange leit IIb.
Pfeiffer, 189.
Lidgan, m., $. Lichter.
Liebe, pitd. Lew', /. 1 . amar, 2. Name
eines Flül'zchens bei Marienwerder. Die
Liebe geht durch Sorgen in die Not
Wortspiel. Das Flüfzchen Liebe geht
durch den Sorgen-See in die alte No-
gat (Noacht, fast wie Not gesprochen).
In gleichem Wortspiel sagt man auch:
B^ Marienwerder hört die Liebe auf.
3. w. jud. Vorn., auch Lippe. Flatow.
Schmitt. 114. 4. h^enneiide Liebe.
eine Verbenenart mit brennend schar-
lachroten Blumen.
Liebhaberei, /., Liebe. Aber habt ihr
auch Liebhaberei für das Mäche ? Dorr,
1. Wiew., 18. S. Lieblichkeit.
Liebicind, pltd. LCfkind, n., nicht Kind
der liiebe, sondern Kind, das geliebt
wird. Sich Liebkind machen, sich durch
Schmeichelei bei jemand in Gunst
setzen. Bock, 31. Hennig, 145.
* Ueblichkeit, pltd. Leflichkeit, /., Liebe.
Ihr möj'zt ons heilig versgcheni^ ob ihr
Leeflichkeit for er ibbrig habt. Dorr,
L Wiew., 13. S. Liebhaberei,
liebstes, pltd. läwstet, Superl. von
lieb., adj.^ Zärtlich keitsausd ruck, Schmei-
chelwort. Liebstes^ goldenstes^ rosenstes
Mutter che!
Liebstock, Pilzn., gebräuchlicher Lieb-
stöckel, Levisticum of/icinale Koch.
Weichseldelta. Der provinzielle Name
ist aus dem allgemein deutschen und
dieser aus dem lat. luevi^ticum entstan-
den. Treichel, Volksth. III.
Liederjftn, m.., wörtlich liederlicher.
Johannes; zur Bezeichnung eines lieder-
lichen, durchtriebenen Menschen, aber
auch eines Taugenichts. Vgl. Ausbund.
liederlich, o^;., aufzer den gewöhn-
lichen Bedeutungen: fröhlich, munter,
durchtrieben, zu Scherzen geneigt.
M ü h 1 i n g. Er ist ein liederlicher Stinck
— liederlich tvie ein Stri<;k. Das ist
'mal eine liederliche Margell! aber das
Wort hat, lächelnd ausgesprochen, gar
keine üble Nebenbedeutung, Rosen-
kranz, Kgsbg. Skizzen I, 145.
liegen, pltd. ligge(n), st 1. sich zeit-
weise, vorübergehend an einem Orte
in der Provinz aufhalten, wie das von
Jremdep Kaufleuten geschieht. Davon
Lieger, m., Vertreter einer auswärtigen
Firma, der auf gewisse Zeit diese in
einem Orte vertritt. Für solche Li^ger
stellte die Wett- und Liegerwdnung
in betreff des Handels das Genauere
fest. S. wetten. Vgl. Hirsch, 227. 2.
verweilen, die Zeit zubringen. Viel
auf de?' Landstraf ze liegen.
Lieger, m. 1. s. das vor. 2. lagern-
der Bienenstock, liegende Klotzbeute;
daher auch Lagerstock. Ist der Sto^.k
aufrecht gestellt, so heil'zt er Ständer.
Bock, Nat. V, 205.
Liegerordnung, /., Ordnung, Gesetz
lur die Lieger. S. Wettordnung.
Liepe, Dorf in der Nähe von Königs-
berg. Einem etwas vom Liepschen
Schmied erzählen, ihn durchprügeln.
Sprw. I, 1.
Liepmann, m. jiid. Vom , auch Lipp-
mann u. Lippme. Flatow. Schmitt,
1 12.
LiestSn, Ortsn., s. LeistCn.
Lietke, m. Vorn., Elias, s. Elies.
Lilach« m., Voc 491: Lylach deut-
scher AusdiHick für das altpr. Ploaste
Betttuch, Bettlaken. Nsslm., Thes.,
132.
28
Lüge — linden).
Lilge, Ulje, rein pitd. LSIge, /., Lilie.
Lilienkonfalge, Lilienkafalge , -kumfalge,
pltd. LOIgekafalge, Maiblume, Convallaria
majalis L, Korrumpierung des syste-
matischen Namens; ebenso poln. hon-
walia. V. Auer deutet lilia cumJolio.Q)
Ruf der Landfrauen in den Stral'zen:
Frä's^ Lölgekafalge ! Gegenruf der
Stralzenjungen: Du Rackerkanalge (Ka-
naille)! Kgsbg.
lilla, Ifla, adj, \, zur Bezeichnung
der Farbe lila. 2. bildlich: Er ist et-
was liüa — ZiTa, er ist angetrunken.
Mt ÖS ganz liüa^ mir ist unwohl^ katzen-
jämmerlich zu Mute. Bartenstein.
Limone, /., Kürbis, Cucurbita L,
Weichseldelta. Treichel, Volksth.,
m.
Limpe, /. E/ine lAmpe ziehen^ die
Unterlippe vorschieben als Übergang
zum Weinen; namentlich von kleinen
Kindern. Westpr. Treichel. Mnd.
eine lipe (Lippe) machen. Mnd. Wb.
n, 701b. Vgl. SchUbbchen.
Lin, /., Leine, langer Strick aus Hanf
oder Flachs. Jaglfne, -leine, /., Leine
zum Jagen, Fahren, namentlich bei
vierspännigem Fuhrwerk die Leine,
mittels deren man die Vorderpferde
regiert; Leine am Jagnetz, KICderIfn,
Waschlfn, Kleider-, Waschleine, /^ Leine,
woran man Kleider und Wäsche zum
Trocknen aufhängt. Ahd. lind^ mhd.
llne.
Unft, hchd. Unau, Fluizchen im grol'zen
Werder. Ahd. u. mhd. d als zweiter
Teil von Flufznamen, aus aAa, ahe^ /.
Passarge, 351. Schade, la.
LTnbaum, Linbaum, ^^., s. Leinbaum.
lind, ling, adj, 1. gelind, mild. Et
ÖS Und Loft 2. lose, wenig dicht.
Vgl. lindem. Bei Jcroschin: mild,
nachsichtig, nachgiebig, den undirtd^
nin stvinde und kegn den vtnden linde
112d. Pfeiffer, 189.
* Lind, /., Linde. Hei ös ndkt vn e
Lind^ welcher die Rinde abgezogen
ist.
Linde, /., gewöhnlicher Heilige Ldnde,
ehemaliges Kloster im Kr. Kastenburg,
in der Nähe der Stadt Rössel. Was
ich vor dem vortreflichen Marienbilde
im Kloster Linde empfand. Soph. R.
VI, 526. Über die heilige Linde s.
Näheres Preulz. Land- und Volksk.,
509 f.
Lindendraschke, m., s. Draschke.
Linderende, n., s. lindern.
lindern, fingern, sw.^ langem, ver-
längern. Der Aufzug eines Gewebes
(die SchetHng) endet in dem sogenann-
ten Linderstock, Lingerstock, der durch
die Enden der aufgezogenen Fäden
geht. Dieser Stock ist mit dem Under-
strick, Lingerstrick, verbunden, welcher
sich um den Garnbaum windet. Reicht
der Aufzug nicht mehr vom Garnbaum
bis zum Kamm^ so mufz er gelindei%
gelingert^ d h. durch Abwinden des
Ldngerstricks verlängert werden. Statt
des Lingerstrickes näht man oft auch
ein Tuch an den Aufzug, das Linder-
tuch, Lingertuch, oder zieht mehrfach
Schnüre um den Linderstock; diese
ganze Verlängerung des Aufzuges heil'zt
das Linderende oder Lingerende. Auch
nennt man das nach dem Lindem ge-
webte Ende eines Leinwandstuckes das
Linderende, Lingerende, weil es linder,
linger, loser, nicht so dicht in der Fa-
denlage ist als das übrige Gewebe.
Der Aberglaube fordert, daCz das Lin-
derende sofort abgewebt werde; bliebe
die Leinwand, nachdem nachgelindert
ist, noch über Nacht auf dem Web-
stuhle, so würde das nächstgeboreue
Linderstock — Lis.
29
•
Kind sich einst aufhängen. Vgl. Hexspr.,
126. Das Wirkgestell, 127.
Linderstock, -strick, m.^ -tuch, n., s.
lindern.
Lindstock, m.^ langer Stock, Stange,
ruhend auf der Wagenachse. An den
Lindstöcken werden die largen Leitern'
der Erntewagen befestigt. Kr. Bereut.
Sie heilzen im Er. Neustadt Lenzstan-
gen, und wird dort die Fertigstellung,
das Langmachen .des Erntewagens das
Auslenzen genannt. Treichel.
lingen, sw., tauen, abtauen; von be-
frorenen Fensterscheiben. Die Fenster
lingen^ sie tauen ab^ das Eis auf den
Scheiben löst sich in Wasser auf. Ldng
= Und (s. d.). Ermland.
linger, comp, von lang u. ling (lind)^
langer, linder, loser, lockerer. S. lin-
dem.
Lingerende, -stock, -strick, -tuch u. Un-
gern, 9w., s. lindem.
LThje, /., Linie.
LTnjAI, n., Lineal.
Linkpöt, m , eint^r, der die linke Pfote,
Hand, zur Arbeit gebraucht. Schimpf-
and Scheltwort. Ebenso in Liv- und
Estland. Hupel, 143.
Linksanwalt, m., im Gegensatz von
Rechtsanwalt zur Bezeichnung eines
schlechten Katgebers.
linksch, adj.^ von links. Er ist linksch^
arbeitet mit der Linken.
Linnen, pltd. LOnnen, n., Leinwand.
Auch Unnenzeug, pltd. LOnne(n)tfg, n.
Sie hat schönes Linnen. Se heft schö-
net Lönnetig, Lit. Unnas ein Flachs-
stengel, linnai Flachs, Lein. Nsslm.
Wb., 369b. Hennig, 146.
Linnenschaff, n., Schaff, Schrank, zur
Autbewahrung von Linnenzeug. Hen-
nig, 146.
Linnenzeug, n., s. Linnen.
Linnewille, /., Zusammensetzung aus
Linnen und Wolle^ Gewebe aus Leinen
und Wolle, woraus ärmere Leute ihre
Kleider verfertigen. Hennig, 146.
I?nsch, adj,, s. lUnisch.
Lint, Linte, /. 1. leinenes Band, auch
seidenes Hut- u. Armband, Zierband
der Platzmeister bei Hochzeiten, Schleiff ,
Bandende. Lettst du recht lang dei
Linte flattre, Nowack, 61. Mnd. fo'n^
plattes Band, holl. Unit Band, Borte,
lit. linta Zierband, Hutband. Nsslm.
Wb,370a; Forsch. 2. Hennig', 146.
2. Quersaum, Quarder, Querdel.
Lintrock, m , Rock mit Linten besetzt.
Be heft sine Moder ehr^ Lintrock an^
Ös keen HaaK noch Öse dran, Volksr.,
275, 961.
Linwad, /., s. Leinwad.
Lipp, m. Vom., Gottlieb. In der Dzg.
Nhg. Ueper. Viol^t, 102.
Lippe, w. jud Vom., s. Liebe.
Lippiz, Lippit, tti., weifzer Met, der
aus Lindenblutenhonig gekocht wird.
Bock, 31. Hennig, 146. Der hell-
gelbe Meih^ so von dem wei/zesten Honig
bereitet toird^ heifzet Lippitz und wird
vorzüglich in und um Kauen gebrau£t,
Bock, Nat. 1, 276, Auch jetzt noch
kennt man hier Lippiz-Honig, der aus
polnischen Linden wäldern eingeführt
wird Der Stamm des Wortes ist altpr.
lipe (Voc. 601}, poln. lipa^ lit. lepa^
lett. leepa Linde. Nsslm. Forsch., 2;
Th., 94. Lit. Aeq., 20: Lippit.
.Uppmann, Lippme, m. jiid. Vom., s.
Liepmann.
lirumlarum, interj,^ zurückweisend, in
dem Sinne: dummes Zeug. Eir kann
nicht lateinisch lesen, Lirum larum^
versetzte Herr Puf^ er wird sie deutsch
curiren. Soph. R. I, 362.
L?S, Lise, w. Vorn., Elisabeth.
Lis, LOfz, /., auch Usstock, LOIzstock,
m.y am Leiterwagen eine der vier ge-
30 •
Lisch — Lischke.
krümmtf^n starken Stangen, Stämm-
leisten, welche auf den Achsen in dem
Achsenuagel ruhen und mittels des
Lisringes o(}er der LiswCde die licxtem
tragen. Ihnen parallel gehen aus den
Ach.sen polstern oder Krängein durch die
Leitern die vier Rungen, Wagenlebnen;
sie tragen den zweiten King des Lds-
nnges, Grimm, Wb. VI, 1020: Li^se^
aui^ mhd. liuhse.
Lisch, m., Pflzn., stinkender Schwer-
tel, Iris foetidissima L. Magen, 46.
Usche. /., s. das folg.
Lischke, pltd. LOschke, /'. 1. Köber
oblonger Gestalt, aus Bast, gespaltenen
Weidenruten, Rohr, Wurzeln etc. ge-
flochten, in welchem Feldarbeiter und
Reisende ihren Mundvorrat mit sich
zu führen pflegen. Die Lischke wird
an einer durch die hervorragenden Rän-
der der schmalen Seiten des Hauptkör-
pers und des Deckels gezogenen Schnur;
an weicher der Deckel auf- und nie-
dergeschoben werden kann, über der
Schulter getragen. Nsslm. Th., 95.
Dajfiach gehe7i nie in äneti Knig, der
ihnen gelegen ist^ die Männer setzen sieh
sonderlich^ die Weiber dergleichen, und
JuAen Paudeln und Lischken mit Fischen^
Gebratenes und Gesottenes. Von den
alten Sudauen etc. Erl. Pr. V, 718.
In einer Urkunde der Haushaltungs-
visitatoren des Oberlandes von 1615
(im Magistnits-Archiv zu Passenheim)
wird der Herrschaft „das kleine Markt-
recht, als hölzerne Eimer, Schaufeln,
Töpfe, Lischken und ßesem und an-
dere dergleichen kleine Waare in's
Amt Orteis bürg zu nehmen" vorbehal-
ten. Toppen, Altpr. M. IV, 149. By
dem liüttel' onn Pahnschen HochtietS"
feste wull d(it Brut-Paar onn gesanirnte
Gäste so good als he centwcht beehm
onn dit klön Löschkke Hiem verehm.
Caj'm. nupt. V, 220 a. In Westpi-eufz.
(Schmitt, W'estpr., 166. Klein I,
248 für Danzig) Luschke; es tret<^n
doli auch die Namen Lusch, Usche u.
Liske auf.' Möt Pannkook ward de Lusch
geföUt. Dorr, 19. 2. Lischkei und
^ Liske auch Namen von Ansiedelungen
um eipe Ordensburg, welchen noch
nicht das Stadtrecht beigelegt war. Sie
bestanden zum grofzen Teil aus sogen.
Kretzem (Voc. 382 karczenio\ d. i. aus
'Schank- und Ilökerwirtschaften, aus
welclien die Burgbewohner sich ver-
proviantierten. Der Name in diesem
Sinne bat sich noch erbalten in Lisca-
Schaaken, Dorf in der Domäne Schaa-
ken, Kr. Königsberg, Liesken, Vorwerk
bei Bartenstein, Lisken^ zwei Dörfer
in den Kreisen Lyck und Johannis-
burg, u. m^ Lieskendorf hex Nordenburg.
In Urkunden begegnen wir dem Namen
öfter: Barthen die lyschke hat 9 krecze-
mer^ iezlicher czinset 3 mark, die zu
Lunenburg (Leunenburg) us der lyske^ die
gehören dem pfleger. Rat^ scheppen und
die gemeyne der lyscliken czur Ilaw (Pr.
Eylau) . . . huldigten . . . am Sontage
nach PetH dd vincula etc. Vgl. die
ausführliche Abhandlung von Toppen:
Über preul'zische Lischken, Flecken i^.
Städte. Altpr. M. IV, 51 \ ff. u. 621 ff.
Nsslm. Forsch., 2; Th. , 95, macht
darauf aufmerksam, dalz beide Bedeu-
tungen des Wortes Verwandtschaft zei-
gen, indem Lischke 1. für das Indivi-
duum dasselbe ist, was Ldschke 2 für
die Bewohner einer Ordensburg war,
nämlich der Verwahrsam für den Mund-
vorrat. Toppen (Altpr. M. IV, 149)
wie Nesselmann (Altpr. M. VI, 317)
weisen für die Ableitung des Wortes
auf das altpr. listis (Voc. 412) Lager,
Heerlager hin, ersterer mit Hindeutung
aui das lit. lizdas Nest, letzterer mit
Lischkener — Litauer.
31
der Annahme einer falschen Schreibung
statt ii'scis. Mit dieser Annahme wäre
jedoch nur Lischke 2 erklärt; für 1.
bietet sich das von Toppen a. a. U..
genannte Zisa, liska^ lisica, das in ver-
schiedenen slavischen Sprachen in der
Bedeutung von acutes ^ craticula ge-
flochtener Korb, Hürde,* Gitterkasten
vorkommen soll, und das poln. ittszczka
Hülse, Samenbehältnis, hohles Behält-
nis, Schale bedeutet. Mrongo.v. H,
415b; I, 202b. N. Pr. Prov.-Bl. a. F.
VII, 108. — Scherzweise bezeichnet
man mit Lischke 1 auch den Bq^uch^
Magen: Ei' hat seine Lischke gut voll-
gepackt^ er hat tüchtig gegessen. Sprich-
wörtlich : Kopp af^ Zagel ön de Lusch,
Elbinger Ndrg Öck Heir^ du Herr,
wer ward LöscJike dräge? Wat Gott
göft^ dat stock ön e LöscJike, Sprw. I,
1586. 1354. Bock, 32. Hennig,
148. Schmitt, 108. Sperber, 40.
Schemionek, 23.
Lischkener, vi.^ pUd. LOschkener, nach
llennig, 149, Postbote, weil ein sol-
cher die Briefe und kleineren Pakete
in einer Lischke mit sich trug. Nsslm.
Th , 95.
Lischkenkicker, pltd. LOschkekicker, m.,
der in die Lischken kuckt, sie revidiert,
der Steuer - Kontrolleur. Vgl. Sack-
spicker.
Lfse, /., w. Vorn., Elisabeth, als
dumme Lise das Seitenstück zum dum-
,men Hans,
LTseo, Füssen, ;)Zttr..^, Fett des Schwei-
nes am Bauche, s. v. a. Sclimer. Müh-
ling.
Liske, /, s. Lischke.
Lisring, ?/2., gebogeiies Eiseuband mit
zwei Endringen, in welchem an Lis-
stock u. Runge die Wagen leitcr ruht.
An einfachen Leiterwagen, namentlich
in Masuren, ist das Band aus festen
Wurzeln gedreht und heii'zt dann Lis-
w6de, /., Lisweide; Weide - Rute.
Letzterer Name vielfach auch über-
tragen auf den (eisernen) Lisring,
Lisse, w. Vorn., Elisabeth. Engeseg-
net he/t de Paster Jan on Lissen en de
Tni. Volksl, 42, 27, 2.
Lisstock, VI., s. Us.
Listen, Dorfname, s. Leisten.
Liswede, /., s. Lisring.
LK, Litt, pltd. Lött; n. 1. Sclienk-
bänk, Ladentisch, Krämertisch, ge-
wöhnlich Tonhank^ Tombank^ /.- In
ihr befindet sich eine Klapp thür,
welche den Verkehr zwischen Verkäu-
fer und Käufer ermöglicht. Ouch alle
dg do byr schenken, dy sullen einen ke-
gyl vf ir lyt setczen by.XXXVl schü,
Willkür der Stadt Marienburg von 1365.
Voigt, Gesch. Marienburgs, 528. Bei
Jeroschin auch in der Bedeutung von
Glied, Teil, Abteilung: al sine lit ir-
qudniin 54 a. der lidir ardenunge 2 c.
Pfeiffer, 189. 2. Gelenk am Deckel
eines Trinkgeschirres. Hennig, 146.
Ahd. lit, litfi, lid, mhd. lit Deckel oper^
culum, angs. hlid, n, Deckel, Thür,
engl, lid Deckel, altfr. Idid, lid dass.,
altnord. hlidJi Thür, dän. led Zaunthür.
Schade, 407a.
Litauen, Littauen, pltd. Lettaue(n), n.,
Ländername. Das preul'z. Litauen um-
fafzt das Gebiet zwischen den Flüssen
Deime, Pregel, Angerap und Goldap.
Litauer, Littauer, pltd. Lettauer, m.,
Bewohner von Litauen. Ausführliches
über ihn enthalten: Lepner, Der
preusche Littauer etc. Danzig 1744.
Pierson, Matthäus Prätorius' Delieiae
Pinissicae etc. Berlin 1871. Bock; Ver-
such einer wir th schaftlichen Natur-
geschichte etc. Dessau 1782. 1, 154 ff.
Preul'z, Preulzische Landes- u. Volks-
kunde. Kgsbg. 1835. S. 224 ff. ihre
♦ r
32
Litewka — Lob.
eigentömlichen, Volkslieder, Dainos^ fin-
det man in: Dainos oder litthauische
Volkslieder, gesammelt etc. von L. J.
Rhesa. Kgsbg. 1825. Nesselmann,
Littauische Volkslieder, gesammelt,
bearbeitet und übersetzt Berlin 1853
Lit. Volkslieder und Mitteilungen über
deren Wesen bieten ferner die N. Pr.
Prov.-Bl. I, 230. II, 261. 321. HI, 80.
V,59. 88. 344. VI, 16. 190. 199. VIII,
401. 411. 416. X, 321. 323. XI, 88.
97. 240. N. Pr. Prov.-Bl. a. F. Xlt,
356. 421. Ebenso enthalten dieselben
vielfache Mitteilungen über lit. Sprache,
Sagen, Sitten und Gebräuche. Vgl. III,
367. IV, 144. 209. 173. V, 232. VII,
456. 463. VIII, 73. 75. 469. Die
Sprache der Litauer fixierten die Wör-
terbücher von Ruhig, Königsberg
1747; Mielcke, Königsberg 1800;
Nesselmann, Kgsbg. 1851; Kur-
schat, Deutsch-lit. Wb. Halle LS70ff.
2 Bde.; Kurschat, Grammatik der
lit Sprache. Halle 187n. A. Bezzen-
bergers lit. u. lettische Drucke des
16. Jahrh. Göttingen 1874 ff. u. dessen
Litauische ForschuDgen. Ebd. 1882.
Von beachtenswerter Bedeutung sind
auch die Mitteilungen der (1879 ge-
stifteten) litauischen litterarischen Ge-
sellschaft. Heidelberg 1880 ff. — Der
Litauer im Sprichwort: Der Litauer
ist keinem Deutschen treu und wenn er
bis Mittag schläft — und wenn er mit
ihm in einem Bett schläft. Der Litauer
läfzt seine Nicken nicht. Der Litauer
kommt mit dem Zaume auf die Welt
ist ein guter Reiter. De?* Litau^ rei-
tet in den Wald und kommt zu fahren
heraus, er ist ein guter Schirrarbeiter.
Vgl. Sprw. I. 2442 ff. Der Litauer
nennt sich einen. Ochsen j den Szameiten
einen PfahL den Juden einen Strick
(zum Anbinden des Viehes), den Polen
grünes Gras, den Deutschen eine Rose,
Passarge, Balt, 140.
Litewka, /., kurzer Männerrock,
Waffenrock der Invaliden aus den
Freiheitskriegen. Tapiau. Poln. litewka
Litauerin.
Litt, n., s. Lit
Littauen, n., s. Litauen.
Littauer, m., s. Litauer.
Litter, /., Leiter. Oberland. Erm-
land.
Litze, /., dünne runde Schnur. Ver-
gnügte mich an der künstlichen Ver-
schränkung der Lizen in der Decke des
obem (Kutschen-) Bodens, Soph. R.
IV, 441. Vgl. Grimm, Wb. VI, 1072.
Litzenpulver, auch Mützen-, MUtzclien-
pulver, n., Medik Pulvis albificans.
Lizent, m, 1. Abgabe für ausgeführte
Waren, Seezoll, Zoll, Accise überhaupt.
Von dem lat. licentia, 2. Gebäude,
worin der Lizent erhoben wird. . . . dafz
die Visitators im Thor und auf dem
Licent jedermann durchsuchen, • Soph.
K. II, 16. Wer die ganze Einrichtung
des Licents nv ht leiden kann, der kann
auch keinen der beim Licent angesetzten
Offidanten ausstehn. Ibid., 315.
Lizentschreiber, m., Schreiber auf dem
Lizent. Herr Licentschr eiber, Uissen Sie
ihn doch rufen . . . Herr Licentsclireiber,
sie soll atu'h kommen, Soph. R. VI;
536.
Lizentträger, pltd. Lizentdräger , m.,
Arbeiter auf dem Lizent-Packbofe.
Lob, pltd. Lob, n.. Ruf, Führung; das
den Dienstboten ausgestellte Zeugnis,
es sei lobend oder tadelnd, ja sogar
in der Verbindung st^hlechtes Lob, Sich
nach dem Lob erkundigen; — nach dem
Lob fragen, bei der bisherigen Herr-
schaft des Dienstboten über dessen Be-
tragen und Auffühnmg Erkundigung
einholen.
Lobatsch — Loddert.
33
Lobat8€h, 771., roher^ ungeschlachter
Mensch. Treichel. Vgl. Labasch.
ISbbern, dtr., s. labbern.
Lobde, Lobe, /., s. Läwe.
Ubenichty pltd. LVwnicht, LSwnick, m,y
Stadtteil von Königsberg, früher selb-
ständige Stadt Der Löbenicht hat
wahrscheinlich seinen Namen von dem
Flüfzchen Lobe mit der Endung nick
' welche zur Bezeichnung der an einem
Orte wohnenden Ansiedler oft vorkommt
(WoliUnick an der Wolitte), Der Or-
den und die deutschen Einzoglinge
mochten die neu erbaute Stadt im
Gegensatz zur Altstadt Neustadt nennen
(Hennig, 147); man wäre aber kaum
auf den Gedanken gekommen, fQj* diese
Neustadt den Namen Löbenicht zu er-
•
finden, wenn nicht schon vorher eine
Ansiedelung gleicher Benennung an
dieser Stelle vorhanden gewesen wäre.
Das Flüfzchen Liebe bei Marienwerder
biefz altpr. lywa^ lyva, lyve (Nsslm.
Th , 95), von den Deutschen in den
für Flüsse sinnlosen Namen Liehe um-
gewandelt. (Flüfzchen mit dem Namen
Liebe giebt es noch bei LiebemQhl,
Liebstadt, Barten). Einen solcben Na-
m^n hat nun wohl auch das Flüfzchen
gefuhrt, welches von oben her an der
Stelle des später angedämmten Schlofz-
teiches flofz, und sodann an der Grenze
> des Lobenichts (heute der Katzbach) in
den Pregel mündete. Der daran liegende
Ort hiefz nun Lifwenick^ Lowenick,
Yhchd, Löbenicht. Hoffheinz, Stral'zn.,
599 f.
Uchel, n., s. Lächel.
LBchelbinse, /., Waldbinse, Scirpus
süvaticiis L, Hagen, 58.
IScherig, gewöhnlich ISchrig, lächrig,
odf/., kritisch, bedenklich, verwickelt.
De Sach ös löchrig^ sie hat ein Loch.
Mühling. Nach Treichel ISckerig
FriadkUtr, WorUrbaeb II.
löcherig. Mir ist so lockerig im Magen^
ich fühle Appetit: lockerig im Magien
und leckerig auf der Zunge.
Locke,/., Flocke von Wolle, s. Flusch,
Treichel. ISckerig, adj., s. IScherig.
Lockrinski, m., von locker mit poln.
Endung, lockerer, leichtfertiger Mensch.
Schemionek; 23.
Loddchen, Pfizn., s. Lottchenblatt •
lodderig, gewöhnlich loddrig, adj, 1.
von loddemy in allen Bedeutungen. 2.
unordentlich in der Kleidung, schlotte-
rig, ohne Halt, lose, nachlässig; nach
Gordack auch unzuverlässig. Ahd.
lotar^ mhd. toter, htter locker, leichtfer-
tig; nichtsnutzig; gauklerisch. Schade,
571b. In Hessen noch lotterig \x, lod-
dericht Vilmar, 254. Bock, 31.
Hennig, 147. Nsslm. Th., 218. Sper-
ber, 21. •
Lodderjän, m.y wörtlich hddriger Jo-
hannes. S. Loddert
loddern, sw. 1. müfzig. gehen, fau-
lenzend die Zeit totschlagen. Er lod-
dert den ganzen Tag umher, 2. ohne
Anstrengung, träge, mangelhaft, lang-
sam und schlecht arbeiten. Hiervon
das Subst. Gelodder, n. Das ist ein
reines Gelodder und keine Arbeit. 3.
mit dem Seinigen unwirtlich umgehen,
es verbringen, verkommen lassen: ver-
loddern. Es ist bei ihm alles verloddert
Er ist ganz verkoddert und verloddert^
in Kleidern und Wesen herunterge-
kommen. In Hessen laddem. Vilmar,
234. Für Liv- und Estland bei Hu-
pel, 144. Sali mann, 74. Vgl. ver-
ludern, loddrig.
Loddert, m.^ schmutziger, unordent-
licher, verlodderter Mensel^, Taugenichts,
Mui'ziggänger. Unter den Schimpf-
wörtern bei Stein, Peregrinus XIl, 82.
W. Mtsbl. V, 191. Mhd. loter, lotter,
lockerer^ leichtfertiger Mensch, Tauge-
34
Loden — löfsch.
nichts; lit. Idtras^ Spitzbube. Schade,
571b. Ebenso Lodderjan. In Hessen
Ladderhans. Vilmar, 234. Vgl. Lie-
derjan.
Loden, plur.^ alte, wertlose Kleider.
Sie hatte nur die paar Loden auf dem
Leibe. Treichel. Ahd. lodo, ludo^
SLf^s. loäa, altn. lodi grober Mantel, zot-
tiger Überwurf. Vgl. Weigand I,
960. Grimm, Wb. VI, 1116.
loden, sw.j Bettfedern in die Ein-
schüttung (s. Einlatt) füllen.
Lodiksblatt (o kur?), r^., Pflzn., ge-
bräuchliche Klette, Lappa officinalis
All.; wohl von dem poln. hdyga Sten-
gel. Die Pflanze heil'zt auch Pfaffen-
knSpfe, jp/t^r. Kr. Carthaus. ImWeichsel-
deltA Klettenbusch, Klattbosch, von Klette
oder Klatten = Klunkern (s. d.). Trei-
chel, Volksth. I u. lU.
Lodtehak, m,^ verlodderter Mensch,
ohne Haltung, in unordentlich hängen-
den Kleiden). Davon lodtehakig, adj.
Nsslm. Th., 96. Vgl. lodderig, Loddert,
Leichak, Laband.
Lodiche, /., Weichselkahn, flaches
Flulizschifi*, nach Schemionek, 23,
offenes flachgehendes Frachtschiff füi*
den Drausensee. Poln. lodz^ russ. lod'jay
böhm. lodj Boot, Kahn, Schiff'; in Est-
land Lodge Lichterschiff. Nsslm
Forsch. 3. Pierson, A. W., 24. Sall-
mann, 13. Nsslm. schreibt auchLo^i-
dije. S. Lit-Aeq., 20.
LOfFel, LefFel, pltd. Lfipel, m. Bei
Jeroschin: leffiL Pfeiffer, 186. 1.
in Redensarten : Den Löffel fallen lassen
— hinlegen — weglegen — umdrehen^
sterben. Et heft wedder ener den Lepel
hengeleggty sagt man, wenn die Sterbe-
glocke geläutet wird. Einen über den
Löffel barbieren^ ihn betrugen. Sie
essen mit (aus) gro/zen Löffeln, es geht
bei ihnen hoch her. Er ifzt heute mit
dem grofzen Löffel, befindet sich in
vornehmer Gesellschaft. Er ist dicht
beim silbernen Löffel^ ist seinem Ziele
sehr nahe. Den Löffel umkehren^ hat
aber auch eine rein wörtliche Bedeutung.
Wer bei der Mahlzeit, namentlich bei
einem Gastmahl, den Löffel umgekehrt
auf den Teller legt, deutet damit an,
dafz er von der genossenen Speise zur
Genüge habe. 2. Ohr, zunächst des
Hasen, dann aber auch des Menschen.
Eis ist ihm auf die Löffel gefallen^ er
ist schwerhörig, taub. Vgl. Sprw. I,
2453 ff'.; II, 1734 f.
LOffelgardist, Lepelgardist, m., Spott-
name für einen, der. sich mit Unrecht
rühmt, Soldat gewesen zu sein; auch
scherzhafte Benennung für einen Kna-
ben.
LSffelkost, pltd. Lüpelkost, /. (in der
Dzg. Nhg. mit kurzem e\ Speise, die
mit dem Löffel zu essen ist: Vorspeise,
Suppe. BjS war niehts als Löffelkosty
zur Bezeichnung einer dürftigen Mahl-
zeit. Hennig, 147 f. Scherzweise:
Flesch ÖS de beste Lepelkost Sprw. I,
904. Für Liv- und Estland bei Hu-
pe 1, 144. Vgl. hOjanen.
ISffeln, leffeln, pltd. Ifipeln, sw. 1. mit
dem Löffel essen. Ist es nicht geschef-
felt, so ist es doch geleffelty als Aus-
druck der Genügsamkeit. Übertragen:
Es löffelt sich ^ so sachtche fort, man
konmit allmählich vorwärts. Treichel
hat noch vor- und nachlOffeln, im Trin-
ken vor- und nachkommen. 2. schmei-
cheln, schön thun: Sich gelöffelt füh-
len, sich geschmeichelt, geehrt fühlen.
Erinnert an Löffel = Ohr (Hase). Bu-
len, Löffleny schertzen, Leckejm, schos-
siren, cm'tesiren, kiitzeln, streichlen, Hei-
sen, küsnen, Possen. Stein, Peregrinus
XIII, 1. W. Mtsbl. VI, 111.
ISfsch, Kfsch, ISpsch, ISwsch (Vokal
löften — Lomse.
35
lang), adj.^ läufiscb, brunstig; von der
Hündin; übertragen auf mannstolle
Franenzinimer. De Zock ös löfsch^ die
Hündin verlangt nach dem Hunde.
Bock, -32. Hennig, 148.
Üfften, 9w.^ s. lüften.
ISflig, ctdj.^ von laufen^ pltd. I6pe(n\
lo/eriy flink, schnell, munter. Leute^
sad hey heite seid mer mal hvpsch löfUg
ze Bein. Dorr, Driewjagd.
lohnen, sw, 1. befriedigenden Ertrag
gewähren. Der Roggen hat in diesem
Jahr gut gelohnt 2. von Erfolg be-
gleitet sein. Das lohnt schon. Dem
ein gutes Wort zu geben ^ lohU nicht,
es wäre vergeblich. Im ersten Sinne
auch bei Hupel, 144.
Lohnhofmann, -hOmann, 7n., s. Hof-
loi, adl/., laU; säumig, laiz, träge.
Dönh. Friedland Ostpr. Holl. lui
trage. Davon loien, sw. Von Pferden,
welche nicht mehr ziehen wollen oder
können, sagt man, sie loien.
loien, sw.y 8. das vor.
Lpllafsch, m.y aus loi und latsch von
latschen (s. d.) zusammengesetzt, trä-
ger, matter, abgespannter Mensch, der
nicht vorwärts will oder kann.
Lok, Pflzn., Sumpf- Brachsenkraut,
boetes lacustris L., wohl nur der pltd.
Lauchy mit welchem das Brachsenkraut
Ähnlichkeit hat. Treichel, Yolks-
ihümliches U.
LBIapp(olang), ?n., Nichtsnutz, Leicht-
fufz. Lafz den Löhiapp, den Schulz,
fahren. Soph. R. VI, 123.
LBIge, /., Lilie^ s. Ulge.
Lommo, kurz Lomm, auch wohl Lumme,
/., nach Nsslm. Forsch. 3, und Th.,
218, kleiner flacher Handkahn^ Boot,
dessen sich die Jäger bei der Enten-
jagd bedienen, dann Entenlomm ge-
nannt. Der Jäger legt sich der Länge
nach in das Boot, die Flinte neben
sich, und sucht sich mittels ganz kur-
zer schaufelartiger Handruder dem En-
tenvolke unbemerkt zu nähern. Der
Name tritt jedoch allgemein für Boot,
Kahn auf. Nach W. Seidel, 32, ist
luomme ein Flufzfahrzeug, dessen sich
die Nehrunger zum Transport von Ge-
treide und Vieh bedienen. Auf dem
frischen Haff heifzt Lomme ein flach
gebautes kleines, offenes Segel- und
Ruderboot, ja selbst ein grölzeres Fahr-
zeug zum Transport von Steinen, die
es selbst mittels Hebevorrichtung aus
der Tiefe emporhebt. De Lomm toat\i
tärt (geteert) on värgesocht, zur Zeit
des Eisganges. D orr, 18. Vgl. Sicke u.
Angelsicke.
Lommenreeder, tti., Spitzname für einen
Fischer, der ein kleines Boot oder einen
kleinen Kahn besitzt und sich daher
mehr dünkt als seine Nachbarn; über-
haupt ein reicherer Fischer.
Lumpen, plur,^ unterer Teil der Bein-
kleider, etwa von der unteren Wade
abwärts. Hosen hadcC he ohne Lömpen.
Dorr, 63. Volksl., 16, 8, 6. Nicht
bloi'z unten zerzauste und abgerissene^
sondern auch aufiallig kurze Bein-
kleider nennt man Hose ohne Lömpen.
Lomse, /., Stadtteil in Königsberg auf
dem westlichen Ende der Insel zwi-
schen dem alten und neuen Pregel. An-
fanglich war diese Gegend mit Baum-,
Hopfen-, Kohl- und Küchengärten,
Scheunen, Speichern und Ställen be-
deckt, uÄd noch im Jahre 1535 ver-
pflichteten sich die Einwohner der Alt-
stadt durch einen Vergleich mit den
Kneiphöfem, hier keine Wohnhäuser
und Keller zu erbauen. Faber, 138.
Eine Deutung des Namens Lomse ist
bis jetzt nicht gelungen. Die mir aus
kaufmännischen Kreisen gemachte An-
8*
36
Lönne — Loröl.
gäbe, dal'z Wittinnikcr, SchimkcD, von
homza an dem Narew, welche Stadt in
alter Zeit mit KöDigsberg lebhafte
Haodelsverbindung hatte, hier ihre Ge-
treidelager aufgeschichtet, ihre Quaran-
täne gehalten und sich eine ähnliche
Stätte hergerichtet, wie die Firnen auf
der Przerabka in Danzig, läiizt sich
nicht begründen.
LSnne, /., s. Leinbaum.
Lopatke, /., s. Lapatte.
LOper, m., Läufer, Zugleine mit Stroh-
wiepen oder Strohbundeln besetzt, zum
Aufscheuchen der Fische. Putziger
Wiek. Vgl. Wischleine.
Loppen, 77)., Haufen; vom Heu in der
Menge, wie man es den Pferden in die
Kaufe wirft. De Peerd gekregen fresche
Streu Un enen degen Lappen Heu,
Viol^t, 102. 194.
• ISpsch, adj,^ s. lOfsch.
Lorbas, m., Lieblingsschimpfwort in
Ostpr., besonders in Kgsbg., auf einen
rohen, rüden,- flegelhaften Menschen,
namentlich auf einen ungeschlachten,
halbwüchsigen, bengelhaften jungen
Burschen, in dem Sinne von Lümmel,
Taugenichts. Aus dem gleichbed. lit.
lurbas^ lett. lurbis dummer, gedanken-
loser Mensch. In Estland Lurjes Schlin-
gel, Lotterbube, Lümmel, lurfus
Taugenichts, von lurjamq unnütz um-
herschlendem; isL luri, schwed. lurk
Schlingel; erinnert sei an das pltd.
lüren^ lauem, lungern, faulenzen. In
der Saalfelder Gegend auch Lorbasch.
Im Brem. Lobbes, Nsslm. Wb. 376a;
Forsch. 2; Th., 96. Pierson, A. W.,
24. Lit. - Aeq., 20. Brem. Wb. lU,
77. Sperber, 2L Schemionek, 23.
Hupel, 147. Sallmann, 53b. Da-
von das Adj. lorbassig. Vgl. Laband.
Lorbe, /., Keil, den die Brettschnei-
der von den Stützen ihres Gerüstes in
die Erde einschlagen, damit diese nicht
ausgleiten. Ermland. In der Gegend
von Nordenburg LorL Mühling, N.
Pr. Prov.-Bl. a. F. IE, 440. Lork, w.,
Lorke, /., ist zunächst der Keil, mit
welchem die Brettschneider den Schnitt
erweitern, um der Säge leichte Bahn
zu machen. Die Lorke schlagen, den
Keil weiter auf die Säge zu treiben.
Lorch, /. u. m., Lerche, s. LSwark.
LöPe, Lör, /., Dem. Lörchen, w. Vorn.,
Leonore, Eleonore. Ich that Lorcheh
vieinen Antrag. Soph. R. II, 170.
Lorenz, m. Vorn., Laurentius. Hart-
wich, 54.
Lorenz, w., krummer, Reverenz, und
wohl nur Korrumpierung dieses. Wor-
tes, Visite. Einen hemmen Lorenz
machen, einen Glückwunsch darbrin-
gen, durch einen Besuch Ehrerbietung
bezeugen. Sprw. I, 2460. Op der du
Feu' on Brochmansche Kesting icuU
sienen krommen Lorentz maacken an
truhai^er Buhr. Titel eines Hoch-
zeitskarmen. Königsberg, 1722. Carm.
nupt I, 282. Vgl. LOweiiengs.
Lorenzer, Sanct, plur,, Bewohner von
8t Lorenz, Kirchdorf im Samlande,
Kr. Fischhausen. Der Volkswitz nennt
sie Schnodderschmtter (-schmeifzer),
spricht ihnen also den Gebrauch des
Taschentuches ab. Vgl. Sprw. 1, 2461.
Lork, m,, Lorice, /., s. Lorbe.
LOrk, LSrke, /., Lerche, s. Lewark.
Lorke, Lurke, /., Schelte, Verweis.
Er hat Lorken bekommen. Einem Lor-
ken anhängen. Bock, 32. Hennig,
148. Poln. bu7'ka dass. In Bayern lurken
auch : verächtlich reden. S c h m e 11 e r II,
489.
LorOl, Loriflje, n., Lorbeeröl, mhd.
lorole. Hennig, 148.
lorpsen — losseD.
37
IBrpsen, su?., ralpsen, wohl nur Kor-
rampieruDg dieses Wortes. Friedland
Ostpr.
los, adj, 1. locker. Bei Jeroschin
aucli noch in der Bedeutung; von ver-
änderlich: want vil veste und nwht los
was stn seligir wüle 64 d. Pfeiffer,
190. Er läfzt nicht los und locker^ er
ist ein fester, energischer Charakter.
Vgl. Losbäcker. 2. unangebunden, frei.
Er hat ein loses Maul, redet unumwun-
den, rücksichtslos.
losackem, »w., etwas durch anhalten-
deS; bestürmendes Bitten erlangen. Das
liat tcas gekostet^ bis ich das hsgeacke^ii
habe. Vgl. loseisen unter eisen,
Losbäcker, m., Bäcker losen, lockeren
Brotes, des Weil'zbrotes, im Gegensatz
zu Fastbäcker (s. d.). Hennig, 148.
losbändig, adj,^ ungebundeu, ünver-
heiraCet, locker. Schein ionek, 23.
Losbrot, m, 1. losgebackenes Brot,
Brot vom Losbäcker. 2. Spitzname
für einen schwachen und schlechten
Arbeiter. Ejt ist ein Losbrot^ eigent-
lich Losbrotesser, Sprw. 1, 2465.
Lttsch, /., Laterne. M ü h I i n g.
LBsch (o lang), n., das Schilf, wel-
ches von den Böttchern zum Verdich-
ten der Fal'zdauben gebraucht wird.
Mühling.
loichSre(n), »w,^ pltd., wohnen, frz.
loger. Wo loschert de Herrf Du lo-
scherst ganz nett,
Ufschke, /., s. Uschke.
LSschkener, m,y s. Uschkener.
loseisen, sw,, s. eisen u. losackem.
Loser, LSser, m. jüd. Vom., s. Lei-
ser.
Losgänger, m,y der los* geht, frei und
' nicht gebunden, unverpflichtet ist, un-
abhängiger und unverheirateter Arbei-
ter. Uennig, 148. Vgl. Losmann.
Losleder, m,^ beliebtes Schimpfwort.
Nach Klein I, 286, der nur den Plur.
anführt, in Danzig Leute, welche sich
mit keinem ordentlichen Gewerbe be-
schäftigen, ümtreiber; scherzweise auch
unverheiratete Personen. Sperber, 21,
der für die Etymologie auf los u. ledig
hinweist, erklärt: sanguinischer, leicht-
sinniger Mensch; Schemionek, 23:
„Mensch, dem die Kleider vom Leibe
fallen '', also los auf dem Leder sitzen.
Du Ijosleder^ tvie kannst du so faul
sein! Davon
loslederig, adj.y unordentlich. Als
Schimpfwort: losled'riger Hund!
Losleute, plur. von Losmann (s. d.).
ISslich, adj. u. adv,^ s. I6slich.
Losmann, m., plur, Losleute, Leute,
die los = frei sind, Tagelöhner, die in
keinem dienstlichen Verhältnis stehen
und unabhängig zur Miete wohnen.
Nach Hennig, der nur die Mehrzahl
hat, sind die Losleute unverheiratet,
also auch nach dieser Richtung hin los
und frei, was jetzt nicht stets der Fall
ist. Sie werden auch Losgänger ge-
nannt. Von den' Handwerkern j Po-
wirpen^ Hirten^ Loosgängem und Ge-
sinde soll der Decem treulich eingebracht
werden, Insterbg. Kirch.- Visitat.-Ord-
nung II, §6. Henüig, 148. Li Liv-
und Estland nennt man Lostreiber bäuer-
liche Tagelöhner, Häuslinge. Hupel,
144. Sallmann, 70a. Mnd. losjun-
gere Hörige, die in keiner Genossen-
schaft stehen. Mnd. Wb. U, 729a.
Vgl. Freimann, Hochmieter u. Inglleute.
losschiefzeh, sw.^ plötzlich hervor-
brechen; mit der Rede herauskommend
Schiefze los! zum Kinde, das reden soll.
lossen, s^o, 1. entlasten, ausladen,
lichten. Ein Schiff lossen^ jetzt löschen.
2. s. V. a. aufmerken, achten, hören.
Kommty last uns eilig lossen (^: Possen)
Und sehn^ wer Bräutgam ist, Carm,
38
Losshaken — luchsen.
t:.
nupt II, 280 d. 3. kaufen und ver-
kaufen, also losen. Vonn Fischtrogenen
zu lassen. Es soll kein Mann umb die
Fischtroge auf der Fischbrücken ge-
legen, lossen, es sei/ den das er ein Mit-
bürger ist und habe der Fischer Guide.
Kgsbg. Willkur von 1394. Benecke,
272. Vortmehr soll niemandt anders uf
der Fischbrücke loszen umb die Fisch
tröge und um die Lachs bencke^ den die-
ser Aldenstadt einwohner und mitbürger
und die dieser Fischer gilde haben. Der
Kgsbg. Fischer Rolle 1538 § 6. Be-
necke, 287.
Losshaken, m., Haken am frischen
Ha£P. Eine Laichstelle in demselben
reicht vom Losshaken quer über die
Bucht bei Haffstrom.
lossprechen, pltd. losspreke(n), st, frei-
sprechen. 1. Lehrlinge werden losge-
sprochen^ d. h. vor der Gewerkslade
aus der Jungenschaft entlassen und zu
Gesellen erklärt. 2. Konfirmanden wer-
den vom Unterricht durch die Einseg-
nung losgesprochen, befreit. Danzig.
Klein 1,286. E. Förstern. Anton,
9, 18.
lost Es lost nichty es lohnt nicht.
Emiland. Sperber, 21. Der Infinitiv
losten tritt nicht auf.
LSIz, /., LS(zstock, 77»., s. Us.
löt, adj. u. adv.^ spät. Marienbg.
Ndrg.
Lot, n., Richtung, Ordnung. Es alles
gm Loth, ist alles in Ordnung? Dorr,
l.Wiew., 126.
IStabengIg, IStarbengIg, ISterbengig, adj.,
nach Mühling in der Gegend von Bar-
ten s. V. a. unbändig, aus Rand und
Band; bei Schippenbeil u. Bartenstein
weichmütig, nachgiebig, gleich zu Thrä-
nen gerührt. In der Gegend von Dönh.
blöde, ängstlich, weichmütig. bengig
würde die Doppelbedeutung bängig (von
Band u. bange) haben; Mühling deu-
tet die erste Hälfte des Wortes Iota etc.
= los. (?)
LSthardel, -harl, Pflzn., s. Letharl.
LStt, Tl., 5. UtL
Lottchenblatt, pltd. Lottkeblatt, n., ge-
wöhnlich im plur. Lottchenblätter, nach
Mühling auch Loddchen, Pflzn. 1 . Huf-
lattich, Tussilago far/ara und petasite^
L. I^ttchen, auch Latke, ist Korrum-
pierung von Lattich. In der Gegend
von Friedland und Saalfeld Ostpr. auch
Latkeblatt und BrandlottchenblatL Die
Blätter des gemeinen Huflattichs dienen
den Kindern als Sonnenschirme, die
von T. petas. gebraucht man als Haus-
mittel auf Wunden und Geschwüre.
Hagen, 867. Sperber, 21. 2. grol'zer
Wegerich, Flantago major L. Die Blät-
ter werden als kühlendes u. zusammen-
ziehendes Wundkraut gebraucht. ' Dat
Lottkeblatt helt, kelt on titt de Ilött af\
es heilt, kühlt und zieht die Hitze ab.
S. Leunis, 896. 956. Vgl. Lehm-
blätter.
istwenig, adj., los, locker, ein wenig
los. Pillau. Mühling.
LOwd (ö lang), /., s. Läwe.
iOwen, sw., zieren, besondei-s beim
Essen Low dt man nich, ziere dich
nur nicht! Samland.
LBwen, n., s. Leben.
LOwenhagen, Ortsn., Dorf (Bahnhof)
im Kr. Königsberg. Schimpf: Ön Lowe-
hage ös c Knäke to gnage fer e Hund.
LSwerengs, LSwerenz, /., s. Lewerengs.
IVwsch (o lang), adj.^ s. lOfsch.
Lowf8(e), w. Vom., Luise.
ISwthulig, adj., s. lewthulig.
luchsen, luxen, auch lugsen, sw., wie
ein Luchs verfahren, scharf lauernd
sehen, im günstigen Moment schnell
zufahren und stehlen, stehlen überhaupt.
In Zusammensetzungen: abluchsen, be-
Lubatsch — Laedbrot.
39
luchsen. In der SchreibuDg lugsen ist
an lugen gedacht. Vgl. Grimm, Wb.
VI, 1223.
Lubatsch, ?n., s. Läband.
Lnbbe, /., Pflzn., Gartenmalve, Lava-
tera trimestris L. Mühling. Dönh.
lubben, sw.^ verschneiden, entmannen,
kastrieren; schinden, abschinden. Mnd.
u. holl. lubben dass.; lit. luppuy Iwppau^
lupsu^ lüpti schälen, schinden. Bock,
S2. Hennfg, 149. 331. Nsslm. Wb.,.
S76a.
lUbbem, sw,, s. labbern.
Luchty f.y Bodenraum, Söller. Ostpr.
In. Westpr. ßon, Bän, Lacht = Luft ;
dän. u. engl, loft Boden, Söller, in Liv-
und Estland Lticht und Luft Fenster,
Fensteröffnung. Auf der luftigen Lucht
wird Wäsche getrocknet. Auf dei* Lacht
wohnen^ im höchsten Stockwerk woh-
nen. Er ist von der Lucht gefallen^
hat sich die Haare verschneiden lassen.
Brem. Wb. III, 31. Bock, 32. Hen-
nig, 149. -Sallmann, 37.
' Luchte, /., s. LOke.
Luchtenknaster, Tn., Knaster, nur auf
der Lucht zu rauchen, zur Bezeichnung
einer schlechten Sorte Rauchtabak.
Auch Luchtländer, aus dem Luchtlandc.
Vgl. Drängsei.
luchtem, adj. 1. munter^ freundlich^
hell, leuchtend, lebhaft^ keck, feurig.
Ef'n luchtemes Mädchen, Was hat die
für luchteme Atcffen ! Diese guten Eigen-
schaften in der Entartung: durchtrie-
ben, pfiffig, listig, yerschlagen (Müh-
ling), leichtfertig (Schemionek, 24),
begehrlich, lüstern (Sperber, 21). Se
plinkt mi to on kickt mi von der Sied
80 luchtern (begehrlich) an. Dorr, 1.
Wiew., 20. Der Stamm des Wortes ist
Licht ^ goth. liuhtfan, ahd. liuhtan^
mhd. liuJiten leuchten, Licht verbreiten.
Schade, 566a.
Luchtländer, m., s. Luchtenknaster.
Lücke, f., s. LQke.
lUcke, lUck, adj,, glucklich. Je sehe-
wei* je lücke^ je me' (mehr) de Lüed
dana kicke, Jerrentowitz. Im Brem.
luk^ im Götting. lücke^ im Rein. Vos
lu^cke^ n.j das Glück, holl. luk, engl.
luck, Brem. Wb. III, 96. Scham b.,
127 b.
Ludd, m. Vorn., Ludwig.
Luder, n, 1. Fleisch. Das Pferd be-
kommt Luder auf die Knochen^ es wird
fett. 2. Aas. Das stinkt unterm Lu-
der^ ärger als Aas. 3. altes, mageres
Pferd: 4. Schimpfwort, auch in scher-
zendem Tone: ßr ist ein dammligeSy
ein vei*drehtes Luder. Sprw. I, 2471.
5. Bei Jeroschin Spiel, Verlockung,
Nachstellung, Lockfalle. Pfeiffer,
190. 6. Haut, zur Bezeichnung der
Faulheit. Dingsdag lig öck op dem Lo-
der {Luder) ^ auf der faulen Seite.
Sprw. I, 2653.
Luderbude, /., im Volksmunde Bude,
in der abgekochtes kaltes Fleisch feil
gehalten wird. Eine solche stand in
Königsberg an der Holzbrücke.
Luderjan, LUderjAn, m,, verluderter,
verlodderter Mensch. Vgl. LodderL
Luderkaule, pltd. LQderMtl, /., Grube
für das' Luder, Aasgrube. Dat stinkt
urt on e Luderkul,
lodern/ sw, 1. faulenzen, tagedieben.
Er ludert den ausgeschlagenen Tag herum,
Mhd. luoderen, luodem schlemmen, ein
lockeres Leben führen. Schade, 578a.
2. Luder fressen; von Tieren. Bei
Jeroschin: verlocken, reizen, da mite
st in Inderin (: brüderin) woldin vf de^
todis ds 84d. Pfeiffer, 191.
Lüding, m,, s. Lädings.
Ludichak, m., Taugenichts^ s. v. a.
Leichak.
LUedbrot, n., LUedstftw, /., s. Leute.
40
lüften — LulleL
lUflen, pltd. ISfte(n), sw. 1. befreien,
öffnen, aufmachen und dadurch der
Luft Zugang verschaffen. Das Zimmer
lüften. Schoten lüften — auslüften,
aufmachen, enthülsen, die Erbsen aus
den Hülsen nehmen. Engl, to lift,
schwed. lyftcLf dän. lofie^ franz. lever^
lat. u. itaL levare. Sperber, 21. 2.
Platz machen, Bahn öffnen. * Eck schreg:
Wech! Platz gelofft! Cami. nupt, I,
282.
LUfUing, n»., windiger, leichtfertiger
Mensch.
Luftpulver, pltd. Loftpolver, n., grauesy^
pulverisierte RacUx ipecacuanha. M u h -
Lufltropfen , pltd. Loftdroppe, f>/ur.,
Medik. Spiritus aethereus.
higen (u kurz), sir., lugen, lauem,
ahd. luog*^ mhd. luogen aus einem
Wrstecke hervorsehen. In Masuren
(Bialla) nennen die Kinder im Versteck-
spiel das verstohlene Sehen durch die
Finger der die Augen bedeckenden
Hände luggen. Du mujzt luggen! d. h.
dir die Augen zuhalten, sagen die
Kinder, welche sich verstecken wollen,
zum „winkenden^ Kinde. Vgl. pKnzen.
Ulgensack. pltd. Legesack, i/»., zur Be-
zeichnung eines Menschen, der gleich-
sam einen Sack voll Lügen mit sich
fährt, eines grofzen Lügners.
bgsen, str., s. hicliseiu
Lukafz, m.. Klotz, auf den ehemals
die Verbrecher behufs der Auspeitschung
gelegt wurden. Von dem lit. /«fXtviniji.
Sie (Wahrsager u. Zigeuner) soüen von
Anfang zum u>enigsten mit dem Ge-
fängnis und der Luiatzeti gtzüektigf
und gestraft trerden. I osterb. Kirchen-
Yisit,-Ordg. Uennig, 149. Nsslm.
Forsch. 2; Th, 97.
Lyke, hin und wieder auch üicke, r..
fensterartige, jedoch unverglaste Öff-
nung in Speichern und Bodenraumeu^
die mit einer Lade geschlossen werdm
kann, auch in Kellern, die jedoch meist
offen bleibt und als Luftloch dient;
Eingangsloch in den Verdecken der
Schiffe, das eine Fallthür scUiel'zt
Vgl. ahd. luogy luak^ mhd. hjunh^ luoc
Loch etc. Schade, 578b. Die Luke
zumachen, sie mit der Lade schliefzen.
Kickst du ml üt de Lükef venu man
die Schliche eines andern dai'chschaut.
Treichel. Der Tod safz auf der
Keüerluk\ d. h. in der Öffnung selbst
auf dem Lukenbrett. Volksr, 121. 511.
In Hessen der Luken. Vi 1 mar, 2o4.
Brem. Wb. IIl, 97. Dahn , 288a.
Danneil, 129a. Hupcl, 147. Sall-
mann, 37. Hennig, 150. Vgl. LuchL
üikfichte, /., Pflzn., schlechte Fichte,
vom poln. idokno Faser. Schmitt,
Westpr., 166. Treichel, Volksth. Vgl.
Hebte.
Lukrinski, m.. aus luiri^^en mit poln.
Maskulinendimg gebildet, ein Mensch,
der seinen Vorteil zu ergattern ver-
steht. Gortzitza.
Lulch« m.y Pflzn., Schafschwingel,
Festuca ovina L. Boct, XaU IH, 279.
Auch Lolche Lolium peienne L.
Lullcheiu pltd. Lullke, n, 1. kurze
Tabakspfeife. Dat ös geroad genog^
mien LuUke antostocke. Carm. nupt I,
282, 3. ( hi ok nnen IxHrtet LhUke {nam
eck iMf> moty Ibid. VI, 242 b. Auch
LulL Lulle, f. im Flatowschen Lulk,
korruuip. NuUc von dem gleichbed. poln.
lulka, Soll nach Forste mann türki-
schen Trsprangs sein. Schmitt, 108.
2. Säugling, leides von luUen sau-
gen. 3. Nach Bock« 32^ auch Schimpf-
name.. Hennig, 150.
Lliliei, m.y TolpeL den man zum besten
lullen — Lüntrus.
41
hat . . . makt mi ixlm LuUei on drieft
mnen Spa/z mft ml Dorr, l Wiew.,
71.
lullen, sw. 1. saugen, an der Brust.
2. rauchen, weil der Rauchende saugt.
Davon einlullen, ein saugendes Kind in
den Armen schaukelnd einschläfern,
wobei man sein Gesicht auf das des
Kindes druckt und dabei leise siugt
Lumme, /., s. Lomme.
Lümmel, m. 1. zur Bezeichnung eines
unnützen Knaben, nichtsnutzigen Jun-
gen, ünierdessen liefz sich der Lümmel
im Hcnue herumtragen und schrie aus
Leibeskräften. Soph. R. VI, 525. Lüm-
mel als flegelhafter Mensch, Tauge-
nichts, ist allgemein. Vgl. Grimm,
Wb. VI, 1289 f. 2. penis. Seinen Ijüm-
mel anbringeUj coire,
Lumps, 97»., schlechter, grober Mensch,
Lump. Treichel.
Lundrte, Lundnis, ^n., Taugenichts.
In Danzig und. in Westpr. überhaupt
ist Lundris ein ebenso beliebtes Schimpf-
wort, wie in Königsberg u. in Ostpr.
Lorbas.
Lungerbank, /., Bank, auf der man
lungerty Faulbank. Mühling.
Lungerer, m,y Faulenzer.
lungern, sw. 1. faulenzen, mui'zig
gehen. 2. bettelnd etwas zu erlangen
suchen, s. v. a. lunkem (s. d.). Davon
herumlungern, sich bettelnd herumtrei-
ben*
lUnfsch, lUnsch (ü lang), iTnsch, adj.,
und meist in letzterer Form auftretend,
tückisch, versteckt, falsch, hinterlistig;
in der Bedeutung verwandt mit glupsch.
£s ist das im Begriff verstärkte lau-
nisch, pltd. Itinisch, und wird von heim-
tückischen Hunden und Menschen ge-
braucht. Nach Marold in der Gegend
von Kreuzburg dummdreist, von einem,
der, dickhäutig, sich überallhin erst
treiben läfzt. Bock, 32. Hennig,
150. Schemionek, 24: lunsch (wohl
lünsch).
lunkern, sw.^ mit Augen und Gebär-
den nach etwas lugen und langen,
streben, begehren, gierig verlangen;
durch Schmeichelwort das Erstrebte zu
erlangen suchen: das verstärkte lungern.
Pierson in den Lit. Aeq. weist auf das
lit. lunginti schmeicheln hin; Nsslm.,
Forsch. 3, bezeichnet als näher liegend
lungurti in derselben Bedeutung, und
das substantivische lünguro zödzei
Schmeichelworte, lett. lunkis Schmeich-
ler, Fuchsschwänzer, lunkains gelenkig,
schmeichlerisch, und init Übergang des
k in z lunzinaht sich anschmiegen wie
eine Katze, ee- und pee-lunzinatees sich
einschmeicheln. In Zusammensetzun-
gen: ablunkern (s. d.), durch Schmeichel-
wort und Schmeichelblick oder durch
List etwas erlangen, gewinnen, abneh-
men ; in Posen ablucfiem. In gleichem
Sinne erlunkern. Bock, 33. Hennig,
•150. Brem. Wb. HI, 99; VI, 189.
Sperber, 5. Nsslm. Forsch. 3; Thes.,
218. Bernd, 2, Anton, 9, 19.
lUnsch (ü lang), adj.^ s. lUnisch.
Hinsehen, sw., nach Mühling bos-
haft, mürrisch aussehen. Wohl mit
lünisch verwandt.
Luntenpuster, m., Anblaser der Lunte,
Spitzname für einen Artilleristen.
Mühling.
Lunter, m., unter den Schimpfwörtern
bei Stein, wohl = Luntims. Pere-
grinus XH, 82. W. Mtsbl. V, 191.
Lunirus, m., Schimpfwort in dem Sinne
von L(yrbas (s. d.). Lit. lätrojs Tauge-
nichts, Spitzbube. Auch in gemüt-
lichem Sinne: /, Ive kleener Ijuntrujz,
he! wie hot he $ech wedder zugericht!
42
luDtrussig — Machandel.
Schaltj., 1, 437. Ermland. Elbiog.
Pierson, A. W., 25. Lit. Aeq., 20.
Sperber, 42. Schemionek, 24.
lunirussig, adj.^ von dem vor.
Lunz, 771., Lappen, Lumpen; als
Schimpfwort. Ut mienei* Dar^ ji Uex^
ji AaSj ji Lunz^ ji Elk.ß Flerr! Dorr,
1. Wiew., 100.
LOr, 771., hinterlistiger, tückischer
Mensch. Eck sy ön gooder Buar^ findst
du dat nich by my^ so segg: eck sy ön
Luhr, Carm. nupt V, 190 b. Von dem
pitd. lüren lauem, hinterlistig auf-
passen, sich tückisch zurückhalten; da-
her Lürangel tückischer Mensch. Brem.
Wb. m, 101 f.
Lurche, /., schlechter Kaffee. Trei-
chel.
IQre(n), »w., s. lauem.
Lurke, /., s. Lorke.
Lusch, y., s. Lischke.
Luiche, w. Vom., Luise. Davon das
Dem. Lusctichen, G o r d a c k hält Lasch-
chen für Abkürzung von Karluschchen^
Dem. von Karl. Danzig. In Ostpr.
ist Luschchen Tändelname für Personen '
beiderlei Geschlechts.
Luschke, /., s. Lischke.
Lust, pltd. Lost, /. Sie ifzt mit Ldist^
ist schwanger, nach der Wahrnehmung,
dalz Frauen in diesem Zustande ab-
sonderlichen Appetit empfinden. Bock,
33. Sprw. I, 2490.
Lustbude, pltd. LostbAd, /., Garten-
haus, Gartenlaube. Mühling.
Lustgärtnierer, m., s. Gärtnierer.
lustig, pltd. lostig, adf. Er ist lustig,
ist angetrunken.
lutschen, »w,^ anhaltend, ausdauernd
saugen. An einem StUck Zucker — an
der Mutterbrust lutschen. Vgl. ablut-
schen.
Lutschpummel, m.^ s. das. folg.
Lutschpungel, n., Lutsch-, Saugbeutel
zur Stillung kleiner Kinder. Li Westpr.
auch Lutschpummel. T reich el. Vgl.
Pungel.
Lütter, m.^ der durch Feuer abgetrie-
bene Brapntweinstoff. Mühling. Von
lüttem. Vgl. Grimm, Wb. VI, 1354.
lüttem, sw. 1 läutern, abklären, ab-
giel'zen. Mühling. 2. lodern. Ver-
grabenes Geld luttert zuweilen, es lodert,
brennt. Treichel, Volksth. IIL
Lux, m. Vorn., Lukas. FI artwich,
54.
luxen, sw., s. luchsen.
M
m, Schmelzlaut, hat als Anlaut im
Plattdeutsch gleichen Klaug mit hchd.
m, als Auslaut tritt es oft statt n auf:
Fadem Faden, Bessern Besen, Bosseni
Busen, Spadem Spaten, Jumfer, Jam-
fer Jungfer. Lehmann, Volksmd.,
29.
mä, adj., s. mär.
Mäagt, /., Magd. Dzg. Nhg. Vio-
l^t, 102.
Machandel, m., Wachholder, Junipe-
rus; Wach holderb ranntwein, holl. Ge-
never, engl. Crin. Er wird oft mit
Zucker versülzt getrunken und dann
in einem Glase mit einem Stäbchen
zum Umiühren vorgesetzt. Daher for-
dert man : Machandel mit dem Knüppel
und M. ohne Knüppel. Danzig. El-
binger Ndrg. Sprw. I, 1532. Pas-
sarge, 220. Auch in Bremen Machan-
M^he — maddern.
43
d^2 Wachholder, Mcu^handelbeerenWs^h'
holderbeeren. Das Wort ist durch
Wechsel des M mit W gebildet. Brem.
Wb. m, 108. Ebenso bei Schutze
111,70. Danneil, 130a. In Göttin-
gen Machandele u. Macfioldere. S c h a m b.,
128a.
Mache, Mäche, Mächen, pltd. Make, n.,
Mädchen. Ermland. Elbing. Nu wäar es
doch och Zait^ dafz wa^s Mache wo kunne
unjabränge. Ermland. Freisch., 5. An
der See sack he en Machen, Elbing.
Schaltj., 3, 6. Könnt ihr verspreche
dem Mäche Gutts ze thuel Dorr, 1.
Wiew., 13.
Macheier, m., wollener Kleiderstoff
alter Zeit. Kleider-Ordnung v. 1529.
Frisch I, ()30c. Vgl. Durant
Machftle, /., cunnus^ vulva. Friedland
Ostpr. Vgl. Mechtle.
machein, sw.^ aufhetzen, verleumden;
betrugen; betteln. Mühlin g Davon:
Machler, m., Ränkeschmied, Verleum-
der, Betrüger. Machlerei, /., Verleum-
dung, Klatscherei, Durchstecherei.
machleriach, ad)'., zum Hetzen geneigt etc.
Nach T reich el hat machein auch die
Bedeutung essen, wohl von dem hebr.
ochal essen, ma^achol Speise, also Speise
zu sich nehmen.
machen, pltd. make(n) (a «= a)y sw. 1 .
cacarCy in der Kindersprache. Mach
doch! Hast schon gemacht? A-a ma-
chen, 2. aus sich etwas machen^ auf
sich halten, sich geltend zu machen
wissen ; gegenteils : aus sich nichts ma-
chen. Sich breit machen^ hoffartig thun.
Hennig, 320 f. 3. sich machen, pltd.
sock mdke^ sich darstellen, ausnehmen.
Es macht sich gut,, sieht gut, d. h. ge-
fällige ansprechend aus.
Mächen, n., s. Mftche.
machhaftig, od/., angänglich, möglich,
ausfuhrbar. Da» §s nich maclhhaftig,^
dafz das Concil von einem 0/rohr ze
höre kriegt. Dorr, 1. Wiew., 4.
Machhurtig, m,^ Diarrhöe, s. DUnne.
Machtle, m,, s. Mechtle.
Machler, m,, Machlerei, /., machlerisch,
eui/., s. machein.
mächtig, adj, u. adv.y aui'zer der üb-
lichen Bedeutung: sehr, ausnehmend,
besonders : mächtig grojz,, mächtig reiche
mächtig kalt. Hennig, 151. In gleichem
Sinne früher grofze Macht, Das Auf-
gebot zur Heeresfolge an die Freien
auf Samland vom Jahr 1464 schlielzt,
nachdem alle Forderungen genau ge-
stellt und die Mahnung, denselben mit
Fleifz nachzukommen, ausgesprochen,
mit den Worten: denn unserm ganzen
Orden und uns aUen mit einander ist
grofze Macht daran gelegen, Beitr. z.
Kde. Pr. I, 352.
Mächtiger, m,, nach Klein U, 4, ein
Danziger Ausdruck für Advokat, gleich-
sam Bevollmächtigter. Scheint in die-
ser Bedeutung untergegangen. E.
Forst em. In Pommern ebenfalls in
der Bedeutung: Bevollmächtigter.
Dähn., 292b.
mack, adj.,, s. mak.
mackeln, sw,,, wohl Dem. zu ma^hen^
daher etwas im geheimen thun. Klein-
liches vorhaben. Marold.
. Mädchenmutter, /., s. Mägdemutter.
Mädchens, im Ermlande Mäches, pltd.
Makes, plur. von Mädchen. Die Mäd-
chens vom Hofe, Vgl. illa.
maddern, 8^c. 1. unbefugt mit einem
Gegenstande sich zu thun machen.
Man ruft Kindern, welche sich mit
Sachen viel zu schaffen machen, die
sie verderben könnten, zu: Lafz stehn^
madder nicht! Was madderst du an der
Uhr? 2. probieren, versuchen, mit
dem Nebenbegriffe des Ungeschicks,
stümperhaft mit einer Sache umgehen.
u
Madel — Mägritsch.
Wie lange maddert er denn! Maddetm
kostH Geld. 3. etwas stümperhaft aus-
führen, arbeiten, obenhin verrichten.
Das ist man gemaddert und nicht gear-
beitet! Bock, 33. Hennig, 151. 289.
Davon Madderei, /., unnütze und un-
befugte Beschäftigung, schlechte, stüm-
perhafte Arbeit, Stümperei. In Pom-
mern Madderij u. Maddwark, Dähn.,
291b. Madrak, m., Madderer, Stüm-
per etc. Sperber, 38. vermaddem,
durch ungeschickte Behandlung ver-
derben, in Unordnung bringen. Es ist
alles vermaddert, Lit madaröti mad-
dem, unnütze Dioge vorhaben, viadd-
. renka^ m. u. /., Nichtsnutz* Sudeler,
madaras schlechte Arbeit, Sudelei ; pöln.
madrowac pfuschem. In Hamburg u.
Bremen maddeln für martern und übel
handhaben. Nsslm. Wb., 378a; Forsch.
3; Th., 218. Altpr. M. VIII, 366.
Pierson, A. W., 25. Mrongov. II,
580a. Brem. Wb. III, 108. Für Liv-
und Estland Hupel, 148. Sallmann,
37 a.
Madel,m. jüd. Vom. Flatow. Schmitt,
112.
Madenscheifzer, pltd. Madeschfter (a=a);
m. 1. grofze Fliege, Schineii'zfliege,
Aasfliege. Nach Mühling, Tiern-, 174,
auch Madenträger. Wt e Mädeschtter
bromme — kräle, Korrespbl. III, 52.
2. ein Reicher. Ös wedder e Madescfu^
ter (auch Mddesack) gestoi'we, Kgsbg.
Vgl. Bratenfresser.
madig, adv,^ in madig m^achen^ aus-
schimpfen. Du half emal den Alundy
so madig la/z ich mich nicht maclien,
Madrak, m,, s. maddem.
Maffetchen, n., kleiner Witz, Streich.
Ata fettchen machen ^ Streiche machen.
Sperber, 46.
Magarttsch, m., s. Magrttsch.
Magdy pltd. Magd (a = a), in der Dzg.
Nhrg. Mäagtf plur. Mägd£^ im Gegeu-
satz zu Knecht jeder weibliche Dienst-
bote. Von dem, der einen fettigen
Mund hat, sagt man: Du kannst got
Magd* mede (mieten).
Mägdemutter, /., früher Bezeichnung
für eine Gesindevermieterin. Danzig.
W. Seidel, 32. Klein U, 4, hat:
Mädchenmutter. Auf der Dzg. Nhg.
Mägdmöder. Violiit, 102.
mägen, Präs. mag{ch)^ Imperf. mogt^
muchty Part, gemocht, mögen, können,
wollen, begehren. Wer^t ma^h^ de
macKtj wert nich machy de macKt ivol
nich mdgen. Dorr, 79. Wat öck nich
mach, dat drägt de Schlag- Sprw, I,
2646. Mach et all, sei es!
Magenschraper, pltd. Mageschraper,
m., was den Magen schrapt, den ver-
dorbenen Magen wieder in Ordnung*
briogt. Alter Wein ist ein guter Ma-
genschraper, Hennig, 246. Vgl. schrft-
pen u. Schrftper.
Magenwehtage, /., s. Wehtage.
Magerkraut, w., wohlriechender Wald-
meister^ Aspemla odorata L, Hagen,
156
l^agOCj A s. Nage.
Magistratsdroschke, /., Deckelwageu,
in welchem Trunkene oder Renitente
von der Stral'ze fortgeschaflft werden;
auch Nasenquetscher. Königsberg.
maglich, adj , s. maklich.
Magrttsch, Magarttsch, MargrTtsch, m,,
Vertragstrunk,, Kauftrunk, Schmaus,
den nach abgeschlossenem Kaufgeschäft
gewöhnlich der Verkäufer dem Käufer
und den Zeugen des Handels giebt.
Etwas zum Magrttsch geben. JS/u mot
Wt 6k noch Magrttsch drinke. Hennig,
leitet es von merga Maid, Magd, her
und meint, anfänglich sei das Geld dt^-
runter verstanden, welches man den
Mägden beim Mieten auf die Hand
mahlen — mak.
45
gab. Lit. magaryczos^ magryczos^ niss.
mogarycZy magarycz. Nsslm. Forsch.
2; Th., 98. Hennig, 151. 331. Sper-
ber, 41. Vgl. Leinkauf:
mahlen, part, gemahlen^ wühlen, gra-
bend Erde aufwerfen. Der Moltwurm
(Maulwurf) mahlt
Mahlgast, pltd. Malgast, ^n., Kande
in einer Mühle, der daselbst regel-
niäfzig sein Getreide mahlen läfzt. In
früheren Zeiten waren gewisse Dörfer
gewissen Mühlen durch obrigkeitliche
Anordnung zugeteilt; es bestand somit
MaMzwang, Vgl Grimm, Wb. VI,
1456.
Mahlpfennig, m., Zins, den der Orden
von den Mühlen einzog, von 5 bis auf
60 Mark. Mühling.
Mahlzeit, pltd. MaltTd (a ==^), /., Hoch-
zeitsmahL Zfur Hochzeit bist du doch
nicht geladen^ sondern nur zur Mahl-
zeit, sagt man zweideutig scherzend,
wenn jemand von seiner Einladung
zur Hochzeit spricht.
Mähr, Mähre, /., Möhre, gelbe Rübe,
Daucus carota L,
.Maiaffe, pltd. Maiftp, m., Schimpf-
wort. Na solke Maiape!
Maibaum, Maien, m., weü'ze Birke,
Betula alba L, Hagen, 1002.
Maibutter, pltd. Maibotter, /*. 1. Butter,
die im Monat Mai bereitet ist. Ka-
rauschen mit Maibutter^ Karauschen in
Maibutter zubereitet. 2. Medik. Un-
guentum Majoranae. .
Maie, /. u. m., junger Ast vom Mair-
baumy Birkenzweig. Zu Pfingsten
werden Häuser, Zimmer, Baugerüste,
Pferde etc. mit jungem Birkenlaube,
den sogen. Maien, geschmückt. Volks-
kalender, 101.
Maien, m., s. Maibaum.
Maiholz, n., Pflzn., mandelblättrige
Weide, Salix amygdalina L. Hagen,
1015. Pritzel, 354.
^ Maikatze, pltd. Maikatt, /., Katze im
Mai geworfen. Die Maikatzen ersäuft
man, weil sie nicht gut mausen und
viel schreien.
Maikrick, Maikreck, m. u. /., Knäk-
ente, Anas querquedula, Bujack, 388.
Mühling.
Malte, w. jüd. Vom. Flatow. Schmitt,
114. •
Maizauken, /., Pfl2n., gemeine Mai-
blume, ConvaUaria majalis L, Hagen,
368. In Schwaben Maienzacken,
Pritzel, 107.
Mftk, Mftke, /. 1. die Mache, das
Machen, FertigschafiFen eines Dinges.
Dat Kled ös ön e Mdk, ebenso hchd.
das Kleid ist in der Mache. 2. bildlich :
Einen in der Mdk haben — ihn in die
Make nehmen, ihm zusetzen mit Hieben,
Verweisen, Spott etc. Er sieht aus,
als hätten ihn die Krähen in de Mdk
gehabt, abgerissen, unordentlich in den
Kleidern. Sprw. I, 194. Hennig,
150.
mak mack, adj. 1. matt, abgemattet,
müde, abgetrieben, erschöpft, verzagt,
geduldig, friedsam, zahm; von Tieren
und Menschen und namentlich von sol-
chen, die zuvor wild und unbändig
waren.- Nur aber Aug und Haupt im
Noihfall gut verhüllet. So wird das
Thierchen mack, das sonsten rüUt und
brüllet. Carm. nupt. I, 264. Ihr, und
die so mack und kirre. Die so v^liebt
dort stehn im Kranz, Ibid. II, 232 f.
Engl. Tneek, isl. miuk, in Bremen, Dit-
mars., Osnabrück, Holstein mak. Brem.
Wb.m, 113. Schütze III, 72. Dan-
neil, 130a. Hennig, 152. 2. wohl,
behaglicb, zufrieden; Gegensatz unmak,
onmaL Et os gewefz keen dommer
46
mäkeln — malen.
Schnack, Ek fehl mi hier (in der Neh-
rung) gewaltig mack. Viol^t, 194.
mäkeln, sw, 1. Kleinigkeiten tadeln^
Fehler aufsuchen, namentlich an den
Speisen einen Makel finden. Er hat
immer was zu mäkeln, S. bemäkeln.
2. sich mit dem Verkauf geringer Dinge
abgeben, Kleinhandel treiben, oder auch
, das Amt eines Mäklers verwalten. Hen-
nig, 153. Vgl. Grimm, Wb. VI,
1489.
makhafty adj., machhaft, d. i. vortreff-
lich. He word §m Drunk gemakty §s
dat nich en moMuifter Humoi^? Dorr,
1. Wiew., 19.
Mäkler, m. 1. Tadler, tadelsuchtiger
Mensch. 2. Kommissionär, Unterhänd-
ler, Verkäufer.
maklich, adj, u. adv, 1. mächlich,
gemächlich, bequem, leicht, mühelos.
Maklich sitzen^ bequem, unbeengt sitzen.
Maklich geseten on langsam gegeten^ ji
glewen nichy LCdkes, wat de Mensch
denn ierdragen kann. Elbinger Ndrg.
Das kann er maklich vennchten^ damit
kann er ohne grofze Anstrengung fer-
tig werden. Wir können maklich hin-
kommen^ bequem, bei guter Zeit Uck
weer de Anbarg nich to steil^ an so kann
ek ganz macklig opwarts stiegen. Dorr,
Driewjagd. Auch vom Winde: ein
mäkliger Wind^ ein leichter, gelinder
Wind. Marienbgr. Ndrg. onmaklich,
unbequem; unwohl. Dzg. Nhg. Vio-
l^t, 103. 2. behaglich, gemütlich, wohr
lig, lieblich. Ein reicher Bauer sagte
zu seinem Gast: Wenn se sech nu was
metgebracht hädde, könnte wt das ganz
maklich verzehre. Den Schloappölz an^
de Piep öm Muul, Wenn't baten störmt,
da£s maklich fufd. Dorr, Iß. Wenn
wiet de Schwoan trock äwert Land^
Wat weer dat maklich scheen Ibid. 48.
Vgl. Richey, 73. Brem. Wb. III,
114. Hennig, 153.
mäklig, adj. von mäkeln^ wählerisch.
Er ist sehr mäklig im Essen.
Makuwken, plur.j Mohn ; Mohnkuchen.
Flatow. Schmitt, 108; Westpr., 166.
Treichel, Volksth. Poln. mak der
Mohn, makowka Mohnkopf, makowy
placek Mohnkuchen. MrongoviusI,
205b.
Mai, pltd. Mal (a = a), n. 1. Flecken,
besonders Zeichen auf der Haut; wenn
angeboren, so heifzt es Muttermal. 2.
bezeichneter . Mark-, Grenz- u. Sicher-
heitsort bei E^abenspielen. Von dem
Male wird ausgelaufen, wer das Mal
unbehindert erreicht, darf nicht mehr
angeschlagen, ergri£Fen werden. Hier
ist das Mal! Ich bin im Mal! In Po-
sen heifzt es: Hier ist Fax! wohl noch
das übrig gebliebene Latein der Kloster-
schulen. Bernd, 204. Hennig, 153.
malaaslg, adj.^ rein pltd. mäläsig^ von
dem ffanz. malaise Unbehaglichkeit
spuren. Mi ös so mälasig to Modj mir
ist übel zu Mute. v. Au er.
mal auf mal, pltd. mal op mal, ein-
mal nach dem andern. So auch in
Estland. Sallmann, 70a.
Maldeninker, Maldininker, m., s. Surin-
kimininker.
Maldeuten, Ortsn., Dorf bei Saalfeld
Ostpr. Spott: Von Maldeutenf Leck
mir im A. von alV beid! Seiten. Sprw.
I, 2524.
Male, pltd. Male (a = ä\ Dem. MdU
chen, Mälkcy w. Vom., Amalie. Neck:
MälCy Mäle^ Pepermähl^ Dine Kinder
freie veel^ Alle Dag' e Dittkebrot, Nömm
e Kiel on schlag* se dot! Königsberg.
Volksr., 79, 313.
malen, pltd. male(n) (a = ä\ sw.^ pin-
gere. MaV dir wojs^ siehe zu, wo und
M&]gen — mang.
47
wie du etwas herbekommst! Häufig
die Verwechselung mit molere. Der
Müller hat gemalt — der Maler ge-
mahlen. Der Jpleine Junge hat eine Lo~
komotive gemahlen.
Mftigen, plur,y die silbernen Hefte,
womit man ehemals in PreuTzen die
Halsbinden zusammenknüpfte. Hen-
nig, 153. •
Malinchen, n., Fischn., s. Moderlies-
chen.
Malinenbaum, m,^ wilder Schneeball,
Vibumum opultis L, Hagen, 341.
Vgl. Kalinchenstrauch.
Malinne, /., Frucht von RtUms idaeus^
Himbeere. Von dem gleichbed. poln.
malina.
Malke, w. jud. Vom., Fem. zu Mei-
lech^ Königin. Flatow. Schmitt, 114.
Mallftr, n., Unannehmlichkeit, das frz.
maUieur.
Malm, m., zerriebener, in Staub zer-
witterter Körper, Grus, Stauberde. Bei
fleroschin Malm, nds. mnd. melm
Staub, schwed. malm Sand, ital. melma
Kot Vgl. Molm u. MUH. Wurzel von
Malm^ Moboy Mull ist mahlen molere^
woraus malmen, zermalmen, zu Malm
werden, machen. Vgl. Adelung UI,
39. Frisch I, 637c. S. aushicken.
Malter, n. u. m,^ gröiztes Getreide-
mal'z, 12 Scheffel umfassend. 2 Malter
= 1 Wispel, 5 Malter = 1 Last.
Malutchen, Malutschchen, n., Kosewort,
Kleinerchen, von dem poln. maly klein.
Nach Sperber, 38, sowohl von Per-
sonen wie Sachen gebrauchlich.
mälzen, sw,^ Malz bereiten, Geiste
zu Malz machen. Vilmar, 268, schreibt
melzen.
Mälzenbräuer, f)ltd. MttltebrUer, m., aus
Malz und brauen zusammengesetzt,
Bierbrauer. Bei Frisch I, 638a, Mal-
zen-Brauer, Die Mälzenbräuer ge-
hörten zu den Grofzbürgern u. hatten
auf ihren Grundstucken die Brau-
gerechtigkeit. In Königsberg wohnen,
mehr noch wohnten, sie gröfztenteils
im Löbenicht. Von ihnen galt das
Sprichwort: Aut miles^ aut monachus^
aut Mälzenbräuer im Löbenicht, Vgl.
Sprw. I, 2634. Die Zünfte, 8 ff. Hen-
nig, 153.
Malzer, Mälzer, pltd. Matter, m.. Be-
reiter, Dörrer des Malzes, Brauknecht.
Kgsbg. Nach Hennig, 153, bildeten
sie eine besondere Zunft. Mhd. mal-
za£re Brauer. In Panzig die Mälzei^-
gasse. Förstemann, Strai'zn. Vgl.
Schmellerll, 574.
Malzsack, m., s. Moltwurm.
mammedrachtig, mammeldrachtig, adj.
u. ado. Ick schlä (schlage) dt mam-
medrachtig. Schippenbeil.
man, adv. u. conj.^ nur, allein; aus-
schliei'zlich; aber. Komm man her!
Lafz man sein! Ich hab^ man wenig
gegessen. Öck mhi m^n so. Kommen
sie doch man recht gut nach Hause!
Man nich zu viel! Das ist man nichts!
ist gar nichts, wertlos, dummes Zeug.
Öck wöll ttdlewens dtnem Name man
före. Volkslieder, 62, 40 IH, 8. Ich
wei/z wohl, man ich sag'' es nicht. Bei
wöU wolly man hei kann nich. Zur
Verstärkung tritt bei und blojz hinzu:
Das ist man bei gut, das ist nur gut,
daCz es so ist. Man bhjz so thun. Es
ist man bloJz einet*. Vgl. Brem. Wb.
III, 121. Schütze III, 75. Dan-
neil, 131a. Mi, 53. Hupel, 149.
Sallmaun, 37a. S. bei.
Mandel,/., polniscfie.* Sie hat 16 Stuck.
Treichel.
Mandelblume, /'., Ackerwinde, Con-
volvulus arvensis L. Sie heii'zt in der Ge-
gend von SaaKeld auch Gotteshemdchen.
mang, mank, präp. u. ado.j unter.
48
Mangel — Mann.
darunter, zwischen, mit dem Begriff
des Vermengtseins; zur Verstärkung
damanky darmank, dermank (s. d.), mank-
ander. mengen ist die Wurzel, daher
die Schreibung viang die richtigere,
wenngleich stets mank gesprochen wird;
mnd. manky manket^ mankent^ mangen^
alts. mengian, angs. amang^ ^Qgl- among.
Bei Jeroschin mang^ manc, inmanc.
Pfeiffer, 178. 193. Mang die Fufze
kommen. Er klemmt den Zagel mang
die Beine und schiebt ab, Sprw. I, 4133.
Einen. mang die Leute bringen^ ihn ins
Gerede bringen. Sich manck die an-
dren Geste setzen. Die Zünfle, 1 1. Brot
ess' ich nichts da is Mehl mang. • War
de Wulf mank de Schopf iVa, de
Schap wäre doch nich mank de Wulw'
8Ön. Litauen. Firmenich III, 118a.
A stungd mangk e Karassta, Ermländ.
Freisch. N. Pr. Prov.-Bl IX, 398. Es
war viel Krakzeug mankander^ viel Pö-
bel darunter. Hennig, 154. 331.
Sperber, 21. ferem. Wb. III,. 128.
Schamb., 130a. Danneil, 131. Sali-
mann, 37a. Mi, 53a.
Mangel, /. , Mange, Glättrolle für
Wäsche; zunächst grofzer mit Steinen
beschwerter Kasten, der von mehreren
Personen über zwei Glättrollen hin und
her gezogen wird. Sie ist zum grofzen
Teil verdrängt durch die Drehmangel^
Drehrolle. Wird das Mangelbrett von
einer Person über eine Rolle hinweg-
geführt, so heiizt die Mange Hand-
«
mangel: Davon: mangeln, sw,, Wäsche
auf einer J/aTi^^Z rollen, glätten. Mangel
ons beide nett de Hemde, VolksL, 45,
28, 2. Wer Gott^ vertraut^ der mangelt
nichty sagte ein witziger Faulpelz, den
man an eine Mangel stellen wollte.
Mangelfrau, /., Frau, die Wäsche glät-
tet.
Mangel, m., inopia^ defectusy nach
Hennig, 154, vom Volke im »gegen-
seitigen Verstände" gebraucht, beson-
ders wenn von Krankheiten die Rede
ist J&r hat Mangel am. Fieber^ er ist
mit dem Fieber behaftet. Er hat Man--
gel am Höchsten, er hat die Epilepsie.
Ist in diesem Sinne von mir nicht ge-
hört.
mangeln, sw,y s. Mangel.
man ichts, culv.y nur soeben. On
wie de beed Verliebte das man ichts
merkten, da füllen se zehof dem Kenik
vor de Fi/z, Schalt]., 3, 7. In der
Gegend von Saalfeld man krads soeben,
nur gerade . noch zur Zeit. Vgl. ac-
crftd.
Manist, Menist, m., Mennonit. plur,
Monisten, Manister, Manistersch^ Me-
nisten^MenisteryMenistersch, Mennonisten.
Die Mennoniten wohnen vorzugsweise
in den Niederungen und Werdern. Sie
unterscheiden sich im Werder in grobe
mi feine.. S. Hartwich, 276 ff. Vgl.
Klarken, Rtk wt e Manist, Dat geit
so sacht, as wenn de Manist ön de
Dragktp fahrt, wenn eine Sache lang-
samen und unmerklichen Fortgang hat.
Mockrau. Wo de Queckstert kann stdne^
kann de Menist wdne, Sprw. I, 3109.
2608.
mank, mankander, präp, u. adv,y s.
mang.
Mänkekapp, Pflzn., Männchen-, viel-
leicht auch Mönchenkappe, Sturmhut,
Eisenhut, Aconitum Toum, Weichsel-
delta. Treichel, Volksth. 111.
mankig, adj.^ nebelig, trübe, bewölkt.
Mühling.
man krads, ado., s. man Ichts.
Mann, m. 1. vir, Plur. Manns^ Män-
ner, besonders Landarbeiter, Instleute.
Sind die Manns schon alle daf Alle.
Manns sulle op't Földl Den Manns,
gewöhnlich verheiratet^ steht entgegen
Manna — Mantelgeld.
49
das Weibervolk. S. Sperber, 21. Vgl.
Knecht^ Jung^ Margell, 2. m. jiid. Vom.
Flatow. Schmitt, 112.
Manna, n, 1. flutende Schwaden,
Glyceria fluitans R. Br. Hagen, 91.
2. Schwadengrutze. Poln. u. lit. eben-
falls mcmna. Nach Bock, Nat. I, 262,
wird aus dem preufzischen Manna „ein
sehr wohlschmeckendes Backwerk" be-
reitet. Manna als Handelsartikel:
Bock, a. a. 0., 580. S. auch Bock,
Nat. ni, 282. Hennig, 154.
Mannchen, Männchen, pltd. Mannke, n.
1. Dem. von Mann, 2. possierliche
Gebärde. Er macht äUei'hand Männ-
chen^ auch Männchens^ er macht selt-
same Bewegungen mit dem Kopf und
den Händen. Der Hase macht ein Männ-
chen, wenn er sich aufrichtet. Hen-
nig, 154.
Männing, m,y der verschnittene Kater.
Manns, plur.^ s. Mann.
Mannsarbeit, /. 1. Arbeit, die dem
Manne zukommt. 2. Mannsarbeit machen^
Männerkleider anfertigen, daher Manns-
arbeiter, m., Schneider, der nur Männer-
kleider arbeitet.
Mannsbild, m,. Mann. Da/z es vor
^ine gro/ze Sünde daselbst geachtet werde^
so ein Manns-Bild einer Jungfrauen
Gesichte sehen wollte. Carm. nupt, IV,
92 c. Vgl. Weibsbild.
mannsdoll, adj.^ männertoU.
Mannsleute, plur., s. Mannsvolk.
Mannstage, plur,^ Arbeitstage der
Männer, im Gegensatz zu den Frauen-
tagen; es wird an ihnen ein höherer
Lohn gezahlt. Mühling.
Mannstreu, Seemannstreu, Pflzn., Meer-
strands - Männertreu , Eryngium mari-
timum L. Auch Meerwurzel, Meerbrack-
disteL Hagen, 301. Pritzel, 146.
Mannsvolk, auch Mannsleute, pltd.
MannsWdy sing, u. plur,^ mnd. man-
Fiteehbl«, WSrUrbneh IL
volk^ Mannsleute, Männer, im Gegen-
satz zu Weibervolk^ pltd. Wiwervolk^
Fruenslii^d^ Frauen. Mehr Glocken lau-
tetefi jetzt^ und das Mannsvolk ging zur
Kirche hinab. Soph. R. IV, 451. Wenn
twe Mannsvolk (Mannslüed) tosamme
danze, dat sit ut, als wenn sock twe
Bare ränge. In Pommern u. Mecklbg.-
Vorpommem : Mannsminsch ; Manns-
lüde u. Mannsvolk nur im Plur. Dähn.,
298a. Mi, 53.
Mansch, m.. Mansche, /., s. manschen.
manschen, sw. 1. mit den Händen
in einer Flüssigkeit spielend rühren; sie
durcheinander rühren. 2. mengen, mi-
schen. Ebenso in Bayern: durchein-
ander mengen, besonders flüssige Spei-
sen ; schlecht kochen, also s. v. a. un-
ser matschen — daher auch mantschen,
mauntschen. Schmellerll, 600. Da-
von: Mansch, m.. Mansche, Manscherei,
/., das Durcheinandergerührte von Spei-
sen, Getränken, Flüssigkeiten. Von
Mansch erei im Essen vmfzte man nichts^
denn man vmfzte ja nichts von fran-
zösischen Criftmischem. Soph. R. I,
391 f. Gordack erklärt manschen: mit
vollen Backen kauen, so dafz ein schnal-
zender Ton entsteht (vgl. schmatzen).
Nach Treichel, Mansch u. Mansche
auch flüssiger Strafzenschmutz. S.
Matsch u. MotL
Manschette, f. Er hat Manschetten^
— das Manschettenfieber ^ er hat Furcht.
Mantel, 77», spanischer. Strafinstrument
früherer Zeit „Ein starkes rundes Ge-
fafz von Eichenholz, unten ganz offen,
oben aber mit einem engen Loch, so
daCz man den Kopf durchstecken kann.
Es wird dieses Gefaiz zur Strafe je-
mandem wie ein Mantel angelegt, und
mul'z er solchen durch einige Strai'zen
hindurch tragen.^ Hennig, 155.
Mantelgeld, n., noch zu Hennigs
4
50
mantschen — Märchen.
Zeit das Geld, ,,was einem Kandidaten,
wenn er zom Predigtamt kommt, von
der Kirche, wohin er berufen wird,
zor nothdorftigen Kleidung ausgezahlt
wird". Es betrug gewöhnlich 33 Thlr.
30 Gr. Hennig, 155.
mantschen, sw., s. matschen.
Manze, /., Fischemetz, s. Herings-
manze.
MAr, Mart (a = a), m. u. /., Alp, Dä-
mon, inciUms. Es giebt Menschen-,
Pferde- u. Vogelmäre. Der Mar plagt die
Geschöpfe, indem er sie nachts druckt,
und so das sogen. Mär- oder Alp-
drücken verursacht, daher auch Nacht-
mAr. Em dröckt de Mdrt. Werder.
El binger Ndrg. Wenn einen der Mar
drückt, so sage man: „Komm' morgen
zum Frühstück und bring' dir einen
Löffel mit!" Wer dann am Morgen
zuerst ins Zimmer tritt, ist der Mar.
Man kann ein Kind zum Mar machen,
wenn man als Taufzeuge, während der
Geistliche den Taufnamen des Kindes
verkündet, leise Mär sagt. Masuren.
Gordack. In Bremen moor^ nagt-
moory mnd. mar, ags. u. schwed. mara^
engl. night^marBy holl. nagt-marrie^ frz.
cauchemar. Brem. Wb. III, 184. Im
Götting. mdrtej ncu^htmarte, Schamb.,
131a, in Pommern nagtmare. Dähn.,
322b. Hennig, 152. Hexspr., 71.
mär, mä, mSr (Vokale lang), adj. u.
acfo., mürbe, weich, morsch, locker.
Das Fleisch ist mär^ es ist weich ge-
kocht. Das Eis ist mdr^ es ist mürbe,
bricht leicht. Der Kuchen ist mär, er
ist locker gebacken. Ich werde ihn
doch endlich mar kriegen^ ihn mürbe
machen, nachgiebig stimmen. Ahd.
marOy marawi, mhd. mar; angs. maerwa,
mearUj mearwa^ franz. meur^ holl.
morwj murw; bei Jeroschin murwe:
hl von dS der Memlen is was munce
unde dunne^ 138a. Pfeiffer, 198; in
Bayern mar^ mor^ marw. Schmeller
II, 608, in Bremen mar (aber auch,
wie holl., wa&). Brem. W. HI, 186.
121. In Göttingen 9nc^r. Schamb., 138a.
Hennig, 152.
Mara, /., dummer, unbeholfener, zag-
hafter Mensch, unentschieden wie die
„weifze Salbe". Sperber, 38.
marachen, sw,^ angestrengt arbeiten,
sich abquälen, durch harte Arbeit ent-
kräften. In der Altpr. M. VIII, 366:
marachden. Stamm ist das alts. und
ahd. margy marag^ marc Mark. Hen-
nig, 156, und das Brem. Wb. lU, 129,
leiten es von marah^ marach Pferd ab;
es bedeutete dann: durch schwere Ar-
beit, Pferdearbeit, ermüden. In Ham-
burg und Bremen mara^ken^ im Hol-
steinschen marachen^ ebenso in Pom-
mern, Posen etc. S. Brem. Wb. HI,
129. Schütze, III, 80. Dähn., 298a.
Bernd, 2. Danneil, 132. Hupel,
150. Sallmann, 48a. Hennig, 156.
In Zusammensetzungen : abmarachen :
ich bin ganz abgemaracht^ entkräftet.
zermarachen, sich, sich bis zur Auf-
lösung abquälen. Wie abmarachen auch:
abmergeln.
Marakel, n,^ Mirakel. On wull sock
ansehn' dat grote Marakel. Volksl, 38,
25 II, 1.
Marast, ?7»., Morast. Davon maraaüg,
Maraun, m., Pflzn., Mutterkraut, Py-
retlirum parthenium Sm. Auch Mar-
tern, Martern, Mettram. Hagen, 892.
Märbraten, m., s. Märchen.
Märchen, n., Märbraten, /n., Lenden-
braten, mehr noch das zarte Fleisch,
welches unter den Nieren am Rück-
grate der Rinder und Schweine sitzt;
daher Rindermärchen, Schweinemärchen,
In Bremen, im Holsteinischen und in
Marcbt — Marginne.
51
Pommern Morhrade, Von mär mürbe.
Das Märchen wird auch Haschen Häs-
chen genannt. Brem. Wb. III, 187.
Schützern, 111. Dähn.,311a. Hen-
nig, 152.
Marcht, Mftrcht, m., Markt, Markt-
platz und Marktverkehr. Der Marcht-
tag, Tag an dem der Markt abgehalten
wird, ist in kleinen Städten ein halber
Feiertag.
Marczeczanky m., Pflzn., Feldkümmel,
Thymus serpyllum L. Mühling. Von
dem poln. macierzanka. Hagen, 633.
mflren, sw. 1. wühlen, heromkramen
und dabei das Geordnete in Unordnung
bringen. Sie mdrt in der Kommod^
sehieblade herum. Sei heft dat alles
vermdrt on vei^mäsert 2. sich unruhig
bewegen, zwecklos umherirren; nament-
lich von Kindern. Wat märt dei doch
ömmer heröm, 3. Nach Mühling auch
unermüdlich in der Wirtschaft arbeiten
und schaflTen. Der Stamm ist Mar,
Marettttt, /., s. Mftrzitze.
Margen y auch, jedoch seltener Mer-
gelig /., plur, Margelles^ Margellen(s).
1. Mädchen; meistens in geringschätzi-
gem Sinne von dienenden Mädchen,
aber auch in zutraulichem und herz-
lichem von Kindern als Deminutiv.
Dm Jungfervolk ^ die man Margellen
nennet^ haben statt der Hauben schlichte
Sammetbügel, Pierson, Matth. Prätor.,
1 18. Gotts Schlag! §s dat en Margeü-
ken^ dat Annken. Dorr, 1. Wiew., 29.
JEs ist eine tüchtige Margell — eine
trautste — eine hübsche Margell! Mein
einige» MargeUchen! Von dem lit. mer-
gile^ Dem. von merga Jungfrau; im
altpreufz. merga^ ^n^^fo Jungfrau(Vocab.
192), mergu^ (Katech.), mergvs (Grü-
nau) Magd. Nsslm., Forsch. 2; Th.
101. 103. Pierson, A. W., 25. Sind
die Margellen ländliche Dienstbotinnen,
so stehen sie im Gegensatz zu den
Knechten und Jungen. De Knechts on
de Mergelles makte sock äwer den SpäfZy
utgekäm/mde Här brCt Ftr to schmtte,
Samland. Firmenich I, 104a. In
Zusammensetzungen : Diensbnargelly
Dienstmädchen, Kindermargell, Kinder-
mädchen, Milchmargell, Mädchen, das
Milch zum Verkauf herumträgt. In
Posen Margelle schimpfende, spottende
Benennung eines alten Weibes. Bernd,
168. 2. nach Bock, 33, u. Hennig,
155, in Brauhäusern „das Hölzchen,
auf welches man das Licht zu stecken
pflegt, vielleicht, weil es die Dienste der
Magd verrichtet, die sonst das Licht
halten müi'zte."
Margen, Marjen, in Zusammensetzun-
gen ~ Marien, daher, die unten ge-
nannten Pflanzennamen im Volksmunde :
Margenblume j -gras, -nessel, -röslein^
'Schuhchen, -spark. In Bayern Märgen,
Mergen. Schmeller II, 615.
Margenblatt, n., Marienblatt, Morgen-
blatt, Tanacetum balsamita L.
Margenburg, Ortsn., Marienburg. Blin-
der, sist (siehst) de Margeborg nichf
Sprw. I, 3465.
Margendreher, Pflzn., Nestwurz, Neot-
Ua {Epipactis) nidus avis L. Hagen,
926.
Margengras, Mariengras, n., wohl-
riechendes Honiggras, Holcus boreaUs
(odoratus) L. Hagen, 1061.
Marginne, /., ein National-Kleidungs-
stück der Litauerinnen. Es besteht aus
einem rotgestreiften wollenen Gewände,
welches von der linken Schulter bis zu
den Fül'zen herabhängt und an den
Hüften von einem Güi*tel zusammen-
gehalten wird, während der rechte Arm
frei bleibt. Von dem lit. margas bunt,
buntgestreift. Nsslm.Wb., 383b. Liebe
Tochter, Simonene, Worin mrst du ihn
4*
52
Margritsch — Marmel.
(den Knaben) einhüllen? Mutte^\ Mut-
ter^ meine Ehre, In den Fitigel der Mar-
ginne. Rhesa, Dainos, 243. Vgl.
auch das. S. 322. Marginne dient
auch zur Bezeichnung des bunten Wei-
berrockes überhaupt. Meletelle der Far-
bengott über die Farbenh^äuter, damit
sie ihre MarginneUy d. i. ihre Kittel
färben. Pierson, Matth. Prätor., 32.
Die eigentliche Marginne kommt immer
mehr aus dem Gebrauch. Hennig,
155.
Margritsch, m., s. Magritsch.
Marie, kratcse, Pflzn., gemeiner Sinau,
Akhemilla vulgaris L, Saalfeld.
Marieige, /., Margellchen, Name eines
alten Tilsiter Bieres. Vgl. Bier.
Marienblume, /., ausdauernde Malz-
liebe, Bellis perennis L. Hagen, 888.
Mariengras, n., s. Margengras.
Mariennessel, /., gemeines Eatzen-
kraut, Nepeta cataria L. Bock, Nat.
in, 442. Hagen, 601.
Marienrttslein, -chen, n., gemeine Licht-
nelke, Lychnis dioica L. Hagen,
485.
Marienschuh, m., -chen, n., gemeiner
Frauenschuh, Cypripedium calceolus L.
Hagen, 933.
Marienspark, n., Pflzn., Feldspark,
Spergula arvensis L. Hagen, 492.
Pritzel, 385.
Marjen, Gen. von Maria, s. Margen.
Markenthor, n., das Marktthor, der
Uhrturm in Elbing. Sehern ionek,
24.
MArklatt, Mftrklatte, /., Weichselzopf,
plica Pohnica. Zusammensetzung aus
Klatte und Mary also das von dem Mar
verwirrte Haar. Vgl. Mftrzopf. Nach
Treichel, Volksth., auch Pflanzen-
name.
Markopeczei, Markopeten, plur,, Nacht-
gesprnster. Hennig, 156, leitet es
her von dem wend. mrok Abenddäm-
merung und pece Geschäftigkeit; das
Wort bezeichnet also Wesen, „die des
Abends zu wandern anfangen und ge-
gen Morgen wieder in ihre Wohnung
zurückkehren. " Bock, Nat. ' 1 , 111:
Martopeten, Martoputen, kleine Erd-
menschen. Vgl. Untererdschken.
Marks, m. 1. Mark; Gehirn. 2. Bild-
lich: Verstand; Kraft. Er hat Marks
im K(ypfy er ist ein verständiger Mensch.
E' hat Marks in den Knochen, er ist
ein starker, kräftiger Mann. 3. Pflzn.,
kriechender Hahnenfufz, RanuncuXus
repens L. Weichseldelta. Vielleicht,
weil der Genui'z der Pflanze beim Vieh
Marky Kraft, erzeugt, oder weil sie im
Futter das Mark ist. Treichel,
Volksth. ni. 4. Kürzung des m. Vom.
Markus. Hartwich, 54: Marx.
Markt, /. 1. Marke, Zeichen. Geben
Sie mir sechs Markten. Ebenso schwäb.-
augsb. Birlinger, 329a.
Marktgroschen, m., beschönigende Be-
nennung für das von Dienstmädchen
bei Einkäufen auf dem Markte unter-
schlagene Geld. Sie hat sich einen
schönen Marktgroschen gemacht. Dzg.
Klein II, 7. Auch Knipsgroschen.
marktsgang, adj.y mittelmäl'zig, ziem-
lich. Mühling. Zusammensetzung aus
Markt und gehen^ also wohl von Gegen-
ständen, die auf dem Markte als Durch-
schnittsware noch Abgang finden.
Mariein, Marling, Merlein, pltd. MarlTn,
m.y starke hänfene Schuur zum Binden,
starker Bindfaden. Mnd. marlink^ holl.
marling, in Bremen Marlinen^ Marrel-
linen. Brem. Wb. HI, 133. Hennig,
156. Vgl. SchnUrling.
Marmel, Murmel, m. u. /., kleine runde
Schnellkugel, als Kinderspielzeug, ur-
sprünglich Schusser. Der Stamm ist
Marmor. Vgl. Weigand H, 28 f.
Märmoos — Märzaum.
53
MArmoos, n., Bärlapp^ s. Morzeböb.
mannülsch, murmül8ch,murmüli8chy adj,,
unfreandlich, verdrielzlicli. Lit. mur-
viiti brummen, murmuli/s mürrischer
Mensch, Brummbart. Bock9 34. Hen-
nig, 156. Nsslm., Wb., 411a. Pier-
son, A. W., 27.
MaropSten, -pQten, plur.^ s. Markopeczei
u. Untererdschken.
Mftrschy pltd. Marsch u. Merschj m.^
Arsch, Podex. Ebenso JNdrsch (s. d.).
Marschrat. „Dieses Wort kommt vor
in der Begnadigungsschrift, welche |den
Preufzen Anno 1410 von dem Könige
in Pohlen angeboten worden, wo es § 4
heil'zt : „Die Schazzung Mai^chrat ver-
bieten wir ganz und kein gut Mann
soll das mehr fordern noch geben zu
ewigen Zeiten.** Der bekannte Preui'zi-
sche Schriftsteller Grunow macht da-
bei folgende Anmerkung: Marschrat
war eine Geldgebung von jeglichem
Überhande!, als liei'z sich ein Bürger
einschreiben in die Zech der Schuster
und wollte gleichwohl mit zulegen im
Kaufmannshandel; so muite er ein
Jahr geben 50 Mark der Stadt. Allein
Hemis in seiner lateinischen Anfuhrung
dieser Stelle nennt es jxyixarium^ auf
deutsch Schwein- oder Saugeld. In
dem Hauptvergleiche der Preui'zen mit
den Pohlen vom Jahre 1454 wird da-
her auch dieses Geldes in folgenden
Worten gedacht: item in terra Ponie-
raniae exactionem^ quae porcus, alias
Narzafz^ veteri institutione ducum Po-
loniae vocabatur^ regia viunificentia tol-
limus. Ebenso heilt es auch in einer
alten Urkunde vom Jahr 1175 in Ma,
Rangonis Originihus P&mefanicis S. 155,
da die Geistlichen zu Camin freige-
sprochen werden ab omni exactitme^
insuper Naraz etc. Eben daher scheint
auch die Leseart: Das Ungeld Nar-
zafz, welche in einer alten Abschrift
gefunden worden, die ächte zu sein,
woraus andre Abschreiber Marschrat
gemacht haben. Siehe Pr. Sammlun-
gen, S. 244 u. 752.« Hennig, 156 f.
Martche, w. Vorn., Dem. von Martha,
verstummelt aus Marthaclien.
Martern, m., Pflzn , s. Maraun.
martig, adj., faul. Du bösi so maortlg.
Elbing. Dzg. Nhg. Viol^t, 102.
Martin, m. Vom., aus Mars (Pott,
45); Tag des h. Martinus, 11. Novem-
ber. Der Martinstag ist der Tag des
Dienstwechsels für das ländliche Ge-
sinde.
MartTnspungel, n,, Pungel, Bündel, das
das Gesinde amMartinstage beim Dienst-
wechsel schnürt. Nimm dein Martins-
pu7igel und geh zum Geier! Da geht
er (der Knecht) mit seinem Martins-
pungel^ mit dem Bündel, das sein Hab
und Gut enthält.
Martzsche, /., Braut, doch mehr noch
die Neuvermählte im Hause der Schwie-
gereltern, die Schwiegertochter, die
Schwägerin. Hennig, 157, schreibt
Marzsche, Von dem gleichbed. lit. marti,
Nsslm. Wb., 384b.
Maruschken, Maruschke, w. Vorn. 1.
Mariechen, foln, Marysza. Marie^ Marie^
MarusclJcaka! Volksr., 40, 152. 2.
nach Klein II, 8, Maruschke in Dzg.
Bezeichnung für die polnischen Weiber,
welche kommen, um den Bauern in der
Ernte zu helfen. In Westpreufz. auch
Mai^uske.
Marx, m. Vorn., s. Marks.
Mftrzaum, pltd. MärtAm, m., Zaum der
Mar, Die Mar drückt auch die Pferde
und flicht dabei aus den Haaren der
Mähne eine Art Zöpfe, welche man
Märzdume nennt. Die Haare sind der-
art durcheinander gezogen und ver-
wirrt, dafz man sie nicht auseinander
54
Märzblume — Masseln.
zu lösen vermag und den ganzen Mär-
zaum wegschneiden mufz. Samland.
Märzblume, /*. 1. Leberblume, Hepa-
Uca triloba GiL 2. gelbe Osterbium e,
Anemone ranunculoides L, Mühling.
S. Aprilblume.
Marzene, /., nach Simon Grünau,
Tract. I, cap. III, eine in Prenfzen vor-
kommende Fischart; vielleicht Maräne?
Benecke, 285.
Märzhase, m., Hase, der im März ge-
boren ist. Er ist vernickt tcie ein März-
hose. Hei ös e Märzhdske^ ein schwäch-
licher, kränklicher Mensch. Vgl. Herbst-
keichel.
Marzipanblume, /., fleischige Porzellan-
blume, Hot/a camosa R, Br.^ wegen
des suCzen Tropfens in der Blüte.
Weichseldelta. Treichel, Volkth. III.
Mftrzitze, pltd. MArettttt, /., Brustwarze
der Mdr^ der Donnerkeil, Teufelsfinger,
ein bekannter Belemnit. Die Litauer
nennen ihn Laumh pdpas Brustwarze
der Laume (Mar). N. Pr. Prov.-Bl. II,
380.
Märzkater, m., Kater, im März ge-
worfen. Er ist verliebt wie ein März-
kater, Sprw. I, 3905.
Mftrzopf, Mftrezopf, pltd. Mftrzopp, m.,
Weichselzopf, poln. koltun. Auch Mar-
flechte^ Märklatte^ Mahrlocke (Hupel,
148), Mahrflocke (Sallmann, 37a).
Vgl. Adelung III, 35. Es schlich sich in
meine Familie die Weicfiselzopfkrankheit
— Mahrezopf ^ koltun — ein. Aus dem
Briefe eines Lehrers im Kreise AUen-
stein. Marzopf ist die Verfilzung des
Menschenhaares und wird hier, ebenso
wie die unlösliche Verwirrung des
Pferdehaares beim Märzaum der Mär
zugeschrieben; doch auch der Märzaum
heü'zt Märzopf. Gordack teilt folgen-
des Heilmittel mit: Nimm zwei Steine
von dem Rasenstück, welches durch die
Kreuzung der Wege in der Mitte
bleibt (?), lege einen Stein unter den
Zopf und mit dem andern klopfe auf
den Zopf, bis er abfallt. Masuren.
Märzschaf, n., s. Merzschaf.
Marzsche, /., s. Martzsche.
Märzschein, pltd. Marzschln, m., klarer
Sonnenschein von Mitte Februar an.
Dönh.
Maschlaber, Pflzn., sprossender Bär-
lapp, Lycopodium annotinum L. Hen-
nig, 158. Hagen, 1086.
maserig, adj. 1. von Maser^ fleckig,
wolkig im Holze. 2. fleckig, finnig im
Gesichte. 3. in Westpr. kränklich, ver-
kommenjämmerlich aussehend, schwäch-
lich, angegriflFen. On das jüngste^ das
Mächen^ w&rd ganz masng vor Betriebt-
heit Schaltj 1, 441. Mühling. Sche-
mion ek, 24.
Maskopie, Maschkopie, /., Maskopei,
Gesellschaft, Handelsverbindung, welche
gemeinsam Gewinn wie Verlust des
Unternehmens teilt. Schwed. matskopi,
hoU. maatschuppye^ mnd. mätscfiop, ma-
scliop^ (matscliopie)^ maschupie^ maskopei^
in Bremen Maatskuppije^ Maskuppije,
in Pommern Maschopij^ bei Frisch I,
647b, Maschopey. Mnd. Wb. lU, 45 f.
Brem. Wb. III, 136. Dähn., 300 b.
Es stammt also von Mät^ Geselle, Ge-
nosse und Mätschaft, Gesellschaft, Ge-
meinschaft. Maschkopt ös Schttert^ ist
nicht viel wert. Sprw. I, 2552. Hen-
nig, 158.
Masse, /., langer Stab in Gestalt
eioer Schaufel, um damit beim Billard-
spiel den Ball fortzustoi'zen. Lassen
Sie U71S Billard spielefi^ mit der Masse
kann ich noch ohn Unbequemlichkeit
spielen, Soph. R. IV, 373. Hier ward
sie so tcüihend^ dafz sie dk Masse gegen
ihn aufhob. A. a. 0.
Masseln, plur.^ Masern, Einderkrank-
Massüfzel — Matkrillis.
55
heit mit Ausschlag und roton Flecken.
Hennig, 158. 331. Das Kind hat ge-
pocht und gemasselt^ die Kinderkrank-
heiten überstanden. Schemionek, 24.
Ahd. mdsdy mhd. mase^ /., Wundmaul,
Narbe, entstellender Flecken, mni, mase;
engl, measles Masern, Finnen, schwed.
massei Erätze, Mäsling Blattern; in
Bremen Masel^ Maassel^ mnd. masele^
massele, maselen, massein, Adelung
III, 93. Brem. Wb. III, 135. Mnd.
Wb. III, 41.
MassUfzelyPflzn., gemeine Kugelblume,
Globulariu vulgafns L, Hagen, 148.
Mast, /., Eicheln, als Schweinefutter.
iii gäbe dies Jahr keine Mast (d. h.
doch, tcie Sie toissen : keine Eicfieln für
die Schweine), Soph. R. VI, 230.
Mastelle, /., schlanker Baum als Trä-
ger des Baugerüstes, Fahnenstange.
Mastschabander, m,^ Mastochse. Dan-
zig. Mühling.
Mak, n, 1. Zu Mafz kommen, zu rech-
ter Zeit kommen. Wer langsam geht,
kommt auch zu Mafz, Zum Bissen zu
Majz kommen, in fremder Haushaltung
erscheinen, wenn gegessen wird; man
sagt dann scherzweise: Da komm ich
zu Mafz. Dei' ist auch zu Mafz ge-
kommen (als die Nasen ausgeteilt wur-
den), sagt man von dem, der eine groi'ze
Nase hat. Wer unbeabsichtigt in eine
Schlägerei gerät, kommt eben zu Mafz,
He kömmt so to Mdt vde jenne tdm üt-
stipe, Sprw. I, 2556. Wer zu einem
Termin, einer Andacht etc. zu spät
kommt, kommt nicht mehr zu Mafz. 2.
Mit Mafzen trinken, mäi'zig trinken; aber
auch scherzweise: viel trinken, indem
darauf hingewiesen wird, da(z der
Trunkenbold mit (d. i. aus) Mafzen
trinkt. Hennig, 158. 3. Das Mafz ver-
lieren. Krankheit. Unter Mafz wird
hier die Übereinstimmung der Dimen-
sion von Fingerspitze zu Fingerspitze
bei gerade ausgebreiteten Armen^mit
der Länge des Körpers vom Scheitel
bis zur Sohle, oder von der linken
Schulter zum rechten Fufz, mit der von
der rechten Schulter zum linken Fufz
verstanden. Bei Krankheiten, welche
man nicht sofort erkennen kann, heifzt's:
Er hat geivifz das Mafz verloren, und
beginnen sofort die Messungen. Ver-
lust des Mafzes deutet auf Verlust des
Lebens. Das verlorene Malz, oft durch
„Verbrechen" beim Heben schwerer
Lasten erzeugt, kann wiederhergestellt
werden durch das sogenannte Ziehen
oder durch Verbrennen des Mafzunter-
schiedes unter gewissen Spruchformeln.
Vgl. Hexspr., 78. Sprw.I, 2555. Hintz,
118. Bock, Nat. 1, 278. — Der Schnei-
der hat's Mafz verloren, wenn er ein
Kleidungsstück zu weit oder zu enge
gefertigt hat. 4. kulmisches Mafz, s.
kulmisch,
Mftt, m,, Geselle, Genosse, Gehilfe
bei einer Arbeit, Kamerad. HoU. maat,
engl, mate. Davon das Dem. Mdtke,
nach Bock, 34, holländischer Schiffer.
Mat, /., Metze, als Malz. E Mat
Grup, eine Metze Graupe. Samland.
Mater, Materkraut, Pflzn., Mutterkraut,
Matricaria parthenium L, Mühling.
Treichel, Volksth. III.
Materialsalbe, Med., Merkurialsalbe,
Läusesalbe, Ungu^entum mercuriale di-
lutum, Ungt. pediculorum,
Materie, /., Eiter in Geschwüren und
Wunden.
Matgetreid, Metzgetreide, rein pltd.
Matgeträgd (d* lang), n., Koggen und
Gerste durcheinander gemengt; von den
Metzen, welche der Müller von dem
Getreide der Mahlgäste nehmen darf.
Samland. •
Matkrillis, m., Wassertreter, Wasser-
56
Matsch — Matz.
Ijiufer, Totanus Bechst. Nsslra. Th.,
219.
Matsch, Matsche, m, u. /. 1. durch
Zerquet schling oder Fäulnis entstande-
ner (lickflussiger Brei. Dw Birnen
sind eine Matsch, Einen zu Matsch liauen,
2. breiig gewordener Strafzenkot. Das
ist ein rechter Matsch, Vgl. MotL 3.
die durch Gehen und Fahren zer-
(juetsclit<3 wässrige Schnee- u. Schmutz-
masse. Man nennt sie gewöhnlicher
Patsch, Quatsch, m. Ebenso in der Alt-
niark. Dauneil, 133a.
Matsch, m, Matsch machen, im Kar-
tenspiel sämtliche Stiche machen.
Mftischaft, /., Gesellschaft, Gemein-
schaft im Handel, Maskofjie. Von MdL
Dafern nach Verßiefzung der Dienst-
jahre ein Gesell bei seinem Brotherrn,
länger bleiben und mit ihm in Matschaft
treten wollte^ stehet solches zu beider Ver-
gleich, Wettordnung von 1715. Art.
XVII. Hennig, 158. Auf Heia heilzt
eine Genossenschaft der Fischer Mftt-
schappie. Benecke, 425.
matschen, sw, 1. durcheinander men-
gen, mischen, manschen; besonders Ge-
tränke. Bter^ Wein icird gematscht^
d. i. durch Zusätze von Wasser ge-
fälscht. 2. im Wasser oder in einer
andern Flüssigkeit, im Strafzenkot man-
schen, wühlen; dieses aber auch pat-
schen, Matsch ni-ch on e stire Koinst^
de Mutter heft em gekjkt^ \iiiW die Sache
auf sich beruhen. Sprw. 1,2559. Matsch
7iichj ÖS M'"s (Mus). Vgl. manschen. 3.
sich nalz, schmutzig machen. Ich mu/z
immer im Kot matschen und patschen.
In Zusammensetzungen: abmatschen,
eine Speise übel zubereiten. Bildlich:
eine Rede, einen Vortrag schlecht und
unverständlich, obenhin halten. be-
matschen , schmutzig , unsauber , nafz
machen; auch reflexiv, zermatschen,
zu Matsch machen, zerquetschen; zer-
fetzen, verwunden, übel zurichten. Das
Fleisch zermatschen. Der Verwundete
war zermatscht. Für diese Bedeutung
pafzt das holl. matsen m atzein, worauf
Hennig rücksichtlich der Abstammung
hinweist. Bock, 34. Hennig, 4.
159.
matschig, adj, von Matsch, 1. halb
flüssig, breiig, zergangen, kotig. Die
Strafzen sind matschig, 2. regnerisch,
feucht, nalzkalt. Das ist ein matschiges
Wetter, Ebenso patschig.
Matschkedeiser , (?), Heuschrecke.
Mühling.
Matte, /., Decke, gewöhnlich aus Fa-
denbast geflochten, daher meist Bast-
matte^ Bastematte. In Dauzig heifzt
eine Stralze Mattenbuden ^ weil man
hier früher die Matten, mit welchen
das aus Polen gekommene Getreide be-
deckt war, oder die hier von Matten-
bindem eigens angefertigt wurden, zu
verkaufen pflegte Löschin, Danzig,
43.
Matterwendel, m., auch Natterwendel,
Wendehals, Jynx torquilla, Mühling.
Vgl Drehhals.
Matthfis, m. Vorn., Matthäus u. Mat-
thias. Vom Aposteltage Matthäus
(24. Februar) heilzt es: Matthes Bricht
A A
Es, Hat er ke's^ Macht e Es, Uennig,
159. Sprw. 1.2558. Im Werder: Mat-
thies Brecht is, Fingt Iie keens, Meckt
he eens, Böbel, Haus- und Feld-
weisheit etc., 14. Je zum schweren
Matthys, rief er, hier ist was zu Fädeln !
Soph. R. III, 221.
Matz, 1. m. Vorn., Matthäus, Mat-
thias. 2. einfältiger Mensch, Mensch,
den man hänselt. Von dem mlat. mat-
tus, ital. matto Narr. Er ist ein rechter
Matz. Er ist Matz in allen Gassen,
As fnienen Matz war §k ju emmer an-
Mau — maulen.
57
sehnen. Dorr, 1. Wicw., 123. Ich will
wol Matz heifzen^ wo dieses zu ent-
decken jemand^ der sonsten Wei/zheit
Eymer-^weise von sich schwitzen kann,
sich unterstehen dorffe, L i n e m ., D 4 a.
In Zusammensetzungen: Hampel-^ Plun-
dermatz. Vgl. Sprw. I, 2560. Anton,
10, 6. Adelung III, 113. 3. Name
und Lockruf für Schaf und Lamm;
für letzteres mehr noch das Dem. Mätz-
chen. Volksr., 64, 242 d.
Mau, Maue, plur. Mauen^ Dem. Mau-
clten^ pltd. Mauke und so in Königs-
berg und Ostpreul'zen überhaupt meist
genannt. Kurzes Vorärmelchen zur
Warmhaltung des Pulses und daher
auch Pulswärmer, eine Art Manschette
aus Wolle gestrickt, seltener von Pelz-
werk. Die Mattchen werden bei Kälte
über die Hand gestreift und umschlieizen
wärmend die Handwurzel u. den vordem
Teil des Unterarmes. In Westpreuiken
Mau^ Mauen, {Mauchen ist mir dort
nicht entgegengetreten) Ärmel, Hemd-
ärmel; auch (Gegend von Marienwerder)
Magen, So reiten die Frauen Mit ihren
weiten Matten! Volksr., 36, 187. Jack
hadd he ohne Matten. Dorr, 63. Volks-
lieder, 16, 8, 5. In Brem. Moue^ in
Hamburg Matte ^ mhd. mouve, mnd.
inouwe^ mowe, mawe Ärmel, besonders
der weite Ärmel, holl. mouw, mou Är-
mel, Manschette, plur. mouwtjes^ woraus
Muffe entstanden. Lit. ist mduju, mduti
streifen, aufstreifen, worin Nsslm,
Forsch. 2; Th. 219, die Wurzel des
ostpr. Mauchen vermutet. In Liv- und
Estland Maue^ wie unser Mauchen, ein
Handmüffchen und ein Halbärmel oder
Überärmel von feiner Leinwand, auch
Halbmatte genannt. Hupel, 150. Bei
Stein: maulschmiren , ermel ansetzen,
auf die mawen binden = Lügen auf-
binden, Nasen drehen, betrugen. Pe-
regrinus XU, 14. W. Mtsbl. V, 188.
S. Hennig, 159. Frisch I, 649b.
Grimm, Kleine SchriftenHI, 108. Eine
zweite Bedeutung s. Puichmau.
Mauchen, n., s. das vor.
mauen, sw.^ miauen.
Mauerblume, /., gewöhnlich im Dein.
Maiterblvmchenj Dame im Tanzsaal,
welche zum Tanze nicht aufgefordert
wird u. die Mauer ziert. Treichel.
mauern, »w,, mit guten Karten passen.
Mauersalat, m., Mauer- Lattich, Lac-
tuca muralis Less. Hagen, 809.
Mauerschirck, pltd. Mü'rschOrk, m.,
Holzwurm, der pickt und zirpt. Wer
den Matterschirk schreien hört, stirbt
bald. Nach der Volksmeinung ist er
der Tod selber. Saalfeld. Vgl. Schirk.
Maul, pltd. MQI, n., Mund. Einem das
Maul vergönnen, ihn um etwas bitten.
Vgl. Hund. Fettes, blankes Maul, zu-
nächst wörtlich, dann aber auch zur
Bezeichnung eines Schmauses, Festes.
Htde göfft et e blanket Mul. Ock hadd
noch nuscht gekräge, öck mrnd doch 6k
davon en fettet Mal to dräge. Carm.
nupt 1, 282, 13. Wt he sock frl en
blanket Mvl toul maken. Ibid., 298.
Maulchekoser, m, maulchekosen, m.,
s. maulkosen.
mauldrang, pltd. mQldrang, adj., maul-
faul. Von einem, der sich drängen
läi'zt, das M a ul zu gebrauchen. M ü h -
ling.
maulen, pltd. müle(n), sw., das Maul
aufisetzen, schmollen, mucken, verdriefz-
lich sein Ungezogene Kinder, denen
das abgeschlagen wird, was gesittete be-
kommen, und die jetzt maulen und ihre
glücklichem Brüder lächei^lich machen.
Soph. R. I, 37 f. Und ich unleidliche
Creatur — prügeln möchte ich mich! —
ieh maulte. Ibid., 163. Eent geew dem
andre na, muhlt jo keinmahl tohop.
/
58
Maulgesperr — Mauseschwänzchen.
Cann, nupt.Yy 264c. Bock, 34. Hen-
nig, 159. Sperber, 21, hat maulen
in der Bedeutung: das Maul gebrau-
chen, widersprechen. Wort«pielend sagt
man in Königsberg von einem schmol-
lenden Kinde: Es tat nach Maulen ge-
fahren. Maulen, Dorf hei Königs-
berg. Sprw. I, 2580.
Maulgesperr, pltd. MQIgesparr, n., Auf-
sehen, Aufheben. Das macht ein zu
grofzes Maulgesperr. Mach nicht solch
ein Maulgesperr von der Geschichte! Aus
Maul und sperren gebildet; Neugierige
pflegen den Mund aufzusperren.
maulkosen, maulchekosen, pltd. mOlke-
kOsen, se&., zu Maul, zu Munde reden,
schmeicheln. YgLkOsen. Ein Schmeich-
ler heiizt Maulkoser, Maulchekoser, pltd.
MQIkekOser. üennig, 159.
maullos, pltd. müllos, adj.y abgemattet,
entkräftet, namentlich von Pferden,
wenn die Zügelführung wirkungslos
wird, sodann von Tieren überhaupt.
Friedland Ostpr.
Maulschelle, /., Gebäck aus Weizen-
mehl, etwa 3 Finger breit und 6 Zoll
lang, viereckig und dickblätterig.
Maultachtel, f,y Maulschelle, Ohrfeige.
Davon das Verb.
maultachteln, pltd. mQltacht'le(n), sw.
Muultachtelt rechts^ stomöckselt links
(von der Ostsee ist die Rede), Dat ös
denn doch e ander Dings. Reusch,
Pltd. Ged., 21.
Maulwerk, pltd. Mülwark, n. Sie hat
ein gutes Maulwei^k^ sie ist gewandt im
Sprechen. In Pommern Mundtüg^ Mund-
ledder^ Mundwark. Dähn.^ 316a.
Maus, pltd. Müs, /. 1. Geschwulst an
der Seite tragender Kühe in der Gröize
einer Maus^ die sich schnell hin und
her bewegt. Kommt die Maus bis an
den Hals, so muCz die Kuh sterben.
Mittel: Man durchsteche die Maus mit
einem Pfriem. Man ziehe dem kran-
ken Stück Vieh schnell die Zunge aus
dem Maul und beifze die Spitze ab.
Dönh. 2. cunnu^^ vulca. Kleinen Kin-
dern, welche sich das Röckchen auf-
gedeckt haben, schlägt man dieses schnell
zurück und ruft: De Mus, de Miis!
Sprw. I, 2586. 3. Geschichten, Hän-
del, Sorge, Kummer. (Sie) macht den
Eltern so viel Mäuse^ dajz sie sie ins
Kloster sperren. Soph. R. HI, 138. Vgl.
Pogge.
Maus, /., Mehlsuppe, s. MQs.
Mausbraten, m., in Sahne aufgebrate-
ner Schinken. Mühling.
Mausch, w. Vom., Kosename für Marie.
Treichel.
Mauschel, auch Mausche, m., Jude;
von Mosclie Moses. Vgl. Bernd, 172.
Davon mauscheln, m. 1. jüdisch, oder
so unverständlich und wortreich wie
ein Jude reden. 2. handeln, schachern,
mit dem NebenbegriflF der Unredlich-
keit. Daraus Mauschelei, /., in beiden
Bedeutungen, vermauscheln, verkaufen,
verschachern. Mensch, was willst du
dann nun noch vermauschelnf Soph. R.
I, 397.
Mausefaller, m., Slovake, als Verfer-
tiger der Mausefallen. Vgl. Lapitschke-
schwenker.
Mäuseholz, Pflzn., Nachtschatten, So-
lanum. Treichel.
mausen, pltd. müse(n), sw. 1. Mäuse
fangen. Die Katze lä/zt das Mausen
nicht. 2. heimlich und mit List steh-
len. Sie haben ihm alles gemaust. Bei
Jeroschin müsen: mit dem michse
konde er müsen, 112d. Pfeiffer, 198.
ausmausen, auslesen, aussuchen.
Mausepeter, m., Katze, namentlich je-
doch Kater, der ein guter Mauser ist.
Mauseschwänzchen, n., Pflzn., s. Perl-
blUmchen.
Mausezaho — Mehlbaum.
59
Mausezahn, pitd. MQstän. m,^ Milch-
zahn. Die Kinder werfen den aas-
gezogenen Zahn auf den Ofen und
sprechen dabei : Mmke^ Muske, göf mt
€ tse/me Tan, öck gcw dt e knäkeme!
Volksr., 94, 397.
mausig, pltd. mOsig, adj.. keck, groiz,
stolz thun. Er macht sich matisig. Cu-
pido kanns nicht leiden, dafz dieser
Krieg^ott sich hier so mausig macht
Ca^-m, nupt II, 277 b.
Mauskopf, m., s. Klosterwenzel.
mauskopfig, pltd. müskäpsch, adj., die-
bisch. Egsbg. Vgl. mausen.
Mauzenkraut, n., stinkender Gänse-
fafz, Chenopodium olidum Gurt Ha-
gen, 287.
Mayen, plur,, Krieger, welche im
14. Jahrh. dem deutschen Orden von
den Städten gestellt wurden. Ihre
Uauptleute wurden aus dem vorneh-
mem Burgerstande gewählt. Müh-
ling.
Mayerke, /., kleine Mütze. Auf dem
Haupt eine Mayerke (Mützchen) van
Filz mit rauhen Fasern durchstochen.
Pierson, Matth. Prätor., 112.
Mazze, /., plur. Mazzen, Mazzes, un-
gesäuerter Osterkuchen der Juden;
hebr. mazzo, Schmitt, 110. Sper-
ber, 44.
MechTle, MechTio, ^., der Hintere,
Podex; von dem hebr. mechillo Höhle,
Höhlung. Vgl. Machele.
Meckerziege, /., Pleonasmus für Ziege,
weil sie meckert. Treichel.
medäl, adv,, gar nicht. Der Tag ist
medcd licht, er ist gar nicht hell, er
ist trübe. Dönh. Mühling schreibt
medall und erklärt: mein Lebtag, alles
mit allem.
Medaschke, Pflzn., Nachtviole, Hespe-
ris matronalis L. Dönh.
Meddel, Pflzn., Windhalm, Apera
Spica venti P, B. Treichel, Volksth.:
Meddeln, wohl ans dem poln. mieüica,
und daraus verplattet in Merdel.
Medder, /. 1. Mutter. Im Oberlande
Anrede Unverheirateter an verheiratete
Frauen. Vgl. Moder und Vedder. Zur
Medder werden, zur Mutter werden, zu
Falle kommen. Bock, 34. 2. Fru
Medder, f., Libelle. Sie heifzt auch
verwünschte Jungfer, Die Kinder sin-
gen sie an: Fru Medder y Seit ju
nedder! Volksr., 60, 230. N. Pr. Prov.-
Bl a. F. I, 69. Vgl. Feddernedder.
Medenau, Ortsn., Kirchdorf im Kr.
Fischhausen. Die Bewohner verspottet
man mit dem Zurüf: Drink ut on göf
noch ene!
Meder, w., Mieder, Frauenjacke. So
vei*mak öck gegen dt: . . . mtner Modersch
Meder, VolksL, 15, 7, 3.
Median, m., der Milan, Folco milvus?
Vgl. Kohl.
Medicinapotheke, /., s. Apotheke.
Medritze, /., s. Metritze.
Mcerbrackdistel, /., s. Mannstreu.
Meergans, /., als Ekelname u. Schimpf-
wort bei Stein; ebenso MeerkatL Pe-
regrinus XII, 82. W. Mtsbl. V, 191.
Meergrasblume, -nelke, /., gemeine
Grasnelke, Armeria vulgaris WiUd.
Auch Seegrasblume. Hagen, 346.
Meermannstreu, f., s. Mannstreu.
Meersalzkraut, n., krautartiges Glas-
schmalz, Salicomia herbacea L. Ha-
gen, 1.
Meerschwein, n., Fischn. bei Hennen-
b erger, Anhang, 29.
Meerwurzel, /., s. Mannstreu.
mfigen, sw., sock, s. milhen.
Megerkraut, n., s. Meierkraut.
Mehlbaum, m., nach Hennig, 160,
Hagedom, gemeiner Weil'zdorn, Mespi-
lus oxyacantha Gärtn, Hagen, 515, hat
hoch Mehlbeere, -dorn, -platten.
60
Meier — Melk.
Meier, rotery auch rote Mtre^ Acker-
gauchheil, AnagaUis arvensis L, Ha-
gen, 221. Vgl. MTre.
Meier, lu. jiid. Vor- und Mannesn.,
der Leuchtende, hebr. Melr, Flatow.
Schmitt, 112.
Meier-, Megerkraut, w., Pflzn., Wald-
meister, Asperula odorata L, Hagen,
156. Vgl. Mteke.
meiern, sw,^ anfuhren, übervorteilen,
zum besten haben. Den haben sie gut
gemeiert, Sperber, 21.
Meilech, m. jud. Vorn., von dem hebr.
?7i^/^cA König. Flatow. Schmitt, 112.
Meirichen doch, Beteuerungsfprmel. Ei
Afeincfien doch! Sie sind doch nicht
etwa der Prediger^ dem sie . . . das Körb-
chen gegeben hat? Soph. R. IV, 266.
meindftg, rein hchd. meintage, pltd.
ininddg, doch stets verneinend: meinddg
nicht, adverbial im Sinne von niemals,
nimmer. Das geschieht meinddg nicht,
d. i. 80 lange meine Tage währen,
mein Leben dauert. Sticht man sie
(Vergleichungen), so taugen sie mein
Tage nichts, Soph. R. I, 371. Predi-
gen habe ich meintage nicht gewollt.
Ibid. II, 482. Wenn ihr ein gut Ge-
wissen habt, weint ihr meintaje nicht
Ibid. VI, 217. Rätsel: Ver Jungfre
grlpe sock on krtge sock mtndag nich.
Die Wagenräder. Nach dissem Stöcks-
ken w§ll §k mi miendag ni<ih melir be-
supen. Dorr, 1. Wiew., 11.
meiner, meine, Pron. poss., Mann,
Frau. Dat war mtnem stne Mutter,
das war die Mutter meines Mannes.
Dat OS mlner ehr Dok, das ist meiner
Frau Tuch. Ebenso in der Oberlausitz.
Anton, 2, 11. In der Gegend von
Saalfeld meiner auch gleich mein. Mei-
ner Mann is krank.
meins, pltd. mtns, statt meinet, in
meinshalben, -wegen, -gefallen, meinet-
halben etc. Mienshalwe kann dei SchÜJi-
derie Op ons nu gohne wie nach nie!
Nowack, 67. Meinsgefallen kann er
dableiben.
meinst, adv,, meistens. Saalfeld.
Meiran, m., Majoran, Origanum ma-
jarana L.
Meiser, m., Mörser. Dzg. W. Sei-
del, 32.
meist, adv., wohl, vielleicht; beinahe,
fast. Das könnte meist wahr sein. Das
ist meist zu grofz. Im Engl, repräsen-
tiert most den ursprunglichen, almost
den späteren Begriff; auch das deutsche
fast in seiner Lutherschen Bedeutung
(fast schön = sehr schön) und in seinem
jetzigen Sinne ist ein ziemlich analoger
Fall. E. Förstem. Vgl. sacht
melden, sw, 1. verraten, angeben, an-
zeigen. So schon bei Jeroschin: da
melte er bt namin alle dt da hdten üf
dt valscheit geraten 141b. Pfeiffer,
195. Wer meld't, der prellt Volksr.,
116, 484. 2. sich melden, anmelden.
Nach dem Volksglauben zeigt der Ver-
storbene fernen Verwandten und Freun-
den seinen Tod an, indem er ein auf-
fallendes Geräusch verursacht, einen
Gegenstand auf unerklärliche Weise zu
Falle bringt etc. Dat kann de Jung
bt Gott öm Himmel nich afbede (ab-
beten), dat hei söck nich gemeldet lieft!
Es knackste so in der Wand. Herr Gott,
es vield^t sich wer an! In Hessen nennt
man dieses Melden stVr/t äugen {eigen),
Vilmar, 19.
Mfilhafter, m,, Möwe, Haffmöwe. Na-
tangen.
Melk, /., Milch. Bock, 34, ver-
zeichnet den Stral'zenruf: Melk kcp!
den in Kgsbg. die Milchmägde er-
schallen lassen; heute ^uiLmiiSchmand!
Schmand! zum Verkaufe ausgerufen,
und die Milch nebenbei verkauft.
Meli — Merzschaf.
61
Meli, Tn, u. /., Pflzn., s. Mill.
Mendel, m. jüd. Yorn., £manueL
Flatow. Schmitt, 112.
mengelieren, pltd. mengeiere(n) , sw,,
mengen, mischen, vermischen, und in
letzterem Sinne auch vermengelieren.
Tabak mengeliei^en. Was soll ich mich
in die Geschichte mengelieren. Die Worte
vermengelieren^ verworren reden. Vgl.
Danneil, 136b. Anton, 2, 11. Mi,
54 a.
menger, pronominales Adj., mancher.
Menist, m.^ s. Manist
Mennig, m,, dünner viereckiger Honig-
kuchen, Pfefferkuchen. Ist er mit Ge-
würz vermischt, so heifzt er GewUrz-
mennig. Bock, 34. Hennig, 160.
Hennig hält Mennig für eine Zusam-
menziehang aus mengen und Honig,
oder für eine Korrumpierung von Jl/awwa,
und weist auf das poln. minija hin, das
jedoch nur die Mennig-Farbe bezeich-
net. Das Wort ist für Honigkuchen
heute wohl kaum noch im Gebrauche.
mennigmal, adv., manchmal.
Mennonitenblume, /., s. Teerblume.
Mensch, pltd. MVnsch, 1. m., Knecht,
Diener, Kutscher, Magd, Dienerin.
Mühling. Vors erste dem Mensch (so
nandte er auf schlesisch eine Magd)
fünf Groschen für Papier, Soph. R. I,
628. Schleufzerin heifzt ein Mensch.
Ibid. in, 248 (es ist von S*n — Schle-
sien — die Rede). 2. w., plur. Men-
scher, Frauenzimmer, in gutem und
verächtlichem Sinn. Von der Euphrasia
vnrd folgendes geschrieben: Es wurddifz
iunge Mensch . . . d^ihin getrieben etc.
Carm. nupt II, 143 b. Will einem Gott
zur Eh' ein schönes Mensch zuschantzen.
So ist es Danckens werth. Ibid. III,
86 c. Et Öse abscheulich hübschet Mönsch,
ein sehr hübsches Mädchen. Was das
Mensch sich einbildet! Das Mensch geht
wol gar in Seidel Soph. R. V, 568.
Als Schimpfwort auch in der Ver-
stärkung: Saumensch, namentlich, wenn
die so benannte Person zugleich sich
unsauber hält. Vgl. Frauensmensch.
Menschenfett, n., Medik., Wabrat.
Menschenfresser, pltd. MVnschefrfiter,
m., Fischn., Gründling, Gobio fluviati-
lis Cuv,
Menschenhilf,/^ zur Bezeichnung eines
Kindes, das sich mitzählt, wenn die
Zahl der Menschen in einer Gesellschaft
festgestellt werden soll: Du bist man
Menschenhilf Dönh.
menschenmVglich, pltd. mVnschemäg-
lich, adj, Ist das menschenmöglich, ver-
mag das ein Mensch?
Menschheit,/., Menge von Menschen.
Nei, was da für e Menschheit war!
Danzig. W. Seidel, 32. Schemio-
nek, 25. Danneil, 137b. Anton,
2, 11.
Mentel, m., Mantel. Danzig.
Merakel,(?), Plackerei, Quälerei, Um-
stände. Marold. Vgl. Marakel.
Merins, w. Vom., Emerentia. U art-
wich, 55.
Mergeil, /., s. Margell.
Meritz, /., s. Metritze.
Merieln, m., s. Mariein.
Merreddig, Merrettig, w., Meerrettich.
M6rsch, m., s. Mftrsch.
merstenteils, pltd. merschtendfils, adv,,
meistenteils.
Mertern, m., Pflzn., s. Maraun.
Martin, Mirtin, M£rten, m. Vom., Mar-
tin; Kalendertag: 11. November.
Mertinsgans, /., Martinsgans. Gans-
braten, der am Martinstage auf den
Tisch kommt. Dat Gdmken , . . dat
stnen Num£n as man sieht, von dem
Sanct Mertenföhret Cai^m. nüpt I, 298.
Merzschaf, fälschlich Märzschafy n.,
das ausgemerzte Schaf.
62
Mesch — Met
Mesch, m. Yorn., Michael. Hart-
wich, 54.
meschant, adj,^ bösartig, boshaft,
schändlich, niederträchtig; das franz.
michant
meschugge, meschugger, adj,^ verrückt;
Yon dem gleichbed. hebr. meschtu/a.
Aach betranken. Frisch, gesund und
meschugge. Sprw. I, 998.
Mfise, Mttse, /. 1. Mutze, Mine Mos
ÖS weg. 2. cunnus, vulva^ Diese im
Er. Neustadt auch Mos. Treichel.
Meselain, tt»., Kleiderstoff älterer Zeit
Violöt, 178.
Mtoke, MVske, Mtek, MVsk, m., /. u.
n. 1. Meise, Parus. Volksreim: Es
sa/z ein Meske an jenem Sprink; es war
kein Meske, es war ein Fink. Dönh.
Angs. masa, mnd. mese, meseke(n% hoU.
meeSj meeze, engl, titmause, franz. m^-
sänge, holstein. Meesch, in Pommern
Meseke. Brem. Wb. III, 149. Schutze
in, 93. Dähn., 304b. 2. m., Schwäch-
ling. Hei ÖS en echter Meske.
Mteke, Pflzn., Waldmeister, Asperula
odorata L. Bock, Nat III, 310:
Meeske, mnd. möseke. Hagen, 156:
Mee/zke.
Mtekefeuer, MVskefeuer, n. 1. kleines
Feuer, von nur wenigen Stückchen Holz
unterhalten. 2. Lichtschein des faulen
Holzes in der Finsternis. Bock, 35.
Hennig, 163. Bock schreibt auch
Mäuschenfeuer und deutet rucksichtlich
der Herleitung auf Maus, mus; Hen-
nig dagegen leitet es von Mos „Ge-
müse, Mehlsuppe, wegen Ähnlichkeit
der Farbe, weil ein solch kleines Feuer
nur blafz brennt. Daher nennt man
ein blal'zes Gesicht irgend eines kränk-
lichen Menschen MVskengesicht'*. Im
Brem. Wb. III, 189, dem Hennig
hier folgte, ist Möskengerigt ebenfalls
unter Mösken, Dem. von Moos, Mehl-
suppe, Pappe für Kinder, gestellt. Die
Aussprache des Wortes ist jedoch all-
gemein Meske, und konnte man wohl
an die weifzen (leuchtenden, bleichen)
Backen des Vögleins denken, vielleicht
mehr noch an eine Verwandtschaft mit
misrig (s. d.).
MfisketrOster, m., von Meske Meise,
elend aussehender, leidender Mensch.
Davon das Adjektiv mteketrOsterig.
Natangen.
Messekorn, n., Abgabe an Korn und
Hafer, je ein Scheffel von der bebau-
ten Hufe, für die vom Orden neu-
errichteten Pfarreien. Mühling.
Messepfennig, m., zur Ordenszeit Ab-
gabe von 1 Schilling von jedem Hin-
tersassen an den Geistlichen. Müh-
ling.
Mestel, /., Mistel, Viscum album L.
In Natangen WVsp, Wespe, im Samlande
Wispe; auch tinruh. S. Nistel. Unter
den Bäumen, auf welchen die Mistel
wächst, ruhen, der Volksmeinung nach,
groi'ze Schätze verborgen. Mühling.
Reusch, Sagen, 66.
mestnafz, adj., s. mistnafz.
mfifzig, adj. 1. mäl'zig. 2. freundlich.
Hei ÖS mejzig, er ist freundlich wie
ein Meske.
Mefzkere, /., nach Müh ling Aalangel,
bestehend aus langen Schnüren mit
zahlreichen Angelhaken; nach der
Fisch..Ord. f. d. kur. Haff § 36 Jtf<?/i-
kem die Haken an der Aalschnur. Lit.
mhzkere die Angel.
Met, m., Honigtrank. Über die Be-
reitung dieses in Preuizen einst sehr
beliebten Getränkes, das auch jetzt
noch gebraut wird, s. Bock, Nat. I,
275 ff. und Der pr. Sammler I, 509.
Mhd. mete, mit, ahd. metu, mito, mnd.
metche — Mietsfrau.
63
mede; lit. medüs^ altslav. med'\ rass.
miod der Honig. Weigand II, 83 f.
Hennig, 331.
metche, plur. des pronominalen Ad-
verbs manche. Metche Menschen, Saal-
feld.
Metke, m. 1. Wurm am Angelhaken.
2. penü^ namentlich in gewöhnlichem
Zastande. 3. kleiner Gegenstand über-
haupt. Treichel.
INetomage, (?), s. Leidomassis.
Metritze, Medritze, /., trichterförmiger
Netzsack, daher auch blofz Sack,
kass. macia; auch Meteritze^ Mettritze,
und der Metritz, lit. mettnzes^ metryczia.
Welcher an sein Windgam eine un-
gewöhnlich enge Medritzen geb^raucht,
dem soll die Medritz genommen und
dazu um 30 Mark gestraft werden,
Fischerordnung v. J. 1640. Hennig,
159. Bock, Nat IV, 696. Die Fisch.-
Ord. f. d. kur. HafiF vom J. 1845 schreibt
stets Mettritze, Am Meteritz sind un-
ten Leinen angeschürzet^ und vnrd die-
ses von bastenen Leinen gedrehete Stück
des Netzes Spann genannt. Bock,
a. a. 0. 714. Nsslm. Th., 104, führt
noch die Metritz oder Metritz-Kampe
an der Nogat, oberhalb Marien bürg,
an.
Mette,/., Frühpredigt in evangelischen
Kirchen an Sonn- und hohen Feier-
tagen. Jetzt nicht mehr üblich. Ahd.
matttna, metttna^ mhd. mettine^ lat.
(hora) matutina. Schade, 596b.
Mettomassis, (?), VorsteUnetz. Sper-
ber, 41. S. Leidomassis.
Mettram, m,^ Pflzn., s. Maraun.
Mettritze, /., s. Metritze.
Metz', /., im Oberlande Anrede der
Mädchen unter einander, ohne die ent-
ehrende oder beschimpfende Bedeutung
von Metze = Hure. Sperber, 21.
Über die ursprünglich reine Bedeutung
dieses Wortes s. Weigand II, 85 f.
In dem deutschen Brevier des 14. Jahrh.
in der Giefzener Handschrift (s. Haupt,
Zeitschr. VI, 484) liest man : Wer ditz
buch lese der bite (bitte) vor einer metzen
sele.
Meuscil, (?), s. Halinclienbier.
Miclid, Miclidis, m. Vorn. 1. Michael.
2. Michaelis, Kalendertag (29. Septem-
ber).
Micliel, m,y scherzweise Benennung
für ein groi'zes Trinkgefal'z. Adh michilj
michel^ mhd. michel^ goth. mikUs, angs.
miJeil grof'z. Schade, 698b. Hen-
nig, 332.
micl(ern, mUcl(em, auch miggem, mUg-
gern, mucl(ern, sw, 1. kränkeln, ver-
kümmern, im Wachstum, in der Ent-
Avickelung zurückbleiben. 2. krank-
haft wimmern, stöhnen. De Kllne
(Kleine) is so elendiglich auf de Zahnche^
se mickert den ganzen Tag, Saalfeld.
Davon vermicl(em etc., und als Adj.
micicrig, mUcicrig, mucloig, migg'rig, mUgg'-
rig, kranklich, verkümmert, elend; in
der Saalfelder Gegend auch mockrig.
He hefft en Ideenet muckriget Ges§chtken,
Dorr, 1. Wiew., 23. S. Sperber, 22.
W. Seidel, 32. Dähn., 314a. Vgl.
misern und muggern.
micict, präs. 3. Pers. sing, von mäken
machen. Denn mickt (macht) dir das
nichts. Gordack.
mienen, sw,^ bieten auf Auktionen.
Wahrscheinlich daher, daiz man, an-
statt laut zu bieten, solches durch eine
Miene, Gebärde that, wie das auch
jetzt noch beim Ausrufe oft genug ge-
schieht. Dzg. W. Seidel, 31. Klein
U, 16, hat nur: etwas im öffentlichen
Ausrufe an sich bringen.
Miete, /., s. Mite.
Mietsfrau, pltd. MfitsfrQ, /., Vermieterin
weiblichen Gesindes. Vgl. Mägdemutter.
64
Mietsgärtner — minder.
Mietsgärtner, m.^ s. Gärtner.
Mietspfennig, m.^ Mietsgeld.
Mietsvater, pltd. Metsoader^ m.y Ver-
mieter männlichen Gesindes.
mtfen, sw, 1. winseln, verhalten heu-
len; zunächst vom Hunde, dann aber
auch von Kindern. 2. hinterher sein,
nachgehen, umschwänzeln: vorzugs-
weise Mädchen, um deren Gunst zu
erlangen. Sperber, 22. Scheraionek,
25.
miffem, »w,^ den Wind lassen. Sper-
ber, 46.
Migg', Migge, MUgge, /., Mucke. Migge-
spritscher, Mnckemp'itzer heifzen die
Bewohner von Füchhavsen (s. d.).
Migge, M7ge, plur.^ Mädchen. Migge
{Mtge), gdt ligge! Volksr., 122, 515.
Miggengreifen, pltd. MiggegrTpe(n), n.
Er hat das Miggengreifen^ das Greifen
nach Mücken, zur Bezeichnung eines
hohen Grades von Trunkenheit, Deli-
rium. Sprw. I, 445.
migg'rig, adj.^ s. micl(ern u. miirig.
MTl(e, /., w. Vorn., Dem. Mlkchen^
Marie. Hartwich, 55. Geh mit der
Miehy geh. Soph. R. V, 459. Miekgen^
die um ein Jahr oder so älter war als
Carl^ Miekgen blieb. Ibid., 595. Vgl.
Mttsch.
Milchblume, /., gemeine Kreuzblume,
Polygala vulgaris L. Hagen, 731.
milchen, sw.^ melken. Ebenso in Liv-
und Estland. Hupel, 153. Sall-
mann, 126 a.
Milchfrau, pltd. Melkfrfi, /. Frau,
welche Milch zum Verkauf nach der
Stadt bringt. Vgl. Schmandmann.
Milchgras, Pflzn., Wollgras, Eriopho-
rum polgstachyum L, Spec. Planta im
poln. mlodheta; giebt Milch (poln. mleko)
den Kühen vor Johanni, wenn's schol'zt.
Treichel, Volksth. Nach Hagen,
61, ist der pohi. Name loelnianka szero-
kolindowa.
Milchkuh, pltd. MelkkO, -kau, /., scherz-
hafte Bezeichnung für einen kathol.
Priester. Man sagt von dem, der einen
solchen zum Verwandten hat: Er hat
eine schwarze Milchkuh. Sprw. I, 2633.
milgebrig, mildgebrig, adj.^ aus geben
und mild gebildet, mild und zum Geben
bereit, weichherzig. He schonk gleich
was den Armen^ denn he war sehr miU-
gebrig. Schal tj. 3, 8. Saalfeld.
mTlings, adj.^ sanft, lieblich, hold,
angenehm. Lit. mielas^ poln. mih.
Muhling.
Mill, MUH, pltd. Meli, m. u. /., Pflzn.,
guter Heinrich, Chenopodium bonus Hen-
ricus L.y und die Gattung Gänseful'z,
Chenopodium y überhaupt; ebenso die
Gattung Melde, Atriplex Toui^n. Die
schmalblättrige Melde, Atr. angusti-
folium Sm.y heifzt in der Gegend von
Friedland Ostpr. Mttll, auch ScheifzmVIl,
pltd. SchttmOII. In Natangen ist Schei/z--
mell Air. hastatum L. S. Lhrztg. 1880,
S. 243b. Nach Hagen, 1068, ist
Müll die Gartenmelde. Nach Hagen,
280, heifzt der Gute Heinrich auch
Stolzer Heinrich, Schmerbely Hacken»
schary Wilder Spinat.
Mill, n., s. MUH.
milzen, sw., sich die Milz durch äuTzem
Druck beschädigen und daher kraftlos,
atemlos werden. Der Hirsch war auf-
gelaufen und hatte sich gemilzt.
mind, adj., billig, gering, wenig. Na-
tangen. Im Ermlande der Kompar.
minder, billiger, geringer, weniger. Ein
Sehe fei minder eine Metz, also löMetzen.
Sperber, 22.
Mindel,w.jud.Vom. Flatow. Schmitt,
114.
minder, adf;., s. mind.
mindern — Misekatz(e).
65
mindern, pltd. mingem, 8w,y munter
werden, zu Kräften kommen, aus einer
Ohnmacht erwachen; gewöhnlich re-
flexiv sich er-j terminderny ^-, termin-
gem. Hei termingert sock allwedder^
ermuntert sich, giebt Lebenszeichen,
erholt sich. Samland. Hennig, 161,
hat: Man hat ihn gemindert^ er ist
wieder zu sich selbst gekommen.
Mtne, /., w. Vom., Wilhelmine; Mtn\
steck Schwin! S. Volksr., 79, 314.
mTnen, sw.y s. mienen.
Minutenkraut, Pflzn., Adler-Saumfarn^
Pteris aquilina L., weil es nur eine
Minute blühen soll Treichel, Volks-
thfimliches.
Minutensalbe, /., Medik., Emplastrum
Meliloti.
mir, adj.y mehr. Saalfeld.
mire,/., gemeines Yogelkrautj/S^äarm
media ViU. Auch Vogelmeier, HUhner-
darm, Hagen^ 344. S. Meier.
mirig, adj. 1. schmutzig, elend^ er-
bärmlich, gemein, unanständig, ekel,
geizig. Ein miriger Kerl. Er sieht
mirig aus. Es geht ihm mirig. 2. Einen
mirig machen, ihn ausschelten, be-
schimpfen, ihm derbe Wahrheiten sa-
gen. Engl, mire Schmutz. Vgl. mis-
rig. Sperber, 22. Schemionek,
25.
miricsen, sw., in Absätzen, Pausen
aufseufzen und wimmern. Saalfeld. Im
Samlande blinzen.
Mir!, w. jüd. Vom. Flatow. Schmitt,
114.
mirmeln, sw., marmeln, marmorieren,
bunt wie Marmor machen. Muhling.
Davon das Adj. gemirmeU. Dönh.; in
Eönigsbg. gemarmorierty pltd. gemärt
merert.
mir nichts dir nichts, geradezu, ohne
weiteres, selbstverständlich; teilnahm-
Prisehbior, WörMrbnoli II.
los, gleichgültig. Das scheint gut Glück
genug zu sein^ dafz ich das Engelkindy
die Sophie, vsieder hier habe: dafz sie
aber thut als mir nichts dir nichts, das
ist der Kukuk! Soph. R. V, 581. Für
Liv- und Estland bei Hupel, 153.
Mirsemau, Mirichemau, MOrsemau, Mur-
ichemau, m. 1. Pflzn., Tannen-Bärlapp,
Lycopodium selago L. Hagen, 1088.
Nsslm. TL, 219. Pierson, A. W.,
27. Nach Bock, Nat. I, 281: Murse-
mau, hycop. clavatum, poln. morzybob.
Vgl. Treichel, Volksth. IL S. Merze-
böb. 2. MirichevnaUy in der Farbe un-
bestimmt, gemischt, auffällig. Ein der-
artig gefärbter Kleiderstoff ist Mirkhe-
mau mit Bremsen besetzt
mTs, adj., wohl Kürzung von miser,
betrübt, traurig, schlecht, unwohl, weh.
Mir ist recht mis zu Mute, In Est-
land mis vom Wetter: schlecht. Sall-
mann, 126a, fragt: Abkürzung von
miserabelf
MTs, MTZ, /., Name und Lockruf für
die Katze, nach ihrem Geschrei, na-
mentlich in der Kindersprache; span.
miz, ital. muccia. Frisch I, 667a.
Dem. Mischen, Mizchen, Mtzel; die bei-
den letztern aber auch Schmeichelnamen
für Marie. Auch MTsel(atz. Im Gott,
ist der Lockname der Katze Minse,
Minseken u. Müseken. Schamb., 136a.
140b. Vgl. Danneil, 138a. Anton,
2, 12. Sperber, 22.
mis, präp., mit. Dönh.
MischpOch', MischpOI(e, /., auch Musch-
pOI(e, von dem hebr. mischpocho, Fa-
milie, Verwandtschaft; übertragen auch
Gesellschaft. Die ganze Mischpoche.
Sperber, 44.
misdrfttsch, adj,, falschgedreht, wider-
haarig; von Fäden, vom Haar.
Mtsekatz(e), /., s. MTs.
5
66
Miser — Mistkäfer.
Miser, w., elender, verkommener, ver-
kümmerter Mensch. Polonisiert Mise-
rinski. Sperber, 42.
miierig, adj,, s. miirig.
Miserinski, m.^ s. Miser.
Miserist, m., derjenige, der im Boston-
spiel misere ansagt. Sperber, 44.
mTsem, sw,, sich^ sich quälen. Er.
Neustadt.
misern (i kurz), su?., kränkeln, ver-
kümmern, s. V. a. mickem (s. d.); von
dem lat miser. Selbst die Lampe mi-
sert^ wenn sie trübe brennt. Davon
vermisem, verkommen etc. Vgl. mu-
sem,
mTskeprTstrig, adj.^ elend, kränklich
aussehend. Dönh. Pr. Holland. Vgl.
miMg.
Mispely /., Mistel, Vtscum aUbum, So
schon Voc. 646.
miirig, miterig, adj,^ von müem^ ver-
kümmert^ kränklich, schwächlich, elend,
erbärmlich, jämmerlich, miserabel; von
Tieren und Menschen. Ut em miirige
Farkel ward manchmal e ddger Barg,
Sprw. I, 825. In gleichem Sinne auch
mickrig etc. unter mickem^ muslig und
nach Schemionek^ 25, mtserig mit
der Nebenbedeutung verdriefzli eh. S p e r -
ber, 44.
MisrUck, n., Ackerbeet, das beim Säen
irrtümlich ausgelassen wurde. Müh-
ling. Der Sämann, der ein Misrück
hinterläCzt, stirbt in demselben Jahr.
Hexspr., 136.
Miss, /., Messe, missa. Regnet es un-
ter der Miss, regnet es Woch' über ge-
tri/z, Sprw. I, 3105.
Miss, f., Bodenvertiefung, selbst wenn
sie mit Wasser gefüllt ist. Westpr.
In Hoch-Paleschken : die weif ze, schwarze,
die Pavel-, die Fichtmiss. Treichel.
Mist, pltd. Mest, m. 1. Nebel, Nebel-
dunst. Ebenso engl. u. hell.; angs.
müt Dunkelheit. Brem. Wb. III, 167.
Schütze m, 103. Schamb., 136a.
Vgl. Dak. 2. Dünger. Den Mist auf
den Acker fahren, 3. Gemischtes,
Mengsei, Zusammengebrachtes und
kaum Zusammengehöriges , miatum ;
auch Durcheinander, Unsinniges in
That und Rede. Er spricht lauter Mist.
Treichel.
Mist, pltd. Mest, n., vom vorigen, be-
liebtes Schimpfwort auf ein Frauen-
zimmer. Ölet Mest, altes Mist!
Mistadel, m., s. Mistsftdel.
Mistelfuhr, /., s. Mistfuhr.
Mistelzeit, /., Zeit des Mistfahrens,
s. Mistfuhr. Ein Taglöhner soü haben
in der Mistel-Zeit 6 bis 7 Gr. Hart-
wich, 353.
misten, sw., cacare. Klein Vieh misft
auch gut.
Mistfink, m. 1. Bauer, Gutsbesitzer;
auch Mistkäfer. 2. unsauberer Mensch;
in diesem Sinne auch Misthammel.
Mistforke, /., s. Forke.
Mistfuhr, pltd. MestfOr, im Ermlande
Mistelfuhr, /., Zeit des Mist^, Dünger-
ausfahrens. Op Föschhauser MestfSr
von sewe Huper, scherzhafte Antwort
auf die Frage nach dem Alter. Doch
lett Gott mihnen Söhn de Mestfohr man
erlehwen, eck Scheck em en de Schohiy
dat he darop stodehrt Carm. nupt HI,
50 d. On de Gritche woa an a Möstel-
fua {Mestelfud) von fünbezwanzig. Ermld.
Freisch., 9.
mistig, pltd. mestig, adj. von Mist. 1.
nebelig, trübe, feucht. Vorzugsweise
in der Fischer- und Schiffersprache.
. . . bei gelindem Wetter so stehet die
Stadt im Rauch, gleichsamb in einem
mistigen Dunstrevier, oder im Nebel.
Linem., Yylb. Vgl. dftkig. 2. dün-
gerartig, schmutzig: ein mistiger Weg.
Mistkifer, m., s. Mistfink.
Mistkaule — Mitsch.
67
NRstkaule, pitd. MestkOI, /., Dünger-
grube. S. Kaul.
misbiafz, pItd. mestnatt, aach zur Hälfte
pltd., zur Hälfte hchd. mestnafz, adj.^
nebelig, feucht, stark angefeuchtet; vom
Wetter, von der Wäsche. Hennig,
160. Vgl. mistig.
Mistsftdel, Mistftdel, pltd. Mestsädel^ m.,
Mistwasser, Mistjauche. S. Adel.
Mistus, m., Latinisierung von Müt^
Dünger. Wo Mütus^ da Christus^ wo
Dunger im Acker ist, da ist auch Se-
gen. Sprw. I, 2635. Wo ni is MütuSy
is ok ni Christtis, Eonitz.
Mistwetter, n., Yon Mist 1, Nebel wetter.
Vgl. mietig, mietnafz.
mTswringrig, culj.^ aus mts (weh) und
tmngen (winden, drehen), übel, wehe.
A/t ÖS so miswringrig^ mir ist so un-
wohl zu Mute^ als wolle sich alles in
mir umdrehen. Elbing. Die Aussprache:
müsvyringrig erinnert an Mus Maus,
womit das Wort selbstverständlich nichts
zu thun hat. Im Brem. Wb. IH, 200,
findet sich eine ähnliche Zusammen-
setzung: muulwrängisch^ unwillig zum
Reden.
mit, pltd. mOt, 1. präp. im Accus.
Mit die Kinder. 2. nach Hennig, 332,
auch adj, = recht gelegen, wohlgefällig.
Es ist ihm nicht mit^ es ist ihm nicht
gelegen. 3. mit oaer ohne? Gekürzte
Frage: Trinken Sie den Kaffee, Thee,
mit oder ohne Schmand?
mitdrunter, pltd. mOtdrunder, adv. 1.
mitten darunter, vermengt, gemischt,
doch mit dem Nebenbegriff der Ver-
einzelung. In der Mtis ist hin und
wieder ein Spvrkelchen mitdrunter. 2.
mitunter. Mitdrunter ins Theater gehen.
Vgl. mittendamanic
Mite, /., kegelförmig aufgeschichteter
Haufe von Getreidegarben, Heu, vor-
zugsweise jedoch von Kartoffeln. West-
preufzen. Das angs. mi^n bedecken
dürfte die Wurzel sein; in der Bedeu-
tung überein stimmt das lat. meta^ das
jede pyramidenförmige Höhe bezeich-
net. Ebenso in Bremen u. Pommern.
Brem. Wb. HI, 168. Dähn., 308b.
Im Holsteinschen bez. Mtte einen vier-
eckigen Misthaufen. Schütze IH, 99.
Sonst nennt man in der Provinz diese
Haufen auch Stfticen.
Mite, Miete, /., Milbe, acarus. Franz.
u. engl, fnite. Das Wort ist verwandt
mit Made u. Motte. Ebenso im Brem.,
im Holsteinschen. Brem. Wb. HI, 168.
Schützern, 99. Hennig, 160.
Miteban, (?), Gefängnis. Kulmisches
Recht, Buch H, Kap. 21. In den Lit.
Aeq., S. 20, wird die Vermutung aus-
gesprochen, dal'z das Wort vielleicht
zusammenhängt mit der lit. Wurzel
met werfen, von welcher uzmet^klis der
Riegel an der Thür. Hennig, 161.
mithalten, pltd. mOthOle(n), st, an
einer Sache sich beteiligen, teilnehmen.
Vgl. Gill.
mithecliten, sw., mithalten, gleich-
kommen. Er möchte gern mithechten,
aber der Geldbeutel (die Gesun^Omt) ver-
bietefs ihm. Treichel.
mitig, od;., voller Mieten. Der Käse,
das Mehl, das trockne Obst ist mitig.
Hennig, 161.
mttrig, adj., elend. Saalfeld. Vgl.
miirig.
mitsamts, pltd. mOtsamts, adv., mit-
samt. Ich schmeijz dich mitsamts der
MargeU ins Wasser.
Mttsch, /., w. Vorn., Dem. Mitsch-
chen, Marie. Hartwich, 155. Dzg.
Nhg. Viol^t, 102. 194. Dorr, 42:
On Mitsch Marie, Nu bliew bi mi!
Auch Spottname für eine einfUtige
68
mitschen — Modder.
Frauensperson. Geh^ du dumme Mit&ch,
Namke os Nämhe^ wenn dat Jungke 6k
Mttschke het Vgl. Mike.
mitschen, sw,^ manischen, patschen.
Vgl. matschen.
MTtschOrt, w. Yom.^ Zusammenziehung
der Namen Mttsch (Marie) und Ort
(Dorothea). Dönh.
Mittag, pltd. MOddag, n. 1. Mittags-
essen, -mahl/eit. Das Mittag ist schon
mehrmals kalt geworden, sagt die Haus-
frau zum verspätenden Manne. 2. Mit-
tag essen^ zu Mittag essen. Wir wollen
Mittag essen. Ebenso in Estland. Sall-
mann, 126a.
Mittelbauch, pltd. MOddelbQk,m., zweite
Abteilung in einem Sack oder Wenter.
mitteldamank, adv.^ s. mittendamank.
Mittelknecht, m., s. Knecht
Mittelkranz, pltd. MOddelkranz, m., die
mittlere Abteilung der Metritze des
karischen Wadegarns.
Mittelmagd,/., analog nach Mittelknecht
gebildet, ältere und in der Stellung be-
vorzugtere Magd. Wo OS denn de Mod-
delmägdj de den Foss von de Gänse
jagtf Volksr., 44, 169 u. S. 278. VolksL,
46, 29, 2.
Mittelrock, pltd. MOddelrock, m., die
mittlere Abteilung des Eeitelgams, lit.
middraks. S. Keitel.
Mittelschlag, pltd. MOddelschlag , m.,
das die Mitte Haltende, die mittlere
Art oder Gattung. Die Leinwand ist
Mittelschlag^ sie ist weder fein, noch
grob. Pferde, die weder vorzüglich
grol'z, noch sonderlich klein sind, sind
guter Mittelschlag, Hennig, 161. Ade-
lung IE, 248.
mittendamank, gewöhnlich mittelda-
mank, adv,, mitten darunter. Die Mar-
gell ist immer mitteldamank, sie ist viel
und gern unter den Knaben.
Mittfach, pltd. MOdfach, n., Mitt«l£ach
der Scheune, Raum über der Dresch-
tenne, dessen Grundlage Querbäume
oder Querstangen bilden. Dat Mul ös
em wi e Schoppeloch on de Möge wt e
Mödfcxh^ er ist unersättlich. He rekt
vom Mödfach to frete, ein Mensch, der
besonders grolz gewachsen ist. Sprw.
I, 2571. 3112. De Buk e Schtn, de
Mäge e Mödfach^ Wunsch eines starken
Essers. Sprw. H, 271. Hennig, 332.
MTz, f.y s. MTs.
miibeln, ^., s. vermObeln.
Mocke, Name und Lockruf für das
Kaninchen. Volksr., 64, 242 f. Vgl.
Tnisch.
Mockerau, Ortsn., Kirchdorf in der
Nähe von Graudenz. Ncu:h Mockerau
reisen y sterben. Vielleicht hängt die
Redensart mit den Revuen zusammen,
welche unter Friedrich II seit 1772 in
jener Gegend öfter, und unter seinen
Nachfolgern noch von Friedrich Wil-
helm H (zweimal) und Friedrich Wil-
helm Hl (dreimal, zuletzt 1804) ab-
gehalten wurden. Pr. Land.- u. Volksk.,
421. Sprw. I, 115.
mOdbarschen, gewöhnlich zer- u. ter-
mOdbarschen, sw.^ sich, sich abquälen,
abmüden, auCzer Atem arbeiten, meist
mit dem NebenbegrifF der unnützen
Thätigkeit; auch abmOdbarschen. Das
Wort ist aus mod^xii und barschen^
barsten bersten zusammengesetzt. In
Hamburg und Bremen moodbarsten,
Brem. Wb. HL 172, im Holsteinschen
mootbarsten, Schütze III, 115.
Moddel, n. 1. das Modell. 2. das
Obstlager im Heu oder Stroh zum Nach-
reifen des Obstes. Dönh.
Mttddelenttwei, m., Mittelentzwei.
Mensch ohne Haltung, Labommel
(s. d.).
Modder, m,y Moder, Schlamm, Sumpf,
Morast^ Strafzenkot. Davon moddrig,
Moder — Möglichkeit.
69
adj,^ modrig, ^as aus Moder besteht,
Moder enthält, Dach Moder riecht.
Hennig, 161. Vgl. MotL
Moder, MOder, Medder, /. 1. Mutter,
wie hchd. Frau, Gattio, Hausfrau, da-
her auch Hausmutter, pitd. HQsmOder.
Sihn HuufZ'Moder sehd: Mann! dat
motst du nich lieden, Carm, nupt III,
50b. Mooder^hüV nich! Elbing. Spook,
471. 2. Anrede des Gesindes an die
Hausfrau; auch HerzmOder, neuerdings
gens FrQke. Vgl. Vader.
Nltfder (o lang), n., Mieder, leinenes
Wams, kurzes Halbhemde. In der Ge-
gend von Konitz: Meidet Bock, 35.
Hennig, 161. Mhd. mtioder, altnd.
nrnder. S. Genaueres Weigand H,
90.
Moderlieschen, n., Fischn., Spierling,
Letuaspius delineatiis Lieb. (Q/prinus
aphya L.) auch Name für junge Fische
aller Art^ Das Fischchen heifzt auch
Mutterloseken ^ Mutüosen (Voc. 580),
Mudchen^ Muttchen, Modke^ Malinchen^
alipr. blingo. Benecke, 131. Bujack,
339. Bock, Nat. IV, 662: Die hiesi-
gen gemeinen Leute nennen ein Meines^
längliches^ gründelartiges ^ rundliches
Fischchefi, das sich unter dem eigent-
liclven Stint einfindet und mit demselben
gefangen wird^ ein Moderliejzken, Der
Name Mutterloseken, pltd. Moderloseken,
Mut(ieir)losen, Moderlieschen, rein pltd.
Moderlisken, soll, nach Mühling, Tiern.,
175^ daher kommen, weil man ehemals
glaubte, der Fisch entstehe ohne Vater
und Mutter, allein durch Fäulnis. Die
Namen Mudchen und pltd. Modke, viel-
leicht auch Malinchen = Mutterchen.
Im Holsteinschen ehenidUsModef^loseken,
Moderli/chen, mit gleicher Erklärung
über die Entstehung des Namens.
Schütze lU, 105. In Pommern Mo*
derlöseken, Dähn , 310a. In Estland
Moderlieschen Schlammpeizker, Cobitis
fossilis. Sali mann, 126 a.
moderselig, moderwind allein, s. mutter-
selig.
modes, adj., vernünftig, gut. Dat os
e modesser Mönsch, Natangen. Von
modesttisf
MOdge, Ortsn., Modgen, Dorf imKreise
Pr.-Eylau. Es heilzt von den Be-
wohnern neck weise: Hei ös üt Modge,
wo de Lüed Mod (Mott?) undre Nds
/lebbe.
Modke, n., Fischn., s. Moderlieschen.
mOffig, adj., s. milffig.
mVg (p lang), 3. Pers. sing, präs. von
mögen: er mag. Er mog wohl reich
seinf Oberland.
Mogelike, /., s. Mogille.
mOgeln, sw., übervorteilen, betrügen,
durch Betrug überlisten, namentlich
beim Kartenspiel, daher häufig bemO-
geln. Sperber, 22. Danneil, 138b.
In Estland mogeln heimlich aus dem
Wege räumen, meucheln. Sallmann,
37a. Von mögein: MOgelant, MOgeler,
«i., Betrüger, Fälscher, namentlich fal-
scher Spieler. Mogelei, /., Betrug etc.
mVgen, sw,, sock, s. mUhen.
Mogille, /., Dorfkirchhof, Nebenkirch-
hof, verschieden von dem für ein Kirch-
spiel gemeinsamen Friedhof des Kirch-
dorfes. Lit. mogiUa, poln. mogila Hü-
gel, Erdhügel, Grabhügel, aber auch
Steinhaufe, russ. mugilni. Es steht
jeder Ortsgemeinde frei, eine Mogille
anzulegen; auch tritt der Name nicht
ausschliei'zlich in Litauen und Masuren,
sondern auch sonst in der Provinz auf.
Vgl. Hintz, 70. Nach Treichel Mo-
gelike, altpreui'zischer Grabhügel, sogen.
Hünengrab.
MVglichkeit, pltd. Mäglichkeit, /. Is
das die Möglichkeit! als Ruf des Er-
staunens. Bis in die aschgraue Mög-
70
Mohnkanne — molsch.
lichkeit^ zur Bezeichnung des Unbe-
grenzten.
Mohnkanne, pltd. Mänkann^ /.^ der
wie eine Kanne gestaltete Mohnkopf.
Mohnkeilchen, pltd. Mänktlke, plur,,
Keilchen in Milch mit geriebenem Mohn.
Fastnachtsgericht. S. Keilchen.
Mohnnudeln, pltd. Mdnnüdle, plur,,
Nudeln in mit geriebenem Mohn abge-
kochter Milch. Fastnachtsgericht.
Mohnsens, m., kleiner Mohnkuchen
der vorzugsweise in der Fastenzeit ge-
backen wird. Nach Bock, 35, und
Hennig, 162, die Mohnsanse schrei-
ben, auch „kleine Fladen, die mit Ho-
nig bestrichen und mit fein geriebenem
Mohn bestreut sind." Wenn öck war
na Gnttstadt käme, war eck di e M&n-
sens kepe.
Mohnstribel, pltd. Mämtrötzel, m.,
Stritzel mit Mohn. Der Mohn wird
zur Entfernung des bittem Geschmak-
kes gebrüht, gerieben und unter Zuthat
von Eiweiiz und Gitronenöl auf den
ausgerollten Teig gethan, wodurch er
in dem fertigen Gebäck eine reihen-
weise Lage erhält. Fastnacht und Pfing-
sten. Ostpr. Treichel, Volksth. HI.
Mohring, Ortsn., Mehrungen. Herder
ist in Mohring geboren.
Meidet, n., s. MSder.
Mokkakäfer, m. Mit der Gescfmindig-
keit eines Mokkakäfers. Treichel.
mSlen, sw.y in Unordnung bringen,
durcheinander werfen; auch vermSlen.
Treichel.
MolkebrSch, m., Broch, Bauch, der
von Molken stark geworden. Wat suU
se mot dem Molkebröchf Volksl., 60,
40 1, 6. Vgl. Bröch.
Molkenschubber, m,, s. das folg.
Molkentewer, pltd. Molketöwer, m,^
Kohlweifzling, aber auch jeder andere
Schmetterling, jede gröfzere Mottei
jeder Nachtschmetterling. Aus Molken^
mhd. auch Milch, und tewem hexen,
zaubern, zusammengesetzt, also wört-
lich: Milch verhexen Sie heifzen auch
Molkendeve, Molkendiebe, nach Muh-
ling, Tiern., 174, auch Molkenschub-
ber; in Elbing Molkenzfiber. En Mächen
so sehen . . . tvie so'n recht bunter Mol-
kenzeber. Schalt]., 3, 6. Schemionek^
25, schreibt Molkenzöber, in Bremen
Mulkentöve7\ Brem. Wb. IH, 144; in
Pommern Molkendeev. Dähn., 311b.
Die Volksjugend singt den Schmetter-
lingen zu:
MoVcetewer^ sett dtj
Gew dl e Stöckke Botterbtvt! etc.
Vgl. Volksr., 60, 233. N. Pr. Prov.-Bl.
a. F. I, 69. Bock, 35. Hennig, 162.
Moll, Molle, /., s. Mulle.
M8II, n., s. MUH.
mollen, sw.^ sich^ sich wohlbehaglich
wälzen, rollen, sich einnisten.
mollig, adj,, weich, wohl, behaglich.
Es ist hier ganz mollig.
MSIIitz, Fischn., s. Forelle.
Molm, Mulm, m., trockene, lockere
Stauberde, Fäule im Holz, Wurmmehl.
Ahd. molt^ molta, mhd. motte Staub,
Erde. Schade, 619b. HoU. molm.
Bei Jeroschin: der vucks — ofte scha-
din grnz vorsieht dl wtl er schirrit in
dem molt Pfeiffer, 197. Vgl. Malm.
Sali mann, 37 u. 75, verzeichnet das
Ädjekt. mulmig. Vgl. olmig.
molsch, adj,^ morsch, angefault, wund.
Molsches Holz — Obst Molsche Fü/ze,
Füfze, die stark schwitzen, wund sind.
Bayr. mohchet. In der Saalfelder Ge-
gend molsch auch sumpfig. Vgl Mulsch
und mär. 2. faul, trage, unlustig zur
Arbeit, übermüdet, angegriffen. Öck
st hOde ganz molsch. molsch und mär
sind wohl gleichen Stammes; ob dieser
jedoch, wie Bock, 35, and Hennig,
niolschen — Moorente.
71
162, meinen, das lat. moUis weich,
bleibe dahingestellt. Nach Sperber,
22, nennt man, wohl in studentischen
Kreisen, den, der an Katzenjammer lei-
det, ihn ironisch adelnd, Mohch von
Geltem.
molschen, mutechen, sw. 1. molsch
werden, anfaulen, faulen. 2. faulenzen.
3. prügeln. WenrCt nich ^ der Kiark
tvesen weei\ so hadd §k em gemohcht^
oder he hadd mi gemohcht Dorr,
1. Wiew., 126 f.
Molt, n., Malz. Ags. mealty engl.
malt, holl. niout Brem. Wb. III, 182.
Im Götting. Malt Schamb., 129b.
An dem ös Hoppe on Molt verlöre,
Sprw. I, 1653.
Moltdieb, m., Malzdieb. Schimpfwort
auf den Müller: De Meiler^ de Meiler^
de Moltkedew. Volksr. 14, 65.
Molterbeere, Multbeere, /., Sumpf-
brombeere, Rubtis chamaemorua L.
Hagen, 529.
Moltsack, 9n., Malzsack; auch zur Be-
zeichnung eines korpulenten Menschen.
Vgl. Mdlzsack unter Moltwurm.
Moltwurm, Moltworm, Moltwurf, Mälz-
sack, m,y Maulwurf, talpa. Der Molt-
umrvi malt In dem ahd. molt, molta
Staub, Erde, ist der Stamm zu suchen ;
es tritt noch heute auf in MoU, MuH,
Molm, Mulm. Der Moltwurm ist also
der Erdwurm, der Moltworf der Erd-
werfer, Erdaufwerfer, Erdwuhler. In
Mdlzsack ist deutlich rndlen, wühlen, zu
erkennen. Ahd. multwurf, ebenso mhd.,
aber auch moltworf, moltwerf u. molt-
werfe. Vgl. Schade, 625 a. In Bayern
Mdlwurf, Mälwulf, Mauraffy Moltwerf,
Modwerf, Schm eller 11, 566. 609.
572. Birlinger, 332a. 337b. In Ham-
burg und im Holsteinschen Mulworp,
in Bremen Winworp, holl. molworp,
molworm. Brem. Wb. III, 199. Schütze
III, 118; in Sommern Mullworm, Dähn.,
315 b, im Göttingenschen Multwojp,
Schamb ., 139b. Mühling, Tiern.,
174.
molum, adj., lustig, angetrunken. Er
ist molum,
Mommel, /., Pflzn., s. Mummel,
Monat, n. Er hat das Monat 15 Thalet^
Gehalt
MSnch, ?n., schmaler, überliegender
Hohlziegel, der den unten liegenden,
die Nonne, an den Kanten überdeckt«
Hennig, 162. S. Adelung HI, 267.
mlinchenf sw,, verschneiden, kastrieren,
besonders Tiere männlichen Geschlechts.
Vgl. nonnen. Hennig, 162.
MSnchenhof, m,, s. Münch.
Mondschein, m. 1. früher Name für
eine ünterhaube, die von ihrer Form,
welche dem Halbmond glich, den Namen
führte. S. Schauer. 2. Glatze. Hen-
nig, 332.
M Ankengasse, pltd. Mänkegass, f.,
Strafze in Königsberg, nach Hennig,
162, eigentlich Mönchengasse, „weil un-
weit davon im Papstthum ein Mönchen-
kloster soll gestanden haben.^ Ebenso
Faber, 134. Hoffheinz, Strafzn., 604,
hebt hervor, dalz auf dem Behring-
schen Plane von Königsberg 1613 diese
Sti'afze gar nicht vorhanden: „Wenn
nun, wer weifz um wie viel später, das
Bedürfnis einer Strafsenanlage entstand,
so war die Erinnerung an ein Kloster,
selbst wenn ein solches vor der Refor-
mation dort gestanden hätte, viel zu
sehr erloschen, als dafz man davon
hätte Anlal'z zur Namengebung nehmen
können.^ Hoffheinz meint, die Strafze
habe ihren Namen von irgend einem
Manke (Personenname, der hier häufig
auftritt), woraus Manke- und nhchd.
Monkengasse entstanden.
Moorenie, /., weil'zäugige Ente, Anas
72
Moorkrick — Morgengrätzchen.
leucophihalmus, DrauseDsee. M u h -
ling, Tiem., 174.
Moorkrick, Pfeifente, Anas Penelope,
Mühling, Tiern., 174.
Moosblume, /., s. Kuhblume.
Moosbude, /., s. Mostbude.
Moppchen, pltd. Mopke, n. u. ?n., hart-
gebrannter Ziegelstein, sonst Klinker
genannt; Ziegelmehl als Putzpolver:
Putzpulver ist, loie, wo^ wenn man nicht
hat, nimmt man Mopke. In Danzig
Moppe. Holl. mxyp. Der Sorquittische
Thon giebt liolländische Ziegel oder
Moppen, Bock^ Nat. II, 57. Altpr. M.
Vm, 366.
mopsen, sw., von Mops. 1. Ich werde
dir was mopsen, als Zurückweisung.
2. übervorteilen, betrügen, stehlen.
Westpr. Treichel. Vgl. bemopsen.
3. sich mopsen, sich langweilen. Er
mopst sich, wie der Furz im Tisch-
kasten.
mSr (o lang), adj., s. mär.
morasten, sw. He mot noch ön e
Welt moraste lehre, stark arbeiten, aber
auch Gutes thun lernen. Für die Ab-
leitung wäre sowohl Morast, als das
lat. mores zu beachten.
morben, sw., mürbe werden, faulen;
vom Obst. Er verhindert, da/z Baum
noch Apfel mögen morben. Carm.
nvpt. n, 32.
Morche, /., eine in PreuJ'zen vor-
kommende Fischart. Simon Grünau
Tract. I, cap. III.
morcheln, sw., mit den Händen viel
und stark betasten, durch handgreifliche
derbe Liebkosungen quälen. Eander
morcheln gern junge Tiere, Vögel etc.
Morchel nicht die Kotz! Bock, 36.
Hennig, 163. Treichel hat murcheln,
Marold norcheln, wohl nur abweichende
Schreibung von nörgeln (s. d.). In der
Altmark in gleichem Sinne maddeln,
maggeln. Danneil, 130a.
Mord, 9n., wilder, wüster Lärm, der
schlimmstenfalls zum Morde führen
könnte. Da giAis Mord und Totschlag!
Sein sie ruhig, Tod und Mordschlag
wird!s nicht geben. Soph. R. IV, 556.
Mordax, Murdax, m., kleiner Hund.
Saalfeld.
mSrdern, sw. 1. totschlagen, töten.
2. stark schlagen, so dalz der Tod er-
folgen könnte. Sie haben ihn rein ge-
mordert. Bei Jeroschin das ad/, mort-
lieh. Pfeiffer, 198.
mordlAnsch, adj., s. mords.
mords, adj., auizerordentlich, gewaltig,
stark, grofz, ungewöhnlich, tüchtige aus-
gezeichnet. Ein mords Kerl — mords
Frauenzimmer — mords Hase etc. Ein
mords Fresser sein, mords Hunger haben.
Mords Heu bauten, vorzügliches Heu
und reichlich davon ernten. In weiterer
Ausgestaltung und Bildung: mordlAnsch,
mordsmäfzig, ersteres auch in der Be-
deutung martialisch: ...'ne mordionsche
Positur önnehme. Dorr, Driewjagd.
\g\.pomale. ImGötting., inMecklbg.-
"Vorpom. mordsch, in Hessen mdrdsch.
Schamb., 138a. Mi, 56a. Vilmar,
271. Auch bei uns tritt vwrdsch auf^
jedoch mehr in der Bedeutung maitia-
lisch, wie denn auch in Hessen Tno^*-
dalisch als Bezeichnung der gröfzten
Verwunderung gebraucht wird. Sau
maackt noch grötre Argemös my noch
darto ons mortscher Teppei\ Carm. nupt.
V, 216 b. mords auch substantivisch
in: Mordskerl, Mordshase, Mordsheu,
Mordshafer etc.
Mordschlag, m., Totschlag, s. Mord,
mordsmäfzig, adj., s. mords.
Morgengräbchen, n., die blaue Libelle.
Dönh.
morgeuländem — Mo8ke(o)bade.
73
morgenländern, sw,^ betrugen im Kar-
tenspiel; auch mit guten Karten zum
Nachteil des Mitspielers passen, also
gleich maueim (s. d.). Treichel.
Morgensegen, m.^ Schelte der Haus-
frau am frühen Morgen. Das davon
betroffene Gesinde sagt: Se trampelt
den Morgesegen, Im Holsteinschen
heil'zt es : Nu kummt dat Morgengebedd.
Schütze, m, 112.
Morgensprache, /., die durch Gesetz
geregelte Zusammenkunft der zünftigen
Burger aus dem Kaufmanns- undMälzen-
bräuerstande unter Assistenz von De-
putierten des Rates und Gerichtes auf
dem Junkerhofe. Eigene Angelegen-
heiten der Zünfte bildeten den Gegen-
stand der Verhandlungen, und selb-
ständig strafte die Morgensprache Ver-
gehen gegen die gesetzlich feststehende
Ordnung in Hof und Garten. Der
Name erklärt sich aus dem Umstände,
dafz die Versammlungen am Vormittage
(Morgen) stattfanden. Auizerordentlich
einberufene Morgensprachen hiefzen
Beimorgensprachen. Vgl. Die Zünfte,
41 ff. Hennig, 163. Frisch I,
670 b.
Moriche, /. Nach Simon Grünau,
Tract. I, cap. 111, ein Fisch in Preufzen.
Morib, m. Vom., Mauritius. Hart-
vich, 54.
Morib, korrump. aus dem lat. mores.
Ök war dt Moritz Ure^ ich werde dich
Sitte lehren. Bei Mi, 56a: Moritzen
Uhren^
MSrmelmaus, auch WUrmelmaus, pltd.
-mOs, /., der Maulwurf. Natangen.
Mormel wie Würmel sind wohl Aas-
gestaltungen von Moll^ Molm, Mulm,
Vgl. Moltwurm.
mSrschen, (ö lang), sw.^ von Morsch^
Marsch^ Arsch^ unruhig sitzen, auf dem
Sitz hin- und herrücken; auch liebkosen,
da Liebkosende selten ruhig sitzen.
Se morsche sock. Kgsbg.
mSrschlig, odf/., auffällig bunt mar-
moriert. Mühling. S. Mirichemau 2.
MSrsemau, m., s. Mirsemau.
Mortche, Moije, m. jüd. Vorn., von
Mardochai. Flatow. Schmitt, 113.
mortiälsch, adj,^ martialisch.
m Artig, adj,, faul, s. mottig.
Morzeböb, Pflzn., Tannen -Bärlapp,
Lycopodium selago L., poln. morzybob.
Dem Klange nach aus dem Deutschen
ins Polnische herübergenonmien und aus
ilf«r?noo8 =Hexenmoo8 verderbt. Trei-
chel, Volksth. II. Vgl. Mirsemau.
IM68, /., s. MOS.
Mos, /., s. M6se.
MAsbude, /., s. Mostbude.
Mosch, n., Fünf blatt, Kartenspiel, bei
welchem 5 Blätter in der Hand des
Spielers sich befinden. Man darf die
nicht ansprechenden Karten weglegen
und andere dafür yfzaufen^. Es wird
oft um hohen Einsatz gespielt. Nach
Sperber, 38, kommt der Name von
dem poln. mo'ze er kann. Auch: Fupp-
chenziehen (s. d.).
Mosch, Mosche, /., s. Musch.
Moiche, /., altes Mädchen. &e ös *ne
olle Mosche, Friedlaud Ostpr. Sonst
MuscJie^ Weibsperson, die sich hingiebt.
S. Weigand, II, 159.
M8se, /., s. Mese.
MSsel, (?), wohl Dem. von Mos^ Mus,
Milchmus aus einem flussigen Teig von
Weizenmehl und Eiern. Litauisches
Gericht in der Gegend von MemeL
Bock, Nat. I, 264.
moiig, adj.^ kraftlos, matt, schwach.
Ein modiger Kopf. Vgl. moilig.
MSsk, MSske, m., /. u. n., s. Mfiske.
Moske(o)badei /., s. Muskebade.
74
Modkengesicht — MnckeL
n^ 8. Mtekefeuer.
moslig, adj,j klein, anansehnliclL Ein
yacmliger Junge. Vgl Glieiel ii. motig.
Moftbtlde, /., Bade, in der Most ge-
schenkt Würde, Landhaus, Gasthans bei
Königsberg vor dem SackheimerThore;
jetzt verschwunden. Wir fuhren nicht
nach der Kirche^ sondern — nach der
Mosibude. Soph. R. V, 272. In meiner
Knabenzeit Mosbude und Moosbude,
Möt, w. Vom, Erdmut. Dzg. Nhg.
Viol^t, 102.
Moteres, /, s. Muturas.
Motje, m. jQd. Vom., s. Mortche.
Mütke, n., s. HStke.
Mott, m.y Strafzenkot, zäher Schmutz,
Moor, Moder. Bei Jeroschinst. Neu-
trum: und da dl heidin durch das mot
(: 6t) wolhab gebrochin hdtin sichy 48 c.
s6 lange treib st disin strit um er stürzte
in daz mot {:got) lOOd. Et os aller
m Matt on Blott. Mnd. mode^ mudde^
engl, mvd^ holl. modder^ dän. mudder^
schwed. modd^ modder, ital. mota. In
Bayern Matt Moorerde, die, ausgegraben,
in Häufchen ausgebrannt und mit zum
DQngen der Felder und Wiesen be-
nutzt wird. Schmeller II, 653. Vgl.
Adelung III, 256. Frisch I, 671a.
Bock, 36. Hennig, 163. Pfeiffer,
198. S. Modder.
Mott, /. Es darf nur auf der Tiefe
des IJafeSj in dem Strom oder der Matt
mit dem Uerbstgam gefischt werden^ ohne
die Schaaren und flaclien Stellen zu be-
rühren. Benecke, 344.
Mottblume, /., s. Kuhblume.
Mottel, (?), EinhQllang, Bedeckung,
Verwahrung, Versteck, worin Obst oder
andere Elzwuren vor Kindern oder
Dienstboten heimlich aufbewahrt wer-
den. MQhling. In Baiem maucken^
f, u. m., mauten^ /*., Schmeller II,
548. 647.
Mottenkrallt, n., Schabenkraut, Verbas-
cum blattaria L, Hagen, 245.
MttHIOgel, m., Lederflugel über den
Hinterrädern des Wagens, welche das
Aufspritzen des Mottes verhindern.
Mühling.
Motthundi m., Schimpfwort auf einen
schmutzig geizigen Menschen. Müh-
ling.
niottig, adj. von Matt, kotig, schmut-
zig, schlammig. Nach Mühling auch
feiul. In letzterem Sinne in der El-
binger Gegend mortig (das 6 = od).
In Hessen motig. Vilmar, 278.
mottkalt, adj., nafzkalt, s. v. a. dreck-
kah (s.d.). Bock, 36. Hennig, 163.
mucheln, sw., vermuchein, abthun, um-
bringen; eine Karte im Spiele stechen;
mehr können, wie ein anderer. T rei-
ch el. Verwandt mit meucheln.
muchllch, ac{;., s. munklich.
muchtig, adj., modrig, stinkend, ver-
dorben. Mühling. Vgl. mllffig.
Muck, auch Mucks, m.^ vereinzelter
Laut, der sich halb unterdrückt, als
Widerspruch hören läfzt; von Menschen«
Hunden. Und sagt er Muk, so werde
ich noch einmal den Pukel ihm aus-
walken. Soph. R. I, 508. Noch unter-
wegs kam immer der Muk. Ibid. IV,
349. Vgl. mucken und mucksen.
Mucke, /., üblicher der Plur. Mucken,
s. mucken.
Mücke, /. Mücken fangen, Grillen
fangen; eine gewöhnliche Sache, ge-
mein wie die Mücke; auch ironisch eine
seltene Sache: die Mücke ^ ein rares
Insekt. Treichel.
Muckel, m., kleiner Mensch, auch
Dummkopf. Verwandtschaft mit mü-
ckem, 8. mickem; vielleicht auch An-
klang an Michel. Treichel. Beliebter
zur Bezeichnung der Kleinheit ist
Nickel und Nuckel.
muckelke — muffen.
75
Muckelke, n., Eafzchen.
mucken, »w., in halblauten, verein-
zelten Tönen übele Laune zeigen,
trotzig, nickisch sich gebärden, maulend
und grollend im Eigensinn beharren.
Kinder, die ihren Willen nicht bekommen,
mucken. Ebenso mucksen, doch nähern
die trotzigen Töne sich mehr dem
Schluchzen. Davoq das Subst. Mucken,
plur.^ dessen Einzahl kaum gebraucht
wird. Er hat Mucken im Kopf. Einem
die Mucken vertreiben^ ihn durch Hiebe
zur Raison bringen, muckisch, mucksch,
€Ldj. Er ist mucksch. Vgl. Schütze
III, 118. Schamb., 139a. Anton,
10, 11. Danneil, 140a. Hupel, 156.
Sperber, 22. Weigand II, 142.
Mttckenfett. n., Medik., Schweinefett.
MUckenkraut, n., Wasserpfeffer, Poltf-
gonum hydropiper L. Hagen, 424.
Pritzel, 298.
MUckenprHscher, -spriber, m.^ einer,
der nach Mücken spritzt. 1. Schimpf-
wort auf Eahnschiffer, weil sie sprit-
zend die Segel netzen. Spitzname auf
die Bewohner von Fischhausen (s. d.)
Mucker, m.y der Hase.
muckern, sw,, s. muggern.
mUckern, sw.^ s. mickern.
muckisch, adj,^ s. mucken.
muckrig, od)'., s. mickem.
mucksch, adj.^ s. mucken.
mucksen, sw,^ s. v. a. mucken (s. d.).
muckstill, adj,, still, da(z man auch
nicht einen Muck hören läl'zt. Er ist
muckstUL Schemionek, 25.
Mttckus, (?), von Prätorius unter den
Fischen Preui'zens aufgeführt. Pier-
son, Matth. Prätor., 15. Vgl. Mulkus.
Mudchen, (o kurz), n., s. Moder-
lieschen.
muddeln, sw.^ schmutzig sein, im
Schmutze arbeiten. Treichel. Vgl.
schmuddeln.
MUe8Ag,n., Kollerassel, Oniscus asellus.
He krüpt as e Müesog (Mausauge). Ko-
nitz. Sprw. II, 1595.
Muff, /., Muffe, s. Mau.
muff, interj., zunächst zur Bezeich-
nung des kurzen Hundeanschlags. Er
kann nicht muf sagen^ er vermag aus
Dummheit, Befangenheit oder Schuld-
bewufztsein nichts zu sagen. Sprw. I,
2668. Verwandt mit Muck (s. d.)
muffelig, adj,, s. muffeln.
muffeln, mUffelni sw. 1. mit geschlos-
senen Lippen mühsam und langsam
kauen, besonders mitdenYorderzähnen.
Von alten zahnlosen Leuten sagt man:
Sie muffeln ihr Stuckchen Brot Doch
auch mit Behagen trocken Gebäck essen.
Da sötzt je der kliene Jung on muffelt
am Franschbrot Schalt). 3, 4. Nach
Henn ig, 163, auch heimlich, unbemerkt
essen. In Hamburg, im Holsteinschen
und im Göttingenschen muffeln^ in
Bremen mummeln. Schütze III, 177.
Brem.Wb.III, 194.201. Schamb., 139b.
In Bayern murfeln^ m/orfeln^ mumpfeln.
Schmellerll, 615.576. Birlinger,
340a. In Pommern muffen, Dähn ,
315 a. Bei Bernd, 183: mumfeln. In
Hessen Mumfel^ /., ein Mundvoll.
Vilmar, 274. S. noch Anton, 10,
12. Sallmann, 37b. V^eigand II,
145. 2. vor sich her brummen, murren,
maulen, ein abstöfziges Wesen zeigen.
Hiervon muffelig, adj,^ unliebenswürdig.
Treichel. Vgl. pUffelig. S.Weigandll,
145: muffen,
muffen, sw.^ übel riechen, wie ver-
dorbenes Fleisch; nach Schimmel oder
Moder riechen. Es mufft HoU. muffen^
bayr. muffen^ mOecheln^ maucken und
ähnlich, in Bremen muffen^ im Götting.
und in Posen muffen. Brem. Wb. IH,
195. Schamb., 139a. Bernd, 182.
In Hessen der Muff Schimmel, Moder;
76
muffig — Muhme.
Mordgerucb ; muffen^ muffen^ miffen^
müffzen^ müffem^ müffzening. V i 1 m a r ,
273f. Hennig, 163.
mUffig, mSffig, auch mufflig, adj,^ dum-
pfig, angekommen, stockig, nach Ge-
ruch und Geschmack; von Fleisch,
Getreide, Getränken. Hennig, 163.
Schemionek, 25. Sperber, 22.
Vgl. Dähn., 313f. Danneil, 140a.
Mi, 56b.
Muff muff, m.^ schlechtere Sorte Rauch-
tabak. Treichel. Auch Muffmaff und
dann Zusammensetzung aus muff und
maff^ Interjektionen nach der Bewegung
der Lippen beim Rauchen, ähnlich ge-
bildet, wie fifffaff^ kliffklaff etc. Nach
.Weigand H, 146, bezeichnet Muff-
maff einen unfreundlichen, brummenden
Menschen.
MUgge, /., Mucke, s. Migg'.
Mugger, m., verkommenes Geschöpf,
Mensch oder Vieh, besonders elendes
Fohlen. Treichel. S. Muckel.
muggern, muckern, 8«£7., stolz weise
schmerzen; von den Zähnen. Der Zahn
muckert immer noch Treichel. Vgl.
mickern.
Muh, /*., Name und Lockruf für die
Kuh, nach ihrer Stimme; auch Muiche-
muh. Vgl. Muich.
mühen, pltd. mfigen, mSgen, sw. 1.
Schmerz, Mitgefühl empfinden, be-
dauern. Wt mt de Männkes mege!
Samland. Firmenich UI, 499a. Ahd.
mtuyjany mhd. muejen^ müewen, rnHen
beschweren, quälen, beunruhigen, be-
kQmmcrn, ärgern, verdriefzen. Bei
Jeroschin muwin: iz muwit im und tet
im we, 90a. Pfeifer, 198. Schade
Wb., 627 b. 2. sich mühen ^ megen,
mögen, sich grämen, härmen. Dem
Schuster ös de Kobbel dot^ Hei darf sock
gar nich mege etc. Volksr., 83, 337.
Hennig, 332.
MUhlchen, pltd. Mfilke, n., Einderspiel,
bei welchem in den 9 Räumen der
nachfolgenden Zeichnung # Nullen
und Striche oder kleine „Holzsteinchen^
von zwei Spielenden wechselweise so
lange hin und her gesetzt, oder hin und
her geschoben werden, bis einer 3 in
eine Reihe gebracht hat. Sie sprechen
dabei: Ich lösch' mein Nullchen (Strich-
chen — Einschen) ab und setz' es hier
hin! oder: Ich heb' mein Steinchen
auf etc. Nach Bock, 36, heifzt das
Spiel anderwärts Tripp trapp trulL
liennig, 164.
MUhlenjunker, m., ehemalige Bezeich-
nung für den Inspektor der grofzen
Mühle. Dzg. W. Seidel, 32.
MUhlhausen, Ortsn., Städtchen an der
Ostbahn, das zweite Abdera der Pro-
vinz Ostpreulzen neben Domnau. Die
MüMhäusener haben einen grossen Krebs
im Teiche an einer grossen Ketten liegen,
der ihnen die Stadtmamren vmbgefressen
habe. Bis werden aber ins wasser ge-
worffen, die ihn selten wollen, Hennen-
berger, 321. In MühUiavsen, wo sie
die gfi*oJzen Keilchen kochen und die
lange Suppe machen. In Mühlhausen,
wo sie mit dem Langholz quei*über her-
einkommen, Dat gölt (gilt) ön Mül-
hüse, Sprw., I, 2670—72. 1225. Die
Mühlhdusener schieben ihr Rathaus im
Winter auf Erbsen, im Sommer auf
dem Pelz umher, Sprw. H, 1881.
MUhlkoppe, MUllerkoppe, m., Fischn.,
Kaulkopf, Cottus gobio. Benecke, 68.
Muhme, /., Dem. AJumche, Muhmke.
1. Tante; aber auch Cousine und Seiten-
verwandte überhaupt. De Muhm lät
de Muhm grüsse on de Muhm frage, op
de Muhm to Hüs ös, wenn de .JtfuA^Ti
to Hus blifty ward de Muhm de Muhm
beseke. Sprw. I, 2673. . . . hergegen
mufz die Braut den Bräutigam auch
Muiclie — mullern.
77
nicht kränken^ wenn er mit Schwester-
chen und Muhmchen schone thut. Carm.
nupt I, 1*28. Meine liebste Jungfer
Muhm, Gott allein gebührt der Ruhm.
Ibid. III, 65d. Ahd. muomd, mhd. mtio-
mCy im Bremischen moie, moje^ holl.
moei^ moeye. Schade, 628a. Brem.
Wb. 111,180. 2. Fru Muhmke, Anrede
für die Hausmutter. Üblicher Moder.
Muiche,/., plwr. Aft^tcA^, kleine Fliegen,
die in die Augen fliegen. Mühling,
Tiem., 174. Von dem poln. mucha
Fliege, altpr. musa^ muso^ lit. mv^e^ lett.
muscha. Nesslm. Forsch. 3; Th.,
107.
muklig, adj,^ s. munklig.
MQI, n,y und Znsammensetzungen,
s. Maul.
Mulkus, Fischn. Mulckus unter den
preufzischen Fischen bei Hennen ber-
ger, Anhang, 20. Vgl. MUckus.
Mull, m. 1. Staub, Erde. S. Molt-
wurm. 2. Maulwurf, der Mull aufwirft.
Flatow. Dat dt de Mull ahasst, dafz
dich der Maulwurf anbellt. Dat dt de
Mull basst (beifzt)! Firmenich 1, 119.
3. Mühling, Tiem., 174, hat: MuU^
Rotbart, eine Meerbarbe (?).
Mull, Dem. MuUchen, weibl. Vom.,
Emilie.
MUH, Pflzn., 8. Mill.
MUH, pltd. M8II, GemUH, pltd. GemSII,
n. 1. Staub, Schutt, Kehricht, zer-
riebener Unrat aller Art, lockere Erde,
Strafzenschmutz. üblicher ist Gemüü,
Fleddermüs fegd! ut dat Hus On drög
6k dat Gemoll herut, Volksr. 4, 13.
Ahd. molt, moltüy goth. mulda^ ags.
myl^ mofd, isl. mo/, mold, engl, mouldy
dän. muldy holl. mul^ molm^ gemul.
In Baiem müUen zerreiben, zerquet-
schen, GemiUl, das durch Zerreiben,
Zermalmen Entstandene; ehensomtUferny
nfdUfemj Oemülfer. Schmoll er II,
569. 570. In Bremen, im Holsteinschcn
und in Pommern Mull. Brem. Wb. III,
198. Schützein, 118. Dähn.,315a,
Hennig, 83. Weigand II, 150.
2. auf der Dzg. Nhg. auch die vom
Meere zusammengespülten und aus-
geworfenen Holzstuckchen, Schilf- und
Wurzelreste, Tangföden etc., worin sich
Bernstein findet. Man fischt nach die-
sem Müü mit Eäschem. Yiol^t,
94.
MuHe, Mull, pltd. Moll, /. 1. Mulde.
Im Brem. Wb. III, 182: Molde und
A/oZfe, bei Schamb., 137b: Molle, bei
Danneil, 139: MoU. Es regnet (gie/zt)
wie mit Midien (Mollen). Backmull,
Mulde, worin das Mehl angeteigt, und
der Teig zum Bäcker getragen wird.
Fleischmulle, Mulde, worin Fleisch ge-
tragen wird. 2. Schnur mit 600 Haken
der Aal und Dorschangeln. S. Aal-
angel.
mullen, sw.^ wie der MuH, Maulwurf,
wühlen, Mull aufwerfen. Nach T rei-
che! auch eine muldenförmige (s. Mulle)
Vertiefung herstellen, einmullen, sich^
sich einwühlen, einnisten, z. B. in die
Betten.
Müller, phd. Meiler, m. 1. In der
Kindersprache der Maikäfer, wenn er
mit weif'zlichen Haaren bedeckt ist und
wie mehlbestaubt aussieht. Mühling.
Er heifzt auch MUllergesell. Vgl. Rot-
gerber und Schuster. 2. Name eines
Fisches inPreufzen. Hennenberger,
Anhang, 29.
MUllerkoppe, Fischn., s. Mtthlkoppe.
mullern, sw.y sich^ sich einwühlen,
in die Erde, ins Lager. Das Schwein
muUert sich in den Schmutz. Davon:
auhnullern, den Schmutz aufwühlen, auf-
rühren. Das Wasser aufmuüem^ es
trübe machen, mit einem Stecken den
Grundschmutz aufrühren. Treichel.
78
Müllgeld — Mummeltäucher.
MUllgeld, n., Abgabe, welche fär die
Wegführung des StraTzenschmuizes ent-
richtet wird. Dzg. Klein II, 16.
MUllhaufen, GemUllhaufen, pltd. MSII-,
GemSllhQpe, m., Haufen von Moll, zu-
sammengefegt oder aufgeschüttet
Müllkasten, m., MUllldst, /*., GemUllkasten,
m., Kasten oder Kisten, in welche das MüU
geschüttet wird. In gröi'zeren Haus-
haltungen heifzt ein kastenarliger Ver-
schlag auf dem Hofe so. Für Danzig
Klein n, 17: Mülkist, -häufen.
mOllos, adj., s. maullos.
Mulm, 7n., s. Molm.
Muftbeere, /., s. MoHerbeere.
muKem, «tr., (s. midien^ mullern)^
wühlen, besonders in der Erde. Saal-
feld. Nach Mühlin g auch verfaulen,
in Staub zerfallen, zu AfuU werden.
mulfrig, adj.^ verfault, schimmelig
(Mühling), s. V. a. muffig^ dumpfig.
Auch als Schimpfwort: .Er ist ein mul-
triger Kerl! In der Oberlausitz eben-
falls multerig, Anton, 10, 12. In Bre-
men, in Estland, in der Altmark mtU-
sterig. Brem. Wb. III, 200. S all-
mann, 37b. Danneil, 140a. Bernd,
183.
muHum^ adv,^ viel, reichlich; das lat.
mtdium. Es gab Hiebe multum. Eben-
so in Hessen. Vilmar, 274.
Mulus, m., das lat. mtUtis Maulesel;
studentisch : Abiturient, noch nicht im-
matrikulierter Student.
mum, intery.y zur Bezeichnung unent-
schiedener, unklarer, murmelnder Rede.
Niemand will mit der Wahrheit heraus»^
8(mdem nur unter dem hart mit mum,
mum^ mum. Stein, Peregrinus XV,
23. W. Mtsbl. VI, 186.
Mumm, m,y s. v. a. Grimm (s. d.).
Verlangen, Begehr, Appetit etc. T rei-
che!.
Mumm, /., Muhme. S. Knisterbart.
Mummatsch, m., von mummen, der
Vermummte als Kinderschrecker. Trei-
chel.
Mummel, pltd., Mommel, /., weifze und
gelbe Seerose, Nympha^a^ alba und
lutea L, Hennig, 164.
MUmmel, /., Memelflufz. Dafz du
verlast den schönere Pregel Und an der
Mummel streichst die Segel, Carm. nupt.
I, 232.
mummeln, sw,, auch, jedoch selten,
blofz mummen, einhüllen, bekleiden, ver-
mummen; von Mummte (verlarvt« Per-
son) Verkleidung. Hiervon bemummeln,
einmummeln (s. d.). In gleichem Sinne
mutleln, pummeln, pumpein, und hiervon
wieder be-, ein-, vermutteln, -mummeln
etc. Mühling hat als Gegensatz von
einmummeln', ausmummeln, enthüllen,
ablegen, worin man eingemummelt
war. In allen Formen auch reflexiv.
Vgl. Weigand II, 151: die Mumme,
mummeln, sw., leise^ undeutlich spre-
chen, unter dem Barte reden, murmeln,
nicht recht mit der Sprache heraus-
wollen. Et vergafz auch wol sein Ver-
bum und mummelt also das erste beste
in den Bart, Soph. R. IV, 309. Man
mummelt so lang von einem ding bis es
ausbricht. Stein, Peregrinus XIH, 113.
W. Mtsbl. VI, 174. HoU. mommelen,
bayr. auch müem^ln. In Bremen auch
mumpeln; in erster Bedeutung ist dort
mummeln was unser muffeln, Brem.
Wb. III, 201. Vgl. Danneil, 141a.
mummelstutzig, adj., widerspenstig,
widerhaarig, unwirsch, aufsässig. Müh-
ling. Schemionek, 25. Aus mum-
meln (s. d.) und stutzen: mit kurzem
Stolze widerstofzen (Weigand H,
851); also zunächst mit murrendem
Wort widerstreben.
Mummeltäucher, m., geöhrter Steiiz-
fiifz, Podiceps auritus; auch kleiner
mummen — munstern.
79
Steirzfofz, P. minor. Er hei(zt aach
Zerrbein. Mühlin g, Tiem., 175.
mummen, sw.^ s. mummeln.
Mummenhaus, n., Horenhaus.
Mummertle, /., die Vermiuninte, Un-
bekannte, den Kindern Holde; eine
mythische Person, die den Kindern
^ etwas mitbringt^; daher oft auch die
gute „Tante**. Treichel. Allem An-
scheine nach Gegenperson zu Mum^
maisch,
Mummpitz, m., Spai'z; vielleicht ver-
mummter (verhüllter) Spalz. Mache
doch nicht solchen Mummpitz! Trei-
chel.
MUnchenhof, m., Platz und Strafze im
Löbenicht zu Königsberg, so genannt^
„weil ein Mönchenkloster dicht am
Thurm zum heiligen Geist gestanden**.
Hennig, 162. Hoffheinz, Strafzn.,
600. Die Münchenhofgasse hiefz früher
und heifzt auch jetzt noch im Yolks-
munde krumme Crrube (s. d.). Vgl.
Monkengasse.
Mund, m. Einem den Mund vergön-
nen^ ihm von einer Sache Mitteilung
machen, ihn um Rat fragen, um etwas
bitten.
Munde, Münde, Ortsn., früher Bezeich-
nung für den Ort der Mündung der
Danziger Weichsel; derselbe heilzt jetzt
gewöhnlich vollständig Weichselmünde,
Wir sind seit einer Stunde von der
Münde (der Weichsel) zurückgekommen.
Soph. R. IV, 589. In Pommern eben-
falls Münde. Dähn., 314a.
Mundlack, m., Oblate zum Briefver-
schlufz. Mit rothem Mund-Lack fest
verschlie/zen. Carm. nupt II, 171b.
Nach Treichel auch Mundleckerchen.
Mundloch, n., das Rauchloch des Ofens.
Dönh.
Mumiraub, m., das für den Mund, zur
Nahrung Geraubte. Mundraub ist kein
Diebstahl. Dönh.
Mundvoll, n, u. m., so viel Speise,
daiz davon der Mund voll ist, auch
übertragen zur Bezeichnung eines ge-
ringeren Quantums. Olnool ich damals
ein Mundvoll Latein weggekrigt hatte.
Soph. R. m, 215. WeigandH, 155.
Munk, n., dickes Zeug.
Munkefufz, m., Dickful'z, Mensch, der
angeschwollene Füize hat.
munkeln, sw, 1. heimlich, versteckt
mit andern sprechen, von einer Sache
leise, verblümt sprechen. Die haben
immer etwas mit einander zu munkeln.
Im Dunkeln ist gut munkeln. Die Ma-
trone fing auch an^ davon jsu munkeln
(da/z mir dann und wann einige Verse
entfahren sind)^ und ich hoffte kräftig-
lieh, da/z er mich bitten würde^ sie ihm
zu singen, Soph. R. IH, 305. 2. ver-
dächtig und gerüchtweise laut werden.
Es munkelt, es will verlauten. Davon
ist lange schon gemunkelt Aus beiden
Bedeutungen: Gemunkel, n. 3. merken,
erkennen: De Sesswekixsche, de uooal
mungkeld, wat de Mansche so vet^stommcP
mdkf, säd etc. Natangen. Firme-
nich I, 111b.
munkllg, adj,, angekommen, dumpfig;
zur Bezeichnung der besondern, durch
dumpfigen Geruch und Geschmack her-
vortretenden Verderbnis der Speisen
für Menschen und Vieh. Getreide, Mehl,
Grützen, Heu, Futter etc. werden mit-
unter munklig. Angekommenes Ge-
treide riecht muffig (s. d.) u. schmeckt
munklig. Auch mukllg; in Dzg. nach
W. Seidel, 32, muchlich. In Bayern
munkeln (vom Fleisch) übel riechen.
Schmellerll, 600. Hennig, 164.
Munkrock, m., Rock aus Munk.
munstern, sw., mustern, sich zur
80
Munter — Musch.
Musterang behufs Anwerbung, Heuer,
stellen. Ebenso schon mnd. Mnd.
Wb. III, 134 b. S. Belegstelle unter
Heier.
Munter, m., Hundename.
Munterbach, gewöhnlich Schlofz Atun-
terbach^ Name für ein schnell und leicht
gebautes Haas als Arbeiterwohnung.
Murdax, m., s. Mordax.
Murks, m. 1. unartikulierter gnurren-
der, grunzender Ton. 2. kleiner, un-
ansehnlicher, auch mürrischer Mensch.
S. Adelung III, 320. Brem. Wb. lU,
205.
murksen, zw. 1. von Murks^ gnurrende,
mürrische Töne hören lassen, aus Un-
willen heimlich brummen. Hennig,
164. 2. mühsam arbeiten. Ich habe
den ganzen Tag murksen müssen, S.
nurksen. Im frank. Bayern murksen
grob schneiden. Schmellerll, 617.
In Hessen murzeln kurz und ungeschickt,
mit stumpfem Instrument abschneiden.
Vilmar, 276. 3. nach Mühling auch
schlachten, morden, ermorden, gewöhn-
lich abmurksen (s.' d.). 4. nicht recht
gedeihen, so dafz Ungeziefer undSchmutz
sich einfindet. Davon murksig, adj.^
schmutzig. Marold.
Murmel, m. u. /., s. Marmel.
murmülisch, murmülsch, adj.^ s. mar-
mülsch.
Murr, /., Kraft (Mark?). Er hat noch
Murr in den Knochen, Treichel.
Murrian, Murrjan, m., mürrischer
Mensch. Treichel. Öfter noch Murr-
kater.
murrsch, od;., mürrisch. Doch mujz
die Frau nicht mursch, noch vne Xan-
tippe sein. Carm. nupt II, 22 c.
Murichemau, Mursemau, m,^ s. Mlrse-
mau.
MOS, pltd. Mos, /. u. m., Dem. MOs-Che,
pltd. MAske, das Mus, eine Mehlsuppe.
Mus ohne Klunkern heifzt SchlichtmQs,
mit Klunkern KlunkermOs. In Westpr.
(Eonitz) Maus. In der Gegend von
Saalfeld grtser Mus^ Mus aas grobem
Mehl. Vgl. Kleckermus u. Klttermus.
Vielfach in Sprichwörtern u. Redens-
arten: Mos makt lostig^ dwer schwach
op de Ben, Mos makt dat Ledder los,
Schwarte Mos on Bohne wäre dt nuscht
döne. Moske öm Därmelj on Sölwer
op em Ärmel, Sprw. I, 2680 f. Er ist
80 dumm vne Mus, Ibid , 647. Eck
woer do so vergnogt^ as wen eck Mohs
plegdh ehte. Carm, nupt, HI, 77 c. Et
wä't 6k on onse Schal Mos regne^ auch
unser Glück wird blühen. Wehlau.
Bei Jeroschin tritt mus als Bestim-
mungswort in der Zusammensetzung
mushiis Speisehaus, Refektorium auf:
drte brudre stiinden vf dem müshvse zu
Cristmemil, 182d. Pfeiffer, 198.
MOsbauch, pltd. MAsbOk, m, 1. her-
vorstehender wohlgenährter, oder auf-
getriebener Leib, vorzugsweise bei Kin-
dern; man schreibt ihn der Ernährung
durch Mus zu. S. Volksl., 61, 40 II,
6. 2. übertragen auf eine starkleibige
Person. BJr ist ein Musbauch,
Mufeh, Muiche, auch Moich, Moiche,
/., Dem. Muschche^ Moschche^ pltd.
Muichke^ Moichke^ Schmeichelnarae und
Lockruf für die Kuh. Die Zärtlichkeit
in der Benennung verstärkt sich, na-
mentlich im Kindermunde, zu Masche-
kuhy Muichekuhche, Mühling hat noch
den Lockruf Muscher, S. Volksr., 63,
242b. Schwäb.-Augsb. Mutschel, Bir-
linger, 341a; Motschen^ Motschelein
das Kalb. Schmellerll, 658.
Musch, Muscha, Dem. Muschchen, w.
Vom., Marie. Liebes Muschchc^ gieb a
Kuschchaj Da/z nich die Mutter sitt!
Mu8chelmÜ8 — mustern.
81
— „Wenn die Mutta nich wdt sdne^
Wa ich di a Kuschcha gdne (geben)."
Guttstadt.
MliichelmOs, /., ordinäre, aus gröb-
stem Mehl, das man zasammenmuscbelte
(-kratzte), bereitete Mus. Vgl. Pracher-
suppe.
mufeheln, sw. 1. arbeiten ohne be-
sondern Zweck, zweckwidrig arbeiten.
Muhling. 2. mischen^ mengen, un-
sauber zusammenpatschen. 3. heimlich,
in der Absicht zu betrugen, verfahren.
Beim Kartenspiel wird gemuschelt. Vgl.
fuchem. In diesem Sinne auch in Hessen.
Vilmar, 277.
Muscher, /, s. Muich.
MOich(e)rongy m. 1. Pflaumen-Blätter-
pilz, fälschlich Musseron, Ägaricus prvr-
nvlui Scop. 2. cunntis, vulva.
muichetttem, «tr., umhersuchen, um-
herschn&ffeln. Was mtMchetiterst du
daf Treichel. Vielleicht von* dem
franz. mauche^ da die Fliege sich ja
gern auf alle Gegenstände setzt.
Mitschkebade, Mii8kebade,Mo8ke(o)badey
/., Moskovade, Rohzucker, frz. mas-
couade^ brauner Puder-, Streuzucker.
Muschkedonner, m,^ Musketen, Mus-
kete^ Flinte, namentlich älterer Art.
On mtnem Hüs lach 6k so en oller
Muschkedonner.
Muschketier, m., Musketier.
muichlich, adj., schmutzig, unordent-
lich. Danzig. W. Seidel, 32. S.
nuicheln.
MuschpAke, /., s. MischpAch'.
Mufel, m. u. n., kleines, verkümmer-
tes Wesen — Tier oder Mensch. S.
muilig.
miliern (u kurz) sw., sich^ sich er-
holen, kräftigen ; gewöhnlich aiismufem,
heraus-, rausmutenu Er hat sich gut
ausgemusert, ist nach seiner Krankheit
wieder zu neuen Kräften gekommen,
Prtoekbier, WörUrbocb II.
hat sich tüchtig ausgefüttert, sich aus
bescheidenen oder zerrütteten Verhält-
nissen emporgearbeitet. Das Wetter
hat sich ausgemtisert^ aufgehellt, der
zuvor bewölkte Himmel ist klar ge-
worden. Davon muirig, adj,^ schwach,
elend, vor Frost zitternd, verkommen.
Das Gegenteil ist vermuiem, elend wer-
den, kränkeln; leiblich und geistig ver-
kommen; im Wachstum zurückbleiben;
in der Kleidung unordentlich u. schofel
werden. Mhd. »ich müzen die Federn
c
wechseln; mausern; aus dem lat. mu-
tare. Schade, Wb., 633a. Muh-
ling, Proben, 436. Sperber, 22.
Bock, 36. Hennig, 164.
Musik, /., zur Bezeichnung irgend eines
aus verschiedenartigen Teilen bestehen-
den Ganzen, immer in der Verbindung:
die ganze Musik; synonym: die ganze
Prostemahlzeit Wie dem letztern Aus-
drucke der Gedanke an die verschie-
denen Grerichte einer Mahlzeit zu Grunde
liegt, so mag man bei dem ersteren
an die mannigfaltigen Melodien einer
Musik denken. Die Herleitung von
Mosaik ist mehr als fraglich. E. Fö r s te-
mann.
Musikantenknochen, m., Ellenbogen-
spitze. Treichel meint, weil man
leicht weint (Musik macht), wenn man
sich daran stöfzt. S. KUmmeleckchen.
Muskebade, /., s. Muschkebade.
muslig (s weich), adj.^ klein, unan-
sehnlich, verkümmert; von Tieren, aber
auch von Menschen. Ein musliger Kerl.
Vgl. miirig.
mOspekerig, adj.^ s. pfikerig.
muirig, adj,^ s. mufem.
mustern, sw,^ putzen, mit dem Ord-
nen des Anzuges sich viel zu schaffen
machen. E' mustert in einem fort an
seinen Kleidern. S. ausmustern.
mQstern, «tc., heimlich besondere
6
82
inüswringrig — mutterseelenAllein.
Dinge treibeo, murmelD, flüstern, lie-
beln. Treichel. Im Brem. Wb. III,
209: mtistem^ lat. mumtare,
mUswringrig, adj,^ s. mTswringrig.
mOfzen, pltd. mAfze(n), su;., mit Mm
überziehen. Betteinschüttungen werden
gemvfzt^ d. i. mit einem bündigen Kraft-
mehlkleister überstrichen, damit ihre
Dichtigkeit verstärkt werde. Ermland,
Muika, m., der Stint, Osmerus eper-
lanus; kass.
Mutsch, m,y Eulz. Dero. Mutschchen^
pltd. 'ke^ Eüfzchen. Gieb mir ein
Mutschchen! Im Lett. giebt es eine
härtere Form mutte Mund, muttite
Mäolchen, Küfzchen, muttiht küssen,
und eine weichere muscha Mund, mu-
Hchinich Mäulchen, muschot küssen.
Nsslm. Th., 108.
Mutsch, /., s. Mutter.
mutschen, sw.^ von Mutsch^ küssen.
Mutschken, plur,^ zur Bezeichnung der
kleinsten Fische. Mühling, Tiern.,
175. S. auch Mutsch, vi, u. /.
Muttchen, /. u. n.^ s. Mutter u. Moder-
lieschen.
mutteln, »io,j einhüllen, sich mutteln,
sich warm anziehen. Mühling. Vgl.
mummeln.
Mutter, /., ebenso pltd , aber auch
MüdeTy Moder^ Medder (s. d.), plur,
MuUers(cK), 1. mater; in mehrfacher
Deminution und Schmeichelform: Mutt-
chethy pltd. Muttke; Mutterche^ pltd. -fe,
Mutschy Mutschche^ pltd. -A^, Mutte-
ruschche^ pltd. -ke^ Mutt{a)ru8chchen,
Mutteruschey Muttrullchen^ alle zunächst
/. Muttchen, gieb doch e Stuckchen
Brot! Die Mutterche pucht^ schilt. EH,n
altes Mutterchen zum Ehgemahl zu neh-
men. Carm, nupt. II, 85 b. Mutterke
heft e flassenet Hemd an^ ist sonntäglich
gestimmt, traktiert Sprw. I, 2690, In
den Schmeichelnainen auf scA, usch^
i/«(rA« klingt poln. Bildung durch; Nsslm.
Forsch. 3; Th., 107, hält Mutterusch-
chen für eine Verhochdeutsch ung von
Moter-y Moderuschke und führt, nach
Hennig, 165, an lit. moteriszke' Ehe-
weib, plur. moteri^zkes die verheirateten
Weiber im Gegensatz zu den Männern
auf der einen, und zu den Mädchen
auf der andern Seite. S. Lit. Aeq., 20.
Sperber, 22. 42. Klein II, 24. 2.
Mutter vertrauliche Anrede des Ge-
sindes an die Hausfrau, vgl. Moder;
ebenso an alte Frauen, an diese auch
Mutsch. Saalfeld. 3. die Mutter zur
Schraube, Schraubenmutter.
Mutlerche(n), /., Mütterchen, s. das
vor.
MutterfUllen, -fohlen, n., Füllen weib-
lichen Geschlechts. Hennig, 164.
Muttergroschen, m.^ Groschen vofl der
Mutter, Reisegeld, Zehrgeld, Ausstat-
tung, welche dem Sohne bei seinem
Scheiden aus dem Eltemhause mit-
gegeben wird. Er hat Muttergi*oschen
zu verzehren.
Mutterkraut, n., Chrysanthemum par-
thenium Pers. Bock, 36. Hennig,
164. Auch echte Kamille, Matricaria
chamomiUa L. Nsslm., handschriftl.
Nach Hagen, 274, auch Gldua mari-
tima L.
Mutlerlamm, n., Lamm weiblichen Ge-
schlechts. Hennig, 164.
Mutlerloseken, n., s. Moderlieschen.
Muttermal, n., s. Mal.
mutterseelenallein, adv.^ zur Verstär-
kung des Begriffes allein: ganz allein,
ohne jede Gesellschaft, verlassen, allein
mit der Seele der Mutter, der seligen;
auch mutterseeligallein. Doar trolld öck
mi eenmoalganz mutterseelnalleen, D orr,
26« Hei draud sonst keinem nich^ als
Mooder seelich mie. Carm. nupt. IV,
324 c. Da neben der seligen Mutter
Mutterteil — Mütze.
8d
oft auch der Wind dem Verlassenen
Gesellschaft leistet, auch mutterseelen-
windallein, mijtterwind(8eelen)allein, pltd.
m6d€rudnd(i(f)aUein, Wie der Prinz
so muttenoindseelen alleen nietten drein
(im Walde) war^ verbiestert he. Schaltj.,
3, 6. Vgl. Hennig, 164. Brem. Wb.
III, 173. Schützern, 104. Dähn.,
309b. Bernd, 187. Danneil, 142b.
Mutierteil, pltd. Mutter-^ Moderdel, n.
1. Erbteil von der Hinterlassenschaft
der Mutter. 2. wortspielend cwmtis:
Se ÖS e riket Mäke^ se heft er Mutter-
del
Muttenischchen, /. u. n., s. Mutter,
mutterwindallein, adv,^ s. mutterseelen-
allein.
muttig, adj,^ übelriechend, dumpfig.
Mühling. Treichel. Auch schmutzig
= mottig (s. d.).
Muttlosen, n., s. Moderlieschen.
Muttrullchen, -ruschchen, /. u. n., s.
Mutter.
Muturas, /., Kopftuch der Litauerin-
nen, das sie fest und tief um den Kopf
gebunden tragen. Nsslm. Wb., 413a:
muturiSy /., weifzleinenos Tuch, das der
jungen Frau am Tage nach der Hoch-
zeit um den Kopf befestigt wird, so
dafz der eine Zipfel hinten herabhangt;
auf dem Kopfe werden mehrere Wulste,
d. h. Ausstopfungen von Hede ange-
bracht. Mühling hat für dieses Tuch
Moteres. Vgl. Passarge, Balt., 248.
Mutz, 7/2., Schlag, Hieb, namentlich
der naturwüchsige: der Hieb an den
Kopf, Mutzkopf ^ die Ohrfeige. Vgl.
Dutz.
Mutze, pltd. M8tz, Metz, /., bekannte
Kopfbedeckung, zunächst für Männer,
dann aber auch für Frauen. Unter den
Männermützen treten hervor: die Litaui-
sche Mutze (s. Kappe) und in der Dzg.
Nhg. die Verwatmetz (Viol^t, 172),
eine Art Pelzmütze, vom mit Pelz
verbrämt. Der Volksmund nennt jede
Frauenhaube Mütze; unter den Frauen-
mützen zeichnen sich aus: die Erm-
ländische Mütze., und in früherer Zeit
in der Dzg. Nhg. der Glubskopei\ die
hohe Mütze^ das KavaUierchen^ die Kor-
nette. VioHt, 173 f Die Ermländisclie
Mutze ist aus wertvollem, oft kostbarem
Goldbrokat gefertigt; selbst die ärmste
Magd ersteht diesen ihren grölzten
Schmuck kaum unter 20 bis 30 Mark.
Der Boden, von breit ovaler Form,
bildet den gröi'zten Teil der Mütze und
trägt, je nach dem Werte, mehr oder
minder schön und reich ausgeführte
Stickereien. Eine rings um die Mütze
laufende, etwa handhohe, zierlich ge-
faltete, aufstehende Borte von Gold-
lahn, mit Spitzen überkleidet, giebt der
Mütze ihre Originalität. Feingefaltete,
meist weiizseidene Seitenbänder sind
unter dem Kinn in eine grofze Schleife
gebunden und flattern, gleich einer zwei-
ten, an dem Hinterteile der Mütze an-
gebrachten Schleife rauschend im Winde.
Vgl. das vom Prof. J. Heydeck ge-
zeichnete Bild eines ermländischen
Bauermädchens in meinen „Ansichten
aus dem Ermlande." (Der Feierabend.
Volks- und Familienblatt. Gotha 1857 f.
Bd. II, S. 21.) Die Mütze kommt mehr
und mehr aus der Mode. — Der Glubs-
l(Oper war eine Art Kapuze, welche
sich eng um den Kopf schloiz und nur
einen engen Glub (Ritze, Spalte, zu-
nächst in der Wand. Birlinger, 197a.)
für Augen, Nase und Mund lielz; sie
gewährte auf Reisen Schutz gegen
Schneegestöber und Staub. S. Abbil-
dung bei Vi ölet, 174. — Das Kaval-
lierchen, vielleicht von dem franz. cava-
lier kavalicrmäi'zig, auch ungezwungen,
mit Gold und Silber und kostbarem
6*
84
mutzen — Nabelkraut.
Pelzwerk verbrämte Mütze. — Die
Kornette war beliebt bei den Frauen
der Nehrung. Sie war eine kleine
Mütze von schwarzem Sammet oder
Seide, mit roter Einfassung, oben mit
schwarzen Spitzen und an den Seiten
mit einem weifzen Spitzenstriche be-
setzt. Von dem franz. comette Haube,
Spitzenhaube. — Tritt ein Gast in ein
Haus^ worin eine Wöchnerin liegt, so
nimmt die Hebamme diesem die Mütze
weg, welche er durch ein Geschenk
einlöst. Wer die Mütze schief auf dem
Kopfe trägt, dem üt der Weizen gut
geraten. Dem Übelgelaunten steht die
Mütze nickt reckt. Einem auf die
Mütze geben^ ihm die Wahrheit sagen,
ihn derb abführen. 0, bei meiner Mütze,
ich bin das Dings müde! Soph. R. YI,
208. Weitere Redensarten über Mütze
s. Sprw. I, 2693 ff.; H, 1905 ff.
mutzen, st^., von Mutz. 1. stofzend
schlagen, an den Kopf schlagen, ohr-
feigen. 2. mit stumpfer Schere gnap-
pend, struppig und ungleichmäfzig die
Kopfhaare verschneiden. In Hessen
mutzen maulen, den Mund aufwerfen;
faulen, in Verwesung übergehen. Vil-
mar, 278.
Mutzen-, MUtzchenpulver, pltd. MStzke-
polver, n., s. Litzenpulver.
mutzig, adj., aufgenutzt, abgenutzt,
angebraucht, kurz, stummelhaft.
Mutzkopf, pltd. Mutzkopp, m., Mutz,
Hieb mit flacher Hand an den Kopf,
KopfiioTz, Ohrfeige. CHeb ihm doch
einen Mutzkopf! Davon
mutzkopfen, sw., wiederholt Mutzköpfe
austeilen.
N.
n, Schmelzlaut, klingt pltd. wie hchd.
Es fallt in den Beugungssilben und
namentlich bei den Infinitiven weg:
Gäwe Gaben, gewe geben, hSle^ hole
halten; in WestpreuTzen, soweit hollän-
discher Einflufz reicht, besonders in
Danzig und Umgegend, wird es da-
gegen, wenigstens bei den Infinitiven,
regelmäl'zig beibehalten. Auch in an-
dern Fällen fehlt das n am Ende: hinge
hinten, nä nein; vor Konsonanten: os
(aber auch ons) uns. Über seine Ver-
tauschung mit m im Auslaute s. m.
Der Mehrzahl fügt es sich hin und
wieder überflüssig an: Messenty Fenstern,
Stiefeln statt Messer etc. Lehmann,
Volksmd., 29. Gortzitza.
na, interf.y Verwunderung, Unwillen,
eine dringende Aufforderung ausdrük-
kend, oft auch nur zur Markierung des
Anhaltens im Urteil, vielfach auch An-
fangswort in Ausrufen. Naf Na! Na
vorwärts! Na so! Na, was soü das?
Na Plüme, wat O^ds, na Pflaumen,
etwas Gutes! Vgl. Sprw. H, 1907.
nft, präp., nach. Nah dree verflatf^ne
Doge Schlog he sine Oge op. Werdersch.
Buur, 14, 5.
nä (a lang), adv., nein.
nabbellg, oJ;., schmutzig. NabVlige
MargeU, schmutziges Mädchen.
nabbeln, sw., nagen. Wohl nur eine
Kürzung von gnabbeln. Vgl. gnagen.
Nabelkraut, n., Pflzn., epheublättriger
Frauenflachs, Anti/rrhinum cymbalaria
L. Hagen, 652.
Nabelloch — Nachhochzeit
85
Nabellochy n., GeschlechtsöffiiaDg des
ip^eiblichen Karpfens. Benecke, 492.
Nftber, Nftwer, Nakver, Nokber, Nokwer,
m.y Nachbar. Im Ermlande auch Nftkva:
Näkfa, ea könnt doch schreiwe on lasef
Firmenich lU, 103a. De Nabersch
Friede de Schrtioer, säd so to onse Wt-
wer: Der Wind jetzt anders bläst!
Lhrztfi:. 4, 355 d. Ahd. ndhcapür^ mhd.
nuchgebur (auch nach dem adj. ndhy
mhd. nach: ndher)^ bei Jeroschin
ndkebür (Pfeiffer, 199), wendisch no-
ber^ aogs. necheburoj nehbur^ engl, neigh-
bowTj schwed. nabo^ isländ. nacbur, holl.
nabuur (zunächst kurz buur)j abo
Nahebaaer ^ Nahewohner. Schade,
635b. ßrem. Wb. UI, 211. Schamb.,
143b. Adelang III, 365. Im Marien-
burger Werder reden sich die Bauern,
.Hofbesitzer, gegenseitig Ndber an. In
Bayern Nackpe. SchmellerU, 689.
Näber, m., s. Näbger.
Nftberin, /., von Ndber y Nachbarin,
doch üblicher Näwere^ Näbersche^ und
so in allen Formen: Näwersche^ Nah-
bersche^ Nokwerschey Näkvasche.
nftbem, lAwem, nokbem, nokwern, «u^.,
den Nachbarn besuchen. Ich komvii
ein bifzchen rhdbem^ freundschaftlich
plaudern. Am liebsten geht man wäh-
rend der Dämmerzeit nahem,
Nabersche (a = a), /., s. Nftberin.
N&bger, Näber, Nebiger (s. Yoc. 535),
971., groi'zer Bohrer, den man zur Aus-
bohrung der Nabe (ahd. nabc^ napa)
gebraucht; auch Bohrer überhaupt.
Donh. In dem hochmeisterlichen Auf-
gebot zur Heeresfolge „an]^die Freyen
auf Samland vom J. 1464 wird unter
anderm angeordnet^ dafz bei einem
itzlichen Wagn sey ein guter Spaten,
ein Nebiger etc.^ Beitr. z. Ede. Pr.
I, 352. Ahd. nabagerj napager^ mhd.
nabeger^ nebeger^ verstellt nageber^ um-
gedeutet negbor Bohrer, Nageiböhr.
Schade, 633 a. Im Ermlande nach
Mühling Nfibia, Nfibiar, Nöwia; in
Bayein Näbiger^ Näbinger^ Näber^ Nei-
ber^ Nepper, SchmellerU, 669. Im
Bremischen Näoiger^ Neviger. Brem.
Wb. III, 225 ; in Pommern Näwiger.
Dähn., 321b; in der Altmark Neber.
Danneily 145b. Ein kleinerer Boh-
rer heifzt Näwger.
nach, pltd. nft. Er ist sehr nach sich^
pltd. Hei OS sehr nä sock^ er sucht das
Gute und Meiste sich zuzuwenden.
nachbabbein, pltd. nftbabbie(n), w.,
nachsprechen, die Worte eines andern
wiederholen. Wienachkaiien. Vgl. bab-
bein.
nachdem, pltd. nftdem, adv.^ später,
nachher, sodann. Komm nachdem I Erst
essen, nachdem trinken.
Nache, w. jüd. Vorn., /. zu Nahum^
auch Noche, Nüechey Nüechesch. Flatow.
Schmitt, 114.
nachgehn, pltd. nftgane, st.^ nahe gehn,
zu Herzen gehn, Trauer empfinden;
anstrengen. Der Todesfall geht mir
sehr nach. Die Arbeit geht ihm sehr
nachy sie erschöpft seine Kräfte. Hen-
nig, 165.
nachgerade, adv.^ s. gerade.
Nachharksel, pltd. Nftharksel, n., das
nachgeharkte Getreide, d. h. die Über-
reste an Getreide, welche, nachdem
abgeerntet, mittelst der Harke zusam-
mengebracht sind. Mühling.
Nachhochzoit, pltd. Nfthochttt, /., Nach-
feier der Hochzeit. In den Werdern
findet diese am Sonntage nach der
Hochzeit statt. Zu derselben werden
auf der Danziger Nehrung alle die-
jenigen eingeladen, welche wegen Man-
gel an Raum oder aus sonst einem
Grunde bei der Hochzeit nicht zugegen
sein konnten. Passarge, 216. Viol^t,
86
nachkauen — Nachtag.
107. In Natangen heifzt diese Nach-
feier auch Nachkifttsch. S. Klitsch. Vgl.
Nachtag.
nachkauen, pltd. nftkaue(n), sw,, die
Worte eines andern wiederholen, na-
mentlich zum Spott. Ebenso in Pom-
mern. Dähn., 322b; im Göttingen-
schen nakaulen, nakaiuweln. S c h a m b.,
142b. Vgl nachbabbeln.
nachkicken, pltd. näkicke(n), »w., nach-
sehen. Substantivisch in der Redens-
art: Er hafs NachMcken^ er hat nichts
von der Sache.
Nachklätsch, pltd. Näklätsch, /., Nach-
fest, Nachhochzeit; wenn in unmittel-
barer Folge, verwandt mit dem studen-
tischen „Katerfrühstück", oft aber einige
Tage spater. S. Klatsch und Nachhoch-
zeit.
nachknästern , »w.^ nachlaufen. S-
knastern 4.
nachläfzig, adj.^ die ursprünglich rich-
tige Form des modernen nachldssi^^
das hier nur selten gehört wird.
nachpfeifen, pltd. näpTpeCn), st, ver-
loren geben. Kannst em naplpe, er
wird nicht wiederkommen. Wohl her-
genommen von dem vergeblichen Pfeifen
nach einem verlaufenen Hunde.
nachschlachten , pltd. naschlachte(n),
sw.^ nacharten. Dem Vater — der Mut-
ter nachschlachten, die Eigenheiten des
Vaters — der Mutter haben, zeigen.
Nachschmack , m, , Nachgeschmack,
doch stets mit der Nebenbedeutung des
Unreinen, Herben. Das Bier — der
Kaffee hat einen Nachschmack, Hen-
nig, 165.
Nachschrftp, m,, Nachschrapsel, n., das
Nachgeschrapte. Vgl. schrdpen, pltd.
schräpe(n), 1. Speisereste, die an dem
Innenrande der Kessel und Töpfe kle-
ben bleiben und sich nur durch Schra-
pen herausbringen lassen. In Pommern
Naschrapels. Ile kriggt man dat Na-
schrapek, das Beste haben andere be-
reits weg. Dähn., 324b. 2. Reste,
Überbleibsel einer Mahlzeit, eines Gast-
mahls. 3. Figürlich das — verspätet
eingetroffene — letzte Kind in einer
Familie. Das ist unser Nachschrapsel.
4. geringere oder jüngere Personen,
welche aus verwandtschaftlichen oder
politischen Gründen in eine Gesellschaft
Vornehmerer gezogen w^orden sind.
Bock, 36. Hennig, 165.
nachschräpen, sw., nachkratzen, nach-
arbeiten, was ein anderer schlecht vor-
gearbeitet hat. Einer unordentlichen
Magd mufz man alles nachschrapen.
Hennig, 245.
Nachschrapsel, n., s. Nachschräp.
nachsich, pltd. näsVck, adj,, habgierig,
eigennützig. Er ist sehr nachsich, er
sucht alles nach (an) sich zu reii'zen.
nächst, adv,f zur Zeit, damals; bald
darauf, nachdem. Nechst, als der erste
Schnitt sich an die Halmen machte . . .,
da dacht ich, Carm, nupt, 125.
nachstäpeln, sw, 1 . aus stappen, stapfen,
nachlaufen und zwar in unberufener
Weise. 2. in Westpr. nachgraben; Er
stapelt Kartoffeln nach^ er gräbt auf
dem bereits abgeernteten Felde nach
den noch zurückgebliebenen KartoflPeln.
Mühling.
Nacht, /'., freie, zur Bezeichnung freier
Weide für ein Stück Vieh. „In vielen
Privilegien heiizt e§: Das Grufidstück
hat vier freie Nachte^ es hat freie Weide
für vier Stück Groi'zvieh. Solche Pri-
vilegien ruhen nur auf kleinen Grund-
stücken. Der vierte Theil dieser Nutz-
nielzung wird im Ermlande durch Fufz
bezeichnet.'' Mühling.
Nachtag, pltd. Nädag, m,, Tag nach
der Hochzeit, oder acht Tage nach der
Hochzeit. Nachtag geben. Stein, Pe-
nacht^isch — nackendig.
87
regrinus XIII, 1. W. Mtsbl. VI, 111.
Der Nachtag wird feierlich begaDgen
und oft „ist die Gesellschaft alsdann
zahlreicher und das Gastmahl feier-
licher, als am Hochzeitstage.^ Hen-
nig, 165. Man unterscheidet lustigen
und stiüen Nachtag '^ auf ersterem wird
getanzt, auf letzterem nicht. Im Schwä-
bisch-Augsburgischen heii'zt der Tag
nach der Hochzeit Nachhof. Birlin-
ger, 347a. Vgl. Nachhochzeit, Nach-
klfttsch.
nachtfiischy richtiger pltd. nftttisch, adj.^
habgierig, eigennützig; also dasselbe
wie nachsich. Von ndteen nachziehen,
nach sich ziehen, an sich reifzen. Bock,
37. Hennig, 166.
nächtigen, nachtigen, sw.^ über Nacht
bleiben. Ich v)erde hiernachtigen. Ebenso
in Estland. Sallmann, 70b.
Nachtkraut, n., Pflzn., gebräuchliches
Glaskraut, Parietaria offidnalü L, Auch
PeterskrauL Hagen, 1067.
Nachtliegegeld, n., Geld, das der Lotse
für jede Nacht, die er am Bord eines
Schiffes aui'zerhalb des Hafens zubringt,
erhält. In Pillau beträgt dieses 3 Mk.
Pr. Prov.-Bl. XVH, 51.
Nachtlilie, /., zweiblättriges Knaben-
kraut, Orchis bifolia L. Auch Nacht-
schatten. Pritzel, 255.
Nachtmftr, m, u. /., s. Mftr.
Nachtposten, m., Hure, die sich nachts
auf der StraTze herumtreibt. Bock,
37. Hennig, 167. In gleichem Sinne:
Nachtvogel, m.
Nachtrabe, m. 1. Rohrdonunel, Ardea
steUarü. Drausensee. Mühling, Tiem.,
175. 2. nach Hennig, 167, Nacht-
schwärmer.
nachtragerig, nachtragerisch, adj. von
nachtragen^ grollen, Beleidigungen nicht
vergessen können, bei passender Ge-
legenheit sich dafür rächen.
nachtrecken, pltd. natrecke(n), sw.^
nachziehen. S. trecken.
Nachtrecksel, n., das Nachziehende,
letztes Gefolge bei pomphaften Be-
gräbnissen. Gewöhnlich bildet das Ge-
sinde das Nachtrecksel: Nun kommt
das Nachtrecksel, Hennig, 279. S.
Trecksei.
Nachtrose,/., Pflzn., zweijährigeNacht-
kerze, Oenothera biennis L. Auch Nacht-
schlUsselblume. Hagen, 407.
Nachtschatten, w., weifzer^ zweiblättri-
ges Breitkölbchen, Piatanthera bifolia^
wegen der besonders des Abends wohl-
riechenden Blüten. Treichel, Volksth.
n. S. auch Nachtlilie.
nachtschlafend, adj , zur Nachtzeit oder
doch spät am Abende. Einen bei nacht-
schlafender Zeit besuchen,
NachtschlUsselblume, /., s. Nachtrose.
Nachtskann', /., Kanne, Topf für die
Nacht, Nachtgeschirr. Die Nachtskanne
hat zwei Ohren bekommen^ sagt man,
wenn jemand die Arme in die Seite
stemmt. Sprw. I, 2708.
Nachtvogel, m,, s. Nachtposten.
Nachtwfirtke, -wVrtke, Pflzn , nach
Hennig, 167, Orchis bifolia L., nach
Mühling Orchis morio. Natangen.
Nachtzeche, /., Reihe, Ordnung der
Viehhut während der Nacht. Vgl.
Zech(e).
nachwesen, pltd. nftwtoe(n). Da»
Fleisch nachwesen^ Wasser nachgiefzen,
wenn die Suppe eingekocht ist.
nachzageln, sw.y wie einZagel, Schweif,
nachschleppen, nachziehen, nachfolgen.
Kinder zagein der Mutter nach, Dürre
Aste, die sich in Frauenkleidem fest-
gehaftet, zagein nach, S. zageln.
nachzoddeln, -zoddem, sw.y nachzotteb,
s. zoddem.
nackendig, adj,. nackt. Er geht fast
nackendig, ist schlecht gekleidet.
88
Nadeld68(e) — Nahrstelle.
NadeldÖ8(e}, /., Nadelbüchse
Nadelfischy m., s. Homfisch.
Nadelkttrfely m,^ Pflzn., Ackersinau,
Alchemilla arvensis Scop. Hagen, 178.
nadeln, sw,^ mit Nadeln heften, ge-
nadelt sein^ adrett und ehrbar in Hal-
tung und Miene. Welche Gründe hatten
Sky in der Frau E. Gegenwart immer
so — loie sage ich? — genadelt zu sein,
da/z die gute Frau Sie dann nur zum
erbaulichen Beispiel vorstellte f Soph.
R. IV, 37 f.
Nadollste, m., der Nächsttoliste, Hest-
starkste. Er ist immei* noch der Na-
dollste, Samland. Er. Neustadt, in
dem ein Dorf Nadolle belegen ist
Treichel. Das erste Glied der Zu-
sammensetzung na kann auch als die
poln. Vorsilbe zur Bildung des Super-
lativs angesehen werden.
Nage (a kurz, g nach j hinklingend),
auch Nage, Naginne, /., Schuh aus Eg-
gen^ Tuchecken; mit grober Leinwand
überzogener, besohlter Strumpf als
Schuh (Friedland Ostpr. Mühling);
nach Hennig, 166, Naginen^ Nagin-
nen besondere lederne Schuhe, welche
die Litauer nach Art der Paresken
(s. d.) anfertigen. Nach Rogge heifzen
die Schuhe Maggen; doch ist unter
allen Namen der erste der üblichere.
Von dem altpr. nage Fufz (Voc. 145),
poln. u. russ. noga; lit. ndgin4\ nagine
Sandale, wohl aus dem preuiz. entlehnt.
Nsslm. Forsch. 2; Th. 109. Pierson,
A. W., 27. Lit. Acq., 20. S. Beleg-
stelle unter Bierhol. Seif 1724 wird
diese Mode {Paresken zu tragen) seltener
gesehen^ da durch eine königliche Ver-
ordnung sowol die Pareesken^ als auch
die Naggen oder lederne Riemen, zu
tragen verboten tvorden, Bock, Nat. I,
132. Vgl. Wutehe.
Nagel, pltd. Nagel (a = f/), m,, die
Namen der verschiedenen Arten Nägel
s. unter Klammspeicher.
Nägelchen, pltd. Nägelke(n), n. 1. Dem.
von Nagel. Die Tagldnge auf ein Nä-
gelchen demonstriren, auf das genaueste.
Linem., A3a. 2. Nelke, Nägelein.
Wenn Tulp^ Bos\ Negekke an Ihrem
Haupte stehn. Carm. nupt. II, 165 b.
Ebenso Gewürzndgelchen.
nageln, sw.y coire.
nagelneu, pltd. nagelnU (a = ^), ad}.,
neu, wie ein eben gefertigter Nägel. Ein
nagelneues Kleid. An de nagelnüe Brut^
Junfer Tkrien Lde/zke Bobindin. Carm.
nupt. V, 264d. Bock, 36. Auch nlg-
gei- und nuggelnagelneu. Vgl. funkel-
hagelnageineu.
Nagelwiirm,97».,Finger-,Nagelgeschwür,
Umlauf, panaricium; auch blofz Wurm.
Mühling.
Nägerchen, plur.y von nagen^ die an
den Knochen haftenden Fleischreste,
welche abgenagt werden. Sperber,
22.
Nag't (a ^ a% Flufzname, Nogat. S.
Noacht
Nagwart, w»., Pflzn., gemeiner Stech-
apfel, Datura stramonium L.; auch igel-
kolbe. Hagen, 246.
Nfthelt, /*., Nähe, Nachbarschaft. . . .
so in der Naheit vx>hnen. Hartwich,
485.
nahrhaft, adj. Er ist nahrhaft^ er
versteht sich zu nähren.
nährig, odf;., nach der Nahrung, dem
Erwerbe sein, dem Verdienste nach-
gehen, haushälterisch leben. Ebenso
im Brem., Holstein., Götting, in Pom-
mern; in Estland dagegen s. v. a. wohl-
häbig. Brem. Wb. HI, 218. Schütze
III, 135. 140. Schamb., 144b. Dähn,,
320b. Sallmann, 75b.
Nahrstelle, Nahrungsetelle, /., Stelle,
die gute Nahrung, ein gutes Auskom-
Nabrung — Narbe.
89
men gewährt. Ein stnrk besuchtes
Wirtshaus ist eine gute Nahrstelle^
Nahrungsstelle,
Nahrung^ /. 1. Unterhalt, Auskom-
men. Er ist sehr nach der Nahrung^ er
gellt mit Eifer dem Verdienste nach.
Hei heft stne gCde Nahrung^ sein gutes
Auskommen. Ilennig, 166. 2. Be-
sitztum, Ackerland. In Bergskofchen
waren schon alle Nahrungen beurbart,
. . . Wenn Hausväter ihren Kindern die
Nahrungen Übergaben . . . keiner der jun-
gen Männer hatte eine eigenthümliche
Nahrung . . Geschunster^ die nach dem
Tode der Eltern ihre Nahrungen an-
genommen hatten. Anhang z. Soph. R.,
14.
Naht,/. Eine gute Naht sauf en, Sprw.
I, 445. Eyr sitzt ihm auf der Naht, er
beobachtet ihn scharf. Vgl. Heiduck.
naja, adv., meinetwegen, das kann
so sein.
näj§, adv., nein.
Nftkver, m, Nachbar. Oberland. S.
Ndber.
HUj N6I, w. Vom., Komelia. Hart-
wich, 55.
Nälbaum, pitd. Nälböm, m.^ von nälen
zögern, warten. Vom Wählbaum fällt
man auf den Nälbaum, zu Mädchen^
die in betreflP der Freier anfanglich
wählerisch sind, und später warten
müssen. Vgl. Sprw. I, 3961.
nälen (a lang), sw. 1. zögern, zau-
dern, saumselig und langsam eine Ar-
beit fördern, eine Sache zustande-
bnngen. Herr Gott, wie lange näht
du bei der kleinen Arbeit ! In de>* Rede
nälen, sehr langsam und mit groCzem
Umschweif reden. Bei der Arbeit nälen,
faul und langsam arbeiten. In der Ge-
gend von Saalfeld auch nillen. Davon:
NUer, 91»., Zauderer^ Zögerer, Faulpelz.
Nälerei, /., Saumseligkeit, nälerig, adj..
saumselig. In Zusammensetzungen: Nat-
hans, Nälpeter, NäilTse, Nältrtn. 2. lang-
sam trinken. In Bayern nollen, nullen
saugen, trinken. Schmeller TT, 689.
S. banalen. Das Brem. Wb. III, 233 ff.,
hat für zaudern neteln, notein u. nolen,
für Zauderer Neteler, im Holstein., in
Pommern u. im Götting. nolen, so auch,
nach Treichel, im Kreise Neustadt.
Schütze III, 152.. Dähn., 330a.
Schamb., 146a. S. noch Sallmann,
37. Hupel, 169. Danneil, 144b,
Bernd, 188. Hennig, 166. Sperber,
23: neelen. Vgl. banalen.
Name, NOme^ w. jüd. Vom., Naema.
Flatow. Schmitt, 114.
namkUndIg, adv,, namhaft, dem Namen
nach bekannt. Es soll hinfort keine
Beichte sein, dadurch man schuldig wäre^
alle Sünden nahmkündig zu machen^.
(Aus einer Predigt de^ Bischofs Queis
in Riesenburg v. J. 1526.) Hartkn.
Hartwich, 65.
nanft, interj.y abwehrend und drohend.
Nana, man nich so hastig!
nanO, interj,, verstärktes na (s. d.).
Nanu, was soll dasf! Nanu — fahr du!
Elbing. Auch adverbial in der Be-
deutung: jetzt, nun eben. Nanu kann's
losgehn! Nanu ne, jetzt eben nicht!
Dat war vehl behter (besser) als nanu.
Nowack, 5. Vgl, Sprw. I, 2721 f.
Napoleon, umgewandter, pltd. omge-
wendt Napoljum, auch angewandte^' iV.,
Medik., Unguentum populeum,
Narbe, pltd. Narw, /., leichte Kruste,
die sich über sandigem, auch feuchtem
Boden, oder auf einer Wunde bildet,
in letzterm Sinne jedoch entschiedener.
Rab, Man spricht von der erdartig
verhärteten {Sand-) Narbe auf den
Dünen, von der Moosnarbe auf den
Brüchem, — Hiervon sich bonarbon,
su\
90
närgeln — Nasenpopel.
närgeln, nergeln, nörgeln, sw.^ ver-
wandt mit nörgeln und nurgeln. mäkeln,
kleinlich hadern, wiederholt kränken,
ärgern, quälen, verfolgen mit Tadel,
Schelte, Witzen, Neckereien, Spott,
durch wiederholtes Beruhren einer ab-
gethanen Sache. Sie haben so lange
genärgelt {y^turlupinei*^) ^ bis der liebe
selige Mann darüber ins Gras beifzen
mujzte. SophR. V, 588. NachGort-
zitza auch nirgeln; ebenso in der Saal-
felder Gegend, im Oberlande.
narnich; adv.^ s. n§rnich.
Narr, m. Mach di/:h nicht zum Nar-
ren, als Zurechtweisung an den, der
die Grenze des Hergebrachten und
Schicklichen überschreitet. Er hat einen
rechten Narren an ihm gefressen, ist
ihm in blinder Neigung zugethan. Hen-
nig, 168. S. Sprw. I, 2726 ff.
narren, sw. 1. narren, täuschen. 2.
sich narren, lieben, auf Freiers Fufzen
gehen. Ameng (am Ende, vielleicht)
krige wir bald Hochzeit ins Dorfj Seile
Tochter nanii soch all lang möt Schä-
fers Atcgust 0ns Herr geht auf die
Frei, er narrt sich all seit zejahr (vori-
gem Jahr). Saalfeld.
Narrenkolben, m,, breitblättriges Kol-
benrohr, Typlia latifolia L. Hagen,
944. S. Duderkeule.
Narrenzeug, pltd. Narrettg, Narrentäg,
n., dummes, albernes Zeug, närrische
Streiche. Vgl. Schose.
Närsch, Narsch (a ^^ ä), Nörsch, Närsch,
Närs, m, 1. Arsch, Podex. Die reiche
Anwendung des Wortes in Sprichwort
und Redensart s. Sprw. I, 118 ff.; H,
119 ff. Vgl. Marsch. 2. Öhr der Na-
del.
narsch, adj. 1. närrisch, komisch. Ein
narscher Kerl. Wollen wi noch eenmal
dat narrsche Wiefstock de Hurtig, to
em schicken. Dorr, 1. Wiew., 73. 2.
nett, niedlich, lieblich. Ein narsc/ies
Kind, ein niedliches, liebliches Kind.
Dat let (lielz) ehr recht narsch, sah
niedlich aus, kleidete lieblich. Ebenso :
Dat ÖS narsch — ös e narscliet Ding
(Kind), Nach Gortzitza auch närrsch.
Vgl. pQdeinarsch.
närschen, sw.y von Narsch, mit dem
A. rühren, sich rühren, thätig sein.
Man mot narsche, wenn man vorwärts
woll herumnArschen, unruhig sitzen.
Narzafz, s. Marschrat
na§cheln, sw., na§chh'g, adj., s. nu§chein.
Naschwerk, n,, Süfzigkeiten, Konfekt.
Bring* den Kindern etwas Naschwerk
mit.
Nase, /., Fischn., Chondrostoma nasus
L. Im Yolksmunde Näsling, tti., Quer-
maui, Erdfisch, Schwarzbauch, bei Heils-
berg Äsche; mas. nos. Benecke, 142.
Nasedrippche(n), pltd. NäsedrOppke, n.,
das Tröpfchen an der Nase. Volksr.,
32, 122. Sperber, 22.
Nasenbaum, Nasenkneiferbaum, m., s.
Brilienbaum.
NasendrUcker, pltd. NäsedrOcker, m.,
einfacher Brettersarg mit glattem
Deckel, der recht oft die Nase der Leiche
drücken mag. Auch Nasenquetscher, in
Bayern auch Nasenpatsclier, Seh mel-
ier II, 706. .Hennig, 168. Vgl. Not-
sarg.
Nasenfärber, Pflzn., Feuerlilie, Ldlium
bulhiferum L. Weichseldelta. T r e i c h e 1 ,
Volksth. III.
Nasenkiemmer, m,, Brille ohne Sche-
ren (Flügel), die man auf die Nase
klemmt, Pincenez. Nach Mühling
auch Nasenquetscher.
Nasenpopel, m., verdickter Schleim im
Innern der Nase, den man durch pSpeln
(s. d.) herausfingert; auch bloiz Pöpel.
Nasenpopel auch zur Bezeichnung von
etwas Wertlosem. Um Nasenpopel spie-
Nasenqnetsclier — Natterzagel.
91
few, um nichts, nur des Vergnügens
wegen, spielen. Treichel. Sperber,
23. 25.
Nasenquetscher, m., s. NasendrUcker u
-klemmer.
nflsheberig, pltd näshiwerig, adj,, hoch-
mutig, stolz. Aus Nase und heben zu-
sammengesetzt.
Näskekntperböm, 7n., s. Briilenbaum.
näsiang, pltd. näslang, adv.^ von der
Länge einer Nase, z. Bezeichnung eines
mehr oder minder längeren Zeitraums.
AUe ndslang ist er da. Alle ndslang
raucht er einen Zug,
Näsling, ^., Fisclm., s. Nase,
nassauern, sw.^ auf anderer Leute
Kosten leben. Studentisch.
Nästuch, pltd. Näsedök, Näsdök, n,
Taschentuch, Schnupftuch. Hennig,
168.
nafZy adv. für najz^ vor najz = für
umsonst, frei. Er geht heute vor nafz
ins Theater. Treichel. Vgl. nassauern.
nafzkait, pltd. nattkölt, adj.^ vom Wet-
ter bei kaltem Regen und schlaggigem
Schnee.
natänisch, adj.^ eigennützig, habsüch-
tig. Mühling. Ebenso im Holstcin-
schen, auch neidisch, hinterhältisch.
NachRichey, 172, von nateehn^ nach
sich ziehen. Schütze III, 135. In
Pommern natdgsch. Dähn., 324b.
natansch, natangsch, adj\^ natangisch,
aus Natangen '(s- Abkürzungen in I).
Ein natanscher Bauer,
Nate, Dem. Natchen^ w. Vorn., Re-
nate.
Nfttely /., Nadel. Ich sitze wie auf
NatelUy habe dringende Geschäfte und
mufz wider Willen sitzen. Das ist mit
dei* hei/zen Natel genäht^ wenn ein
Kleidungsstück in den Nähten schnell
trennt. Op Natie sitten on e Ptp To-
hak rohen, Elbinger Ndrg. Hennig,
168.
Nation, /., Schimpfwort: Gesindel,
Pack. Auch Nationszeug. Es ist eine
rechte Nation — ein rechte Natüms'
zeug. On weil das Nationszeig docht^
der jingsten Schwester was zem Possen
ze thun^ da nammen se de Hex gutt of.
Schaltj. 3, 11. Auch adjektivisch na-
tionsch: nationsche Erat! Sprw. I, 2762.
Sperber, 44. Vgl. Gesipp.
Nätkias, 7t., Klas^ Nikolaus, der Nät^
Nüsse, trägt, der Weihnachtsmann, heil.
Christ; auch Nikolaus. Westpr. Denn
drecht h£ Huckepack 'non groten Sack
voll Woar, De Nät Kloas heft et schwoar.
Dorr, 43. Vgl. Nickel.
Nätier, m. 1. Nadler. Die Neteler zu
Lübeck haben ihre Statuten v. Jahre
1356. In Danzig die Nätlergasse.
Forste mann, Strafzn. 2. kleiner Krä-
mer, Hakenbüdner. In gleichen Be-
deutungen auch in Pommern. Dähn.,
321 b.
Nätschy m.y Pflzn., steifes Borsten-
gras, Nardus stricta L,; auch WoK.
Hagen, 62. Ibid., 981: spitzkantige
Segge, Carex acuta L.
Natterknotchen, n., Pflzn., Wiesen-
knöterich, Polygonum bistorta L. Müh-
ling. Nach Hagen, 422, NatterknOte-
rich.
Nattermiich, pltd. Nattermelk, nach
Pritzel, 368, in Ostpr. auch Netter-
milich, /., Pflzn., niedrige Schwarzwurz,
Scorzonera humilis L. Auch Schlan-
genmord. Hagen, 800.
Natterwendel, m., vielleicht verderbt
aus Nackenwender ^ Wendehals, Jynx
torquiUa. S. Drehhals,
Natterzagel, Pflzn., gemeine Natter-
zunge, Ophioglossum vulgatum L. Hen-
nig, 168.
92
Natiirfagot — Nege.
Naturfagoty n. Er blast Natur fagott^
entläfzt hörbare Winde.
Natzchen, pltd. Natzke, n., Tröpfcheu,
Neige, kleiner Rest, ein weniges von
einer Flüssigkeit. Es ist nur noch ein
Natzchen im Glase, Ncme se noch e
Natzke Kaffee; beim Nötigen.
naUy adv.^ gekürztes genau. Nau be-
dingen on richtig betdien. Gr. Werder.
Nau namen (genau genommen) best du
mien Bedeenter, Dorr, 1. Wiew., 15.
Auch im Dem. naukes, As ek mi dat
ganz naukes bekickt hadd. Dorr, Driew-
Nauds, n., Gutes. An dem Menschen
ist nichts Naudsj nichts Gutes. Lit.
navdä Nutzen, Gewinn. Das s an
Nauds ist wohl deutsche Neutral-
endung. Hennig, 332 Nsslm. Forsch.
3; TL, 110.
nauen, sw.^ s. v. a. knauen (s. d.);
auch beengen etc. gleich benau£n (s. d.).
Hennig, 168.
naunehmend, od"/., s. genaunehmend.
näweddrig, adj., s. nfiweddrig.
Näwer, m,, näwem, sw.y Näwersche, /.,
s. Näher, nähern, Näherin.
Näwger, m., s. Nähger.
näzOckschy adj.^ nachtragend; aus
Zock = Tock TQcke und nd nach. Er
ist sehr ndzöcksch. Elbing. De ältste
war ser häfzlich on von schlechtem Oe-
mitt, se war nahzöcksch. Schalt). 3, 6.
n§y adv.y nein, in Westpr. noch mit
voraufgehendem Dem. neche ne. Es
vondag (heute) keene Schoolf Neeche
nee! Dorr, 1. Wiew., 88. Neke ne,
Herr Präger (Prediger), awerscht doch!
nehhig, adv,, jüd.-deutsch, Ausdruck
des Bedauerns, der Teilnahme, Wunsch;
entstanden aus dem deutschen nie bei
euch. Eine Herieitung aus dem He-
bräischen ist nicht festgestellt. Ich
hab\ nebbig (sie sei nie bei euch, treffe
euch nie!) eine schwere Krankheit ge-
habt. S. Sprw. I, 2763.
Nehel; pltd. Näwel, m., litauischer,
scherzhafte Bezeichnung für einen all-
gemeinen Landregen.
Neheneisen, n., s. Zoch.
Nehenpferdy pltd. N§weperd, n., Hand-
pferd, Pferd, das neben dem Sattelpferde
geht. Mühling.
Nehenverdienst, m., Nebendienst, durch
den man neben seiner Hauptbeschäfti-
gung noch etwas verdient, gewinnt, er-
arbeitet.
Nlhiger, m., s. Nähger.
nlche, adv., Dem. von nr (s. d.).
Saalfeld.
Neckel, m. u. n., s. Nickel,
necksch, adj., s. nicksch.
nedden, adv,, unten, niederwärts, dal-
warts. Dzg. Nhg. Violöt, 102. Dat
Is funk nedden an to goanen. Dorr,
19. In der Heiisberger Gegend nedda.
Ahd. nidana, mhd. niden, alts. nithana,
ags. neodhan, altnord. nedhan. Schade,
648b. In Bayern niden, Schm el-
ler II, 681. Im Bremischen, Holstein-
schen, in Pommern nedden. Brem. Wb.
in, 227. Schützern, 138. Dähn.,
325 b.
nedder, adv., nieder. Nedder mot em!
Fru Medder, sett jü nedder. Volksr.,
60, 230. In Bayern nider. Sc hm el-
ler H, 681.
Nedd'ning, /., s. Niederung.
Nedd'runger, m., s. Niedeninger.
Neden, plur., Netz als Kopfputz für
Frauen, alts. netti. Hauben, Koller,
Meder, Hembd, Krencken, Neden u. a.
Hofart Stein, Peregrinus XHI, 86.
W. Mtsbl. VI, 159. S. Mnd. Wb. HI,
180a.
N§ge, /., Dem. Negchen, Negerchen,
Neige, Rest, besonders von Nahrungs-
mitteln. Et geit op de Neg\ Das
n^edrahtsch — Nehrung.
93
Nehgchen wül ich noch venüfzen, Soph.
R "VI, 317. Im Schwäbischen Neigele^
in der Oberlaas. NegeL Birlinger,
351a. Anton 2, 13.
nfigedrahtsch, adj*, neandrähtig; über-
tragen: schlau, auf den eigenen Vor-
teil bedacht. Schemionek, 26. Vgl.
dreihärig.
nlgeklök, adj.^ s. neunklug.
n6ge(n)y sw, 1. nähen. Du {Pochke-
droht) y Du negst so manche fahche
Naht. Volks!., 25, 16, 2. Im Bremi-
sehen naien^ neien^ im Göttingenschen
nejen, neieuj holl. naaijen. Der Stamm
ist das keltische neu, neut Faden. Brem.
Wb. III, 214. 229. Schamb., 144a.
2. neigen, ein Gefäfz beim Trinken etc.
NSge(n)Ogy n., Neunauge, s. Pricke.
negem, adv, Sagetj da/z sie dero Ur-
sachen halber auf sie bekannt^ dafz sie
konnte zanzlen^ fveil sie am negem^ wie
ein Edelmann aUhder begraben worden.
Eonitzer Hexenproz. v. J. 1623. Pr.
Prov.-Bl. n, 117.
NeguSy m., Wein mit heilzem Wasser
und Zucker, genannt nach einem eng-
lischen General. Sallmann, 126b.
nehmen, st Einen nehmen ^ einen
Schnaps trinken.
Nehmerche, pltd. N§merke, m.^ der
Nehmende, im Gegensatz zu Geberche
(s. d.).
Nehrung, /., durch wechselnde Schrei-
bungen Neringa^ Neringia^ Nerigia^
Nergia^ Neria^ Nergie^ Nerige^ Nerge,
Nergyay Nerie^ Nerga^ im Volksmunde
Nehring, Neddening, Name der langge-
streckten Halbinseln, welche die Ost-
see vom frischen und kurischen Haff
trennen, daher frische und kurische
Nehrung, Bei Jeroschin: man sach
ztn wol achthundtrt man von Ldttouwin
durch ir erge vhir d' kurische Nerge.
120d. er buite ungespart uf der kwr-
schin Nerge vart einre vestin bürge clüs.
Pfeiffer, 201. Die ursprüngliche Form
ist wahrscheinlich Nerie^ Neria. Das
Wort wird neuerdings (Nsslm., Forsch.
2; Th., 111) ausschlielzlich von der
Wurzel des lit. neriü^ n^rti tauchen,
untertauchen, isz-nh'ti, issi-^nerti hervor-
tauchen, abgeleitet; darnach wäre Ne-
ria^ Nergia soviel wie das abwechselnd
Auf- und Niedertauchende, das ver-
änderliche Land, welches, wie ein
Schwimmer, bald über dem Wasser
sichtbar, bald unter demselben ver-
schwunden ist. Das Verdienst die Be-
deutung des Wortes iVi?ArM7i^ als „Tauch-
land^, als ein durch flache Landforma-
tionen unterbrochenes Gewässer, gegen-
teils als ein der Zerschneidung und
teilweisen Uberdeckung durch Wasser
unterworfenes Land, zuerst dargethan
zu haben, gebührt F. Neumann. Vgl.
dessen gründliche Abhandlung über
den Namen Nehrung in den N. Pr.
Prov.-Bl. a. F. VI, 385 ff. (falsch pagi-
niert: S. 370 — 382). Als Ausgangs-
punkt seiner sprachvergleichenden Un-
tersuchung bietet sich ihm das sanskr.
ndra Wasser dar, dem sich zunächst
gr. vaqog nafz, feucht, vriQoc fliefzend,
neugr. vi^qov Wasser anschlielzen ; doch
fehlen in seiner reichen Zusammen-
stellung von Namen auch die lit. naras^
narunaSy neras Taucher, nh'ti tauchen,
und die slavischen gleichbedeutenden
Wörter nicht: poln. norek, nurek^ russ.
nuirok^ böhm. norek, nurek^ norzec
Taucher, als Person und als Vogel;
lett. nirra Taucher oder Wasserhuhn;
russ. nuirjaf^ nuimut\ serb. noriti sich
untertanchen; dass. lit. nardytiy poln.
nurzac^ nurzyc etc. — Durch diese
gründlichen Feststellungen sind die äl-
teren Erklärungen des Wortes Nehrung
antiquiert. Sie sollen hier der Voll-
94
NehniDger — Neschintinnis.
ständigkeit wegen dennoch aufgeführt
werden. Nehrung wird (Voigt, Gesch.
Preufz. V, 190) für ein altpreaiiz. Wort
gehalten, so dafz neriga Zeme soviel
bedeuten soll, als ausgewühltes, von
den Meereswellen aufgeworfenes Land,
und daher Nering oder Nehring ge-
schrieben ; oder es wird für eine deutsche
Bezeichnung angesehen. Als solche
leiten es die Einen ab von ner^ d. i.
zusammeogezogen das Wort nieder^ nd.
neddefi* und von inge^ ingen Erde, Land
(wie Groningen = Grönland, Bingen =
Inland), und schreiben es Neddering^
Nering = Niederung (Wedicke, Be-
merkungen auf einer Reise durch einen
Theil Preufzens), oder von ner und
der Nachsilbe ing = ung. Andere wol-
len den Stamm des Wortes im deut-
schen nähern (nahe kommen) finden,
ui^d den Namen Nahrungen = An-
näherungen als eine passende Bezeich-
nung für Gegenden ansehen, welche
nur durch eine schmale Landzunge die
Vereinigung zweier grolzen Gewässer
verhindern und bei abnehmender Breite
das wechselseitige Nähertreten der-
selben befördern. (Pr. Prov.-Bl. V,
121. Preufz, Pr. Land.- u. Volksk^
10.) Hennig, 166, teilt noch die von
Bock (Vom preuizischen Bernstein,
S. 78) gegebene Ableitung von Nehr
rung mit; er meint: „diese Erdstriche
wären ehemals Sandbänke gewesen,
hätten sich aber nachher über die
Fluth erhoben und einigen Einwohnern
durch den neuen Land- und Ackerbau
Nahrung geliefert." Über die frische
Nehrung vgl. noch: M. Toppen, Die
frische Nehrung. N. Pr. Prov.-Bl. a. F. I,
81ff. Passarge, 336. Viol^t, Ne-
ringia, über die kurische Nehrung: L.
Passarge, Die kurische Nehrung. Zu-
stände und Wandelungen. Altpr. M.
VIII, 20 ff. Passarge, Balt, 94.
Nehninger, m., Bewohner der Neh-
rung.
nei, ado.j nein ; auch w^, nä (s. d.).
neien, sir., wiehern. Engl, to neigh\
im Holsteinschen neitern. Seh ütze III,
144.
neineiy in der Kleinkinder- u. Idioten-
sprache = schlafen. Dritter Jahres-
bericht der Idioten- Anstalt zu Rasten-
burg, 1872. S. 29.
nein noch, nei noch, adv,^ noch nichts
lit. dar ne. Man hört auf die Frage:
Bist du schon dagewesen? die Ant-
wort: Nein noch. Hennig, 333.
N§i, w. Vom., s. NAf.
Neikenschmele, /., Pflzn., nelkenblättri-
ger Hafer, Avena caryophyüea Web.
Hagen, 83.
neppen, sw.^ s. nippen.
-ner, Piuralendung: EnStiicknerfünf,
En Tagner acht En Wochnei* sec/is.
nfire, n§rens, adv.y nirgend^ nirgends.
Oberland. Ermland. S. nfirnich.
nörgeln, sw,y s. närgeln.
nerken, sw,^ necken. Schemionek,
26.
n§mich, n§ming, narmich, adv.^ nir-
gend, nimmer, niemals. In der Dzg.
Nhg. namich. Hastig gesp6t^ ös nemig
— neming got, Sprw. I, 1497. Ml
wer ruLrnich to, mir war nirgend wohl,
recht behaglich. Dzg. Nhg. Viol^t,
195. Dat fr§8chret Green man narr-
nich mehr kann sehnen. Dorr, 1. Wiew.,
121.
nerr, (r lang ausgehalten). Ruf, mit
dem bissige Hunde gereizt werden.
Neschintinnis, /., Wadegarn von un-
gleicher Flugellänge (der kürzere Flü-
gel heifzt Krastegallis, /., der längere
Gelissesi/aUis, /., zum Fischfang in den
N^schken — Neuesorge.
95
schnell strömenden Aasflüssen der Me-
mel, namentlich im Athmath- und Skir-
wiethstrom. Beschreibung und Abbil-
dung in Benecke, 350 f.
Ntochken, Ntochkes, plui\ nichtswerte
Neigen, dürftige Überreste; zusammen-
hangend mit nr und mischt Er ifzt
immer das Beste, uns giebt er die Neschr
kes. Treichel.
Nesselfeuer, pltd. NetteKUer, n., Nessel-
fieber, wobei stark gerötete Erhöhun-
gen auf der Haut hervortreten, als ob
sie mit Nesseln gebrannt wäre. Hen-
nig, 169.
Nesselhopfen, m., gemeiner Hopfen,
Ilumulus lupulus L, mos. Hagen,
1040. Vgl. Fimmelhopfen unter Fim-
mel. Nach Pritzel, 185, in Ostpr.
auch Hopfenkuhn.
Nesselkönig, m., Zaunkönig, Troghdytes
parvulus. Bujack, 373. Mühling,
Tiem., 175.
Nesselranken, plur., Pfizn., gemeine
Flach sseide, Cuscuta europaea L. Ha-
gen, 180.
Nesteling, NesUing, m., Fischn., Ucke-
lei, Albumus lucidus Heck, Mühling,
Tiem., 175. S. Ickelei.
Nester, m,y der Nister, Nistende. Bei-
name für den Storcht Hadebär, du
Nester, bring" mt e junge Schtcester!
Volksr., 50, 191. Rochholz, 87. S.
Röder u. Steiner.
Nesterpflanziingen, plur,, die Anpflan-
zungen von Weidengesträuch zur Be-
festigung des Vorlandes (s. d.) der
Weichsel; sie bestehen aus kleinen im
Kreise gesteckten Ruten (den Nestern),
welche meist schon nach wenigen Jah-
ren ein dichtes Gestrüpp bilden und
das Material zu den Faschinen liefern,
durch deren Legung man ein Abspülen
und Unterwaschen des Ufers oder Vor-
landes zu verhindern sucht. Passarg«,
188; Balt, 101. Preufz, Pr. Land.-
u. Volksk., 25.
Nestkelchel, pltd. NestkTkel, Nestkuck-
chen, NestkUken, auch Nesthäckchen und
Nesthuck, n, 1. das letzte u. schwächste
Küchlein. Oho! warm (sitzen) loie ein
Nestküken. Soph. R. VI, 557. 2. das
jüngste Kind. 3. ein schwächlicher, ver-
weichlichter Mensch; daher auch ein
verzärteltes Kind. Er ist ein Nest-
keichel. Er ist ein rechtes Nesikuckchen,
Hennig, 169. Sprw. I, 2772. Vgl.
Keichel.
Nestling, m,, s. Nesteling.
N6t, w. Vorn., s. Agnfit
nett, adj, u. adv. 1. gut, lieb. Bjin
netter Mensch; aber auch ironisch in
gegenteiliger Meinung. 2. sicher. Etwas
nett verwahren, so, dafz man es selbst
schwer, der Fremde gar nicht zu fin-
den vermag.
Nettermilich, Pflzn., s Nattermilch.
Neubruch, m. u. n,, der neugebrochene
Boden, die gerodete, urbar gemachte
Palwe (s. d.). Vgl. Rode.
Neuesorge, /., früherer Name der Kö-
nigsstral'ze zu Königsberg, welche auch
die Gumbinnschc Straize hiei'z. Die
Neuesorge ist erst zu Anfang des
17. Jahrhunderts zu bebauen angefan-
gen. Nach dem Erl. Pr. I, 547, hat
sie ihren Namen daher erhalten, „weil
Bogislaus Itadzivil, Statthalter in Preufz.,
zu dessen Zeiten sie bebaut worden,
auf die Frage, wie die Straize heü'zen
sollte, geantwortet haben soll: Aber-
mals neue Sorge, bei welchem Na-
men es denn auch nachgehends ge-
blieben". Hennig, 169. Faber, 119,
erklärt, dafz die Benennung Neuesorge
älter als die Anstellung des Fürsten
Kadzivil als Statthalter; ebenso werde
die Annahme anderer, daiz ein Flüiz-
chen, die Sorge, sich daselbst ergossen,
96
Neuhaaser — Neuteich.
durch Akten, Urkunden oder Abrissö
nicht bestätigt.
Neuhäuser, See-Badeort auf der Pil-
lauer Halbinsel, in der Nähe von Pillau.
Der Name ist aus „neue Häuser** ge-
bildet.
Neujahr, pltd. NUejar (a = a), n., Dem.
Nüejärke. Hei os munter tote e Nüe-
järke. Sprw. H, 1892.
Neujahrgreifen, n., s. GlUckgreifen.
Neujahrsbocky m., eine maskierte Per-
son, welche am Sylvesterabende von
Haus zu Haus geht zum Schrecken und
Jubel von jung und alt. Das Haupt-
requisit der Maske ist gewöhnlich ein
umgekehrter Schafspelz.
Neujahrsheiigenabendy pltd. NUejars-
höligeawendy m.^ Sylvesterabend. An
diesem Abend herrschen mancherlei
früher abergläubische Gebräuche, die
jetzt vielfach nur den Charakter der
Belustigung tragen. Diese, an betreffen-
der Stelle abgehandelt, sind folgende:
Olückgreifen^ Zinngie/zen; ScfUorrchen-
schmei/zen ; LicfUchemchwemmen ; Haber-
schwemmen; Rosemociyagen, Weitere
Gebräuche, deren Anfuhrung aufzer
den Grenzen dieses Buches liegt, s.
Volkskal., 31—57. Über die Feier des
Abends im Natangenschen s. Boldt,
16 f.
Neunaugenreuse, /., Reuse zum Fang
der Neunaugen. Beschreibung u Ab-
bildung in Benecke, 397 f. S. auch
Aalreuse.
Neunaugensacky 9n.,Sacknetz zum Fange
der Neunaugen. S. Wenter.
Neunaugenwarte, /., Warte (s. d.) zum
Fange der Neunaugen. S. Benecke,
388.
Neunerlei Blumen, — Kraut, s. Kraut
— GewUrz, Medik., Tragea aromaUca.
Pulvis aromaticus. Neunerlei Gewürz^
wie neunerlei Kraut wird beim Aus-
treiben des Viehes unter die Stallthür-
schwelle gelegt-, das Vieh ist dann ge-
gen Behexen geschützt
Neunheil, n,y Pflzn., keulenförmiger
Bärlapp, Lycapodium clavatum L. Ha-
gen, 1084.
neunklug, adj.^ üblicher pltd. nfige-
l(lök, klug wie neun, überklug, altklug,
gerieben, pfiffig, vorlaut. Sprw. 1, 2777.
Bei Schemionek, 26: neegenkluff.
Davon
Neunkluger, pltd. N§geldöl(er, m., Pfiffi-
kuS; Schlauberger etc.
Neunkraft, /*., Pflzn., gebräuchliche
Pestwurz, Petasites offi/dnalis Mnch,
Ostpr. Pritzel, 268.
Neunmal des Teufels, pltd. nege mal
det DtwelSy Medik., Tinctura Asa foe-
tida.
Neunmannskraft-Tropfen, plur.^ pltd.
Negemannskraft - Droppe^s ) , Medik.,
Tinctura aromatica.
Neunspitzen, Pflzn., roter Gänsefufz,
Chenopodium rubrum L. Hagen, 282.
neuschtrig, rein pltd. ntschtrig, nUschtrig,
adj,^ neugierig. Ntschtrig wie e Nacht-
gäl. Om se recht niüschirig to meaken^
Bracht he eck Breaden. Dzg. Nhg.
Parad., 46. Ntschtrig war de Moder
drop, Samland. Firmenich III, 498b.
, . .u is nigschtg^ efte (ob er) nü de
Dikoel seie wdt Konitz. Ibid., 637a.
Davon: der Neuschtr'ge und die Neu-
SOhtrigkeiL Vdl Nieschiage koame noa
Hus an hebbe nuscht geseene. Boldt,
12. Hennig, 170. ßrem. Wb. HI,
240: nijsgirig; Dähn., 329a: nijlick;
Schamb., 145a: ntferig; Vilmar, 283,
und Anton, 10, 15: neuschierig; Dan-
neil; nischirigy nitschirig. Sperber,
23, hat noch niglig.
Neu-Stonupöhnen , Ortsn., s. Stonu-
pOhnen.
Neuteicb, pltd. Nlledlk, Ortsn., Stadt
Neuzeugmacher — nichts.
97
im grofz. Werder. Ön Nüedtk send de
arme Lüed nick rik.
Neuzeugmacher, m., Yerfertiger fran-
zösischer (neuer) Tuche. Das Neu-
zeugmachei^gewerk hat 1714 durch den
französischen Fabrikanten Neuville sei-
nen Anfang genommen. Bock, Nat.
V, 409.
nfiweddrig, adj. 1. widerhaarig^ wider-
setzlich, widerstrebend, widerspenstig,
ungehorsam, unliebenswurdig, einer^ der
wedder on wedder ne (wieder und wie-
der nein) sagt. In dieser Bedeutung
auch nfiweddersch und n§wenderig. 2.
verstimmt, übel gelaunt, grämlich, ver-
driefzlich, unzufrieden^ unlustig. Dzg.
W.Seidel, 32. Dzg. Nhg. Oberland.
Wer noch so sehr nowed^rich es, On-
Toacklich on verstommt^ De ward glick
froh^ dat es gewefz^ WennH löwe Fer-
johr kemmt, Viol^t, 197. So best ok
du (Napoleon) bi onsem Glock näwedd-
rig stets gewese. Dat Danziger Voll-
blod. Schemionek, 26: neewiderig.
Vgl. Pierson, A. W., 28, wo auf gal.
nuadarrach hingewiesen ist.
Newody nach den verschiedenen Schrei-
bungen noch Newoty Niwad^ Niioody
Niwat, Nywat, Niewat^ Niewody Nie-
tooty Nisat, m. Name eines Fischer-
netzes, dessen Gebrauch bei Verleihung
von Fischereigerechtigkeiten häufig un-
tersagt wird. Nach Hennig, 171, das
grofiee Wintergarn, womit in Preufzen
unter dem Eise gefischt wird; nach
Be necke, 360, das grofze Wintergarn
der Binnengewässer, masur. niewod.
Niewod oder grofze Zuggame^ deren et-
liche 6, 6 bis 800 und mehr Klafter
halten. Pierson, Matth. Prätor., 117.
Bei Hartknoch, 667, Newot; in dem
Privilegium der Stadt Elbing von 1248:
Nu/oad. Mon. hdst Warm. I, 20. In
andern Urkunden Nywod. Nach Hen-
PriMhbi«r, Wörterbuch U.
nig wird das Netz in Waifzels pr.
Hist., 150, Nisat genannt; in einer ge-
schriebenen Chronik steht bei demsel-
ben Worte am Rande: Nywod heiCzt
Liewad, ist ein grofz Wintergarn. Man
findet es auch durch Störgam über-
setzt, weil damit die Störe gefangen
werden. Pisanski, De lingua Polo-
nica Jurisconsulto Prusdco utüissimay
S. 4 u. 5. Lit. ist newddas das groize
Netz, das von zwei Kähnen gezogen
wird ; russ. nhvod^ poln. niewod ist eben-
falls das groize Zuggam, die Wathe.
Nsslm. Forsch. 2; Th. 112. Lit. Aeq.,
20.
nibbeln, sw.^ s. nippern.
nibber, adf, emsig, thätig, hurtig.
Dönh. Samland.
nibbern, sw.<, s. nippem.
Nibms, m., Nashornkäfer, Oryctesnar-
sicomis, lit. nibras. Mühling, Ticm.,
175.
nich, adv.y nicht. Noch nich. 2. wohl,
vielleicht, etwa. Kann ich nich(t) mit-
kommen? Kann ich nicht für 3 Pfen-
nig Zucker kriegen?
Nichtenschaft, /., Verwandtschaft im
weitesten Sinne des Wortes, von Nichte.
Wt sön Nichte tohop, wir sind Nichten
zusammen, zur Bezeichnung einer Ver-
wandtschaft, die sich nicht mehr nach
Graden bestimmen läfzt, bei Frauen
sowohl, als auch bei Männern. P as-
sarge, 214.
Nichts, pltd. Nuscht, n., weifzes, Me-
dikament, Nihil album^ Tutia alba
farinacea. Die bäuerischen Hausmütter
auf der EUnngischen Hohe bedienen sich
eines rothgelblichen Thons anstatt des
weifzen Nichts bei den Kindern^ wenn
dieselbige umnd sind. Bock, Nat. II,
69 f. Auch weifz Augennichts.
nichts. Schweinkraut fressen die
Schweine icie nichts — zu ergänzen
7
98
Nicke — Niederung.
wäre: anderes gern = sehr gem. Saal-
feld.
Nicke, NUcke, /., plur, Nicken und
fast allein gebräuclilich, pltd. NVcke,
üble, mürrische, boshafte Laune, Mucke;
Tücke, Groll. Er hat Nicken loie ein
altes Postpferd, Sprw. I, 2780. Denn
du hast auch deine Nucken. Soph. R.
VI, 214 f. Hermes weist auf das frz.
petite tete hin. Er läfzt nicht von sei^
nen Nicken, Einem die Nicken aus-
treiben — vertreiben, ihn durchprügeln,
ßichey, 175. Brem. Wb. III, 251.
Vilmar, 286. Hennig, 172.
Nickel, Necke!, m, u. n., leichtsinniges,
feiles Frauenzimmer. Kommifznickel, m,,
Soldatenhure, gemeines Frauenzimmer
überhaupt. Zunächst ist Nickel ein
kleines Pferd, engl, nag, holL negge,
die Bedeutung Hure würde übertragen
sein. Vgl. Brem. Wb. HI, 240. Ade-
lung ni, 489. In Pommern Hure.
Dähn., 329b. Als wegwerfende Be-
zeichnung für ein Mädchen bei Her-
mes: Was der Nikel für ein ascendant
Ober die alte Frau gehabt hat? Soph.
R. V, 569. Bock, 37. Hennig, 168.
Bernd, 190. Anton, 10, 15.
Nickel, Nitteklas, woraus Nätklas, auch
kurz KIftS, Klaus, m. Vom., Nikolaus.
Hartwich, 54. Vgl. Nätklas.
Nickelsruh, /., Medik., s. Nicklasruh.
nickkVpfen, pltd. nOckkoppe(n), sw,,
mit dem Kopfe nicken, sitzend schlum-
mern.
Nicklasruh, Nickelsruh, f, Medik., Re-
quies Nicolai, Schlaftränkchen , Ruh-
pulver , Beruhigungssäftchen , Opium
enthaltend. Vgl. Adelung III, 480:
Neunerlei, Das sagt man überally da/z
die Wärterin in der Doctarapotheke am
Ro/zgarten eine Dosis Nikelsruh geholt
und . . . dem sei Kinde ah ein Schlaf-
tränkchen beigebracht hat. Soph. R. V,
488 u. 486.
Nicknelke, /., Pflzn., nickender Tau-
benkropf, Silene nutans L, Hagen,
464.
nicksch, nllcksch, pltd. necksch, nVcksch,
adj,, nickisch, Init Nicken behaftet,
eigensinnige launisch, heimtückisch. Ue
OS necksch as Kungen Kobbel, de wuü
nich Räwer freten, Sprw. I, 2782.
Hennig, 172. Im Bremischen nuksk.
Brem. Wb. LH, 251 ; in Pomm. näcksch,
nücksch, Dähn., 320a. 332a; im Götr
tingenschen nucksch, nücksch. Schamb.,
146b.
Niedau, Ortsn., Dorf im preuiz. Wer-
der. Ön Niedau steht de Ktwitt ön de
Stäke, to März Idte se em herut. Sprw. I,
2784.
Niederholder, m., Zwergholunder. S.
Ackerholunder.
niederträchtig, adj. u. adv.y herab-
lassend gegen Ärmere, leutselig. Dafs
enmäl en niederträchtger Herr, ein Herr,
der mit dem Mann aus dem Volke
wohlwollend und leutselig verkehrt. 0
wie so niederträchtig kommst du, Herr
Jesus Christ, Gesang buchlied. Soph.
R. m, 27. Ebenso bei Schütze III,
147. Schamb., 145a. Vilmar, 283.
Danneil, 147a. Anton, 2, 14. Mi,
58 b. Vgl. gemein.
Niederung, pltd. Nedd'rung, /., das
Marschland des Weichseldeltas, wegen
der niedrigen Lage, der geringen Er-
hebung über den Meeresspiegel; auch
Werder (s. d.). In entschiedenem Ge-
gensatze zur Niederung rücksichtlich
der Erhebung wie des Ertrages steht
die Höhe, nach den beiden Hauptorten
der Niederung unterschieden in Dan-
ziger u. Elbinger Höhe. Lewer ön de
Neddrung vasupe, as op de Hög cadrege,
NiederuDger — Nilling.
99
lieber in der NiederuDg — bei den hin
und wieder sich ereignenden Über-
schwemmungen — ertrinken, als auf
der Höhe vertrocknen — Not leiden
vor Dürre. Lieber in der Niederung
versauf en^ als auf der Hohe verhungern.
Sprw. I, 2787. Passarge, 238. —
Man bildet von Höhe das Adjektiv hö-
llisch (s. d.). Das Marschland des Del-
tas der Memel(Niemen) heüzt dieLdtaui'
sehe oder Tilsiter Niede^ning, Vgl.
Nehrung.
Niedeninger, Nedd'ninger, m., Bewohner
der Niederung.
niedlich, adj,y freundlich, liebenswür-
dig. Das ist niedlich! also wollen Sie
bei der Frau E. ein gutes Wort sprechen?
Soph. R. U, 286. Aber auch, ironisch,
das Gegenteil. Das (^Unrecht) soll ich
mir gefallen lassen? Amw, das wäre
niedlich!
Nierenkalby m., Fehlgeburt beim Rinde.
Der mit nierenartigen Eoioten versehene
Fruchthalter kommt umgestülpt aus der
Scheide. Das nierenartige Aussehen
der Geburt hat zu dem Namen ge-
führt. Mühling.
Niesekraut, Nieskraut, n., Pflzn. 1.
Sumpfgarbe, Achiüea ptarmica L, 2.
Sumpfwurz, Epipaciis latifolia L. und
Serapias rubra L. Hagen^ 899. 921.
925.
niesen, sw,j hin und wieder mit star-
kem Particip genossen. Treichel. be-
niesen, 8w,y bestätigen, mit Kopf^ Nase
und Hand, welche beim Niesen thätig.
Er hat es beniest^ folglich mufz es wahr
seiny wenn jemand eine unwahrschein-
liche Sache erzählt, und er selbst zu-
fallig oder ein Zuhörer boshaft dazu
niest. Hennig, 170.
Nieskraut, n., s. NiesekrauL
niet- und nagelfest, adf.^ das fest Ge-
nietete und Genagelte; daher in Woh-
nungen die Immobilien. Vor dem ist
nichts niet- und nagelfest. Im Bremi-
schen need' un nagel-vast. Brem. Wb.
III, 226. Hennig, 171.
Niewod, m., s. Newod.
ntfen, sw.^ der eigentümliche pfeifende
Atemton bei verschnupfter Nase. Müh-
ling.
Niff, NVff; auch Nui, /., Nase. Öck
gdw dt ent op e Nif — op e Nui. Hei
haud mie vor de Nöff^ dat mie de
Schtoiem anquam. Carm. nupt I, 282.
Angs. nebb^ engl. nt6, dän. nob, holl.
neb Schnabel, Nase; im Bremischen
Nihbe. Brem. Wb. III, 236. M/is da-
selbst, 237, eine Naseweise; in Hamburg
Nüffe^ Nase; ebenso im Holsteinschen,
in Pommern. Schütze III, 155. Dähn.,
331 b. Vgl. vemifflig.
nTfrändsch, adj,^ korrumpiert von neur
fränkisch.
niggelnagelneu, od/., s. nagelneu.
ntglig, adj.^ neugierig, s. neuschfrig.
Nignag, m.^ sehr schmutziger Mensch.
Mühling.
Nikolaiken, Ortsn., Städtchen in Ma-
suren, im Kr. Sensburg, das sich durch
Fischfang (Stinte) auszeichnet. Lokal-
spott: In Nikolaiken liegt ein Stint-
/lengst an der Kette. Mühling. Sprw.
I, 2789. Vgl. Arys.
nlkomme, adj. De niekomme Zepter^
der neu angekommene Lehrer. Dzg.
Nhg. Violöt, 98.
Nilk, 77)., s. Nilling.
Nill(e), /., auch Niller, m., penis.
Ebenso in Posen, in der Altmark.
Bernd, 191. Danneil, 147a.
nillen, sw.^ s. nälen.
Nilling, m,^ nach Treichel auch Nilk,
Iltis. Ebenso in Posen und Oberlaus.
Bernd, 191. Anton, 10, 16. Bernd
preist für die Herleitung auf das schwed.
Uly illerj isl. tUa, iür böse, woraus
7*
100
Nimm — oischt.
iUingi' lll-ing^ nebulo. Dieselbe Her-
leitung s. auch Brem. Wb. II, 695.
Wirds dich denn beifzen^ auffressen, an-
hauchen toie ein Nülling oder Wieself
Soph. R. I, 374. Vgl. Duck.
Nimm, von nehmen^ als EigenDame.
Er ist vom Stamme Nimm^ er ist ein
Geistlicher. Sprw. I, 2790. Von einem
Unverschämten sagt man: Hei ös vom
Stamm Nömm, sin Vädei* het Drlst
Kgsbg.
Nimmerdaun, pltd. NSmmerdOn, m.,
einer, der nimmer daun wird, ein Nim-
mersatt. Vgl. dOn.
nimmermehr = ganz und gar, rein.
Das ist nimmermehr wie Gold, das ist
rein wie Gold. Marold.
Nimmermehrstag, Nimmerstag, m., Nim-
mertag. Er bezahltes am Nimmermehrs-
tage, Mühling. Auf den heiligen
Nimm£rstag, Mewe. Vgl. Pfingsten.
Nimmerstill , Pflzn. , Pfennigkraut,
Thlaspi; auch Schillinge, Taschendieb.
Saalfeld.
ntp, ebenso pltd., aber auch nep,
nepl(es, adj. 1. genau; vom Sehen und
Hören. Er kann ntp sehen ^ scharf
sehen — ntp koren ^ scharf hören.
Rohe ma neppkes to, Jerrentowitz.
Volksr., 87, 366. 2. nahe. Sieh nicht
so ntp^ du verdirbst dir die Augen. Ge-
wöhnlich vermischen sich beide Be-
griflFe beim Sehen, und heifzt ntp sehen
mit Anstrengung und Aufinerksamkeit,
genau und nahebei mit niedergebeug-
tem Kopfe sehen. Ich habe mir zwar
den Kerl . . . ni4;ht so nipp angesehn.
Soph. R. VI, 255. Hermes zieht das
frz. fixer qu£lqu^un an. Hennig, 176,
weist für die Ableitung auf das.niederl.
nibben^ nipken den Schnabel einstecken,
uneigentlich die Nase, das Gesicht nahe
an etwas bringen, was diejenigen thun,
die etwas genau besehen wollen. Im
Bremischen, in Hamburg, im Holstein-
schen, in Pommern nipp, nippe. Brem.
Wb.III,241. Richey, 174. Schütze
III, 149. Dahn., 329b. Danneil, 147a.
Nippchen, Nips, n., ein klein wenig,
ein Neigchen, ein bifzchen, ein kleines
Stück. Ein Nippchen — e Nips Brot.
nippein, sw.^ s. nippern.
nippen, pltd. neppen, nSppe(n), sw..
sitzend schlummern, wobei der Kopf
oft unfreiwillig nippt nickt; auch schlum-
mern überhaupt. Ich toHl noch ein bifz-
chen nippen. Bei Jeroschin nucken:
nü sul wir ht vorzuckin, dt rede Idzin
nuckin und abir her tn vUchtin ein teil
von den geschichtin 39c. Pfeiffer, 201.
Mit dem Kopfe nicken heifzt in Bayern
gnaupen, bei Tage schlummern nau-
neln^ leicht schlummern nuren, nurein,
nafzen. Schmeller, 699. 696. 704.
683. Birlinger, 348a. Im Göttin-
genschen ebenfalls nippen und Nip, m.,
ein Schläfchen. Schamb., 145 b.
Bock, 37. Hennig, 169. Davon ab-
nippen.
nippern, nibbern, sw.^ nippen, in wie-
derholten kleinen Zügen trinken. Hen-
nig, 172. Auch nibbeln und nippein.
benibbeln, sich^ sich allmählich benip-
pen, betrinken. In Bayern nipfen,
nipfeln. Schmeller H, 700. Ebenso
in der Oberlaus. Anton, 10, 16. In
Mecklbg.-Vorpom. niwweln. Mi, 59b.
Vgl. labbern.
Nips, n., s. Nippchen.
nirgeln, sw, s. närgeln.
NtS, m. Vom., Kürzung von Diony-
sius. Hart wich, 54: Nyfz. Vgl.
Tennis.
Nisat, m., s. Newod.
Nts-chen, w. Vorn., Dionysia. llart-
wich, 55. S. NtS.
nischtrig, adj.., s. neuschtrig.
nischt, nichts, s. nuscht
Nistel — Norce.
101
Nistel, /., Pflzn., Mistel; Viscum al-
bum L. Vgl. Mestel.
Nttelchen, Ntdelchen, pltd. Nttelke, Nt-
delke, n., zur Bezeichnung eines nied-
lichen Mädchens. Eck sach en Nie-
telcke von der Dähr wegschliecke. Carm.
nupt. 1, 282, 2. S. Fiamiedel unter
fix.
nltsch, adj. u. adv.^ eifrig, tapfer. Er
haut nitsch drauf los. Stamm ist das
ahd. nidf mhd. ntt, m.y Anstrengung,
Eifer; feindseliger Eifer, Erbitterung,
Unwillen^ Zorn, Ingrimm. S. Schade,
Wb., 648 b.
Nitteklas, m. Vom., s. Nickel.
nitten, au?., netzen, spritzen und zwar
im Strahle. Kinder nehmen den Mund
voll Wasser und nitten^ d. i. verspritzen
es durch die zugespitzten Lippen in
weitem Strahl. Treichel. Vgl. schnirk-
sen.
ntwer, adj.^ lustig, munter, freund-
lich; artig, niedlich. Dönh. Friedland
Ostpr. Verwandt mit ahd. niwi^ niuio%
mhd. niwey niuwe neu, frisch; ohne
Alter und Erfahrung; sich immer wie-
der erneuernd, nie veraltend. S. Schade,
Wb., 655 b.
Niwod, 77)., s. Newod.
Niwoll, /., Not, Elend; von dem poln.
nieißola Zwang, Not, Knechtschaft.
Sperber, 38.
nix, nixt, unbestimmtes substanti-
visches Zahlpronomen, nichts. Was
hast du dal Nix. Daraus das Dem.
Niache, das Nichts-chen. 2ju Mittag
giebfs ein silbernes Nixche und ein gold-
nes Warteweilche. Im Holsteinschen
ebenfalls nix. Schütze UI, 149. Vgl.
nuscht
Nixe, /., kleine Kugel, mit welcher
die Kinder spielen. Gedanism. Vgl.
Marmel,
nixt, s. nix.
Noacht, Nagt (oa u. a = a), /., Flulzn.,
Nogat. Dat Is ging af en Noacht on
Haf, Dorr, 41. Twöschen Wiessei on
Noacht Titel von Dorrs Plattdeut-
schen Gedichten. S. die Abkürzungen
im 1. Bande. Über die Herleitung des
Namens Nogat vgl. Neumann, Die
Namen Nogat und Weichsel. N. Pr.
Prov.-Bl. a. F. VI, 411 ff. S. ebend.
noch Vn, 301 ff., VIII, 55 ff. und
Nsslm., Th., 114.
Noahkasten, m., alte Kutsche. Müh-
ling.
Nobelskrug, m.j richtiger wohl Nobis-
krug, Schenke oder Wirtshaus des
Teufels, Hölle. Nach Nobelskrug rei-
sen^ sterben. Tilsit. Sprw. 1, 115. über
Nobiskrug vgl. Grimm, Deutsche
Mythol. II, 954. Schwartz, Der heut.
Volksglaube. 1862, 125. Vilmar, 284.
WeigandII,283. Mnd.Wb.ni, l90b.
Korrespbl. V, 28 f.
Noche, w. jüd. Vom., s. Nache.
nScksch, adj., s. nicksch.
NSff, /., s. Niff.
Nokb(w)er, m., nokb(w)ern, sw., Nok-
b(w;ersche, /., s. Näber, nftbern, Nftberin.
Nonne, /. 1. eine verschnittene Sau.
2. wahrscheinlich die Eisente, Anas
glacialis. Mühling, Tiem., 175. 3.
eine Art tief gehöhlter^ schmaler Dach-
pfannen, wie man sie noch auf ganz
alten Kirchdächem findet. Die über
zwei Nonnen liegenden convexen Pfan-
nen heifzen Mönche (s. d.).
nennen, sw., eine Sau verschneiden,
zur Begattung untauglich machen. Hen-
nig, 172. Vgl. mSnchen.
nopper, adv.y Kürzung des pltd. Ain-
opper hinauf, nach oben zu. Müh-
ling.
Norce, Norcye, /., eine Art Pflug.
Stannen hat 3^1^ Dienste und giebt vom
Dienste 1 Pfund Wachs . . . und pfiu-
102
norcheln — Nowia.
gen mit der norce, Pnistenik hat 2
Dienste und giebt . . . und pßtcget mit
der norcye, Zinsregister von Sehesten
1437. Toppen, Altpr. Mon. IV, 152.
Pierson in den Lit. Aeq., 20, hält
Norce für gleichbedeutend mit NorgeU
eisen und dem lit. nordgas Pflugschar;
später in Altpr. W. weist er auf das
estn.?K)rA^ Winkel hin, liest norke, norkfe
und erklärt es ^Is Hakenpflug. Vgl.
Nsslm., Forsch. 2; TL, 114.
norcheln, sw., s. morcheln u. nörgeln.
Nordenburg, Ortsn., Stadt im Kreise
Gerdauen. Spott: Ftf os üt^ segge de
Nodeborge7\ Bezieht sich auf ein Kar-
tenspiel, in welchem die Partei, welche
fünf Stiche macht, gewonnen hat. Sprw.
I, 1024.
Norderfahrt, /., der eigentliche, ab-
gedämmte AbfluTz der Weichsel nach
Norden. Passarge, 158. Vgl.We«ter-
fahrt
Norgau, Ortsn., s. Klein-Norgau.
Norgel, Norgeleisen, n., Pflugschar,
das Spitzeisen am Pfluge, womit die
Erde aufp;erissen wird; lit. nordgas. S.
Bock, Nat. ni, 665; V, 514 (mit Ab-
bildung). Hennig, 172. Nsslm,
Forsch. 2; Th. 114. Pierson, A. W.,
28; Lit. Aeq. 20. Vgl. Norce.
nörgeln, sw, 1. säumen, langsam bei
einer Sache sein. Bock, 38. 2. durch
vielen Gebrauch abnutzen, zerarbeiten;
daher auch abnorgeln (s. d). Hen-
nig, 172. Schemionek, 26; 3. durch
handgreifliches Liebkosen ermüden und
abquälen, durch ruhelose Einwirkung
bearbeiten, mürbe machen, zu gewin-
nen suchen, unaufhörlich schieben und
drängen; lit. niürkyti, su-niürkyti quä-
len, zerquälen. Nsslm., Th., 219. Vgl.
morcheln. 4. brummen, knurren, ver-
drielzlich sein; in Hamburg u. Bremen
nurken, Richey, 175. Brem. Wb. HI,
252. 5. s. V. a. närgeln (s. d.).
nSrgeln, sw,^ s. närgeln.
NSrgelpeter, -hans, m., Krittler.
norkeln, sw.^ s. nurgeln.
nSrksen, sw.^ s. nurksen.
nOrsch, adv,, wenigstens, in dem Sinne
von bei 2. (s. d.). Marold.
nos kennimus, warnender Zuruf: Deine
Gesinnungsart ist mir bekannt! Sper-
ber, 46.
N088-Che, N6fzen, m. jüd. Vom., s.
NOfzen.
Not, w. Vom., Renate. Dzg. Nhg.
Viol^t, 102.
nSt (o kurz), adj.^ nütze. Dat ös
nuscht noty das ist nichts nütze, wert,
ist untauglich. Alla (Kartoffeln) nuscht
not In der Gegend von Friedland
Ostpr. wird nuscht not zusammengezo-
gen zu nschtnSL
N6tel, /., schriftlicher Vertrag, Hei-
ratsvertrag; daher auch HeiratsnOtel.
Vom lat. notüy notula. Ebenso in Bayern,
dort aber auch das Verb notein.
Schmellerll, 720. ^Hennig, 172.
Notfisch, m,^ die Schmerle, Cobitis
barbattda^ weil man sie nur in der Not,
d. h. wenn keine anderen Fische zu
haben sind, ifzt. Gegend von Fisch-
hausen, Grünhof, Zinten, Mehlsack.
Bujack, 395. Mühling, Tiern., 175.
S. Schmargel.
Notgroschen, m., Geldersparnis für
Notfalle. In gleichem Sinne hier und
in andern Gegenden Notpfennig, Not-
schilling. Vgl. Brem. Wb. HI, 243.
Dähn., 331a.
N6t8, substantivisches Adjektiv, in
Zusammensetzungen wie NStsfunge^
Junge, mit dem man seine Not hat.
Nötskerl Vgl. mords.
NGwia, m.y s. Nftbger.
nschnöt — nurksen.
103
nschnSty oc^'., Abkürzung von rvuscht
not == nichts nütze, wertlos; s. nSL
nO, adv.^ nun. Na nv! Wafs nu
Widder losf Ygl. na.
Nucke, Lockruf, s. Nuckel.
NUcke, /., s. Nicke.
Nuckel, Dem. Nuckelchen, n. 1. zur
Bezeichnung eines kleinen Kindes, Tie-
res, namentlich herzliche Benennung
des kleinen Lieblings; auch kleines
Frauenzimmer. Mein trautstes Nuckel-
chen! Das ist ein Nuckel — ein Nuk-
kelche. Ygl. Kleinnutsch. 2. Lockruf zum
Schwein, namentlich zum Ferkel; auch
Nucke.
nuckelig, nucklig, adj. von Nuckel^
klein, zierlich, lieblich. Ein nuckliges
MargeUchen.
nUcksch, adj.^ s. nicksch.
nucksen, sw.^ Iterativ von nicken\ von
Pferden, die bei schwerer Arbeit bei
jedem Schritt mit dem Kopfe eine
nickende Bewegrmg machen; auch von
Menschen, die beim Ziehen von Lasten,
beim Gehen oder sonst mit dem Kopfe
nicken. Marold.
nudeln, sw, 1. mit Nudeln füttern,
mästen. Die Gans nudeln, 2. einen
reichlich pflegen, ihn hegen. M ühlin g.
Im Schwäbischen: ein Kind liebkosend
herumbalgen. Birlinger, 356a.
NUeche, w. jüd. Vom., s. Nache.
nUel, culj. u. adv.^ nieder, abwärts.
Wenn eine Nadel oder sonst anderes
kleines entfallenes Ding auffm floor oder
Bodem gesucht unrd^ mag solches nicJit
so behende gefunden werden^ 'wenn man
na^h selbigem gleich nieder ab oder nUel
schawet; denn erstlich^ so kan das Ldcht
von gesuchter Nadel in die Augen nicht
fallen oder reflectiren^ angemercket dafz
einschräge einfallendes Licht auch schräge
von der Nadel weg }yrallet, fället also
bei solchem nOelen sehen die Nadel ins
Auge ohne Lichty wefzwegen sie nicht
mag gemercket werden. Line mann,
Bbbla.
nuggelnagelneu, adj.^ s. nagelneu.
nuggern, sw,y Iterativ zu nagen^ na-
gender Schmerz in den Zähnen. Der
Zahn fängt an zu nuggern. Trei-
chel.
Nui, /., Nase. Ygl. Hui u. Niff.
nuien, st«?., zögern. Nui nich so langt
Dönh.
Nulk, /., Tabakspfeife, s. Lullchen.
nullen, sw.^ von 0 = Nully ein neues
Jahrzehnt des Lebens beginnen. Wie-
viel mal hast du gentUltf hört man
oft bei Aufnahme der Klassensteuer-
Rollen fragen; auch als Frage an junge
Leute, um sie in Yerlegenheit zu setzen.
Man nimmt in letzterem Falle nullen =
coii'e. Ygl. Sprw. I, 2807.
NUlling, m., a. Nilling.
NOme, w. jüd. Yom., s. Name.
Nummer, /. Nummer sicher^ Polizei-
gefangnis. Sie brachten ihn nach Num-
mer sicher.
nummern, sw.^ coire. Treichel.
Nuppen, n., s. Dreb.
Nurgel, m., Stock im Butterfasse; auch
Sturgel.
nurgeln, sw. 1. rütteln, wackeln an
einem Gegenstande, etwas hin und her
reiGzen, schieben, drehen^ um es los
zu machen. Davon abnurgeln. Am
Schlosse nurgeln^ daran zerrend arbeiten
um es zu ö&en. Mühling hat noch
norkeln, mit der Thür hin und her wak-
keln. 2. mit stumpfem Messer sägend
schneiden. Brot nurgeln. Ygl. murk-
sen.
nurksen, sw. 1. ab und zu ein Knur-
ren hören lassen . Marold. In Westpr.
nSrksen, zur Bezeichnung des ruckweisen
104
Nun'eck — Na(z8chale.
Grunzens der Schweine. Treichel.
2. angestrengt arbeiten; in beiden Be-
deutungen mehr wohl murksen (s. d.).
Nurreck, m, Nurrecks machen^ wie-
derholt beim Schwimmen untertauchen;
von dem poln. nwrek Taucher, Colym-
bus L. Neidenburg. Gortzitza.
Nuichel, m., unsaubere, träge, un-
ordentliche Person. Couleur de Nuschel^
Schmutzfarbe, Durcheinander von Far-
ben; nach den Gedanism.: CatUeur de
Muschel.
nuichelffiy sw. 1. mit der Nase, poln.
noSy wühlen; in Bremen nusseln^ in
Pomm. nüschen^ in Bayern nueschen
(Nusch Schwein), engl, nuzzle. Brem.
Wb. m,252. Dähn., 332a. Schmel-
1er n, 712. 2. zaudernd, säumig, ohne
rechten Zweck arbeiten, eine Arbeit
unvollkommen, unordentlich, oberfläch-
lich verrichten. Sie nuschelt das so ab^
daß es nach gar nichts aussieht Sie
nuschelt den ganzen Tag rum und bringt
nichts vor sich, Lett knuschindty nu-
scheUt nicht recht arbeiten. Pierson,
Altpr. M. Vni, 367; A. W., 29. Vgl.
nälen, 3. schmutzig, unsauber arbeiten,
Flecken in eine Arbeit bringen; in die-
sem Sinne auch naicheln und ab-, be-
nuicheln. Herrjes-che^ wie hast du dein
Nähzeug benuichelt! Die Kleider be-
nuscheln. Auch reflexiv: sich benu^cheln.
Sperber, 42; hat in diesem Sinne auch
niicheln, beniicheln. 4. undeutlich, mit
Verschluckung von Lauten sprechen.
Wer so liest vemuschelt die Wörter.
vernuicheln auch verwischen, ver-
wuhlen. Im Götting. nuseln^ nüseln
näseln. Scham b., 146 b. Vgl. Bock,
38. Hennig, 172. Danneil, 148b.
Anton, 2, 13. Hupel, 161. Sall-
mann, 37b. — Davon: nuichlig (naich-
lig), adf.y in allen Bedeutungen. i>ie ist
ein nuichliges Frauenzimmer. Nuichel-
nase, /., zur Bezeichnung einer säumi-
gen, unfertigen, unsauberen und nicht
sorgfältigen Arbeiterin. Hennig, 173.
Ebenso Nuichellise, -lotte; Nuichelhans,
-peter; Nutehler.
nUschTrig, adj.^ s. neuschTrig.
nuschnStz, adj.^ s. nuschtnStz.
nutehrig, adj., nach Bock, 38, und
Hennig, 173, unsauber, unreinlich,
also s. V. a. nuschlig; nach Mühling
aber auch unansehnlich, elend.
nuscht, nischt, nixt, nix, das unbe-
stimmte substantivische Zahlpronomen
nichts; auch als Substantiv. Zur Ver-
stärkung nuscht nichy hchd. nichts nich.
Es ist (im Glase) nuscht mehr drin.
Nuscht on nei ös tweierlei. Von nuscht
ÖS nuscht. Keen Voagel, keen nuscht
lett sock heare. Boldt, 10. Dat ös
man nuscht. Volksl., 7, 5 I, 2. Zu
Mittag giebfs bunte Nuscht möt gele
Fetkes. — Nuscht möt ne on Salat darto.
Sprw. I, 2640. Hei gew mt nuscht nich.
Ach dat schadet nuscht^ macht nichts
aus. Spook, 470. Peterke^wat scheid! t
dtf Rein nuscht nich. Volksr., 88, 370.
Vgl. nix.
nuschtnStz, adj.^ nichts nütze, unnütz,
untauglich; auch nuschnStz. Schemio-
nek, 26. Vgl. nschnSL
nUssen, sw.^ nach Nüssen suchen.
Wenn de Huingd maise (mausen) on
de Jägasch nösscy dann ös es möt da
Jagd geschösse. Ermland. Sprw. I„
1741.
NOfzen, N6fzen, Noss-che, m. jüd. Vom.,
Nathan; auch Attan. Flatow. Schmitt,
113.
Nufzkamm, pltd. NStIcamm, m., enger
Kamm zum Abkämmen der Nisse und
Läuse; daher auch Lausicamm.
Nufzicopf, pltd. NStIcopp, und nur pltd.
als Schimpfwort, Kopf mit Nissen.
Nulzschale, pltd. Netschal, f. Er geht
Nufz6cheii2er — ö.
105
une auf Nufzschaien^ laogsam, unsicher,
vorsichtig. Wie de Katt op NäUchaU
gdne^ so gehen wie die Katze, wenn ihr
NoTzschalen auf die FuTze gesteckt wä-
ren, also unsicher.
Nufzscheifzer, gewöhnlich nar pltd.
NStscbtter, m,^ Knauser^ Geizhals. In
Pommern Netenschtter. Dähn., 328 a.
Nufzstrauch, pltd. NStstrQk, m., Hasel-
noi'zstraach, Nal'zstaude, Haselstaude,
Ccrylus aveüana L, Hagen, 1007.
Nut, w. Vorn., Anna. Hart wich,
55.
Not, NUtt, /., der Bedarf, das Not-
dürftige. Zur Nütt habeuy das Not-
durftige haben, zum eigenen Bedarf
haben, aber auch nichts darüber. Na-
langen.
nutsch, adj.j klein, unansehnlich; auch
nutschig und als Substantiv Nutsch, n.
Aus nuscht nichts. In der Zusammen-
setzung mit klein: Kleinnuisch (s. d.).
In Westpr. Nutsch Name für ein klei-
nes Schwein u. Lockruf für Schweine
überhaupt.
nOzund, adv,, jetzund, jetzt; Bildung
wie jetzund aus nun und und.
0.
0, Vokal. Das gedehnte o klingt
pltd. groi'zenteils gleich hchd. : Not Not,
Roa' Rose, wo wo, B6n' Bohne, gröt
grofz, röt rot; seltener verkürzt es sich:
Hon(n)ig Honig, Mos Moos, Bod(d)em
Boden. In Natangen und in Danzig
nebst Umgegend (sogar bei gebildeten
Danzigem) geht es in ein bald ver-
steckteres, bald ganz offenbares au
über: sau so, wau wo, frau froh, draue
drohen, während es in anderen Provinz-
teilen ein gedehntes ä (läwe loben,
bdwe oben, Aft Obst, Säl Sohle) und
auf der Danziger Nehrung sogar ein
offenes a wird (San, auch San Sohn,
wdne wohnen^ Mdnd Mond) oder ein
a mit vorgeschobenem e (verleame ver-
lorne, heach hoch). In Samland, Li-
tauen und im Oberlande wird es häu-
fig ein e oder ä: Sm^ San Sohn, vor
oder värr vor. In der Endung or wird
es ebenfalls e: Kanter Kantor, Pro^
fesser Professor, Rektet* Rektor etc. —
Das geschärfte o bleibt pltd. häufig
dasselbe: Dochter Tochter, Holt Holz,
Nord Nord (doch auch N6rdenvdnd)^
ffrof grob. Sonn' Sonne, oder dehnt
sich: KnSpy Knof Knopf, WoH Wort,
Knöke Knochen (solche Dehnung tritt
selbst hchd. auf: Osten, Ort [0 = 6])]
wird aber in einigen Gegenden ein a
(kurz oder lang): Dachter (Kulmerland)
oder Tachta (Ermland) Tochter, sali
soll, Kneake (Nehrung) Knochen, Glack
(Ermland) Glocke, oder wenigstens
ein äj besonders in Samland u. Litauen:
käme kommen, Knäke Knochen, äpe
offen, kake kochen, und dann sogar ein
tiefes u\ WwZ/Wolf, swMs^ sollst, kunn
konnte. Es geht aber auch in die Um-
laute ö und ä über, in den ersten be-
sonders bei den Samländem: wälle^
tooUe woUen, Wäk Woche, dräg, drog
trocken« Lehmann, Yolksnmd., 20 f.
S, Umlaut, klingt pltd. meistens wie
ein gedehntes «, mit Neigung zum o^
oder übergehend in ei (Danzig) und
ai (Natangen): sehen, schein, schain
schon, schwere schwören; Läpel Löffel,
Käksche Köchin, twelf zwölf , Krät, oder
106
Obacbt — Ocbs.
mit dem beliebten nachschleppenden
e: j&a^ Kröte. Lehmann, Yolksmd.,
26. Die hchd. Aussprache des ö ist
fast durchweg, und nicht blos von
weniger Gebildeten, e\ Kenig König etc.,
auch a: Es ist ein kastlich (köstlich)
Ding^ da/z das Herz fest werde. Soph.
R. VI, 144.
Obacht, /., Acht^ Achtung, Aufsicht,
Obhut. Obacht geben^ beaufsichtigen,
auf etwas achthaben. Etwas in Ob-
acht nehmen. Ebenso in Bayern, Meck-
lenburg-Vorpomm. Schmellerl, 21.
Mi, 60a.
oben, pltd. bawe(n) (a == a), adv,^ zur
Bezeichnung der ersten Etage im Hause.
Er wohnt oben. Gehe oben hinauf gehe
eine Treppe höher hinauf ! Vgl. Hupel,
162.
Oberfischmeister, m. Es giebt deren
zwei; sie führen die Oberaufsicht über
die Fischerei in den Haffen und Haff-
Flüssen, sehen darauf, dalz die Vor-
schriften der Fischerordnungen pünkt-
lich befolgt und Beeinträchtigungen der
Gerechtsame der Fischereiberechtigten
vermieden werden. Sie führen eine
rote Flagge, in deren weifzem Schilde
sich der preufzische Adler befindet, und
an ihrem Kahne einen Wimpel mit dem
preul'z. Adler. Fisch.-Ord. f. d. kur.
Haff, §§ 61. 62; f. das frische Haff,
§§ 66. 67.
Obericehr, /., Oberkehricht, die beim
Worfeln des Getreides von oben weg-
gefegten Spreuteile. Voc. 280: Ober-
kery altpr. aukUxtes. Nsslm., Thes.,
11.
Oberland, n. 1. Ostpreufzische Land-
schaft, s. die Erklärung in den Ab-
kürzungen. 2. im Weichseldelta die
Hohe im Gegensatze zur eigentlichen
Niederung.
Oberstauer, m.^ s. stauen.
Oberstubeben, n.. Dem. von Oberstube^
bildlich der Kopf. Es ist bei ihm im
Oberstübchen nicht richtig. Er hat das
Oberstübchen zu stark eingeheizt. Er
hat sein Oberstübchen verpachtet — ver-
mietet. In allen drei Redensarten ist
der Sinn: er ist irre oder betrunken.
Sprw. I, 2818 f. ... dafz wenn einer
verliebt toird^ es im Oberstübchen immer
ein bischen laut zu sein pflegt. Soph.
R. m, 36. Hennig, 173.
Oberwart, m.^ s. Wart.
Objekt, w., lat. objectum. Je mehr
Objekty je mehr et treckt, das Gericht
nämlich: je größter die Hinterlassen-
schaft, je mehr zieht das Gericht an
Kosten. Alt-Pillau.
obmacken, sw.^ plätten, glätten. Ob-
macktser, n., Plätteisen. Dzg. Nhg.
Viol^t, 102.
Oborre, /., Schweinezaun; von dem
poln. obora Gehöft, Viehhof. Flatow.
Schmitt, 180; Westpr., 166.
obschtemftt, adj.^ s. obstem&tsch.
obsternfttsch, obschtemftt, adj., wider-
spenstig, aufsätzig, eigensinnig, hart-
näckig. Auch obstimfttsch, obstinfttsch.
Von dem lat. obstinatus, frz. obstind^
engl, obstinate. Ebenso im Holstein-
schen. Schütze HI, 159; in Berlin
obschtinat; in Hessen obstemdt Vi 1 mar,
289. Vgl. Mi, 60a. Hupel, 163.
Wenn de Vater ehr was befahl, denn
war se obstematsch on gab sehr brastige
Wedderred. Schaltj., 1, 439.
Obststand, m., Obstgarten. Litauen.
Qeh, Tochter, in den Garten^ Geh in
den grünen Obststand. Nsslm., Dai-
nos, 23. 194.
och, interj,, ach. Och ne, ach nein.
Ochs, pltd. Os, m. 1. bos. In Sprich-
wörtern und Redensarten: Den Ochsen
vor den Pflug, den Schelm vor die Karre.
Jeder Ochs an seinen Strick Man kann
ochsen — Ofenpfisrick.
107
vom Ochsen nicht mehr verlangen als
ein StOck Rindfleisch. Es verscJdägt
ihm soviel wie dem Ochsen eine Blau-
beere u. a. Vgl. Sprw. I, 2822 ff.; II,
1971 ff. Dem Osse kann man wat ver
e Zagel legge^ dem Starken kann man
eine schwere Arbeit zumuten. Da^
isty als wenn man dem Ochsen ins Hom
kneifty vom unempfindlichen Menschen.
Schemionek, 26. 2. Aqt bunte Ochse^
ehemals der mit Kränzen und Bändern
geschmückte Jahrmarktsochse in Kö-
nigsbergs der nach feierlichem Umzüge
durch die Stadt im altstädtischen Jun-
kergarten ausgewürfelt wurde. Erl. Pr.
n, 504. Sprw. I, 1227. Bock, 38.
Hennig, 173. Er hielz auch Jahr-
m«*l(tsochse, Pfingstochse. 3. der Mensch
verglichen mit dem Ochsen: Wie ein
Ochse dumm sein — arbeiten (doch auch
ironisch: arbeiten toie ein angebundener
Ochse); — kicken wie der Ochs in die
Bibel; — d^rop kicken as de Os op e
Dale; — bewundere as de Os de nu^
Dtssel; — sick bequeme a^ de Os op
dem Morgen Land; — ütsene wt e Jär-
marktsos. 4. Schimpfwort. Du Ochs!
ochsen, sw. 1. arbeiten wie ein Ochse.
2. studentisch: fleifzig studieren.
Ochsenbrech, Pflzn., domige Hau-
hechel, Ononis spinosa L. Hagen,
735.
Ochsenbremse, /. 1. Rindsbremse, To-
banus bovinus. 2. Dasselfliege, Oestrus
bovis. Vgl. Biiwurm.
Ochsengedanken, plur. Er hat Ochsen-
gedanken ^ er verrät weniger dumme,
als ungewöhnliche, mutwillige Neigun-
gen. Sprw. I, 2831. Ochsengedanken
kriegen^ wild werden, weglaufen. Hei
krig Ossegedanke on rennd on e Wold.
Ochsengewende, pltd. Ossegeweng, n.,
Gewende, das durch Ochsen gepflügt
ist; auch zur Bezeichnung einer kur-
zen Wegstrecke. Eit ös man e Osse-
gewend. Hennig, 174. Vgl. Hunde-
blaff.
OchsenjOn, n., s. J6n.
Ochsenkalb, n., s. Kalb.
Ochsenklau, /., Ochsenklaue, Ochsen-
fui'z. Dei sengd (sengte) en Ossenldau.
Carm. nupt I, 282, 7.
Ochsenkopf, pltd. Ossekopp,^., Schimpf-
wort.
Ochsenpantoffel, m., Schimpfwort. Und
dei' Ochsenpantoffel steht und sperrt das
Maul auf. Soph. R. H, 356.
Ochsenpesrick, fn., s. Pesrick.
ochsig, pltd. OSSig, adj. u. adv. 1.
plump, wie ein Ochse. 2. zur Steige-
rung des Begrifies: groiz, bedeutend.
Er ist ochsig dumm. Er kann ochsig
laufen. 3. grob. Das war ochsig.
Ochskroks, Ochsenkroksenpfiaster, auch
Huxtrux, Medik., Emplastrum oxycro-
ceum.
Ockerasche, /., s. Okras.
Ockllng, m.^ von Ochsy zweijähriges
Ochskalb. Oberland.
Odel, m. jQd. Vorn., s. Eitel.
oder, adv.^ aber. Oder die Korbe^
wo hast die? Oder so lafz mich in
Ruh! Die gleiche Vertauschung in
Hessen, in der Oberlausitz. Vilmar,
289. Anton, 3, 3. Schemionek,
26.
Oderkahn, m., flachgebautes langes
Flufzfahrzeug. Weichsel. Pregel. Vgl.
Dubas u. Jadwige. Scherzweise sagt man
von grofzen Überschuhen: das sind ja
reine Oderkahne.
of, präp.j auf. Of e Lucht, auf dem
Boden. S. op.
Ofebänk, /., Ofenbank. Oberland.^
Ofengraps, 77)., pltd. Awegraps (A = J),
Striezel, den arme Leute backen. Gr.
Werder.
Ofenpäsrick, m.^ s. pftsem.
108
Ofenstopsel — Ohr.
Of enstopsel, m. 1 . Stöpsel zum Schlafz
des Rauchloches in alten Öfen, Rauch-
stöpsel. 2. korpulenter, kleiner Mensch,
nach Hennig, 333, in Deutsch-Litauen
auch ein Mensch, der verräuchert aus-
sieht.
offenbar, orf/., offen. Die ofenbare
See. Kur. Nehrung.
Offizier-Komickel, n., wenige StQcke
Holz, wie man sie vom Höker für 10
Pfennige kauft. In Berlin OffisAer- Vier-
tel Vgl. Komickel.
Ggenenzig, adj., s. augeneinzig.
Oggaganten, plur,^ Fdten in den Är-
meln früherer Frauenjacken, den sog.
Foderhemden. Dzg. Nhg. Viol^t,
172.
Ogice (0 = o), n.. Angehen, willfahrige
Geliebte. Trcichel.
Ohm, m,^ gen, u. plur, Ohms^ Dem.
Ohmice. 1. Oheim, Onkel, des Vaters
oder der Mutter Bruder. Erseht Ohm^
danau Ohms San, der Oheim geht dem
Vetter vor, gewöhnlich zur Abweisung
der Kinder, die von einer Speise zuerst
verlangen. Ähnlich: Erseht Ohmke, denn
Ohms Sänke, denn du, mtn Jungks, Vgl.
Sprw. I, 2839. Susehen bleibt übei* Nacht
bei einem alten Herrn Ohmke, den sie
hier gefunden hat Soph. R. I, 66. 2.
wie Onkel Benennung der Kinder für
jeden Erwachsenen, der zum Besuche
kommt. Gof dem Ohm de Hand — e
Posske, 3. vertrauliche Benennung des
mennonitischen Gemeindelehrers. Isaak
Ohm seggt: Pause, stäkt de Licht an,
de lewe Ohmkes käme. Die Gemeinde-
lehrer treten gemeinsam in die Kirche,
nachdem der Gottesdienst schon be-
gonnen hat. Sprw. I, 2840. 4. Herr
Ohm, Herr Ohmke, Anrede an den
Hausvater. Üblicher ist jedoch Väder.
In der Marienbg. Ndrg. auch Benen-
nung für einen bekannten, alten und
ehrwürdigen Herrn. 5. Dat bs en dick-
rigg'ger Ohm, ein Ohm mit dickem
Rücken, d. h. ein reicher Landbesitzer.
Tiegenhof. Sprw. H, 1979. Dat ös
Ohm Plüm, zur Bezeichnung eines
Menschen, den man nicht mit Namen
nennen kann. Sprw. I, 2838. 6. der
Abdecker, Racker. Da käme dem Omke
Sine Dtiwe, die Krähen. Samland (Wil-
gaiten). 7. nach Treichel früher in
Danzig die Abführer der Kloake.
Ohmkraut, Pflzn., Feld-Sinau, Alche-
milla arvensis Scop. Hagen, 178.
Ohnblatt, Pflzn., s. Anblatt und Blatt-
los.
ohne, adv. Das ist nicht ohnCy die
Sache macht sich, läfzt sich hören.
ohnig, 6nig, cuij. u. adv,, von ohne =
frei, los, ledig, s. v. a. dnig (s. d.). S.
Frisch n, 30c. Damach soll gleicher
massen genau observiret werden der Son-
nen Mittags Höhe in beyden Solstitiis,
da man aller refraction könne ohnig
sein, Linem., £la. Ein Alter aber,
der gern ein Stück des Bartes allezeit
wollte geohniget sein, kan sein profyt-
liches Bartabnehmen erlangen, wenn der
Mond in abnehmendem Licht, Ibid.,
Mm 3a. Von solcher Hitze wissen nun
die Hennen nichts, als welche solcher
(lebhaften) bewegung (wie sie der Hahn
hat) geohniget seyn, und also auch nicht
eines Leschtrunckes dürftig werden, L i-
nemann, Bbb4a. Sie mu/zte soviel
geben, da/z sie ganz ohnig (entblöJ'zt)
vmrde. Mühling.
oho, intetj. des Staunens, der Ver-
wunderung, Bewunderung. Klein, aber
oho, tüchtig. Treichel.
Ohr, n,, auris. In Redensarten und
Sprichwörtern. Er ist hinter den Ohren
noch nicht trocken, zur Bezeichnung der
Unreife. Einen Oberes Ohr haue7i, ihn
betrügen. E* hat Schlaube7i vor den
Ohrbommel — Okelname.
109
OhreUj er will nicht hören. Er hafs
hinter den Öhren. Er hafs faustdick
hinter den Ohren, Im Werder: He heft
et fustendick hing er de Ohren sitten.
Da» kann er sich hinter" s Ohr schreiben.
Es geht ihm zu einem Ohre hinein^ zum
andern heraus. Tauben Ohren predi-
gen. Die Ohren spitzen. Ganz Ohr
sein. Die Ohren anJcneifen^ Unbill still
ertragen. Die Ohren zeigen — sehen
lassen^ dumm, eselhaft handeln. Einem
ein Loch ins Ohr schneiden^ ihm einen
Denkzettel geben. Sich bis iiber die
Ohren versaufen^ stark in Schulden ge-
raten. Auf dem Ohr JiSr^ ich nichts die
Sache beachte ich nicht, in die An-
gelegenheit mische ich mich nicht. He
kann sock solwst wat brUt Ohr segge^ er
hat einen groizen Mund. Sich aufs
Ohr legen, schlafen gehen, aber auch
sterben. Vgl. Sprw. I, 2841 ff., II,
1980 ff. In welchem Ohr klingt si Frage
beim Ohrenklingen. Erfolgt die rich-
tige Antwort, so ist das Gedachte wahr,
trifft das Gewünschte ein. Einem eins
vor die Ohren geben ^ ihn ohrfeigen.
Einem die Ohren ruf ein — die Ohren
lausen^ ihm harte Vorwürfe machen,
Verweise erteilen, ihn ohrfeigen. Hen-
nig, 174.
Ohrbommel, m. u. /., Ohrring mit
baumelndem Gehänge; in Danzig Ohr-
bockel. Gedanism. Bock, 39. Hen-
nig, 174. Vgl. bommeln.
Ohrbommelbaum, m., Fuchsienbaum;
nach den baumelnden Blüten. Saal-
feld.
Ohrenkneifer, m., s. KnTper.
Ohrfei(g), /., Ohrfeige. E}r hat eine
gute Ohrfeig bekornrnen^ er hat im Ge-
schäft einen herben Verlust erlitten.
Bock, 39. Hennig, 174.
Ohrpatsch, /., Ohrfeige, s. Patsche.
ohrriffeln, mo., einem die Ohren riffeln,
ihn riffeln überhaupt, durch empfindliche
Verweise strafen. Hennig, 174.
Ohrtachtel, /., Ohrfeige, s. Tachtel.
OhrwUrmchen, n., Dem. von Ohrwurm.
Er ist so freundlich wie ein Ohrwurm-
chen, er ist gegen jedermann dienst-
ergeben und dienstbeflissen, sucht sich
einzuschmeicheln, ohne aufrichtig zu
sein. Von den lebhaften Wendungen
des Ohrenkneifers hergenommeu. Bock,
39. Hennig, 175.
6janen, sw.^ gähnen, s. hOganen.
Okel (0 = 6), f., gewöhnlich nur im
plur. Okeln. 1. der Raum unmittelbar
unter dem aufliegenden Dache, Boden-
winkel. Hei (ein Kobold) satt ommef*
op e Lucht under de Okle. 2, Lucht,
Bodenraum. 3. der höchste Kaum im
Hause überhaupt. Er wohnt ganz un-
ter den OkelUy er wohnt im höchsten
Stockwerke. In den Lit. Aeq. Oken.^
lit. auksztas, in Bremen Oker. Brem.
Wb. Hl, 261; im Holstein. Oke, Oken.
Schütze HI, 171; in Pommern Oken,
Dähn., 336b. Bock, 39. Hennig,
175.
6keln, sw. 1. nach einer Sache lan-
gen, reichen. Man nkelt mit einer
Stange nach einer hängen gebliebenen
Baumfrucht^ nach einem zurückgescho-
benen Gegenstande unter Bett oder
Schrank. Von Okel, also etwas aus
den Okeln hervorholen, daher hervor-
holen aus einem Schlupfwinkel. 2. in
der Verstärkung stehlen. Das hat er
geökelt — weggeokelt 3. nach Marold
auch humoristischer Ausdruck mit der
Bedeutung: prügeln.
Okelname, £kelname, m., Spitzname,
Beiname als Schimpf oder zum Spott.
Mnd. okelname, im Bremischen Oeker-
name. Brem. Wb. III, 261. Hennig,
1 75. Stattliche Reihen solcher Namen,
meist wohl unserer Provinz angehörig,
110
Okras — Omacht.
sammelte Stein (Peregrinus XU, 82;
Xin^ 88). Sie mögen hier, an be-
treffender Stelle besonders aufgeführt,
vereint ihren Platz finden: Züzensau-
ger^ Knerps^ Knusel^ kleine unnütze
Krot^ Putzmänlein, Kniefurtz^ Glttper^
Glepaug^ Schehmp^ Schnufer^ Schnöfler^
Lespler^ Garrer^ Stamler, Stammerbock,
Rotzlnfel^ Schmodbot, Matdaff^ Meer-
hutz^ Meerganss, Krickendt, Hatcskater^
Hattsmauser ^ Hausotter ^ Glomsneckely
Ilausschlingel^ Bengel, Rekely HausHmr-
mely Pomochet^ Wochentölpely KnoUy
Rültz, Fütz, Tütz, Ochss, Flegel, Esel,
Knebelj Hans üngelenck, ungeschliffener
ungebackener ungesaltzener Kerl, Lauser ,
Lausbart, Lauspungel, Laushundj Scharb,
Dreckharcker, Grnock, Schurck, Gnisck^
Gnuser, Gnegel, Gnorrer, Drückpfennig,
Schüsselpfennig, Gritzenzelei\ HoUunck,
Hundsnaas, Loddert, Lunter, Saalbader,
Aalbander, Großsprecher, Brascher,Pra'
ler, Windhawer, Sechsgröscher, Scharr-
hanss, Schindhund, Bluthund, Brotdieb,
Feder auffieser, Federn auffUser, Knap-
Speiser, Knochenbeifzer, Krippenbeifzer,
Gnatzer, Weibergnager, Kinderplager,
Hertzenfresser, Doddemaas, KakelmatZy
Plappermatz, Dreckhans, Misthammel,
ünßath. W. Mtsbl. V, 191; VI,
159.
OkraSy m.^ eine Lauge oder Ejraft-
brühe, mittels welcher aus der gemeinen
Asche die Pottasche bereitet wird. In
der Gilgenburger Gegend, wo früher
Pottasche vielfach hergestellt wurde,
die Okrosa. Aus dem poln. okrasa, f..
Abmachsei, Fett zum Abmachen der
Speisen. Nach Bock, Nat. HI, 189,
auch Ockerasche, wohl nur Korrump.
aus Okrasa. Hennig, 175. S. Nsslm.
Forsch. 3; Th., 115.
ölben, plur., s. HSwelten.
Olelörbl iO===6)y w., s. v. a. Alteloröl.
Oleumpopoleuni, Medik., ünguentum
populeum,
OlgStze, m,, dummer, tölpischer, witz-
loser Mensch. Er sitzt da vne ein Ol-
götze. Ebenso in Pommern, im Götting.,
in der Altmark. Dähn., 334a. Schamb.,
U7b. Danneil, U9b.
Öl je, /. u. n., Öl, oleum. Baum-,
Leinolje, Hennig, 175. Auch Olicht.
Saalfeld. 0 Öljeglas, de Lamp geit üt!
Ausruf der Verwunderung. Kgsbg.
Olk, m., lustiger Schmaus, Tanzver-
gnugen. Das war ein gemütlicher Olk.
Jetzt wohl allgemeiner Ulk,
olken, sw., einen Olk mitmachen.
Ölkohl, englischer, Pflzn., Feldkohl,
Brassica campestris L. Hagen, 701.
Olle, m., auch blofz der OIF, der Alte.
S. Alter.
Ollsch, /., auch die OUsche, Olsche,
die Alte, die Matter. Doch siene Ohlsche
(Mutter) qudld em däglich. Nowack,
30. On v)i de Olsche dat vanem (ver-
nahm). Volksl., 14, 6, 5. Grö/z' de
Olsche, als Abfertigung. S. AHe.
olmig, adj,y faulig, in Verwesung über-
gegangen, vermorscht, verfallen. Dönh.
Das Stammwort Olm Holz, das anfangt
in Fäulnis überzugehen (Danneil,
149b), Fäukis (Dähn., 338 a), vermag
ich für unsere Provinz nicht nachzu-
weisen; vgl. jedoch Mohn, Mulm.
Ölsamen, m., Pflzn., s. Rips.
Olsche (0 = o), /., s. Ollsch.
Ölsk, Ölske, m., Iltis, s. Duck.
GH, adj., alt, und Zusammensetzungen
s. unter alt
Olwftde (0 = (J), /., Fischemetz, s.
Aalwftde.
Ölwen, plur., s. Hewelten.
Sm, präp., um, und Zusammensetzun-
gen s. unter um.
Omacht (fi^o), f., Ohnmacht. Da-
von Ornttchtlg.
Omama — Ort.
111
Oniama, /., Grorzmutter, in der Ein-
dersprache; ebenso Opapa Grolzvater.
Omskeboll, m.y Bezeichnung für ein
Thalerstück. Gegend von Elbiog.
Onband, Unband, m,^ wilder, unbän-
diger, zügelloser Mensch, namentlich
Junge.
Ondocht, vhchd. Undocht, tt»., Tauge-
nichts; doch auch in milderm Sinne:
WUdfang, Unband. S. Sprw. I, 3865.
Vgl. dögen.
Onig, (xdj. u. adv.^ s. ohnig.
Onkel, 77)., Oheim; aber auch jeder
Erwachsene den Kindern gegenüber:
Gieb dem Onkel die Hand. S. Ohm 2.
onmak, onmaklich, o^'., Gegensatz von
mak u. maklich.
OnnOsel, Onnftsel, m.^ unsauberer, un-
ordentlicher Mensch. Er ist ein rech-
ter Onnosel. Vhchd. Unösel, Unftsel, in
Westpr. auch Unnus(s)el, holl. annoozel^
adj,, unschuldig, einfaltig, ungestalt,
welches die ursprüngliche Bedeutung
des Wortes zu sein scheint. Sche-
mionek, 26: Onosel. Sperber, 32.
Hennig, 283. Vgl. bemussen.
onnöselig, adj. u. adv.^ unsauber,
schmutzig, unordentlich; in Dzg. auch
iinnii8(s)lig. üennig, 283, hat das
hchd. unftslich schändlich, einfaltig. Er
redet lauter undslich Zeug, d. s. grobe
Zoten.
Ontlg, n., Unzeug, s. Unlust
Onwedder, n., onweddem, sw.^ s. Un-
wetter.
op, prdp.j auf. Op em, auf ihn!
Hetz wort. Wenn op, denn satt. Sprw.
I, 162. 155. Zusanmiensetzungen mit
op suche unter auf. 2. nach : Man woU
tom Sinndag op SuUmien, zum Sonntag
nach SuUmin. Dzg. Bauernep , 2.
Opapa, m., s. Omama.
Öpfel, plur. von Apfel. Kaufen Sie
doch schöne Opfel! Kgsbg.
Spperscht, Spperst, adj. u. adv., oberst,
äul'zerst. öch war ömmer der öpperschte.
Denn s§nd ji op^t öpperste besch§mpt.
Dorr, 1. Wiew., 94.
opstuings, ado.^ zur Stunde, gegen-
wärtig, jetzt. Sonst kann ji opstuings
dorcKt Gitter kuckeluren. Dorr, 1.
Wiew., 39. Ji s§nd s§lwst en groter
Haudegen west, wenn ji uk opstuings en
Fredensmann s^nd. Ibid., 53. 70.
-er, Endung, wird er: Assesser, Doh-
ter, Kanter j Professer, Rekter etc.
Orate, j^W., Morgenandachten in eini-
gen Gegenden Westpreulzens, welche
in der Adventszeit des Mittwochs, Don-
nerstags und Freitags bei hell erleuch-
teten Kirchen früh um 6 Uhr gefeiert
werden. Mewe. Hintz, 39.
Orban, m. Vom., Urban. H artwich,
54.
Order, /., das frz. ordre. He wull
partu nich Order parere, er wollte
durchaus (partout) nicht gehorchen,
auch: he vmll nich höre, horche.
Orduine, /., „eine Pfeife von bieg-
samem russischen Holz^. Er schlug
mich mit seiner langen Orduine so ge^
waltig auf den Rücken, da/z ich die
Schwiele noch fühle. Soph. K. VI, 106 £
Organist, m., das Geld, als nervus re-
rum. Wo du nicht bist, Herr Organist,
da schweigen aUe Flöten — aUe Pfeifen — ,
da brummet keine Pfeife. Sprw. I, 2854.
Travestie des Liedes: Wo du nicht bist,
Herr Jesu Christ etc.
orgeln, sw. 1. die Orgel spielen. 2.
coire. Im Augsburgischen tH>77}^^. Bir-
linger, 365a.
omdlich, culj., ordentlich.
Orscheit, m., s. Ortscheit
Ort (o kurz und lang), m., Ecke, vor-
stehende Spitze, äufzerster Punkt. In
diesem Sinne schon bei J er ose hin:
er buwete an des (gartins) orte eine kirch
112
Ort — Osemund.
und ein spittdl, 7 b. gip mir wäre loise
wort, daz dich m^ner zunge ort lobe mit
getichtey Ic. Pfeiffer, 202. Or^ als
Spitze, lebt in den Ortsnamen : BrUater-
Oi% Landsort, Schwarzort ^ Steinort
Alle diese Ortschaften, deren Namen
mit langem hellen o gesprochen wer-
den, liegen auf einer in die See oder
das Haff gebenden Landspitze. Pas-
sarge, Balt., 156. Auch die Land-
spitze, welche durch zwei sich vereini-
gende Flüsse gebildet wird, heüzt Ort (0
lang). Vgl. Birlinger, 365b. Brem.Wb.
in, 268. Schützern, 180. Dähn.,
339a. Vilmar, 292. Frisch II, 33b.
Hennig, 175.
Ort, Dem. Ortchen (beide 0 = o), w.
Vom., Dorothea, s. DorAt
Ortband, n., Metallbeschlag um die
Spitze einer Degenscheide. Hennig,
175. Mnd. ortbant Mnd. Wb. lü,
239b. Bei Dähn., 339a.
Ortscheit, Orscheit m., Schwengel an
der Bracke, kleine Bracke über der
Gabeldeichsel für einen Einspänner.
Westpr. Werder. Pob. orczyk; in Voc.
252: Orschyt für das altpr. walis,
Ortsschwager, pltd. Ortschwager (0=J),
97)., Zuchteber; in manchem Dorfe wird
nur ein solches Tier gehalten. Elbing.
Vgl. Sprw. I, 2855.
Ortstein iO = 6)y m., s. Eisensand.
Ortswäke, /., Wune (ausgehauenes
Loch) im Eise, End- und Wendestelle
beim Gamzuge unter dem Eise. S.
Winterfischerei.
Ss, Sse, Sst (ö lang), es, tot, adf.,
weifz, zart, fein; von der Wäsche, vom
Brot, vom Mehl, vom Teint, von der
Leinwand etc. Dat os öset — östet
Mehl etc. So ös on rot wt Melk on
Blot. Sprw. I, 684. Nach Klein U,
39, in Danzig auch vom Fleisch^ be-
sonders Kalbfleisch, wenn es recht
weifz aussieht. Von einem groben und
plumpen Menschen sagt man: Es ist
kein öser Bissen an ihm, H e n n i g , 56.
174.
Ösbrot, Ösebrot (Ö lang), n., Brot
aus fein gebeuteltem Roggen mehl, im
Gegensatz zu Grobbrot Aus ös und
Brot Schemionek, 9: Eesbrot Vgl.
Brot u. Weclc
6sch, adj., schwer zu behandeln, aasig
(in schimpflichem Sinne), garstig, häfz-
lieh. Ästiges Holz, das sich schwer
spalten läl'zt, ist osch. Ermland. Ver-
wandt mit ai/z (s. d.). Mühling^
Proben, 435.
Osche, Oschft, Oscher, Oscheice, /., in
der Kindersprache Grofzmutter. M ü h -
ling hat Osche u. Osche^\
OschfOSCh, m., Phosphor.
Öse,/., Dem. ös-chen. 1. Drahtöhr,
-Ringlein, in welches der Haken fafzt.
Haken und Ösen halten z. B. die Taille
eines Frauenkleides zusammen. 2. öhr-
artige Schlinge in Band, Schnur oder
Strick. 3. Knopfloch. S. Einosel, Im
Holstein. Oesche^ in Hamburg Oegeske,
Oeske. Schütze HI, 168. Richey,
176. Ahd. ord, mhd. ore, 6r Ohr, Öhr,
iat. aurts, lit. ausis, poln. ucho. Vgl.
Schade, 666b. Hennig, 174.
Bse, adv. u. adj., barsch, dem Ge-
schmacke nach. Es schmeckt ose. Müh-
ling.
Ösebrot, n., s. Ösbrot.
öseln, 9w., wühlen, sich balgend um-
herwälzen und dabei verunreinigen. Se
speie (spielen) om Sand und öseln da
'römmer (umher). In gleichem Sinne
auch Ottern. beOseln, sich, sich durch
Oseln beschmutzen. Na Jung, du hast
dich wedder gut beoselt! Saalfeld.
Osemund, mnd. osemunt, schwedisches
Eisen. 15. Jahrh. Danzig. Hirsch,
257. Mnd. Wb. HI, 242 b.
Ösen — Osterwasser.
113
Bsen, sw.y den Faden in die Öse, in
das Öhr ziehn, einfädeln, gewöhnlich
einasen (s. d.). Hennig, 174.
Ssen, 9w., den Abtritt reinigen. Dzg.
W. Seidel, 33. Mnd. osen schöpfen,
ausschöpfen. Mnd. Wb. lü, 243 a. In
Bremen ist Oese die Dachtraufe ohne
Rinne, das unterste Ende des Daches;
aesen das Wasser ausschöpfen. Brem.
Wb. ni, 273. 274. Holl. ist oose ein
Giefzer, Giefzschaufel. In Bayern Ösen
leer machen, aufbrauchen, erschöpfen.
Schmeller I, 121; in Ditmarschen
einen Brunnen reinigen, Wasser schöpfen.
Schützern, 161.
ösfafz, pltd. Ösfatty n., schaufelartiges
Schöpfgefaf'z zum Ösen, in Böten, auf
Kähnen; nach Schemionek, 26, Hand-
schaufel. Vgl. P»lt.
Ssnasig (ö lang), adj,, feinnasig, em-
pfindlich; von ÖS.
OssepOper, m., der Wiedehopf, üpupa
Epops. V. Auer. B^ngt wie eine
Korrumpierung des systematischen Na-
mens.
Öster, /., plur, östers, Auster, Ostrea
eduUs. Holl oester^ engl, oister^ franz.
huitre, poln. ostrzyga, ostryga. Im Hol-
steinschen Auster, aber auch zäher,
dicker Auswurf. Schütze IH, 161.
Hennig, 175.
Osterblume, /., Wiesenkuhschelle, Pulr
satiUa pratensis MilL Hagen, 566.
Osterei, n., Ei, das zum Osterfeste
farbig gekocht wird. Man kratzt den
Kindern kleine Bilder, Namen, Sinn-
sprüche etc. in die Schale, oder ätzt
solche mit Scheidewasser aus. Volks-
tümliche Ostereier-Reime s. Volksr.,
227, 798. Nach Hennig, 176, sind
Ostereier die Eier, welche dem Pfarrer
und andern Kirchenbeamten zur Oster-
zeit als Kaiende gebracht werden.
Fritchbier, W5rterbaoh II.
Osterfladen, m., Fladen, der zum Oster-
feste gebacken wird.
Osterkalb, n., s. OsterwoH.
Osterlakzie, Pflzn., Osterluzei, AristO'
lochia clematitis L. Weichseldelta.
Treichel, Volksth. HI.
Osterlamm, n., Lamm, aus Butter ge-
formt, in liegender Stellung, mit dem
die Handelsfrauen zu Ostern umher-
gehen, um Gaben einzusammeln. Yolks-
kalender, 95. In Bayern ist das Oster-
lärnblein Eierkäse in Form eines Lämm-
leins, welcher nebst den Ostereiern etc.
am Ostersonntag zur Weihe in die
Kirche gebracht wird. Schmeller I,
126. Bei uns, wie auch in der Ober-
lausitz (Anton, 11, 6), sieht das Volk
das Osterlamm in der aufgehenden Sonne
hüpfen.
Osterlilie, /., gemeine Narzisse, Nar-
cisstts pseudonarcissus Z.., weil die
Pflanze zur Osterzeit blüht. Sie heifzt
auch gelbe Narzisse, Treichel, Volks-
thümliches IH.
Osterlinge, plur.y alter Name für die
Bewohner Preufzens, als Volk, das ge-
gen Osten wohnt. Hartknoch. Hen-
nig, 176.
Ostern, n., üblicher Schmackostem
(s. d.).
Österschale, /., Austerschale, s. Öster.
Osterwasser, n., Wasser, das in der
ersten Ostemacht vor Sonnenaufgang
aus einem Flusse geschöpft ist. Es
wird aufbewahrt und zum Waschen für
das ganze Jahr benutzt. Es soll die
Schönheit nicht allein erhalten, sondern
auch erzeugen, Sommersprossen und
alle Ausschläge vertreiben, auch gegen
alle Krankheiten dienen und nie fau-
len. Dafz Letzteres wirklich der Fall,
glaubt Mühling entschieden. Diese
Wunderkrafb hat das Wasser jedoch
8
114
Osterwolf — paaren.
nur dann, wenn bei dem Hin- und
Rückgange, wie während des Schöpfens
kein Wort gesprochen wird; geschieht
dies, so verliert das Wasser seine heil-
same Kraft. Die Schöpfenden werden
von Mutwilligen and Schadenfrohen oft
auf harte Proben gestellt. Yolkskal.,
84. Hennig, 176.
Osterwolf, pltd. Osterwulf, m., groi'zer
alberner Mensch; in gleichem Sinne auch
Osterkalb, pltd. -kalw. Samland.
Ostirzken, Ortsn., Dorf bei Tilsit. Es
ist ein Ostifzker^ er hält den Mund offen.
Er ist aus Ostifzken^ wo sie die lange
Kobbel haben. Man sagt den Bewoh-
nern des Dorfes neckend nach, dafz sie
ehemals nur eine Stute zum gemein-
samen Gebrauch gehalten. Sprw. I,
2857 a.
OstroWy m., Insel in Flüssen u. Land-
seen, Holm; ebenso poln. Westpr.
Schmitt, 165. In Masuren auch Halb-
insel. Gortzitza. Nach Sperber,
38, Ostruf, n., das Werder.
Ostseehering, m., s. StrSmIing.
öfzer, adv.^ als Beteuerung in dem
Sinne von wahrlich nicht; von dem
hebr. osur verboten. Vgl. Sprw. I,
2851.
Otem {0 = 6% m., Odem, Atem.
Otsch, m. Vom., Otto. Sperber,
23. Otsche, Dem. Oischchen, w. Vorn.,
Ottilie.
ottem, sw. 1. erwischen, erlangen,
erreichen; aber auch stehlen. Öck heW
et endlich terottert^ ich habe es endlich
erreicht. Dat heft hei geottertj das hat
er gestohlen. Samland. 2. s. v. a Sseln
(s d.).
OtterzHze, pltd. OttertStt, /., Belemnit,
wie die Zitze der Euh gestaltet. Sam-
land. Vgl. Donnerkeil u. Pillerstein.
R
p, Lippenlaut, bleibt anlautend im
Plattdeutschen: Probe Prdwy Paar Pär^
Peitsche Pitsch; das auslautende (in
der Schrift b) geht gern in ein w oder
/ über: ab a/, gab gaf^ Grab Graf^
blieb blewy grob grof; das inlautende
bleibt p oder wird b: Lappen Lappe^
Rippe Ribbe^ doppelt dobbelt Lehmann,
Volksmund., 29.
paar, pltd. par {a = ä\ adj, u. adv.,
paarweise, gleich, in gerader Zahl; im
Gegensatze zu unpa^r. Spiel um die
Zeche: Paar oder unpaarf in betreff
von Geldstücken, Schwefelhölzchen etc.,
welche man ungezählt ergreift. Für
Liv- u. Estland Hupel, 166. S all-
mann, 50b.
Paarchen, pltd. Parke (a ^ a), n. 1.
Pärchen. Sie ist von einem Paarcfien
entbunden worden. On schenk en Poorcke
ju op öne hole Huhpe. Carm. nupt. III,
77 d. 2. Brautpaar. Ich altei^ Narr
dachte^ das müfzte und müfzte ein Pahr-
chen werden. Soph. R. II, 454. Was
wird denn also aus eu^ch beiden werden?
Ein Pahrchen^ une ich hoffe. Ibid. III,
167. Damit dies ein Pahrcfien werde?
Ibid. IV, 346. Bis hätte das können
ein glückliches Pahrchen werden. Il>id.
V, 146.
Paarchentopf, m., s. Paartopf.
paaren, sw.^ paarweise, je zwei und
zwei, zusammenthun. Paaren^ une der
Bauer die Drosseln. Die Drosseln wur-
den früher nur paarweise zum Kauf
angeboten, wobei stets eine grolze und
Paarsemmel — Pademdonnek.
115
eine kleine zusammengebunden war.
^gsbg. sich paaren^ sich paarweise
ordnen; sich geschlechtlich zu eiuem
Paare verbinden, verloben, verehelichen.
Steit frie^ dat eck en Dangs na miener
Buurart hömpelf Sa fraagd eck erseht^
dama paard eck mie met der Greet.
Carm. nwpt I, 282. 16. Ehrwürdiger
Bräutigam^ der sich heut paaren kann.
Ibid., I, 120. Die Vogel paaren sich,
Kinder^ paart jü ! Sprw. I, 2859. Hen-
nig, 178, hat die Redensart: Er ist
heute nicht gut gepaart, ist bei übler
Laune, mürrisch u. unfreundlich.
Paarsemmel, /., Semmel, Weifzbrot,
aus zwei Stücken zusammengesetzt, die
durch Bruch sich leicht teilen lassen.
Bock, 41. S. Pftmel.
Paartopf, auch Paarchentopf, pltd. Par-
topp, Parketopp (pltd. a = a), m., irde-
ner Doppeltopf mit Bügel, worin das
Essen den auswärts Arbeitenden zu-
getragen wird. Samland. Saalfeld. Dzg.
Nhg. Violöt, 164. Sperber, 23.
Pachin', /., Marke, welche Chaussee-
oder Bahnarbeiter zur Bestreitungaugeo-
blicklicher Bedür&isse als Vorschufz-
zeichen auf ihren Arbeitslohn erhalten.
Sperber, 42.
Pachiner, m., Bettler, Landstreicher.
Sperber, 42.
Pachlander, m., Diener, der auf dem
Gefährt hinten aufsteht; von dem poln.
pachol§ Bedienter, Aufwärter, Bursche.
Schmitt, Westpr., 166.
Pachthofmann, -hömann, 7n., s. Hof-
mann.
Packamor, m., s. Pakmör.
Packätehe, /., Bagage; von lack in
doppelter Bedeutung: Gepäck; Gesin-
del, Pöbel. In Zusammensetzungen:
Suren-, Schelmenpackd8che,
Packmör, m,, s. Pakmör.
Packrant, /., die Böschungslinie im
Boden des kurischen Haffes, ehemaliges
Haffufer; auch (zwischen Memel und
der Windenburger Ecke) Krantas, m.
Nach Nsslm., Wb. 223b, ist lit kranr
tos Rand, Ufer eines Flusses, nicht
des Haffes oder der See; pakrantas »
Stelle oder Gegend am Ufer. S. Be-
necke, 223.
Padde, /., nach Sperber, 23, eine
Art Frosch; nach Treichel in Westpr.
Frosch überhaupt. In Ostpr. hcil'zt der
Frosch allgemein Pogge (s. d.).
Paddelboot, n., Boot, das durch Pad-
deln bewegt wird, Räderboot, dessen
Schaufeln durch die Hand gedreht wer-
den.
paddeln, sw, 1. mit kurzen Schritten
gehen, trippeln, watscheln. Im Brem.
padjen, putjen, im Osnabr. padken mit
kurzen Schritten laufen; Päd FuTzsohle.
Brem. Wb. IH, 279. Lit. pddas, lett.
pehda Fufzsohle, Fufz, altpr. peadey
Socken. Voc. 482. Nsslm. Th , 122.
Danneil, 150b, bezeichnet als Stamm
Päd (Pfad), das Weg und Wasser zu-
gleich bedeutet, bepaddeln, betreten,
tretend beschmutzen, verpaddeln, zer-
paddeln, durch Paddeln etwas zertreten,
zerstören. Die Hühner — die Hunde
verpaddeln die Beete. Die Stube voll-
paddeln, mit dem Schuhwerk Schmutz
hineintragen. 2. im Wasser gehen oder
hantieren, plätschern. Badende Knaben
paddeln im Wasser. Bock, 39. Hen-
nig, 176.
paddeln, peddeln, sw., treten; begattend
treten; coire. In Westpr. auch pedden.
Ein dreger Hahn paddelt got. Dat die
de Hahn hackt on de Häng (Henne)
paddelt Sprw. I, 1445 f. Die Ernten
peddeln sich. Vgl. das vor.
Pademdonnek, m., Fulzfiall. Eorrurop.
aus dem poln. upadac do nög einen
Fulzfall thun. TreicheL
8*
116
padolscli — PakuIkB.
padölsch, podöbch, adj.y angeschickt,
schwerfallig, ungefügig, grofz u. plump,
linkisch. Ein padoUscher Kerl. In
Mecklenburg perdokch. Mi, 62b. Von
podolüch^ aus Podolien stammend: p<H
dolische Ochsen,
paffelhaftig, adj, u. adv. . . . sehet auffs
genaueste^ obs müglich sei noch zur Zei%
da/z man so genau und gewis den Effec-
tum oder das Gewitter (Wetter) treffen
känne^ als wol mancher ihm (sicK) pa fei-
hafftig einbildet Linem., D 4b.
paffen, sw.^ wiederholt einen Paff
(Knall) hören lassen, knallen; schnell
und hörbar rauchen. In der Verstär-
kung paffzen. Er paffzt die ganze Stube
voU^ der starke Raucher, der scherz-
weise Paffzer genannt wird. Hennig,
176.
Paise, /., s. Peise.
Pajatz, Pojatz, nach Sperber, 44,
auch Pujatz, m., Bajazzo, Clown, Hans-
wurst. Jetzt komm ich^ sagt der Pajatz
— auch mit dem Zusätze: und springt,
pajen, sw.^ bepajen, mit grofzen, un-
förmlichen Händen jemand über das
Gesicht fahren. Elbinger Ndrg.
päkem, sw,^ s. pekem.
Pakmör, Packmör, Packamor, in Ur-
kunden Podkamor^ Potkamo7\ m., Amts-
diener, Kämmerer auf den ehemaligen
Amtshöfen, der im Amtsbezirke die
niedere Polizei ausübte, die mündlichen
und schriftlichen herrschaftlichen Be-
fehle auf den Dörfern bekannt machte,
Gerichtsdiener, Landreiter. Lit paka-
TnörCy vom poln. podkomorzy Ünter-
kämmerer, nach Mrongov. I, 345 a,
wohl nicht genau Kämmerer, Kammer-
herr. Toppen, Altpr. M. IV, 141,
bemerkt, dafz auf die beiden Formen
Podkamor und Packamor sich die be-
kannten Familiennamen Puttkamer und
Packmohr stützen. Nsslm. Th., 134;
Wb. 276a. Pierson, A. W., 34. Der
paxikmßihr^ dafz ist der landtreuter. Aus
1520. Grünau, Prlz. Chron. XHI, 4.
§ 3. (In der gedruckten Ausgabe von
Perlbach steht, S. 627, im Texte,
wohl infolge falscher Lesung, y^landt-
richter^^ in der Note „landtreuter^.)
Der Hochmeister Ulrich von Jungin-
gen zahlt zu Wohnsdorf : „// scot dem
packamar^y desgleichen in Barten „IUI
scot dem poikamor^ und bei Leunenburg
y^Ifirdung dem potkamor mit synem com-
pan.^ 1409. Treslerbuch, 275d. 276a.
Es soll ihnen (den Litauern) zu ihren
Verlobnissen nicht mehr als eine Tonne^
zu den Hochzeiten aber nur vier Ton-
nen Allaus zu brauen und auszutrinken
verstattet sein. Darauf denn die Land-
Schoppen durch die Pakmohren gute
flei/zige Aufsicht haben sollen. Lister-
burger Kirchen- Visit-Ordng. H en n i g ,
177. In Pisanskis Nachtr. Park-
mohr Landesbote, der von der Herr-
schaft mit Briefen verschickt wurde.
Es wird ihrer und der ihnen zu ver-
schaffenden öffentlichen Sicherheit ge-
dacht in der Willkür, die unterm Hoch-
meister Conrad von Jungingen abgefafzt
wurde. Pr. Landr. von 1685, Lib. I,
Tit. I, § 1, wo sie Packmohren heilzen.
Vgl. Freigut
Pakulks, Pakuls, Pokuls, Pokulks, auch
Pikellus, m. In diesen Formen lebt
noch das altpr. pyculs Hölle (Voc. 10),
pickuh^ Gen. pickuUas Teufel, lit. py-
kulas Zorngott. Bock, 45: Man höret
noch zuweilen aus dem Munde der ge-
meinen Leute: Der PokulUcs (Pokuls)
wird dich nicht holen. Aus Korkehnen
im Samlande erhielt ich die Redensart:
HoFs der Pahdks. Sprw. H, 1225.
Auch hört man an einem Unglücks-
tage: Hü^de regert de Pahds. Heft mt
denn nu de PokuUs Hia na Schoppen-
Pakullas — Palme.
117
poUgedragef Volksl., 67, 44, 10. Nach
Sperber, 41: Der Pikellus kommt.
Man schreckt mit diesem Rufe die
Kinder; in der Weihnachtszeit ver-
kleidet man sich in vielen Gegenden
als Pikeüvs^ um die Kinder zur Artig-
keit zu mahnen. Auch Gortzitza
kennt aus seiner in Neidenburg ver-
lebten Kinderzeit den Pikellus (JPih-
jeUus) als Knecht Ruprecht.
PakullaSy m., ein aus Klunkern ge-
drehter Strick. Mühling. Lit. pd-
kuUa^ gew. im plur, pdkuUos grobe
Hede , Schvnngelhede , Klunkern.
Nsslm. Wb., 208b.
Pakuls, m., s. Pakulks.
Päl, Dem. Pälchen, pltd. Pälke, n.,
Pfühl, Kopfkissen für zwei Personen.
In Bremen Pöly angs. pyle^ engl, pillowy
holl. peuluw. Brem. Wb. III, 351. In
Pommern Pal u. Pol. Dähn., 842a.
Hupel, 169: Pe/de.
palabinken, sw.^ den Trank segnen.
Nadrauen: päldbinti. Vgl. das Genauere
bei Pierson, Matth. Prätor., 52. 150b.
Kaum dass er einen Schluck gethan^
hebt er wieder an zu palabinken i. e,
den Trunk zu segnen und zu beten.
Ibid., 53.
Pälchen, m. u. n., s. Pälke.
Pälchenkuchen, m., Kuchen für ein
Pälchen (s. Pälke).
palem, sw.^ reden, schwätzen. Einem
etwa» vorpalem. Mnd. palleren parlie-
ren, frz. parier, Mnd. Wb. III, 294b.
Pairtsch, /., s. Politsch.
Palke, /. 1. Prügel, Stock, Knüttel;
von dem poln. paika Keule, Schlägel,
Knüttel. Flatow. Schmitt, 108. 2.
a. Palken y m.^ grofzes und einzelnes
Stück, ein Grofzes. Das ist ein Palken.
b. plur, von 1, längliche Spielmarken,
die nur 1 Point gelten. Treichel.
Pälke, Pälchen, Pfilke, PUlke, Pälchen,
Pälcher, 971., ehemalige Kupfermünze,
2 Pfennige an Wert; in Preufzen und
Polen. Vgl. Erl. Pr. V, 282. Öck heW
noch en kromm' Pelke^ Dat woU öck
gewe di. Kromni PeUce ös to wenig^ E
Groschke ös to vel! Volksr., 238, 840.
Die Bäcker sollen ein Pfund Speisebrodt
um einen PelcheUy zwey Pfund aber um
einen Ghroschen geben und verkaufen,
TaxordnuDg vom J. 1633. Hennig,
190. Lit. pellkas, peRkis; nach Hen-
nig poln. puiki (bei Mrongo vius nicht
zu finden). Nsslm. Forsch. 2; Th.,
123. Pierson, A. W., 31. Vgl. Drei-
pUlcher.
Pälke, plur.^ nach Mühling uber-
jährige Schweine.
Pälkekuchen, m., s. Pälchenkuchen.
Pälkelicht, n., Licht, das 1 Pälke
kostet, jedes dünne Talglicht überhaupt.
Er giebt keinem Deiwel ein Pälkelicht^
er ist sehr geizig. Er ist so dünn wie
ein Pälkelicht Sprw. I, 1068. 670.
Palken, m., s. Palke.
Pälkenagel, m., Nagel, der 1 Pälke
kostet. S. Klammspeicher.
Pälketopf, w., grolzer Topf. Der Vor-
satz ist hier wohl nicht Bestimmung
des Preises, sondern unbestimmte Be-
zeichnung der Gröfee. Marold.
Pälkezwerg, w., Zwerg (s. Dwarg\
der 1 Pälke kostet.
Pälkom, n., Rundgetreide.
Palmchen, n., Knöterich, Polygonum
Orientale L. Weichseldelta. Treichel,
Voiksth. m.
Palme, /., Zweig der Salweide {Sa-
lix caprea L.) mit Schäfchen, Blumen-
kätzchen, welcher in Stelle des wirk-
lichen Palmenzweiges am Palmsonntage
vom Priester geweiht wird (Ermland);
auch das Schäfchen allein. Wer am
Palmsonntage nüchtern drei (Sperber,
23: neun) solcher Palmenschäfchen ganz
118
Palme — päroeln.
verschlackt, ist für das folgende Jahr
gegen das kalte Fieber geschützt. S.
Treichel, Volksth. lU. Um die Pal-
men für den Palmsonntag zu haben,
stellt man Weidenzweige in Wasser
auf den warmen Ofen. In Bayern der
Palm. Schmellerl, 281.
Palme, /., Fischn., Barbe, Cyprimis
barbus L. (Barbus fluviatilü Cuv.). Gu-
ber. Mühling.
Palme, f., s. Palwe.
pälsch, Zuruf an Zugvieh, wenn es
rechts gehen soll. Gumbinnen.
Palte, /., gew. plur. Palten, kantige
Rasenstücke. In Hamburg, im Hol-
steinschen, in Pommern sind Palten
ab^rissene oder abgeschnittene Lap-
pen, Stücke, z. B. vom Kleide, vom
Brote, vom Fleisch. Richey, 180.
Schütze in, 188. Dähn., 343a. Im
Göttingenschen Palten^ Palken^ w., eine
grofze Schnitte, ein grofzes Stück.
Schamb., 151a. Vgl. Kampe u. Pal-
ken 2.
PaKrock, w., grober Überrock, Regen-
rock, mnd. palt-^ pakrock. Mnd. Wb.
III, 295b. Das Brem. Wb. lU, 287,
erinnert an das lat. palla langes, wei-
tes Oberkleid, Mantel. Dähn., 343a,
erklärt: Rock mit Falten. Hupel,
167.
Paltrockwindmllhle, /., Windmühle, die
sich vollständig auf Walzen dreht, die
auf einem gemauerten Eranzfundament
auf Bohlen gehen. Ich beabsichtige
meine neue Paltrock- Windmühle nebst
12 Morgen Land etc. zu verkaufen.
Kirchdarf Orlowen^ Kr. Lötzen. Kem-
mesies. Kgsbg. Allg. Ztg. vom 12. April
1882. Beilage.
Palwe, /., Urland, Heideland, mit
moosigem Gras und oft noch mit nie-
drigem Gestrüpp, meist Kaddig, be-
standen, nur als (dürftige) Viehweide
benutzbar. Den Charakter der „aus-
gerodeten Waldfläche" (Nsslm.) zeigt
die Pahoe wohl höchst selten. Nament-
lich reich an Palwen ist das Samland.
Gebauer, Kde., 8. Bock, Nat. III,
767. Hennig, 177, hat in erster Reihe
Palme^ welcher Name gegenwärtig für
Palwe nicht mehr gebraucht wird, je-
doch in Ortsnamen noch lebt: Palm-
nicken im Kr. Fischhausen, früher Pal-
weniken d. i. Leute auf der Palwe;
Palmnicken heifzt auch ein Etablisse-
ment bei Fürstenwalde in Brandenburg.
Hoppe, Altpr. M. XV, 582. Pierson,
Altpr. M. Vni, 367, weist auf lett, plawa
Wiese hin; Passarge, Balt., 29, auf
pilvis Moorerde; Nsslm., Forsch. 3,
auf poln. pohwy^ russ. polewyl, adjek-
tivische Ableitungen von pole Feld,
Ebene, später, Th., 118, auf kslav.
pljewq^ pljeti, poln. plewig^ plewic aus-
roden, jäten, kslav. pljewelu^ russ. pU-
wely^ plur. Unkraut.
Palze, /., Zehe, poln. paUc, plur.
palce. Sperber, 39.
Pftmel, Pommel, /., Dem. Pamelchen,
Pämelke, Semmel. Nach Bock, 40,
Brot aus Weizen und Butter, welches
entweder in Reihen an einander ge-
backen (also Semmel) oder auch stück-
weise verkauft wird. Schemionek,
29: Pohmel Butterstriezel mit Rosinen.
Pdmel dürfte eine Zusammenziehung
aus Paarsemmel sein. In Pommern
ebenfalls Semmel. Dähn., 343a. Ein-
derreim: Puschpuschj mtn Käterke^ wo
wärscht duf „Ö» Grofzmutte?*sch Kä-
merke^. Wat deedst du da? „Eet seete
Melk mot PämeUce.'' Volksr., 31, 119.
De Kenik trank just Zeffrahnsthee (Thee
mit etwas Saffran gemischt) on ds en
Pohmel derzu. Schaltj., 3, 7.
pftmeln, (a auch = a), sw.^ mit vollen
Backen kauen, essen.
pämmeln — Pankedorf.
119
pämmeln, sw.^ zimperlich thun, sich
zieren; verzärteln, verwöhnen. Wenns
(das Aufgebot) die ganze Gemeine mit
Ohren gehört hat: was häft das päm-
meln f Soph. R. III, 220. Sorglose Er-
ziehung und das Pämmeln und Hät-
scheln der Weiber thut dazu (daiz die
Empfänglichkeit für den Schmerz mit
den Jahren wächst) viel. Ibid. IV,
337.
pammlich, adj.^ dicht, dick, voll. Da-
for es sien Bart uck pammlichy Dei er-
sett dem käle Kopp, Nowack, 11.
Pampe, Pampel, /. u. m., Pams, m.,
Brei, dickes Mus; dicke Suppe, Breii-
ges überhaupt Die Erbsen(-suppe) sind
heute eine Pampe. Et ös reiner Pams.
In Bayern Pampf, m. Schmellerl,
285. S.Sperber, 23. Danneil, 151b.
Mi, 61a.
pampelig, adj,^ breiartig, weich, dick-
flüssig.
PampelmQs, /., dicke Mus, s. v. a.
Pampe.
pampeln, sw. 1. zur Pampe machen,
feste Speisen mit flüssigen mischen,
mengen. Brot in die Suppe pampeln,
einbrocken. Semmel oder Kuchen ein-
pampeln, in den Kaffee oder Thee tau-
chen. Bock, 40. Hennig, 177.
Schemionek, 26. 2. viel essen; dies
jedoch gewöhnlicher pampsen (s. d,).
3. verstärktes ampeln: im Schmutz pam-
peln. Vgl. paddeln.
pampsen, sw., viel essen; einstopfen:
zunächst in den Magen, aber auch in
Tasche oder Sack, dann einpampsen.
Lit. Wurzel pamp schwellen, papampu
ich schwelle auf. Pierson, Lit. Aeq.,
9. In B&yern pampfen stopfen. Schmel-
1er I, 285.
Pampssattel, Pamssattel, m., ordinärer,
hochgepolsterter Sattel, lit pampsas.
Vgl. das vor.
PampQiche, PapQtehe, /., grofzer Filz-
schuh, Eggenschuh (s. Egge), beque-
mer und warmer Hausschuh überhaupt.
Schemionek, 26: Pammpuhsen. Poln.
papti6^ plur. papucie Oberschuh; in
Bayern Papotschen, ungar. paputs (por
putsch), im Holsteioscben Pampuschers,
plur. Schmeller I, 291. Schütze
n, 188.
Pams, m^ s. Pampe.
Pamssattel, m., s. Pampssattel.
Pamuchel, m., Dorsch, s. DSsch.
panibratsch, adj,, s. panjebratsch.
Panltschken^ n., Herrchen. T reich el.
Im Fr. -Poln. panic junger Herr.
panjebratsch, panibratsch, adj., ver-
traut, familiär, du und du sein^ sich
gemein machen. Blr ist mit allen gleich
panjebratsch. Aus dem poln. za panie
bracie z kirn bic mit jemand vertraut,
wie Bruder und Bruder, leben; bracie
sich verbrüderii, Brüderschaft machen,
pan Herr. Mrongov. I, 320a. Sper-
ber, 39.
Pank, n., grolzes Stück, z. B. Brot,
Ladung Stroh, Holz. Treichel.
Panke, n., plur. Panken, Herrchen,
In Masuren Anrede für den Hausherrn.
Aus dem poln. pan Herr, mit der pltd.
Dem.-Endung ke. In dieser Bedeutung
hat auch die Bezeichnung der kleinen
westpreufz. Edelleute als Panken ihren
Grund. Droysen, Leben Yorks I, 5:
Pancken. Hintz, 114. Nach Sper-
ber, 39, Panie, Herr, als scherzhafte
Anrede auch bei den Deutschen der
halbpolnischen Gegenden gebräuchlich.
Pankedorf, n., Dorf^ dessen Areal
Pankeherren besitzen. Es zerftllt in
zahlreiche kleine Anteile, die je als
besondere adliche Güter in dem betr.
Hypothekenbuche eingetragen stehen.
Diese Anteile haben oft kaum die Gröfze
eines Bauernhofes. Panked6f*fer findet
120
Pankeherr — Pipesack.
man in Kassuben, speziell in den Krei-
sen Neustadt, Karthan^, Berendt, Star-
gard, Konitz und in Pommern hinein
bis Bütow. Mühling.
Pankeherr, m., wörtlich Herrchenherr,
kleiner westpr^ namentlich kassubischer
Edelmann, oft so ärmlich, dafz er selbst
auf seinem kleinen Besitztum mitar-
beiten mufz und seine Kinder die Herde
hüten. Erwachsen, dienen Yiele Kin-
der der Pankeherren als Knechte und
Mägde. Daher das kassubische Sprich-
wort: Ich bin Herr und du bist Herr,
wer wird aber die Schweine hüten, ja
pan i ty pan^ akto z nas bgdsie »wmie
padf MrongoY. I, 320a. Vgl. Panke.
pankritsch, adj,^ listig; schadenfroh;
engherzig. Saalfeld.
panknitt, adj.^ bankrott
panksen, «r., dumpf tonen bei einem
Stolze oder Schlage; schallnachahmend.
Dm pankste man so! Poln. pfkac knal-
len. Treichel.
Paim, Panne, /., Pfanne. Altpr. penU-
weko Tiegel (Voc 352).
pannkefett, adv.^ aus fetter Pfanne.
Parmkefett leben^ schmausen, viel drauf-
gehen lassen, schwelgerisch, verschwen-
derisch leben. Auch: Pannkefett spie^
Un. Sprw. I, 2356. In Hamburg und
Bremen bankefett speien schmausen,
lustig drauf los zechen. Riebe y,
355. Brem. Wb. I, 48. In Hessen
Pännchen fett. Vilmar, 294. Weitere
Zusammensetzungen mit Panne^ Pannkej
s. unter Pfanne etc.
Panse, m., erster Magen des Rind-
viehes; verächtlich auch vom Men-
schen: Mei mot den Pause anvmer voll
hebbe.
Pant, Pante, lit. j:>anto, /., Verbindung
von zwei Säcken oder Wentem. Je
nach den Fischen, die mit der Pant
geÜEmgen werden, giebt es Aal> HecM-
n. SchiOpelpanten. Nach Sperber, 23,
ist Pante der Stock an der Lachswehr.
Vgl. Sack u. Weiiter.
Pantoffeiwerfeii , n., s. Schlorrcben-
scbmeifzen.
Pantsack, m., s. v. a. Pant^ Pante.
Pantsche,/., pantschen, str., s. Patsche.
Pap, plld. Pap {a = d)^ w»., Geist-
licher, PfaflFe. De Pap es e Vaterunser-
krämer, Jerrentowitz. Wenn de Pap
lachte es en de Hell Jahrmarkt. Dzg.
Nhg. Sprw. 1,2862. Da liggt de Drech,
sdd de Pap on let dat Kind Jolle. Ebda.,
2435.
Paparz, Pflzn., Wurmfarn, Pölys^
chum fiUx mos Rth.^ poln. paprocz^
)ji.pap<uiis. Hagen, 1098. Treichel,
Volksth.
Pap^ngelchen, n., Reim wort zu En-
gelchen: Engelke Papengelke, Wer wat
gofft öi Engelke^ Wer nuscht göft^ 5s
Diewelke! Engelchen Popengelchen etc.
Volksr., 93, 393. 394.
pApem, mc. 1. plappern, schwatzen.
Davon GepSper, n. Paper paper! was
ist das gesagtf Soph. R. IV, 93. Pa-
per^ PapeTy lederne Weisheit! Ibid. V,
11. Was Herr Puf d4is Paperpaper
der Gänse nennt Soph. R. V, 481.
Dafz man ihnen vom hübschen jungen
Bräutigam vorpapert. Ibid. VI, 418.
Jukhen^ wie wirst du also^ alles dies
Grepaper kurz zusammengefafzty deine
Kinder erziehen? Soph. R. H, 410. 2.
Nach Mühling im Elrmlande: betteln,
bitten.
Pflpersch, auch Papfirflege, PapMIie-
gen, plur.y ganz kleine Mücken. Sam-
land.
Pftpesack, m., Pfaffensack. Pt^ack
hat keinen Bodden. Pdpensack on Mei-
lers Mdt waren nich voll. Vgl. Sprw.
I, 2899 f. Paupesack wat nimme satt,
Konitz.
Papke — Pardel.
121
Papke, Pupke, t»., Wasserhuhn, s.
Hurdel.
Pappe, /., Kinderbrei, Mus, womit
man kleine Kinder, denen die Mutter-
milch versagt bleibt, ernährt. Ital.
papa^ engl, pap, in Bayern Papp, m.
Schmellerl, 290; in Hessen Papp,
BappSy Praps. Vilmar, 294. Anton,
3, 6. Mi, 61b.
päppeln, sw,, viel sprechen, ungereimt
und sinnlos sprechen, unverstaadlich
sprechen. Ach, pappel nicht! Er päp-
pelt in einem fort. Hiervon: Gepappel,
n. In Bayern noch: pappeleny pappem.
Schmeller I, 290. In Posen auch
papeln. Bernd, 199. Danneil, 152a.
Mi, 61b. Vgl. pdpem,
Pappelpoten, plur., s. Poten.
pappen, 9w. 1. ein Kind mit Pappe
speisen. Ebenso päppeln. Das Kind
mufz aufgepappt (H e n n i g , 177), auf-
gepäppelt werden, es erhält keine Mut-
termilch, wird mit Pappe genährt. 2.
ein Geschwur pappen^ es durch warme
Umschläge von Pappe, Grützbrei etc.
erweichen. 3. essen. Pappe got, done
nuscht, essen gut, thun nichts. Sprw.
I, 2864. Papp' Brotke möt, üz das (in
die Milch) gebrockte Brot mit. Vgl.
Tutti.
Papphahn, m., Silbermünze, 8 poln.
Groschen an Wert (20 alte Pfennige).
Westpr. Thorn.
Pappstoffel, m., ungeschickter, unbe-
holfener, eckiger Mensch, Stoffel (Chri-
stoph), der eigentlich noch gepappt wer-
den müTzte. Treichel.
papsten, sw., cacare. Einen Papst
setzen, Treichel.
PapQtehe, /., s. PampQfehe.
Paradies, n., preufzisches, ehemals die
Pillauer Halbinsel. Ist aber irgendwo
eine angenehme, und mit unzehlichen
Veränderungen ausgeschmückte Gegend
in Preu/zen anzutreffen; so ist es die,
in einem Haken von zwey Meilen be-
griffene Halb-Insul^ welche den Weg von
Pillau nach Fischhausen ausmachet.
Nicht nur die unvergleichliche Lage die-
ser Gegend, sondern auch der üeberflu/z
aller Sinn und Gemüth ergetzender Dinge
rechtfertigen ihre Benennung, da man
sie absonderlich das Preuf zische Paradies
heisset. C. H. Rappolt, Von dem sog.
Preuli. Paradiese. Erl. Pr. V, 583.
Wöchentl. Königsbergische Frag- und
AnzeiguDgs-Nachrichten. 1738. No. 27.
Bock, Nat. I, 550. Sprw. I, 2865.
Paradiesvogel, m,, Fichtenkembeii'zer,
Fringillaenu>cleator]\d,})l^h\ing, Tiem.,
175.
parat, porat, adv., bereit, fertig, öck
st all parat. Moak di OWr toW Reü
poroat. Dorr, 41.
Parcham, m,, Wallgang um das rechte
Haus der Marienburg, zugleich Be-
gräbnisstätte der entschlafenen Brüder.
Passarge, 267.
Parchem, m., Parchent, Barchent. In
Pommern Parcham, n. Dähn., 344b.
pardauks, interj,, s. pardauz.
pardauz, pardauks, perdauks, perdauz,
perduz, pordauz, porduz, interj., schall-
nachahmend; zur Bezeichnung eines
Falles, namentlich eines Falles von der
Höhe. Pardauz, da lag er. Perdautz,
so lach (lag) eck da. Cami. nupt V,
190 d. Hiob,hiob — perd^iuksch ! ^ oiksr.,
35, 136; 37, 140. Porduz fiel es her-
unter. N^. bräz, bums,plauksch,schmauks,
schnippsy schnurr, Schwapps. In Bremen
perduus! Brem. Wb. in,309. In Pom-
mern perduuz, Dähn., 347a. Lit.
4 padaukus eiti in Trümmer gehen. Lit.
Aeq., 20.
pardauzen, porduzen, sw,, fallen mit
Geräusch umstürzen. Hennig, 191.
Pardel, m. 1. gemeiner Kiebitz. Bu-
122
Pardöropel — Parowe.
jack, 382. S. Kiwit. 2. ein kleiner
Hering, eigentlich die Sprotte. Dzg.
Mühling. 3. Pflzn., Flachsseide, CtLS-
cuta, Wohl von Pardel^ Perdel = Perle,
da die Bluten Perlknöpfchen gleichen.
Pardtfmpel, m., Dümpel, Pfütze mit
schmutzigem Wasser. Da weer en
grojzer Pardempel met lauter Klieter-
Wasser^ on da mofzt ech dorcK Schaltj.
1, 438.
Pardon, m., das iTz.pard(m. Pardon
gewey Quartier gebco, das Leben des
Feindes schonen; verzeihen.
parfire(n)y sw.^ gehorchen, dem Be-
fehle Folge leisten, parieren, lat. parere.
S. Order.
parfisisch, adj.^ von Pareske.
Parftske, m., Bastschuh, Sandale aus
Lindenbast, auch heute noch von den
polnischen FlöJ'zknechten vielfach getra-
gen. Litauen. Masuren. Schon die
alten Preufzen haben Paresken getragen,
wenn das Bild eines Preufzen bei
Hartknoch zuverlässig ist. Markgraf
Albrecht pflegte scherzweise zu sagen,
er wäre so reich an Schustern, dafz
er allein im Insterburgischen Sprengel
15000 habe, d. h. Leute, die ihre Schuhe,
PareskeUj selber fertigen. Act. Bor, I,
549. Ein Edikt d. d. 1. August 1724
untersagte die Abschälung und Ver-
stümmelung der Bäume behufs Gewin-
nung des Bastes zur Anfertigung der
Paresken. Auf die Reizken- Püzken-
und Nüsseleser und Paresischen Bast-
holer sollen die Kirchenväter fleif zig Ach-
tung geben, Insterburg. Kirch.-Visitat.-
Ordnung. Die Strümpfe und Schuhe
oder Parrösken der Leute Iqfzt bald die
Wirthin wegnehmen und aufheben. Pier-
son, Matth. Prätor., 55. Wo hast
du deine Paresken gelassen? Frage an
solche, die sich aus niedrigem Stande
emporgeschwungen und nun im Glücke
übermütig sind. Hennig, 78 f. Wenn
aus dem Paresken ein Schuh vrird^ dann
weifz er nichts wie er sich anstellen soll.
Über eine zu „dick" geratene Vorspeise,
Grütze, Mus etc., kann man mit Pa-
resken gehen — sie ist so dick wie Pa-
reske. Sprw. I, 2866 f. In der Saal-
fe^lder Gegend nennt man jeden be-
quemen, alten oder häfzlichen Schuh
der, auch die Paresk, Nach Mühling
heifzen diese Schuhe in Livland Pas-
sein; in Litauen heiizen sie wyzios. Die
Wurzel liegt in dem preul'z. Verb rist,
reist binden, im preulz. Katechismus
sen-rists^ part verbunden, per-reist^ inf.
verbinden. Dem entsprechend hat das
Lit. iiszü^ riszti, auch partszti binden.
Nsslm. Forsch. 2; Th., 120. Bock,
40. Bock, Nat. I, 131; III, 31. 126.
Vgl. Wuschen.
Par§skenmacher, m., Verfertiger von
Paresken. Komm' mit mir nach Tilsit
herrain^ Allda wo die Pareeskenmacher
sain! Volksl, 65, 43, 7.
parforsch, perforsch, adv.^ aus par
forcßy mit voller Kraft. Fafzt e mal
alle mit par forsch an! Vgl. forsch.
Parisklirner , plur. , Paradieskörner,
Grana paradisi. Mühling.
Parkmör, m,, s. Pakmör.
Parlenke, /., s. Perlenke.
Paroky m.y koboldartiges Wesen, wie
Alf und Latallitz (s. d.). Litauen. Ma-
suren. Treichel. Parok = Diener,
wie T. angiebt, nicht nachweisbar; da-
gegen poln. parobek Knecht.
Parowe, Porowe (zweite Silbe kurz),
/., Schlucht, Thal, Regenschlucht, Grund
im Walde, Waldschlucbt. Von dem
poln. parow, m., parowa, /., hohler
Grund, Schlucht, Defilee. Sperber, 39,
erklärt: längliche Bodensenkung im
Parpel — pasem.
123
Acker. Schmitt, 108; Westpr., 166.
Pierson, Altpr. M. VIII, 367. Nsslm.
Forsch. 3; Th., 120.
Parpel, tw., dor Perpel, Alosa finta
Cuv,^ bei Hennenberger, 29, Porpel,
lit. perpeh^ perple^ perpele. Ben ecke,
167. Pierson, Matth. Prätor., 15.
ParechbUchse/., Pirsch-, Birschbüchse,
Jagdgewehr. . . . loenn beyde Augen das
Korn auf einer Parschbück&en sehen, so
ists unmüglich, da/z mit beyden Augen
der Zweck mag gerade ersehen werden
in einem Punct Linem., Y la.
Parsche, /., Käsepresse. Werder.
parschen, sw., müi'zte, da Parsche die
Eäsepresse ist, zunächst das Auspressen
des Eäsewassers bezeichnen; sodann:
Wasser heftig ausgiefzen, vergieizen;
auch in der ZusammensetzuDg: auspar-
SChen. Werder.
pärschen, sw., s. pirschen.
Part, 7n., Teil, Ajiteil, pars. Op min
Part keme 100 Däler, Wegen mein Part
kann er kommen oder dableiben = mei-
netwegen etc. Anpart, w., Anteil, Erb-
teil. Daran heft hei kein Anpart, dar-
an hat er keinen Anteil, darauf darf
er keine Ansprüche erheben. Samland.
Partie, /., Partei, auch Teil. Auf
meine Partie, Bei Jeroschin: imjdre
1228 begundin in Italid dt parthten we-
sin sd Gelfin unde Gibbeltn lOd. eine
partie (:drie) er kegn Masow sante 100a.
Pfeiffer, 203.
partfl, adv., durchaus, unter allen Um-
ständen, schlechterdings, frz. partout.
Dat do öck partu. He wuU partu Sol-
dat speie, er wollte durchaus Soldat
werden.
pamichelig, adj., unordentlich, nament-
lich in den Haaren. Ein paru^chelges
Frauenzimmer^ auch kurz Pamichel,
Panisel. Treichel.
Panisel, m,, Fladen, Flamm wecke^
meist mit Schmalz abgemacht und für
gewöhnlich auf dem Herde und nicht
im Backofen gebacken. Mühling.
Nsslm. Forsch. 3; TL, 219. Vgl.
Flammfladen, Flammwegg', Platz.
paschen, sw, 1. mischen, die Karten;
auch verpaschen. Sperber, 23. 2.
kein sicheres Spiel in der Karte haben,
nicht mitspielen, passen; firz. passer^
ital. passare. Nei! Nei, öck pasch daby^
öck wöü gar kein Gewönn. Carm. nupt
IV, 59c.
Paschntr, n., Spange, Gürtelspange.
Wir umnschen dem Fräulein ein goU-
nes Paschnir, Aufs andre Jahr 'nen
jungen Offizier, Aus einem Brumm-
topflied im Kr. Neustadt. TreicheL
pascholl, adv., vorwärts, weiter, fort!
als Zuruf. Russisch. Sperber, 45.
Sallmann, IIb.
Paschur, f., bedeckte Vorhalle an den
litauischen Wohnhäusern. Labiau.
Päserjunge, m., s. päsern.
päsern, päsern, pfisern, pösern, pttsem,
sw. 1. mit Feuer spielen, im Feuer
wühlen, oder schüren, in einer Licht-
flamme „maddern^. Se pesert mank
de Kohlen. Pdser nicht immer im Licht^
du wirst noch einpissen! Nach der
Volksmeinung pissen Kinder, wenn sie
mit Licht oder Feuer spielen, ins Bett.
Ich hohe den ganzen Tajg pdsem müssen^
am Feuerherd stehen müssen; nach
Hennig auch: in der Sonnenhitze ver-
brennen müssen. 2. Feuer anmachen
(Kohlen brennen?) auf dem Herd, im
Walde und auf dem Felde. Sintemal
auch aus dem ungebräuchlichen (unge-
bührlichen?) Posem viel Schaden ge-
schehen, und dadurch die Weide samt
den Heyden leztlich verwüstet werden^
so befehlen wir^ dafz sich hinfort nie-
mand nach Phüippi und Jacobi anzu-
fahen^ bis auf Michaelis an einigen Ort
124
Pllfllack — Possenheim.
zu posem unterstehe. Landes -Ordg.
des Herzogth. Preufzen v. Jahre 1640.
Hennig, 179. 3. das Feuer schüren
und unterhalten, heizen. In der Niede-
rung ist dazu ein besonderer Dienst-
junge: Paserjunge, der die Strohbundel-
chen, mit denen man das Feuer unter-
hält, einzeln in's Feuer zu werfen hat.
Passarge, 220; auch Ofenpäsrick, pltd.
Awepäsricky wenn er das Geschäft des
Ofenheizens hat. 4. böswillig Feuer
anlegen. Er hat gepdset^t. Davon ab-
pösern niederbrennen; in der Lötzener
Gegend abpäsern auch im Gesicht ver-
brennen, anpfisern, anbrennen, in Brand
stecken, verpfisern, verbrennen. Sie
verpesert unnötig Holz, 5. einräuchem.
Em Schorateen hangen se em (die Be-
wohner von Lichtenau den Mönch) op
On mooken Fiet* an bald derop^ Se pee-
serden em graulich sehr^ as wenn hei
Worscht on Schinken weer. Dorr, 32.
Poln. pozar die Feuersbrunst, altpr.
panno das Feuer (Voc. 33): entstellt
liegt panno in lit. püszkinti verbrennen,
deutlicher in pdsem, pösem, Lit. Aeq.,
8. Nsslm., Th., 219, weist darauf hin,
daTz pdsem nahe anklingt an lit. pä-
zeriu^ paz^t% Simpl. imw, i^^ti in den
Kohlen, im Feuer schüren, womit auch
altpr. passortes Schürstange (Voc. 334)
zusammenhängt. Sperber, 24, erklärt
abweichend und im ersten Teile wohl
kaum zutreflFend: pesem mit dem Fin-
ger oder einem anderen Glied hin- und
herfahren, namentlich sich in dieser
Weise mit Licht oder Feuer zu schaflen
machen. Vgl. Bock, 41. Hennig,
179. Schmitt, 108; Westpr., 166.
Pierson, A. W., 35.
Pftslacky m. 1. Mensch, der päslackty
freiwilliger Diener, Dienstbeflissener,
dessen Hilfe andere gern und viel bean-
spruchen, Packesel. Was fallt dir ein?
Denkst du, ich bin dein Pdslack f In
der Gegend von Saalfeld auch Passlack;
nach Mühling Passlack aufzer Diener:
Aufpasser, Spion. Davon Päslackerei,
/., beschwerliche Arbeit ohne Entgelt;
nach Gordack auch Lumpenwirtschaft,
Schlunzerei. Poln. poslac schicken, hin-
schicken, senden, postaniec, poslannik
Bote, lit. pdslas. Schemionek, 27.
Sperber, 39. — 2. Anschnitt (Köpf-
chen) und Endrest des Brotes. Müh-
ling.
päslacken, sw., umsonst und ohne
eigenen Nutzen sich für andere ab-
mühen, andern oft und ohne Dank Ge-
fälligkeiten erweisen, für andere gern
und meist ohne genügende Belohnung
kleine Arbeiten verrichten. Er pds-
lackt den ganzen Tag bei ihm herum.
Er mu/z für jeden pdslacken. In Pom-
mern in ähnlichem Sinne pdsein, posein.
Dähn., 356a. Vgl. Pdslack.
Pasorren, plur., s. Pisorren.
passen, »w. 1. messen, im Mafz zu-
treffen. Die Schuhe passen nicht, sie
sind zu klein oder zu grol'z. Das pafzt
auf ein Haar. Das pafzt wie die Faust
aufs Auge — wie der Hamen auf den
Nagel — wie Pint op Gret. Dat pafzt
wie fer Annke toWMötz. Sprw. I, 2870 f.
3. reflexiv : sich schicken. Das pafzt
sich nichty verstölzt gegen die Sitte.
4. merken, aufmerken. Pafz Achtung!
Hennig, 179. 2. gefallen, anstandig
sein. Das pafzt mir nicht, das sagt
mir nicht zu. Pafzt mt nich ^nöt aller-
hand Mansche to verkehre, öck verdarw
mt de Kundschaft. Sprw. I, 2876.
Passenheim, Ortsn., Stadt im Kreise
Orteisburg. Die Bewohner werden
spottweise Passenheimer Rüben genannt,
weil in der Umgegend der Stadt von
Feinschmeckern geschätzte Rüben ge*
baut werden. Sperber, 27.
Passlack — Patsche
125
Passlacky ^n., s. Päslack.
Pasteln, plur., eine Art Schuhe, ähn-
lich den Paresken^ aber von Leder-
riemen geflochten ; lett. pastalas. N ss Im.
Forsch. 3; Th., 121.
Pasternak, m., Pastinak, Pastinaca
sativa L., poln, pastemak^ lit. paster^
nokas. Hagen, 333. So nackt wie e
Pasternak. Sprw. 1, 2710. Pasternak
auch als Familienname. Sperber, 39.
paswälken, sw,^ arbeiten.
pafz, adv,^ recht, passend, zur Be-
zeichnung des Mafzes, der Zeit, des
Erfolges. Die Stiefel sind mir pafz^
sie passen. Er kommt zu pafzy er
kommt eben zu rechter Zeit. . . . wel-
ches aber der Nördlichen Dorfschafft
besser zu paskomet^ zu gröfzerm Nutzen
und Vorteil gereicht. Linem., Zz la.
Vgl. pafzmat
Pafz, m. 1. Gurt, Leibgurtel, früher
die bei den Bauern übliche lange grüne
Schärpe um den Leib. Von dem poln.
pas GürteL Eine Pa/z- oder Leibgür-
telfabrik ist 1777 in Stolzenberg an^
geleget. Bock, Nat. I,. 680. Ist der
Gürtel bandartig, so heifzt er Pafzband,
n. 2. jeder gürtelartige Saum, nament-
lich der Armelschlufz im Hemde am
Handgelenk, an Plätthemden die Man-
schette. Der Rockpa/z^ Gürtel, Taillen-
band am Frauenrock. Sperber, 38,
Nsslm. Forsch. 3; Th., 120. Hennig,
159. Vgl. Querdel.
Palzglas, n., hohes cylindrischesTrink-
gefafz mit gleich weit von einander
angebrachten Reifen als Mafz. Aus
dem mnd. pajs^ m. Mafz. Vgl. Wei-
gand n, 311. Bock, 41. Hennig,
179.
pa(zmät, adv.^ eben recht, rechtzeitig
und genügend, zumafz^ zupafz. Zur
Bezeichnung der rechten Zeit und des
rechten Mafzes. Da kam ock pafzmat^
sagt man, wenn man während der
Mahlzeit in eine Stube tritt Aus passen
und messm oder dem mnd. pas u. mät.
Ebenso in Pommern. Dähn., 346a.
Patengeld, pltd. PadegSld (a = a), n.,
das von dem Paten für den Täufling
eingebundene (dargebrachte) Geldge-
schenk, Patengeschenk.
patem, sw.^ s. praten.
Paterswaide, Ortsn., Kirchdorf im Er.
Wehlau. Vgl. Schallen.
Patron, m., Schimpfwort auf einen
durchtriebenen, verschmitzten, unnützen
Kerl oder Knaben. Warf er^ Patron^
ich werde ihn kriegen! Oft auch im
Dem.: Patronchen, ich kenne dich!
Patsch, m. 1. schlammiger Boden,
Schmutz, Strafzenkot, Blott (s. d.).
Auftauender Schnee bringt grofzen
Patsch. Vgl. Matsch. 2. Patsch^ /., Hand,
s. Patsche.
Patsche, /. 1. unsauberes Wasser,
unreine Flüssigkeit, die man weggiefzt,
verdorbenes Getränk. Zur Aufnahme
der Patsche steht in der Küche als Pen-
dant zur Dranktonne^ welche die noch
als Schweinefutter brauchbaren Speise-
reste aufnimmt, der unappetitliche Patsch-
eimer, dessen Inhalt in Königsbg. ge-
wöhnlich in den Rinnstein, die Gosse,
entleert wird. 2. mürbe Gewordenes,
stark Erweichtes, Verfaultes. Die Bir-
nen sind eine Patsche. Davon zerpat-
SChen, sw., zu Patsche machen, zer-
drücken, zerquetschen, zerwühlen. 3.
bildlich: Verlegenheit, Verwirrung
(Bredouille), Verwickelung, Elend, Not,
üble Lage überhaupt Einen in die
Patsche bringen. Er steckt tief in der
Patsche.
Patsche, /., Dem. Patschchen, pltd.
Patschke. 1. Hand. Doch wie eck
em de Patsch tooU rehke. Nowack,
25. CHeb mir dein Patschchen! Geben
126
Pat8cheirner — patzig.
Sie das Patschgen^ geben Sie! Soph.
R. ni, 193 u. öfter: IV, 155; VI, 341.
527. 2. übertragen: Tatze, Fufe. 3.
schallender Schlag mit flacher Hand,
und dann gewöhnlich Patsch.
Patscheimer, m., s. Patsche.
patschen y sw, 1. durch den Patsch
gehen; in der Patsche y aber auch im
Wasser mit den Händen rühren; in
Speisen übersatt oder suchend herum-
wühlen. In Bayern bätzen^ in Hessen
bätschen, im Holstein, patschen, in Po-
sen panschen^ in Estland panschen und
pantschen\ so auch in der Niederlaus.
Schmeller I, 228. Vilmar, 27.
Schütze III, 187. Bernd, 199. Sall-
mann, 37b. Anton, 11, 8. Hennig,
180. 2. mit den Händen schallend zu-
sammenschlagen, mit flacher Hand
schlagen, auf die nackte Haut klatschen.
Patsch in't Eandke! Volksr., 29, 114.
3. mengen, mischen, manschen, Speisen
unappetitlich und unreinlich bereiten.
Vgl. matschen. 4. etwas in schlechter
Weise ausführen, schlecht herstellen,
fertigen. Sperber, 23. Über die ur-
sprüngliche Bedeutung von patschen
(fünfe zählen) s. Grimm, G. D. Spr.,
244. Rochholz, 136. Vgl. kttern.
In Zusammensetzungen: auspatSChen,
sw,y Flüssigkeiten durch Patschen ver-
schütten; nach Mühling auch: aus-
baden, entgelten, was man verschuldet;
sich selbst aus einer Verlegenheit her-
aushelfen, also aus der Patsche ziehen.
bepatschen (s. d.). durchpaischen, durch-
wühlen, durchrühren; durch Schmutz
patschen, einpatschen, durch Patschen
mit den Händen vollschmutzen; zur
Patsche werden, verpatschen, wie aus-
patschen in gewöhnlicher Bedeutung;
dann aber auch verderben, überflüssig
gebrauchen. Das ist alles verpatscht
Butter verpatschen — Papier verpat-
schen.
patschenafz, adj.^ ganz nai'z, so nafz,
dafz man den patschenden Laut hört.
Ebenso in der Niederlaus. Anton, 11,
8. Auch patschnafz u. pitschenafz.
Patscherei, /. 1. Wühlerei in der
Patsche, in Wasser überhaupt, und da-
durch Schmutzerei. Mache nicht solche
Patscherei! 2. Schmiererei; von schrift-
lichen Arbeiten, Malereien. 3. nach
Mühling ein ungesittetes, unpassen-
des Verfahren.
Patschfu(z, m.y Fufz der patscht; im
Tierräts., 80, Name der Gans: Patsch-
folke geit äwer de Brügg. S. Plattfufz.
Patschhand, /, eigentlich Hand-Hand.
Dem. Patschhändchen, n. Zu Kindern:
Gieb mir ein Patschhändchen! Vgl.
Patsche.
patschig, adj. 1. von Patsch, schmutzig,
kotig. 2. regnerisch. Das ist ein pat-
schiges Wetter. Ebenso matschig; vgl.
auch quatschig.
patschna(z, adj., s. patschenafz.
Patschwasser, n., patschiges, unsau-
beres Wasser; schlechter Eafiee. Vgl.
Kiichel- u. KTterwasser.
Patweide, /, Weide an den Land-
wegen, deren Aste zu Zäunen und Fa-
schinen abgehauen werden. Westpr.
Niederung. Mühling. Pate, f. =
Pfropfreis, junger Stamm, womit man
die Deiche bepflanzt; die abgehauenen
Äste dürften also mehr als Stecklinge
benutzt werden. Frisch, Wb. H, 41c.
Patze, /., backsteinartiger Baustein
aus einem Gemenge von Lehm und
Grand zum Aufbau von Wirtschafts-
gebäuden; auch Lehmpatze. Treichel.
Patzern, m., alles, die Gesamtheit.
Da hast dem ganze Patzern. Vgl. PrÄZ.
patzig, adj. u. adv., kühn, keck, wich-
Paudel — pauken.
127
tig thuend, übermütig, aufgeblaseo;
grob, trotzig, aufsätzig, widerstrebend.
Patzig gehen, stolz, forsch einherschrei-
ten. Ich sah^ wie ich vor dem Johann
pazig wie ein umringter Beutekchneider
vorbeiging. Soph. R. I, 449. Patzig
thun, sich dorch Gebärde und Wort
ein Ansehen geben. In HamhuTg pratzig,
in Augsburg und Hessen bazig, batzig,
in Pommern paddsig. Richey, 192.
Brem. Wb. III, 301. Birlinger, 50.
Vilmar, 27. Bernd, 204. Anton,
3, 6. Mi, 62a. Hupel, 169. Hen-
nig, 181. Vgl. Weigandll, 316.
Paudel, /., aus dem ursprünglichen
pltd. PQdel vhchd., Dem. Paudelche,
pltd. Püdelke. 1. kleine ungenagelte
Eiste, Schachtel, gewöhnlich aus Lin-
denrinde und Bast und alsdann Bast-
paudel; schachtelartiges Gefäfz von Holz
oder Blech überhaupt: Teerpaudel, Poln.
pudio, lit. pudlas; ahd. pütil Beutel,
Korb, Schachtel. 2. in früherer Zeit
Trinkge&('z, Bierglas. Stephan Schütz
wird, weil er y,au^ mutwillen mitt den
fettsten etMche paudeln zvhrochen, zu
ein halb last bier^ verurteilt (Morgen-
gensprache vom 19. Mai 1595.) Es
hetten die Eiter- und Garüeuihe schon
den 10. Maji mit kannen vff die gasse
vnd mit pudeln zuschencken angefangen
. . . dass sie ehe vnd wann der Garten
recht geöffnet, drittehcdb wochen lang
mit Kannen auf die Gasse vnd mit
Pudelgldsem geschencket etc. (Morgen-
sprache vom 13. Juni 1670.) Die Zünfte,
33. 29. 3. ehemals Gefafz zum Wasser-
tragen bei Feuersbrünsten, Feuereimer.
Da/z ein jeder, welcher Haus und Hof
hält, wenigstens zwei Paudeln bei der
Stadt Bufze haben, und jeglicher Haus-
wirth, wenn ein Haus anfängt zu bren-
nen, bey drey Schillinge Strafe Paudeln
mit Wasser das Haus zu loschen, da/iin
bringen soU. Königsbergische Willkür
von 1394. Hennig, 180. In der
Landesordnung des Hochm. Konrad
von Erlichshausen pawdelkromere. Ja-
cobson, Gesch. der Quellen des Kir-
chenrechts I, Anh. 293. Nsslm. Forsch.
2; Th., 144. Hupel, 181. Sallmann,
50b. Bock, 41. Hennig, 180. Vgl.
PQdel.
Paudel, (?), Fischerkahn mit Behalter.
Drausensee. Mühlin g.
Paudelkrämer, Paudelträger, m., ehe-
mals Händler, welcher Galanteriewaren
in kleinen Kasten (Paudeln) umher-
trug, Hausierer. Spottweise heifzt auch
ein kleiner Kaufinann Paudelkrämer,
Vgl. Putchenkrämer. Wir befehlen und
wollen auch, dafz sich aus Königsberg
und andern Orten unsres Herzogthums
keine Bömsteindreher, Krämer, Paudel-
träger an dm Seestranden und dazu
gehörigen Dörfern auf Samland an ir-
gend einem Orte finden lassen. Böm-
steins-Ordnung v. J. 1641. Hennig,
180.
Paudelmacher, m., Yerfertiger von
Paudeln.
Paudelschwarz, n., Kienrufz. Müh-
ling.
Paudelträger, m., s. Paudelkribner.
Pauer, m., Bauer.
pauerklug, adj. u. adv., klug wie ein
Bauer, klüglich. . . . werden die grosse
Erdgewächs, als obgedachte rothte Rü-
ben etc. mächtig starck ins Kraut schiessen^
wefzwegen sie leicht ins schössen gerathen,
wo ihnen nicht Paurklüglich begegnet
wird. Linem., Bbb 3a.
Pauke, /., Schläge, Hiebe. Es giebt
Pauke, Hiebe, als ob auf die Pauke los-
geschlagen würde.
pauken, sw., auf die Pauke schlagen;
dann schlagen überhaupt, prügeln, und
dies auch in Zusammensetzungen: auf-
128
Paukerei — Pechfister.
pauken, auspauken, durchpauken. Hen-
nig, 16^ hat für aufpauken noch: je-
mand hart anlassen, ihm widersprechen ;
M ü h ] i n g , für auspauken aasschwatzen ;
durchpauken auch: mit einem Schüler
eine Lektion gründlich durchnehmen.
einpauken ähnlich: eine Lektion ge-
dächtnüzmäfzig feststellen. Sich zum
Examen einpauken. Fähnriche ein-
pauken^ zum Fähnrichexamen vorbe-
reiten.
Paukerei, /., Schlägerei, Prügelei.
Studentisch.
Pause, /., Absatz, der durch zwei
wirkliche Pausen (Ruhepunkte) begrenzt
ist. In drei Pausen läuten^ dreimaliges
Geläute. Marold. Vgl. Puls.
paustrig, adj.^ s. pQstrig.
Pauten, pZur., die Hoden; lit. pautas
Hode, Ei. Marold.
Pdutkenbeere, /, Fracht der falten-
blättrigen Brombeere, Rubus fructicosus
L. Die Lit. Aeq. versuchen die Zu-
rückführung auf das lit. pautas Ei ; nach
Nsslm. handschr. Bemerkung ist das
Wort deutsch. Hennig, 180.
Päw, Bäw, m. u. /. 1. Pfau. Lat
pavOj angs. pawa, pauw, altpr. pouns
(Voc. 773), poln. paw, lit. pöwas^ lett.
pahws^ bayrisch Pfaw^Pfabj hol\. paauw,
pomni. Pageluun^ im Göttingenschen
päwelün€y pdwelüneke^ pdgalün^ pdge-
lüne. Schmellerl, 326. Schamb.,
152 b. 2. Frosch. Die Kartoffeln sind
schorfig wie e Pdw. Vgl. Pogge.
PäwedVtke. Dat Pawedötke schWk sick
Smmer nöger her, Carm. nupt I, 282.
10. En Pawedetcken quam (aus der
Schaar der geputzten Hochzeitsgäste),
moackt my ön Ijowerentz, Ibid. V,
190 d.
PäwefTst, PoggefTst, ^., Bovist, Bo-
vista. Sperber, 44: PuhfiesL
Pawel, m. Vom., Paul. Hart wich,
54. Poln. pawel.
Pawese, (?), Schild, scutum. Müh-
ling.
Pawesen, Ortsn., Dorf im Kirchspiel
Niebudfzen, Kr. Gumbinnen. Ue ös
üt Pawese^ wo de Hund op Schlorre
gdne on möt 'n Arsch belle. Na nü
wird Tag in Pawesten — nü ös Dag
on Pawese! jetzt kommt er endlich zur
Einsicht. Sprw. I, 3697. V^. Per-
wuiche.
Pawirpen, plur.^ s. Powirpen.
Pawluner, ungeschicktes, zerflickertes
Schuhwerk, oder dergl. Handschuhe.
Marold.
Pawnutz, (?\ Dickmaul, angelaufene
Lippe. Mühling.
pawupps, interj, zur Bezeichnung
schneller Bewegung. Pawupps ön'tBedd.
Volksr., 92, 389. Vgl. wupps.
Pazuren, Pazoren, plur.^ verächtlicher
Ausdruck für die Finger; poln. pazur
Klaue, Kralle, Fingernagel. Sperber,
39.
Pechboden, m. An den Ufern der
Weichsel finden sich in gröfzerer Aus-
dehnung die schwereren Thonablagerun-
gen vor^ welche mit mehr oder weniger
Crrandr- und Sandbeimischung oft in
einem wenig humusreichen, sterilen und
deshalb schwer ackerbaren Lehmboden an
die Oberfläche treten und unter der orts-
üblichen Bezeichnung Pechboden bekannt
sind, Prov. Preui'z., 470.
Pechftster, pltd. PVchftster, w., Spott-
name für den Schuster. Schuster^ Pöch-
fister^ Drahtklemmer — schnurrts! Kö-
nigsberg. Sprw. I, 3430. Schusta^ Ka-
pusta^ Drahtdrella, Pöchftsta — schnurz!
Samland. Schoste, Klaboste, Peckftste etc.
Jerrentowitz. Volksr., 82, 334. In
Augsburg Pechßsel^ im übrigen Schwa-
Pecbhaube — Pedker.
129
ben Pechfidlay im Holsteinschen Pik-
fiester. Im Göttingenschen Pekeftst^ Peh-
ftst^ in der Altmark Peckftster. Bir-
linger, 89a. Schutze III, 209.
Schamb., 153a. Danneil, 153b. In
Bremen heifzt der Schuster Pekedraat/m
und Meister Pekedraat Brem. Wb. HI,
812.
Pechhaube, /., Perücke, welche die
jüdischen Frauen tragen. Wenn de
Hoor em ganz utgähne^ Sett hei sock e
Pechhaub op. Nowack, 11.
Pechhütte, /. Dein Freund bis in die
Pechhütte^ bis zum äufzersten, letzten.
Treichel.
Pechlicht, n., Pechkerze, Kerze von
schwarzem Unschlitt, welches zu aller-
letzt aus den Grieben gebrannt wird.
Brem. W. IE, 312. Er giebt keinem
Teufel ein Pechlicht — ein Endchen
Pechlicht, er giebt auch nicht das Ge-
ringste, ist geizig. Sprw. I, 1068. In
Pommern Picklicht Dähn., 349a.
Pechtanne, /., s. Tanne,
pechteerschwarz, adj,^ zur Bezeichnung
tiefer Schwärze. Ygl. kohlrabenschwarz.
Peckel, m.y s. Pickel.
PM, Peed, Pflzn., Quecke, Triticum
repensL, Hoch -Pal eschken. Treichel,
Volksth.
peddeln, sw,^ s. paddeln.
Pedder, m., Puder.
peddem, sw.^ streuen, pudern. Sche-
mionek, 27: peddem stochern im Licht
oder Feuer, wohl Verwechselung mit
päsem s. pdsem,
Peddig(k), Pedding, m. 1. Eiterstock,
Eiterstamm in Geschwüren. On schon
ömmer schtnt e Peddik ^rut (aus dem
Geschwür). Königsbg. Firmenich I,
102 a. Den Peddig heratcsdrUcken, 2.
Mark, innerer weicher Kern, Seele der
Pflanze, des Baumes. HoUunderpeddig.
Wie ein solches der poddick oder Marck
Fritehbi«r, W5rt«rbacli U.
des Baumes . . . augenscheinlich klat
machen. Linemann, Aaa4b. Lafzy
gro/zer Gott^ . . . dem Peddig^ Saftes
voUy der stärkste Frost nicht schaden.
Carm. nupt 11, 91 d. Man erfahret auch^
da/z sie (die alten Nadrauer) auf son-
derliche Art solche Lichte machen, nem-
lieh sie nehmen anstatt der Dacht den
Pöddig von dem KlettenstieL Pierson,
Matth. Prätor., 83 f. 3. die röhren-
artigen Füllungen in faulen Kartoffeln.
Auch Pesrik; angs. pitha^ engl, pilh^
holl. pit, in Osnabrück Piek^ im Hol-
steinschen auch Peddke und Petfk^ in
Pommern und Mecklbg. Paddik. Brem.
Wb.ni,301. Schützern, 199. Dähn.,
341b. Mi, 61a. Danneil, 154a.
Hupel, 169. Hennig, 181. 185.
P§de, /., Wassertrage, Eimertrage,
Tragholz auf den Nacken und über die
Schultern zu legen, mit herabhängenden
Stricken und Haken auf beiden Seiten,
um Eimer und Körbe zu tragen, sonst
Schanne. Ostpr.; in Westpr. Schande.
In Preufz.-Polen pedy, sonst poln. na-
biodrki und sqdy, Wurzel das altpr.
ptd tragen. Nsslm. Forsch. 2; Tk,
122. 128. Schade weist in den W.
Mtsbl. Y, 56 ff. nach, dalz das ostpr.
Pede goth. paida ist. S. auch Schade,
Wb., 671b. Vgl. auch altpr. pette^
pete, lit. petis Schulter. Pierson, A.
W., 32. Bock, 42. Hennig, 184.
Pfidehaken, m, 1. der eiserne Haken
an dem Strick der P^de. Mtne Mut-
ter schleit mt Möt de Pedhäke längst
dem Krtzknake. Volksr., 266, 927 f.
2. bildlich eine krumme Nase. Der
hat einen guten Pedhaken im Gesicht.
Schimpfwort: Pedhakennase, pltd. Ped-
haken^.
pfidern, sw.y s. y. a. pasem, päsem.
Oberland. Mühling.
Pedker, m. Stein in, 3 unter Nau-
9
130
Pegasus — Fliehen.
tica: . . . Ober oder Hochbotfmann^ Un-
terbotsmann, Schrewein^ Constabel^ Ped-
ker^ Schiffszimmermann etc.
Pegasus, m., in der alten Schulsprache
das Gestell, auf welchem ehedem in
den Schulen die Exekutionen stattzu-
finden pflegten. Auf dem Pegamis rei-
ten, Prügel bekommen. N. Pr. Prov.-
Bl. VI, 146.
Pegäuter, m., s. Pijauter.
Peikatz, /., s. Pfkatz.
Peike, m., Kaulbarsch, s. Pukis.
Peikethran, 77»., Thran aus Peiken^
Stinten u. a. kleinen Fischen. Kur.
Haff. Mühling.
Peilchen-, Peilketafel, /, s. Ptiketafel.
Peis, (?), Freiheit zu thun und zu
lassen, was man will. Nun hat er
recht Peis, er kann nun thun, was er
wUl. Danzig. W. Seidel, 33. In
Bremen Peis, Pais Friede, Freundschaft
— das franz. pata, engl, peace. Brem.
Wb. m, 283.
Peise, Paise, /., eckig gedrehte Haar-
locke am Vorderkopfe, wie sie na-
mentlich von polnischen Juden in Aus-
führung einer biblischen Anordnung
getragen wird. Allgemein jüd. Pai-es,
rein hebr. peia Ecke, plur, peiaus, vwlg.
peies Ecken, jetzt auch Locken. Sper-
ber, 44: Pausen,
Peisker, Fischn., s. Pisker.
Peitschenstock, pltd. Pitschestock, 77».,
der dem Peitschenstock, der Peitsche
ähnliche Stab in einem Falz des Gam-
baumes, über den der Aufzug oder die
Scherung vor dem Aufbringen gezogen
wird. Die Schnur des Peitschenstockes
wird wechselweise durch die einzelnen
Fäden des Aufzuges gezogen, zur er-
sten Andeutung des Gewebes. Das
Wirkgestell.
Peitschschmand , m, , gepeitschter
Schmand, Schlagsahne. Gedanism.
Peizker, m., s. Pisker.
Pek, /., die vorderste Spitze im Schiffe,
jetzt Varspiek. Hirsch, 265.
PSkel, m. 1. Pökel, das Salzwasser
über dem eingesalzenen Fleisch, den
eingesalzenen Fischen. 2. bildlich: das
Kranken- oder Faulbette. Er liegt im
PekeL Sie liegt im Pekel, sie liegt im
Wochenbette. Engl, pickle, holl. pekeL
Bock, 42. Hennig, 181.
PSkelhering, m., gepökelter Hering.
Vgl. Sprw. I, 2641.
pSkeln, st^., pökeln, einsalzen.
PSkelzanty m., gepökelter Zander. Sei-
ner wird in der Fischerei-Ordnung v.
Jahre 1589 gedacht. Bock, Nat. IV,
696.
pSken, sw,f picken, stechen, mit der
Gtkbel aufheben, klauben, kratzen. Er
lies sich nicht nothigen, pehkte auch dann
und wann ein Schnittchen vom Salat
auf Soph. R. I, 377. Doch vielleicht
pehkt (hier höhnisch in Bezug auf den
Degen) au^h das Jüngken wol zuf Ibid.
n, 483. In Hamburg pöken, puken,
Richey, 190. 194; in Hessen und
Mecklbg.-Vorpomm. pecken. Vilmar,
295. Mi, 62a.
pSkerig, adj., genau, geizig, habsüch-
tig. Das ist ein pekriger Mensch, In
der Verstärkung mOspSkeiig, mauspekc-
rig, filzig, in Kleinigkeiten peinlich
genau.
pSkern, pttkem, sw,, Frequentativ von
peken, 1. mit etwas Spitzigem stochern,
wühlen, wiederholt stechen. Sich in
der Nase, in den Ohren, in den Zähnen
pekem; ein Geschurur aufpekem. Engl.
topoke umrühren; mit Stecken, Sonde etc.
untersuchen, fühlen. In Po mm. pükem,
Dähn.^ 362a. 2. coire, Ön Gedanke
pekWe söckde Müs\ Bock, 42. llen-
nig, 181. Vgl. bftkern.
Pftichen, n., s. Pälke.
Pelk — Pebmfitze.
181
Pelk, /., eine Art Obertorf. Kreis
Heydekrug. Mühling. Lit. peücos
Torf; altpr. pelkt/ Bruch, Sumpfstelle
im Felde oder im Walde (Voc. 287),
lit. pelke dasselbe, lett pelkta^ pelze
Wasserpfutze. Es treten heute noch
die Ortsnamen auf: Pelkeninken im Kr.
Wehlau, Pelklack im Kr. Friedland
Ostpr., Popelken im Kr. Labiau. Nsslm.
Th., 123. Altpr. M. IV, 154.
Peike, m., s. Pälke.
Pelkegras, n., schlechtes, saures, kur-
zes Gras, das im Bruch, peücy^ wächst
und vom Vieh nicht sonderlich gesucht
wird. Mühling.
Pellbulwen, p/ur., Kartoffeln in der
Pelle, Pellkartoffeln. Westpr. Mühling.
Ygl. Bulwe.
Pelle, /., Schale, ablösbare Haut,
namentlich von Kartoffeln, Äpfeln, Erb-
sen. Westpr. Einem nicht von der
Pelle geheny ihm stets zur Seite blei-
ben, nicht aufhören mit Antragen und
Bitten.
pellen, »w,y schälen, die PeUe ent-
fernen, schinden, das Fell abziehen,
abledern ; mhd. villen, ahd. fillen^ fiüan
die Haut abziehen, schinden.
Pelter. Pelter kriegen^ Schelte bekom-
men. Gedanüm.
PeHereien, pZur., Pelze, Bälge. Alle
(Frauen) zogen mit dem Mannte auf die
Jagd (bei den alten Preulzen), und
war der Handel mit Peltereyen inson-
derheit mit Marderfellen sehr einträglich.
Der preuTz. Sammler H, 1245. In Bre-
men Pelterije. Brem. Wb. HI, 315.
Peitsche, /., Pflzn., kicherartige Bä-
renschote, Astragalus cicer. Mühling.
Peluck, /., nach Mühling Peluch,
schlechtes Bette. Danzig.
Pelud, /., kleiner Anbau neben der
Scheune. Öck wonsch^ dat min Mäge
e Schtnke wär^ ok noch e Peludd. Til-
sit. Sprw. I, 2514.
Pelull, m., schlafmütziger, beschränk-
ter Mensch, langsam in Gang, Rede
und bei der Arbeit Er ist ein rechter
PeluU.
Peluschke, /., ausgeartete polnische
Erbse. Treichel, Volksth. 11.
Pelz, m. Einem auf den Pelz fah-
ren^ — steigen^ — ihm den Pelz aus-
klopfen — auswaschen y ihn durchprü-
geln. Sprw I, 1. Myns grooten Pelszl
wat wart seck da ver Larrm erhewen^
als Beteuerung. Carm. nupt HI, 133d.
Pelzblume, /., Wollgras, Eriophorum
L.
PelzbUrger, m., Kleinbürger, der als
Städter Landwirtschaft treibt. Früher
sah man die PelzbUrger fast beständig
in Pelzkleidung (Jacke und Hosen);
daher sagte der Yolkswitz von ihnen:
den Tag vor Johann ziehen die Pelz-
bürger den Pelz aus und den Tag nach
Johann ziehen sie ihn wieder an. Müh-
ling.
PelzbUxen, pZur., Pelzhosen. Von einer
Frau, welche leicht empfangt, sagt man:
Se brvkt blofz möt e PcMr Pohboxe ver
e Närsch to krtge^ denn ös se fertig.
Sprw. I, 2888.
pelzen, pltd. pttlze(n), sw. 1. den Pelz
bearbeiten, prügeln. In Bayern: Einen
pelzen, ihm eins versetzen, ihn treffen
mit Schlag, Wurf oder Schulz; engl.
to pelt. Schmellerl, 283. 2. Es mag
sich so dahin fiicken^ läppen undpeUzen
biss an den jüngsten Tag. Stein, Pe-
regrinus IV, 13. W, Mtsbl. V, 95.
Pelzkosak, pltd. Pttizkosak, m., Kosak
im Pelz, scherzende Benennung kleiner
munterer Jungen. Kgsbg.
Pelzmütze, pltd. Pttizmtttz, /., Mütze
von Pelz. Von einem, der nicht bei
9*
132
Pelcnelke — Perlenke.
ToUem Yerstande ist, sagt man: ^ ist
mit der Pehmütze geschossen und nicht
recht getroffen. Sprw. I, 2830. In
Hessen: Mit der Pelzkappe geschossen
sein: in lächerlicher Weise matwillig
sein, sicii närrisch anstellen. Yilmar,
295.
Pebnelkey /., echte Eranzrade, Yexier-
neVkeyCoronanatomentosaA.Br. Weich-
seldelta. Treichel, Volksth. IIL
Pemke, Pimke, m., Steinpilz, s. Glatt-
Pems (s weich), m., ordinärer Käse.
Gordack.
Penky f»}.,Moorbnich. EIrmland. Dorch
Lantverschiebong aus PelL
Pennunskey m^ Pfennig, lit pinmn-
gasy aach penningaSy poln. pieniqzdk,
On dat Kodderke es e Pennunske. Pomr
merellen. Volksr., 266, 925.
penschen, pinsdien, «r., anwerfen mit
ausgehöhlten (ausgelmtterten) Knöpfen
oder Stackchen Stahlblech. Danzig.
Westpr. Kinderspiel. Ton pantschen
anschlagen, anklatschen. Rochholz,
427, 45. S. antduaefatu
Penter« m.. Peitsche, Strick, ein wei-
cher Prügel überhaupt, ßr hat mit
dem Pmter gekriegt. Im Holsteinschen
heiizt ein nmdes glattes Hölzchen mit
einem Stiele^ womit in einigen Winkel-
schalen Hambarg-Altonas die Knaboi
in die flache Hand geschlagen wurden^
Pamter. Schatze HL 191. Eb^iso in
Pommern. Dähn.« 344a.
pentenv «ir. 1. mit dem Ptnter schla-
gen, prügeln. 2. nach Treichel auch
covrt*
pepefeu Mr., sprechen, pappebi (s. d.).
TreicheL
Pops» m^ s« PipSb
PCr, /l, Birne. Ermland. Sperber,
24.
perband, adj. a. adv.^ schlecht Gor-
dack.
perdauks, perdauz, interj.^ s. pardauz.
Perdel, Fischn., Parpel, PardeL lit
perpehy perple^ perpele^ Alosa finta Cuv.
Mühling, Tiem., 175.
perdeln, mt., treten. Der Hahn per-
delt die Henne. Nehmt Vemonft an^
Herr, on perdeU nich mienem goden
Humor op de Heehnerogen. Dorr,
L Wiew., 10. Wie ek nu cucer grad op
de Schneedeck medden tweschen de dree
Locher perdeL Dorr, Driewjagd. S.
IMebock.
Perdickd, m., kleiner, untersetzter
Mensch. Natangen. Davon
perdicklich, adj\, klein, antersetzt
Perdulge, /., s. Bredidge.
perduz, inter)\ s. pardauz.
Ptreböm, m., Bimbaam. Ermland.
Sperber, 24.
pefferseh, cufr., s. parforech.
PergamottCe), PergenetL /., Bergamott-
bime, Pirus bergamotia RueL
Pergei, m^ Kienspan zam Anzünden
des Feaers. Lit pirkszms glühende
Asche, lett prduls Feaerbrand, von
prduUt glühen. Pierson, Altpr. M.
Tm, 367.
Pcrgewett, /% s. PergaMttt(e).
PerlMkMhen, n , PefBqfaciBBie, f^ Bi-
samhyacinthe, Muscari botryoides L.;
auch MawfwiiwfazcheiL Treichel,
Yolksth. n.
Perleit Perdefel, phur., Pflzn.« rand-
blättriges Wintergrün, I^irola rotundi-
foHa L. Aach PÜnzchen. Hagen,
439.
Perleiike, m. a. /l Der Danziger Co-
dex des kalmischen Rechts (s. Altpr.
M. I\\ 137: VIL 318) enthalt die äl-
teste Erklazong des angeblich altpr.
Wortes: iVrfancfaf, ht ei» ge^rohnkeity
Perlenke.
133
der man nicht wiederstehen soll. Diese
rätselhafte Erklärang wird deutlicher,
wenn man aus späteren Belegen er-
kennt, daiz mit Perlenke ordnungsmäfzige,
resp. herkömmliche Benefizien bezeich-
net werden, die im Laufe der Zeit bis
zum Trinkgelde herabsinken. In dem
Amterbuche des Hauses Marienburg
aus den ersten Jahren des 15. Jahrh.
(Provinzial-Archiv zu Egsbg. A. 31,
fol. 137 a) bescheinigt der Gartenmeister
folgendes: Item habe ich im garihen
gelassen 17 tonnen czwebeln ufern soUer
und habe beczalt des Tneisters kochmeister
1 tonne und des conventes kochmeister
auch 1 tonne vor erer porlencken. In
den geschriebenen Amtsartikeln y. J.
1584, No. 140, heifzt es (Hennig,
191): Der Hauptmann^ Amtsschreiber
und alle Diener sollen sich keine Per-
lenk oder Ztigänge zueignen. Das Pro-
tokoll der Kneiphöfschen Morgensprache
vom 21. Januar 1597 verzeichnet fol-
genden Beschlufz: Es hat die Margen^
sprach auch geschlossen, dafz nwr ein
Schenk, vmbzech an den die Ordnung
kompt 2 stof hier zu seinem perlenckCy
vnd nicht mehr haben soll. Doch schon
am 30. April 1603 beschliefzt die „Er-
bar Morgensprach, da/z die perlencke
so die schenken biss anhero genommen^
gentzlich sollen abgeschafet sein^ vnd an
jkrer besoldung sich genügen lassen.'^
In dem Protokoll der Morgensprache
vom 18. Februar 1713 findet sich fol-
gender Passus: Hierauf doliren die
Verwalter^ da/z durch die vielen Per-
lencken und andere desordres, die Leute
abgehalten werden^ Hochzeiten auf dem
Hofe zu halten \ bitten alle dergleichen
cUmsus abzuschaffen^ auch zu veransUU-
teny da/z die Diener des herwmbtragens
des Handwassers ^ in den winckeln sich
enthalten mögen; . . . Ward geschlossen:
Die Perlencken sollen von dato an^ in
totum gehoben vnd abgeschaffet sein, E, E.
Rahts Diener aber^ das herumbtragen
des Handwassers^ alter Gewohnheit nach^
gelassen werden. Die Zünfte, 32 f.
Toppen fuhrt noch, Altpr. M. IV, 138,
aus dem Zinsbuche der Eomturei El-
bing aus der Mitte des 15. Jahrh. (El-
binger Stadt- Archiv, Sehr. C. No. 18)
eine umfangreiche Notiz an^ nach wel-
cher Perlenke auch die Verköstigung
war, welche bei grofzen herrschaftlichen
Grastereien der Dienerschaft verabfolgt
wurde, und welche namentlich bei Ge-
lagen des Hochmeisters gesetzlich ge-
nau bestimmt war; auch hier ist mit-
hin Perlenke = Beneficium. Dieser
Deutung widerstreben auch nicht die
von Bock, 45, und Hennig, 191,
gegebenen Erklärungen. Bock: „Por-
lenck^ der Überrest von den Gastmalen,
die vormals bey den CoUegien hier
Mode gewesen, davon einem jeden von
den Gästen sein Theil nach Hause ge-
schicket worden;" Hennig: y^Porlenk^
oder auch Perlenk ^ der Überrest von
den Gastmalen, den die Gäste mit nach
Hause bekommen." Bocks Annahme,
Porlenk solle Partion heifzen, entbehrt
jeder Begründung; Hennig dagegen
leitet es wohl richtig von dem lit. per-
lenkis was einem zukommt, Gebühr,
gebührender Anteil, ab, und dies ist
ja eben das observanzmäfzige Bene-
ficium. Die in Urkunden vorkommen-
den Wortformen Porlenk^ Porlenke sind
fehlerhaft. — Verwandt ist Parlenke, /.,
Zutrunk. Das ist einem eine gro/ze
Schaale zutrinken und wenns schier ausse
ist, das übrige in die Augen wid die
Schalle ime auf dem köpf und daroon
mu/z keiner zomen. Mühlin g nach
den N. Pr. Prov.-Bl. ohne genauere
Angabe. Violit, 164, hat mit über-
134
Permochel — perzeln.
einstimmender Erklärang: einen Par-
lenke zutrinken. Vgl. Toppen, Altpr.
M. IV, 137 f. Nsslm. Forsch. 1; TL,
125. Pierson, A. W., 32.
Permochel, m.^ Dorsch, s. Dttsch.
permucksch, adj. u. adv.y muckisch,
mürrisch, maulend. Wenn von der
bessern Kinderzucht geredet wird^ dann
sitzen die Frauen und sehn so permuksch
auSy da/z man das Herz verliert^ weiter
zu reden, SopL R. III, 192. Vgl.
mucken.
permufz, adv.^ mit mufz, mit Gewalt.
Er kommt mit permu/z.
pernen, sw,y jagen. Fem' de Katt
''ruty jage die Katze hinaus. Samland.
Perpel, m., Fischn., Ahsa finta Cuv,
Benecke, 167. S. Perdel.
Perpelitze, /., Wachtel. Russ. p^e-
pelj perep^lkay poln. przepiorka^ przepo-
reczkay illyr. perpelica. Nsslm., Thes.,
126.
Perpetuan, m,^ alter ordinärer Kleider-
stoff. Viol^t, 178.
PSrsch, 7n., Barsch, Dem. PSrschke.
Hartwich, 44. S. Barsch.
pSrechen, pttrechen, sw,^ sich, sich
brüsten; sich viel dünken und einbilden
und dies zur Schau tragen, sich auf-
blähen, aufspielen, prahlen, prunken,
sich wichtig machen, „dicke thun^. Na
pirsch dich man nich so! He peerscht
sik as Finke Märten ön der Perddeck
— as de Pogg ön e Teerpudel, Dorr,
79. Sprw. I, 2881. Dregt (dreht) he
nich den Kopp §m Gn^ck on peerscht
sik bfm Gähnen. Dorr, 1. Wiew., 24.
Hennig, 181, leitet es von Persc\
Bersch Barsch, perca, ab, der seine
stachligen Flossen aufrichtet. Pierson,
Altpr. M. VIII, 367, weist aufUtpersz-
lySy pirszlys Brautwerber hin; ein sol-
cher mulzte, nach Lepner, sich aufs
Prahlen verstehen. In Posen pörschen
emporstehen machen, sträuben, das
Bernd, 216, von por empor ableitet.
Bock, 42. Sperber, 25.
PSrechke, m., s. Pftrech u. Barsch.
PersSI, früherer Name für die bei
einem Ausrufe unter den Hammer kom-
menden Gegenstände. Dzg. W. Seidel,
33.
Persty Pflzn., gemeine Bärenklau, He-
racleum Sphondylium L. Hagen, 318.
Vgl. Bartsch.
Perwellberg, m,y Name eines der fünf
grolzen Sandberge auf der kurischen
Nehrung bei Rossitten. Altpr. M. IV,
301. Vgl. Plick.
perwupps, interj,^ s. wupp.
Perwu§che, Ortsn., Dorf Perwissau
im Kirchspiel Postnicken, Kr. Königs-
berg. He ÖS üt PerwuschCy wo de Hund!
op Schlorre gäne. Sprw. I, 2892.
Perz, m.. Dem. Perzke, Furz, Fürz-
chen. Samland. De Märzke lett 6k
noch Sin Perzke.
Perzel, PUrzel, m, 1. Bürzel, Steifz,
Podex. Mühling. 2. Gangart, nament-
lich des Pferdes; auch Krankheit des-
selben. Vgl. perzeln 2. 3. das viele
Hin- und Herlaufen, und daher auch
Diarrhöe. Er hat den Perzel, Er läuft
als ob er den Purzel hätte, Sprw. I,
2893. Bock, 42. Hennig, 183. Vgl.
Purzel.
Perzella§che, /., Perzelage, von Per-
zely affektierter schwänzelnder Gang
eines Frauenzimmers. Schemionek,
27.
perzeln, pirzeln, pttrzeln, pUrzeln, sw,
1. oft aus der Stube gehen, geschäftig,
aber unnötigerweise im Hause hin- und
herrennen. In Posen und in der Nie-
derlausitz auch förzeln. Bernd, 65.
Anton, 1,11. 2. mit Geziertheit, mit
kurzen Schritten gehen, dabei den Per-
zel hin- und herwenden; von Menschen
peschien — PestilenzwurzeL
135
und Pferden. Pferde, welche nicht von
der Stelle wollen, statisch sind, perzeln^
haben den Perzel. Das in Grimm,
Wb. IV 2, 1579 angeführte Mrzeln (des
Hundes) gehört wohl unter diese Be-
deutung. Davon : ausperzeln, auspirzeln,
die Stube durch vieles Pirzeln aus-
kühlen, perzelich, pirzelich, adj., zum
Hin- und Herrennen geneigt, geziert
gehend; vom Pferde statisch. Wenn
ein Nachbar ein schnuppichtj krätzigt
oder pertzelicht Pferd hat, und es ihm
im SchuUzen- Gericht untersaget wird,
dasselbe abzuschaffen . . . sondern last
es gehen, so soll der Schultz Macht ha-
ben . . . das Pferd zu versäuffen oder
zu erschossen,^ Hartwich, 327. In
betreflf der Herleituug liegt Perzel am
nächsten, auch für forzeln = den Hin-
tern (Förzer) oft aus- und eintragen;
es wird jedoch auch pörzeln, pörtseln
(Anton, 3, 7) gesprochen und ge-
schrieben, und so erscheint auch, da
in dem Worte der Begriff des öftem
Öffnens der Thür eingeschlossen ist,
die Herleitung von porta Pforte (Bernd,
206. Anton, a. a. 0.) annehmbar.
Bock, 42. Hennig, 183. Sperber,
24. Vgl. übrigens pttrten.
pefehlen, sw.y s. piichen.
Peichull, m,, s. Pi§chull.
Pesdrick, Pesek, m., s. Pesrick.
Pesel, m., Einfaltspinsel, langweiliger,
beschränkter Mensch. Oedanism, Ebenso
in Estland; eigentlich s. v. a. Pesrick.
Sallmann, 37b.
Peserbilte, /., Rohrkampe, die nach
der Ernte behufs eigener Düngung ab-
gebrannt wird. Zusammensetzung aus
pesem (s. pdsern) und Büte. Sche-
mionek, 27,
Pesericky m., s. Pesrick.
pSsem, sw., s. pftsem.
Peslacky m., s. v. a. Pesel.
Pesrick, Peserick, Pesrich, Peserich,
Beserick, m. 1. Ochsenziemer, das Mem-
brum des Stiers, das getrocknet als
Peitsche dient, daher auch Bolle-, Ochsen-
peserik. 2. jede Peitsche, namentlich
die von Leder, die Karbatsche. Eick
bring denn met e Päsrick mi, On Pro-
gel krögst du wie noch nie. Nowack,
19. Nach Preufz, Lehrgang 221, be-
zeichnet Peserik ursprünglich den Stock
zum Nachschüren des Feuers (jpesem)
und, da man diesen auch zum Züch-
tigen gebrauchen kann, auch jedes an-
dere Züchtigungsinstrument. Auffällig
ist die Erklärung Gordacks: Rute
zum Bestrafen, auch Strauchbesen. 3.
penis. Er hat einen guten Peserik. Sprw.
I, 2894. Hoffheinz (Nsslm. Forsch.
2) giebt folgende Erklärung des Wor-
tes: pyza i. e. cunnuSy rik = riks i. e.
rex; peserik ergo est rex cunni, germa^
nice Mauskönig, quia penis cunnum in
potestate habet. Nsslm. a.a.O. fragt:
Sollte es etwa einem lit. pyzarrykszte
entsprechen, aus pyzä cunnus u. rifkszte
Rute? Pierson, Altpr. M. VIH, 367,
unterstützt Hoff heinzs Erklärung, in-
dem er darauf hinweist, dafz -^ick das
hchd. -rieh (ursprünglich Herrscher,
Oberster, Fürst) ist, das übrigens auch
in dem Worte selbst auftritt, in Ver-
bindung mit lit. pyzä cunnus. In Westpr.
und auch sonst noch in Niederdeutsch-
land Pesel, nach Gortzitza auch Pes-
drlck, nach Sperber, 39, auch Pesek,
von dem poln. pezek, das sich bei
Mrongovius nicht findet; hoü. pees^
engl, pizzle, im Osnabrück. Pitte. Vgl.
Richey, 184. Brem. Wb. lU, 309.
Schützein, 205. Schamb., 154a.
Bock, 43. Hennig, 183. Sperber,
24
Pesrik, m., s. Peddig(k).
Pestilenzwurzel,/., groizblättriger Huf-
136
Petchen — Pfaffenrohrchen.
lattich, Tussüago petasites L. S. Lott-
chenblatt. Hagen, 867.
Petchen y n., penü des Knaben.
Gortzitza.
Petenetten, plur.^ Kleinigkeiten; von
dem frz. petit Davon
Petenettenkram, m.^ Kram mit Pete-
netten; auch Pipenet-, Puttenutten-, Putte-
luttenkram.
Petenettenkrämer y m.y Händler mit
Petenetten^ Hausierer. Vgl. Putchen-
kriUner.
Peter y m., zur Bezeichnung eines
dummen und gutmütigen Menschen.
Knaben mit dem Vornamen Peter wer-
den geneckt: Pete^ scheet en e Wete^
9cheet en e Komst^ daCt so plompst!
Volksr., 76, 295. 2. der senkrechte
Fensterbalken, das Fensterkreuz; auch:
Fensterpeter. Rätsel: Von bönne blanky
von bitte blank, ön e Modd e holteme
Peter damank. Das Fenster.
PetSrmännchen, n., Fischn., der Stein-
picker, Cottus cataphractus L, Danzig.
M&hling. Nach Benecke, 67, Tra-
chinus draco L,
Peteminken, Ortsn., Dorf bei Pillkal-
len. Gä na Peteminke, da hrigst to
ete on to drinke. Sprw. I, 1147.
Peterskraut, n., s. Nachtkraut
Petersttl, n., Steinöl, oleum Petri.
Mühling.
Peterzttige, Peterzilg, /., Pflzn., Peter-
silie, Petroselinum sativum Hoffm, Kö-
nigsberg. Im Ausruf der Gemusehänd-
lerinnen: Petetzuljick. Vgl. Sprw. U,
1636.
Petetschen, plur.^ s. Potatschen.
Petition, /., nach Hennig, 183, in
einigen Gegenden von Preufzen der
Kaiendebeitrag, der von den Einge-
pfarrten abgefordert wird. Von dem
lat. petitio.
Petlitzen, plur,, ebe Art von Hefteln,
womit Kleider zugeknöpft werden. N.
Pr. Prov.-Bl. a. F. H, 437. Poln. pft-
lica, p§telka Schleife, Schlinge, russ.
pjeüja, peüja Strick, Schlinge, Knopf-
loch, lit. pdntis, altpr. panta, panto
(Voc. 542) Fessel. Nsslm. Forsch. 2;
Th., 127. Vgl. Podlitzen.
PStsch, m. Vom., Peter. Dzg. Nhg.
Viol^t, 103.
Petscha, Petscher, (?), Weifzbrot.
Rastenburg. Mühling.
petschen, petscheln, pttscheln, petschT-
nen, auch potschen, sw., mit leisem,
langsamem Stofze rudern, um das Boot
nur schwach zu bewegen. Das Ruder fallt
leise patschend ins Wasser. Westpr.
Treichel. Vgl. Potschlne.
petschlnen, aw,, s. das vor.
Pettelkau, Ortsn., Dorf im Kr. Brauns-
berg. Spott: In Pettelkau bellen die
Hunde mit dem ZageL Vgl. Kraxte-
pellen, Prttbbernau.
Petz,/., Hure.
petzen, sw., angeben, anklagen, an-
zeigen, denunzieren, wiedererzählen,
einen auf den andern hetzen. Es ge-
schieht vorzugsweise in der Schule.
pf ist pltd. ganz verschwunden und
wird fast immer ein p: Perd Pferd,
Kopp Kopf, Topp Topf, kloppen klopfen,
Plante Pflanzen; seltener ein /; Knof
(und Knop) Knopf, Far Pfarrer. Leh-
mann, Volksmd., 30.
pf, Laut zur Bezeichnung des Blasens,
Hauchens. Pf, Federchen ! sagte er, in-
dem er blasend Julchen ihn (den Brief)
hinwarf. Soph. R. VI, 464.
Pfaffenknttpfe, plur., Pflzn., s. Lodiks-
blatL
Pfaffenläuse, plur., Pflzn., s. Pracher-
läuse.
Pfaffenrtthrchen, n., Pflzn., Löwenzahn,
Leontodon taraaacum L. Hagen, 110.
Vgl. Butterblume.
Pfablgeld — Pfefferstadt
137
Pfahlgeldy n., die von eingehenden
Schiffen zu entrichtende Hafenabgabe.
Danzig. Passarge, 134. Hirsch,
213.
Pfahlkammer, /., in der alten Danziger
Verfassung die Behörde, bei welcher
die Seezölle erhoben wurden. W. Sei-
del, 33. Hirsch, 213.
Pfahlknechty m., Beamter älterer Zeit,
der mit dem Hafenwärter das hölzerne
Bollwerk an der Weichselmündung in
stand zu halten und das Fahrwasser
oder Tief zu beaufsichtigen hatte. Die
Pfahlknechte wurden aus den Einkünf-
ten des Pfahlgeldes bezahlt Danzig.
Hirsch, 213.
Pfannchenfirtsch, m., s. Pfannchen-
schascher.
Pfannchenlecker, pltd. Pannkelttcker, m.
1. Lecker der Pfanne, Tellerlecker,
Schmarotzer. Brem. Wb HI, 290. 2.
in der Eindersprache der Zeigefinger,
mit dem man Teller oder Pfanne aus-
wischt u. ausleckt Yolksr., 32, 124. Im
Holsteinschen Puttjenlicker Töpfchen-
lecker. Schütze HI, 249.
Pfannchenschascher, pltd. Pannkescha-
scher, m., Fladen aus Roggenmehl, in
einer mit Fett ausgeschmierten Plinsen-
pfanne gebacken. Auch Pfannen-, Pfann-
chen-, pltd. Pannkef utsch. Dönh. In Na-
tangen PfannenrMer.
Pfanne, pltd. Pann, /. 1. Abkürzung
für Dachpfanne, Dachziegel. 2. cunnus^
Vulva. Onse Hanne heft e Panne. Sam-
land.
Pfannenfutsch, -rttster, m.y s. Pfann-
chenschascher.
Pfannkuchen, pltd. Pannkoke, m., flacher
Kuchen, der in der (Plinsen-) Pfanne
gebacken ist, Plinse, Eierkuchen, also
völlig verschieden von den Pfannkuchen
der Konditoreien.
Pfannkuchspredger, m., Bezeichnung
für einen, der gern und viel über Sachen
spricht, die er nicht versteht. He os e
Pannkdkspredger. Samland.
Pfarr, 1. /., Pfarre. 2. w., Pfarrer.
Sie geht zum Pfarr^ sie erhält Kon-
firmationsunterricht. Saalfeld. Kann
denn der Herr Pfarr nicht steuern? . .
Lieber Herr Pfarr ^ ich mochte gern für
das Begrdbniss dieses Mannes sorgen.
Soph. R. HI, 64. 65.
Pfarre, /., in Danzig niemals eine be-
liebige unter den Pfarrkirchen der Stadt
oder Umgegend, sondern immer nur
die Oberpfarrkirche zu St. Marien. E.
Förstem.
Pfarrgebet, n., s. Gebetverhttr.
Pfarrwidem, /., s. Widern.
Pfeffer, m. Aus dem Pfefer bekom-
men^ starke Hiebe erhalten. Vgl. Salz«
Pfefferklops, m., Scheiben von Rind-
fleisch in gepfefferter Sauce geschmort
Vgl. Zodderklops.
Pfefferkraut, n., GartenköUe, Satureja
hortensis L.; auch WurstkrauL Hagen,
599. Pritzel, 364.
Pfefferkuchen, pltd. PSperköke, m., Leb-
kuchen. Unter die preufzischen Lecker-
bissen zählen wir die in Thom zuberei-
teten Pfeffer- und Leckkuchen. Bock,
Nat. I, 269.
pfeffern, pltd. p6pre(n), sw. 1. mit
Pfeffer würzen. 2. bildlich: mit un-
angenehmen Empfindungen verbunden,
übermärzig teuer. Das ist gepfeffert.
Pfeffersack, ?n., Sack zur Aufbewah-
rung des Pfeffers; bei Stein, Peregri-
nus XYI, 8, verächtliche Benennung
eines Adligen; in gleichem Sinne
Pfefferetofzer. W. Mtsbl. VI, 187.
Pfefferetadt, /., in alten Handschriften
Pfefferstrafze, Stadtteil in Danzig, wohl
von der Niederlage ostindischer Ge-
würze, unter denen der Pfeffer obenan
zu stehen pflegte. Nach einigen auch
138
Pfefferstofzer — Pfenniggras.
von den Pfeifern oder Musikanten,
welche hier gewohnt haben sollen.
Löschin, 44.
Pfefferstofzer, m,^ s. Pfeffereack.
Pfefferstube, /., früherer Name für ein
Zimmer im dritten Stock auf der Nord-
seit« des Schlosses zu Königsberg ^zur
Aufbewahrung ansehnlicher Verbrecher".
Hennig, 183. Bock, Nat. I, 61: die
Ffefferstube ein Gefdngniss für condi-
tionirte Personen.
Pfeife, pltd. PTp, /. 1. Pfeife; Tabaks-
pfeife. E lange Ptp on e schnoddrige
Ntts^ wenn unreife junge Leute den
Grolzen spielen. Em geit de Ptp üt,
die Geduld, das Leben geht zu Ende.
Sprw. I, 2907 f. 2. röhrenartiger Aus-
gufz an einem Gefafz, namentlich an
einem irdenen ; Brunnenröhre; Röhren-
brunnen. Der Röhrenbrunnen auf dem
alten Markte zu Elbing heil'zt Pfeife^
im Volksmunde Feif^ in Urkunden
Pfeifenbom , Pfeifenbrunnen, (Die
Schmerlenfanger müssen mit ihrem
Fange) „bey dem Pfeifenbom umb bO-
Ugen preifz markt halten^. Schmerlen-
fanger-Ordg. aus dem Anfange des
17. Jahrh. im Archiv der Stadt Elbing.
Benecke, 300. Bayerisch Pipen, engl.
pipe. Schmeller 1,291. Hupel, 170.
Schemionek, 27. 50. Hennig, 183.
pfeifen, pltd. pfpe(n), st^ trinken, Spi-
rituosa. Einen pfeifen^ einen Schnaps
trinken. Er pfeift gut — pfeift einen
Guten. Egsbg. S. pTpen.
Pfeifenborn, -brunnen, m., s. Pfeife.
Pfeifengestell, pltd. Plpegestell, PTpe-
stell, n., im Samlande, sonst auch SchSr-
leiter, pltd. SchSrIedder, leiterartiges Ge-
stell mit wenigstens 20 beweglichen
Sprossen, worauf die Laufspulen (s. d.)
aufgesteckt werden, wenn das auf ihnen
befindliche Garn behufs der Scherung
abgewunden werden soll.
Pfeifenkanne, pltd. PTpekann(e), /.,
Kanne mit einer Pfeife. Hennig, 183.
Pfeifenstäbe, plur.^ s. PTpenstäbe.
Pfeifenstiel, pltd. PTpestei, m., beim
Kegelspiel der einzeln fallende Eck-
kegel nahe der Bande. Der Kegel-
junge ruft: Pipestely hosit nich vel!
Pfeiferbank, /., Bank für die Pfeifer,
die Musikanten, Orchester. S. Die
Zünfte, 10.
Pfeifsack, «»., Benennung für ein Kind,
das viel weint. Mühling.
Pfeilschwanz, m.^ s. Langhals.
Pfennig, ?n., zur Zeit der Kreuzherren
in den Privilegiei^ Nummus. Drei
Pfennige gingen auf einen preuCz. So-
Udum oder Schilling. ^60 Schillinge
machten eine Silbermark aus, die Mark
zu 16 Loth oder 24 Schottgewicht ge-
rechnet. Wenn nun ein damaliger
Schilling nach unserm jetzigen Gelde
ungefähr 12 hiesige Groschen ausmacht,
so wurde ein solcher Pfennig 4 hiesige
Groschen gelten." Hennig, 183. Der
Pfennig galt also 1 Sgr. 4 Pfg., etwa
15 Pfg. nach heutigem Gelde. — Hei
scIiStt op en Pfennig on goß en fer e
Düttke üt^ er ist sehr geizig. In gleichem
Sinn: Er scheifzt auf den Pfennig.
Auch mit dem Zusätze : da/z keine ZaM
zu kennen ist. Sprw. I, 2910 f. Bei
Jcroschin: üf den pfenninc suwer =
habsuchtig, geizig. Pfeiffer, 204. —
Kulmischer Pfennig, s. kulmisch. Vierter
Pfennig, Abgabe, Zins, die sogenannte
Quarte. Vgl. Starost.
Pfennigblume, /., preuf zische , spitz-
fruchtiges Silberblatt, Lunaria rediviva
L. Ostpr. Pritzel, 222.
Pfennigfuchser, m., Geizhals, Knicker,
Knauser. Davon pfennigfuchserig, adj.^
geizig. S. Fuchser.
Pfenniggras, n., Feld -Pfennigkraut^
Thiaspi arvense L. Hagen, 668.
Pfennigzins — Pflaster.
189
Pfennigzins, m.^ in der Danziger Ge-
richtsyerfassong das Kapital, welches
zur ersten Stelle anf ein Grundstück
geliehen wurde und für welches nur
das Grundstuck allein und nicht auch
das sonstige Vermögen des Schuldners
haftete. W. Seidel, 33. Nach Klein
II, 50, die Interessen eines Kapitals,
welches für ein dafür verpfändetes
Grundstück ausgeliehen ist: Auf dem
Harne stehn 12 000 Gulden zu Pfennig-
zins.
Pferd, pltd. P6rd, n. In Redensarten:
Ein gutes Pferd findet sich wieder. Ein
schlechtes Pferd^ das den Hafer nicht
frifzt^ der ihm vorgeworfen wird. Wer
das Pferd kauft^kauft auch den Schwanz,
Auf die magern Pferde setzen sich die
meisten Mücken. Wer sich als Pferd
verdungen^ mu/z auch als Pferd ziehen.
Wenn de Perd göt stäne on de Fruens
afgäne^ denn kann de Bar rtk vfare.
Sprw.I, 2915ff; II, 2031 flF. Der Mensch,
verglichen mit dem Pferde: Wie ein
Pferd dumm — eigensinnig — statisch
sein; eigensinnig sein wie ein Droschken-
pferd — Kutschpferd; — ein Gedächt-
nis haben wie ein Pferd; — Nicken
lioben wie ein altes Droschkenpferd; —
ißie ein Pferd arbeiten; — gehen wie
ein Kürassierpferd; — einen Arsch liaben
tüie ein Achtzigthalerpferd. Korrespbl.
III, 53.
Pferddreckskäfer, Pferdskäfer, m., Rofz-
käfer, gemeiner Mistkäfer, Scarabaeus
stercorarius. In der Gegend von Bischof-
stein Scheifz-, pltd. SchTtwabbel. Müh-
ling, Tiem., 175. Sprw. I, 2921. Vgl.
Wabel.
Pferdefischerei, /., Fischerei in kleine-
ren Flüssen, bei der die Fische durch
Reiter allmählich in ein quer ausge-
spanntes Netz getrieben werden. S.
Hufzfischerei. Vgl. Benecke, 409.
Pferdeschwanz, pltd. Pfirdszagel (a=ä\
m., Pflzn., gemeiner Tannenwedel, Hip-
puris vulgaris L, Hagen, 2.
Pferdezahn, m., weifzer, Pflzn., Mais,
Zea mais L., weil die Früchte pferde-
zahnähnliche Gestalt haben. Treichel,
Volksth. II.
Pferdsdreck, pltd. PSrdsdreck, m., Ex-
krement des Pferdes, Pferdeapfel, ge-
meiner PSrdschIL Als ablehnende Ant-
wort: Ja, Perdschit!
Pferdseile, -eule, pltd. PerdsTI,/., Rofz-
egel, Hvrudo sanguisuga. Vgl. Eule.
Pferdskäfer, m , s. Pferddreckskäfer.
Pferdskastanie, pltd. Pfirdskasfanje, /.,
Rofzkastanie, Aesculus hippocastanumL.
Hagen, 405.
Pferdsliebe, /., plumper, angeschliffe-
ner, zudringlicher Liebesbeweis. So
sagt man bei einer plump-zärtlichen
Umarmung : Dat ös e Perdslew^ möt de
Bene öm e Hals. Vgl. Sprw. I, 2923.
Pfifferling, m. 1. der Pfefferschwamm,
Agaricus piperatus. Nach Klein II,
51: Eot, Erdschwamm. 2. zur Be-
zeichnung von etwas völlig Wertlosem.
Das ist keinen Pfifferling wert. Auch:
E^ ist etc. Er giebt keinen Pfifferling.
Ebenso in Bayern. Seh melier I, 307.
S. Frisch n, 53a. Birlinger, 93a.
Pfingsten, plur.., weifze^ zur Bezeich-
nung des Nimmertages. Vgl. Nimmer-
mehrstag, Pflaumenpfingsten.
Pfingstochse, m.^ s. Ochse.
Pfingstvogel, tt»., der Pirol. Ifingst-
vogel heil'zt er, „weil er sich hier selten
eher als um Pfingsten sehen lälzt^.
Hennig, 184. Vgl. Bierhol.
Pflänzchen, n., Pflzn., s. Perlen.
Pflaster, n., goldenes^ Menschenexkre-
mente. Auf ein goldenes Pflaster treten.
Ein goldenes Pflaster auflegen^ — ge-
schieht wirklich, indem man die Ex-
kremente in Leinwand schlägt und das
140
Pflasterkasten — Pfiindbode.
Präparat so auf die Wände legt; die
flüssigen TeQe sind das Heilende.
Pflastericasien, m., Heilgehilfe, Chimr-
gas, aber aach scherzweise Bezeichnong
for einen Arzt Qberhaapt.
Pflatz, m. Und dafz zu Gottes Ehr
der Aufwachs mag gedeyen und jeder
Zweig und Pflatz sich wol gebildet zeig!
Carm. nupt. I, 39.
Pflaume, pltd. Plfiniy Dem. Pflaum-
chen^ pltd. Plumke^ f. 1. Zwetsche,
Prunus domestica L.; auch Pßaunv-^
Pfldxumenbaum^ pltd. Plumebam. 2. cun-
nus, vutoa.
Pflaumeniareide, /., s. Krade.
Pflaiinieniifingden, /., zur Bezeichnong
des Nimmertages. Op Plümepingste.
Yg^ Pfingden, weifze^ Niimnermehrstag.
Pflaumeiischlarzey /., Neck- o. Schimpf-
wort Du Plumeschlarze ut de Neddring.
Jerrentowitz. In der Niederung wach-
sen bekanntlich viel Pflaomen. YgL
ScUarze.
PflSg, /., Pfl^e, Pension. Er ist bei
mir in l^fleg^ in Kost, Pension.
Pflidit /., Tracht. Eine Pflicht Wal-
ser. Marold.
PflifiZy f.y s. Hinze.
Pflömen, m., s. HOm.
pflücken, 9U7., abzwacken. Sie haben
ihn gut gepflückt, er hat die gekauften
Waren sehr teuer bezahlen müssen; er
hat um eines geringen Vergehens willen
eine hohe Geldstrafe erlegen müssen.
Die tollen Federn sind ihm ziemlich
ausgepflückt, er ist in strenger Zucht
gewesen. Ich habe noch ein HOhmchen
mit ihm zu pflücken, ich habe ihn zur
Rede zu stellen, zur Rechenschaft zu
ziehen. Bock, 43. Hennig, 184.
Pflug, pltd. PlOg, m. Dat os min Acker
on Plog — min Egg' on Plog, mein
Beruf^ meine tagliche Beschäftigung.
Pfluggewende, pltd. PlOggeweng, n.,
Ackerstrecke von einer Pflogwende bis
zur andern, gewöhnlich ein Moi^en
Ackerland. Natangen. En Pioggeweng.
Dzg. Nhg. Viol^t, 103. Keen Plog-
geweng (sal) mehr leddig Uggen. See-
lenw., 112.
Pflugkom, n., kulmisches, s. kuhniscli.
Pflugmann, pltd. PI6gmann, m^ Pflüger.
Doch dePloochmann schnarkt(schnaTchi)
nu sckwoar. Dorr, 54.
Pflugmarien, Maria Verkündigung,
25. März. In Westpr. beginnt an vie-
len Orten mit diesem Tage das Rech-
nungsjahr. Mühling. Ob an diesem
Tage dort zuerst gepflügt wird, ist nicht
angegeben.
Pflugochs, Eggochs, m., in beiden Be-
deutungen =£gdochs. Mühling, Tiem.,
175.
pflQmen, mt., s. v. a. fisten (s. d.).
Treichel.
pfropfen, pltd. prope(n), sw,, coire.
Treichel.
pfropfendig, plt^l. proppendig, adj., ge-
pfropft. Es war pfropfendig voll, ge-
drangt voll. Von Pfropf Kork. Ebenso
im Holsteinschen und im Hollandischen.
Schützein, 235.
Pfuhlschnepfe, Mittelschnepfe Scolopax
media. Bujack, 383. Mühling,
Tiem., 175.
Pfund, pltd. Pund, n. 1. Gewicht die-
ses Namens. Rhetorisch: Got gebe dir
czwey hundirt unde cztcey phunt gudir
nackt. Liebesbrief eines Ritters aus
dem 15. Jahrh. Beitr. z. Kde. Pr. V,
184. 2. ein Quart Branntwein. Wir
hatten verschiedene halbe Pfundchen ge-
trunken, Kgsbg.
Pfundbude, /., ehemals Zollhaus un-
weit Pillau, wo, da die Tiefe noch bei
Alt-Pillau und dem Dorfe Wogram
vorbeiging, der Zoll von den einkom-
menden Schrffen gezahlt wurde. In
Pfunde — piddlig.
Ul
der Pr. Eammerordnung von 1648 wird
es das Pfundhaus zu Pillau genannt.
Hennig, 184. Der Name rührt wohl
daher, dalz die Waren nach Pfänden,
SchifFspfiinden, in Berechnung kamen.
Vgl. Bock, Nat I, 551.
Pfunde, /., Pflzn., Quellen-Ehrenpreis,
Veronica beccabunga L. Hagen, 19.
Pfundhaus, n., s. Pfundbude.
Pfundkirsche, /., s. Pungelkirsche.
Pfundschreiber, Pf und Verwalter, m.y
Zolleinnehmer in einem Pfundhattse,
Pfundzoll, m., Zoll, welcher von den
Schiffsfrachten entrichtet wird. Nach
Mühling auch eine alte Abgabe an
den Orden, welche vom Lande bewilligt
wurde zur Säuberung der See von
Räubern. Sie betrug y, ®/o vom Werte
der eingehenden Waren und Ve 7o vom
Schiffe, das diese geladen hatte.
Phelp, m. Vom., s. Felp.
PhTchen, w. Vom., s. Flehen.
Phlipp, m., s. Flibb.
Pf, Lockruf für die Katze, der auch
neben: PTpT, Pichen, Pipichen, Name
für die Katze ist. Nach Klein II, 66,
heifzt in Danzig die Katze Pri (wohl
nur Schreibfehler für Pui)^ verkleinert
Puike. Der lit. Schmeichelname für
die Katze ist pu&e. Vgl. Pikatz, Puich,
Mis, MIz.
Piasek, m., Sand, das poln. piasek.
Es ist der reine Piasek , ein Landgut
mit sandigem Boden. Sperber, 39.
Platen, Ortsn., Dorf im Kr. Inster-
burg. Qä na Piate^ Dag anbreke. Geh
nach Piaten, Tage anbrechen! Sprw.
n, 2049.
Piauter, m.^ s. Pljauter.
Pfchel, m. u. n,y leinenes Vortüchlein,
das man kleinen Kindern unter das
Kinn bindet, damit sie sich beim Essen
und Trinken nicht beschmutzen. Trei-
cheL Vgl. Schiabbe.
picheln, sw.j trinken, saufen; vielfeich
mit dem Nebenbegrif^ dafz solches mit
gewissem Eifer, unvermerkt und in der
Stille geschieht. Er pichelt ganz ge-
harig. In Hamburg und Bremen auch
pegeln. Richey, 182. Brem. Wb. HL,
303. In Pommern pechein und pegeln.
Dähn., 346a. 347 a. In Posen: picheln
mit anhaltendem Fleilze und mit Ge-
duld etwas vorhaben, arbeiten; da-
gegen heifzt stark trinken pietschen^
von dem poln. pH trinken. Bernd,
207 f.
Pichen, n.y Katze, s. Pf.
Pichler, m., Trinker, Säufer.
Pickel, Peckel, m., Eiterbläschen, klei-
nes Hautgeschwür. JEV hatPickel zwischen
den Fingern^ er hat die Krätze. Da-
von pickelig, adj,^ mit Pickeln behaftet.
In Hessen Pickel = Knoten, besonders
ein grofzer, aus einem stärkeren Seil
geschlungener oder geflochtener Knoten.
Vilmar, 302.
pickein, sw,^ scherzen, lachen, durch
alberne Streiche Lachen erregen. Hen-
nig, 186, leitet hiervon Pickelhering ^
früher die lustige Person auf der Bühne,
dann Possenmacher überhaupt, her; vgl.
jedoch Adelung in, 767.
pickem, sto., Frequent von picken.
Indem ich dies schreibe^ ist mir da»
Pikem meiner Uhr höchst lastig. Soph.
R. ni, 375. Nach Treichel auch von
dem Picken des Küchleins im Ei.
picksen, sw,^ Frequent. von picken^
stofzend picken. Einen mit dem Stocke
picksen. Pickser, w., der Picksende;
aber auch der Gegenstand, mit dem
man pickst.
Piddak, m. 1. Prügel, Knüttel, Stock;
von dem poln. batog. Schmitt, Westpr.,
166. 2. nach Treichel auch penis.
piddlig, adj.^ kleinlich, übertrieben
akkurat, mühevoll. Schemionek, 27.
142
Pietzker — Pilberg.
Piddlige Arbeit minutiöse, die ihrer
Kleinheit wegen mühsam ist.
Pietzker, m., s. Pfsker.
P«99(e)> PUgg(e), /., Jacke, Wams;
Frauenjacke ohne Scholz, Joppe. Dat
08 Jack wt Pigg^y völlig gleich. Sprw.
I, 1777. Pügg* on keine Ärmel dran.
VolksL, 87, 22, 2. Lit. piggm leicht,
geschickt za handhaben, wohlfeil. In der
Dzg. Nhg. Pigkj in Hamburg Peyy in
Bremen Pije, in Osnabrück Pigge und
Ptke. Brem. Wb. IH, 310. In Pom-
mern Pife und Pige. Dähn., 348a.
Hennig, 186.
PijatZy PipatZy m.^ Bajazzo, auch Kunst-
reiter, Seiltänzer im allgemeinen. Aus
Bajazzo; poln. figlarz^ lit. piglorus Spafz-
macher, Possenreifzer.
Pijauter, auch Pegauter, m. 1. Arbei-
ter. 2. Fischer. Samland: Rauschen.
M ü h 1 i n g hat f ür Arbeiter Piauter. Ygl .
Plikauter u. Piauter.
Pijauterbauer, pltd. -bOr, m., Fischer-
bauer; Bauer, der neben der Landarbeit
Fischerei treibt. Rauschen.
pijautern, sw,^ arbeiten.
Pijön, /., Päonie, s. Bijön.
pTk, adj. u. adv, 1. vortrefiFlich, aus-
erlesen. Der Wein ist ptk. Das ist
pikfein. 2. scharf, heftig, strenge. Es
friert pik. 3. viel. Der Kerl kann ptk
saufen. Holl. puiky in Pommern piik.
Dähn., 348a.
Pikater, m., s. Pikatz.
Pikatz', /., Katze, Zusammensetzung
mit dem Lockruf pt; auch Pipikatz,
Dem. Pipikatzchen. Pikatz loill mich
bei/zen. Volksr., 11, 44. Pipikattke^
hast 6k e Zagelke, zu dem^ der nach
der Katze ruft. Sprw. I, 2943. Ebenso
gebildet Pikater, m. Mi eenen (Krin-
gel), di eenen ^ Onsem graue Pikater ok
eenen. Volksr., 131, 547. Treichel
hat auch Peikatz. PikeOZf auch als zu-
rückweisendes Neckwort. Du dachtest
wohl, es giebt heuf Kuchen f Ja Pikatz!
Hast du viel Geld? Ja Pikatz^ d. h.
mir fehlt eben Geld. Saalfeld. Sper-
ber, 24.
Pfke, Pik, /. 1. Stange mit spitzem
Stecheisen. 2. übertragen: Groll, Feind-
schaft Eine Pike auf jemand haben,
ihm feind sein, grollen, Rache begehren.
In Bayern: Einen Pick etc.^ in Hessen:
EinePtkeetc. Schmellerl, 277. Vil-
mar, 301. Hennig, 184. 333.
PikelJus, m.^ s. Pakulks.
piken, sw.^ mit einer Ptke, in weite-
rer Bedeutung mit jedem spitzen In-
strument, selbst mit dem Finger, wie-
derholt stechen, stofzen.
pTkiscIi, ad)., s. pTksch.
pTksch, pikiscli, adj., feind, nachtragend,
rachedurstig; von Pike. Er ist auf ihn
gewaltig piksch. Ygl. fajscll.
Pfkscillitten, m., Schlitten, der mit einer
Pike weiter geschoben wird. Ptk-
schlitlen fahren, ein Knaben vergnügen.
PikurÜZ, m., Korrump. aus Prokurist
Danzig. Treichel.
Pfl, m., Pille, /, Piller, m., Dem. Pitf-
chen, PiUerchen, -ke. 1. penis, zunächst
zu Knaben und von Knaben gebraucht.
In Masuren Pillack. Gortzitza. Über-
tragen : 2. Klöpfel in der Glocke. Hemp
on hott, iseme PH on blecherne Kott.
Tierräts., 12. (Lösung: Kuhglocke.)
In Hessen die BiUe und der Biller.
Vilmar, 37; im Göttingenschen Pil,
Pilk. Schamb., 154b. Sperber, 24.
Vgl. Pitter, Pimmel.
pTl, adv.y gerade, steil. Der Regen
kon^mtpU von oben. Treichel. Ebenso
bei Mi, 62b. Danneil, 155a.
Pilberg, m., Schlofzberg, Berg mit
Schlol'z, von dem altpr. pä, pila, pile,
piUe Berg, Burg, Schlofz. Nsslm. Th.,
128. Die Pilberge bei Kraam, Lapsau.
Rle — Püwitten.
148
Reusch, Sagen, 64 ff. Doch heifzen
sie auch (anrichtig) PiUenberge: det*
PiUenberg bei Puschkaiten (Domnau),
bei PranÜack (Schippen beil).
PTle^ RufDame der Ente. Lit. pyle^
lett. jpihle zahme Ente. Nsslm. Th.,
128. Doch klingt Ruf und Name auch
kurz Pia u. Piüe. Yolksr., 64, 242 h.
In Hessen Btle^ wo zuweilen auch der
Enterich Biler heifzt. Vilmar, 37.
Pfike, PTIken, (?), s. PTIketafel.
Pf Iketafel, /., bis 50 Fulz lange, 2 Fu/'z
breite Tafel, die früher in den Gemeinde-
gärten aufgestellt war, worauf die Bür-
ger runde oder viereckige (Hennig
nennt die letztern allein; ich habe in
meiner Jugend nur mit runden „Stei-
nen" spielen sehen) glatte Hölzer,
„Steine", im Spiele hin- und herscho-
ben. Die Spielenden standen an den
schmalen Seiten der Tafel einander
gegenüber. Die geschobenen Steine
durften die ungerandete Tafel nicht
verlassen und muizten den Stein des
Gegners treffen. Nach Voigt, „Fürsten-
leben auf den deutschen Reichstagen.
Raumer, Histor. Taschen b, 3. Folge,
2. Jahrg. 1850, S. 387, war die Tafel
mit einem Rande und mit Rinnen ver-
sehen, die Steine waren numeriert und
kam es darauf an, dafz immer ein Stein
über (hinter, vom Werfenden aus) den
Stein des andern zu stehen kam, und
der Stein des Gegners so getroffen
wurde, dafz dieser durch eine der Öff-
nungen im Rande oder der Querleiste
der Tafel in die Rinne hindurchging.
Hiemach entschied sich, nach mehr-
maligen Würfen Gewinn oder Verlust.
Es gab Tafeln von 46 — 50 Fui'z Länge
und einer Breite von 10 Zoll bis 2 Fufz;
die PiVcetafel des Altstadtischen Ge-
meindegartens ist gegenwärtig an der
Decke der Jubiläum-Halle in Königs-
berg zum Andenken befestigt. Lat
püa^ poln. pilka^ lit. ptUa der Ball.
Bei Adelung und Grimm Beäketafel;
sie heifzt auch Drucktafel, in Nürnberg
Schie/ztafel. Adelung], 820. Bock,
43. Hennig, 185. Vhd. Peilke-, Peil*
chentafel. Sie haben eintrechtigklich ge-
czettget vnd bekant Das sie sempüich bey
der Peylkentoffel gestanden, Morgspr.,
1532. Die Zünfte, 49 f. . . .hat zuge-
saget, dafz er vier püichentaffeln wolle
zahlen. Morgspr., 1604. Vgl. Shak-
speare, König Heinrich der Vierte,
Akt 2, Szene 4. Das Spiel hiefz auch
kurz Pfike, Ptiken.
Pillack, m.y Pille, f., penis, s. Pfl.
Pillenberg, m., s. Pilberg.
Pillendrechsler, m. 1. Spottname für
den Apotheker als Pillendreher. 2.
Pillenkäfer, der von Mist Kugeln macht,
in die er seine Eier legt, Scarabaeus
L.
Piller, 7»., penisy s. PTl.
Pillerstein, m.. Stein, wie ein PUIer
gestaltet, Belemnit; auch Donnerkeil u.
Otterzitze (s. d.).
Pillkallen, Ortsn., Kreisstadt im Reg.-
Bez. Gumbinnen. Die PiUkaUer wer-
den als Händelsucher u. arme Schlucker
gehöhnt. Aus PiUkaUen ungeschlagen
kommen, ist ein Glücksfall. S. Inster-
bürg. Die PiUkaller stochern sich in
den Zahnen, wenn sie Milch gegessen
haben, Sprw. I, 2941.
Pillkauer, m., in früherer Zeit Name
für die alten Fünf schillinger. Neiden-
burg; entstellt aus Piükaüer, Gort-
zitza.
Pilpe, /., Rückstand der Stärke.
Treichel.
Pilten, plur., s. Kampe.
Pilwitten, plur., eine Art Zauberer.
In den interpolierten Gesetzen des Hoch-
meisters Konrad von Jungingen von
144
Pik — Pindel-.
1394 (Jacobson I, Anh. 285) heifzt es
unter No. 7: Auch woüen undt gebie-
then tüiTy das aUe Zavherer^ Weydeler^
Pihvitten^ Schwarzkonsüer undt wie diese
Gotteslesterer mögen genandt werden^ alle
sollen nach ernster vermahnung etc.
Nsslm. Forsch. 3.
Pilz, /., feiner auch die Pilze, plur.
Pilzen, der Pilz. Üblicher jedoch, und
nicht ausschlieizlich im Volksmunde,
ist die und der Pilzke, plur. Pilzken u.
PUzkes, Die giftigen Pilze fafzt das
Yolk meist unter dem Namen Fliegen-
pilzken zusammen. Die beliebtesten efz-
baren Pilzken sind: der Steinpilz,
Boletus edtdis BvU,^ das Gänschen,
CanthareUus cibarius Fr,y das Reizken,
Ägaricus delidosus L. Saalfeld. .,, in-
dem ich die treuge sawre PüUzken für
ein unhöfliches Essen auch nicht schätzen
wiU. Linem., Sslb. Da/z aber die
Schwämbe oder PüUzken in der Menge
nachm feuchten Donner her für wachsen^
mag aufz vorigem leicht vernommen wer-
den. Ibid., Ss2a.
pilzig, adj. 1. aufgedunsen, ungesund
feist. Er hat ein pilziges Gesicht. S.
aufpilzen. 2. dem Pilze ähnlich. Der
Apfel — die Rübe ist pilzig '^ saftlos.
Hennig, 186. Vgl. Bock, 44.
Pilzke, 7n., s. Pilz.
Pilzkenkrug, m.^ einsamer, aber gern
besuchter Waldkrug in dem Buchen-
walde hinter Lochstädt auf der Pillauer
Halbinsel. Der ihm neu beigelegte
Name Waldkrug vermag nicht aufzu-
kommen.
Pilzkenschneider, pltd. PilzkeschnTder,
m., Glückspilz. He is e Püzkeschntder.
Tiegenhof.
Pimke, m.^ s. Pemke.
Pimker, Pflzn., rauher Röhrenpilz,
Boletus scaber Fr. Auch Rotkifpfchen.
Treichel, Volksth. U. In der Saal-
felder Gegend Pimpen. Vgl. Pemke u.
eiattling.
Pimmel, m,^ penis des Knaben; wohl
= Bimmel^ der Baumelnde. Vgl. Piller,
Pitter.
Pimpek, m.^ eigentlich Nabel, von
dem poln. p^ek^ mehr jedoch penis.
Sperber, 39.
pimpelig, adj., Pimpelilse, /., s. pim-
peln.
pimpeln, pltd. pifmpeln, sw., aus über-
grolzer Verzärtelung gegen Witterungs-
einflüsse empfindlich sein, über jede
Kleinigkeit klagen. Mühling. Ebenso
in Posen, in der Niederlaus. Bernd,
208. Anton, 11, 9. Verwandt mit
pumpeln^ pummelny mummeln. Davon
verpimpeln, verhätscheln, verzärteln, engl.
to pamper. Meine Kinder sind nicht
verpimpelt. Er ist ein verpimpeltes Mut-
tersöhnchen, pimplig, pimpelig, adj. ver-
weichlicht, verzärtelt, verhätschelt, ver-
wöhnt. Es ist gar nicht kaU^ du bist
nur so pimplig, pimplig auch zimper-
lich, afi*ektiert. Er thut so pimpelig.
Pimpelltse, /., verweichlichtes Frauen-
zimmer; doch auch vom Mann: Er ist
eine rechte Pimpeltse. Auch PimperlTse,
-lotte, Pifmpelpeter.
Pimpen, plur., s. Pimker.
pimperlich, adj.^ nüchtern, flau, katzen-
jämmerlich. Mir ist ganz pimperlich
zu Mute; oft auch blofz pimplig. In
Dzg. pimpslich. Gedanism. Vgl. pim-
pelig unter pimpeln.
PimperlTse, /., s. pimpeln.
Pimpernell, Pflzn., gemeiner Stein-
peterlein, PimpineUa saxifragaL. Ha-
gen, 335.
pimplig, adj.^ s. pimpeln.
Pin, w. Vom., Philippine. Hart-
wich, 55. Vgl Feiptn.
Pindel, Pingel, n., s. Pungel.
Pindel-y Pingeljude, m., s. PUngeljude.
pindebi — pinseln.
145
pindeln, pingeln, m.^ s. pUngeln.
pinglig, ac^'., verdreht. Danzig. T rei-
ch el.
pingsern, sw,, s. pinksern.
Pinke, /., Schälchen, worin der Ein-
satz bei manchem Kartenspiel gelegt
wird. In die Pinke setzen. IHnke ur-
sprünglich eine Art schneller Lastschiffe,
engl, pinky franz. pinquCy altskandinav.
pinker. Brem. Wb. III, 318. Ade-
lung III, 771.
Pinkel, 7n., Urin, namentlich in der
Kindersprache.
pinkeln, sw.y pissen, vorzugsweise von
und zu Kindern. Mama^ mich pinkelt!
Er pinkelt aUe Atigenhlich Ins Bett
pinkeln. Davon bepinkeln, einpinkeln.
Ebenso in Hamburg und Posen. Richey,
185. Bernd, 209. In Bremen jwn-
keln^ inpinkeln den Bauch mit Speise
füllen, alles hinein essen. Brem. Wb.
m, 318. Ilennig, 186.
pinken, sw., durch wiederholten, steti-
gen Schlag den Ton pink hervorbrin-
gen. 1. hämmern, Funken aus Stahl
und Stein schlagen; in Verstärkung
pinksen. Erinnert sei an die früheren
Pinkfeuerzeuge: Stahl, Feuerstein, Zun-
der aus verkohlter Leinwand u. Schwe-
felfaden in einem Blechkästchen. 2.
hämmern; schmieden, Funken schlagen.
Steinsprenger müssen das Bohrloch
auspinken^ pinkend aushämmern. Pinke-
pank, 972., Schmied. 0 nei^ o neiy
du Pinkepankj Du mäkst mt mtne Kopp
80 krank. Volksl., 26, 16, 5. Pinke-
panky heute noch Familienname, begeg-
net schon in Kellers Fastnachtsspielen
1,483, 15; 484, 20. 30. Frommann,
d. Mundart. VII, 217. 3. in frei über-
tragener Weise: zechen, stark trinken,
Funken (s. d.) nehmen. S. bepinken,
sich.
Pritehbier. WorUrbaoh U.
pinkern, mv., mit Knöpfen anwerfen.
Vgl. anschmeifzen.
Pinkfeuerzeug, n., s. pinken.
pinksen, sw.^ s. pinken.
pinksern, pingsern, sw.^ klimpern auf
dem Klavier, mangelhaft Klavier spie-
len.
Pinne, /. 1. kleiner Pflock, Zapfen
von Eisen, Zinn, Messing; Nagel von
Holz, Schuhstift. Die Pinne an einer
Schnalle. 2. das blecherne Röhrlein,
womit die Enden der Schnürsenkel ein-
gefafzt sind. In Hessen eiserner Schuh-
nagel mit kurzer Spitze und breitem
runden Kopfe; doch auch hölzerner
Schahnagel. Vilmar, 302. Hennig,
186.
Pinnholz, n. , Holz, woraus Pinnen^
Schuhstifte, gemacht werden, z. B.
Ahorn; nach Hagen, 258, auch Faul-
baum, Rhamnus frangula L. Vgl.
Vilmar, 302.
pinnig, adj. u. adv.y fleilzig. Dzg.
Nhg. Viol^t, 103.
Pinsch, Pinisch, ?n.. Feuerschwamm;
von dem altpr. pintys (Voc. 372), lit.
pintis. Nsslm. Forsch. 2; Th., 129.
Weil man auf den Feuerschwamm, den
man entzüuden will, schlägt (mit dem
Stahl auf den Feuerstein). Pinsch auch
s. V. a. Prügel, Hiebe, Schläge. Wölbt
Pinsch f Kgsbg.
pinschen, sw. 1. schlagen, prügeln;
vom vor. 2. s. v. a. penschen (s. d.).
pinschem, sw.^ jagen, ursprünglich mit
einem Hunde der Pinscherrasse; auch
Mädchen nachstellen. Treichel.
Pinschldopfer, pltd. Pinschkfopper, ?n.,
Spitzname für Füsiliere.
Pinsel, m., penis. Vgl. Pesel,
pinselig, adj. von pinseln.
pinseln, sw.y stöhnen, klagen über ver-
meintes Unwohlsein, namentlich aber
10
146
Pint — Pipestell.
aus.Geiz; daher geizen, knickern, knau-
sern, engherzig handeln, kleinlich um
eine^Sache dingen, feilschen. In Bre-
men ^irw^w. Brem. Wb. ILI, 319. Hät-
ten Sie den Mann hesser gepflegt^ hätten
Sie ihn nicht mit dem ewigen Pinseln
über sein Bücherkaufen zu tode gemar-
tert! Soph R.n, 177. Wollen Sie hei
einer Aufgabe von ein Duzend Dukaten
pinseln. Ibid. III, 208. Kannst du
denn nie das Maul aufthun^ one vom
Gelde mir etwas vorzupinselnf Ibid.,
599. Davon pinslig, pinselig, adj. Pins-
ler, m. Vgl. Bernd, 209. Danneil,
155b. Bock, 43. Hennig, 186.
Pint, m. 1. penis, engl, pintle^ nach
dem Brem. Wb., 320, von Pint^ Punt
= punctus; nach Mühling auch Spitze,
welches wohl die nächste Bedeutung.
Vgl. das \it, pysyne, pissa cunnus, vulva.
2. scherzhafte Bezeichnung für einen
Gegenstand, der für den vorliegenden
Zweck unzureichend ist. Ein Topf, der
für eine vorhandene Flüssigkeit zu klein,
ein Kleidungsstück, das zu kurz und
zu eng ist, ist ein Pint Davon pin-
tig, pinterig, adj. Der Rock ist pintig.
Hierher gehört wohl auch Pinter, w.,
Spottname für den Kleinkrämer. Ma-
rold.
Pinisch, m.^ s. Pinsch.
PTp, PTps, w., piepender Ton, den
Kinder beim Piepsspiele hören lassen;
auch heilzt der Leiter des Spieles Pips.
S. Volksr., 156, 662.
Pipatz, m.^ s. Pijatz.
PTpe, /., Flüssigkeitsmafz, spanisches
Wein- oder Ölfafz. Brem. Wb. HI,
321.
PTpegestell, n., s. Pfeifengestell.
pTpeln, sw.^ s. pTpen.
pipen, pTpeln, pipsen, pTpseln, pTpsern,
»w. 1. pfeifen; ruckweise pfeifen; ruck-
weise leise pfeifen, wie es Hühner,
Küchlein oder kranke Vögel thun. 2.
mit hoher, schwacher und pfeifender
Stimme sprechen. 3. kränkeln, stöhnen,
winseln, klagen. Er pipelt immer ^ er
kränkelt und stöhnt fortwährend. Von
pipen pfeifen, eine ganze Reihe adjek-
tiver Bildungen: pTpsig, pTpserig, pTperig,
pTplicH, pTpselicIi, pTpslich, kränklich,
kränkelnd, unwohl, schwächlich, ver-
kommen im Wachstum, stets klagend
und stöhnend. Er ist recht ptpsig etc.
Ml ÖS ganz ptpserig to Mod, Ock st
ganz ptpserig. 3. ptpen trinken. Wi
wolle enen ptpen ^ wir wollen einen
Schnaps trinken. Sperber, 24. Sche-
mionek, 27. Bock, 43. Hennig,
185.
PTpenbier, n., Ehrentrunk, den ein
Hochzeitszug in jedem Kruge, dem er
vorüberzieht, einnimmt. Samland. Müh-
ling.
Pipenetkram, m., s. Petenettenkram.
PTpenstäbe, vhchd. Pfeifenstäbe, plur.,
gespaltenes Eichenholz, woraus die
Fafzdauben zu den Pipen und anderen
Fässern gemacht werden. In Bremen
PipenstavCy Piepstave^ in Pommern Pi-
penstäwe. Brem. Wb. IH, 322. Dähn.,
350a. 1777 von Memel ausgegangen:
eichene Piepenstäbe 3276 Stück. Bock,
Nat. I, 608. Vgl. Klappholz.
Piper, m., von ptpen, Pfeifer. Im
Tierräts., 30, Name für die Maus, weil
sie pfeift: De IHpa on de Quara (der
Frosch), De ginge op ene Barg.
pTperig, adj., s. pTpen.
pTperlings, pTplings, adv., in dünnem
Strahl wie aus der Ptpe (s. Pfeife)
flielzend. Die Thränen liefen ihm pt-
perlings. Der Regen kam pyplings von
seinem ganz durchgeweichten Überrock.
Soph. R. V, 96. S. Schemionek, 27.
Danneil, 155b.
PTpestell, n.y s. Pfeifengestell.
Pipgessei — Piptrürig.
147
Pipgessei, PTpsgessel, n. 1. ein Gessel^
das ptpt 2. ein kränkelnder Mensch.
Er ist ein rechtes Pipgessei, So ein Pikp-
ffüssel will ich nicht haben. Soph. R.
VI, 325. In Pommern Pipffosselken,
Pipgoos. D ahn., 350b. In Posen JRfp-
gänseL Bernd, 209. Hennig, 182.
Vgl. PTpsack.
PTphacken, plur,^ verdicktes Gelenk
an den Beinen der Pferde, ein sogen.
Schönheitsfehler. T r e i c h el.
PTphahn, pltd. Piphan (a = a), w., pe-
nis. Ebenso in Holstein, Pommern; im
Bremischen auch PHUiaan^ im Götting.
Pilhdn, rUkhdn, Schütze III, 208.
Dähn., 350b. Brem. Wb. III, 314.
Schamb., 154b.
Pipl, /, Dem. Pipichen, Katze, s. PI.
PTpIkatz, /*., s. PTkatz.
PTpT machen, zu Kindern für pinkeln,
pissen. Mach Ptpt — Ptptche! Ptpl!
Ruf der Kinder, wenn sie das Bedürfnis
zu pinkeln haben.
PTpke, w., Dem. von PTpe, Pfeife,
Weidenpfeife der Volksjugend. Sie
heiizt auch Plarr, Plärr, PlSrre. Ein
möglichst starker Weidenast wird durch
Klopfen, „Schlagen^, mit der Schale
des Messers von seiner Rinde be&eit,
und wird die Rinde mit Zuhilfenahme
des nackten Astes zu einer Pfeife ver-
arbeitet. Damit die Lösung der Rinde
gelingt, sprechen die Kinder:
Pipke^ Pipkcy g*räd mij
Öck schlä dt op din Pälke^
Öck schlä de op din Hinderrädke
Bet dtn Polzke afföüt Natangen.
Volksr., 61, 237.
Oder:
Saft Saft Wtde,
Hund Schott Krtde^
Katt Schott Grade,
Dat mit Ptpke suU gerade! Tapiau.
Vgl. Quarre.
PTpkrecky /., Pfeifkrecke, Krickente,
Anas crecca.
pTplich, adj,, s. pTpen.
piplings, adv.y s. pTperlings.
PTpop, TW., Pfeifauf; im Tierräts., 30,
die Maus. Pipop on Quarrop Ginge op
ene Barg Wop, Vgl. Piper.
Pjpp, /., penis. Jerrentowitz. In
Posen Ptpe. Bernd, 209.
Pips, PTps, Peps, m. 1. Krankheit der
Vögel, namentlich der Hühner. Durch
Verstopfung der Nasenlöcher verhärtet
die Zungenspitze und entsteht auf die-
ser eine harte, weil'ze Haut, der Pips.
Den Pips abziehn^ die Haut wegreifzen,
wodurch die Krankheit gehoben wird.
Wenn sie (die Henne) den Pips oder
Zips haty kan sie wol rnehr zu solcher
zeit saufen als nicht der Hahn, Li-
nemann, Bbb4a. Bei Adelung
hchd. PfippSy 2appSy schwed. pipp, engl.
pip, franz. pepie, span. peppita, ital.
pipita^ mlat. pipita. Adelung III,
732. Lit. pipsas, in Bremen, Holstein,
Pommern Pipp. Wurzel für alle gleich-
klingenden Namen ist wohl p/p^ pfeifen,
da der kranke Vogel viel plpt. 2. bild-
lich von Menschen: an Gesundheit,
Vermögen oder Verstand Schaden neh-
men. Er hat einen Pips weg, Sprw.
I, 2891. Einem den Pips abziehn —
aufziehn, ihn betrügen, ihn schlagen.
Hennig, 182.
PTpsack, 7n., Pfeifsack, kränkelnder,
stöhnender, winselnder Mensch. Für
Posen: Bernd, 209. Vgl. PTpgessel.
pipselich, adj,^ pTpseln, pipsen, sw,^
pfpserig, adj.y pTpsern, sw.^ s. pipen.
PTpsgessel, n., s. PTpgessel.
pTpsig, pTpslich, od)'., s. pTpen.
PTptrQrig, Pfeiftraurig, Name für
schlechte, unansehnliche Besitzungen;
Spitzname für das Dorf Draupcfien bei
Insterburg. Hei kommt vt PtptruiHg^
10*
148
Pirack — Pirt.
die Redensart wird zunächst zmn Är-
ger der Bewohner von Draupchen an-
gewandt, aber auch gebraucht, um
einen Betrübten zu bezeichnen. Sprw.
1, 2939.
Piräck, m. u. /., s. Piräge.
Pirägge, Piräck, Pirogge, m, u. f. 1.
Weifzbrot, Pladen aus Weizenmehl.
Litauen. Hennig, 185. Lit. pyrdgca^
lett. pihrags, russ. u. poln. pirog, Nsslm.
Forsch. 2; Th., 129. Ee socht (suchte)
Pirock on heft dabt et (das) Brot ver~
lore. Tilsit. Wi fdre nä de grote Stadt^
Bringe for^t huschke Pirack Bau. Toll-
mingkehmen. Volksr., 16, 69. Bei
dem Bissen wird observiret^ da/z der Pirsz-
h/8 zween Kampen van P/ragen ( Weifz-
brot oder Stritzel) und Brot schnei-
det etc. Pierson, Matth. Prätor., 88.
2. Pirogge^ Pastete, Fleischklofz in Teig
geschlagen und gebacken; nach Sper-
ber, 39, Flinze mit gehacktem Fleisch
oder mit Quark gefüllt. Schemionek,
28. In Estland: Fisch-, Fleische, Reis-
pirogge etc. Sallmann, Ida. Hupel,
172.
PTras, m., Regenwurm. Den PihraSy
der drauf (auf der Angel) stecken mu/z,
füill ich besorgen, Soph. R. VI, 405.
Aus dem holl. pier Wurm, Regenwurm.
Nach Treichel PTrab.
pTren, pUren, sw.^ im Gesichte feurig
rot sein, glühen. Das Gesicht ptrt ihm,
vor Zorn, Kälte oder infolge starken
Trinkens. Dat Näske ptrt dt 6k nich
vom Schemper. H e n n i g , 1 85, schreibt
fehlerhaft pieem und püem. Vgl. ver-
fUeren. S. pirren.
Pirgel, w»., Branntwein. Einen Pir-
gel trinken, einen Schnaps trinken.
Samland (Korkehnen). Davon
pirgeln, sw., schnapsen, Branntwein
trinken. Er pirgelt gut.
Pirken, plur,, frisch geräucherte Man-
delheringe (in der Mandelzahl käuflich).
Poln. vulgär pirhi. Westpr. Trei-
cheL
Pirks, m., kleiner Eerl, s. v. a. Knirps,
Nach Gordack auch dummes Mädchen,
'dumme Margell.
pirksen, sw,, krafüos und ohne Wir-
kung stofzen.
pirksig, adj., klein, winzig; von Per-
sonen und Sachen.
Plrling, m., eine junge Manns- oder
Frauensperson, die noch nicht ihr ge-
höriges Wachstum erreicht hat. Pi-
sanski, Nachtr. Hennig, 185, weist
für die Abstammung hin auf das lat
puerulus kleiner Knabe.
Pirtfgge, m. u. /., s. Pirick.
pirr, purr, intet j.. Ruf zum Pferde, zum
Zugvieh überhaupt, wenn es still stehen
soll. Vgl. burr.
pirren, pifrren, sw., aufPordemd an-
treiben, anspornen. Kinder, welche die
Eltern, mit denen sie auf Besuch bei
Fremden sind, zum Aufbruche mahnen,
pirren. Auch pTren. Herrgott, wat hew
Öck dann den Hingst gepiert, As öck
em nu de Spoaren geef. Dorr, 23.
Vgl. porren.
PirschliSy m.^ Freiersmann, Brautwer-
ber, der für einen andern um die Braut
anhält. Darzu denn auch etzliche Pirsch-
lis gro/ze ürsach und Anlafz geben.
Insterburger Kirch.- Visit -Ordg. Lit.
pirszlys. Hennig, 186.
Pirt, Birl, f 1. Badestube. 2. Brach-
stube. Lit. pirtis in beiden Bedeutun-
gen. -Es ist hier so heifz wie in der
Pirt. Sprw. I, 1555. iÄr^ (der Litauer)
Badstuieny so Pirtis heifzen, sind in den
Jaulen und Gebäuden, da sie dus Ge-
treide zum guten Ausdreschen trucknen.
Lepner, 139. Als sie (die Nadrauer)
noch selbige (ßteinofen^ in ihren Pürten
d. i. Badstuben und Jaugen d. i. Dresch-
pirzeln — PishancL
149
hausem gebrauchen, Pierson, Matth.
Prator., 109. Hennig, 187.
pirzeln, sw.^ pirzelich, 0(2/., s. perzeln.
PTs, Pjes, m., Hund als Schimpfwort;
von dem poln. piea der Hund. Hol dich
der Pi's.
pTsacken, 8w.y peinigen, placken, quälen,
scharf zusetzen, schurigeln, ängstigen,
plagen, oft und stark prügeln. Hen-
nig weist für die Abstammung auf das
lit. p^azH pflücken^ rupfen, an den Haa-
ren zausen. Schwed. püka peitschen;
daher pisacken vielleicht ein Vermächt-
nis aus dem 30jährigen Kriege, wo der
Schwede in seinen Quartieren oft von
der Peitsche Gebrauch machte. Maga-
zin f. d. Lit d. A. Jahrg. 1875, 12 a.
Eere Schwester pisackt an Idemptnigt ae
fachen. Schaltj. 3, 6. Ebenso in Ham-
burg, Bremen, Holstein, Pommern, im
Göttingenschen. Richey, 186. Brem.
Wb. HI, 323. Schütze HI, 212.
Dähn., 351a. Schamb., 155b.
Pi§chan, m., penü; von pUchen pissen.
TreicheL
piichen, «o., pissen, harnen; auch
namentlich zu Kindern : puchten^ Pischt
vnachen^ PUchtche machen^ pUchuUen.
Vgl. PTpT machen u. pittern.
Piicher, Piicherinsid, m. 1. Weichling,
Schwächling, ein Verzärtelter, poln.
pieszczeky pieszczoch. 2. ein gequälter,
armer Mensch; nach Mühling auch
ein elender, schwächlicher, krüppel-
hafter Mensch.
Piichtche machen, s. piichen.
piichten, sw.y Piichi machen, s. pi-
ichen.
Pisch-, Pifzkachel, /., Schimpfwort auf
ein unreifes Mädchen. Sie ist man noch
e Pifzkachel,
Pi§ch-y PiTzkaulchen, n., Kaulchen,
kleine Grube, Loch, in das gepifzt wird.
PUchkatUchen spielen^ Kinderspiel, wo-
bei Knaben und Mädchen um das Kaul-
chen sitzend in dieses hineinpissen.
Pischke, /., Graupe, besonders grobe
Gerstengraupe; poln. pyszka, p^ak.
Elbinger Niederung. Westpr. Schmitt,
108; Westpr., 166. Nsslm., Forsch.
2; TL, 129. Schemionek, 28.
Pischkekraut, Pflzn., Kronwicke, Co-
ronilla varia L. Treichel, Volksth.
Pischkenstampe, /., Handmühle zum
Mahlen der Graupe; s. QuTre.
Pi§chull, Pi§chulle, /., schlechtes Bier,
aber auch jedes andere abgestandene,
fade, dünne, schlechte Getränk, z. B.
sehr schwacher Kaffee. Bei Stein,
Peregrinus (s. Bier^ Bd. I, 82 a): Pisul;
bei Nowack, 71, für Kaffee Pe§chull.
Nsslm., Forsch. 3, Th., 129, hält Pir
schütte für ungenaue Aussprache von
pywczulley vom altpr. piwas (Voc. 383:
piwis) lit. pywas^ poln. piwo Bier.
Bock, 43. Hennig, 185. Nach Sche-
mionek, 28, auch wässerige Suppe.
Sperber, 42, schreibt IHzull {z=8ch\
erklärt das Wort zunächst als Harn
und bezeichnet damit auch schlechte
Tinte.
piichullen, sw, 1. s. v. a. püchen, 2.
nach Sperber in übertragener Bedeu-
tung: einen mäfzigen Schluck nehmen,
ein wenig trinken. Trinkspruch des
Bierkomments der Königsberger Stu-
denten: Wie heifzt der Postmeister von
Elbingf y^Schwerin,"' Soll er bluten oder
pischuUenf Antwortet der Gefragte
„bluten^ ^ so hat Fragesteller einen Gan-
zen zu trinken; lautet die Antwort:
piichuttenj so trinkt Fragesteller einen
einfachen Schluck. Sperber, 42.
Pisda,/., cunnus; von dem poln. pizda^
lit. pyzda, pissa, Sperber, 39.
PTse, /., s. Pu§che.
PTshund, m., Schimpf- und Schelt-
wort; wörtlich Hundhund; poln. pies
150
Pisian — Piabock.
Hund. Hol dich der Pishund! Sprw.
I, 2940.
Pisian, m., s. PTsjfln.
PTsjAn, Pisian, m., Schimpfwort: Dum-
merjan, Dummkopf, Einfaltspinsel, wil-
lenloser, unentschlossener Mensch ohne
Energie und Charakter, Schwächling,
Feigling, Memme. Wohl von dem
lit. pyzda cunnus und zugleich Feig-
ling. Tu pyzda ne smogus du bist eine
Memme, aber kein Mann. Pierson,
Lit. Aeq., 20. Nsslm., Forsch. 3; Th.,
129; Wb. 293b. Die oft gehörte Ab-
leitung von dem franz. paysan, Bauer,
hat wohl nichts weiter als den Klang
für sich, was wohl auch von dem Hin-
weis auf^die Zusammensetzuog aus «/an,
Johann, und dem poln. pies, Hund, gilt.
P\sk^ f. u. wi.. Maul, Fresse; von
dem poln. pysk Maul, Schnauze, Fresse.
Hol de Pük, halte das Maul! Der Teu-
fel haut dem Schmied eins vor die Piesk.
Schottmüller, 3. Vgl. Sprw. I, 2572.
2577.
PTsl(er, Peisker, PTzIcer, Peizicer, m.,
Schlammpeitzger, Cobitis fossilis L.
Bujack, 395. Auch Schlammpiezker
und Wetterfisch, lit, kur. piplys^ mas.,
kass. piskorz^ pchieskorz. Benecke,
143. Mühling, Tiem., 175. Er ist
glatt vne ein Plzker, Sie fragt viely
aber ich wickle mich so umher wie ein
Peisker. Soph. R. Hl, 134. Nach
Sperber, 24, Piezker auch ein kleiner,
unansehnlicher Mensch; Familienname
Pietschker.
Pisoiren, Pasorren, plur., PantoflFeln,
Korken. Mühling.
pi§rig, adj.y mühselig, elend. Das
Licht brennt pihig. Ygl. mi§rig. Nach
Gordack: winzig, unzureichend, dOnn,
dünn bewachsen.
Pissa, /., Quellflüfzchen des Pregels,
woran Gumbinnen liegt Lit. pissa,
pyzda cunnus. Die Gumbinner nennen
die Pissa gern Pregel.
Pisset, 77»., kleiner, dünner, unbedeu-
tender Gegenstand. Es ist nur ein
Pissel. Treichel.
pisserig, adj. von pissen, das quälende
Bedur&is zu pissen bezeichnend. Nu
rennt a e romma toie e possaga Huingdy
nun rennt er umher wie ein püzriger
Hund. Ermid. Freisch., 12.
Pifzkaulchen, n., s. Pifehkaulchen.
Pifzpot, m,y Nachtgeschirr, Nachttopf.
Mühling.
pTtscheln, sw., s. patschen.
Pitschen,pZur., grofze, plumpe Schuhe,
namentlich Filzschuhe, aber auch ver-
ächtlich von Schuhen überhaupt. Sper-
ber, 24.
pitschenafz, adj,, völlig durchnäfzt
vom peitschenden, pltd. pitschenden.
Regen. S. patschenalz.
PTtscher, ?»., Trinker, von dem poln.
pic trinken. Schmitt, Westpr., 166.
Das Vorhandensein des Verbs pitschen
ist vorauszusetzen.
pitschi patschi, aus pitschen (peitschen)
und patschen (erzählen); wenn jemand
die Auseinandersetzungen eines andern
wiedererzählt, im Erzählen die Aus-
führlichkeit als unnötig erkennt und
nun abbrechend schlielzt: pitschi patschi,
Kgsbg.
Pitter, m.y penis eines Eiiaben. Vgl.
Pilfer, Pimmel.
pittem, sw,^ von Pitter, pinkeln, pissen.
Treichel.
PTze, /., weibliche Brust An die
Pizen fa^ssen. Poln. piers die einzelne
Brust, plur, piersi.
PTzker, m., s. PTsker.
Pjes, m., s. PTs.
Piabock, Plebock, m., grober, püffel-
hafter, nichtsnutziger Mensch. Kreis
Neustadt Treichel. Poln. plebejusz
Plachander — pladdern.
151
Plebejer, Unadliger. MrongoviusI,
335 a.
Plachander, m, 1. Herumtreiber,
Zwischenträger, Verleumder. 2. Lum-
penkerl. Flatow. Schmitt, 108;
Westpr., 166. Im Ermlande Plakander
u. Plakäder, m. Mühling. Eio der-
artiges Frauenzimmer Plachandersche,
Plachandei^n, Poln. plcLchta Laken von
grober Leinwand.
plachandem, su?., von Haus zu Haus
gehen, um zu erzählen und zu hören,
auch um hie and da etwas zu lukrie-
ren, schänden, verleumden, Hetzereien,
Zwischenträgereien machen. Sie plor-
chandert^ sie schändet, geht von Haus
zu Haus, um Neuigkeiten zu bringen
und zu holen. Nu plachandert enmal
ene Hex ön der Gegend heröm. Schalt).
3, 11. Davon plachandYig, adj, Sie ist
ein recht plachancCriges Frauenzimmer,
Placht,/., Taschentuch; von dem poln.
plachta Laken. Flatow. Schmitt,
108; Westpr., 166. In Bayern die
Flachen^ Stück grober Leinwand.
Schmeller I, 333. Verwandtschaft-
lich anklingend ist das altpr. ploaste
(Voc. 491) Betttuch, Bettlaken, lit.
plÖ8zte\ russ. poln. plaszcz Mantel.
Nsslm., Th., 132.
Placky 971., Schlag auf die Hand oder
mit der Hand, daher auch Handplack.
Lit. plakii^ pläkti schlagen, mit Schlä-
gen züchtigen, peitschen, plökis Hieb;
lett. plakich zur Bezeichnung des Schal-
les, der entsteht, wenn man mit der
flachen Hand aufs Wasser schlägt.
Nsslm. Forsch. 3; Th., 130. Lit. Aeq.,
20.
Plack, Placken, w., Fleck, Flecken,
Mal. B}r hat einen Plack im ^Gesicht
Op em Kind da ös e Plack, Hier e
Plack on da e Plack. Pflzräts. 34.
Nach Mühling Placken auch Fehler,
Verstofz. Vgl. Plarr. In Bremen noch:
Stück, sowohl abgerissenes, als ange-
setztes oder angeklebtes (Flick) ; flaches
Stück Land, Blachfeld, plaga, Angs.
plaecy plaeca, Brem. Wb. III, 325.
placken, sw, 1. Frequentativ von pla-
gen, hart plagen, quälen, zusetzen, aus-
saugen, mit Abgaben, geforderten
Leistungen empfindlich drücken. Da-
von Placker, w.. Plager, Dränger, Quä-
ler, Leuteschinder. Bav^mplacker, Leute-
placker. Grüfzen Sie mir den Bauern-
placker. Soph. R. VI, 342. 2. von
Plack = Fleck, flecken, Flecken machen,
Flecken bekommen, fleckig werden, in
der Farbe verschiefzen ; daher ab- und
ausplacken auch in dieser Bedeutung.
Das Kleid plackt, fleckt, ist in der
Farbe nicht echt. Hellet Tü^g (Zeug)
plackt leicht. Vgl. Brem. Wb. III, 326.
Davon plackig, adj., fleckig. Die Kar-
toffeln sind plackig, sie sind auf der
Schale gefleckt, „schorfig". Mühling
hat plackerig; ebenso im Brem. Wb.,
327. S. blecken.
Placker, m., plackig, adj\, s. das vor.
pladäulach, plädäuksch, nach 6or-
dack auch pladäutsch, interj , zur Be-
zeichnung des Schalles beim Wurf eines
Steines ins Wasser, beim Fall von
Fläche auf Fläche. On renri äwer Äcker
on äwer Wees\ Plädäuksch — do lähg
eck denn op de Nähs. Nowack, 12.
Pladder, m., das glatt daliegende
Flüssige, Weiche: ein Pladder Schleim,
Auswurf Brustkranker; der Kuhpladder,
Kuhfladen, Kuhmist. Für Posen bei
Bernd, 210.
Pladderei, /., s. pladdern.
pladdern, »w. 1. plätschernd giefzen,
stark regnen, dafz die Tropfen mit Ge-
räusch aufschlagen. Es regnet, dafz es
man so pladdert. Davon Gepladder, n.
u. Pladdere! y /. Hört der Regen auf^
152
Pläderkasch — Plarr.
so hat es abgepladdert. S. abpladdern,
bepladdern y beregnen, begiefzen, be-
spritzen. Du hast dich gut bepladdert,
verpladdern, vergiefzen, verschütten (zu-
nächst Flüssigkeiten), eine Sache ver-
derben. Verpladder nicht so viel Wasser!
Das KindeVner ist verpladdei% die Frau
hat abortiert. In der Zusammensetzung:
pladdernafz, völlig durchnäfzt, so dafz
das Wasser von den Kleidern pladdert.
Vgl. Sallmann, 38a. Danneil, 156a.
Bernd, 210. In Mecklenbg.-Vorpom.
pliddem. Mi, 63b. Bock, 43. Hen-
nig, 187. 2. in übertragener Bedeu-
tung: laut, viel und unnütz schwatzen,
plappern. Davon ebenfalls Gepladder
u. Hadderei. Vgl. plätern.
Pläderkasch, /., s. plätern.
plädern, sw,y s. plätern.
Pladrätsch, m. u. /., s. Plär.
plagen, sw. Plagt er dichf Plagt dich
dei^ Teufel? Sprw. I, 2952.
Plagge, f.y flach abgestochenes Rasen-
stück, zum Belegen der Stalle, Grä-
ber etc. benutzt. Mühling. Ebenso
in Hamburg, Bremen, Pommern. Ri-
chey,186. Brem. Wb. IH, 325. Dähn.,
351b. Danneil, 156b. Dan. flagge
Scholle, Fläche. Nach Sperber, 25.
Kampe, Bilte.
plaggen, sw.^ Plaggen abstechen.
Plakäder, Plakander, 7n., s. Plachander.
Plampe, /. 1. breiartiger Schmutz;
2. Mehlbrei, dicke Suppe, s. v. a. Pampe
(s. d.). Davon plamperig, plemperig,
adj, Treichel.
plampen, sw.^ in der Plampe^ im
Schmutze, wühlen, waten.
Planet, w., die Nativität, die das Volk
auf Markten oder von Hausierern für
wenige Pfennige als fliegendes Blatt
kauft.
Planke, /., Bohle, dickes Brett. Lat.
planca^ celt. plange^ engl. u. hoU. plank^
franz. planche. Brem. Wb. III, 328.
Plankenschreiber, m, Aufseher über
die von den Kaufleuten aufgekauften
und gelagerten Planken, Stab- und
Klapphölzer. Dzg. W. Seidel, 33.
planschen, sw.^ manschen, mischen,
mengen. Bier — Wein planschen^ mit
Wasser oder geringeren Sorten mischen.
Sperber, 35. Vgl. patsc/ien 3.
pläntern, sw.^ in leiser, wenig hör-
und bemerkbarer Weise mit Wasser
spielen, spritzen; geschieht dies ge-
räuschvoll und wird dabei Wasser ver-
schüttet, so wird aus dem pläntern ein
plantschen, 8to. Treichel. Marold.
Vgl. platschen u. patschen.
Planwagen, ??»., Wagen mit einem
Plane, einem Verdeck, von Leinwand.
Plapper, /., Mund; von plappern. Hol
de Plapper^ halte den Mund ! In Dan-
zig giebt es eine Plappergasse, die je-
doch mit plappern nichts zu thun hat,
sondern eigentlich Plappartsgasse heil'zt
(Happart Personenname). Löse hin,
46.
PlapperlTse, -lotte, / , allgemeine Na-
men für plapperhafte Frauenzimmer.
Für geschwätzige Männer:
Plappermatz, -maul, -sack, m,
Plapperwasser, n., Wasser, das plap-
pern macht, Branntwein. Vgl. Krftl-
wasser.
Piar, Plarr, m, u. /., Plärren, w.,
Ansammlung vergossener Flüssigkeit,
groi'zer nasser Schmutzfleck, kleine
Pfütze. Blut^y Tinten-, Qualsterplarr.
Ech stölpt den Schmandtopp öm, un da
war gleich so 'ne gi^ofzmächfge Plarr,
Saalfeld. In Natangen auch Pladrätsch,
m, u. /.; in Hessen Plärje, m. Vil-
mar, 30. Hennig, 333.
Plarr, Plärr, Plärre, /. 1. Maul, be-
plärren — plfitem.
153
sonders grolzes Maul, als Werkzeug
des Plärrens. Adelung III, 782. 2.
Weidenpfeife, welche die Kinder sich
selbst fertigen, weil sie schreit u. plärrt.
Vgl. Quarre, PTpke.
plärren, sw, 1. viel und laut reden,
fleiizig die Plärre brauchen. Hieraus
Geplärr, w., Gerede, Geschwätze. Von
dieser Circuhdistantz machen die Libelli
Sphaerici viel geplarres, Linem., Rda.
2. ausfleihen, ausbreiten. Die Wasche
hervorplarren^ die beiseite gelegte
Wäsche wieder auflegen.
Plärren, m., s. Plftr.
plärren, stc., laut, schreiend weinen,
singen, Gelerntes hersagen.
pläichfirlich, adj.^ vergnüglich, lustig.
Von dem franz. plaisir.
Plaschkinnis, /., ein dem Keitel ähn-
liches, aber viel kleineres, durch einen
runden Bügel offen gehaltenes Netz,
lit. pUzszkinnis. Die Plaschkinnisfische-
rei ist auf dem ganzen kurischen Haff
untersagt. Fisch.-Ordg. f. d. kur. Haff,
§ 20. S. Benecke, 341. Sperber,
41.
Plaster, n. 1. etwas Hautartiges, dünne
Oberhaut, z. 6. die Haut, welche sich
auf der Sahne, der Milch, einer Wunde
absetzt. 2. lappiges, aufgeblasenes
Fleisch, besonders vom Kalb u. Schöps.
3. Schimpfwort für ein unsauberes, un-
sittliches Frauenzimmer. 4. nach Müh-
ling Schmutzflecken. Davon plftsterig,
adj.^ häutig. Plastriger Kafee, Kaffee
mit Milchhaut; pldstriges Fleisch,
Pläster, Piester, auch PIttster, n. 1.
ungeschlacht Grolzes, Schwerfalliges,
Monstrum, in den Gedanism, PlesL Lit
ple'stüj pUsti breit werden, iszpUsti sich
ausbreiten, lett. plestees. Nsslm. Forsch.
3; Th., 131. Dat os en Plaster von
Schaf (Schrank). Dafs e Floster von
Stock Veih, 2. ein grofzes ungeschick-
tes, unsauberes und unsittliches Frauen-
zimmer. Vgl. Plaster.
plästern, sw. 1. prügeln. In Bremen
plustern von plüsen^ plüsen faseln, zau-
sen. Brem. Wb. HI, 346. Einen durch>
ver-, zerplästem, ihn derb abprügebi.
Hennig, 187. 2. ausspielen die Karte.
Piaster em ruter, spiele die Karte aus.
Marienbg. Ndrg. 3. nach Mühling:
misten; vom Vieh. Gegend von Dreng-
furt. 4. nach Treichel auch über-
treiben, etwas ins Grofze ausmalen.
Der kann gut plästern,
plästrig, adj. von Pläster, grofz, plump,
ungeschlacht, ungeschickt, unförmlich,
dick; aufgeblasen (von Fleisch). Du
plästrigerwatriger Kerbs(ßjiTh\s)\ Dorr,
1. Wiew., 67. Dat he so plästrig §n siener
Eifersocht weer. Ibid., 73.
PIät, /., Platte. Setz" das Essen auf
die Hat, damit es warm bleibt, auf die
Platte des Herdes, auf den Herd.
Platendienst, m., Dienst, welchen die
Kolmer dem deutschen Orden zu leisten
hatten. Er bestand in Ausrüstung eines
Reiters mit Harnisch, Eisenhut, Helm,
Schild und Speer und leichtem unbe-
wehrten Rosse. Der Platendienst steht
in gewissem Gegensatz zum Ro/zdienst.
Gebauer, Kde., 60. Von Hate Brust-
harnisch, eiserne Brustplatte, Panzer.
Sie gehörte mit zum Heerge wette: sine
Platten, sin Grusener, Schilt und Era-
gen, sein Brusthamisch, sein Waffen-
rock, Schild und Kragen. Isl. plata.
Brem. Wb. III, 332.
plätem, pletern, plädern, sw., viel re-
den, schwatzen; schänden, Geklälsche
machen. Im Rein. Vos (V. 4146) plei-
teren prozessieren; vom franz. plaider.
Im Holsteinschen, in Pommern, im
Bremischen ebenfalls plätem. Schütze
m, 216. Dähn., 351b. Brem. Wb.
ni, 324. Davon pISterIg, adj., schwatz-
154
Platsche — Platz.
haft, zum Schänden geneigt. Pläter-
kaschy -ITS, /., schwatzhaftes Frauen-
zimmer; ebenso Pläderkasch, -ITs. Vgl.
pladdern 3.
Platsche, /., grofzer platter [Klofz,
Eeilcben. Auch: Platschkeilchen, pitd.
PlatschkTike. Vgl. Keilchen.
platschen y 9w. 1. klatschend, plät-
schernd im Wasser patschen, es ver-
giel'zen, ausgiefzen, durchwaten; auch
putschen. Er geht durch die Pfütze^
dafz es mun so platscht. Da ös on
Wief^ do geit ver Ohle^ dey putscht on
platscht väl Water uth, Carm. nupt. V,
216b. 2. stark regnen, dafz die Tropfen
tönend aufschlagen. In Hessen pletschen,
pldtscJien, Vilmar, 304. Sperber,
25. Vgl. plantschen u. patschen.
Plätschken , Plätschchen , Pletschken,
-chen, plur.^ die jungen Hülsen der
Garten- und Felderbsen, die zunächst
nach der Blute sich ansetzen, aber noch
keine Kerne gebildet haben. Nsslm.
Forsch. 3; TL, 219. Hennig, 188,
schreibt ungenau Hezschen und erklärt
zunächst: kleine Schoten, die noch nicht
völlig reif sind.
platt, adj. u. adv, 1. ohne Umschweif,
geradezu, schlechtweg. Der Mann ist
ganz platt, er redet und beträgt sich
ungekünstelt. 2. völlig, gänzlich. Ich
hab^s platt vergessen. Ich hab's platt
verloren^ — es ist mir platt von Hän-
den gekommeriy es ist gänzlich weg. 3.
niederdeutsch. &ie redet mit dem Ge-
sinde platt. Hennig, 187. Franz. u.
holl. plat flach, engl, flat^ schwed. flaat^
isl. /o, flatur. Brem. Wb. III, 331.
Platteis, pltd. PlattlS, Scholle, Pleuro-
nectes platessa. Auch Scholliken (bei
Simon Grünau), Glattbutte, Goldbutte.
Benecke, 96. Bujack, 396.
Plätteisen, pltd. PläddTseCn), n., Eisen
zum Plätten, Glätten, der Wäsche,
Bugeleisen.
plätten,st(7., platt machen, eben machen,
glätten, die Wäsche bügeln. Engl, flat
und plat Brem. Wb. III, 332. Hen-
nig, 187. Plätt/iemde^ Hdttwäscfie.
Plattfufz, 972., im Rätsel Name der
Gans. Dorr, 78, 14. S. Patschfufz.
Plattmann, w , Schifierknecht auf einer
Platte^ Plätte^ einem Wasserfahrzeug
mit plattem Boden. Weichsel. Würde
ein Steuermann oder Plattmann abinln-
stig ohne redliche Ursache so soll dem
Steuermann der Halfz^ dem Plattmann
die Hand abgehauen werden. „Landes-
Wylkore zu Marienburg" aus 1420.
Bei Frisch II, 62c: Plathenknecht
Vgl. Weigand II, 360: Platte. Zer-
necke, Thomische Chron., 39.
Platz, m., plur. Plätze u. Platzen. 1.
Fladen, flacher dunner Kuchen. Altpr.
plinxne (Yoc.342, als Erklärung Pleicze)^
\it. plyckas, pli/skas, poln. placek. Nsslm.
TL, 131. Lit. Aeq., 10. Buttepplatz,
Fladen mit Butter abgemacht. Flamm-
platz = Flammfladen (s. d.). Kartoffel-
platz, Flinze von Kartoffeln. Westpr.
Ygl. Flinze. In Bayern P/ate, Plätzen,
in Hessen Blatz. Schmeller I, 340.
Yilmar, 40. Vgl. Anton, 11, 10.
Bernd, 212. Sperber, 24. 2.in über-
tragener Bedeutung: unbeholfener, phleg-
matischer Mensch, Tölpel, Klotz. Wenn
ich denJ^, ich hol/ einen Schatz , Hab'
ich nur einen groben Platz. Volksr.,
242, 853.
Platz, m.y knallender Schall, beson-
ders Peitschenknall, davon platzen.
Platz, m. Etwas zu Platz bringen,
etwas zuwege, zum Vorschein bringen.
Wi weeten nich, wat alles uinger dem
Deckmantel von dem Wahrsegergewanv
to Platz brocht ward. Dorr, l.Wiew., 100.
Platz — Plauksch.
155
Pläb, fw., Fischo., s. Plöiz.
platzdrachtig , adj. 1. hoch trachtig,
trachtig bis zum Platzen. 2. sich platz-
drachtig ärgern^ sich bis zum Platzen
argem.
platzen, »w. 1. von dem Geräusch, das
fallender Regen, fallendes Wasser ver-
ursacht. Es regnet^ dafz es platzt Platz-
regen. In Bremen plastem, Brem. Wb.
III, 329. 2. knallen, mit der Peitsche.
3. schnell und mit Geräusch in eine
Wohnung dringen, in eine Stube tre-
ten. Er platzte in die Stube. Bei Je-
roschin: do platzten st ouch in daz
hus zu Puteninken tougenclich 183 c.
4. feindlich auf jemand eindringen.
Jeroschin: mit den stnen platzte er
ungeicamit uf dt schar 111b. dö quam
uf st der vtnde schar geplatzit unge-
icamit dar 115c. Pfeiffer, 205.
Platzer, m., die Schmitze, das Schnur-
chen an der Peitsche, das beim Schwünge
platzt == knallt.
Platzmeister, m.^ Hochzeitsbitter,
Brautführer und Festordner bei der
Hochzeit. Die Platzmeistei* sind junge,
unverheiratete Bursche, welche auf dem
Lande das Amt der Hochzeitsbitter
bekleiden, dem Brautpaare das Geleite
zur Kirche geben (Marschälle) und
demselben während der Trauung zur
Seite stehen; auch haben sie bei der
Maidzeit die Honneurs zu machen. Sie
werden von den Brautjungfern mit
künstlichen Blumen und bunten Bän-
dern grell herausgeputzt, und ebenso
schmücken sie ihre Pferde. Bei dem
Bitt- (Einladungs-) Umzüge reiten sie,
wenn irgend angänglich, bis in die
Stube und halten vom Pferde herab
ihre Einladungsrede. Der Platzmeister
von Seiten der Braut wird der erste
oder älteste genannt. Sowohl in ihrer
Eigenschaft als Hochzeitsbitter wie als
Begleiter des Brautpaares führen sie
tüchtige Enallpeitschen, in deren Hand-
habung sie auizergewöhnliche Virtuo-
sität beweisen. Sie sind also Meister
im Platzen y d. i. im Eoiallen mit der
Peitsche. Doch kann man zur Er-
klärung ihres Namens sie auch als
Meister vom Platze ansehen. Toa K&rch
foare uta de Brutlied hlosz tice Brut-
jungfere on twe Hatzmeista^ch^ twe gode
Menna on twe gode Wiewa; oawasch
toa Moaltied weare woall an achtig bett
nägentig Mönsche geböde. Boldt, 6.
Vgl. Hintz, 66. 67. Toppen, Abergl.,
84 f. Volksr., 244. 856. Die Platz-
maister waren ehemals im Salzburger
Gebirge die Vortänzer auf Hochzeiten;
in Bayern ist der Plazmaister Regler
und Ordner des Tanzes; er holt die
Mädchen ins Wirtshaus, wirbt Tän-
zer etc. Schmellerl, 340. In Hessen
heifzen die Festordner bei der Kirmes
PlatzburschCy Platzknechte. Vilmar,
62. 303. Hennig, 187.
Platzmeisterspruch, 7n., Rede des Platz-
meisters, oft gereimt, doch auch viel-
fach in Prosa, mit Reimen untermischt.
Die Rede ist Einladungsrede oder Tisch-
rede. Solche Reden sind mitgeteilt in:
N. Pr. Prov.-Bl. IV, 48 (aus dem Erm-
lande); V, 232 (aus Litauen, lit und
deutsch); a. F. XII, 105 (Natangen).
Volksr., 244fiF., 856. 857. 858. 861. 862
(aus Westpreufzen u. Samland). Top-
pen, Abergl., 87 (aus Masuren).
plauksch, interj.^ schallnachahmend;
zur Bezeichnung des Tones, den ein
ins Wasser fallender Körper oder eine
mit einem Guiz ausgeschüttete Flüssig-
keit verursacht. Plauksch fiel er hinein.
Poln. cJdust, plusk. Vgl. brdz^ bums^
pardauz^ schmauks, schnippSy schwapps.
Hennig, 238. Davon
Plauksch, m.y GoTz, Regengolz. Mit
156
plaokschen — Pleskott.
einem PUttiksch giefzen. Das war ein
gelwriger Plauksch Regen.
plaukschen, sw,, mit Schall aasgiefzen,
gui'zweise spritzen, ubergiefzen, stark
regnen; poln. cfdtistacy pltiskad. Vgl.
Schwauks.
Plauter, w., Strandbewohner, der ver-
pflichtet ist, bei Unglücksfallen auf der
See Hilfe zu leisten. Strandordg. vom
Jahre 1728. Mühling. Vgl. Pijauter.
Plautz, Plairtze, pltd. PiQz, /., das Ge-
schlinge, die Luftröhre eines geschlach-
teten Tieres nebst Lunge, die Lunge
allein. Weibern, welche andern durch
Klatscherei schadeten, wurde im 17.
Jahrh. das Maul mit Plauzen gedroschen.
Notizen aus Konitz. Pr. Prov.-Bl. 11,
209. Mir quillt die Plautze^ hört man
den sagen, der in Zorn gerät. Die
Plauz lauft ihm bald über^ er wird
leicht zornig. Sich die Plautze voll är-
gem., Sprw. I, 2958. Man mufz sich
die Plauz aus dem Leib ärgern. Sich
ärgern^ dafz einem die Plautze platzt
Du kannst ärbeide^ dat dt de Plüfs ver
e Fei föllt etc. Egsbg. Firmenich
I, 101a. Schloog em dot^ Dat de Pluz
em ruter flog. Yolksr., 130, 546. Altpr.
plauti Lunge (Voc. 126), lit. plaüczeij
lett. plauzes^ plau^chi^ poln. pluca.
Nsslm. Forsch. 2; Th., 130. Bock,
44. Hennig, 189. In Danzig giebt
es eine Plautzengasse, in der man früher
die Ealdauncn geschlachteter Tiere,
namentlich Plautzeny feilbot. Löschin,
44.
plauizig, pltd. pIQzig, adj. von Plautze,
aufgedunsen wie die Lunge, schwam-
mig dick, völlig und rund im Gesicht.
Er hat ein plautziges Gesicht — plautzige
Hand!. Li Hamburg plüssig^ im Brem.
plutzig. Richey, 189. Brem.Wb. III,
347.
Plautzmauly pltd. PIQzmQI, n., Mensch
mit dicken hängenden Lippen; aber
auch ein unfreundlicher, mürrischer
Mensch.
Plawnika, /., Staknetz zum Fange
der Heringe. Putziger Wiek. Benecke,
380.
Pleban, m., Pfarrer. Werder. Von
dem gleichbed. poln. pleban. Sie schich-
ten nach ihrem Pleban, da/z er dach
bald zu einem Krancken in den Krug
kommen und ihn berichten soUe. H art-
wich, 523.
Plebb, /., eine Art efzbarer Pilze,
den Steinpilzen ähnlich. Dönh. Nach
Mühling auch Schlicker.
Plebock, m., s. Piabock.
Pleckbaum, m., plecken, m., s. pllcken.
Pleckfinky m.^ Heringssalat. Danzig.
W. Seidel, 33.
plempen, ««?., im Wasser arbeiten,
hantieren. Vgl. plUmpem.
Plempern, plur., die Blätter von Me-
nyanihes nymphaeoides L. Frische Neh-
rung. Die Blätter werden im Sommer
als Viehfiitter verwendet
plempern, sw., s. pittmpern.
plengen, sw.^ schänden, klatschen, ver-
leumden, Erzähltes weiter tragen; ur-
sprünglich wohl: mischen, rühren, durch-
einander mengen, Mnd. Wb. HI, 345 b.
In Bremen schleppen, schwere Arbeit
thun. Brem. Wb. HI, 337. Davon
Plengerei, /., Geklatsche, Verleumdung.
Bock, 43. Hennig, 188.
PleSchTr, PlesTr, pltd. Ples6r, n., Ver-
gnügen, Lustbarkeit, gewöhnlich Ple-
schir- oder Plestr- Vergnügen. Das ist
mein Plestr - Vergnügen. Das franz.
plaisi?'.
PIftse, /., Öse von Schnur oder Tuch
zum Enöpfcn. Schemionek, 28.
PlesTr, n., s. PlefehTr.
PlSskott, /., häfzlicher, ungeschick-
ter Mensch, Tolpatsch. Treichel.
ple88^re(n) — Plickschulden.
157
ple886re(n), su?., blessieren. Bei os
ffeplessert geworde. PlessQr, /., Blessar.
Plest, Pltoter, n., s. Piaster.
pletem, 9w,^ s. plätern.
Pletschken, Pletschchen, j^/ur., s. Plätsch-
ken.
Pletüngy (?), ehemaliger ordinärer
Kleiderstoff. Viol^t, 178.
Pletz, m., Pletze, /., s. Plötz.
Pletzentuchgam, n., s. PItttzentuch.
Pletzenzug, m.^ s. PItttzentuch.
Plezschen, pZun, s. Plätschken.
Pllbischken, Pliwischken, Ortsn., Kirch-
dorf bei Wehlau, in ostpreufzischem
Kindermunde wohlbekannt: Unser
Herr Kantor von Plibischken Ist geritten
nach der Stadt, Graue Erbsen in der
(in zwei) Lischken ^ Die er selbst ge-
droschen hat. Statt Kantor auch Prä-
zentOTy Ffan^er^ ja sogar Amtmann.
Volksr., 272, 943 f. Sperber, 40. Eine
noch angedruckte Variante des Kinder-
reims lautet: Unser Herr Pfarrer aus
Plibischken Ist gefahren in die Stadtj
Er hat Eier in der Lischkeny Die er
selbst geleget hat Über ein Gewehr
aus der Rüstkammer in Plibischken^ wo-
mit schlechte Wehr und Waffe bezeich-
net wird, s. Sprw. I, 1262. Hennig,
215.
Plicht,/., Tracht Schläge, Hiebe. On
heft doch solwst en sienem Lowe So^m
Junge manche Plicht gegäwe. Lhrztg.
1881, S. 92a. Vgl. Pflicht.
Plichtau, n., in Stein, Peregrinus HI,
3 unter res nauticae.
Plick, bei Hennig, 188, Plik, (?),
Kleinigkeit, kleines Stück, Teil. Da-
von: pllckwelse, pltd. plöckwts, in ein-
zelnen kleinen Posten, Partien. Plick-
schulden, plur.y heute Flickschulden^ ein-
zelne kleine Schuldposten. Bei Dus-
burg Plica Barthcy bei Jeroschin
Plicke Bartin Klein Barten. Lit. Aeq.^
20. Nsslm. Forsch. 3; Th., 131. Plik
Kleinigkeit ebenfedls im Brem. Bi Plik
un bi Plak bei Kleinigkeiten. Dat Geld
kamt bi Plik un bi Plak in^ in kleinen
Posten, aber nach und nach bei Heller
und Pfennig ein. Brem. Wb. HI, 328.
In Pommern tritt PUck, n., in Zusam-
mensetzungen als Bestimmungswort auf
und druckt ebenfalls eine Verkleinerung
aus: Plickkroogy Plickschoole^ Hickschul-
den, plickwisCy adv. Dähn., 353a.
Pllcky 77»., Kopf. Dönh.
Plick, /. Lange Plicky Name eines
der fünf groGzen Sandberge auf der
kurischen Nehrung in der Gegend von
Rossitten. Altpr. RI. IV, 301.
Pllckai, Pllckas, plur.^ handgrofze Fla-
den aus einem Gemische von geriebe-
nen Kartoffeln und Mehlteig, entweder
gebacken oder in Wasser gekocht. Ge-
richt am Palmsonntag. Litauen. Lit.
plyckaSy plyskas. Nsslm. Wb., 309a.
Volkskal., 78.
plicken, plecken, im ostpr. Pltd. pittcke,
»w, 1. pflücken, abpflücken; einen
Baum abschälen, der Rinde berauben.
Ein derartig abgeschälter Baum heilzt
Pleckbaum. Hennig, 188. plicken ist
wohl nichts weiter als verderbt hchd.
pflücken, Nsslm., Forsch. 3; Th., 131,
denkt an eine Abstammung aus dem
Lit. und weist darauf hin, dafz von
dem lit. plikaSy kahl, sich bilden die
Verba plikyti^ pliBnti kahl machen,
rupfen, plinku^ pDkti kahl werden. 2.
stopfen, zustopfen, und daher auch ver-
plicken, Öffnungen genau und sorg<ig
verstopfen. Döhn. Brem.-nds. Plugge
Pflock, pluggen mit einem hölzernen
Nagel (Pflock) befestigen, pluggen un
to prinen schlecht zustopfen. Brem.
Wb. in, 341.
Plickschulden, plur.^ plickweise, od/.,
s. Plick.
158
PUkaoler — plirren.
nksad», plur,^ nach Hennig. 188,
armer MenscL der wenig bat im Nach-
trage, 333: der wenig aaf seinem Leibe
bat, von dem lit. pttias kabU nackt.
Im Sinne von Hikauter lett. plikka-
dihdü. Nsslm , Forscb. 3; Tb., 131.
Bock, 44. Mühling hat neben Hi-
kauter Pojaiffer, wohl «= Ptjauter (s. d.).
Vgl. auch Plauter.
Piimme, /., s. anschmeifzen.
plimpeniy sir., s. pWmpern.
Plinder, Plinger, m. u /. u. Zusammen-
setzungen s. PiUnder.
plinken, plinkem, «tr., bh'nken, die
Augen in schneller Wiederholung,
krankhaft oder aus Angewohnheit,
scbliefzen, blinzeln, mit den Augen
winken, zuwinken, durch Blick zustim-
men. Dannzuplinken^zuplinkem. Welche
wenn sie was reden oder hören mit den
äugen plincken, die stim runtzeln^ die
ncts^ das maul krumpfen, und grifflaclien^
sind gemeiniglich falsche leut^ zusammen-
hetzer und betriger. Stein, Pere-
grinus XI, 84. W. Mtsblät. V, 191.
Se plinkt mi to. Dorr, 1. Wiew., 20.
Moll, pinken, pinkoogen^ engl, to pink,
blink^ schwed. blinka, in Pommern
plinken, plinkem, plinkögen. Brem.
Wb. III, 338. Dähn, 353a. Hen-
nig, 188.
Plinke(n)fUhrer, m , s. PlUnderfUhrer.
Plinkerling, (?), Knabenspiel, s.v.a. an-
plimmen. Tilsit. S. anschmeifzen.
plinsen, sic.^ s. plinzen.
Plinz(e), /., s. v. a. Flinze. Saal-
feld.
plinzelni sw,, blinzeln. Trcichel.
plinzen, plinsen, sw , laut weinen ; wei-
nen überhaupt. Er plinzt über jede
Kleinigkeit, Sc plinzt seck oft de Oge
rot Nowack, 36. Alien Sä/m, doa
wascht doch nich foaz plinse, Boldt,
20. Ein Frauenzimmer, das leicht
weint, heifzt Pltnzkathrin\ Da die
Kinder beim Weinen oft die Hände
über die Augen decken, was auch beim
Yersteckspiel der thun mutz, der die
Versteckten zu suchen hat, so heifzt
auch dies spielende Verdecken der Augen
plinzen, Samland. Elbing. Schemio-
nek, 28. In Königsberg winken, in Ma-
suren luggen.
Pnraffe, m. s. PITraoge.
PITrauge, pitd. Pllrög, n. 1. Auge
mit Pliren; aber auch entzündetes,
rotes, triefendes Auge. In Bremen
Bleeroge. Brem. Wb. I, 99. 2. Schimpf-
wort auf einen, der entzündete Augen
hat, oder der schlecht, wenig, sieht.
In diesem Sinne auch: PlTraffe.
pITraugig, pltd. plTrögig, auch plfr-
augsch, pltd. pITrAgsch, adj., triefaugig,
engl, blear-eyed. Beliebtes Schimpfwort.
Pl'raugsche Margell!
PItre, /., die zähe Schleimmasse (Ma-
terie), welche kranke Augen aussondern.
Sie sammelt sich vorzugsweise in den
Augenwinkeln an. Bock, 44, u. Hen-
nig, 189, schreiben PlUren.
pitren, sw. 1. Pliren aussondern.
Die Augen pliren mir. 2. Die Augen-
lider zusammenziehen, um genau zu
sehen; nach Bock, 45, mit halbge-
schlossenen Augen sehen, zielen, mit
den Augen blinken, nach Hennig,
189, die Augen wegen anhängender
Feuchtigkeit oft zusammenziehen. In
Bremen plüren, in Hamburg pliren^
engl, blear. Brem. Wb. IH, 346. Dan.
plire blinzeln. 3. weinen. Saalfeld.
Nach Treichel auch in Westpr., hier
auch plirren.
plTrig, adj. 1. mit PVren behaftet,
pliräugig; nach Treichel auch ver-
weint, in den Augen krankhaft aus-
sehend. 2. trübe, Saalfeld.
plirren, ^w., s. pITren.
Plirte — plömpern.
159
Plirte, /., schlechter KaflFee. Trei-
chel.
piTsem, »w 1. faseln, zupfeD, abrei-
izen, zerzupfen, zerpflücken, zerzausen.
Pliser nich das Picket (Bouquct) zu
schänden {entzwei)! Saalfeld. Am
Brot plfsem^ naschend Bröckchen da-
von abreifzen. Der Wind pltsert das
Dach. Den Weihnachtsbaum pltsem^
plündern, was den Kindern zu Neujahr,
hin und wieder auch zu heilige drei
Könige gestattet wird. Sperber, 25.
In der Zusammensetzung ab- ver- u.
zerpiTsem, pltd. «/-, ver- u. tetylisre(n).
Die Haare verpUsem^ zerzausen. Der
Sturm zerplisert das {Stroh-) Dach,
In Bremen plusen, in Hamburg pliisen,
Brem. Wb. III, 346. 2. mit Mühe
auseinanderfalten, Verzausles aufwirren.
Unebenes glätten. Die zusammengekleb-
ten Blattei* eines Bicc/ies auseinander
plisom. Die Ohren aus einem Buche
pltsem. Vgl. aufpiTsem.
Pllske, (?), Knöchelspiel der Kinder.
Dähn. Poln. pliszki^ plur,^ ein gewisses
Spiel kleiner Kinder (welcher Art nicht
angegeben). Mrongo v. I, 336a.
Pllske, m., der Ubergufz auf den
Feiertagsfladen. Er besteht aus Butter,
Mehl, Safran, Anis und Gewürz.
Samland. Litt, plyskas^ plyckas dünner
Fladen, am Palmsonntag üblich. Rag-
nit. Vgl. Nsslm., Wb. 309a.
PIfskesonnabend, m,y der Sonnabend
vor Ostern, an welchem Pltsken ge-
backen werden. Samland. Vgl. Blau-
montag.
PiTte, /. 1. abgestandener, abge-
schälter Baumstamm; Holzfloiz. Die
Bitten konmien als mit Waren belastete
Holztraften aus Polen nach Preuizen.
Poln. ptyt Flofz, ptet Flofz, Flolzstamm,
Flofzbaum, von plywam, plywac schwim-
men. Nsslm. Forsch. 3; TL, 132.
Auch Pirtholz, Plittholz; in Bock, Nat.
I, 585: Plytten. Vgl. Plechbaum unter
pllcken. 2. alter Foliant, altes un-
brauchbares, zerlesenes Buch. Bock,
44. Hennig, 188.
Pirtholz, Tl., s. PItte.
putschen, sw,^ s. platschen.
PIHte, /., s. Bleide.
Plitte, PlUtte, /., kleine Pfütze.
Treichel.
Putten, plur,^ kleines Gesindel. (?)
Mühling.
Plittholz, n., s. Pllte.
PlOggeweng, n., s. Pfluggewende.
PlOgmann, m., s. Pflugmann.
pittmerant, n.y plUmerant
Plompart, m., s. PlumparL
PIttmpe, /., Plempe, Plämpe, Seiten-
gewehr, Säbel.
pittmpem, plempern, plUmpern, plimpem,
8?^, giefzen, im Wasser patschend
spielen, es vergielzen; hörbar tröpfeln,
plätschernd tröpfeln; giei'zend und mit
Geräusch regnen; giefzend mischen,
mantschen. Das Ruder plömpert^ wenn
es ins Wasser gesenkt wird. Kinder
plimpem in der Suppe^ indem sie diese
schöpfen und wieder aus dem Löffel
plimpend fallen lassen. Öm Harwst
plömpert et manchmal von bäwe raf^
wat vom Himmelke käme kann, Kgsbg.
Firmenich I, 101a. Das Bier ist ge-
plümpert= getauft, verdünnt, mit Wasser
versetzt. Zusammensetzungen: abplifm-
pem (s. d.), beplttmpern, begiefzen, be-
regnen. Die hat sich gut beplömpert^
nafz gemacht. verplOmpem, vergielzen.
Verplomper nicht so viel Wasser! ver-
plömpem, verplempern aber auch Geld
verthun, durchbringen. Sichverplempem^
sein Herz verlieren, sich verlieben; einen
Fauxpas thun: eine falsche Karte aus-
spielen und dadurch den Gewinn ge-
föhrden, übereilt aus der Schule schwat-
160
Plön — pluddem.
zen etc. Bei Dorr, 65, findet sich &r
plampem noch die Bedeutung: im Leibe,
in den Gedärmen rollen, rumoren: On
ock drink ömmer Schomper (Schemper),
Dat deit mi om Buk romplömpem.
Bock, 44. Ilennig, 189. Sper-
ber, 35.
Plön, m. 1. die letzte Garbe. 2.
Emtestraufz, Erntekranz. Poln. plon
Ertrag, Segen, litt, plönis Ernte-
kranz. Vgl Hexspr., 16, 3. Kranz-
bier, das den Überbringern des Ernte-
kranzes zur Stelle gereicht wird, auch
Emtemahlzeit, Eniteschmaus, Ernte-
bier, Austbier. Altpr, M. VIII, 70.
Sperber, 39. Nsslm. Forsch. 2;
Th., 132.
plDrren, sw.y plärren, schluchzend
weinen ; lat. plorare^ frz. pleurer. Vgl.
blarren.
PIOS, Plose (o kurz), /., plur., der
besonders gebräuchlich, Plosen. 1.
Fetzen, Lappen, Eodder und, wie letz-
teres, auch altes Kleidungsstück. Er
reifzt ihm die Plosen vom Leibe^ zerrt
ihm an den Kleidern. 2. dürftig aus-
gestattetes Stück Federbett, in Danzig
Pluchen (W.Seidel, 33). EPlosBett.
Natangen. Samland. Vgl. Nsslm.
Forsch. 3; Th, 132, wo die Verwandt-
schaft zwischen Plosen u. Pluchen nach-
gewiesen, und das erstere als die echt
preufzische ältere Form bezeichnet wird.
PWsch, (?) Stör on Fösch, Wäter on
Plosch^ Plösch on Wäter^ Mus on Kater,
Volksr. 149, 637.
PlOSSen. „Darumb hab ich.,, dreier-
ley meylen mimen setzen^ sonsten hette
ich einen schändlicJien phssen gelegt.
Hennenberger, S. 9.
PlOty (?), aasgehöhlter Baumstamm,
der als Kahn benutzt wird. Tiegen-
hof.
PISter, m,, ärmlicher Mensch. Er
ist man so^n Floter. Davon piBt'rig,
ad}.^ ärmlich, elend. Plotrig sein —
sich plotrig machen. PIDterei, /., Ar-
mut, Elend. Da herrscht grojze PZ5-
terei. plDtem, si/?.,. wie ein Plöter leben,
wirtschaften. Tr e ich el.
PlOtZ, 971., S. PlutZ.
Plötz(c), /., Leudscus (jCyprinus^ ru-
tilus. Auch Platz, Pletz, Pletze, lit.
bruiszis^ brunszis, kur. brunscha^ hrunsze^
mas. kass. ptotka, ploc, ploczieczka^ pto-
cica, Simon Grünau, Ti^act I, c(tp.
III, hat im Plural: ploczenn. Benecke,
136. Bujack, 394. Schmitt, 108;
Westpr., 166. Mühlin g, Tiem., 176.
PIDtzentuch, Pletzentuch, Pletzentuch-
garn, pltd. Fletzendok^ -^^^'^ w., auch
Pletzenzug, m., Abteilung am Flügel des
Herbstgarns mit Maschenweite von lern.
Es heii'zt auch Staggertuch. Das Pletzen-
dooksgam wird von der schlechtesten
Ueede^ auch dicker tote das übrige^ ge-
spannen. Bock, Nat. IV, 716. Sper-
ber, 25. S. Windegarn.
PIDtzenzeug, n,, s. PIDtzentuch.
PlOtznetz, n., a. bewegliches, Netz zum
Fang von Plötzen und ähnlichen W^eifis-
fischen, aus nur einem Flügel und einer
Metritze bestehend. Es heifzt auch
Drehnetz, weil der Flügel im Kreise
um die mit einer Pricke befestigte
Metritze geführt wird. Lit. suktinnis^
bristinnis, Beschreibung und Abbildung
in Benecke, 344. b. Staknetz ohne
Gaddei^n, lit. bristinnis^ bruiszinnis.
Benecke, 375.
Pluchen, plur.^ s. Plos.
Pludderhose, /"., Pluderhose, weites,
faltiges Beinkleid. Im 15. Jahrh. plo-
derJiosen, im 16. u. 17. Jahrh. Bluder-^
Bioderhosen, Weigand II, 364. Poln.
pludry^ weite, bis auf die Ferse gehende
Hose. S. pluddem.
pluddem, sw,^ wellig, bauschig herab-
pluddrig — plums.
161
fallen und dabei rauschend tönen. Das
Wa^&er pluddert aufs Mühlrad, Die
wehende Fahne plttddert. Die pluddemde
Hose, s. Plvdderhosen. Davon pluddrig,
adj., lose, weit; von Kleidungsstücken.
Auch abgetragene Kleider nennt man
pluddf'ig^ und klingt das Wort in die-
ser Bedeutung an Plunder an. In wei-
term Sinne: dünn, wässerig. Die Suppe
ist pluddrig. In Bayern plodem^ plu-
dem nicht anschliefzen, Falten werfen;
von Kleidern. Schmellerl, 334. Nach
Treichel pludern eine Sache ohne
eigentliche Aufmerksamkeit behandeln.
pluddrig, adj., pludern, sw.^ s. das vor.
PlOm, /. 1. Pflaume. 2. cunnus,
PlOmeftp (a = a), m.^ Pflaumenaffe.
Schimpfwort.
plUmerant, plVmerant, blUmerant, blü-
merant, adj., unwohl, schwindelig, zur
Bezeichnung des Zustandes, in dem es
bunt vor den Augen flimmert. Mir ist
ganz plümerant vor Augen — zu Mute,
mir ist es „grün und gelb^ vor den
Augen, ich bin einer Ohnmacht nahe.
Von dem franz. bleur-mourant blaTzblau,
wasserblau; däu. plumre trüben, trübe
machen. Bei Danneil, 21a, blomrant
auch: bunt, blumenartig gezeichnet.
Plumpart, Plompart, m. (von plum-
bumf). Bleibe doch nicht allein bei
einem dickriechendem Physischem oder
Plompartschen Sphaerischen Tracktat . . .
Nun bedencke ein Nachsinnender Phy^
sicuSj denn auf die plumparts sehe ich
nickt. Linem., Pp 3a.
Plumpe, pltd. Plomp, /. 1. Pumpe;
Brunnen. 2. s. Pumpe.
plumpen, pltd. plompe(n), sw.^ pum-
pen.
Plumper, pltd. Plomper, m., Pumper.
PlUmper, m.^ scherzhafte Bezeichnung
fär einen Fischer. Von plumpen, in-
dem der Fischer plumpend die Netze
Ffitehbltr, W6rt«rbacli n.
ins Wasser wirft, oder mit der Plumpe^
Pumpe y die Fische durch Plumpem
scheucht. Ein Fischer, ein Plumper,
wann er nichts fangt? ein armer Stüm-
per. Carm. nupt I, 292. Vgl Pum-
pen.
plUmpern, sw., s. pISmpem.
Plumps, m., plumps, interf., s. plums.
Plumpsack, Plumsack, m., zusammen-
gedrehtes Taschentuch, worin ein fester
Knoten geknüpft ist. Mit dem Plump-
sack wird bei den bekannten Spielen
auf die Hände geschlagen. Der Plump-
sack geht hei^um, drum kehr' sich keiner
um! Vgl. die Plumpsackspiele in den
Volksr., 174, 687 f. Er heifzt auch
Glumsack, pltd. Glomsack, bei Hennig,
125, wahrscheinlich nach Hermes,
auch Klumpsack. Mir ward zuerkannt
Klumpsack zugeben . . . denken Sie selbst
wie sanft ich schlug. Soph. R. lY, 249.
Ebenso in Estland. S allmann, 34b.
Plumpschufz, m., Masse, Menge von
einer Sache. Einen Plumpschufz Höh
in den Ofen schieben. Friedland Ostpr.
plumpsen, sw.^ plumpen, mit dumpfem
Geräusch fallen, namentlich ins Wasser.
Ist ein JuS ins Wasser gefallen,
Hab' ihn hören plumpsen,
Wär^ ich nicht dazu gesprungen,
Wär^ der JuX ertrunken.
Volksr., 43, 164.
In Bayern und Schwaben pflumpfen,
pflumpsen. Schmeller I, 334. Bir-
linger, 96a. Engl, to plump in the
water.
Plumpshecht, m., schwimmendes Stück
Menschenkot, das ins Wasser plumpste.
Königsberg. Stammt aus der Zeit, in
welcher noch öfiPentliche Abtritte über
dem Pregel standen.
Plumpstock, m., s. Pumpe.
plums, plumps, interj., schallnach-
ahmend, zur Bezeichnung eines schwe-
ll
.V
162
Plomiar^ — phirinchen.
ren Falles. Plunu da lag er! Aach
als Substantiva, welche den plampsen-
den Schall aasdrücken: der Flums,
Plumps, Ebenso zur Bezeichnang eines
plötzlich eintretenden Ereignisses: &
ist zwar wa(h}r^ da/z es LAcht werde^
ehe die Sonne aufgehet: Aber das Licht
kan nicht der Tag genant werden^ so
man nicht plumbs^ weise davon reden
wolle, Linem., A3a.
Plumsack, m., s. Plumpsack.
Plunder, m.^ wertloses Gerät, Zeug,
Trödelkram. Das ist man alles Plun-
der. Vgl. das folg.
PlUnder, pltd. PiUnger, Pllnger, m. u.
/., gewöhnlich nur im Plural Plündern^
pltd. Plündre, Plüngre, Hingre. 1.
Lampen, Hadern. Koddre on Plündre!
Ruf der Glocken der litauischen Kirche
in Tilsit. Volksr., 269, 937 b. Der
Sammler der Plündern ist der PlUnder-,
Plinger-, in Westpr. auch Plinge- und
Plinkef Uhrer, resp. -leser; er sammelt
suchend riündem, oder tauscht sie ge-
gen bleierne Ringe, Schmucknadeln,
kleine Bilder, Planeten u. a. unbedeu-
tenden Kram ein, mit dem er auch
gegen bar handelt. Nach Treichel
nennt man diese hausierenden Krämer,
namentlich wenn ihr Geschäft über die
Plündern hinaus sich auf Eier, Butter
und Hühner erstreckt, in Westpr. KTpen-
kerls, weil sie ihre Ware in einer Ktpe
führen; auch Schatomiks. Schatomik
ist offenbar poln. Ursprungs, durch das
Wb. vonMrongov. aber nicht nach-
weisbar. Ist der Hausierer ein Jude,
so heii'zt er Plunder- etc. Jude, welcher
Name zugleich Schimpfwort auf jüdische
Kleinhändler ist. Hin und wieder nennt
man den Lumpensammler auch PlUn-
dermatz. ImBrem. Wb. lU, 345: Hun-
nen; bei Schütze HI, 222: Plünnen.
2. Kleider. Die Plündern kosten Geld.
Vgl. Kodder. Weitere Zasammensetzon-
gen: PlOnderltse, /., in Kleidern ab-
gerissenes Frauenzimmer. PlOnderpiin-
gel, n., Pungel (Bündel) mit Plündern,
mit wertlosem Kram. PKtiidersellery m.,
Trödler, der mit Plündern^ mit alten
Kleidern, handelt. YgL Seiler. PiUnder-
staaty m,y Planderstaat, Flitterstaat, wert-
loser Putz. In gleichem Sinne auch PIDn-
derwerky n. Vgl. Prachersiaat Alle Zu-
sammensetzungen auch mit Plünger und
PUnger.
Plundrigkeit, /., Lumperei, lumpiges
Wesen.
Plunk, m.y verwandt mit Münder,
Plunder, Plünderwerk. Deine Kleider
sind lauter Plunken, Saalfeld.
Plunschy m., s. Plurksch.
pluppem, sw., plätschern, pantschen.
Es pluppert im Teich, Der erste Wäch-
ter ho9't etwas pluppem im Teich und
eilt hin, zu sehen, was da pluppert Aus
einem Volksspiel.
Pluraffe, m,, finsterer, heimtückischer
Mensch. Vgl PITraffe u. PITrauge.
PlUre, /., plUren, sw. etc., s. PITre etc.
plOren, sw., greifen, fassen, zausen.
VaudeFritz, deivmssd* tau plure(: Bure),
Wo Noth e detj brauv i de Hau (Haar).
Flatow. Firmenich I, 120a.
Plurksch, 9n. I. schallnachahmend: das
Klatschen einer mit kurzem Schwünge
weggegossenen Flüssigkeit; GuCz der
Entleerung beim Durchfall, RegenguTz,
poln. phisk. Lit. plurziti pladdern,
plurszkejimas Durchfall. Er giefzt einen
Plurksch Wasser in den Kessel. Das
war ein guter Plurksch, ein tüchtiger
(Regen-) Gul'z. 2. schlechter Kaffee,
dünnes Bier, fades Getränk überhaupt,
wert, mit einem Plurksch weggegossen
zu werden. Nach Mühling Plurks,
nach Sperber, 43, auch Plunsch.
plurkschen, sw. 1. giefzen mit einem
pluschen — Poch.
163
Flurhch. 2. mischen, mantschen, mit
Wasser versetzen. Das Bier ist ver-
plurhcht. verpiurkschen auch vergiel'zen.
3. stark regnen, so dafz die grofzcn
Tropfen hörbar aufschlagen. Das
plurkscht gut
piuschen, sw.^ nach Bock^ 44, s. v. a.
plengen^ also schänden, klatschen etc.,
nach Hennig, 189, unordentlich ver-
worrenes Zeug reden, also unüberlegt
schwatzen. Lit. plüdza Schwätzer,
plüdzUy plüsti und pluszkiü^ phiszkiti
schwatzen, poln. plot§^ plesi. Nsslm.
Forsch. 3; Th., 132. Hingewiesen sei
auf hchd. plauschen^ vertraulich kosen,
wie das Liebende thun, das ich in den
mir zugänglichen Wörterbüchern nicht
finde. In einem Männergesange, der
ein Liebespärchen und einen Horcher
vorführt, spricht letzterer: Mufz doch
lauschen^ was sie plauschen!
pluserig, adj.y zottig, aufgeraucht
Mühling. Ebenso in Liv- u. Estland.
Hapel, 174.
plustern, plOstern, sw. 1. zausen,
reil'zen, zerreii'zen, in Unordnung brin-
gen; also ähnlich wie pltsem. Der
Wind plustert das Dach, Davon ab-
plustern, kratzend abreii'zen: den Schorf
von der Wunde etc. In Bremen beim
Durchsuchen verwirren. Brem. Wb. HI,
347. In Estland plustern zerzausen,
zerwühlen; ausgelassen tollen. S all-
mann, 38a. S. auch Danneil, 158b:
phisn u. plustern. Nach Marold plu-
stern von den Vögeln, wenn sie ge-
räuschvoll mit den Flügeln herumarbei-
ten. 2. beschwerlich waten. Mühling.
3. im Bade plätschern und schnaufen.
Friedland Ostpr. 4. »ich plustern^ von
Vögeln, die sich in den Fedefti auf-
daunen, s. aufplustern.
plustrig, adj.^ aufgeblasen, aufgedaunt.
aufgebauscht. Plustriges Schöpsenfleisch
— plustrige Vogel — plustrige (wirre)
Haare. Ein stark gesteiftes Kleid sitzt
plustrig.
Piutz, Piotz, m. Etwas auf den Mutz
thun — machen^ es augenblicklich, ohne
Verzug und Aufschub ausfuhren. De
Medeztn pleggt op em Plutz to helpe^
auf der Stelle, sofort. £^ geschieht alles
auf den Plutz^ im Augenblick. H kam
mir auf den Plotz, in der Eile, Ge-
schwindigkeit. Dieses Beispiel bei Hen-
nig, 333; heute hört man fast aus-
schliel'zlich Plutz, Mühling hat noch
Blutz und verweist auf das verwandte
Blitz, Hotz mit Schall aufschlagender
Fall, der geschwind und unerwartet,
im Augenblick kommt und einen Augen-
blick währt. Das Wort ist der Stamm
von plötzlich. Vgl. Anton, 11, 12.
WeigandH, 363.
plUtzig, adj.^ nach Bock, 44, und
Hennig, 189, s. v. a. klitschig und
plautzig.
piOzig, adj., s. plautzig.
Pobethen, Ortsn., Kirchdorf im Kr.
Fischhausen. Spott: s. Kragau.
Pobitzke, /., kleineres Weichselfahr-
zeug. Von dem poln. pcbitka Regen-
dach über einem Flulzfahrzeuge. Vgl.
Gefäfz.
pSblig, adj,^ pöbelhaft, grob, unge-
schliffen. Ist das ein pobliger Mensch!
Treichel.
Poborren, plur.^ Steuern, bei Hart-
wich, S. 51, Brotgelder. Von dem poln.
pobor Steuer, Abgabe.
Poch, Pochel, Pocher, n., Lockruf und
Name für das Schwein, Pochel beson-
ders für das Ferkel; für dieses auch
Pochla. Ermland. Angerburg. Sam-
land. Vgl. Volksr., 64, 242c, Vgl.
Posch.
11*
164
pochwollerig — Pogegen.
pochwollerig, adj,^ roh, lärmend, grob.
Schemionek, 28. Poln. pochwaika
eine ausgestofzene Drohung.
Pockensteiriy m., Stein von verschie-
dener Farbe mit pockenartigen Enöpf-
chen. Vgl. Bock, Nat II, 370.
Pock(e)ramsche, /., fingierter Name
f&r ein klatschsuchtiges Weib, für ein
Weib, an das man unbrauchbare Ar-
beiter weist. Du kannst tdr Pockramsche
gane. Königsberg.
Poddente, /., Pfütze. Danzig. W.
Seidel, 33. In den GMomsm. Podente.
Nach Schemionek, 28, Podempd
Sumpf, Pfütze, Podronp Dümpel, Mist-
pfutze.
Ptddik, Puddik, m., Pudding. Hen-
nig, 189.
Podest, m., der Auftritt an den Fen-
stern. Gedanitm. W. Seidel, 33.
PodtR, in., Dem. PodTlttke, das Eisen-
band, welches die beiden Homer der
Zocke verbindet: nach den N. Pr. Prov.-
Bl. XL 74, Pydiemke das kleine Elisen
am Hom der Pflugschar. NachMielcke
Wb. IL 372b, lit. podym^ Pflug : Nsslm.
Th , 133, erklart dies Wort jedoch für
nicht litauisch, sondern als wahrschein-
lich aus der altpr. Sprache eingedrun-
gen. In dieser ist pedan (Voc. 245)
Pflugschar. Vgl. Zoche.
Pwilnke, in., s. PadMce.
Podhikenstock, m., findet sich ohne
Erklärung in Nsslm. Wb., 294b. Viel-
leicht die Zunge worin das PodÄmke
hingt.
PodtakenstridL m.. s. r. a. PödimkHte^
aas einem Strick bestehend.
PpdtaMte. f., Kette^ Tom I\>dtm aus-
gehend und die Gabel mit dem 2!oci'
bäum Terbindend. Sie hingt in der
Zunge. Vgl ZmIl
PtdiMie, f^ Rauchfuigssteuer: ehe-
mals in WestpreuTz. üblich; aus dem
gleichbed. poln. podymne. Mühling.
Poding, m., eiserner Halter des Streich-
brettes an der Zoche (s. d.).
PodTnke, m., s. Pudtnke.
PodlHzen, plur.^ Borten, Troddeln am
Kleide. Russ. podol^ poln. podoUk^ pan
doteky böhm. podolek Saum des Kleides,
Kockschofz. Nsslm. Forsch. 3; Th.,
134. Podlitzenmacher, j9&ir., firuhere Be-
zeichnung für die Bortenwirker, Posa-
mentiere, welche die von den Polen zu
ihren Kleidern gebrauchten SchnCLre
und Troddeln verfertigten. Dzg. W.
Seidel, 33. YgL PeUHzen.
podöisch, adj,, s. paddbdi.
Podromp, m., s. Poddente.
Podwod, /., Scharwerksdienst, Frohn-
fuhre. Dzg. Werder. W. Seidel, 33.
Nach Klein n, 61, eigentlich Vor^
spann, welchen in Polen die Edelleute
und Bauern bei Extraposten geben
müssen (muTzten); daher denn fiber-
haupt auch Frohndienst, wie in Flatow.
Schmitt, 108. Poln. und russ. pod-
u>dda Frohnfnhre, Vorspann, Spann-
dienst Nsslm. Forsch. 3; TL, 134.
HupeU 175. Podux»d an Scharwerk
körd stradts op. Seelenw., 105. VgL
Robot
ptdwroden, nr., von Podwod, Vorspann
geben, Frohndienste leisten. Klein II,
t>2: podu>odden. Vgl. scharweiteii.
?MLnM,m. I.Pöbel. Erl. Pr.II,
321. Hennig. 189. Auch GepAM.
Bei Jeroschin pocä. do wart dazpo^
ril zechen f'^f kirr lS6h. Pfeiffer, 206.
In Bayern IhfeL Pdfei für popuba.
Seh melier I, 279. 2. Ausschuiz,
schlechte Ware. Daron pifeif, pölüg,
adj,
PMoL VI., s. PMoL
Ortsn.. Dorf im Kr. Tilsit
Pogge — Pogiften.
165
ön Pagege^ wo^t apdd dagt Wenn de
Folomper bottem^ denn dägt et Sn Po^
gäge: Polompen^ Dorf bei Wilkischken
im Er. Tilsit, liegt östlicher als Po-
gegen.
Pogge, /. 1. Frosch; nach Mühling
in manchen Gegenden auch die Kröte.
Die Poggen haben das Wassei* ausge-
soffen^ wenn iu der Wassertonne das
Wasser ausgegangen ist. Wenn die Pog
getreten toird, so quarckt sie. Stein,
Peregrinus XII, 119. W. Mtsbl.V, 192.
De Pogg* kroggt Oge^ ein Schweigender
spricht endlich, ein Langweiliger wird
munter. Ängsi dl nich ver e Pogg^ äs
6k e Vägely äwer ane Zdgel, Sprw. I,
2964. Das Wort ist ursprünglich fin-
nisch-estnisch: poeg; von hier über-
kamen es die Schweden (poike Knabe,
Bursche, pige Mädchen), dann die Dä-
nen (pog^ und Engländer (bot/^ für Ko-
bold Puck)] dahin gehört auch das lit.
pükis Kaulbarsch und Kobold, und das
altn. püki böser Geist. Passarge,
handschr. Als m, auch im westfälischen
Hessen und in Westfalen. Vi 1 mar, 305.
2. kleiner Mensch; vgl das schwed.
paike. Von einem stolzen Menschen,
der sich brüstet, sagt man: Er pfrscht
sich wie eine Pogge. Hennig, 190. 3.
Geschwulst am Unterleibe tragender
Kühe und Stuten. Auch nennt man
die Krankheit des Bindviehes so, bei
welcher der Leib stark aufbläht. Rate-
formeln gegen die Pogge s. Hexspr.,
80 f.
Poggenftst, im Ermlande Poggenfeist,
m.j Zusammensetzung aus ftsten und
Pogge, 1. Froschlaich. 2. Bovist Vgl.
Paweffst
Poggenfufz, pltd. PoggefOt, m., ein
kleiner, unansehnlicher Mensch. Kuhm
had eck dat gedocht, so quam en Pogge-
foih^ de haud mie vor den Barth, Carm.
nupt, IV, 324d. De Dtwel sull se häle^
De öle Pogge föt. Volksr., 238, 840.
Vgl. Pogge 2. In Hamburg und im
Holsteinschen Paje/oot einer, der mit
breiten Fül'zen weite und langsame
Schritte thut. Richey, 180. Schütze
m, 187. Hennig, 190.
PoggengraSy n.y Krötenbinse, Juncus
bufonius L, Hagen, 385.
Poggenhechty m., Märzhecht. Müh-
ling.
Poggenknie , Pflzn. , ausdauernder
Knäuel, Scleranthus perennis L. Na-
tangen.
Poggenlaichsalbe. pltd. PoggelTksalw,
Medik., ünguentum cerussae.
Poggenpfuhl, m., StraCzenname in Dan-
zig, auf die frühere schlechte Beschaffen-
heit hinweisend, schon 1368 in einer
Verschreibung erwähnt. Löschin, 45.
Hirsch, 21.
Poggenritzer,^., stumpfes, abgebrauch-
tes Messer. Mar o Id. In Friedland
Ostpr. Poggenschlitzer.
Poggenschalen, plw.^ Muschelschalen,
die man im Kies findet und die aus
zwei fest aufeinanderliegenden Klappen
bestehen. Marold.
Poggenschnodder, m., Schnodder (s. d.)
der Poggen, Froschlaich. Vgl. Poggen-
ffst
Poggerams, (?), „saures Essen, so man
den Tag nach gehaltenem Schmaus
vorzusetzen pflegt.^ Hennig, 190.
Wohl aus dem lit. pdgirios der Nach-
rausch, die Unbehaglichkeit infolge
eines Rausches, pagiriomas^ adj,^ im
Nachrausche befindlich. Kurschat,
lit.-deut8ch. Wb., 285b. Poggerams ist
also ein „Kateressen^.
Pogiften, Pugiften, Pogifken, plur. Bis
in die Pogiften etc., bis zum äufzersten.
16ß
Pogitschken — Polk.
Der Berliner sagt: Bü in die Puppen!
Sprw. I, 2966. Sperber, 46.
Pogitschken , plur, , Johannisbeeren ,
ÄÄM rubrum L. Fr. Prov.-Bl. XXVII,
10. Poln. porzeczka,
Pojatz, m., s. Pajatz.
Pojauter, m., s. Plikauter.
Pök, Pökerling, m., kleiner Stofzdegen^
Dolch. Es soll kein Scholar keine Wehr^
es sey Schwerdt^ Dolc\ Pok^PokerUng etc.
tragen. Fundat. acad. leg. 1541. Hen-
nig, 190. Holl. pook 'Dolchy IaI. pugio.
In Hessen Pok jetzt stumpfes Messer.
Vilmar, 305. In Hamburg und Hol-
stein p($X:«n stechen, eine Wunde stechen,
daher PSk auch: Stich, Wunde. Ri chey,
190. Schütze III, 226. Im Braun-
schweigischen ist Pook auch ein schwa-
cher, unvermögender Mensch. Brem.
Wb. m, 349.
pSkem, sw.^ s. pfikem.
Pokulks, Pokuls, 9n., s. Pakulks.
P6I, pltd. Pal (a=»^/)» ^'j Dem. Polchen,
pltd. Pdlke, das Innere der Pflanze, der
Blattei"- und Blutentrieb. Piepke, Piepke,
^rad! (gerate) mi, Ock schld di op din
PahUce, beim Klopfen des Weidenastes
zur Pfeife. Volksr., 61, 237. Vgl. Herz-
polchen.
PSIchen, n., s. Pälke.
Poiek, m., s. Polk.
Polen, n. Das Nachbarland Polen
tritt mehrfach auf in despektierlichen
Redensarten: In Polen ist nichts zu
holen. Hier ist Polen offen^ in einer
schlechten Wirtschaft; besonders von
einem schlechten Wege. Schemionek,
29, hat diese Redensart als Ausruf der
Freude, wenn etwas wieder in Gang
kommt; auch in der Niederlaus, zeigt
dieselbe an, daiz eine aufgeregte Stim-
mung verbreitet ist, bei Freude oder
Schrecken. Erinnert an die Ausge-
lassenheit und ZOgellosigkeit der pol-
nischen Reichstage. Anton, 11, 12.
Dat OS wi on PäUy wo de olste Lus op
em Awe sött^ e Ptp Toback rokt on Uh-
sitt^ wt Streu gemakt ward. Sprw. I,
2967 f. Vgl. Pollack.
Polink, VI., s. Polk.
Pohtsch, Palltsch, /'., das über dem
Reithorn aufwärts gekrümmte Streich-
brett, von Eisen oder Ahornholz, an
der Zoche; lit. palyczia. Ygl. Zoche.
poittsch, a(^'., politisch, schlau, gewitzt,
gerieben, pfiffig, verschlagen. Das ist
ein polttscher Racker. Schrtwe on rrkne
nuscht, awer pollisch. In Bayern : höf-
lich, fein, auch polizeilich. S ch mel-
ier I, 280.
Polizeiaugen, plur., grofze Schaum-
blasen auf dem Bier. Das Bier hat
Polizeiaugen. Sprw. I, 356.
Polk, Polke, /., Poiek, Pollak, Polling,
Pollink, m., Neige, Rest, besonders der
im Krage gebliebene Rest. Wenn ein
Preufz die Polk austtnnkty er soll zum
ersten vom frischen trinken. Landes-
Ordg. des Hochm. Siegfried von Feucht-
wangen. Hennig, 190. Vgl. Trink-
recht. Pollakj wohl durch willkQrlicli
eingeschobenes a aus Polk gedehnt, ist
speziell der unverbrannt gebliebene Ta-
bakrest im Pfeifenkopfe. Polling, Pol-
link = PoVc , doch auch in erweiterter
Bedeutung das letzte Kind in der Fa-
milie. Da liast du den Polling, wenn
man einem das letzte Stückchen des
Brotes etc. reicht. Es ist unser Polling,
unser letztes Kind, dem wohl keines
mehr folgt. Letztere Form schliel'zt
sich auffallend leicht an das altpr. po-
linka er bleibt, polgnku sie bleiben
(im Katech.) an; der Infin. lautet im
Katech. polaikt, gedehnt aus polikt.
Diesem preufz. polikt entspricht lit. pa-
/
polk — polnisch.
167
llkti^ lett. palkkt^ daraus bildet sich lit.
pälaikasy lett. pcUiks, paleeks Rest^ Über-
bleibsel, lit. palMcüj paDk^ Waise. Aus
diesen Wörtern oder ihrem preufzischen
Äquivalent konnten sich mit Elision
des % sehr leicht die Formen PoUc^
Polke bilden. Nsslm. Forsch. 2; Th«,
136. Vgl. Pierson, Lit. Aeq., 20;
A. W., 34. Auch in Bayern (Franken.
Rheio) ist der Föläk Überrest eines
Trunkes im Glase. Schmeller I, 280.
poik, adv.y vollends, vollständig. £}r
zerbiHcht den (bereits geknickten) Stock
polky ganz und gar. Vef'darw dl de Oge
nich polk. Hei öa polk verdorwe^ er ist
ein Taugenichts. Et dürd nich lang^
80 wurd öck polk ok alles loa. Cami.
nupt I, 282, 1. In gleichem Sinne auch
polling(k). Jis ist polling auf^ es ist
alles aufgegessen. Der Strick zerreij'zt
polling. Etwas polling machen, es voll-
ständig machen, vollenden. Vgl. Polk.
Polke, /., s. Polk.
PVIke, 7n., s. Pälke.
polken, sw.y pellend ab- oder heraus-
ziehen. Sich in der Nase polken —
den Schorf von der Wunde polken, aö-
polken. Treichel. Vgl. pOlen.
PolkSy m.,grolzer Klacks (s. d.). Trei-
chel.
Pblly /., uDverhältnismäi'zig groizes
Trinkgefalz, z. B. Schussel statt Tasse.
Schemionek, 29.
Pollack, Pollak, m. 1. Pole, meist in
verächtlichem Sinn. Moder, wenn de
PoUak keine Wittönne mer schockt^ motte
wi alle op Stromp on Stel käme, Kö-
nigsberg. Firmenich 1, 101b. Ock
kofd* (kaufte) se (die Pfanne) vo7n Pol-
lacke. Volksl., 56, 38, 2. Die Polen
brachten in früheren Jahren irdenes
Geschirr, das für vorzüglich gehalten
wurde, auf ihren Wittinncn nach Königs-
berg. E Pollack blöwt e Pollack on
wenn hei bet Möddag liggt, dem Polen
ist nicht zu trauen. Scheifs^, Preufz,
Pollack frifzt alles, zur Bezeichnung un-
aufrichtiger Devotion. Masuren. Sprw.
I, 2973. 3008. 2. eine Art Schnupf-
tabak. 3. verkohlter Tabakrest im
Pfeifenkopf, s. Polk.
Poile, /., Stütze an der Schanzklei-
dung der SchifiPe, woran man die Taue
befestigt.
PWIe, Pille, /., Dem. PöUke, Piüke,
bauchige Kanne. E/r hat die Pölle im-
mer vor sich stehen, er liebt den Trunk.
Wie faake hebb öck da ma%ch Pöllke
Beer gesaape. Cm^m. nuptl^ 282, 1.
Ilennig, 191, weist für die Ableitung
hin auf das lit. pillu ich giel'ze, fülle
ein. Bock, 45. Vgl. Pulle.
Pollholz, n., Zopfholz, Yon PoU, PoUe
Kopf, Zopf, Wipfel. Brem. Wb. III,
351. Auch PollsOrenholz, wipfeldürres
Holz. Mühling. In Hamburg soor
dürr, trocken, saftlos; hoU. zoor. Ri-
chey, 279.
Polling(k}, m,, pollng(k), adj„ s. Polk
u. polk.
Pollschäwer, m. u. n., poil de chhriy
ein Kleiderstoff.
PollsOrenholz, n., s. Pollholz.
polnisch, pOlsch, adij.^ auf Polenart,
ebenfalls wie Polen in verächtlichem
Sinne: polnisc/ie WirUduxft, polnische
Sauwirtschaft Mit polnischem Ab-
schiede weggehen, ohne Abschied, oder
mit Hinterlassung von Schulden sich
in der Stille davon machen. Hennig,
5. Sprw. I, 18. Polnische Butter,
Salz; gequetschte Kartoffeln mit Zwiebeln
gemischt. Polnischer Hecht, polnisches
Butterbrot, Brot mit Salz bestreut. In
Masuren ist polnisch = katholisch, im
Gegensatz zu deutsch = evangelisch.
Im pölschen Bogen berechnen, nach un-
ge&hrem Überschlage, obenhin, ober-
168
Polt — Ponjer.
flächlich berechnen, zu viel, falsch
rechnen. Wohl korromp. aas Bausch
und Bogen, In Bayern polüch = pol-
nisch, seltsam, sonderbar: Das kommt
mir polüch voi\ Schmeller, I, 280.
Polt, Polte, m. Vom , Leopold.
PSIty /., Schaufel zum Ausschöpfen
des Wassers aus den Fischerböten ;
auch ösfafz. Samland.
Polterkammer, pltd. Bullerk&mer, /,
Kammer, Raum, zur Aufbewahrung
alten Gerätes, Rumpelkanmier. Holt
man einen Gegenstand aus derselben
hervor, so ist das ohne Gepolter kaum
anganglich. S. GerSllkammer.
pomade, adv,, pomadig, adj. u. adv,,
gemächlich, langsam; von pomale
(s. d.).
Pomager, m. 1. Hilfsarbeiter: Ar-
beiter im Stall zur Unterstützung des
Kutschers. W. Seidel, 33. Klein
n, 63. Brennknecht. Schmitt, 108;
Westpr., 166. Brauknecht. Poln. po^
magac^ russ. pomogäi helfen, unter-
stützen. Nsslm. Forsch. 3; Th. 137.
2. nach Bock, 45, Knicker, Knauser,
Grützzähler. 3. nach Hennig, 191,
eine Art Seefisch. Wohl Verwechselung
mit PomucheL Vgl. Nsslm. Forsch. 3:
Pomucliel.
pomäle, adj. u. adv.^ von dem poln.
pomalu, langsam, gemach, allmählich,
sachte, sanft, schonend. Nur pomale^
nur gemach, nicht so hitzig! QehnSie
aho ganz pomale zu werk. Soph. B.
VI, 370. Dat mardionsche Veeh (ein
Hase) schoof ganz pomale de Eingerpoot
ut der Schling herut Dorr, Driew-
jagd.
Pommel, /., s. Pftmel.
PommerSnke, m., ein Pommer, meist
mit dem Nebensinn eines praktisch
klugen Menschen; doch auch zur Be-
zeichnung eines dummen Menschen.
Treichel.
pommem, »w.^ bitten, betteln. Pommer
nich ömmef^ weg. Samland.
Pomöchel, m., Dorsch, s. DDsch.
PomOkes. plur., lustige Streiche, über-
mütige Einfälle. He bringt ere Pomokes
§n Schumng. Dorr, 1. Wiew., 63. S.
BomOchen.
PompbUxen, /., s. PumpbUxen.
pSmpeln, 8w.^ s. pimpeln.
Pompex, m, allitterierender Scherz-
name: Paul Peter Pompeji. Königs-
berg.
Pomüchel, m., Dorsch. Westpr.;
poln. pomuchla^ lit. pomükelis. S.
DSsch.
Pomuchelskopf, m. 1. Dorschkopf.
Er glänzt wie ein Pomuchelskopf im
Mondschein. Sprw. 1,1281. 2. Dumm-
kopf, Dickkopf. Efi' ist ein rechter Po-
mtichehkopf — ist so dumm wie ein
Pomuchelskopf. Sprw. I. 647. Im
nördlichen Norwegen bezeichnet man
einen Dummkopf mit den Worten: Han
er en Torsk. Schmidt, Bilder aus
dem Norden. Jena 1851, 193. 3.
Spitzname für die Danziger. Auf Dan-
zigs frühes Emporkommen scheint der
Dorsch nicht ohne Einflujz gewesen zu
sein^ und die Scheelsucht der Nachbarn
mag wohl den Provinzialnamen desselben
Pomocliel zum Schimpfnamen für die
Bewohner gestempelt haben. Bnjack,
344.
Pomuchelstelne, plur.^ Kopfknochen
des Dorsches, die früher zu nieder-
schlagenden Pulvern angewandt wurden.
Bujack, 396, Note.
Pomuggel, m, Pomuchel, s. DDsch.
Ponjer, m. 1. Mensch, der nicht das
richtige Auskommen hat. 2. unvoll-
ständiges, unbrauchbares Ding: ein ab-
Ponke — pörten.
169
gebrochenes oder stumpfes Messer ist
ein Ponjer,
Ponke, n., cunnus, Jerrentowitz.
POpel, m., s. NasenpOpel.
pOpeln, 8w. 1. mit den Fingern in
der Nase wühlen. 2. coire. Sperber,
25.
Pop^gelchen, n., s. Pap^ngelchen.
pOplig, adj,^ ärmlich. PSplig ange-
zogen. Treichel. Vgl. pSflig unter
Pöfel.
Popo, 911., Podex. Ich hau^ dir den
Popo voll! Kann der nicht auf seinem
p. 0. po sitzen^ der alte schwache Mannf
Soph. R. VI, 137. Nach Treichel
auch POx.
Popplickpfiaster, n. , Medik. ,£^p/a8^*um
cerussae.
porat, adv, s. parat
Porbe, /. Nach Simon Grünau ein
Fisch in Preufzen: die Barbe, Barbus
ßuviatilis Cuv.
Porchei, n. 1. ein kleines, dickes
Schwein. 2. ein gleiches Mädchen.
Na tan gen.
pordauz, porduz, interj. s. pardauz,
porduzen, sw., s. pardauzen.
Poritz, ?n., Kaufherr, reicher, ange-
sehener Mann. Er ist ein gro/zer Poritz.
Er ist der Pontz von N. Kgsbg. Das
Wort ist wohl russisch.
Porkan, /.. s. Burkan.
Porlenk, m. u. /., s. Perienke.
Porobek, m.^ kleiner ausgebauter Be-
sitzer im Walde. Treichel. Poln.
parobek Knecht; vielleicht auch ver-
wandt mit dem poln. bör Wald.
Porowe, /., s. Parowe.
Porpei, m.^ s. Parpel.
PSrr, /., unsauberes Frauenzimmer
mit wirrem Haar. Schemionek, 29.
Vgl. FIBrr.
porren, vhchd., purren, sw.y anregen,
antreiben, spornen, mahnen, stacheln,
reizen, hetzen, aufscheuchen. Zum Auf-
bruche porren, was z. B. Kinder thun,
die aus einer gröfzeren Gesellschaft
nach Hause möchten. ...loenn nich de
Dschtn oniüig geworden wer on tom
Gdnen getribulh*d on geporrt on ge-
droüt hadd. Elbinger Höhe. N. Pr,
Prov.-Bl. a. F. IX, 243. Firmenich
III, 495a. Einen aus dem Bette porren^
ihn aus dem Bette treiben. Du brauchst
gar nicht so zu purren^ ich werdC schon
zur Zeit fei'tig werden. In Zusammen-
setzungen: anporren, aufporren. In
Bayern aufboren^ welches Schmeller
I, 192, fraglich mit aufheben übersetzt.
Es durfte porren mit beren = heben,
verwandt sein. Bock, 45. Hennig,
191. In gleichem Sinne pSrren und
pirren (s. d.).
Porsch, 7/1 , auch Porsch-, Porstkraut, n.,
Sumpfporst, Ledum palustre L, Hagen ,
435. Pritzel, 206. Gleiche Kraft
soll haben ein Kraut Jodzell^ das hat
Blätter vne Barsch und trägt schwarze
Beeren etc. Pierson, Matth. Prätor.,
115. In Liv- und Estland Pors. Hu-
pel, 176.
pDrschen, sw.^ sich, s. pSrschen.
PSrschke, m., s. Barsch.
PSrschken, Ortsn., Kirchdorf im Kr.
Heiligenbeil. Mann Gottes aus Pörsch-
ken. Über die Entstehung dieser Redens-
art s. Sprw. n, 1774.
Porsch-, Porstkrauty n., s. Porsch.
Part, Port, /., Pforte, Thür. Rätsel:
Ös ener vor de Port, Heft nich gesün-
digt^ nich gemordÜt — kann hei passeref
(Der Furz). JSt ju schmieten ut de
Port achtkantik. Dorr, 1. Wiew., 28.
Portal, n., das fettig- milchige Wasser
im frischen Käse. Es wird durch
starkes Pressen mit der Parsche ent-
fernt. Werder.
pSrten, m., die Pforte, die Thiir öfiP-
170
Portken — Pösew.
nen, also pförtnen. Wenn die Kinder
viel aus- und einlaufen, so heii'zt es:
Port nich so vel! Samlund. Vgl.
perzeln.
Portken, plur. 1. Hosen. 2. Der
Hintere. Einem die Portken versohlen^
ihm einiges auf die Hosen zählen. Von
dem ^oln. portki Hosen. Im Göttingen-
schen Purije, Schamb. 161b. Bock,
45. Hennig, 191.
porzägeln, sw.^ purzeln, umfallen,
stürzen, da(z das Unterste nach oben
kommt. Die Treppe het^abporzdgeln.
Hennig, 191. In Danzig porzekeln.
Gedanism.] Schemionek, 29: porzD-
keln; Sperber, 26: purzekeln.
Porzel, PSrzel, /. u. n., Schmalzkuchen.
Nach Schemionek, 29: Porzeln^
Pfannkuchen ohne Füllung in Schmalz
gebacken. Belegstelle unter Bob.
Porzeilanblume, /., Begonia semper"
flarens, Lmk. Treichel, Volksth, III.
pSrzein, sw., s. perzeln.
Posamentkerl, m., Mann, der mit Po-
samenten, Borten, Schnüren etc. besetzte
Kleider trägt, Gaukler. Hoffjecken,
Hoffschrantzen^ güldene verbremte Posa-
mentkerl Stein, Peregrinus XV, 25.
W. Mtsbl. VI, 186.
Posch, Dem. Poschchen, pltd. Posclike.
1. Name und Lockruf für Schwein u.
Ferkel. Zu Kindern, welche sich be-
sudelt haben : Du bist ein kleines Posch-
chen. Hennig, 192. 2. Poschchen
Tannenzapfen; dafür jedoch üblicher
Schischke (s. d.).
poicheien, puicheien, 3to., streicheln,
streichelnd liebkosen. Dojs Kind po-
Scheit der Mutter die Backe. PuAchei ml
doch! sagt die zärtliche Mutter zum
kleinen Liebling. Wie hewt se inet de
griese Klaue De schmale Backe em po-
scheit Nowack, 35. Vgl. puichen.
Poschen, plur.^ Bügelröcke. Sehn Sie
jene schlanke Griechin im Tanz^ und
setzen Sie unser schlankstes Mädgen
in Poschen^ in Schnürbrust und in spit-
zen Schuhn mit hohen Absätzen da-
neben. Soph. R. IV, 460.
Poschitschkebeere, f., Beere vom
schwarzen Nachtschatten, Solanum nir
grum L. Auch: Johannisbeere und
Bergkrausbeere. Poln. porzeczka Kraus-
beere, Ribes. Mühling.
Piischken, Ortsn., Dorf bei Pillkallen.
Qä na PSschke^ Kilkes sprenge. Über
die Entstehung der Redensart s. Sprw.
1, 1U8.
Pose, /. 1. Federkiel, Federspule,
Flügelfeder der Gans zum Schreiben.
Gewöhnlich Federpose, auch Posenfeder.
Vor Einführung der Stahlfeder gab es
besondere Posenhändler. Hennig, 192.
2. Knallbändchen an der Peitsche.
Dönh.
Posen, plur., Federn, Federbett, poln.
posciel. In die Posen gehen — nach
Posen reisen (wortspielend), zu Bette
gehen.
Posenfeder, /., -Händler, m., s. Pose.
Posengel, m., nach Ilennig, 192;
nach Bock, 47, Pusengel, Spott- und
Schimpfname auf ein schmutziges, ge-
meines Frauenzimmer. Man nennt je-
doch auch ein voUwangiges Mädchen
oder Kind Posengel, und dürfte in dieser
Bedeutung das Wort Abkürzung von
Posaunenengel sein, der ja mit vollen
Backen bläst. Vgl. Puichel.
Posenocke, /, Überziehsocke, Pa-
rßske. 2. kleiner Kinderschuh. Sam-
land.
pOsern, pSsern, sw., s. päsern.
Pösew, w., Verweis, Rüge, Rüffel.
Er hat einen guten Posew bekommen.
2. im Flatowschen Kreise auch Vor-
ladung; von dem poln. pozewy russ.
jpo-2yM?gerichtlicheVorladung. Schmitt,
PosnAk — poBwollen.
171
108; Westpr., 167. Nsslm. Th.,
138.
Posnftk, 77)., Bosnier.
P0888kel,m., grofzer Schmiedehammer.
Lit. posekelü^ poln. posiekac zerhauen,
zerhacken. Der Fossekel heifzt poln.
duiy ci^zki mht Hennig, 192, v^eist
fGr die Ableitung auf das mhd. bozen^
ahd. pözan stolzen, schlagen hin« Pos-
sekel tritt auch als Familienname auf.
Nsslm. Forsch. 2; Th , 138. Altpr.
M. XV, 583.
Possen, m., neckischer Streich^ Schel-
menstreich, Scherz, Schabernack, Ärger,
Kränkung, Tort Einem einen Possen
spielen — ihm etwas zum Possen thun.
Denn sonst kann ja der Mann sich vet*-
schreiben, oder aus Possen es gesagt
haben. Soph. K. III, 29. 0 hei wöll
man Ko^iwü dHwe, Sine Posse kenn
öck schon, Volksl., 7, 51, 4. Zunächst
wohl von Posse. Vgl. Adelung III,
812. Poln. psota.
ponen, sw., einen Po/z geben, küssen.
Hennig hat noch pussen. Streicheln^
liehen j küssen, Possen, Stein, Pere-
grinus XIII, 1. W. Mtsbl VI, 111.
Awer doch nicht junem Jäger siene
Dochtei* gepost. Dorr, 1. Wiew., 8.
Bock, 45. Hennig, 192.
Possenlied, n., Spottlied. Elwen, singt
en Possenleed on kniept em omzech.
Dorr, 1. Wiew., 122.
Possjehann, m., Eulzjohann. Einer,
der gern Mädchen kufzt. Vgl. PTsjan.
Posstftz, m., Station, Ruhepunkt, Halte-
platz. Schemionek, 29. Poln. od-
poczqc ruhen.
Post, n. 1 . Denkmal, Grabstein ; von
Postament, Auf das Grab ein Post
setzen. 2. /. Ortstafel; Wegweiser.
Post, /., der Freitag als Tag des
Fastens, des Aufgebens, Fahrenlassens
der Fleischspeisen. Poln. pu^cic fahren
lassen, loslassen, odpuMc erlassen, yer^
geben, odpust der Ablafz. Nach Ab-
stolznng der Vorsilbe ist aus pust das
deutsche Post geworden. Treichel.
Posten, m, Pfosten, Pfeiler. Beleg
s. unter entfallen. Vgl. Ständer.
Postronke, m,, von dem foln, postronek
Strick, Tau, Strang, u. zunächst wohl
mit diesem gleichbedeutend. 1. eine
in früheren Zeiten übliche Prügelstrafe,
in Schlägen auf den Hintern mit einem
Strick oder Tau bestehend. Bock,
45. Hennig, 192. Er hat Postronken
bekommen. Friedlich Wilhelm /, der
die Schonung der Lindenbäume und den
Verlust an der Ledersteuer im Auge
hatte, verordnete 1, Aug, 1724 gegen die
Paresken Postronken und, da der Lit^
tauer sich aus Stockhieben wenig machte,
29. Aug. 1725 Katrenarbeit. Rogge,
19, Note. 2. Rückgrat und das daran
sitzende Fleisch, hier Rückstrang ge-
nannt, und somit dem poln. postronek
entsprechend. Besonders heifzt in Na-
taugen und in der Bartener Gegend
Postronke, in der Elbinger Niederung
Rückstrang das Gericht, womit am
Abende des Schweineschlachttages
Hausgenossen und Gäste bewirtet wer-
den, und welches aus den frisch ge-
bratenen Stücken des von Speck und
Kippen befreiten Rückgrats besteht.
Dönh Nsslm. Forsch. 2; Th., 139.
Postweluk, 971.^ dicker Stock, Knüttel,
Prügel. Warte, ich komme mit dem
Postweluk, Kr. Neustadt. (Treichel.
Bei Mrongo w. nicht aufzufinden.
Poswallak, m., ein Mensch, der sich
alles gefallen lälzt; von dem poln. poz-
wallac erlauben, bewilligen. Schmitt,
108; Westpr, 167.
poswollen, sw,, gehen, zur Arbeit
schreiten. Wl motte man wedder pos*
wolle, Samland. Von dem poln. poz-
172
PoIz — Potlitzen.
walac erlauben, bewilligeD, heifzt das
Fut. pozwol§,
Po(z, m.. Dem. Po(zchen, Po(zke,
Kufz. En Pofz ÖS en Stoffe wer^n nich
Itden kanrij wäscht em af. Dorr, 79.
Qöff^ mt e Pofzke! E Pofzke möt Sopp
erhält man von einem Kinde mit un-
sauberer Nase. Abd. ctis^ chus^ mhd.
ktis EuCz, ahd. cussiny chussiny mhd.
küssin küssen, litt. buczkU Kufzchen,
buczuti küssen, lett. butschoht kfLssen,
pobi. btizia^ buztak Kufz, Küfzehen.
Nsslm. Th., 219.
PSfzbott, m, Pifztopf, Nachtkanne.
Potabel, m , „ehemals in Litauen die
Kirchenbedienten, welche den deutschen
Kirchenvätern Hilfe leisteten. Ihr Amt
war, die Glocken zu läuten, Wein und
Oblate zu besorgen, Kirche und Kir-
chengeräte rein zu halten, den Kling-
säckel zu tragen, auf die unfleiCzigen
Kirchgänger zu merken, die Ungehor-
samen ins Halseisen zu stellen, den
Predigern aufzuwarten, wenn sie zu den
Kranken gchn mutzten, oder Taufen zu
verrichten hatten; auch hatten sie bei
der Dezems-Einnahme gegenwärtig zu
sein, die Bauten zu besorgen und den
Predigern beim Ackerbau behilflich zu
sein. Für diese Bemiihungen wurde
ihnen der halbe Zins für die Kirchen-
hufe, auch alles andere Scharwerk er-
lassen. 1724 wurden die Potabek auf-
gehoben. Insterb. Kirchen-Visit. d. a.
1738.** Hennig, 192f. Einer von mei-
nen gewesenen littauischen Kirchen- Auff-
wartem^ die man Potahel nennt etc.
Pierson, Matth. Prätor., 12. Für
die Ableitung weist Hennig auf die
Zusammensetzung aus po und Tabel
hin, „weil sie mit den Tafeln in der
Kirche das Geld sammeln, oder an der
Tafel (Altar) beim Abendmahl stehen
mufzten." Genaueres über den Pötabel
s. Kogge, 31ff.
potfttschy adj,^ prahlerisch. Mit Ver-
stärkung: grofzpotdtsch^ was man häu-
figer hört.
Potatschen, Petetschen, plur. Fleck-
fieber, jeder lebensgefahrliche Haut-
ausschlag. Anno 1716 krankten die
Leute hin und wieder an der Potatschen.
Hartwich, 518. Gr.-lat. petechiae^ ital.
petecchiCy poln. petecie, petocie^ bayerisch
Petecken^ Pedecken, Schmeller I, 301.
Nsslm. Forsch. 3; Th., 139.
Pat(e), /., Dem. Potchen, Pfote,
Hand. CHeb mir die P6t — dein Pot-
chent Er hat auf die Poten bekom^nen.
Er mufz P6ten saugen^ leidet Not,
ist ohne Beschäftigung (das Bild ist
vom Bären hergenommen). Ein ge-
sundes drelles Mädgen^ mit ein paar
weifzen niedlichen Pöhtgen, Soph. R.
IV, 138. Holl. poot^ frz. patte^ engl.
paw,
Pote, Pott, ?w., Steckling. Pappel-
poten^ Stecklinge von Pappeln. Pott-
weiden^ Stecklinge von Weiden. Sche-
mionek, 27. 29.
Potelge, /, Bouteille, Flasche.
poten, sw,^ mit den Pfoten ergreifen,
krallen. Das Kätzchen sollte dich iioch
einmal poten und dann dich wegschleu-
deimf Soph. R. VI, 419.
Potenge, /., Pflzn., Betonie, Betonica
officinalis L. Bock Nat. IH, 443.
Hagen, 621.
PotTfchen, n., durch List oder auch
durch Ränke erworbener Vorteil. Er
weifz sich viele Potifchen zu machen,
Korrump. Dem. \on Profit. Bock, 46.
Hennig, 193.
Potkamor, m., s. PakmOr.
Potlitzen, plur.^ s. Petlitzen und Pod-
litzen.
Potrimmen — Powunden.
173
Potrimmen, Ortsn., Dorf bei Tilsit.
Kannst trumpfe bet Pötrvmm, Sprw. I,
3846.
potschen, «tr., s. petschen.
PotSchTne, /., grol'zes Ruder auf den
Holzflöfzen und Gallerten. Danzig.
W. Seidel, 33. Lit. poczyna^ poczyne\
puczynaSy poln . paczyna, N s s 1 m. Forsch.
2; Th., 140.
Pott, m. 1. Topf, Urne. Die Urnen
der Hünengräber nennt das Yolk in
Westpr. oUe PoU. Treichel. S. BoU.
2. Schmorpfanne. Samland. Engl.,
franz. und holl. pot^ dän. potte^ in Bre-
men Pott^ in Hamburg PuM, Brem.
Wb. ni, 355. 3. 8. Pote.
PBtt, Pütt, Plrtte, f., Pfütze, nament-
lich eine solche im Fahrwege. Es hat
fache geregnet^ dafz abe wo e Pott stehe
bleibt^ ÖS nich. Oberland. Da war
sone Hffe Pott. Schaltj. 3, 4. Der
Wagen fiel in die PuU. Engl, pit,
angs. pyt, hebr. botz Kot. Brem. Wb.
HI, 385. Hennig, 199. 334.
P»tt, /., Butte. He heft HoU on PoU
voll, er hat Hütte und Butte, d. i.
Haus und Keller voll. Sprw. I, 1776.
Potta, /., Butter. Ermland. Im
Werder Potter. Davon pottern, sw.,
buttern.
Pottafrau, /., Butterfrau. Liebes,
schönes Pottafrauche, Gant (gebt) mer
Eure TrudC! Volksr., 236, 833.
Pottaklatscher, m., s. Butterklatscher.
pSttern, sw , Pötte, Töpfe, zerschlagen,
zerbrechen, besonders irdenes Geschirr.
Was hat er denn schon wieder gepöttertf
Treichel.
Potthund, m., s. pottig.
potUg, adj,, geizig, filzig. Hennig,
193^ hält es für eine Zusammenziehung
von PoU und dicht; es würde also diese
Eigenschaft einemMenschen zukommen,
der seinen Topf f&r andere dicht, fest,
verschlieCzt. Man nennt einen solchen
Geizhals auch: einen rechten Potthund.
Bock, 46.
Pottok, m., Morast, Sumpfloch. Trei-
chel. Poln. potok Bach, Feldflut.
Pottweide, f., s. Pote.
PBtz, /, tonnen- (pott-) artiges Ge-
fal'z zum Ausschöpfen des Wassers aus
den Schiffen. Pillau.
Power, n., Joppe, Jacke für Frauen.
Samland.
power, adj. u. adv,, arm. Einpowrer
Mensch. Powre Tlt, armselige, teuere
Zeit. Er ist power dran, Power on
patzig. Es ist das franz. pauvre^ lat.
pauper.
Powirpen, Pawirpen, plur., Losmann,
Freimann, Tagelöhner, keinem ver-
pflichteter Arbeiter auf dem Lande.
und soll ein jeder Handwerker jährlich
Decem geben 30 fzL, ein Powirp 15 fd.
Insterb. Kirchen- Visit, v. 1604. Hen-
nig, 181. Eine zweite Belegstelle
unter Losmann. Vgl. auch Freimann.
Lit pavnrpas. Das Wort ist identisch
mit dem im Eatech. vorkommenden
altpr. powirps frei. Nsslm. Forsch. 2;
TL, 140.
Powunden, Ortsn., Kirchdorf im Land-
kreise Königsberg, von Granz etwa
eine Meile entfernt. Der Name ist
eine Zusammensetzung der beiden alt-
preulz. Wörter po bei, und wundan
Wasser (lit. wandu, dän. vand). Po^
vounden ist also der bei oder an dem
Wasser (kurisches Haff) gelegene Ort.
Vgl. Nsslm. Th., 213. Die Sage
deutet den Namen sinnig. Sie erzählt
von der Tochter eines preufzischen
Häuptlings, der bei dem Einfall des
Ordens gegen denselben ins Feld ge-
zogen war, dafz sie durch wandernde
Apostel mittlerweile zum Christentum
bekehrt und deshalb von dem rück-
174
P6x — prachern.
kebrendeD Vater ermordet worden sei.
„O Wunden! (nämlich Jesu Christi)
soll sie sterbend gerufen haben; daher
der Name: (P)o wunden. Passarge,
Balt, 117£
POx, m., s. Popo.
pr, interj.^ Zuruf an Pferde, wenn sie
halten sollen.
Prtl, Prft, n., Vorzug, Vorrang, Ober-
hand, jyrae aliü. Er mujz immer das
Prähaben, Ebenso in Bayern. Schmel-
1er I, 341.
Pracher, w., Bettler, Armer, Ver-
armter. Poln. pracharz Bettler ( M r o n -
gov. II, 587 b), lit. prazqs Bittsteller,
dän. prakker, schwed. p'ackare Bettler,
engl, prog etwas zu essen suchen^ praetor
vulgär Bettler, irläod. proghain Kum-
mer, Sorge. Brem. Wb. III, 357. In
Holland ist Prachei* Geizbals, Schinder,
Wucherer; in Hessen ein Dürftiger,
häufiger fast: ein knickeriger Mensch
(Vilmar, 305). Pierson, Lit. Aeq.
20, hält Praeher gleichen Stammes mit
dem Schimpfworte 7Voy, mit welchem
in Danzig 1525 die Lutherische Partei
belegt wurde. Sei dienstbar allen Leuten^
80 wirst du ein Praeher bei Zeiten. Sprw.
I, 583. Der Praclver hat Hochzeit^
wenn uberflussigerweise zwei Lichte
brennen. Wenn de Praeher Onglock
heft^ verlert he 6k den Prachersack.
Wenn de J 'racher wandre wöU, flockt
hei den Sack. Heft de Praeher 6k e
Bedenterf wenn ein ins Zimmer Treten-
der die Thür offen läl'zt. Vgl. Sprw.
I, 2987 ff.; II, 2091 ff. Pracherke mtn
Bröderke^ zur Bezeichnung schlechter
Vermögenslage, über die Entstehung
dieser Redensart s. Sprw. II, 2093.
P6l8ch Praeher^ Gesellschaftsspiel. Be-
schreibung s. Volksr., 199, 735. Hen-
nig, 194.
Pracherei, /. 1. Bettelei. 2. zur Be-
zeichnung des Armseligen, Unzuläng-
lichen, Ungenügenden. Dat os R*achert,
Ich hab mich bei ihm in die Betteley
und Pracherey gesteckt Stein, Pere-
grinus XIII, 87. W. Mtsbl. VI, 159.
Poln. pracharstwo; lit. praszimas die
Bitte.
Pracherfitzelband, w., grau und schwarz
gemustertes Fitzelband, aus alten Zwim-
abgängen gefertigt. Dzg. Nhg. Viol^t,
103.
Pracherherberge, /. 1. Herberge der
Praeher. 2. elendes Gasthaus, armse-
lige Wirtschaft, Hungerort. Das ist
hier wie in der Pracherherberge. Das
geht zu wie in dei Pracherherberge. Poln.
pracharska.
pracherig, adj.^ bettelhaft, ärmlich.
Bk geit ml pracherig^ es geht mir
schlecht. Ebenso in Hessen. Vilmar,
306.
Pracherjagd, /., Jagd auf Praeher:
die jährlich zweimal unangemeldet ein-
tretende Haus- und Landes -Visitation,
bei welcher Bettler, Vagabonden etc.
aufgegriffen werden. Mühling. Jetzt
wohl abgeschafft.
Pracheridrchhof, w., Armenkirchhof.
Sie fahren ihn auf den Pracherkirchhof
(in der Pracherpitsclie). Königsberg.
Pracherläuse, pltd. Pracherlli8, plur.
1. Pflzn., gemeine Spitzklette, Xanthium
strumarium L. Hagen, 992. Nach
Mühling auch Pfaffenläuse. Auch Sa-
men der Hundszunge, Cynoglossum offi-
cinaleL, In Schlesien heiizt der Same
von Beifulz, Artemisia vulgaris L.,
Bettelmannsläuse. Treichel, Volksth.
2. Med. Sem. Staph. agriae (Flor. Py-
reihri rosei pulv.)
prachern, sw. 1. betteln. Und toenn
ich prachern gehen sollte! Mit dem
kann man prachern gehn, so gutmutig
ist er. DickHiun ist mein Reichtum^
Pracherpack — Pragge.
176
l^'oehem mein Handwerk. Kgsbg.
Wt mufzte prachere gäne^ W% Bure aJl-
tamäl. Lhrztg. 4, 355 c. 2. anhal-
teDd, liebkosend bitten. Er prachert
wie ein Hund, Die Kinder prachern,
Lit. praszyti bitten, praazineti betteln,
oft bitten.
Pracherpack, n.. Bettelpack, armseliges,
elendes Gesindel.
Pracherpiische, /., früher Name für
den Armen-Leichenwagen. Da kommt
die Pracherpitsche. Kgsbg.
Pracherpitscher, 9/». l.Bettelvogt, der
wahrscheinlich eine Peitsche führte. Die
Pracherpeitscher hatten aul'zer ihrem ei-
gentlichen Amte während des Gottesdien-
stes an den Kirchtüren zu stehen und
„die Hunde oder trunkene, unsinnige
Menschen u. dgl. abzuwehren.^ H en n i g,
194. 2. Führer (Kutscher) einer Prar
cherpitache, 3. jetzt Spottname für
Knaben, welche gern die Peitsche
führen.
Prachersack, m., Bettelsack.
Prachersche, /., Pracherin, Bettlerin.
Pracherstaa^ m., Flitterstaat, Bettel-
pracht. Ausputz, der wenig kostet.
Pracherstolz, m., Bettelstolz, Stolz bei
Armut.
Pracherstube, /., Stube eines Prachers.
Hier ob et so warm^ wt Sn e Pracher-
staw^ von einem gegen Wind und Wetter
möglichst geschützten Orte im Freien.
Sprw. I, 2998.
Prachersuppe, /., gebrannte Mehl-
suppe. Eine pommersche Gebranntmehl-
Buppe schickt sich heute yut Soph. R.
IV, 255 Vgl Schmirgel.
Pracherzerreifzer, pltd., PracherterrTter,
77»., Spottname für die Bewohner des
Kirchdorfes Goldbach bei Tapiau. Der
Sage nach sollen sie einst ruhig zu-
gesehen haben, wie ihre Hunde einen
Bettler zerrissen. Noch jetzt haben sie
„Flicker^ yon den Kleidern des xer-
rissenen Bettlers zwischen ihren Zähnen.
Die Neigung zur Kl&tscherei wird ihnen
von den Nachbarn nur zu bereitwillig
zugesprochen. Sprw. I, 2999.
Pracherzitz, /., Zitze des Prachers,
Lutschbeutel. Schemionek, 29.
Piüdden, plur,^ Name eines Teiles
der Sandhügelkette bei Kossitten auf
der kurischen Nehrung. Volksscbulfr.,
77.
Prägel, m , durch jc>r^«2neingekochter,
dicker Brei, s. Brägel.
piügeln, prfigeln, sw, 1. kochen^
braten, schmoren, sieden, rösten, dörren
durch Feuer oder Sonne. De Sonn'
prägelt gCt^ et gevot Gewittern, wenn
bei aufsteigenden Gewitterwolken die
Sonne stechend brennt. Bei solcher
hitzigen und dürren Zeit hat die Sonne
gar sehr den oberen Theil des Erdbodem
durchgepregelt^ oder durchgebraten und
gekochet, Linem., Aaala. 2. sich
prägeln^ sich am Feuer quälen und er-
hitzen, sich von der glühenden Sonne^
dem heifzen Ofen mit Behagen durch-
wärmen lassen. Die Kdehin prägelt sich
beim braten. Der Alte prägelt sich in
der Sonne — am heifzen Ofen. Sche-
mionek, 29, unterscheidet prägein bei
gelindem Feuer braten, und präkeln
in der Sonne schmoren. Poln. praiyc
prägein; in Bayern bregeln ein Geräusch
machen, wie etwas, das brät oder ge-
lind aufkocht; gelind braten oder ko-
chen. Schm eller I, 256. Vgl. das
identische biügeln, s. elnpiügeln.
Prager, m., Mann aus Prag. Prager
Musikanten (Kgsbg.), auch Prager Stu-
denten(Pzg.) heifzen die herumziehen-
den Musikanten, früher meist böhmische
Bergleute, nach ihrer Zahl, auch sieben
Brüder.
Pragge, /., grofzer gefüllter Klofz,
176
Prafalsacht — prageln.
Piragge. Geinröhnlich sind in die Prag-
gen Spirkel eingebacken; sie worden in
früherer Zeit nach Beendigung des
Dreschens den Leuten vorgesetzt. Sam-
land. Im Ermlande heii'zen sie FUlle-
keilchen.
Prahlsacht, Prahlsack, n., Gewebe aus
einem Gespinst der Haare von Rind-
vieh, Pferden, Ziegen u. a. als Ein-
schlag, und aus Hedegam als Aufzug.
In vielen Städten des polnischen Natan-
gen wird ein Haaremeugy Prahkacht,
hau/ig und in Angerburg allein in ei-
nigen tausend Stücken^ jedes zu 40 EUen^
jährlich verfertiget, Bock, Nat. I, 654.
Prahlsacht os 6k Tig^ äwer et höh nich
lang. Sprw. I, 3002. Prahlsack os ok
von Lowand. Dönh. Pra?dsack scheint
jetzt der volkstümliche Name zu sein.
Hennig, 194, meint das Zeug habe
seinen Namen daher bekommen, dai'z
man schlecht damit prahlen könne.
Prahm, m. u. /, s. Prftfn.
Prallauge, pltd. Prallög, n., grofzes,
starrschauendes Auge; auch Person mit
solchem Auge.
Präm, Prahm, m. u. /. 1. plattes
groizes Fahrzeug auf Flüssen, Fähre
zum Übersetzen. Holl. praam, engl.
pramcy poln. pram, prom. Für Liv-
und Estland bei S allmann, 38a,
Hupel, 178. 2. kubisches Mafz für
Kalksteine und Gips. Ein Prdm Kalk-
steine — 10 Fui'z lang und breit und
3 Fulz hoch = 300 Kbkfulz. Ein Prdm
Gips = 21 FuTz lang, TV, Fulz breit,
27» Fulz hoch = 393»/4 Kubikfufz.
Mühling.
Pr&mgeld, n., Fährgeld.
Prftmspritze, /., Feuerspritze auf ei-
nem Präm, schwimmende Saugspritze.
Königsberg.
pramstieren, sw,, sich aufspielen, sehen
lassen, dicke thun. Jetzt da der L..I
sich dick gefressen habe^ käme er und
pramstirte, und hätte noch Recht übrig,
Soph. R. I, 255.
Prangel, m., Knüttel, Prügel, Stange.
Pranke, /., Tatze, Klaue; vom Tier
auf den Menschen übertragen: Fulz.
Der hat gehörige Pranken, Denn voll
Ärger on voll Boofz Stuart hei met dei
grote Pranke Op dat Beerbüfettke hs.
Nowack, 40.
pranzelieren, sw.^ von pranzeln^ viel
reden, das grol'ze Wort haben, führen.
Danzig. Klein II, 65. Schemio-
nek, 29.
/ pranzeln, sw.j reden, schwatzen, na-
mentlich breit, umständlich und eifrig
reden, schelten; „sich mit Worten un-
nütz und mausig machen^. Bock, 46.
Hennig, 194. Sie pranzelt in einem
weg. Nehmt an de triehe Wongsch.
On dat eck noch dabie Önt Ohr Juprantzle
wehl tom Wongsch on groth Geschrie:
Jahn Früh etc. Carm. nupt. 111, 77d,
Wi motten de Lied prantzeln loten.
Dorr, 1. Wiew. 27. Sperber, 25,
hat (berechtigt?) pranzeln == betteln,
unaufhörlich bitten, also s. v. a.
prachem.
preschen, sw., laut und viel reden,
lärmend schwatzen, prahlen, groiz thun.
Mühling. Gewöhnlich brflschen. Er
prahschte noch immerfort mit seither
Wissenschaft, Soph. R. IV, 165. In
Posen auch subst. Prasch m., groizes
Geräusch laut Sprechender, Schreien-
der; Lärm. Bernd, 218. In Hessen
Prasch^m,, Prsiblerei^ praschen, pratschen
prahlen, groi'z thun. Vilmar, 306.
Vgl. auch Anton, 11, 13.
praSeln, sw., braten; nach Schmitt,
108; Westpr., 167, von dem gleichbed.
poln. prazac (findet sich bei Mron-
govius nicht; wohl prazyc ~ prägein,
dörren, rösten).
Praske — preck.
177
Praske, /., Knüttel. Dat es 'ne dicke
Prcuke, de uingen ^ne iserbescfdagene
Speiz heft. Dorr, Driewjagd.
Prassel, auch Prftfzel, /., Pflzn., Gar-
tenerdbeere. Elbing. Danzig. Nsslm.
Forsch. 3; Th., 220. Treichel, Volks-
thümliches II. Nach Mühling in der
Tilsiter Gegend Prasse. In der Natan-
ger Gegend ist JPrassel die Knackel-
beere, Fragaria coüina Ehrh, Nsslm.
a. a. 0.
Praiun, m.^ nach Mühling in der
Gegend von Konitz und Tuchel ein
Mehlbrei; nach Schmitt, Westpr., 167,
eine Art Eierkuchen. Poln. praiony^
pari, geröstet, gekrillt von prazyc^ s.
fToieln.
Prftfzel, /., s. Prassel,
pr&t, ado.y von dem lat. paratus^ be-
reit, fertig, gerüstet. Holt ju hier ne-
wenbi §m Bruhus prat Dorr, 1. Wiew.,
66.
prftten, pr&tem, st«?., viel reden, in
wohlgefälliger Breite schwatzen. II en-
nig, 194, hat auch pfttem; in Westpr.
pr&tschen: er prdtscht gro/z, Holl. praa-
tetiy engl, to prate u. pratüe. In Bre-
men und Hamburg praten und davon
I-^dt Geschwätz, Prdtgenmdker Schwät-
zer, pratelriy prdteln plaudern, plappern,
PrdtelUB.u[, Richey, 191. Brem.Wb.
m, 359. Vgl. Mi, 65a. S. brft-
sehen.
pr&ts, inteij,, s. priz.
Pralz, /, s. Prftz.
prabig, adj.^ stolz, hochmütig. Ver-
stärkung von patzig. Ebenso in Ham-
burg, Bremen, Holstein, Posen, Liv-
und Estland. Richey, 192. Brem.
Wb. III, 359. Schütze, III, 232.
Bernd, 219. Hupel, 179.
pr&z, interj,^ s. brflz u. prfz.
Prftz, Pratz, /. 1 . grofze, unföimliche
Hand, grofzer Fulz; ist der letztere
Friiehbi«r, WÖrttrbaoh U.
gemeint, auch Prftzfufz, Brfttsehfufz. S.
brfttsehig. Das ist 'ne gehörige Prdz,
In der Elbinger Ndrg. heii'zt die un-
förmliche Hand Prttze, woraus prttzen,
sic.^ maulschellieren. In Hessen Bratze.
Vilmar, 52. Grimm, Wb. II, 313.
2. Schlag mit der Prdz^ nach Bock,
46, u. Hennig, 194, auch mit dem
Stocke. Er bekam priz prdz. Ich geV
dir 'n Prdz. Poln. prask^ interj. un-
serm prdz entsprechend, auch Klaps.
Pierson, A. W., 37. 3. Menge, alles
Vorhandene, und dann m. Der ganze
Pratz. Vgl. Patzern.
Präzel, m., Bauch. Hei heft e gode
Präzely er ist gut beleibt.
Präzentor, auch PiiLzeptor, 7n., das lat.
praecentor, Kantor, erster Lehrer einer
Kii'chschule in Litauen. Im Holstein.
Prdseptor und Präzepter Schulmeister.
Schützern, 231. S. Plibisehken. Vgl.
Zepter.
Pr&zfufz, m., s. Prftz.
pr&zig, adj.^ grofz, plump, ungeschickt,
s. brfttsehig.
Pr8, n., 8. Prä.
Preblau, Ortsn., Dorf im Kr. Grau-
denz. (?) Er ist von Preblau^ wo de
Hund! met dem Zagel loreble. Jerren-
towitz.
Prechsen, m., Brassen, s. Bressem.
Preck, Prek, Prick, pltd. Pröck, m.,
Punkt. Angs. prikka^ dän. prik^ in
Hamburg, Bremen und Holstein eben-
falls Prik; in Bremen auch Plik. üp-
pen Prik ganz genau. Richey, 192.
Brem.Wb. III, 362. Schütze III, 233.
Hennig, 165. Davon:
preck, prek, prick, prik, adj. u. ado.^
genau, pracis, deutlich, bestimmt bis
auf den Punkt. Er kennt ihn prek^
sehr gründlich und genau. Ein picker
KerL, ein Kerl auf dem rechten Fleck
und Platz. Das kann man nicht so
12
178
Preckel — premsen.
prick wissen. Ich kann noch ganz prik
sehen. Der kleine Junge merkte das
recht prik; er kavi^ küjzte ifire Band,
Soph. R. m, 93.
Preckel, m,, s. Prickel.
predigen, sw.^ viel und überflüssig re-
den. Hei predigt mt to vcl. Ebenso
im Holstein sehen. Schütze III, 232.
Predrin, w., ein 186 Ful'z hoher Dü-
nenberg anf der kor. Nehrung in der
Gegend von Kossitten. Altpr. M. IV,
301.
prfigeln, »w.^ s. prägein.
Pregelwasser, n., Wasser im und aus
dem Pregel, letzteres zur Bezeichnung
des sog. weichen Wassers. Mit Pre-
gelwasser kochen. Wir sind alle mit
Pregelwasser getauft, Königsberg. Der
Pregel hiefz altpr. Pregora^ Pregore^
Pregor^ Prigora^ Prigore, Nsslm. Th.,
142. Passarge, Balt, 304: In Preg-el
steckt vielleicht der Name Alle {lll^ li-
ier etc.).
Prell, Ortsn. 1. Krug im Kirchspiel
Wargen, Kr. Fischhausen, seiner hüb-
schen Lage wegen von Königsbergem
gern besucht. Am Anfange dieses
Jahrhunderts mit seinem imitierten alt-
preui'zischen Opferhain und den zahl-
reichen provinziell patriotischen Ge-
denktafeln, von denen Überreste noch
heute vorhanden, der Königsberger
Schuljugend ein beliebter Wallfahrtsort.
In dem wellig wallartigen Terrain läl'zt
sich dessen ehemalige kriegerische Ver-
wertung vermuten, und das Auftreten
des Namens als Appellativurn unter-
stützt diese Annahme: Der Preil —
über den Preil gehen., fahren — im
Preil^ auf dem Preil gewesen sein, 2.
Dorf im Kirchspiel Nidden, Kr. Me-
mel.
Preise, /'., Saum, ßesatz, Einfassung,
besonders vom am Ärmel und am Halse
des Hemdes. Weigandll, 386. Die
Frawen trugen (Ende des 15. Jahrh,)
enge Röcke^ von färben braun vnd rot.,
die heften HJrmel, daran Preysen genant,
an welchen bis an den Elenbogen sil-
berne vnd güldene knopffe waren, diese
Preysen macht man mit einem senckel
anbinden, Hennenberger, 279.
prek, adj, u. ado., s. preck.
prellen, sw. 1. stille Blähungen ent-
lassen, ftsten (s. d.). In der Kinder-
sprache: Wer meld't, der prellt, wer an-
zeigt, dafz es übel riecht, der hat den
üblen Geruch auch verursacht. Volksr.,
116, 484. 2. schlagen mit Schwung.
Preller, w., von prellen. 1. Blähung.
2. Hieb, Schlag, Ohrfeige. On steUt
de schelmsche Dod nd jnnevi tratsten
Lewen, So mot jü em vör't Mül en dege
Preller gewen, Carm, nupt VI, 230 d.
prellig, adj.., eilig ? schnell. Müh-
ling.
Prfim, w. , Pfriem. Dais gWdd so^
als wenn de Meüer mot 'w Prcm Mehl
sackt, die Arbeit fördert sich nicht.
Sprw. I, 1228.
prSmen, sw,, s. prTmen.
PrSrnke, n., s. Prtmchen.
premmen, sw., s, premsen.
Prems, m,, s. Prüms.
premsen, sw. 1. dicht einstopfen,
drücken, drängen, fest zusammenpressen,
etwas gewaltsam in einen engen Be-
hälter drängen, hineinzwängen. Nach
Treichel auch premmen und promsen.
Wasche, Kleidungsstücke in einen Koffer
premsen. As §k (Falstaff) so §n den
Korf gepremst weer etc. Dorr, 1. Wiew.,
85. Lat. premere, in Bremen prammen,
prampen, in Holstein pramsen. Brem.
Wb.m,358. Schütze III, 231. Hen-
nig, 195. S. einpremsen. Bei Jero-
schin: premezen = coercere. er nam vor
dl hungimöt nicht wen wazzir unde bröt
Premser — Pricke.
179
unde prempzte alle zil dkz vleisch mit
ahstinenzien vil. I74d. Pfeiffer, 206.
2. caire.
Premser, m., Eiozwänger; nach Müh-
ling der Exekutor.
PrSmtabak, m., s. Pilmtabak.
prSpeln, sw., wenig essen. Treicliel.
prepsch, prOpsch, adj. u. adv,^ frech,
rücksichtslos, grob, trotzig, widerspen-
stig, naseweis, schlagfertig. EHneprepsche
Margell. Prepsch antworten. Samland.
Natangen. Elbing. Hennig, 195.
Nsslm. Forsch. 3; TL, 220. Sche-
mionek, 30.
presch, adj, a. adv.^ zusammengeprei'zt,
gedrangt. Das Theater war presch voll,
Kgsbg. Vgl. das folg.
preschen, sw. 1. pressen, zusammen-
pressen durch Druck oder Schlag. 2.
tüchtig zuschlagen, daher auch prügeln,
pferchen, einpferchen. Auf die Pferde
preschen^ einpreschen, mit der Peitsche
knallend auf sie einschlagen, daiz
sie scharf anziehen, wobei sie sich
presch gegen einander drängen. Viele
Schafe in einen Stau preschen. 3. sich
preschen^ sich drängen, entgegenstem-
men. PrescV dich nicht so an den Glas-
schrank! Das Nebenpferd prescht sich
an das Leinenpferd, anpreschen, in
schnellstem Laufe angefahren oder an-
geritten kommen. Er kam angeprescht^
dafz es man so sattste. Für Posen:
Bernd, 220. In Mecklbg.-Vorpomm.
preschen auseinanderstieben. Mi, 65b.
Presenning, m., s. Bresenning.
pressQren, sw.^ pressieren, presseji,
drängen, dringlich bitten, durch Worte
gleichsam erpressen; das lat. pressare^
franz. presser. Et pressürt je nich sau^
die Sache ist ja nicht so dringlich, hat
nicht solche Eile.
Prefziing, Pflzn , Knackelbeere, Fra-
garia collina EhrL Pritzel, 154.
preusch, adj.. preufzisch. Prettsch
Eylau^ Preusch Holland^ Preuschmark,
Jeroschin hat priizsch: dl prt'tzche dit
10 a. U7id ouch dt andHn püzchen lant
104c. Pfeiffer, 207.
Preufzisch-Freier, m., Stammpreul'ze,
eingeborener Preufze. Auch manchen
eingeborenen preu/zischen GrrundhefTen
war das Recht veidiehen worden y die
Güter mit Bauern zu besetzen^ und zwar
jure perpetuo haereditario culmsnsi gegen
Zins und Dienstleistungen^ wodurch die
sogen. Preufzisch - Freien entstanden.
Prov. Preuiz., 424 f. Vgl. KVImer.
prewungem, sw.^ bitten. Se prewun-
gerd' so sehr^ sie bat so sehr. Natan-
gen.
PrSzel, Brfizel, BrSbe, /. u. m., Hals-
schmuck, aus aneinander gereihten sil-
bernen Brezeln (Kringeln) bestehend,
Halsschnalle, Tuchnadel, Fibula, in
Brezclgestalt. Zum achten sollen Bretzen
etc. gentzlichen verboten sein. Kleid.-
Ordg. N. Pr. Prov.-Bl. a. F., 373. . . .
eine {Decke) auf einei\ die andre auf
der andern Schulter^ und mit einem sil-
bernen Pretzel zusainmengeheftet. Pier-
son, Matth. Prätor., 112. Bock, 46.
Hennig, 195.
prf, intety. des Ärgers. So ein Ben-
gely Brausewind! Prf! Sopb. R. U,
454.
Prich, ?»., s. V. a. Brich Bauch. Sper-
ber, 39. S. BrOch.
Prtchen, (?), Chor in einer Kirche.
Mühling.
prick, adj. u. adv.^ s. preck.
Pricke, pltd. Pr»ck(e), /. 1. Stange,
vermittels welcher der Sack oder Wen-
ter befestigt wird. Zu einem Sacke
werden 6 bis 7 Pricken gebraucht. Bei
allen Sackfischereien müssen die Pricken
die Hausnummer des Eigentumers
tragen. Fisch.-Ord. f. d. kur. Haff. § 53.
12*
180
Pricke — Principalsalbe.
Niemand soll Pricken im Haff stehen
lassen^ sondern selbige zugleich mit den
Säcken und Netzen ans Land nehmen.
Fischerordnimg von 1738. Bock, Nat.
IV, 700. Lit. priiös Bootshaken. Hen-
nig, 195, schreibt Pröke, Nsslra.
Forsch. 2. Lit. Aeq. , 21. Vgl. Sack.
2. Stecken mit Eisenspitze, oder spitzer
Stab, mit dem die Pflugochsen ange-
trieben werden, lit. pr^kelis. Vgl. Prickel.
3. kleiner Schuhnagel, der in den Ab-
satz geschlagen wird. Treichel.
Pricke, /., das Flufzneunauge, Petro-
myzon fluviatilis L, pltd. N6ge(n)ög,
lit. nege^ dewinakisy kur. negis, mas.,
kass. minoga. Benecke, 196.
Prickel, pltd. PrOckel, Preckel, m.,
eigentlich Dem. von Pricke Stange. 1.
Stachel, zugespitztes Stockchen, über-
haupt alles, womit man prickelt; lit.
prikelis. Die Wurstenden werden mit
Prickeln geschlossen, die Leinwand
auf der Bleiche damit festgesteckt, der
Pfeifenkopf wird mit einem Prickel ge-
reinigt. 2. spottweise der Infanterie-
säbel; ein schlechtes Messer. Vgl. Keü-
chenprickeh Bock, 46. Hennig, 159.
3. kurzer, dicker Mensch. In Ditmarsch.
und in Holstein ist Prickel eine Kröte.
Brem. Wb. III, 363. Schütze IH,
234.
prickeln, pltd. prOckeln, preckeln, sw.
1. mit etwas Spitzigem wiederholt
stechen. (Das Stachelschwein) hat mei-
nem Wachtel die Nase geprickelt Soph.
R. IV, 155. 2. das brennende Stechen
der Sonne. Die Sonne prickelt sehr. 3.
bildlich: kitzeln, innerlich erregen. Einen
prickeln^ ihn mit Worten reizen, durch-
hecheln. Die Sache prickelt ihn^ wurmt
ihn, macht ihn verdriefzlich. 4. mit
engen Stichen fest, kaum trennbar
nähen.
pricken, pltd. prOcken, precken, stc. 1 .
stechen, mit ^iner Pricke antreiben;
daher antreiben überhaupt. Er mu/z
zur Arbeit geprickt werden. Da kann
man ommer pröckcy gedäne ward doch
nuscht. Bei Jeroschin: er reiste mit
in vort in daz lant zu Medeniken unde
wolde iz aber priken in vtenüichir üb-
birlast I71a. Pfeiffer, 207. 2. mit
Pricken befestigen, anpricken.
prik, ad;, u. adv., s. preck.
prim, adj.^ s. prVm.
Prtmchen, pltd. Prfmke, PrSrnke, n.,
kleiner Ballen Kautabak, den man in
den Mund steckt; holl. pruimpje eigent-
lich Pfläumchen. Stoppt sock e Premke
Toback ovCt Mül Königsbg. Firme-
nich I, 103a. Kopf weg^ e Premke
follt vom Dack! Von de linke Sid e
Premke^ von de rechte Sid e Pip To-
back on ön e Mödd besdpe. Sprw. I,
2140. 3482. Schamb., 160b.
Prtmelchen, n., Himmelsschlussel, Pri-
mula veris L. Hennig, 195.
Prfmeni w., Pfriem, Pfriemen. Muh-
ling.
prTmen, pltd. pr6me(n), »w. 1. ein
Primchen im Munde haben, Tabak
kauen, kauen überhaupt. 2. ungeschickt,
schlecht nähen, zunähen, flicken, gleich-
sam als wäre es mit einem Primen ge-
näht. Hennig, 195. Schemionek,
30: priemen emcYi schlecht stopfen. S.
prQmen.
PrimtZ, /., primitiae^ das erste MeCz-
opfer eines neugeweihten katholischen
Priesters. Er hält heute seine Primiz.
Ermland. Wohl in allen katholischen
Jjändem. Schmeller I, 343.
PrTmke, n., s. Prtmchen.
PrTmtabak, pltd. PrSmtabak, m., Kau-
tabak.
Principalsalbe, /, Medik., Unguentum
Hydrargyrum- cdb. Auch Principitat und
Prinzmetallsalbe.
Prinz — prfz.
181
Prinz, m., ehemals in Königsberg
Bezeichnung fQr den Stadtmusikus, im
Gegensatz zu seinen ,, Gesellen". Von
dem lat. princeps. Hennig, 196.
Prinzessin, /., zur Bezeichnung eines
Mädchens, das sehr gefährlich thut,
leicht etwas übel nimmt. In Daozig:
Pnnzessin Perlepomse. Gedanism.
Prinzmetallsalbe, /., s. Principalsalbe.
Prinzregent, m., als Bezeichnung einer
Schnupftabakssorte. Königsberg. Vgl.
Sprw. II, 2099.
priicheln, 9w,^ s. v. a. brischeln und
verwandt mit krUcheln,
PrTse, /. Eigene Prtse, Frauenzimmer,
mit dem schwer umzugehen ist. Sche-
mionek, 30.
PrTse, /*, lauge Stange mit Krücke,
die gegen die Achselhöhle gestemmt
wird, zum Weiterschieben der Kähne
und Flöfze, ]it. prysas, Nsslm. Forsch.
3; TL, 143. Lit. Aeq., 21.
Priiel, Prissel, m. 1. ein wenig, ein
bil'zcheu. 2. Schmutzerdc. Treichel.
prlielig, ddj., zimperlich, aber auch
kurz angebunden. Friedland Ostpr.
Pilsellauch, m,, s. Prtsloch.
prTslich, adj.^ preis würdig. Bei Je-
roschin: daz wtsit manche gröze tat,
dl er prhlich beg angin Äa^25b. Pfeif-
fer, 207.
Prtsloch, PrTslauch, 7n., Schnittlauch,
geschnittener Knoblauch, Allium schoe^
noprasum L, v. Auer. In Friedland
Ostpr. auch Prtsellauch; im Weichsel-
delta Preselauch^ pltd. Preselläk. Klein
geschnitten streut man den Lauch in
Prisen auf Butterbrot oder nimmt ihn
als Gewürz an verschiedene Speisen.
Sperber, 25.
Prissel, m., s. PriSel.
Pristanien, Ortsn., Dorf am Mauersee
im Kr. Angerburg. Hei haut ön wt
de Prütanier on de Stint Sprw. I,
712.
Pritke,/. (Pricke ?),Stange im(frischen)
Haff zur Bezeichnung der Fahrrinne.
Schemionek, 30.
prTts, interj., s. prtz.
pritsch, selten prutsch, schallnach-
ahmendes Adverb, verloren, fort, weg;
vielleicht: schnell dahin wie der Gufz
einer Pritsche Spritze; poln. precz. Die
Sache ist pritsch. Die Flöte ist pritsch,
wie meine Geige; es kam einmal Noth
an Mann: da ging sie flöten, Soph.
R. 1,629. Vgl. Bernd, 220. Anton,
11, U.
Pritsche, /'. 1. Spritze. Hennig, 196.
Das kommt wie aus der Pritsche, kräf-
tig, in schnellem Ergulz. 2. Lager-
statte, namentlich der Soldaten auf der
Wache, aus Brettern bestehend und
auf niedrigen Pfosten ruhend. Im Brem.
Britze. Brem. Wb. I, 141. 3. Flinte:
Hei hadd de 61 Pritsch öm, er hatte die
alte Flinte um.
pritschen, sw. 1. spritzen. 2. ange-
führt werden, Verlust erleiden. Er ist
gut gepritschty tüchtig angeführt, be-
trogen. S. pritsch. Allgemein bekannt
ist der gepHtschte Europäer. Vgl. A d e -
lungl, 1201: pritschen, britschen mit
der Britsche schlagen, klatschend schla-
gen. . . . dafz kein Mensch mehr zu mir
schickty und ich gepritscht bin. Soph.
R. VI, 5Ö7. S. Bernd, 221.
Prttze, /., prttzen, sw., s. Präz.
prl2, in Verbindung mit pr&Z, auch
prtb, prftts, interj., nachahmend den Ton,
den fallende Schläge erzeugen. Er be--
kam prtz prdz, er bekam Ohrfeigen
rechts und links. Prihts, prahts! —
Ich fuhr hier wieder auf meine Bank
und krigte unterwegs noch so einige
Schmuse. Soph. R. HI, 218. Vgl. rtz
182
Pröbbemau — Prosteiiiahlzeit.
rdz u. Pi'dz. In Posen priz^praz die
Thür oft und geräuschvoll auf- und zu-
macheu, gleich unserm bribraz.
PrVbbemau, Ortsn., Dorf auf der Sud-
ecke der eigentlichen Danziger Neh-
rung. In Pröbbemau ist die Welt mit
Brettern verschlagen. Zu Pröbbeimau^
wo's Ende dei* Welt ist. In Pröbbemau,
wo die Sunde mit dem A. bellen. Vgl.
Sprw. I, 3012.
Probe, /. Nicht die Probe^ als Zu-
rückweisung.
Probenreiter, 7»., Musterreiter, Commis
voyageur.
Probenträger, plu7\, Leute, welche von
dem zu Lande ankommenden Getreide
die Proben umhertragen und es den
Eaufleuten zum Kauf anbieten. Dzg.
W. Seidel, 33. — In Kgsbg. heifzen
sie Vorkäufer.
probott, adj.^ reinlich, propre. Muh-
lin^.
Probst, m,^ ehemals in Königsberg der
Ökonom, der die Mahlzeit der Alum-
nen besorgte. Von dem lat. praepositus;
hoU. proost Bock, 46.
PrOch, m., s. BrBch.
PrVck, 971., s. Preck.
prBcky adj., eifrig, versessen. Er ist
darauf pröck. Vgl. preck.
PrOcke, /., s. Pricke.
PrVckel, m., s. Prickel.
prVcken, sw.^ s. pricken.
Profitchen (i lang und kurz), n., s.
Lichterknecht.
PrVkel, (?), dürres Holz. Treichel.
PrBl, m., April. De März heft kein
Herz^ on de Pröl deit 6k noch^ wat hei
wöll.
prVlen, sw^ s. v. a. krftlen.
prom, prBm, prim, adj., aufgeblasen,
keck, stolz. Mühling. He sott prom^
er sitzt gravitätisch. Nach Gordack
8. V. a. prepsch.
prBmen, sw,^ sich, sich zieren; be-
sonders von Frauenzimmern. Danzig.
Klein n, 67.
PrUmmel, m., Bauch, namentlich star-
ker, dicker Bauch. Hei heft e gode
Prömmel, er hat einen starken Bauch.
prVmmlich, ad/, erregt, aufgebracht;
maulig, maulfaul. Se ös gUk prömmlich.
Friedland Ostpr.
Prüms, Prems, f., Mus, Meblsuppe.
Nsslm, Th., 220. Pierson, A. W.,
37: gäl. Kleienmehl, Speise.
promsen, sw,^ s. premsen.
proper, proper, (zdj.^ propre, rein, rein-
lich, eigen, sauber, nett.
Propfen, pltd. Proppe(n), Dem. Prop-
chen^ pltd. Propke, m., Pfropfen. Davon
der Propfenzieher, 2. Propke^ kleines,
dickes Kind, da« v^ie gepfropft ist.
Treichel.
proppen, sw., pfropfen; übermafzig an-
füllen; coire.
proppendig, adj.^ gepfropft. Proppen-
dig voll^ gedruckt voll. Vgl. Danneil,
161a.
prBpsch, adj. u. adv,^ s. prepsch.
proschen, ««?., betteln. Prosche fa ne
Chrosche^ fa ne Döttke dremal. Jerren-
towitz. Von dem poln. prosic'^j Präs.
p'osz§ bitten.
prOst, das lat. prosit^ wohl bekomm's,
zur Gesundheit. Wunsch beim Niesen,
beim Zutrinken, bei der Mahlzeit. In
gebildeteren Kreisen beim Zutrunk:
Ptöstchm! Prösty Vada Jost! Prost,
gröfz' den Vadder Jost! Sprw. I, 3017.
IVost de Mältit, prosit die Mahlzeit!
Prost Neujahr! der kürzeste und be-
liebteste Neujahrsgluckwunsch. Prost
öm de Hälft, det Ganze krtg öck nich
mehr^ wenn man während des Essens
in ein Zimmer tritt. Sprw. IE, 2105.
Prostemahlzeit, /., s. das vor. und
Musik.
Pröstemahbseitsgesicht — prusten.
183
PrAstemahlzeHsgesicht, n., feistes, volles
Gesicht. Man schreibt es Pastoren und
Prälaten zu. Sprw. I, 3019.
proster, prosto, adv.j geradezu; von
einem dreisten, kecken Benehmen. Er
redet prosto weg. Das poln. prosto ge-
rade. Im Samlande prosten* aufgeblasen,
stolz.
Prüfz, (?), Fladen von grobem Mehl.
proter, adj., trotzig. Natangen.
probig, od)'., eigensinnig, halsstarrig,
mOrrisch, trotzig, und aus letzter m wohl
verderbt. In Liv- und Estland: patzig.
Hupel, 180. Anton, 3, 8.
prowjeiten, sw,^ schimpfen. Saalfeld.
PrUch, m., s. BrVch.
Pruddel, m., pniddeln, m,^ Pruddler,
w , s. PrOdel etc.
PrQdel, Pruddel, m., auch Bruddel. 1.
Fehler in einer Näh- oder Strickarbeit,
Fehler überhaupt., Dummheit. Er hat
einen guten Bruddel gemacht Sprw. I,
474. 2. nach Mühlin g Dunst, der aus
Flüssigkeiten aufsteigt, Brodem.
prQdeln, pruddeln. brOdeln, bruddeln,
sw. 1. schlecht, ungleich, kraus, dicht,
fest nähen oder stricken. Vgl. prickeln
4. 2. angestrengt und fleiizig nähen,
ohne lohnenden Erfolg. Sie prudelt den
ganzen Tag und bringt nichts vor sich,
3. liederlich, schlecht und obenhin ar-
beiten, pfuschen, abpfuschen; daher
auch abprQdeln etc. In dieser Bedeu-
tung in Liv- und Estland brudeln.
Hupel, 35. Bock, 46. Hennig, 4.
196.
prudeln, pruddeln, bruddeln, sw,^ bro-
deln, kochend aufwallen, langsam kochen .
Vgl. WeigandU, 400f. Brem. Wb.
m, 365. Schützern, 236.
PrQdler, Pruddler, 9»., einer, Atr pru-
delt; auch Spottname für den Schnei-
der, verstärkt: BUxenprQdler, pltd. Bttxe-
prOdler. Letzteres auch allgemein als
Schimpfwort. So sagt ein Bauer zu
seinem Knecht: eck rahd et dy^ sy stoUj
du Böckse-Pruddler du! Carm, nupt. V,
190 c.
prOmeln, prUmeln, m.^ s. prOmen.
prQmen, prUmen, prQnen, prUnen, sw.^
frequent. prOmeln, prUmeln, schlecht nä-
hen, stricken, arbeiten, wie prüdeln;
aber auch wie dieses fleifzig nähen. S.
Brem. Wb. III, 364. Schütze lU, 237.
Mnd. Wb. HI, 382. Vgl. prTmen.
prQnen, prUnen, sw,, s. prQmen.
Prunzel, /., Falte.
prunzeln, sw, 1. schlecht nähen, na-
mentlich in der Naht kraus und faltig.
2. coire, Memel.
prunzen, sw.^ s. v. a. brunzen (s. d.).
AU wenn se seck aüa hadde beprunzt.
Volksl., 37, 25, 2.
prunzlig, adj,, kraus, ungleichmäfzig,
faltig; von einer Naht.
Prusantel. 1 m Tierräts. 108 : die Fliege,
heifzt es von dieser: Kam a KeH (Kerl)
ve (von) Prusely Uadd na Mantel ve
Prusantel. Konitz.
prusch, interj. u. adv,^ von pruschen
u. prusten. Prusch ßng ich hier an zu
lachen^ prustend lachte ich los. Soph.
R. V, 520.
prUicheln, sw , arbeiten, fleiizig und
thätig sein. Mühling.
prQschen, prQsen, sw., s. prOsten.
prUieln, sw., bei Bock, 46, u. Hen-
nig, 196, prü/zeln^ s. v. a. brisein und
pasem.
Pnissel, n., unsauberes, namentlich
in den Haaren unordentliches Mädchen.
Schemionek, 30. Vgl. Puichel.
prQsten, auch prQsen u. prQschen, sw.
1. stark niesen, brausend schnauben,
voll und stark atmen. Dem Niesenden
ruft man prSst, priist = prosit zu. Onse
Katten de pruuse. Dorr, 70. Volksr.,
10, 42. Wenn man zu Gast fährt und
184
pmtecli — pQcldicIl.
die Pferde pr^ken, ao kamwä wum an-
ffemdkm. TreicheL 2. du Lmchen nicht
mehr unterdrückeii koDDen, 6<nideni
piötzlich und mit Heftigkeit losbcfaen.
iMem üu Gedekl prujtten — aMprtriHi
— u^pririBR — lM|visteiL ErpnJufhu
Im ttie er neiem mir kmging. Ick horte,
da/z a ein Laehen war; aber ick aber-
redete mich, a tei ein Nieten. Soph.
B. l, 444. Ueichen pn/htehie Um; denn
das Ding mmfz lachen. Ibid. HL 239.
AOe prykuhien bm^ u%e fahrende Bier-
ßoMchen den l^fropfen werfen. Ibid. IT,
481. 3. gereizt entgegnoi, trotzen, sich
widerspenstig zeigen. Pr^si mi man
niehffl'kdn-tGeföcht. Die Katze prustet
den Hund an. De ward schön prustCy
wird erzomt, böse werden. Von prü^
sen, £ra«(t^ii=Geriuisch, Getose machen.
Bei Jeroschin: prusen. Pfeiffer,
207. Hennig, 196.
pmbch, ade^ 5. pritMh.
PrzeraMa, mondgerechter PMberapka.
Scberapkey/, PLitz zam Umarbeiten des
Getreides. Danzig. Poln. przerabka
Umarbeitongsplatz, przerabiac omarbei-
ten, durcharbeiten, omschatifebi. Mron-
gorias I, 399b. Schmitt, Westpr.
167.
PlKhakreR, Flach, polo. psia krew
Hondeblat. Der Deutsche gebraucht
dies sehr gewöhnliche Flachwort mei-
stens nar scherzhaft. Sperber, 39.
Pscherapka, /., s. Przerabia.
PlcMMrowe, (?), Trinkgeld bei der
Holzabnahme. Elbing. Poln. przybor
Au&ahme. Schmitt, Westpr., 167.
pA, inter;., in der Kindersprache Nach-
ahmung des Schalles, den ein Schaiz
herrorbringt
Poeh, Piiche,/.. s. podien.
Poche, /., Deckbett, Ton dem poln.
puch Dane, Flaumfeder: meist bei Ju-
den gebräuchlich Flato^. Schmitt,
108; Wcs^r., 167.
fmkULsw. l.podben. schelten: trotzen,
trotzig drohen. Die Mutter puckt^ sie
sagt den Kindern strafecde Worte. Da-
Ton anpacken. aii^Mbea. ausschelten,
schmähen. Daron Pich. Pache. r,
Schelte. Er hat Pkck pdniegL i.
brechen, den Flachs. Flacks puchtn
— zuerst mit der grolzen Bracke^ dinn
mit der Sekabbraehe. Das zweite I\uken
ist also ein Schaben. Natangen. Auf
Samland nennt man das erste Brechen
des Hachses: stafzea (Sto/zbraehe). In
beiden Bedeutungen ist das bremische
pucken pochen, klopfen, schlagen und
puken klauben, zwacken, schaben, kratzen
verwandt. Brem. Wb. HI. 370. 371.
S. Weigand IL 366: packen.
pachlfain, «tr., unaufhörlich pucken^
ausschehen. Schemionek, 30.
Pack, «1. 1. Hundename. 2. kleiner
Mensch. Wohl Ton dem schelmisch
neckenden Nachtgeist PucL Weigand
II, 403.
Pocke!, «1. 1. Buckel, Bücken. Einem
auf den I\tckd steigen — ikm den Puckel
besehen ihm den I\tckel auswalken^ ihn
durchprägeln. — Lfg^f^ Sie sich aber
nur ein Buch Löschpapier auf den PuJxl^
denn ich schlage dreimal auf eine StMe.
Soph. R. U, 461. Einen krummen
Pudcel mad^en^ eine dienstliche Visite
machen. Hei os dm (pp em) Puckel
rerröckt. Puckel^ hoT (halte) her. dt
kein Dreschddl da. wenn's Hiebe giebt.
Dönh. Sprw. I, 487 f. 2. Höcker, Aus-
wuchs des Rückens. iW/bf/, Buckel
von biegen. Grimm, Wb. H, 484.
pockrin, Str., mit .AnstrenguDg auf
dem Rucken tragen. Er hat sein gut
Päckchen zu puckdn.
pockfick, adj.. backelicht. Ich lache
Pückiinski — Püffel.
185
mich pucklich. Wir hätten uns mögen
buklicht lachen, Soph. R. V, 146.
Pucidinski, m,, der Buckelige. Der
Name ist mit polnischer Endung ge-
bildet.
Puddel, m., Dem. Puddelke^ kleines,
dickes Kind, korpulentes Mädchen. In
Pommern und in der Altmark Puddelke
ein solches, das zu gehen anfangt.
Dähn., 361b. Danneil, 162a. Vgl.
Pummel.
puddeln, sw ^ scharren. Die Hühner
puddeln im Sande, einpuddeln^ sich^
sich einscharren, wie solches die Hühner
thun; wühlend sich in Weiches, Flocki-
ges, in Betten hüllen. Sich zurechipud-
delny durch hin- und herzausen der
Betten sich in eine behagliche Lage
bringen. Marold.
Puddik, m., s. Poddik.
piiddlig, adj,^ rund und voll in der
Körperform, fleischig. Ein puddliges
Mädchen. Im Brem. puddig. Brem.
Wb. III, 368. Vgl. Puddel.
PQdel, /., s. V. a. Paudely und ist Pu-
del das ursprüngliche Wort.
Pudel, ni. 1. Fehlschulz, Fehlwurf,
Fehler, Versehen überhaupt. Einen
Pudel schief zen^ die Scheibe fehlen, —
werfen y beim Kegelspiel keinen Kegel
treffen. Vhchd. selten: Wo sie nicht
das Wildprät kennen , Und ihr (der
Jäger) Schu/z vom Pandel frei^ ist ihr
Jagen Hudelei. Carm. nupt I, 71.
Hennig, 196. 2. nach Klein II, 68,
in Danzig beim Bankerott die Masse,
welche für die Gläubiger übrig bleibt.
Wohl aus dem holl, boedel, gesprochen
budely Erbschaft, Hinterlassenschaft. 3.
nach Sperber, 25, der übelriechende
Schmutz zwischen den Zehen unsaube-
rer FüCze.
pudeldick^ adv. Er ist pudeldick be-
sofen^ so stark betrunken, dalz er nicht
stehen kann. In Bremen puddeln^ pu-
dein im Gehen wackeln. Brem. Wb.
III, 368.
Pudelmütze, pltd. Pudelmifb, /., Mütze
aus Pudelfell, aber auch Pelzmütze,
ja Wintermütze überhaupt. Vgl. Schapp-
kenmUtze.
pudeln, sw.^ einen Fehlschul'z^ Fehl-
wurf thun.
pudelnarech, adj.^ pudelnärrisch, ko-
misch, in Bewegung und Manier spafz-
haft wie ein Pudelbund. Das liefz ihr
pudelnarsch. Vgl. narsch.
pudelnafz, adj.j nafz wie ein (bereg-
neter) Pudel.
Puder, 7n., feingestofzener lugwer,
zu Puder zerriebenes Gewürz. Puder-
zucker. Er hat Puder und Pfefer be-
kommen^ harte Vorwürfe, Verweise.
Bock, 46. Hennig, 197.
PudTmke, m.^ s. d. folg.
PudTnke, PudTmke, auch PodTnke und
Podlmke, m. 1. kurzer, dicker Mensch.
Hennig, 197. Vgl. poln. poddymac
das Feuer von unten anhlAseny poddymka
Feuer wedel, daher preui'z. pudiemke
ein Mensch, der von unten ins Feuer
bläst: auch pflegen kurze dicke Men-
schen leicht stai*k zu blasen und zu
pusten. Nsslm. Forsch. 3; Th., 144.
Pierson, Lit. Aeq., 21, zieht in Ver-
gleich lit. pudyne Milchtopf, und in
den A. W., 34, zu Podtnke dynia Kür-
bis. 2. Der Stern Alcor, das Reiter-
chen, gewöhnlich Dümeke (s. d.). Bock,
46. Hennig, 197. Nach einer Mit-
teilung aus Pillau nennen dortige Schiffer
das Sternbild Fuhrmann Podtmke.
PUffel, Pdffei, m. 1. Büffel. 2. ro-
her, ungeschliffener, ordinärer, unge-
bildeter Mensch; Arbeiter. Er ist ein
rechter Püffely ein Mensch ohne alle
Manieren. Wenn nun ein stoUzer Phy-
sischer Püffel diesem widersprechen will.
186
pfiffelig — Pülarbeit.
so lerne er allererst die Trigonometrische
Leiter aus der spitzklugen Geomettriu
anzusehen, Linem., Rr2a. Dennoch
weifz ich, da/z starche Trdge9jmfel(Ij2kSt'
träger) sich mehr beklaget haben über
das Geicicht einer Thonnen Wasser, als
über das Gewicht einer Thonnen
Schwartzbier. Linem., Ee 4b. 3.
dicker Rock. Sperber, 25.
pUffelig, pVff(e^lig, adj, von Püfel,
grob, UDinanierlich, von rohem Wesen,
ungeschlifFener Manier. Vgl. pofelig
und muffelig.
pUffeln, büffeln, 9tr., von Püffel, Büffel,
hart, angestrengt, wie ein Büffel ar-
beiten. Ich habe heute hart püffeln müs-
sen. Hennig, 334.
puffen, 8w. 1. knallen, mit Puff schal-
lend fallen. Er fiel hin, da/z es puffete,
2. mit der Faost stolzen, in die Seite
stofzen, bayr. und nds. buffen. Puffen
undknuffen. Schmellerl, 157. Brem.
Wb. I, 155. Schamb., 35b. 3. be-
ben, klopfen. Das Herz pufft Davon
verpuffen, in puffenden Knall auflösen,
leichtfertig durchbringen, sich entkräf-
ten. Pulver — , Geld — , Kraft ver-
puffen.
Puffer, m, 1. einer, der pufft. 2.
SchlusselbQchse, Terzerol. Die Knaben
fertigen den Lauf ihres Puffers aus
einem hohlen Schlüssel. Im Yolks-
munde heii'zt diese Schlusselbüchse ge-
wöhnlich Puffert, holl. poffer. Woher
kombts, dafz eine Kugel so aufzm Puffer,
oder Feurrohr geschossen, in der nahe
ein Brett durchgehet etc Bergegen
im Fewerrohr oder Puffer wird über-
tcunden die Gewalt des Triebes, von der
Gewalt des durchbrechens. Linem.,
Ee 2b.
Puffrad, n., Wagenrad ohne Eisenbe-
schiag. Ein Wagen mit unbeschlagenen
Rädern heiizt Puffwagen, ein unbeschla-
gener Schlitten Puffschlitten.
Puffs, m. 1. Puff, Stofz. Er kann
einen guten Puffs vertragen, er hält was
aus, ist ein tüchtiger Trinker. S.
Knuff, Knuffs. 2. zui* Bezeichnung
eines Zeitraumes. Einen Puffs abschla-
fen, Mühling.
paffst, 9n., s. PftwefTsL
PUgg, PUgge, /., s. Pig.
Pugichel, m., ungeschickte, unsaubere
Dienstmagd. Elbing. Schemionek,
30. Vgl. Prussel u. Puichel.
Pugiften, pbir,, s. Pogiften.
Pui, /., Dem. Puichen, pltd. Puike,
Katze. Als Schmeichelwort auch Puja
u Puje; in der Zusammensetzung: Pui-
kab'. Du schmengst (naschest) wie ne
Puikatz\ Saalfeld. Gedaniam. Sper-
ber, 39. Vgl. PT, Pticab' u. Puich.
Puikatz', /., s. das vor.
puingem, sw., coire, Westpr. Vgl.
das lat. pungere stechen.
Puja, f., s. Pui.
Pujab, f., s. Pajab.
Puje, /., s. Pui.
Pujenge, /., s. Bujenge.
Pulds, m. 1. Kaulbarsch. Er stremmt
sich wie ein Pukis. Stillen. Sprw. ü,
2598. Stint on Pükel Klang der Glo-
cken zu Karkeln und Inse bei Tilsit
Volksr., 270, 937. Nach Mühling
auch Peike. 2. drachenartiger Kobold,
der im ganzen nördlichen Teil unseres
Litauens wohl bekannt ist Lit pukys
in beiden Bedeutungen. Bezzenber-
ger, Lit Forschungen, 61 ff. Vgl. Alf.
PQlarbeit, /., Arbeit, bei der viel zu
pulen ist; mühsame feine Arbeit, die
mit grofzer Genauigkeit und Geduld
ausgeführt werden mufz. Mühling.
Ebenso in Bremen. Brem. Wb. III,
373. Sie heiizt auch KnIWelarbeiL
pulen — piimmfzig.
187
pQlen, SU7., mit den Fingern an einem
Dinge zupfen, heruroarbeiten, etwas
los- oder herausklauben; auch mit den
Zähnen zupfend nagen; in weiterer
Bedeutung langsam und mühsam ar-
beiten. Kartoffeln pitlen, einzelne Knol-
len aus der Erde herauswühlen, ohne
der Staude zu schaden. Bohnen^ —
Erbsen pulen, aushülsen. Die Braut
sa/z und puhlte an ihren Kleideim^ une
eine GanSy die Mi baden tvill. Soph.
R. ni, 242. Sich in der Nase pülen^
mit dem Finger in der Nase wühlen.
Am Knochen ptilen — ihn bepQlen, das
daran befindliche Fleisch nagend los-
lösen. Das Brot bepulen. Den Kern
aus der Nufz pulen — auspQlen. Eben-
so: abpQlen, aufpQlen. Vgl. hniweln mit
dem es dem Begriffe nach verwandt
ist. Engl, pull. In Hamburg, Bremen,
Holstein ebenfalls pulen, Brem. Wb.
III, 372. Schütze, III, 240. Sche-
mionek, 30. Sperber, 25.
pOiig, adj, von einer Arbeit, an der
viel zu pulen ist.
pulkem, Str., im Erdboden scharren,
kratzen. Bm r^ndlichet Kind sali nich
pulkem. Dorr, 1. Wiew., 89.
Pulle, Bulle, /., Flasche, in Bremen
auch Kanne mit dickem Bauch. Lat.
ampulla, Qu^. bowl^ hoU. pull^ angs.
boUa^ isl. bolli. Boly bul hat überhaupt
den Begriff des Runden, Bauchigen.
Brem. Wb. III, 373. Vilmar, 307.
K^ Vgl. Sufldel u. PVIIe.
pullen, »217., rudern, wobei mau die
Rtmen (Ruder) kurz einsetzt. Samland.
In Litauen auch auf pullen. Gordack.
Engl, to puU ziehen, reil'zen.
Pulpeinen, auch BarkhVIzer, plur.^ die
über dem Wasserspiegel hervorragen-
den, horizontal gelegenen Planken des
Schiffes. Hirsch, 265.
Pulswärmer, m., s. Mau.
PulterstUck, n., tüchtiges Fleischstück
aus dem vollen Schinken. Mühling.
Vgl. PaKe.
Pulver, n, 1 Schiefzpulver, in über-
tragoner Bedeutung. Er hat sein Pulver
verschossen^ ist impotent. 2. vor Ein-
fülirung der Schnellfeuerzeuge der
Zunder aus verkohlten Lumpen. Er
hiei'z in Danzig nach Klein II, 70,
Pulvertuch. Vgl. Pinkfeuei*zeug. Bock,
47. 3. Staub, Asche. Das Holz war
une Pulver,
Pulverzeug, n., Feuerzeug mit Pulver
(Zunder), Stahl, Stein und Schwefel-
faden, gewöhnlich Schwefellicht ge-
nannt. Aufzer Gebrauch. Es hiefz
auch Pinkf euer zeug. S. pinken.
Pum, /. , cunnusy vulva. Dzg. Klein,
II, 70.
Pummel, /., Dem. Pummelchen^ und
dieses gewöhnlich zur Bezeichnung eines
pfannkuchenartigen Gebäckes, ähnlich
denKropfen. Sperber, 25. InMcklbg.-
Vorp. Semmel, in der Altmark Pumm'l
breites dickes Weizenbrot an beiden
Enden zugespitzt. Mi, 66b. Danneil,
163 c.
Pummel, n, 1. etwas Umwickeltes,
Bepummeltes, s. pummeln, 2. kleines
dickes Kind, kleiner dicker Mensch.
Kreis Neustadt. Treichel. Vgl.
Puddel und Pumpel.
pummeln, »w.^ s. v. a. mummeln^ doch
mit dem Nebenbegri£P, dafz das Ein-
hüllen und Umwickeln unordentlich
und eilig geschieht, wodurch der um-
wickelte Gegenstand unförmlich wird.
Pummfufz, pltd. Pommföt, m., Klump-
fufz, unförmlicher Ful'z, von Natur oder
durch plumpe Fui'zbekleidung. Ma-
rold.
pummfzig, adj,^ unförmlich, plump,
188
Pnmpbüxen — Pongel.
klumpig. Dicke anforoiliche Wollen-
Strümpfe sitzen pumm/zig, Marold.
Vgl. pumpelig.
PumpbOxen, pltd. Pompböxen, /., weite
Schifferhosen. Pomp als natörlicfaer
Ausdruck einer aufbauschenden, lockern
und weiten Sache, welcher Begriff auch
in dem lat. pompa der herrschende ist.
Adelung III, 808. In Bayern Pumpf-
hosen. Schm eller 1,285. Vgl. Pludder-
hMe.
Pumpe, /. 1. lange Stange, an deren
Ende eine Art hölzerner Traube, oder
ein steifes Leder befestigt ist, welche,
oft noch mit einer Anzahl groizer an
Schnüren sitzender Holzkugehi oder
eiserner Ringe ausgestattet, bei ihren
Bewegungen ein rasselndes Geräusch
Yerursacht Fischgerat zum Scheu-
chen der Fische, dem sog. Pumpen.
Es heii'zt auch Pumpstock, Plumpe
u. Plumpstock^ in Bremen auch Plumpe-
kUe. Brem. Wb HI, 345. 2. Brunnen,
Pumpbrunnen, üblicher jedoch Plumpe.
3. Borg, Kredit. Auf Pump nehmen.
Er hat bei ihm Purrtpe.
Pumpel, m. 1. kleiner, im Wachs-
tum zurückgebliebener Mensch. Pill-
kallen. Vgl. PummeL 2. Person, die
yiele Kleider unförmlich über einander
gezogen hat. Vgl. mummeln. Daher
verpumpeln = vermummen. Samland.
3. Bündel. Vgl. Pungel.
PUmpel, m.^ Tölpel. Ich dummer
Pumpel bedachte nichts dafz die Moden
sich andern. Soph. R. VI, 556.
Pumpelfritze , m.^ verweichlichter
Mensch, der bei geringer Kälte sich
zu warm bekleidet, bepumpelt. Trei-
chel.
pumpelig, adj. 1. weichlich, schwäch-
lich, kränklieb. Mir ist so pumpelig
(auch pumpelig) zu Mute. In der Ober-
laus, schwach, nicht recht fest, ent-
kräftet Anton, 3, 8. 2. onformlich,
uneben, faltig. Der Rock sUzt pump-
lig. VgL PumpeL
pumpeh. Str., einhüllen etc., s. mus-
mebL
Pumpen, n. Das Pumpen und Jagen^
lit. spurtkiy besteht darin, dalz mit
langen, besonders eingerichteten Stan-
gen, den sog. Pumpen (s. d.) ein star-
kes Getöse im Wasser verursacht wird,
um die Fische in aufgestellte Netze
hineinzutreiben. Diese Art des Fisch-
fanges untersagt die J'iscL.-Ord. f. d.
fr. HaB unbedingt (§ 46), die für das
knr. Haff gestattet sie nur ausnahms-
weise bei der Dobenfischerei (§ 45).
Abo dafz kein Fischer . . . enich der
Pompen in keinerleg Fischerei gebrauchen
sollen. Landesordnung Ton 1498.
Bock, Nat. IV, 694. YgL ßenecke,
410. Hennig, 197. Sperber, 25.
S. Bullem.
Pumpskeule, /., s. Dudericeule.
Pumpstock, m., s. Pumpe.
Pundel, PUndel, n., s. PungeL
Punder, m., wohl von Fund Pfund,
vereidigter Wäger. Bei Hirsch, 218,
der Stadt- Punder.
Pungel, PUngel, Pingel, PUndel, Pindel,
auch Pumpel, n. u.m. 1 . Bündel, kleines
Pack, Dem. Pungelche, pltd. Pungelke
etc. Ein Kerl mit einem gro/zen Pun-
gel. Och ha mar aus Elwing ön
Pungel Bett geholt Spook, 474.
Ganze Pingel von dem Beste^ Schockt
dem Pastor man to Neste. VolksL,
43, 27, 8. Eck sach von tciedens af sei
noch nich Pungel droge^ ob sie noch
nicht die Packe mit den Hochzeits-
geschenken brachten. Carm. nupt. I,
282, 12. Pungel machen^ nach Hoch-
zeiten, Gebetsyerhoren und anderen
Festlichkeiten die Reste von Speisen,
namentlich von Gebackenem, in Tücher
Pongeljude — pdpen.
189
binden, um sie als Geschenk für die
Daheioigebliebenen entweder selbst mit
nach Hause zu nehmen, oder ins Haus
nachgeschickt zu erhalten. Hennig,
197. Eck hoM den Kostings-Schniaufz^
oock Dangs^ oock Pingel en, Carm, nupt
ni, 133d. Pungel und Packy alles
Tragbare. Mit Pungel und Pack ab-
sahen. 2. Menge^ Haufe. Ein Pungel
Leute. Sie stehen alle auf einem Pun-
gel, Ein Pungel Geld. 3. bildlich:
Bürde, Last, schwere Sorge. Hei lieft
S/n Pungelke to drdge. Er hat sich ein
gutes Pungel auf den Rücken gebunden,
er hat sich eine schwere Sorge aufge-
laden. Sprw. I, 3035. 4. nach M ü h -
ling auch in der Bartener Gegend
eine Quantität Garn von 15 Gebinden,
ein sog. Funfzehner. Angs., schwed.
u. dän. bung^ pung, mlat. bungeUus^ bun-
deloy bundella, im Bremischen Ping,
Punge^ Pungel^ in Posen Pingel, Pungel.
Brem. Wb. HI, 377. Bernd, 208.
PUngeljude, Pingel-, Pindeljude, m.,
jüdischer Hausierer, der seinen Kram
in einem Pungel auf dem Racken
trägt.
Pungelkirsche, /., Doppelkirsche, wel-
che mehrere, ein Pangel, Kirschen an
einem Schafte trägt. In Westpr. Pfund-
klrsche. Müh ling.
pungeln, sw.^ s. pUngeln.
pUngeln, pingeln, pungeln, pindeln, sw.^
1. Pungel machen; Kleinigkeiten aus-
und einpacken. 2. langsam mit den
Fingern etwas losen oder binden; beim
Ankleiden langsam sein, sich verweilen,
aufhalten, daher verweilen und auf-
halten überhaupt. Pungel nich so lang\
mache nicht so lange. Er hat immer
was zu püngeln^ er hält sich stet« auf,
kommt vor Beschäftigung mit Kleinig-
keiten nicht zu einer ernsten und ge-
regelten Thätigkeit. Hennig, 198.
anpingeln, anpindeln, sich^ sich anklei-
den. Endlich häbV m em beschwabbelt
(beschwatzt), Dat he seck hdwt ange-
pindelt Nowack, 41. bepingeln, warm
einhüllen in Tücher, Kleidungsstücke.
Punke, /., Knallbüchse, von dem
poln. pßkac knallen. Schmitt, West-
pr., 167.
punken, sw.^ dumpf tönen, tönen.
Trampeln, daft punkt Schlochau. S.
juch.
Punschkanne, /., Scherzbezeichnung
für das Nachtgeschirr, die Nachts-
kanne.
Puntschke, m., Pfannkuchen; von dem
poln. pqczek, zunächst Knospe, dann,
nach der Form, Kröpfen, Pfannkuchen.
Schmitt, 108; Westpr., 167.
Punz, /., der gebräuchlichste Name
für cunnus, vulva^ Dem. Punzchen,
Pünzchen, pltd. Punzke. Im östlichen
Hessen und sonst in Deutschland in
gleichem Sinne Bunze, Bunz, in Dzg.
auch Pum, im Samlande Ptis, in Bre-
men und Pommern Puse, isl. puss, lit.
pissa, pisse, pyze, pyzda. Vi 1 mar,
62. Brem. Wb. HI, 381. Dähn,
364 b.
punzem, sw., coite. Einlage bei £1-
bing.
punzmaulen, pltd. punzmQle(n) , m.,
gram sehen, griesmaulen. Ömmerpunz--
mvle künvL wl nich. Einlage bei El-
bing.
PQp, PQps, m., Dem. PQpke, PQpske,
n , Furz. Er hat einen Pup gelassen.
Er schlachtet (ahnt) nä m Pvpke. Das
(er) ist unterm Püpke. Sprw. I,
3037.
pQpen, pQp88n, sw., feinere Bezeich-
nung für furzen, pedere. In Bremen,
Holstein, Pommern auch purten. Brem.
190
Piipke — Pusch.
Wb, IIK 380. Schütze 111, 246.
Dahn« 364a. In Posen auch noch
pumi.istn. Beende 224.
PQpke, fii.. Wasserhuhn, s. Hiirdei.
PlippenwerlL n.. Spiel mit Puppen.
Indessen höret nuin^ da/z auch die Klei-
nen liebefK Und an dem Ihppenuerck
schon ihtf Xeiijunff üben, tarw, niipf.
I, 286.
poppenu paspenu sw., schnell klopfen.
ängstlich schlagen: vom Herzen. Mir
puppert das Her: vor An^t. Wie
pmpert mer des Bart, Dorr, L Wiew.,
56. In Hessen poppem^ Vilm., 305.
In Posen: schnelL mit gewissem dum-
pfem l^ut oder Gefühl hin and her
bewegt werden; in der Bewegung ein
dompfess schnell wiederiiukes Geri^uäcli
hören lassen: Der Wind pMf^Mri im
Ofem. Bernd, 224. Verwandt mit
Zeichnung eines kleinen Kindes Die
Premefz freu sich grausam sehrchens
iber die beeds kleene Purksen (die von
ihr geborenen Zwillinge). Schaltj. 1,
440. In Mcklbg.-Vorp. kleiner Mensch.
Mi, 67a.
Piumalleiit Ortsn., Gut bei Memel.
He ÖS ut l^urmeUe. wo de Bund" möt
rfrtw ^4. MIe. Sprw. I, 3038.
purr, inierj.^ Zuruf an Pferde, wenn
sie im Gamre anhalten sollen; auch
bVT. Daher heilzt das Pferd in der
Eindersprache PwTChe. pltd. Ponte,
PwTpfenlciis, pltd. PsTpCnfea.
«•., Rauhhafer, Avena
siHffosa Scknfb. Hagen, 120.
Pipi; M , s Pipw
^
r, iidj. Q. adr^ rein, lauter« unver-
mischt: von dem lat. pmnt»^ pmrt^
PkW Sekanamd, reine Sahne. ^Sra dat
mici mam pvnt ScUtef lorai. mmpi^
h l41. Da» kist er oms pmrer Boiskeit
gtftkan. /W rvmt^ B^mckart^ lauter
junge Herrschaft. Seeknw., 81. fm
p^Mpperd pmrw ^-kmeaJocAe Setjubm, Dzg.
Nhg. PimL, 45. Bei Jeroschin,
54>b: iiflr i^-iur^ dm ttkm kgrtteäeA
katewr^ vi&z ^ im m^ Korti» pn^^r der
Kth'keie leite m>rn^ Pfeiffer. 2»>>. S-
P«nl. M. 1. der Püizel. Bürzel
2. kleiner, dicker KerL ELnorz. /, Arr-
sA, du tcölbt oms zöm Bette hole. Erm-
land. Firmenich L 115. In die-
ser Bedeutung auch in Pensen. Bernd,
224. Purz, Pirz. Burz^ Birzd; in
Bmrzei. Yilmar. 62. Bre^
Pkrnfi Bran. Wb. UI,
379. FngL lmrii$ dickleibig. 3. ein
in Schmalz gebackei&er Ptumkuchen
<dine Füllung, beüebces Xenjahrsge-
bäeke: auch F6rzei^ /Varf ^Sw d.^
Dzg.W. Seidel, Soc Nauegec. Ober-
land. Xsslm. Forsch. 3, Tk 220.
Sperber, 2^>.
m^ Baivdbtuau s.
;wr.. iraekefi. Mühling. pV2ffi§^>oa i W:m±
Wohl ^Tiel a&> rn»vhgib%^ plRtlL «r.. s. py?^
AT.^ s^ P^t&. PV2iBMCk0L n^ SceLibtem. Er kat
<jBug^. Toa pmr nwi im Reichen $ic& «ieift fWc^nc/cAeit CffrstXBti4Ac^
Siuie. X^ p^ifriuH^ nruut ITcfswr. zur PiSL rU cvaumäw s^ PlMZ.
BeaeichiLtxit^ etneß wit5)»erigen. Ge^ fiKk. m., IVm. P^tachachuf^ pltd.
traixk^Sw E^iächJui. 1. Bu^rh. G<jC'I;?c{l. kLein^r
wu K'firors;^ nsUKesdick zur Be- Wald. E Pitaciuct WM. i. ScaaciL
Pusch — puscheln.
191
. . . wenn man den Fuchs belauert: Man
leget mancherlei) auf das gehöhlte Grab
an lausch und Strauchwerk hin. Carm.
nupt^ I, 1. Jeroschin: beide durch
pusch und durch wald 132 b. er trat
in einen pusch bestt 169d. st mustin
sich behaldin in bruche^ puschin^ wal-
din 102b. Pfeiffer, 208. Die An-
muih ziehet fort aus Gärten^ POsch und
Auen. Carm. nupt. III, 233 b. 3.
Straaiz, Zweig mit Blättern oder Blu-
ten. Ein Pusch Blumen. Ein Pusch-
chen Flieder. 4. Zusammengebundenes,
das einem Basche ahnt. Ein Pusch
Federn^ Federpusch. Da/z sie sich van
dato an keineswegs unterstehen . . . i%-
scher an den Ohren zu tragen. Eleider-
ordnuDg v. J. 1684. Hartwich, 51.
5. der obere Teil des Wockens, der
die Spule trägt und vermittelst einer
Schraube höher oder tiefer gestellt
werden kann. Ahd. busc^ boscy mhd.
buschy puschy bosch^ dän. busk^ schwed.
bu^ke^ engl. itwA, holl. bosch^ ital. boscOj
Span, bosque^ im mittlem Latein, boscus,
buscus, franz. bois Gehölz. Adelung,
I, 1273. Weigand, I, 258.
Puich, Puiche, auch PQiche, PQse,
Pise, /., Dem. Pubchchen^ pltd. Pux'chke^
Ruf- und Schmeichelname für die Katze.
Onse Katt dei Puiche {:ichu^ch£).
Volksr., 10, 40. Engl, puss^ holl. jpoes,
lit. puiz^ puize, puz, im Brem. Puus^
in Hessen Ihisse. Brem. Wb. III, 381.
Vilmar, 307. Vgl. Pul. Der Kater
wird Puicher, ?»., gerufen. Volksr.,
64, 242e. Bock, 47. Hennig,
198.
puichauen, sw.^ s. puicheien.
Puichchen, n., s. Puich und Puich-
mau.
puicheien, pltd. puichlen, sw., strei-
cheln, liebkosend streichen, besonders
Wangen und Schultern (Oberarm) ; von
PuHche Katze, die sich gern streicheln
läfzt und streichend anschmiedet. Auch
pu§chen, pukhaien, pu§chanen (Sehe-
mionek, 30), pu§chkatten, pu§chkatem.
Schlugst den Wulf 6k? Na, puicheie
war öck em doch nich. Volksr., 262,
912. Ve»' Freide pu^cheid hei dem
Meister de Backe. Kgsbg. Firmenich I,
103a. Hennig,199. pmchkattenkommt
nach Bock, 47, von einem Spiel her,
mit dem Wärterinnen die Kinder unter-
halten: sie betrachten die Händchen
der Kleinen als die Pfoten der Katze
und streicheln die Wangen des Kin-
des.
Puschel, (ßch scharf), m.^ von Pusch
= Busch, Straul'z, Helmbusch, Feder-
busch.
Puichel, VI. 1. Magd, der die nie-
drigste Arbeit obliegt; nach Marold
auch junges, schwaches Dienstmädchen,
das die Arbeit noch nicht recht ver-
steht. Das ist der Puschel. S c h e m i o -
nek, 30. 2. unsauberes, schmutziges
Frauenzimmer überhaupt. Sie ist ein
reiner Pu^cheL Auch Puiel; ebenso in
Pommern. Dähn, 346b. NachTrei-
chel Pusel, n., kleines, dickes, liebes
Mädchen, Ruf wort für solches, aber
auch für Hunde, und selbst Hunde-
name. Vgl. Prussel und Posengel.
Pu§chelarbeit, /*., unsaubere Arbeit,
Scharwerksdienst. VgL puicheln.
puicheln, sw.^ verwandt mit nuscheln.
1. langsam, obenhin aber stetig arbeiten,
thätig sein, doch ohne rechtes Ergeb-
nis. Sie ist in einem Puscheln. Er
pu^chelt den ganzen Tag^ und wenn
der Abend kommt, ist nichts zu besehen.
2. träge, unordentlich, unsauber arbei-
ten. 3. schmutzige Arbeiten verrichten,
von welchen sich jeder gern fern hält*
Schemionek, 30. 4. mit einem wei-
chen Gegenstand oder mit der Hand
192
puscheien — Pnstbacke.
über etwas leicht hin- and herfahren,
also verwandt mit puscheien, Pu^ckel
mir doch nicht im Gesicht herum! 5.
coire. Ich hah^ einen Mann^ Der mich
ruUheln und puscheln kann. Tierräts.
103. Hin und wieder namentlich in
Westpr. aach pufeln. Davon Gepuichel,
n. Bock, 47. Hennig, 198. Vgl.
Brem. Wb. HI, 353. Dähn. 364 b.
Danneil, 164a. Mi, 67a. Sall-
mann, 48.
puichen, sw.^ s. puicheien.
Puichenuckel, Pusenuckel, m., kleines,
unansehnliches erwachsenes Mädchen.
Vgl. Nuckel.
Puichkaterchen , m, , schmeichelnder
Kater. 1. Name des Katers. Posch-
käterke^ too wärscht duf Volksr., 31,
119. 2. zur Bezeichnung eines lieb-
kosenden, schmeichelnden Knaben. Du
bÖ8t en Puschkaterke ! Vgl Piich-
kabe.
puichkatern, pu§chkatten, str., s. pu-
icheien.
Puichkabe, /. 1. Schmeichelkatze,
Katze. Miene (Kringel), dtene^onsePusch-
katt 6k ene, Volksr., 36, 138. 2. schmei-
chelndes Mädchen, kleiner Liebling.
Schläft mtn kiener Puichkatt Volksr.,
8. 34. Vgl. Puichkater.
Puschlag, 9n., Spreu; von dem poln.
^Äorf Hintergetreide, Spreu. Schmitt,
Westpr., 167.
putehlich, adj. von puicheln, unordent-
lich, unsauber in Arbeit und Kleidung.
S. buichlich.
PuichmaUy Buichmau, /., auch Puich-
chen, Mauchen, n., cunnt^« = Kätzchen^
Mäuschen. Vgl. Pasch u. Mau.
Puichmenk, /., kleine Kapelle an der
Landstra(ze. Von dem poln. boza m§ka
Gottes Leiden. Sperber, 39.
PuichrOnke, /., buntgestreifte Lein-
wand. Litauen.
PQse, /., s. Pu§ch.
Pu§el, m., puieln, sw,^ s. Puichel etc.
Pusengely m., s. Posengel.
Pusenuckel, m., s. Pu§chenuckel.
puierig, adj,^ unordentlich, kränklich,
aufgeraucht, in den Haaren oder Federn
nicht glatt; von Menschen und Tieren.
Davon Pubruicher, m. in allen Bedeu-
tungen. Marold.
Puske, /., s. Purte.
PQskedQdel, m., auch PQstke-, Puizke-,
dOdel, PutzkedQl, kleiner, korpulenter
Mensch, Knirps; in der Saalfelder Ge-
gend auch ein solcher, der viele Bllei-
der über einander gelegt hat und da-
durch unförmlich geworden ist.
Puskuijel, 971., Halbkuijel, Eber mit
einer Hode. Lit. pus halb. Vgl. Kui-
jel u. Imktippel.
puspem, sw.^ s. puppern.
Pusrad, n., ist wohl Zusammensetzung
mit dem lit. pus halb, also halbes, un-
vollständiges Rad. De ös rund wl e
Pusrad^ zur Bezeichnung eines kräf-
tigen, festen, drallen Mädchens. Weh-
lau.
pussen, Str., s. possen.
PQst, m., Hauch, Atem; Luftzug,
Wind. Hol Pust^ halte Pust, übereile
dich nicht! Arbeiten — laufen^ da/z
einem der Pust vergeht Dabei geht ei-
nem der Pust aus. Damöt verging mi
de Paust. Spook, 473. Wenn §k
Pust genog hadd^ en Gebed to spreken^
so wuil ik miene Sinden berien. Dorr,
1. Wiew., 111. Ihm ist der I\ist aus-
gegangen; er hat den l\tst verloren^ er
ist gestorben; nach Rosenkranz,
Kgsbg. Skiz. I, 215: er hat den Pust
aufgegeben. Dat ös hiide düchtiger
Pusty starker Wind. Vgl. Sprw. I,
3029f.
POslbacke, /., Pausbacke, aufge-
poBtete, aalgeblasene Backe.
Pofltblume — Pustonen.
193
POstblume, /., LöwenzahD, Leontodan
taraxacum L. Kinder yersachen die
Samenfähnchen in einem Zuge wcgza-
pusten. Vgl. Butterblume.
Pustbraten, m , aufgepusteter Braten;
übertragen : Mensch, der sich aufpfutet^
aufbläst, aus Hochmut oder Zorn.
Hennig, 198.
Puste, Pustke, /., abgelegene Ansiede-
lung; nach Treichel Puske, Ausbau
im Walde. Poln. pusty wüst, leer,
herrenlos, russ. jmstyi leer, lit. pustas^
lett. pohsts wüst, öde, altpr. paustas
wild, nicht gezähmt, nicht kultiviert.
In Danzig Pustkowe wüste Baustelle^
poln. pustkoioie; von Schmitt, 108;
Westpr., 167, Pustkowie ebenfalls als
abgelegene Ansiedelung erklärt. ^gL
MrongoY. I, 426a. Nsslm. Th.,
121.
pQsten, 8w. 1. stark hauchen, blasen.
In den Löffel pusten^ dafz die Suppe
erkaltet. Kannst nicht pusten ! ruft man
Kindern zu, welche klagen, dafz Trank
oder Speise zu heii'z. Ich werde dir
was pusten^ als Zurückweisung. In
übertragener Bedeutung: Der Wind
pifstety bläst stark. Der Ofen pustet^
strahlt starke Wärme aus. 2. laut u.
lebhaft atmen, schnaufen^ schwer und
kurz (asthmatisch) atmen, atmen über-
haupt. Puste nicht so! zu laut atmen-
den Kindern. De (Frau Page) schweet
on pusty on sitt ganz verwittert ut.
Dorr, 1. Wiew., 69. Wozu sie ar^
beitety da/z sie pulsten mufs^ das macht
ich weissen, Soph. R. V, 585. Mein
Pferd schnob und blies und brummte.
yfPuhst du nur^ sagte ich. Ibid., 122.
£}r kann kaum noch pusten^ der Kor-
pulente, Angestrengte, Kranke etc.
Vgl. Sprw. I, 3032 f. Mnd. pusten,
holl. poesten, schwed. pusta, dJkn.ptustey
lit. püstij bayerisch pfausen^ pfausten.
Fritehbier, Wörurbaeh IL
Schmeller, I, 323. Hennig, 198.
In Zusammensetzungen: anpOsten, an-
blasen: das Feuer. aufpOsten, durch
Pusten ausdehnen, aufblasen, aufblähen:
die Schweinsblase, das Schöpsenfleisch
etc. Hennig, 16, hat, nach alten
Fleischertaxen, das vhchd. aufpausten.
sich aufpusten, aufgeblasen und stolz
auftreten, grofz thun. Er pustet sich
gewaltig auf. Ich fing an zu lacheny
weil mein Guimann sich so aufpustete,
Soph K. Y; 520. auspOsten, ausblasen :
das Licht, bepusten, behauchen. Kin-
der, welche sich gestoizen oder sonst
leicht weh gethan haben, beschwichtigt
man mit der Aufl^orderung: Komm^ her,
ich werd! pusten — bepusten! und
haucht dann auf die schmerzende Stelle.
verpOsten, verschnaufen, durch Ruhe
wieder Pust gewinnen; ausruhen. Die
Pferde verpusten lassen. Sich verpusten,
ausruhen, in der Arbeit eine Pause ma-
chen. Wie mir mehr daran lag, ein
Augenblickchen anzuhalten, um mich zu
verpuhsten. Soph. R. V. 114.
PQster, m,, einer, der pustet, Bläser,
Blasebalg. Mühling. In Bremen
und Hamburg' Poster kleiner Blase-
balg und Blaserohr. Brem. Wb. III,
382.
pQstTg, adj., aufgeblasen, keck, frech.
Mühling. In Bremen pusig und pun-
stig, in Hamburg und im Hannover-
schen pt'fstig aufgeblasen von Luft, win-
dig, kolikalisch. Brem. Wb. lU,
383.
Pustke, /., s. Puste.
PQstkedOdel, m., s. PQskedQdel.
Pustkowe, Pustkowie, /., s. Puste.
Pustkuchen, m., mit Pust gefülltes,
luftiges Gebäck, Windbeutel.
Pustonen, plur, bei den heidnischen
Preulzen die Priester, welche durch
Anhauchen Wunden und andere Krank-
18
194
pastrig — pQtzeD.
Leiten heilten. Lit. pitsti blasen, we-
hen. Hennig, 199.
pOstrig, paustrig, oJ/., erzürnt, aufge-
bracht, ärgerlich, mürrisch. Er ist
gleich paustrig, er bläst, pustet sich
gleich auf. Hennig, 198, schreibt
puhstiicht und patistrich.
PQstrohr, n, ßlaserohr.
Put, Pütt, Putte, /., Dem. Putchen, plld.
Putke, Name und Lockruf für Küchlein
und Huhn; Schmeichelwort für Mädchen.
Lit. put put Lockruf für die Küchlein.
In Bayern lockt man die Hühner: Pul
Pul, in Bremen und Göttingen die wel-
schen Hühner PiH Pul. Schmeller
I,28L Brem. \Vb.in,393. Schamb.,
162 a. Putchen, Putke als Verkleine-
rungswort überhaupt: kleiner Junge;
Putchenkrämer, m., Kleinhändler. Put-
junker, kleiner Edelmann. Hennig,
197.
Putcher, mehr noch Putker, 7/». 1.
kleiner Mensch, Knirps. 2. Klein-
händler, Krämer. Bock, 47. Hen-
nig, 199. Nach Gortzitza auch
Putschker.
Pöte, /. 1. welsches Huhn. 2. über-
tragen: dummes Mädchen. Sie ist die
reine Pute.
pOtenrot, od},, rot wie eine Pute.
He tcord puterroth em Gesecht Dorr,
Driewjagd.
Putke, n. u. m., zur Bezeichnung des
Kleinen, s. Put. Putken kleine Jun-
gen; Schiffsjungen. Hirsch, 265.
Putkenkrämer, m., s. Put
Putker, w., s. Putcher.
Putpurift, /. 1 . Name für die Wachtel.
2. Spottname für liederliche Dirnen.
Marold.
Putschker, m., s. Putcher.
Pim, PUtte, /, s. PÄtt.
Putlelutten-, Puttenuttenkram , m., s.
Petenettenkram.
putten, sw., mit Knöpfen anwerfen.
Alt-PiUau. S. anschmeifzen.
puttern, «tr., reizen, treiben, antreiben,
anhetzen, und dann anputtem. Bock.
47. Hennig, 199.
Putthahn, m., -huhn, n., in der Kinder-
sprache jeder Hahn und jedes Huhn,
nicht blofz das welsche.
Puttjunker, m , s. PuL
putz, interj., Hetzruf an Hunde. Vgl.
putzen.
Putz, m. 1. der Abputz eines Ge-
bäudes. Der Putz ist abgefallen. 2.
m. u. /. der verkohlte Teil des Dochte«
in einem Lichte. 3. nach Mühling
in früherer Zeit auch Keller, finsterer
Ort überhaupt.
Putzaus, m.y Ausputz, Schmuck. Das
ist hier ein hübscher Ihitzaus, das Haus
oder Zimmer ist festlich geschmückt.
Der ganze Putzaus ist nicht einen Gro-
schen wert, der Flitterstaat eines
Frauenzimmers. Sie denkt nur an den
Putzaus.
Putzdttckchen, n. Dem. von Putzdocke,
Putzpüppchen Docke = Püppchen.
Grimm, Wb. II, 1208. Und das Putz-
döckchen^ seine Frau, . . kannte auf keine
bessere Weise gedemüthigt werden. An-
hang z. Soph. R., 40.
Putzelied, pltd. PutzelSd, n., lustiges
Lied. Dzg. Nhg. Viol^t, 103.
putzen, sw. 1 . rasieren. Ich habe mich
noch zu putzen — ich hohe mir noch
den Bart zu putzen 2. reioigen; vom
Getreide. Mühling. 3. tüchtig essen.
Der kann gut putzen. 4. derbe Ver-
weise geben. Dei hat ihn gut geputzt
— verputzt Ebenso in der Niederlaus.
Anton, 11, 14. In Zusammensetzun-
gen: ausputzen, sich (s. d.), auch auf-
putzen, beputzen, sich, sich mehr als
satt essen. Sperber, 26. verputzen^
1. verspeisen, aufessen, verzehren. Wir
putzig — quabbeln.
195
haben schon alles verputzt, 2. Einen
verputzen^ ihm derb die Wahrheit sa-
gen, ihm harte Verweise geben. In
Bayern Geld und Gut durchbringen,
verschwenden. Schmeller I, 30H.
Bock, 48. Hennig, 198.
putzig, adj.^ possierlich, sonderbar,
munter. Das ist ein putziger Kerl.
Sein Sie nur immer so puzig vne jetzig
so wünsch ich keine bessere Gesell-
schafterin. Soph. R. III, 166. Holl.
poetsiff, potsig. Im Bremischen Putze
Possen, Spai'z, Scherz, lustiger Streich.
Brem. Wb. III, 386. In Posen putzig^
putzelig klein, unansehnlich. Bernd,
226. Vgl. Anton, 11, U. Hennig,
199.
PutzkedQdel, -dOl, m., s. PQskedQdel.
Putzkekeller, 9n., Bierkeller für kleine
Leute, wohl s. v. a. Putkekeller (vgl.
Put). Im Brem. putten schöpfen, pütt-
Jen ein wenig trinken, schmecken,
Putkeamt Schenkenamt, offuivm prä-
gustatoris. Brem. Wb. III, 384. Bock,
48 Hennig, 199.
Putzmesser, n., Messer zum Putzen,
iiasiermesser. Vgl. putzen.
Putzmllhle, /., Windharfe, Drehma-
schine zum Reinigen des Getreides.
Hennig, 200.
Putzriemen, m., Riemen zum Strei-
chen des Putzmessers. Vgl. putzen.
Putzruicher, m., s. puierig.
Putzschere, /., Lichtschere, heute
aufzer Gebrauch. Er ist so nett —
ist geschniegelt und gebügelt toie ^ne
Putzscher. Bock, 48. Hennig, 200.
Schemiooek, 31.
Putzseife, /., Seife zum Putzen, Bart-
seife.
Putzzeug, n., Zeug, das zum Putzen,
zum Rasieren gehört.
Q
q, qu, Doppelkonsonant, stets nur als
Anlaut, im Klange kwy in manchen
Wörtern verwandt mit d: Dwarg —
Quark^ dvoer^ choarsch — quer,
Quabbe, pltd. Quabb, /. 1. Quappe,
Gadus Lota L. , Lota vulgaris Cuv.
Alipr. vdlnis [wümsf), lit. kupa^ kwa-
paj kur. kwapCy mas. kas. nientusz.
Benecke, Fische, 89. Hennenber-
ger, Verzeichnis der Fische, 29. Er
ist so fett^ icie'ne Quabb. Vgl. Aal-
quappe. 2. Wamme. In Bremen
Quabbe u. Quabbel Wamme, aber auch
Fett- und Fleischhöcker. Brem. Wb.
lir, 387.
Quabbe, /, s. quabbeln.
Quabbelfett, n., lockeres, wackelndes,
hervorstehendes Fett Mühling. Eben-
so in Bremen. Brem. Wb. HI, 388.
quabb(e)lig, adj.^ s. quabbeln.
quabbeln, sw.^ beben, schaukeln vor
Fettigkeit oder Weichheit. Er quabbelt
von Fett^ er ist sehr fett. Gallerte^
Mehlspeise ( Wackelpeter) quabbeln. Der
moorige Boden quabbelt^ wenn er bei
jedem Tritte in zitternde Bewegung
gerät; daher nennt man einen solchen
Quabbe, Quebbe, /. In Bremen, jedoch
weniger als quabbeln gebräuchlich, auch
wabbeln. Brem. Wb. Hl, 388. Vgl.
das ahd. weibön^ weipön schweben,
schwanken und das mhd. wobeien in
Bewegung sein. Schade, 1113 a,
1071a. In Bayern jpua6^/n. Schmeller
18*
196
Qaackelei — Qualm.
n, 402. Vgl Weigand H, 410.
Davon: quabb(e)ligy adj. 1. was sich
fett uDd weich anf&hlt, vor Fett zittert
und bebt, was weich wie eine Qaabbe
oder Wamme ist. Engl, squab aafge-
duDsen, fett, feist Em qtuMliges
Frauenzimmer. Am Eyter (Euter) ist
es (das Tier) auch recht quablich, dick
und fett, Carm. nupt III, 203 d. öhn
paar qwaabliche Häng (Hände). Ibid.
V, 48 c. In diesem Sinne in Posen
quatschelig. Bernd, 228. Hennig,
200. Sperber, 26. 2. flau, übeL Mirüt
so quabbelig ums Uerz^ mir ist übel bis
zum Erbrechen. In diesem Sinne auch
wabbelig,
Quackelef, /.^ unnützes, unbedachtes
Geschwätz; von quackeln.
Quackeier, m. 1. Schwätzer, unzu-
verlässiger Mensch überhaupt; von
qu€u:keln.
quackeln, sw.^ Frequent. von qtuickenj
verwandt mit kakeln, Unuützes, Unbe-
deutendes schwatzen; leichtfertig und
endlos reden. Im Holstein, quackeln
unbeständig sein. Schütze III, 254.
Nach Bock, 48, und Hennig, 200,
auch quacksalbern.
Quackop, 7n., der Quackauf, im Volks-
rätsel der Frosch. Tierräts. 30. Vgl.
Quarrop.
Quaddel, Quiddel, /, Blatter, Nessel-
brand, kleine Pustel. Die Beulen beim
Nesselfeuer heilzen Quaddeln und Quid-
dein. Mühlin g. Ebenso in Bremen;
in Hamburg Quarl, im Ditmars.
Quiddel^ alts. cwydele. Es scheint zu
hddeln kitzeln zu gehören, wegen des
Juckens, das eine solche Blatter ver-
ursacht. Brem. Wb. IH, 390.
Quadder, m.^ flussiger, weicher Stra-
izenschmutz. Ebenso Schwadder. Das
ist lauter Quadder und Schwadder,
quaddem, sw. 1. mit Geräusch sie-
den, brodeln. Das Wasser kocht, da/z
es man so quaddert. Nach Mühling
auch quiddem. 2. zur Bezeichnung der
quatschenden Töne beim Kneten des
Brotteiges, Hennig, 200. 3. der eigen-
tümlich gequetschte kollernde Ton des
Atmens im Todeskampfe. In Bremen
quatschen, manschen, kneten; es wird
als mit quetschen verwandt bezeichnet
Brem. Wb. HI, 390.
Quader, m. u. n. 1. Kader (s. d.).
Schemionek, 32. 2. s. v. a. Quarder
(s. d.).
Quadrillenachwenker, m.. s. Kadriügenr
Schwenker.
Quadrupel, m., s. Korduppel.
quftfen, «tr., gären. Er qudft von Un-
geziefer^ er ist stark damit besetzt, e-s
kribbelt und wibbelt auf ihm. Die Wunde
qudft, wenn sie unterkötig und reich
mit Eiter angefüllt ist. Mühling.
quäken, 8tr., mit schwacher schriller
Stimme reden. Von quacken,
Quäker, m., Bergfinke, Fringilla man-
tana. Mühling, Tiem., 176.
Quakreiher, m., Nachtreiher, Ardea
nycticorcuc. Mühling, Tiem., 176.
Quälgeist, m., Kind, das mit Bitten
nicht aufhört. Ygl. Quälliolz.
Quälliolz, n. 1. „das Holz, das die
Maurer auf den mittelsten Schluizziegel
eines Bogens auflegen und womit sie
denselben fest eintreiben." 2. „ein
Kind, das nicht abläl'zt, die Eltern um
etwas zu bitten." Du bist ein rechtes
Qualholz. Hennig, *201. Vgl. Quäl-
geist
Qualm, m. 1. Rauch, Dampf, ßro-
dem. Holl. walm, angs. wijlm^ schwed.
qvalm. Von wallen. 2. bildlich: Täu-
schung, Lüge, Windbeutelei. Einem
Qualm vormachen^ ihm Unwahres be-
richten. Er macht davon r/rofzen Qualm^
viel Aufhebens. In Bremen bezeichnet
qualmen — quantsweise.
197
Qualm in figürlichem Sinne alles, was
Uolust und Qual verursacht. Brem.
Wb. III, 393. Hennig, 201.
qualmen, im, 1. dampfen. 2. starken
Dampf beim Tabakrauchen aufsteigen
lassen. He qualmt, ak wenn de arme
Mann (de Bur) Brot backt. 3. aus-
dünsten. Er qualmt von Branntwein,
der starke Trinker, der nach Schnaps
riecht. Hennig, 201. 4. bildlich:
Dampf machen, aufschneiden, lögen,
Windbeuteln.
Qualster, m. 1. ausgeworfener zäher
Schleim. 2. die Baumwanze, stinkend,
von gelblich grüner Farbe. Hei stinkt
w^ eQuaUter, Dönh. Mühlin g, Tiem.,
176. Brem. Wb.m, 393. 3.dieSchaum-
cikade. Samland. Von 1: Qualsterer,
?w., bei Stein, Peregrinus XIII, 44,
alter Qualster, zur Bezeichnung eines
alten hustenden und Schleim auswerfen-
den Mannes. W. Mtsbl. VI, 128. In
der Verstärkung: SpHalqualst'rer.
qual8t(e)rig, adj., wie Qualster aus-
sehend.
qualstern, sw., Qualster auswerfen,
laut husten und dabei viel und un-
appetitlich ausspucken — kölstem; auch
verstärkter Ausdruck für spucken. Wer
hat hier hingequaUtertf BequaUter die
Tafel nicht so! zum Schüler, der die
Schrift von seiner Schiefertafel abwischt.
Ilennig, 201. S. kiflstem.
quamen^ st, prät quam, s. kommen.
quängeln, sw.^ unzufrieden sein, mä-
keln.
Quante, /., grofzer ungeschickter Fuiz.
V. Auer.
quantschen, sw., vergeuden, durch-
bringen; gewöhnlich verquantschen,
Treichel.
quantsweise, pltd. quantswTs, quanswTs,
adi)., zum Schein, pro forma, gleich-
sam, als ob, nicht im Ernste. Quants-
wis, dat de Bür nuscht merkt, — dat
de MÜs nuscht merke. He ging quam-
wts weg op de Herberg on sull noch
wedderkäme. Königsbg. Firmenich I,
103 b. Drop geit he qvantzwiefz weg,
syn Warck ön acht to nehme. Carm.
nupt IV, 59b. Wie au/z solchem Irr-
thumb dieses Eyfz da/z Grundeifz ge-
nennet wird, weil es Quants weise im
Grunde soll formiret oder entstanden
seyn. Linem ^ Q4a. Ich habe so
quansweise gehorcht, ob Julchen nach
Danzig schreiben wird, Soph. R. IV,
348. Neben quantsweise tritt, jedoch
nicht in der Umgangssprache Ost- und
Westpreulzens, gewandsweise in vielen
deutschen Gegenden in gleichem Sinne
auf, und wenn Herder, der Ostpreufze,
letztern Ausdruck gegen Lessing („Les-
sing nahm vieles^ was er für schadhaft
erkannte, gewandsweise — d. h. zum
Schein, in schalkhafter Ironie — in
seinen Schutz". Campe, Wb. II, 359b)
gebraucht, so ist diese Form nur ein
Produkt der Accommodation. Die Her-
leitung des Wortes ist vielfa<^h versucht.
HoU. kwanswijs, kwansuis, mittelholl.
quansts, dän. qvantsviis, schwed. qvans-
wis; im Roll, ist kwant, quant lustiger
Bruder, Bube, Schalk; nahe liegt das
lat. quasi (quamsi). Richey, 198,
teilt mit, dal'z C. Tuinman in seinem
zu Middelhurg 1726 gedruckten „Oor-
sprong en Uytlegginge der Neder-
duitscheSpreekwoordenl, 180" der Mei-
nung ist, dalz quanswys ein in der Aus-
sprache verändertes quam et sus anstatt
als quam et sus = als käme es sonst,
sei; er selbst schlägt die lat quantus
und quasi vor. Sandvoss (Korrespbl.
VI, 30) glaubt, der Ausdruck sei auf
Wahn zurückzuleiten, also: in wdnes
wtse. S. Weiteres in: Richey, 198 f.
Brem. Wb. HI, 394. Anton, 11, 15.
198
Qnappenrüse — qnjosdi.
Weigand 11, 414. KorrespbL V, 20ff.;
YL 30. 55; YII, 31. Müller, Paraphr.
des Boches Hiob. Halle 1883, 41.
QuappenrQse, A Reuse, Netz, Behal-
ter für Quappen. Do tach man ttschin
uf der grurU vil manchin Polen in der
stunt, des b'ich in dem getprtise wart
eine quappinru$e, Jeroschin, 54d.
Pfeiffer, 180.
Quappenwarte, f.. Warte zum Fange
der Quappen. Beschreibang und Ab-
bildung s. Benecke, 395. Vgl. Warte.
Quardel, m. u, n., s. Quarder.
Quarder, Querder, Quardd, Qoerdel,
Quedder, Quader, Quoder, m, u. n., Gür-
tel an Fraaenröcken, Schürzen; Qaer-
saum, Linte, Band als Einfassang an
Fraaenröcken, Hemden, Unterhosen;
der Quarder omschlieizt Leib oder Hals
and trägt das Kleidnngsstück. Die in
Ostpr. üblichste Form ist Querdel. In
Danzig Quedder Herodekragen. W.
Seidel, 34. Böxequarder^ obere Ein-
fassang, Gürtel, woran die Hose sitzt.
Hemd hadd he oahne Quoader, Dorr,
63. VolksL, 16, 8, 2. Er steckt bis
an den QuerJer drin, er befindet sich
in grofzer Verlegenheit, in stark ver-
zwickter Lage, „es geht ihm an den
Kragen". Sprw. I, 3590. Stamm des
Wortes ist quer; die Säame fassen der
Qaere nach die Kleidungsstücke ein,
and könnte man sie auch als den Quer-
dely Qaerteil, derselben bezeichnen;
doch erinnert das Wort auch an Crür"
tel, ahd. gurtiU altfr. gerdeL Hennig,
202. Vgl. Ufit u. Pafz.
quarken, sw,^ s. quarren.
qiiarksen98zr.,in bequark8en,vonQE£ar/r,
eine Sache als einen Quark ansehen,
sich nichts daraus machen. Die ganze
Geschichte ist bequarksty es ist nichts
los damit. Treichel.
Quarre, /., von quarren. 1. quarren-
des Kind. Erst die Ffarre. dann die
Quarre, Hennig, 201. 2. platte Wei-
denpfeife aas dünner frischsafüger Rate
mit quarrendem Ton. Bei ihrer An-
fertigung singen die Knaben, mit der
Messerschale auf den Zweig klopfend:
Quarrke, Quarrke^ g'räd (gerate) »t«.'
S Volksr., 61, 237.
quarren, «tr. 1 quacken wie ein Frosch.
2. aus Unzufriedenheit weinen, weiner-
lich murren, brummen: nach Treichel
auch quarken. Quarren in hoher Ton-
lage, namentlich von Kindern, heil'zt
qiurren. Wenn die Pog getreten urird^
so quarckt sie. Stein, Peregrinus !X H,
119. W. Mtsbl. V, 192. 3. klagen,
stöhnen, wimmern. Er quarrt den gan--
zen Tag. Doch wenn he quarrt^ denn
wahnt pi sienem Fleesch fn sindget Hart,
Dorr, 1. Wiew., 122. VgL gnarren,
4. zur Bezeichnung des blähenden Gur-
rens im Leibe.
Quarrer, m., einer, der quarrt: im
Tierrats., 30, der Frosch.
quarrig, adj. von quarren, weinerlich
sein wie ein kleines Kind, grundlos
klagend, über Kleinigkeiten ächzend,
stöhnend.
Quarniiatz,m., quarrender Mann. Vgl.
Matz.
Quarrop, ^n., der Quarrauf, Aufquar-
rende, oder der Quar rop^er), Quarr-
rufer. Im Tierräts., 30, der Frosch;
auch Quackop Quackauf.
Quarrpupp,/., Puppe, die quarrt, wenn
sie gedruckt wird, Schreipuppe.
Quarrsacky m., viel quarrendes Kind,
Schreihals. Es ist ein rechter Quarr^
sack. Vgl. Gnarrsack.
quarschy adv. Hei geit durer quarsch^
er geht zurück. Tiegenhof. Vielleicht
= aber quer.
Quartal — Quaste«
199
Quartal, n., vierteljährlicher Gewerks-
tag mit Schmaus verbunden. Heute
haben die Maurer Quartal.
Quartier, n., der vierte Teil eines
Stofes (Quartes). Aus dem lat. quar^
tu8. Ein Halbquartier ist der achte
Teil eines Quartes. E Halbquartierche
Schnaps,
Qu&8, m.^ Qu&serei, /., auch Queste-
reiy /. und QuöS, m., Schwelgerei,
Schlemmerei, Völlerei ; Festlichkeit,
Schmaus, Gastmahl, namentlich ein
solches, bei dem es verschwenderisch
hergeht. Sie leben beständig in Q^ds
und Frafz, Ach^ es wäre wohl zu stra-
fen^ dajz etliche von den Gebietern gar
unordentliche Questereien anstellen etc.
unterweilen um eines WeibesvnUenmachen
sie einen grofzen Quaas und das ist
wider alle Redlichkeit etc. Aus dem
Briefe des Mönches Heinr. Borringer
an den Hochmeister. 1428. Waissel.
llennig, 202. Am Sonntage oder hei-
ligen Tage so ir begengni/z geschyt mit
dem nachfolgenden einen Tage sollen sie
ihr quatembergeld haben, Rechenschaft
thuen vnd ander notdur/t wandeln und
keinen weitem quas der bruderschaft
zcw schaden darohir halten. Willkür
der Stadt Älarienburg. Quds ist nicht
nur im Klange, sondern auch dem Sinne
nach verwandt mit Frafz und weist
ebenso auf Kost {Kest) hin. In Bre-
men QuaSy in Hamburg Q^uasty slav.
kwass Hochzeit, Gastmahl^ Schmause-
rei. Adelung III, '886. Brem. Wb.
111,397. Richey, 200. Hennig, 202.
Vgl. Gequase.
Quas, m., s. Kwas.
quaieln, quaicheln, sw., unnutzes Zeug
reden, ohne Überlegung reden oder
handeln. Quaschel doch man nich so
dammlich, Nowack, 11. Oawasch
kwaschel doch nich so dwatschet Tieg.
Boldt, 20. Davon: Gequaiel, n, Qua-
seleiy /., Albernheit, Thorheit, vorzugs-
weise in der Rede. Quaseler, m., Mensch,
der ohne Überlegung redet oder han-
delt. In gleichem Sinne im Götting.
Schamb., 163b.
qu&sen, auch quösen, sw.^ schwelgen,
schlemmen, übertrieben reich speisen
und trinken; vergeuden, verthun in der
Wirtschaft, mit Vorräten verschwen-
derisch umgehen, sie in Nachlässigkeit
verderben lassen, und dann gewöhnlich
verquasen. Mit dem Gelde quasen. Die
Butter verquasen, sie überreichlich zur
Abmachung von Speisen verwenden.
Bei denen verqudst, veraast und ver-
west alles.
Quaserei, /., s. Quas.
qua§lig, adj,, ästig, verwachsen. Das
sind quasiige Bäum\ Bäume mit dicht
verschlungenen Aasten. Gordack.
Sehern ionek, 31: quasselig.
Quassement, n., verdreht aus Kon-
nossement, dem franz. Connaissement
Frachtbrief, Vorladungsschein. Dzg.
Treichel.
Quast, m. 1. Keil. Auf einen groben
Ast gehört ein grober Quast. Miclcke
II, 43 b. 379 b. 2. Hans Quast, wun-
derlicher, seltsamer Mensch. Hans
Quast, öck bödd^ di to Gast. Volksr.,
245. 858.
Quast, /., s. Quest
Qua8t(e), /. 1. Bündel, Büschel von
Fäden aus Seide, Wolle, von Haaren etc.,
s. V. a. Troddel; Bündel belaubter Bir-
kenruten: Badequast (s, d.). Brem. Wb.
III, 406. 2. Bandschleife. 3. Schurze,
die Blöl'ze zu decken. Se bunde Vogel-
bleed un make den Queste Niederd. Bibel
von 1520. I.Mose 3, 7. Hennig, 202.
4. bei den Fischern Reisigbündel. In
Bremen Quest. YgL Quaste.
Quaste, Queste, /., loses Strauchbün-
200
qafisten — qnatschig.
del, das man mit Steinen beschwert
vor Pricken ins Wasser legt, um darin
Aale za fangen, welche in die Qaästen
gern hineinkriechen. Wegen des grofzen
Schadens, der dadurch den jangen
Aalen geschieht, sind dieselben seit
der Fischereiordnung von 1589 wieder-
holt verboten worden, werden aber
noch immer heimlich gebraucht. Be-
necke, 410. Bock, Nat. IV, 726:
Queste. Fisch.-Ord. f. d. kur. Haflf. § 45;
f. d. fr. HafT. § 46.
quästen, sw. 1. mit einem Badequast
peitschen. 2. erbetteln, erbitten, s.
questen.
QuastmUtze,/., Mütze mit einem Quast.
Und die gro/ze Quaaimütze . . . wieder
etwas höher Ober die Stirn schob, Soph.
R. IV, 256.
Quaswurm, m.^ Schwanzwurm, Ge-
schwür im Schwänze des Rindviehes.
Mühling, Tiern., 176. Adelung III,
886.
Quat, Quate, n.. Böses. Doch sollten
die Atannisten alles Quate bei Seite
setzen. Mühling. Holl. quade^ adj.
böse.
Quatsch,?/». I.Bezeichnung des Schalls,
den ein weicher nasser Körper bei sei-
nem Fall verursacht. 2. völliges Er-
weichtsein saftiger Früchte oder weicher
Gegenstande: de Bere^ de Kleder etc.
sond ene Quatsch; in diesem Sinne auch
Qautsch. Sind 'm doch de Steebeln
(Stiefel) ene Quatsch. Schalt). 3, 4. 3.
Schmutz: Et os e reine Quatsch on
Quttsch. 4. unnützes und ungeregeltes,
unsinniges Gerede: auch Gequatsch. Vgl.
Matsch u. Quutsch.
Quatsch,/. l.Kruprock, Staubhemde,
Bluse. 2. nach Bock, 49, und Hen-
nig, 203, ein korpulentes Frauen-
zimmer.
Quatschbier, n., ehemals ein beliebtes
Bier. Gebratene warme Äpfel worden
ins Bier gedrückt, Zucker und Grewürz
hinzugesetzt und alles ^wobi durch
einander gerührt", gequetscht und ge-
patscht. Bock, Nat I, 274 f. Bock,
49. Hennig, 203.
Quatsche, /., „grofze, breite Bohne,
so in den Gärten gesäet wird". Hen-
nig, 203; nach Mühling die Schwert-
bohne. Natangen. Pierson, Lit Aeq.,
21, meint, es sei die Zierbohne (Dan-
zig) und weist auf das verwandte lit.
kwaczummas Prahlerei hin. Quatsch
hat zunächst die Bedeutung breit, vgl.
Quatschfufz.
quatschen, sw.^ von Quatsch. 1. zur
Bezeichnung des Lautes, den eine feuchte,
weiche Masse hören läfzt, wenn man
in derselben geht oder hantiert; auch
des Tones, den ein weicher, stark fal-
lender Körper hervorbringt. Der feuchte
Lehm quatscht — Obemasses und &-
fektes Schuhwerk quatscht und quutscht^
ja quitschty wenn der Ton hoch und
pfeifend ist. Er fiel, da/z es nur so
quatschte. 2. nach Bock, 49, u. Hen-
nig, 203, den Saft ausdrücken, von
quetschen. 3. viel reden, ungewasche-
nes Zeug reden, schwatzen. Onsönn
quatsche. Nowack, 68. In Bremen
quatsken. Brem. Wb. lU, 398. Vgl.
queddem u. quutschen.
quatschenafz, adj., s. quatschnafz.
Quatschfufz, m., Breitfulz, PlattfuCz.
Der hat gute Quatschfüfze, Füfze, mit
denen sich's ^i^ quatschen läfzt.
quatschig, adj. von quatschen. 1. über-
feucht, durchnäizt, kotig; vom Wege.
Bock, 49. Vgl patschig. 2. quabbe-
lig, rund und voll in der Körperform;
vom Menschen. Ach Gott, aber une
mager! too sind die quatschigen Arme?
Soph. R. VI, 211. Hennig, 203. 3.
dumm, unsinnig in der Rede.
Quatschkoweki — Queif.
201
QuaiSGhkOWSkiy 77»., polonisierter Narae
für einen dummen Schwätzer. Vgl.
Dwatschkowski.
quatschnafz, quatschenafz, quatschen-
nafz, adj,^ nafz bis zum Quatschen,
triefend, durch und durch nal'z. Wo
hat he denn gestoche^ da/z em de Stebeln
quatschna/z sindf Schalt] 1, 437. In
Bayern pfutschna/z^in Schwaben /^tocA^
pfatsche na/z; in Hessen putschna/z^
pütschna/Zy so nafz, als wenn man in
einer Pfütze (Putsche) gelegen hätte.
Schmeller I, 326. ßirlinger, 93a.
Vilmar, 301. ßei uns auch quutsche-
nafz, nach Sehern ionek, 31, auch
quatschendnafz. Vgl. pladdemafz unter
pUiddem.
Quax, n , Quark, nichts, nichts Ordent-
liches. Quaa lere se (in der Schule)!
Ermland. Firmenich IXT, 104b.
Quebbe, /., Moorboden mit begraster
Kinde, sumpfige Stelle, Boden mit ver-
steckten Quellen; auch Gequebbe (s. d.).
Den (Hahn) eck öm Nest do fand op
jenner grooten Quebb. Carm. nupt V,
190c. Vgl. quabbeln.
quebben, queppen, sw,^ zur Bezeich-
nung der wippenden Bewegung der
Quebbey wenn man darauf tritt, ihres
Wasserinhaltes. Der Weg queppt^ ist
stark von Regen durchnäi'zt.
quebbig, adj, von Quebbe^ morastig.
. . . weil das Ellemholtz allein in den
Wasserichten, qtiebbichten und Marrasti-
gen Oertem seinen richtigen Wachsthumb
habe. Linem., Tt2b. In Danzig
quibbig, durchnäfzt. W. Seidel, 34.
In der Gegend von Saalfeld queppen-
dig. Der Regen hat mich queppendig
nafz gemacht.
Quedder, m. u. n., s. Quarder.
queddem, sw^ plaudern, schwatzen,
plappern, unnütz sprechen. Mühling.
Goth. qithan^ alts. quethan^ ahd. que-
dan^ mbd. queden sagen, sprechen.
Schade, VVb., 691. Jeroschin: Min
ist dl rdc/ie^ er da qutt Q. ztt) = quidet.
Pfeiffer, 181. Vgl quatschen.
queicheln, sw. 1. hätscheln, pflegen,
zärtlichbehandeln,liebkosen. Die(Frau)
versteht ihren Mann zu queicheln und
ihm zu schmeicheln. 0, vne wohl ist
der zu preisen, der ihm wählt ein Schon-
heit-Bildy das mit Tugend angefüllt^ die
dem Mann nach allen Weisen wei/z zu
queicheln Herz und Muth. Cai*m. nupt,
I, 55. Sie wird seine Noth versüssen
und ihn recht zu queicheln ivissen. Carm.
nupt I, 176. Niemand isty der ihn
recht queichelt Und mit zarter sanfter
Hand ihm vergnügt die Wangen strei-
chelt. Carm. nupt II, 136. Niemand
war^ der dich im Bett in reiner Ldeb
geqveichelt (gepflegt) hatt. Ibid. III,
330c. 2. durch gute Wartung und
Pflege kränkliche Kinder grofz ziehen;
überhaupt weichlich erziehen, verzär-
teln. Er hat in seiner Jugend sehr ge~
queichelt werden müssen. In diesem
Sinne auch aufqueicheln. Es ist ein auf-
gequeicheltes Kind^ es verträgt keine
harte Speise, ist überhaupt verzärtelt.
verqueicheln, verzärteln, verweichlichen,
verwöhnen durch Speise und Kleidung,
sich selbst oder andere, namentlich
Kinder. Der Mensch ist ganz verquei-
cheltj verweichlicht, vermag Wind und
Wetter nicht zu eitragen. Verqueichle
dich doch nicht so! Stamm ist das nd.
quei sanft, gelinde, mürbe. Brem. Wb.
in, 398. Bock, 49. Hennig, 203.
queichlich, adj. von queicheln ^ ver-
zärtelt^ verweichlicht.
Queif, m. Heiy wat kort hei von Qe-
spenster^ Mäht mt keinen Quaif. VolksL,
64, 42, 7. Nach dem Brem. Wb. UI,
202
Quek — quer.
399, Q^f Vorwand, Entschuldigung;
hier wohl dumme Kedensart, dumme
Geschichte.
QuSk, QuSke, /., Quecke, Triticum
repens L., mehr noch die sich weit
verzweigenden Wurzeln. Nach Ha-
gen, 144, auch Queckweizen^ Queckgras.
Die Qu^'i-wurzeln werden verbrannt
Von queck lebendig, lebensfrisch, mun-
ter, sehr regsam, mhd. qitec, kec, ahd.
queh^ quec, S. Weiteres bei Wei-
gand II, 416.
quSken, sw.^ geil and reichlich fort-
wurzeln, fortwachsen, sich vermehren,
wie die Queke. Der Acker ist ganz
verquekt^ er ist von Unkraut durch-
zogen. Hennig, 203.
QuSkspön, 7n., s. Schwenkspön.
Quekstelz, m, u. /., s. QuSksterL
QuSkstert, Quiksterz, m, n. f. 1 . Bach-
stelze, MotaciUa, Der Name ist Zu-
sammensetzung aus queck (s. Quek) und
Stert Steif'z, Schwanz, den der hüpfende
Vogel lebhaft bewegt. Auch: Qu6k-
sterz, wohl nur Verhochdeutschung von
Quekstert, QuSkstelz, Nachbildung von
Bachstelze, Wippenzagel, Wippzagel, pltd.
Wöppzägel; nach Möhling, Tiem,
176, auch Wippquecksterz. De Adebar
bringt de Quekstert op ^m Zdgel möt^
die Bachstelze kommt gleich nach dem
Storche zu uns. Dönh. Vgl. ManisL
2. nach Mühling auch, übertragen,
ein lebhafter, unstater Mensch. Im
Brem Wb. HI, 403, in beiden Bedeu-
tungen Quiksteert
quellen, sw,y Gemüse, Hülsenfrüchte,
Reis in Wasser kochen lassen, ge-
wöhnlich aufquellen. Vgl. auch kel-
len.
Quellerke, w., Pfropfen. Von quellen^
st^ da der Kork im Wasser quillt.
Quellkom, n., ein Korn, das quillt
oder zu quellen hat. Beim Verspeisen
von Reis ruft man Mädchen scherz-
weise zu, sich vor dem QueUkom in
acht zu nehmen: ein beim Kochen nicht
gut aufgegangenes Korn müsse im Ma-
gen n achquellen. Sie hat ein QueUkom
bekommen — hat ein QueUkom ver-
schluckt y sie ist schwanger. Sprw. I,
69.
Quellung, /. Steigt die Fluth Ober das
Vorland, dann sickert d<is Wasser durch
den Deich und sammelt sich in der so-
genannten QueUung an, Pas sarge,
188.
Quempas, m , Weihnachtsgesang beim
Fruhgottesdienste am ersten Festtage.
Mewe. Es ist der Anfang des alten
lat. Liedes Quem pastores etc. das in
Mewe noch gesungen wird. Hintz,
45.
Quengelei,/, von quengeln. 1. alber-
nes Klagen, Stöhnen, unnötiges Wim-
mern. 2. Betrug, List, Täuschung. JSr
macht allerhand Quengeleien. Müh-
ling.
quengeln, sw, 1. unberechtigt klagen,
stöhnen, fromm weinerlich reden, un-
bestinmit und in Ausflüchten reden,
ali)ern thun. Ifire Frömmigkeit hatte
jenen qu£ngelnden Ton^ der in einigen
Gegenden Deutschlands herrscht. Soph.
R. VI, 28. 2. s. V. a. krängein. 3. täu-
schen, Windbeuteln, betrugen. Kinder^
das Quengeln tdll ich nicht Gehorsam
ist besser denn Opfer. Soph. R. IV, 156
Davon quengelig, adj.
queppen, sw., s. quebben.
queppendig, adj., s quebbig.
quer, pltd. dwer, adj. u. arfw., ange-
trunken, betrunken. Er ist quer^ sein
Weg lenkt in die Breite und verkehrte
Richtung. Dat qvöhm mie ön de qvähr^
ich wurde davon trunken. Carm. nupt.
I, 282, If). Substantivisch: Es liegt
alles die Kreuz die Quer^ in höchster
Querdel — questen.
203
Unordnung. Einem in die Quere kom-
men^ seine Angelegenheit störend, hin-
dernd durchkreuzen. Mt geit alles de
Quei\ verkehrt, gegen meine Absicht.
Querdel, m. u. n.. s. Quarder.
Querdel, Quirdel, Quirl(e), /. 1 . Hand-
ln Qhle. Mühling. Der alte Rabe sitzt
auf der Quirl und spielt den Bq/'z.
Masur. Volkslied. Goth. qaimus, ahd.
quit^y mhd. kum, küme Mühlstein,
Handmühle, Mühle. Vgl. Schade,
Wb. H, 690a. 2. Quirl, Stabchen mit
aufstehenden Zweiglein unten, das zwi-
schen den Händen gedreht wird. Drellst
di rund röm wie e Querdel. Volksr.,
252, 877.
querdeln, quirdeln, sw,, auf einer Hand-
mühle mahlen, mit einem Quirl um-
rühren, quirlen.
Querder, plur.^ wurm ähnliche Larven,
aus den Eiern der Neunaugen entstan-
den, im Schlamm- oder Lehmboden
der Flüsse lebend; sie entwickeln sich
zu vollkommenen Neunaugen. S. Be-
necke, 194 ff.
Querder, m. u. n., s. Quarder.
QuerCI, QuirSI, /., grundlose Klage,
Gezänk, Unfriede. Er macht überall
Querel^ Stunkerei, stiftet Unfrieden,
klagt laut und viel ohne rechten Grund.
Es ist das lat. querela. Davon: Que-
pftler, wj., Zänker, Stänker, Friedens-
störer, querllen, sw,^ grundlos klagen,
Unfrieden stiften.
Quermaul, n , Fischn., s. Nase.
Querrkrank, /., eigentlich Quarrkrank
von quarren^ Eraokhf it, die sich durch
Quarren und Stöhnen äui'zert, dauern-
des Unwohlseiü. Dzg. Nhrg. Sprw. I,
3526. Vgl. soddem.
Quersteg, pltd. Querstech, m., Teil der
Zoch (s. d.); er verbindet die Homer
des Pflugbaumes und ragt über das
rechte Hom als Griff hinaus.
Qu§s(e), /., Dem. Queschen^ Bläschen
auf der Haut, kleines Haotgeschwür,
kleine Pustel. Er hat das Gesicht voll
Quf'sen, Pierson weist vergleichsweise
auf das lit. kwetka Blüte. Lit. Aeq.,
21. Vgl. jedoch das ahd. angweizy
ancweiz Pustel. Schade, Wb., 20a.
Schemionek, 31: Quose, Hennig,
204.
QuCsenkopf, m, 1. Himkrankheit der
Schafe. 2. närrischer, eigensinniger
M ensch, Querkopf. Mühling. In bei-
den Bedeutungen auch in Bremen; im
Holsteinschen und im Göttingenschen
nur in 2. Brem.Wb. IH, 407. Schütze
III, 261. Schamb., 164b.
qu6sig, adj.^ voll Quesen.
Quest, Quast, /., Gang, Fahrt nach
Almosen, Bittgang überhaupt; Besuch
bei Befreundeten oder Verwandten in
der Absicht, Unterstützung oder Ver-
pflegung auf längere Zeit zu erhalten.
Er geht auf die Quest^ er geht sehen,
wo er etwas erlangen kann. Jetzt sagt
man's vorzugsweise vom Bettler, ur-
sprünglich galt's von den Bettelmönchen.
Ermland. Nach Hennig, 204, hiel'z
ein solcher Questa, m. Mit Aufhören
der Klöster ist der Name für die Bettel-
mönche aufzer Gebrauch, Quest für den
Bettel jedoch geblieben. Poln. kicesta
das Almosen sammeln, die Kollekte,
kwestarz Almosensammler. N s s 1 m.
Forsch. 2. Vgl. das lat. quaestor,
Questa, m,y s. das vor.
Queste, /, s. Quaste.
questen, quästen, sw. 1. von Quest^
bittend etwas abquälen, erpressen: ab-
questen; quälen, drücken, belästigen.
Einen qu^sten^ ihm zusetzen, ihn drän-
gend bestürmen, bis er das Gewünschte
giebt. In Pommern quästen^ in Bayern
questem hin und her gehen, laufen.
Dähn., 366b. Schmellerll, 404.
204
Questerei — Quinzillge.
Questerei, /., s. Qu&s.
Quitschen, /., kleiner Kohlkopf. Dönh.
quibbig, adj,^ s. quebbig.
quick, adj. a. odv., rahrig, munter,
lebensfroh. Er ist noch ganz quick zu
wege. Treichel. Vgl. Quik.
quickem, sw.^ s. qulken.
Quiddel, /., s. Quaddel.
quiddern, sw., s. gniddern u. quaddern.
Quik, //., Vieh. Westpr. Mühling.
Im ßrem. Quels^ Quiky mhd. quec, Brem.
Wb. UI, 399. Schade Wb., 693b.
qulk, interj.y auch m., zur Bezeich-
nung des hellen, schneidenden Tones,
den ein Ferkel hören lälzt.
qulken, sw. 1. in hohen Tonen hell
schreien: vor Lust, infolge des Kit-
zeins, vor Schmerz. 2. zur Bezeich-
nung des Tones, den Schweine hören
lassen^ namentlich beim Schlachten.
In Samland quickem. Mühling. Engl.
to sgueaky in Bayern quickezen, Schmel-
ler II, 402. Bock, 49. Hennig,
204.
Quiksand, m. Scheuersand oder feiner
weifzer und gelblicher scharfer Quiksand
findet sich an einigen Orten des See--
Strandes. Bock, Nat. 11, 36.
Quiksterz, m. u. f., QueksterL
quilen, »w.^ speien. Westpr. Müh-
ling.
qulmen, sw., s. quTnen.
qulnen, qulmen, sw,^ kränkeln und
daher kümmerlich sich entwickeln, da-
hinwelken, langsam dahinsiechen; von
Menschen, Tieren und Pflanzen. Eck
qviehnd gerats am Ldef^ ich hatte Leib-
schmerzen. Carm. nupt. III, 77c.
Echt was e trueg^ du umt e krcmk,
quind no e Pde Wake — da stuf e.
Konitz. Firmenich lU, 637b. Lit.
kwitauti\ angs. quanian^ cwinan^ holl.
kwijnen^ quenen^ dän. quinie^ isl. hieina.
kelt. cunn Klage, das Weinen, mnd.
quin Abnahme. Brem. Wb. HL 408.
Mnd. Wb. ÜI, 496 a. Im Holsteinschen
auch queenen. Schütze III^ 261.
Heunig, 204. In Zusammenset-
zungen: aufquimen, aufquinen, an der
Auszehrung, Zehrkrankheit, allmählich
sich auflösen; in gleichem Sinne ver-
quimen und verquinen, auch von Tieren
und Pflanzen.
quinkelieren, sw,^ hoch und fein, ge-
künstelt singen. Nach Treichel in
übertragener Bedeutung auch: Aus-
stellungen machen, Redensarten aus-
sprechen, die zu nichts führen. In
Bremen quinkeln, quinkeleren^ im Göt-
tingenschen quinkeUren, holl. kwinke-
leren^ schwed. qvintillera. Wohl von
quinteren^ quinteleren auf der Quinte
eines Saitenninstrumentes fingern. Brem.
Wb. lU, 408. Schamb. 165a. Hen-
nig, 204. Vgl. quinteiieren.
Qulnksclliag, m , feiner, listiger Streich,
Pfiff. Mühling. Ebenso in Bremen und
Hamburg. Brem. Wb. UI, 408. Ri-
chey, 201.
Quinte, /. 1. auf Saiteninstrumenten
die fünfte und feinste Saite. Wenn
jemand sehr hoch singt, sagt man
warnend: Die Quinte vdrd platzen. 2.
Finte, listiger Streich, Pfiff. Er macht
Quinten^ spielt arglistige Streiche. Er
hat Quinten im Kopf^ er ist voller
Ränke, auch: plagt sich mit Grillen.
Bock, 49. Hennig, 204.
quinteiieren, sw , weinen. Natangen.
S. quinkelieren.
Quintenmaclier, 9n., Elänkeschmied,
Intriguant, Pfiffikus. Ebenso in Bre-
men, in Osnabrück Quintenfänger.
Brem. Wb. HI, 409.
Quinzillge, /. 1. cunnus^ vulva. 2.
Schimpfname für ein Weib, das bei
Quirdel — Qaütsch.
205
jeder Gelegenheit weint. In Hessen
und Posen Quintipse. Vilmar, 310.
Bernd. 231. 414
Quirdel, /., s. Querdel.
quirdeln, sw. s. querdeln.
Qufre, /., veraltete Handmühle von
Holz zum Zerkleinern des Getreides
mittelst zweier quer gehender Mahl-
steine. Die Grutzqutre giebt Grütze,
die Graupenquire Graupe ; letztere heil'zt
auch Pischkenstampe. T reich ei. S.
Pischke.
Quir§l, /., s. Quer§l.
quirksen, quirkschen, mv. 1. zwit-
schern, zur Bezeichnung der ersten Ge-
sangsübungen junger Vögel. 2. quar-
rende, schrille Töne hören lassen.
3. die ersten Übungen auf der Geige
anstellen. Wohl von quirren. In Bayern
^witschen, qwitschem. Seh melier II,
404. Vgl. schirgeln.
Quirkser, Quirkscher, m., einer, der
quirkst^ namentlich Anfänger im Geigen-
spiel.
Quirl(e), /., s. Querdel.
Quirop, m. 1. die quikrufcnde Maus.
Im Volksrätsel: De Quirop on de
Quarrop (s. d.) 2. unartiges Kind.
Samland.
QuirrdipSy m., der Podex beim Geflügel.
Friedland Ostpr. Vgl. Dups.
quirrelieren , pltd. quirrellren, sw,^
querulieren, gern oder häufig klagen,
unbegründete Beschwerde führen.
quirren, sw., s. quarren.
Quispely (?), etwas Zusammengedrehtes.
Natangen.
QuTst, /, Vergeudung. Ahd. quist
Vernichtung, Verderben Schade Wb.,
696 a.
qutsten, «w?., vergeuden, verschwenden,
vei^schleudem, verthun, durchbringen.
Er verquistet und verquast alles. Goth.
qistjan^ ahd. quistan^ chwistan verder-
ben, vernichten. Schade, 691a. Holl.
quisten vergeuden.
Quitsche, /., in der Saalfelder Gegend
auch Quitschke, nach Tr eich el, Volks-
Ih., Ouitschel, Beere der Eberesche, Sor-
Inis aucuparia L. Von quitschen quet-
schen: die Beeren werden gequetscht.
Sperber, 37, schreibt Kwit&che und
leitet den Namen von dem poln. kioiat
Blüte ab; der poln. Name für Quitsche
ist jedoch jarz§bina. Der Baum selbst
heil'zt Quitschenbaum etc. Hennig,
204.
quitschen, sw. 1. quetschen. 2. s.
V. a. quiken; pfeifend und quikend,
mit kindischer Stimme vsprechen. Wie
du von ihrer Stimme^ dieser mir quit-
schenden Stimme^ bezaubert gewesen bist?
Soph. R. IV, 240. Das wäre ober doch
verflucht impertinent^ quitschte ein junges
Ding, Ibid. V, 162. Sperber, 35.
3. s. V. a. quatschen.
Quitschenbaum, pltd. -böm, m., s.
Quitsche.
Quitschke, /, s. Quitsche.
quitschnafz, adj ^ naCz, dafz es quitscht.
Saalfeld. S. quatschen.
quittern, sw,^ leise lachen. Saalfeld.
Vgl. gniddem.
Quöder, m. u. n.y s. Quarder.
quOken, sto.^ bebend schaukeln, zittern.
Die Kämpen eines Moores quoken,
QuöS, m. 1. Schmutz, durchgearbei-
teter Lehm oder Thon; Jauche. Da-
von quOsig, adj., jauchig, von Jauche
durchzogen. Der quosige Misthaufen.
Friedland Ostpr. 2. s. Quds.
quOsen, »w., s. quftsen.
quösig, adj.^ s. Quös.
QuOtsch, m. 1. Hieb, Schlag, Prügel.
Quütsch geben, prügeln. Vgl. Knutsch.
2. Schenke, Krug, in dem es oft Quütsch
206
Qaatsch — rabbeln.
giebt. In Pillaa auf der sog. Holz-
wiese wird eine Kneipe Blotquütschy
Blutqautsch, genannt. Samlaod.
Quutsch, (u kurz), 7n., Nässe^ Schmatz,
StraCzenkot. Die Strafze ist ein Quutsch
Lautnachahmend von dem quuUcItr-
Ton, den stark darchnäiztes defektes
Schuhwerk in durchweichtem Boden bei
jedem Schritte hören lälzt. In Bayern
Pfutsch. Seh melier I, 326.
quutschen, sw.y von (^autsch Das
Wasser in den Schuhen quutscht^ durch-
weichter, lehmiger Boden quutscht bei
jedem Tritte. Davon quutschig, adj. Der
quutschige Weg. quutschenafz, quiitschend
nafz^ triefend nafz, s. quatschnafz.
R.
r, Schmelzlaut, verschwindet im Platt-
deutsch auslautend: mt mir und mich,
wi wir, Väda und Väde Vater, maschU
ren marschieren, Qy^atier Quartier; auch
in Vorsilben: vo oder va vor (vagete
vergessen).
Raap, 7/1., s. Räp.
Rftb, Räf, RAbe, Rftpe, m. 1. erster,
junger Schorf einer Wunde. Ahd.
rafjan, raphen sich schliefzen, verhar-
schen, Schorf bildung zeigen. Schade,
697 b. Im Hanno V. Robe^ in Bremen
Ravey in Hessen Rop. Brem. Wb. III,
440. Vilmar, 330. 2. Rinde, Kruste,
Decke überhaupt. Es lag ja nur ein
Heines Räbchen Schnee auf der Treppe.
Hennig, 205.
'pab, pltd. Va/, Waffer^ adv,^ herab,
hinab. Komvi Wab! On ^raff^ '^^i^?
erafer. Dorr, 1. Wiew., 24. Gegen-
satz: Wauf (s. d.).
RabackyC?), Elapperei^ eine alte, nichts-
nutze Sache. Mühling. In Bremen:
Blen oold RahaJc ein altes verfallenes
Gestell, Haus etc. Brem. Wb. HI, 413.
Wohl verwandt mit Kabaclie.
rabacken, sw,., rasseln, rumoren, klap-
pern. Mühling. Ebenso in Bremen.
Brem. Wb. III, 413. In Posen rabat-
zen. Bernd, 231. Vgl. rabasteln.
Rabant, (?), Peitsche, Eantschu. Da-
von rabanten, sw.^ auspeitschen. Thorn-
sehe Chronik, 199. Mühling.
rabasen, rabosen, sw. 1. tollen, ra-
sen, lärmen. 2. rauben, stehlen. Müh-
ling. In zweiter Bedeutung also
übereinstimmend mit rabüschen (s. d.)
rabasieln, auch rabasseln, sw.^ ge-
räuschvoll hantieren, lärmend herum-
wirtschaften, rasselnd arbeiten, mit Ge-
räusch aufräumen. Se spenkerf und
schmefz em (um) sich^ on raboAtelf met
Tesch on Stuhl. Schaltj. 1, 439. Ee
hadd dat wohl gefeehlt., wie em wat
Wecket an de Been rabastelt weer. Dorr,
Driewjagd. sich rabasteln^ sich beim
Liegen oder Sitzen hin- und herwer-
fen, um eine bequemere Lage zu fin-
den, oder sich zu erheben: sich auf-
rabasteln. Marc Id. Vgl. basteln und
brasteln.
Rabäu, m., s. Radäu.
Rabbas, Rabbax, m., Stolz, Schlag,
Hieb. Öch ha a och all mänge Rabbas
ver e Bloss gegjane. Ermland . Firme-
nich 111, 103b. Auch bildUch. Er
hat einen guten Rabbas weg, einen em-
pfindlichen Schaden gelitten. Poln.
rabac hauen, raz Hieb, Schlag.
rabbeln, räbbeln, sw.^ sich bemühen,
nach einer Sache emsig bestrebt sein.
Mühling. In Bremen ist rabbeln ge-
Rabbeltasche — Racker. .
207
schwind und unbedachtsam plaudern,
im Göttingenschen raivweln^ holl. rab-
belen, Brem. Wb. III, 413. Schamb.,
169 a. Vgl. rappeln.
Rabbeltasche, /., Plappermaul. M ü h-
ling. Ebenso im Holsteiuschen, im
Götting. Rawweltasche, Schütze III,
268. Schamb., 16'Ja Vgl. rabbeln.
Rabe, /., s. Rftb.
Rabheier, m^ s. Dannecker.
rabiOnsch, adj.. habsuchtig, geizig.
rabosen, sw.^ s. rabasen.
rabotten, sw,^ s. robotien.
Rabsgras, n., Kasenschmelc, Aira
caespitosa L, Hagen, 81.
Rabunek, w., poln., Raub, Plünderung.
Auf Rabunek gehen, Sperber, 39.
rabunten, »w. rabunten gehen^ böse
Wege wandeln, herumschwärmen. Vgl.
Brem. Wb. lU, 413.
Rabdsch, m., s. Rabüscher.
rabdschen, rabdschem, si^., rauben,
stehlen, überhaupt etwas ohne Recht
und Berechtigung sich aneignen. Poln.
rahm der Rauber, rabowac rauben,
plündern. Vgl. rabasen.
Rabdscher, 7n, von rabitschen^ Dieb,
ein Mensch, der alles sich anzueignen
versteht. Am Ostseestrande Arbeiter,
der auf eigene Hand, also gesetzwidrig,
nach Bernstein gräbt. Auf dem Rück-
wege nahmen ihm verschiedene Maro-
deurs — Rabüscher von den Landleuten
genannt - sein weniges Geld ab, (1807.)
Lehrerz. f. Ost- und Weslpr. 1880,
S. 242a. Sperber, 39: Rabusch Ufkxx-
ber, verwilderter Mensch.
rachaldeln, rachheldeln, st^., coire.
Klingt jüdisch, stammt jedoch nicht
aus dem Hebr, wird auch nicht von
Juden gebraucht, ist vielmehr Nach-
bildung des an ei und oi reichen jü-
dischen Jargons.
Rachenputzer, m,^ Schnaps, der den
Rachen reinigt. Vgl. Seh melier
HI, 10.
rächfär, adj. u. adv,^ s. rftkfär.
rachgierig, adj,^ habgierig, habsüchtig,
eigennützig. Ebenso und rachig in
Hessen, woraus hervorgeht, dal'z das
Volk an Rachen (fatuc) denkt. Vil-
mar, 312. Mühling hat in gleichem
Sinne noch rachsUchtig; Schemionek,
31, rachhalsig; Hennig, 334, hat raff-
gierig, von raffen^ als den edleren Aus-
druck — ^der gemeine Mann sagt
rachgierig,^
rachhalsig, adj.y s. das vor.
rachheideln, sw,, s. rachaideln.
rachsUchtig, adj.^ s. rachgierig.
Rachull, Rachuller, m,, rachullen.
rachullen, «m?., gierig verlangen, an
sich reil'zen. Er rachullt überall herum^
er sieht zu, wo er etwas ergattern, ge-
winnen kann, sucht nach Beute. Auch
hier wird, wie bei rachgierig^ an Ra-
chen gedacht; doch liegt wohl das
poln. rachowac rechnen, zählen, näher,
dessen Präs. rachuj§ lautet. Davon
Rachull, Rachuller, m.. Habgieriger, Un-
ersättlicher. rachull(e)rig, orf/., gierig,
habsüchtig, sehr ^nach sich**. Sche-
mionek, 32: rachhultrig, Sperber,
26. Schmitt, Westpr., 167.
racl(, adj,y straflF, steif. Zudem ist
der nüchterne Leib^ wegen der gleichsam
erstorbenen Geisterlein^ gleichsamb rack^
Star und kalt, Linem , Dd Ib. De
Hans was rack on möd von allem Peper-
stampe. Carm, nupt. I, 282, 7. Vgl.
Schmeller III, 38.
racken, sw,^ s. raggen.
Racl(er, m. 1. Schinder, Abdecker,
Henkersknecht; von raggen y racken.
Ebenso engl., holl. und schwed. Et
föllt göt, seggt de Racker. Schlechte
Ttty seggt de Racker^ et föllt nuscht
2. Bezeichnung für einen Pfiffikus,
208
Rackerei — radbrechen.
Schelm. Er ist ein geriebener Racker.
3. Schimpf- und Schmeichelwort, je
nach dem Geschlecht: der Racker^ die
Racker. Du Racker^ dÜ denkst^ d! kannst
alleen scheten. Soph. R. III, 382. Kamt
m§t^ §k war ju dolkte Geschichten von
dissem Racker^ dem Forih^ verteilen.
Dorr, LWiew., 116. 4.Racke, Mandel-
krähe, Coracius garrtda, Muhling,
Tiem., 176. Die Krähen überhaupt
nennt der Yolksmund: dem Racker sine
Dffwey die Tauben des Rackers. Racket*
im Sprichwort s. Sprw. I, 3050 AT.
Vgl Bock, 49. Hennig, 206. Ri-
eh ey, 204. Brem. Wb. III, 425.
Vilmar, 313. Sallmann, 38b.
Rackerei, pltd. Rackert, /. 1. Woh-
nung des Schinders. 2. Schwere, ab-
mattende Arbeit, Quälerei, Plage. Es
ist eine reine Rackerei. 3. Unreinigkeit,
Schmutz.
Rackerhund, m,^ Hund des Rackers;
beliebtes Schimpfwort In Hessen ist
Racker zunächst bissiger Hund. Yil-
mar, 313.
rackerig, rackrig, adj,^ schmutzig, sehr
beschwerlich, ermüdend. Eine racke-
rige Arbeit Nach M ü h 1 i n g auch : auf-
gebracht, erzürnt; in diesem Sinne auch
in Posen. Bernd, 232.
Rackerkarre, /., Karre eines Rackers.
Rackerkaule, /., Kaule, Grube, worin
der Racker die Reste der abgethanen
Tiere vergräbt. Nach Mühling der
Platz, auf welchem er sein Geschäft
betreibt, Schindanger. Ebenso auch
im Bremischen. Brem. Wb. HI, 425.
Rackerknecht, m. 1. Knecht eines
Rackers, Schinderknecht. 2. Schimpf-
wort.
rackermOde, adj.^ rock und müde,
steif und müde, sehr müde. In der
Verstärkung: hunderackermOde. Ward
uck rackermod onmatt. Nowack, 42.
Vgl. rack.
rackern« sw.y angestrengt arbeiten,
sich abmühen, namentb'ch wenig loh-
nende, schmutzige Arbeit verrichten.
Wer de ganze Wäk (Woche) gerackerty
Dem es de Stäw denn vehl to eng.
Nowack, 36. Vgl. raggen^ rocken^
Ranker, abrackern, sich^ sich abarbei-
ten, durch angestrengte Arbeit müde
machen. Sperber, 5. anrackem. Sich
einen Hund anrackem^ ihn mit An-
strengung und Mühe an sich gewöhnen.
Dönh. verrackem, sichy sich überar-
beiten.
Rackerzeug, pltd. Rackertlg^n., Gesindel,
Geschmeiiz, böse Brut. Schimpfwort,
oft auch in gemütlichem Sinn. -S. Be-
leg unter Elk.
Rackopill, /., Schabe. S. Franzosen.
Racks, m.y Stich. Er hat ihr einen
Rocks beigebracht. Friedland Ostpr.
racks, interj ^ schalluachahmend, zur
Bezeichnung eines Bruches = knacks.
RackSy brach der Wagen! Treichel.
racksen, sw.^ Iterativ zu rackeny gleich-
bedeutend mit rackern^ angestrengt ar-
beiten. Treichel.
Räckske, n., Röckchen.
raden. su?., roden, ausrotten. H en n i g ,
205.
räd on rund, adv.j s. rCd.
Radäu, Rabäu, m., Lärm, Geschrei,
Spektakel, Unfug.
Radaune, /., Flul'zn., s. RadQn.
rftdbrechen, rftdebraken, pltd. rädbrä-
ke(n\ st. 1. mit dem Rade zerbre-
chen, rädern. 2. verstümmelt sprechen,
also beim Sprechen die Worte zer-
brechen, wie es kleine Kinder thun,
die zu sprechen beginnen, oder Leute,
die eine fremde Sprache schlecht spre-
chen. Das Kind radbräkt schon. Er
Radbrecher — raggen.
209
rddbrdkt im Deutschen, Holl. rad-
brakeriy rabraken^ im Göttingenschen
rabraken. Vgl. Adelung HI, 912.
Scham b., 166a. Hennig, 334. Da-
von:
Rftdbrecher, pltd. RädJbräker^ m., einer,
der rddbi*dcht
Rftde, f.y Kornrade, Agroatemma gi-
thago L, RddÜ und Tresp Hält den
Bauer fest; Aber Schmel und Klapper
Jaget ihn vom Acker. Samland. Sprw,
I, 3054. Hennig, 205.
rftdebraken, «to., s. rftdbrechen.
Radel, n., Waldläusekraul, Pedündaris
silvatica L. Bock, Nat lU^ 455.
Hagen, 650: Rodel. Nsslm. Th., 220:
Rodel, Sumpfläusekraut, Ped. palu-
stris L.
Raderkuchen, m., richtiger Räderkw-
chen, läDgliches Schmalzgebäck zum
EafiPee, dessen Teig durch ein sporen-
artiges Rad der Länge nach zerschnit-
ten ist, wodurch der Rand gezackt er-
scheint. Durch einen Einschnitt in der
Mitte wird das Gebäck knotig geschürzt
und heifzt daher auch SchUrzkuchen.
Samland.
Radheuer, m., auch Ratteier ge-
schrieben, Arbeiter, der zum Pflügen
(fürs Rad) geheuert wird. Treichel.
Radikalacker, m., der eingewurzelte,
erbliche Acker, der ohne den dazu ge-
hörigen Hof nicht verkauft werden
durfte. S. Behnisch, 76f.
radlichy adj., weit auslaufend. Von
den Wurzeln der Kartoffeln. Dönh.
Radnelke, /., Kornrade, Agrostemma
githago L. Hagen, 482.
RadSI, Pflzn., lanzettlicher Wegerich,
Plantago lanceolata L. Hagen, 170.
Radom, /.^ Rohrdommel. Samland.
Radschen, Ortsn., Dorf im Kirchspiel
Küssen, Kr. PillkalleD. Du böst wohl
von Radsche, wo se de Flinse op ene Std
Fritehbitr, Wört«rbaoh H.
backe — wo se de Wagens op ene Sid
schmere, so sagt man^ wenn jemand
eine Arbeit linkisch oder nicht voll-
ständig macht. Das Dorf ist so ge-
baut, dafz alle Gebäude auf einer Seite
der Landstrafze stehen. Sprw. I,
3055.
RadOn, /. 1. sumpfige, nasse Stelle
im Acker, auf dem Felde. Treichel.
2. nach Hennig, 205, ursprünglicher
Name des Flüfzchens Radaune in Dan-
zig. Hennig folgt für die Herleitung
des Namens der Sage, nach welcher
er von Rettung, pltd. Reddung, ab-
stammt, weil ein Missethäter sich durch
Anlage der Mühlenwerke, welche die
neue Radaune treibt, das Leben ge-
rettet haben soll.
Rftf, m. u. n., s. Räb.
räfen, sw,, Sahne, Rahm bilden: Die
Milch wiU nicht rdfen, oder: räß gut.
Hennig, 205. Vgl. Räb,
Raffel, m., s. Räpel.
Rafferin, /., von raffen, die hinter
dem Schnitter herschreitende Binderin
des Getreides. Hinter mir sputet sich
die Raff erin, aufnehmend, greifend bin-
det sie Garben. Aus einem masurischen
Liede.
raffgierig, adj., s. rachgierig.
rftgbar, adj,^ s. rflkfär.
ragen, sw., s. rftken.
Ragge, /., Körper, vielleicht .mehr
noch Rücken. Dei Ragge voUschmere,
durchprügeln. 2. Pferd. Dei heft e
Paar gode Ragge. Samland. Vgl.
Kragge.
raggen, racken, sw., mit Mühe und
Ajistrengung vom Schmutze reinigen,
aus dem Grunde reinigen, Unflat aus-
räumen. Unsauberes waschen^ scheuem,
überhaupt angestrengt bei einer un-
saubem Arbeit beschäftigt sein, ab-
raggen, ausraggen. Einem die Läuse
14
310
TaglgendigToIl — rikfitr.
abraggen. Es ist nicht cnuzuraggen^
der Schmatz ist nicht wegzabekommen,
es ist nicht rein za bekommen. S.
beraggeiL Hennig, 206. YgL raken.
raggendigvolly adj,^ überaas schmatzig,
so ansaaber, dalz der Schmatz nicht
za raggeUj atuzuraggen ist.
Ragnit, Ortsn., Kreisstadt im Reg.-
Bez. Gambinnen an der Memel. Lebt
in der Redensart: Ragniter (bei Bock,
50 and Hennig, 206, Rangnitter\ ma-
chen, Verbrecher gefänglich einstecken.
In dem alten Schlosse der Stadt be-
findet sich eine Proyinzial- Straf -An-
stalt Sprw. I, 3056. Vgl. Nsslm.
TL, 145. Altpr. M. XV, 583.
Rahriy Rohn, m., Rahne, /., Rahnen,
77»., Stuck Bauholz, noch anbeschlage-
ner Baumstamm. Lit r&nas ; ahd. rano,
mhd. rone, ron umgestürzter Baum-
stamm Denn wenn der Rahnen 90 ge-
schnitten wird^ dafz auf einer Seite
allein feste Dielen^ auf der andern
Seiten allein sckwammichte und fosche
Dielen entstehen^ so etc. — aber leicht-
fertige falsche Dielen entstehen^ wenn
ein Rahn anders geschnitten wird, Li-
nem. Tt 2a. Brettschneider so: Fichte-
röne^ FichteronCy Schnitt fer Schnitt e
Achtehalber! Kinder-Neckreim. Kgsbg.
Nsslm. Forsch. 2; Th. 146: Rone,
Rrinen. Vgl. Altpr. M. XV, 584. Mnd.
Wb. m, 504b.
Rahnenschneider, m., Schneider des
Rahnen, Brettschneider. ., , ein Hau/z-
vater und Bawherr den Rahnen- oder
Bretschneidem eimurahten hat^ wie er
die Dielen abschneiden solle. Linem.,
Tt 2a.
Rainfurty Pflzn., gemeiner Rainfarn,
Tanacetum vulgare L. Dem gesunden
Vieh giebt man die Pflanze, klein ge-
schnitten und mit Salz, ^furd Ge-
schmack', d. h. damit es gut firifict,
dem kranken mit Bier gekocht.
Rajöle,/., Rigole, Rinne, Abzugsgraben.
HoU riool. in, rigole.
rajMen, «tr., rigolen, umgraben, am-
kehren, den anten liegenden Boden eines
Ackers oder Gartens nach oben schaf-
fen. Nach Überschwemmungen in der
Niederung wird, wenn der Sand nicht
gar zu hoch die Frachterde überdeckt,
der Acker rctfolt Passarge, 341;
Balt, 195. Franz. rigoler, poln. rjfff^
das Präs. von ryc wühlen, die Erde
umgraben, slavon. ru/u furchen, auf-
wühlen. Frisch n, 122a: rioZ^fi. Hen-
nig, 206.
Rakel, m., s. RtkeL
rdkeln, sw., sich, sich dehnen, behäbig
sich einrichten, breit, unnütz machen
Fast gleichbedeutend mit rekeln. Trei -
cheL
rdken,str., treffen, rühren, berühren, al-
terieren, interessieren, reichen, ausrei-
chen, verschlagen. Gortzitza schreib
ragen. Das rdkt ihm nicht, sagt man
wenn einen Reichen ein Verlust getroffen
der von ihm ertragen werden kann
Was rdkt dem ein Puckel voll Prügel
Dat rdkt nuschty verschlägt nichts
Es rdkt ihm nichts, es beunruhigt ihi
nicht, interessiert ihn nicht. Pr. Ar
chiv I, 526. Lafz seyn, da/z Metzei
auch nicht reine Körner mahlen, Wa
geht das Jungfern an, was rakt es dt
Vestalen. Carm. nupt. 1. Dei fehx
(beim Schiefzen nach der Scheibe), oi
raackt gewifz ant Schwarte nich henati
Ibid. 133 c. Holl. raaken. Verwand
mit reken reichen. Brem. Wb. HI, 425
Muhling hat raken auch in der Be
deutuDg von schaden. Hennig, 205
rtUrfär, rokfar (a = d), rdchfar: nac
Schemionek, 31, auch rägbar, ad
rallen — rampen.
211
und ado,^ ge&hrlich, miizlicli, be-
denklich. Es ist rdkfdr^ auf schwa-
ches Bas zu gehen^ — mit Licht
sich leicht entzündbaren Stoffen zu
nahen. Einen Handel mit wenig gang-
baren Waren zu beginnen — ist eine
rdchfdre Geschichte, Et bs fähe ser
rokfär^ es ist häufig sehr gefahrlich.
Die erste Silbe weist auf das alts. raka^
«hd. rahha^ rahcha^ racha^ Rede, Re-
chenschaft; Sache. Schade, 699 a.
In Pommern ist das Subst. Rakefaart^
n.y ein Ungefähr, ein Zufall, der viel
einbringt: dat was so^ne Rakefaart
Dähn., 372b. Hennig, 205.
rallen, sw. 1. laufen, sich jagen,
balgen, rasen, tollen, sich wälzen vor
Lust, Possen treiben. Tobenden Kna-
ben wird zugerufen: Rallt nicht so!
Die Jugend aber rallen,^ tanzen,^ stielen
wie sie können, P i e r s on , Matth. Prät.,
82. 86. Denn war zwee Tag^ hinter
enander en Gejuchtz an en Rallen on
Dollen on ommer Musick, Schalt). 3,
9. In Bayern rallen herumlaufen.
Schmeller III, 79. Im Götting. ral-
ken sich hin und her wälzen. S c h a m b. ,
167 a. rallen in Verbindung mit dallen
s. dollen, Bock, 50. Hennig, 206.
2. coire; von Schweinen.
Räm, 9n., auch RämstOck, n., von Rah-
men, Balkenlage auf der Mauer, wo-
rauf das Dachgerüste ruht. Oberland.
Auch Rahmen, Einfassung, Umgebung
überhaupt; in Danzig ist Ram oder
Rdmel Name einer Stral'ze, die früher
zur Umgebung des Schlosses gehörte.
Löschin, 45.
ramasaeln, ramasteln, sw., geräusch-
voll thätig sein, rasseln, klappern,
hämmern und klopfen. Hennig, 206.
RambaUy m., Strafzenname in Danzig,
richtiger Rammbau^ da der sumpfige
Boden durch eingerammte P&hle und
Steine befestigt werden mulzte. Lö-
schin, 45.
rämen, sw., nach Mühling: über-
wältigen, bezwingen, ringen; bei Je-
roschin: zielen, ins Auge fassen, aufs
Korn nehmen. Er rdmte sin so langCy
unz er in durch ein wange mit eine
spere gestach^ 56a. Pfeiffer, 304.
Und jagen es (das Wild) par force ins
flache Feld hinein. Dann gehts ans
Rahmen^ da/z die Wolle davon stäube.
Carm. nwpt IV, 56b. Vgl. Frisch II,
85a. 2. trefien, antreffen, begegnen
und dann auch anrämen; zur rechten,
gelegenen Zeit kommen. Ich rdmd ihn
schlecht^ ich traf ihn bei schlechter
Laune. Ich hatte eine schlechte Zeit ge-
rdmt Die Arbeit rdmt nichts es ist
wenig Arbeit anzutreffen, sie ist schwer
zu finden. Natangen.
rammdäsig, -dSsig, adj,^ zum rammen
däsig, so borniert, dafz man den Dumm-
kopf als Ramme gebrauchen könnte.
Treichel. Vgl. däsig.
rammeln, sw,^ sich begatten; zunächst
von Kaninchen, Hasen, Katzen, Schafen,
dann aber auch von Menschen. Von
Ramm Schafbock. Vgl. Brem. Wb. HI,
431. Davon Rammelei, /., Rammelzeit,
pltd. Rammelttd, /.
Rammklotz, m. 1. Klotz, mit dem
gerammt wird. 2. bildlich zur Be-
zeichnung eines korpulenten, kräftigen
und behäbigen Menschen. Er ist ein
rechter Rammklotz. Er ist so dick wie
ein Rammklotz. Sprw. I, 570.
Ramp, m.y s. rampen.
rampen, nimpen, rllmpen, rümpfen,
rümpfen, pltd. r8mpe(n), sw,^ in Bausch
und Bogen kaufen. Namentlich wird
auf Jahrmärkten Töpfergeschirr gerampty
gerümpft etc. Ein Einzelner kauft den
ganzen Rest der Töpferware, sucht dann
Abnehmer und teilt nun den Vorrat
14*
212
RamBch — ra]izeon^re(n).
in so viele Haafen, als er Teilnehmer
gefunden, auf jeden Haufen das ihm
übergebene Pfandstück des neuen Be-
sitzers legend. In auderm Falle setzen
auch die Töpfer selbst am Schlüsse
des Jahrmarktes den Rest ihrer Vor-
rate in Haufen und verkaufen oder ver-
losen diese kleinen Rampe an einzelne
Liebhaber. Nach Mühling werden
die Töpfe ihrer Gröfze nach in Reihen
gestellt, und hat jeder Käufer eine ganze
Reihe gleichartiger Töpfe zu überneh-
men. Der ganze Rest oder jeder ein-
zelne Haufe, jede Reihe ist ein Ramp,
Rump, RUmp, Rumpf, R8mp, auch Rummel
und Ramsch, daher das Verkaufen im
Ramsch^ ohne Auswahl, auch ramschen
genannt wird. In Bremen heifzt der
ganze Haufe Rummel^ im Osnabrück-
schen Ramter, franz. ramas, holl. rom-
melzoo. Brem. Wb. HI 431. 553.
Ramsch, m., ramschen, sw.y s. rampen.
Ramskopf, m., Ramsnase, /., Pferd mit
Kopf, Nase, wie sie der Ramm^ der
Schafbock, hat.
rftn, oJ/., s. rank.
'rftn, 'ranne, 'ranner, adv , heran. De
Möddag kömmt Wanne. Volksl. 35,
23, 3.
Ranche, Pflzn., Rainfarn, Tanacetmn
h, Rössel. Mühling.
Rand, m, 1. die äui'zere Einfassung.
AvÄ Rand und Band sein. Das ver-
steht sich am Rande^ ohne weitere Be-
merkung, von selbst. 2. der Mund.
Halte den Rand!
RandftI, m., Lärm, Skandal. Randdl
machen^ Randdl schlagen^ Skandal
machen. Zur Verstärkung: Heidenran-
dftl. Davon: randälen, randalieren.
Randnetz, n., s. Kh'ppe.
Rftne, /., Rftnen, m., s. Rahn.
Ranefenblume, /., s. Romei.
rangeln, sw,^ s. rangen.
rangen, sw.^ sich^ ringen, im Ring-
kampfe die Kräfte prüfen, in Danzig
rangeln. Die Jungen» rangen sich. Dat
sit ütj als wenn sock twe Bare range^
wenn zwei Männer sich küssen. </a,
ere twei op enem! säd de Dtwelj wt hei
sock mot dem Knecht rangd^ on dei rep:
Help de lewe Gottke! Sprw. I, 3744.
Vgl. Schützern, 273. Bernd, 233.
Bock, 50. Hennig, 206.
Rangnit, Ortsn., s. Ragnit
rank, adj.^ schlank, dünn und lang,
schmächtig. Ein rankes Pferd. Ironisch
sagt man über den Wuchs eines Men-
schen: So rank on schlank wt e Wäge-
brett. Sprw. I, 3060. Da sech ock en
ranket fixet Offztrken. Elbinger Höhe.
N. Fr. Prov.-BL a. F. IX, 245. Fir-
menich ni, 496a. Mühling hat rAn;
holl. ran^ rank^ engl. u. schwed. rank,
ebenso in Bremen. Brem. Wb. IH,
433. In Bayern rän^ ranig. Seh mel-
ier III, 92.
rankein, sw.^ ranken, hoch u. schlank
aufschieizen, drehend sich winden, lok-
ken. Die Bohne — das Haar rankein
sich. Mühling.
ransenieren, sw.^ s. ranzeon§re(n).
Ranze, m., s. Ränzel.
Ränzel, 77»., Dem. von Ranzen^ Bauch.
Er hat seinen Ränzel voll^ er hat sich
satt und voll gegessen. Eck frat den
Rentzel voll. Carm. nupt. I, 282, 14.
Drinke^ singe ^ darne, Vullschlon mine
Äanz^.'Schlochau. Firmen ich 1, 118 b.
Volksr., 222, 790. Hennig, 211.
ranzen, sw. 1. heftig anfahren, aus-
schelten. Einen anranzen. 2. sich nachts
liederlich herumtreiben. Mühling.
ranzeon§re(n), sw.^ sich^ sich ranzio-
nieren, in der Bedeutung von einrich-
ten. Hei wet sock to ranzeonere, er ver-
steht sich einzurichten. In Westpr.
auch ranseneren. Treichel. In der
Rap — RapunzeL
218
gewöhnlichen Bedeutong: loskaufen, hat
Hennig, 207, nach Schütz, Preufz.
Chron., 326, ranzQnen. Vgl. ßrem. Wb.
m, 434.
Rftp, Räpen, Rappe, R§pe, m., der
Rapfen, Aspvus rapax^ altpr. rapü^ kur.
rapzur. Nach Mühling, Tiem., 176,
auch Rapan, sonst noch Rohrkarpfen,
Alaty Raubalat, Frefzalat, Salat, Zalat,
Alanty lit. salatis^ celatos^ salote^ kur. sa-
latey ahd, alunt Benecke, 130. Bock,
Nat. IV, 659. 670.
Räpel, Raffel, m., R§pe, /, hölzerner
Flachskamm zum Abreü'zen der Samen-
knoten des Flachses. Er besteht aus
dem Räpelbaum und den Regeln; erste-
rer ist auf der Dreschdiele in Quer-
lage angebracht und hat eingestemmte
ÖfiPhungen, in welche die Räpel wie
Zähne gesteckt werden. Durch diese
werden die Stengel hindurchgezogen
und die Samenknoten abgerissen. Vgl.
Brem. Wb. III, 482. Mi, 69a.
räpeln, st^., mit einem' Rdpel die Sa-
menknoten des Flachses abreifzen. Im
Holstein, röpeln. Schütze III, 307.
Räpeltän, m, 1. Zahn, Zacke eines
Rdpek. 2. zur Bezeichnung eines Men-
schen, der andere gern neckt und durch
die Zähne zieht. In Pommern Schelt-
wort auf häizliche alte Weiber und
Mägde, denen die Haare ums offene
Maul hängen. Dähn., 372 a. Im Göt-
tingenschen repelten der Raffzahn, der
stark hervortretende Vorderzahn bei
Menschen; der Mensch mit einem solchen
Zahn. Schamb., 171a.
Rftpen, Rappe, m., s. Räp.
Rappel, m,, momentaner Irrsinn. Er
hat einen Rappel, Vgl. Raps.
rappelkSpsch, -kSpfig, adj,^ leicht er-
regt, aufbrausend, jähzornig. Kopf, in
dem es schnell rappelt . . . dafz^ da
sie stolz und mein Bruder rappelköpßach
ist, die Sache hoffentlich atLseinander-
gehn kann, Soph. R. V, 605.
rappeln, sw. 1. rasseln, klappern. 2.
bildlich : dem rappelt' s im Kopfe, er ist
nicht bei gesundem Verstände, bei,,ruhi-
ger Überlegung. Nun, weiVs rappelte.
Soph. R. n, 420. RappeKsf werden Sie
sagen. Ibid., 482. 3. — sicA, sich auf-
raffen, emporrichten, zusammennehmen,
herausarbeiten. Sich in die Höhe rap-
peln, das Tier z. B. aus einem Sumpfe,
in dem es steckt, der Mensch aus einer
üblen Lage, in der er sich befindet.
In letzterm Sinne auch aufrappeln.
rappelndig voll, bis zum Cberlaufen
voll. Treichel.
rappen, sw., zahlen, in berappen, be-
zahlen. Hast all berapptf Nun heifzt
es berappen!
Rapphenn', /., Rebhuhn. Saalfeld.
rapplig, adj, von rappeln, nicht recht
bei Sinnen.
Raps, m,, Sparren im Eopf ; wunder-
licher, fast irrsinniger Einfall, plötz-
liche dumme Neigung; Rausch. Er
hat einen Raps, er ist nicht bei vollem
Verstände. Hei, rep he, wat schadet
ml e Raps? Man noch e Schnaps!
Samland. Firmenich HI, 115b. Man
hört auch das allgemein gebräuchliche
Raptus.
rapsen, sw, 1. mit Geschwindigkeit
und heimlich raffen, widerrechtlich an
sich reii'zen. Vgl. ripsraps, 2. von
Raps. Es rapst bei ihm, er handelt un-
sinnig. Treichel.
raptim-zaptim, adv., eilig, im Moment,
im Handumdrehen. Das ging raptim-
zaptim, Sperber, 43.
Rapuck, /., Wrucke, s. BrOke. Ma-
rold.
Rapunzel, Pflzn. 1. gemeine Winter-
kresse,-ßariaro^a tn^artsÄ.-ßr. Prit-
zel, 54. 2. Teufelskrallen, Phyteuma
2U
rapzig — rasen.
L. Hagen^ 236 f. 3. franzSsischer Ra-
punzel, aach RUbrapOnzel, zweijährige
NiLchikeTzey Oenothera biennis, Hagen,
407.
rapzig, adj, von Raps^ plötzlich an-
sinnig, Yon falschem Gelast ergriffen.
Sie wurde rapzig und wollte nach der
grofzen Stadt.
rar, adj.y aas dem lat. rarus, selten,
wertvoll, trefflich, vorzüglich, aasge-
zeichnet. Das Geld ist rar. Ein rarer
Besuch. Bin rares Essen. Et kostet
wol zwär^ äwer et schmeckt 6k rar,
Sprw. I, 2153. Dat lett em rär^ das
kleidet ihn gat. Dat os wat Rarschy
mtn Dochter j e Schntder! Dönh. Wat
es Rohret denn to sehne? Nowack,
39. Aber auch in ironischem Gegen-
satz: ein rarer Kerly ein schlechter Kerl.
Vgl. Brem. Wb. III, 437. Schmeller
III, 120. Vilmar, 315. Hennig, 207.
rareifen, sw?., lärmen, schreien. Wer
nach der letzten Glocken von Bier gehet
oder in andere Häuser ^ der soll ohne
alles Säumen heimgehet^ und nicht auf
den Gassen gehen rareifen. Heilsberger
Willkür, 56. Vgl. raren,
raren, pltd. rare(n) (a = ä)^ sw. 1.
tosend brüllen, stark schreien ; zunächst
vom Rindvieh, dann von der See. Er
rdrt vne ein Stück Vieh. Auch saget
die Iloffmutter von Korwienen noch eid-
licher aus, da/z vergangenen Donnerstag
in der Nacht gleichfalls als wenn einem
Kalbe der Hals abgeschnitten würde^ so
gerahretj und vne sie darnach gesehen^
sei nichts gewesen. Inquisitions-Kezefz
etc. Beitr. z. Kde. Pr. IV, 60 f. Heir
(höre) maZ to, wo de Kerl (der Hahn)
rärt! Tierräts. 39. Das Getose der
aufgebrachten Fluth ahnt dem Todes-
brüUen eines Ertrinkenden — er (die
Ostsee) rahrt. Pr. Prov.-Bl. XXVI,
429. Hexspr., 156. Die Strandbewohner
sagen: Die See raret, welches meinem
Bedünken nach heissen soll, sie raset.
Bock, Nat. I, 391. On't (Strom nnd
Eis bei der Überschwemmung) roari
on bröUt une Ongewitter. Dorr, 19.
2. laut weinen. 3. im Todeskampfe
röcheln. 4. in der Trunkenheit röchelnd
lallen. Er rdrt nur noch. Sprw. I, 445.
Engl, to roar^ angs. raran, holL reeren^
franz. r^er^ im Elsafz rören. Brem. Wb.
in, 437. Ahd. rereny mhd. reren; in
Bayern reren. Schmeller HI, 120.
Bock, 50. Hennig, 207.
Rftrer, m. von raren, Schreier, Brül-
ler, zur Bezeichnung eines Kindes, das
ohne Aufhören schreit; auch Rdrhals,
Schreihals.
rasaunen, aw.^ geräuschvoll thätig sein;
von Frauenzimmern. Sie rasaunt im
Mause umher. Nsslm. Forsch. 3; Th.,
220. Nach Marold in weinerlichem
Tone sich anausgesetzt entschaldigen
oder etwas zu erlangen suchen ; er weist
auf raisonner hin.
Rasch, m.y ein leichtes Wollgewebe;
in der Kleid.-Ordg., 370, Harres. Man
onterschied Raschmacher und Zeug-
Tnacher. Du muttst vom Pährd^ du magst
Tüchmaker sin edde Raschmaker^ du
mafzt vom Pferde, du magst Zeugmacher
sein oder Raschmacher. Soph. R. TTT,
382. In Westpreussen waren ums Jahr
1778 86 Rasch- und ZeugmacJier und
von denselben 78 in den combinirten
Städten vor Danzig. Bock, Nat. I,
679.
Raschel, m., Rausch. Hei ös öm Ra-
schele er ist angetrunken, hat einen
Rausch. Samland.
Raschewill, m., s. Ru§chewill.
Raschwalzer, m.. Schnaps, der rasch
durch die Kehle walzt. Sprw. I, 1532.
ra§eln, sw.^ s. ro§eln.
liteen, sw., vom Zittern der Fenster
Raspe — ratzekahl.
215
bei Donnerschlägen oder sonst merk'
lieber Erschütterung des Hauses. EI-
binger Ndrg.
Raspe, /. So viel Kamer y so viel
Scheffel^ So viel Rispen j so viel Raspen!
Erntespruch. Volksr., 229, 803. Ahd.
raspön, mhd. raspen u. raspelen, eilfertig
sammeb , zusammenraffen. Schade,
701a. Vgl. Schmellerin, 141.
Raspeibrot, n.y kleines rundes Bröt^
eben aus Weizenmehl mit rauher Rinde.
Es Mrird besonders aui Hochzeiten den
Gästen vorgelegt. Hennig, 207. Nach
Adelung IH, 944, hart gebackenes
Weizenbrot, woran die Kinde mit einer
Raspel abgerieben worden.
raspebiy sw.^ schön thun gegen Mäd-
chen : Süfzholz raspeln. Du kannst dat
Rasple Uite, Nowack, 37.
rasselig, adj., halb verruckt, über-
geschnappt. Er ist rasselig, Sprw. I,
3062.
Rastenburg, Ortsn., Kreisstadt im
Reg.-Bez. Königsberg. Sprw. : Er glüht
füie Rastenburg, er ist erhitzt oder be-
trunken. Siehe das Genauere in den
Sprw. 1, 1318. Die Rastenburger heii'zen
auch Kapusendiebe.
Rasumäck, m.^ s. Rosemöck.
Ratai, Ratteier, m.^ Arbeiter, der auf
einem Gute gegen mäl'zigen Lohn an
Geld und hin und wieder auch etwas
Acker zur Nutzung als Pflüger dient
und auf Scheffel - Tantieme drischt.
Hennig, 334, schreibt Retay, Ober-
land. Poln. ratay Gärtner, Besitzer
eines Gartengrundstuckes ohne Acker-
land; nach Mrongovius I, 430a, zu-
nächst ein zum Kriegsdienste verpflich-
teter Landmann, im Pr.-Poln. Ganz-
bauer, Ganzhöfner. Nsslm. Forsch. 3;
Th., 146. Schmitt, 108; Westpr., 167.
Förstemann, 424.
Rateformel^ /., Segensspruch, Spruch,
der beim Raten „gebetet** wird. Vgl.
raten. Eine Sammlung provinzieller
Rateformeln enthält: Hexenspruch und
Zauberbann etc. von S. 27 ab.
raten, sw, 1 . Rat erteilen. 2. Hilfe in
Krankheit bringen durch Hersagen eines
Segensspruches (einer Besprechungs-
formel) und durch besondere Hand-
lungen und Zeichen. Sich raten lassen,
sich in angedeuteter Weise von Krank-
heit heilen lassen. Solches heii'zt auch
besprechen, besegnen. Genaueres in
Hexspr., S. 26 ff. Hennig, 207.
ratlich, adj., sparsam sein, mit dem
Seinigen zu Rate zu gehen wissen. He
ÖS rätlich as Schmedts Katei% de fratt
dat Licht op on satt dm Dtstem, Dzg.
Nhg- Sprw. I, 3065.
rftts, interj.y s. rtts.
Ratteier, m.y s. Radheuer u. Ratai.
rattern, rattern, rettern, sw., polternd
rasseln, knarrend prasseln. Über Stein-
pflaster rollende Wagen, explodierende
Feuerwerkskörper rattern und rattern.
On de Polverboxen rettern. Dzg. Nhg.
VioUt, 188. Volksl., 42, 27, 2. Vgl.
Brem. Wb. HI, 489. Schütze III, 277.
Dähn., 372a. Hennig, 207.'
Ratz, Ratze, /., Ratte. In Verbin-
dungen: Schlaf'j SpielratZy wobei das
Volk kaum an den Ratz = Haselmaus,
Murmeltier, litis, denkt.
Ratze, /., Rüzwunde, also = Ritze.
Treichel.
Ratzefaller, m., s. Ratzenfalle,
ratzekahl, ratzenkahl, adv., ganz und
gar, völlig, mit Stumpf und Stiel; Kor-
rumpierung von radikal. Er hat alles
ratzekahl zerschlagen. Die pltd. Form
rattekdl habe ich nie gehört; das Volk
scheint also zu fühlen, dalz es einem
Fremdworte gegenüber steht. In Hessen
rattekahl und zwar in dem Sinne: kahl
wie ein Rattenschwanz. Vilmar, 316.
216
ratzen — räum.
ratzen, sichy sw. 1. angestrengt ar-
beiten, sich mit Arbeit abquälen: sich
abratzen, verratzen. Nein^ was mu/z
man sich verratzen! 2. zanken, strei-
ten, sich mit einem ratzen^ herumratzen^
sich mit ihm streiten, zanken, balgen,
reifzen and schlagen. Davon Ratzerei,
/. und GeratZy n., angestrengte Arbeit;
Gezanke, Balgerei, Prügelei.
Ratzenfalle, /., Falle zum Fang der
Ratten. Die slavischen Yerfertiger von
Rattenfallen heifzen Ratze-, RatzHaller.
Vgl. Lapitschkeschwenker.
Ratzerei, /., s. ratzen.
Ratzifaller, m.^ s. Ratzenfalle.
Raubalat, m, s. Rftp.
räubern, sw.^ Lügen erzählen, aof-
schneiden. Eine unwahre Erzählung
ist eine Räubergeschichte.
Raubritter, m,^ Besitzer eines kleinen
neuentstandenen Gutes problematischer
Existenz. Gortzitza.
Rauch, m, 1. in Redensarten: Sich
aris dem Ratcch machen^ sich aus dem
Staube machen. Der Biscfiof von Heils-'
berg, sagten die Einen^ ist eigentlich^
was lange kein Mensch gewufzt hat, im
Bann^ und wufzte kein besseres Mittel^
den Bann los zu werden^ als dieses^ dafz
er sich an den Kaiserhof schicken liefz
und hat sich so aus dem Rauch gemacht
Aus einem Briefe des Hochmeisters
L. von Erlichshausen, d. d. Marienburg,
Dienstag nach Bamabä 1453. Voigt,
Gesch. der Eidechsen-Gesellsch. in den
Beitr. z. Kde. Pr. V, 222. Sprw. I,
3068. Er hat sich Rauch um die Nase
gehen lassen^ er hat etwas durchgemacht,
ist ein erfahrener Mann. 2. Herd. Eigner
Rauchj eigener Herd.
Räucherbude, /., Bude zum Räuchern
der Flundern. Kurische Nehrung. Im
Dorfe Sarkau befinden sich mehrere
Räucherbuden. Passarge, Balt., 299.
Räuchergans, pltd. RSkergans, /., ge-
räucherte Gans.
Räucherkaule, /., Eaule, Grube, in
welcher Fische geräuchert werden. Ku-
rische Nehrung.
Rauchhaber, m.^ Rauh- oder Sand-
hafer, Ävena strigosa Schreb. Hagen,
120.
Rauchhaus, n., Haus ohne Schorn-
stein. Die Fischerhäuser auf der kuri-
schen Nehrung sind Rauchhäussr.
Rauchlinde, /., langgestielte Ulme, ÜU
mus efusa Willd. Hagen, 293. Der
Name rührt von den am Rande zottig
gewimperten (rauhen) Fruchten her.
Rauchstopsel, m. 1. aus Thon gefer-
tigter Stöpsel zum Verschlufz desRauch-
loches im Ofen, Rauchröhrenstein. 2.
kleiner Mensch. Vgl. Ofenstopsel.
Rauchzahl, /. u. m., Zahl der Rauche^
Rauchfange, wie Mühling erklärt, oder
Abgabe von jedem Rauch ^ von jeder
Feuerstätte, von jedem Wohnhause. Vgl.
Rauhe. Die Tanseer haben aUein die
Unkosten (zum Kirchen- und Schulbau)
vom Rauch'Zahl zusammengelegt. H a r t -
wich, 167.
'rauf, pltd. rop, ropper, adv., herauf,
hinauf. Hochd. auch ^raufert Kofnmen
Sie Waufert! Sehern ionek, 32. Vgl.
'rab.
Rauhe, plur,^ nach Hennig, 208,
Landleute, die ein eigenes Häuschen
nebst Garten, aber keinen Acker be-
sitzen. BjS sollen^ damit bei der Decems--
Einnahme nichts zurückbleibe^ die be-
setzte und unbesetzte Huben^ Vorwerke^
die Rauhe und Instleute und Eigene
thümer so nicht auf Hüben sitzen^ in
der Rechnung richtig spec^icirt werden.
Instrukt. z. Kirch.- Visit, de anno 1609.
rauhen, sw,^ ruhen.
räum, pltd. rQm, adj. u. adv. 1. ge-
räumig, ausgedehnt, unbeschränkt, un-
Baum — rebbeln.
217
begrenzt, weit, frei, ahd. rümi^ mhd.
rvme^ rum. Ein raumer Platz, Die
räume See. Strauch oder Baum^ der
im räumen stehet. Linem., Cc la.
Rum gebeten on langsam gegeten^ man
glSwt nich^ wat man beharbarge kann.
Werder. Sprw. I, 764. 2. nach Klein
II, 82, in Danzig : völlig, reichlich. Es
ist räum ein Jahr. Vgl. Adelung III,
978.
Raum, m. 1. Abkorzang für Holz-
raom, d. i. der Platz, auf welchem die
Bäcker und Brauer das ihnen gehörige
Holz stehen haben. Dzg. W. Seidel,
34. 2. Er kann nichts zu Raum brin-
gen^ er vermag in der Rede nicht vor-
wärts zu kommen. Hennig, 208.
Sprw. I, 3072. Er kommt nicht zu
Raum^ er wird nicht fertig, kommt
nicht aus. 3. in früherer Zeit Malz
für Fische. 1 Raum = 1 Va Ausschlag
= 77« gehäufte Sehe fei. Fisch. -Ordg.
von 1589, Artikel 5. Benecke, 295.
räumen, sw.^ denken, raten, ergrübein.
Mühling.
Raupen, plur. Er hat Raupen im
Kopf y dumme Streiche, überspannte
Ideen, ist hochmütig.
Raupengras, Böhmers Lische, Phleum
Boehmeri Wibel. Hagen, 66.
Raupenscheifzer, pltd. RQpeschfter, m.,
Schmetterling, namentlich Nachtschmet-
terhug. Vgl. dräwen.
'raus, 'raufzer, adv,^ heraus, hinaus.
S. Vein.
Rauschbach, Ortsn., Dorf zwischen
Heiligenbeil und Mehlsack. Du hast
e anschlägt ge Kopp., dei mot nau Rusch-
beck on e Fleschkorw. Sprw. I, 2135.
Raute, pltd. ROt', /., Fensterscheibe.
Rauten einsetzen. Hennig, 208.
Rautele, m. u. n., s. Forelle.
Rautenberg, Ortsn., Dorf im Kreise
Ragnit, im Volksmunde PUistenen Phi-
listerland.
Rawau, m., s. Kannaus.
Rebarber, m., Pflzn., gemeine Berbe-
rize, Berberis vulgaris L. Mühling.
Rebbel, m., Rest, Überbleibsel;
Menge, Schwärm, Haufe, mit dem
NebenbegriflF des Wirren, Ungeregelten.
Nimm den ganzen Rebbel. Wir fahren
hetUe den ganzen Rebbel ein. Mühling.
Hinger em her e ganzer Rebbel von siene
Kornraden. Dorr, L Wiew., 84. Lafz
den ganzen Rebbel sein^ gieb die Sache
auf. Sperber, 26.
rebbeln, sw.^ auffasem, in Fäden auf-
lösen, los- und abwickeln — ein Ge-
webe, Gestricktes, dessen Maschen aus-
einandergezogen werden oder sich von
selbst auflösen; daher gewöhnlich auf-
rebbeln, ausrebbeln. Den Strumpf auf-
rebbeln — ausrebbeln; Sperber, 5, hat
hierfür auch äbrebbeln, abribbeln; doch
bezeichnet man mit diesen Ausdrücken
gewöhnlich nur das teilweise Aufrebbeln.
Bildlich: sich aufrebbeln, sich stark er-
eifern, eine Sache mit übergrofzem
Eifer betreiben, sich ungebärdig stellen,
als wolle man sich — wie ein Gewebe
— selbst auflösen. iVa, rebbel dich nur
nicht auf! Hei rebbelt sock op wi e 61
Twemsock, wie eine alte Zwirnsocke.
Sprw. I, 166. Er hat sich für ihn rein
aufgerebbelt^ für ihn ein lebhaftes In-
teresse gezeigt, unendlich viel für ihn
gethan. Se wuüt sech foorts om se of-
rebbele^ on macht sich bei ehr lieb Kindche.
Schaltj. 1, 441. sich zerrebbeln, in
"gleichem Sinne wie das vorige, dann
aber auch: sich so gebärdeu, als wolle
man bis zur eigenen Auflösung arbei-
ten, thätig sein, sich mit einer Sache
zu schafiPen machen. In Bremen reffeln^
in Pommern r abbein ^ hoU. ravelen^
218
Rebbes — recken.
engl, ravel: to ravel out sich zerfasern,
to unravel sich ausfasern; alem. reble
sich kraftlos hin und herbewegen. He-
bel, alemannische Ged., 168. Hen-
nig, 208. Brem. Wb. HI, 464.
Dähn., 370b.
Rebbes, m., Profit; aus dem aramäi-
schen ribbis Zins, Wucher.
Rebeiler, ?w., Rebell, v. Au er.
Rachel, m.^ Rechen, Harke. Ermland.
Mühling.
recht, adj,^ überaus beliebtes Attribut.
Er ist ein rechter Narr^ ein rechter Lor-
bas, ein rechter Labommel^ ein rechter
Rarer etc. Sie ist eine rechte Schlunz^
eine rechte Kläterlts etc. Nach Klein
n, 83, höi-t man's bei Scheltworten
hintenan: du Spitzbube rechtei\ Es
drückt somit das franz. qu£ vous etes,
auf ähnb'che Weise gebraucht, aus.
Adverbial: in die recht bringen, in den
richtigen, normalen Zustand versetzen.
Sperber, 46.
Recht, n. , preu/zisches . H e n n i g , 208,
führt dreierlei preufzisches Recht an,
von dem das zweite ein Späfzchen:
1. unverzogen Recht, d. h. unverzöger-
tes Recht, Gastrecht, das dem Fremden
ohne die sonst üblichen Weitläufig-
keiten des Prozesses schleunigen Schutz
und Sicherheit gewährte. 2 Preusch-
märkisch Recht. Nach diesem behält
man, was man bekommen hat, auch
die Prügel und die Beleidigung. S. das
(sagen hafte) Genauere: Bock, 51. Hen-
nig, 208. Sprw. I, 3076. 3. Preufzi-
sches Trinkrecht Es basiert auf einer
(apokryphen) Festsetzung des Hoch-
meisters Siegfried von Feuchtwangen
(•(• 1311) zum Schutze der Deutschen
gegen die der Giftmischerei beschul-
digten Preul'zen, welche anordnet : Wenn
ein Preus die Polcke oder Neige des
Tranckes austrinke^ er solde auch zue
Erstem vonn dem Frischenn trincken.
Später ward es zur allgemeinen Ge-
wohnheit, dafe, wer die Neige getrun-
ken, auch zuerst vom Frischen trinke,
die heute noch bei dem schlichten
Mann als Form der Höflichkeit besieht,
indem er den ihm dargebotenen vollen
Krug mit den Worten: ,.Steht in gu-
ter Hand!" dem Spender zum An-
trunke zurückweist. Vgl. Altpr. M. III,
56 ff. Sprw. I, 3835. 4. Kulmisches
Recht S. KSImer.
Rechte, m., der Richtige, Geeignete,
aber auch ironisch: der Unrechte, Un-
richtige, Ungeeignete. Du bist mir der
Rechte! S. Rechtschuldiger.
rechthaberig, adj,, unfügsam, starr-
köpfig. Das ist ein rechthaberiger Mensch,
ein Mensch, der in allem die richtige
Ansicht zu haben meint und diese stier
behauptet.
Rechtpfarrer, m., der rechte Pfarrer,
der oberste Pfarrgeistliche. Hennig,
209.
Rechtpredigt, /, die rechte Predigt,
Predigt am Vormittage. Hennig,
209.
rechtschuldig, adj., richtig, zuverlässig,
geeignet. Das Auge allein wird ein
7'echtschuldiger Meister seyn^ welches
nebenst der Vernunft uns der Farben
Natur entdecken kan. Linem. Oo4a.
Rechtschuldiger, m, 1. der von Rechts
wegen Schuldige, der Richtige. Sie
wird schon heiraten, wenn der Recht-
schuldige kommt. 2. ein solcher, der
seine Sache aus dem Grunde versteht,
oder — in ironischem Gegensatze —
auch nicht versteht. Er ist der Recht-
schuldige. Nun bin ich an den Recht-
schuldigen gekommen. Spöttisch: «/a,
du bist der Rechtschuldige!
recken, sw,, sich, sich mit ausgebrei-
teten Armen dehnen, strecken. Da-
rM — Regimenter.
219
von reckerig, adj. Mir ist so reckerig
zu Mute^ ich bin schläfrig, unwohl,
möchte mich strecken, dehnen und
gähnen.
rtd, ad/., bereit, fertig, parat. Ich
bin red^ bin fertig, bereit. Wenn du
red bist^ komm! Der Rock ist red, ist
fertig, red und rund, ganz und gar.
De Botter ös red on rund vertilgt
Nowack, 49. Hennig, 209, hat:
JSr zehrt von reeden, d. i. (elliptisch)
von reden Dingen, fertig liegenden
Gütern. Man sagt es von einem sol-
chen, der sein Vermögen allmählich
aufbraucht. Engl, ready, holl. reed,
gereed, isl. radan, in Bremen reed, rede;
in Pommern reed, reede^ im Götting.
reie, in Hessen reide, rede, Brem.
Wb.m,452. Dähn.,376a. Schamb.,
169b. Vilmar, 320.
reddeln, sw,, eigentumliches Ver-
fahren die Kartoffeln mit dem Pfluge
zu reinigen ; von dem poln. radlic zwie-
brachen, mit dem Hakenpfluge in die
Quere pflügen. Flatow. Schmitt,
108; Westpr., 167.
Reddig, m,, preuf ziselier , schwarzer
Rettich, Raphanua sativum L,
rfidick, adv., nach Scheraionek, 32,
der reMick schreibt, übervoll, z. B.
Baum mit Früchten stark besetzt.
Redfs, (e kurz), Radieschen, Strafzen-
ruf : Frü's Zeldt, Redls, Frauen, Salat
und Radieschen! Kgsbg.
r§d8, adv., s. rSts.
redselig, adj. Er ist redselig, spricht
sehr viel; ist betrunken. Sprw. I,
445.
R§f, m., s. R§p.
P6f, odr., s. rUw.
Refe, /., Voc. 403, deutscher Aus-
druck für das altpr. dongo. Nach
Krug, Glas, Becher als letztes Wort
unter den dem Worte Kretzem subsu-
mierten Begrifl^en; wahrscheinüch Ge-
stell für Schenkgeräte, Gläser- oder
Tellerbrett. In Bayern, in der Schweiz
das auch der Reff, Reft das Gestell
für den Rücken, worauf Lasten ge-
tragen werden. Schmeller III, 61.
Vgl. Nsslm. Th., 31.
Reff, n., alte, namentlich weibliche
Person. Ein altes Reff. Treichel.
Bildliche Übertragung von Reff, Ge-
stell, in seinen verschiedenen Bedeu-
tungen.
Refschläger, m., s. R§per.
r6g, adj.j rein. Wat sin mut, mut
stn : Sünndags a bits Flesch un a regen
Bernd. Konitz. Sprw. H, 2467.
Regal, RogftI, n., Repositorium.
Bücher-, Teller", Topf r egal. Stamm
ist wohl das pltd. rege Reihe. In Bre-
men heifzt das Regal Rak, engl, rack,
holl. rak, rek. Brem. Wb. III, 426.
Vgl. Anton, 12, 6. Hennig, 210.
rlgen, sw., reihen, in Reihen stellen.
Daraus anrSgen, anreihen, in eine Reihe
bringen. Hennig, 210.
RSgen, m., Fischrogen. Hennig,
213, schreibt Rogen; Hupel, 185:
Ragen. Vgl. RSgel.
Regengalle, /., s. Galle.
Regensbogen, m., Regenbogen.
Regenswurm, m., Regenwurm.
reggen, adj., roggen, von Roggen-
mehl. KUke mot regge AI schmeckt
got, Wortspiel; eigentlich: Eeilchen
von Roggenmehl mit Aal schmecken
gut.
Reggen-. ReggekISmpe, plur., Klölze
aus Roggenmehl. Vorigen Sinndag eet
hei noch Bi mi sure Reggenklömpe.
Volksl. 5, 41, 5.
Regge(n)mehl, n., Mehl aus Roggen.
Regimenter, m., Obmann, Anführer,
Leiter, der über eine Schar Arbeiter
das Regiment hat. Der Regimenter der
220
Register — rein.
Holzfäller etc. Kr. Neustadt. Trei-
chel.
Regbier, n. 1. Verzeichnis. Öck ge-
Jwf' OfCt ole Regüter^ auch hchd. ich
gehöre int alte Register, ich darf mich
nicht mehr zur Jugend zahlen. 2. zur
Bezeichnung eines Menschen. Langes
Register — altes Register. Ebenso im
Holstein. Schütze HI, 284.
RehbodCy m. 1. Ruf des Eegeljungen,
wenn die^ Kugel die Kegel fehlt, oder
einen Sprung über diese hin wegmacht.
Hennig weist für die Herleitung auf
die „krummen Sprünge der Rehböcke^
hin. Übertragung: 2. Einen Rehbock
schiefzen, einen Fehler, einen ärger-
lichen Streich machen. 3. dreispitziger
Baamast, der als Dreibein au%estellt
wird und nach dem die Knaben mit
Holzstück oder Stein werfen. Er
heifzt auch Zibock. Gambinnen.
Rehbraten, pltd. Rehbräde, m Ge-
segneten Rehbraten! Abschieds wünsch
Yor der Mittagsmahlzeit.
Rehehir8Chen,;Pflzn., gemeines Spring-
kraut, Impatiens noli tangere. Ostpr.
Pritzel, 190. Auch Springkraut, Spring-
samenkraut, Waldwolfsmilch, RUhr mich
nicht an. Hagen, 272. Vgl. Hirsch-
melde.
Rehheide, Pflzn., besenartige Pfriemen,
Spartium scoparium L. Hagen, 732.
rehrkes, adv., s. r§rkes.
rehrzageln, sw., s. rSrzageln.
Rehwalde, Ortsn., s. Golombiewo.
Rehzimmer, m., Rehziemer.
Reibach, t/i., Gewinn, besonders un-
verhoflFter. Aus dem hebr. rewach
Raum, Kettung; davon Vorteil. Er
m9ucht heut seinen Reibach, Davon;
reibachen, sw», gewinnen^ gut ver-
dienen, seinen „Schnitt" machen. Trei-
chel.
Reibbroty n., altgewordenes Weifzbrot,
das zerrieben in Klops- oder Wurst'
fleisch gemischt wird.
ReichbauersShnchen, n., Kartenspiel
Verspielt ein Bagateüchen von 500 Dur
caten bien-cordonnSs (zum Sohn: und
worinnf in Pharonf oder in Rt/kbuhrs-
söhnkenf) Soph. R. HI, 495.
reichverarmt, adj. Hei 5s rlkcerärmL
Ahnlich wie das mhd. edelarm. Schade,
123 b.
Reif, m., s. Rip.
Reiferbahn, /., Reifschläger, m., s.
RSper.
reihern, sw., wie der Reiher thun,
der, wenn er auffliegt (nach Treichel),
exkrementiert; auch erbrechen, vomie-
ren, sich bereihem, sich im Rausche
bespeien; concacare.
Reihzaun, m., Grenzzauo, der von den
Einsassen eines Dorfes der Reihe nach
gesetzt und unterhalten werden mulz.
Westpr. Mühling.
rein, pltd. rein und r§n, adj. und adv.
1. rein, purus^ im Gegensatze zu un-
rein. Reine Wasche, Reine Hände;
dieses auch bildlich: ehrliche, schuld-
freie Hände. 2. frei, leer, ledig. Rei-
nen Tisch machen, alles Aufgetragene
aufessen; sein gauzes Vermögen ver-
schwenden ; das Gesinde plötzlich gehen
lassen. Hennig, 210. rein ab! rufen
die Kinder bei Greif- und Anschlag-
Spielen, wenn sie das Spiel aufgeben
oder wenigstens durch diesen Ruf sich
vom Anschlage befreien wollen. Volksr.,
210, 783. Im gleichen Sinne hört
man; Jch verbiet' ! Jetzt bin ich rein^
ich habe alle Schulden bezahlt. 3. un-
vermischt, lauter. Der Weg ist reiner
Dreckj nichts als Dreck. 4. untaug-
lich. Von einer untauglichen Ware
sagt man: sie ist reiner Dreck^ reiner
Jiucy oder noch derber. 5. durchaus,
ganz und gar, völlig. Es ist rein so.
'rein — Reilzkiiochen.
221
ah wenn ich behext hin^ beim Mifz-
lingen einer Sache trotz aller Bemühung.
Er ist rein dwatsch — rein toU — rein
rasend — rein von Sinnen^ er ist ganz
und gar anzorechnungsfahig und wü-
tend. Er hat sich für ihn rein auf-
gerebbeltf er ist mit Aufopferung in sei-
nem Interesse thätig gewesen. Es ist
rein aUer^ es ist völlig verbraucht, es
ist ganz und gar nichts mehr von der
Sache vorhanden. Met ju ^t rein ut.
Dorr, 1. Wiew., 70. Er rennt mtch
rein um. Rein nuscht sagen^ völlig
schweigen. Ihm fehlt rein gar nichts^
renches nuscht nich^ gar nichts. (Saal-
feld). 6. wahr: reines Wunder. Et
weer en reinet Wunder^ dat mi nich
ganz de Pust verging. Dorr, 1. Wiew.,
86. 7. ähnlich, fast echt: das ist rein
wie Gold^ es sieht dem Golde tauschend
ähnlich.
'rein, adv., auch 'reiner, 'rin, 'rinner,
herein, hinein. Gegensatz; 'raus.
Reinfall, m.^ Name des Weines von
Rivoglio in Istrien, vinum rifolium^ bei
den Alten vinum Pudnum^ der am Hofe
der Hochmeister gern getrunken wurde.
Mühling. Bei Schmeller UI, 95,
Rainfal.
Reiniger, m. Yom., Reinerus. Hart-
wich, 54.
Reinstoff, m, s. Klftrken.
reisch, adj. Ihr (der Braut) unbe-
griff^ner Grürtel Fleckt darumb nichts
ob ihre Arme füllt Ein reischer Falck.
Carm. nupt. I, 264.
Reise,/! l.Gang,Fahrt. JederGepäck-
träger nennt seinen Geschäftsgang eine
Reise; ebenso jeder Droschkenkutscher
seine Fahrt. öcksoUu)olömmer deschlechte
Reis hebbe. Kgsbg. Jeroschin nennt
Feldzug, Eriegszug eine Reise: den
Albrecht man sach mit andrin brüdrin
reise vam 129a, und öfter. Pfeiffer,
209. 2. Pülausche Reise^ Diarrhöe.
S. DUnne.
Reisekahn, m., Flufzfahrzeug mit fla-
chem Boden, 30—70 Fulz lang und
12—22 Fufz breit. Die Reisekahne
tragen 15— 60 Last und gehen 2 — 7 Fufz
tief. Pregel. Deime. Gr. Friedrichs-
graben. Gilge. Niemen. S. Hirsch,
Danzigs Hdlsgesch., 163.
reisen, sw.^ gehen, ziehen. Nu woU
wi man reise^ nun wollen wir nur ge-
hen. Mhd. zu Felde ziehen. Bei Je-
roschin: st müstin alle reisin in tSt-
Itchin vreisin nach iren hergeseUin an
undirldz zur hellin 37 d. also st hin
reisten in der Pogezenin lant 103 d.
Pfeiffer, 210.
Reifzaal, plt. Rttaal, so aber auch von
Hochdeutschen gebraucht, m. l. ge-
rissener und geräucherter Aal. Hen-
nig, 212. 2. PrögeL Einem Rttaal
geben y ihn durchprügeln, ihm etwas
überreifzen.
reifzen, st. 1. schleifzen. Federn
rei/zen. 2. stechen beim Kartenspiel.
Rit dem Kathrtnke! ruft der Stechende.
3. schlagen mit Stock oder Peitsche:
einem eins rei/zen, auch überrei/zen. 4.
sich rei/zen, sich mit Eifer um eine Sache
oder Person bemühen. Wie hat den"
sich nach ihr gerissen!
Reifzer, m. 1. Person, die zu rei/zen,
an sich zu bringen versteht; Eommis,
der Käufer von der Strafze in den
Laden lockt und zieht. Nach Trei-
chel auch ein Kaufmann, der viel aus
einer Ware herausschlägt. 2. Tafel-
ente, Anas ferina. Drausensee. Müh-
ling, Tiem., 176.
Reifzfisch, m., Fisch, der gerissen,
gespalten wird, s. Bressem.
Reifzknochen, m., Brustbein des Ge-
flügels. Es heiTzt deshalb so, weil es
bei Tische von zwei, namentlich jungen
222
Reilsiieder — Rekel.
Personen, gern zerrissen wird. Jede
der reifzenden Personen denkt sich da-
bei etwas; die erlangte gröf'zere Hälfte
des Knochens bürgt für die Erfüllung
des Gedachten.
Reifznieder, m., volkstümliche Be-
nennung für Branntwein, weil er zu
Boden wirft
Reirzteufel, pltd. Rttdiwei, m., s. Rtte-
spllL
Reibung, pld. Rttung, Rtting, /., das
Reil'zcn, Rheumatismus. Ich habe Rei-
fzung in allen Gliedern. He schröcht
mi de Ore voll äwer Rtting am Krtz.
Kgsbg. Firmenich I, 102a. Riting
auch Risse, Hiebe: et wart tcol Riting
gevoe. Ibid. 102 b.
Reiteisen, n., die Schar an der lin-
ken Gaffel des ostprenizischen Pfluges,
der Zach (s. d.), weil sie auf der Seite
des Reitochsen liegt.
reiten, «^, equitare. In Redensarten:
Der Teufel reitet ihn. M! rött dat On-
glock. Einen zum Wasser reiten Triok-
art im 15. Jahrhundert. Eine Schale
Bier steht mitten in der Stube. Einer
stellt sich auf alle Viere, ein anderer
besteigt ihn als Reiter und treibt ihn
zur Tränke. Der Kriechende hat die
Schale zu leeren. Mühling.
Reiter, m. 1. spanischer Reiter^ frü-
her Bezeichnung für den Kunstreiter.
Die spanischen Reiter kommen! Kgsbg.
Vgl. die spaniscJien Reiter unter Kappel.
S. Fuhrmann. 2. Boje aus einer etwa
6 m langen Stange bestehend, die in
der Mitte mit Korkholz umgeben ist,
an der Spitze ein Fähnchen trägt und,
an einem Steine verankert, senkrecht
auf dem Wasser schwimmt. Sie dient
als Marke für die Lage des Netzes.
S. Benecke, 379. 403.
Reitersalbe, pltd. RTtersalv, /., auch
spanische Reitersalbe, Medik., Unguen
tum pediculorum.
IMterskraut,Pflzn., aloeblättrige Krebs
schere, Stratiotes atcides L. Hagen
1050.
Reitbom, n., die linke Gaffel an de
Zoch^ weil sie auf der Seite des Reix
ochsen liegt
Reitochs, pltd. Rtdos, Hennig, 21S
Rietofz^ der Leinenochse, der vom Pfln
ger links gehende Ochse Der Name \%
analog dem Pferdegespann gebilde
S. Zoch. Reitochs sonst un verschnitte
ner Stier; Zuchtbulle. Frisch B
109a. Adelung 10, 1078.
Reitschlitten, plt. RTdschiede, «n., ii
Voc. 305: Rgetslete, leichter Schlittei
Einspänner, in dem man reitend sitzt.
Reitwagen, m., leichte Droschke (s. d.
in der man rittlings sitzt, gegenwärtij
aufzer Mode; in älterer Zeit Reisewa
gen, Packwagen, Kriegs wagen, ahd
reitwagan, reiticagen, amhd. reitwagef^
Schade, 710a.
Reizche, n., s. RTzchen.
reizen, sw, im Kartenspiel dorc!
herausforderndes Ausspiel nach de
Farbe fragen.
Reizlce, n., s. RTzchen u. Pilz.
Rejadel, m., nicht mehr gebräuchlich
Benennung für den Gerichtsdienei
Wachtmeister. Ermland. Mühling.
RSIceJy m. 1. fauler, unfeiner Mensel
der sich reckt und dehnt, langsam sie
bewegt, mit Unmanier sich setzi
flegelhaft sitzt. Davon RSkelei, /*., rt
Icelhaft, adj.y rSIceln, sw. 2. Spottnam
für die Bewohner von Barten. Barter
scher R6kel. Am Bartner Amt, eine
alten Ritterburg, befindet sich auf eine
wallartigen Erhöhung, nahe dem Baupt
gebäude, ein roh gearbeitetes Steinbild
das Brustbild eines Mannes darstellend
Rßm — R^per.
223
der Bartensche Rekel. Man sagt, es
solle das Bild des Erbauers der Burg
sein. Behnisch, 16, leitet Rekel her
von dem in preufzischen Urkunden
vorkommenden ryks^ rekis, reyks = rex.
N. Pr. Prov.-Bl. III, 123. Sprw. I,
247. 248. Vgl. Bartel 3. Rabe. Ei,
Rekel, springt brav! Säd de Kreeg nu
to dem Raw. Volkr., 113, 548.
Rem, RSmen, n., rSmen, m., s. RT-
men.
Remei, Pflzn., s. Romei.
remmer, rimmer, rSmmer, rummer adv.,
herum. Reinmer etc. rennen,
remOren, sw., rumoren, spektakeln,
herumpoltern.
rempeln, sw., in anrempeln, anrennen,
anlaufen mit Stofz. Studentisch.
Remter, m., Bock, 50 u. Hennig,
206, schreiben Rämter, groizer Saal in
den Gemeindegärten. In Königsberg
besteht nur noch der Löbenichtsche Rem-
ter als Tanzsaal. Da es sich in der
Zeit trefen mochte, dafz der (Kneip-
höfsche) Rembter an Leinentänzer, Co-
moedianten vnd dergleichen j vermietet
würde etc. Morgenspr. in 1678. Die
Zünfte, 35. Die Festsäle der Marien-
burg heifzen ebenfalls Remter: der
gro/'ze, der kleine Remter. Das Wort
ist wohl eine der zahlreichen Entstel-
lungen von refectorium: in Hamburg
Reventher, in Holstein Reventeer, in
Bayern Refenter, Rebenter, Revent etc»
Brem. Wb. HI, 477. Richey, 210.
Schütze m, 289. Schmeller HI,
61. Frisch II, 95a.
rftn, adj, u. adv., s. rein.
Renfisch, m., Rheinfisch, s. Bressem.
rennen, st, rinnen, fliel'zen. Das
Wasser rennt,
rennsch, adj,, vom Pferde, das sich
der Lenkung entzieht und durchgeht;
vom Hengst, der nach der Stute ver-
langt. Die erste Bedeutung wurzelt
in rennen, die zweite wohl in dem ahd.
mrenno, reinno etc. Hengst : in Pommern
torenschen, im Brem. wrensken wiehernd
nach der Stute verlangen. Dähn,
558b. Brem. Wb. V, 297. Schade,
1202a. Schemionek, 32. Hennig,
112.
rentlich, adj., reinlich. Ein rentlicher
Mensch.
R6p, R6f, Reif, m. u. /., Leine, Seil,
Strick, Tau; ahd. u. mhd. reif, engl.
rope, schwed. rep, dän. reeb, holl. reep,
f. Brem. Wb. IH, 480. Schade,
708a. . . . zween Schlitten, zwo Winden,
die Leinen oder Reepen, die an jeder *
Seite 200 Faden halten . . . Die ange-
zeigten Leinen oder Reepen dürfen nicht
von einerlei/ Dicke und Stärke seyn.
Bock, Nat. IV, 716 f. Das Netz loird
an einem Reef von 90. Klaftern in eine
Wune unter das Eis gelassen und mit-
telst einer Winde wieder aufgezogen.
Fisch.-Ord. f. d. fr. Haff, § 38. Auch
das Ende Tau am Garn- oder Netz-
flügel, woran die eigentlichen Refe be-
festigt werden, heil'zt Ref. Hennig,
211.
reparSre(n), sw., reparieren, aus-
bessern.
RSpe, /. 1. Raufe. Frisches Heu in
die Repe werfen. De kann met de
Schap ut eene Reep frete, der elend
Aussehende, Kränkliche. Sprw. I, 3239.
2. s. V. a. Räpel (s. d.) Hennig,
211.
RSper, Röper, Repschläger, Refschläger,
Reifschläger, m., Seiler, Vorarbeiter des
Hanfes und Flachses zu Stricken und
Schiffstauen ; von Rep, Rof, Reif. Reep-
schlägerbahn, lang sich ausdehnender
Platz zum Seil- und Taumachen, in
Danzig (seit 1390) und Elbing; in
Königsberg Reperbahn, hchd. Reifer-
224
Repetschke — Retchen.
hahn (alte and neue), jetzt auch Stra-
fzen, die neue yoUständig; in Danzig
Röpergasse (seit 1357); in Königsberg
Reifachldger'^ pltd. Repscfddgergasse.
Hirsch, Dzgs. Handelsgesch., 324.
Schemionek, 32. Frisch II, 104c.
Brem. Wb. lU, 481. Hennig, 211.
Repebchke, m.^ Frosch. Gegend von
Wehlau, Labiaa. In ersterer scheint
der Name auch ein koboldartiges We-
sen zu bezeichnen, indem es von einem
Ackerbesttzer, dessen Land durchaus
nichts tragen will, heifzt: De heft Re-
petschke op em Land. Wäre für die
Herleitung des Wortes an das lat. re-
pere^ reptare kriechen, zu denken?
reppen, sw.^ berühren mit Worten, in
Anregung bringen, etwas fast Verges-
senes wieder aufrühren. Wo aber pnant
die (durch Vertrag abgeschlossene) aach
reppen oder gedencken wurde oder vn-
billiger fumemen wü man den vbertreter
stToffen. Gartenbuch: in 1539. Die
Zünfte, 51. Mnd. Wb. IE, 465a, rep-
pen^ repen, ropen rühren, anrühren, be-
wegen.
rtr, adv.^ s. rUr.
rfirkes, rehrkes, adv,^ von reren rüh-
ren. Wi he reehrkes stell darsatt, wie
er ohne sich zu rühren, zu bewegen,
still dasafz. Dorr, Driewjagd. Bi
Noaber Freesen gink ock reehrkes stoü
verbiß ohne Geräusch zu machen, ruhig.
Dorr, 26.
r§rzageln, sw., ^. rUhrzageln.
rtsch, rSschy adj, u. adv,, hart ge-
backen oder gebraten, croquant, stark
geröstet, knusperig, so dafz das Ge-
bäck oder der Braten beim Brechen,
Anschneiden oder Beifzen rauscht und
kracht. Resche Zfwieback, Nach Gor-
dack auch resches (von der Sonne ge-
dörrtes) Oras, Heu, Das Wort ist schall-
nachahmend. In Posen reesch. Bernd,
236;bei Frisch n, 122b, rwcA. Bock,
52. Hennig, 213.
rtochen, rSschen, sw.j r^ch machen;
nach Mühling auch frieren.
re8chpekt6re(n), sw,, achten mit dem
NebenbegrifF des Fürchtens. v. Au er.
Rtoke, m., Leisten. De Schuster heft
Ledder, keen Reesken darto. Dorr,
68. Volksr., 7, 30.
re80nnSre(n), sw,, räsonnieren, murren,
brummend Einwendungen machen; das
frz. raisonner,
Resty m., Ende. Einem den Rest ge-
beny ihn völlig zu Tode bringen, ihn
gänzlich zu Grunde richten. Das hat
ihm den Rest gegeben,
rteten, sw., Flachsrösten. Sperber,
26. S. rtten.
Rester, Röster, in Westpr. auch RMery
n., Lederflick, mit dem das schad-
hafte Oberleder des Schuhwerkes aus-
gebessert wird. Hennig, 211, weist
für die Abstammung auf das nd. rehen
reihen hin. Lit. riszti binden, varai'
szytqfis ein Flicker. Lit. Aeq. , 21.
In Hamburg und in Bremen auch
Reister. Richey, 209. Brem. Wb. III,
467.
rfistem, rBstern, rTstem, «to., ein R&ter
auflegen. Den Stiefel berestem lassen.
NachTreichel übertragen: eine Sache
wieder in Gang bringen; so nament-
lich ausrlstem.
. Resun, /. 1. Matador beim Solo-
spiel. Natangen. 2. bei den Seeleuten
die Menage, also Ration. 3. Raison.
Retai, m., s. Ratei.
Rfitchen, n., Rietchen, spanisches
Röhrchen. Strafinstrument in Schulen.
Er hat mit dem Retchen bekommen. Es
ist das Dem. von Rtth Ried, Schilf-
rohr, angs. hreody engl, reed, hoU. ried,
franz. roseau. Vgl. das lat. reta (retare
einen Fluiz vom Rohr reinigen). In
R^te — Ribbengasse.
225
Bremen Reit^ Reet^ Riet, Brem. Wb.
ni, 467. Hnpel, 189. Hennig,
334.
RSte, R8te, RSfze, /. 1. die Röste,
Ort in einem Flusse oder Teiche, in
welchem Flachs geröstet wird. Den
Flachs in die Rete legen. In Bremen
Rate die Fäulnil'z, das Verrotten^ auch
der Ort, wo etwas fault Brem. Wb.
III, 439. In Bayern iZq/}?. Schmeller
m, 138. Hennig, 214.
rtten, rtftten, reuten, sw.^ den Flachs
rösten. In Bremen raten rotten, ver-
rotten, üaolen^ engl, rot^ angs. rotan^
rotian, Brem. Wb. HI, 438. In Bayern
röfzen^ auch rötzen. Schmeller III,
138. 175. Im Götting. roten. Schamb.
175a.
reter6re(n), ««?., von dem frz. retirer
zurückgehen, sich zurückziehen, in
Sicherheit bringen. Öck wuU ml mit
min KoK (die auf der Weide krank
geworden war) to Hus reterere. v.
Auer.
Rfitkamm, (ntkamm, m.^ Kamm, etwa
von der Länge des Gambaumes, mit
Holzzähnen, durch welche je ein hal-
ber ^Gang," d. h. 10 Fäden des Auf-
zuges gezogen werden, damit diese
regelrecht neben einander zu liegen
kommen und gleichmäfzig angezogen
werden. Ret^ Rei% Rtt Rohr, woraus
ursprünglich die Webekämme gemacht
werden. Brem. Wb. UI, 468. Vgl.
Das Wirkgestell, 128.
rets, rfiz, rfizerschy rSzach, ado.^ jetzt,
eben, soeben, plötzlich. Elck kenn mank
gavdet Wief^ de alle Dage wettert on
denckt: o wenn eck doch reeds man noch
Junfer weer! Carm. nupt. V, 264 b.
Denn lafz es aü reis (eben) geschdne.
Ermland. Reez (plötzlich) kämm V
aber an 'ne See. Schaltj. 3, 6. Er
kam rez (plötzlich, schnell) um die
FriMhbicr, Wörterbuch IL
Ecke. In Natangen auch: früher, ehe-
mals, vormals; in Pisanskis Nachtr.:
schon, bereits und dann gewöhnlich
rSdy rtds, airfid, aIrMs, engl, already,
holl. reedsy alreede. Lehwster Gott! Se
iss wol rehts krankt sagte sie bewegt
Soph. R. IV, 450. Hermes übersetzt:
Lieber Gott! Sie sind wohl krank?
Vgl. Brem. Wb. m, 453. Dähn.,376a.
Hennig, 209.
retten, redden, sw.y stehlen. Redden
heet dat bi ons noble Lied! Stehlen f
pfui! Dorr, I. Wiew., 19.
rettern, sw.y s. rattern.
reuten, sw.^ s. r&ten.
rfiw, adv.^ s. rllw.
rewalgen, sw.^ gehen, wallen, wan-
deln. Wt motte rewalge^ wir müssen
gehen. Wo möge dei nü rewalgey wo
mögen die sich jetzt aufhalten, wandeln?
Samland. Vgl. drawalgen.
r&z, rfizasch, rfizersch, adv. s. r&ts.
Rhabarberbeeren, plur. s. d. flg.
Rhebarber, m., Berberize, Berberis
vulgaris L. Bock, Nat. HI, 177. Auch
Rhabarberbeeren. Pritzel, 57.
Rheinfisch, m.^ s. Bressem.
Rt, /l 1. schmale Wiese, die sich
an einem Bache hinzieht; auch Bruch:
EUert = Ellerbrach. öck hebb uk
nuscht gefangen öm Brak on on der Rt.
Dorr, 27. 2. Begraster Rand, Ab-
hang eines ehemaligen Grabens: Wir
haben nur noch die Rt zu hauten.
Ribb, Ribbe, /. 1. Rippe. Das schlägt
an die Ribben^ macht fett. Das geht
an die Ribben, greift an, mattet ab.
2. Ribbe als Handelsartikel: Ribben
(eine Art Holz) 1476 Stück (aus Me-
mel ausgegangen). Bock, Nat. I,
608.
Ribbenfett, n., Rippenfett. Es giebt
Ribbenfett, es giebt Prügel.
' Ribbengasse, jetzt Rippengasse, /.,
15
226
Ribbsper — Rick.
Stral'ze in Königsberg. Sie hat ihre
BenennuDg von ^einer Ribbe, die an
eines Leinwebers Yalerii Geifzlers
Hause, etwan acht Ellen lang gehangen,
and von demselben nachmals auf die
Lastadie verkauft worden". Erl. Pr. I,
549. Hennig, 211.
Ribbspfir, RippspSr, n., Rippenbraten,
namentlich gebratene Schweinerippen,
welche hohl zusammengenäht und (ge-
wöhnlich mit Pflaumen) gefüllt werden.
Schwed. reßensspjäll. Hennig, 112.
Rieht, Richte, pltd. RScht, f., gerade
Richtung, Direktionslinie, der geradeste
und kürzeste Weg. In die Rieht gehen^
einen Umweg vermeiden, den kürzesten
Weg gehn. Es ist über Schaberau in
die Rieht, zur Bezeichnung eines be-
deutenden Umweges, einer unnützen
Arbeit. Von Tapiau nach Wehlau
führt über Feld ein Richtweg, von dem
man sehr leicht ab in die nach dem
Dorfe Schaberau führende Stial'ze kom-
men kann; man macht alsdann einen
weiten Umweg nach Wehlau. Sprw. I,
3230. Einem in die Richte kommen^
gerade auf ihn zugehen ; ihm entgegen-
kommen, zuvorkommen; seinen Aus-
flüchten vorbeugen. Rieht über^ in ge-
rader Richtung gegenüber. In der
Saalfelder Gegend nichts, adv,^ gegen-
über. Brem. Wb. HI, 448. Schmel-
1er HI, 31. Bock, 52. Hennig,
211. Vgl. gericht
Richte, /. Aiceh soll er (der Zunft-
Bruder) nicht Macht haben^ einen alten
Zug zu belegen mit der Richte und ei-
nen neuen aufzusetzen etc. Rolle d.
Kgsbg. Fischergilde v. 1662. Bock,
Nat. V, 563.
richten, sw. 1. etwas in die gerade Li-
nie bringen, nach einer geraden Linie
arbeiten; übertragen auf den Menschen:
Er kann nichts mit ihm richten^ nichts
mit ihm anfangen, ihn nicht auf den
richtigen, geraden Weg führen. 2. auf-
richten. Ein Haus inchten^ das Zimmer-
werk auf den Mauern zusammensetzen
und aufrichten, so dalz das Haus seine
volle Gestalt gewinnt. Dasselbe was
beren. Goth. raihtjan^ ahd. ri&toit,
mhd. rihten, alts. rihtjan, schwed. rätOy
rdtta in die Höhe richten. Vgl. das
lat. erigere und erectio. Adelung UI,
1100. Schade, 714b. Hennig, 212.
Richtholz, 72., Richtscheid, Handwerks-
zeug der Maurer und Zimmerleute.
richts, ado,y s. Rieht
Richtschmaus, m., Schmaus, den der
Bauherr nach dem Richten des Gebäudes
den Bauhandwerkem giebt
Richtsteig, Richtweg, m., Fufzweg, der
in die Richte geht, die Bogenumwege
der Landstraizen abschneidet; gerader
kürzerer Weg überhaupt. . . . da/z eine
solche mächtig grojze und unglattbUche
Reyse durch einen sehr bequemen^ kurt-
zen und der Natur gantz ähnlichen Richt-
steig möge verrichtet werden, Linem.,
M2b.
Richtstroh, pltd. RSchtstrau, n., Stroh,
welches die Richte, Richtung hält, al-
so gerade und ungeknickt ist. Es wird
vorzugsweise zumDachdecken gebraucht.
Ygl. Langstroh und Krummstroh.
Richtweg, ?n., s. Richtsteg.
Ricl(, RUcl(, n. u. m., lange Stange,
langer Ast, Latte. Wann einer wird
aber die Berge zeunen oder rücken^ so
wird er inehr Pfäle und Ricke bedürfen^
als in der Ebene, Linem., Ss 4b.
Bohnenrick^ Bohnenstange. Zaunricky
Ast oder Sprosse eines Rickzaunes,
Er ist trocken wie ein Rick. Ein ein-
rickiger Zaun^ Zaun mit einem Rick.
In Bayern ist Rick eine fortlaufende
Reihe (Steinrick) oder ein Gestell, lun
etwas der Reihe nach daran, darauf
ricken - Rimen.
227
zvL hängen, zu stellen. Sc hm eller m,
42. Von recken ausdehnen. S. Ha-
gen,
ricken, rtlcken, pltd. rtfcken, sw.^ einen
Zaun aus Ricken setzen.
Ricken-, RUckenzaun, m., s. Rickzaun.
Rick-, RUckstamm, m., Holzstamm, aus
welchem Ricken geschnitten werden.
Rick-, Rickenzaun, Rück-, RUckenzaun,
m., Zaun aus Ricken. Seine Haupt-
stützen sind Fichten-, Tannen- oder
Eichenpfahle; Aste, Latten, Schwarten
bilden die Verkleidung oder den Schlufz.
Vgl. Stackelzaun, Strauchzaun.
Rtdel, 7n., Spaten, Grabscheit. Von
dem gleichbed. poln. rydel. Passeuheim.
Rtdos, m., s. Reitochs.
riechen, aty aufzer der gewöhnlichen
Bedeutung: 1. merken, wissen, voraus
wissen. Das kann ick nicht riechen^
ich habe keine Bundsnase, 2. stinken.
Pfuiy loie riecht das hier!
Riecher, pltd. Rtker, m. 1. Nase. In
einem Volksrätsel: Op em Lecker steit
e Rtker. 2. Bildlich: Er hat einen gu-
ten Riecher, er kommt zu einer An-
gelegenheit rechtzeitig, wie gerufen.
Sprw. I, 3140.
Riechsei, pltd. RTksel, n., etwas, das
gut riecht, ein Blumenstrauiz u. dgl.
In Pommern RükCy n. Nach Müh-
ling auch das einmalige Riechen.
Riefholz, w., bei Stein III, 3, Ruf-
hoher unter res nauticae.
Riemchenschneider, m., ein auf seinen
Vorteil bedachter Kleinigkeitskrämer.
Treichel. Verwandt mit dem folg.
Riemchenstecher, m. 1. Riemenstecher,
Gaukler, der einen Riemen so ge-
schickt in mannigfache Krümmungen zu
rollen verstand, dal'z, stach man in
eine derselben hinein, der Stich immer
neben dem Riemen hinging. Frisch
II, 119c. Später Spiel der Schuljugend.
2. Freund des schönen Geschlechtes;
von Riemen = penis. Vgl. Sprw. I,
3142.
Riemen, m. 1. Ruderholz, Ruder.
Hirsch, Dzgs. Handelsgesch. , 254.
W. Seidel, 34. S. RTmen. i.penis.
Riementräger, />2ur., in Dzg. eine Zunft,
welche die aus den Schiffen ausgelade-
nen Waren auf Tragbahren fortschaffte.
Ihre Mitglieder zeichneten sich dadurch
aus, dal'z sie über ihren Kleidern weiize
Hemden und schwarze Schurzleder tru-
gen. W. Seidel, 34.
Riene, /., Rinne. Die drei Überfälle
—
sind der Marienhurger Überfall^ die El-
binger Reihen^ Riene genannt^ und der
Rodacker Überfall. Königsbg. Hartg.
Ztg. 1875. Nr. 30. Abend-Ausg.
Riesenburg, Ortsn., Stadt in Westpr.
Er ist ein Riesenburger^ ein riesiger
Mensch. Simon Grünau in seiner
Chronik meldet, „dai'z 5 Ellen hohe
Männer die Stadt Riesenburg mit dem
Schlofz gebauet hätten, welche Burg
der Riesen von dem deutschen Orden
zerstöret worden.** Der pr. Sammler II,
1243. Sprw. I, 3146.
Riesenglocice , Pflzn. , breitblättrige
Glockenblume, Campanula latifoUa L,
Auch gro(ze Waldgioclce. Hagen, 231.
RTge, Rlje, /., Darre, Trockenscheune,
lit. rej^^ lett. rija^ russ. riga. Nsslm.
Forsch. 3; Th., 148.
rlgeln, sw.y nach einer Ursache zum
Zanke suchen. Friedland Ostpr.
Rigg, n., s. RUcIcen.
RTke, w. Vom., Kürzung von Frie-
derike.
RTmen, R6men, R6m, 7/1., langes Ruder,
lat. remuSy franz. rame. Bei J e r 0 s ch i n ,
88 d: rlmen unde stuir Riemen und
Steuerruder. Pfeiffer, 228. Unsere
lö*
228
rimmer — rit».
SchifiFer sagen statt Rtmen und Steuer:
Rimen und Ruder. Davon rTmen, rfi-
meriy sw.^ rodem.
rimmer, adv,j s. remmer.
'rin, adv., s. 'rein.
Rinderweizen, m.^ s. Tag und Nacht
Rindkest, /., s. KesL
Rindsauge, Pflzn., weilze Wucher-
blume, Chrysanthemum leucanthemumi
L. Auch Johannisblume. Hagen, 889.
ringer, adv.^ geringer, wohlfeiler im
Preise, weniger. Ringer kann ocKt nich
läte^ wohlfeiler vermag ich's nicht zu
verkaufen.
ringem, 9w,^ gerioger machen, ver-
ringern, im Werte herabsetzen.
Rinnbahn, /., Zwischenraum zwischen
den Flugein des Wenters, d. h. der
Raum, den die Fische benutzen können,
um in den Wenter hinein (^rm) zu ge-
langen. Benecke, 384.
Rinne, /., das Gerinne, Kanal zwischen
den Kampen,
'rinner, adv.^ s. 'rein.
Rinnstein, pltd. Rennstfin, m., das Ge-
rinne im Strafzenpflaster, das sich den
Häusern entlang zieht. Ebenso in der
Niederlaus. Anton, 12, 9.
rintlich, pltd. rSntlich, adj.^ reinlich.
JSr üt ein rinüicher Mensch,
Rippentriller, m., Stolz in die Rippen.
SuU öck dl e Rippetriller gewe. Königs-
berg.
Rips, m., Pflzn., Kohlraps, Raps, Bras-
sica napus L. Nach Hagen, 702, auch
RUbs, RUbsamen, ölsamen.
ripsraps, intetj. zur Bezeichnung eili-
gen Zugreifens; vgl. rapsen, Ripsraps^
da war's aller — da waren die Kir-
schen auf. Auch ripschrapsch. Volksr.,
127, 532. Bock, 52. Hennig, 212.
Vgl. ,Weigandn, 479.
riieln, sw.^ rieseln. Es riselt mir durch
Mark und Bein.
rTsen, sw.^ sich^ sich aufrichten, er-
heben; daher gewöhnlich aufrfsen, sich
in die Höhe richten. Das Pferd rist
sich^ es erhebt sich auf den Hinter-
beinen. /2/V di^ mtn Sdhn^ stehe auf!
In Hessen hat rtsen die gegenteilige
Bedeutung: sinken, fallen: das reife
Obst rtst. Vilmar, 328. In beiden
Bedeutungen ist es mhd. rtsen^ ahd.
rtsan sich von oben nach unten oder
von uDten nach oben bewegen, fallen,
steigen, alts. rtsan aufstehen, sich er-
heben, goth. reisan, S. Schade, 718a.
Hennig, 216.
Riss', Risse, plur.^ Hiebe, Schläge,
Prügel. Es giebt Risse. Gieb ihm einen
Ri/z! Wie wöa nach ön de Schul ginge^
da gabs dach all foat Rofz^ dafz wa
ons de Hose voll schösse. Ermland.
Firmenich HI, 103b. Hennig, 212.
Rtster, n., s. Rtoter.
Rttaal, m., s. Reifzaal.
RTtdtwel, m., s. RltesplTL
RTtespiTt, m., zur Bezeichnung eines
Menschen, namentlich eines wilden Kna-
beü, der seine Kleider schnell zerreifzt.
Er ist ein rechter Rttesplit. Aus rtten
reifzen und spltten spleü'zen tautologisch
gebildet. Man nennt einen wilden Jun-
gen, der die Kleider rasch aufträgt,
auch Reifzteufel, pltd. Rltdtwel. In Ham-
burg Rietenspliet^ Rietup. Brem. Wb.
HI, 507. In Pommern RitspUit auch
ein solcher, der alles an sich reifzen
will. Dähn., 383a. Danneil, 173a,
Hupel, 190: Rei/zspleis. Hennig,
212.
Ritkamm, m,, s. R6tkamm.
RTtnagel, m.^ s. SpITtnagel.
rlts, interj. schallnachahmend, ge-
wöhnlich in Verbindung mit räts, zur
Bezeichnung des Tones, der beim Wer-
fen, Ausschütten, Schlagen etc. gehört
wird. Ätto, seggt de Bur on schött ön
Ritt — Rocklor.
229
e Äffte. RitsrdtSy schott de Bür ön e
Arfte. Sprw. I, 274. Rttsrdts, da hatte
er die Ohrfeigen weg.
Ritt, 9n., ^wird von jeder Handlang
gesagt, die kurz, aber mit Beschwerde
vollbracht worden ist. Es kostete drei
Ritt, bis icKs zu Stande gebracht^.
Hennig, 334. Dat ös e Rött, seggt de
Schmodt^ on titt de Kobbel den Warm
ut e Nasch y dat se schott. Kreuzburg.
Rött kann hier durch Rifz, von rcüzen,
und Ritt, von reiten, übersetzt werden.
In Pommern Ritt, n. In enen Ritt,
auf einmal. Dähn., 383a.
Ritter, arme. Semmelschnitte, über
welche Eier geschlagen sind, in Butter
gebacken. Bock, 152, und nach ihm
Hennig, 212, erzählen, dafz zu der
Benennung ein armer Ritter Veran-
lassung gegeben habe, der mit diesem
Gebäck seine guten Freunde bewirtete
und sich entschuldigte, wie er als ein
armer Ritter ihnen nichts Besseres
vorsetzen könne. Nach Mühling hört
man in Deutschland noch den Zusatz:
in Elendsfett gebacken. Denn seine Sonn-
tags-Kost heist Stint und arme Ritter.
Carm. nupt, H, 199 c. Vgl. Bock, Nat.
I, 266.
Ritterkreuz, Pflzn., Wiesensalvei, Sal-
via pratensis L. Hagen, 37.
RTtwurm, m., s. Schrotwurm.
Ritze, /., Spalte überhaupt; Spalte in
der Bretterbekleidung des Ful'zbodens.
Er ist in die Ritze gescharrt, wenn je-
mand nicht sogleich auj^ufinden ist.
Auf die Ritze hauen, Glück im Karten-
spiel haben. Um zu erproben, ob je-
mand angetrunken ist oder nicht, läfzt
man ihn auf der Ritz' gehen. Sprw. I,
3149 ff. Sperber, 27.
Rttzlce, m., s. RTzchen.
rTWy adv.y s. rllw.
RixhSfty Landspitze am Anfange der
Landzunge Heia. Haft = Haupt, Spitze,
Landspitze, Vorgebirge; Riahoft = des
Reiches Spitze. Vgl. Spruner, Histor.
Schulatlas, Karte 3.
Rtachen, pltd. RTzIce, auch Reizche,
Reizice, n, n. m., el'zbarer Schwamm,
Reizker, Rietschling, Agaricus delicio-
sus L. Poln. rydzy rydzek. Nach Bock,
Nat. HI, 617, unterscheidet man in
Preufzen: Steinreizke, Kemling oder
Bruchreizke und BirkUng oder Birken^
reizke. Bock, 53. Hennig, 216.
rTzrftz, interj., s. rlts.
Robötty Robötte, m., Frohndienst,
Scharwerk, Hand- und Spanndienst,
schwere Arbeit überhaupt. Poln. ro-
bota, russ. raböta Arbeit, lit. rabatä
Arbeit, Mühe, Plage; russ. rab Sklave,
Leibeigener. Nsslm. Forsch. 3; Th.,
149. Schmitt, 108; Westpr., 167.
In Bayern Robaty Robold, Robald^ f,
SchmellerUI, 9. Davon Roböttbauer,
m., Scharwerksbauer. Mühling.
robötten, gewöhnlich rabötten, sw.^
stark und angestrengt arbeiten. Ra-
batten gehen, zur Arbeit gehen. Ich
habe den ganzen Tag zu rabotten.
ROch, m. 1. Rauch. 2. Rauchfang
und daher Herd. Neben dem soU jeg-
licher Wirth, sowohl die vam Adel, als
Freyen oder Pauren von jedem Roch
aber den jetzt gedachten Decem 8 Schill,
Schülergeld jährlich zu geben schtUdig
sein. Grub. Corp. Const. Pruten P. I. N. 1.
Von Erwehlung der beyder Bischof
Samlandt und Pomezan im Herzogthum
Preulzen, d. anno 1568, pag. 10. Hen-
nig, 212.
RocIceUceim, Ortsn., Dorf im Kreise
Wehlau. Vgl. Schallen.
Rocken, m,, Roggen, Seeale cereale
L.; üblicher Korn. S. Hagen, 137.
RocklOr, m., mantelartiges Kleidungs-
stück. Von demselben hielz es: V^e
230
Rodacker — Roggenwolf.
e Schnob on hinde e Singohr^ vorne
eine Schnippe and hinten ein Singohr (?).
Wehlau. In Natangen ein Überrock.
Franz. roquelaure nach dem Herzog
von Roqaelaare (f 1738), der diesen
Mantel einführte. Weigandll, 483.
ROdacker, m., gerodeter Acker.
Roddog, Roddow, n., s. Rotauge.
Rode, /., die gerodete, urbar gemachte
Palwe; auch Neubruchy m. u, n. Bock,
Nat. m, 767. Weigandll, 483: das
Rod^ der angerodete Boden, ausgereu-
tete Platz.
Rode, /., lange Stange, die bei der
Fischerei unter dem Eise gebraucht
wird. . . . die Gabeln, womit (bei der
Winterfischerei) die Stangen unter dem
Eise fortgeschaßt werden, die hier Roo-
den Imjzen und 60 bis 70 Fujz lang
sind. Bock, Nat. IV, 717.
Rodel, n. 1. Ruder. Denn schmiet
wi Roodel on Lomm ant Sied (an die
Seite). Dorr, 21. 2. s. v. a. Rodel
(s. d.).
roden, sw., gewöhnlich in der Zu-
sammensetzung ausroden, pltd. utrOde(n),
sw., ausreuten, Baumstumpfe, Gestrüpp,
Unkraut mit der Wurzel aus der Erde
herausarbeiten. Hennig, 18,213. Wei-
gandll, 483.
ROder, m., der Ruderer, Beiname für
den fliegenden Storch: Hadebdr, du
Roder, Bring' mt e junge Broder. Volksr.,
50, 191. Rochholz, 87. S. Nester u.
Steiner.
ROdergat, n, älterer Name für den
Kucker, die Öffnung, wo das Steuer-
ruder am Hintersteven an Deck kommt.
Hirsch, Dzgs. Handelsg., 265.
rOdlachtig, ad},, s. lachtig.
ROfe, /., Raufe, Futterleiter.
RogftI, n., s. Regftl.
Rogfttsch, m , Pflugsterze, auch Zoch-
baum, lit. ragöcze, ragöczus, ragözius,
poln. rogacz, wohl von ragis, lit. rdgaSy
poln. rog Hom, nach der Gestalt be-
nannt. Nsslm. Forsch. 2; Th., 149.
Lit. Aeq., 21. Hennig, 213. Vgl
Zoch.
Rögel, 7/1., Fischrogen. Mühling. S.
Regen.
rSgeln, sw., den Rögel entlassen, lai-
chen. Mühling.
Roggelmoggel, n. Beim Schlachten
schickt man jemand, um ihn zu hän-
seln, zum Nachbar und läfzt um das
Roggelmoggel bitten. Der Nachbar füllt
eine Lischke mit Steinen oder Erde, so
dai'z der Genarrte schwer zu tragen hat
Elbing. Sprw. I, 3156.
Roggen, m., volksublich, wie auch
anderwärts (Bayern: SchmellerHI, 71.
Hessen: Vilmar, 320), ist dafür Kom.
In Zusammensetzungen wechselt Roggen
und Kom: Roggenmehl y pltd. Regge-
mehl, Reggekilke, Kombranntwein, pltd.
Kömbrannwin.
Roggenblume, mehr jedoch, fast über-
all, Kornblume, /., Centaurea cyanus L.
Hagen, 903. Pritzel, 86.
Roggenbrot, n., s. Brot
Roggenhund, m,, mythisches Wesen,
das sich in Roggenfeldern aufhält. Vgl.
Roggenwolf.
Roggenmuhme, -mutter, /., s. Kom-
mutter.
Roggenschlunk, m., Yielfral'z, Nimmer-
satt, auch Geizhals, geldgieriger Mensch.
Er ist ein rechter Roggeschlunk. Sprw.
I, 3157.
Roggenwolf, m. 1. mythisches Ge-
bilde von Wolfsgestalt und wölfischem
Gebaren, das sich im Roggenfelde auf-
hält und namentlich Kindern gefahrlich
wird. Man warnt die Kinder, ins Kom
zu gehen, da lau're der Roggenwolf.
Über ihn und den Roggenhund s. Mann-
bar dt, Roggenwolf und Roggenhund.
Rohleder — Rolling.
231
Beitrag zur Germanischen Sittenkonde.
Danzig 1865. 2. übertragen: Mensch,
der alles an sich reü'zen will, nie ge-
nug bekommen kann. Praust bei Dan-
zig. Yom gefräfzigen Menschen heilzt
es: er frifzt wie ein Roggenwolf, Mann-
hardt, a. a. O., 11. Sprw. I, 968.
Rohleder, ^n., von der rohen, nnge-
gerbten Haut übertragen auf den rohen,
unmanierlichen, ungebildeten Menschen.
Er ist ein rechter Rohleder,
Rohn, m , s. Rahn.
Rohrdommel, m, Spitzname, den die
Litauer den Deutschen geben. Müh-
ling.
Rohrdrummely -drump, -dump, /., Rohr-
dommel, Ardea stellaris, Lett. dumpis,
Mühling, Tiem., 176. Vgl. Iprump.
Rtfhre, /., gewöhnlich RShr, viereckige,
tiefe, mit Kacheln ausgelegte Höhle im
Kachelofen der Wohnstube, mit ab-
schlieCzender Thür, zur Warmstellung
von Speisen etc. Nicht zu verwechseln
mit der Ofenröhre = Rauchröhre. Apfel
in der Röhre braten. Stell den Kafee
ön de Röhr!
Rohreif, m.y s. Rohrreif.
Rohrglanz, Pflzn., rohrartiges Glanz-
gras, Phalaris arundinacea L. Hagen^
63.
Rehrkampe, /., Kampe, die mit Rohr
bewachsen ist. Das Rohr wird ge-
wöhnlich im Winter abgehauen. Müh-
ling.
Rohrkarpfen, m., s. Debel, Dlbel und
Rftp.
Rohrreif, pltd. ROrrTp, ROerTp, m., auch
Rohreif, der eisige Reif, der sich bei
Nebelfrost an die Zweige der Bäume etc.
ansetzt, Rauhreif, Rauchfrost. Der
Rohrreiff aber entstehet alfzdann^ wenn
bei Nebelichter Constitution des Gewitters
(Wetters) es sehr kalt etc. Linem.,
Xx 4a. Davon rohrreifen, rohreifen, pltd.
rSrrtpe(n)^ r6eripe(n)^ rSrrifen. Kriip
unne, lewe Ltse^ et het rorrtß. Nach
der Volkserfahrung hört die Kälte drei
Tage nach dem Auftreten des Rohr-
reifes auf. Vgl. Auf hang.
Rohrsperling, m.^ Rohrammer, Embe-
riza schoeniclus. Da er im Rohre mun-
ter zwitschert und schreit, so heifzt es
von einem lebhaft streitenden Menschen:
er schimpft wie ein Rohrsperling.
Rohrwrangel, m., kleiner Rohrsänger,
Sylvia arundinacea. Bujack, 373.
Mühling, Tiern., 176.
rojfllsch, adj,^ kolossal, stattlich, be-
sonders vom Frauenzimmer. Schemio-
nek, 32.
rokfar (a = a), ad;., s. rftkfftr.
rokOsen, sw.y zur Bezeichnung des
rockenden Trommeins der Tauben.
Rolf, Rolof, m. Vorn., Rudolf. Hart-
wich, 54.
Roll, (?), Gericht aus Hafergrütze,
Pflaumen, Rinderfleck und Sirup. Ma-
rienburg.
Rollberg, «n., Strai'ze in Königsberg
auf dem Steindamm. Sie hat ihren
Namen nach einem normannischen Her-
zog Rollo, der eine Zeitlang daselbst
gewohnt. Hennenb erger, 43. Sie
hieiz früher Glappenberg^ nach dem
Erl. Pr. II, 842, von dem daselbst
gehängten ermländischen Heerführer
Glappo. Hoffheinz, Strafzn., 604,
meint, der Name könne auch vom Volks-
witz gebildet sein, der hier manches
Fuhrwerk bergab rollen sah.
rollen, sw. Einen rollen^ ihn im Kampfe
niederwerfen, besiegen.
Rolling, Rollinge, Rollung, /., die in
regelmäl'zigen Intervallen rollenden Wel-
len der bewegten See, auch der Ha£Pe.
Es ist zuviel Rolling^ wir köfinen nicht
in die See hinaus^ sagen die Fischer
am Ostseestrande. Die Fischerfahr"
232
Rollo — Roratenbruder.
zeuge des kurischen Hofes werden nur
mit ganz flachem Boden und äusserst
geringem Tiefgang gebaut^ trotzdem segeln
sie vortrefflich und sind ganz besonders
in der auf dem kwr. Haffe sehr gewöhn-
lichen kurzer^ RoUung etc. äusserst tüch-
tig. Benecke, 223 f. An der Nord-
See bezeichnet raUen das Überlaufen
der Wellen über einen seichten Grund
oder den Anlauf derselben gegen eine
Fläche hinauf. Brem. Wb. IH, 426.
Vgl. Schftlung u. Wachte.
Rollo, n.^ Rouleaux.
Rollung, /., s. Rolling.
Rolofy m. Vom., s. Rolf.
Rölps, m., Kulps, laut aufstofzende
MagenblähuDg. Eck loht en RöUpSy
möt GonstI eck kun en nich verhöhde.
Carm, nupt I, 282, 14. Davon rölpsen,
sw.y rülpsen.
Rom, m.y RuCz, jeder Schmutz, der
schwärzt. Davon berömen, sw.^ sich^
sich anschwärzen, beschmieren. Wer-
der.
Romel, m,^ Pflzn., echte Kamille, Ma-
tricaria chamomiUa L., lit. ramüne.
Hennig, 213. Hagen, 894. Nach
Pritzel, 93, in Ostpr. auch Remey,
Raneyenblume (? fehlerhaft für Rameien-
blume), Haugenblum und Magdblum. Vgl.
Hundsromei.
Rominte, /., Nebenflufz der Pissa, in
lit. Liedern viel genannt und oft be-
sungen. Lit Rominta. Der Name deu-
tet auf ein schnelles, eiliges Dahin-
wandern. Der Flufz heil'zt an seiner
poln. Quelle Blandianka^ in PreuTzen
anfänglich Bllndeflufz, von dem lit. blinde^
Salweide, die dort an seinen Ufern
wächst. S. Passarge, Balt., 311.
RomInten, Ortsn., Dorf an der Ro-
minte im Kr. Goldap. Gä na Rominte,
Zigge opschwänze. Über die Entstehung
der Redensart s. Sprw. I, 1149.
rommeldOn, adj., s. dOn.
rommein, sw., binden, pfänden. Ein
Gebranch der Brantleute^ „da sie die
Fremden, so an das Brautfeuer treten,
zu binden pflegen, nnd von ihnen zur
Auslösung ein Geschenk abfordern^.
Bock, 53. Hennig, 213. Auch das
pfandende Binden überhaupt, öek romr
mel enne op ene grene Platz! Ans einem
Spruche beim Binden auf dem Emte-
felde. Volksr., 233, 814.
rammen, sw. 1. räumen, aufiranmen,
wegräumen. 2. etwas durchsuchen.
Engl, rummage. Davon aufrommen,
aufräumen; verrommen, etwas verlegen,
verkramen, so dalz es schwer zu fin-
den ist.
rtfmmer, adv., s. remmer.
RSmp, 9n., rtfmpen, sw., s. rampen.
ROn, m., s. Rahn.
Rttnne,/., schmale, vielfach gekrümmte
Rinne^ Fahrstrafze im kurischen Haff
längs der Nehrung. S. Benecke, 223.
Auch das frische Haff hat eine Rönne.
In der PUlauer Haff-Rönne hat sich
während der Winterstürme eine wenig
umfangreiche Sandbank gebildet^ welche
dem Schifffahrtsverkehr nach Königsberg
sehr hinderlich ist Kgsbg. Allg. Ztg.
1882. Nr. 74. Abend-Ansg.
Rontfisch, m. Nach Simon Grünau,
Tract. I, cap, HI, „ein treuger fisch aus
der pomuchil''.
Röper und Zusammensetzungen s.
Rfiper.
röppschlagen, st 1. zur Bezeichnung
übergrofzer Magerkeit und Kraftlosig-
keit: die Rippen schlagen gleichsam
zusammen. 2. stark anstrengen, bis
zum Zittern^ Rippenbeben.
rSr, adv.y s. rUr.
Roratenbruder, m. Die Roratenbrü^
der sind eine kirchliche Sängerzunfb
im Ermlande. Auizer in der Kirche,
rönreifen — Rosenwinkel.
233
singen sie aach bei feierlichen Begrab-
nissen vor dem Sterbehaase und bei
den Vigilien. Stamm ist das lat. ro-
rare. Der Volkswitz nennt sie rare
Brüder^ auch Rdrbrüder (vgL rar und
raren). Mühling.
rOrreHen, sw.^ s. Rohrreif.
Roiak, m, 1. Rücken. Op emRoiak
gewe^ Hiebe auf den Rücken geben.
Samland. 2. Prügel, Hiebe. Et göfft
Roiak. Friedland Ostpr. Sprw. II,
2211.
Rotenke, Rossanke, (?), zur Bezeich-
nung eines schlechten Bieres. Nach
Mühling eine Art WeiTzbier, das im
Anfeuige des 17. Jahrh. in Angerburg
gebraut wurde. Vgl. Bier.
rttschy adj.^ s. rtech.
Roschbocl(, m.^ Rehbock. Saalfeld.
rttschen, sw,^ s. rfischen.
ROschke,/., Schnupftabaksdose, eigent-
lich: Tabakshom. Kr. Neustadt. S.
Kurb.
Roseiy m,^ Gemisch yon Zucker, rotem
Sandelholz und Zimt, womit der Milch-
reis bestreut wird. Schemionek, 32.
Milchbrei mit Rosei. Ofm andren Ena
(der Tafel stand) ganz dick atisgequoll-
ner Reis möt reener Molch gekocht on
dick mot Rosei bestreet. Schalt). 3, 9.
roieln, raiein, sw.^ rasen, toben, wild
leben. In der Jugend mufz man au8-
roiein, austoben. Heisa^ Mutter^ räsel
nick! Zuruf an Stolpernde. Dönh.
Sprw. I, 3163.
Rosemöck, Rosemöck, Rosumöck, Rasu-
möck, m. 1. fingierter Spuk. Den Rose-
mock jagen^ beliebter Sylvesterscherz.
Einen unerfahrenen Burschen stellt man
am Sylyesterabende mit einem grofzen
Sack unter die Treppe oder an die
Leiter, die zur Lucht (Boden) führt
und weist ihn an, den Sack aufzuhal-
ten und gut aufzupassen, damit er den
Roaemock^ der da oben sich versteckt
habe und mit Knütteln heruntergejagt
werden solle, gewifz fange. Die an-
dern gehen nun in das Haus, auf den
Boden, und machen einen Lärm, als
ob sie wirklich jemand jagten und
immer weiter vorwärts trieben. Wäh-
rend der Sackhalter draui'zen oder
unten sorgsam auf die Ankunft des
Rosemock wartet und sich alle Mühe
giebt, den Sack so zu halten und zu
wenden, dalz der Rosemock ihm ja
nicht vorbeischlüpfe^ wird ihm selbst
von oben her ein Topf oder gar ein
Eimer Wasser über den Kopf gegossen.
Samland. Litauen. Volkskal.^ 30.
Lit. heil'zt dieser Spuk razumükas^ wohl
Dem. zu razümaSy poln. rozum^ russ.
räzum Verstand, Witz, poln. razumek
(verächtlich) vermeinter Verstand, A ber-
witz; aber poln. rosomaka^ russ. rasa-
machaj rosamak der Vielfrafz, ürstis
gulo. Nsslm., Forsch. 3; Th., 150.
2. unruhiger, unstäter Mensch, auch
ein in Kleidern zurückgekommener
Mensch. Dat ös e rechter Rosemock,
Er sieht aus wie ein Rosemock^ auch:
wie ein Rosemock popolski. 3. der Viel-
£ralz, ürsus gulo,
rosemöcken, sw.^ zappeln, trampeln,
mit Händen und Fülzen lebhaft arbei-
ten; übermütig munter herunu'asen.
Auch rosmöcken, rusmöcken. Vgl. das
vorige.
rosensteSyac?;., Superlativ von ro8^ (ro-
sig), Schmeichelwort. Rosenstes Mutsch-
chen^ rosigstes Mütterchen. S. liebstes.
Rosenwinkel, m., Raum in dem Saale
des Kneiphöfischen Junkerhofes, der
den Kaufleuten als Vereinigungspunkt
diente; ihn schmückte das Wappen der
Kaufmannschaft: eine weilze Rose mit
kleiner vergoldeter Knospe. Die Zünfte,
10.
234
Roserock — Rozmok.
Rotarock, m., GetGmmel, Lärm,
Verwirrung, Aufruhr. Von dem gleich-
bedeutenden poln. rozruch.
ROfinenkringel, m,, Kringel, in den
Kaminen eingebacken sind; beliebtes 6e-
b&ck in Königsberg.
Roimöck, m., s. Rozmöck.
rosmöcken, »w., s. roiemöcken.
Roit, m.f Flufz im Kopf <^ Kotz. S.
Frinch II, 129b. iJck roock noch nich
den lirtutde^ dut maackt, eck hadd den
tichnojfp, myn Kojyp wafz voller Rost,
(krm. nui)t. V, 190 b.
Rillt, /., H. RUit
roiteln, buk 1. sich rühren, sich zu
bew(*gen anfangen. Jlei röateld 8Öck
(im Dotto), er rührte sich, machte Miene
auf/<uHtohen. 2. nich rüsten, fertig ma-
chnn.
Ritfter, RUfter, /., Ulme, Ulmus cam-
jmtrü Ln Ilngen, 291.
Ritfter, n., H. Retter.
Roiumdck, m., s. Roiemöck.
Rttfzchen, n., Dem. von Kol'z, Libelle.
Mühling, Tiorn , 17().
Rofzdienit m., der von den reichen
adligtH) (iutsbesitxern dem Orden zu
IfiHtondo l>ion8t. Der zu stellende
Heiter mulkto iu voller Eisonrüstimg
auf einem starken, mit Panzerdecke
versehenen Streithengst erscheinen.
Gebauer» Kde., tH>.
Rubra, fs s, RAte.
RoftgtrtMK UN. L eingehegter Weide-
plat«, nicht ausschliefzlich för IMerde«
3. Stadtteil in Konigsl>erg« der Ursprünge
lieh Kolkgarten gewesen, SimlicK, ^cie
1« imf iifm KiUZfjartifn l^rtxHHte. Si^ph.
K, IIL UH.
mMMilt« /\s Grubt\ Pttlue. in wel-
cher d«r Flachs gehütet \rird. Ober-
bmd« llennig. :!14,
IMMl|t, pltd. RitlS, «.. Fisika.
Roddog, Roddow, Roifeder, RotflosMr, fit
rttdakis, rudawa^ ruduszis^ kor. rudauk,
mduschy nidaney^ mas. sdrena^ czencone
oko^ kass. radowka. Benecke, 134^
Bujack, 394. Mühling, Tiera^
176.
Röte, /, s. Rete.
Rotenkurz, m., s. Kasper 2.
Rotfeder, /, Fischn., s. Rotauge.
Rotflosser, m., s. Rotauge.
Rotflofz, Rotflofzgiester, m., s. Gieb.
Rotgerber, m., Maikäfer in gewöhn-
licher brauner Farbe. Vgl. Müller
und Schuster. Mühling, Tiem^
176.
RotkSpfchen, n., Pflzn., s. Pimker.
RotstOr, m. 1. Pflzn., stumpiblättri-
ger Ampfer, Rumea obtusifoUus L.
Fried land Ostpr. 2. Rauchtabak aus
Pflanzenblättern, worunter die von Erd-
beere und Kirsche. Samland.
Rott, m., von rotten faulen, Fäulnis.
... sie zeigen nicht an^ wie der Glantz
im faulen^ mürben und in Rott ze/r-
fallenden Holtz entstehen könne. Line-
mann, Z 4b.
Rottanne, /., s. Tanne.
rtftten, Str., 8. r§ten.
Rottscher, m., Stockfisch. Bock,
Nat. I, f>93. Mühling, Tiem., 176.
Bei Simon Grünau Tract. I, cap. III,
im Plural: rottscheren,
Rotzbartei, m , Schimpfwort auf einen
Menschen mit rotziger, unsauberer Nase.
Ebenso: Rotzlöfel (Stein, Peregrinus
XII, 82. W. Mtsbl. V, 191), Rotz-
mauly Rot::nase^ SchnodderbarteL
Rotzberger, m., s. Dreckhäuser.
rBtze« adj.^ etliche. De Lowd Ofi
Kesting h»te rotze P6a Uundat, Erm-
ländische Freisoh. Manuscripi.
RoZHMk« Rosnock« m.« eingelegter
Brassen. Ditt im dem pdmscken Di-
strikt mm gro/zf &vn «vAjwikie Lamd-
nibbeln — rucksen.
235
leute legen die Bressen in Essig und
Gewürz und nennen diese wohkchmeckende
Speise Rozmock. Bock Nat, lY, 678.
Nach Bujack, 393, ist Rozmok ein in
Bier gekochter Bressem. Poln. roz-
Tnoczyc aufweichen, durchweichen. Bock,
53. Hennig, 214.
nibbeln, sw.y Frequentativ von reiben:
reiben, scheuem, namentlich Unebenes;
ebenen, glätten, glatt machen. Nach
Mühling auch hin- und herrntschen.
abnibbeln, abreiben, mit Anwendung
von Kraft mittelst eines Lappens, einer
groben Bürste, eines groben Hobels.
Dreck abrubbeln. Lofz dich ehrscht deeg
abrubbeln. Schaltj. 3, 5. Die Kar-
toffeln abrubbeln^ sie vor dem Kochen
in einem Kübel mit Wasser mit strup-
pigem Besen durch einander rühren
und so von der auf der Schale sitzen-
den Erde reinigen. tKn Brett ab^
nibbeln^ es obenhin glatt hobeln. Über-
tragen: zausen, prügeln. Sprw. I,
1498. Sperber, 5.
nibbllg, adj,^ uneben, rauh. Das Reib-
eisen ist rubblig — ein pockennarbiges
Gesicht. Holl. robbelig, in Bremen
und in Pommern rubberig. Brem. Wb.
m, 537. Dähn. 387 b.
RUbchen, n.. Dem. von Rübe, Rvb-
chen schaben^ Neckerei der Kinder, wo-
bei sie mit dem Zeigefinger der rechten
Hand den Zeigefinger der linken scha-
ben^ sprechend: Schäm' aus^ schäm'
ans! Im Holstein. Rövken schrapen^ in
Bremen auch ütslipen (ausschleifen,
auswetzen) aushöhnen: SVp üt, sltp üt!
Schütze HI, 310. Brem. Wb. IV,
833.
RUbe, /., Ptmenheimer^ s. Passen-
heim.
RUbenhahnenfufz^m., knolliger Hahnen-
foTz, Ranunculus bulbosus L. Hagen,
583.
'ruber, adv.^ herüber, hinüber.
RUbs, RUbsamen, m., s. RTps.
RUck, m, s. Rücken.
Rucken, m,^ Ruck, kurzer, kräftiger
Stofz, meist mit Geräusch verbunden.
Plötzlich ertönte durch die stille Luft
des Abends ein Krach^ wie wenn in
weiter Feme eine Karume abgeschossen
würde. Mein Wirth sagte, es gebe an
Sonvmerabenden^ wenn See und Haff
ganz ruhig^ oft einen solchen Rucken.
Ich glaube^ er rührte von einer Schaar
ziehender Vogel her^ welche bei plötz-
licher Schwenkung diesen seltsamen Laut
erzeugen. Passarge, Balt., 177.
Rücken, m. Einem den Rücken mes--
sen — waschen, ihn durchprügeln. Mit
dem Rücken herhalten müssen^ Prügel
bekommen.
Rücken, Rüggen, pltd. Rück, Rigg, m.
1. Ackerbeet, Beet. 2. Zaunstecken
und dann gewöhnlich Rüggen^ Riggen^
Röcke(n). He (der Schulmeister) leep
bet an e Röcke^ Da bleef liei stocke.
Volksr., 112, 464. Ein ans solchen
Stecken zusammengesetzter Zaun heifzt
RUckenzaun.
RUckgarben, Ortsn., Dorf bei Schippen-
beil. Hei heft et önnerlich wt de Roch-
garwsche Kinder. Sprw. I, 1806.
RUckgesäfz, n., Rücksitz, Hintersitz
im mehrsitzigen Wagen. Setz dich aufs
Rückgesäfz. Auch Hinterges&fz; beides
im Gegensatz zu Vordergesäfz, Vorder-
sitz.
Rucks, m., Stofz, heftige, kurze Er-
schütterung durch Stofz. Dat gew e
göde Rucks^ das gab einen guten Stofz.
Hei heft e Rucks weg, er hat Schaden
genommen, leidet an Gesundheit oder
Vermögen. Nach Treichel hat man
für einen verstärkten Rucks Runks. Vgl.
Drucks.
rucksen, sw., Frequent. von rucken^
236
Rückstau — rulleiu
ruckweise etwas Schweres stofzen,
schieben, ziehen, reifzen, fortbewegen.
Einen ztisammenrtickseny ihn gehörig
durchschütteln, indem man ihn beim
Kragen fafzt. Bildlich: einen tüchtig
zusammennehmen, vermahnen. Ma-
rold.
RUckstau, m., das Haff- und Flufz-
wasser, welches durch starken Wind
stromaufwärts getrieben, angestaut wird.
Der Rüchtau aus dem Haff erzeugt bei
anhaltendem Seewinde den tief in's Land
dringenden fliegenden Strom. Werder.
Passarge, 205.
RUckstrang, m. Einem den Rück-
Strang messen^ ihn durchprügebi . M ü h -
ling.
Ruckum, 9n., schlechteste Getreide-
sorte, letzter Abfall des geharften Ge-
treides. Samland.
ruckweise, adv.^ in einzelnen Rucken
oder Stolzen, Absätzen. S. Sprw. II,
2218.
rfldeln, sw.y Bewegliches hin und her
rollen, wälzen, schieben, dal'z es Ge-
räusch giebt; besonders einen wackligen
Tisch oder Stuhl, so dal'z es knarrt.
Auch nippeln. Marold.
Rudnick, Ortsn., Dorf bei Graudenz.
Gä na Rvdnicky Kose opschwänze.
Sprw. I, 1150. Vgl. Rominten.
Rufen, n., Glockengeläute, durch wel-
ches die Leichen ertrunkener Fischer,
die das Meer behalten, ans Land ge-
rufen werden sollen. Nach der Volks-
meinnng wirft das Meer nach diesem
Geläute die Leichen aus. Samland:
Rauschen.
ruffen, no. 1. raufen. 2. heftig krat-
zen. Er ruft sichy ein Zeichen, dafz
er Läuse hat.
rflgen, sw.y sichy sich ruhen, aus-
ruhen.
rügen, ruggen, str., mit Ruck heben.
Dönh.
RUggen, m., s. RUcken.
rllhr, adv, s. rUr.
Rühren, n., das Pflügen des Acker-
landes in die Quere. Bock, Nat. HI,
681.
RUhrlinie, /, Berührungslinie, Tan-
gente. Ziehet femer im Sinne ein Ruhr-
linien oder Tangant^ so da der Sannen
und der Erden Corpere berühre^ welche
so weit lauffcj bifz solche Rükrlinienj
diejenige Linie, so da durch die Mittel-
punkte der Sonnen und der Erden gehetj
durchschneidet. Linem., Ss 2a.
Ruhr mich nicht an, n., s. Rehehir-
schen.
RUhrn&rsch, pltd. Rohmarschy m.,
einer, der viel mit dem A. rührt, un-
ruhig sitzt, auf einer Stelle nicht lange
Ruhe hat.
rUhrsam, adj.^ beweglich; von alten
Leuten, die noch regsam und rührig
sind. Ygl. berUhrsam.
rUhrzageln, pltd. rerzägeln^ sw.^ mit
dem Zagel (Schweife) rühren, wedeln
vor Lebenslust und Mut, oder auch vor
Bangigkeit und Furcht; in letzterem
Sinne übertragen auf den Menschen:
demütig thun, kleinlaut werden. Denn
solle mtne Kegkes rerzägeln! sagte der
Bauer, als er den Hafer nicht teuer genug
verkaufen konnte und daher beschlol'z,
seine Kühe damit zu füttern. Tiegen-
ho£ Sprw. II, 2226. Ek tofll em dar-
to bringen (dal'z er gute Worte giebt),
oder he sail reehrzageln. Dorr, 1.
Wiew., 54.
rujenieren, sw.^ ruinieren. Die Kleid&r
rujenieren.
RQIchen, pltd. RQIke, Dem. von Ru-
dolf.
rllllen, sw. So wird das Thierchen
Rulz — Runge.
237
macky das sonsten rüUt und brüllet,
Carm. nupt I, 264. Vgl. mak.
RUIz, m, roher, uDgesitteter Mensch,
gleichbedeutend mit dem allgemeiner
üblichen Rülps, Bei Stein Rültz als
Schimpf- und Ekelname. Peregrinus
XII, 82. W. Mtsbl. V, 191. Wir
haben auch solche ungeschliffene Rül-
tzen in diesem grofzen Marjenburgischen
Werder^ die der Teufel also eingenommen^
dafz sie ungescheut sagen dürfen: Wer
einmal todt ist, der wird wohl todt blei-
ben etc. Hartwich, 529.
'nim, adv,j herum. ^ruTnaasen^ -bochr
ten, -dammelny ' dosein j -flankieren^ -flit-
zen, -jacheln^ -jachem^ -karjolen^ krcmr-
geln, -zoneln. S. remmer.
'rumalken, pltd. romalken, sw., lär-
mend umher, tollen; von Kindern. El-
binger Ndrg. Vgl. alken.
Rummel, m, 1. Gesamtheit von
Gutem und Schlechtem^ namentlich aber
altes Gerät, Warenreste, bunt durch
einander, als Ganzes. Den ganzen
Rummel nehmen. Was kostet der Rum-
melf AuchRumpel, m.^ Hennig, 214:
Rummelei, /. Gleichbedeutend mit Ramp^
Rump etc. s. rampen. 2. Verständnis,
Geschick zur Wahrnehmung des eige-
nen Vorteils. Er hat den Rurrvmel
'raus — versteht den Rummel. Nach
WeigandH, 502, die Zahl der gleich-
farbigen Karten im Pikett- Spiel. 3.
dumpfer Ton. 4. Verkaufsmaf'z für
Gartensaat, etwas mehr als eine Prise,
d. h. soviel, als man zwischen zwei
Finger fassen kann. Treichel.
Rummelei, /., s. das vor.
rummer, adv,, s. remmer.
Rump, m, 1. Rumpf. Gänserump^
Schiffsrump, Kleiderrump^ zusammen-
gehcfiietes Kleid, dem noch die Ärmel
fehlen. Hennig, 215. 2. im Erm-
lande auch Rumpf Bienenstock, zunächst
der aus einem Klotze gefertigte. Ln
Ermlande mufzte 1526 vom Rumpfe
5 Grosch. Abgabe an Polen gezahlt
werden. Mühling. 3. s. v. a. Ramp^
8. rampen,
RUmp, m,, s. rampen.
Rumpel,9n. 1. Erhöhung, Hügel, Erd-
klofz. Mühling. Vgl. Humpel, Kum-
pel. 2. s. V. a. Rummel,
rumpelig, gewöhnlich rumplig, adj.^
uneben, höckerig, holpericht. Der Weg
ist rumpelig. Bock, 53. Hennig,
214.
Rumpelkammer, /., Kammer, Raum,
Gelai'z für allerlei Gerumpel.
Rumpelkasten, m. 1. Kasten, Lade
für allerlei altes Gerät. 2. Kasten-
artiges .überhaupt. Auf den alten Rum-
pelkasten (eine Laute ist gemeint) dürfte
er sich auch nichts einbilden, Soph K. I,
255. Ein altes Klavier heifzt ebenfalls
Rumpelkasten; ebenso auch eine alte,
unförmliche Kutsche. Bernd, 239.
rumpeln, pltd. rempeln, sw,^ rollend
poltern; stofzend erschüttern. Der Wa-
gen rumpelt auf unebenem Wege, auf
schlechtem Pflaster.
rumpen, rUmpen, sw., s. rampen.
Rumpf, RUmpf, m.y rümpfen, rllmpfen,
SU7., 8. rampen.
rumplig, adj., s. rumpelig.
Rumpschlump, m.y eine Menge von
Dingen ohne Auswahl, alles durch ein-
ander. Li gleichem Sinne wie Rump
und Rummel. Mühling.
rumtreiben, st^ s. umtreiben.
Rumirift, m.^ s. Umtreiber.
Rundsei, n., Rundteil, Rondel, kreis-
förmige Figur. Mühling.
rQnen, sw.^ raunen, flüstern. Serune
sock an de Ore. Ahd. rünen^ mhd.
rünen.
Runge, /., aufrechter Stab in dem
Ende der Krängel eines Arbeitswagens
238
rungenfaul — ruschebüschig.
ZOT Stütze der Leitern oder Seiten-
bretter des Wagens; mhd. runge^ ahd.
runga^ von dem goth. hrugga Stab.
Schade, 426b. Pierson (Altpr. M.
Vm, 367) weist auf lett runga Fuder-
stütze, Knüppel hin. Sonst krig eck
bohl de Rung onn schlag dy an de Ohre,
Carm. nupt V, 190 c. Da die Runge
sich leicht aus dem Krängel ziehen läfzt
und handlich ist, so dient sie häufig
als Prugelinstrument. S. Sprw. I, 129.
Vgl. Us.
rungenfaul, adj,^ faul wie eine Runge,
die sich allein von allen Teilen des
Arbeitswagens nicht bewegt, sehr faul,
sehr träge. Hennig, 334.
Runkel, Pflzn., Bete, Beta mdgaris L.
Gericht: Gehackter Kohl mit Runkeln.
Saalfeld. Im Weichseldelta, T re i c h el ,
Volksth. III, auch TroUius europaeus L
Ygl. Bete und Zwickel.
Runks, m., s. Rucks.
Runkunkely /, altes, uiürrisches Weib.
Mühling. Ebenso in Posen und in
Hessen. Bernd, 240. Vilmar, 333.
'runter, adt?., herunter, hinunter.
ruppeln, sw.^ s. rOdeln.
TÜppeUjSw.^sichy sich fördern, eine Sache
rasch beenden. Mühling. In Bremen
rapen raflfen, reppen bewegen, hurtig
bewegen, rühren, rap schnell, hurtig,
geschwind. Brem. Wb. HI, 434.
435.
ruppig, adj. u. adv. 1. zerrupft, lum-
pig; armselig in weiterer Bedeutung.
Das ist ein ruppiger Kerl^ ein Kerl, der
in schlechten Kleidern und unsauber
erscheint. 2. geizig, filzig, unanstän-
dig. Er nahm sich recht ruppig. 3.
uneben, rissig, rauh. Er hat ein rup-
piges Gesicht. In Bremen ruppen rup-
fen. Brem. Wb. HI, 560. Hennig,
215.
Ruppsack, m., ruppiger, unanständiger,
filziger Mensch. Sperber, 27.
Rups, m.y rascher Griff. Mühling.
Vgl. rilppen.
rUr, rilhr, pltd. rVr, rftr, adv.^ dicht,
nahe, zum Berühren nahe. DcU es
rör dran^ es ist dicht daran. Ein
Nachbar wohnet rühr an dem andern,
Lepner, 73. Ebenso auch in Bremen.
Brem. Wb. HL 527.
rllrkftlen, sw.^ unruhig sitzen, sich auf
einem Sitze viel rühren. Westpr.
rusch, cuij. u. adv. 1. rasch, schndl,
eilig; zeitig, früh. Öck wer rusch e
Wtw geworde. Sprw. I, 4158. Öch sei
so ruscher da^ ich bin so schneller,
früher da. Heilsberg. Im Brem. Wb.
HI, 560: Ruus eine Weile, Zwischen-
zeit. Bock, 53. Hennig, 215. 2. ver-
derbt für russisch. E ruscher Schlitten.
RUsch, /., Halskrause von Tüll, Mull,
Band, als Garnitur des Fraüenkleides.
ruschbusch, ruschebusche, €tdv. auch
Subst. 1 . zur Bezeichnung einer hastig,
eilig, überschnell ausgeführten Hand-
lung. -Es ging ruschbusch rasch (rusch),
über Hals und Kopf, wurde in Bansch
und Bogen abgemacht; daher auch:
etwas in Rusch und Busch nehmen, in
Bausch und Bogen abmachen. Sprw.
1, 3174. Hennig, 215. 2. unordent-
licher, verwilderter Mensch. Er ist ein
rechtem* Ruschehusch. Vgl. RuschewilL
Ruichebuiche,/., Unordnung, Unruhe;
mit dem vor. identisch. In Bremen
Rusebuse grol'ze Unordnung, die von
einer Menge Sachen verursacht wird.
Brem. Wb. HI, 562. Vgl. Rufobe-
muiche.
rOichebOichig, adj.^ windig, stürmisch:
nUchebuschiget Wedde7\ Elbinger Ndrg.
Vielleicht aus: ruschen^ rauschen, und
Busch.
ruschelig — Rutsch.
289
ruichelig, ruichlig, adj.^ unordeDtlieh,
wirr in den Haaren. Er hat einen
ruifchligen Kopf.
Ruichelkopf, 97» , Kopf mit verr aschelten ,
wirren Haaren.
ruicheln, sw.^ rascheln, raaschen, sich
rühren. SchiUche Patrusche, wat ru-
ichelt öm Stroh etc. Volksr , 7, 30.
Heut abends wirdCs unter dem Kopf-
kissen immer mit der Frage rascheln:
isf 8 auch recht? Soph. R. IV, 91. Ein
seidenes Kleid ruscheltj rauscht ruicheln
und puächeln. Vgl. pu^cheln 5. In
Bremen rusken^ ruusken rauschen.
Brem. Wb. III, 563. Davon: aufni-
icheln. Die Haare aufruicheln^ auch
vemifeheln, in Unordnung bringen, auf-
rauhen.
Ruichelpuichel, n. Ich begegnet einem
schwarzen Geschelein^ Das bot mir Ru-
ichelpuschel an etc, Tierräts. 103. S.
puicheln.
Ruichemuiche, /., Unruhe. Von dem
poln. rozmqcic aufrühren. Schmitt,
108; Westpr. 167. Vgl. Ruichebuiche.
Ruichewill, m. u. /., $. Ruichwill.
ruschkens, adv,^ sehr. De Lewark
singt zeddergister so ruschkens schmeck
üstbowen en de Loft, die Lerche singt
seit gestern so sehr schön dort oben
in der Luft. Dzg. Nhrg. Violöt, 98.
Im Werder: rusken. Akzies gaf öck
von miner Waa7% So rusken wennig det
ganze Jahr. Testament vom rieke Buure.
N. Pr. Prov.-Bl. II, 346.
ruichlig, adj.y s. ruichelig.
Ruichwill, Ruichewill, m. u. /, unru-
higer, flatterhafter, verwilderter Mensch.
Es ist ein rechter Rv^chtoill. Sie ist
eine rechte Rwichioill. Man hört auch
Raschewill. Es ist also rusch rasch auch
hier für die Bedeutung herbeizuziehen.
Zusammensetzung aus rasch und urildf
Vgl. nitehbuich.
Rftse, /., Grube zur Aufbewahrung
von Gemüse, Kartoffeln etc. während
des Winters. Sie wird mit einem
Hügel überschüttet. Lit. rusis und
rusis.
rQsen, sw. 1. eine Ruse graben. 2.
Gemüse, Kartoffeln etc. in eine Ruse
zurUberwinterungeinschliefzen : letzteres
auch verrQsen.
rflsig, oc^'., grausig, ungestüm; vom
Wetter. Wohl nur Abzweigung von
grusig grausig.
rusken, adv., s. ruschkens.
rusmöcken, sw.^ s. rosemöcken.
Russen, plur., weil'ze Schaben. M üh -
ling.
Russenrad, n., Rad eines russischen
Wagens, dessen Felgen aus einem
Stücke bestehen. Elbing. Sprw. I,
653.
RUst, RSst, /., Ruhe, Rast. De Uwe
Sonne geit toW Rüst, sie geht zur Ruhe,
geht unter. Besacht., besacht! sprok et
Schntdake (zum Bären), öck kann dt
noch to Rost bringe. Rastenburg. Fir-
menich I, 109b. Goth. und ahd.
rastay mhd. raste^ altnord. rost^ alts.
resta, holl. rust, in Bremen Rust Brem.
Wb. III, 560. Jeroschin hat sundir
rastin ohne Aufenthalt.
RUster, /., s. Rttster.
'rOt, adv.^ heraus, hinaus.
Rute, /., Querholz über dem Wasser-
spiegel zur Verbindung des Lachswehrs.
Die Ruten heil'zen auch Scheren, lit.
kikstis. Benecke, 381. Vgl. Winter-
fischerei.
Rutsch, /., Reise, Fahrt, Sturz; von
rutschen. Glückliche Rutsch! eis Wunsch
beim Abschiede. Glöckliche Rutsch^
e Pdr Pareske op e Weg! Glöckliche
Rutsch ön e erschte Grawe, möt dem
Kopp unde, möt de Föt bäwe. Scherz-
hafie Glückwünsche auf die Reise. V gl.
240
Ratsche — 8.
Sprw. I, 3178£ Jeroschin: 8U8 —
was er genesen von dem moeren geveüe
der rutschin in dt helle 163b. Pfeiffer,
213.
Rutsche, RIHsche, /., FoTzbank. Yon
rutschen. Und haben die jetzige Jans-
sen, die damals drei Jahr alt gewesen
sein mag, auf einem Rutschchen zu den
Füfzen sitzen gesehen. SopL R. III, 107.
Ra ri Rutsch, vnr fahren in der Kutsch!
Einderreim. In Sachsen Rutsche, in
der Niederlaos. Rutsche. Anton, 3,
11.
Rutsche, /., Pflzn., geknäuelte Binse,
Juncus conglomeratus L, auch Sende,
Knopfbinse, Dochtbinse. Hagen, 373.
rutschen, sw., gleiten, gleitend sich
fortbewegen; auch auf denKnieen und
dem Hintern. Bildlich von der un-
schmackhaften, unbeliebten Speise: die
Erbsen wollen nicht rutschen.
Rutscher, m., Tanz. Komm, mr wol-
len ^nen Rutscher machen. Treichel.
Rutschholz, n., Teil des Wagens^das
unter dem Langbaum rutschende, die
Deichselarme verbindende Holz, auch
der SchwenIcspOn.
Rutschpartie, /, Partie im Rutschen:
Fahrt einen Abhang abwärts, auch
Fall. Wir haben eben eine Rutschpartie
gemacht, sind hingefallen. Vgl. Sper-
ber, 27.
Ruttich, m., Pflzn., gemeiner Knöte-
rich, Polyganum persicaria L. Hagen,
426.
rUw (ü lang), llW, r«, ado. 1. soi^-
los, unbekümmert, verschwenderisch,
üppig. Er lebt rüw in den Tag hinein.
Er lebt aUzu rüw, er läfzt viel draof-
gehen. On wiel §k riew weer m§t dem,
wat §k hadd etc. Dorr, 1. Wiew. 76.
Wt lewe rtw on nich e Jahrke so lang.
Obberland. Engl, rife, holl. ryf, ryve
überflüssig, in welcher Bedeutung rive
auch in Bremen auftritt. Brem. Wb.
III, 508. Im Holstein, rieve freigebig,
milde, verschwenderisch. Schütze HI,
295. Hennig, 216. 2. adj., rüde,
roh, grob Dat os en rtwer Kerl, ein
Grobian. Pillkallen.
Ruzen, (u kurz), m., Fischerhamen.
. . . nicht zu gedenken, da/z dieser nähr-
reiche Ort (Memel) allerhand Fische
hervorgiebt^ die von den hiesigen Fischern
mit Netzen, Angeln, Ruzzen, Wadden,
Wentres sowohl in der See als üurschem
Haff gefangen werden. G. Reimer,
Merkwürdigkeiten der Stadt und Fe-
stung Memel, § VII. Hennig, 294.
Hennig8(S.216) Ableitung des Wortes
von dem hchd. Reuse zweifelt Nsslm.
an: Forsch. 3; Th., 220. Vgl. Erl. Pr.
IV, 245.
s.
S, Sauselaut, ist im Plattdeutschen
anlautend vor t und p ■-- seh, wie auch
im Hochdeutschen : Stol (ßchtdl) Stuhl,
Spräk (Schpräk) Sprache; ebenso auch
vor k: Slddw (Schldaw) Sklave; sock
schklawe sich sklaven. Es lautet häufig
seh auch zwischen r und t: erseht erst.
Firscht Fürst, Därscht Durst, WorschJt
Wurst, Forscht Forst, Borscht(e) Borste,
Garsekt, Gerscht(e) Gerste, Oberscht
Oberst. Das auslautende s bleibt bei
Substantiven und Adjektiven hinter
einem Vokal geschärft: Hüs Haus, Miis
Maus, krtts kraus, geht aber bei ande-
S — sabbern.
241
reo Wörtern in t über: dat das, vt
aus, et es, so auch hinter einem Konso-
nanten: Krewt Krebs. Hinter r wird
auch das auslautende s wie seh gespro-
chen: annersch^ andersch anders, Bü-
enchmann Bauersmann, Ackerschmann
Ackeremann; eigentümlich ist die Bil-
dung Aijcti ^^ ^^s Obst. Lehmann,
Volksind., 32. — Häufig tritt 8 als
Pluralendung auf, hochdeutsch wie
plattdeutsch: Kerls iC^Vfe, Kinderchens
Kinderkes^ Jungens Junges^ Mädchens
Makes ^ Margellens Margelies; ebenso
schliel'zt es sieh Infinitiven an: et* schlief
im Stehens^ — a/z im liegens^ — redete
im Schlafens. — S8, J'z bleibt in weni-
gen Worten: Gass^ Gasse, gröj'ze grü-
fzen, und geht meistens in t über:
groter grölzer, satt salz, ete essen, moUe
müssen, lät lafz, schmite schmeii'zen,
auch mit Dehnung des vorangehenden
Vokals: Wäter Wasser, en hetke (auch
bejzke^ bdj'zke) ein bii'zchen. Lehmann,
Volksmd., 33.
S, aus Holz geschnitzt, Zeichen der
Schulzenwürde. Ward es von dem
Schulzen im Dorfe umhergesandt, so
erschienen die Geladenen sofort zur
Gemeindeversammlung oder auch zum
Einzeltermin im Schulzenamte. Werder.
Mühling. Vgl. KrIWfile.
Saat, /., in Danzig in kaufmännischen
Kreisen auch n. 1. Same, der ausge-
säet wird; vorzugsweise in Zusammen-
setzungen: Aussaat^ Sommersaat^ Win-
tersaat etc. Bildlich: Die Saat wieder
haben^ beim Kartenspiel den verlorenen
Einsatz zurückgewonnen haben. 2. das
aus dem Samen erwachsene, auf dem
Halm stehende Getreide. Die Kinder
sollen nicht in die Saat gehen^ sonst
kommt die Koi*nmuttei\ 3. Die Hand-
lung des Säens. Godet Wedder t6r
Saat.
Frifchbier, Wörttrbuob U.
Saatfahr,/., das Pflügen, welches un-
mittelbar vor dem Säen stattfindet, das
Saatfurchen; nach Bock, Nat. IH^
681: zur Saat pflUgen. Vgl. Adelung
HI, 1234.
Saatknoblauch, m.^ Ackerlauch, Alli-
um vineale L. Auch Komzwiebel und
Weinlauch. Hagen, 357.
Saatkorn, n., -roggen, m., Roggen zur
Aussaat.
Sabarje. Auf Sabarje ringen^ in der
Art ringen, dal'z man sich gegenseitig
an die Zipfel der Rockkragen falzt
Westpr. Von dem poln. za hinter
und iari Schulter. Schmitt, Westpr.,
167.
Sabber, m., Geifer^ namentlich von
Kindern und Greisen. Davon:
sabbern, »w. 1. geifern, den Speichel
fliefzen lassen^ nach Treichel auch
labbern. 2. viel und unnütz reden: die
Worte flieizen lassen wie den Speichel.
In diesem Sinne jedoch mehr schabbem
und schlabbern. Im Bremischen sabben^
sabbeln, sabbern^ in Hamb.^ im Hol-
steinischen und in Pommern sabbeln^
im Götting. saweln, in Hessen auch
seibemy sebbem. Brem. Wb. IV, 568.
Richey,221. Schütze IV, 4. Dähn.
395a. Schamb. 179b. Vilmar, 335.
380. Bock, 54. Hennig, 216. S.
besabbern. — In Zusammensetzungen:
Sabberbart,?/)., Sabberfresse,/., in gleichem
Sinne wie Sabbermaul (s. d.) — Sabber-
lappen, m., s. V. a. Sabberschiabbe,
Sabbermaul, pltd. SabbermQI, n. 1. Maul
voll Sabber^ das sabbert. 2. Benennung
für kleine Kinder und alte Leute, auch
für Personen, welche Tabak kauen.
3. Plappermaul, Schwätzer. In allen
Bedeutungen auch Sabberbart, Sabber-
mlchel und in der Verstärkung Sabber-
fresse, pltd. SabberfrtL — Sabberregen,
m.y feiner, sabbernder Regen, Staub-
16
242
Sabelkraut — Sackbiixon.
regen. Mühling. — Sabberschlabbe,
Sabberschlappe, /., gewöhnlich im Dem.
Sabberschlabbchen^ Brostlätzchen (s.
Schlabbe)^ das man kleinen Kindern um-
bindet, damit der Sabber nicht das
Kleid beschmutze und nässe; auch
Sabbertuch, Sabberlappen. — Abgeleitet:
sabbrig, sabberig, adj.^ voll Sabber, be-
geifert, geifernd. Der sabbrige Mund.
Säbelkraut, n., s. Wassersäge.
Säbeln, plur., Zobelfell. Hirsch,
261.
Sabul, in,j komische Verdrehung von
Säbel. Und wenn gleich der Sabul
bricht.
sach, Prät. von sene, sehen. He sach
nich^ er sah nicht.
sachelkes, adv., s. sachtchen.
sacht, sachte, adj. und adv. 1. leise,
sanft, gelinde, langsam.^ nicht heftig.
Sacht sprechen, leise, langsam reden.
Geh nur sacht, geh nur langsam, tritt
nicht hart auf, gehe nicht ungestüm.
Man sachte! nur nicht heftig, nicht so
hastig. Man sachte! sagte der Regen-
tourm zum Hahn, ah dieser ihn frafz.
2. leicht, beinahe, wohl. Ich kann es
sacht thun, ich kann es leicht, mit
Leichtigkeit ausführen. Ich kann sacht
dahin gehn, kann heiizen: ich kann
langsam dahin gehen, oder: es macht
mir keioc Schwierigkeit dahin zu gehn.
Ich habe sacht genug, ich habe beinahe
genug, eigentlich: mehr könnte mir
schaden. Das kann sacht so sein, das
kann wohl so sein. Bock, 54. Hen-
nig, 217. Vgl. meist.
sachtchen, sachtchens, pitd. sachtke,
-kens, auch sachelkes, adv., Deminutiv-
form von sacht, leise, behutsam, sanft,
glimpflich, langsam, gemächlich. Er
ging sachtken sachtken auf meinen Thee-
tisch zu. Soph. R. 1, 238 f. Na, na,
man sachtken, geoiach, nicht hitzig!
Man sachtclien, — sachtke! Aufforderung
zur Behutsamkeit, z. B. beim Verbin-
den einer AVunde, beim Passieren eines
schmalen Weges. Wi wolle sachtke gäne^
— krupe! Mahnung zum Aufbruche.
Gät man, ok kam sachelkes na, geht
nur, ich komme sachtchen nach.
Sachtleben, m., stiller, schlichter
Mensch; auch wohl Einfaltspinsel.
Mühling. Sprw. I, 3183.
sachtmutig, pltd. sachtmOdig, adj.,
sanftmütig, leutselig; wenig unterneh-
mungslustig.
Sack, m. 1. Saccus. Vielfach in Sprich-
wörtern und Redensarten: Bjin lediger
Sack kann nicht aufrecht stehn. Er
klopft auf den Sack und meint den
Müller. Das bleibt nicht im Sack, es
wird bekannt, hört auf Geheimnis zu
sein. Hand vom Sack! Hand vomSackj
ösHawet* bön! wenn jemand eine Sache
anfassen will, die er nicht berühren
soll. Die Katze im Sack haben, jemand
in seiner Gewalt haben. Ich hab^ ihn
im ScLck, ähnlich wie: ich haV ihn in
der Handy — in der Tasche, er ist in
meiner Gewalt; von einem Schuldner.
Düster vne im Sack. Hei stockt em üt
6k ön e Sack. Bock, 54. Hennig,
218. 2. Fischnetz, sackartiges Netz^
Wenter (s. d.). Nach dem Wasser, in
welchem die Säcke angewandt werden,
unterscheidet man Haff- und Stromsäcke;
nach den Fischen, die damit gefangen
werden: Aal-, Brassen-, Neunaugen-, Stich-
lings- und Zandersäcke oder -wenter.
3. scrotum. Sock an e Sack seiche,
sich selbst anführen, selbst betrügen.
Hau em, dat em de Sack wöppt! Wem
de Sack juckt, dem läwe de Makes. Vgl.
Sprw. 1,3184 ff 4. Schimpfwort: Da-
melsack, Diebssack, Fre/zsack, Glüpsack,
Ruppsack, Saufsack,
SackbUxen, pltd. SackbVxe, plur., Bein-
Säckel — Sackträger.
243
kleider von Sackleinwand, Klunkerlein-
wand; auch weite^ sackartig sitzende
Hosen.
Säckel, 7n., Dem. von Sack^ Klingel-
beutel. Soph. R. VI, 144. Vgl. Kling-
beutel.
Säckelkraiit^ n., s. Wassereäge.
Säckeln, sw,, den Sack, Beutel, die
Börse füllen. Der sich in Rechts-Hän-
del lä/zt ein^ Mufz allenthalben ge-
seckelt sein; Mit Unvei*schamt der erst
sei gefüllt^ Der andr mit Geldj der dritt
mit Gedtdt Deckeninschrift der (1624
erbauten) Börse in Kgsbg. Erl. Pr. III,
487. Sprw. I, 4368.
sacken, sw. 1. in Säcke füllen, ein-
messen: Getreide, einstecken: Geld.
Nach Treichel einsacken auch ins Ge-
genteil verkehrt : Sie hat sehr eingesackt^
gealtert. JSr hat eingesackt ^ Geld im
Spiele verloren. 2. sich sacken^ wie ein
Sack hängen, Falten werfen. Der Rock,
dus Kleid sacken sich. Ilennig, 218.
Die Tücher sollen . . .in der Schau un-
terstAcht werden . . . ob die Fäden aus-
gesjn^ngen, ob das Tuch Säcke oder
Taschen hohe u. der gl. Bock, Nat. I,
646. 3. sich anhäufen^ stopfen, fest
stopfen durch Rütteln und Schichten.
Der Ruiz sackt sich in der Ofenröhre
— Die Röhre ist versackt. Das Wasser
in Strafzendrummen sackt sich, wenn
der Durchlaiz verstopft ist. Hirichebrei
saxske dt. Sprw. I, 1627. Efz langsam^
es sackt sich besser,
sackerieren, pltd. -6ren, 9w,, fluchen^
wettern; frz. sacrer,
Sackfischer, Sackner, m., Fischer, der
mit einem Sacke oder Wenter fischt.
Auch darf kein Sackfischer gleichzeitig
mehr als 16 Säcke oder 8 Tücher oder
8 Netze ausstellen. Fisch.-Ord. f. d. fr.
HafF, § 4. Benecke, 312. 319.
Sackheim, m.^ Stadtteil in Königsberg,
ursprünglich ein Dorf; er soll jedoch
schon 1326 eigene Gerichtsbücher ge-
habt haben. Gerichtssiegel: weifzes
Lamm mit roter Siegesfahne. Faber,
122. Nach dem Erl. Pr. I, 672, hat
der Sackheim seinen Namen daher (^be-
kommen, „weil er im Grundriiz einem
langen Sacke gleichet, der unt€n, näm-
lich am Löbenicht, schmal und enge
zugehet". Hennig, 218.
sackig, adj., gesackt, faltig.
Sackleinwand, /., grobe Leinwand,
woraus Säcke gefertigt werden.
Sacklucht, /., Lucht, Bodenraum in
der Mühle, auf welchem das Getreide
aufgesackt, oder in Säcken aufgeschich-
tet wird, der Schüttungsboden.
Sacknadel,/., Fischn., s. Seenadel.
Sackner, m., s. Sackfischer.
Sackpreis, pltd. Sackprfs, m., Fang,
Gewinn bei der Fischerei mit Säcken.
Hennig, 217.
sacksfdegrob, adj., zur Bezeichnung
höchster Grobheit; Säcke näht man
nicht mit Stde (Seide).
Sackspicker, m., der in die Säcke
spickt, sticht, der Steuerkontrolleur.
Vgl. Lischkenkicker.
Sackspriefz, m., Sacksprosse, lange
Stange zum Befestigen der Säcke (Wen-
ter), Pricke. Auf welchen kann dar-
gethan werden, dafz er Sackspriefzen
habe stehen lassen, soll 6 Mark ver-
fallen haben. Fisch.-Ord. v. 1640.
Hennig, 217.
Sackträger, pltd. Sackdräger, m. 1.
Korporation von Arbeitern, deren Ge-
schäft es ist, das Getreide in Säcken
aus den Speichern in die Schiffe und
aus den Schiffen in die Speicher zu
tragen. Ihr Vorsteher führt den Titel
Vorläufer, m., Läufer, der die Spitze
hat, weil die Träger mit ihrer Last in
kurzem Laufe sich bewegen. Egsbg.
16*
244
Sackträgerherberge — salben.
Dzg. Vgl. Träger. 2. scherzhafte Be-
zeichnung för den Mann. Dtn Väder
08 e Sackdräger! neckt sich die Volks-
jugend.
Sackträgerherberge, /., Schenke, in der
die Sackträger verkehren.
SU, Send, /. 1. Futterkorb, Kiepe.
2. die zur Sättigung eines Pferdes,
eines Kindes gehörige Portion Futter;
auch der Futterinhalt einer Säd. Göff
em noch e Säd Häcksel. Dönh. Fried-
land Ostpr. Für die Abstammung sei
hingewiesen auf ahd. satald^ satUd^ /.,
Trockenfruchtmafz , ahd. satta^ mhd.
satte^ /., Art Korb f&r Speisen, aus
dem bibl.-lat. mlat. satum^ bibl.-gr.
oaxov^ \om aramäischen mtä. Schade,
745 b.
Sadebaum, m., wilder^ vielgabliger
Bärlapp, Li/copodium complanatum L,
Auch Waldcypresse. Pritzel^ 226.
Hagen, 1085.
Sftdel, m. 1. Sattel 2. Jauche, Mist-
jauche, Dünger. Dönh.
Sadelstrauch, m,^ europäi^^ches Pfaffen-
hütchen, Evonymus europaea L,; auch
Zwickholz.
Sftdelzeit, pltd. SftdeHtt, nach S ehe-
rn ionek, 33, Satelzeit, /. 1. die Saat-
zeit, Zeit zur Saat. Kommt Ttt kommt
Rat, kommt Sädelttt kommt Sät. Dorr,
79. Sprw. I, 4163. Es ist jetzt die
beste Sddelzeit Er lounderte sich, da/z
die Sattelzeit im Sambländischen bey
gar nahen Dorffem ni^ht gleich fielen.
Linem., Yy4b. Hennig, 217. 2.
Zeit der Mistfuhre. Von Sadel 2. Dönh.
Sadrach, m,, Satansdrache: böses
Weib; Teufel. Wie führt denn der Teu-
fel diesen Sadrach in die Küche! Soph.
R. 1, 213. Wo führt der Sadrach den
/let*?
Sadschirken, Sadscherken, SadschVrken,
plur., s. Satschirken.
Safrankuchen, pltd. SafrankAke, m.,
fladenartiger Kuchen mit Safran, früher
auf den Königsberger Jahrmärkten sehr
beliebt Vgl. Rosenkranz^ Kgsbg.
Skizzen I, 199.
Safransblume, /., Cacalia sonchifoüa
L. Weichseldelta. Treichel, Volks-
thümliches lU.
saftig, adj., derb, unzüchtig, zotig,
unflätig; von der Rede. Das war recht
saftig. Bock, 55. Hennig, 217.
Säg, Säj, /., die Sau, das weibliche
Schwein. Westpr. La, Mutter, de S^'
öfz loahm. Dorr, 69. In Ostpr. pltd.
SfK
Sage,/., Säge. J e r o s c h i n : (ie (Bäume)
durchsnitten st gar mit sagen cd durch
den kern 187a. Pfeiffer, 213.
Sägekraut, n., pltd. Pflzn., Krebs-
schere, Wassersäge, Stratiotes- ahides
L, weil beliebtes Futter für die Schweine
{Säge = Säue). Treichel, Volksth.
III.
SagelspOn, SagespOn, m., plur., SageU
späne, 'Spener, Sägespan. Hennig,
217.
Sagelsiern. Asa foetida. Treichel.
sagen, sw., sägen. S. aufsagen.
SagespOn, m., s. SagelspOn.
Säj, /., s. Säg.
Saye,/., dünnes Wollenzeug, 1 5. Jahrb.
Danzig. Hirsch, 253.
Saker, m., mhd. sachers, Art gerin-
ger Falken, frz. sacre. Schade, 737 b.
S. Kohl.
säkerig, adj,, s. sftkerig.
Säl, n., Säle, /., s. Siel.
Salat, m.^ Fischn., s. Rftp.
Salbe, pltd. Salw, /., Medik. 1. äggf-
tische, Unguentum aeruginis. 2. alte
ScliadensalJbe, Altschadensalbe, Ungt. ex-
siccans sive calaminae.
salben, pltd. salwe(n), sw., schmieren,
sudeln, schmutzen, verunreinigen, na-
salen — Salzkraut.
245
menüich reflexiv in be- und einsalben.
Hennig, 218.
salen, sw.^ reden, salbadern. T rei-
che!.
Sälen, sftlen, sflen, sUlen, sw,^ »ich. 1.
sich walzen; sich im Kote wälzen, an
unsauberen Gegenstanden besudeln.
Wölln ons uf Blome sdlen un lache.
Dorr, 1. Wiew., 56. Das Pferd stlt
sich, wälzt sich auf dem Rücken. Er
säU sich überall herum^ reibt, wischt
überall an und macht sich dabei schmutzig.
Wo ho fr sich denn herömgeseeltf Schaltj.
3, 4. Davon absälen, absflen, besälen,
besTlen, in Westpr. auch zusälen, sich^
sich beschmutzen. Neie Bexen^ da/z
du se wedder so zttseelen kannst! Schaltj.
3, 5. Vgl. alts. siUjan besudeln, ahd.
besfüjan^ ags. syljan^ seljan dass. Schade,
891 u. sich besdlen, beseien, auch: sich
einen Rausch antrinken. Er hat sich
rechtschaffen besah. Hennig, 254. 269.
Vgl. Sftlader, Sftlschurz. 2. sich den
ganzen Tag mit schwerer Arbeit be-
schäftigen, plagen. Nach Bock, 55,
und Hennig, 219, von dem Pferde-
geschirr, den Sielen, hergenommen,
also: wie ein Pferd angestrengt in den
Sielen liegen.
Saierei, STierei, Sielerei, /., Quälerei,
zur Bezeichnung eines mühseligen, durch
schwere Arbeit angestrengten Lebens.
Hennig, 219. Vgl. Sälen.
Saljett, Salwjett, Silwette, /., Serviette.
Salm, w. Vom., Salome. Hartwich,
55.
Salupp, /., kurzer, mit Pelz besetzter
Überwurf für Frauen. Schemionek,
33.
Salwei, m., Salbei, Salvia L.
Salwjett, /., s. Saljett.
Salz, pltd. Seit, n. In Redensarten:
Bei der Arbeit ist nicht das Sah (zu
verdienen). Etwas ganz aus dem Salze
machen, „es ganz aus (auTzer) der Weise
machen, unleidlich werden^. Es aus
dem Salze bekommen, heftige Schläge
erhalten. Die Hiebe aus dem „PfefiFer*'
sind schärfer. Bock, 54. Hennig,
219. Sprw. I, 3198 flf. Salz und Brot
bringt man gern Neuvermählten beim
ersten Besuche.
Salzbinse, Salzgras, Pflzn., Sumpf-
Dreizack, Triglochin palustre L. S.
Harmus.
Salzburger, m.. Nachkomme der ein-
gewanderten Salzburger. Er ist ein
Salzburger,
Salzburgerchen, n., frühere Wioter-
kleidung der Königsberger Frauen. „Sie
bestand in einem kurzen Pelz ohne
Ärmel". Der Name stammt von den
Salzburgern ab, an denen man „diese
Tracht bemerket". Hennig, 220.
salzen, pltd. SOlte(n), sw. Das ist hier
alles sehr gesalzen, sehr teuer. Hen-
nig, 219. versalzen, ungeniefzbar machen,
verderben. Einem ein Vergniigen ver^
salzen,
Salzfladen, pltd. SoKflade (a = a), m,,
Salzkuchen. Neckreim: De Schuster
Magiin Sott op em Tun On frett sock
an Soltfläde dick on dun. Kgsbg. Vgl.
Schusterjunge.
Salzfladenkttnig,9n., Spitzwort auf einen
Bäcker, Brothändler. Kgsbg.
Salzgras, n., s. Salzbinse.
Salzhaufchen, pltd. SolthQpke, n. Am
Sylvesterabende stülpt man mit einem
Fingerhute so viele Häufchen Salz auf
den Tisch, als Familienglieder vorhan-
den siod. Diese Häufchen läizt man
über Nacht stehen: wessen Häufchen
am Neujahrsmorgen versehrt ist, der
stirbt in dem neuen Jahr. Samland.
Volkskal., 31.
Salzkraut, n., Meerstrands-Milchkraut,
Olaux maritima L, Hagen, 274.
246
Salzpaudel — Sandkaul.
Salzpaudel, pitd. Sottpfldel, /., Käst-
chen von Holz oder Blech^ worin in
der Küche das Salz aofbewahrt wird.
Hennig, 219. Vgl. Paudel.
Salzplab, phd. Soltplab, m, 1. Salz-
fladen. Vgl. Platz, 2. Schimpfwort.
Du ongerädner Soltplatz^ du ungerate-
ner, unnützer Mensch. Sprw. I, 3204.
Salzseller, m., Kleinhändler mit Salz.
Hennig, 219. Jetzt wohl kaum noch
gebräuchlich. Vgl. seilen.
Salzatapler, 7n., ,,in Königsberg ein
geschworener Belehnter, der die Salz-
fässer auf- und her unterstapelt ^. Hen-
ttig, 219.
Samaiten, das litauische Niederland
nördlich der Memcl und die Bewohner
dieses Landes. Was man in Samadten
(und Litauen) findet und nicht findet,
erzählen Verse, mitgeteilt im Erl. Pr.
I, 142, und in den Sprw. I, 3206. Die
Samaiten kommen! sagt man, wenn die
Kinder sich schläfrig zeigen. Vgl. Sand-
mann,
S&mann, m., gelbe Bachstelze, Mo-
tacüla flava. Mit ihrem Erscheinen
beginnt die Saatzeit. Dönh.
Sftmekomft, /., Zusammenkunft, Ver-
sammlung. Gr. Werder. In Bremen
Sambtkome^ Sambtkumst, Samtkumst
Brem. Wb. IV, 588. Li Bayern Sam-
nunff, Sammung ^ /., in der älteren
Sprache Verein, Korporation, Konvent.
Schmeller IH, 244.
Samen, m., zur Bezeichnung von
Karpfenbrut. S. Benecke, 494.
Samenwicke, Futterwicke, Vicia sa-
tiva L. Hagen, 754.
Sftmerladen, plur,^ Sommerloden, die
jungen klebrigen Blätter derErle^ welche
auf Wunden gelegt gut thun.
SSmening, /., periodische Trocken-
legung und Beackerung der Karpfen-
teiche. S. Benecke, 272. 501.
Samft, m.^ Sammet, s. Sanft.
sämig, adj,^ s. seimig.
Sämisch, sftmisch, ad/, 1. fettgares
Lcder. 2. übertragen: sämischer Menadi^
— Junge^ „in Natangen ein fauler, trä-
ger Mensch, der sich immer zieht, dehnt
und reckt". Hennig, 253.
Samland, n., Landschaft zwischen dem
kurischen Haff, der Ostsee, dem frischen
Haff, dem Pregel und der Deime.
Samländer, m,^ Bewohner der Land-
schaft Samland, De Samländer frete
de Schap ruch op on denn schite se fer
de Natanger Pölz'! Alt-Pillau.
Samlod, Samlot, Samlotten, Pflzn.,
Grundheil, Peucedanum areoselmum
Mnch, Hagen, 313. Pritzel, 269.
Samolsin, Versammlung, Sammelplatz.
EfT ist zu Samolsin gegangen^ er ist ge-
storben. Pierson, Matth. Prätor., 7.
Sampanter, m,^ aus u?m Poln. stam-
mende scherzhafte Benennung des
Schnupftabaks, von sam (selbst)« pan
(Herr) und ter oder tart (er rieb), also
den der Herr selbst gerieben hat.
Mrongov. Wb. T, 464b.
samst, adv.,^ samt, zusammen, mit
Ich samst de Eltern, Auch: mit samst,
Sandat, m., Fischn., s. Zant
Sandblatt, Pflzn., Huflattig, Tussilago
farfara L. Weichseldelta. Treichel,
Volksth. HL
Sanddorn, m., roter, weidenblättriger
Seedorn, Hippophae rhamiioides L,
Auch Seekreuzdorn, Stechdorn, Haftdom,
rote Schlehen. Pritzel, 182. Hagen,
1038.
Sandhaber, m., Sandhaargras, Elymus
arenarius L, Auch Sandweizen, See-
gras, Seehaber. Hagen, 136.
Sandhuhn, n., lerchengrauer Regen-
pfeifer, CAaradriM«0^c?wr7itf7WM5L. Thom.
Mühling, Tiem., 177.
Sandkaul, /., Sandgrube. S. Kaul.
Sandkicher — Sarkaa.
247
Sandkicher, Pflzn., Sand-Bärenschote,
Astragalus arenaria» L. Hagen, 768.
Sandmann, m.^ der Schlaf, der sich
den Kindern naht. Sie reiben in schläf-
rigem Zustande die Augen so, als wäre
ihnen Sand hineingestreut. Der Sand-
mann kommt, — ist da, — streut Sand
in die Auffen. In Bremen Sandsaier,
in Pommern Sandsaijer, im Götting.
Sandman. Brem. Wb. IV, 589. Dähn.,
396b. Schamb., 179a. Hennig, 220.
Sprw. I, 3205,
SandpQper, m,, kleines kurzbeiniges
Frauenzimmer mit hängendem Hintern.
Vgl. pQpen.
Sandregerlein, n., Sandläufer, Wasser-
schnepfe. M ü h 1 i n g. Wahrscheinlich
der Zwergstrandläufer, Actodroma mi-
nuta.
Sandspirring, m., gemeiner Sandaal,
s. Suter.
Sandstein, m., schlechtere Sorte Bern-
stein. Bock, Nat.n, 217. 218. Vgl.
Stein.
Sandweizen, m., s. Sandhaber.
Sandwerft, Pflzn., geöhrte Weide,
Salia aurita L. Hagen, 1031. Auch
Salix arenaria, Ibid, 1024.
Sanft, Samft, rn., Sammet. Sprw.
Sanft am Kragen, Klei im Magen.
sanftlich, adj., leise, mild, glimpflich.
Schemionek^ 33.
Sänge, /., Zustand des Roggens, wenn
er nach der Blute anfangt Körner an-
zusetzen. Das Korn ist schon in der
Sänge. Nsslm. Wb., 509b.
Sangel, /., Ähre, Ahrenbüschel. Po-
trimpo war wie ein junger Man, ohne
hart, gekrönt mit Sangelen, Hennen-
berger, 465. Vgl. Schmeller III,
270. Birlinger, 384a. D ahn., 397a.
sangein, sangem, sw., vom Roggen,
wenn er, nach vollendeter Blüte, Kör-
ner ansetzt. Das Korn sangelt — san-
gert. Hennig, 220.
sangein, sengein, sw,, ein wenig sen-
gen, anbrennen. Das Bossen schmeckt
gesangelt, ist angebrannt. Wenn die
Suppe angesangelt ist, will die Köchin
freien. Vgl. ansangein. Davon
sangerig, sangrig, adj., sengerig, ge-
sengt; angebrannt von Speisen. Bock,
55, Hennig, 220: sangricht
sangern, sw., s. sangein.
Sängern, sw., sengen, brennen, prickeln,
stechen. Mühling. Bei Richey^ 224,
ist sangem das prickelnde Brennen und
Stechen in Händen und Fuizen, wenn
sie nach heftiger Erkältung wieder zur
Wärme kommen.
SanktomftI, m., s. Senktomftrsch.
Sannat, m., Fischn., s. Zant.
Sannchen, Sannke, w. Vom., Dem.
von Sänne, Kürzung von Susanne,
Hartwich, 55.
Sappen, sw,, plump und schwerfällig
geheu, namentlich im Kote mit hör-
barem Laut. Ebenso mhd., in Bremen,
im Göttingenschen, in Bayern. Brem.
Wb.IV, 590. Schamb., 179a. Schmel-
ler III, 275. Hennig, 221, erklärt:
saftig sein, einen Saft von sich lassen,
im klebrigen Safte oder im Kote hör-
bar rühren. Die Schuhe sappen, wenn
das Regenwasser in dieselben eindringt
und beim Gehen eigentümlich quutscht.
Vgl. Suppen.
sappig, adj., saftig, kotig, schmutzig;
von Sappen. Es ist sappig zu gehn, der
Weg ist kotig. Hennig, 221.
Sappust, /., Fastnacht; von dem
gleichbed.poln.^apttö^y. Schmitt, 109;
Westpr., 167.
Sarkau, Ortsn., Fischerdorf auf der
kurischen Nehrung. Oä na Sarkau, KrSge
btte. Sprw. 1,1151. Vgl. Krähenfresser.
248
Sarrast — Sao.
Sarrast, m. 1. Rest. Nöm den gan-
zen Sarrast, nimm den ganzen Rest.
Samland. Wohl aus poln. zaraz mit
einemmal, auf einmal. 2. Knüttel. In
diesem Sinne vielleicht gleichbed. mit
Sarras Degen, nach Weigand U, 526,
scheinbar aus poln. za für, bei^ an, und
raz Hieb, Stol'z; nach Adelung III,
1281, verwandt mit poln. zaraz in der
Bedeutung gleich, sogleich, alsbald.
Sarg, n., der Sarg. Das Sarg ist
viel zu teuer. Egsbg.
Sarhirrock, m., langer Rock, fast bis
zur Erde reichend, mit sehr hohem Kra-
gen und so langen Ärmeln, dafz man
nur mit Hilfe eines andern in dieselben
hineinkam. 18. Jahrh. Danziger Nhg.
VioUt, 176. NachSchemionek, 83,
Saturrock Überzieher, frz. surtout Wie
och dein Satuhrrock aussitt! Schalt] .
3, 4.
Sassen, SU7., sich festsetzen, einen festen
Wohnort nehmen. Davon
Safzhaft, adj\, ansäfzig, wohnhaft.
Mühling.
Satelzeit, /., s. Sftdelzeit
Satschirken, plur., Klümpchen von
Mehl und Wasser zur (Mehl-) Suppe;
Mehlsuppe, Mus. Von dem gleichbed.
poln. zacierki^ plur, von zaderka. Auch
Sadschirken, Sadscherken, Sadschttrken.
Satt, /., Milchnapf. Dönh.
Sattelhaus, n., zur Ordenszeit das Ge-
bäude, worin die Ausrüstung für die
Pferde aufbewahrt wurde. Bruder vom
Sattelhause hiefz der Ritter, dem die
Aufsicht über Sättel, Zäume, Gurte,
Halfter etc. anvertraut war. Hart-
knoch II, 614. Hennig, 221.
Sattelholz, Pflzn., gemeiner Spindel-
baum, Evonymus europaeus L, Müh-
ling. S. HahnenklOtchen.
Sattelpferdy n., ursprünglich das Pferd,
welches den Sattel trägt, allgemeiner
jedoch das links der Deichsel gehende
Wagenpferd, selbst wenn es keinen
Sattel trägt; das auf der rechten Seite
der Deichsel schreitende Nebenpferd
heifzt Handpferd.
Sattelzeit, /., s. Sftdelzeit
Sattin, 97}., nach Hennig, 221, ein
ehemals beliebtes Wollenzeug. Die
Weiber und Töchter der Freyen und
Schulzen mögen zu Ehren Lundische,
oder sonst von schönem Gewände, auch
Sattin und halhzahne Rocke tragen,
Kleiderordg. vom J. 1640. In Pommern
Satiin. Dähn., 397a. Jetzt ist Sctdn
Seidenzeug, Atlas, feiner Glanzkattun.
Saturrock, m., s. Sarturrock.
Satz, m, 1. Gesetztheit, Ernst. Ma*
r 0 1 d. 2. Earpfenbrut. B e n e c k e , 494.
Sau, pltd. SO,/. 1. weibliches Schwein,
und davon beliebtes Schimpfwort in
mannigfacher Zusammensetzung: Sau-
aas, 'bar, -besen, -hund, -läppen, -leder,
-Tnagen, -mensch, -michel, -pelz, -nigel
(Sauigel), -trommel, -zahn, -zeug. 2.
Glück, tautologisch SauglUck. Er hat
ein Sauglück. Vgl. Schwein 2. 3.
Fischerboot mit durchlöchertem Fisch-
kasten zum Aufbewahren der gefange-
nen Fische: Sau, Saw, Szaw, Seue,
Sewe, Zeuwe (1491 : Szaw-Kewtel). 1402:
Fohrt mehr gönnen wir Ihnen vnsem
Mohlgraben aus vnd einzufahren vnd
sie Ihre Sewe mit Ihren ßschen darinnen
behalten vnd auf beiden vberen frey an-
halten vnd Ihre Fische daselbst verkaufen.
Danzig. Hirsch, 307. Würde es sich
begeben, dafz von den Brüdern einer
seinen Knecht oder Sohn mit der Saw
hinausschickte, der soll etc. Rolle der
Kgsbg. Fischergilde von 1662. Bock,
Nat. V, 563. Wenn eine Sau im Pre-
gel zu Grmide gehet, der soll sie nicht
länger liegen lassen als bis an den drit-
ten Tag und sie alsdann herausziehen
Sauball — Saufgroschen.
249
lassen bey Strafe, Städte-Willkur vom
J. 1394. Bock, Nat. IV, 693. Vgl.
N SS Im. Forsch. 3; Th., 220. Benecke,
273. 277. 283. Jetzt heifzt das Boot
Seige und Sicke, /., Sicken, n., nach
Hirsch von seihen =^ sickern. (?) Hen-
nig, 253, hat Seechen, Seeken, für „ein
ganz kleines Fischerboot*', welche Na-
men ebenfalls hierher gehören und
wohl dasselbe Boot bezeichnen. Vgl.
Seuner.
Sauball, m,^ ein Treib-Ballspiel. Her-
nach ward Sauball gespielt. Soph. R.
m, 237. Nach Treichel heiizt dies
Spiel auch Surrchen.
Sauborg, ^n., verschnittene Sau. Trei-
chel.
Saubrot, Pflzn., gemeine Schuppen-
würz, Lathraea squamaria L, Ostpr.
Pritzel, 203. Vgl. Anblatt
Sauchelocker, nu, s. Koschkelocker.
Sauchen, pltd. SOke, Dem. von Sau^
Fischn., s. Barbe, Auch kurze Benen-
nung für SaubaU.
Saudistel, f.^ s. StechwarL
sauen, pltd. 8fle(n), sw^ obscön reden
oder handeln.
Sauenkohl, m., Pflzn., Saudistel, Son-
chus L. Ist in seinen hiesigen Arten
als gutes Schweinefutter in Verwendung.
Treichel. Volksth. Hl.
sauer, pltd. sQr, adj. Das kannst du
dir sauer kochen! als Zurückweisung
einer unbrauchbaren, unnützen Sache.
Sauer und sü/z kochen^ eine Speise mit
gesül'zter saurer Sauce bereiten, z. B.
graue Erbsen, Bohnen, Linsen, Eeil-
chen (Klöl'ze). Sür an sof, vn de Uwe
Ehstand, Sprw. H, 2264.
Saueramp, Sauramf, pltd. SQramp, m.,
Pflzn., Sauerampfer, Rumex acetosa L.
Nach Mühling auch Schnitt. In Pom-
mern S/V, Sür. Treichel, Volksth.
Sperber, 27.
Sauerei, pltd. SQerT, /., meist wohl
absichtliche Korrumpierung von Soiree.
Sauerffst, pltd. SQrffst, m. Barsche
Sitrftst vom öle Sätan^ Medik., Balsa-
mumsulphuris terebinthinatum, (^Oleum
terebinth. sulsphuratum.)
Sauerkohl, m., Sauerkraut, n., gewohn-
lich saurer Kumst, pltd. sure Kamst,
Kopfkohl, Brassica, oleracea L. var.
capitata. Namentlich als Gericht. S.
Kumst.
Sauerling, m., Pflzn., gemeiner Sauer-
klee, Oxalis acetosella L. Hagen,
481.
Sauermaul, pltd. SOrmOl, n., zur Be-
zeichnung eines Menschen mit sauerm
Maule, finsterer, verdrielzlicher Miene,
eines unfreundlichen Menschen über-
haupt. Üblicher Sauertopf, pltd. SQr-
top, bei MQhling noch Sauerzapp.
Davon : sauermaulsch, -topfsch, -zappisch,
adj., unfreundlich, finster, mürrisch.
sauem, sauren, pltd. 8flre(n), sw, 1.
sauer sein oder werden. Mühe machen.
Wat nich si/ert, dat söt^t 6k nich, was
nicht sauer wird, das sufzt auch nicht,
was nicht mit Anstrengung erreicht
wird, das macht auch nicht die rechte
Freude. Sprw. I, 3221. 2. gären,
in aussauem, aussauren. Die Krank-
heit mujz aussauren, sie muCz ihre Zeit
der Gärung haben, damit sich alle „Un-
lust" aus dem Körper scheide. Un-
bestimmtes Wetter mufz eben&lls aus-
sauem, dann wird es hell und freund-
lich. Bock, 55. Hennig, 221. Rei
Jeroschin stiren in dem Sinne von
sauer sehen, eine saure Miene machen :
nicht sach man st trurin noch murmeln
noch sfirin. Pfeiffer, 230. Ebenda
auch süren, n. u. sürkeit, f.
Saufgroschen, pltd. SQpgrosche(n), m.,
Geld zum Versaufen. £}r hat sich einen
Saufgroschen gemacht, er hat Gold durch
250
Saafralz — Schaaken.
Verkauf von Sachen oder sonst wie zu
erlangen gewalzt.
Saufrafz, m, Frafz, Fressen, Speise
für eine San, zur Bezeichnung schlechter
oder schlecht zubereiteter Speisen.
Säugefnutter, /*., s. Taufmutter.
saugen, pitd. 8Qge(n)y sw., stark trin-
ken. Der saugt gut. S. besaugen.
SaugfUllen, pltd. Sogfälle, n., Füllen,
das noch saugt. Hei ös munter wie e
SogfäUe. Sprw. I, 2675.
Sauglocke, pltd. SQklock, /. Die Sau-
glücke ziehen^ scherzweise die Bewegung
des Läutens roachen, wenn in einer Ge-
sellschaft eine obscone Redensart ge-
fallen. En Suh-Klock (Unflat) afz hei
was^ brukt keinen bätren Knäpel, Carm,
nupt. I, 282, 8.
SauglUck, n., s. Sau.
Saugzagel, m.^ Zagel, Schwanz, der
gesogen wird oder saugt: 1. kurze Ta-
bakspfeife; 2. der Raucher einer sol-
chen. Treichel.
Sauknoten, m.^ Pflzn., Wasser-Braun-
wurz, Scrophularia aquatica L. Auch
Kreuznessel. Hagen, 658. Pritzel,
368.
Saukraut, pltd. SQkrOt, n., schwarzer
Nachtschatten, Solanum nigrum L.
Hagen, 253.
Saulapp, -läppen, m., Schimpfwort.
Sauloch, n., Loch für eine Sau, zur
Bezeichnung einer schmutzigen Woh-
nung. Ebenso Saunest Für Posen bei
Bernd, 245.
Saulocker, Sauchelocker, m., s. Koschke-
locker.
SauIVffel, m., Pflzn., schwimmendes
Samkraut, Laichkraut, Potamogeton na-
tans L. Hagen, 182.
Saumagen,pItd.SQmäge(n),m.,Schimpf-
wort für einen schmutzigen, unflätigen
Menschen. Er ist ein rechter Sau-
magefi.
Saumeister, m., Meister einer Sau,
eines Fischerbootes (s. Sau 3), Führer
des Bootes, Fischerknecht. Einem Saw-
meister, so lang er fahret, wöchentlich
3 Mk., Gottespfennig 2 Mk. 10 Gr.
RoUe d. Kgsbg. Gildef. v. 1662. Bock,
Nat V, 559.
Saumensch, n., Schimpfwoit, s.
Mensch.
Saumichel, m., Schimpfwort.
Saunickel, m, 1. Pflzn., europäischer
Sanikel, Sanicula europeaL., auch Scber-
näkel, Scherneckel. Pritzel, 362.
Bock, Nat. m, 347. Hagen, 303.
2. unreinlicher, säuischer Mensch =
SauntgeL
Saunfgel, m. I.Sauigel, Schweinigel,
Erinaceus. 2. ein in hohem Grrade un-
sauberer, oder ein in seinen Reden ob-
scöner Mensch.
Sauramf, m., s. Saueramp.
sauren, sw., s. säuern.
Sausack, m. 1. schmieriges, schmut-
ziges Frauenzimmer. 2. stupider, maul-
fauler Mensch.
Sautod, m., Pflzn., unechter Gänse-
fui'z, Chenopodium hybridum L. Die
Schweine sterben davon, selbst wenn
er ihnen gekocht unter das Futter ge-
mischt wird. Hagen, 285.
Sauwetter, n., regnerisches, stürmi-
sches Wetter, bei dem selbst Säue,
Schweine nicht im Freien aushalten.
Sauzahn, m., Schimpfwort: Grobian.
Saw, /., s. Sau 3.
Sawatzki, Sawatzke, /. Einem, eins
vor die Sawatzki geben, ihm eine Maul-
schelle, eins an den Kopf geben. Poln.
zawadzic anstofzen, zawadza^ komu im
Wege stehen, hinderlich sein.
Scaprich, Pflzn., Schachtelhalm, Equi-
setum L. Pritzel, 141.
sch lautet pltd. stets wie hehd.
Schaaken, Ortsn., s. Schaken.
Schabander — schabbig.
251
Schabander, m.^ Ochse. On wenn eck
enmal schlachten wöll Een groten fetten
Mastachabander(JÄdi&io(^&[i), Seelen w.,
73f.
Schabbel, m, 1. Säbel; von dem
polD. szabla^ russ. säblja, lett. schablis^
Ht. szöble dasselbe. Nsslm. Forsch. 3;
Th. , 162. 2. Bohne, gewöhnlich
Schabbeibohne, nach der säbelähnlichen
Gest4dt, Schwertbohne, Schneidebohne.
Er liej'z sich Schabbeibohnen mitCanni'
nat zurecht machen, Soph. R. I, 399.
In Westpr. Schabbein. Schmitt, 109;
Westpr., 167. Viol^t, 104. Treichel,
Volksth. IL Schemionek,33. Sper-
ber, 40. Bock, 55. Hennig, 222.
Schwabbelbohne bei Pritzel, 273, ist
fehlerhafte Bildung. In Posen auch
Schappel. Bernd, 248.
SchabbeKufz, pltd. Schawwelföt, m.,
Fulz, der schabbelt; auch Schimpfwort.
S. schabbeln.
Schabbeihesse, /., s. v. a. Schabbelfu/z,
Ygl. Hesse und schabbeln.
SChabbelTg, adj, 1. vom Holz: ge-
wunden, gedreht, schief, dem Schabbel
ähnlich, 2. vom Menschen, wenn er
schiefe (krumme, Säbel-) Beine
hat und in seinem Gange unsicher und
langsam ist. Mühling.
schabbeln, schawweln, sw, 1. unsicher,
schwankend gehen; vom Menschen.
2. über die Deichsel treten ; vom Pferde.
Mühling.
Schabbeln, plui\ von Schabbel (s. d.)
Schabbeischoten, plur.^ Schabbelboh-
nen.
SchabbelQn, /., Schablone, Formbrett,
Muster, Vorbild. Mühling.
Schabber,/., Maul, Mund; \on Schah-
bem. Die Schabber nicht halten können.
In der Zusammensetzung tautologisch
Schabberfresse, -maul, Schwätzer, na-
mentlich ein solcher, der ihm Anver-
trautes weiter erzählt; polonisiert ochab-
berinski.
wSchabberhans, -michel, -peter, m.,
-iTse, -lotte, /*., Schwätzer, Schwätzerin.
§chabberig, §chabbrig, adj. von dchab-
bem, schwatzhaft, plapperhaft. Sie ist
ein schabberiges Frauenzimmer. Wenn
de lewe Gott nich noch e Wort beschert^
denn kam öck nich mot dem schabbrige
Mtil torecht, sagt die Schwätzerin.
Dönh.
§chabbern, sw,, viel schwatzen, reden,
plappern. Er schabbert in einem fort.
Er ichabbert seinen Stiefel weg. Vp;l.
sabbern, schiabbem, schwabbeln. Davon:
Ge§chabber, n., Geschwätz. Es war ein
Gezabber, ein Geschrei, da/z die Hunde
drob anfingen zu heulen. Soph. R. Y,
590. Hermes übersetzt Gezabber mit
dem fi'z. riote (er wählte zur Bezeich-
nung des «cA-Lautes das pöln. z). Auch
jabbem. Jabber doch nicht! Trudchen^
trautstes, erbai'Tri dich was jahberat du!
Vgl. jabbeln.
Schabbernack, m., s. Schabernack.
Schabbes, m., Sabbat, das hebr.
schdbbos.
Schabbesdeckel, m., Sabbat-, Sonntags-
hut, zur Bezeichnung eines schlechten
Hutes. Sperber, 45.
Schabbesglilschen, n., das Gleiten,
Schurren, auf der Eisbahn am Sabbat;
da dieses aber verboten ist, eine be-
sondere exquisite Art des Gleitens der
jüdischen Jugend, namentlich in Polen.
Schabbesglitschen, haste gesehn! Nach
Treichel Redensart beim Kartenspiel,
wenn unvermutet noch ein Trumpf
ausgespielt wird. Der Trumpf erscheint
also unerwartet und in gewissem Sinne
unberechtigt wie ein Glitscher am
Schabbes.
schabbig, adj., übel, elend, leidend,
kränklich, angegriö'en; abgegriffen, ab-
252
Schabbräcbe — Schacktarp.
geschabt, abgerissen. Ji sehnen recht
schabbig ut Dorr,l. Wiew., 31. Nach
Schemionek, 33, auch von schlechtem
Wetter. En schabbiger Rock. Vom
Rock auf den Mann ubeitragen : Ein
schabbiger — schabiger Kerl^ ein Kerl,
verlumpt im Charakter.
Schabbräche, /., die Brache, das Bre-
chen des Flachses durch Schaben. Vgl.
puchen 2.
schaben, sw. 1. prügeln. Ermland.
Muhling. 2. geizen, schinden, hart
bedrucken und ausbeuten. Vgl. schin-
gen.
Schaben, /!, s. Schäwen.
Schabernack, pltd. Schawernak, m.,
arglistiger Possen, böser, heimtückischer
Streich; mutwilliger Scherz, verdriefz-
liche Neckerei. Einem eiwas zum Scha-
bernack thun. Das ist Schavemack^
Necken ist das. Soph. R. VI, 459.
Naber, du saht 6k sehne^ wo di de
Scha/wemak gespeelt ös. Hexspr., 145.
Vgl. Weigand U, 535. Hennig,
222.
Schaberllbchen, n. 1. Rübe, welche
zum Kochen geschabt wird: Gelbmöhre
oder Steckrübe. 2. Kindemeckerei,
bei welcher das Schaben derart nach-
geahmt wird, daCz man mit dem Zeige-
finger der rechten Hand den Zeige-
finger der linken mit höhneader Ge-
bärde streicht (schabt). Gewöhnlich
ruft der Schabende dem Grehöhnten zu:
Scham' aus! Hennig, 223.
schäbig, adj., s. schäwig.
SchabrQn, Dem. Schabrflnchen, s. Schu-
prfne.
Schacherjude, m., Jude der schachert^
Handelsjude. Knaben bei ihren Kuppel-
oder Tauschgeschäften nennen den un-
reellen Kameraden Schacherjud.
Schachermachai. Kinder schreien den
jüdischen Hausierern höhnend nach:
Judche^ ScJiachermachai! Der Zuruf ist
entstanden aus dem alten hebräischen
und biblischen Grufz: Schalaum^ achad
Friede, meine Brüder! Man begegnet
auch dem höhnischen Zurufe: Sclio-
lemachai.
Schacht, Schecht, m.^ in der Gegend
von Friedland Ostpr. auch /. 1. Schaft,
langer und dabei ziemlich dicker Ast,
Stange. Bohnenschacht^ Bohnenschecht,
Stange, um welche die Bohnen sich
ranken. Deckekchecht (s. d.) Alth.
scafty angs. sceaft^ hoU. Schacht und
Schaft, engl, shaft. Brem. Wb. IV,
616. Lit. szakä Ast. 2. da der Ast,
Schaft etc. auch als Prügelinstrument
dient, Schacht auch s. v. a. Prügel,
Hiebe. Es giebt Schacht. Krigst Schacht
nach Note! Volksr., 89, 373 d. Vgl.
Schicht. 3. penis des Hengstes; davon
ausschachten. 4. Stiefelschaft, welcher
Schienbein und Wade umschliel'zt, mehr
jedoch Schecht (s. d.)
schachteln, st^., in übertragener Be-
deutung tüchtig und mit Appetit essen ;
auch einschachteln.
schachten, sw , von Schacht 2, prügeln.
öck war dt schachte!
Schachtwurm, m. 1. Idothea entomon.
Ostseestrand. Die Strandbewohner nen-
nen das Tier wegen seines verborgenen
Aufenthalts in der Tiefe des Meeres
Schachtwurm. Siebold, Zur Fauna
Preulzens. N. Pr. Prov. Bl. VII, 183.
Mühling, Tiern., 177.
schacksen, sw. 1. schäkern, lustig
lachend spielen. Das Kind mag gern
mit andern schacksen. Friedland Ostpr.
2. nach Mühling hinkend gehen. Vgl.
schapsen.
Schacktarp, Schaktarp, m., die Zeit, in
der nach den Herbst- und Frühjahrs-
überschwemmungen das sich bildende
oder abziehende Eis den Verkehr in
schaddern — schäffern.
253
den litauischen Niederungen vollständig
aufhebt; lit. szaktarpas. Der Schock-
tnrp kommt, S. die genauere Schilde-
rung Sprw. II, 2273.
schaddern, »w,^ viel und unnütz spre-
chen. Mühling.
schädderriy sw.y schuttein. Hei lacht,
(int hei sock schaddert.
schade, pltd. SChäd (a - a), adv. zuschade.
Der Rock ist zu schade, alltags getra-
gen zu werden,, er ist noch zu gut da-
zu.
schaden, sw», fehlen. Was schadÜt dir,
was fehlt dir, worüber klagst du?
Schad^ man dafür! in dem Sinne von:
Was wirst du nicht? Du wirst das
schon riskieren.
Schadenkauf, m., Diskonto. 1472
wird in Danzig eine Wechselschuld,
deren Valuta der Gläubiger schon vor
der Ycrfallzeit zu haben wünscht, an
einen Dritten, der dafür gegen einen
Abzug, den sich der Inhaber des
Wechsels gefallen läl'zt, sogleich Zah-
lung leistet, übertragen, und dieses Ge-
schäft wird ein Schadenkauf genannt.
Hirsch, 238.
Schäder, m., Mensch, der andern
Schaden und Arger verursacht. Müh-
ling.
schadern, sw. schadem gehen y Eier
der Raubvögel ausnehmen gehen und
so Schaden vorbeugen. Dorfknaben,
die solches thun, erhalten von den
Wirten als Lohn für jedes Raubvogel-
ei, das sie abliefern, ein Hühnerei.
Ermland. Mühling.
schädem, sw., Schabemak machen,
Possen treiben. Ermland. Mühling.
Schäfchen, pltd. Schftpke (ä=a), n.. Dem.
von Schaf, pltd. Schap, plur, Schäf-
chens, Schapkes. 1. kleines Schaf.
Bildlich: Er weifz seine Schafchens
gut zu scliereny seinen Vorteil wahr-
zunehmen. Bir hat seine Schafchens
schon ins Trockene gebracht, seinen
Vorteil eingeheimst. 2. Schmeichel-
wort für kleine Kinder. B^ bist mein
trautes kleines Schafchen, 3. Schaum-
welle der See. JSide heft de See schöne
Schapkes, Samland.
Schaff, nach T reich el in Westpr.
auch Schapp, n., Schrank, Schrein,
Spind. Bücher-, Kleider-, Essen-, Speise-^
Küchen-, Topf-, Wäscheschaff. Glas-
schaffy Schrank mit Glasthüren. Poln.
szafa, szafka wohl aus dem Deutschen.
Wenn man nicht Küch, nicht Schaff,
nicht Keller kann bespüren, Carm,
nupt, U, 22 b. So kann au>ch sie das
Geld ins Schaf zusammenlegen. Ibid.
S. Hagen, Norika. Leipzig, 1872,
S. 84. Bock, 55. Hennig, 223.
über Schaf als oben oflFenes Gefaiz,
Falz, Becken s. Weigand II, 539.
Schade, 778b.
schaffen, stu.sw, 1. machen, herbei-
bringen, herbeiholen, besorgen, an-
scha£Pen. Das mufzt du mir schaffen!
Schaff mir ein Pferd — Geld etc,!
AW diese Sachen hab^ ich mir geschafft,
2. wirken, nützen, fördern, vorwärts
bringen, vorwärts konmien. Dcts schafft
== fördert, wirkt, hilft! Das schafft
nichts! Die Mouschiri schafft was,
Schäffer, m., SchaflEner, Verwalter,
Aufseher, Wirtschafter,namentlichGuts-
verwalter, Inspektor. Von schaffen; in
einigen Gegenden Deutschlands un-
mittelbar Schaffer. Hennig, 224.
schäfferieren, sw,, s. schäffern.
Schäfferin, Schäffersche, /., Schafinerin,
Wirtschafterin. Hennig, 224.
schäffern, sw., von schaffen, sich zu
schaffen machen: 1. befugt und dann
s. V. a. im Hause eifrig herumwirt-
schaften. 2. unbefugt in anderer Leute
Sachen sich mischen oder unter ihrem
254
Sühäffersche — Schalbelehtiter.
Hausgeräte sich zu scha£Pen machen.
Woi hast du hier zu schafemf Bock,
56. Hennig, 224. In beiden Bedeu-
tungen auch schäfferieren. Vgl. käm-
mern.
Schaff ersehe, /., s. Schaff erin.
schäffrig, adj. von schäffem.
Schafscher, Pflzn., Schafgarbe, Achü-
lea miUefolium L. Friedland Ostpn
Treichel, Volksth. HI. Nach diesem
heifzt die Pflanze im Weichseldelta
pltd. auch Schftpscharwel. Beide Namen
erklären sich daraus, dal'z die Bluten
der Pflanze aus der Feme aussehen,
als wären sie Stücke der geschorenen
oder gescharwten (s. scharwen • und
Scharwel) Wolle des Schafes.
Schafshusten, m., Husten eines Schafes;
zur Bezeichnung eines kurzen trockenen
Hustens.
Schafskopf, m, 1. Kopf eines Schafes.
2. Schimpfwort für einen dummen Men-
schen. ESchdpskopp kosft tteDäler —
wenn du wölkte denn kep. Der Schafs-
kopf als Injurie ist gemeint. Sprw. I,
3243. Ebenso Schafsnase, Schafszagel.
3. beliebtes Volks-Kartenspiel.
Schafskot, m,, Pflzn., s. Kaffeebohne.
Schafsnase,/., -zagel, m., s. Schafs-
kopf.
schäftig, ad},f grob, frech, trotzig in
Rede und Gebärde; keck, forsch, vor-
witzig, redefertig und geschäftig im
Wesen. Sie hat ein schäfüye» Maul.
Sie war noch schaftig, sie behandelte
uns grob, schrie uns an. Sei man noch
schaftig, frech, unverschämt ! geschäftig
ist eine moderne und in der Bedeutung
abgeschwächte Abzweigung. M ü h l i n g
fuhrt noch die Bedeutung: tbätig, ar-
beitsam an, die wohl die ursprüngliche
ist, aber gegenwärtig provinziell kaum
üblich sein dürfte. Sie findet sich
noch in Luthers Bibel: Spr. Sal.
14, 4: Wo der Ochse schäfüg ist^ da
ist viel Einkom7nens, Bock, 55. Hen-
nig, 223.
schaggern, sw,, etwas lose auf ein-
ander schichten, hauptsächlich Dinge,
die nicht fest sich zusammenlegen, wie
z. B. Strauchwerk. Marold.
Schäk, m., dünne Leine an dem Ende
der Treibleine des Braddengams, die
während des Fischzuges neben dem
Steuer des Braddenkahns festgemacht
wird. Benecke, 337.
Schflke, /., Glied einer Uhrkette.
TreicheL
Schaken, Schaaken, Ortsn., Kirchdorf
im Kreise Königsberg. Die Schakener
ziehn sich Paresken an, gehn zur Kirche
und singen: Ein Wohlgefallen Gott an
uns hat Samland.
Schäker, m., nach Hennig s. v. a.
Schacher, kleiner, hagerer, kränklicher
Mensch. Er sieht aus wie ein Schaker.
In Hamburg und Bremen SchräkeL
Brem. Wb. IV, 689.
Schakerillenbork, Schakrillenbork, Scha-
krill, /., Medik., Cortex cascarillae.
schäkig, od)'., scheckig, bunt. (?) De
Fiebel had (eck) derchlekrt on wüste op
en Haar Dat schehckge ABC dabie de
andre Siehde. Cai^m. nupt. HI, 77c.
Schaktarp, m.^ s. Schacktarp.
SChakOterig, adj., zum Herumtreiben
geneigt, unstät: ein schakuteriges Frauen-
zimmer.
Schal, /. u. m., Shawl.
Schalbelehnter, m., ein mit der Schale,
Wagschale, Belehnter; vereidigter
Wäger bei den städtischen Wagen.
Königsberg. Dan zig. £benso Schal-
knecht, w., Aufsetzer der Gewichte bei
den öffentlichen Wagen. Dzg. W.
Seidel, 34 Heute heiizen in Kgsbg.
Schalbelehnte die Aufsetzer der Ge-
wichte.
Schäl her — Schallen.
255
Schälber, ?n., schälbern, sw.y s. Schei-
ber etc.
Schälblatter, f.y Blatter, die sich
schält, „abschäl wert", Hitzblatter. Wir
bitten Mütter^ bei deren Kindern die
sogen, Schefdblattem sich nicht finden^
aufmerksam zu sein, Soph. R. IV, 335.
SchAldiele, /., Diele zum Verschalen
des Daches; man benutzt daza gern
die sog. Schwarten.
Schale, /. 1. Schüssel, Napf. 2.
kaUe Schale. KaHschAl, /., Getränk,
Schale mit Bier, seltener mit Wein,
worinSchiflFszwieback gebröckelt, Zucker,
Zitrone etc. hineingethan wird. BAn
Glas Kaltschdl. Hennig, 224.
Schäle, pltd. Schell(e), plur. Schälen,
Schelle(n), /., Schale. Kartoffeln mit
Schälen^ in der Schale (Pelle). Hen-
nig, 229.
schälen, gewöhnlich verschälen, sw.
1. schal werden, Geist und Kraft ver-
lieren; von Getränken. Das Bier ist
verschalt. 2. die Fläche des Daches
mit Brettern uberkleiden, daher üblicher
verschälen, also mit einer Schale, Hulle^
bekleiden. Im Holsteinschen: den Mast
cerschalen^ ihn unten mit Holzplatten
einschliei'zen; in Pommern: Das Ufer
schalen^ verschalen^ ein Ufer mit Bret-
tern verkleiden. Schütze IV, 20.
Dähn., 400a. Hennig, 224. 290.
schälen, pltd. schellen, sw. 1. der
Schale entledigen. Kartoffeln schalen.
2. schuppen, abschuppen; von der
Haut, die sich in kleinen dünnen
Schuppen ablöst. Gewöhnlich schalbem^
schälwem. 3. spülen; vorzugsweise von
den Wogen des Meeres, welche sich
am Ufer brechen. Das Ufer^ der Damm
wird weggeschält. Das Getreide schält,
es wogt gleich den Wellen. Die Wäsche
schälen, sie durch Hin- und Her-
schwenken iui Wasser spulen, reinigen.
4. mit der vorigen Bedeutung verwandt :
schnell fliefzen. Das Wasser schält
man so. Nach Mühlin g in diesem
Sinne auch schTnen. abschälen, in den
Bedeutunoren 1 bis 3. Hennig, 225.
229. Vgl. schelen.
schalig, adj. von schale kraft-, ge-
schmack-, geistlos.
Schäling, /., s. Schälung.
Schalk, 7»., verwilderter Schöizling
kohlartiger Pflanzen. Weifzkohl, Wruk-
ken, Kohlrabi, Runkelrüben etc. sind
zweijährig und bilden nur im ersten
Jahre brauchbare Köpfe, resp. Wurzeln,
aus denen im zweiten Jahre Blüten-
und Fruchtstengel treiben. Wenn sie
nun (ausnahmsweise) bereits im ersten
Jahre Stengel treiben, so kommen die
brauchbaren Köpfe und Wurzeln nicht
zur Ausbildung, und die Pflanzen hei-
izen alsdann Schälke, Schalken, lit.
szalkei. Nsslm. Forsch., 3; Th. 220.
Im Götting. ist schalkkdl ebenfalls
gleichsam betrügerischer Kohl, d. i.
Kohl, der keine Köpfe oder Bollen
bildet. Schamb., 180a. Vgl. KumsL
Schälkartoffeln, plur., Kartoffehi in der
Schale (PeUe).
Schalknecht, m., s. Schalbelehnter.
Schallen, Ortsn., Dorf im Kirchspiel
Allenburg, Kreises Welilau. Als die
Chaussee- Verbindung zwischen Allen-
burg und Wehlau noch fehlte, führte
eine gewöhnliche Landstralze alter Art
von Allenburg nach Wehlau über die
Orte Schallen, Leü'zienen, Rockelkeim
und Paterswalde. Den Zustand dieser
Landstralze schildert der nachfolgende
Volksreim: Körnst du na Schcdle^
warscht du motte knalle, Ön Leifziene
warscht du motte grtne, Awer ön Ro-
ckelkeim, da schlag dat Wedder drein!
Bet du kömst nä PäterswSld, heft de
Diwel alles gefiolt Sprw. I, 3244.
256
Schalra — Schande.
Schalm, m. 1. Waldstück, Waldteil,
Streifen Waldes, besonders abgegrenzt.
Öck hebb en ganzen üchalm gehofft 2.
llolzstrecke. (?) Godrienen. 3. Rain,
Grenzt», besonders im Walde. Natan-
gt'n. 4. Marke in Waldbäumen; vgl.
jschalmen,
schalmen, ««r. 1. Bäume im Walde
durch AbschuK'n oder Abschlagen eines
Stückes der Kinde zeichnen, entweder
lUs Grenzmarke oder als zum Fällen
bestimmt. 2. eine Grenze im Walde
schlagen; einen Wald durchhauen, ab-
SChabnetl in der Bedeutung 1 und, nach
Hennig« i>, einen Teil des Waldes
einhegen als Weide oder Schonung.
VgL Grimm, Wb. I, 95.
Scbtiti wi., Appellationsbericht, Be-
sohwerdesohrift an das Ol^ergericht
über ein Urteil des Untergerichts.
Bone« Beilrag «. preufz. Seerecht» 26.
Eim VfttH .<rA<iA(*M^ appellieren. 11 en-
nig. 225.
SCkiHtn WNI waHtn = handeln, thun.
Et $K^kitlttt nmi nrtilM Air* nrie er
SchtKtnls, IN«. Pin>gge^ ausgerollter
MehUoig« der« tuswomiengelegt. in fei-
n^nH\ Häusern mit Konfitüren« in
s^Klichteren Haashaluing^n« namentlich
in lauiuen« mit Glumse gefuUt und
dann $elvackeii wird. Die Glumse wird
häufig mit IKxni^ i^ier Zucker süii g«^
macht und mit fein g^riebem^m Zimmet^
«^ii4:lisok<'m ii^wür*. etw;iis Satnin und
kleiuei; K^Nsir^n dun^hp^knetot. IVr
Name d^^ ursfxrikngtioh litauisckT^n G\^
rickufts ist ^ixe Zu;^«lem«^^.s«^t^ttn^ aus
Kt. c;s47i tn<Hrva ^.s:,>J^,» kalO und *kw
Xa:>*f^ b<Ni<utrt alsv^ .»kalte Nas^^'*, In
a»\^<nNX G^^WÄxie« d^^r IVnirj hei .rei:
*tK>s^ l\rv>5:j>rr. tr«V«rwi!rVv-yw^%s im F.rm-
la»\W ^t,M^Tirt<Ä>u^ V^; B.^vk« Na;*
l 1^-4.
Schalung, /., Verschalung, Verkleidung
mit Brettern. Der Polier hat nicht an-
geordnet^ die Stet fen fortzuschlagen^ Mn-
dern nur die Schalung zu lichten, Egsbg.
Hart. Ztg. vom ll.Oktbr. 1873. Nr. 239.
Abd.-Ausg.
Schälung, Schäling, /. 1. die leichte
Brandung der See, das Anspülen nnd
Zurücktreten der Wellen. 2. der be-
spülte Rand des Meeres selbst. An vie-
len Stellen schief zet das Seeufer so allmäh-
lich ab^ dafz man mit Kutsch und Pfer-
den bis in die Scheelung ganz gemäch-
lich herabfahren kann. Bock, Nat. I,
447f. VgL RolUng.
SchahippeiMiaiik, n., Umschlagetuch.
Treichel.
SChalusch, adj\, hinterlistig, auf eige-
nen Vorteil bedacht. E schabtscher
KM.
schUwenu sw.y s. sdielbem.
Sdiamel, m., Schatten des Menschen.
Saalfeld.
schSiMiiani, sir.. s. sdmimern.
SchlMMrsbnde. /., s. Schimmerung.
scMuii|wlii« MC.« s. sciiMBipeln«
achl1lifr>ny nr., entsteilen, verun-
ziervn. Sc^td öck «w de Nds af
$chamf>f'r öd mh Gesockt
ScUn, m. Vom.« Abkürzung für
Ohrisüan. Hartwich, 54: Szan.
Schämht^ bAf ma»L Christimncken, bete
nach. Samland. Sprw. I, 30. Wenn
iVat vkM ir«/;>l IT.' oet dem Sekdn^ nU-
m^m i^w SJji. Mpf hr»«. Königsberg.
Firmenich L lOia.
rU WasiSit^nzage« Pede. E.
For<:em erinaen zur Ableitmi^ dalk
trüber in NoruLaosien tind wtdil madi
ari an«ien»i Oneti Huren Tor dem
Ka:ha9L>ie i.>e
mu t«<
ko^cm. Im P^
ilnrdieScInl-
(SMta)
schänden — Schappkenmfitce.
257
mofzte der Verbrecher die Schandsieine
am den öffentlichen Markt tragen und
aaf den Kcuik oder Pranger niederlegen.
Dähn., 401a.
schänden, sw., Schandhaftes nachsa-
gen, verleumden, beschimpfen; schim-
pfen, schelten, Verweise aasteilen,
dann gewöhnlich: ausschänden; über-
haupt über jenfknd sprechen. SckäfuT
jü allwedderf In gleichem Sinne schan-
tieren, pltd. 8chand(re(n). Hingegebe dem
Schandeere an dem KickelkackeL Dorr,
1. Wiew., 125.
Sc\imAw\imA^T.Schandet*bandei* schlägt
sich^ Schanderbander oertrdgi sich. Kö-
nigsberg Soviel als Pack, aus Schande
und Bande zusammengesetzt. Sprw. II,
2289.
Schandfleck, m. u. /. 1. Schand-
flecken, wie aligemein. 2. harte Schelte,
Schimpfrede. Datgew e Get'öcht Hchand-
ßeck, das gab tüchtige Schelte. Einem
ein Gericht Schandfleck anhangen.
Schandfleck wird wortspielend mit Ge-
richt in Zusammenhang gebracht, da
Fleck eine provinzielle Lieblingsspeise
ist. For e Grosche Schandfleck ! fordern
Spal'zvögel in Königsberg von den
Marktfrauen, und sie erhalten Schimpf-
worte reichlich zugemessen. Für Posen
bei Bernd, 247.
schändlich, adv.^ zur Verstärkung im
Sinne von sehr. Er ist schandlich reiche
— hat schändlich viel Geld, — schdlt
schändlich.
Schandmaul, n. 1. loses, schmähsüch-
tiges Maul, Lästermaul. 2. Person, die
ein solches Maul hat. . . . darauf dies
Schandmaul geantwortet: Mein lieber
Herr., ich frag' den Teufel nach der
Busse. Hartwich, 528. Hennig,
225.
schamlshalber, schanshaiber, adv.,
acbftodenlMdber, anstandshalber, ehren-
MteMter, WfirtwbiMk U.
halber etwas thun oder lassen, weil
man sich sonst zu sehr schämen
müfzte, nicht aus innerem Antriebe.
Schmeller III, 370.
Schäne, /., schänen, sw., s. Schftne.
§chan(re(n), sw,^ sich^ sich genieren,
blöde sein. Be schauert sock man.
Schang, n., WoUenzeug^ einfach ge-
wirkt, vne Linnen; also nicht Drillich
oder Halbdrillich.
Schank, m. u. /., Schenke. Bier--
schanky Bierschenke.
Schankäich, /*., s. Schenkäich.
schänken, sw.^ Schanker, m., Schän-
kersche, /., s. schenken etc.
Schankreis, n., Zweig vor einer
Schenke. Um die Quirl und Schank-
reiser zusammen zu bringen^ werden die
muntersten und besten Fichten und Tan-
nen nicht verschonet, Bock, Nat. lU,
33.
schanshalber, adv.^ s. schandshalber.
schantieren, m*., s. schänden.
schanzen, sw.., mühsam und ange-
strengt arbeiten. Ich habe den ganzen
Tag schanzen mimen. Vgl. ZUSChanzen.
Schanzenläufer, Schanzeläufer, m ^ kur-
zer Frauen-Uberwurf. Schemionek,
33.
Schäpel, m.^ von Sperber, 27, kurz
als „eine Fischart" bezeichnet. Wohl
fehlerhaft für Schnäpel (s d.).
schäpen, str., schiffen, zu Markte fah-
ren und zwar per Achse. Getreide schä-
pen. Gr. Werder.
Schapp, n., s. Schaff.
schappieren, pltd. schapp&re(n), auch
eschapp6re(n), entgehen , entschlüpfen,
franz. echapper. Hei es schappert.
v. Auer.
Schappke, n., Käppchen. Gr. Wer-
der
Schappkenmiifze, pltd. Schappkemüb,
f., wörtlich Eäppchenmütze^ leichte
17
258
Schapscharwel — Scharre.
Sommerxn&tze, im Gegensat zzur Pudel-
mütze^ Pelzmütze, Wintermütze. Gr.
Werder.
Schapscharwel (erstes a = ä), Pfizn.,
s. Schafscher.
SChapsen, sw,^ gehen, laufen, schaps
man af\ mache, dal'z du fort kommst.
Vgl. schacksen 2.
Schar, /. u. w., 8 — 12 m breite streifen-
artig sich hinziehende Bodenfläche in
den Ha£Pen nächst der Packrant (s. d),
mit plötzlichem Abfall des Grundes.
Wesentlich für die Schar ist der plötz-
liche Abfall des Grundes, vfo ein sol-
cher nicht vorhanden ist, giebt es keine
Schar. Man unterscheidet harte und
weiche Schar^ je nach der Beschaffen-
heit des Grundes. Benecke, 223.
Innerhalb dieser Grenzen dürfen nur
die zur Dorfschaft Alt-PiUau gehörigen
Fischer unter der Bedingung^ dafz sie
die Schaaren^ den Kessel und den Strom
beiPillau vermeiden^ ihre bi^henge Fische-
rei mit dem Strandgame ausüben. Fisch.-
Ord. f. d. fr. Haff, § 13. Vgl. Mott, /.
schär, adj.^ schräg, schief. Natangen.
Schärbock, SchSrbock, m., Scharbock,
Skorbut. Worauf er hernach merch-
lichen frisch sich befunden hat^ nach-
dem er vor weniger Zeit einen starcken
anstosz von Schörbock gehabt Linem.,
Zz3a. Nds. schärbuk, holl. scheurbuik,
schwed. skörbjuggy engl, scurvy^ woraus
das neuere Uit. scorbutus. Über die Ab-
leitung s. Adelung III, 1360. Wei-
gandll, 548.
schären, sw,y schüren. Juhn Find
verlahm ^ wenn hei seekt Onglöck anto-
schdre. Carm. nupt. 1, 282, 17. Juhn
Fingdt verlohm^ verkrom^ de Ju wat
schlehms to schäre, Ibid III, 77 d.
Schärfe, /., verschärfte Strafe, höhe-
res Strafmal'z; vielleicht auch eine be-
stimmte Strafe, vnd ob sie (die Her-
ren der Morgensprache) woll gnugsame
vrsache jhn hart zustraffen gehabt, haben
sie jme dennoch die scherffe erlassen,
1549. Die Zünfte, 46.
Soharfischerei, /., Fischerei, welche
nur auf den Scharen ausgeübt werden
darf. Sie wird mit dem Schargam be-
trieben, das mit dem' Windegam gleiche
Einrichtung und gleiche Maschenweite
hat, jedoch bedeutend kleiner ist. Auch
bei dieser Fischerei dürfen weder Ruder
noch Segel angewandt werden, um das
ausgebreitete Garn in der Länge vor-
wärts zu ziehen. Sie heilzt auch Som-
mergarnfischerei.
Schargam, n., Garn, Netz, zur Fische-
rei in der Sommerzeit auf den tiefen
Scharen des frischen Haffes; es heilzt
auch Sommergam. S. Benecke, 344.
Schärker, m., s. Hahnenpfote.
Scharmachergasse,/. Danzig. Förste-
mann, Stral'zn. , 15, fragt: Ist dabei
an Yerfertiger von Pflugscharen zu
denken? oder von Schirmen? schwer-
lich an die Scharwache.
Scharmull, m., s. Kräfzel.
scharmutzieren, sw^ schön thun, lie-
beln, mit Mädchen tändeln. Gleichbed.
mit Scharmützeln von Scharmützel Klein-
gefccht.
scharnig, adj.^ fett, gemästet. Im Göt-
tiug. schamefett zum Schlachten fett,
sehr fett; von Tieren und Menschen.
Schamb., 181a. Lit. szeriu,, szerti
futtern, nuszenu mästen. Lit. Aeq., 21.
Nsslm. Forsch. 3; Th., 163. Hennig,
226.
Scharp, Scharpvogel, w., Schnarrwach-
tel, Crex pratensis; nach dem Geschrei
scharp scharp. Vgl. Grasser.
Scharre, /., Fischn., s. Flinder
Scharre, /., Scharren, m., Bank, Tisch,
auch Lokal, Gebäude, zum Kauf und
Verkauf von Brot oder Fleisch. Fleisch-
scharren — Scharwerk.
359
scharren^ Fleischbank. Brotscharren
Brotbank. In Hamburg Schrange^ in
Braunschweig und in Pommern Schar-
ren^ im Götting. schartig in Bayern
Schrann^ Schrannen. Kichey, 241.
Dähn., 401a. Schamb., 181a.
Schmellerlll, 512. Hennig, 226.
Vgl. WeigandU, 550.
scharren, sw.y kratzen, hervorkratzen.
Kartoffeln scharren^ aus der Erde kratzen.
S. klauen.
scharrewarre, ocfe., unordentlich und
verworren durcheinander liegend. Das
liegt alles schairewarre, Wohl aus dem
frz. charivari Gezänk, Lärm; Katzen-
musik; im Kartenspiel alle vier Damen
in einer Hand. Hennig, 226.
Scharrfufz, m , Kratzful'z, Verbeugung,
Kompliment, Visite. Ich mujz ihm mei-
nen Scharrfufz machen. Eck dankt met
fehl Complent on makt em doehp Schar-
Foth, Carm, nupt HI, 77c. Hennig,
226. Vgl. Kratzfufz.
Scharrhans, m.^ Hans, der scharrt,
einscharrt, zusammenrafft: Geizhals,
Filz. Schimpfwort. Stein, Peregrinus
XII, 82. W. Mtsbl. V, 191.
Scharriwarri , /., „lange Beinkleider,
die man auf Reisen oder zu Pferde
trägt, um sich nicht zu beschmutzeu;
eigentlich wol persische Beinkleider.
£in altes persisches und sehr in fremde
Sprachen gedrungenes Wort (S. Ro-
landi Diss, de veteri lingtut Fers» voc,
Sarabara.y Dzg. Klein II, 107.
scharrjäken, sw.^ rasen, tollen, wild
und unordentlich sich benehmen. Müh-
ling.
Scharrkuchen, pltd. ScharrkAke, m,
letzter Fladen (Kuchen), zu dessen Her-
stellung die Teigreste zusammenge-
scharrt wurden.
Schart, m., kleiner Napf zui* Auf-
nahme des Katzonfntters. TreicheL
Scharugge, /., altes Pferd. Treichel.
Vgl. Kracke.
Scharwel, m., s. Scherbel u. scharwen.
scharwen, sto., schneiden, schrapend
schneiden. Wer de längste Bart heft
(beim Essen am meisten den Mund be-
schmiert hat), mufz op e Sinndag Kohl
scharwe. El hing. Sprw. J, 246. Da-
von Scharwsel, Scharwel, n., das Ab-
geschnittene: Kaiixiffelscharwsel. Schap-
schaffet, die abgeschorene Wollflocke.
Vgl Schafscher,
scharwenzeln, scherwenzeln, sw,y schmei-
chelnd dienstwillig, um jemand sich
viel zu schaffen machen, ihm Ergeben-
heit beweisen, mit dem Beigeschmack
des Unstäten und Müi'zigen. Nach
Gortzitza auch scharwenzen. Von
Scharwenzele w.. Unter (Bube) im gleich-
namigen Kartenspiel; Allerweltsdiener;
dienstbereitester Bückling mit Scharr-
ful'z. Weigand II, 552. Er scher-
wenzelt stets um ihn herum. Nu kam
emal ^ne mächtige Fee bei er^ on om die
scharwenzelt^ (fehlerhaft steht schwar-
wenzelf) se herum. Schalt). 1, 441.
Komm^ §k kann nich scharwentzeln.
Dorr, 1. VView., 68. Wo bleibt ehr (der
Erde) da noch Zeit om de Sonn' i^um-
mer ze schet^wenzeln, Schaltj. 1, 442.
Scharwerk, pltd. SchArwark,n., Dienst-
iirbeit, verpflichtetes Tagewerk. Ins
Scharwerkgehn^ zur verpflichteten Dienst-
arbeit gehn. Der Begriff Frohndienst,
Frohnarbeit, der früher mit dem Worte
verbunden war, ist in demselben gegen-
wärtig nur noch in soweit lebendig,
als die Verpflichtung zum Scharwerk
für eine durch Übereinkommen festge-
setzte Zeit besteht. Vgl. Scharwerker.
Aus Schär e mhd. schar ^ ahd. scara
Heeresabteilung, Haufe, Menge, zuge-
teilte, der Reihe nach zu leistende
Dienstarbeit; polonisiert szarwark,
17*
260
scharwerken — Schatolz.
Hennig, 225. Vgl. Weigand II,
552.
scharwerken, 9u^. 1. Scharwerksdienste
leisten. Do gab er (Meinhardt von
Qaerfart) den Pauem fünf gantze Jahr
frey^ da/z de nicht dorffen schössen noch
schorwercken. Hartwich, 6. So müssen
sie doch dem Schlojz und dazu gehöri-
gen Gütern zur gewissen Z^t schaar-
wercken. Denn wenn zu Schlo/z etwas
grauet oder repariret tcird, müssen sie
aUe Materialien und Zubehör beiführen.
Ibid., 55. Nach Gordack bezeichnet
man mit scharwerken auch die Thätig-
keit der sog. „Zweiten" in der Küche,
des Nachharkens auf dem Felde. 2.
arbeiten, ohne sonderlich dafür belohnt
zu werden. Ich habe den ganzen Tag
zu scharwerken und verdiene: doch so
gut wie nichts. Ich mufz ihm viel schar-
werken. 3. sich abarbeiten, quälen. —
In Pommern schaarwarken geschäftig
sein, Verkehr und Gewerbe betreiben.
Dähn., 398b. Hennig, 225.
Scharwerker, tt»., ein zum Schar werk
verpflichteter Arbeiter, meist unverhei-
ratet. Auf den Gütern sind die Inst-
leute verpflichtet, eine bestimmte An-
zahl Scharwerker zu halten, mit welchen
sie auf Erfordern des Gutsherrn in die
Arbeit rücken müssen. Sie zahlen den-
selben einen bestimmten Tagelohn; nach
Sperber, 27, zahlt diesen die Guts-
herrschaft. Dumm^ faul und gefräfzig
giebt einen guten Scharwerker, Fül on
e gödet Mül göft e gCde Scharwerker,
Er geht wie ein Scharwerker^ er geht
sehr langsam.
Scharwerksbauer, m.^ Bauer, der zum
Schar werk verpflichtet ist; ira Gegen-
satz zum Zinsbaua* oder Hochzinser.
. . , da man dort (in England etc.) keine
Schaarwerksbauem wie in Preu/zen habe.
Bock, Nat I, 629 u. 171. Vgl. Schar-
werksdiensL
Scharwerksdiensty m., Verstärkung von
Scharwerk. Manche Grundstücke müssen
(bei einem Dammdurchbruche) aufzer
den Geldbeiträgen noch Arbeiten^ „Schar-
werksdienste^ ^ leisten^ — sogenannte schar-
werkspßichtige Hufen. Passarge, 195.
Schasch, Schaschk, auch Schaschke u.
Schatechke, m., Bernstein. Nehrung.
Samland. Tolkemit. Man unterscheidet
Underschaschke, Stücke unter 1 u über
i Lot, und Bäwerschaschke, Stücke über
1 Lot bis ^ Pfund schwer. Das Brauns-
berger Kreisbl. 1864, No. 37, mochte
Schasch etc. auf orientalischen Ursprung
zurückführen, durch jüdische Bernstein-
händler eingeschmuggelt.
Schascha, m., Mehlfladen, in einer
Pfanne oder auf dem bloi'zen Feuer-
herde gebacken. Mühling. Nach einer
Mitteilung aus Korschen Schascher -
Flinsen.
Schäsche, /*., Schüssel. Mühling.
Schascher, (?), s. Schascha.
Schaschke, in Dzg. Scharschke, m. 1 .
Spitzname für einen Infanteristen; von
dem russ. schaschka kurzer Säbel. 2.
Bernstein, s. Schasch.
SchHse, /., Verdeck wagen; frz. chaise.
schäsen, schlsen, sw.^ tanzen; gehen.
Wir haben gestern auf dem Ball tüch-
tig geschäst Nu wöll wt man schdse,
nun wollen wir nur gehen, machen,
dafz wir vorwärts kommen, ück eck
schehst ihligst hinderher. Nowack, 51.
schassen, sw.^ fortjagen, entlassen;
frz. chasser, Sie haben ihn geschafzt,
Schätel, Schatte!, /., Schüssel.
Schatomik, m., Hausierer, s. PlUnder.
Schatolz. Ueber (unter?) ein Wand-
brett nagelt der Tischler eine Stütze^ die
er Schatofz nennt, Egsbg. Hart Ztg.
Schatachke — Schaube.
261
vom 12. Dezbr. 1872. No.292. Haupt-
blatt.
Schatschke, m, 1. alte^ gebrechliche
Person. 2. Bernsteinstück. S. Sciiasch.
Schättel, /., s. SchäteL
Schatten, m. Schatten machen ^ nach
Sperber, 27, in der Gaunersprache:
einen beabsichtigten Diebstahl ver-
stecken^ kaschieren. Mehrere Gauner,
die z. B. einen Laden betreten, be-
schafitigen das Personal, „machen Schatr
ten^, während andere den Diebstahl
auszufuhren suchen.
Schätter, Schatter, Schotter, m. 1.
Durchfall, Diarrhöe. Das Wort ist ton-
malend. Vgl. DUnne. 2. das Exkre-
ment selbst. Wek wl Schatter,
Schätter, Schatter, Schätterkott, -iTse,
-lotte, -trtn, /., plapperhaftes Frauen-
zimmer. Man bezeichnet mit diesen
Namen auch schwatzhafte Männer. Das
Geschwätz solcher Personen nennt man
Ge|€hatter, n., Schätterei, /.
schätterig, schatterig, schetterig, adj.
1. wie Schütter beschaffen. 2. viel be-
schäftigt thun, schnell von Natur sein
oder sich so stellen; schnell laufen,
wie einer, der den Schütter hat; gern
und viel umhergehen. Er rennt sich
schätteing, 3. plapperhaft, verleumde-
risch. Hosius^ der Bischof zu JSeibperg
gewesen y hat Jesuiten gen Braunsperg
gesetzt^ die da eine Schule halten vnd
mit ihrer Ileucheley vnd glatten warten
viel, auch im Fürstenthv/m jrre machen^
sonderlichen mit /rem schetterischenHahn^
den sie Wetterhan nennen^ welchen sie
a. 1590 alda mit schöner schriff% auf-
legen vnd nachtrucken lassen. Hennen-
berger, 485.
Schätterling, m., einer, der schättert.
Heidi ^ frevi dll Schätterling wöll danze,
schättern, schattem, schettem, m. 1.
dünn exkrementieren. Von Schatter,
Hiervon übertragen : 2. oft und unnutz
hin und her laufen. On alles schetterig
weil keiner ruhig wachte woU. No-
wack, 24. S. perzeln, 3. viel und
unnütz schwatzen, schänden, verleum-
den. In dieser Bedeutung auch schmat-
tem. Sie hat in einem fort zu schättern^
sie hört nicht auf zu reden, leidet an
der Maul-Diarrhöe. verschättem, leicht-
fertig ausgeben, verbringen. Creld ver-
schatteten.
Schatullbaiier,m.,scharwerkspflichtiger
Lehnsbauer, der gerodetes Land be-
safz und dessen Abgaben der könig-
lichen Schatulle zufielen. Vgl. Bock,
Nat I, 170.
Schatullgut, n., Gut, dessen Erträge,
resp. Abgaben der königlichen Scha-
tulle zufliefzen.
SchatullkSllmer, m^ nicht zum Schar-
werk verpflichteter Eölmer etc. Vgl.
Schatullbauer. Bock, Nat. I, 174.
Schau, /. 1. Besichtigung, mit ge-
wissen Förmlichkeiten vorgenommen.
Biet^chau^ Brautschau, Wollschau. Auf
die Schau gehn, von Dienstboten, die
sich zeigen, um sich zu vermieten. Dzg.
Klein U, 108. 2. früher „ein solches
Kollegium hier zu Königsberg, welches
den Fabrikanten, die auf den Markt
kommende Wolle aufkauft, sie prüft und
nachher in kleinen Quantitäten wieder
verkauft". Hennig, 226 u. 335.
Schaube, /., mantelartiges Oberkleid
für Frauen und Männer. Zum vierden^
Sol eine yede ehrliche frauw vber ij
marck lötiges schwer an yhren rocken
oder schauben sglbeme koUer nickt tra-
gen bey fünf marck bues^ so oft sie
mit eim vbrigen beschlagen. Kleider-
ordoung a. d. J. 1529—1553. Pr. Prov.-
Bl. a. F. VII, 372. Latinisiert schuba,
ital. giubba, franz. jupe Weiberrock;
^tszubä^szübas kostbares Kleid, Frauen-
• I '
schaubeu — schäwig.
pelz, lett. schuhbe Sommerkitte], poln.
82uba ein mit Pelz gefutterter Ober-
rock, russ. szüba Pelz. Schmeller Ilf,
306. Weigand II, 554. Ns8lm,Th.,
221. Hennig, 226.
schauben, pltd. 8chQwe(n), «e., schie-
ben. Wir wollen Kegel %chauben. sich
schaubeny mehr pltd. sock schvfjce^ aus
Faulheit träge gehen, vorwärts kommen.
Na schuw dl doch e betke! Se schofft
90cky wt dat natte Weddet\ Hennig,
227. 250.
Schaublade, pltd. SchQf-, SchQwlad (a
= a), /., Schublade. Ein Schaf mit
Schaublahden. Die Zünfte^ 12. Nach
Sperber, 27, auch Schauflad'.
Schauer, pltd. SchQr, m. u. n. 1. ein
nicht lange anhaltender Regen, Hagel,
Schnee, Sturm. Regenschauer etc. Bei
Jeroschin wiederholt schür u. schüre
als starkes Fem. Vgl. Pfeiffer, 217.
Bildlich : Sie hat ein Schauet* abgeweint^
sie hat ihre reichlich fliel'zenden T bra-
uen bald gestillt. Es war nur ein
Schauer^ die heftige Schelti*ede nahm
schnell ein Ende. 2. Wetterdach, Re-
gendach, Schuppen; auch Scheune. Und
wie der Nachbar oft auf unsre Schau-
ren zielt Cai'm. nupt H, 35 c. Ein
Wagenschauer j Schuppen zur Unter-
bringung der Wagen, Wagenremise.
Seine Margelle ist alle Augenblicks un-
term Schauer und bringt Briewe gebrocht
Soph. R. I, 260. In Königsberg hat
man unter die Schauer vieler Häuser
Mauern gezogen, „wodurch die Strafzen
sehr enge worden^ dcch nennt man die
Dächer solcher ausgerückten Gebäude
(die Vorbauten, welche gegenwärtig
eingezogen werden) annoch Schauer^.
Hennig, 227. 3. ehemals eine schauer-
artig das Gesicht überragende Unter-
haube des weiblichen Gesindes. Das
Schauer erhielt seine Festigkeit durch
einen gebogenen Draht; man nannte
diese Haube ihrer Gestalt wegen auch
Mondschein, m. Einen Schür über die
Augen haben ^ mörrisch, finster aus-
sehen, trübe Augen haben. Bock, 62.
Hennig, 249. SprwJ, 3422. 4. Schirm
an der Mutze. Metz an ken Schüerke
dran. VolksL, 34, 22, 2. Vgl. Brem.
Wb.IV,717. Dähn.,418b. Schamb.,
187b. Schmeller HI, 386. Vilmar,
573. Anton, 12, 14. Hupel, 202.
Schauer, tt»., s. Stauer.
Schauertuch, n., Tuch, das als Schauer
zum Schutze des Gesichtes und Kopfes,
besonders im Sommer, getragen wird.
Ermland. Litauen. Die Arbeiterinnen
setzen etwas darin, das Tuch so weifz
und fein als möglich zu haben. Müh-
ling.
Schauflad', /., s. Schaublade.
schauken, sw.^ bellen; sehallnach-
ahmend. Saalfeld.
Schaumseher, m., bei den heidnischen
Preufzen Puttone, Zauberer, welcher
aus dem Schaume wahrsagte. Die Put-
tonen setzten eine Schale mit Bier auf
die Erde und verkQndeten aus dem
auf demselben stehenden Schaum, an
welchem Orte das gestohlene Pferd
oder gestohlene Gut zu suchen sei.
Pierson, Matth. Prätor., 43. Hennig,
227.
Schäwe, Schabe, SchCwe, Schtfe, /.,
Rest, Splitter, Abfall des Flachses beim
Brechen desselben; Abgeschiefertes
überhaupt. Ygl. Schinn, Von schawen^
schaben. In Hessen Schibbe, Schebbe^
Schüwe. Vilmar, 348. Hennig,
228.
schaweln, sw.^ s. scheiweln.
Schawemak, m., s. Schabernack.
Schäweschtter, m., Schäwenscheifzer,
alter, gebrechlicher, geiziger Mensch.
acbSwig, schäbig, schfiwig, a^'^ Schä-
schawitern — Schßfel.
263
wen enthaltend. Der Flach» ist schäwig
geblieben. Vgl. gnittig.
schawitern, 8w.^ plappern, schwatzen;
besonders von Frauen. Dzg. W. Seidel,
34.
sehe, interj.^ Scheachruf^ namentlich
zu Hühnern, Federvieh überhaupt Lit
8ze^ 8zia. Nsslm., Wb., 520 a. Ru hig,
lit. Lex., hat diesen Ruf auch zu Hun-
den. S. Volksr., 64, 242i. Vgl. Flan-
dern. In Litauen ist 8ch6 iqispomen-
der Zuruf zum Kinde. Volksr., 63,
242 b.
-sehe, weibliche Endung -m, auch
bei Eigennamen. Judsche^ Kadreierache,
Kdksche^ Kaselaterschey Komödiantsche
(Schauspielerin), Schaf ersehe^ Sehen-
kersche^ de Frii Graf sehe (Frau Gräfin);
de Wittrinsche (Frau Wittrin), de Sachr
rausche^ de Audehmsche^ de Katrvmssche^
de Brasilfache, de Sipplietsche. Zugleich
zur Illustration der Eigentümlichkeit
der litauischen Namenbildung wie des
Volkscharakters der Litauer diene der
nachfolgende Reim aus Eieselkebmen^
Kr. Gumbinnen (vgl. Korrespbl. V, 49):
Wet sCy Schwester Robeleitsche,
Gistem — bt de Merteneitsche —
Un da wer de Abromeitsche,
Bibereitsche, Butgereitsche^
Christopeitschey Danieleitsche,
Ehrenteitsche, Cfrigoleitsche^
Mischej^eitsche, Kennigheitsche,
Kämmereitsche^ Losereitschey
Skribuleitsche, Schneidereitsche
Un de schwarte Jodeleitsche —
Wet sey on de Aterteneitscftey
Ingesdpe, un wat deit sef
üp de Jodeleitsche geit se
Möt dem ölen Bessern, schleit se^
Bet de Standdr (Gendarm) kommt un
leit se
In de Kalüs; em Tor kies geit se,
Hinner dren de Abromeitsche,
BibereitschCy Butgereitsche (u. s. w. wie
oben bis)
U71 de schwarte Jodeleitsche.
Wet se^ Schwester Robeleitsche,
Schand! hadd da de Merteneitsche!
Schecht, Schechte, m. u. /. 1. Stiefel-
schaft, gewöhnlich im Plur. Schechten.
Hohe — kurze Schechten. Schechten--
Stiefel. Hennig, 228. 2. Schaft, Stange,
s. Schacht
Schechtchen, n.. Dem. von Schechte,
Schechtchen schlagen, tanzen, weil oft
der lustige Tänzer mit den Stiefeln zu-
sammenschlägt Samland.
schechten, sw., schnell laufen, hurtig
gehen, kräftig ausschreiten, die Schech-
ten rühren. Der kann gut schechten.
ausechechten, davonlaufen, „ausreifzen".
wegschechten, heimlich sich aus dem
Staube machen. Hennig, 228.
Scheddeldraf , auch Schedder- und
Schetterdraf, m., Schütteltrab, kurzer
Trab. Hei geit e Scheddeldraf er be-
eilt sich. Friedland Ostpr.
scheddeln, scheddern, schiddem, sw.,
schütteln, wackeln. JEr scheddelt —
scheddert mit dem Kopf. Er schiddert
sich vor Frost
Schedderkopf, Schidderkopf, m., aus
scJieddern und Kopf zusammengesetzt.
1. alter Mann, der schon mit dem
Kopfe wackelt. Er ist ein alter Sched-
derkopf 2. Gefängnis in Danzig. Sie
gehen mit ihm in den Schedderkopp.
Vgl. Sprw. I, 159. 1132.
scheddern, sw., s. scheddeln.
SchedeHahrt, pltd. SchedeHar(t) (a ^ d),
/.. Scheidefurche, weil sie Stücke Lan-
des scheidet, trennt. Mühling.
SchMelzaun, SchMelzaun, pltd. Schftdel-
ftn, m , Scheidezaun, Grenzzaun. Hen-
nig, 335. Vgl. das vor.
Schftfel, /., Strohbündel zum Dach-
decken. Schirwindt.
264
ScbefTelkopf — Scheiber.
Scheffelkopf, ]>ltd. Schftpelkopp, m.,
Kobold mit scbeffelgrofzem Kopfe, mit
dem man Kinder ängstigt. De had Oge
tot Senfscketäe (Senfschüsseln) an Täne
wt Leddenprete (Leitersprossen) on sat
ömmer an die Hüsei^ op e Lucht under
de Okle. Krm nu ener rop^ on de Ko-
bold sach op ent möt stnem grote Kop
under^t Schurmur ver^ denn war gdt to
grifse, Awerscht hei ded macht, man
de klene Kinder lewt hei to buichre^ dat
se Mt Bedd ginge. Daher sagt man
noch jetzt zu einem Kinde, das nicht
ruhig schlafen will : Wacht^ de SchepeU
kapp kommt! N. Pr. Prov.-Bl. II, 378.
Scheffelmeister, m,^ s. Kornmeister.
scheffeln, pltd. 8cheple(n), sw,^ scheffel-
weise messen, reichlich zuteilen, hfa
nicht gescheffelt^ so ist^s doch geleffelt,
drückt die Zufriedenheit mit dem aus,
was das Schicksal zugeteilt hat. Pltd.
os^t nich to scheple^ ös^t doch to läple.
ScheffelplatZy m., ausgerodete Acker-
fläche in einer Forst, die eiuen oder
mehrere Scheffel Aussaat aufnehmen
kann. Mühling.
Scheibchenwerfen, n., s. Butterbrot.
Scheibe, /., s. Schtwe.
scheibeln, sw,^ s. scheiweln.
Scheibenreitergasse, /., Stralzeuname
in Danzig; auch Scheibenrittergasse.
Nach unsicheren Vermutungen soll sie
einst Sammelplatz einer Gesellschaft
gewesen sein, die sich mit ritterlichen
Übungen beschäftigte. Löschin, 44.
Scheibring, Pflzn., knotenblütiger
Scheiberich, Sium nodiflorum L. Ha-
gen, 323.
Scheide, /. 1. Teil des Wirkgestells,
Webestuhls. Vier Scheiden halten die
beiden Seitenstücke des Gestells oben
und unten zusammen, resp. geschieden.
S. Das Wirkgestell, 124. 2. Maul, lo-
ser Mund. Wenn die weiter Schwerter
im maul führen und weidlich hei^mth-
hawen^ so krigen sie eins auf die scheid.
Stein, Peregrinus XIII, 91. W. Mtsbl.
VI, 173.
Scheike, /., kleine Wittinne.
scheilärschen, scheinärschen, sw., s.
aufscheilärschen.
schellen, sw.^ scheinen lassen; schie-
len.
scheiren, sw.^ scheuern. Zinnerne oder
kupferne Gefafze mit Ziegelstaub blank
putzen. Bock, 56.
ScheirzmSII, pltd. SchTtmell, Pflzn., s.
Mill.
Scheifzrekel, -reget, -reger, -rTgel, m,,
grauer Reiher, Ardea cinerea. Er nimmt
zu^ vrie der Scheifzregel im Abnehmen-
licht. Sprw. I, 4185. Mühling, Tiern.,
177.
Scheit, Pflzn., spitzkantige Segge,
Carea acuta L.
Scheiwel, n., s. scheiweln.
scheh^reln, scheibeln, sw.^ schleppend,
watschelnd, unsicher und ungeschickt
gehen, so daCz man öfter mit den Fufzen
zusammenschlägt und sich dadurch die
Beinkleider beschmutzt; die Stiefel
schief gehen. Auch Pferde scheiweln^
wenn die Hinterbeine am Knie anein-
ander reiben. Auch schweimeln, schwa-
mein; nach Mühling auch schäweln.
bescheiweln, durch Scheiweln sich die
Kleider, namentlich Beinkleider, be-
schmutzen. Davon: Scheiwel, 7n., einer
der scheiwelnd gebt. Ol Scheiwel! Vgl.
Baichel. Bock, 56. Hennig, 229.
Scheiber, Schälber, Schilber, pltd.
Schelwer, /., Dem. Schelberchen^ ScheU
werchen. 1. Schuppe, Plättchen, Blätt-
chen^ das von der heilenden Wunde
sich abschält, ablöst. 2. Blättchen,
das sich vom Anputz der Wand, vom
Blätterteig etc. loslöst. 3. Scheiben-,
schuppenartiges Stückchen. EXn Sehet-
schelberig — Schein per.
265
beruhen Brot — Fleisch. Von schelle
Schale, HQlse, engl, shell; angs. scylle
Schappen, hoU. schelfer, schüfet*. Im
Götting. schüwer, schilfere^ schelwere.
Brem. Wb. IV, 631. Schamb., 183a.
schelberig, schilberig, pltd. schelwerig,
adj., schieferig, blätterig, schuppig.
Schehoerige Haut. Im Götting. scAtY-
iver^g, Schamb., 183b.
schelbem, schilbern, pltd. schelwern,
*M?., schiefern, abblättern, in kleinen
Blättern, Platten, Schuppen, Schalen,
sich ablösen; wie schälen 2, daher
auch schälbem, schdlwem; in der Zu-
sammensetzung abschälbem, abschilbem.
In Bremen schelfern, schilfern, schulfem,
im Götting. schilwem, in Hessen schü--
bem, in Posen schul fe»m, in Bayern
Schelfen. Brem. Wb. IV, 631, Schamb.,
183b. Bernd, 277. Sclimeller III,
356. Vilmar, 348. Hennig, 229.
ScheldOk, n., s. Scherdeltuch.
8ch6len, sw.y unterschieden sein, un-
gleich sein, differieren. Es schelt nicht
viel, gewöhnlicher: Es verschelt nicht
viel, es ist kein grofzer Unterschied,
es fehlt zur Sache nicht viel. Davon
Verechei, Verechill, m., Unterschied,
Differenz. Holl. scheelen, schulen unter-
schieden sein, dän. skille, angs. scylan, isl.
skilia = distinffuere, discemere. Brem.
W. IV, 628. Hennig, 225. 290,
schreibt schälen, ebenso Richey, 225,
SchützelV, 21, Dähn, 403a, »rA^fen
und schälen, Schamb., 182a, schalen.
S. Verechill.
Schellak, m., Kalb, von dem poln.
cielak Bullenkalb. Sperber, 39.
Schelle, /., Waldglockenblume, Cam-
panula persicifolia L.
schellen, sw., s. schälen u. schSllen.
Schellen, /., Figur in der deutschen
(polnischen) Spielkarte, Carreau in der
französischen. Nach Klein II, 140,
in Danzig Schollen.
Schellenberg, Ortsn., Dorf im Kreise
Gerdauen. Die Bewohner werden mit
ihrem Wirkmuster geneckt. Schwärt
on icitt ÖS rödbunty dat schellebargsche
Master. Sprw. I, 3434.
schellig, adj., wütend, wild, aufge-
bracht; unsinnig tobend. Ist Clement
scheUigk worden vnd vbel geflucht vnd
ein brotmesser genommen heimlich vom
Tische vnder den Rogk etc. Aus 1532.
Die Zünfte, 50. Vgl. Mnd. Wb. IV,
66 b.
schelllg, adj. von Schelle ^ Schale.
In Zusammensetzungen : dickschellig,
dönnschellig, mit dicker, dünner Schale.
Schelmvolk, -zeug, pltd. Schelmttg, n.,
durchtriebenes, unnQtzes Volk, Pöbel,
Pack, vei'sapnet Schelmenvolk. Dorr,
1. Wiew., 11. Schelmzeug schlägt sich,
Schelmzeug verträgt sich. Sprw., 1,
3279.
Schelwer, /*., schelwerig, adj., schel-
wern, sw., s. Scheiber etc.
Schelwip, m., Ekelname/md Schimpf-
wort. Stein, Peregrinus XII, 82.
W. Mtsbl. V, 191.
Schemmer, m. 1. Schimmer. 2.
Schatten. Es graut ihm vor seinem ei-
genen Schemmer. 3. s. v. a. Schimme-
rung.
Schemper, m., Dünnbier, Nachbier,
Halbbier, zweiter, selbst dritter Absud
des Malzes. In manchen Gegenden
auch selbständiges Gebräu aus Wa-
cholder, Wacholderbeeren, Malz und
Sauerteig; oft nur Wasser auf Brot
gegossen. Pierson in den Lit. Aeq.,
21, leitet das Wort von Zemberys (der
Erdbestreuer), dem heidnischen Erd-
gott, ab, zu dessen Festen um die Oster-
zeit ein ihm geweihtes Bier, ^emberin-
\>*-
2ß^
Scbeinperdienst — schenen.
nü ahis^ getranken wurde. Dies Bier
war aas verschiedenem zosammeiige-
worfeDen Getreide gebraut, jedoch so,
dafz die Gerste überwog; da nan um-
Berti zasammenwerfen heüzt, so yer-
drängte diese IdeenverbindoDg die ur-
sprünglich mythologische. Daher findet
sich für das Emtefestbier aach sanbe-
rrnnü alus. So klar nun die Abstam-
mung des Wortes erscheint, so ist sie
es doch nicht Zemberinnü alus hat
seinem Gehalte nach mit dem Schemper
keine Ähnlichkeit, jenes ist ein kraf-
tiges Bier, dieses ein fader Absud.
Dazu kommt das Auffallende, dafz der
Litauer für den wirklichen Schemper
zwei andere selbständige Namen hat:
dänM», m. und girrä /.; er scheint
also wenigstens Scheu gehabt zu haben,
den Namen der Gottheit für das elende
Getränk zu verwenden. Aber auch
das gute Bier nennt er nur ahu Der
Pole dagegen hat das Wort Schemper
übernommen und in szetnper sich mond-
gerecht gemacht, während der eigent-
liche polnische Name für dies Getränk
cienkusz ist Mrongovius II, 644b.
In den Pr(yoerb. ccnnm. 411: scherpbier.
Hoffioiann von Fallersleben, Tunnicius,
150, Nr. 585. Bock, 56, Bock, Nat
I, 271, und Hennig, 229, sehen
Schemper als Schaumbier an, weil
Schemper „die letzte Kraft des Malzes
ist und vom Bier fast nichts mehr
als der Schaum übrig geblieben*'. In
den Hütor. marbi <uadem. Regiom.
1649 von Bekherr findet sich der Name
Schenkbier, flennig a. a. O. Eane
handschriftliche Anmerkung in meinem
Exemplar von Bock, Nat I, 271, über-
setzt: SchempermitS c h e i n b i e r , welcher
Name auch in Steins Peregrinus (III,
3) aufbitt: Scheimper vel Scheiribier.
Da das Getränk moussiert, so liegt es
nahe, Schemper scherzweise durch
Champagner zu erklären, wie solches
Passarge, Balt^ 160, thnt Gericht:
Schempereuppe mit grauen Erbten, v.
Au er. Schemper mit Meerrettich! mft
man, wenn im Solospiele bei der Frage
zu einer schlechten Farbe ein schlechtes,
d. h. ein anderes als Treff-As gerufen
wird. TreicheL
Schewperdientty m, Pfarre mit ge-
ringen Einkünften. Hennig, 229.
Scbenperfrewie, /, Freude von kur-
zer Dauer und kraftloser Wirkung, an
Wert dem Schemper vergleichbar.
Bock, 56. Hennig, 229.
SebempergasWy zu Hennigs Zeit
korrumpierter Name für die Schön-
bergeigasse in Eönigsbei^. Hennig,
229.
S-chen, n., Kuchen in Form der Ma-
juskel ^'. Danzig. TreicheL
Schfine, Sddne, Schttne,/. I.Schiene,
Schienbein. Angs. scyne, sctnion, engl.
sAf'n, dän. skinne, schwed. skeefi^ holt.
scheen. In Bremen Schene, im Hol-
steinischen Scheen^ in Pommern Seltene,
im Gotting. schene^ im Osnabr. schennCy
in Bayern Schin^ lit ssyna^ szenis, poln.
szyna. Brem. Wb. IV, 634. Schütze
IV, 30. Dähn., 403b. Schamb.,
182b. Schmeller lU, 367. 2. aUes,
was Ähnlichkeit mit einer Scheue hat
Die Scheue am Rade, Die Scheue auf
der Achse^ das Acbsenblech. Die zwei
ScheueUy Schienen^ am Wirkgestell; sie
halten die Fäden des Aufzuges in wech-
selnder Lage und regeln die gleich-
mälzige Hebung und Senkung der Fä-
den. Das Wirkgestell, 125. Voc. 361:
Vuenchene Feuerschene, das Nsslm.,
Thes. 191, mit Feuerschaufel, Feuer-
schirm übersetzt Hennig, 230.
schfinen, schSnen, mo., schienai, et-
was mit Scheuen versehen, einen Arm-
SchenldUch — Scherdeltucb.
267
oder Beinbrach durch angelegte Schie-
nen verbinden und befestigen. Das
Bein war nicht gut geschent^ wenn die
Heilung der Knochen nicht glatt erfolgt
ist Hennig, 230.
Schenkftich, Schankafeh, f,, Geschenk,
Schenkung, Trinkgeld, Biergeld. Wat
gewH Schankdtchf Eck bedank^ ml fa
de SchenhSnch. Jerrentowitz. Volksr.
83, 339. Auch adjektiv: hei as schan^
kdichy er ist freigebig. Von schenken^
mit franz. Endung: age. Bei Yilmar,
346: Schenkdsche,
Schenke, Schenk, /., Speiseschrank;
Schrank, worin irdene Geschirre, Glä-
ser etc. aufbewahrt werden. Muh-
ling.
schenken, eigentlich ein schwaches
Verb, doch lautet das pari, geschonken.
Er hat mir^B geschonken. 1. schenken,
dofiare. Schenken und schei/zen wird
mit einem (Anfangs-) Buchstaben ge-
schnebeuj als ablehnende Antwort auf
die Bitte um ein Geschenk. Spr. I,
3283. 2. schenken, schänken, Getränke
verkaufen. Bier schenken Bier ver-
kaufen. S. einschenken. Hennig, 230.
Schenker, Schanker, m. 1. Geber ei-
nes Geschenkes. De Schenker ös ge-
storwe^ de Grwer ös verdorwe^ als Zu-
rückweisung einer Bitte am ein Ge-
schenk. Sprw. I, 3284. 2. Schenk-
wirt, Grastwirt. Biei^schenker^ Bierwirt,
Bierhöker. Hennig, 230.
Schenkersche, Schänkersche, /., Schen-
kerin, Kellnerin. Schenkersche^ noch e
Glas Bier!
Schfinnagel, Schtn-, Schinnagel, m.,
Nagel in der Radschiene. Vgl. SchSne.
SChSp, cuij,^ schief. Saalfeld.
Schepp, Scheppe, SchSpfe, /., Dem.
Schopfchen^ Scheppche, Scheppke Löffel,
kleines Schöpfgefalz von Holz oder
Blech mit Stiel. Na nü noch tackten-
tig Scheppkens Grött^ jetzt (nachdem die
Hauptspeise verzehrt) noch 80 Lö£Fel
GrQtze als Nachspeise. (Das Volk
pflegt die Suppe zuletzt zu essen).
Sprw. T, 3389. Vgl. SchOpe, auch
Stippel.
Scheps, 971., Schöps; das Tier, aber
auch bildlich der Mensch. Öck armer
Scheps!
Scherapke, /., s. Przerabka.
Scherbel, pitd. Scharwel, m. 1. Scher-
ben. Oawasch denn fleege Depp (Töpfe)
on Scharwel ön de Schtoaw. Boldt,
12. 2. irdenes Geschirr, namentlich
Teller, weil es leicht in Scherben bricht,
daher auch Scherbelzeug, pltd. Scharwel-
ttg, n. Eine kostbare Tasse ist ein tettres
Stück Scherbelzeug, Auch ein bereits
beschädigtes Geschirr heifzt Scherbel.
Ein Scherbel hält langer als ein Topf.
3. alte, kränkliche Person, m. wie w.
Geschlechts. E 61 Scharwelke. Sche-
mionek, 36: SchörbeL
Scherbelkopf, m.^ Schimpfwort. De
Dtwel soll se hale^ De öle ScharweVcopp!
Aus einem Volksreim.
Scherbelzeug, n., s. Scherbel.
SchSrboot, n., Eüstenboot. Gustavus
Adolphus ging von Tygenhof durch die
Tye und Haf mit etlichen Scheer-Böten
und Galeen ungehindert nach PUlau.
Hartwich, 377f.
schfirdätsch, adj,^ widerwillig, dumm,
nicht anstellig. Schemionek, 34.
Scherdeltucb, ScherKuch, pltd. Scherdei-
dOk, ScherldOk, n., SchQrze, lit szerdo-
kaSy serdokas Brustlatz. Nsslm., Forsch.
2, meint, daüs bei dem Dök auch nicht
entfernt an Tuch zu denken sei. Man
hört auch ScheldOk und vhchd. SchVrtel-,
SchVrdeKuch. Natangen; im Ermlande
SchUrteltuch; in Westpr. Schurztuch; in
einigen Gegenden des Werders SchCfdtk
dök; in der Dzg. Nhg. ScherWaack: en
268
scheren — Schettel.
koltdruckschet Scherklaack (Schürze von
blaugefarbter Leinwand mit weifzen
Blumen bedruckt). Viol^t,178. Hen-
nig, 248, schreibt SchUrltuch. Klein
IT, 139, hat für Dzg. SchSddeldOk,
SchifrldOk und SchürteldOk. Stund em
(dem Adebär) nich stn Schardeldok sau
schanf Volksr., 52, 196. ^gl. SchVdel.
Se drägt wat ungerm Scherdeldok, sie
trägt etwas anter der Schürze, sie ist
schwanger. Sprw. I, 69.
schüren, st l. kahl schneiden, mit
Messer oder Schere. Das Schaf schert
5 Pfundj die von ihm bei einer Schur
gewonnene Wolle beträgt 5 Pfand.
Marold. 2. in übertragener Bedeu-
tung: übervorteilen, prellen. Hei (der
Gastwirt) scJiert stne Gast, dat enne
de Oge dwergäne. Er versteht den Beutel
zu scheren, 3. zum besten haben, auf-
ziehen. 4. sich scheren. Ich habe mich
den ganzen Tag geschoren^ ich habe
mich den ganzen Tag ruhelos gequält.
5. Seile, Leinen, von einem Orte zum
andern spannen, um etwas darauf zu
hängen. 6. das Garn scheren, den Auf-
zug, die Kette, die Schering machen.
7. schüren. Fewr zu fewr thun, Oel zu-
gissen, zuscheren, zusammenhetzen, übel
erger machen. Stein, Peregrinus XII,
123. W. Mtsbl. V, 192. Brem. Wb.
IV, 639 ff. Bock, 56. Hennig,
230.
Scherheck, n., SchSring, /., s. Schfi-
rung.
Scherke, /., s. Schirke.
scherken, sw,, s. schirken.
ScherldOk, -tuch, n., s. Scherdeltuch.
SchSrleiter. /., s. Pfeifengestell.
Schernäkel, -neckel, Pflzn., s. Sau-
nickel.
Scherp, m., Vögeln., s. Scharp und
Graner.
Scherpenter, m» Er ist ein elender
Scherpenter, ein armer Teufel. Stein,
Peregrinus I, 6. W. Mtsbl. V, 94.
Vgl. Schorb. Bei Schmid, 459: Scher-
pfer Gerichtsdiener, Scheine; bei
Schmellerin,403:ScÄ^rp^r^Schmied.
Hingewiesen sei auf engl, carpenter,
franz. charpentier Zimmermann.
SchSrralimen, m., s. Sclifining.
Schfirung, Schfiring, m., auch das
SchSrheck, der SchSrrahmen, pltd. SchSr-
rftme(n)y das Gestell, worauf das auf
den Laufspulen befindliche Garn für
den Aufzug gewunden, geschoren,
d. i. geschart, in Gänge geordnet wird.
Vgl. Das Wirkgestell, 127, wo sich
auch die Beschreibung des Gerätes be-
findet. In früherer Zeit wurden die
Haspel und Scherrahmen jährlich re-
vidiert. S. Bock, NatI, 646. Sche-
rung, Schering und AnschSmng sind
auch Namen für den Aufzug (s. d.).
Hennig, 231.
scherwenzeln, sw,, s. scharwenzeln.
SchfiSy m, u./., Milchnapf. Sensbui*g.
Bei Saalfeld Schfisch, /., in Natangen
Schliche, /., Milchtopf ohne Henkel,
Milchschüssel. Natangen. Nsslm. Th.,
220. Pierson, A. W., 40. Mit poln.
czasza Napf, Schale verwandt.
Scheschke, m., Hänfling, s. Tschezke.
schtoen, sw., s. schäsen.
Schfiske, n., s. SchSfzchen.
schfiteln, SchVteln, sw,, scheiteln. Von
scheden scheiden, teilen. Hennig, 231,
335.
Schfitelzaun, m., s. Schfidelzaun.
Schetschke, m., Hänfling, s. Tschezke.
Schettel, Schfitel, /., in der Eonitzer
Gegend Schifttel,Dem.£)cA^f^M:ß,Schüssel,
Teller. Jedei* schrdpt stn SchetteVce al-
len, jeder hat mit sich zu thun. K6le
Schettel on warme Teller. Antwort auf
die Frage: Was gab's? wenn man von
einem Besuche zurückkehrt und schlecht
Schettelbänk — scbichern.
269
oder gar nicht bewirtet worden ist.
Sprw. I, 3429. Häl (hole) e Schettel,
de Darmek kame^ komischer Schreck-
trost, wenn ein Kind sich in die Finger
geschnitten hat. Memel. Königsberg.
Vgl. KrOs.
Schettelbänk, /., Schasselbank, Bank,
Schrägen zur Aufstellung der Schössein
und Teller, 'ne Schettelbänk opsetten^
verdriefzlich die Unterlippe vorschieben,
niiizmütig aussehen, schmollen. El-
hing.
Schetter, m., und Ableitungen s.
Schätter etc.
Schetterdraf, m., s Scheddeldraf.
Scheucher, 7n., der Schenchende. S.
Flatterer.
Scheucheel, n., Vogelscheuche. Von
icheuchen, Natangen.
Scheuersonnabend, pltd. Schlrsonn-
ftwend, 7n., Sonnabend in der Karwoche,
weil an ihm die Wohnung gründlich
gescheuert wird. Vgl. Blaumontag.
Scheundiele, pltd. SchlndSI, /., Tenne.
Scheune, /., pltd. Schin^ allein üblich
für Scheuer, Gebäude zur Aufnahme
von Getreide, Stroh, Heu.
Scheusei, 7n., hoch aufragende, körner-
lose Ähre. Und ist noch das Sprich-
wort under de Nadraven: Roggsa (Rog-
gas) tarp pupn keip welnas^ wenn sie
einen Scheusel^ der vor dem Getreydig
heroorraget^beschreiben wollen. Pierson,
Matth. Prätor., 12.
Schfiwe, /, schfiwig, od)'., s. Schäwe
etc.
Schlbbel, m., penis. Eimland: Gut-
stadt, Wormditt. Möhling.
ochibber, m. 1. langer Kienspan,
Splitter aus glatten, fetten Fichten-
scheiten zur Leuchte. Nach beendigter
Feldarbeit werden sie vorrätig gespal-
ten. Hennig, 335. 2. kürzere, der
Länge nach blätterartig geschnittene
Holzstacke zum Anbrennen beim Hei-
zen. 3. Holzsplitter überhaupt, selbst
der' kleine Splitter, den man sich in
die Haut reifzt. Für 1 und 2 lit.
ziburys. In Bayern Scheiben spalten,
klieben (das Holz), engl, shiver Splitter.
Vgl. SchmellerlH, 310. Brem. Wb.
IV, 649. Vilmar, 207.
ichlbberig, auch ichlbrig, adj.y em-
pfindh'ch, leicht gekränkt, verdrierzlich,
mürrisch; auch frostig, Frost verur-
sachend. Mühlin g schreibt schieberig.
Vgl. schubberig.
ichibbem, sw, 1. Schibber spalten,
schneiden. 2. schlecht leuchten. Das
Licht schibbert nur^ es brennt trübfe,
leuchtet mangelhaft wie ein Schibber,
Schlbe, /., s. Schtwe.
schlbelig, schlbelicht, pltd. schlwelig,
adj.^ einer Scheibe gleich, scheiben-
artig^ kreisförmig, rund. Jeroschin:
nach schibelechtir crwmme, Pfeiffer,
215. Der schtbelichte Turm^ ehemals
Volksname des Buttermilchturmes in
Marienburg, von seiner runden Gestalt.
Vgl. Buttermilchsturm.
schlbrig, adj., s. ichibberig.
Schieber, m. 1. Hintergetreide, die
leichten Kömer, welche beim Ausharfen
des Getreides abfallen. Dönh. Von
schichem^ weil die Körner vom Zug-
winde geschichert werden. Gewöhnlich
nennt man dies Getreide Hinterst, m.
2. nach Mühling Franenhut oder
Haube mit grofzem Strich, d. i. Borte,
Besatz. Wohl weil ein derartiger Kopf-
putz geeignet ist. Scheu zu erregen.
schichem, schichtern, schlichtem, sw.
1. scheuchen, jagen, verjagen, Angst
machen. Die Hühner aus dem Garten
schichem. Die Diebe sind verschichert^
verjagt worden. Sperber, 27: wr-
schickern. Hennig, 247. 2. sich
scheuen, fürchten. Vgl. schUen.
270
Sebicb'rer 7- Schielxprogel.
Schich'rer, Sohttch'rer, m., einer, der
9ckücherty scheacht.
Schicht, /. 1. von schichten teilen,
Teil einer Erbschaft, aber auch Hand-
lang des Teilens. Nach Absterbung
eines Ehegattens soll das verbUebene
Theil nicht eher die Schicht und Thei-
hing zu thun schuldig seyn^ bis nach
verflossenen 6 Wochen, U artwich,
331. 2. Bei Jeroschin: Einteilung,
Anordnung, als in stnir schichte ei-
schit dizgetichte 3a. dt burc gewandüt
in der vrist wart an der büunge schd^ht,
dl stat^ unde doch der name nicht 31b.
Pfeiffer, 215. 3. aufhören zu arbei-
ten. Schicht machen^ fertig machen,
mit der Arbeit ein Ende machen. In
der Oberpfalz auch: Ordnung machen,
Ruhe herstellen. Schmeller III, 317.
4. Prügel, Hiebe, Schläge. Es giebt
Schicht, es giebt Hiebe. Er hat Schicht
bekommen, HanSy min Sän^ du krochst
e Schicht, Volksr., 256, 886. Nach
Adelung lU, 1434 ist Schicht ur-
sprünglich das Intensivum von schehen^
schechen und ahmt eigentlich den Laut
einer schnellen, gelinden Bewegung
nach. Vgl. Schacht.
schichten, sw. 1. einteilen, abteilen.
Jeroschin: 0U4:h s6 htz er in schichten
dl lant in vir bischtüme 42 a. nach
predigSres sitte^ der sin rede in stucke
Schicht 2c. Pfeiffer, 215. 2. Dinge
in Ordnung über einander legen. Das
Holz unrd geschichtet.
Schiele, pltd. Schüclc, n. Er ist wie-
der im Schick^ er ist wieder in Ord-
nung, in betreff der Gesundheit oder
der geschäftlichen Einrichtung; nach
Schemionek, 34, betrunken. im
Schick sein auch fertig, bereit sein.
8chicl(ern, sw,y s. schichern.
Schicl(8el, n., Dem. Schidaelche,
Jndenmädchen , Geliebte. Er hat e
Schickselche. Ebenso in der Oberlaus.
Anton, 12, 15. In S&ddeutschland
das nichtjüdische Mädchen. Ursprüng-
lich von dem hebr. srhekez wovor man
Widerwillen, Grauen hat. Vgl. Wei-
gand II, 570.
Schiddeiicopf, m., s. Scheddeiicopf.
schiddern, sw.^ s. scheddeln.
Schlder, 7?., Scheit, Holzkloben. Von
scheiden trennen, spalten. Hennig,
231.
schieberig, adj., s. ichibberig.
Schiebeschräg, /., s. Schfweschrikg.
schief, adi. Er ist schiefe — hat
schief geladen^ ist angetrunken.
Schielbock, m., Mensch mit schielen-
den Äugen. Bovkchen, Bockchen, schiele
nicht! beliebtes Gesellschaftsspiel.
Sperber, 28.
Schiene, /., s. SchSne.
Schierling, m., Hunds -Gleifze, Ae-
tkusa cynapium L., also mit dem Namen
von Conium L. Weichseldelta. Trei-
chel, Volksth. lU.
schieben, pltd. 8chMe(n), st. 1. ei-
len, schleunigst sich fortmachen. Sei
kam as wie e Wingd bett an de KSch
geschahten. Carm. nupt. I, 282, 6.
Ijat se scheeteny bring se op den Draf.
Dorr, 1. Wiew., 18. 2. aufgeben,
fallen lassen, die Freundschaft kün-
digen. La/z ihn doch schief zen! 3.
stehlen. Em Häske schete(n)y ein Häs-
chen schielzen, einen Kloben (ein
Scheit) Holz entwenden.
Schief zhund, m., Hund, der das an-
geschossene Wild au&usuchen hat,
Hühnerhund, Jagdhund. Vom auf-
merksamen Menschen: Er pa/zt auf
wie ein Schie/zhund, Sprw. II, 158.
Sperber, 28.
Schiefzprligel, m., Flinte. Den Schie/z-
SohieÜEStobl — Schill.
271
prügel nehmen und auf die Jagd gehen.
Ebenso in Liv- und Estland. Hapel,
205.
Schiefzstuhl, pltd. SchStstöl, m., trans-
portabler Stuhl, der (wohl nar von
Sonntagsjägern) mit auf die Jagd ge-
nommen wird. He stund eegenüich nich^
ne he satt uinger ^ner gtvten Beek op
so 'nem Scheetstool^ wie se dat nennen.
Dorr, Driewjagd.
Schffe, /., s. Schäwe.
Scbffer, m. Er hat einen Schifer;
Stein, Peregrinus XVllI, 17, neben:
Er hat einen Sparren zu viel^ er ist
nicht bei rechten Sinnen. W. Mtsbl.
VI, 190.
Schiffbier, Schiffsbier, n., Bier, das
ins Ausland verschifft wurde, zweiter
Name des Danziger Jopenbieres (s. d.)
Schon 1379 genannt. Hirsch, 245.
305.
Scbiffel, SchUffel, rein pltd. SchSffel,
/'., Schaufel, poln. szußa^ lit. szüpele.
Aus schieben^ pltd. schuwen. Davon:
scbiffein, schttffeln, schttffein, m..
schaufeln. Hennig, 231. 247. Kin-
der schiffeln^ auch schuffeln^ beim Bohn-
chenspiel mit dem gebogenen Zeige-
finger die Bohne ins LocL
schiffen, sw, 1. Getreide fahren, sei
es zur Einschiffung in den Kahn, sei
es zur Ablagerung in den Speicher.
Der dazu besonders eingerichtete starke
Wagen heil'zt Scbiffwagen. Werder.
Nach Passarge, 220, auch zu Markte
schiffen, selbst wenn es zu Wagen ge-
schieht. Ursprunglich mochte solches
zu Wasser geschehen sein. 2. harnen,
urinieren.
Schiffer, m. Er fäJ^H für Schiffer,
er kommt in seinem Geschäft vorwärts,
es gl&ckt ihm in seiner Nahrung. Hen-
nig, 231.
ScUffermtttzchan, Pflza., Ackerwinde,
Conwlvulus arvensis L. Kr. Bereut.
Weichseldelta Treichel, Volksth. Hl.
S. Mandelblume.
Schiffprilgel, m., Nachtgeschirr. S.
schiffen 2.
Schiffsabrechner, -agent, m., s. Ab-
rechner.
Schiffsbier, m., s. Schiff bier.
Schiffskinder, plur,, die gesamte Mann-
schaft eines Schiffes. Danzig. Hirsch,
265.
Schiffsmakler, 7/i, $. Abrechner.
Schiffsreedebringgeld, n., die Abgabe,
welche Schiffe entrichten, die zu tief
liegen, um mit voller Ladung ein-
oder ausfliefzen zu können. Sie be-
trägt in Pillau 2 Mk. Pr. Prov.-Bl.
XVU, 51. Heute aulzer Gebrauch.
Schiffwagen, m., s. schiffen 1.
Scbtflftd, /., s. Schublade. Saalfeld.
icbiggeln, sw., kratzend hin und her
fahren: beim Geigen mit dem Bogen,
beim Schneiden mit dem Messer.
Schigger, m., Pflzn., gelbe Segge,
Carex flava L.
schigger, schiggerig, adj., betrunken;
unwohl, kränklich, elend; verrückt, nicht
recht bei Sinnen. Er ist schigger, er
ist betrunken. Das ganze Jahr schigger
und Purim nüchtern, Jüd.- deutsche
Redensart. Sprw. I, 3290. Er sieht
schiggerig auSy er sieht leidend, kränk-
lich aus. Von dem hebr. schichor be-
rauscht.
Schildkröte, /., gemütliches Schimpf-
wort. Mufz nicht die Schildkröte mich
verrathen haben, die Marie f Soph. R.
VI, 323.
Schilf blume, /'., Wasser- Schwertlilie,
Iris pseudacorus L, Weichseldelta.
Treichel, Volksth. III.
Schill, Schill, /., Name und Lockruf
für die Ente; B,ncli SchiUersche! Volksr.,
64, 242L Nsslm., Th., 220.
272
Schillebold — schimmern.
Schillebold, m., Libelle. Mühling.
Ebenso in Bremen, in Brandenburg.
Brem. Wb. IV, 653.
Schillerhaus, n., Schilderhaus.
schillern, sw,y schildern: 1. warten,
wachend arbeiten. Ich habe den ganzen
Tag — die ganze Nacht schiUem müs-
sen. 2. Schildwuche stehen. Hennig,
231.
SChillgemal, adv.y verschiedenemal,
wiederholt. Dctö hat dieser alte Kopf
viel schillgemal erlebt. Soph. R. lY,
162.
Schilling, m. 1. preul'zische Münze
seit 1351 bis ins 18. Jahrhundert hin-
ein, in der Gröfze des alten 5 Groschen-
stückes, also etwa der heutigen Mark.
Ihr Silbergehalt war ursprünglich -
25 P%., wurde aber successive ver-
ringert und fiel bis auf 5 Pfg. Vgl.
Hörn, Vom preul'z. Gelde. Altpr. M.
V, 51. 2. späteres Geldstück im Werte
eines Pfennigs. S. Wertvergleichungs-
tabelle vom 15. November 1821 ^Ge-
setz Samml. 1822, S. 2 ff.). Fttnfschil-
linger, ursprünglich = 5 Pfg., hatten
einen Wert von 7 alten Pfennigen.
Der Schdüing gut nirgend so viel, als
wo er geschlagen ist Wer zum Schil-
ling geschienen ist, wird kein Groschen
werden. Er treibt^ schleicht^ stofzt —
sich herum wie ein schlimmer (falscher)
Schilling. Er ist bekannt wie ein schlim-
mer Schilling. Schölling, stä op on
lat dem Grosche sötte, Sprw. I, 3292 f.
Hennig, 23, Sperber, 28.
Schillinge, plur,, Pflzn., s. Nimmerstill.
schilpem, schimpem, sw., schwankend
überfliefzen. Übervolle Schüsseln schil-
pem^ laufen über. Nimm dich in acht,
da/z du nicht schilperst Treichel.
Für Estland bei Sallmann, 39 b.
Schimannsgarn, n , Shipmannsgarn,
Garn des Schiffers, Kautabak, nach
der schnurartigen Gestalt seiner Ver-
arbeitung. Treichel, Volksth. H.
^himke, oft Dschimke geschrie-
ben, w., polnischer Flolzknecht, Wit-
tinueüknecht. Poln. ziemek, ziomek^
russ. zemljak, lit. iemintnkas Lands-
mann. Nsslm., Forsch. 3; Th. 164,
meint: wahrscheinlich haben diese
Leute hier im fremden Lande sich
gegenseitig ziemki, Landsleute, ange-
redet, woraus die der polnischen Sprache
unkundigen Bewohner der Stadt Kö-
nigsberg und Provinz Schimke gemacht
und dies Wort irrtümlich als Standes-
bezeichnung gebraucht haben. Vgl.
Bock, 56. Hennig, 232. S. FITS.
Schimmelreiter, m,, Sylvesterbelusti-
gung. Um den Schimmel zu bilden,
wird ein Pferdekopf auf eine Stange
gesteckt, auf der ein Knecht, mit wei-
l'zen Tüchern bedeckt, reitet; hinten
wird an die Stange statt des Rofz-
schweifes ein Bündel Flachs angebun-
den. Der Schimmel schlägt entsetz-
lich aus, d. h. sein Reiter hat einen
Stock in der Hand und prügelt alle
Mädchen, die sich blicken lassen, ohne
Barmherzigkeit. In der Gesellschaft
des Schimmelreiters befinden sich ge-
wöhnlich ein Bock und ein bucklichter
Kerl. Der Bock ist ähnlich wie der
Schimmel hergestellt, nur sitzt der Rei-
ter auf einer Forke, deren Zinken die
Hörner des Bockes vorstellen. Na-
tangen. Oberland. Volkskal., 55. Ge-
naueres giebt Treichel in Verhandlun-
gen der Berlin, anthropol. Gesellschaft
V. 20. Januar 1883.
scbimmerieren, sw,y schattieren, schim-
mern, schillern. Da» schimmeriert in
allen Farben. Saalfeld.
Schimmerlichty n., s. v. a. Schimme-
rung (s. d.)
schimmern y schummern, plt. schem-
Schimmening — Scbine.
273
merriy aw.^ dämmern. Zur Bezeich-
nuiig des Lichtes nach Sonnenunter-
gang und vor Sonnenaufgang; in über-
tragener Bedeutung: klar werden. Es
schummert mir^ ich fange an, mich der
Sache zu erinnern, sie taucht in mei-
nem Gedächtnis wieder auf. Sche-
mionek, 37. Sperber, 29. Vgl.
Scbimmerung.
Schimmerung , pltd. Schemmerung,
Schemmering, /. 1. Dämmerung, Däm-
merlicht. Es ist zwar wahr^ dafz es
Licht werde^ ehe die Sonne aufgehet^
aber das Licht kann nicht der Tag ge-
nannt werden^ so man nicht plumbs-
weise davon reden wolle: Sondern Mor-
gen- und Abend- Schimmerung^ weil das
rechte physische Licht in der oberen
Welt noch nicht aufgestecket ist. Line-
mann, A3a. 2. Dämmerstunde, Zeit
während der Schimmerung, und wohl
ausschliefzlich der Abend-Schimmerung,
daher Scbimmerstunde, Schummerstunde,
Schimmer-, Schummerzeit, pltd. Schem-
merstund, -tTd, gewöhnlich im Dem.
Schimmerstundchen etc. Es ist die ge-
mütliche Plauderstunde, in der man auch
gern Besuche macht. Holl. schemering^
schemerstond^ schemertyd, 3. glitzerndes
Glänzen, Schimmern, . , . als wenn die
Sonne auf einen Stern viel Straten wer-
ffcy und dannenhero unzehlig viel Durch-
schneidungen derselben entstehen^ welche
in unsere Augen fallen und alsdann in
selbigen eine Glintzerung oder Schimme-
rung verursachen solten. Line mann,
Lla.
Schimmerzeit, /., s. Schimmerung.
schimmrig, schummrig, (zdj. von schim-
mern, dämmernd, dämmerig; verworren,
unklar. In zweiter Bedeutung beson-
ders schummrig. Sperber, 29.
schimperig, adj.y dem Schemper ähn-
Prifchbier, W5rt«rbuob II.
lieh, dünn und schlecht; von Getränken.
Treichel.
schimpem, sw., s. schilpem.
Schimpf, /., Schelte. Nu kri wi aUer
Sch§mp. Dorr, 1. Wiew., 24.
Schimsche, /., eine Binsenart im Na-
riensee.
^chln, /., w. Vom, s. §chlne.
schinden, schingen, st^ aus der ur-
sprünglichen Bedeutung des Abziehens
der Haut: L quälen, hart anstrengen,
pisacken (s. d.); durch harten Druck
ausbeuten, in Handel und Wandel das
Malz der Billigkeit arg überschreiten.
Schinge on Schawe gofft doch mehr wie
Haue on Grawe. Sprw. I, 3299.
2. auf anderer Leute Rechnung geniefzen.
Bier^ Cigarren etc. schinden, sich frei-
halten lassen.
Schinder, Schinger, im Ermlande auch
Schwidda, Schwidder, m., Abdecker,
Racker; Teufel. Dem Schinder die
Keule abkaufen, etwas zu teuer bezah-
len. Mewe. Sprw. H, 2328. Den
holt der Schinder nicht, er hat sich gut
eingewirtschaftet. Ihn hat der Schin-
der geholt, er ist zu Grunde gegangen.
Sprw. I, 3300 £ Na wejz de Schinga
dis Joa wd wa^ denk\ kene Wingta
kr ige. Ermländ. Freisch., 12. I wo
Schinder, des ös je domm! Schaltj.,
3, 5. / wo Schinder! ist ein gewöhn-
licher Ausruf der Überraschung, des
Ärgers, der Zurückweisung.
Schlne, ^chTn, w. Yom., Regine.
Samland. Hopp, Ann-SchinkCy hüpfe,
Anna Regine ! Auch Zuruf beim Auf-
heben einer Last, um die Gleichzeitigkeit
des Hebens zu bewirken. Vgl. Sprw.
I, 91. Ja, Schin, de Tide wäre von
Jär to Jär schlechter. Firmenich I,
101 a. Broder Frtd on Schwester Dschin
son tom Markt na der Stadt gekamen.
18
274
Bchinen — Schippenbeil.
Elbinger Höbe. N.Pr.Prov.-Bl.a.F.IX,
241. Firmenich HI, 493a.
schlnen, sw.<, schnell fliefzen; s. schä-
len 4.
schingen, st^ Schinger, m.^ s. schin-
den etc.
Schinkenbruder, m.^ s. Schinkenschwa-
ger.
Scbinkenschneiden, n., Pfandaaslösong:
Ich steh' und achneide Schinken, Wen
ich lieb hab\ toerd^ ich winken, Volksr.,
201, 742.
Schinkenschwager, m., derjenige, der
mit der Fraa eines andern geschlecht-
lichen Verkehr hat. In Friedland Ostpr.
Schinkenbruder.
Schinkenschwester , /. , Konkubine.
Sprw. I, 3303.
Schinkenvetter, 771. , nach H e n n i g , 233,
derjenige, der statt eines andern die
Patenstelle vertritt. Bock, 57, erklart:
derjenige, dessen Ehefrau bei jemand
die Patenstelle vertreten.
Schinkraut, Schinnkraut, n., Schell-
kraut, Chelidoniwnh majus L, Bock
Nat.111,423. Hagen, 546. Hennig,
232. Pritzel, 90.
Schinn, m,^ die kleinen Schuppen,
welche sich von der Haut, namentlich
Kopfhaut, ablösen. Ursprünglich Schinn
Haut, Fell, wie noch jetzt engl, skin^
isl. skinn, dän. skind. Brem. Wb. IV,
654. Nach Sperber, 28, der Kopf-
grind. Vgl. Schäwe.
Schln-, Schinnagel, m., s. SchSnnagef.
schinnig, adj. 1. mit Schinnen be-
haftet; von der Haut, auch von einer
heilenden Wunde. Vgl. schelberig. 2.
räudig. Schinnig und schäwig^ räudig
und krätzig. Hennig, 232.
Schinnkaule, Schinngrube, /., Schind-
grube. Solche Oerter (wo sich Irrlich-
ter zeigen) mid ingemein sumpfflge und
maraatige Plätze^ Kirchhofe^ Schinn-
gruben, oder wie unsere Preussen es
nennen, Schinkaulen, GcUgenpldtze etc.
Linem., Uu2a.
schlns, ado., gerade, aufrecht Dat
Kdm steit achtna.
schipp, eine Art Interjektion. Schipp,
achipp, waa Neu^a vom Jahr ! sagt man,
wenn ein Gericht zum erstenmal im
Jahre auf den Tisch kommt, während
man den Tischnachbar am vordem
Haarzipfel zupft. Das poln. czub Schopf,
klingt an. Vgl. Schuprtne.
Schippe, /., richtiger Schuppe, Schau-
fel. Ein Schippchen ziehen, — machen
kleine Kinder, wenn sie, dem Weinen
nahe, die Unterlippe schaufelartig vor-
schieben. Treichel. Nach den Ge-
daniamen bezeichnet Schippe auch eine
einfaltige, dumme Person. Vgl. Schöpe.
schippen, aw,, stofzend werfen, schie-
bend fortschnellen, werfen überhaupt.
Den Ball schippen, Bohnchen achdppen,
Einderspiel mit Bohnen, wobei ea dar-
auf ankommt, die eigene Bohne durch
geschickten Stofz des gekrümmten Zeige-
fingers schiebend nach einer gemein-
samen Grube zu schnellen. Die kleinen
Gegner suchen das Geb'ngen des Wur-
fes durch die Zauberformel: Hexe pro-
fexe, e Kriz ver't Loch! zu verhindern.
Wehlau. In Hessen nennt man dies
Spiel bonaen, bunaen, Vilmar, 48.
Schippenbeil, Städtchen am Einflüsse
der Guber in die Alle, Kr. Friedland.
Der älteste Name des Ortes ist Schiffen-
bwy, woraus sich Schippenburg, Schdp-
penpil (pil, altpr. Burg, Berg) und
/ScrAipp^^allmählich bildeten. Voigts
(Gesch. I, 495) Erklärung des Namens
als „Wohnburg der Richter oder Schop-
pen", die Preufz (Landes- u, Volksk.,
513) wiederholt, ist unzutreffend. VgL
Liek, 11 ff. Die Bewohner von Schip-
penbeil heifzen spottweise Erbsen-
Schipper — Schirk.
275
schmecker. Die Lokalsage erzählt von
ihnen, daTz sie einem Bauern eine
ganze Fuhre Erbsen, die er nach der
Stadt zum Verkaufe brachte, in ent-
nommenen Proben aufgeschmeckt haben.
Das Erbsenschmeckerlied erzählt hier-
von ausführlicher. N. Pr. Prov.-Bl. I,
15 ff. VolksL, 66, 44. Sprw. I, 744.
Die Schippenbeiler heifzen aber auch
noch Bärenstecher, weil sie, wie die
Sage erzählt, ihren Bürgermeister, der
in Königsberg sich einen Bärenpelz-
angeschafft hatte und in dem neuen
Winterkleide prangend heimkehrte, für
einen Bären ansahen und mit Spiefzen
und Stangen überfielen. Reusch, Sa-
gen, 114. Sprw. I, 744. Liek, 283.
Schipper, Schifpper, m,^ Schiffer, Eahn-
führer. . . . daz au/z des Monds auf
und Untergang von den Schtppem Ta-
bulen gemacht fjoorden. Linem., Aa2a.
Ako da/z die Schipfer gewisse Regeln
darüber (über Ebbe und Flut) verfer^
tiget haben. Ibid., Aa 1 b. Im Werder
und auf der Danziger Nehrung Schop-
per die Aufkäufer von Obst oder Päch-
ter der Obstgärten. Sie werden Schopper
genannt, weil sie das Obst in Kähne
verladen und in diesen zum Verkauf
in die Städte führen. Vgl. Viol^t, 90.
SchoppeTy Schopper^ Ul öm Mast, hSl
de Katt bVm Zagel fast! Neckreim.
Volksr., 84, 344.
schippig, adj.y dumm, einfältig. Ge^
danismen. Vgl. Schippe.
Schipprin, Dem. Schipprtnchen^ s.
Schuprine.
schipsen, sw., dem Tone nachgebildet,
den Küchlein hören lassen, die man
danach auch Scbipser nennt. Friedland
Ostpr,
SChtr, adf. 1. unvermischt, lauter,
klar, hell, rein, glatt. Schtrer Speck.
Schires Fleisch, Fleisch ohne Knochen;
auch tautologisch: das reine , schiere
Fleisch, Sahiren Safer futtern, reinen
Hafer, ohne ihn mit Häcksel zu ver-
mischen. Der Safer steht recht schir,
recht rein, ohne dai'z er mit Gras durch-
wachsen ist. Sahire Butter essen, wört-
lich reine, klare Butter essen; doch
hört man die Redensart schon, wenn
die Butter dick aufs Brot gestrichen
ist. Das sind ja schire Knochen, lauter
Knochen, sagt die Köchin zum Fleischer,
um das Fleisch im Preise zu drücken.
Ein schires Brett, glatt gehobeltes, ast-
freies Brett Sie hat eine schire Saut,
eine glatte und weil'ze Haut ohne
Flecken. 2. glatt und gerade, hart und
fest gewachsen. Schires SolZy schires
Stroh, Holz und Stroh, das die an-
gegebenen Eigenschaften hat. Alts.
skiri, skir, ags. sctr^ ^^S^- ^heef*, altfr.
sktre, Vgl.Brem.Wb.IV,659. Scham b.,
184a. Vilmar, 350. Schade, 798a.
Hennig, 252. 336.
scblr, cuiv., beinahe. Öak st schir
verhungert, Öck wet schtr nich utnoah
ön. Mhd. Sahir; s. Schade, 791a.
Schtr, m., feine, lose gewebte, klare
Leinwand, feines Kammertuch. Die
Wohlhaienden tragen von Schier aus
dem Krahm ihre Schleyer, L e p n e r , 66.
Von schir 1. Das lit. szyras feine Lein-
wand ist aus dem deutsch. Sahir ge-
bildet; sie heifzt sonst szydas, Mi elcke,
411a. Unter Sahiertuch verstand man
aber auch das grobe Kammertuch, durch
welches man Flüssigkeiten filtrierte.
Brem. Wb. IV, 660.
schirgeln, sw,, zur Bezeichnung 1. der
ersten Gesaugsübungen junger Vögel,
2. der ersten Übungen im Geigenspiel.
Vgl. quirksen.
Schirk, m,, Schirke, Scherke, Schurke,
f., auch Tsch anlautend, 1. Hausgrille,
Heimchen, GryUus domesticus, Lit.
18*
276
Bchirken — ScUTz.
zirke^ leti. zirzenSy poln. iwiercz^ hdei^szcz^
swierszczek^ böhm. cwrcek^ russ. Bwer--
czök. Nsslm. Forsch. 3; Th., 164. Das
Volk schont diese Tierchen, weil sie
dem Hause Segen bringen. Bock,
61. Hennig, 243. Mühling, Tiem.,
177. S. Mauerechirk. 2. kleiner, schwäch-
licher Mensch. Pierson, Altpr. M.
Vni, 367. In Friedland Ostpr. Schirks.
schirken, schirksen, scherken, schttrken,
8tr., achirkj schirks hören lassen, schril-
len, zirpen; von dem eigentümlichen
Ton, den Grillen und Heuschrecken,
hin und wieder auch die Sänger unter
den Vögeln hören lassen. Den un-
melodischen Gesang der Vögel nennt
man vorzugsweise schirksen. Lit. czlrsz-
kiüj cdrksztiy lett. tschirksteht Nsslm.
Forsch. 3; TL, 164.
Schirks, m., s. Schirke.
schirks, interj.^ der zirpende Ton
der Grillen und Heuschrecken, des Fin-
ken, Kanarienvogels u. a. Sänger. Vgl.
schirken.
schirksen, sw.y s. schirken.
Schirrarbeiter, tw., Arbeiter, welcher
Geschirre: Wagen, Leitern, Pflüge etc.
fertigt und auszubessern hat. Er heilzt
im Netzedistrikt Schirrknecht
schirren, ««?., das Geschirr den Pfer-
den auflegen, überhaupt das Fuhrwerk
bereit machen. Bildhch: sich reisefer-
tig machen. Ihickt sock en Dickkopp
op, so kannst dt^ Bür^ man schörre, Gä
af^ renn sti*amm Galopp, Lhrztg. 4,
355 a.
Schirrholz, n., Holz, aus welchem die
ländlichen Geräte gefertigt werden. Hier-
nächst theüet man es (das Holz) in Bau-
holz . . . ; 171 NutZ'y oder Wirk- und Schirr-
holz, so von Müllern, Böttchern, Tisch-
fem, Schirr- und Rademachem, Drechs-
lern u. cL g, verarbeitet wird. Bock,
Nat. m, 23.
Schirrkammer, /., Kammer, in welcher
die ländlichen Geräte (Geschirre) ge-
arbeitet oder aufbewahrt werden.
Schirrknecht, m., s. Schirrarbeiter.
Schirrmacher, m,. Verfertiger der länd-
lichen Geschirre, Geräte = Schirrar-
beiter.
Schiich, /., weibliche Haube, s. Hiich.
Schischke, auch mit T anlautend
Tschischke, m, u. /., Tannen- oder Fich-
tenzapfen, Kienapfel. Poln. szyszka,
russ. sztszka, böhm. ssysska^ wend. ^ka^
lit. czyszka, czeczka, Nsslm. Forsch.
3 ; Th., 164. öck war dt lh*e op Schischke
danze! als Drohung. Sprw. I, 2387. Im
Oberlande Schischken auch die hakigen
Samenköpfe der Kletten.
Schischkebauer, m., Spottname für
einen Bewohner des Dorfes Metgethen
im Samlande. Er ist ein Schischke-
bauer, ist aus Metgethen. Vgl. Kar-
toffelhengsL
Schischkefichf , /., verkümmerte Kie-
fer. Sperber, 43.
Schischkewasser, n., unreines Wasser.
Dorr, 1. Wiew., 67: Du schmoddliget
Schischkewater ! als Schimpfwort.
Schischmen, plur,, ungarische Halb-
stiefel. Mühling.
Schisser, m., s. Schifz.
Schifz, m., Yon schei/zen; übertragen:
hochgradige Bangigkeit, Besorgnis,
Angst, Furcht. Er hat Schifz, hat
solche Angst, dal'z er sich fast in die
Hosen macht. Davon: Anschifz, m.. Be-
trug, arge Täuschung; nach Treichel
auch Moralpredigt, ernstes Wort, Es
gab einen gehörigen Anschifz, einen
Wischer, anscheifzen, st, täuschen, be-
trügen, und wohl auch in zweiter Be-
deutung. Verschifz, m,, Miizachtung, Ver-
ruf. Verschifz machen, Fiasko machen.
Er ist in Verschifz erklärt Sperber,
33. Schisser, m., ängstlicher Mensch,
SchiCzmagratzki — Schlabber.
277
Mensch, der dem Leben abgestorben
ist. Bierschisser, m., der beim Bier in
Verschifz erklärt ist. Treichel. schifz-
rig, ad;., farchtsara, ängstlich. Sperber,
28. Die meisten dieser Wörter sind
Studentenausdriicke.
Schifzmagratzki. ErütSchifzmagratzki,
in Verlegenheit, weifz sich nicht zu hel-
fen. Gilgenburg. Sprw. I, 3305. Viel-
leicht aus dem poln. mohrzyc harnen,
von mohro nafz: die gröfzte Verlegen-
heit ist wohl, von solchem Bedürfnis
gequält zu werden.
schifzrig, adj.^ s. Schifz.
Schitte,/., Weberschiffchen, s. Schutt
Schittermus, /*., Milch- oder Wasser-
suppe mit Weizenmehl. Sperber, 35.
Schlttobje. Schittobje is e Walfisch!
beim Überstechen einer Karte; auch
als Zurückweisung einer Behauptung.
Das Wort ist Zusammensetzung aus
dem deutschen Schit und dem poln.
dobic vollends totschlagen, den Rest
geben: dobic w grze überstechen im
Kartenspiel. Sprw. I, 3306.
ScbTtwabbel, t»., Rofzkäfer, s. Wabbel.
ScbTwe, SchTw, Scbibe, Scheibe, Scheib,
/., Dem. Schtwke^ Schtwchen etc. 1.
alles Flache und Runde. Schiefzscheibe^
Ap/elscheibey Wurstscheibe etc. 2. Tel-
ler, weil er flach und rund ist. Der
hchd. Ausdruck Scheibe für Teller ist
ungewöhnlich, wo er gebraucht wird,
geschieht's irrtümlich, indem msmSchiwe
für pltd. hält. Lit szywe\ um Memel
skywe'. So schone Schtwkes^ blotzeblank^
On Teppkes, Pannkes klene. Samland.
Firmenich III, 177a. Scheibclien, auch
TeUerclien werfen = Butterbrot (s. d.)
werfen. Im Werder Schtwe auch Tasse :
e Schiwke Koffee. 3. es verliert sich
der Begriff des Runden und bleibt nur
noch der des ausgedehnt Flachen:
Fensterscheibe, Nsslm. Forsch. 2; Th.,
165. Hennig, 228.
schTwelig, adj.^ s. schTbelig.
SchTweschräg', /*., schiefe u. schräge,
d. i. geneigte Ebene im elbing- ober-
ländischen Kanal; es giebt deren fünf.
Dönh. Schemionek, 34: schiebe
Schräg.
ichhA^Oy adj,y lustig, flott, munter, pohi.
iywo. Er lebt schiwo.
Schlabak, Schlabauks, Schlabauchs, m.,
Nichtsnutz, Taugenichts, Tölpel, Herum«
treiber, ungeschickter, ungeschlachter
Mensch ; auch blofzes Schimpfwort für
einen lümmelhaften, unreifen, hoch auf-
geschossenen Burschen. Das ist ein
rechter Schlabdk. In Westpr. auch
Schiabacks. Bock, 57, Hennig, 233:
ScMabatichs. Gleich im Begriffe sind
Schlabammel, Schlabommel , Schlftlos,
Schläzu, m., und die unter Laband auf-
geführten Namen. Holl. slabakken träge
sein.
schlabftksch , schlabauksch , schla-
baucbscb, adj'. von Schlabdk etc., was
einem solchen eigen in Wesen, Haltung,
Sprache; namentlich von lotterigem
Gange. Potz Idöftl öhst (ist es, das
Buch) wo Lecktins (lateinisch), ok woll
Schlabaacks geschrehwen? Carm, nwpt,
m, 50 d.
Schlabbe, seltener Schlappe, /. 1. Yor-
tuch, Latz, Serviettchen, das man Kin-
dern umbindet, damit sie sich beim
Essen nicht beflecken und gewöhnlich
im Dem. Schlabbchen, n. Sperber,
28: Schlappchen. 2. Schürze. Dönh.
Im Oberland heifzt eine Schürze mit
Latz Schlappschurze, SchlappenschUrze.
Holl. slabdoeky slabberdoekje^ in Pommern
Slabtasche. Dähn., 425 b. Brem. Wb.
IV, 795. Bock, 57. Hennig, 233.
Schlabber, m, 1. flüssiger, breiartiger
278
Schlabberlise — schlackern.
Strafzenschmutz. 2. schleimartiger Spei-
chel, Geifer. Der ScJdahber hangt ihm
zum Maul heraus, Holl. slabber. In
ersterm Sinne noch: Schlabjunter,
Schmadder , Schionter, Schiubber, m, 3.
schlaffes, weiches, hautartiges Fleisch.
Der reine Schlabber. 4. Mund, Maul;
m Posen Schiabbey Schlappe. Bernd,
258. Davon schlabb(e)rig, adj\ in allen
Bedeutungen; von 4: schwatzhaft. Ein
schlabberiges Weib.
Schlabberlise, -michel, m., Schwätze-
riu, Schwätzer.
Schlabbermaul, m., Tautologie für
Schwätzer. Vgl Schlabber 4.
schlabbern^ sw, 1. mit hohler Zunge,
läppend und schlürfend saufen oder
eine flüssige Speise genicfzen; zunächst
von Hunden, dann aber auch vom Men-
schen. Es gab viel zu schlabbern. Schlab-
ber die Suppe aus! Hans, komm Botte-
melk schlabbre! Volksr., 263, 916. 2.
geifern ; beim Essen das Genossene aus
dem Löffel oder aus dem Munde fliei'zen
lassen. 3. schnell und gedankenlos re-
den, schwatzen, plappern. Das achlab-
bert er nur so hin. In Bremen, Ham-
burg, Pommern 1. slabben von labben
lecken, im Götting. slabbem^ in Bayern
schlappen; in den andern Bedeutungen
slabbem. Holl. slabben, slabberen^ engl.
to slabber nal'z machen, begeifern. Brem.
Wb. IV, 794. Richey, 256. Dähn.,
425b. Schamb., 192b. Schmeller
in, 454. Vilmar, 351. Bock, 57.
Hennig, 233. Vgl. sabbern u. icbab-
bem.
Schlabjunter, ?n., s. Schlabber.
Schlablauer, m.^ Weste. Kl. Werder.
Scblabommel, m. In gleichem Sinne
wie Labommel und Schlabäk. Davon
8chlabomm(e)lig, adj.
Schlachnutke, m., Bauch. Treichel.
schlachten, sw,^ ähneln, ahnen, nach-
arten, nachschlagen, gleichen. Das Kind
schlachtet nach dem Vater. Ene Figur ^
die den Eenik vorstellt on och ganz na
em srhlacht Schalt). 3, 10. He schlackt
em^ wt e Molketewer dem Henerhawhe.
Kgsbg. Firmenich I, 103a. Er («)
schlachtet nach dem Klaffke, sieht hä(z-
lich aus. Ahd. slahta, mhd. slahte
Geschlecht, Herkunft; Gattung, Art
Schade, 818a. Schlachten hat also
zunächst die Bedeutung: verwandt sein,
in die Art schlagen. Was aus der Art
schlägt, ist ungeschlacht. Bock, 57.
Hennig, 233. Vgl. schlagen; auch
lachtig.
Schlachtwurm,m., eine Assel (Onts^^us)-
Art, die den Fischen gefährlich sein
soll. Danzig. Bock, Nat. IV, 736.
Schlack, m., schlacken, sw.^ schlackig,
adj.^ Schlackwetter, n., s. Schlagg etc.
schlackeidem, schladelkern, sw.^ unstät
umhergehen, in weiten, schwingenden
Kleidern; vielen Raum beanspruchend
hin und her spazieren. Oberland. Vgl.
schlackern 2.
Schlacker, /. 1. Raum eines Bauer-
wagens hinter dem Gesäfz, Packraum.
Einen in die Schlacker Uiden^ ihn in
den Hinterteil des Wagens aufnehmen.
In Bayern der Schlotter. Schmeller
lU, 461. 2. flüssige Speise, die sich
schlackern läfzt. SchlackergrütZj eine sehr
wässerige Grütze. 3. flüssiger Stralzen-
schmutz, dasselbe was Schlabber. Von
schlackern.
schlack(e)rig, adf., schlaff, schlapp,
ohne Halt. Schlackerig gehn. Es sitzt alles
schlackrig an ihm, seine Kleider hängen
weit und schlaff um seinen Körper.
Nach Mühling auch schläkerig, nach
Bock, 58, schlekrig, nachlässig. Von
schlackern.
schlackern, 8U7. 1. schaukelnd wackeln,
schwanken, schüttehid etwas bewegen.
schlackig — Schlafstellen
279
schlenkern. Die Teerpaudel schlackert
am Waffen. Mit dem Kopfe schlackern^
schütteln. Amte und Beine srhlackemy
hin und herwerfen. Die Medizin in
der Flasche schlackern^ darchschütteln.
Vgl. schlickern. 2. zwecklos gehen. B>r
schlackert hin und her — schlackert die
Strafze auf und ah. Besondersch hiede
micht eck geeme^ du schlackerscht met.
Nowack, 60. 3. essen, meist mit
schlurfendem Ton. Die Mus schlackern.
abschlackem , abschütteln. Der nasse
Hund schlackert sich ab. Sich eine
Tracht Prügel abschlackem. ausschiak-
kern, 1. aasschütteln. Einen Staub-
lappen ausschlackem. 2. die Suppe
ausschlackem. Wie schlackern 3. bc-
schlackern, sich (s. d.). verschlackem,
durch Schlackern eine Flüssigkeit ver-
schütten. Bock, 57. Hennig, 234.
Sprw. n, 1294.
schlackig, adj., s. schlaggig.
Schlacknik, (?), eine Art Kalteschale
aus dem grünen Kraut des Dimke^ aus
Blättern von frischen roten Rüben oder
Sauerampfer. Litauen. Bock, Nat I,
273; er schreibt Chlacknik.
schlacksch, adj. u. adv., s. schiagsch.
schladeikern, sw.y s. schlackeidern.
Schlaf blume, Pflzn. 1. Frühlings-Kuh-
schelle, Pulsatüla vemalis MiU.^ wahr-
scheinlich, weil sie ihren Kelch zur
Nacht schlielzt. Soll nicht ins Hans
gebracht werden, wenn die Gänse brü-
ten, weil sonst die Embryonen im Ei
ersticken würden. Wahlendorf. Trei-
chel, Yolksth. 2. Wiesenschaumkraut,
Cardamine pratensis L. Friedland Ost-
preuizen. Kgsbg. Mühling.
schlafen, st schlafen schlief ich nicht
— eine preu/zische Redensart für die
nichts bessere: schlafen that ich nicht
Soph. R. VI, 346.
Schlaffke, m.^ s. v. a. Bressem (s. d.).
Schlafittchen, n., Zipfel des Kleides,
Rockes^ Ärmel, Kragen, in Litauen so-
gar die BeflFchen der Prediger. Einen
beim Schlafittchen kriegen.^ ihn am Rock-
zipfel, Ärmel etc. festhalten. Wenn du
nicht gleich artig bisty nehm' ich dich
am Schlafittchen und werf* dich hinaus!
Richey, 57, erklärt zutreffend SlafiMje
mit Schlag-Fittich^ Flügel mit den Schlag-
oder Schwingfedem. Vgl. Brem. Wb.
1,385. Dähn.,426b. Mi, 79b. Bernd,
259. Anton 12, 16. Schmeller IH,
444. Vilmar, 351. Danneil, 194a.
Abweichend von Schlagftttich^ erklärt
S allmann, 39b: Schlafitt Schulter.
S. Klafittchen u. KlafFSz.
Schlafkomode, /., Kommode, die aus-
einandergeklappt als Bettgestelle dient.
Schlafkunz, auch kurz Kunz, m., apfel-
artiger Auswuchs auf Hagebutten und
wilden Rosen, verursacht von Schlupf-
wespen. Mühling. In Bayern der
KuenZj Schlafkuenz Schlafapfel. Man
legt ihn dort unter das Kop^issen, um
den Schlaf zu befördern. Schmeller
n, 314.
Schlaflaus, /., Laus, die den Schlaf
bringt. De Schldplües bite^ sagt man
zum schlaftrunkenen Kinde. Sprw. I,
3205.
SchlafratZy /., zur Bezeichnung eines
Menschen, der gern und viel schläft.
Schlafratz ist ursprünglich ein Name
des Murmeltieres oder auch der Hasel-
maus, welche beide ihres langen Win-
terschlafes wegen bekannt sind. Vgl.
Ratz.
Schlafstelle, /., Stelle zum Schlafen,
Nachtquartier. Unverheiratete Arbeiter
und Handwerker mieten bei kleinen
Leuten eine solche Stelle zur Nacht-
herberge. Kgsbg.
Schlafsteller, m., Inhaber einer Schlaf-
stelle. Sie haben ihre Wohnung noch
280
Schlag — Schlakanter.
an drei Schlafsteller vermietet. Vgl.
Bettsfäter.
Schlag, m.^ Donner, Donnerschlag;
aber auch Schlagflafz. Wat Schlag on
LdchHng o/z dat fer enLarmf Spook,
470. In interjektionalen Ausrufen, Er-
staunen und Überraschung ausdrückend^
und in Fluchen, im Sinne von Donner-
wetter. Chti's Schlag^ Friede wo kommst
du herfl Krtz Schlag! Wat Schlag!
Schlag! dockt he, wat böst du fa e domme
Klot(z)! — Schlag! de Bff ös hinga
onsj on woU dt hole, Rastenburg. Fir-
menich I, 109b. W&r Schlag! Schlag
noch ent! In Zusammensetzungen:
Schlagmargelly Schlagherl^ Schlagbeskrät,
ähnlich wie Blitzmädchen, Blitzkerl,
Blitzkröte. Auch in dem Sinne von
Henker, Teufel: Qaut mt ndm Schlag
met jvgem Theebü^ geht mir zum Hen-
ker mit eurem Theebau. Deutsch-
Krone. Firmenich HI, 501b. Wat
ock nich mag, dat dräggt de Schlag, wat
ock begehr^ dat kömmt nich her. Sprw.
I, 2646.
Schlage, f., Behälter, worin Kalk oder
Lehm zum Bau präpariert wird.
schlagen, st^ ähneln, nacharten =
schlachten. Hei schieit na stnem Väder^
er schlägt nach seinem Vater. Tiegen-
hof.
Schlagg, Schlack, m,, nasser Schnee-
£all, Schneeregen. Nach dem Donner,
Blitz und Regen, nctch dem Hagel,
Schlagg und Schnee geht die Sonne auf,
Carm, nupt 1, 176. Die Zwölften sind
in lauterem Schlagge zu Ende gelaufen.
Linem., B 3 b. Im December haben wir
insgemein unbeständiges Wetter, viel Re-
gen, Schlacke, westliche Sturme etc.
Bock, Nat. I, 315.
schlaggen, schlacken, sw., schneien und
regnen zugleich. Es schiaggt. Hen-
nig, 234.
schlaggig, schlackig, adj. von schlag-
gen. Es ist schlagg^ ges Wetter, In den
Zfwölfften finden sich bisweilen gantz
schlaggigte^ bisweilen gantz schöne Tage.
Linem., B3a. In Hessen ist solch
Wetter schlackerig. Vilmar, 352.
Schlagg-, Schlack-, Schlackenwetter, n.,
Wetter mit Schlagg. In Hessen Schlac-
kerwetter. Vilmar, 352.
schlägig, adj. von schlagen. Ein schldr
giger Weg, Weg mit ausgefahrenen
Löchern, in die der fahrende Wagen
schlägt oder stofzt. v. Au er.
Schlaglos, m., s. Schlälos.
schlagsch, adj. u. adv., ungewöhnlich,
absonderlich, sehr; Mühling esklärt:
ungeheuer, erschrecklich. De Kröga
mach schlaggsche Oge gemäkt hebbe, cUs
he opwächt. Natangen. Firmenich I,
110b. Dat hebbe de schlagsch Kinder
gedäne, sagt man, wenn man eine Schuld
von sich abwälzen will. Dönh. He
sdd: Wt send doch schlagschen domm.
Dzg. Nhg. Parad.^ 2S. Es is schlagsche
warm. Ermland. Schemionek, 34,
hat för Elbing: schiacksche kalt. Das
is schlacksche viel, ist sehr teuer. Wie
ons Frind önnet HoachOetshus keem, geit
et au schlagsch lostlg to. Boldt, 6,
Schlagtot, pltd. Schlädöt, m., grolzer,
plumper und fauler Mensch. Ebenso
in Liv- und Estland. Hupel, 206.
Schlagtuch, n, s. Slagdök.
Schlagwachtel, /., Wachtel, Perdix
cotumix. Bujack, 380. Mühling,
Tiem., 177.
Schlagwasser, n., Medik., Wasser ge-
gen den Schlag, Aqua aromatica.
Schläjän, m., Johann, der schlägt,
täppischer Mensch. Treichel.
Schlakanter, m., Herumtreiber, Mensch
in schmutzigen, zerrissenen Kleidern.
Mühling. Davon schlakanterig, adj.
und schlakantem, sw. Wohl von schlak-
schl&kerig — Schlampe.
281
kern in der Bedeutung hin und her
gehen. Vgl. schläkern.
schläkerig, adj,^ s. schlackerig.
schläkern, sw.^ nachlässig gehen, über-
haupt nachlässig hin und her bewegen.
Marold. Ygl. schlackern.
schl&kzig, aä;., ohne Haltung. Oeh
nich 90 Bchläkzig! Saalfeld.
Schläios, m,y buchstäblich ein Schlag^
losy roher^ plumper, ungesitteter Mensch,
Nichtsnutz, Taugenichts, Herumtreiber,
der sich, nach Bock, 57, ^ weder durch
Schläge noch durch Worte bessern
läfzt, der gleichsam los von aller Zucht
ist, bei dem, wie man hier sagt, Hop-
pen und Malz verloren ist". Davon
SChlälosig, adj,, schlälosen, 8w. In glei-
chem Sinne Schlflzu, Schlädöt, ScUagzu^
Schlagtot S. Schläjftn u. SchlOlos.
Schlammkasten, m. 1. Kasten an den
Ausgängen der Rinnsteine, der, mit
einem Kost versehen, den Schlamm
zurückhält und nur das Wasser ab-
fliefzen läfzt. 2. Nach Mühling der
Abgufz an der Tabakspfeife. Dieser
heifzt jedoch gewöhnlicher Schwamm-
dose.
SChlammotHg, adj,^ schmutzig. Sche-
mionek, 34. Tautologie aus Schlamm
und Mott,
Schlammpiezker, -pelzker, m., nach
Sperber, 28, die Kaulquappe, doch
auch jedes in schlammigen Gräben
lebende Amphibium, oder jeder der-
artige Fisch. Vgl. Ptsker.
Schlammsack, m., s. Schnappsack.
Schlamp, m., Schlamm, Strafzen-
schmutz, flüssiger Kot^ Schleim im
Halse: Er mufz somel Schlamp aus--
spiLcken.
Schlampamp, m. 1. ekelhaftes Ge-
menge von Speisen. Den Schlampamp
kann öck nich ete, 2. Stralzenschmutz,
Schlamm. Das ist guter Schlampamp.
In Pommern und im Götting. slampamp.
Dähn., 428a. Schamb., 193a.
Schlampampe, /., zunächst wohl
Frauenzimmer, das seinen Besitz ver-
prafzt hat; doch auch altes Weib. Ein
Hospitalsmütterchen nannte sich selbst:
alte Schlampampe.
schlampampen, sw. 1. schlemmen,
prassen, gut und reichlich essen, schwel-
gen, verschwenderisch leben. Aus
schlemmen und pampeln. Dat heet ik
schlampampt^ ma£r betaalt sali et wer^
den, das heifz' ich geschwelgt, aber be-
zahlt soll es werden. Soph. R. IH,
486. Er hat alles verschlampampt, er
hat das Seinige verschwelgt, durchge-
bracht. In Bremen^ Holstein, Pommern
slampampen, in Bayern schlampampen.
Brem. Wb. IV, 800. Schütze IV,
113. Dähn., 428a. SchmellerlH,
450. Hennig, 234. 2. durcheinan-
der rühren, z. B. Speisen, s. Schlam-
pamp 1.
Schlampamper, m.. Schwelger, Schlem-
mer.
Schlampamperei, /. 1. Schlemmerei,
Schweigerei. In Bayern Schlamp.
S c h m e 1 1 e r III, 449. S. Geschlampamp.
2. Unreinlichkeit. Mühling.
schlampampig, adj. l. schwelgerisch.
Nach Schemionek, 35: schlampam-
puserig. 2. schmutzig, unreinlich, un-
ordentlich.
Schlampe, Schlampe, f. 1. dünne,
schlechte Suppe. 2. Branntweinspülicht.
Von Schlamp. 3. nachlässige, unor-
dentliche, schmutzige Frauensperson.
Mühling. In letzter Bedeutung auch
in Bayern. SchmellerlH, 449; in
Hessen. Vilmar, 353. Vgl. Schlumpe
u. Schiunze. In 1. u. 3. Bedeutung auch
in Posen. Bernd, 261.
282
schlampen — schlarren.
schlampen, 8ti?.; schlingend, schlürfend,
mit Geräusch essen. Davon ausschlam-
pen.
Schlampern, «to., im Schlamp, Kot,
schlenkern, nachlässig gehen, so dafz
man sich die IQeider beschmutzt. Aus
Schlamp und schlenkern zusammenge-
zogen. Lett. schlampohtj auch ScUimpu
^chlampu eet dasselbe; nchlampa einer,
der also im Schlampe, Kote geht; lit.
azlapus feucht, nalz, szlampu^ szlapti
nafz werden, Idampöti im Sumpfe wa-
ten, kUmpatUj kUmpti in weichem Bo-
den einsinken. Nsslm. Forsch. 3; Th.,
165.
schlampig, adj. von Schlampe^ dünn,
schmutzig, nachlässig; im Aui'zern un-
ordentlich. Müh 1 in g.
Schlampumper, 9n., weites Morgen-
kleid, bequemer Haüsrock. Er geht
den ganzen Tag im Schlampumper um-
her. Friedland Ostpr.
SChlampumpem,8u?., unordentlich,nach-
lässig gekleidet gehen. Yon Schlamm
pu/mper.
Schlänge e), /., schlängen, «to., s.
Schienge etc.
Schlangenäuglein , Pflzn. , liegendes
Scharfkraut, Asperugo procumbens L.
Pritzel, 47. Garcke, 275. Hagen,
207: Schlangenauge.
Schlangenfett, n., Medik., Oleum Je-
corü flavum.
Schlangenmord, m., Pflzn., s. Natter-
milch.
Schlängtuch, n., s. Schiengtuch.
schlankweg, adv., ohne Hindernis.
Den Weg kannst du schlankweg fahren.
Sa^ es nur schlankweg^ ohne Besorgnis,
dalz ich's übel nehme.
schlapp, adj^ u. adv. 1. schlaff, welk,
weich. Schlapper Hut Old, koldj shpp
cnm^wedderUchemSchmeerbuk. Dorr,
1. Wiew., 125. 2. flau; vom Wetter.
Woher ist vergangener Winter so gar
schlapp und Regenhaft gewesen? Li-
nemann, Ii4b. Ist also . . . daraus
ein schlapper Winter zu prognosOciren
gewesen. Ibid., Kk 1 a.
Schlappchen, n.. Schlappe, /., s.
Schiabbe.
schlappen, sw.^ schlürfen, lecken wie
ein Hund. Davon ausschlappen.
Schlappen-, SchlappschUrze, /., s.
Schiabbe.
Schlapper, w., Würfelbecher, weil er
meist aus Leder gefertigt ist und durch
den Gebrauch schlapp wird.
Schlapperment, Fluchwort, als Ent-
stellung und Verhüllung von sa^ramenn
tum^ allgemein üblicher Sapperment^
Sackerment. Du warst potz schlapper-
ment vehl nües von Er köre. Carm.
nupt V, 48 d. Potz dusendfehe Schlap-
perment! Ibid., 145 b.
Schlappermentstag, m. ]. der 31. Mo-
natstag, für welchen das Militär kein
Traktament erhält. Der Geldbeutel ist
an diesem Tage schlapp, er ist im Ge-
gensatze zu den Traktamentstagen ein
Schlappermentstag, an dem man „auf
dem Ladestock pfeift". 2. Übertragen:
jeder Tag, an dem man knapp und
kärglich leben mufz. Heute ist Schlap-
permentstag.
Schlaps, m., grolzer, unbeholfener,
namentlich junger Mensch. Treichel.
In Bedeutung und Klang verwandt mit
Flaps u. Laps.
schlapsen, sw., mit Geräusch essen.
Der Hund schlapst sein Futter. Vgl.
schlauksen.
Schlarr(e), /., s. Schlorre.
schlarren, sw., schleifend, schlarfend
gehen; namentlich in losen, niederge-
tretenen Schuhen, Panto£Peln, Schlarren;
auch schlorren und schlurren. In Bre-
men und Hamburg slarren^ im Hol-
Schlarrfatz — Schlaf.
288
steinschen slaaren^ in Pommern slar^
pen, im Götting. slarwen, in Bayern
schlarfen^ schlarfeit, schlarfeln^ scUar-
pfen. Brem. Wb. IV, 816. Richey,
260. SchützelV, lU. D ahn., 428b.
Schamb.,193b. Schmellerlll, 457.
Bock, 57. Hennig, 234. 236. S.
Schlorre.
Schlarrfatz, f., aus Schlarr' = Schlorre
(s. d.) und Fatz (s. Fdta) zusammen-
gesetzt, Schimpfwort für das weibliche
Geschlecht. Ermland. Sperber, 28*
Schiarze, /., Schimp&ame für ein
nachlässiges, unordentliches, träges
Frauenzimmer. Von scfdarren. In
Bremen Slarrhacke^ Slarke^ Slartge.
Letzteres im Hannöv. auch eine Kuh.
Im Götting. slarZy m. ein sehr schlech-
tes Stück Zeug, ein Lumpen. Brem.
Wb.IV, 816 Schamb., 192b. Vgl.
Pflaumenschlarze.
Schlasaky 7n., s. SchKsak.
Schlaube, pltd. SchlOw(e), /, Hülse,
namentlich die grüne Schale, worin die
Erbsen, Bohnen, Nüsse etc. sitzen.
Nach Sperber, 28, auch die Schalen
der Kernfrüchte. Er hat Schlauben
vor den Ohren^ er will nicht hören.
Sprw. I, 2842. Zu dem, der über je-
des kleine Unwohlsein Klage erhebt,
sagt man ironisch: E» hat sich ihm
(beim Erbsenessen) eine Schlaube vors
Loch gesetzt Jerrentowitz. Schlaube
und Scfduwe als Bemsteinsorte, s.
Stein 2.
schiauben, pltd. schlOwen, sw.^ die
Frucht aus der Schlaube nehmen, ent-
hülsen. De Schu/Uke schluhwd de Mang-
deUKarmel. Carm. nupt I, 282, 7.
ausschlauben, dasselbe. Die Erbsen —
Bohnen ausschlauben, sie aus den
Schlauben auslösen. . . . Dat ek mi den
Handschke utsc/Uuuwdy eigentlich die
Hand aus dem Handschuh zog. Dorr,
Driewjagd.
Schlauberger, m, zur Bezeichnung eines
schlauen Menschen.
Schlauderpreia , m. , Schleuderpreis,
von schleudemy unter dem Preise ver-
kaufen.
Schlaufen, sw.^ streifen, etwas Weites
überziehen, aufziehen, aufstreifen: ei-
nen Schiauf y d. i. eine Hülle, Decke
etc. überziehen. Schlaufsleien, Geschirr,
das den Pferden leicht aufgelegt wer-
den kann. Mühling.
Schlauks, m.j einer, der durch Dick
und Dünn geht. Von schlauksen 2.
schlauksen, sw. 1. schlampen, flüs-
sige Dinge mit ausgestreckter Zunge
massig hineinschlingen, so dalz die
Speise umherschlägt und die Thätig-
keit des Essens hörbar wird. Zu-
nächst von Hunden, dann aber auch
von Menschen, welche flüssige Speisen
mit Geräusch verzehren. Das Wort
ist schallnachahmend. Vgl. SChlapseiL
2. durch eine Pfütze kräftig waten,
so dafz das Wasser umherspritzt und
ein platschender Ton hörbar wird.
Schlftzu, m., s. Schlabak.
schlecht, adiy krank, stark unwohl
Atir ist so schlecht^ ich fühle mich sehr
unwohl. Er ist schlecht^ ist sehr krank.
Schlecker, m., fette, schlüpfrige Thon-
erde, Schlick. Hennig. 235. Davon:
schleckerig, adj,^ schlüpferig.
Schledfohak, m., s. Schlesak.
Schilf, Schleif, m. u. /. 1. grofzer
hölzerner Kochlöffel , AufschöpflöffeL
Sie {die KaufzeUi) werden gefüllt mit
dem Schlof oder Schöpflöffel, Pierson,
Matth. Prätor., 51. Darauf nimmt er
einen Schlof . . . und schlagt den Hahn
. . .damit todt. Ibid., 62, S. 75 u. 95:
Schleef MargeUes sön de goldene Poppes^
284
Schlehen — Schiengtuch.
Jungens sön de Teerschleefs. Volksr.,
49, 186. S. daselbst 87, 365: GröU-
schleef. Wir wünschen der Köchin 'ne
eiserne Schleife da/z sie kann rühren die
Knochen zu Fleisch, Volksr. 213, 785.
In Westpr. auch SIeif, hoU. slef, 2.
jedoch nur in der plattdeutschen Form:
Schimpfwort auf einen einfaltigen, trä-
gen, unbeholfenen Menschen. Angs.
slaew^ slaw^ sleaw fetul, träge, engl.
slow^ holl. sloef; im Götting. sleif,
Brem. Wb. IV, 819. Schamb., 193b.
Schiehen, rote, Pflzn., s. Sanddom.
Schlei, SchlT, Sly, Schley, Schleie, Tin-
ca vulgaris^ die Schleilie. Altpr. linis^
lit. kur. lynas, mas. kass. lien^ lin.
Benecke, 111.
Schleicher, m., schleichender Bauch-
wind, Fist. Das sollte ein Schleicher
werden und wurde ein Q;aarrer, Sprw.
I, 3333.
schleierhaft, aä/., unklar, verborgen,
gleichsam verschleiert. Die Sache blieb
schleierhaft.
Schleif, m. u. /., s. SchKf.
Schleifbaum, pltd. Schl§pböm, m., zwei-
beiniges, zirkelartiges Gestell mit Deich-
sel, auf welchem der Pflug zum und
vom Acker geschleift wird. Dönh.
Auch Deichsel der Schleife. De BuW
de kommti denSchlepebom nömmt Volksl.
36, 23, 4.
Schleife, pltd. Schilp, /., niedriger,
unbeschlagener Euffschlitten. In Bre-
men Sleep^ Slepe, im Götting. Slepe,
poln. szlufa. Brem. Wb. IV, 823.
Schamb., 194a.
schleifen, st 1. schärfen. 2. ge-
winnen. Hier ist nichts zu schleifen.
3. schleppen, etwas auf einer Schleife
fahren. 4. Den Fuchs schleifen^ Trink-
art in der Danziger Nehrg. Violit,
164.
Schieifer, m.y alter Tanz, bei dem
man sich schleifend foi*tbewegte. Ge-
schtoindschleifer^ Hopsaschlei/er (s. d.).
Schleifern, sw,^ einen Schleifer tanzen,
machen, tanzen überhaupt.
Schleif harnen, m., Fischergerät. Pier-
son, Matth. Prätor., 117.
Schleim, m., zähe, leimige und schlüpf-
rige Grütze: Schleimgrütz^ Haferschlevni^
Hafergrütze.
Schleimer, tt»., jüd. Vorname, Schlaume
= Salorao.
Schleimgrlltz, /., s. Schleim.
schlekrig, adj,^ s. schlackerig.
Schlemper, m., Schlemmer, schiem-
pern, sw., schlemmen. Treichel.
Schieng, /., ein Stück Wiese zwi-
schen zwei Gräben. Marold. Nach
Sperber, 28: imErmlande eine Furche
in der Wiese.
Schienge, Schlänge, /. 1. Schlinge.
Der Vogelsteller vnrd in Schiengen selbst
bestrickt. Carm. nwpt, I, 288. 2. eng-
maschiges Netztuch, das eigentliche
Netztuch im Kurrennetze, lit. anka. Die
Schlenge\%\\v^Vig%x als ihre beiden Simmen
(s. d.) und liegt zwischen den beiden
Gaddem in lockeren Falten. Schienge
auch hier = Schlinge, da die Fische
in den zusammengezogenen engen Ma-
schen wie in einer Schlinge gefangen
werden. S. Benecke, 373. Vgl. Blatt
und Gadder.
schiengen, schlängen, sw.^ schlingen,
umschlingen, mit einer Schienge oder
Schlinge umspannen. Bauhandwerker,
Feldarbeiter u. a. schiengen Fremde,
welche den Bau oder das Feld betreten,
um dieselben in Augenschein zu neh-
men. Gewöhnllich hält der Schiengen-
de dabei eine Anrede. Vgl. binden.
Hennig, 335.
Schlengtuch, Schlängtuch, n., Tuch, das
man um den Hals schiengt, schlingt,
Halstuch. Gedanism.
schlenkern — ScU^tel.
285
schlenkern, sm. 1. unregelmäfzige
schwingende Bewegungen mit Armen
oder Beinen machen ; schlotterig gehen^
schlendern, müi'zig gehen. Er kan
nicht mehr ah die gössen und pflaster
treten^ schlencketm gehen etc. Stein,
Peregrinus XÜI, 87. W. MtsbL VI,
159. 2. schleudern. Schlenker^ /.,
Schleuder. Jeroschin: ouch sul tcir
eine slenkir hdn ob vyir zu strtte woUin
gdn 20a. Pfeiffer, 220. Müller,
Paraphr., 43. Vgl. Brem. Wb. IV,
822. Schmeller III, 453. Vilmar,
355. Sallmann, 39b. Weigandll,
588.
Schlensak, m., s. Schllsak.
Schlenter, m, 1. langer, schleppen-
der Rock. Danzig. W. Seidel, 34.
2. Haut, welche sich auf der Milch etc.
absetzt. Gedanism.
schientern, schlentrieren, sw.^ schlen-
dern, müizig und gemächlich in den
Strafzen umherspazieren. Bock, 58.
Hennig, 235.
Schilp, /., s. Schleife.
Schleppchen, n., eine Art Kopfbe-
deckung im 16. Jahrhundert. Sameten
Schlepchen vnd Mardeme Mützen, IQd.-
Ordg., 370. Vgl. Adelung III, 1523:
Schleppe, Friscli II, 193b: Schlappe.
schleppen, sw. Sich mit einem kran-
ken Leibe schleppen — sich mit dem
Fieber schleppen^ die Krankheit, das
Fieber nicht los werden. Sich mit ei-
ner Person schleppen^ mit einer Person
andern Geschlechtes in unerlaubtem
Verkehr stehen, aber auch eine lange
Brautschaft haben. Bock, 58. Hen-
nig, 235.
Schlepplose, n., das gemähte Getreide,
welches auf dem Felde ungebunden
liegen geblieben ist und geholt wird,
nachdem schon alles in Garben ge-
brachte Getreide eingefahren ist. Saal-
feld.
Schleppsack, m., ein Mensch, der im
Gehen nicht recht fort will oder kann
und sich gleich einem Sack schleppen
läl'zt. Bock, 58, und nach ihm Hen-
nig, 235, haben in gleicher Bedeutung
Schleppschink, m., „der nicht so wohl
geht, als die Schinken nach sich
schleppet."
Schleppschink, m. 1. Klätscher,
Ohrenbläser. Samland. S. Schwellen«
Schlepper. 2. nach M ühli n g das Schin-
kenfleisch an einem Gansfufze. Vgl.
auch Schleppsack.
Schleppsel, n., was sich auf einmal
schleppen, tragen, oder fahren lälzt,
eine kleine Last, ein kleines Fuder.
Ein Sleppsel Sprock — Heu — Holz,
Von schleppen. Hennig, 335.
SChKren, sw.^ zu vorteilen suchen,
sich bereichern, an sich raffen, viel
Geld einnehmen. Natangen. Franzos^
Kujon^ wt karne schon! Wt wäre di
schon lehrCy to schlicke on to schleere.
Volkslied: Wat de lettausche Dragoner
dem Franzos verteilt, 1870. Fliegendes
Blatt Reyländer, Tilsit.
Schlteack, Schiensack, m., eine Art
Gebäck in Zwiebackform, ursprünglich
schlesisch. Von dem poln. ilqzak
Schlesier. Schmitt, 109; Westpr.,
167. In der Gegend von Kreuzburg
und Zinten Schlasak, bei Sperber,
40: Schlunsak, Schllnsak, bei Sche-
mionek, 35: Schledschak.
Schlesinger, m.^ Schlesier, ursprung-
lich der schlesische, jetzt fast jeder
herumziehende (Leinwand-) Händler.
Schilt, n., Zaun, Gatterthor. Müh-
ling. Von schUten schliefzen.
Schlltel, SchlStel, /., Stange zum
Deckenbelag des Stall- oder Schoppen-
286
schletsam — schlingen.
raiimes, worauf Hea, Stroh etc. ge-
lagert wird. Dönk Friedland Ostpr.
schletsairiy adj,^ gelassen, phlegmatisch.
Dzg. W. Seidel, 34.
Schleuse, /., grol'ze Menge^ lange
Reihe. Mühling.
Schley, Schlf, f., s. Schlei.
Schllbby /., der durch Au&iehen eines
der Bretter hergestellte Durchlafz in
einem Bohlenzaun, speziell das Brett
selbst, welches aufgezogen wird. Sper-
ber, 28. S. Schlipp.
schlicht, adj, u. adv, 1. eben, glatt,
ohne Höcker. Angs. sliih^ schwed.
daet^ dän. %lett^ altfr. sliuckt^ holl.
üuik. Schlichtes Majz^ nicht gehäuftes,
glatt abgestrichenes Mafz. Schlichte
Haare, ungekrauselte Haare. 2. ein-
fach. Er trägt sich schUcht, — trägt
ein schlichtes Kleid. Er ist ein schlich-
ter Mann, ein Mann, der schlecht und
recht lebt Hennig^ 235.
schlichten, sw., das Garn des Auf-
zuges steifen (mit Schlichtmus).
SchlichtmQs, /. 1. dünnes Mus, das
man zum Steifen des Garnes gebraucht.
2. Mus ohne Klunkern. S. MOS.
Schlick, m., s. Schluck.
Schlicker, (?), Pilzart, s. Plebb.
Schlickermildi , /., geronnene, sauer
und dick gewordene Milch. Nach
Treichel auch Schlippermilch. S. d.
folg. ^
schlickern, sw. 1. schaukelnd hin
und her baumeln, s. y. a. schlackern.
Auch nennt man die schaukelnde Be-
wegung der dicken Milch schlickern
und schlippem. Quid est vita humanaf
Was is menschlich Lebben f Menschlich
Lebben is Theerpvdel am Wagen". schUk-
ker un schlacker, schlicker un schlacker: —
bums! Hegt auf der Erde. Aus der
Leichenpredigt des Pfarr. Pogorzelski.
N. Pr. Prov.-Bl. V, 187. 2. ab und
zu einen Schluck nehmen.
Schlickgeschworener,77i., Geschworener,
vereidigter Aufseher in den Niederun-
gen, dem die Beaufsichtigung der Lfd-
ken zugewiesen ist. Von Schlick =
Schlamm. Der Schlickgeschworene hat
also vorzugsweise darauf zu sehen,
dafz die Laken nicht verschlammen.
Vgl. Uke.
SChlickrig, adj., nicht bindig; von Sau-
cen. Schemionek, 35.
schliddern, sw., schlittern, auf der
Eisbahn hingleiten. Treichel. Vgl.
schorren.
schliefzen, st, schleifzen. Federn
schlief zen, die Fahne in kleinen Flöck-
chen vom Schafte abstreifen: geschlos-
sene Federn. Ebenso in Hessen. Yil-
mar, 355.
Schltker, m., Schleicher.
schlimm, adj. u. adn. 1. böse, er^
zömt. Die Mutter ist schlimm, sie ist
aufgebracht und schilt Er sieht so
schlimm aus, er macht stets eine ern-
ste Miene. Sonst ward er Vader schl§mm> !
Dorr, 1. Wiew., 80. Leefster Gorg,
si nich schlfmm! Ibid., 127. 2. un-
wohl, übel, zum Erbrechen geneigt
Mir wird so schlimm. 3. falsch, un-
echt Ein schlimmer Schilling.
Schlingelrock, m., Rock ohne Klap-
pen, mit einer Reihe von Knöpfen.
Mühling.
schlingen, st, abschwellen, abnehmen,
allmählich schwinden^ sich verringern,
schlanker werden. Die Geschwulst
schlingt — ist schon sehr geschlungen-,
auch vom geschwollenen Körperteile
selbst: Der Fufz ist geschlungen.
In Pommern slinken vom aufgegange-
nen Teige, der wieder dichtex zusam-
menfällt Dähn., 430a.
Schlinkschlank — Schlodderkopf.
287
Schlinkschlank, m, 1. Faulenzer,
Müfziggänger, nachlässiger und lang-
samer Mensch. Hennig, 225. E» is
ja unausstehlich^ dafz der . . . polizierte
Student ein SchlinkscMank unrd. Soph.
R. I, 406. Sperber, 28, schreibt
Schiingschlang und erklärt: unersättlicher
Mensch, Vielfrafz. In Königsberg
auch gierig schlingender Hund. In
Bremen^ Hamburg, Pommern, Posen
im Sinne Hennig s Slinkßsty SUnh-
fhtery in Bayern Schlank oder Schlan^
ken, m. Brem. Wb. IV, 832. Ri-
chey. 262. Dähn., 430b. Bernd,
264. 416. Schmeller HI, 453. 2.
schlankes Frauenzimmer. Natangen,
schlinkschlanken, »w.^ faulenzen, m&-
l'zig gehen. S. d. vor.
Schlipp, n., Schlippe, /., aufsiehbares
Stück eines Rickzaunes, loser Baum im
Rickzaun, durch dessen Verschieben
eine Durchfahrt nach Belieben herge-
stellt werden kann; Lattenthür, Gatter-
thur, durch lose, verschiebbare Zaun-
bretter geschlossene Durchfahrt. In
Westpr. Schlepp, bewegliches Heck,
nach Schmitt, Westpr., 168, von dem
poln. slup Säule. Das Schlipp aufma-
chen — zumachen. In Dönh. auch
Schlippbaum, m. Von schlüpfen.
Schlippe, /., Faltung des Frauen-
rockes, hervorgebracht durch Zusammen-
nehmen der vorderen Rockbreiten, na-
mentlich beim Sitzen. Auf die Schlipp
pe geben, Hochzeitsgebrauch. Vor Be-
ginn des Brauttanzes nahen Bräutigam
und andere junge Leute und werfen,
sich überbietend, der Braut Geldge-
schenke in die Schlippe, den Scholz,
wodurch sie die Ehre des nächsten
Tanzes erlangen. Treichel.
schlippem, mo,, s. schlickern.
Schlippke, plur., die Augen. Dönh.
schitprig, adj., elend, klagend. Saal-
feld.
schürzen, sw,, s. schnurzen.
SChlitt, 3. Pers. des Präs. von schla-
gen. He schlitt mir fast de Ogen awim
Kopp. Oberland.
Schlitbnann, plwr. Schlittmanns, m.,
Fischer, welcher bei der Winterfische-
rei das Garn auf dem Schlitten führt
und zugleich darauf zu sehen hat, dafz
es ordentlich ins Wasser gelassen wird.
Bock, Nat. IV, 717.
Schlitze, /., der Schlitz im Frauen-
rock ; Schlitz, Rifz überhaupt. Spottend
nennt man Mädchen Schiltzdragoner,
-husaren.
Schltus, 77»., Schnaps. Einen Schitus
trinken. Tiegenhof. In Ostpr. SchnT-
bus.
Schiocker, Schleckert, m., langsamer
Mensch von schlotternder Haltung.
ünjger der Gardü hebben se ut dem gröt
Schiocker en hübschen Manschen gemäkt.
Elbinger Höhe. N. Pr. Prov.-Bl. a. F.
IX, 241. Firmenich III, 493b. Du
langer Schlackert! Oberland.
schiodderig, adj., schlotterig, los, welk,
schlaff, nachlässig. Schiodderig in der
Kleidung sein. SchhddCrig stricken, los
stricken. Vgl. schludderig.
Schlodderkopf, m., ein Mensch, der
mit dem Kopfe schloddert. Der sam-
ländische Bischof Nikolaus von Schö-
neck, um 1460, hiefz der ciUe Schlodder-
kopf, weil er aus Alterschwäche mit
dem Kopfe wackelte. „Er wulzte die-
sen Beinamen sehr wohl, daher er nach
Paul Polens geschriebener Chronik
p. 277, oftmals, wenn er von Fisch-
hausen nach Königsberg gereiset, und
in der Haide still halten lassen, zu
seinen Dienern gesagt: Heia, heia!
lieben Kinder, wie werden die Königs-
288
schloddem — Schlolkhund.
bergüchen Fromen sagen: da kommt der
alte Scfdodderkop, wird aber eine neue
Zeysse (Accise) aufbringen. Hennig,
236.
schloddem, sio., schlottern; los und
schlafp hin und her schwanken. Ihm
schloddem die Kniee — scModdert der
Kopf, Die Kleider schloddem am Leibe,
Auch schlorren. Verhungert sond ju^
dadrum schlorrt cmit lere Liw de Weste 1
Volkslied: Wat de lettausche Dragoner
dem Franzos verteilt. 1870. Fliegen-
des Blatt. Reyländer, Tilsit.
Schlomski, m., s. Schlumski.
Schlonter, m,, s. Schlabber.
schlontem, sw,^ sohlendem. Donh.
Schlepp, n., s. Schlipp.
Schlorrchenglltschen, n. Am Fast-
nachts-Dienstage wirdnachmitt. Schlorr-
chen geglitscht oder gefahren, damit der
Flachs gut gerat, d. h. es wird eine
Spazier£ahrt, namentlich des Gesindes^
veranstaltet. Litauen. Volkskal., 74.
Schlorrchenschmeirzen, n., das Schick-
sal befragende, in Ostpreufzen und Li-
tauen allgemein beliebte Sylvesterbe-
lustigung. Man setzt sich mit dem
Rücken gegen die offene Thür auf die
Erde, steckt eine Schlorre, einen Pan-
toffel, an den Fufz und wirft ihn über
den eigenen Kopf hinweg. Kommt der
Pantoffel mit der Spitze gegen die
Thür zu liegen, so kommt die Person,
der das Orakel gilt und die vorher be-
stimmt sein muiz, im Laufe des näch-
sten Jahres aus dem Hause: sie stirbt
oder heiratet. Fallt der Pantoffel jen-
seits der Thürschwelle nieder, so stirbt
die Inhaberin; ist die Hacke aber nach
der Thür gerichtet, so bleibt sie im
Hanse. Zeigt die Spitze des Pantoffels
nach dem Ofen, so wird die Person
jahrüber frieren oder überhaupt frosti-
ger Natur sein; steht sie gegen das
Bett, so droht ihr Krankheit Um
die Zukunft so genau als möglich zu
erfahren, wirft man für jede Person
dreimal. Yolkskal., 26.
Schlorre, /., Dem. Schlorrchen^ pltd
Schlorrke, 1. Pantoffel, namentlich alter,
ausgeweiteter; auch niedergetretener und
so zum Pantoffel gestalteter Schuh, lit.
szlure. Man hört, jedoch selten, auch
Schlarre, in Westpr. auch hchlurre.
Pantoffeln aus Holz mit Oberleder hei-
fzen Klotzschlorren. Ach Herrje^ wt
geit et nw, Wat sond dat fer Ttdef
Kein Mönsch lett mer Schlorre mäke^
Wat heft dat to bedide! Aus einem
Yolksreim. Dönh. Hennig, 236. Auf
die Frage: Was giebt's zu Mittag? er-
halten Kinder zur Antwort: Frikassee
mit Schlorren (statt der fettreichen Halb-
mondkuchen). Überland. S. Korke.
2. übertragen : Schimpfwort auf Frauen-
zimmer. Alte Schlorr!
schlorren, s^o.^ in Schlorren schleifend
einhergehen, gewöhnlich «cAZarr^n(s.d.).
Die Schuhe anschlorren, die Schuhe los
anziehen, ohne dafz die Ferse fest drin
sitzt und so schleifend gehen. Hen-
nig, 236. Eine zweite Bedeutung s.
schloddem.
Schlorrenkonzert, n., Konzert, das die
Schlorren durch ihr Lärmen machen;
auch schlechte Tanzmusik.
Schlorrenschlepper, m., einer, der die
Schlorren herbeischleppt, was das Kind
gern dem Vater thut, wenn er die
Stiefel ausziehen will. Hei ös dem le-
we Herrgott stn Schhrreschlepper^ der
Liebling Gottes. Sprw. I, 3343. Auch :
Schlorrenverschlepper, also einer, der
die Schlorren verschleppt, gern Schaber-
nack macht. Insterburg. Tilsit
SchlStzer, m.^ Schlosser.
Schlofzhlind , m.^ Hund von einem
Schlosse, herrschaftlicher Hund. Aus-
Schlötel — Schlüder.
289
sehen wie ein Schlo/zhund^ aafiPällig er-
scheinen. Korrespbl. III, 51.
Schltttel, /, s. Schl§tel.
Schlotterblume, /., gemeine Küchen-
schelle, Pukatilla vulgaiHs MilL Ha-
gen, 565. Nach Pritzel, 29, Schlot^
tenblume.
schlöweifz, adj.^ ganz weilz, reio weilz,
weii'z wie die Scblehdornblute, wie
Schlössen, schneeweifz. In Bayern
schlotteweifz (&Äto<fer-Milch), in Posen
schlcyi'weifZy im Götting. sldtemtty sloteuntt
weiiz wie Schlössen, ebenso in Hessen
schlofzweifz. SchmcUer III, 461.
Bernd, 264. Schamb., 193b. Vil-
mar, 357. Anton, 12, 18. Dan-
neil, 196a.
Schlubber, ?n.. Dem. ScMvhberchen^
pltd. Schlvbberke^ Schluck, Schlückchen,
was man mit einem Zuge einschlürft.
Ein SchlvhberchenBranntioein^ — GrütZj
— Mus.
schlubb(e)rig, adj.^ schmatzig; vom
Wege. Vgl. schlabberig.
schlubbern, sw.^ schlurfen, Dünnes
essen; wie schlabbern 1. In Bremen,
Hamburg, Holstein slvbbem, Brem.
Wb.IV,795. Richey, 264. Schütze
IV, 122. In Zusammensetzungen auf-,
ausschlubbem. Schlubber die Mus aus!
Vgl. schlabbern, schlurpsen.
Schluchter, m., ein kurz anhaltender
Regen, Regenschauer. Mühling.
Schluck, ?n., auch Schlick, schlechter,
unreiner Bernstein. Bock, Nat UI,
218. Hennig, 236, schreibt Schluk,
S. Stein.
schlucken, sw., schluchzen, wiederholt
aufstofzen. Öck mot schlucke^ wer mag
an mi denke? Ach, öck mot schlucke,
mm Uwei* Schdn ward an mt denke,
Kgsbg. Firmen ich I, 102 b. Nach
der Volksmeinung ist das Aufstofzen
Friscbbier, Wörterbnch 11.
ein Zeichen, dafz eine dem Schluch-
zenden werte Person an diesen denkt.
Rat man die betreffende Person, so
hört das Schluchzen augenblicklich auf.
Schlucker, Schluckert, im Oberlande
auch Schnucker, m., wiederholtes, krank-
haftes Aufstofzen, Schluchzen, verur-
sacht durch krampfhafte Zusammen-
ziehung des Zwerchfelles. Öck hebb
den Schlucker(i). Im Götting. der
Slucken. Schamb., 196a.
Schluckerfafz, n., Gefafz, in welchem
sich das Wasser zum Anfeuchten des
Wetzsteines, behufs Schärfung der
Sensen befindet. Mühling. In Hes-
sen Schlotterfafz. Vilmar, 357.
Schlucks-chen, pltd. Schluckske, n.,
Dem. von Schluck. En Schluckske
Finkeljochem her! Cai^m, nupt I, 282.
15.
Schludder, m., s. SchlQder.
schludd(e)rig, schlQdrig, adj. 1. schlot-
terig. Sie geht schludderig, ihre Klei-
der sitzen nicht fest an. 2. los, nicht
fest und dauerhaft: von einer Hand-
arbeit, einem Zeuge. 3. unordentlich,
nachlässig in der Arbeit. Die Magd
ist schludderig, sie ist in ihrer äufzeren
Erscheinung unordentlich und verrichtet
ihre Arbeit nur obenhin. Und machfs
ein Kerl allzu schludrig: tant pis pour
lui! Soph. R. I, 621. Ich habe welche
(Jungfern) gekannt, die des morgens
herzlich schludrig, ja recht latschig aus-
sehn. Ibid. VI, 477. Die Oper ging
im Übrigen recht schludrig, L. Köhler,
Königsberger Hartg. Ztg. 1874, Nr. 262.
Abendausgabe. In Bremen slodderig^
sludderig schlotterig, faul, träge. Brem.
Wb. IV, 839. Bock, 58. Hennig,
236. Vgl. schiodderig u. schlunzig.
schluddem, sw,, s. schlQdem. In zwei*
ter Bedeutung scharren,
19
290
scblüdem -^ Schlunk.
SchlQder, Schludder, m,, loser, schlecht
gewebter StofiF. Das Zeug ist ja rei-
ner Schludder. In Bremen Slodde ein
Lnmpen. Brem. Wb. IV, 838. Nach
Treichel auch abgetragenes Kleidungs-
stück. Vgl. schlodderig.
schlQdem, schluddern, sw. 1. fluchtig,
liederlich, nachlässig und schlecht ar-
beiten. Die Arbeit ist g€schlvddei% sie
ist nicht fest und dauerhaft gemacht.
In Bremen ähnlich luddem. Brem.
Wb. IV, 839. Vgl. schloddem. 2.
eine Ware unter dem Preise verkaufen,
verschleudern. In diesem Sinne vor-
zugsweise schludern^ in Bayern schlau-
dem. Schmeller III, 433. Bock,
58. Hennig, 236. 3. sich herum-
treiben. Efi* schludert den ganzen
Tag herum, s. v. a. schländem und lü-
defTi.
SchlQderpreis, m., Preis unter dem
Werte, Schleuderpreis. Von schlu-
dern 2.
Schluff, bei Hennig, 236, Schlup,
blauer Thon, Töpferthon; schlechter,
undurchlassender Erdboden. Davon
schluffig, adj.
SchlQIOS, m. Herumtreiber, Tauge-
nichts. Davon schlQlosen, sw. Vgl.
Schlälos.
Schlummerkopf, ?n., Kopf, der schlum-
mert, Dummkopf. Schimpfwort.
Schlummerpunsch, m., Punsch, den
man vor dem Schlafengehen trinkt, der
den Schlummer herbeiführt.
Schlump, m., Haufen, Menge, z. B.
reicher Fischfang. Schemionek, 35.
Schlumpe, /., nachlässige, unordent-
liche Fmuensperson; wie Schlampe,
Vgl. Schiunze.
schlumpen, sw., in abgerissenen Klei-
dern, lumpig und schmutzig einher-
gehen.
Schlumper, m., alter, bequemer Rock,
Hausrock, Schlafrock. In der älteren
Sprache ein weibliches Schleppkleid.
Adelung III, 1545. Übertragen:
nachlässiges Frauenzimmer. Sie ist ein
rechter Schlumper — eine rechte Schlum-
perltse.
schlumpig, schiumprig, schlumpsig, adj.^
nachlässig, unordentlich in der Klei-
dung; zerlumpt.
Schlumpschlag, m., Zufall, ungefährer
Schlag. Mühling. In Bremen Slump^
m., Zufall, ungefährer Glücksfall; eben-
so Slumpslag^ m, Dat was so en Slump-
slag, das gluckte einmal so. Brem.
Wb. IV, 848. Dan. u. schwed. eben-
falls slump. In Bayern schlumpsweis
zufälligerweise. Schmeller HI, 450.
Schlumpschufz, m., im Schhimpschufz,
im grofzen und ganzen^ nach unge-
fährer Berechnung, ohne Genauigkeit.
Treichel. Gortzitza.
SchlumskI, Schlumpski, auch Schloms-
ki, m., Schlauberger, dreihäriger Mensch.
Auch Kosewort : Na, kleiner Schlumski,
was willst du aUunederf In der Ge-
gend von Friedland Ostpr. Schlumske
dummer, einfaltiger Mensch.
SchlumsItS, /., schlunzige Lise, un-
ordentliches Frauenzimmer.
Schlunk, Schlung, m. u. /. 1. Schlund,
Rachen, Hals, Maul, Gurgel. Schäm
dt ön dtne Schlunk! De Schlunk ös
mt angeschwoUe, Wenn so de Boll ut
stnen Schlung Met enmal an to reden
fang. Seelenw., 71 f. Gof em ent un-
dre Schlung! 2. gefräfziger Mensch,
und zwar in den Zusammensetzungen:
ZwttKschlunk, pltd. Twelfschbink, der für
zwölf ifzt und Drachtschlunk. Nach
Muhling statt Schlunk auch Schlurk
und Schlurks. Jeroschin hat slurcy
Pfeiffer, 221. In Bremen Sinke,
Schlunte — Schmachen.
291
Slöke von schlucken. Brem. Wb. IV,
846. schlingen und schlucken sieht das
Volk als die Wurzel Wörter an.
Schlunte, /., s. Schlunz.
schlunterig, adj., s. schlunzig.
schluntem, sw., s. schlunzen.
Schlunz, /. u. m.^ unordentlicher, un-
sauberer, nachlässiger Mensch, nament-
lich eine Frauensperson, und dann mehr
Schiunze. Nach Mü hlin g auch Schlunte,
/. In Bremen, Hamburg und Holstein
Sluntje nachlässiges, schmutziges Weib,
im Götting. slum^ m,^ holl. sluns^ engl.
sluU. Brem. Wb. IV, 849. Richey,
265. Schütze IV, 125. Schamb.,
196a. Hennig, 236.
Schlunz, /., in der Soldatensprache
die Frühstückssuppe in der Kaserne,
die SchlichtmuSy kleisterartiges Mus, in
den Lazaretten ; auch die Kaserne selbst.
Königsberg.
schlunzen, nach Mühling auch schlun-
tem, sw.^ wie ein Schlunz leben, sich
zeigen, verschlunzen, Kleidungsstücke
in nachlässiger Weise verderben, zu
Grunde richten; sich selbst vernach-
lässigen und verloddem. Er ist — hat
sich ganz — ve9*schlunzt In Hessen
schlunzen in tadelhafter Weise müfzig
gehen, nachlässig gekleidet gehen ; ver-
schlunzen zunächst: die Zeit unnütz,
mit Müi'ziggang verbringen. Vilmar,
357.
schlunzig, adj.^ unordentlich, unsau-
ber, nachlässig in der Kleidung. De
Königin hefft dat schlunzge Volk nich
geem. Dorr, 1. Wiew., 121. Müh-
ling hat noch schlunterig. Von Schlunz,
Schlunzmichel, m., Unteroffizier der
Küche. Kasemensprache.
Schlup, m., s. Schluff.
SChlQpen, sw.^ schlüpfen, verzögern,
verweilen, verschleppen. Die Sache
schlupt sich von einer Zeit zur andern^
sie verschleppt sich, zieht sich lange
hin. Bock, 58. Hennig, 236. S.
durch- und verschlQpen.
Schlupp, n., Dünenschonung. Trei-
chel.
Schluppenkohl, m., fester, strunkiger
Kohl (^Brassica); von dem poln. ship
Säule. Schmitt, Westpr., 168.
Schlurk, Schlurks, m, s. Schlunk.
schlurken, schlurksen, sw^ mitGcräusch
trinken, schlürfen. Mühling. Nach
Treichel bezeichnet schlurksen auch
das Geräusch, das Schuhe verursachen,
wenn sie nalz oder zu weit sind. Vgl.
schlurpsen.
SChlurpsen, sw., mit Geräusch Flüs-
siges essen, schlurfen. Lit. szlurpti.
Vgl. schlabbern, schlubbem, schlurken.
schlurren, sw.^ s. schlarren.
SChlQsen, aufschlQsen, sw., die Ohren
aufrichten und spitzen. Marold.
SchlQsohr, m. u. n. 1. Tier, nament-
lich Pferd, das die Ohren spitzt. 2.
Mensch, verstellt schwerhörig, schlau,
driftig, verschmitzt, dickfellig, abge-
brüht. Im Samlande korrump. auch
SchnOSOhr. Aus dem nds. slou^ schlü
schlau, klug, verschlagen, verschmitzt,
holl. sluw^ engl. sZy, schwed. slug.
Brem. Wb. IV, 841. Davon schiOs-
Ohrig, adj. Das ist ein schlüsohriger
Racker.
Schlüssel, poln. khic^ Gerät bei der
Winterfischerei in Masuren - Zojzhaken.
S. Winterfischerei.
Schlüssel, 97»., penis. Er hat sich den
Schliissel verdreht^ er ist syphilitisch.
SchlQwe, /., s. Schlaube etc.
Schmachen, Schmftschchen, Schrnftsche,
Schnriftse, Schmftschke, nach Uennig,
218, Schmftske, n. u. /., fein zugerich-
tete Felle von ungeborenen Lämmern
mit fein gekräuselter Wolle und ge-
wöhnlich perlgrau. In Westpr. auch
19*
292
Schmach t — Schmackosterrute.
SchmOchen, SchmQs-chen, SchmQtschke,
Schmätschke, in Danzig im 15. Jahrh.
Srnfts-cheriySchmös-chen. Schmitt, 109;
Westpr., 168. Hirsch, 260. Poln.
smusik^ smuzyk^ miuszek. In Bremen
smaaskeriy in Pommern smaschen. Brem.
Wb. IV, 859. Dähn., 433b. Bernd,
266.
Schmacht, /., taubes, schlechtes Ge-
treide. M ü hlin g mit der Bezeichnung :
altpreufzisch.
Schmachtlappen, m. 1. Hungerleider.
2. kleinlich Eigennütziger. 3. schmach-
tender Liebhaber. Mühling. In Bre-
men und im Götting. nur in der er-
sten Bedeutung. Brem. Wb. IV, 856.
Schamb., 196b.
schmack, adj.^ s. schmock.
Schmacke, Schmake, /., kleines Schiff
von etwa 50 bis 80 Last. Es hat ei-
nen hohen Bord, einen Mast ohne Eorb,
Bugspriet, flachen Kiel, runden Hinter-
teil, bauchigen Vorderteil, ein kurzes
Gebäude, höheres Verdeck und ein
breites, schweres Steuerruder. Mron-
govius II, 658a. Schmähe findet sich
in Pisanskis Nachtr. Über die Schma-
ken s. Bock, Nat. I, 586. In Bremen
Smack^ in Hamburg Smackey holl. und
engl, smack^ angs. snacca^ isl. sneckia^
poln. szmaka. Brem. Wb. IV, 856.
Hennig, 237.
Schmackedutschke, Pflzn., Eolbenrohr,
Typha. Treichel, Volksth. U. Vgl.
Duderkeule.
Schmackenfahrer, -reeder, m., Schiffer,
JReeder einer Schmacke.
schmackostern, sw.^ eine ziemlich all-
gemein verbreitete Sitte, die darin be-
steht, daliz am Morgen des zweiten, in
manchen Gegenden des ersten Oster-
feiertages die jungen Bursche die Mäd-
chen, und umgekehrt diese die jungen
Leute im Frühschlafe überraschen und
mit eingegrünten Birkenruten, den sog.
SchmackosterruteUj schlagen. Auch in
den Familien ist die Sitte des Schmack-
ostems allgemein : die Hausfrau streicht
mit der Rute Vater und Kinder, Kinder
schmackostern Vater und Mutter, ge-
hen auch wohl Onkel und Tante
oder die Paten etc. schmackostern. Arme
Kinder und alte Frauen machen da-
raus ein Bettelgewerbe, indem sie in
die Häuser schnackostem gehen. Die
Schmackostcrnden erhalten als Ge-
schenke: Fladen, Speck, Eier, oft bunt-
gefärbt und gekratzt, oder Geld. Der
Gebrauch wird als ein symbolischer
dahin gedeutet, daiz in der neu er-
wachenden Natur auch der Mensch aus
dem Schlafe zu erwachen habe, resp.
zu erwecken sei. Reim beim Schmack-
osteim: Ostre^ schmackostre^ gren Ostre^
flf Fldde^ sefz Eier, e Stock Speck, denn
gä ock gltk weg! — Schmackostre, gren
Ostre, flf Eier, sefz SchoUing, e Stock
Speck etc. Hennig, 175, schreibt
Schmeckostem, Nessel mann schmag-
ostem, Treichel schmagustem. Lit.
smagött^ smögti, poln. smagac, lett.
schmaugt schlagen, peitschen. Unser
Schmackostern heil'zt poln. szmigas, smtg-
tLsa dawac, eigentUch mit Wasser be-
gielzen. Mrongov. H, 658a. Nsslm.
Forsch. 3; Th., 220. Volkskal., 94.
Volksr., 226, 797. Pierson, Altpr.
M. Vm, 367. Sperber, 28. Auch
in der Niederlaus, ist der Gebrauch
des Schmackostems wie der Name
{Schmeck-, Schmackoster) bekannt. An-
ton, 12, 20.
Schmackosterrute, /., Rute aus ein-
gegrünten Birkenreisern zum Schmack-
ostern. Die Schmackosterruten werden,
wenn Ostern früh fallt, von Landfrauen
Schmacks — schmalhansen.
293
in warmer Stube künstlich ausgegrünt
und auf den Eönigsberger Märkten zum
Kauf ausgeboten.
SchmackSy m., Schmatz, Eufz.
schmacksen, sw, 1. beim Essen mit
dem Munde schmatzen. Auch schmack-
schen, schmacken. 2. mit einem Schmatz
küssen; gewöhnlicher schmatzen. In
Bremen smacken, smaksen^ im Götting.
smackeriy in Bayern schmackezen^ poln.
smoktcLc. Brem.Wb. IV, 857. Schamb.,
197a. Schmellerlll, 463. Mron-
go vi us 11, 658a.
Schmadder, m., dickflüssige Unreinig-
kcit, Schmutz, Strafzenschmutz. Im
Götting. smadder; in Hessen Schmaddere
Schmetter, Schmatter. Schamb., 197a.
Yilmar, 359. S. Schlabber.
Schmadderbuch , n. , Schmierbuch,
Eladde. Muhling.
schmadd(e)rig, adj.^ weiche zu dünn-
flussig; schmutzig, schmierig; von
Schmadder, Die Butter — der Brei —
der Weg ist schmadderig. Im Götting.
vom Wetter: schmutzig, kotig; in Pom-
mern sudelig, schmutzig überhaupt.
Schamb., 197a. Dähn., 433a.
Schmadderkatze, /. 1. unreinliche, in
den Eleidem schmutzige Frauensper-
son. Mühling. In Bremen Schmad-
dergreetje. Brem. "Wb. IV, 854. 2. dün-
nes langes Talglicht. Auf dem Tisch
stand ein Lichtlein . . . , so recht eine
SchmedderkatzCy die man bei uns (in
Pommern) Fisselbt^mmken nennt. Soph.
R. I, 397. Hennig, 335, hat Schmad-
derkatz.
schmaddern, sw.^ verwandt mit Tnad^
dem u. schwaddem. 1. in einer Flüssig-
keit zwecklos rühren, umherwühlen und
diese dabei vergiel'zen. Im Essen schmad-
dern^ mit der Speise spielen. Im Licht
schmaddern, im Talg des Lichtes rQh-
ren. Nach Hennig, 237, schmaddern:
unnötigerweise im Fett rühren und
sich dabei beschmutzen. 2. stark reg-
nen ; in diesem Sinne doch mehr schwad-
dem, 3. liederlich schreiben, schmie-
ren, sudeln. 4. auch s. v. a. schmaden
(s. d.). S. abschmaddern, ausschmaddem,
ausschmieren. Mühling.
Schmadderwerk, n. , schmieriges,
schmutziges Werk, Schmiererei, Sude-
lei, Schmutz, schlechte Speise. Müh-
ling.
schmaden, sw.^ jüdisch-deutsch, tau-
fen; das hebr. schmadden taufen. Er
hat einen geschmadten Kopf^ er ist ein
getaufter Jude, der zu der ihm ange-
borenen Schlauheit sich noch die Elug-
heit des Christen angeeignet hat. Sprw.
I, 212. Auch schmaddern.
schmäg, schm§g, adj. u. adv,y abge-
dacht, schräg, geneigt. Ein Feld liegt
schmäg ab, es dacht sich nach einer
Richtung hin ab. Natangen.
schmählich, adj. in der Bedeutung
überaus, sehr, sehr viel, grofz. Das ist
in diesem Jahr ein schmähliches Kom^
der Roggen ist gut geraten. [Wort-
spielend (mit Schmele^ nennt man in
Ostpr. mit Unkraut durchsetzten Rog-
gen: schmähliches (^schmeliges) Korn,
Marold.] Er hat schmählich viel Geld.
Das war ein schmähliches Vergnügen.
Schmäke, /., s. Schmacke.
SChmäker, adj,^ schlüpfrig, zweideutig;
von der Rede. Samland. Mühling.
Schmalbier, n., das englische small-
beer, schwaches Bier, Covent, Schem-
per.
Schmale, Schmäle, /., die Schmale.
In einem Tiergespräch ist Frau Schmäle
die Schlange. Sprw. I, 687.
Schmalecks-chen, n., s. Schmeriecks.
schmalhansen, sw., von Schmalhans,
294
Schmallecks-chen — Schmarge.
dem personifizierten Hangerleider(Hen-
nig, 237. Sprw. I, 3350), hungern,
darben. Er mufz schmalhansen.
Schmallecks-chen, Schmaiecks-chen, n.,
8. Schmerlecks.
Schmalz, n., Fett, Vorteil.* Der hat
das Schmalz abgeschöpft^ das Beste von
der Sache genommen.
Schmalzbengel, m.^ Bengel, der das
Schmalz hat, Spitzname für den KqI-
mer (s. d.). Dönh.
Schmalzblume, /., s. Kuhblume.
Schmalzkeilchen, n., s. Schmalzkuchen.
Schmalzkuchen, m., rander Pfann-
kuchen (grofzer Kugelkloiz), in sieden-
dem Schmalz gebacken. Beliebte Fast-
nachtsspeise. Er heil'zt auch: Schmalz-
keilchen u. Porzel. S. YolkskaL, 70.
Schmand, Schmant, m. I.Sahne, Rahm.
Bock, 59. Hennig, 237. Im Göt-
tingenschen STTiancf die Sahne; in Bayern
Schmand auch dicke Milch. Poln. smie"
tana^ nmietanka^ lit. sm^inta^ Sahne.
Schamb., 197a. Schmeller III, 471.
Mrongo V. II, 658b. Pierson, Altpr.
M. VIII, 367. Schmand und Glumse
sind ein provinzielles Lieblingsessen.
Wie einigen andern der Schmant und
Glums schmeckte. Soph. R. III, 237.
Vgl. Glums. 2. nach Klein II, 126, in
Dan zig auch Stralzcnkot, wenn er recht
weich und tief ist. Es ist ein Schmant
auf der Gasse; auch: es ist sehr schman-
tig. Ebenso im Götting., s. Schamb.,
a. a. O. S. abschmanden.
SchmandbUxen, plur,^ Büxen, weifz
wie Schmand; zur Bezeichnung einer
weifzen Sommerhose.
Schmandfische, plur.^ Gericht, Schleie
in Schmand, Dill und Butter gekocht.
Ostpr. Treichel.
Schmandfrau, /., s. Schmandmann.
Schmandhcxe, /., weil'zer Nachtfalter.
Vgl. Hexe u. Moiket§we .
schmandig, schmantig, ad}. 1. fett,
rahmig; von der Milch. 2. kotig. S.
Schmand.
Schmandkasten, m., Kasten, in dem
Schmand aufbewahrt wird. Er sitzt
am Schmandkasten, an der Quelle, es
fehlt ihm nie. Sprw. I, 3508.
Schmandkuchen, m., kleines Törtchen
mit Schmand-Greme. Liegt diese oben,
so heifzt er offener Schmandkuchen;
umscUiefzt der Teig die Creme, so ist
das Törtchen ein zuener Schmand-
kuchen.
Schmandmann, m.^ Mann, der Milch
und Schmand zum Verkauf nach der
Stadt bringt. Ebenso: Schmandfrau.
Schmandtopf, m., Topf zum Schmand;
er darf zu einem vollständigen Kaffee-
und Thee-Service nicht fehlen.
schmängelieren, sw.y s. v. a. schmän-
gen^ naschen. Samland.
schmängen, schmengen, sw. 1. den
Schmand abschöpfen, abrahmen. Die
Milch schmängt schlecht^ sie hat wenig
Sahne abgesondert. 2. naschen, herum-
lecken, abessen. Die Katze schmengt
gern den Schmand weg. Er schmängt
Oberall herum, er nascht überall, schma-
rotzt; auch: freit umher, sucht Umgang
mit dem andern Geschlecht. In zwei-
ter Bedeutung auch schmängem, schmen-
kem. In dem Sinne von 1. auch ab-
SChmängen. Nach Mühling dieses auch:
sich einen Vorteil zuwenden. Bock,
60. Hennig, 237.
schmängig, schmängerig, adj.^ nasch-
haft; wollüstig.
Schmant, m. etc., s. Schmand etc.
Schmardel, m , s. Schmargel.
Schmarge, /., kurzer Frauenmantel,
Pelzmantel, der, um den Hals befestigt,
bis an die Taille faltig herabhing. Sache
und Name sind heute aui'zer Gebrauch.
Hennig, 237. ActB(>rJ,60L Nsslm.
Schmargel — Schmeckbraten.
295
Forsch. 3; Th., 221. Und thut mehr
bey solcher Zeit (im Winter) einer Frawen
das Polnische Schmarchen als bei dem
Mann ein unterzogenes Futterhembd,
Linem., Nn 2a.
Schmargel, Schmardel, Schmeriing,
Schmarling, m., Schmerlein, n., die
Schmerle, Cobitis barbatula L. Aach
Notfisch (s. d.). Bujack, 395. Be-
necke, 145. Mühling, Tiem., 177.
Schmarlecks, m.^ schmarlecksen , «u?.,
s. Schmerlecks.
Schmarling, m., s. Schmargel.
Schmarfa'ng, n., SegeltachhüUe um ein
Ankertau an der Stelle, wo es die
Reibung zwischen SchiflF und Bollwerk
auszuhalten hat. Pillau.
schmarotzen, sw,, klatschen, verleum-
den. Saalfeld. Davon Schmanitzer, m.,
verschmanitzen, sw.
Schmäschchen , n. , Schmftsche,
Schmftschke , Schmäse , Schmftsken,
Schmätschke, /., s. Schmächen.
schmastern, sw,^ laut plappern, schwat-
zen. Mühling. Nordenburg.
Schmastersack, m., Schwätzer.
schmattem, sw.^ s. schattern.
schmauchen, pltd. schmOke(n), schmS-
ken, sw. 1. Tabak rauchen und zwar
mit sichtlichem Behagen. Er schmaucht
sein Pfeifchen, schmöken mehr in West-
preuüen. Schmokten Toback, atten Fläde.
Ward. Buur, 7, 5. 13, 2. Uk bruk w!
nt mä Tabak kope, Wi könne Tuffke-
blader schmöke, Flatow. Firmenich
I, 120a. 2. räuchern. Da/z die Pe-
tersche dahin gekommen und mit Kraut
geschmöckety da sey es (das Viehsterben)
stracks auf gehöret, Hexenprozefz zu
Konitz im J. 1623. Pr. Prov.-Bl. II,
107. 3. mittels Rauches einen Misse-
thäter ersticken, und dann schmauchen.
Frisch II, 205c. Anno 1637 ist ein
grosser Jung zu Ldndenau geschmäuchet
worden^ daruynb, dafz er 2 Höfe muth-
williger Weise . , . angestecket hatte, des-
wegen das Stück Äcker ^ wo er ist ge^
schmauchet worden noch bis auf den
heutigen Tag genennettoird^der Schmauch-
PahV". Hartwich, 529. Hennig,
238.
Schmauchfeuer, n., Feuer, welches
keine Flamme, aber Schmauch^ dicken
Rauch, entwickelt.
Schmauchpfahl, m., Pfahl, an den der
Verbrecher gebunden wurde, der zu
Tode geschmäuchet werden sollte.
schmauks, interj.j schallnachahmend;
zur Bezeichnung des Tones, den ein
flacher Schlag, namentlich eine Ohr-
feige, verursacht. Schmauks da hat er
eins, Bock, 59. Hennig, 238. Da-
von Schmauks, m.^ Hieb, Schlag. Es
gab Schmauks. Mühling.
schmausieren, sw,^ schmausen. Hen-
nig, 238.
Schmeckbier, n. 1. das zur Probe aus
den Brauhäusern geholte Bier. 2. „die
Mahlzeit, welche ehemals die Landes-
herrschaft zum Andenken des Hans
von Sagan (s. Hans) dem kneiphö&chen
Schuhmachergewerk jährlicli am Him-
melfahrtstage auf dem Schlosse an-
richten lassen." Hennig, 36. Der
Orden solt geben allein Jährlich auf
Himmelfahrt zu trinken Das Schmeck--
bier nebst niel Kost und Schinken, ErL
Pr. 1, 637; s. auch ebd. 639. In bei-
den Bedeutungen jetzt aulzer Gebrauch.
Schmeckbraten, m., Rinderbraten,
welcher guten Freunden zur Probe vom
eingeschlachteten Vieh vorgesetzt wird.
Er ge/U heute auf Schmeckbraten^ er
geht in eine Gesellschaft, in der man
den Braten vom neugeschlachteten
Ochsen kostet. Dzg. Klein II, 127.
Diese (Familien) halten fest zusammen^
sprec/ien plattdeutsch und geben Famp'
296
Schmeckwarst — Schmerapfel.
Uenschmäuse, die im Herbst Schmeck-
braten heifzen^ und in welchen die Spei-
sen in Portechaisen zusammengetragen
werden. (Danzig.) Soph R. III, 348.
Schmeckwuret, /., Wurst, welche nach
dem Einschlachten und Wurstmachen
Freunden und Bekannten ins Haus zum
Schmecken geschickt wird.
Schmedderkatze, /., s. Schmadder-
katze.
Schmeer, n., s. Schmfir.
8Chm6g, adj. u. adv.^ s. schmäg.
schmeidig, schmTdig, schmeifzig, adj. 1 .
geschmeidig, biegsam, weich. Die But-
ter ist schmeidig, sie läfzt sich leicht
schmieren. . . . das Eysen so lang es
noch wegen des Fewers schmeidig ist etc.
Linem., Oo3a. Bildlich vom Men-
schen: sanftmütig, nachgiebig, demu-
tig nach gebrochenem Starrsinn. Er
ist so schmtdig geworden^ da/z man ihn
um den Einiger wickeln kann, 2. schlank
und doch kräftig gewachsen, gelenk,
biegsam, beweglich; von Stammen der
Gesträuche, Bäume, vom Menschen.
EKne schmeidige Wede^ eine biegsame
Rute. Eine schmei/zige Tanne, eine
schlanke Tanne. Ein schmeifziges Kerl-
chen, ein gelenker, beweglicher junger
Mann. Da hot so e befzche lang^ Nas,
adda man sonst e schmeisja Kardel, Ermld .
Freisch. Manuskript, schmeifzig tritt
nur in der Bedeutung 2. auf. Nds.
smidig, smtig, smtg, smedig, srneig, angs.
smethe, hoU. smijdig, smedig, dän. smi~
dig, engl, smooth. Brem. Wb. IV, 864.
Schamb., 198a. Hennig, 238 f.
Schmeidigkeit, /. , Geschmeidigkeit.
Von schmeidig.
schmeifzen, st. 1. werfen. On dann
schmiet schwarte Wasch bawenop. Dorr,
1, Wiew., 70. Die Teller hinschmeifzen.
2. schmieren, schlagen. Wat golty et
fingt seck teer, de die den Puckel schmeist.
Carm. nupt IV, 324c. 2. mit Wurf
trinken. Einen schmei/zen, einen Schnaps
trinken. Sprw. I, 1532.
schmeifzig, adj., s. schmeidig.
Schmeifzigkeit , /. , Geschmeidigkeit.
Von schmeifzig. Vgl. schmeidig.
Schmei, Schmeie, Schmll, m. o. /.,
Dem. Schmelctien, pltd. Schmelke. 1.
Grashalm überhaupt. 2. Aira cristata
und flearuosa L. ; auch Perlgras, Melica
coerulea; Ackerwindhalm Agrostis spica
venti L. Friedland Ostpr. Ihm geht
keine Schmtle — kein Schmtlchen mehr
in den Arsch ^ so fett ist er. Sprw. I,
127. Altmhd. smelehe, nd. smele^ in
Bayern Schmelchen (hier werden scherz-
weise dünne Beine Schmelchen genannt),
im Alemannischen Schmehle, lit. smü-
gas, poln. »mialek. Schamb., 197b.
Schmellerin, 469. Hennig, 335.
Vgl. Rade.
Schmelchenzagely pltd. Schmßlkezagel
(a = ä), m., hagerer, elender Mensch.
2. Pferd mit dunnhaarigem Schweif.
Schmelzer, w., Wachsschmelzer, der
das nach Danzig gebrachte rohe Wachs
zum praktischen Gebrauche zubereitete.
15. Jahrh. Danzig. Hirsch, 324.
schmengen, schmenkern, m\, s. schmän-
gen.
Schmßr, vhchd. Schmier, n. 1. Schmer,
das Fett auf dem Bauche und an den
Gedärmen, der Talg; es wird zu Schmalz
ausgeschmolzen. . . . und haben (die
Schweine) einen geschwinden Flu/z des
Fetten oder des Schmieres. Linem.,
Tt4a. 2. dickliches Fett, das zum
Schmieren der Wagen gebraucht wird,
Wagenschmiere. 3. Prügel. Et geiv
Schmer. Übertragen aus 1. in gleichem
Sinne: Es gab Jackenfett.
Schm6rapfel, m. 1. Bratapfel; von
schmoren. 2. Apfel, der fettig anzu-
fühlen oder ölhaltig ist. Hennig, 238.
Schmerbel — schmieren.
297
Schmerbel, m., Pflzn., s. Mill.
Schmergel, Schmirgel, m., Pflzn. 1.
Feigwurzel, Ranunculus ficaria L., poln.
szmergiel Hagen, 580, 2. Feldspark,
Spergula arvensis L. Nach Hagen,
492, Spergel.
schmergeln, si^., s. schmirgeln.
SchmCrhSker, m., Höker, Handler,
mit Schmer ; nach M ü hli n g Yiktualien-
handler überhaupt. Hennig, 238.
Schm6rkram, ttz., Kram, Handel, mit
Schmer und fetten Waren überhaupt.
Hennig, 238.
Schmerlecks, Schmarlecks, m., ge-
wöhnlich im Dem. Schmerlecks -cherij
Schmarlecks-chenj Leckerbissen, wohl-
schmeckender ImbiCz als unerwartete
Zugabe zur Mahlzeit. Da hast du ein
Schmerleckschen, Es ist aber nur ein
Schmerleckschen^ nur ein Weniges zum
Schmecken. Das gab heut bei Tisch
eiih Schmerleckschen^ eine kleine Nasche-
rei als Dessert: etwas Mehlspeise, Eis
etc. Tar Ttd möt klene Brocke on
klen Schmerlecksert död man em (den
Lehrer) unedei^tocke. Lhrztg. 4, 355 b.
Schemionek, 35: SchmaUeckschen^
von schmal und lecken ^ Bissen zum
Kosten, z. B. Probewurst. In der Ge-
gend von Saalfeld Schmaleckschen, Vgl.
Schmerlecksen.
Schmerlecksen, schmarlecksen , sw.,
leckern, von einer kostbaren Speise
(ein wenig) genielzen; nach Muhling
in der Danziger Gegend schmausen,
gut leben. Ootts Lichting! nu gin^t
ar!t Üchmerlexen, Dzg. Nhg. Parad.,
49. Wl wätert mt dat Mül, ön bätke
to schmarleae! Carm, nupt I, 282, 14.
In Bayern Schmarren^ m.y Brocken,
Stück, Bissen (Geiler von Kaisersb.).
Schmeller III, 472. Es würde mit-
hin schmeiiecksen bedeuten: ein Bröck-
chen, einen Bissen geniefzen.
Schmerlein, Schmerling, m., s. Schmar-
gel.
Schmfirpaudel, /., Pandel, welche die
Wagenschmiere enthält, s. v. a. Teer-
paudel. Von Schmer.
Schmfirsel, n., s. Schmiersei.
schmerzlich, adv., bedeutend, gewaltig,
ungeheuer. Er ist schmerzlich reich —
hat schmerzlich viel Oeld. Natangen.
Schmicke, /., s. Schmitze.
schmTdig, adj., s. schmeidig.
Schmied, m, 1 . faber ferrarius. Nach
ihm sind genannt in Königsberg die
Schmiedebrücke, die Schmiedestraf ze;
eine solche giebt es auch in Elbing,
während Danzig eine Schmiedegasse
hat. 2. Strich, den man beim Scheren
auf die Kette des Garnes (den Rand des
Aufzuges), von 8 zu 8 Ellen meistens
mit Kohle macht; er dient als Marke
und heii'zt seiner Schwärze wegen der
Schmied. Nach Marold heil'zen die
Striche im Aufzugsgarn Schmitze und
stehen in Entfernungen von je 5 Ellen.
3. als MaTz: Leinwandlänge von 8 Ellen
(von Schmied zu Schmied) oder Stock,
Die Wirkersche Jiat schon 3 Schmiede
(gesprochen Schmidte) abgewebt Fünf
Schmied machen ein Stück.
schmieg, schmTg, adj,^ schräge, schief.
Marold.
Schmier, Schmiere, Schmfir, /. 1. Prü-
gel, Schläge. Schmier bekommen^ —
besehen^ — kriegen. Es liegt bei die-
sen, wie bei andern Prügelwörtem, wie
z. B. gerben^ vnchsen, der Gedanke zu
Grunde, als bearbeite man ein abge-
zogenes Stuck Leder und nicht einen
lebendigen Körper. E. Förstem.
Schmieräich, /*., Schmiere (zum Ein-
schmieren von Stiefeln, Wagen, Ma-
schinen); nutz-, wertlose Sache. Sper-
ber, 45. Vgl. Schmiersei.
schmieren, pltd. schmftren, sw. 1. Zi-
298
Scbmierhaus — Schmifz.
nere. Ein Butterbrot schmieren, 2. be-
stechen. Du motst em man c/öt schmP-
ren. Das Sprichwort: Wer gut schmertj
der gut faJirt^ bringt die Erfahrung für
die Richtigkeit der Bedeutungen 1. u.
2. zum Ausdruck. 3. prügehi, schla-
gen. In diesem Sinne schwed. smora.
zerschmieren, einen durchprügehi; ebenso
ab-, auf-, aus-, durchschmieren. Hen-
nig, 238.
Schmierhaus, pltd. Schmftrhfls, n. 1.
Krankenhaus, namentlich die Abtei-
lung eines solchen, in welcher an der
Erätze und Yenerie Erkrankte mittels
der sog. Schmierkur behandelt werden.
Von Schmiere^ Schmer Salbe. 2. Sauf-
haus, Schnapskneipe. Von Schmir
Trunkenheit.
Schmierotelc, m., unsauberer Mensch.
Gedanism.
Schmierp6sel, m., ein in hohem Grade
schmieriger Mensch. Ebenso Schmier-
pott u. Schmutzpfisel, m, Muhling.
Schmiersei, pltd. SchmCrsel, n. 1. Salbe,
die zum Schmieren, zu Einreibungen
gebraucht wird. 2. Wagenschmiere.
Vgl. Schmer 2. Von schmieren. Hen-
nig, 238. Vgl. Schmieräich.
schmlg, adj,^ s. schmieg.
Schm?!, m, u. /., s. Schmei.
SchmTr, 7n., Trunkenheit. Er ist im
Schmtr. Preufz.-poln. szmyr Dusel,
szmer Sausen im Kopfe. Davon Schmlr-
bruder, wi., Trunkenbold. Vgl. SchmOr
und schwTsen.
Schmirgel, Schmergel, SchmSrgei, m.
1. ein Stück Speck, das schmirgelt.
Im Samlande Spirl(el, im Ermlande Kri-
§chei; sonst auch Schurr, m, 2. eine
geschmirgelte Sauce aus Mehl, Wasser
und etwas Speck, welche zu Kartoffeln
gegessen wird. Sie heifzt auch Pracher-
suppe. 3. nach Sperber, 28, Schmir^
gel auch die Tabaksjauche im Pfeifen-
abgulz.
schmirgeln, schmergeln, schmSrgeln, sw.
1. Schmer, Fett, Speck in der Pfanne
schmelzen, braten lassen, wobei der
eigentümlich zischende Laut zu hören
ist; daher auch in Fett braten, braten
und schmoren überhaupt. Sie hat den
ganzen Tag zu schmörgeln, 2. nach
schmirgelndem Fett riechen. Wenn ein
Scherben Fett einzieht^ so schmirgelt er^
wenn er auch alt ist Sprw. H, 3144.
Davon schmirg(e)lig, im Samlande auch
SChmurg(e)lig, adj.^ nach »Schmirgel rie-
chend. 3. sich schmirgeln^ am heifzen
Ofen sitzen und sich den Rücken wär-
men, einprägein. Oes hier kein Funkke
Füer^ dabt ock schmörgle kann? Carm.
nupt. I, 282. Hier wohl auch s. y. a.
schmauchen. 4. Schemionek, 35:
schmörgeln^ beschmOrgeln, sich, trinken,
sich betrinken, aufschmirgeln, aufbraten.
ausschmirgeln, ausbraten, einschmirgeln,
einbraten lassen, verschmirgeln, ver-
braten. Im Götting. smorgeln schmo-
ren, in Bayern schmirkeln nach Fett
riechen, ranzig sein. Scham b., 198b.
SchmellerlU, 475. Bock, 60. Hen-
nig, 239.
schmirksen, sw., klecksend schmieren,
schmutzen, namentlich in beschmirksen,
beschmutzen.
Schmlrl, m., kleinste Falkenart, Zwerg-
falke, Falco aesalon. Nach Bujack,
367, auch SmiriU, Schmerl; nach Bock,
Nat. IV, 279, Schmirle; ahd. smirl,
mhd. smirlinc, smirltn. Schade, 834a.
Vgl. Kohl.
Schmirring, m., der gelbfüfzige Strand-
läufer, Sandläufer. Mühling. Der
System. Name ist nicht angegeben.
Schmifz, m. von schmeifzen. 1. Hieb,
Schlag. Es giebt Schmisse. Ich hohe
Schmitz — Bchmorgen.
299
ihm auch so ein Dutzend Schmisse zu-
zählen lassen. Soph. R. II, 356. Und
krigte unterwegs noch so einige Schmisse.
Ibid. m, 218. Hennig, 239. 2.
Währungseinheit beim Knopfspiei An-
schmeifzen (s. d.) der Knaben. Der
einfachste Knopf gilt 1 Scbmifz, und
so giebt's nun, je nach dem Werte der
Knöpfe Zwei- bis ZwOlfschmisse, jedoch
nur in geraden Zahlen steigend. Der
ausgehöhlte Knopf, mit dem angeworfen
wird, heifzt Anschmifz, Ausschmifz.
Schmitz, 7n., Schlag, kurzer Schlag
auf die Fingerspitzen.
Schmiize, /. 1. Schmicke, Klatsch-
ende der Peitsche. 2. nach Marold
s. V. a. Schmied 2.
schmitzen, sw. 1. mit der Peitsche
klatschen, knallen. 2. eine Belustigung,
bei welcher man gegenseitig mit den
Spitzen der gestreckten Zeige- und
Mittelfinger auf die ebenso dargehalte-
nen beiden Finger des Gegners schlägt.
Vgl. Volksr., 205, 762.
schmock, schmack, adj., schmuck,
hübsch, zierlich. Das steht schmeck^
das läfzt schön, kleidet gut. Hier kömmt
de schmecke Jumfer Anne. Dorr, 1.
Wiew., 14. So^n schmücket Feld, Dorr,
1 3. Mi Dochter ^ nu goa schmeck (hübsch,
adv.) to Bedd. Ibid., 66. Goht GWck,
gy löwe Kästings- Gäste ^ öck seh ju
schmackcke (Dem. von schmack) oppet
beste, Carm. nwpt V, 145 c. Engl.
smv>g^ wendisch smu^^ dän. smvk. Brem.
Wb. IV, 872.
SchmOdbot, m., schmutziger, unsaube-
rer Mensch; Ekelname, Schimpfwort.
Stein, Peregrinus XII, 82. W. Mtsbl.
V, 191. Vgl. SchmOdsack.
schmoddelig, adj,, s. schmuddelig.
schmSdigen, sw.^ „lindem, besänftigen,
schmeidig machen. Die Salbe schmö-
digt, sie macht die verwundeten Glie-
der weich und gelenk''. Hennig, 239.
Vgl. schmeidig.
SchmOdkoch, Schmuddelkoch, m., un-
sauberer Koch; Mensch, der mit Speisen
nicht reinlich umgeht. Hennig, 239.
SchmOdsack, m., unsauberer Mensch,
namentlich ein schmutziges Frauen-
zimmer. Bock, 60. Hennig, 239.
Schmod Schmutz, in Bremen smitte,
engl, smut^ holl. smette. Brem. Wb. IV,
867.
SChmOlen, sw.^ sich in der Stille über
etwas freuen, schmunzeln, lächeln. Hei
schmSld en böfzken. Engl, to smile^
schwed. smale^ mhd. smielen.
SchmSlen, sw., mit Rauch und ohne
Flamme brennen, gewöhnlich schwelen.
SchmOr, m.^ Trunkenheit. Er ist im
Schmor^ er ist betrunken. Vgl. SchmTr.
Schmorbraten, m., gedämpftes Fleisch,
das nachträglich noch gebraten wird.
S. Schmorfleisch.
SchmOrbruder, -fink, m.^ Saufbruder,
Trunkenbold.
schmoren, sw. 1. dämpfen, Fleisch in
verschlossenem Topfe kochen. 2. sich
stark erhitzen. In der Küche schmoren
müssen, am Herde die Hitze aushalten
müssen. Er schmort guty ein solcher,
der am Herdfeuer steht oder warme
Kleider in der Sonnenhitze trägt. Sich
am heifzen Ofen schmoren. 3. kneipen,
saufen, stark Schnaps trinken. Er
schmort gut, — hat sich beschm69% ein-
geschmört 4. stark Tabak rauchen.
Sperber, 28. Bock, 60. Hennig,
239. Vgl. schmirgeln.
Schmorfleisch, m., Fleisch, das ge-
schmort ist.
SchmSrgei, m., schmSrgeln, sw., s.
Schmirgel etc.
schmorgen, sw,, s. sich, sich Sorge
machen, vor Sorge abzehren. Trei-
chel.
300
Schm6rpfanne — schmostem.
Schmorpfanne, /., Pfanne, worin
Fleisch geschmort wird. Von schmo-
ren 1.
SchmOs-chen, /„ s. Schmächen.
Schmfl, m.^ Vorteil, Nebengewinn,
Profit, Lohn für eine Unterhandlung,
mit dem Nebenbegriflf der Unredlich-
keit. Von dem hebr. schmuah Gerücht,
eitle, alberne Rede, in der Bedeutung:
was kommt dabei heraus. Sich einen
Schmu machen. In Danzig: einen Schmül
machen; in Bayern Schmus. Schmel-
1er III, 477.
SchmOchen, /., s. Schmächen.
Schmuddel, m,^ Schmutz, Unreinlich-
keit; unreinliche, schmutzige Person.
Für Posen Bernd, 269; für Oberlaus.
Anton, 12, 20.
Schmuddelbart, m,^ Scheltwort auf ein
Kind, das nach dem Essen ein be-
schmiertes Gesicht hat. Du bist ein
kleiner Schmuddelbart
Schmuddelei, /., Unsauberkeit, etwas
milder als Schmtiddel.
Schmuddeler, m.^ schmutziger, unsau-
berer Mensch. Mühling.
schmuddelig, oc?/., schmutzig, sudelig,
unsauber, unordentlich. Schmuddlige
Monde. Ein schmuddeliges Frauenzim-
mer. Eine schmuddelige Wirtschaft.
In Westpr. auch schmoddelig. Wacht
man^ du schmoddliget Schischkewater !
Dorr, 1. Wiew., 67. Nds. smuddelig^
in Pommern muddelig. Brem. Wb. IV,
871. Schamb., 198b. Dähn.,313b.
Schmuddell(Och, m.^ s. SchmOdIcoch.
schmuddeln, sw., schmutzen, sudeln.
Davon verschmuddeln, beschmuddeln.
Schmul, SchmU'l, Schmfl. 1. m. jud.
Vorname, der sehr häufig auftritt =
Samuel, nach jüdischer Aussprache
SchmueL 2. zur Bezeichnung für einen
Schacherjuden.
Schmflmacher, m., Gewinnsüchtiger,
Plusmacher. Mühling. Von Schmu.
In Bayern Schmuser. Schmeller HI,
477.
Schmunzel, /., Braut, Geliebte.
Schmunzelmus, /., dünnes, mit Speck
abgemachtes Roggenmus. Nordenburg.
Vgl. Schmunzelsuppe.
schmunzeln, schmuzeln, sw. 1. wohl-
gefällig lächeln. In den Bart schmun-
zeln. Beim Wort Liebeshistorch^en schmu-
zelte sie. Soph. R. IV, 130. 2. lieb
haben, lieben. Sie schmunzeln sich,
sie lieben sich. Samland. Schmel-
ler III, 479: schmutzein.
Schmunzelsuppe, /., Suppe, die man
lieb hat, die man gern ilzt; Fettsauce.
Von schmunzeln 2. Samland. Vgl.
Schmunzelmus.
schmurgelig, oc?/., s. schmirgeln.
Schmurl(S,m., der einzelne Entleerungs-
schufz bei Diarrhöe. Das Wort ist
tonnachahmend. Davon schmurksen,
sw.
schmflscheln, schmflsern, sw., s. schmO-
stem.
Schmfls-chen, m. u. /., s. Schmächen.
SChmUserig, adj., mühselig, elend.
Mühling. Vgl. misrig.
Schmflsterice, n.y das Lächeln. Hei
IH en Schmusterke, er lächelte ein-
mal.
schmflsterlachen, 82^. =^«r^m?/sto/7^. Ober-
land. Mühling.
schmflstern , schmflfzem , schmflsern,
schmflscheln, sw., mit Wohlbehagen und
Selbstgefälligkeit lächeln, in sich hin-
ein lächeln, schmunzeln, besonders über
eigenen Vorteil. Im Dustem ist gut
schmustem. Se deedy as heeid se nich
en Woort^ On schmusterd doch mench-
moal. Dorr, 23. Vgl. glmen. In
Bremen smunstem, smunsterlachen, in
Holstein smustem, smusterlaclien, in
Pommern sviustem und smustem. Brem.
Schmütschke — Schnappsack.
301
Wb. IV, 873. Schütze IV, 133.
Dähn., 435b. Hennig, 240.
Schmfltschke, n und /., s. Schmä-
chen.
Schmutzhammel, m., schmutziger, un-
reinlicher Mensch.
schmuzeln, sw.^ s. schmunzeln.
schnabbeln, sw,, eigentlich schnäbeln
von Schnabel; auch schnibbeln. 1. es-
sen. Habt ihr was zu schnabbelnf
Das ging schnibbel^ schnabbel^ da war
die SchUssel leer. Vgl. Sprw. II, 2386.
2. reden, sprechen. Er schnabbelt in
einem weg, er plappert unaufhörlich.
Sich verschnabbeln, sich in einer Rede
versprechen, etwas Verkehrtes sagen;
wider den eignen Willen ein Geheimnis
ausplaudern. In der Bedeutung von 2
auch : schnobbeln , verschnobbeln, ver-
schnabbelieren, verschnubbeln, verschnap-
pen. In Pommern snvbbeln straucheln;
sick versnubbeln einen Fehler im Spre-
chen machen. Dähn., 439b. Bock,
75. Hennig, 241. 291.
Schnabel, ^., Mund. Er redete wie
ihm der Schnabel gewachsen ist
schnab(e)lieren , auch schnabulieren,
sw., zunächst von der Ente und an-
dern Vögeln, welche beim Fressen
gierig und hurtig den Schnabel be-
wegen; übertragen: schmausen. Do he
met Appetit dat Gänfzken schnabbeleret
Carm, nupt. I, 298, 1. Hei kann hier
manchet schnabelehre^ wat hei so fien
noch nargends sähch (sah). Nowack,
72. Hennig, 240.
Schnabelkraut , n, , randblättriger
Storchschnabel, Geranium rotundifolium
L, Auch schierlingsblättriger Reiher-
schnabel, Erodium cicutarium UHerit
Hagen, 718. 709.
schnäblig, adj., vorlaut, zudringlich,
seinen Schnabel in fremde Angelegen-
heiten stecken. Friedland Ostpr.
schnabulieren, sw.j s. schnabelieren.
SChnacksch, adj.^ possierlich, wunder-
lich, lustig, seltsam; von Schnack
Scherzrede, lustiger Einfall, Posse.
Ein schnackscher Mensche Dat sit
schnacksch vt. Ich bin eine Canaille^
wo das nicht schnackisch war. Soph.
R. V, 146. Et ofz verwahrlich recht
met ju en schnackschet Wesen, Carm.
nupt, lU, 50 d. On plapperd pure
schneaksche Seaken. Dzg. Nhg. Parad.
45. Hennig, 240: schnakisch.
Schnftk, (?)^ Schlange. Treichel.
In Bremen Snake^ engl, snake^ dän.
snog. Brem. Wb. IV, 873.
Schnalle, /., Hure.
schnallen, sw.^ übervorteilen, prellen.
Mühling. Auch schnellen.
Schnäpel, m., einer, der seinen Schna-
bel überall hinsteckt, überall mitredet,
ein Grünschnabel, Gelbschnabel. Im
Götting. snappenlicker^ m. Schamb.,
199 a.
Schnäpel, Schnepel, Snepel, beiHen-
nenberger, 29, Schneppel, m., der Ost-
seeschnäpel, Coregonus lavaretus L.;
auch Seemaräne, lit., kur. sykas^ kass.
brzona^ brzoL Benecke, 150.
Schnäpelpant, /., Pant zum Fange der
Schnäpel. Eurisches Haff. Beschrei-
bung und Abbildung in Benecke, 393 f.
Fisch. -Ordnung f. d. kur. Haff § 28:
Schnepelpant
schnappein, sw.y verstärktes schnobbeln^
mit dem Schnabel durchsuchen. Die
Enten durchschnappeln den Sumpf.
Schnäpper, m., s. Schnepper.
Schnappern, sw,, die Spitze der Gänse-
kielfeder abknipsen, abschnappen. Im
Rätsel sagt der Gänsekiel von sich:
Man schnippert mich^ man schnappert
mich. Tierräts. 86.
schnapps, interj'.^ g. Schwapps.
Schnappsacky m., Brotbeutel, Ränzel,
302
Schnapsböker — Schnauzhahn.
Reisesack zur Aufbewahrang trockener
Speiseo. Kinderreim : A-b ab^ min
Schnappsack etc. Volksr., 112, 466.
Im Samlande Schlammsack. Vgl. Ko8-
sack.
Schnapshäker, m^ Höker mit Schnaps,
Spitzname für den Apotheker. Trei-
chel.
schnarken, sw, 1. schnarchen. 2.
schwatzen, s. v. a. schnarren 2. Da-
von: Schnarker, fn., Schnarcher; leicht-
fertiger Schwätzer. Und ward der
Schnarcher seinen armen und betrübeten
Nachbahm^ nach vieler Müh und Ar-
beit, gleich recht Linem., Kk 3a.
Schnarkerei, /., Geschoarche, leichtfer-
tige Rede, Schimpfrede. Au/z dem
Cholerischentemperament entstehen Eh/ ff er ^
Jäher 2^om: . . aufz diesen entstehen alle
Effecta Cholericay als Krieg^ Empörung,
Tyranney, Trotz ^ Widersetzlichkeit,
Schnarckerey , Stoltz, übermuht etc.
Linem., Aaa 2b.
Scbnarp, m., s. Grasser.
Schnarrabacky m., im Volksrät^el der
Storch. S. Tierräts. 90.
Schnarre, /. 1. Enarre der Nacht-
wächter. Zu Hennigs Zeit wurden
in Königsberg mit der Schnarre noch
die Stunden angezeigt, jetzt wird diese
nur bei entstehendem Feuer in Bewe-
gung gesetzt. Hennig, 240. 335.
2. Er hat sich die Schnarre eingeudchst
— gut geschmiert, er hat sich einen
Rnusch angetrunken Sprw I, 445.
In gleichem Sinne : Er hat die Schnarr
im Gang, Tiegenhof.
schnarren, sw. 1 . eine Schnarre in lär-
mende Bewegung setzen. 2. laut und
viel reden und dabei lärmen wie eine
Schnarre; über eine Sache sprechen,
die man wenig oder gar nicht versteht,
^r ist ein Schnarrhans, ein Schwätzer.
Welch£s dann nicht anders, als durch
die Edle Trigonometria und Geometria
mag verrichtet werden, so mancher
Sphaerische Schnarrhans nicht einsten
von aussen angesehen. Linem., R 4a.
Linemann hat für schnarren 2 auch
schnarken. Oder welcher (Landmesser)
sich keiner jv^sten und genawen Instru-
menten und Ketten gebrauchet, und den-
noch schnarchende sich vernehmen lasset.
Er habe das seinige gar genaw und
accurat verrichtet. A. a. 0, Yy3a
Schnarrwachtel, /., s. Grasser.
Schnäsel, m., junger angeblasener
Mensch; ebenso StTsel. Er. Neustadt.
Treichel.
Schnatter, /., Mund, Maul; von schnat-
tern. Die Schnatter halten.
Schnatterhans, -maul, -Ilse, etc.,
Schwätzer, Schwätzerin. Vgl. Bernd,
271.
schnauben, pltd. schnüwen, st, schnup-
fen, eine Prise Tabak nehmen. Sehnt f-
ke schnüwe schnöfft hei nich, man Brann-
wtn süpe söppt hei sehr. Wer schnappt,
der söppt, der Schnupfer ist ein Trin-
ker. Sperber, 29, hat für schnupfen
schnoben. 2. schneuzen. Schnaub ein--
mal! Schnavh dir doch die Nase.
schnausen, pltd. schnOse(n), »w. 1. zur
Bezeichnung des eigentümlichen Sau-
sens der Luft, das durch eine schnelle
Bewegung hervorgebracht wird. Das
ging, da/z es man so schnaubte. 2. nach
Mühling s. V. a. schnaufen.
schnauzen, sw., von Schnauze, grob
anfahren, daher gewöhnlich anschnau-
zen, mit harten und heftigen Worten
jemand anfahren. Ich schnauzte sie an:
„Sie sind vielleicht Braut oder so was ?^
sagte ich. Soph. R. I, 638. Hennig,
241.
Schnauzhahn, m., junger Bengel mit
Schoecke — Schoepfe.
303
groberSchnauze,Grobian,Grünschnabel,
Gelbschnabel. Pr.-poln. snösek^ miokos,
Mrongov. 11, 662b.
Schnecke, /. 1. Wasserschraube.
2. in der Niederung Windmühle zum
Abmahlen, d. i. Ausschöpfen des Was-
sers mittels einer Schnecke. P as-
sarge, 222.
Schneeblume, /*., gemeines Schnee-
glöckchen, Galanthus nivalis L, Auch
Schneetropfen. Hagen, 354. Im
Weichseldelta Schneeguckerchen, -kucker-
chen. Treichel, Volksth. III.
schneeen, sw.y schneien. Es schneet
Es hat diese Nacht tüchtig geschneet
Es ist alles verschneet
Schneeguckerchen, n., s. Schnee-
blume.
Schneesieber, m., Mensch, der den
Schnee siebt, Bummler. Treichel.
Schneevogel, Schneeammer, Emberiza
nivalis. Bujack, 376.
Schneffel, m,^ Hornhecht. Danzig.
S. Homfisch 2.
Schneidebraten, m.^ Braten aus der
Garküche. Ehedem hieizen die Gar-
köche Bratenschneider. Danzig. Klein
II, 134.
schneiden, pltd. schnTde(n), st 1.
lügen. Der schneidet gut. Davon auf-
schneiden. He schnitt möt dem Gren-
schalge, er schneidet mit dem grünscha-
ligen (Messer), d. h. er lügt. Sprw.
I, 3368. 2. sich schneiden, täuschen,
irren, übel anlaufen. Der hat sich ge-
waltig geschnitten.
Schneiderabend, m.^ s. Schneider-
stunde.
Schneiderfisch, m., s. GSselitz.
Schneiderkarpfen, m., Hering, weil
ihn arme Schneider häufig zur Mahl-
zeit haben.
Schneiderkourage, /., Erätze. In ei-
nigen Gegenden des Königr. Sachsen
heiizt sie heimliches Wohligen. Müh-
lin g.
schneidern, sw., „als Schneider arbei-
ten, ohne das Meisterrecht zu besitzen."
Hennig, 241. schneidern gehen, von
Nähterinnen, die in Familien Frauen-
kleider anfertigen, Wäsche nähen oder
ausbessern.
Schneiderstunde, /., Dämmerstunde,
s. V. a. Schimmerstunde, Sie heil'zt
auch Schneiderabend. Mühling.
Schneiderzeche, /., die Zeche zu glei-
chen Teilen bezahlen. Wir wollen keine
Schneiderzeche machen^ sagt derjenige,
welcher für die ganze Gesellschaft die
Zeche bezahlt.
Schneidung, Schneiding, /., schmerz-
hafte Empfindung des Schneidens.
Leibschneidung, Leibschneiden. Schnei-
ding in den Au^gen, Augenschmerzen.
Schneiz, /., ein durch den Wald ge-
hauener Weg. Samland.
schn6kem, sw,, in aUen Ecken, an
allen Enden umhersuchen. Er schnekert
überall 'rum, Treichel.
Schnellemachfort, /., Diarrhöe. S.
Dünne.
schnellen, sw., s. schnallen.
Schnellerung, /., Beschleunigung (der
Bewegung, Fallgeschwindigkeit). Au^h
mag solche Schnellerung nicht gefunden
werden im Dinge, das beweget wird.
Linem., I 2b. Weil nun zur Schnel-
lerung eines fallenden Gewichtes etwas
eufzerliches zustofzen müsse etc. , . ,ich
spreche, dafz im L/ufft- Revier eine
Schnellerung der Bewegung vorhanden
sei etc. Ibid., I3a u. ö.
Schnepel, Schneppel, m., s. Schnäpel.
Schnepfe, Schneppe, /., Hure, die auf
der Strafze Kundschaft sucht. Früher
die Schnepper der Schnappgalgen; Hu-
renschneppe (später kurzweg Schneppe)
besonders deshalb, weil Huren an den
304
Schnepper — Schnifchen.
Schnappgalgen yorzugsweise zu kom-
men pflegten. Yilmar, 362. In Za-
sammensetzungen: Schnepfen jagd, -strich,
-zug.
Schnepper, m, 1. Werkzeug zom
Aderlassen. 2. schnappender Thürver-
schlufz, Riegel über dem SchloCz. 3.
Schlüssel zur Öffiiung diesesYerschlosses.
Poln. sznypeTy szneper.
Schneppern, ai£?., schnappend schliefzen.
Die Thür schneppert gut^ fallt passend
ins Schlolz. Bis hat geschnepperty hat
gnt gepafzt.
schneppsch, adj. u. adv.^ s. schnippsch.
Schnerz, m., im Voc, 749, Snerker
für altpr. droanse^ Schnarrwachtel, s.
Grasser.
Schnewe, /., Kunde, Witterung. Von
etwas Schnewe kriegen^ etwas verlauten
hören, von einer Sache Wind, Witte-
rung bekommen. Altpr. sinnaty lit.
zinöti, lett. sinnaht, poln. znac^ russ.
znaf wissen, kennen; poln. znawca
Kenner. Nsslm., Forsch. 3; Th.,
166.
Schnibbe, pltd. SchnObb, Schnebb, f.
1. Schnabel, Mund. Halt die Schnibh\
halte den Mund! 2. Nase. Bir mufz
seine Schnibb überall haben. 3. die
vordere schnabelartig auslaufende Tail-
lenspitze an Frauenkleidem. 4. früher
„ein spitzig herablaufendes Läppchen
von Flor oder feiner Leinwand, auf
Drath gezogen, welches das Frauen-
zimmer in tiefer Trauer vor der Stime
trägt'*. Hennig, 241. Im Winter tru-
gen fi'üher die Frauen der Dzg. Nhg.
Schneb on Kapp, Schnibbe und Kappe,
auch Stimtuch genannt. Viol^t, 173.
Li Bremen Snibbe^ Snippe, in Pommern
Snippy im Götting. snippe, holl. snebbe,
in Posen Schnippe. In Hessen Schnippe^
f, u. 7»., Vorderteil des Kopfes, Ober-
teil der Nase bei Tieren. Bremu Wb.
IV, 889. Dähn., 438b. Schamb.,
200a. Bernd, 271. Vilmar, 363.
Schnibbel, m. 1. Schnabel. 2. penis
kleiner Knaben.
schnibbeln, sw.^ s. schnabbeln.
schnibbem, sw. 1. umherriechen; die
Nase voraus, dem Gerüche nachgehn,
spürend suchen, schnüffeln. 2. Bild-
lich: sich in alles mischen, sich um
alles bekümmern, die Nase überall ha-
ben, alles besehen und untersuchen
wollen. Er schnibbert überall umher —
schnibbef*t alles durch. Auch: schnip-
pern, schnUppern, schnOpem. Hennig,
241. beschnuppern, beriechen, beschnüf-
feln, neugierig besehen.
Schnlbe, /., Schnupfen, s. Schnlwe.
schnTben, schnlfen, sw., s. schnOwen.
Schnlbus, m., Schnaps. Vgl. SchlTus.
SchnTfchen, pltd. Schnifke, SchnUwke.
1. m. Schnupftabak. Hol mir für'n
Groschen Schniefke. Schnifke schnüwe
schnofft hei nich = er schnupft nicht,
ist kein Schnupfer. On Schniefke
schnuwe, schnuw' öck ok, Volksl. 56,
38, 5. Erseht Näs' denn Schnifke,
Sprw. I, 2754. Gotts Schock Schnifke!
scherzhafter Fluch. 2. w., eine Prise
Tabak. Und nun nahm Herr Z. ein
Schniefchen. Schaltj. 1, 438. Zahl-
reich in volkstümlichen Redensarten:
E Schnifke on e Schnaps, dat ös Hand-
werker Maner. Sprw. I, 3376 ff. Bock,
60. Hennig, 242. 3. Gifthahnenfuiz,
Ranunculus sceleratus L. Dönh. In
Zusammensetzungen: SchnTfkebart, m ,
Bart in dem Schnifke sitzt, auch auf
die Person übertragen. SchnIfkedOs, /*.,
Tabaksdose. Schnlfkenas', wie Schnifke-
bart. Schnlfkefarbe, /., Farbe mit der
des Schnupftabaks übereinstimmend.
Schnlftabak, w., Schnupftabak. Heft
de Näs voll Schnieftabak. Volksr., 240,
846.
Schnife — SchDipp-schnapp-schnarr.
305
Schnife, f.., schnifen, 9w.^ schnflig, adj.^
s. SchnTwe etc.
Schntfke, m. a. n., s. SchnTfchen.
schnigger, adj, u. ado, 1. hurtig,
munter, lebhaft, schnell, schlank.
E sehnigere Jungfer, Schnigger gehn,
2. nett. Ein schnigger Mädchen^ ein
nettes Mädchen. Das läfzt ihr schnigger^
das steht schön. Hennig, 241. In
Bremen snigger^ im Götting. snicker^
snecker reinlich, sauber, in Osnabrück
snögger^ holl. snogger und snuggei\ in
Pommern snügger. Dan. snog hübsch,
artig. Brem. Wb. IV, 892. Schamb.,
200a. Dähn., 440a.
SchnTpel, m., Frack, von den schnabel-
artig auslaufenden Schöfzen.
SChnTpeln, sw.^ sich^ den Frack an-
legen, überhaupt sich festlich kleiden.
Schnippergeld, n., Schnippchen, Hohn,
Spott. Und ob die Tage gleich viel
kürtzer als die Nacht^ Will er bey trü-
ber Nacht doch süfze Stunden zehlen.
Doch wer zu ndschrich ist, bekommt oft
Schnipper-Geld, Wer um ein Mädchen
will wie auf dem Pferd-Marckt dingen^
Und die Verpflichtungen en bagateü
nur hält^ Den pfleget man^ so wie die
Katz vom . Speck zu bringen, Carm.
nupt, HI, 61c.
schnippern, sw. 1. in kleine Stück-
chen schneiden, s. v. a. schnipseln (s.
d.). Vgl Schneppern, 2. s. v. a. schnib-
bem (s. d.).
SChnipps, intefj.^ schallnachahmend;
zur Bezeichnung des kurzen, schnippen-
den Tones, den ein Schnitt mit der
Schere verursacht Ein Messer her^
ich schneide das Band schnips ent-
zwei! Soph. R. I, 349. Schnips war
der Nagel weg. Vgl. brdz, bums^ par-
dauz^ plavJcsch^ schmauksj schnurr^
schwaps,
SchnippSy 7/1., Dem. Schnipps-chen,
Friscbbier, W6rt«rbaeh ü.
Schnipsel y in weiterer Verkleinerung
Schnipselchen, kurzer Schnitt; von der
Interjektion schnipps. Ein Schnips und
die Geschichte ist ab. Ein Schnipschen
Bandy Zeug^ Brot. Auch zur Bezeich-
nung eines kleinen Restes : Ein Schnips-
chen Licht, Ein Schnipselchen Papier.
Vgl. Ekd^ 3.
schnippsch, auch schnibbsch (Hen-
nig, 241), schnSppisch, pltd. schneppsch,
SchnSppsch, adj, u. acfo., schnippisch,
vorweg spitzig kurz, keck, frech in
Rede und Gebärde; vorzugsweise von
Mädchen und Frauen. Sie ist ein
schnippsches Ding^ — hat ein schnipp-
sches Wesen^ — antwortet schnippsch.
Schnöppisch mit dem Maul^ sonst stin-
kend faul. Die junge Frau^ die frei-
lich etwas schnippsch ist^ konnte das
Gichem nicht lassen, Soph. R. Hl,
386. Die schnippsche Frau Malgri.
Ibid. VI, 535. Wortspielend sagt ein
Mädchen, dem eine Prise Tabak an-
geboten wird: Ich bin nicht schnippsch^
soll heilzen : ich schnupfe nicht. Sprw.
I, 3381. In Berlin heifzt's in diesem
Falle: Ich bin nicht schnuppsch. Vgl.
Brem. Wb. IV, 881. Dähn., 438b.
Schamb., 199b. Bernd, 273. Wei-
gand U, 620.
Schnippschen, n. 1 . Dem. von Schnipps
(s. d.) 2. Nasenstüber, Knipschen.
Den Lorbeer für das Haar und Schnipps-
chen für die Nase. Soph. R. I, 238.
Vgl. Knips.
Schnipp-schnapp-schnurr, n., Karten-
spiel, namentlich im Kreise von Kin-
dern, nach der Formel: Schnipp!
Schnapp! Schnurr! Baselorum! Die
niedrigste Karte der niedrigsten Farbe
(die Sieben in Karo) wird mit dem
Rufe Schnipp ausgespielt; die Acht
sticht jxnt Schnapp; sie wird gestochen
mit Schnurr; mit Baselorum wird der
20
306
Schnippse] — schniwig.
Stich eingezogen. Zar ersten Toar
sind somit die Karten Karo 7 — 10
verbraucht; für die zweite folgen Babe,
Dame, König, As. So hat jede fol-
gende Farbe (Coeur, Pik, Trefi) ihre
zwei Touren. Der Hauptreiz des
Spieles liegt in der Schnelligkeit, mit
der ausgespielt, gerufen und gestochen
wird. Sieger ist, wer die meisten
Stiche hat, oder seine Karten zuerst
los ist. Die niedrigste Zahl der Spie-
ler ist vier. Baselarum ist eine Kor-
rumpierung von Apostolorum; das Spiel
ist mithin das Schnipp-Schnapp-Schnurr
der Apostel, welche zunächst als die
Spielenden gedacht sind. Sehr oft
hört man noch hinter Schnurr das (un-
gehörige) Reimwort BtMrr^ durch dessen
Einfügung die Kegelmäfzigkeit der Tou-
ren unterbrochen wird. Vgl. Vi 1 mar,
363, unter Schnipp. Weigand II,
620.
Schnippsei, m. u. n.. Dem. von
Schnippe (s. d.), Schnitzel.
schnippsein, sw.^ schnitzeln, nament-
lich mit der Schere in kleine Stücke
schneiden: abschnipseln. Nd. snippeln^
snippem^ holl. snippelen^ snipperen. In
Bayern schnip/en^ schnipfeln aufzer
dieser Bedeutung noch: mit leichter
flinker Bewegung nehmen, entwenden;
mit kurzen Zügen trinken. Brem. Wb.
IV, 893. Schmeller lU, 493.
schnirgeln, at^., saufen, beschnirgeln,
sich^ sich betrinken, berauschen. Trei-
chel.
Schnirkel, m.^ unzuverlässiger Mensch,
der „bald so, bald so^ ist, der im
Schnörkel, in gewundener Linie, geht,
handelt.
schnirkeln, sw,^ Schnörkeln, Schnörkel
machen.
schniricsen, schnirzen, »w,, Wasser
durch die Zähne schnellen, s. v. a.
nitten (s. d.). Treichel.
schnirzen, str., s. d vor.
Schnitt, ?w., Rausch. JSr hat einen
Schnitt. Sprw. I, 445.
Schnitt, Pflzn., s. Saueramp.
Schnittchen, pltd. Schnttttke, n. 1. Dem.
von Schnitt (schneiden), 2. nach Müh-
ling ein Backwerk von Blätter- oder
Butterteig, das in länglich- viereckige
Form geschnitten ist. Dasselbe bei
Schemionek, 86: Schnödehen. Vgl.
KriUizchen.
Schnittgras, n., spitzkantige Segge,
Carea acuta L, Hagen, 981.
Schnittke, /. 1. rote Rübe, Bartsch
(s. d.) Sclinittkensuppe, /, Bartsch-
suppe, auch Betensuppe, Zwickelsuppe,
BotscIiwTn. Nsslm. Th., 166, fragt:
etwa zu russ. sntY, poln. initka Aego-
podium? Vgl. Schnitzel.
Schnittloch, n , Schnittlauch. S. Prfs-
loch.
Schnitzel, plur,^ zerquetschte Reste
der Runkelrübe, ein gutes Viehfut-
ter. Treichel, Volksth. III. Vgl.
Schnittke.
Schnitzger, w., Tischler. Dzg. W.
Seidel, 34.
Schnitzker, pltd. SchnOtzker, ?n., Messer
des Böttchers. Oberland.
SchnTwe, Schnlbe, Schnlfe, SchnSf
(statt * auch w), /"., Schnupfen; Rotz-
krankheit der Pferde. Hennig, 242:
8chnüve, Er hat die Schnüve. In Pom-
mern Snowej Snäwe zunächst der Ge-
ruch. Dähn., 439b.
schnTwen, schnfben, schntfen, sw,^ mit
pfeifendem Tone atmen, schnaufen.
Von Schntwe.
schniwig, schnTbig, schntfig, adj. von
Schntwe, verschnupft; bei Pferden rotzig.
In Pommern snowsch, Dähn., 439b.
SohDobbd6k — Schnubbeltuch.
807
Schnobb-, SchnobbeldOk, n., s. Schnub-
beltuch.
schnobbeln, »w., s. schnabbeln.
schnoben, sw.^ s. schnauben.
Schnodder, m., Nasenschleim, Rotz.
Er weint Schnodder und Rotz, Wosch
dl den Schnodder von de Back, sonst
denkt de Bvr^ et glddtst Sprw. 1, 285.
Ausruf: Schnodder und Rotz! in dem
Sinne von: Donnerwetter! Königsberg.
Nds. SnottCj angs. snot, engl. u. hoU.
snoty dän. snaty snot, in Pommern
i>nodde, Snodder. Brem. Wb. IV, 899.
Dähn., 439a. In Posen der Schnuder,
Bernd, 273. Bock, 60. Die Göttin
Snotra^ die Geschneuzte. Simrock,
Mythologie, 5. Aufl., S. 400. Grimm,
Myth. II, 843.
Schnodderbartel, m., s. Rotzbartel.
Schnodderdorf, Ortsn., s. Brandwe-
then.
Schnodderhyazinthe, /., Stembyazinthe,
Endymion non scriptus Garcke^ wohl der
weii'zen Blüte wegen. Kr. Neustadt.
Treichel, Volksth. lU.
Schnodderjan, m.^ Schimpfwort
Schnodderlappen, m.y Schnupftuch.
Mühling.
schnoddem, stc., den Schnodder aus-
werfen; damit besudeln; mit einer vol-
len, schnupfigen Nase Geräusch ma-
chen.
Schnoddemase, pltd. -näs, /., unsau-
bere Nase ; aber auch Schimpfwort auf
einen vorlauten, mokanten Menschen.
schnodderrotzfett, adj^ zur Bezeichnung
grol'zer Fettigkeit. Kgsbg.
schnoddrig, adj. 1. voll Schnodder,
rotzig. 2. übertragen zur Bezeichnung
eines unreifen, naseweisen Menschen.
Er ist ja man noch ein schnoddriger
Junge. 3. verwerflich, überflüssig.
Eine schnoddrige Bemerkung^ Redensart^
eine überflüssige, dumme Bemerkung
etc.
SchnSf, m., Schnupfen, s. Schnlwe.
SchnSffel, m, etc.^ s. SchnUffel etc.
schnOpern, sw.^ s. schnibbem.
SchnSppeldock, n., s. Schnubbeltuch.
schnoppratzig, od)'., naseweis. Ma-
rold.
schnOppsch, adj.^ s. scbnippsch.
Schnorgel, SchnSrgel, Schnurgel, /.,
Nase, Mund, Schnauze. Hol de Schnor-
gel^ halte den Mund! Bock, 60. S.
beschnorgeln. Vgl. SchnUffel.
Schnorgel, m.^ unreife, vorlaute Per-
son, welche überall die Schnorgel hin-
einsteckt, mitredet.
schnorgeln, schnSrgeln, schnurgeln, sw.,
durch die Nase laut atmen; mit der
Nase den Schnodder hochziehen ; schnar-
chen; nach Sperber, 86, schnurfein,
nach Treichel auch schnorken. Ygl.
schnüffeln 1.
schnorren, sw.^ schnurren, umherzie-
hend betteln. Davon Schnorrer, m.^
Schnurrer. Klingt, als stamme es aus
dem Hebr., rührt jedoch nicht daher;
es kommt nach der Ansicht vieler
daher, dafz die polnischen Bettler ihren
Wohlthätem „Schnurren** zum besten
gaben und deshalb Schnurrer^ Schnor-
rer, genannt wurden.
schnSrren, schnurren, sw., schrumpfen,
faltig oder uneben sich zusammenzie-
hen, durch Hitze, Dürre, Alter. Ge-
schnorrtes Obst. Der Alte ist recht zvr
sammengeschnurrt
SchnOrrhHze, pltd. -hStt, /., glühende,
drückende Hitze, welche den Boden
ausschnörrt. Elbinger Ndrg.
schnSrzen, sw,, s. schnurzen.
SchnOrzkuchen,m., pfannkuchenartiges
Gebäck. Vgl Kröpfen^ Porzel^ Bah.
Schnubbeltuch, pltd. SchnobbeldAk,
20*
308
schnabbern — Scbnurgel.
SchnobbdAk, n., Schnapftuch, Taschen-
tuch. In der Dzg. Nhrg. SchnSppeldock.
VioUt, 104. Hennig, 242.
schnubbem, sw.^ schnuppem.
schnucken, schnucksen, sw.j krampf-
haft schluchzen, aufstofzen, schlucken,
den Schlucker haben. Mielcke II,
212b. Schemionek, 36.
Schnucker, 971., s. Schlucker.
Schnfldel, m.y Dem. Schnudelchen^
Kosewort für Hunde und kleine Kin-
der. Nach Sperber, 29, auch Schnfl-
ter und SchnOterchen. Vgl. SchnOt,
SchnUfe, /., Schnupfen, s. ScbnTwe.
Schnufer, m., Ekelname und Schimpf-
wort. Stein, Peregrinus XII, 82. W.
Mtsbl. V, 191. Vgl. Schnüffler.
SchnUffel, pltd. SchnSffel, m. 1. Nase.
Er mufz seinen Schnüfel überall haben.
Er hat überall den Schnüfel voran,
2. Mund. Halt' den Schnüfel! 3. eine
Person, welche schnüffelt; namentlich
ein unreifer junger Mensch, der vor-
laut und altklug in der Gesellschaft
älterer Personen auftritt. Das ist ein
rechter Schnüffelt Vgl. Schnorgel.
SchnUffelmarkty m., Platz in Danzig,
auf dem früher Schaufeln^ pltd. Schüffel^
verkauft wurden. Löschin, 43.
schnüffeln, pltd. schnSffeln, sw. 1.
schnaufend atmen. In diesem Sinne
auch schnorgeln, schnorgeln^ schnurgeln,
2. herumriechen, oft und viel riechen,
wie Hunde solches thun; die Nase über-
allhaben, spionieren. Davon aus-, durch-,
herumschnüffeln. Hennig, 231. E}r
schnüffelt überall herum, er forscht und
wühlt in zudringlicher Weise, sucht
nach Heimlichkeiten. Eck schnoffeld
driest herom as wie de Muhs na^m
Schwoart, Carm. nupt. I, 282, 14.
Bücher durchschnüffeln, sie durchstö-
bern.
Schnüffler, pltd. SchnSffler, m., einer.
der schnüffelt. Ekelname und Schimpf-
wort; bei Stein, Peregrinus, neben
Schnufer.
SchnOfkatt, /., dünnes Licht von or-
dinärem Talg mit Gamdocht. Hen-
nig leitet den Namen von dem schnau-
benden Geprassel her, den dieses Licht,
brennend, hören läTzt: es gleiche einer
schnaubenden Katze, oder, wie er sagt,
einer Katze, die den Schnupfen hat.
Der Name ist auch noch heute üblich.
In Pommern ist Snuvkatt (auch Snuv^
rott) Schimpfwort auf ein vorwitziges
Mädchen. Dähn., 441a. Bock, 60.
Hennig, 242.
schnupfen, sw,, schluchzend weinen.
Da ist nun das Hertzeleid reckt unter
ihnen (den Frauen) angegangen, haben
gen Himmel geseufftzet, ihre Hände ge-
rungen, geschnupft, und öffentlich mit
grossem Wehklagen ihre Noht beweinet,
Act, Bor, I, 183. In Bremen, im
Holstein., in Pommern, im Göttin^.
snucken, Brem. Wb. IV, 900. Seh ütz e
IV, 148. Dähn., 440a. Schamb.,
200b.
schnuppen, sw,,, schnupfen. Tabak
schnuppen.
schnuppern, sw., s. schnibbern.
schnuppig, adj,, schnupfig; rotz-
krank.
Schnupptuch, pltd. SchnobbdAk, n.,
Taschentuch. Euphemismus für A. wisch.
Vgl Sprw. I, 2871.
schnüren, sw, 1. mit einer Schnur
umspannen, binden. Zimmerleute bin-
den den Fremden, der einen Neubau
betritt, um ein Trinkgeld zu erhalten.
Hennig, 335. Schemionek, 36.
2. eine Schnür weste anlegen. Sie ist
nicht geschnürt^ sie hat kein Schnürleib-
chen an.
schnurfein, sw., s. schnorgeln.
Schnurgel, /., etc. s. Schnorgel etc.
Scbnarling — Schobbjack.
309
Schnllrling, m,^ Schnürfaden, Mariein,
auch SchnUrtein. Die Schnürlingagrabeiv-
gasse in Königsberg; früher der Schnür-
leinsdamm in der vorderen Vorstadt
Bock, Nat. I, 62. Vgl. Mariein.
SchnUrpinne, /., Stahlnadel mit stum-
pfer Spitze und sehr breitem Öhr, durch
das man Band zieht, mit dem roan
die Bezüge der Betten beschnürt;
Pinne (s. d.) an den Enden des Schnür-
senkels. Schlank wie W Schnürpinne,
Sprw. 1, 3331. In Bremen Snarptpe^
in Hamburg Nestelpipe. Brem. Wb. III,
321. Richey, 185. Hennig, 186.
Schnurr, /., von schnurren^ umher-
ziehend betteln, buhlen. Auf die Schnurr
gehen; von Mädchen, welche zur Spinn-
stube gehen, wo die Wockenräder
schnurren, aber auch von solchen, die
an den Abenden auf der Strafze nach
dem Manne suchen. Sprw. I, 1189.
schnurr, schnurz, interj.^ schaUnach-
ahmend; zur Bezeichnung des Tones,
den das Zerreifzen eines gewebten
Zeuges verursacht. Schusta^ Kapusta^
Drahtdrella^Pöchfhta — schnurz! Volksr.,
334.
Schnurre, /. 1. lustiger Einfall, Posse.
2. kleiner Rausch. Er hat eine Schnurre^
er ist ein wenig betrunken. Hennig,
242.
schnurren, sw.^ s. schnSrren.
Schnürsenkel, m. u. n , s. Senkel.
schnurzen, schnOrzen, sw,^ von schnurz^
schnurrend reifzen. Das gerissene Sei-
denzeug schnurzt Ihm schnurzen die
Büaeny er läfzt einen fahren. In Westpr.
in beiden Bedeutungen auch schürzen.
Treichel.
Schnflsohr, m. u. n., s. Schlflsohr.
Schnflt, SchnUt, /., Schnautze, Mund.
Auf die Schnute bekommen. Sonst kreag
he är stracks bi ne Schnüt. Parad., 9.
Das Dem. SchnQtchen ist in Danzig
Kosewort für Lieblinge. Gedanism.
Vgl. SchnOdel.
SchnOter, m., s. SchnOdel.
schnOwen, schnTben, schnlfen, m.,
schnupfen, Tabak schnupfen. Schntfke
schnüwen.
schnllwen, sw.^ schnüffeln, beschntt-
wen, beschnüffeln: So let he alles em
beschnüwen. Dzg. Nhg. Parad., 62.
sehe, interj.^ Scheuchruf; üblicher
sehe.
Schobbel, /., Dem. Schobbelke, Fufz-
bank. Dzg. Nhg. Violöt, 103. Gr.
Werder. Schieben^ pltd. schüwen ist
die Wurzel.
Schobben, vhchd. schubben, «u?., krauen,
kratzen, wobei mit der Hand, den Fin-
gern, schiebend und schabend hin und
her gefahren wird (s. schauben). Den
Uund^ das Pferd schobben. Sich schob-
ben, mit Griff in die Kleider die Haut
schaben, oder an einem Gegenstande
juckende Korperteile reiben, sich
scheuem. Der Lausige schobbt sich.
Das Schwein schobbt sich an einem Pfahi. •
Fi/fer, schobb dt! Sprw. I, 812. WmCt
jäkt^ dei schobb sock. Nds. schubben,
Brem. Wb. IV, 701. Hennig, 243.
Schemionek, 36. Sperber, 29.
Schobbig, adj.^ schäbig, unordentlich^
unsauber. SchobVger Kerl, Verhchd.
Schubbig.
Schobbjack, Schubbjack, Schubjack, m.
1. in Kleidern nachlässige, bettelhafbe
männliche Person, Lump; schlechter^
sittlich verkommener Mensch überhaupt,
selbst wenn er gut gekleidet ist; nach
Schemionek, 36^ auch ein Mensch,
der jedem im Wege steht, an dem man
sich also unfreiwillig reibt Er ist ein
rechter Schobbjack, Zunächst wohl Zu-
sammenziehung aus schobben u. Jacke^
also ein Mensch, der sich infolge der
Unreinigkeit beständig mit seiner Jacke
310
Schobbig — Schonfeld.
schobbt. 2. Pfahl, den man in baum-
armen Gegenden auf der Weide in den
Erdboden schlägt, damit das Vieh sich
daran schobben kann, Danziger Nhg.
VioUt, 104. Weichselniedrg. P as-
sarge, 221. Sperber, 29. 43. Ein
Küster hatte eine Injurienklage ange-
strengt, weil er „Schubjack der Fröm-
migkeit« genannt worden war.
schobenweise, adu.y s. schOwweise.
Schock, w., eine Zahl von 60 gleich-
artigen Stücken. Ein Schock Eie>* etc.
Ein Schock = 4 Mandel k 15 Stück.
Schockel, /. u. m., schockein, s.
Schuckel.
schocken, 9tr., laufen. Treichel. Vgl.
socken.
Schockschwerenot, /., Fluch.
sohodder, Zuruf an Zugtiere, s. schwod-
der.
schVddern, m.^ s. schuddern.
SchOdel, /., Schürze. Danzt^ dat Rock
on Schödel schwunkt! Schlochau. Fir-
menich I, 118b. Volksr., 222, 790.
Vgl. Scherdeltuoh.
Schot, /., n. u. m.y s. SchOw.
Schotelzeug, n., von schofel, armseliges
Volk, Pack, Plebs, ungesitteter Pöbel.
Schott, Värschott, /., Vorderteil, Brust-
kasten; beim Vieh. De Os fät (falzte)
0718 Kd under de Värschoft on schmet
er 6k glik op de RUgg, auf den Rücken.
Schollen, /., s. Schellen.
schollen, schellen, st.y prds, scholl;
prät schuU {scholl); part geschoHe^
schelten. Madamke, schölle se nich,
schelten sie nicht, werden sie mir nicht
böse. Herrkey wt se wolle, wenn se man
nich schölle. Dei söck schoUcy dei söck
wölk. Sprw. I, 3280.
Scholler, /., Schulter, pltd. SchuUer.
Saalfeld.
Scholliken, n., Scholle, s. Platteis.
Scholz, m.y Schulze, Ortsvorstand.
Ermland.
schompeln, schampeln, schumpeln, str.,
unbehilflich langsam, schleppend, lahm
gehen; vor Alter oder Schwäche. Vgl. '
hOmpeln. Er schompelt nur noch herum^
es geht mit ihm nur sehr langsam.
schumpeln ist nur Verhochdeutschung.
Scheraionek, 37.
SchOnbergergasse, Strafze in Königs-
berg, in welcher „der blinde Magister
Schönberger gewohnt haben soll, dessen
merkwürdigen Lebenslauf Hartknoch
in seinem A. u. N. Preufz., 401, aus-
führlich erzählt". Hennig, 229.
Schone, /. Nach Simon Grünau,
Tract. I, cap, III, ein Fisch in Preufzen.
SchOne, /., s. SchOne.
SchOneberg, Ortsn. 1. Dorf bei Mühl-
hausen a. d. Ostbahn. Er hat die
Schöneberger Universität besucht y sagt
man von Menschen^ welche eine über-
spannte Meinung von ihren Kenntnissen
haben. Gelehrt wie ein Schöneberger,
Tolkemit. Sprw. J, 3387. 1222. 2.
Dorf an der Weichsel, durch Tabaks-
bau bekannt. Der Spott nennt den
dort gebauten Tabak Schönberger Gra-
benkant. Elbing. Tiegenhof. Vgl.
Drilngsel.
SChOnen, sw,y schön werden ; vorzugs-
weise in der Zusammensetzung mit aufi
autschOnen, vom Wetter. Das Wetter
schönt aufy der Himmel wird klar. Bei
Jeroschin schönen schön machen, mit
^swaz zirheit suln geschont dt meide von
dir werdinf 24c. Pfeiffer, 216.
SChOnerig, adj.y zum Schonen geneigt,
sparsam. Der Junge ist sehr schonerig.
SchOnteld, Ortsn., Dorf im Oberlande.
Hei ÖS wt de Bure ut Schönföld. Man
sagt diesen neckend nach: Haben die
Schönfelder die Scheunen voll, so sitzt
Schonferfzel — Schorr.
311
jeder auf zwei Stühlen; sind die Scheu-
nen nur halb gefüllt, so sitzt jeder auf
einem Stuhle, sind sie leer, so sitzen
zwei auf einem Stahle.
Schonferfzel, n., Schönfahrsegel^ das
Grofzsegel am Hauptmaste. 15. Jahrh.
Hirsch, 265.
schön machen, dch^ sich in gunstiges
Licht stellen, sich von der besten Seite
zeigen, sich rein brennen von einer
Schuld. Er weifz sich stets scfton zu
machen. Bei Jeroschin: sich schöne
machin. Pfeiffer, 216.
schOnner, adf/., comp, von schon. Dais
noch schonner.
schonst, adv.y schon. Ich war schonst
da. Vgl. allschOnst.
SchOpe, SchOp, /., kleine Schaufel.
Gr. Werder. Nach Hennig, 243, ist
Schope eine „Schöpfkelle, womit man
beim Bierbrauen das Wasser in die
Pfanne schöpft". In Danzig hiefz der
eigentumliche Schöpftrog, dessen sich
die Brauer zum Übergiefzen des heifzen
Wassers über das Malz bedienten,
Schliffe, Schuppe, Schippe. Unzweifelhaft
nach diesem GefaCz hiefzen die Brauer,
welche das nach dem Auslande gehende
Schiffsbier fabrizierten, Schilpen- oder
Schoppenbrauer; ihr Fabrikat hiefz Scho-
pen- oder Jopenbier und wird noch jetzt
in Danzig gebraut. Hirsch, 305.
Nach Hennig, a. a. O., hiefzen Scho-
penbrauer „diejenigen, die den Brauern
um einen gewissen Lohn beim Brauen
helfen; sie machen hier in Königsberg
eine besondere Zunft aus^. Dieser
Name ist in Königsberg nicht mehr
üblich; die Braugehilfen heifzen hier
gewöhnlich Helfer (s. d.). Vgl. Scbeppe.
Schopenbier, n., -brauer, m., s. das
vor.
SchOpfgut, n., Bernstein, der durch
Schöpfen gewonnen wird. Man bedient
sich dazu der Koscher^ die an laugen
Stangen befestigt sind. S.' Bock, Nat.
n, 169.
SChVppen, au? , verkaufen. Dzg. Nhg.
Viol^t, 104.
Schoppenbrauer, m., s. SchOpe.
Schoppenbull, m , Bulle, der im Schop-
pen steht, dem es an guter Nahrung
nicht fehlt. De Broch stund mi so
stramm as wie en Schoppen-Boll. Carm.
nupt. I, 282, 14.
SchOpper, m, s. Schipper.
SchVpsenkeule, /., Ärmel im Frauen-
kleide älterer Zeit, dem Hinterschenkel
eines Schöpses ähnlich; sie hiei'zen
auch mit der franz. Bezeichnung Gigot-
ärmel. Viol^t, 177.
ScbVpsnase, /., Nase des Schöpses,
zur Bezeichnung eines naseweisen Men-
schen.
schorilwer, adv.^ gegenüber.
Schorb, m. Armer teüfel^ elender
Schorb und Scherpenter. Stein, Pe-
regrinus I, 6. W. Mtsbl. V, 94. Wohl
s. V. a. Schorfe vielleicht auch verwandt
mit Scherbel 3.
SchOrbel, m., s. Scherbel.
SchOrbock, m., s. Schärbock.
schorcheln. sw., s. schurgeln.
SchOrdeltuch, n., s. Scherdeltuch.
SchOren, /., die durch andere Farbe
des Wassers auffallende Stelle einer
„untiefe" d. h. einer grolzen Wasser-
tiefe. Nariensee. Auch wohl sonst im
Oberlande gebräuchlich. Da ist die
Schoren^ da ist, beginnt, die Tiefe.
SchorfkrVt,/., schorfige Kröte, Schimpf-
wort. Sich aufblasen wie eine Schorf-
krote. Vgl. Korrespbl. IH, 52.
Schorfrabe, m., junger Schorf auf einer
Wunde. Vgl. Rab.
Schurke, /., s. Schirke.
Schurken, sw.^ s. schirken.
Schorr, SchorrO} /., s. Schorrbahn.
312
Schorrbahn — schoseln.
Scborrbahriy selten vhchd. Schurrbahn,
/., Bahn zum Schurren, Eisgleitbahn.
Die Kinder stellen sich die Bahn her
auf dem Eise, auf zugefrorenen Kinn-
steinen, beeisten Strafzen, durch wieder-
holtes Schurren. Sie heifzt auch Schorr,
Schorre (Eönigsbg. Samland), Scburgel
(Ermland), /. Komm op de Schorr!
schorren, vhchd. schurren, sw, 1. glei-
ten mit eigentOmlich scharrendem
Rauschen, mit scheuerndem Geräusch
sich bewegen. Der Schnee achorrt vom
Dache. Mühlsteine schurren^ — laufen
schurrend. Die Jugend schorrt (gleitet)
auf dem Eise. Für diese Winterbe-
lustigung 'der Jugend ist das hchd.
schurren^ wenigstens in Egsbg. kaum
gebrauchlich. Er kann noch nicht ein-
mal schorren. Dieses Gleiten heifzt hier
auch schluddern, schurgeln; in Schlesien
kdschelny in der Mark schlittern^ slid-
dem, in Mecklenburg schliddern, in
Pommern slidderken und gliddem, glad-
dem, glidderken, gladderken, in West-
falen schlindem, am Rhein Bahn schla-
gen. Bahnchen schlagen^ im Götting.
schurren, in Posen schundem (die Bahn
Schunder), in Hessen gldnem, glängeln^
glanzern, schuhen, schaweiten, schabeiten,
schaweien, scharweiden, reideln, rtten,
riden. Vgl. Dähn., 430a und 153.
Schamb., 187b. Bernd, 278. Vil-
mar, 128 fiF. 2. bildlich: von einer
Speise, die nicht recht munden will.
Sie will nicht recht schorren, gleiten,
rutschen (zum Magen hinab). Bock,
61. Hennig, 244. abschorren, -scbur-
ren. 1. abgleiten; sterben. Er ist ab-
geschorrt. ausscborren, -scburren, aus-
gleiten; zu schorren anfangen.
Scborrmorr, Scburrmurr, m., altes aus-
rangiertes, durcheinander geworfenes
Gerät, in Kammer oder Bodenwinkel
zurückgestellt Bock, 62, u. Hennig,
249, schreiben Schurre murre. Vgl.
Krftfzel u. Scbeffelkopf. S. W. Seidel,
34. Schemionek, 36. Nsslm., Th.,
221.
Scborscbt, m., Schornstein; Eamin-
ofen, in welchem gekocht wird. Saal-
feld. Auch Scborstein, und davon Scbor-
steinfeger.
ScbOrteltucb, n., s. Scberdeltucb.
ScbVscbe, /., irdene Milchschüssel.
Schemionek, 36.
ScbOse, /.. gewöhnl. plur. ScbOsen,
Späfze, alberne Scherze, Possen, das
franz. chose. E lausige Keerl, sone
Schosen onNarrenstäg ze mache! Dorr,
1. Wiew., 75. Sond dat nich man pure
Schosef Carm. nupt. I, 241. Dröm umll
öck man on MuhVce voll mot enne davan
goren kose, von ähren domme, dwatsche
Schose. Ibid. V, 216 b. Was ist denn
das? y,Korbchen mit Rosen." Das sind
nur Schosen. Volksr., 200, 736.
Scbösel, m., Mensch, der Schosen
macht, schöselt; loddriger, alberner,
dummer, halbverrückter Mensch. Sper-
bers Erklärung, S. 43: „unanständiger,
ruppiger Mensch" trifft nicht zu. In
Danzig Scbüsel; in Bayern die Scho/zel,
Gescho/zel eine allzu lebhafte und dabei
gedankenlose Person und scho/zeln ge-
dankenlos hin und her rennen, die
Schu/zel eine übereilt handelnde Per-
son, schufzlig voreilig. Schmeller HI,
411 f. Vgl. Bernd, 279.
Scböselei, /., dummer, läppischer,
närrischer Streich; auch Gescbösel.
SCböseln, sw., dumme, alberne, när-
rische Streiche, Schosen ^ machen. In
Danzig scbüseln. Wat sull dat Renne
on dat Döslef Man plegt je hier nich
so to schösle. Volksl, 29, 19, 2. From-
mann VU, 218. Davon scböslig, scbüs-
lig, adj., albern, läppisch, närrisch, ver-
wirrt, dumm. Ist das aber 'ne schosliye
schosieren — Schotte.
313
Margeü^ ein dummes, verwirrtes Mäd-
chen! Was son schosdiger Gelehrter
nicht schwaddert. Die Such is ganz
andersch. Schalt]. 1, 438.
schosieren, «tr., mit Frauen schon
thun; liebeln; von dem franz. choser.
Er ist ein gewaltiger Schofz^ ein grofzer
Scho/zbartel und Scho/znarr^ der allent-
halben schossiret. Sie schossiren nur mit
einander. Stein, Peregrinus XIV, 14.
16. W. Mtsbl. VI, 184 f.
schöslig, adj.y s. schösen.
schössen, 9w^ Geld freiwillig zusam-
menschieizen, zusammenlegen; von
Schofz Geldabgabe, Steuer. Wollen wir
schössen j wollen wir auf gemeinschaft-
liche Kosten etwas trinken, geniefzen?
schossieren, «tr., s. schosieren.
Schofz, m., Menge. Da steht e Schofz
Leute. Saalfeld.
Schofz, Schufz, m, Neigung, Liebe.
Der Schofz und die unzeitige Lieb hat
ihn gar eingenommen. Er hat ein Schofz
zu ihr und sie zu ihm. Stein, Pere-
grinus XIV, 14. 15. Sie sind in ein-
ander verschossen. Vgl. schosieren.
Schofzbalg, m., ßalg, Hülle des Schos-
ses, des Triebes; beim Getreide. S.
Bremsenicopf.
Schofzbartel, m., Weiberfreund, der
zum schosieren neigt; auch einfältiger
Mensch, der zu Possen geneigt ist. In
Oberhessen Schasterbartel. Vi 1 mar,
374. S. Schmeller UI, 411.
SchOfzchen, pltd. SchOfzl(e(n) , plur.^
die Kockschöl'ze, namentlich am Frack.
Rock on kein Schofzke dran. Volksl.,
88. Nach Schemionek, 36, nennt
man die Spediteure, welche die an
Land steigenden Schiffskapitäne zu ka-
pern suchen, SchVfzIcengreifer.
Schofzforke, /., s. Forice.
Schofzicelle, /., s. Kelle.
Schofznarr, m.. s. v. a. Schofzbartel.
Schote, /., die Hülse, der Balg, wo-
rin die Erbse sitzt, aber auch die Erbse
selbst. Schoten pulen ^ Erbsen lüften.
Nach Klein U, 140, heifzen in Dan-
zig die frisch gelüfteten, grünen Erb-
sen SchotenkVmer, die getrockneten aus-
schliefzlich Erbsen. Letzterer Name
ist für die getrocknete Erbse allgemein.
Schotengemllse, n., grüne Erbsen, oft
noch mit zerschnittenen Gelbmöhren
gemischt. Königsberg.
SchVtelfahr, /., Scheitelfahr, Scheide-
furche, Grenzfurche, auch Grenzrain.
Samland. Natangen.
schVteln, sw., s. schSteln.
Schotelzaun, m., Scheidezaun, Grenz-
zaun. Hennig, 335.
Schotengemllse, -kVmer, s. Schote.
SchVtt, /., Weberschiffchen, s. Schutt
Schotte, Schottenkrämer, m., Hausie-
rer, herumziehender Krämer, der mit
seinen Waren namentlich die Jahr-
märkte in kleinen Städten besucht.
Ebenso in Pommern, in der Neumark,
in Bayern, Tyrol. Lit. szdtas Hausie-
rer, wandernder Krämer, russ. szatäjui,
szatäfy'a umherlaufen, sich umhertrei-
ben, szatun Umherläufer, Vagabund.
Bei Danzig Dorf Schottland^ von dem
Hennig, 244, den Namen dieser Hau-
sierer irrtümlich ableitet; wahrschein-
licher ist's, dafz die dort ansäfzigen
Hausierer {Schotten) dem Orte den
Namen gegeben. Auch im Kr. Königs-
berg, bei Neuhausen, giebt es ein
Etablissement Schottland^ und an der
Weichsel im Kr. Marienburg, desgl. im
Kr. Kulm einen Schottenkrug. Dähn.,
412b. Schmeller HI, 416. Nsslm.
Forsch. 3; Th., 167. Hirsch, 230,
erwähnt die Schotten neben den Nüm-
bergern und Spaniern als sogenannte
Landfahrer unter den mit Danzig han-
deltreibenden Fremden. Wir wollen^
314
Schottenfrau — Schräge.
dojz die fremden Krämer^ desgleichen
Schotten^ die alüiie im Lande sa/zhaf-
tig^ so sie in eine Stadt ankommen^ nach
Gelegenheit der fümehmen Märkte^ voie
es in der Stadt gebrauchlichy ihre Waa-
ren öffentlich und ungehindert feil haben
sollen und mögen, mit diesem Bescheide,
da/z sie über solclie Zeit au/zerhalb der
geordneten Jahrmärkte, in derselhigen
Stadt keinen öffentlichen Markt halten
sollen. Im Oberland aber und nach
der Masaw soll den Schotten ihre Waa-
ren allenthalben feil zu haben unver-
boten sein, LandesordnuDg von 1640.
Warte, bis die Schotten kommen, d. h.
bis es Gelegenheit giebt. Op em Sämer
op em Sinndag, wenn de Schotte käme,
Samland. Sprw. I, 3532. Morgen kom-
men die Schotten, als Trost, aber auch
als Aufmunterung, das Heute zu ge-
niefzen.
Schottenfrau, /., Frau eines Schotten,
doch auch jede Hausiererin.
Schottenhandel, m,, Handel^ den die
Schotten treiben, über den in früherer
Zeit, namentlich von den Eaufleuten
Danzigs, grol'ze Klage gefuhrt wurde.
Hennig, 244.
Scbottenhändler, m., s. v. a. Schotte.
Schottenkram, m., Eram eines Schot-
ten,
Schottenkrämer, m.y s. Schotte.
Schotter, m., s. SkotL
Schottk, Pflzn., Silbergras, Weingärt-
neria canescens Bemh, Treichel,
Volksth.
SchOw,SchOf,/'. u.n. I.Schar, Schwärm,
Haufe. E Schow wilde Gäns\ Am
End kämm he an eenen See^ of dem
eene grojze Schoow schlohweifze Schwan'
herommerschwomm, Schaltj. 1, 439. E
Schow MargeUens. Schemionek, 50.
Na, wraftig, en godet Schwof, . ., §k lad
juaüerpi. Dorr, 1. Wiew., 63. Bock,
61. Hennig, 245. 2. Schaub, Bund
des besten Strohes, das zum Dach-
decken benutzt wird. Aus schob, dem
Prät. von schieben, also s. v. a. (Zu-
sammen-)GreschobeDes. Hennig, a.a.O.
Weigand H, 554.
schOwweise, schobenweise, adv,, scha-
renweise, in Haufen. Don ginge schow-
wis Gast na^r Staaw on Taafel hen.
Catm. nupt. I, 282, 13. Da waren veele
hundert Menschen gebeten; se kämmen
ömmer schobenweis\ Schaltj. 3, 9.
schrackeln, sw., s. schraggeln.
schräd, schräds, schräts, schrdts, adj.
u. adv,, schräg, schräg gegenüber, in
diagonaler Richtung. En schrdder Weg.
Schrdds äwer, Mühling hat in glei-
cher Bedeutung noch schräm, schrem.
Wenn aber das Eysen schrats oder queer
glOende ins Wasser geschossen wird etc,
Linem., Oo 3a. Wer eine hochrotlie
Farbe gerade ansiehet, wird befinden,
wenn er sie bey gleicher Erleuchtung des
Budes schrats oder Schräge anschawet,
dafz sie braunlicht fallen wird. Ibid.,
Oo4b. In Bajern scfträm, sehr em, adj,
schräge, schief, nds. schrem, S c h m e 1 -
1er m, 510. Brem. Wb. IV, 695. ab-
SChrädsen, sw,, abschrägen, schräg, in
halbem rechten Winkel abschneiden,
abhobeln. Hennig, 245. Nsslm.
Forsch. 3; Th., 221.
Schrädsel, n., s. SchrOdsel.
Schradsweg, m., Nebenweg, der quer
über Felder und Wiesen geht. Hen-
nig, 245.
schrädwärts, schrädswärts, adv , schräg
gegenüber. Mühling.
Schräge,/., Schrägen, m, 1. hölzernes
Gestell mit drei oder vier Füizen, worauf
Waschgefäfze, Backtröge etc. gesetzt
werden; das Stangengestell über Öfen,
auf welchem nasse Wäsche oder nasses
Holz getrocknet wird. 2. der Schrägen
Schraggel — Schraper.
315
die Bank. Einen am (auf dem) Schra--
gen, den andei^n am Kragen^ sagt die
Witwe. Sprw.l, 3393. Henoig, 245.
Fleücfischragen Fleischbank , Fleisch-
bade.
Schraggel, m.^ Dem. Schraggelchen,
pitd. Schraggelkey Schritt. Fahr Schräg-
gelke, fahre in langsamem Schritt.
ScbraggeKufz, pltd. -fOt, m., gemütlicher
Spottname, vorzugsweise für einen alten
Mann oder ein kleines Eind. Du Schräg-
gel'Foot wötst vehl^ wat eck my hebb er-
kohre. Carm. nupt V, 190 c.
scbraggeln, schrackeln, sw, 1. mit ge-
spreizten Beinen unsicher gehen, schlep-
pend, schwankend gehen, mit der Nei-
gung, die Arme and Hände zur Hilfe
zu nehmen. Kleine Kinder^ alte Leute
schraggeln. Etwas beschraggeln und
bekraggebij auch begraggeln^ es mit allen
Vieren (von Kragge Pferd?) anter sich
kriegen und an den Erdboden drücken.
Oberland. In Bayern schrackeln^ schrä-
gein, srhregeln. Schmeller lU, 509.
In Hessen schrdgeln, Vilmar, 367.
Vi 1 mar hält schraggeln für eine Ver-
balbildang von schräg = schrdgeln schräg
gehen. Bock, 61. Hennig, 245. 2.
langsam und ungeschickt tanzen. Eck
sung on schrackeld doch, Carm, nupt I,
282, 16. 3. beim Nähen weite und an-
gleiche Stiche machen.
Schraiiser, Scbraiter, m., Abart des
Kaulbarsch. Bock, Nat IV, 576.
schräm, ad^., s. schräd.
schrämen, schrämen, »w.^ schrägen^
schräge machen, hauen, schneiden.
Mühling. Ebenso in Bayern und im
Nds.; in Bayern noch 8cÄra?w^n. Schmel-
ler III, 510.
Schranel, /., Dem. Schranelchen. Altes
Schranelchen^ kleine alte^ zusammen-
geschrumpfte Frau mit trippelndem
Gange. Gordack.
Schranitz, Pflzn., s. Studentennelke.
schränken, schrenken, sw,^ kreuzen,
kreuzweise über einander legen. Die
Beine schrenken. Bei Jeroschin: des
heilegin crüzis zeichin {st) mit andacht
vor sich schrenktin 152a. Pfeiffer,
216. Ahd. screnchan^ mhd. schrenken.
Die Säge schränken^ die Zähne einer
Säge kreuzweise richten. Das dazu
gebrauchte Instrument von Eisen heifzt
Schränkeisen.
Schräpe, /., Werkzeug zum Schaben
und Eratzen, namentlich Pferdestriegel;
mhd. schröpfe, poln. szropa. Wir wün-
schen dem Jungen eine Schrape in die
Hand^ dafz er kann schrapen den Schim-
mel blank. Samland. Hennig, 245.
Muhling hat noch die Bedeutung:
schlechtes Saiteninstrument.
schrapen, sto. 1. mit festem Drucke
kratzen, schaben, abschaben^ abkratzen,
Gefaize durch Eratzen rein ausscheuem,
putzen. Kartoffeln schrapen^ von rohen
Eartoffeln die Schale abkratzen. Poln.
skroba(fy pr.-poln. szropowac konie. In
gleichem Sinne: ab-, aus-, ein-, nach-,
zusammenschrftpen. Ejt hat Geld in
Menge eingeschrapt. Er hat sich ein
hübsches Vermögen zusammengeschräpt
2. bildlich: einem durch List und
Betrug Schaden zufügen. Den hat er
gut geschrapt. Hier giebfs nichts zu
schrapen. 3. schlecht geigen. Hen-
nig, 245.
Schraper, m., einer der schrdpt: un-
geschickter Barbier, schlechter Geiger.
Schraper^ Stümper und Vaganten tau-
gen nicht zur Liebesmusik. Carm. nupt.
I, 112. Bock, 61. Hennig, 245.
Schräpsel, n. 1. das als Kest Zu-
sammengeschrapte: daher Überrest über-
haupt. Abschrftpsel, n., Ausschrapsel,
das Abgekratzte, Ausgeschabte; bild-
lich: das Er vorteilte. Im Oberlande
316
Scbräpsel — Schriofen.
nennt man auch das letzte Kind Aus-
schrapsely namentlich wenn es schwäch-
lich und unansehnlich ist. Vgl. Nach-
scbrap. 2. Ein Schrdpsel Kartoffeln^
eine Quantität Kartoffeln, welche mit
einemmale geschrapt und gekocht wird;
s. V. a. Kochsei (s. d.).
schräts, adv,, s. schrftd.
Schraube, /., aUe^ zur Bezeichnung
einer alten Jungfer, eines alten Weibes.
schrecklich, adf, u. adv., zur Bezeich-
nung eines Steigerungsgrades. Das ist
ein schreckliches Geld! Er ist schreck-
lich reich. Er schreit schrecklich.
Schreckpulver, n., Medik.^ Pulv. tem-
perans.
Schreckwasser, n., Medik., Aqtuz aro-
mat,
schrägen, schrSgen, sw.^ sengen, dör-
ren, durch Hitze zusammentrocknen.
Hennig, 246, schreibt schrOjen. Er
hat sich die Hand^ den Finger geschregt^
die Haut versengt; daher gewöhnlicher
verschregt Davon SChr6g, adj.^ ver-
trocknet, ausgedörrt, so daTz die Ober-
fläche Runzeln hat. In Bremen und
Pomm. schroien, im Osnabrück, schrög-
gen^ in Hessen schröggen, verschröggen^
holl. schroeyen^ engl, sear^ scorch. Brem.
Wb.IV, 698. D ahn., 415a. Vilmar,
370.
schreiben, pltd. schrtwe(n), st Er
schreibt sich Neumann = er heil'zt N.
schreien, pltd. schrle(n), st^ laut wei-
nen. Nu schreit die Margell schon wie-
der. Tgl. brüllen j greinen.
Schreier, pltd. Schrler, m., Choralist
im Dome zu Frauenburg. Handwerker,
welche im Dome den lateinischen Cho-
ralgesang zu absolvieren haben und dies
gewöhnlich in lauter und roher Weise
thun, werden vom Volke die Schreier
genannt. Sprw. I, 3403.
Schrein, 9n., Dem. Schreinchen^ Schach-
tel. Bock, 61. Hennig, 246. In
dieser Bedeutung von mir nie gehört
schrell, adf;., scharf von Geschmack.
Wein, Bier und Obst sind schrell, wenn
sie die Zunge scharf angreifen. Hen-
nig, 246.
schrfim, adj., s. schräd.
schrfimen, sw., s. schrämen.
schrenken, sw., s. schränken.
Schrewein, m., bei Stein, Peregrinus
III, 3, unter den Namen für Seeleute.
Vgl. Pedker.
Schriebt, n., s. GeschrichL
Schricke, /., Pfahl von 12 bis 16 Fufz
Länge, zunächst ein solcher, welcher
auf den Holztraft^n mitgefuhrt wird,
um diese beim Anhalten daran zu be-
festigen. Die Schricken werden zu dem
Zwecke in das Ufer eingeschlagen. Mhd.
schricken springen, ist noch heute See-
mannsausdruck. YgL Breusing, 17.
Die Schricken machen wohl, wenn sie
durch Hiebe losgeschlagen werden, einen
Sprung.
Schrickzaun, m.^ Zaun aus Schricken,
Palissadenzaun. M ü h 1 i n g.
Schrlkachel, /., Kachel mit unglasier-
ter Aulzenfläche. Muhling.
Schrile, /., Fisehemetz, dessen Be-
nutzung in der Fischerordnung von
1589 verboten war. Vgl. Aalwäde.
schringen, sw., schmerzhaft brennen;
von heilenden Wunden, zersprungener
heilender Haut. Es schringt man noch
so, es schmerzt nur noch ein wenig,
wenn man sich leicht verbrannt hat
und der Schmerz fast verschwunden
ist. Oberland. Wohl aus schrinden
aufspringen, berstend Bisse bekommen.
Vgl. Brem. Wb. IV, 697. Schmel-
1er HI, 517. Vilmar, 370. Anton,
12, 22.
Schrtofen, m., Ofen aus Schrikacheln,
unglasierter Ofen. Muhling.
Schrittschuh — 8chr6den.
317
Schrittschuh, pltd.SchröttschaUyimWer-
der ScbritscbO, m.^ der richtige Name
für deD jetzt allgemein gewordenen
Schlittschuh. Hennig, 246.
Schrobbel, m, u. /. 1. Wollkratze,
Kardätsche. 2. nach Mühling die
Lage Wolle oder Hede, welche mit
einemmale geschrobbelt wird.
schrobbeln, vhchd. scbrubbeln, sw.^
mit einer Schrobbel Wolle kämmein.
Ygl. kämmein.
schrubben, vhchd. schrubben, in Dan-
zig Schrubbern, »w.^ mit einem Schrob-
her den Ful'zboden scheuem. Das
Wort ahmt den eigentumlichen Ton
nach, den das Scheuem mit steifer
Bürste hervorbringt. Reiben ist als
ursprüngliche Wurzel anzusehen. Den
Mägden kommet zu das Stuhcken^ Schrob-
ben^ Bohnen, Carm. nupt. H, 266c.
De Keke schtrt dem Kätel blank On
schrobbt det ganze Hüs entlang. Volksr.,
225, 796. In Hessen schruppen^ schrob-
ben^ schruvnoen. Vilmar, 371. Engl.
scrub^ schruby hoU. schrobben^ schwed.
skmhbay irländ. scriobam, Brem. Wb.
IV, 698. Adelung in, 1667. Hen-
nig, 246. Danneil, 187b.
Schrubber, vhchd. Schrubber, im Volks-
munde (Königsbergs) allgemein Schrob-
bert, m., und so auch bei Hennig,
246, Scheuerbürste, Scheuerbesen. Der
richtige Schrobbert ist an langem Stiele
befestigt.
Schrobbhubel, /., Hobel, womit das
Holz aus dem Groben behobelt wird.
Hennig, 246. Von schroden und da-
her richtiger Schrodhobel Schrothobel.
Schrobbkodder, n. Eodder, Lappen,
zum Scheuem, Scheuertuch. In Dan-
zig Feideltuch (s. d.)
Schrobrett, n., „auf die Strafze hin-
ausgeschobener unbedeckter Sommer-
aufenthalt vor dem Wohnhause, mei-
stens von Bäumen überschattet und
durch ein Geländer eingefafzt). Die
Schrobretter sind der Stadt Marienburg
eigentümlich (ich habe sie auch in
ermländischen Städten gefunden, nur
ist hier für diese Einfriedigungen der
Name nicht üblich) und sind von
Fremden Erbbegräbnissen verglichen;
Einheimische nennen sie auch Klatsch-
kasten (weil man in ihrem kastenartigen
Raum zum Plaudern — vgl. klatschen —
sich zusammenfindet). Vielleicht kommt
der Name von Schaubrett her." Ostpr,
Ztg. vom 16. April 1872. Nr. 88. Bei-
lage. Die aus dem Margenschlummer
gestörten Bürger^ welche zuerst neugie-
rig die K&pfe zu den kleinen Fenstern
der Hängeboden und Laubenstuben her-
ausgestreckt hatten, erschienen im Fest-
anzuge in den Schrobrettem und auf
der Strafze (bei der Occupation Westr
preufzens, in Marienburg). Ibid.
SchrOde, Schrote, /., Schnitt oder
Stück Fleisch, wie es die Fleischer
zum Verkauf schon zugeschnitten ha-
ben. Danzig. Klein H, 143. In
früherer Zeit mufzte eine Schrote Fleisch
ein Pfund vriegen. Well man en Schrot-
ken hdlen — de Flescher schnitt so
locker op. Volkslied. N. Pr. Prov.-Bl. a.
F. XI, 159. In Bayem der Schrot.
Schmeller HI. 520.
scbrdden, schroten, sw. 1. schroten,
schneiden, in Stücke teilen. Ebenso
in Pommern, Bayern. Dähn., 415a.
Schmeller III, 520. Bei Jeroschin
verschroten in Stücke hauen: ik wil
üwir Ubin dne vrist voi*schr6tin. der
rittir was in nStin 70 d. mit tode —
man daz lebin im vorschrtt 112 c.
Pfeiffer, 259. 2. stark essen. Der
kann gut schroden — schroten. 3.
wälzen, schieben, rollen. Davon der
Schröder y Bierschröder y Weinschrödery
318
Schrodsel — Bcbrumpeln.
weil er die Fässer in die Keller und
aus denselben schrotet. Vgl. Ade-
lung III, 1665. Weigand II, 643.
Hennig, 246. 335.
Scbrddsel, Schrädsel, n., geschrotetes
Getreide für das Vieh. Hennig,
246.
schrOgen, sw., s. schrSgen.
Scbrolle, Schrulle, /., wunderlicher
Einfall, verkehrte Ansicht, manische
oder böse Laune, Grille, fixe Idee, An-
fall von Verrücktheit Er hat Schrol-
len im Kopfy er hat wunderliche Ein-
falle, die er eigensinnig festhalt Er
kriegt imeder seine SchroUen^ er wird
närrisch, wunderlich. Wenn de öle
SchroUe käme^ denn ös alle Freud be-
näme. Samland. JSt mucht sone Schrol-
len nich em Kopp hebben. Dorr, 1.
Wiew., 74. Hennig, 246. Nach
Treichel ist Schrulle auch ein altes
und wohl auch meist wunderliches Mäd-
chen. Vgl. Flage.
Schrompel, m.^ s. Scbrumpel.
schrompen, schrompeln, sw., s. schrum-
pen.
Schrote, /., schroten, su)., s. SchrO-
de etc.
Schröter, m.y Schneider. Danzig.
14. Jahrh. Hirsch, 326.
Schröter, m., s. schrOden.
SchrOts, adj. und adv.^ s. schräd.
Schrotschwein, n., einjähriges Schwein,
das beim Schlachten schon geschrotet^
in Schrote zerstücket wird. Vgl. Brllh-
fing.
Schrotte, /., Spitze, „oder was aus-
geschnitten isf. Weil auch in weni-
gen Jahren die grofzen Gekröse sehr
eingerissen, so soll allen Dienstmägden
die grofzen Gekröse von Schrotten gänz-
lich verboten seyn, Landordnung von
1640. Von schroden schroten, schnei-
den. Hennig, 246.
Schrotwurm, m., Wurm, der die (Wur-
zeln) abschrotet, abnagt, Maulwurfs-
grille, Gryllus Chyllotalpa. Sie heifzt
auch Erdkrebs^ Rttwurm, Werre, Twerre,
Warre^ Werl, Worbel. Vgl. Bock,
Nat V, 64.
schrubbein, sw., s. schrobbeln.
schrubben, sw.y Schrubber, m., s. schrob-
ben etc.
Scbruckigwerden, n., s. Dreb.
schrucksen, sw, 1. gewinnen, im
Kinderspiel. Der schruckst seine Boh-
nen, seine Knöpfe etc. zurOck, 2. einen
tüchtigen Schritt gehen, schnell gehen.
Der schruckst seinen Stiefel ^runter.
Übertragen: sich fördern, vorwärts
bringen. Nordenburg.
Schruddel, /., dickes Reggenmus, Klun-
kermus, mit Milch oder auch mit Speck
abgemacht. Nordenburg.
Schrugge, /., Pferd. Gr. Werder.
Se geewen de Schruggen de Sparen, on
weg weeren se. Dorr, 1. Wiew., 110.
Schrulle,/., s. Scbrolle.
Scbrumpel, plld., aber auch von Hoch-
deutschen gebraucht, Schrompel, /. 1.
Runzel, Falte, namentlich Falte im
Gesicht. Alte Leute haben Sckrompeln
im Gesicht Welke^ Kartoffeln haben
Schrompeln. Ebenso in Posen und in
Hessen. Bernd, 276. Vilmar, 370.
Hennig, 247. 2. alter, zusammenge-
schrumpfter Mensch. Er ist ein alter
Schrompel.
schrumpelig, pltd. schrompelig, adj.,
runzelig, faltig, zusammengeschrumpft.
£}in schrumpeliges Gesicht. Ein schrum-
peliger Apfel.
schrumpeln, sw., s. schrumpen.
schrumpen, schrumpeln, pltd. schrompen,
schrompeln, »w. 1. schrumpfen, ein-
schrumpfen, zusammenschrumpfen; in
letzterer Bedeutung gewöhnlich ver-
schrumpeln, verschrompeln. En ohl ver-
Schrutz — schüchtern.
319
schrompeU Wiew. Cann. ntip^. VI, 242b.
. . bit §k so fhopgesehrumpelt weer^ vne
'ne gedreegde Ber. Dorr, 1. Wiew.,
]11. In Bremen und Pommern auch
schrumpen^ dän. skrumpe. Vgl. krum-
pen. 2. schrumpeln auch schlecht ge-
hen, schwach auf den Füi'zen sein.
Alte Leute und Kinder schrumpeln. In
Bremen schrumfumfeln. Brem. Wb.
IV, 700.
Schnitz, /., alte Stute. Friedland
Ostpr.
8ChO, adj, scheu. Ein schüer Mönsch^
ein blöder, schüchterner Mensch. On
schu dat Wild vom Brak opflicht.
Dorr, 34.
ScbQ, SchOschO, SchQdel, SchQter,
ScbQtsch, SchOtscheck, m., Schmeichel-
name und Lockruf für den Hund. Der
Anlaut klingt auch Tsch. Dem. SchU
cfiej Schuke etc. Lewer ös vor'n Wewer,
Huz ÖS vor'n Schütsch. Sprw. I, 2370.
Lit. szu Hund. Vgl. sehe.
SchUbbchen, n. Een Schübbctien
ziehen^ s. v. a. eine himpe (s. d.)
ziehen,
Scbubbe, /., Schuppe. Hennig,
247.
scbubben, siw,^ s. scbobben.
scbubberig, adj, 1. frostig, kühl;
vom Wetter. Es ist ein schtibbriges
Wetter, 2, fröstelnd, jämmerlich, er-
bärmlich, elend; vom Menschen. Mir
ist ganz schubberig^ ich fröstle. Mir
ist ganz schubberig zu Mute^ ich fühle
mich sehr unwohl, fiebere. Vgl. bllb-
berig u. scbibberig.
Schubbjack, m,, s. Schobbjack.
Scbubit, m.y s. Schuwut
SchubrQn, n., s. SchQprfne.
Schubs, Schups, m. 1. Schopf^ poln.
czub^ Haarbüschel auf der Stirn, Feder-
busch auf dem Kopfe, Haube, daher
Schubslerche , Haubenlerche, Alauda
cristata. Vgl. Bock, Nat. IV, 408.
S. Schuprtne. Schemionek, 37:
Schups AbguCz an Topf oder Kanne.
2. schiebender Stofz. Einem einen
Schubs geben — auch Schups gd>en,
3. Nach Mühling auch kurze Strecke,
Ende Weges, kleines Stück von einer
Sache.
Scbubsch, 9n., Dem. S^huhschchen^
Schluck. Lafz ihn ein Schubschchen
trinken, Friedland Ostpr. Aus Schub
von schieben,
schubsen, schupsen, sw.^ mit Schub
fortstofzen. Sie schupsen ihn umher^
wie einen schlimmen Schilling, In die-
sem Sinne auch blofz schuppen, ab-
scbupsen. 1. abstofzen. Er schupst ihn
von Sich ab^ stöfzt ihn zurück. 2, ab-
gehen, abziehen. Er hat abschupsen
müssen y er hat un verrichteter Sache
abschieben, abziehen müssen. 3. steh-
len; in dieser Bedeutung doch mehr
beschupsen. Sie haben ihn gut be-
schupst,
Schubslerche, /., s. Schubs.
Schubut, m,y s, Schuwut
schuch, interj,y Scheuchruf zum Schaf.
Samland.
Schuch, /., der Fichtenzapfen. Saal-
feld.
Schuchchen, n. 1. wolliges Blüten-
kätzchen, Blütenschäfchen mancher
Bäume, z. B. der Weiden. 2. Schmei-
chelwort für ein Schäfchen. Dönh.
schUcbem, sw,y s. scbichem.
ScbUch'rer, m., s. Schich'rer.
SChuchrig, ad;., scheu, ängstlich, ver-
schüchtert.
Schucbter, m. 1. Regenschauer, kur-
zer Regen. Das war nur ein Schuchter,
Mühling. 2. grobes Brot. Saalfeld.
schuchterig, od;., s. schüchtern.
schüchtern, adj. u. adv. 1. schüch-
tern, scheu^ blöde. Das Pferd ist
320
schüchtern — schden.
schttchtem. 2. flatterhaft, flachtig, un-
stät, wild, wie gescheucht hin und her,
von einem Ort zum andern fahren. In
diesem Sinne Bock, 61, und Hen-
nig, 247, auch schucbtrig. Vgl. schuch-
rig.
schüchtern, sw., s. Schiebern.
Schuck, 97}., Dem. Schuckchen^ Kuf-
und Lockname für den Hund. Yon
dem poln. suka Hundin?
Scbucke, /., Schucken, plur. 1. Ear-
toffehi. Ermland. In der Gegend von
Tolkemit schon Schocke (bei Frauen-
burg noch Schucken); ebenso bei El-
bing. Auf der kur. Nhg. Schocke,
Erdschocke. De dömimt Lau hae de
schönste Schocke^ die dümmsten Leute
haben (bauen) die schönsten Kartoffeln.
Ermland. K(ynmC Schocke peUet^oWsT,^
73, 276. Mtn Mutter gaff mt Schocke
on let de dödge Sü räwer renne^ sie
gab mir Kartoffeln mit Spirkeln, ge-
bratenem Speck. Einlage bei Elbing.
Vgl. Bullen u. Tucblen. 2. nach Sper-
ber, 41, Schucken auch die Kätzchen
der Erlen und Weiden. Vgl. Schuchchen.
Schuckel, Scbockel, /., Schaukel.
Schuckel, ^chuggel, m., Dem. Schuckel-
chen^ 'ke, Schuggelche, kurzer, leichter,
schaukelnder Trab; daher auch Schu-
ckeltrab, -draf, ^cbuggeldrab. Fahr
Schuckelke. Die Königsberger Drosch-
ken fahren meistens im Schuggel.
scbuckelig, adj,y schaukelig, wacke-
lig.
scbuckeln,scbockeln,9tr. 1. schaukeln,
wackeln. 2. in kurzem leichten und
schaukelnden Trabe reiten, fahren. In
letzterem Sinne auch §cbuggeln. Lafz
die Pferde man blofz (nur) ichuggeln.
hat (die Pferde) sachike» ichuggle^ fahre
in langsamem Trabe. Der Kerl (Po-
stillion) ist hier heut ohne Gesang^ ohne
Klang durchgezuckelt Soph. R. HI,
43. Übertragen auf den Menschen:
wackelnd laufen, eilig gehen, nachlau-
fen, folgen. Sie kommt angeschuckeU.
Der Magister zuckelte Tag und Nacht
umher. Soph. R. V, 586. Lieschen
zuckelt aUenthalben hinterdrein. Ibid.
VI, 230. Vgl. die Bemerkung über
8ch und z unter ichabbem,
^cbud, Schutt, auch Szud, /*., Dem.
Schudcfien, 1. w. Vorname, Elisa-
beth, s. Eis. 2. ein<iges, dummes
Frauenzimmer. (Schemionek, 37);
überhaupt Mensch ohne Witz, Einfalts-
pinsel. Na so^ne dämliche Schutt
Geh, geh^ du dumme Schutt, Volksr.,
227, 798.
scbudder, Zuruf an Zugtiere, s. scbwod-
der.
Scbuddergaffel, /., s. ScbUttergaffel.
ScbUdderkopf, m. 1. alter Mann,
dem vor Schwäche der Kopf wackelt.
2. Name eines Gefängnisses in Danzig.
Wann Ihr Mann jemals vdeder klagte
so lafz ich ihn in den Schüdderkopp
setzen. Soph. R. III, 125. Hennig,
247.
schuddern, schliddern, pltd. scbVddem,
sw?., schütteln, schüttern, beben, erzittern,
erschüttern; umschütteln, aufschütteln.
Mit dem Kopf schuddern. Er schlägt
die Thür zu^ da/z das ganze Haus
schuddert Schodder nich mot dem
Dosch! Er schuddert vor Kälte. Das
Stroh aufschüddem^ nach dem Dreschen
es mit einer Schuddergabel schütteln,
damit die ausgedroschenen Körner auf
die Tenne fallen.
ScbOdel, 771., s. ScbQ.
scbQen, schUen, scbUwen, sw.^ scheuen,
füi'chten, Bangen oder Ekel haben.
Sock voi^m Dod schuen. Dorr, 54.
Ee schOet sock s6^ wt de Pracher ver'm
Ächtehalwer. In der Gegend von
Insterburg in gleichem Sinne auch
schüerig — Schulz.
321
SChUchem. He schüchert 9ick wt de
Pracher ver e Lus. Hennig, 250,
hat SChQven, das sich bei Jeroschin
ebenfalls findet: daz werdin lichte
schütcin an üch di ungetrutmn^ und
also dt erge lan 135c. Pfeiffer,
218.
schlierig, SchUwerig, adj , scheu, furcht-
sam, ekel. &ie ist sehr schüwrig —
thut sehr schüiorig^ sehr wählerisch, es
steht ihr nicht leicht etwas an. Hen-
nig, 250.
Schliffe, /., s. SchOpe.
SchUffel, /., 8. Schiffel.
schuffeln, schUffeln, sw., s. schiffein.
SchOflad, /., s. Schublade.
schuften, sw,^ mit Anstrengung ar-
beiten.
Schufut, m., s. Schuwut
Schuggel, Schuggeldrab, m., s. Schuckel.
Schuhsenkel, m. u. n., s. Senkel.
Schuhwisch, m., Lappen, Strohwisch
zum Reinigen der Schuhe. Eir behan-
delt die Leute wie Schuhunsche^ sehr ge-
ringschätzig.
Schuiling, /., Schutz. Bier gah §k
(Falstaff umarmt Frau Forth) uinger
Schuiling^ hier schütze ich mich. Dorr,
L Wiew., 119.
SchQl, Dem. Schulkey w. Vorname,
Ursula. Ermland. Werder. Hart-
wich, 55. Vgl. schlauben,
Schulchenläufer, m., Schüler, der die
Schule schwänzt, Schwänzer überhaupt.
Vgl. schulen.
Schule, plur.^ Schwämme, aphtae^
Bräune. Soph. R. IV, 335.
schulen, sw.^ lauem, lauschen, von
der Seite, milztrauisch oder verstohlen
nach etwas spähen oder horchen, schie-
lend sehen. Nhd. schulen verborgen
sein, lauem, holl. schuilen^ 6ngL sctUk^
schwed. skiolka, dän. skulke. Im Altr
friesischen ist schiale^ scule^ schule ein
Friicbbier, Wörterbuch If.
Obdach, eine Hütte. Schulen laufen^
in ein Versteck laufen, sich verber-
gen, schwänzen und zwar zunächst die
Schule. Die Redensart ist also ur-
sprünglich nicht von schola herzuleiten.
Bei uns gewöhnlich Schulchen laufen^
im Götting. schulen gdn die Schule
schwänzen, in der Mark schulaiken^
bei Minden schOlken. Brem. Wb. IV,
708. Schamb., 186b. Hennig, 724f.
SchulkinlS, m. Sie (die Nadrauer)
machen auch ein Gerichte von Haber-
grütze^ so gemahlen und mit Wasser
eingerühret wird^ so sie Czulkinys nen~
nen, Pierson, Matth. Prätor., 110.
Nach Nsslm. Wb., 166a, bei den Li-
tauern ein Gericht von gekochten Erb-
sen und Mohn, die zusammengestampfb
und dann als Brei gegessen werden.
Schulmeister, m. 1. Lehrer. 2. dreieck-
artig auslaufendes fjidnetz an jedem
Flügel des Eurrennetzes, lit. szulmis-
reis. S. Beschreibung und Abbildung
in Benecke, 334f.
Schulz, Schulze, pltd. Schulte, m.,
Vorsteher der Dorfgemeinde. In Dör-
fern, die deutschen Einzöglingen ihren
Ursprung verdanken, war das Amt
erblich, und gehörten 2-— 5 Freihufen
dazu. Der Schulze war der erste
richterliche und polizeiliche Beamte des
Dorfes und vertrat die Rechte und
Angelegenheiten der Gemeinde bei der
Landesherrschaft und gegen die Nach-
barn; er nahm den Zins der Bauern
ein, erhob und führte den Zehnten ab^
übte die niedere Gerichtsbarkeit, von
der er, so wie auch von der hohen,
obgleich er sie nicht selbst verwaltete,
den dritten Teil der Gefalle erhielt.
Für seine Person leistete er den Lehns-
dienst auf einem Rosse. In den preu-
fzischen Dörfem dagegen verwaltete
die Polizei ein Kämmerer, der über einen
21
322
Schalzenbock — Schuppinne.
gewissen Distrikt gesetzt war; er er-
hob den Zehnten und sorgte für die
Erfüllung aller übrigen Leistungen.
Gottschalk, Preulz. Gesch. I, 144;
vgl. auch das. S.84. De Schult mot stne
Näs allenthalwe voran hebbe. Vgl.
Scholz.
Schulzenbock, -keule, -zeichen, s.
KriwQle.
Scbulzenbott, pltd. Schultenbott, m.,
Versammlung der Dorfeingesessenen,
auf Bott (Ladung) des Schulzen. Gr.
Werder. Vgl. KriwQle u. verbotten.
Schulzenhilfe, /., die zum Schulzen-
amte gehörige Freihufe.
Schulzenstab, m., Amtsstock des
Schulzen, aus Rotbuchenholz, 4 Fufz
3 Zoll lang, mit grol'zem neusilbemen
Knopfe, auf welchem der Name der
Ortschaft eingraviert ist, und mit
schwarz weif zen Schnuren und Quasten
umwickelt. Als Zeichen der amtlichen
Wurde, bei festlicher oder amtlicher
Veranlassung vom Schulzen getragen.
Dzg. Nhg. Viol^t, 38. Vgl. KriwQle.
Schulzenzettel, m., in der Dzg. Nhg.
der Zettel, vermittelst dessen die Ge-
meindeglieder ins Schulzenamt vorge-
laden werden. Er enthält den Zweck
der Versammlung. Violet, 37.
Schulz von Tharau — Tbierau — Tiro,
Name des Pirols. Mühling, Tiem.,
177. S. Bierhol.
^humm, m.y Dusel; vom poln. szum
Saus, Sausen, Brausen, und dieses von
dem dtsch. summen (sausen). Schmitt,
110. Er ist im Schumm. Auch ad},:
er ist Schumm.
Schummel, /., Schmeichelname für
ein wildes, listiges Mädchen, wie Hum-
mely das sich kein Gewissen macht,
aUenfalls auch zu schummeln. Trei-
chel.
schummeln, sw., trügen, betrögen. Ge-
wöhnlich beschummein. Davon Schum-
melei, /., listiger Betrug, Falschheit
Schummler, m., Betruger, namentlich
im Kartenspiel. Vgl. fuchern.
Schummer, 7n. 1. Schimmer, Glanz.
2. Dämmerung: Schummerstunde. Vgl
Schimmerung.
schummrig, adj,^ s. schimmrig.
schumpeln, sw,, s. schompein.
Schupauk, 7n., kleiner, dummer Junge.
Ermland. Mühling.
Schupenbrauer, m., s. SchOpe.
Schupertn, /., s. Schuprine.
§chupp, interj,^ schallnachahmend, zur
Bezeichnung eines schnellen Ruckes;
eines kurzen, kräftigen Sprunges,
schneller Thätigkeit; auch ichupptig.
On schupp! tom Fenstet* 'rut VoUcsl.
14, 6, 6. Das geht so Schupp schupp^
sehr schnell.
Schuppe, /., s. SchOpe.
Schuppen, /., s. Schuppinne.
schuppen, sw.^ die Schuppen des
Fisches schabend entfernen. Davon
ein rohes Kinderspiel: der entblöfzte
Arm des Gegners wird mit scharfer
Handkante als Fisch geschabt und ge-
schlagen; letzteres soll die Zerlegung
andeuten. Samland (Wilgaiten). Vgl.
schupsen.
Schuppenbrei, m., Brei aus weiizen
Erbsen mit der Schuppe, Hülle. Vgl.
Schuppinne.
Schupphan, ^n.. Wams. So wahr, as
dit minSchupphun §s. Dorr, 1. Wiew.,
10.
Schuppinne, m., Brei aus weiizen
Erbsen und Graupe oder Grütze; er
wird mit gebratenem Speck und Zwie-
beln und einem besonderen Aufgusse
gegessen. Besonders als Fastnachts-
gericht üblich, doch an einigen Orten
auch als Ernte -Festessen. Der lit.
Name ist szuppinys, m. Si fdie Na-
schuptig — Schajche.
323
drauer) haben auch ein Essen^ so sie
Szuppinnen nennen^ wird gemcusht von
Erbsen, Speck und Gerstengrütze. Pier-
son, Matth. Pr&tor., 110. Vgl. Bock,
Nat. I, 267. Pisanski in den Nachtx.
nennt das Gericht Schuppen. Vgl.
Scbuppenbrei.
ichupptig, interj,^ s. ichupp.
Schuprine, Zuprtne,/., Dem. Schuprin-
chen^ auch bloiz Schupp, m,^ Haarbü-
schel, Haarschopf am Yorderkopf,
StirDScfaopf, lit. czupryna^ czuprynas,
poln. czuprynay russ. czuprun; poln.
czub Schopf, Federbusch^ lett. tschuppis^
zuppis Zopf. In Polen bestand früher
die Sitte, das Haar bis auf diesen
Büschel abzuschneiden, der dann czt^
prina ordinska Hordenschuprine hiefz,
weil man ihn nach Art der tartarischen
Horden wachsen liefz. Lelewel,
Gesch. von Polen. Schmitt, 109.
Einen beim Schuprinchen kriegen^ wört-
lich: ihn beim Schopf fassen, übertra-
gen: ihn gefangen nehmen. Im Sam-
lande auch Schuperfn ; sonst noch Schi-
prfn, Schairran, SchubrQn. Nsslm.^
Forsch. 2; Th., 168. Bock, 62.
Hennig, 248. Vgl. Bernd, 254.
Anton, 12, 22.
Schups, m., schupsen, sw.y s. Schubs
etc.
SchQr, m, u. n., s. Schauer.
schQrfigeln, sw.y schurigeln.
Scbürek, m., der Fliegenschnäpper,
Muscicapa grisola, Pierson, A. W.,
40, hält den Namen für onomatopoe-
tisch, nach dem Geschrei des Vogels;
Nsslm., Th., 168, fragt: etwa scherz-
hafte Benennung von pohi. szurek Schelm-
chen?
Schurgel,/., Eisbahn. Sperber, 36.
schurgeln, sw. 1. scheuem, hin und
her reiben. Mit den Füfzen schurgeln^
auf dem Boden geräuschvoll hin und
her fahren. Davon: Geschurgel, n.
Nach Treichel auch schorcheln. 2.
s.v. a. schorren (s.d.). Schemionek,
37. Sperber, 36.
Schurk, 91}., Hundename. Treichel.
Schurkenbauer, m. Wer nicht ganze
Halben und Stofe auf einmal aussaufen
kannj der ist ein Schurkenbauer^ der
mufz hinter der Thür sitzen bleiben.
Werder. 17. Jahrhundert. Passarge,
218.
SchUrHuch, n., s. Scherdeltuch.
Schurr, m. s. Schmirgel.
Schurrback, m., Fastnachtsgebäck.
HerzensmuttCj fiöe, Däu de DSg to Gäe,
Mutst uns Schurrback make. Schlochau.
Firmenich 1, 118a. Volksr., 222,
790.
schurren, sw. etc., s. schorren.
Schurren, plur. Der Obriste Fititghof
postirte sich mit 1000 Musquetiren und
1000 Schurren in Graf z- Lichtenau.
Hartwich, 381.
Schurrmurr, m., s. Schorrmorr.
SchUrteltuch, n. s. Scherdeltuch.
SchUrwurz,PflzD., Blutwurz-Gänserich,
Tormentiüa erecta L. Auch Dormentill.
Hagen, 542.
Schürze, /., zu Hennigs Zeit in
Königsberg Name für eine Vereinigung
von Mälzenbräuem, die einander bei
ausgegangenem Biervorrat aushalfen.
In der Schürze sein^ dieser Vereinigung
angehören. Ich habe aus der Schürze
das Bier genommen ^ ich habe dem
Schenker nicht von meinem Gebräu
geben können, sondern mul'zte das
Bier für ihn von einem Mitgliede der
Schürze entnehmen. Hennig, 248.
SchUrzkuchen, m., s. Raderkuchen.
Schurztuch, n., s. Scherdeltuch.
^huiche. Dem. Schuschelke^ w. Vom.,
Susanne. Drock an, min Schuschelkcy
passe war Öck dt wol. Dönh.
21 •
324
schüschen — SchulzwasBer.
ichQichen, «tr., schlafen, sanft schla-
fen. Vorzugsweise in der Sprache zu
Kindern. Kindchen wird nun Schüschen
gehn — Schüscfichen machen^ sich schla-
fen legen. Wenn das Kind nicht
schlafen will: Schüich^ de Bar kömmt!
Statt schlichen, jedoch selten, auch
sOsen. einichQichen, 8w,y einschläfern,
durchsingen eines Schlummerliedes oder
auch nur des Wörtchens schü oder
schtUchj oder schüiche^ siise ein Kind
in den Schlaf bringen. Vgl. die mit
diesen Wörtern beginnenden Wiegen-
lieder in den Volksr., 31 ff.
ochQichkehmen, fingierter Ortsname
mit der provinziell üblichen Bindung
kehmen aus ichüichen. Nach Schüich-
kehmen reisen, schlafen gehen.
^chQichd,/, Wiege, Kinderbett über-
haupt. Vgl. Hahä, Wi§che.
SchQschQ, m., s. SchQ.
Schüsel, m.y 8cbd8eln, sw., schdslig,
adj.y s. Schösel etc.
SchUS8eldainm, m., Strafzenname in
Danzig, eigentlich Schüttel (aufgeschüt-
teter) -Damm. Löse hin, 45.
SchUsselpfennig^m., Geizhalz. Schimpf-
wort. Stein, Peregrinus, neben Drück-
Pfennig (s. d.)
Schustaky m., ehemaliges Zwei-Silber-
groschenstöck, Sechser. Das poln.
azöatak. Die beiden Arbeitsleute, die sie
gebraucht hatte, foderten jeder zwei
Schustak. Soph. R. I, 17.
Schuster (u kurz), m. 1. Schuh-
macher. Neckreime auf ihn s. Volksr.,
82, 334 f. Sie hat ihm den Schuster
gegeben, den Abschied. IJeber dem
Schuster ab dem Apotheker. Sprw. II,
2431. 2. Maikäfer, Mehlaniha vulga-
ris, wenn er schwärzlich gefärbt ist.
Ist er rotbraun, so heii'zt er Rotgerber;
Müller wird er genannt, wenn er weifz-
lich aussieht und mit feinen weilzlichen
Haaren bedeckt ist. Mühling. 3.
Schabe, Schwabe oder Franzose.
Schusterblume,/., s. Lebensbaum.
Schusterjunge, m.y Salzfladen, das or-
dinärste Fladengebäck zu einem Pfen-
nig. Der Name rührt wohl daher,
dafz es von Schusterjungen vorzugs-
weise gekauft wurde (wird?) Königs-
berg.
schustern, sw, 1. als Schuster arbei-
ten. Nach Hennig, 249, noch mit
dem Zusätze: „ohne das Meisterrecht
gewonnen zu haben." 2. durch Flicken
und Zusammenstecken ein Gerät fertig
machen; daher oft auch zusammenachu-
stem. 3. Einen schustern, ihn bald
hierhin, bald dorthin schicken. Ma-
rold. 4. nach Mühling schlecht fort-
kommen, sich stümpern, Verlust haben.
Daher: einscbustem. Brem. Wb. IV,
667. In Hessen zuschustern ZubuCze
thun. Vilmar, 375.
SchusterOrt, m., Schusterpfriem.
Schusterstuhle, plur,, die mit der
Sense abgemähten Stiele der Binse,
Juncus L. Treichel, Veiksth. HI.
Scbusterwurzel, /., Wurzel von Bal-
drian, Valeriana (offidnaiis ? H e n n i g ,
249, hat sävestris, welchen Namen
Garcke und Leunis nicht aufiFuhren).
Schutz, m. 1. Rausch. Er ist im
Schufz, er ist betrunken. Er hat einen
Schuf z weg, dasselbe, oder auch: er ist
nicht bei gesunden Sinnen; er ist ver-
liebt. Er nahm die Tochter mit, und
das war sehr gut; denn ich glaube, dafz
ich schon im vorigen Jahr einen Schus
weghatte, Soph. R. I, 645. Vgl. Schofz.
2. Schufz und los, mache, dafz du end-
lich zustande kommst! Bildlich für:
Gieb einen Schui'z ab und dann laufe.
Treichel.
Schufzwasser, n., Medik., Mixtura
vtdnerum acida.
Bchüte(n) — schwabbendig.
325
SChOtefn), üblicher 8chete(n), st, schie-
izen, engl, to shoot Gordack.
SchOter, m., s. SchQ.
schutem, sw., tauschen, kuppeln (s. d.)
SchOisch, m., s. SchQ.
Schutt, /., s. Schud.
Schutt, Schutt, Schütte, SchHte, SchStt,
Schutz, Schutze,/., WeberschiflPchen. Von
schiefzen,
SchOttel, m,, das kalte Fieber, nach
Muhling die Epilepsie. Da/z dich
der Schüttel schände ! Hennenberger.
In Bayern Schüttler*. Schmeller III,
420.
schütten, pltd. schSdden, sw. 1. Ge-
treide auf den Fruchtboden, in die
Schüttung j bringen. 2. zur Bezeichnung
desKömerertrages: der Roggen schüttet
in diesem Jahre gut
Schütter-, SchUdder-, Schuddergaffel,
/., aus Holz gearbeitete Strohgabel. S.
Gaffel.
schUttern, sw,, schütteb. Feststehen-
des in zitternd schwankende Bewegung
bringen. Am Tisch — mit dem Tisch
schüttem, •
SchUthing, /., das Aufgeschüttete; in
Speichern und Scheunen der Raum, in
dem man das ausgedroschene Getreide
aufschüttet.
Schutz, /, s. Schutt.
Schutze, /., s. Schutt u. Schutzerei.
Schutze, /., das Schützbrett, durch
das man das Wasser in einem Gerinne
staut oder abfliefzen läfzt. Die Schütze
an Mühlenschleusen.
schützen, sw,y das Wasser in einem
Gerinne anstauen, andämmen.
Schutzerei, /., früher ein Gefängnis
in Königsberg, nahe am Nordwestturme
des königlichen Schlosses. Es hiefz
so, weil ursprünglich Hakenschützen
dort die Wache fahrten; auch später
noch hiefz der Gefängniswärter Schutze.
Bock, 61. Hennig, 250.
schüwen, schUwen, ^., s. schOen.
schUwerig, adf.y s. schUerig.
Schuwit, m., s. SchuwuL
Schuwut, Schufut, Schuwit, Schubut,
Schubit, m,y Eule, vornehmlich der
Uhu, Stria Bubo, franz. chouette. Vgl.
Bock, Nat. IV, 280. Nsslm. F. 2,
fragt: Etwa zum poln. sowa, russ.
sowä Eule gehörig, mit einer der lit.
-üte\ -yii entsprechenden Deminutiv-
Endung? Nach Hennig, 247, &Aw-
but auch ein in den Kleidern unordent-
licher, häfzlicher Mensch.
Schwabbelei, /., Geschwätz; unver-
ständliches, unnützes, weitschweifiges
Gerede. Von schwabbeln.
Schwabbelhans, m., Hans, der schwab-
belt, Schwätzer. Von schwabbeln.
schwabbelig, adj. 1. schwatzhaft Von
schwabbeln. 2. zitterig, bebend. Von
Schwabben. Nach M ü h 1 i n g auch unwohl.
Mir ist so schwabbelig. Vgl. wabbelig.
schwabbeln, sw, 1. schwatzen, viel
und dabei meist Dummes reden, unver-
ständlich und weitschweifig reden. Dem
Sinne nach verwandt mit ichabbem, sab-
bernySchlabbern,schwaddern.hesc\XH9bh^\nj
beschwatzen. Endlich hebV vn en be-
schwabbelt Nowack, 41. 2. Flüssig-
sten überlaufen lassen. Schemio- Ji-
nek, 37. 3. s. v. a. schwabben.
Schwabben, 9U7., beben, zittern, schwan-
ken, dem Druck nicht widerstehen; von
fetten, weichen, feuchten Körpern, sum-
pfigem Boden. Mühling. Er hat in
diesem Sinne auch schwabbeln. In
Bayern schwatten, schwattig, schwättig,
Schmeller HI, 552.
schwabbendig, adj., voll bis zum
Überlaufen; von Flüssigkeiten. Der
Eimer ist schwabbendig voll.
326
schwach — Schwager.
schwach, adj.^ onbemittelt. DatS si
ock to schtoachy das geht über mein
Vermögen, das kann ich mir nicht an-
schaffen.
schwachöwo, polonisiertes zchwach.
Das ist man schwachdtoo,
Schwad, Schwaty m. u. n., der Schwa-
den. 1. so viel Gras oder Getreide,
als mit einem Sensenhiebe gemäht wird.
2. die niedergelegte Reihe von Gras
oder Getreide, welche dem Mäher zur
linken Hand zu liegen kommt. Das
Ghras liegt auf dem Schneid. Er mäht
ein tüchtiges Schwad^ er ist ein tüch-
tiger Mäher. Wenn ein solcher die
Binderin seines Vordermannes über-
holt, so rott hei e BoU op. Vgl. bullen.
3. die Breite, die der Schnitter beim
Mähen mit der Sense bereichen kann.
— Übers Schwad hatten^ über die Schnur
hauen, in der Rede aus Übereilung zu
weit gehen. Im Götting. swad und
swed; im Nds. ist swade eine Sense.
Brem. Wb. IV, 1107. Schamb., 220a.
Hennig, 250.
Schwadder, m., der durch Regen
gebildete flüssige Stralzenschmutz. Vgl.
Quadder.
schwaddern, sw, 1. überschwanken,
überfliefzen, vergiefzen; von Flüssig-
keiten. Davon Über-, verschwaddern.
Geschwadder, n. 2. stark regnen.
Es schwaddert nur so, es regnet hef-
tig, giefzt. 3. unüberlegt schwatzen,
schwadronieren, unnützes Zeug reden.
Doch worto schwadder eck von dynar
Lotke hyf Carm. nupt V, 48c. Öhner
kroch öm Huy fiux Lost dissem hübsche
Paar wat västoschwaddre. Ibid. 145 a.
In Bayern in der Bedeutung von 1
und 3: schwadern, schwedem, schwidem,
Schmeller IH, 529. Bock, 62.
Hennig, 251.
Schwaddemarech, m., Narsch, Arsch,
der schwaddert. Schimpfwort. Schwad-
demarsch os min Sinndagmord. Weh-
lau.
Schwade, Zuruf an Zugtiere, s. SChwod-
der.
Schwaden, m. 1. Samen des Enten-
grases, Poa fluitans L. 2. das Gras
selbst. Der Same wird, mittels eines
Siebes, geschöpft, gereinigt und zur
SchwadengrUtze gestampft. Bei Volks-
festlichkeiten (Hochzeit, Kindelbier,
Zarm) war früher dickgekochte Sckwor
dengrütze mit Kaneel und Zucker all-
gemein stehendes Gericht; jetzt ist, in-
folge der Trockenlegung der Sümpfe,
in denen der Schwaden vorzugsweise
gedeiht, die Schwadengrütze knapper
geworden, und nehmen Gerstengrütze
und Reis ihre Stelle ein. Poln. heilzt
der Schwaden manna, lit. sorca. Hier
ist nicht vorbei zu gehen das Manna
Prussicumy so man preussisch mannu
oder Schwadengrütze nennt Pierson,
Matth. Prätor., 111. .,.die nahrhafte-
sten Klee- und Grasarten und darunter
die Schwade als das preussische Manna.
Bock, Nat I, 534. Hennig, 250.
schwadig, schwatfa'g, adj,, einen Schwat
breit. Won Schwad S. Nach Mühlin g
gehört zur Stadt Graudenz ein Acker-
feld, das die Elfschwatten heii'zt, also
eine Breite von 11 Schwat hat. In
dortigenSubha8tations-Anzeigen(Quelle
nicht angegeben) heiüt es : Ein Grund--
stück, bestehend aus einem Hause, einem
Stalle, einem Ackerstücke in den Elf-
schwatten, soll etc.
Schwager, m. 1. PostiUion. Auch
hat der Schwager (^denken Sie! so nennt
man den Postillon) seinen Achtehalber
richtig verzehrt, Soph. R. I, 5. 2.
Kouleur mit'm Schwager. Beim Karten-
spiel, wenn der Kouleurspieler sich
Pik- As zu Hilfe ruft. Treichel.
schwäken — Schwann.
327
schwäken, su?., schwanken, unsicher
und schwankend, wie ein Kranker, ge-
hen. Er schwäkt
Schwalbenäugchen, pltd. SchwalmOgken,
Pflzn., Stiefmütterchen, Viola ti^olcr
L. Treichel, Volksth. IIL Na-
tangen.
Schwalbenkraut, n., kleines^ stinkender
Storchschnabel, Geranium robertianum
L. Hagen, 720.
Schwalbenzagel, pltd. Schwälkenzagel,
?w., unechter Ehrenpreis, Veronica
spuriaL, Hagen, 16. NachPritzel,
433, auch V. spicata L,
Schwälchen, pltd. Schwälke,n., Schwal-
be. Im Samlande und in Westpr. auch
Schwalm, Schwalmke. In Bayern eben-
falls Schwalm. Schmeller UI, 536.
De Schwälke drog den Dreck herut.
Volksr., 52, 198. Vergnogt de Schwalm
sickbut Viol^t, 197. Volksl., 1, 1, 3.
Elck häbb de Schwohlkes flöge sehn\
Nowack, 82. Ahd. swalmody swalwd^
mhd. swalewe^ swalwe. swai^ angs, swale-
tvCy engl, swallowy holl. zwalwuo^ dän.
suale^ schwed. swala. Brem. Wb. IV,
1110. Schade, 900b. Bock, 62.
Hennig, 251.
Schwalk, m.y Schwärm. Sperber,
29.
schwalken, sw., wallen, umherziehen,
sich aufhalten. Wo mögen die jetzt
schwalken^ wo mögen die jetzt umher-
ziehen, sich aufhalten? Pillau. Bei
Jeroschin swalc, m. - Welle, fluctus^
undae. Pfeiffer, 230.
Schwalm, m, 1. Schwann. Bienen-
schwalm. Ebenso in Bayern. Schmel-
ler UI, 536. 2. Schwalbe, s. Schwäl-
chen.
schwalmen, sw.^ schwärmen. Dönh.
Schwalmke, n., s. Schwälchen.
schwameln, schwammein, suu^ s. schwei-
meln.
Schwammdose, /., AbguTz an der Ta-
bakspfeife. Vgl. Schlammkasten.
Schwammklopper, m,^ Klopfer des
Feuerschwamms. Scherz- und Neckwort.
Königsberg.
Schwanz, tt»., Teil der Zoche (s. d.)
schwänzen, sw,^ betrügen. Bock, 62.
Schwanzkowski, 7n., mit poln. Endung
gebildeter Name für einen einfältigen,
albernen Menschen.
schwappendig, adv. Schwappendig voll,
voll bis zum Uberfliefzen ; auch schwab-
bendig,schweppendig,schwibbendig, schwip-
pendig. Vgl. rappelndig.
Schwapps, interj.y schallnachahmend;
zur Bezeichnung des Tones, den ein
scharfer kurzer Schlag hervorbringt;
schnell, hurtig, behende. Schwapps
bekam er eins hinter die Ohren, Schwapps
schlug er ihm die Thür vor der Nase
zu. Hennig, 238, bezeichnet das Zu-
fallen des Schlosses durch die Interj.
schnapps (von schnappen). Schnapps
war die Thür zu.
Schwark, Schwärk, Schwärke, Schwerk,
/. 1 . dunkle Wetterwolke, Regen- oder
Gewitterwolke, namentlich eine plötz-
lich aufsteigende, lit. szwerkis. Ge-
witterschwark; Windschwark; Laufschwark,
eine eilende Regenwolke. On weinich
schint de Sinnke dorch de Schwärke.
Königsberg. Firmenich I, 101a.
Lät de Schwärke undergäne, Lat de
Sonnke wedderkäme! Volksr., 48, 184.
Bock, 62. Hennig, 251: Schwärke.
schwanken, schwanken, schwenken, sw.
Es schwarkty es ziehen sich Schwärke
zusammen, der Himmel bewölkt sich
und droht mit Regen.
Schwankenschieben, m.y wie Wolken-
Schieber^ zur Bezeichnung eines hohen
Cylinderhutes,eines unförmlichenFrauen-
hutes. Oberland.
Schwanm, m., Bienenschwarm. Ein
328
Schw&rte — Schwauks.
Schwann im Mai gleicht einem Fuder
HeUj ist ein Fuder Heu wert. Ober-
land.
Schwerte, /. 1. dicke Haut, nament-
lich der Schweine: Schweineschwarte.
Bei Jeroschin auch Menschenhaut:
üf des houbtis swarte 128d. Pfeiffer,
231. Mauen^ da/z die Schwarte knackt
2. die schmalen, plan-konvexen Seiten-
bretter eines der Länge nach zerschnit-
tenen Baumstammes. Lit. szworta die
Brettschwarte. 3. Binde. Ji Keesschwart
(Käseschwarte)! Dorr, L Wiew., 8.
schwarz, adj.j unrein, unsauber.
Schwarze Wäsche, unreine Wäsche.
Schwarzball, m., ELienrufz. Nach
Mühling auch Paudelschwarz, n.
Schwarzbauch, m., Fischn., s. Nase.
Schwarzbier, n., s. Bier.
Schwarzbrachen, n., eine wiederholt
durch Haken und £ggen vorgenommene
Bestellung des Ackers in der Niede-
rung, wodurch das sich zeigende Grün
entfernt wird und der Boden in reiner
Schwärze erscheint. Vgl. Bock, Nat.
ni, 1012.
Schwarzbrot, n., s. Brot
Schwarzgrundel, /., Gobius niger L.
Schwarzhaus, m,, der vom Rauch ge-
schwärzte geräumige Hausflur in den
alten Häusern der Litauer, denen meist
der Schornstein fehlt. Der Raum dient
im Sommer als gemeinsamer Aufent-
halts- und Speisesaal. Vgl. Hau« 1.
Schwarzkümmel, ?»., gemeiner Küm-
mel, Carum carvi L, Hagen, 334.
Schwarzlachs, m,, s. Lachs.
SchwarzOrt, Dorf auf der Spitze der
kurischen Nehrung; wörtlich: schwarze
Spitze, von dem dunkeln Kiefemwalde.
Vgl. Ort
Schwarzrock, m., Spottname für den
Geistlichen, nach der Farbe der Klei-
dung gewählt. . . . und ich bin der
Schwarzrock, den dies Hohngelachter un-
fehlbar treffen würde. Soph. R. D^ 150.
Gut, gut: der Schwarzrock . . . Ibid. V,
161.
Schwarzsauer, pltd. SchwarisQr, n., Ge-
richt, Gänseklein mit Keilchen (Klöizen)
in Gänseblut gekocht; man bereitet es
auch aus dem Geschnörr der Enten.
Attrap4, Monsieur Schwarzsauer! Kö-
nigsberg. Diese Redensart, die hin
und wieder noch gehört wird, basiert
auf folgender Erzählung. Zur Zeit des
unglücklichen Krieges wurde in der
Provinz einem Franzosen ein Gericht
Schwarzsauer vorgesetzt, das man aus
dem Keller heraufgeholt hatte. Auf
seine Frage nach dem Namen der
Speise, erfahrt er denselben. Während
des Essens hüpft ein Frosch, der in
die Speise geraten und völlig über-
schwärzt war, aus derselben hervor.
Der Franzose, fürchtend, daTz ihm ein
fetter Bissen entwische, gabelt den
Flüchtling mit den Worten: Attrapi^
Monsieur Schwarzsauer!
Schwarzsonnabend, m., der Sonnabend
vor Ostern. Wahrscheinlich, weil er
der letzte Tag ist, an dem Altar- und
Kanzelbekleidung schwarz sind. An
diesem Tage werden alle Hausgeräte
gereinigt. (Im kathol. Ermlande ge-
schieht solches, oft mit Ostentation ge-
gen die Protestanten, am Karfreitage.)
Vgl, Blaumontag.
Schwarztanne, /., s. Tanne.
Schwarzwurzel, Pflzn., Wallwurz, Sym-
phytum offidnale L, T r e i c h e 1 , Volks-
thümliches.
Schwat, m. u. n., s. Schwad.
schwattig, adj,, s. schwadig.
Schwätzchen, n., von schwatzen, Plau-
derei, gemütliche Unterredung. Ein
Schwätzchen machen. Treichel.
SchwaukSy m., Gulz, der mit gewissem
schwauksen — schweiuigelD.
329
Schwünge and plötzlich fallt. StoFzt
mau an einen gefüllten Wassereimer,
so überstürzt sich ein Teil des Wassers
mit einem Sckwauks. Das Wort be-
zeichnet den eigentümlichen Ton, den
eine derart vergossen c Flüssigkeit her-
vorbringt. Vgl. Plauksch.
schwauksen, stv , Flüssigkeiten iiu
Sckwauks vergiel'zen. Ebenso Über-,
verschwauksen. Ein ungeßchickter Was-
serträger schwankst^ verschwauht
Schwebsei, n., die im ausgedroschenen
Getreide zurückgebliebenen Stroh-,
Ähren-, Hülsen-, Mutterkomieste. Sie
werden zunächst mittels einer Harke
entfernt und heilzen dann auch Ab-
harksel; die feineren Überbleibsel sind
das eigentliche Schwebsel^ weil sie mit
einem gestielten Gänseflügel abgeschwebt^
leicht abgefegt werden. Treichel.
Schwedenschanze, /., wallartige Er-
höhung, die irrtümlich den Schweden
zugeschrieben wird. Von slav. 9vet^
lit. szventas heilig. Vgl. Passarge,
Balt., 28.
Schwefellicht, n , Licht von Schwefel,
Schwefelfaden zum Anzünden des Lich-
tes. Als noch die Paherzeuge (s. d.)
in Gebrauch waren, wurden ä\Q Schwefel-
lichte in Königsberg auf den Strafzen
ausgerufen. Aus jener Zeit stammt der
nachfolgende Reim:
Sckweflichty Schwef licht, Wockeseide,
Schwe flicht, Schwe flicht, Hüsgerat!
Hadd' öck nich e Mann gename,
Brukt öck nich möt Schwe flicht gäne.
Schwe flicht, Schwe flicht, Wockeseide!
SchwSfspOn, m., s. SchwenkspOn.
Schweike, /., Pferd; Stute? 1401 eine
Schweyke 3 ML 1408 ein Hengst 16 Mk.
Hirsch, 259.
schweimeln, sw,, s. scheiweln.
Schweimer, m., Vogelname, s. Kohl.
schweinedreist, pltd. schwtndrTst, adj.,
dreist wie ein Schwein. Dat os Schwin-
dristigkeit, das ist rücksichtslose, un-
verschämte Dreistigkeit
schweinedumm, adj,, dumm wie ein
Schwein. Zur Bezeichnung grol'zer
Beschränktheit.
Schweinegras, n., Vogelknöterich, Po-
lygonum aviculare L, Treichel, Volks-
thümliches II.
Schweinejagd, /., das Marktrecht für
den Auftrieb von Schweinen zum Ver-
kaufe. Treichel.
Schweinekest, /., s. Kest.
SchweinenUsse, Pflzn.^ Knollen an der
Wurzel von Equisetum palustre und
arvense. Sie werden ihres süfzen Ge-
schmackes wegen von Kindern gegessen;
aach die Schweine^ welche sie durch,
den Geruch unter der Erde entdecken
sollen, sind darnach begierig. Hagen
hält die Nüsse für eine Art von Trüf-
feln. S. Hagen, 1080. Treichel,
Botan. Not. II; Volksth.
Schweinepriester, m., Schimpfwort.
Treichel.
Schweinevesper, f, u. n., Imbil'z zwi-
schen Vesper und Abendbrot, etwa um
die 6. Stunde, in welcher die Schweine
vom Felde nach Hause getrieben wer-
den. Einen zum Schweinevespet' be-
suchen,
Schweinhund, m., Schimpfwort.
Schweinichen, Pflzn., s. Gänsichen.
Schweinigel, m. 1. Sauigel, Erincu;eus.
2. Stachelschwein, Hystrix, 3. ein in
hohem Grade unreinlicher, unsittlicher
Mensch. Sich zum Schweinigel machen^
sich betrinken. Als Schimpfwort be-
liebt; ebenso: Schweinhund, Schwein-
pelz. Vgl. SaunTgel.
schweinigeln, sw., wie ein Schweinigel
thun^ obscön reden, Zoten reilzen.
330
Schweinkraut — Schwenker.
Schweinkrauty n., Calla palustris L.,
weil es von Schweinen gern gefressen
wird. Hagen, 406. Pritzel, 73.
Schweinsbohne, /., Vicia faba L. Man
steckt am Neujahrstage zwei Schweine-
bohnen für sich und die Geliebte des
Herzens (oder das Mädchen für den
Liebhaber) unter den Balken der Stu-
bendecke. Grünen beide aus, so folgt
Hochzeit; verdorren beide, so tritt der
Tod zwischen das Paar; grünt eine
aus, und die andere verdorrt, so stirbt
einer, der andere aber heiratet ander-
wärts. Volkskal, 49.
Schweinsdreck, 7n., Exkremente des
Schweines. Pai^ Pui^ Schwtnsdreck!
Besegnende Redensart bei herannahen-
dem Wirbelwinde, wobei man ausspeit.
.Im Wirbelwinde fahrt nach dem Volks-
glauben der Teufel und bringt allerlei
Krankheiten mit; durch obigen Zuruf
verekelt er sich an dem Ausrufenden
und läfzt ihn unbelästigt. Vor Schweine-
dreck soll der Teufel überhaupt Furcht
haben. Es existiert der Glaube noch
vielfach, dal'z Nervenfieberkranke vom
Teufel besessen seien. Man lege nur
Schweinedreck ins Krankenbett und der
Teufel wird weichen. Sprw. I, 3448.
Schweinskopf, m. 1 . Kopf eines Schwei-
nes. Zu Fastnacht Mittag giebt's ge-
räucherten Schweinskopf mit Sauer-
kraut. 2. Dummkopf. 3. liausch. Ei*
hat sich einen Schweinskopf gekauft^ er
hat sich einen Rausch angetrunken.
Sprw. I, 445. 4. bei Stein, Peregri-
nus UI, 3, ist Schweinskopf unter den
musikalischen Instrumenten aufgeführt.
Schweinstall, m. Der SclmeinstaU ist
ofen^ wenn die Hose vom oflPen steht;
namentlich in früherer Zeit üblich, als
man die schmale Kiapplatze trug.
SchweHzblut n., s. SchweizbluL
Schweifzwurzel, Pflzn., grofzblättriger
Huflattich, Tussilago petasites L. Vgl.
Lottchenblatt, Hagen, 867.
Schweizbfut, richtiger wohl Schweifz-
blut, n., das geronnene Blut, welches
man beim geschlachteten Schwein in
der Nähe des Herzens tindet.
Schweizertuch, n , angeblich Tuch,
wie es die Schweizer tragen; dreiecki-
ges, rotes, bedrucktes Halstuch, das im
Werder von den Mädchen getragen
wird, das Schwtzei'dök.
SChw6l(en, sw., schwanken, wanken,
taumeln. Schweken^ as wenn Iie besä-
pen es. Dorr, Driewjagd.
Schw6l(sp0n, m.^ s. SchwenkspOn.
SChwSlen, sw. 1. glimmen^ versteckt
glühen, ohne Flamme brennen, s. v. a.
schmolen. Lit. swelinti. In den Raucher-
kaulen auf der kurischen Nehrung wer-
den Fische über schwelenden Kiefer-
zapfen {Schischken') geräuchert. 2. trin-
ken und trunken sein. Er schwelt^
glüht trunken. Hennig, 251. 336. 3.
im Geiste dämmern, hell werden. Ei
schwelt em. Auch in dem Sinne : bange
sein. anschwSlen, zu schwelen beginnen,
zu glimmen anfangen.
Schwellenschlepper, m,^ Klätscher, der
Tagesgeschwätz von Haus zu Haus
trägt. Auch: Schleppschinic
schwellenschlepperig, adj,, klatschhaft.
Schwellenschlepprige Sau! Schimpfwort
auf ein klatschsüchtiges Weib, oder auf
ein solches mit übennäizig grol'zen
Brüsten, die gleichsam bis auf die
Schwelle reichen und nachschleppen.
Königsberg.
Schwellinen, Ortsn., Vorwerk im Kirch-
spiel Mühlhausen, Kr. Pr.-Eylau. He
ÖS de Farr von SchwelUne, als Fopp-
wort gegen eingebildete und wichtig
thuende Leute.
Schwenl(er, m., von schwenken^ einer,
der schwenkt oder das, was geschwenkt
Schwenkspon — Schwim.
331
wird. In letzterer Bedeutung ein Klei-
dungsstück für Frauen und Männer.
Der Frack heilzt im Volksmunde Qua-
drillenschwenker. Auch zu den (Jon-
tuschen und Schwenkern (mul'z noch
Zeug zugekauft werden), denn sie sind
jetzt kürzer in der Taille und im Gan-
zen eine gute Elle länger. Soph. B.
VI, 560. Für Posen s. Bernd, 282.
Vgl. Flatterer.
Schwenkspon, SchwekspOn, QuSkspOn,
SchwSwspOn, Schwtepon, m., der schwen-
kende, schwebende Span^ Teil am Wa-
gen: der die finden der Deichselarme
verbindende Holzarm, welcher unter
dem Langbaum die nach rechts und
links schwenkenden Bewegungen der
Deichsel regelt. Weil er dabei hin
und her rutscht, heii'zt er auch Rutsch-
holz.
Schwentgeschworener, m., s. LAke.
schweppendig, adv.^ s. schwappendig.
schwer, pltd. schwär (a = ä)^ adv. u.
adj.^ sehr, erheblich, bedeutend. Er ist
schwer betrunken. Ich werde mich aber
schwohr wachten (sehr hüten), ihm mor-
gen vor Augen zu kommen, Soph. R. V,
612. Dat deit ml schwär let Königs-
berg. Firmenich I, 102a. Et ös all
schwoa sea lang hä^ es ist all schwer
sehr lange her. Boldt, 10. Wat for
ne schwere (grol'ze) Meng von garstgen
Fehlem. Dorr, 1. Wiew., 77.
Schwereangst, /., schwere Angst^ als
Ausruf der Verlegenheit, Verwunde-
rung. Ebenso: Schwerebrett, Schwere-
noL Schwere Not in Hessen die Epi-
lepsie. Vilmar, 378.
Schwerenöter, m.^ Person^ die einem
schwere Not gemacht hat, Taugenichts,
miserable. Ists denn aber nun mit dem
Schwemöther zu Ende? Soph. li. VI,
212. Meist doch in scherzendem und
wohlwollendem Sinne von einem Mun-
tern, Anstelligen, Kunstfertigen.
Schwerenotnägel, plur., als Fluch.
Den Schlfissel hcTj und den Augenblick^
oder die schweren^nothndgel sollen . . ./
Soph. R. VI, 208.
Schwerk, /., schwerken, au?., s. Schwark
etc.
SchwtopOn, m., s. Schwenkspon.
Schwetz, Ortsn., Stadt an der Weich-
sel mit einer Irren-Heilanstalt. Er ist
reif für Schweiz. Sprw. I, 3113.
SchwSwspOn, m., s. Schwenkspon.
schwibbendig, adv.^ s. schwappendig.
Schwibschen, n., s. Schwipps.
Schwidda, Schwidder, m.^ s. Schinder.
schwieren, sio., s. schwtren.
Schwierigkeit, m., s. das folg.
Schwieriichkeit, Schwierigkeit, /., Mög-
lichkeit, Vermögen, Kraft^ Können.
Aber ich fege sie (die Advokaten) nach
der Schwierlichkeity nach der Möglich-
keit. Soph. R. V, 583. Nach der
Schwierigkeit essen, trinken, tanzen, sich
amüsieren.
SchwTm, SchwTmel, m. 1. Schwindel,
Ohnmacht. Schwtm haben. Em kern
de Schwtm an. S. Nif. Einen SchwU
mel bekommen. 2. Trunkenheit. Im
Schwtm sein — einen Schwtmel haben,
beschwtmelt sein, betrunken sein, aber
auch: ein Schwtmel sein, ein liederlicher
Mensch, ein Säufer sein. In diesem
Sinne auch SchwTmler; in gleicher Be-
deutung SchwTmelfritze. Davon schwT-
melig, adj.y schwindelig, schwtmen, sw.,
matt, kraftlos, wankend^ halb ohnmäch-
tig einhergehen; in Ohnmacht fallen,
letzteres gewöhnlich beschwTmen, be-
schweimen. In erster Bedeutung auch
schwTmefn; dieses doch auch: wie ein
Schwtmel liederlich und ausschweifend
leben. verschwTmeln, sein Geld mit
332
Schwimmbauni — schwirbeln.
Schwtmeln durchbringen; durch Schwt-
mein herunterkommen, verderben. B}r
ist ganz verschmmelL
Schwimmbaum , m. , schwimmender
Baumstamm, Rundholz, am Lachswehr,
der die obere Simme des Netzes tragt
und worüber die Fahrzeuge mit Leich-
tigkeit hinweggehen. Benecke, 381.
SchwimmbrQch , m, , schwimmender
Bruch, wandernde Insel aus leichtem
Erdreich, „die aus Wurzeln, Sprock,
Schilf, Rohr, Blättern, Gras und allerlei
Vegetation, aber aus wenigem Erd-
stoff zusammengesetzet ist.^ Bock,
Nat. I, 423.
schwTmschlachten, m,^ s. schwtmschla-
gen.
SchwTmschlag, m. 1. Schwindel, Hsm-
mel = Schwtm. 2. Mensch, zur Ohn-
macht geneigt, vom Schwindel befallen,
schwankenden, taumelnden Ganges. 3.
Trunkener. Er geht im Schmmschlag.
schwTmschlagen, st^., nach Gordack
auch -schlachten, schwindelig oder trun-
ken hin und her wanken, in Ohnmacht
sinken. Ok schwimschlagt de arme Jung
ommer hen on her. Kgsbg. Firme-
nich I, 102a. Li der Gegend von
Saalfeld schwTmschwanken.
SChwTmschlagig, adj., vom vor. Auch
schwTmschlagerig. Mi ös so schwtmschla'
gerig to Atod. Hennig^ 2b2: schvnmm-
schlagig.
Schwindelhede, /., s. SchwingelhMe.
Schwinge, /., flacher, länglicher, offe-
ner Futterkorb. Schemionek, 38.
Schwingel, /., Flachsschwinge, Gestell
mit messerartigem Schwingholz zur
Flachsreinigung.
Schwingelhede, /., die gröbsten Teile
des geschwungenen Flachses, Werg.
Auch SchwinghSde und SchwindeIhSde.
Sie haben statt Betten ein Bund Stroh
und von grober Schwindelheede ein La-
ken und eine Zudecke. Pierson, Matth.
Prätor., 113.
schwingein, sw.^ von schmngen: den
Flachs mit der Schvnngel schlagend
reinigen.
SchwinghMe, /., s. SchwingeIhSde.
schwippen, sw,^ wippen, elastisch be-
ben; vom Boden. Das Moor schwippt,
schwippendig, adj.^ s. schwappendig.
SChwipps, interj., schnell, behende,
geschickt. Vgl. Schwapps.
Schwipps, m,y Dem. Schujippschen,
kleiner Bausch. Er hat einen Schwipps,
ein Schwippschen, Bock, 63, u. Hen-
nig, 251, schreiben Schuoibschen.
Schwipser, m., Fehler. Schwipser
machen.
SchwTr, m. 1. Wendung, Schwung;
sehr häufig aber gewöhnlicher Gang
einer Sache. Einer kommt hinter den
Schmtr^ er lernt den gewöhnlichen
Gang der Geschäfte kennen, gewinnt
Routine. Er hat seinen eigenen Schwir
in einer Sache^ er hat seinen eigenen
Gang, seine eigene Methode und Wen-
dung, z. B. beim Klavierspiel, im Tan-
zen. Danzig. Klein II, 150. In
gleichem Sinne in Bremen Swier, hell.
zwier, Brem. Wb.IV, 1124. 2. Rausch.
Er ist im Schwtr^ er ist trunken. Vgl.
schwtren 2. Im Holstein, ist Schwtr
ein Trinklied. Schütze IV, 238.
SchwTrbel, m. 1. Wirbel, verworrene
Menge, Schwärm, konfuser Lärm. 2.
Rausch. Er ist schon toieder im Schwir-
bei. Vgl. Schmeller HI, 548.
schwirbeln, sw. 1. wirbelnd, in wirrer
Menge sich bewegen. Li einer unru-
higen Schulklasse schwirbeln die Kinder
umher. Ihm schwirbelfs im Kopfe, seine
Gedanken bewegen sich wirr durch-
einander, er ist konfus, weifz nicht aus
scbwirbelig — schwul.
333
noch ein. 2. trunken umherschwärmeD. In
Bayern auch schvmrbeln, Schmeller
III, 548.
schwirblig, adj. vom vor., wirr, wild,
konfus, trunken, schwindelig.
Schwtrbrader, m., s. SchmTr und
SchwTrer.
schwTren, schwüren, 8t£7. 1. seitwärts glei-
ten ; vorzugsweise von Schlitten auf glatter
Schnee- oder Eisbahn. Der Schlitten
schwtrty schleudert seitwärts in flGchtigem
Schwünge. Fischerkähne schwtren^
schwüren^ wenn sie mit vollem Segel
oder Winde fahren und das Keitelnetz
ziehen. Ygl. Keitelfischerei. 2. herum-
schweifen, schwärmen, von Wirtshaus
zu Wirtshaus taumelnd ziehen. Er
hat diese ganze Woche geschmrt Vgl.
SchwTr. Lit. smyruju^ suyr&ti schwan-
ken, taumeln ; holl. zwieren schwärmen,
dän. mr^, in Bremen, in Pommern,
im Götting. swiren. Brem. Wb. IV,
1125. Dähn., 480b. Schamb., 223a.
Nsslm., Forsch. 2. Bock, 63. Hen-
nig, 252.
SchwTrer, SchwTrbrader, m., Schwär-
mer, Bummler, Saufbruder. Müh-
ling hat auch SchWtrgeisL Von schwi-
ren 2.
SchWlt, /., Menge, Masse, frz. suite.
Es ging uns gestern eine ganze Schwtt
(Menschen) vorbei. Eine Schwtt Taur-
ben etc.
schwitisieren , sw.^ suitisieren^ flott
leben, tolle Streiche machen. Aus der
Studentensprache; ebenso Schwitjeh, m.,
Suitier^ Kneipgenie, Durchgänger.
Sperber, 46.
schwitzen, sw,, im Gefangnisse sitzen.
Für den rothen Hahn sollt Ihr mir
noch ein Jdhrchen langer schwitzen.
Marsch ins Zuchthaus! Soph. R. I,
616f.
8chwodder,8chwodde,8Chwod,8chwudde,
in der Elbinger Niederung schodder,
in Masuren czoder, nach Hennig, 251,
auch Schwade, Zuruf an Zugtiere, wenn
sie sich links wenden sollen; ebenso
ks6, z6. In der Niederlaus, schwoide.
Anton, 12, 26. Vgl. hot
SChwSgen, »w. 1 . plaudern, klatschen,
übermäfzig loben. Die vier Weiber
schwögen da was rechts über das gute
Aussehen des Magisters und über Kikel
und über Kakel. Soph. R. V, 587 f.
2. stöhnen, klagen, hin und her schwan-
ken. Muhling.
schwollen, sw. Bost du verröckt om
Koppf wat schwolst^ eck soch em an^
hei had ön Arfte-Topp, onn fratt so
braw darop. Carm. nupt. V, 190 c.
Schwomigatz, Ortsn., Dorf im Kreise
Eonitz. Spott: Gä na SchwangatZy
Hinne fohle. Sprw. I, 1152.
Schwuchtbnider, ?»., Sauibruder, Säu-
fer, Bummler. Von schvmchten. Vgl.
SchwTrer.
schwächten, sw.^ saufend und schwel-
gend umherziehen, ein liederliches Le-
ben führen, durchgehen. beschwilChten,
sich^ sich betrinken, verschwuchten,
durch Schwuchten vergeuden. VgL
schwtren 2.
schwudde, Zuruf an Zugtiere, s.
schwodder.
schwuddern, sw.^ nach Treichel s.
V. a. schwtmeln.
SChwQI, odf;., schwül; vom Wetter,
von der Gemütsstimmung. Schwule
Luft. Den 10. Julii {1636) die Nacht
zuvor hat es sehr geregnet^ worauff den
Tag über klares und schwules Wetter
ge folget^ den 11. und 12, Julii war es
sehr klar und heftig schwul etc. Line-
mann, E2b. Mir ist schwul ums
MerZj ich fühle mich beklommen, ich
fürchte ein Unheil. Hennig, 252.
VgL Brem. Wb. IV, 1127. Schütze
334
schwulen — Seekatz.
IV, 240. Dähn., 480b. Schamb.,
223a. Weigand II, 673.
schwulen, sw,^ von der Seite sehen,
scheel sehen. Treichel.
Schwulstfresser, m.^ Fresser, der bis
zum Schwellen, Platzen frilzt, Vielfrafz,
Friatt (frefzt) dän Schioolht an june
Möge! Pr. Prov.-Bl. XXVII, 51.
Volksl., 99.
Schwung, m. 1. Eommis. S. Ladens
Schwengel. 2. Einen auf den Schwung
bringen^ ihn gründlich abfertigen. Sper-
ber, 29. Berlinisch.
schwüren, sw.^ s. schwlren.
se, pron., sie. Hören se mal! WoWn
se sich nich setzen f
si (e kurz), imperativisch: nimm
hin, da hast! Wenn man einem andern
etwas darbietet. Ebenso in Bayern.
Schm eller III, 180. Das lit. cz^ da,
hier, klingt wohl nur zufällig ähnlich.
S6, /., das Vogel Weibchen, s. Sie.
Sealschmer, m., Seehundschmer. Im
15. Jahrh. Handelsartikel in Danzig.
Hirsch, 248.
Sech, /., Pflugmesser, s. Zech.
S§chen, n., Fischerboot, s. Sau 2.
Sechser, pltd. Sesser, m., Einfunftel-
Thalerstück, so genannt, weil es 6 Vier-
pfenniger (24 alte Pfennige) galt. Durch
Gesetz vom 30. September 1831 all-
mählich eingezogen. (Vgl. Achtzehnef\)
E Messer kosft e Sesser^ als Antwort
auf die Bitte um ein Messer. Sprw.
I, 2628.
Sechsgr8scher,m., Schimpfwort. Stein,
Peregrinus XII, 82. W. Mtsbl. V,
191.
SechsknSpfer, m. Denn haben Sie
eine Tharheit gethan^ Sie haben bei den
Sechsknopfem Dienste genommeny ohne
mit edlem Stolz eine Stelle bei der Garde
begehrt zu haben, Soph. R, I, 550.
sMen, sSden, s^., sieden. Utgesädnet
Flesch^ ausgesottenes, durch Sieden ent-
kräftetes Fleisch.
Seebär, m.^ Schimpfwort. Er ist ein
Seebär — ein alter Seebär. Er brummt
wie ein Seebär.
Seebab, (?). Nach Hennig, 252,
Name für eine Gattung von Steinen,
die lat. Alga marina petrefacta heifzen.
Helwing, Lithogr. Angerb. II, 94a.
Seebeck, Ortsn., Seeburg, Stadt im
Ermlande, Er. Rössel. Da Schnaps
OS von Seebeck vom aJde Gräwna. Erm-
ländische Freisch., 7. Said ea atis da
seebecksche Gegend. Ibid., 6.
Seebull, m., s. Donnerkrttte.
Seechen, n., Fischerboot, s. Sau 3.
Seedistel, Pflzn., Erebsscheere, Stror-
tiotes ahidesL. Er. Lauenburg. Trei-
chel, Volksth.
Seegras, n., auch Seegrasblume und
Meergrasblume, gemeine Grasnelke, Ar-
Tneria vulgaris Willd. Pritzel, 39.
Hagen, 346. Nach Hagen aucli
noch MeergrasneUce^Meemägelchen^ Berg^
nelke^ Grasblume, Seenelke^ Wiesenkraut.
Seegras s. auch Sandhaber.
Seehaber, m., s. Sandhaber.
Seehahn, m.^ Fischn., Cottv^s scorpius,
Hennenberger, 29. S. Donnerkrttte.
Seehase, m., Fischn., s. Bauchsauger.
Seehund, m., Schimpfwort. Alter See-
hund.
Seehundsfett, n. Fett vom Seehunde
wird als Medikament in den Apotheken
gefordert; dafür wird Schweineschmalz
gegeben.
Seejumfer, Seejungfer, /., s. Jungfer.
Seekalb, n., Schimpfwort auf einen
dummen jungen Menschen.
Seekante, /., Secküste, Strand. Das
Dorf liegt an der Seekante. Hennig,
253. Bei Stein, Peregrinus lU, 3,
kurz Seekant.
Seekatz, f. u. m.^ der Seehund in der
Seekaulbarsch — S^.
335
Fischersprache. Königsberg. Vgl. Ro-
senkranz, Egsbg. Skizzen I, 201.
Seekaulbarsch, m., s. Bauchsauger.
Seekolben, m,^ Fflzn., Eolbenrohr,
Typlia L., auch Marienkolben. Ostpr.
Pritzel, 418. Vgl. Duderkeule.
Seekreuzdorn, m., s. Sanddorn.
Seelader, n., s. SSIader.
Seele, /., die cylindrische Blase im
Hering, Strömling. Sie wird an die
Zimmerdecke geworfen, wo sie kleben
bleibt. Natangen.
Seeiengreifer, pltd. SeelegrTper, m,,
einer, der die Seelen greift, Frömmler,
Mucker; namentlich von Geistlichen.
Dat ÖS e rechter SeelegrTper. Wehlau.
In gleichem Sinne Jesugreifer.
seelengut, pltd. seelensgOt, adj,^ von
Seele, von Herzen gut. Es war ein
seelengutes Kind. Soph. R. HI, 134.
Seelenkleister, w., grober Mehlbrei.
Et gef hyde Seelekltster.
SeelentSter, m., s. Seelenverkäufer.
SeelentrSster, m , Tröster der Seelen,
als Bezeichnung für Branntwein. FrötZy
mot de blanke MötZy bringt mt den
Seelentröster möt. Kgsbg.
Seelenverkäufer^ m., kleiner Kahn,
aus einem Baumstamm gehöhlt, Ein-
bäum. Die polnischen Flöfzer, ^chim-
ken, bringen diese Seelenverkäufer mit,
in welchen die Fahrt nicht ohne Ge-
fahr ist. Königsberg. In Danzig heifzt
ein solcher Kahn SeelentOter, in Elbing
schneller Tod. Gedanism. Schemio-
nek, 36,
Seelenwärmer, m., gestrickte wollene
Frauenweste.
Seelglocke, /., das Läuten in der Ver-
scheidestunde. Westpreul'zen, nament-
lich in der Gegend von Danzig. Die
Gemeinde soll durch das Läuten zur
Fürbitte für die Seele des Verstorbenen
aufgefordert werden. Uintz, 83.
seelzagen, pltd. seeltägen, sw., in den
letzten Zügen liegen. Er seehagt schon,
er ringt mit dem Tode. Hennig,
253, erklärt nach dem Brem. Wb. IV,
748, tagen = ziehen, die Wohnung ver-
ändern^ so daCz seeltägen den Zustand
bezeichnet, in dem die Seele bereit i^
ihre bisherige Wohnung zu verlassen.
Näher liegt die Zusammensetzung aus
Seele und zagen, wie denn auch die
heutigen weitem Bedeutungen des Wortes
das Verzagtsein der Seele bezeichnen;
Mühling erklärt: grofzen Kummer
haben; doch drückt das Wort über-
haupt Sorge, Besorgnis, Bangigkeit,
Bedrängnis, ja sogar Verlegenheit aas
Gordack bezeichnet mit s^^i^o^^n den
Zustand, in dem man nicht aus dem
Schlafe sich zu ermuntern vermag,
nicht aufwachen kann, auch den, in
dem man schlafen möchte, aber aus
Schicklichkeitsgründen nicht schlafen
darf. Nu (nach dem Tode des Mäd-
chens) seehagt^ de Frau Motter sehr, on
ehr word bang, dafz das Prenzche och
drufgehe mucht. Schalt). 1, 441. Für
Liv- und Estland bei Hupel, 216.
Seemannstreu, /., Pflzn., s. Mannstreu.
Seemaräne, /., s. Schnäpel.
SeemSve, /., Möven, die sich an der
See aufhalten, Larus. Vgl. HaffmSve.
Seenadel, /., Fischn. 1. die groi'ze
Seenadel, Syngnathus typhle L., lit. kur.
juros adata. 2. die kleine Seenadel, S.
ophtdion L., auch Sturmfisch, lit. kor.
ebenfalls juros adata. Benecke, 1 89f.
Bujack, 391, hat noch eine dritte Art,
S. acus L., die in der Provinz auch
Sacknadel heifzen soll. Vgl. Mühling,
Tiern., 176.
Seenelke, /., s. Seegras.
Seepuppe, /., Seerose, Nymphaea.
Seequappe, /., s. Aalquappe.
S6g, S8g, /., Sau, das weibliche
336
Sega — Seifenwurzel.
Schwein. He »petzt de Ohren wi de
Seg on de Arften. Sprw. I, 2849.
Vgl. Brem. Wb. IV, Schamb., 201b.
S6ga, 971., s. SSger.
segeln, sw,^ in Zusammensetzungen:
absegeln, abreisen, abziehen, eine
Sache aufgeben, von ihr lassen; sterben.
drauf los segeln, einer Sache oder Person
geradezu und unbeirrt entgegentreten.
sSgen, sw, 1. seihen, durchseihen,
ahd. sihan^ mhd. sthen. 2. säen, ahd.
sajarij mhd. 8(iefen. Wi' hebbe geseegt,
frosch Hawersaat Volksl., 61, 40 IIL
In dieser Bedeutung auch seien. On
wenn de Bur heft utgeseit. Seelenw.,
107.
seger, SSga, SSger, 7n., Seiger, Uhr.
De Sega sc/Uog ent Volksr., 101, 450.
De Seger ös e Lüedbedreger, Sprw. I,
3462. Wieveel mach doch de Seegei*
sSnf Volksr., 264, 922. Möt Hot on
Tascheseger De Lehret' vär dt steit
Lehrztg. 4, 355 b. Nu geit de Seger
rechty wenn etwas verkehrt ausgeführt
wird. Wie den* Seger gehet, so gehet
das Regiment Stei n, PeregrinusXVII,
14. W. Mtsbl. VI, 189.
Segg, Segge, /., Mund, Mundwerk,
Redefertigkeit. He heft ne gdde Segg^
er versteht flieizend zu reden. Von
s^gen sagen. Vgl. Sprw. 11, 2458.
Segg, /., das Vorschneidemesser an
dem Werderpflug. Dieser hat ein
Vordergestell, auf welchem der Balken
ruht, mit dem Vorschneidemesser und
einem langen, weniggewundenenStreich-
brette. Prov. Priz., 478.
Seheke, /., Dem. von die Sehe, Pu-
pille. Dönh.
sehr, adv.^ findet im Pltd. nur be-
schrankten Gebrauch; man sagt zwar:
en sehr gdder Herr^ viel lieber jedoch:
en gewaltig etc.
sehrchens, adv.^ verstärktes sehr in
Deminutivform. Die älteste war sehr'-
chens hqfzlich . . . , die jüngste aber war
sehrchens hübsch. Schaltj. 1, 439.
Sehr chens gutt. Dorr, 1. Wiew., 58.
Sehrkerl, m., vorzuglicher Mensch, gan-
zer Mann . So ein Sehrkerl bin ich nun wol
nichts da/z ich denkwürdigste Mann heifzen
konnte, Soph. R. IIT, 23. Es gehört
ganz gewi/z das Herz eines Sehrkerls
dazUy mit einer Schwiegermutter es zu
wagen. Ibid., 383.
Sei, /, s. Sie.
sei, 1. Person des Präs. Indik. von sein^
bin. Ich sei em nichts schuldig, Erm-
land. Ich sai ja von Pöss^ (Pissau) da
Ghraif, Eiml. Freisch., 6.
Seiche, /., Urin.
seichen, sechen,9t6\,mtn^^^. beseichen,
sich. Und für gi^ossem Leid beseycht
sie (die Braut bei den alten Sudauem,
wenn sie in ihres Vaters Hause von
allem Lieben Abschied nimmt) sichy
und wenn's die Freunde sehen^ so um--
pfahen sie die Braut und sprechen'.
OhOy mein liebes Freundlein^ mühe dich
nicht so fast und hart, siehe^ dein Bläs^
lein mochte dir zerbersten^ da/z du nickt
tüchtig wärest deinem Männlein. Von
den alten Sudanern und ihrem Bock-
heiligen. Erl. Pr. V, 714.
Seichsack, ?n., Sack, der seicht; als
Schimpfwort. Kgsbg.
seien, str., s. sSgen.
seiern, str., lebhaft und viel sprechen,
namentlich klagend, scheltend. Vgl.
Geseier.
Seifenwurzel,/., Wurzel des gebrauch-
lichen Seifenkrautes, Saponaria offi--
cinalis L., weil sie zum Waschen von
buntem Zeuge verwendet wird. Trei-
chel, Volksth. III. Nach Hagen,
452, das langstielige Gipskraut, Gypso-
phäa fastigiata L., weil die Wurzel
bei der Wäsche als Seife dienen soll.
Seige — Seiler.
337
Seige, /., s. Sau 3.
Seigner, m,, s. Seuner.
Seike, n,, das SiecheD, s. Sie.
Seil, n,y LängenmaCz, 10 Kak'n ent-
haltend. JO Mefzruthen machen ein Seil,
Bock, Nat. I, 688. Man soll tcissen^
dafz die gemeinen offenbaren Mafze^ die
mr gebrauchen im Lande Preufzen zu
messen den Acker mnd Seil^ Ruthen^
EUen^ Fufze und Handbreit mit ihren
Stücken. Pr. Prov.-Bl. VIII, 357.
Die Entfernungen für die Arbeiten am
Damme werden meist nach Seilen^ sei-
fener nach Ruthen bestimmt Passarge,
340.
Seilenschlissen, (?), bei Stein III, 3,
unter res nauticae,
seimig, sämig, sßmig, or//., dickflüssig
wie Honigseim, bind ig, schleimig, bei
Saucen und Suppen. Di£ Ob8tsupj)e ist
so seimig,
sein, sindar Lassen sie mich sein^
lassen sie i&ich in Ruhe, in Frieden!
ruft ein Mädchen dem zudringlich Zärt-
lichen zu. Du läfzt mir sind!
seindäg, seintäg, pltd. slndäg, sSnndAg,
adv,^ während seiner Tage, während
seines Lebens. Das geschieht seindäg
nichts niemals. Rätsel: Vor Jungfern
gripen sick dagdäglich on kriegen sick
siendäg nich. Die vier Mühlenflügel.
Viol^t, 199. S. anmuten. Vgl.
meindäg.
Seine, pltd. Sine, /., seine Frau.
Sine tröU je nich, seine Frau will ja
nicht. Ebenso in der Oberlausitz.
Anton, 12, 26.
Seite, /. Auf die Seite gehn^ sich
entfernen, um ein natürliches Bedürfnis
zu befriedigen.
Sftke, /. 1. seichte Stelle im Wasser,
Untiefe, lit. sekis^ sekU^ sekliSy let. ^ekh;
lit. senku^ sekti seicht werden; nd. sek
Priscbbier, W6rt«rbach II.
seicht. Auf den flachen Stellen des
Haffes^ den {Seeken) . . , darf keine Art
von Segelßschereibetneben werden, Fisch .-
Ordg. f. a. kur. Haff § 17. Vgl. Fläche.
2. nach Hennig, 253, SSken, SSchen,
ganz kleine Fischerböte, s. Sau 3. 3.
nach Mühling Sßk, STk, /., kleine
Pfütze. Vgl. Nsslm., Forsch. 3; Th.,
158.
s6ke(n,) sw.^ suchen.
sßkerig, adj.^ nalz; vom Holz. Seke-
riges Holz. Samland (Korkehnen).
Der Einsender deutet auf „sickern^ hin
und schreibt sSkerig.
Sifl, n., s. Siel.
S6I, gewöhnlich sSlle, adv.^ selten.
Doch ofz et mehr als wahr, dat sock
sehl Lydkens finde^ by welken Erbark^t
de rechte Wahnung holt. Carm. nupt.
IV, 59 c.
Sßlader, n., Kücheni:>chürze; Scheuer-
tuch, Wischlappen. Westpr. Lo/z dich
ehrscht möt dem Seelader deeg abf^beln.
Schaltj. 3, 5. Bring se urschend e
Seelader rauffei*t. Schemionek, 52.
Vgl. Seischurz. S. sälen.
selbstmachend, adj. von selbst machen.
Selbstmachendes Zeug, im Hause ge-
webter Stoff zum Kleide. Der Rock
ist aus selhstmachendem Zeug gemacht.
Marold.
sSlen, sw.y schelten, ausseien, aus-
schelten. Dönh.
sSlen, dir., sicli^ s. Sälen.
selig, adj,y trunken, betrunken. Er
ist selig. Vgl. Sälen.
seilen, «u?., Trödclhandel treiben, trö-
deln; engl, to selly schwed. sälja^ dän.
saelge. verseilen, verkaufen, Kleinhandel
treiben. Über die Verbreitung des
Wortes s. Korrespbl. II, 28. 59. Hen-
nig, 253.
Seiler, m., von seilen^ Trödler. Kleider-
22
338
Seilerbude — serig.
seller, Händler mit alten Kleidern.
BUcherseller, Antiquar.
Seilerbude, /., Bude eines Seilers,
Trödlerbude.
Sellerin, /., Trödlerin. Bock, 63,
Hennig, 253.
SSISChurz, /., Schürze mit Brustlatz,
der durch eine Halsschnur festgehalten
wird, Euchenschürze, die zum Schutz
des Kleides getragen wird. Natangen.
Vgl. SSIader u. sälen.
sSmig, adj,^ s. seimig.
sSmisch, adj.^ s. sämisch.
Semkuhnen, Ortsn., Dorf bei Inster-
burg. Semkuhner, de Fupp brennt!
Sprw. I, 1026.
SemmelkrSst, m., Verunstaltung von
Seminarist. Pr. Eylau.
SSmschblStter, plur,^ Sennesblätter.
Semse, Pflzn., Simse, Juncus L,
Send, /., s. Säd.
Sende, Pflzn., s. Rutsche.
Senf, TW., Ansicht, meist verkehrte.
Nun giebt er seinen Senf dazu. Du
motst 6k noch dtnen Senf dato gewen.
Einen langen Senf machen^ von einer
Sache viel, aber Unbedeutendes sagen.
Von der aus den Körnern des Senfes
bereiteten breiartigen Tunke zum Fleisch.
H e n n i g, 253. Wilder Senf, Raukensenf,
SisymbHum sophiuL. Die Samenkörner
werden gegen Übelkeit eingenommen.
Saalfeld.
sengein, sw.^ s. sangein.
sengen, sw.^ schlagen, dal'z es schmerzt,
brennt. Einem eins sengen^ ihm eine
Ohrfeige geben. Sprw. 1, 3485. Vgl.
brennen.
Senk, /., von senken^ Vertiefung inj
Acker; Thal; flache Stelle in einem
Gewässer. Im Ermlande Sitting, STting,
STtig, /., von sid (s, d.). Sperber, 20.
Vgl. Soll u. STdnis.
Senke, /., s. Senknetz.
Senkel, m. n. n. 1. Schnur mit Metall-
spitze; Riemen, gewisse Kleidungsstücke
damit zusammenzuschnüren. Daher
Schnürsenkel, Schnur zum Verschlusse
des Frauenmieders, poln. zankieL Hen-
nig, 253. Schuhsenkel, Schnur zum
Zuschnüren der Schuhe. 2. Schnur an
ländlichen Thürklinken, woran diese
angezogen werden. Über Nacht zieht
man den Senkel ein. 3. Figürlich:
dünner, junger Aal, Senkelaal. Er i$t
so dünn vne ein Senkel,
Senkelaal, m., s. Senkel 3.
senken, sw.^ beim Kartenspiel: 1. das
Spiel eines andern umwerfen. 2. statt
der aus dem Talon (Skat) gekauften
zwei Karten zwei andere fortlegen;
dies auch senkenbergern. Treichel.
Senker, m., Senkgam, n., -harnen, m..
s. Senknetz.
Senknetz, Senkgarn, n., auch der
Senker, die Senke, das Hängenetz oder
Hebenetz, einfaches Netztuch, das mittelst
eines hölzernen Kreuzbügels oder Rah-
mens ausgespannt erhalten wird. Es wird
freihändig oder mittelst einer Hebel-
stütze ins Wasser gesenkt und aus
demselben gehoben. Der Senkhamen,
auch Setzhamen in den lit. Binnenge-
wässern hat gröi'zere Dimensionen.
Bock, Nat. IV, 726. Benecke, 362f.
Senktornftrsch, m., Schnupftabak aus
den P'abriken in St. Omer in Frank-
reich; auch Sentemßr, SanktomCL So
la£ öck mi doch Senktamersch Woll ut
de Stadt mötbringe, Volksl., 56, 38, 5.
Sensendraht, m , Pflzn., s. Harmus.
SentemCr, m., s. SenktomSrsch.
§epar6re(n), sw, 1. sich trennen, von
Eheletiten, Se hebbe sock geseparert, 2.
ausscheiden aus der Bodengemeinschaft.
Das franz. s^parer,
sSrigi ad/.^ schmerzhaft, empfindlich;
schwärig. Mühling. Bei Jeroschin
Sesser — Sicherheitfikoromissarius.
339
srr, adj,^ wund, sei'de^ scre Versehrung,
Schmerz. Pfeiffer, 219. Im Brem.
schmerzhaft, verletzt an der Haut, ver-
wundet, grindig. Von seer, wi., Schmerz,
Hautverletzung,Aus8chlag,Grind. Angs.
sar, isl. und dän. saaVy schwed. sär^
holl. seer. Brem. Wb. IV, 754.
Sesser, m.^ s. Sechser.
sefzhaft, adj,^ von der Se/z Sitz,
Wohnsitz, Besitztum. Es ist ein sefz-
hafter ManUy ein Mann mit Grundbe-
sitz in seinem Wohnoi*te. Hennig,
254.
SSterke, n., das Sui'zerche, Suize, ein
Bonbon. Wenn ock nau de Stadt fär^
war öck di ok e Seterke moibnnge.
Sprw. I, 3505.
Sett, sott, m.^ Sitz. De Höhner sSnd
schon op de Sett^ gah ligge! zu Kindern,
welche nicht zu Bett wollen. Von
setten, sötten sitzen.
Setthen, Pflzn., s. Setzhin.
setzen, sm?., prafen. „Der Weinver-
kauf war in Danzig bestimmten Be-
schränkungen unterworfen. Wer in
der Stadt Wein verkaufen wollte, mul'zte
ihn zuvor auf das Rathhaus bringen
und dort setzen^ d. h. prüfen und seinen
Preis feststellen lassen**. 1 5. Jahrhundert
Hirsch, 261.
Setzhftmen, m., viereckiges, tuchartig
geformtes Netz, an dessen Ecken sich
über Kreuz Bandstöcke befinden, die
es gespannt halten. Die Mitte der
Bandkreuzung ist an einer langen und
festen Stange befestigt, die von einem
Fahrzeuge aus mit dem Netze ins
Wasser gesenkt wird. Der Setzhamen
wird vorzugsweise bei der Fluizfischerei
benutzt. S. Senknetz.
Setzhin, gewöhnlich pltd. Setthen,
Pflzn., Setze dich hin, Buschanemone,
Anemona nenwrasa L, Dönh.
Setzling, m. 1. junger Fisch, der zum
Auswachsen in den Teich gesetzt wird.
2. junge Bäume, die aus der Baum-
schule versetzt werden. Hennig,
254.
Setzzeit, /., Zeit, in der Hühner,
Enten, Gänse und wilde Vögel nisten,
brüten. Die Jagd dieser Vögel ist
während dieser Zeit verboten. Bock,
63. Hennig, 254.
Seile, Sewe, /., Fischerboot, s. Sau 3.
Seufzer, m., Blähung. Einen Seufzer
fahren lassen, Stille Seufzer fahren
lassen.
Seuner, Seugner, Seigner, STgner, m.,
von Seue etc., Fischer. Die Ufer der
Radaune in Danzig, an welchen die
Seuner wohnten, werden noch jetzt die
iS^^n genannt. Hirsck, 307. Klein
n, 154: Siegner ^ Seugner^ Karpfenver-
käufer Vgl. Karpfenseugner.
ST, Sieh, /., Seihe, Milchseihe. Da-
von sten^ sw.^ seihen.
sibberig, adjy s. sibbern.
sibbem, sw 1 . sickern, durchtröpfeln,
Feuchtigkeit absetzen. Die Wunde
sihbert^ sie setzt das sogenannte Glied-
wasser ab. Sibbriges Wetter^ nebeliges
Regenwetter. Leck gewordene Gefalze
sibbetm. Nds. sipen^ sipem^ zipem.
Brem. Wb. IV, 792. Dähn., 424b.
Schamb., 192b. Vilmar, 385: «q?-
pet^. Bock, 68. Hennig, 279. Beide
schreiben sUbbem, und Hennig hat
noch: 2. in kleinen Zügen trinken, im
Trinken oft absetzen. Sie sibbert nur^
sie leckt nur vom Getränke. 3. sachte,
bei Nebel regnen: ein solch leichter
Regen heilzt Sibberregen. Es sibbert so
weg. 4. s. v. a. sabbern (s. d.)
Stbnis, n., s. STdnis.
Sichelkraut, n., s. WassersSge.
Sicherheitsicommissariiis, m., einer, der
22*
340
sichten — Sielennagel.
in seinen Unternehmungen sehr sicher
gehen will, alles sehr genau überlegt.
sichten, sw.^ sieben, vermittelst eines
Siebes reinigen. 8. absiebten.
sichtig, pltd. süchtig, adj. und adv.
1. sichtbar. Ein sichtiger Scliaden^ eine
sichtige Wunde. Sichtiges Fetty Fett,
das sichtbar, sichtlich zerflieizen mochte.
2. nal'z. Ein sichtiger Boden, ein nasser,
sprindiger Boden, ein Boden, auf dem
man das Wasser sieht. VgL sUchtig.
sichtlich, adj. von die Sicht, Wahr-
nehmung mit den Augen. B/r mird . . .
vor meinen sichtlichen Augen das Mäd-
chen so einnehmen, da/z ich lieber nicht
daran denken mag, Soph. R. IV, 555.
Sicice, /., Fischerboot, s. »Sau 3. Be-
necke, 373 und Schemionek, 38,
haben Sicicen, H. Das Sicken folgt den
treibenden Netzen langsam rudernd nach.
Garnsicice, Sicke, welche das Fischer-
garn, das Netz trägt.
Sld, sTt, adj, und ado., niedrig, tief
gelegen, seicht; dän. sid, Stdet Land,
sidet Water, en slder StoL Ock huck
Sld, ich sitze niedrig. De Born hat
Site Ast\ Das Dach ist zu sld, es ist
zu niedrig, zu flach, nicht steil genug.
In Hessen side, Vilmar, 383. STÖg,
/., Vertiefung, s. Senl(. Hennig, 270.
Slde, /., Häcksel. Netzedistrikt. Side
schneiden, Treichel.
Sldnis,/., Niederung, niedrig gelegene
Stelle im Felde, Thal. Von std. Nach
Treichel: nasse Ackerstelle (die Nässe
hält sich der tiefereu Lage wegen);
auch Stbnis. Hennig, 270. Vgl.
Senl(.
Sie, pltd. Sei, S6, /*., Dem. Siechen,
pltd. Seike, Scke, 1. Frau, Hausfrau,
Frauensperson überhaupt. 2. Vogel-
weibchen. Gewöhnlich im Deminutiv
Kanarjensie, Sperlingssiechen, Ist's ein
Hahnchen oder ein Siechen f Nabersch
Si, Nabersch Hdn, Gingen ön onse
Garden, Volksr. 53, 201.
Siebengestirn, n., grofzes, Sternbild
des grofzen Bären.
Siebenmonatsidnd, pltd. SSwemonftts-
Icind, ein von der Mutter nur sieben
Monate getragenes Kind. Vgl. FrUhkind.
Siebensinn, pltd. SewesOnn, m , Mensch
mit sieben Sinnen, zur Bezeichnung
einesUberklugen,Verschmitzten,Schlau-
en, doch oft auch eines eingebildet
Gescheuten, eines Kribbelkopfes. Du
wedderhoorger Säwesänn! Nowack,
19. Auch Siebensinniger, und davon
siebensinnig, adj, Dat ös e Setcesönnger^
den bedregt (betrügt) man nich.
Siechen, n., s. Sie.
Siegelgarn, n., Bindfaden. Gedanism,
Sieh, /., s. Sl.
Siel, STI, pltd. sei, Säl, n., Siele, /,
gewohnlich im Plur. Sielen, pltd. Sülen,
und Sielenzeug, pltd. Stietig, n., Ge-
schirr, Riemenwerk, für Zugvieh, ahd.
silo, mhd. sile, sil. Gleichen Stammes
mit Seil. Vordersiele, pltd. Värsgl, /.,
Siele für ein Pferd des Vordergespan us.
Hintersiele, pltd. Hindere», /., Siele für
ein Pferd des Hintergespanns. Hals-
siele, pltd. HalssSI, /., Siele um den
Hals, s. Halsel. TragsSI, n., Tragriemen,
Traggurt, den Lastträger über den
Schultern haben. Bildlich in Redens-
arten: Man kommt den ganzen Tag
nicht aus den Sielen. He mot Ihnmer
ön e Säle ligge. Vgl. Brom. \Vb. IV,
582. SchmellerHI, 229. Vilmar,
385. Hennig, 252.
sielen, sw,, sich, s. sälen.
Sielennagel, pltd. SSIenagel, vi, 1.
Nagel, Stiftinden Sielen. 2.Sielcnslrang,
der das lederne Brustblatt an den
Schwengel heftet. Samland(Wilgaiten).
Sien — Sipkathrin.
341
Vgl. Sprw. I, 3948. 3. Nagel im
Stalle, woran die Sielen aufgehängt
werdeo.
Sien, 8w., s. St.
Signer, m., Fischer, s. Seuner.
STk, /., s. Stke.
Sil, n. 1. Schleuse, Abzugskanal.
Vgl. Richey, 254. Brem. Wb. IV,
786. Vilmar, 385. 2. s. SieL
SilberblUmchen , n. , Bertramgarbe,
AchiUea ptarmica L, Weichseldelta.
Treichel, Volksth. III.
Silberkraiii, n., gemeiner Gänserich,
Potentiüa anserina L, Ostpr. P ri-
tze 1, 304. Nach Hagen, 536, P. ar-
yentea L. Vgl. Gnimsing.
Silberlachs, vi., s. Lachs- und Lachs-
forelle,
stien, sw., sich^ s. Sälen.
Silla, Silier, m., s. Stiller.
Silwette^ /., s. Saljett.
Simme, /., starke Leine, früher aus
Lindenbast, jetzt gewöhnlich aus Flachs
gefertigt, als Einfassung der Flügel des
Fischernetzes. Nach Adelung IV, 38,
Seime, /., Leine, as. stmo, m,, Strick,
Seil, Fessel, Schlinge, ags. stma; ndfs.
sem Band, Schnur, altn. stmi, dän.
sime. Schade, 764b.
simmelieren, pltd. stimmeltre(n), auch
sinnieren, pltd. stinntre(n), sw,, nachsinnen,
sinnend erwägen, grübeln. Wie öck
6k simmeler, öck krieg't nick rüt. S§-
m§leert de fule Kopp, Dorr, 1. Wiew.,
123. En rtkej* Spötzbub, wo dräwer
sörmnelert, vne hei de Lü'd äwert Ohr
haue kann. Königsberg. Firmenich I,
101b.
SimmeIsQrie, /., s. v. a. das allgemein
verbreitete i>ammekunum, Simmekam--
rtielsüriumy Mischmasch, Gemenge,
Durcheinander.
Slnchen, w. Vorn., Keginchen. Hart-
wich, 55. Vgl. Schfne.
stndäg, adv.j s. seindäg.
Sindau, 9n., Pflzn., Sonnentau, Dro-
sera rotundifolia L, Die Pflanze heifzt
auchSonnenlöffel. Hagen, 351. Pritzel,
138.
Sinde, Singde, m.^ Sonntag, öm Sinde,
am Sonntag. Samland.
Singbeutel, pltd. SingbUdel, m., Rausch ;
Delirium tremens. He heft den Sing-
büdel.
Singde, m., s. Sinde.
Singe, /., lange Angelschnur zum
Aalfang. Hennig, 255. Vgl. Aalwäde.
Davon:
singen, sw,y mit der Singe Aale fangen.
Singer, conf.y sondern. Mir langfs
Geld nich zum Jehannscfie Markt, singer
ich bleiU noch in deiner Schuld. Saal-
feld.
singerlich, adj. u. adv., einzeln, ab-
gesondert. M ü h 1 i n g.
Singgörge, m., Werwolf. Samlaud.
Natangen.
Sinnasium, n., Eorrump. von Gymna-
sium. Sperber, 45.
sinnen, st, träumen. Schloap scheen
gesund on sonn sehr nett Dorr, 66.
sinnieren, ^w.y s. simmelieren.
sinnlich, adj., äufzerst reiulich. Ein
sinnlicfier Mensch, ein solcher, der
sehr auf Reinlichkeit hält. Eine sinn-
liche Farbe, eine solche, welche sehr
zart und leicht zu beschmutzen ist.
Man braucht auch Sinnlichkeit statt Rein-
lichkeit. Dzg. Klein II, 156.
sintern, sw., sickern, langsam tropfen-
weise rinnen. Schemionek, 38.
Stpen, »w., weinen. Er stpt aUvnedei\
Er kann nichts als sipe7i. Bock, 68,
und Hennig, 270: sUpen. Vgl. gran-
sen.
Sfpkathrfn, /., Katharina, die stpt,
zur Bezeichnung einer weinerlichen
Person, auch mäuulichen Geschlechts.
342
8ipp — socken.
Er ist eine reckte S^kathrin. In gleichem
SiDBe Sipkessel, pltd. -kttel.
sipp, adj,, zierlich, zimperlich, affek-
tiert. MuhliDg.
Sirachy m.^ Braach, Herkommen, Ge-
wohnheit. Das ist Werderscher Siracliy
Werderscher Usus.
Sirm, m.y s. Zarm.
STting, f.y s. Senk.
Sitl, w., Sitz der Huhner, Huhner-
stiej^e.
Sitting, /., s. Senk.
sitzen, s^., in Haft sein, Gefängnis-
strafe verbülzen. Er mufz sitzen,
Sitzleder, n. Er hat kein SitzUder^
er sitzt nicht gern lange auf einer Stelle,
bei der Arbeit.
SitzstUck, n., Ursitz, alter Besitz-
sland vor den Gemeinhoitsteilungen. S.
Dorfslage.
Sjärtel^ (?), Rinde des frischen Flach-
ses. Donh. Barten. Muhling.
sk wird anlautend sclik: Schkandal^
Schkrupel, Schkelett, Scfikribent
Skalichenhof, pltd. Kalixtenhof, m.,
Grundstuck auf dem Tragheim in Kö-
nigsberg, in dem der fürstliche Rat
Paulus Scalichius gewohnt, der den
Herzog in Preufzen, Markgraf Albrecht,
durch Schwindeleien zu tauschen und
so für sich einzunehnien verstand, dafz
er ihm nicht nur den Hof auf dem
Tragheim, sondern auch die Stadt
Kreuzburg mit vielen umherliegenden
Gutern geschenkt. Hennig nach
Hartknoch, Preufz. Kirchen-Histor.,
dessen Alt. u. Neu. Preufzen und den
Act, Bor. I. Der Name verschwindet
mehr und mehr; ich habe in meiner
Jugend noch Kalitzkenhof gehört.
skaluren, sw,^ lärmen, spektakeln.
Westpr. Mühling.
Skiaure, /., kleiner durchlöcherter
Fischkasten in Gestalt eines Kahnes,
der neben dem Fischerkahn schwimmt
und in dem man die lebendigen Fische
mit sich fuhrt. Ragnit. Litauen. Nsslm.
Wb., 475 a.
Skorpionkraut, n., gemeines Salzkraut,
Sakola kali L,; auch Hirschhorn. Ostpr.
Pritzel, 357. Hagen, 289.
Skott, Skotter, Schotter, m., alte preu-
fzische Rechnungsmünze, Vj4 der eben-
falls nicht ausgemünzten Mark , letztere
entsprechend dem Werte eines halben
Pfundes Silber. Hochmeister Winrich
von Kniprode (1351—1382) liefz Halb-
Schotter = V45 Mark ausprägen, im heu-
tigen Werte von etwa 35 Pfg. Hern,
Vom preul'z. Gelde. Altpr. Mtsschr.
V, 50 f. Hennig, 255.
SlagdOk, n., Schlagtuch, wollene Hülle,
Decke, worin jedes aus der Fremde
konmiende Stück Laken oder Tuch
eingeschlagen sein mul'zte. Danzig.
Hirsch, 250.
Slappholt, n., hölzerner Efzlöffel. Vgl.
SchlM.
SIeif, m. u. /., s. Schleif.
Slusim, Slusym, Slusem, Sluszen, (?),
Dienstgeld, Dienstgut. In Urkunden
eine Abgabe zum Zweck des Kriegs-
dienstes. Toppen, Altpr. Mtsschr. IV,
150 f. Altpr. scldüsit dienen, schlusien
Dienst, lit. sluziti dienen, sluznia Dienst.
Lit. Aeq., 21. Nsslm. Forsch. 2.
Sly, /., s. Schlei.
80, adv,^ ungefähr, etwa; in der Weise.
So gegen Abend. So um neufi Uhr.
Se ÖS so, sie ist so = schwanger. Sprw. I,
69. 80 wie 80. Ich hyniine so wie so
scium, unaufgefordert. Ich viu/z so wi£
so (pflichtschuldigst) dort hingehen.
Sobiechen, Ortsn., Dorf im Kreise
Angerburg. He ös ut SobtcJie^ tvo se
den Dag möt Stange anbreke. Sprw. I,
3523.
socken, sw.^ laufen, gehen, abziehen
Sod — Soll.
343
sich auf die Socken, auf den Weg
niaclien. Er kann gut socken, tüchtig
laufpii. Auch Sockeln. Enem näsockeln,
ihm nachgehen. Nowack, 51. Vgl.
absocken.
sod, m. 1. die brennende Empfindung
im Schlünde, welche von verderbter
Magensfmre herrührt^ gewöhnlich das
Sodbrennen genannt, mhd. s6te, m. Man
kann einem Kinde gar keinen Begriff
davon geben, und doch klagt 8, ihn brenne
der Sod, Soph. R. IV, 333 f. Ich habe
Sodbrennen. Hennig, 255. 2. Brun-
nen, namentlich Ziehbrunnen. 3. bei
Jeroschin: Lache: do er lac besuiwit
tot in smis blütU sudde 125 d. P f e i f f e r ,
230. 4. in dem Sinne von Gebrechen,
Elend bei Hermes: So lasse man die
Provinz in ihrem Sode. Soph. R. VI,
549.
soddem, »w., fein regnen. Es soddert,
der Regen fallt fein wie Staub. Davon
Sodderregen. Sodderregen, Kleckerschul-
den und Querrkrank sönd dre Ding, de
man schlemm los ward, Westpr. Dzg.
Nhg. Sprw. I, 3526.
SOddistel, f.y s. Stechwait
SOdd'rig, adj. von soddem^ zur Be-
zeichnung naizkalten, regnerischen Wet-
ters. Danzig. W. Seidel, 34.
SOde, /., ausgestochenes Rasenstück;
in der Elbinger Ndrg. Erdscholle.
stfden, st.^ s. stden.
SBdhering, m., ausgewässerter, gekoch-
ter Hering. Von söden. Hennig, 255.
Stfffski; m., Söflfling, von Soff mit
poln. Endung.
Sog (das g = cA), m. 1. Säugemilch,
Nahrung. Die Amme hat einen guten
Sog^ sie hat gesunde und reichliche
Milch; auch vom Vieh. 2. das Saugen
selbst, der saugende Zug. Vom sau-
genden Kinde, Tier; auch von dem
Wellenzuge der See nach der Höhe.
Rtde heft de See e starke Sog^ sie zieht
nach sich, in sich. In Zusammen-
setzungen: Sogfohlen, -füllen, pltd. Sog-
fälle, n., Füllen, das sich noch von der
Muttermilch nährt. He ös munter wie
e Sogfälle. Ebenso Sogferkel, Sogkalb.
Hennig, 256.
Sog, /., 8. Stg.
Söger, m., s. Stger.
Sohnchen, pltd. Sänke, n. Dem. von
Sohn, San. 1. Söhnchen. 2. oberer
Abschnitt des Brotes, das Köpfchen,
Käppchen. Das SohncJie kriegt die Frau.
Sprw. I, 3528. Vgl. Kampen.
Soi, n., Zeug von Halbwolle, s. Zäg.
solche, Pronominaladj. in der Bedeu-
tung grolz, stark, heftig. Ich hatte
solche Kopfschmerzen, — solclie grofze
Zahnschmerzen. Vgl. sOne.
Soldaten, plur., im Kindermunde die
Blütenkolben von Plantago L. Saal-
feld.
Solders, (?), in früherer Zeit in Dan-
zig ein besonderes Malz für Salz, pltd.
Sold, das in Verlots (Verlot wäre pltd.
für Vierlot) und Bullen geteilt war.
15. Jahrh. Hirsch, 120
sOlen, sw., lügen. Treichel.
Solge, /., s. Soll.
Solinger, m., Stahl warenhändler aus
Sohngen, der hausierend umherzieht;
doch auch jeder andere hausierende
Händler mit Stablwaren.
Soll, /., nach Treichel w.. Dem.
SolcIie, Solkcy f, tief und naiz gelegenes
Wiesenstück, umgrünte Vertiefung im
Acker, worin sich das Regenwasser
ansammelt Samland. Natangen. West-
preulzen. Nach Nsslm., Th., 221, in
Natangen Solge, wohl nur Deminutiv-
form von Soll. In Pommern stehendes
Wasser in Vertiefungen auf Kornfeldern.
344
Söller — Soiinabendseife.
Dähn., 443a. Ahd. sol, mhd. soly sol^
n. u. m.y Kotlache. Schade, 842a.
Stiller, m, 1. Bodenraam, Lucht, in
Westpr. Bon, Bän. Ratsei: Eh' de
Väder jung wardy sott de San op em
Söller. Im Ermland: Silier, Silla. Vil-
mar, 387: Solder. 2. kleines Regal
nahe der Stubendecke. Gordack.
stfllem, JKc., auf den Söller bringen,
aufspeichern; daher auch aufsBllem.
Das Getreide söUem. HoU. zolderen.
Hennig, 256.
Solo, n., beliebtes Yolks-Eartenspiel,
gewöhnlich: Solo- Vierzig genannt.
Sommer, m. 1 . St Marien-Gam, u. dann
auch fliegender Sommer. Von welchen
Fäden man pflegt zu sagen, da/z sie
im Vorjahr (Frühling) den Sommer
bringen; im Herbst aber, dafz der Som-
mer mit ihnen wegfliege . . . sonsten halt
man es für ein Grifft^ welcfies wenn es
die Küfie häuffig fressen y sie kranck
mac/iet und ertödtet. Linem. , G2b.
Diese jetzt als unschädlich erkannten
Faden heii'zen auch Altweibersommer,
weil sie gewöhnlich in schönen, den
alten Frauen angenehmen Herbsttagen
fliegen. Doch versteht man unter Alt-
iveibersommer späte warme und schöne
Herbsttage überhaupt. Es kommt noch
der Alteweibersommer, Im EngL heii'zen
diese Fäden samar Schleppe, Schlepp-
kleid, gossamar Gottes Schleppkleid,
was Weigandl, 38, zu der Frage
veranlafzt: Alieweibersommer gleichsam
Schleppe für alte Weiber? 2. Säure,
Schalheit des Bieres. Das Bier Jiat
den Sommer^ es fängt an matt und
säuerlich zu werden, was früher im
Sommer bei grol'zer Hitze, da man das
Bier nicht mit Eis behandelte, leicht
geschah. Hennig, 256.
Sommerfeld, 7i. Sie ist ins Sommer-
feld gesprungen^ ist vor der Ehe schwan-
ger geworden. Sprw. I, 69.
Sommergam, n., Zuggarn zur Fischerei
während der eisfreien Zeit, des Som-
mers; es heifzt auch grofzes Klapp- oder
Kleppnetz, poln. kleppa^ auch WCte,
Wethe,/. Masuren. S. Be necke, 352.
Vgl auch Soliargarn.
Sommergerste, /., zweizeilige Gerste,
Hordeum distichum L. Auch Futter-
gerste. Hagen, 1064.
Sommericom, n., Getreide, das nicht
in der Erde überwintert, sondern im
FrühUng ausgesäet wird.
sommern, sw.^ schimmern, aufdäm-
mern, klar, erinnerlich werden. Ja, nu
sommert et mi. Dorr, L Wiew., 24.
Sommervogei, m., der Schmetterling;
nach Treichel auch die Mücke.
Sommerwall, m.^ niedriger Damm in
den Weichsel-Niederungen, der nur ge-
gen das Sommer wasser Schutz gewährt.
Er heifzt auch Stauwaii. Vgl. Einlage.
SVmpelfrag' /., Simpelfrage beim Solo-
spiel; jede Frage, die nicht in TrefF ist.
sOne, Pronominaladj. = solche. Es
giebt sone^ auch sone Menschen, solche,
auch solche : im Charakter verschiedene.
Em Mensch läivt noch enmal so froh Bi
sone leckre Traktementen, Dzg. Nhg.
Parad., 53. Auch in der Bedeutung:
stark, heftig. Soiie Zahnschmerzen^ —
sone Leibschmerzen. Das sind sone Blu-
men^ Blumen, deren Namen man nicht
kennt. Min Jahn lacht äwer sonem
Schnak. Seelenw., 25.
Sonnabendseife , pitd. SQnnawendstp,
/., grüne Seife, welche Dienstmädclieu,
Kinder und schlichte Leute an Sonn-
abenden in den Gewürzladen sich zur
Sonntagswäsche erbitten und auch er-
hallen. Empfangt der Einzelne auch nur
ein kleines Quantum, so verursacht
sonndag — Spachheister.
345
diese Sitte in grolzen Geschäften nicht
unbedeutende Ausgaben.
sönndäg, adv.y s. seindäg.
Sonnenblume, /., einjährige Sonnen-
rose, Heliantitus annuus L. Auch Son-
nenglanz, m. Treichel, Volksth. III.
Sonnenlöffel, m.^ Pflzn., s. Sindau.
sonnentrocken, od;., die durch die
Sonne, eigentlich die Luft, erzeugte
Trockenheit. Die Flundern werden erst
an der Luft getrocknet — sonnenirocken
— und dann geräuchert^ weü sie sonst
leicht zerfallen. Passarge, Bai t., 299.
Sonnenwirbel, m,^ Pflzn., rundblättri-
ger Storchschnabel, Geranium rolundi-
foliuviL. Hagen, 718. NachPritzel,
163, für Ostpr. Ger. columbinum L,
IIa gen hat Sonnenwirbel noch für das
gemeine Rapünzchen, Fedia olitoria
VahL, die kleine Wiesenraute, Thalic-
trum minus L., und den binsenartigen
Krümling, Chondnlla juncea L, Ha-
gen, 41. 571. 808.
Sonntag, 7n., grofzer^ der Sonntag, an
Avelchem das heilige Abeudiuahl ge-
nossen wird; kein allgemeiner Kom-
munionstag, sondern jeder benennt den
seiuigen so. Jungfer bei Elbing. Auch
der Trinitatissonntag. Schippenbeil.
Paaris. Trunz. Elbing. Hintz, 31. 53.
C>p ern grute Sinndag^ wenn Uve ön
tnem sö?i^ als Versprechen ins Unge-
wisse. Natangen. Sprw. I, 3531.
sOnt, pron.y solches, dieses, das, so
was (etwas). Sont kann eck gar nich
lawen. Seelenw., 50. Wenn soont sick
möglich kann geboren^ wenn so was
sich möglicherweise könnte zutragen.
Ibid., 68. De lewe Gott nennt sont un-
schuldig, Dzg. Nhg. Parad., 29. Wöll
jü sont emmersch eok geneten. Ibid., 65.
Vgl. sOne.
. sOr, at//., dürr, trocken, saftlos, ver-
dorrt, abgestorben. Mühling. In
gleichem Sinne bei Jeroschin wieder-
holt s6r und versoren dürr werden, ver-
trocknen. Pfeiffer, 222. 260. In
Pommern auch sur^ im Götting. sdr
und 8ar, holl. zoor^ angs. sedr, Brem.
Wb.IV,924. Dähn.,443b. Schamb.,
179a. SchmellerHI, 280.
sOren, sw,, nach Hennig, 256, in
alten Urkunden s. v. a. einen unfrucht-
baren Wald ausroden, aushauen. In
Nds., Pomm., Götting., Bayern: ver-
trocknen, dürr werden. Von sor.
Sorge, /., Pflzn., blaue — , unnütze
ISorge^ dreifarbiges Veilchen, Viola tri-
color L. Hagen, 271. Nach Pritzel,
441, in Ostpr. 1654 frembde Sorge.
Die Pflanze heilzt hier auch Stiefmütter-
chen und GedenkblUmchen. Pritzel u.
Hagen, a. a. 0.
Sorge, /., neue^ s. Neuesorge.
Sorgstuhl, m., Stuhl, in dem man die
Sorgen vergessen soll, bequemer Polster-
stuhl mit Rücklehne und Armlehnen;
beliebtes Geschenk für Jubilare. Ich,
mit ffröfzter Höflichkeit präsentire ilim
den Sorgstuld, Soph. R. II, 455. Hen-
nig, 256.
Sorte, /., Sorte. Von dieser Sorte,
Sortement, 7i., in Bezug auf den
Bernstein, sortiertes, ausgewähltes, vor-
zügliches Stück; daher auch Sortements-
Stuck. Vgl. Stein.
Söster, 9n., schadhafte, fehlerhafte
Stelle in einem Gewebe, entstanden
durch ein falsches oder mangelhaftes
Einziehen der Fäden in den Kamm.
SVster, /., Schwester. De Brooder
öfz buuten, De Söster to kleen. Dorr,
38. In Ostpr. überwiegend Schwester.
Söfzling, m., Sechspfenniger, halbes
Düttchen. Sö/zling, std up, Idt Dütken
Sitten. Danzig. Sprw. I, 3294.
SStt, 7/1., s. SetL
Spachheister, m. 1. Elster, und in
346
Spachtel — Spalk.
diesem Sinne auch Spochheigster. Spach-
heister mit dem langen Schwanz^ BracM
der Braut einen gelben Kranz. Volksr.,
57,218. 2. hagerer, langbeiniger Mensch.
Er Vit ein rechtem* Spachheistei\ — ist
luiger wie e Spachheister, Bei diesen
Redensarten denkt das Volk zwar an
die Elster; doch ist SpachJieister Zu-
sammensetzung aus spach von mlid.
spache aus ahd. spachd^ spachlia^ spaeho
Reis, Holzspan, Holzstecken, in Bayern
Spachen und Spachten, m. u. /., Holz-
span stärkerer Art, wie sie z. B. in
Zäune geflochten werden, und Jieister,
hester^ mnd. junger Baum, namentlich
von Eichen und Buchen. Schade,
846a. Seh melier IH, 553. Mnd.
Wb. n, 228b. Ein Spachheister ist
mithin ein Mensch, dürr wie ein Holz-
span und aufgeschossen wie ein schmäch-
tiger junger Baum. Mehr noch tritt
diese Bedeutung bei dem Adj. spach-
heisterig hervor, womit man schlanke,
geil in die Höhe geschossene Bäume
und Menschen bezeichnet, letztere na-
mentlich, wenn sie knöchern oder ver-
magert sind.
Spachtel, /., Spatel — des Apothe-
kei*s, des Farben reibers, spatula^ böhm.
spachtle, Schmellerlll, 554.
SpachteKarbe, /., schnell trocknende
Farbe, welche, stark aufgetragen, der
eigentlichen (Deck-) Farbe untergelegt
wird.
spachteln, sw., mit einer Spachtel auf-
heben, rühren, thätig sein; Spachtel-
farbe auftragen, aijfspachteln, auf die
Spachtel nehmen, mit der Spachtel auf-
legen. Einern etwas auf spachteln y ihn
durchprügeln.
Spachtfaden, Spochtfaden, ?/}., Spagat,
Bindfaden. Mühling. Nach Trcichel
auch SpaggerL
spack, adj.y s. späk.
spaddeln, sw, 1. den Mund auf and
zu machen, jappen. 2. sich sträuben,
sperren, widerstreben. Der Vogel spad-
delt^ wenn er zur Verteidigung den
Schnabel sperrtund das Gefieder sträubt
Vgl. sparteln.
Späde, Spadem, pltd. SpOdem, m., Spa-
ten, Grabscheit, Werkzeug zum Graben.
Hennig, 256.
Spaggert, m., s. Spachtfaden.
Späk, Sptk, m., Stab zum Drehen
der Winden. Kgsbg.
späk, in Westpr. auch spack, aJ/.,
leck vor Dürre, Trockenheit. Tonnen
und Fässer, Eimer und Kübel werden
in der Sommerhitze rissig und leck,
späk, späken oder verspäken, sw. Bild-
lich: Ich bin ganz verspdkt^ ich bin sehr
durstig. Davon: späkig, adj., leck, aus-
getrocknet, rissig, zerborsten.
späkbeinig, cuij,^ dünn- und langbeinig.
Schemionek, 38. Vgl. Spachheister.
späken, sw.j späkig, at//., s. späk.
Spal, Spall, n.^ durch sors^ pars^ do-
natio übersetzt. Vgl. Monmn. histor.
Warmiensis H, S. 208: Verschreibung
von 1354, und S. 332: Handfeste von
1361. Nach dem Brem. Wb. ist Spal,
Spall ein gewisser Teil, ein gewisses
Mafz Landes. In einigen Gegenden
des Herzogtums Bremen sind die Län-
dereien in durchstreichende Spall Lan-
des eingeteilt. Dazu gehören auf der
Geest 21 Himpten Saatland, in der
Marsch für eine Kuh Weide, auf den
Wischen 6 Fuder Heu, in den Gemein-
heiton die Viehtriften mit Pferden, jun-
gem Hornvieh, Schafen, Schweinen
und Gänsen, und ferner ein Gewissos
in Heide, Weide und Moor, nichts aus-
genommen. Brem. Wb.IV, 932. Nsslm.
Forsch. 2. Altpr. Mtsschr. VIH, 367.
Spalk, 97i., Lärm, Kumor. Mühling.
Nach Richey, 280, und dem Brem.
spalken — sparteln.
347
Wb. IV, 932, noch: uDgestümes Ge-
schrei, Gepolter; in Pommern: Streit,
hitziger Wortwechsel. Dähn., 444b.
spalken, sw,^ scherzen, lustige Streiche
angeben. Im Nds. lärmen, toben. Brem.
Wb. IV, 933. Bock, 63. Hennig,
256.
spallern, sw.y voneinander spalten.
Treichel.
Spann, w u. w., Teil der Metritze
(s. d.).
Spannbett, n., zusammenlegbares Bett-
gesteli, Bettlade ohne Matratze mit aus-
gespanntem Leinwandboden. S. Ha-
gen, Norika. Leipzig, 1872. S. 84.
SpanntI, m., kleiner Mensch von
schmächtigem Körperbau und windiger
Natur. Elbinger Ndrg.
Spannsei, n.. Seil, Strick, womit die
Vorderfülze des weidenden Viehes ge-
koppelt werden. Von spannen.
spannsein, sw.^ Pferde, Vieh, mit einem
Spannsei koppeln.
spänsch, a(/;., spanisch, ungewöhnlich,
seltsam. Das kommt ihm spanisch vor.
Vgl. bShmisch.
sparbtster, adj,^ zur Verstärkung von
b ister (s. d.).
sparen, sw.^ schnell und mit Erfolg
arbeiten; überhaupt etwas schnell thun
und dabei vorwärts kommen. Diese
Arbeit spart gut. Dem spärfs^ dem
geht seine Arbeit schnell von der Hand.
Dir spart's nichts du kommst nicht vor-
wärts. Das Ersparte ist wohl die Zeit.
Scherzweise sagt man auch von dem
Schnellesser: dein sparfs, Oberland.
Sperber, 29: Es spart = es geht nicht
viel drauf, oder: es geht nur langsam
vorwärtxS.
spargeln, sw.^ spreizen, gewöhnlich
in der Zusammensetzung auselnander-
spargeln. Marold. Vgl. sparteln.
Sparkalk, m. Nach Hennig, 256,
aus Gips gebrannter Kalk, oder solcher,
in den viel Sand gemischt wird. Aus
sparen und Kalk zusammengesetzt.
sparken, sw.^ sprühen, Funken stäu-
ben. Mühling.
Spamas, 9n., Flügel am Sacknetz oder
Wenter, lit. Flügel überhaupt. Nach
Sperber, 29, Spamay.
sparr, adj.^ weit geöfGuet, aufgesperrt.
Sparre Augen, Hennig, 257. Vgl.
Sparren.
Sparre, /., Pflzn., doldenblütige Spurre,
Holosteum umbellatum L, Hagen, 147.
Sparrei, n., kleines Hühnerei. Nach
allgemeinem Aberglauben bringt es
dem Hause Unglück; man steckt das
Ei daher, um das Unglück zu bannen,
unter einen Sparren; daher der Name.
Mühling.
Sparren, sw.y sperren, aufsperren; s.
sparr.
Sparmiaul, n., s. Sperrmaul.
sparrweit, adv.^ sperrweit, angelweit.
De Dähr steit sparrwtd äpe.
sparteln, sparteln, sperteln, in der Saal-
felder Gegend auch sperkeln, »u\, sich
sträuben, sperren, zappeln, mit Händen,
namentlich jedoch mit Füizen, unfüg-
sam widerstreben. Von sperren^ ahd.
sparran, sperran^ praet sparta^ sparte.
In Hamburg spaddeln^ spafreln^ spatteln,
Richey, 280. He spartelt sock wie e
Pogg ön e Teertonn, Sprw. I, 3548.
Se quiekt on sparteld seck. Carm.
nupt I, 282, 5. absparteln, sw.^ ab-
zappeln, das Deckbett abwerfen. Sich
absparteln^ sich durch Widerstreben,
Sträuben mit Händen und Füfzen ab-
mühen, ermüden. Nsslm., Th., 173,
weist vergleichsweise hin 9,\dX\i.spdrdyti^
lett. spahrdiht mit den Füfzen schlagen,
lit. sfpinu^ sptrtu, lett. spert, sich gegen
348
Späfz — Speilenbrot.
etwas stemmen, mit den Fufzeu schla-
gen. Bock, 63. Hennig, 257: spär-
teln,
Spftfz, m. Auf Spa/z^ im Scherz,
ohne ernste Absicht. Knaben, welche
sich balgten, sagen, die Unart beschö-
nigend: Es war ja man auf Spafz.
In diesem Sinne spafzen, sw,, tändeln,
nicht ernstlich handeln. Er »pafzt ja
man blqfz.
Spätlinde, /'., kleinblättrige Linde,
auch Winterlinde, Tum microphyUa Vent.
Hagen, 555.
spazifizieren, »w.^ scherzende Korrump.
von spazieren,
SpScher, m.^ Schimpfwort auf einen
dürren, magern Menschen. Sperber,
30.
Spechtholz, Speichtholz, n., kleine Äste
und Zweige. Muhling.
Speck, n., der Speck.
Speckboden, m,^ Boden wie Speck,
fruchtbarer Boden.
Speckfink,m.,verächtIicheBezeichnung
eines Adligen. Stein, Peregrinus XVI,
8. W.Mt8bl.VI,187. In gleichem Sinne
Speckhecker, ein Besitzer, der mit Speck
hökert, oder Speck heckt, d.h. Schweine-
zucht betreibt.
Speckflinder, /., fette, speckige Flun-
der, doch richtiger: geräucherte Flunder.
S. spick.
Speckhecker, 7n., s. Speckfink.
Speckkäfer, m,y reicher und behäbiger
Landwirt. Er ist ein Speckkäfer.
sptgen, sw,^ spähen.
Speibutte, /., Bütte, in die man speit,
Spucknapf. Gedafiism,
Speichel, Pflzn., Knäuel, Sclera^it/ius
L, Treichel, Volksth.
Speicherdohle, /., Spitzname für ein
Mädchen, das auf Speichern arbeitet,
namentlich für ein solches, das dabei
gelogentlieh unsittlich ist. Treichel.
Speicherratte, /., Ratte im Speicher;
Speicherdieb. Eine SpeicherraUe fan-
geny einen Speicherdieb ergreifen, einen
Schlaukopf überlisten.
Speichtholz, n., s. Spechtholz.
speien, pltd. 8ple(n),su7., vomieren. Über
die Zang^ speien. Bei Jeroschin:
späten : ... also vol trankiSy daz st spten
28d. Pfeiffer, 223.
Speile, SpQle, pltd. SpTl, /., Holzstift,
wie ihn die Schuhmacher gebrauchen,
Schuhzweck; zugespitzter Pflock zum
Verschlufz der Wurstenden, zum Aas-
einandersperren der Därme beim Worst-
stopfen^ des Rachens geschlachteter
Tiere; erster zarter Federkiel junger
Vögel, oder im Fleische zurückgeblie-
bener Kielrest eines gerupften "Vogels;
Spreusplitter. Die Gänse bekommen
SpeUen^ wenn einem jungen Manne
die ersten Barthaare wachsen. Hen-
nig, 258.
speilen, pltd. sptlen, sw., doch tritt
die pltd. Form spilen auch hchd. auf.
1. etwas mit einer Speile aufspen'en,
auseinander bringen. 2. aufsperren,
spreizen überhaupt. Der Notleidende
mulz die Zä/i7ie in die Sonne speilen.
lle spilt de Täne wl e Werwulf, Wenn
de See de Täne ^ilty lieft se den Rache
af>ey von der stürmisch bewegten See.
Sprw. I, 3269. auf speilen, aufsperren.
Den Mund^ — die Augen aufspeilen^
weit aufreilzen. ausspeilen, ofi*en zei«
gen, cntblölzen: den Busen, die Zunge,
den Hintern. Se sptlt alles üty wat se
lieft ^ sie trägt sich stark entblölzt.
H e n n i g , 258, hat sich spielen^ ausspie-
/^i=spiegeln, „wenn sich Frauenzinmier
oft an der Thür oder am Fenster zei-
gen, um sich sehen zu lassen, oder
sich sonst unanständig eutblölizen."
Speilenbrot, 7i., Brot mit Speilen . S.
Brot.
Speil flick — spick.
349
Speilfiick, pltd. Sptifitick, n., Leder-
fleck, der dem Absatz der Stiefel oder
Schuhe mit Speilen angeheftet wird.
Ei7i Speilfiick außegen lassen,
Speilzahn, SpTIzahn, pltd. Sptttän, m.,
einer^ der die Zähne »peilt, fletscht.
1. Schreckgestalt für Kinder. DeSptU
tän kommt! Vgl. KoiTimutter. 2.
Spötter, Witzling, der andere gern
neckt, hänselt, hechelt, durch die Zähne
zieht. Erst Ohm^ on denn Ohm Sdhn^
on denn du Sptltän, Elbinger Ndrg.
Hennig, 258: Spielzahn. Davon:
speilzahnen, sio. und speilzahnig, adj
Worbi he mi grad so lestig ankickd^
OS wenn Schmedts Chrestian spieltdhnen
deit Dorr, Driewjagd.
Speischal, pltd. Sptschai (a = a), /.,
Spncknapf.
Sptk, /., Speiche; Stab zum Drehen,
s. Späk.
Spell, /., Stecknadel. Wer Strtt sekt,
fingt de Spell em Feder Heu. Gr.
Werder.
Spendierhosen, pltd. SpendSrbVxe, plur.
Die Spendiei*hosen anhaben^ traktieren,
frei halten.
spengern, sir, s. spenkem.
spenkern, spengern, fi?o., jagen, fort-
jagen, vertreiben, verscheuchen. Die
Hühner aus dem Garten spenkem. Ich
tcerd* dich spenkem ! als Drohung, auf-
spenkern, aufjagen^ aus der Ruhe auf-
stören. Die Kinder aus dem Bette auf-
spenkem^ sie unsanft zum Aufstehen
nötigen, herausspenkern, polternd mit
Stock oder Peitsche hinaustreiben, hep-
umspenkern, mitGcpoltcrin allen Winkeln
umherfahren ; einen andern umherjagen ;
Sachen unwirsch umherwerfen, letzteres
jedoch mehr spinge/m (s. d.) Er spen-
kert überall hei*um, Se spenkert^ und
schmefz emvi sich. Schaltj. 1 , 439.
wegspenkern, fortjagen. Uennig, 257.
Spennenftrsch, m , s. Spinnenarsch.
SpftP, wi., Zeiger an der Uhr. Von
ISpeer^ Spiel'z.
Sperenzchen, Sprenzchen, plur., Um-
stände, Weitläufigkeiten, ablenkende
Albernheiten und Scherze, hinhaltende
Winkelz&ge. Mach keine Speremchen!
Auch Sperenzen, Sperenzien^ im Ober-
lande Sporenzches^ bei Weigand II,
759, Speranzien. Aas mlat. speranci^y
sperantia Hoffnung, von sperare hoffen.
Spergel, m., Pflzn., s. Schmergel.
Sperkel, m.^ s. Spirkel.
sperkeln, su?., s. sparteln.
Sperkucks, m., sperkucksen, su?., s.
Spirfcucks etc.
Sperlingsschlucker, plur., Spottname
für die Eönigsberger. Vgl. Japper.
Sperrhaken, m., Haken, der die auf-
gesperrten Fenster festhält. Uennig,
257.
Sperrholz, n., -stock, m., Hol/, oder
Stock, mit dem die ausgeweidete Bauch-
höhle und die Hinterbeine eines ge-
schlachteten Viehs auseinander gehalten
werden. Hennig, 257.
Sperrmaul, Sparrmaul, n., aufgesperrtes
Maul. Ein Sparrmaul machen, mit
offenem Munde neugierig dreinschauen.
Vgl. Alaulgesperr.
Sperrstock, tti , s. Sperrholz,
sperteln, «tr., s. sparteln.
Sptt, m., Spiel'z, Speer, spitzer Stab,
Wo hei sehet, let hei sirin Spot, Vom
Vergel'zlichen. Sprw. I, 3273. Fisch-
sptt, pltd. Föschsptt, spitzer Stab an
dem man die Fische aufspiofzt und
zum Trocknen oder Räuchern aufhangt.
Heikesptt, m., Spiefz an der Heike (s. d.)
SpetAl, n., Spital, Hospital. Om
Spetal nä Bräde fragen, Vergebliches
thun.
Speznickel, m., s. Spitznickel.
spick, adj,^ geräuchert; von Speisen.
350
spicken — SpieEzmann.
Von mir nur in Zusammensetzungen
gehört: Spickgans^ Spickaal^ Spickflun-
der, gewöhnlich Speckflunder genannt,
wenn sie recht fett ist. In Pommern
auch Spickhering, Dähn., 447 b.
Dan. spikken gesalzen.
spicken, pltd. spticke(n), sw. 1. ste-
chen; stolzen. Mit der Nadel spicken.
Mit Fufzen spicken. Es spickt mir im
Atige. Mühling hat auch sptken. an-
spicken, anstechen, aufepicken, aufste-
chen, durch Stich öffnen. Ein Geschwür
aufspicken. ausspicken, ausstechen.
Spöck dem lewe Gottke nick de Ogkes
ut! sagt man zu dem Kinde, das nach
den Sternen zeigt, einspicken, einst^
chen. Ein Loch einspicken, zerspicken^
mit Stichen durchlöchern: ein Blatt
Papier zei*spicken; erstechen, durch
Stich töten. Loat doach nich den Mann
taschpocke! Bold t, 6. 2. schnell lau-
fen oder reiten: Dei spöckt got Jung^
gehy lauf^ renn^ spick so doli ah du
kannst! Sperber, 30. Nach Müh-
ling im Samiande auch s. v. a. her-
ausschütten. 3. Bildlich: durch Ge-
schenke und Geld jemand zu gewinnen
suchen (wie man den Hasen mit Speck
spickt). Seit der Zeit ist das ganze
Haus voll Advokaten^ und die werden
geschmeichelt^ gespikt^ angebetet. Soph.
R. V, 583.
Spicker, Spickert, m., allgemein ein
spitzes Instrument, mit dem man spik^
ken, stechen kann; scharfe Eisenspitze
an Piken, Schultintentassern etc. Nach
Hennig, 258: Sptker, eine Art klei-
ner Nägel, auch Klammspeicher (s. d.)
Mühling hat neben Sptker noch
SpTkerL
Spickflunder, -gans, /., s. Spick.
Spickgi, SpTkVI, SpicknardenSI, n., Med.,
Oleum spicae,
spidderig, adj.^ s. spilierig.
Spiel, n., Satz als Malz. Ein Spid
Stricknadeln = 5 Stück.
Spielbier, n.^ Bier, das den Spielleaten,
Musikanten, für ihr Spiel gespendet
wird; in früherer Zeit in Königsberg
ein bestimmtes Deputat an Bier, das
in den Höfen und Gärten den „Instru-
mentisten" zu liefern war. S. Die
Zünfte, 29.
spielerig, pltd. spöllerig, adj., spiel-
lustig, zum Spiel aufgelegt, zu mun-
teren Streichen geneigt und sie aus-
führend. Junge Hunde sind spielerig.
De Schpook (ßpuk) wea mankmoal so
schpölleng^ dat fie dam Margellke den
Todeck wech riete wuU, Boldt, 12.
spielrädig, adj,^ von einem regendorch-
weichten Wege, welchen ^die Kader
gleichsam spielend schneiden^. Müh-
ling.
Spieiratze, /., zur Bezeichnung eines
leidenschaftlichen Kartenspielers.
Spielschule, /., Schule, in der eigent-
lich gespielt werden sollte, Kleinkinder-
Bewahranstalt. Sie ist schon in die
Spielschule gegangen und kann schöne
Gebete, Königsberg.
Spieltag, m., Tag zum Spiel, ganzer
oder halber Ferientag. Haben icir
morgen^ — heute Nachmittag Spieltag?
fragen die Schüler den Lehrer. Erm-
land. Herr Direktor, ich 7nache ihm
einen demüthigen Fuj'zfall, er wolle dem
Grobianclien Spieltag geben. Lustspiel.
Spielverderber, w., Störenfried. . . . keen
Klatschmui, keen Sp§lcerdarwer. Dorr,
1. Wiew., 23.
Spielzahn, m,, s. Speilzahn.
Spielzeug, pltd. Sp^itlg, n., Klavier.
Gr. Werder.
Spiefzmann, m., Spiel'zbürger. E
Spesmann hadd sock schons de Hut
Ganz erlich voll gesäpe. Samland.
Firmenich IH, 115b.
Spiefemöwe — Spinkelwinkel.
361
Spiefzmöwe, f,^ die schwarzgraue See-
schwalbe, Stcftia nigra. Mühling,
Tiern., 177.
Spikant, Pflzn., nördlicher Kippenfam,
Blechnum boreale Sw, Hagen, 1106.
spikellren, 8<i7., höhnen, spotten, sti-
chehi. In Posen apikliren. Bernd,
288. Spikeleer nu fiich, PistoL Dorr,
1. Wiew., 20. Vgl. spuingen.
Sptker, SpTkerty m., s. Spicker.
SptkVI, n., Medik., s. SpickVI.
Sptle, /., spTlen, sw.^ s. Speile etc.
Spilly n.y Spiel; auch, nach Sper-
ber, 30, häufiger Familienname.
Spille, pltd. SpVir, /., gelbe, frühreife
Pflaume, Sommerpflaume; nach T rei-
che 1, Volksth. II, auch die Schlehen-
pflaume, Prunus insititia L. Auch
nennt man den Spillenbaiim kurzweg
Spille, Nds. Speljcy Spelt ^ Speltje.
Brem. Wb. IV, 941, das den Namen
von der Spalte herleitet, welche diese
Pflaume hat. Hennig, 258. Vgl.
Agtapfel.
Spiller, w., Dem. Spillerchen. 1. un-
bedeutender, dünner, schwanker Zweig,
wenig versprechender Schöfzling. 2.
hagere Person.
spill(e)rig, adj.^ hager, dürr, mager,
spindeldürr, namentlich von Armen
und Beinen. Nach Gordack auch
geil aufgewachsen. Was hat der für
spillrige Beine! Was spillerig ist^ wird
schwer fett. In Nds. spille die Spindel ;
ebenso in Posen. Brem. Wb. IV, 960.
Bernd, 288. In gleichem Sinne auch
spidderig.
spillern, verspillem, sw , verschwenden.
Dönh.
spillig, adj., leicht spaltbar. Zwei-
spillig, vierspillig, zweigespalten, vierge-
spalten. Von Holzstammen, die in
zwei oder vier Stücke gespalten sind.
Hennig, 336.
Sptizahn, m., s. Speilzahn.
Spinal, 7n., Garn zum Strumpf-
stricken. Dzg. W. Seidel, 34. Im
Augsburgischen der fein gesponnene
Faden. SchmellerlH, 570.
Spinat, m,y wilder, s. Mill.
Spinatwachtel, /., altes grimmig aus-
sehendes Weib. Danzig. Treichel.
Spind, n , Schrank. BOcher"^ Essen-^
Kleiderspind.
spingem, sw.^ poltern, lärmen, umher-
fahren, kleine Gegenstände im Eifer,
in Erregung und Ärger umherwerfen,
namentlich wenn man nach einem Ge-
genstande sucht. Be Spingert wat he
find^ on hefft den Kopp voll Grolle.
Carm. nupt IV, 59 b. ^e (die Magd)
spingert as tüie doli, on well eck eer dat
leggen, so prust se stracks herut, den
Deenst my optoseggen. Ibid. V, 264b.
Auch spinken: aber de älste Schwester
spinkt on schmofz^ weil se keene Kinder
krähk (kriegte). Schalt)., 3, 9. Sche-
mionek, 38. Lit. spengiu^ sp^ti und
spengeti gellen, klingen. Nsslm.
Forsch. 3; Th., 173. Bock, 64. Hen-
nig, 258.
Spinke, /., Sommerfleck, Sommer-
sprosse. Entspricht dem poln. piega
Sommersprosse (das s ist vorgesetzt).
Nsslm. Forsch. 3; Th., 173.
Spinkelwinkel, n., Versteckspiel der
Kinder. Eines der Kinder winkt, d. h.
stellt sich, die Hände über die Augen
deckend, in eine Ecke (einen Winkel)
des Males oder gegen dasselbe; die
übrigen suchen in der Nähe des Spiel-
platzes Verstecke. Auf den Ruf der
Versteckten: Ist all! oder Kuckuck!
verläCzt der Winkende das Mal und
beginnt die Genossen zu suchen. Diese
bemühen sich, von den Verstecken ans
das Mal zu erreichen. IJer zuerst Er-
griffene hat bei Wiederholung des Spiels
352
spinken — Spirkel.
za tcinken. Dies Winken heifzt auch
lugen und plinzen (s. d.). In der
Schweiz heifzt das Spiel Gugehtein^
Anschloffigs y Blinzimus, Rochholz,
403 f. Sie spielen mit einander Spinkel-
winkely Versteckens, wollen sich nicht
verstehen. Königsberg. Volksr., 191,
713. Bock, 64. Hennig, 258.
spinken, sw.^ s. spingern.
Spinne, pltd. Spenn, /. Wat Spenn!
als Aasruf der Verwunderung. Carm.
nuptY^ 190d. Pfui Spinne! Abscheu
ausdrückend.
spinnefeind, adj. u. adv.^ stark ver-
feindet, feindlich gesinnt wie gegen
eine Spinne. So fordert Ihr von mir^
ein frohes Lied zu singen^ So Spönne-
feind und gram mir meine Muse ist
Carm. nupt. I, 125. So spricht der
Zagende: Gott sei ihm Spinne-feind.
Ibid. m, 282 c.
spinnen, pltd. 8penne(n), 8p»nne(n), «f.,
essen. Der spinnt gut^ Uzt tüchtig.
Spinnenarsch, pltd.Spennenar8cli(a==a),
7»., Podex der Spinne, zur Bezeichnung
eines alten, hageren Mannes.
Spinnenfresser, pltd. Spennefrfiter, m.,
Kleinigkeitskrämer. Spinnen fresserneam-
ten die Insassen eines Hospitals den
Direktor der Anstalt, weil er bei seinen
Besuchen es zunächst auf die Spinnge-
webe abgesehen hatte.
Spinnensommer, pltd. Spennesamer,
(a = a), m., die Zeit kurz vor dem
Alteweibersommer, wenn die Spinnen
ihre Fäden über die Stoppeln gezogen
haben.
Spinnhaus, n., Zuchthaus, namentlich
für weibliche Verbrecher. Veraltet.
Spinnkarre, pltd. Spennkarr, /. u. 9n.,
Spinnrad. Bim Spenkar set de Mitsch
on spennt. Dzg. Nhg. Violet, 194.
Spinnstock, m., Stock im Wocken,
Uberwücken. In einem masur. „Gesprach
zwischen vier Ehefrauen^, das mir ans
Marggrabowa eingesandt ist, heifzt es:
Gestern gab er (der Mann) mir eins
mit dem Spinnstock (jprzQsUcct) in den
Fufz,
Spinnwocken, m.^ jedoch meist nur
Wocken (s. d.), Spinnrad.
spinterig, adj.^ hager. Schemionek,
38.
spintisieren, spintestren, sw.^ grabein,
nachdenkend auf Spitzfindigkeiten ver-
fallen, ersinnen, erklügeln, aasdofleln.
Auch ausspintisieren, lierausspintiaiereiu
Hennig, 258.
Sptr, m, u. n., Dem. Sptrchen^ pltd.
Sptrke, 1. Spitze, besonders Gras-
oder Eomspitze, die aus der Erde
kommt; aber auch ein vollständiger
Halm, mehr jedoch Hälmchen. 2. ein
Weniges, Geringes von einer Sache.
Nicht ein Sptr Schnee. Ein Sptrchen
Eolz^ ein Sptrchen Milch. Herr^ too
Sophie ein Spihrchen Liebe gegen Ihn
hat, so bin ich ein Schelm! Soph. R.
II, 459. Vgl. Richey, 282. Brem.
Wb. IV, 954. Schamb., 205a. Mi,
85a. Danneil, 204a. Vilmar, 393.
Anton, 13, 3. Hennig, 258.
sptrig, a(f;., dünn wie ein Halm; auch
vom Menschen. Von Sptr.
Spirkel, pltd. Sperkel, Spörkel, in
Westpr. auch Spörke u. Sprekel, m. 1.
gebratenes Stückchen Speck, das zu
Klölzen, Brei, Kartoffeln, in Mus etc.
gegessen wird. Wenn mtne Motter
Spörkel brät, denn lacht mt de Bart.
Ömmer von bdwe drop, KtUce keirC
Spürkel drop. Sprw. I, 2816. Dat ös
e goder Spöi^kel ön e Pann, von einem
Korpulenten. De geit, as wenn de Dticel
Spöi*ke frett. Mockrau bei Graudenz.
Auf der Dzg. Nhg. Sprekel. Sprw. I,
1166. Lit. spirgas, poln. szperka das-
selbe und auch Ch^iebe (s. d.) Hen-
spirkeln — Spitzkopf.
353
nig, 257, sclireibt Spärkel. 2. Schorf-
pustel, weil sie einem Speckspirkel ähn-
lich sieht. Ehr hat Spirkel gegessen^ er
hat einen aasgeschlagenen Mund.
spirkeln, sw.^ Speck braten; Speisen
mit Spirkeln abmachen. Muhling.
Lit. sjnrginti^ spirgyti. Nsslm. Th.,
173.
Spirkucks, Sperkucks, SpUrkucks, m.,
ein Überall und Nirgend, Pfiffikus,
Schlauberger, der alles sieht, merkt,
spurt; in der Elbinger Niederung win-
diger, kleiner und schmächtiger Mensch;
auch Schmeichelwort für kleine muntere
Kinder. Spürkucks^ merkst du watf
Sprw. I, 3582. Hingewiesen sei auf
den Spiruks der Litauer, ein drachen-
artiges Wesen, das, durch die Luft
fliegend, Getreide und Geld eines an-
dern den Seinen zuträgt. Bezzen-
berger, Lit. Forsch., 66.
spirkucksen^., aufmerken,ausschauen,
nachspüren.
Spitalqualst'rer, m., s. Qualster.
spitig, adj.y keck, widersprechend,
höhnisch, spottsüchtig, boshaft, geärgert,
stichelnd. Nds. sptt Hohn, Spott,
Kränkung, Yerdrui'z, den man andern
anthut, oder der uns angethan wird;
spitig verdrierzlich, was kränkt. Brem.
Wb. IV, 954 f. Vgl. spHsch.
spHsch, ad/, u. adv.j spitz in der
Rede, spöttisch, schnippisch, kurz an-
gebunden, frech, naseweis. Er kam
mir spitsch^ d. i. höhnisch. In Danzig
spTtsch; in Nds. spttaky in Pommern
spitisk, spttsch^ im Götting. spttsch.
Brem. Wb. IV, 955. Dähn., 449a.
Schamb., 205a. Hennig, 259. Vgl.
spitig.
Spittakel, m., Spektakel.
Spittelbrot, n., Brot, Speisung im
SpitteL, Hospital, über dem Thor des
Löbenichtschen Hospitals in Königs-
Prisohbier, Wörterbuch 11.
berg standen ehemals unter andern fol-
gende Reime: AUe^ die nach Gottes
Willen Durch Spittelbrot ihren Hunger
stillen, Sollen vor die, so sie speisen,
Täglich beten^ Gott loben und preisen.
Hennig, 259.
Spittelhahn, m,, s. Spöttelhahn.
Spittelkorb, m., Fischergerät. Pier-
son, Matth. Prätor., 117.
Spittler, m., zur Ordenszeit ein Auf-
seher über ein Hospital. Hennig,
259: „Nach Waisseis Chronik setzte
der zwölfte Hochmeister Siegfried von
Feuchtwangen einen Oberspittler, der
die Aufsicht über die gemeinen Spittler
hatte und ihnen vorschrieb, wie sie
die Einkünfte der Hospitäler am be-
sten verwalten sollten. Er war unter
den Gro/zgebietigem im Lande der
dritte und hatte seinen Hauptsitz ge-
wöhnlich in Elbing. In der Folge
wurde ihm ein Unter^cnttler zugeordnet,
der theils die Reisen im Lande über-
nehmen, theils in des Oberspittlers
Abwesenheit die Amtsverrichtungen
bestellen mufzte.*
SpHz, • m., Dem. Spitzchen^ Rausch.
Er hat einen Spitz — er hat ein kleines
Spitzchen. Sprw. I, 445. Bock, 64.
Hennig, 259.
spitz, adj. u. adv, spitzig; frostig.
Ich kann die Sache nicht spitz kriegen,
ich kann damit nicht zum Ziele, zum
Zweck kommen. Hennig, 259.
SpHzbubentag, m. Einen Spitzbuben-
tag leben, einen Herrentag leben, ein
gutes Leben führen. Königsberg.
Spitze, /., satirische, beifzende Rede.
Ich danke für die Spitzen, Dei Spötze
kannst dt an e Underrock nege, Sprw.
I, 3578. Davon spitzen u. spitzeln.
spitzklug, od)*., scharfklug. Beleg-
stelle unter Püfel,
Spitzkopf, m, 1. spitzfindiger Kopf.
23
354
Spitznickel — Splitterkopf.
2. Im BrCisbartBpiel Ereozdame, in der
deatschen Karte mit spitzem Hat.
3. Spottname für deo Gendarm. 4.
die Haubenlerche, Alauda crütata.
SpHznickely pitd. Spötznöckel, m. 1.
junges Mädchen (Kind) als Braut-
führerin an der Spitze des Hochzeits-
zages. N. Pr. Prov.-Bl. IV, 51. Nach
Bock, 63, hiefzen ursprünglich Spitz-
nickel die Jungfern, die bei dem Trauer-
gefolge in dem ersten Paare gingen.
In der Niederlaus, heil'zen diese Trauer-
mädchen Spitzemädchen. Anton, 4,
12. In den Lit. Aeq., 21, wird auf
die lit. Wurzel spit^ specz^ umringen,
umgeben (nämlich die Braut) hingewie-
sen. Hennig, 257, schreibt Speznickel
2. unerwachsenes, niedliches Mädchen
überhaupt 3. die Haubenlerche. 4.
Nymphaea lutea u. alba. Drausensee.
Mühling. Vgl. Nickel.
spiftren, sw.y sperren, aufsperren, ge-
wöhnlich aufsplftren. Spldr' den Mund
auf! thue den Mund auf. Der Vogel
spldrt den Schnabel auf. Die ITiür
aufspldren. Als Gegenteil verspl&ren.
Den Weg verspldren. Davon in der
Zusammensetzung :
spiftrweit, adj, und adv.j sperrweit,
aufgesperrt. Die Thür stand spldrweit
offen^ sie war weit geöfiPnet. T rei-
ch el.
spielten, 8^., s. spllten.
spIStig, adj.^ grobfaserig; vom Kind-
fleisch, Fleisch des Aales. Müh-
ling.
Splint, m. u. n. 1. plattes Eisen mit
einer Feder, das man durch Riegel
oder Bolzen steckt, um dieselben fest-
zuhalten. 2. Span, Splitter, nament-
lich wenn ein solcher gleich einem ei-
sernen Splint gebraucht wird. Engl,
und schwell, splinty holl. splenter^ splin-
ter^ dän. splinde. 3. das weiche, erste
Holz zwischen Rinde and Kern.
spllnter, acf;., ganz, völlig. Als erstes
Glied in der Zusammensetzung: splinttf-
nackt, adj.^ so nackt wie Holz, dem
die Rinde abgezogen ist, wie ein Splitter.
Wt 08 80 splontemäkt er Lt/^ De nick
mal Hemdkes drege! Samland. Fir-
menich III, 499a. In Pommern aach
modemaketj nackt, wie ein Kind von
der Mutter kommt. Dähn., 309b.
Hochd. hört man gewöhnlich: splitter-
nackt Vgl. spOnnackt« In Posen spUt-
terfasemackt. Bernd, 290. Hennig,
259. Bock, 64, hat auch splintemeo.
Bjin splint^rneues Kleid.
splissen, spllfzen, «o., ein Tan durch
Zusammenflechten der zerrissenen Teile
ausbessern. Schemionek, 38. Breu-
sing, 19.
Spllfz, m., s. SpiTte.
SpITte, Spitst, m. u. /. l. Spalte, Ri(z.
Schlitz, Riize. 2. ein zerspaltenes
Stuck, ein Holzscheit, Span. Nach
Mühling ein Dachspan, den man
bei Biberschwanzdächem unter die Fu-
gen in Kalk legt. Im Nds. Splete;
im Götting. splete Splitter. Brem. Wb.
IV, 958. Schamb., 205a. Hennig^
260.
spITten, spielten, st.^ spleil'zen, spalten;
sich spalten, abtrennen; reil'zen, zer-
reifzen. Das Holz splttet guty lälzt
sich gut spalten. Federn spltten. Lakens
wt ut em Ei gespleite, so zart und weüz.
Dönh. Engl, split^ schwed. spUta, holl.
splijten. Oft mit riten verbunden. Hei
mot alles territe on terspltte. Hennig,
260.
Splltnagel, m., Nietnagel, Niednagel;
Hautsplitter, der sich abgetrennt, ab-
gesplietet hat ; er heü'zt auch Rttnagel.
Splitterkopf, pItd. SpIVtterkopp, m..
Splittholz — Spreh,
355
Schreckgestalt für Kinder, mit einem
Kopf aus Splittern. S. Kommutter.
Splittholz, n., 1777 von Meiuel aas-
gegangen : i^plittholz 291 Faden. Bock,
Nat. I, 608.
spluderig, adj,^ undicht, dünn, unvoll-
kommen. Muhliug. Wohl dasselbe
was scfdüdetng.
Spochheigster, m., s. Spachheister.
Spochty m. 1. gemeine Taube, Feld-
taube; nach V. Au er auch Specht.
2. hagerer, dürrer Mensch. Hennig
hat für diese Bedeutung SpuchL Sie (er)
ist ein 7*einer Spocht^ — mager wie ein
Spocht. Er hat Beine vne ein Specht^
dünne Beine. Das Brem. Wb. IV, 977,
welches Sptigt schreibt, erinnert für
die Ableitung auch an das nds. Spook
Gespenst und an Spacht und Spagen
Bindfaden. In der Gegend von Fried-
land Ostpr. ist Spocht wirklich = Spoky
Spuk, Gespenst. Hennig, 261.
spochtelriy sw,, mit Behagen speisen,
löfiFeln, von einer Lieblingsspeise essen,
Was giebfs zu spachteln? Friedland
Ostpr.
Spochtfaden, m.y s. Spachtfaden.
Spöckelerbse, /., s. krellen.
SpOk, m, u. n.j Spuk, Gespenst. Öm
blingen Brooks Da wankt dat Spook,
Spook, 471. Auch Gespok (s. d.) Da-
von spOken, sw.^ spuken.
SpOn, m., plur, Spöner^ Spener^ Span.
Mit Spon hobeln, in der Richtung ho-
beln, wie das Holz spaltet über Spon
hobeln, gegen die Spaltrichtung hobeln.
In Zusammensetzungen: spOnnlichtem,
spOnnackty s. v. a. vollständig, also
völlig nüchtern, ganz nackt.
Spondy m,y Pflock.
SpOnkalb, n., Kalb, das noch saugt.
Spon, Zitze des Kuheuters. Brem.
Wb. IV, 963.
SpOnklappe, /., s. Gomolka.
Spore, /., ein zur Gattung Karpfen
gehöriger Fisch, der sich vorzugsweise
im kurischen Haff findet, die Zope,
Abramis ballerus, lit. sparis^ sporis, kur.
spare. Bock, Nat. IV, 682. Be-
necke, 122.
Sporenzches, plur., s. Sperenzcehn.
Sporgeln, Ortsn., Dorf im Kr. Fried-
land Ostpr. Spott: Du kannst gäne
bt 'ne Sporgelsche Kuijel ! zu einem, der
wegen Untauglichkeit von einer Be-
schäftigung fortgejagt wii*d.
Spott, n, Spiei'z? Sonst kommt de
Schmödt, Schielt jü möt dat Spott.
Volksr. 135, 564
Spöttelhahn, Spittelhahn, m., untaug-
licher Hahn, Hühnerzwitter. Hei kregt
wt e Spöttelhahn, er spricht (scheltend)
mit hoher Diskantstimme.
spottleicht, adj., sehr leicht, den Spott
herausfordernd leicht. Die Rechnung
ist spottleicht.
spöttsch, adj,, spöttisch, rauh. Glup-
sches, spettsches Wedder, unfreundliches,
rauhes Wetter. Dorr, 1. Wiew., 58.
Sprachheistern, sw,, über einen Dritten
im geheimen sprechen, schänden, ihn
verleumden. Nordenburg.
sprachlos, adj., baufällig, dem Zu-
sammenstürzen nahe; auch von einem
Menschen, der durch Krankheit ge-
beugt seinen Körper schwer aufrecht
erhält. Marold.
Sprechan, d. i. sprich an, Name für
ein Gasthaus vor dem Steindammer
Thor. Königsberg. Vgl. Legan.
sprSen, sprSgen, sw., sanft regnen.
Es hat ein wenig gespret, es hat sachte
geregnet. H enn ig, 260, schreibt spro^
Bock, 64, spreen.
Spreh, Sprehe, Sproh, /. 1. Star,
stumus. Ahd. sprd, hoU. spreu/w. Im
23*
356
sprehhalterig — Sprind.
Samlande auch Spren. M u h 1 i n g , Tiem.,
177. 2. ein hagerer Mensch, iki ös
verdregt w'tn Spreh.
sprehhfttterig, adj.^ hager, dünn, lang.
Muhling.
Spreite, Sprfite, pltd. SprSde, /.^ von
spreiten^ Ausbreiten des Flachses zum
Trocknen, wenn er aus Aqt Rete kommt;
Trockenboden. Was sagte dei' IJopfen,
Liegend auf der Spreite f Nsslm.,
Dainos, 142.
spreiten, sprSten, pltd. sprfiden, sprS-
sen, 8w,^ etwas seiner ganzen Flächen-
ausdehnung uach ausbreiten, hinlegen.
Wäsche auf die Bleiche spreiten, Nsslm.,
Dainos, 194.
Spreittuch, n., s. SprStuch.
Sprengsei, m., Heuschrecke, weil sie
springt. Kr. Berent. Treichel.
Sprenzchen, plur,^ s. Sperenzchen.
sprSsen, sw.^ s. spreiten u. sprSfzen.
SprSrze, SprSse, /., Spreize, Strebe-
holz, Strebepfeiler, Stütze. EineSprefze
untersetzen. Die Sprefze einer Brücke
— eines baufälligen Hauses, Uenuig,
260. Ahd. spriuza^ mhd. spriuze.
Schade, 858b. Sp*efzen heii'zen auch
die gespreizten Arme der Deichsel
und des Laugbaumes am Wagen ; diese
im Oberlande auch Heichen. S. Spriese.
sprSfzen, sprSsen, sw,^ Sprefzen setzen,
stützen. Ahd. spriuzan,
SprSte, /., sprSten, sw,, s. Spreite etc.
SprStuch, Spreittuch, n., grofzes, vier-
eckiges wollenes Tuch von grüner
Farbe (nach Hennig aus weifzer Lein-
wand), einst beliebter bequemer Über-
wurf für Frauen, namentlich Dienst-
botinnen während des Spreens (s.
spreen). Es hing in der Gesindekummer,
und wer der schützenden Hülle be-
dürftig war, langte danach. Der Schirm,
der sonst nur das Haupt der Herr-
schaft deckte, hat das SprStuch in Ver-
gessenheit gebracht. J. F. Lausons
„Erster Versuch in Gedichten** (Kgsbg.
1753) enthält eine Apostrophe auf das
Spretuch^ welche dasselbe als einen
Deckmantel der Unordentlichkei t,Iieicht-
fertigkeit und Hinterlist bezeichnet; sie
beginnt: Da fast die halbe Stadt in
einem Spreetuch gehty Kein Wunder ^
wenn es auch in meinen Versen steht.
Der zweite, später auftretende Name
ist aus spreiten und Tu^ch zusammen-
gesetzt, bezeichnet also ein Tuch, das
man über (sich) spreitet, umwirft. Das
Spretuch lebt jetzt noch im Sprichwort:
Wenn^s Mod! ist^ so geht auch die Katze
im Spretuch. WenrCs arg kammt^ so
gehen die Katzen mit Spretüchem her^
u/m. Es geschieht^ wenn die Katze ein
Spreittuch trägt. Vgl. N. Pr. Prov.-Bl.
H, 361. Sprw. I, 2644. 1236. Hen-
nig, 260.
Spreubauer, m., Bauer, der in der
Stadt Spreu kauft; oft mit übeler Neben-
bedeutung, indem statt der behaDdelten
Spreu betrügerisch Getreide eingesackt
wird. Kgsbg.
Spreufericel, pltd. Sprtfarlcel, n , Ferkel,
das mit Spreu (Hinterst, Hintergetreide)
gefüttert, also nicht auf die Mast ge-
stellt wird. Es wird zum Faselschwein
grol'z gefüttert. He ös dem lewe Gottke
Sin Sprtfarkel, Sprw. I, 1352.
Spriese, Spriefze, /., Sprosse, Stange,
womit der Sack oder Wenter im Wasser
befestigt wird, Pricke. Welchem kann
dargethan werden^ da/z er Sackspriesen
habe stehen lassen^ soll bestraft werden,
Haff- und Fischerordnung v. J. 1640.
Bock, Nat. IV, 696. Benecke, 295.
Sprind, Springd, Spring, Sprinl(, n. u.
m., Quelle. Ahd. spring., mhd. sprinc^
engl, spinng. Dei" Sprint in dem Amte
Ffiedrichsberg , . . führet zwar kein stark
mineralisches^ aber doch schweifztreiben--
sprindig — Spudder.
357
des^ klares Wasser . . . Noch beträcht-
licher ist der Sprint bei Kiauten etc.
Bock, Nat. I, 504. Wer den Magnet
vnU haben und einen süfzen Sprind, den
matten Geist zu laben, sucht beedes in
der Orub! Carm. nupt II, 80 d. Vgl.
MSske.
sprindig, springdig, springig, adj,^ quel-
lig, quellreich. Sprindiger Boden, nasser,
feuchter Boden. In Westpr. auch sprin-
kig. Es kommen aus einer sprinkigen
(d. h. quelligen) Stelle ei^t die Köpfe,
dann das ganze ülnige Gerippe der
Pferde zum Vorschein. Treichel, See
bei Alt-Grabau. Verhandig. d. Berlin,
anthr. Ges. 1881, S. 399.
Sprindwasser, n., Quellwasser, hartes
Wasser, Trinkwasser.
Spring, Springd etc., s. Sprind etc.
Springkraut, Springsamenkraut, n., s.
Rehehirschen. Hagen, 500, hat auch
für die kreuz blättrige Wolfsmilch,
Euphorbia lathyris L., deren Samen-
kapseln mit Heftigkeit aufspringen, die
provinziellen Namen Springkraut, Spring-
kOmer.
sprTslich, adj., empfindlich, leicht ge-
reizt^ aus Eitelkeit, Überspanntheit.
Ein sprisliches Mädchen. Friedland
Ostpr.
Sprit, m., Baum oder Stange, die ga-
belig gewachsen oder gespalten. Har-
kensprtt. Stiel an einer Harke. Hen-
nig, 260. Vgl Sprftfze.
Spritzenholz, n., bei Pratonus Sprützen-
holtz unter den Gesträuchen Preufzens.
Pierson, Matth. Prator., 13.
Sprock, n. u. m, 1. Leseholz, ver-
dorrte Baumäste, welche sprock, leicht
zerbrechlich, sind. Sprock lesen, dürre
Äste im Walde sammeln. Sprockholz,
dünnes Astholz, im Gegensatz zu La-
gerholz. Sprockholz nennt man auch
die ausgebaggerten Holzreste und Bor-
kenstückchen, welche die nach Bern-
stein schöpfenden Bagger mit zutage
fördern. Schwarzort. Klebs, Gewin-
nung etc., 19. 2. zur Bezeichnung schlech-
ter Ware, des Ausschusses einer Ware.
Die Ware ist lauter Sprock. Hennig,
260.
sprock, adj, spröde, brüchig, mürbe.
SprOckelerbse, /., s. krallen.
Sprockheister, 9n., Strauchelster, grauer
Würger, Lanius excubitor. Na, du
kleener Sprockheister, wat bringst du
Niet? Dorr, 1. Wiew., 66. Vgl. Kad-
digheister.
SprockhOmske, /., Sprockameise, weil
sie Sprockrestchen trägt. Saalfeld.
Sprockwurm, m., Larve der rauten-
fleckigen Köcherjungfer, Phrygaena
rhomboida. Sie wohnt in einem Ge-
häuse von holzigen Stümpfchen; daher
der Name. Mühling, Tiem., 177.
sprOen, sw., s. sprSen.
Sproh, /., s. Spreh.
Sprott, m, Überfracht, welche auf
Schiffen durch betrügerische Mittel
(Annässen der Ladung etc ) erzielt wird;
sie heifzt in der Schiffersprache auch
der Oberkahn. Mühling.
SprUtzern, m., Faulbaum, Rhamnus
frangula. Hagen, 258.
Spucht, m., s. SpochL
Spuck, m,, Spucke, /., Speichel. NOch-
temei^ Spuck hält gut Man giebt scherz-
weise den Rat, etwas Zerbrochenes mit
nüchterner Spucke zu kleben. Davon
spucken, sw.y speien.
Spucklocke, /., gekräuselte Haarlocke
in der Nähe des Ohres. Sperber,
30.
Spuckschale, /., Schale, in die man
spuckt, Spucknapf.
Spudder, m., schwächlicher, dabei
hoch angewachsener Mensch. Norden-
burg.
358
spudderig — Stab.
spudderig, adj.^ dünn, schlank, ma-
ger.
spQden, 8w.^ späten, eilen, etwas schnell
und geschwinde besorgen. Sich spttden^
sich beeilen. Spud dich^ beeile dich!
Ock hebb ml deg gespot, ich habe mich
sehr beeilt. Hastig gespot ös nemig göt
Sprw. I, 1497 flF. 3584. Vom Spuden ist
die Katz gestorben^ Entschuldigung des
Langsamen.
spQdig, spDtig, adj. von spuden^ eilig,
schnell. Mühling.
spuingen, »w,^ zanken, ausschelten.
Se hefft so doli m^ ere Lied gespuingt.
Dorr, 1. Wiew., 83. Se spunjgen ju
on spikeleem. Dorr, 14.
spQken, sw, 1. unstat umherwanken
wie ein Spvk^ keine ßuhe finden. Er
sptikt immer herum. 2. unrichtig im
Kopfe sein, falsche Ansichten haben.
Bei dir spuMs wohlf Herr^ in seinem
Kopf spuhkt es! Soph. K. II, 459. 3.
über Zu künftiges in Vorahnung sprechen.
Böses durch Erwähnung desselben her-
beirufen: vorspQken. 4. Mit Feuer spu-
ken^ mit dem Feuer unvorsichtig um-
gehen. Hennig, 261.
SpUlung, /., das regelmäfzige Wogen
des Meeres am Strande, anschwellend
und weichend ; das überspülte, zum Gehen
feste Strandufer. Wir verlassen nicht
gern die Spülung, weichen den Wellen
aus und sehen lächelnd, wie unsere Fufz-
stapfen verloscht werden. Passarge,
Balt., 98.
Spülwasser, n. 1. Spülicht. 2. schlechte
Brühe oder Suppe; fades Getränk.
Das ist ja reines Spulwasser. Hennig^
261.
Spundgeld, n.^ Trinkgeld, das den
Brauknechten, die das Bier in Fässern
anfahren, von den Gastwnrten gegeben
wird.
Spundmichel, m,^ FaCzkellner, der den
Spund, den das Spundloch verschliefzen-
den Zapfen, aus dem FaPz schlägt.
Spur, /. Nickt die Spur^ nicht das
geringste.
spQren, sw., die Spur suchen, ver-
folgen, der Spur nachgehen; zunächst
in der Jägersprache. EXn guter Jäger
spurt genau, Mädchen in dem Rure,
Lasse dich nicht spüre, Der Jäger schief zt
dich! Volksr., 207, 768. Auch ver-
spQren. Vgl. erspQren.
SpUrfrafz, m., Mensch^ der im Essen
verwöhnt ist und vieles nicht mag.
Marold.
SpUrkucks, m., spUrkucksen, 9tr., s.
Spirkucks etc.
Spot, /., Eile, Geschwindigkeit. Hast
und Spüt ihut niemals gut. Sprw. I,
1496. Engl, speedy holl. spoed,
sputig, ad]., s. spudig.
Srasi, poln. zrazg, poln. Nationalessen,
gerolltes PfeflFerfleisch , PfefiFerklops.
Sperber, 40. Mrongov. I, 663b.
srafzen, sw., in den poln. Gegenden
Westpr. für cacare, von dem gleichbed.
poln. srac.
Srogen, Ortsn., s. StonupOhnen.
staatsch, pltd. slatsch (a = ä), adj. u.
adv,, stattlich, ansehnlich, prächtig,
mit schönen Kleidern geputzt, im Staat
Sie geht sehr staatsch. Es geht in dem
Hause sehr staatsch zu, es wird vor-
nehm gelebt. Mien Nahber Japp de
möhnt, et rook noch von der Klaatsch,
De hei en Pingste gaw. Dat was wol
alto Staatsch! Carm. nupt TV, 324b.
Hennig, 263.
Staatsschlitten, pltd. Stddsschlede, w.,
Schlitten, mit dem man Staat macht,
Spazierschlitten. S. Arbeitsschlitten.
Stab, pltd. Staff, m. 1. Stiel. Flegel-
staff, Stiel am Dreschflegel. 2. Eisen-
stange. Ein Stab Eisen. 3. Fal'zdaube.
Hennig, 261. S. Pfpenstäbe.
stäbig — Stäkbalken.
359
sttbig, adj.y 8. stäwig.
Stachater, m. , grofz gewachsener
laogbeiniger Mensch. In früherer Zeit
auch Spitzname für den Exekutor und
Gerichtsboten. Davon stachatem, 9w.y
aufklettem^ suchend umhersteigen. Kin-
dern, die auf Stuhle und Tische stei-
gen, ruft man zu: Stachater nicht!
herumstachaterny vom Langbeinigen^ der
geschäftig umherlauft, stachatrig, adj.^
lang- und steifbeinig. Schemionek,
38.
Stachbetely Stachelbauch, m., s. Stach-
linski.
stacheln, 9w ^ quälen, pisacken; auf-
hetzen, aufstacheln durch Keden. Dar-
aus stachClen. Treichel.
Stachelschwein, pltd. -schwTn, n., ge-
meiner Igel, Erinaceus europaem,
Mühling, Tiem., 178.
stachelschweinig, ad/., mit Stacheln,
wie ein Stachelschwein, ausgestattet.
Stark mit Ästen besetztes Holz, na-
mentlich von der Kiefer, wird von
Uolzhändlem stacheUchweinig genannt.
Treichel.
Stächet, n, p. Staket
Stachgarn, n., Fischernetz. Pierson ,
Matth. Prätor., 117.
Stachlinski, Stichlinski, Stuchlinski, Stech-
beutel, Stichbeutel, SteckbUdel, Steckbedel,
Stachbetel (Ermland), Stfikbedel, Stech-
bUttel, Stechbuttel, StechbUgel, Steigbügel,
Stechert, Stecherling, Stachelbauch, m.,
der gemeine Stichling, Oasterosteus neu-
Uatus^ lit u. kur. stegü^ streffü^ masur.
stacklack^ kaU^ kass. stekbydel. Hen-
nenberger, 29, schreibt SteckbOtel.
S. Benecke, 73. Mühling^ Tiern.,
178. Bujack, 398^ hat noch als pro-
vinziell Wolf. Vom leicht erregten Men-
schen: Er ist borstig wie e Steigbügel.
He ÖS krus wt e Stachlinski,
Stack, adj. Selbige (Körper^ so da
neben der Durchsichtigkeit farbicht oder
gefärbt fallen) wenn sie zerstossen oder
zermcdmet werden^ zeigen sie sich in der
Stackesten Farbe weifzy so dafz die weisse
Farbe die andern überwindet Linem.,
Ii3a.
stackern, sw.^ s. stäkem.
stäckem, sw.^ s. stSkern.
Stackneb, n., s. Stftknetz.
stacksen, sw.^ stolzen, niederstofzen,
zurech tstofzen. Treichel. Vgl. stuck-
sen.
Stad', Stade, /., s. Sted.
Stad Jesus, Staziosus, m.^ Studiosus.
Königsberg.
Stadöll, Stodöll, /., Ein&hrt am Dorf-
kruge, in welcher Pferde und Wagen
der Reisenden Obdach finden. Lit.
stadolS, lett. staddeles^ poln. böhm. sta-
dola^ ahd. stadal Scheune. Nsslm.
Forsch. 3; TL, 174.
Stadtkind, n., Person, die unter Vor-
mundschaft der Stadt steht. Der Aus-
druck: jemand wird pro prodigo erklärt,
lautet in Danzig gewöhnlich: jemand
wird zum Stadtkind gemacht. Klein
II, 166.
Stagge, Staggin, /., letzte Abteilung
eines Sackes oder Wenters.
Staggertuch, n., s. PIBtzentuch.
Staggin, /., s. Stagge.
Stagutt, m., von dem lit. staguttas^
m,, ein bei Memel gebräuchlicher Pflug.
Vgl. Bock, Nat. III, 668, wo das Wort
n.; Bd. V, 512 f.: die Stagutt. Daselbst
ist eine Abbildung dieses Pfluges ge-
geben.
Stak, m., s. Stftke.
Stakbein, Stftkelbein, Stakerbein, Stecker-
beill, n. u. m., Bein, so dünn wie ein
Stecken. Spitzname fQr einen lang-
beinigen, hagern Menschen; auch Name
für den Storch. Von Stäk^ Stake.
Stakbalken, m., Bodenraum, in wei-
360
stakbeinig — Staknetz.
chem Stroh and Heu aufgestakt wird.
Er reicht vom Stdkbalken Heu zu fressen^
er ist sehr groiz. Jerrentowitz. Sprw.
n, 2173.
stftkbeinig , stakelbeinig , stftkerbeinig,
steckerbeinig, adj,y lang- und dünnbeinig.
Stftke, /., Staken, auch kurz Sttk, m.
1. Stecken, Stab, Stange, dünner Pfiahl,
Zaunpfahl,ge8paltene8 Holz8cheit,Pflock.
Ahd. stecchOy steckOy stecho^ mhd. stecke^
angs. staca u. sticca^ ei^l- u. schwed.
stake^ holl. Uaak. Richey, 285. Brem.
Wb. IV, 985. Schamb., 207a. Vgl.
Lehmstäke. 2. nach Hennig, 261, in
figurlichem Sinne eine hagere grofze
Frauensperson. Bock, 65, hat für
hagere Personen überhaupt Staks.
Stäke, /., Berg von Getreidegarben
oder von aufgeschütteten Kartoffeln.
Westpr. Vgl. MTte u. Niedau.
Stakel (a kurz, auch lang), m., Tan-
nen- oder Fichtenast, den man als Zaun-
stab benutzt Zäune aus solchen Sta-
kein heii'zen Stakelzäune, Stakenzäune,
Steckerzäune.
Stäkelbein, n. u. m^ s. Stäkbein.
stäkelbeinig, adj,^ s. stakbeinig.
Stakelzaun, m., s. Stakel.
Stäken, 97}., s. Stäke.
stäken, dw, 1. mit einem Staken ar-
beiten: stolzen^ stechen^ schieben, rei-
chen. Daher auch reichen überhaupt.
Heu stäken^ Garben stäken^ mit einer
Stdkfoi'ke die Bündel vom Wagen auf
den Boden oder umgekehrt reichen,
auf-, abstäken. Wi stoaken boold de Oole
(s. Alte 3.) ab. Dorr, 44. 2. auf-
schichten, Getreide, Kartoffeln in Std-
ken bringen. 3. ausstäken, Zäune aus
Stäken herstellen, mit Staken ausbes-
sern; auch Stäken (Pricken) stocken,
vrie es die Fischer thun. 4. s. stan-
kern.
Stäkenzaun, m., Zaun aus Staket^ s.
Stakel.
Stäker, m. 1. Mann, der ttäkt^ Gar-
ben, Heu- oder Strohbündel ladet
2. Werkzeug, mit dem man stäkt; der
Stocher. Tdnstäker, Zahnstocher. Nur
die zweite Bedeutung hat Hennig,
262. 3. nach Treichel alter, gebrech-
licher Mann.
Stäkerbein, n. u. m., s. Stäkbein.
stäkerbeinig, adj.^ s. stakbeinig.
stäkerig, odf;., wackelig, lose; nach
Mühling auch dünnbeinig. Das ist
ein stäkeriges Ding^ z. B. eine Kiste,
die nur lose zusammengestiftet ist.
stäkern, stackern, sw. 1. stochern,
stochernd suchen, stochernd nach einer
Sache langen, gleichviel ob mit oder
ohne Stäken. Ek segg ju^ wi stakem
den Fo88 ut dem Bu rat Dorr, L
Wiew., 72. 2. zu erreichen suchen, stre-
ben^ forschen. Danach hal> ich lang
gestäkert, das habe ich lange zu be-
sitzen gewünscht, durchstäkem, str.,
mäkelnd wühlen, durchsuchen, dorch-
schnippem, forschen, klauben. Vgl.
stänkern.
Stakst, Stachst, n, 1. gewachsener
oder geschnittener Zaunstab, Latten-
stab; nach Hennig, 262, Steckstaken.
2. Zaun aus Lattenstaben, gewöhnlich
Staketenzaun, StachStenzaun. Aus Stake 1 .
Stäkforke, /., Forke zum Staken. S.
Forke.
Stäknetz, n., Netz^ von gleicher Ein-
teilung und Einrichtung wie das Treib-
netz, nur mit engeren Maschen. Diese
dürfen jedoch in der Ledering nicht
enger als 4.^ Zoll und in der Schlänge
nicht enger als IJ Zoll im Quadrat
sein. Die Stäknetze werden wie die
Kaulbarschnetze vermittelst Stangen,
Staken y Pricken, in gerader Linie auf
Staks — Bt&ndig.
361
einer bestimmten Stelle festgesetzt und
bleiben sodann mehrere Tage stehen,
bevor sie aufgezogen und gelichtet wer-
den. Fisch..Ord. f. d. fr. Haff, § 25.
Die Fisch.-Ord. f. d. kur. Haff giebt
(§ 26) die Länge des Stdknetzes auf 12,
die Breite desselben auf 2 Faden an.
S. auch Bock, Nat IV, 722 f, wo es
stets Stacknetz heüzt. Vgl. Beneck e^
373.
Staks, 971., Stich. Staks geben^ stechen.
Stakse, p/ur., heifzen die feinen Gräten
der Fische, namentlich der Kaulbarsche.
Auch kleine Fische selbst nennt man
Stakse, Stakswerk.
Staks, m, u. /., s. Stftke.
Stftksel, m., s. Stecksei.
Stackswerk, n., s. Staks.
Stallbruder, m., Genosse, Kamerad.
Muhling.
stallen, aw. 1. in den Stall thun, ein-
stellen. 2. stehn bleiben; harnen. Die
Pferde stauen^ sie stellen den Lauf,
Gang ein, bleiben stehn, harnen. Bei
Jeroschin: stne ros und sine pfert Uz
er zu den statin stallin 57a. Pfeiffer,
224. Ahd. stcUljan, stellan^ as. steUjan^
mhd. stellen eine Stelle geben, stellen,
einstallen, zum Stehen bringen, im
Laufe innehalten. Schade, 862b. Vgl.
Schmeller UI, 627.
stallen, sw.^ sich^ sich stellen, sich ver-
tragen, friedlich verkehren. Sie stallen
sichy sie leben friedlich mit einander.
Hennig, 262.
Stallratz, /., verächtliche Benennung
eines Landedelmannes. Stein, Pere-
grinus XVI, 8. W. Mtsbl. VI, 187.
stftmerig, adj.^ s. stimem.
stimern, stammem, sw,^ stammeln,
stottern. Hennig, 262. Davon stft-
merig, adj., stotternd. Stämerer, St&m-
ler, St&merbock, Stainmerbock,m., Stamm-
ler, Stotterer. Bei Stein Stammerbock
unter den Ekelnamen. Peregrinus XH,
82. W. Jtftsbl. V, 191.
stammern, sw.^ s. das vor.
Stammklotz, m.^ Klotz, aus der Mitte
des Stammes geschnitten. Von einem
kräftigen, kernigen Mann sagt man:
Das ist ein echter Stammldotz. Sprw. I,
3588.
Stampelken, Ortsn., Dorf im Kreise
Wehlau. £h* ist aus Stampelken^ wo
die Hunde mit dem A. bellen. Vgl.
AugstupOhnen.
stampen, sw., stampfen, stofzen. Pfef-
fer stampen. Mit den Fü/zen stampen.
Stamputt, m. Er ist ein Stamputt;
vom kleinen drallen, kräftigen Kinde.
Samland (Korkehnen).
Stand, m., Stelle, Platz. Stand in
der Kirche^ fester Sitzplatz in einer
Earchenbank, für den man eine jähr-
liche Miete zahlt; diese wird nach
Hennig, 262, Standgeld genannt.
Standftr, m.^ Gendarm. Do wäre je
of mänge Därper solch abgetakelte Stan-
dars Schulmostasch, Ermland. Fir-
menich lU, 103 b. Auch Schandftr.
Nu mujzt dat groad so treffen^ dat en
Schandar doar reet (ritt). Dorr, 27.
Standart, Pflzn., s. Standhart.
Stande, /., Voc. 394, altpr. standis
Stellfafz; lett. standa. Nsslm , Th.,
175.
Ständer, m, 1. Stutze, Balkenpfeiler.
. . . zwei fast in der Mitte des Schul-
Zimmers befindliche Stander, Lhrztg.
1871, 196a. 2. stehender Bienenstock.
S. Lieger. 3. Bein. Sie hat ein Paar
gute Stander am Leibe.
Standgeld, n., s. Stand.
Standhart, Standart, Pflzn., zweiblätt-
riges Knabenkraut, Orchis bifolia L.
Auch Nachtlilie, Nachtschatten. Pritzel,
254 f. Hagen, 907.
ständig, adj.^ beständig, stets. Er ist
362
stanesfods — stapeln.
ständig auf der Strajze^ er ist selten
zu Hause, viel auf der Stral'ze, auf
Reisen. Hennig, 262.
stftnesfOdSy acfo., stehenden Fulzes,
sofort. Du suüst stanesfods käme.
stangeln, sw, 1. verstärktes angeln^
nach einer Sache eifrig streben, trach-
ten. Nach einer Stelle, einem Ehren-
posten stangeln, 2. s. v. a. ampeln (s. d.).
Mit den Beinen stangeln. Treichel.
Vgl. stänkern.
Stankarius, m., latinisiert aus Stank,
Stanker, Stänkerer, Person, die Un-
wahrheiten aussprengt, Thatsachen ent-
stellt und dadurch Stank, Verdrufz,
Unannehmlichkeiten verursacht.
Stänker, m., Birkenteer, weil er stinkt
Vgl. Dagget.
stankerbfinsch , adj. , stankerbeinig,
schlackerbeinig, schlotternd im Gange.
Elbinger Ndrg. Vgl. stftkbeinig.
stänkerig, adf. u adv. von Stank. 1.
stinkend. 2. verdriel'zlich, unangenehm,
verwickelt. Die Sache sieht stänkerig
aus, läfzt einen Übeln Ausgang be-
fürchten, stänkerig in erster Bedeutung
gilt beim gemeinen Mann als sehr be-
liebtes Schimpfwort: stänkeriges Aas
— Gerippe, stänkerig^ Kerl etc.
Stänkerkäse, m., stinkender Käse,
barscher Zwerg, Bierbruder. S. Katzen-
fisch.
stankern, sw. 1. steigen, aufsteigen,
klettern. Stanker nicht! ruft man Kin-
dern zu, die auf Stuhl, Bank oder
Fenster steigen wollen. 2. mit den
Beinen zappeln, stofzen. sich at)Stan-
kern, sich im Bette durch Zappeln ab-
decken. Vgl. stangeln und ampeln. 3.
nach etwas eifrig streben, begehrlich
verlangen, sich um eine Sache bemühen,
sie gern erreichen woUen, verwandt
mit jankem (s. d.). Er stänkert nach
einem Mädchen — nach Oeld — nach
einem Orden. Nach dem Konzert hob
ich schon immer c/estankert. In diesem
Sinne nach Treichel auch stäken. In
Bayern ankern. Schmeller I, 83.
Nsslm. Forsch. 3; Th., 175, weist auf
das lit. stSngiu^ stSngti sich anstrengen
hin. In Zusammensetzungen: aufstan-
kem, aufspüren, aufsuchen, ausstankem,
durch Suchen ermitteln, ausfindig ma-
chen. In Posen ausstankem ausspüren,
auskundschaften, „gleichsam durch den
Stank (Geruch) geleitet.** Bernd, 10.
durchstankem, sw., durchsuchen, durch-
forschen. Eine Bibliothek, ein Kabinet
durchstankem. — herumstankern, sw.,
müfzig umhergehen oder laufen, omher-
suohen. Bock, 65. Hennig, 262.
stänkern, sw. 1. einen übeln Geruch
von sich geben, Gestank machen. Stän-
ker nicht! ruft man Kindern zu, welche
z. B. Papier oder Späne anbrennen.
Von stinken. Hennig, 262. 2. Hän-
del, Verdriefzlichkeiten bereiten, aus-
stänkern, nach Mühling mit Gestank
erfüllen; ausspionieren, aufsuchen, oft
aus blolzer Neugierde; auch durch Ge-
stank vertreiben.
Stanze, w. Vom., Konstanze.
Stanzet, m., hoher Leuchter von Holz,
auf den Fufzboden zu stellen. Natan-
gen. Im Nds. stensel Stütze, Fufz,
worauf etwas steht, holl. steunsel. Brem.
Wb. IV, 994.
stänzeln, sw. Einen stänzeln, ihn derb
abführen.
Stapel, m. Auf den Stapel setzen,
schwängern. Hei heft er wat op en Sta-
pel gesett.
stapeln, sw. 1. in geordnete Haufen
legen, aufspeichern. 2. nachgraben.
Karto fein stapeln, nach beendigter Ernte
nach den im Acker zurückgebliebenen
Kartofi^ln graben, was arme Leute
thun. Westpr. Mühling.
Stappen — stauen.
363
stappen, 9w,^ stapfen, schreiten, gehen.
Stappt äwer^ Frü^ schreitet darüber
hinweg, Frau! Dorr, 1. Wiew., 31.
Ek stappd op den Wittmantel to. Dorr,
Driewjagd. Nu mofz vdr man stappen,
Oberland.
stapsen, su?., druckend stoizen, mit
der Nase auf oder in etwas stofzen,
wie man junge Hunde, die zur Rein-
lichkeit erzogen werden sollen, ehe
man sie hinauswirft, in den eigenen
Urin etc. stapft. Treichel.
starchelig, adj.j ungesdiickt, langsam,
in Absätzen, vorsichtig suchend gehen.
Treichel.
stftrfastig, adj,^ aus starr und fest,
unbeweglich, stumm vor Schreck.
Schemionek, 38.
Stärke, /., junge, ein- oder zweijäh-
rige Kuh, die noch nicht tragend ge-
wesen. Nach Hennig, 263. auch
Starke.
starken, stärken, sw., stark, d. i. steif
machen. Die Wäsche starken, sie mit
Kraftmehl, Stärke, steifen. Bock,
65.
Starost, 9n., poln. und russ. starosta.
Die Starosten waren die Beamten der
Krone in Polen in einem bestimmten
Distrikte, Starostei, für die Polizeiver-
waltung und die Erhebung der öffent-
lichen Abgaben in demselben. Sie er-
hielten dafür lebenslänglich den Niel'z-
brauch gewisser Güter gegen Abgabe
des vierten Pfennigs^ Quarte, vom Er-
trage, welcher bei jeder Besitzverände-
rung, in der Folge aber periodisch er-
mittelt und festgestellt (lustriert) wurde.
Bei der Wiederbesitznahme von Westpr.
wurden die vormaligen starosteilichen
und geistlichen Güter eingezogen und
daraus königliche Domänen -Vorwerke
gebildet. Beitr. z. Kde. Pr. IV, 339.
Start, Stät, Stört, m.^ Sterz, Schwanz,
Steifz, Hinterer. In Nds. steerd, in
Pommern starty im Götting. stert, angs.
steort, holl. sieert, staart, schwed. stiert,
Brem. Wb. IV, 1028. Dähn., 458a.
Schamb., 210a. Denn öne Hörnern
Klauen, Start, Sat he em Garden en-
gespart, Parad., 19 f.
Stfts, m. Vom., Stanislaus^ s. Stenzel.
statisch, Stätsch, stMsch, adf.; von
Reit- und Zugtieren, wenn sie nicht
von der Stelle zu bringen sind. Er
ist stätsch wie ein Pferd, der eigensin-
nige Mensch. Im Nds. stedig, stedisk,
stäisk, in Pommern steedsch, in Bayern
stettig, stettisch, holl. stedig, Brem. Wb.
IV, 1012. Dähn., 458b. Schmeller
III, 672. Hennig, 263: stätig und
stätsch,
stattfinden, sty stehen, eine Stelle,
Stätte finden oder haben. Ich erinnere
mich, dafz im Garten des zweiten Pre-
digers der Altrossgärtschen Kirche im
Jahr 1762 zwei sehr starke Mandelbäume
(Amygdalus communis) stattfanden, die
eine solche Menge Früchte trugen, da/z
sie täglich mehrere Finger hoch an der
Erde angehäuft lagen, Beitr. z. Kde.
Pr. I, 158.
statts, präp,, statt. Das habe ich
statts Dank,
Stau, m., die Hemmung, der Aufent-
halt; das Anschwellen, Steigen des
Wassers. Vgl. RUckstau.
stauen, sw, 1. hemmen, stehen ma-
chen. Hennig, 263. Zunächst vom
Wasser; doch sagt man auch: Die
Menschen stauen sich, wenn bei groCzem
Gedränge das Vorwärtskommen ge-
hindert wird. Dat Woater staut noch
ommer op. Dorr, 20. 2. anschwellen,
steigen, wie das gestaute Wasser; da-
her gewöhnlich anstauen. 3. kunstrochi,
fest und gedrängt verpacken, nament-
lich Schiffsladungen. Die Lohnaibeiter,
364
Stauke — SteckseL
die aus dem vorsclirifts- und ordnuugs-
mäfzigen Beladen der Schiffe ein Ge-
werbe machen, heifzen Stauer und bil-
den gewöhnlich eine Genossenschaft
unter Führung eines Oberstauers oder
StauerkapitänSy der auch den Stauerlohn
mit den Schiffseignem akkordiert und
an die Stauer auszahlt. Die Gehilfen
der Stauer heifzen Schauer. Kgsbg.
Mühling.
Stauke, pltd. StOke, /., Stauche,
Flachsbündel mit kopfartigem Knoten,
das mit dem offenen Ende ausgebreitet
aufgestellt wird, damit der trocknende
Wind es gehörig durchziehe. Müh-
ling. Im Brem. Stuke Haufe, Bünd-
lein, z. B. Stuke Tarf'y im Holstein,
wird der gemähte Buchweizen in Sta-
ken zum Trocknen gesetzt. Brem. Wb.
IV, 1075 f. In Hessen Stauche. Vil-
mar, 396.
Stauken, sw.^ s. stOken.
staukem, 9w., s. stQkern.
Staukkartoffeln , plur., s. Dulkskar-
toffeln.
Stauwall, m., s. Sommerwall.
Stauwasser, n., gestautes Wasser. Im
Pregel ist jetzt viel Stauwaaser^ durch
starken Wind gegen den Strom auf-
gestautes Wasser. Hennig, 263.
stäwig, stäbig, adj,^ stämmig, kräftig,
steif wie ein starker Stab. Ein stä-
wiger Kerl^ ein kräftiger Mann.
Staziosus, m., s. Stadjosus.
Stebel, m., Stiefel, s. Stiebel.
stebem, sw,y s. stSwem.
StechbUgel, -beutel, -buttel, -bilttel, m,,
8. Stachlinski.
Stechdorn, m, s. Sanddom.
stechen, sty mit spitzem Instrumente
eindringend fassen, halten. Den Bern-
stein stechen^ mit langen Stangen^ an
denen zwei krumme Zinken sich be-
finden, die Steine auf dem Meeresgrunde
umkehren (und den darunter liegen-
den Bernstein mit Drahtkeschem schöp-
fen). Vgl. Pas sarge, Bali., 373.
stechen, st, stecken. Das Schnupf-
tuch in die Tasche stechen. Wo hat he
denn gestoche, da/z em de Böaen so ju-
xig sindf Schaltj. 1, 437. anstechen,
anstecken, anzünden: das Licht, ein-
stechen, einstecken: das Geld, ver-
stechen, verstecken, verbergen: einen
Gegenstand oder sich selbst. Er ver-
stach sich im Strauch. Gegen den vKufz
er sich verstecken, vermag er nicht auf-
zukommen. Hennig, 263.
Stecherling, Stechert, m., s. Stach-
linski.
Stechwart, Stichwurz, gemeine Eber-
wurz, Carlina vulgaris L, Dönh.
Hagen, 847. Pritzel, 82. Nach
Hagen auch: Dreidistel, wüder FeM-
safran, Saudi^el, SOddistel.
SteckbSdel, -bOtel, -bUdel, m., s. Stach-
linski.
Steckel, m., s. Stecksei.
stecken, sw. 1. heimlich hinterbrin-
gen, verraten. Das war ihm schon ge-
steckt worden. 2. Ich stecke nicht drin,
— kann nicht drin stecken, Entschuldi-
gung des Verkäufers einer schlechten
Ware. Ebenso in der Oberlausitz.
Anton, 13, 6. 3. stechen; doch in
dieser Bedeutung mehr spicken (s. d.)
Steckerbein, n. u. m., s. Stäkbein.
Steckerzaun, m., s. Stakel.
Stecksei, pltd. StOcksel, auch Steckel,
Sticksei, Stäksei, m., kleiner Riegel von
Holz oder Eisen, den man vor die
Krampe einer Thür steckt, uro diese
zu schlielzen. Davon stecksein, stick-
seln etc., mit einem Stecksei ver-
schliefzen; nach Treichel auch coire.
'nen Steckel värschuwen, einer Sache
entgegentreten, ihre Ausführung unmög-
lich machen. Dorr, 1. Wiew., 50.
Steckstaken — Stein.
365
Öck wa (werde) jü e Steckelke stöckle^
da suU ju to klaue hebbe! aU Drohung
mit Rache, Zauberei. Natangen. Hen-
nig, 264.
Steckstaken, m., s. Staket
StM, Stede, auch Städ, Stade, /. 1.
Statte, Platz, Stelle. Ek hedd U (das
Haus) op 'ne falsche Städ hensett. Dorr,
1. Wiew., 47. Bettetede, Bettstelle. 2.
Amt, Stellung. Ene gode Sted — e
ffode Brotsted^ eine einträgUche Stelle.
Hennig, 263.
Stedegeld, n,, Stattegeld, Standgeld,
Zins für eine Stelle, auf der Waren
feil gehalten werden. Hennig, 264.
Steder, Stehder, Stöder, m. 1. Stfick
Rundholz von etwa 2 m Länge an der
Schlufzschnur des Achtergarns (s. d.),
das als weithin sichtbare Boje schwimmt,
wenn das Netz ausgeworfen ist. Be-
necke, 372: Stoder. £r zeigt die
Sted^ Statte, an, wo das Netz sich be-
findet 2. schwerer Stein zum Fest-
stellen der Pricke am Eaulbarsch-
netz (s. d.)
StMigkeit,/., Stätigkeit, Beständigkeit,
Ausdauer. Er hat keine Stedigkeit^ er
bat bei der Arbeit keine Ausdauer, Ge-
duld. Hennig, 263.
stedsch, adj.^ 8. statisch.
Steffen, m. Vorn., Stephan. Hart-
wich, 54.
Stehboje, /., Flottholz von Flaschen-
form am Storgam, dessen dickeres
Ende durch eine Schnur an der Simme
befestigt ist. Benecke, 377.
Stehder, m, s. Stöder.
stehen, st 1. von fliefzenden Ge-
wässern, wenn sie sich mit Eis bele-
gen. Der Pregel steht — die Weichsel
steht. E. Förstern. Klein H, 169.
Vgl. gehen. 2. von der Kuh, wenn sie
keine Milch giebt, weil sie trächtig ist.
Starwt de Fru on steit de Kok, kommt
ommer mehr dato. Sprw. I, 947.
Steiem, pltd. StTren, StUren, n., ver-
botene Art des Fischens, auch Intern
(s. d.) genannt. In der Fisch. -Ord.
f. d. kur. Haff, §. 46, heifzt diese Fang-
art das Streben, Streven, Streiven, Streu-
ven, StrOven. Vgl. Benecke, 410.
Steig, pltd. Stfg, m. 1. Steg. Der
Steig über den Graben, Bohlenweg. 2.
treppenartige Leiter, gewöhnlich pltd.
St ig: Hehnersttg, Hühnersteige.
Steigbügel, m., s. Stachlinski.
Stein, TW, plur. Steiner. 1. Felsstuck.
Er schmeifzt immer mit Steiner. — 2.
volksübliche und amtliche Bezeichnung
des Bernsteins, den die Ostsee als
Strandsegen auswirft, welchen man
durch Schöpfen fischt^ durch Stechen
(s. d.) hebt, durch Graben und berg-
männische Anlagen zutage fördert.
Die Sonderung des Bernsteins geschieht
heutzutage zunächst in reine und in
Stucke mit fremden Beimengungen.
Die ersteren werden dann nach der
Struktur in kernigen, Kemsteln, und in
schalig geflossenen Bernstein, Schlauben
(SchlQwen)y geteilt. Der Kemstein zer-
fallt nach der Gestalt in Stücke zur
Cigarrenspitzenfabrikationgeeignet: Flie-
sen und Platten; zur Perlenfabrikation:
Bodenstein, Rund, Grundstein, Knibbel.
Aus diesen Suiten stellt man nach
Gröfze und Farbe eine Menge Unter-
abteilungen her. Als Stamm des Bern-
steins ist der klare Stein, das Klar, an-
zusehen; der getrübte heifzt BastarL
Erscheint die Trübung im Innern des
klaren Harzes als feiner Staub, nicht
in rein gesättigter Farbe, so heifzt der
Stein flaumig (ßomicht, Flomiger, Flo-
^^^)> j^ nachdem das Ausgangsmate-
rial für die weiteren Umänderungen
♦WO
Steio.
ein wMMerheüer oder gelber Bernstein
war, erfaiek auch dtr Bastart ¥erschie-
deoe Xöanceo: in ersterem Falle Perl-
farfce, im andern Kntttfarbe. (VgL
Kumst). Je nachdem einerseits trabe
and klare Flosse vermischt mit ande-
rerseits traben allein abwechselten and
durcheinander geschoben and gerollt
warden, entstanden die Farben, welche
wir ab wtftigefl Baslart bezeichnen.
Ein«; andere 2^rsetzang des Bernsteins
i*9t der andorchsichtige and je nach
dem Grade der Zersetzang weniger
polltarfahige Knocben, bei dem man
reinen and tfhaMwigcn (diesem Stein
Ton geringer Härte fehlt die Politar-
fahigkeil gänzlich) onterscheidet Darch
die zufälligen Kombinationen der vor-
her aufgezählten Sorten erhalt man
bei der Knocbenbildang eine grol'ze
Mannigfaltigkeit von Bernsteinfarben,
die anter dem Namen bantknochiges
Klar und bonlknecbigerBasiart zusammen-
gefafzt werden und wobei oft prach-
tige Interferenzerscheinungen entstehen.
Bernstein im Mittelstadium zwischen
Bastart und Knochen nennt man Halb-
bastarL Bernstein, welcher fremde Bei-
mengungen enthält, sowie der rissige,
wird gehackt und zersprengt, bis nur
gesunde und reine Ware übrigbleibt,
die man den entsprechenden Handels-
sorten zuteilt. Viele Stücke sind jedoch
so von eingeschlossenem Mulm und
Erde durchsetzt^ dal'z sie durchweg
schwarz erscheinen; dieser sogenannte
Schwarzfimis sowohl, als auch die Ab-
gänge und die von vornherein durch
Siebe getrennten kleinsten Stücke,
Grtttzstein genannt, werden in verschie-
dene Fimissorten geteilt, deren Verwen-
dung zu Räuchorpulvem und Lacken
bekannt ist (Nach Richard Klebs^
Der Bernstein. Königsberg 1880. Ge-
winnung and Yenurbeitang^ des Bexn-
steins. Königsberg I8S3}. AnasgAHefa-
lieh nach der Farbe onterscheidec man
in absteigender Güte: Kaamtifmhi,
Kinchfarbe^ gdbem Stein, yrwmem Sikm
(im VoIk:»mande nach Kuharkeifzfoihi^
Die General- Strand- and Bemstdn-
Ordnung von 1693 ontersclieid^H nach
der Güte: 1. Haapiatam; 2. Uarer
Stein; 3. tteißzer Stein; 4. mMfzer Ba-
Start; 5. Kmmstfarbe; 6. Wolkenfarbe;
7. weijzbunter Stein; 8. Basiart; 9.
Drehstein; 10. gemeiner Stein. SpilCT
unterschied man 6 Klassen: 1. Sorte-
mentstück; 2. TonnenstOck; 3. JjioM
oder Knobel; 4. Fimisstem; 5. Sddmek
oder Schlick (Bastart); 6. Scmdstein.
Eine noch spätere Einteilung begnügt
sich mit 5 Stufen: 1. Sarteaneni (keia
Stück unter 8 Lot); 2. Tonnensiein; 3.
Firnis; 4. Sandstein; 5 Schluck, VgL
Bock, Nat. U, 316 01 GnmMein ist
der in der blauen Erde liegende Stein ;
der in der See gefundene Stein heiizt
Seestein, der bei Brüsterort gewonnene
Seestein wird RHbtein genannt^ und deo
fem von der Meeresküste mitten im
Lande gefundenen Bernstein bezeichnet
man als Ackerstein. — 3. Bickebtein, wi^
Stein, der mit der Bicke aas dem
Boden gehauen werden mufz, groizer
Stein. Ich reise und wenn's Bickel-
steine regnet. Treichel. — 4. Bofsten-
stein, wi., groizer, geborstener erratischer
Block in der Nähe des Strandes bei
dem Bade Neukuhren, auf dem Wege
nach Tikrehnen. Er wird von den
Neukuhrener Badegasten fleüzig be-
sucht. Nach der Sage barst der Stein,
weil ein Mädchen, welches bei demsel-
ben Treue geschworen, diese nicht ge-
halten. S. Reu seh, Sagen, 105. —
5. Brotsteiiiy m., Stein, der Yormals
Brot gewesen. Man zeigt solche Steine
Steinbeifz — Steinpietzker.
367
in der Marienkirche zu Danzig and in
der Kirche des Klosters Oliva. Die
daran sich knöpfenden Sagen s. Tet-
tau und Temme, 208 f. — 6. Der
heilige Stein. Grolzer erratischer Block
im frischen Haff in der Nähe von Tol-
kemit, etwa 18 Fulz lang und eben so
breit. Passarge, ßalt. 87, meint,
der Stein habe seine Bezeichnung als
„heiliger" wahrscheinlich davon, dalz
die alten Prealzen auf demselben ihrem
Gotte Knrche die Erstlingsopfer des
Fischfangs brachten. Die Regierung
hat jede Beschädigung des. Steines aus-
drücklich untersagt. An den heiligen
^tein knöpft sich folgende Sage: In
jener Zeit, als Riesen die Erde be-
wohnten, hauste einer derselben auf
der frischen Nehrung, ein zweiter am
gegenüber liegenden Ufer des frischen
Haffes bei Tolkcmit. Beide hatten
nur ein Beil, welches sie sich zum
Fällen des Holzes gegenseitig zuwarfen.
Als einmal der auf der Nehrung woh-
nende Riese das Beil haben wollte, der
andere aber sich weigerte, es ihm zu
geben, ergriff jener den mächtigen Stein
und warf nach diesem. Der Stein
glitt aber an dem Daumen um etwas
ab, und so erreichte er nicht ganz
das diesseitige Ufer. Passarge, a.
a. 0. — Ein anderer heiliger Stein
lag auf dem Rombinus, einer Anhöhe
am Memelufcr, der Stadt Ragnit gegen-
öber. Als ehemaliger Opferstein war
er den Litauern wert und teuer. Nä-
heres: Tettau und Temme, 162 ff.
Über die heiligen Steine vgl. Grimm,
Mythologie I, 611. — 7. Teufelsstelne,
d, h. Steine, welche Ab- oder Ein-
drucke von Gliedern des Teufels tragen,
giebt es in Ost- und Westpreulzen ver-
schiedene: im Samlande bei Kraam,
Lapöhnen, in der Wamicker Forst,
bei Schlakalken, Tenkitten; in Westpr.
bei Marienburg, bei dem Dorfe Gr.
Stoboy unweit Elbing. Vgl. Reusch,
Sagen, 94 f. Tettau und Temme,
212. 199. Über die Teufelssteine s.
Genaueres Grimm, Myth. II, 974.
Steinbeifz, Steinbifzker, Steinpietzker,
m , Stein beifzer, Cobitis taenia L. Bu-
jack, 395. Benecke, 147.
steinbrllcken, sw.y s. brücken.
SteinbrUcker, m.^ Handwerker, der die
Strafze mit Steinen brückt^ pflastert.
Steinchrist, pltd. StfinkrBst, m., zur
Bezeichnung eines kerngesunden Alten.
He 08 e 61er Stenkröst Sprw. I, 3621.
Steineiche, /., gemeine Eiche, Quer-
CU8 robur L. Auch Wintereiche, Trau-
beneiche, Viereiche. Hagen, 999.
Steiner, m., der Stehende, Beiname
für den Storch, weil er vorzugsweise
der stehende Vogel ist: Storch^ Storch
Steiner^ Mit de lange Beiner! Volksr.
50, 192. Rochholz, 85. Vgl ROder
u. Nester.
Steinfischer, m., Fischer nach Steinen.
Kurisches HaflF. Die Steinfischer holen
mittelst einer Art Zange die Steine herauf^
welche auf dem Damm zwischen Ros-
sitten und der Windenburger Ecke in
reichlicher Zahl abgelagert ruhen. Vgl.
Passarge, Balt., 188.
Steinfletscher, Steinpatscher, m , Stein-
schwätzer, Scucicola. Nach Bujack,
373, der schwarzkehlige, nach Müh-
ling, Tiem., 178, der braunkehlige.
Steinkraut, pltd. StönkrOt, n., scharfe
Fetthenne, Sedum acre L. Samland.
Auch Ohnblatt, Blattlos. Vgl. Anblatt.
Steinobel, m.y grofzer Stein, Stein-
haufe. Treichel.
Steinpatscher, m., s. Steinfletscher.
Steinpicker, m., Fischn., Ägonus cata-
phractus L. Benecke, 72.
Steinpietzker, m., s. Steinbeifz.
368
SCeinpoffliichel — Stepke.
m., Fischn., Dorsch,
der sich onter SteincD aufhält. Ba-
iack, 396.
Stein cizte, n. o. m^ s. Rtzchcfi.
StMUMj /., Schiefertafel, wie sie
Schäler gebrauchen.
SteMn, m.. Tao mit Ankerstem und
Boje alsZefltralteil der Lachsangel (s.d.).
SttkMdei m, s. Stiehimld.
sttkeniy sttkem, «it., stochern, mit
einem Stecken, Stocke, einer Stange
stoiiEen, stofzend stechen, schlagen. Da-
Ton abititanir durch gtekem abstofzen,
abschlagen, abschattein. z. B. Obst
Ton einem Baom. Im Götting. afvto-
kein. Scham b., 5a. In zweiter Be-
deatnng: mit einem Stocke ansagen,
jagen, forttreiben. DaTon Mfattkern.
Treichel hat in dieser Bedeatong
sBdttm, sUhem = stochernd Schmatz
entfernen, ein Geschwür offnen , die
Erde los machen (durch den Pfhigrilker) ;
^uc\k=€oire, YgL pCkem.
SMI, auch WHsidl, WHgesfeU, n.,
Weberstahl. Sie hat ein schone» Wirk-
gertell Da$ Suü wirkt (webt) gut.
Hennig, 264. Vgl. SteHwark.
SIeR, m. ... Zwei sdnmche Beutel,
unter welchen einer einen Stell (wahr-
scheinlich eine Art Schloiz) gehabt.
Konitzer Hexenprozefz t. Jahr 1623.
Pr. Prov.-BL H, 121. Ebendaselbst
onten wird Stel geschrieben, S. 127
wieder SteeL
Sielttiehe, /., Gestell, Gerüst für
Handwerker, die in der Höhe arbeiten;
(jestell als Ersatz far eine Bettstelle;
Staffelei etc. \on stellen. Hennig, 264.
Stelle, /, Gestell, Aa&tellung. S.
Ladisttelle.
Stellfischerei, /*., jede Art der Sack*
fiscfaerei, bei welcher Pricken gestellt
werden. Mühling.
Stelhfittte,/., darchgeschalmter Wald-
weg, Schlag, Jagen; im westGchen
Deatschland die5rfai«iis^. Heiinig«336.
Steflwark, Ji., WebstnU. Ifatangen
ön dissem Ogehldck sdeprimgt e adkratt
Katt tarn SdoOtwork ap de Ead, dat
et knalü. Boldt. 14.
StiüMrinj, m.. hoher, schwarzer Hot.
Sett 9Ödk dei Krät dem Stemmritng cp,
Oft denn steit hei wie en Ap. Kgsbg.
Steapekl, nr., za etwas bestimmen,
überreden. >^tif haben den Zeugen ge-
stempelt^ ihn bestimmt, za ihren gnnst^i
aaszosagen.
StCfibelt, Bett, /., Steinbutte, Rhomha
majrimus. Lit aiis^ kor. aUy kass.
skarpj Mtenbuta. Benecke, 93. Ba-
jack, 396.
Stengel, m. Vom Stengel faüen^ über-
rascht, erstaunt, Terwondert sein.
Stengelein, n.. Dem. von Stengd^
Trinkart in der Danziger Nehrung.
Violet, 165.
Stenzei, Stfts, m. Vorname, Stanislaa&
Uartwich, 54.
stenzen, «it., unterweisend zustutzen,
drillen, eintrichtern. Der Rekrut wird
gesternt. Sien Frind^ de Luddwig^
mujzt em steme^ Wie man als Kocpnumn
seck bedrdggt (betragt). Nowack, 36.
Stenzmarie, Medik., Stincus nuxrinus,
Stefizmarietropfen, Medik., Tinctura
aromatica.
Stecke, m. 1. AmtsYogt, Büttel,
Profofz, Bettelvogt, Ratsdiener, Polizei-
diener. Poln. stopka Profolz, von stopa
Fulzsohle, weil der stopka^ Stepke^ den
Schelm dreimal mit dem Falz vor den
Hintern schlägt. Mrongovius H,
591 a. Poln. stepke^ das N sslm. , Forsch.
3; Th., 176, vor stopka anfuhrt, ist
nicht nachweisbar. In Danzig ist
Steppke Bettel vogt (Altpr. M. XV,
585) ; nach den Gedanism. heilzt Steppke
sein = jemand antreiben, hinter einer
steppen — Stei'Dicksel,
369
Sache ber sein. Die ostpreiiTzischen
Soldaten nennen aach den Feldwebel
Stepke, 0ns Stepke ommer vöran^ unser
Feldwebel immer vorauf, an der Spitze!
Erinnert werde, dafz Stepke^ Stopke
euphemistische Benennung für Teufel
ist, in der Gaunersprache Steppche^
Stepches in der Maingegend Stebchen,
Stäbchen^ obersächsisch Stebgen^ Stob^
gen etc. Vgl. Grimm, Myth. II, 955.
In Hessen Stäppchen^ n., halb scherz-
hafter Name des Teufels. Vilmar,
395. — Der Stepke als Vogt lebt noch
heute in dem Stepkespiel^ das in Ostpr.
Herr Amtmann genannt wird. In dem-
selben werden durch die Karte Amt-
mann (Pik -König), Dieb (Pik- As),
Stepke (Pik-Bube) und Kläger (Karo-
Acht) bestimmt; die übrigen Mit-
spielenden sind Bauern. AUe halten
die ihnen zugeteilten Karten verdeckt,
nur Amtmann, Stepke^ der einen Plump-
sack führt, und Kläger legen die ihrigen
auf. Der Kläger beginnt:
Herr Amtmann, ich komm* klagen.
^über was dennf*
Über ihre schelmischen Bauern.
^Was haben sie denn gethanf*
Sie haben mir (ein Lachen erregen-
der Gegenstand wird genannt) ge^
stöhlen,
^Soüte das unter meinen ehrlichen
Bauern seinf*
Ich hof* es.
^Stepkcj ruf die Bauern ins AmtF
(Stepke mit dem Plumpsack aufschla-
gend.)
Bav£m, ins Amt! Bauern, ins Amt!
Alle schieben die Karten nach der
Mitte des Tisches und rühren sie durch-
einander. Der Kläger hat das Recht,
drei Karten aufzudecken. Findet er
den Dieb (Pik -As), so erhält dieser
die vom Amtmann oder von der Ge-
FrUchbier, Wörterbuch 11.
Seilschaft ihm zuerkannten Hiebe; ent-
gegengesetzten Falls bekommt diese
der Kläger für die unerwiesene Be-
schuldigung. Die Stärke der Hiebe
bezeichnen die Bestimmungen : Aus dem
Schmalz — aus dem Salz — aus dem
Pfeffer. — Die Karten werden von
neuem gemischt und ausgegeben und
so zur Wiederholung des Spieles die
Würden neu verteilt. In diesem Spiele
ist der Stepke^ ebenso wie der Amt-
mann in seiner ursprünglichen Würde
geblieben : er ist der Amtsvogt, Büttel
etc. Der Stepke des Spiels klopft mit
dem Plumpsacke auf, wie das derPro-
foi'z mit dem Stabe that und teilt auch
wie dieser die Hiebe aus. Vgl. Volksr.,
204,759. Korrespbl. V, 32. 51 f. Trei-
chel, Verhandl. d. Berl. anthrop. Ges.
V. 20. Jan. 1883. 2. kleiner Junge.
Na du Stepke, wie gehfs?
steppen, sw.y stopfen, zustopfen.
Strümpfe steppen, die Löcher darin
stopfen, stopfen.
sterbendes, adj. in sterbendes Wort.
Da/z bis diese Stunde ich kein ster-
bendes Wort davon geum/zt habe. Soph.
R. IV, 155.
Stern, m., zum, als Beteuerung,
Fluch. Und zum Stern, Julchen, jetzt
fällt mirs ein. Soph. R. VI, 454. Vgl.
Frauensmensch.
Stemchekicker, m., Sterngucker, zur
Bezeichnung eines Überklugen.
stemdick, adj. Er ist stemdick be-
trunken, zur Bezeichnung eines sehr
hohen Grades der Trunkenheit. Müh-
ling. In Posen stemvolL Bernd,
293.
Stemicksel, Stomicksel, Stumicksel, m.
1. Stoi'z ins Genick. Er gab ihm einen
Stemicksel, er stiel'z ihn ins Genick,
dafz der Kopf nach vorn schnellte.
On oft ward em (dem Rekruten) de
24
370
St^rt -- Sdchlingsklippe.
iMmttkopp warm Von dei Slomixeb etil
GenöcL Xowack, 33. Hennig,
264: ^temülael. Sperber, 43: Stur-
niehel. Davon stemickselfiy nr., 6e-
nickstolze austeilen. 2. nach Mäh-
ling die Brombeere, Rvbus eaenusL.;
nach einer Mitteilung ans DönL die
Erdbeere. Stomükselkraut Erdbeer-
kraaL
StMy m., s. SttrL
Siert, /., Dem. Stertke, Störze auf
Topf oder Pfanne. Jedet Topke trifft
$in Stertke. So Topke, so Stertke (das
altrömische: Diffnum pateüa operculum).
Sprw.I, 3804. 3806. Bei Jeroschin:
Sturze, Pfeiffer, 229. Muhling nennt
eine StQrze von Eisenblech Stlilze.
Sterzen, plur,, die beiden aufrecht
stehenden Gabelhömer des prenlzischen
Pfluges, auch Hdmer genannt. S. Zoch.
ftetssQUidig, adf. u. oJv., fortwährend,
aosdaaemd. Natangen.
ttetsw^reml, adj, a. adv, 1692 hat
der Ehrbare Hans Grojzke unserer
Kirche auf der Kanzel einen mernnff-
sehen gegossenen Leuchter zum stetweh-
renden Geddchtni/z verehret. Viol^t,
140.
steuern, steuren, pltd. stUre(n), sw.^
gehen, weggehen. Nun wolFn icir nur
steuern. Auch hin und her schwanken,
einem Schiffe gleich. Mühiing.
Steven, m., Fal'zdaube; nach den /Ste-
rin des Schiffes benannt. Oberland.
stSwen, etöwen, sw,, stäuben, s. sti-
wem.
Stewer, StBwer, StVber, vi,^ Abstäuber,
Werkzeug zum Abstäuben. Hennig,
265.
stiwem, stVwem, stebem, stSbem, sw.,
von stewen, 1. stäuben; Staub machen;
vom Staube reinigen: ab-, ansstiwem.
Rogge sege, dat hei stewt, Koggen soll
in trockenen, stäubenden Boden aus-
gesäet werden. Sprw. I, 3155; II, 1937.
Dat geit. dat et stewert on rokt, eine
schnelle Fahrt. Einem die Jache am-
st^em^ ihm Stockprügel geben. Bild-
lich: prügeln: einen wegtreiben durch
Schläge, wie man den Staob wegklopft,
kurz und scharf zorückweiseo. Ock war dt
sihcre^ ich werde dich abfahren! Noch
letztens prob^'rd öck (am dn Mädchen
anzuhalten) — se stheerde m«/ Tikit
Firmenich I, 106b. 2. sich schnell
fortmachen, fortlaufen, aas dem Staabe
machen. Da stetcert hei hen, da jagte
er hin, fort Don stoottd sei €U en
Blocks davon. Carm, mtpt, l, 282, 6.
3. suchen, nachforschen, dorchsachen,
wobei es ebenfalls stäubt; gewöhnlich
hemmetfewem. Er stewert überall her-
um^ durchsucht alle WinkeL 4. fein
regnen. Es stöbert, steuert etc,^ es fallt
ein Staubregen oder feiner Schnee.
Bock, 67. Hennig, 264.
stfbHzen, strtbHzen, strebHzen, air., li-
stig und gewandt, stehlen. Bfm
Striebitzen mook h£t wie en ongeschfckter
Sönger^ he hild nich Takt. Dorr, 1.
Wiew., 19. ab-, wegstTbitzen, wegsteh-
len. On se hotten em (dem Monat Fe-
bruar) nach keenen Tag nich abstibitzt
(er hatte noch 30 Tage). Schaltj. 1,
440. wegstibitzen auch: schnell weg-
laufen, was Diebe gewöhnlich thun.
Davon Stibitzer etc., m., Dieb.
Stich, 9n., Auf den Stich kommen^
plötzlich, unangemeldet kommen. Müh-
iing.
Stichbeutel, m., s. Stachlinski.
Stichkraut, n., Berg- Wohlverleih,
Amica montana L, Gegend von La-
biau. Sonst in Ostpr. auch WoHfeiein
(1590), Woiferley und bei Danzig Wolv.
Pritzel, 40.
Stichlingsklippe, /., -sack, -wenter, m.,
Gerät zum Stichlingsfauge.
Stichlinski — Stim.
371
Stichlinski, m,^ s. Stachiinsid.
Stichwurz, /., Pflzn., s. Stecliwart.
sticicen, sw,y ersticken. Es ist zum
Sticken, Gedanism,
sticicseln, sw., s. Stecicsei.
Sticicstaclc, 77»., Fachwerkbau, bei wel-
chem die Fächer mit darin befestigten
Stecken und Lehm, worin Stroh ge-
knetet, ausgefüllt werden: die Fächer
werden verstickstackt^ die Füllungen sind
Stickstack.
Stiebel, Stiefel, pltd. Stiwel, m., plur.
Stiebeln^ Stiefeln^ pltd. Stewle. Er kann
einen guten Stiefel trinken — vertragen.
Es ist bei dieser Redensart an den
Schaft des Stiefels zu denken, der eine
lange Röhre bildet und einem hohen
Trinkgefäfze gleicht. Vgl. StSber. Ähn-
lich: Eine Stange Bier, worin ebenfalls
das Hohe, Lange ausgedrückt ist.
stiebein, stiefeln, pltd. stewie(n), »w.,
schnell gehen. Ton Stiefel. Er kann
gut stiefeln. Drop treck ock mie den
Trurock an, Mott nah de Pölzmötz fate,
On stewel watt ock stewle kann. Kam
just noch recht to Mate. Lehrztg., 1878,
S. 57 a.
Stiebei-, Stiefelschecht, m., Schecht,
Schaft eines Stiefels. Vgl. Schecht
Stieber-, StUbemase, /., Nasenstüber.
Kgsbg.
stief, pltd. st(f, adf,j hchd. nur noch
in Zusammensetzungen lebendig: Stief-
vater etc. Hier in einer Redensart:
Stef ÖS nich lev, Sprw. I, 3630, aber
auch wohl nur als Ablösung zu be-
trachten.
Stiefmutterchen, n., Pflzn., s. Sorge.
Stiege, Stige, /., zur Bezeichnung von
20 Stück gleichartiger Gegenstände,
z. B. Lachsangeln, Garben. Jedes Boot
nimmt gewohnlich im Winter 15 bis 20,
im Sommer 30 Stiegen Lachsangeln an
Bord. Benecke, 401. Eine Stiege
Roggen = 20 Garben. Vgl. Brem. Wb.
IV, 1033.
Stiegiitzk, m. 1. Stieglitz, Distelfink,
FringUla carduelis. Sperber, 30. 2.
in früherer Zeit Stieglitz Spottname für
die Eönigsberger Stadtsoldaten, nach
den gelbroten Kragen, die ihre Uniform
hatte.
stier, adj.y betrunken. Er ist stier,
weil der Trunkene stier vor sich hin-
blickt.
Stift, m,, Kautabak. Einen Stift neh-
men, ein Priemchen nehmen. Sperber,
30.
stiften, sw, 1. Tabak kauen, priemen.
Vom vor. 2. coire.
Sttg, m., s. Steig.
StTge, /., s. Stiege,
stillchen, pltd. stSilke, Dem. von stUl,
Aufforderung zum Schweigen.
Stillfreitag, pltd. StKllfrtdag, m , der
stille Freitag, Karfreitag.
Stfm, seltener StUm, m., Unwetter, in
welchem der Wind den losen Schnee
wild umherfegt and umherscUägt. Ott
toor en Stüm, a/z wenn onser Herr Gott
öm Himmel de Bedd utschodden leeL
Spook, 472. S. sttmen. Das engl.
steam Dampf, Brodem, Dunst, gehört
nicht her; berechtigt wäre dagegen
vielleicht Jeroschins steim und st Im
heranzuziehen. Nu wart nach des strt-
tis steim (also nach des Kampfes wil-
dem Wetter) brudir Ludewtc von Bai-
dinsheim meistir ubir Pruzinlant 87 c.
Pfeiffer, 224. Die Änderung, Ver-
hochdeutschung, steim aus Sttm (man
hört in der Provinz nur Sttm) ist, wie
augenfällig, nur des Reimes (: Baldins-
heim) wegen geschehen. Sus ist üch
offinbdre wurdin der materien sttm {irirn)
2d. Zur Erklärung dieser Stelle ist auf
die vorhergehenden Verse Rücksicht zu
nehmen. Jeroschin erklärt, dafz er
24*
372
sHmen — StintheDgst.
den „vierten Teil" seines Werkes y,wä
mischin den andren teilen zwiscfUn inr-
hant der rede ein stucke vlechtinde in
ein Iticke^y und wenn er in seinem Vor-
trage auch „an gever*^ die chrono-
logische Folge der Thatsachen einhal-
ten werde, so solle andererseits durch
solche Mischung auch wieder „offen-
bar" werden y^der materien «rfm", die
Verteilung des Stoffes, ungleichmäizig
und ungeregelt wie die der Schnee-
masse beim Stimwetter, welche eben-
falls „Lücken" ausfüllt. Für Liv- und
Estland bei Hupel, 228: Steim; bei
Sallmann^ 130a: Stüm. — In über-
tragener Bedeutung: im Stirn sein, stark
angetrunken sein. In dieser und mehr
noch in der von Schemionek, 39, an-
geführten Redensart Stirn geben^ Dampf
geben, auf jemand losgehen, ihn in Wor-
ten anfahren, auch ausreii'zen, liegt das
engl, steam zu Grunde.
sttmen, seltener stUmen, sw , schneien
bei starkem Winde, wobei der oft regen-
feuchte Schnee das Gesicht peitscht;
Aufjagen und Hin- und Ilerfegen des
trocknen Schnees durch heftigen Wind,
wodurch oft gewaltige Schneehaufen
zusammengejagt werden. Davon ver-
sttmen, sw,^ durch zusammengejagte
Schneemassen versperren. Die Wege sind
verst/mt, sie sind an einzelnen Stellen
durch Schneewälle unpassierbar, wäh-
rend andere Strecken vom Winde völ-
lig kahl gefegt sind, einstfmen, sw.y
mit Schnee überdecken. Das Garten-
haus ist eingestimt Auf der kurischen
Nehrung nennt man auch das Peitschten
des Dünensandes durch den Wind Sti-
rnen. Wie heifzt jener Bergf fragte ich
einen der Schiffsleute, y^Die stiemen
immer höher !^ lautete die Antwort Pas-
sarge, Balt, 125.
Stimm', /., Melodie. Das Lied hat
e hübsche Stimm. Saalfeld.
stimmowatschen, «tc., stimmen, in der
Rechnung richtig sein. Das stimmo-
watscht Komponiert aus stimmen and
der poln. Verbalendung, also: stimmo-
vaC\ Treichel.
StTmwetter, n., stiemendes Wetter,
Schneetreiben. Wer im Norden gebaren
ist, der weifz, was ein Schneesturm^ ein
sogenanntes Stiemioetter ist DerReisende^
seihst sein Pferd wird mit vollkommener
Blindheit geschlagen, denn der liegende
Schnee fährt wie Stecknadeln in sein
blinzelndes Auge. In wenigen Minuten
ist jeder Pfad, jede Spur verweht etc.
Passarge, Balt, 65.
Stink, m., s. Stint
Stinkflieder, Pflzn., schwarzer Holun-
der^ Sambucus nigra L. Weichseldelta.
Treichel, Volksth. III.
Stinknessel, /., s. StUcknessei.
Stinkpeter, m., Pflzn., Goldlack, Chei-
ranthus Cheiri L, Gedanism.
Stinkromei, m., stinkende Hundska-
mille, Anthemis cotula L. Hagen,
896.
Stint, Stink, m., Osmerus eperlanus L.,
altpr. maikis, lit. stinta, mas. stüika,
kass. stgnt, mutka. Der Litauer unter-
scheidet: kleiner Stint, grofzer Stint^
Seestint', mazoji stinta, didoji stinta,
juros stinta. Be necke, 155. Hennig,
264.
Stintgam, -keitel, -klippe, n., Netz zum
Stintfange. S. Benecke, 341. 379.
Stinthengst, m., zur Bezeichnung eines
besonders grofzen Stintes. Wenn du
nicht gehorchen willst, kriegst du so wie
der Stinthengst von Nikolaiken! Anger-
burg. Treichel, Preulz. Vexirfabeln.
Verhandig. der Berl. anthropol. Ges.
1881, S. 26. Vgl. Sprw. I, 3789. 524.
Stiiitring — Stobbling.
373
Stintring, m.^ Fang des Stintes in
einem Kreise (Ring) unter dem Eise,
wo der Fisch gerade in Menge steht,
mittelst der Stintklippe. Der Ring wird
durch Löcher, die ins Eis gehauen
werden, markiert. S. Benecke, 361.
Stintstecher, pltd. Stintst8l(er, m. 1.
Fischer in der Nähe der beiden Haffe.
2. Spottname für den, der mit seiner
Kraft prahlt und ein Schwächling ist.
3. Spitzname für die Bewohner von
Tolkemit. Sprw. I, 3640. Vgl. Tolke-
mit
StTp, Stipe, StUpe,/, Schelte, Schimpf-
rede. Er hat Stip bekommen^ ist hart
ausgescholten worden. Ursprünglich
stupe Schandpfahl, auch Rute zur öffent-
lichen Züchtigung, Staupenschlag. Brem.
Wb. IV, 1080. Weigandll, 803.
Voigt, Gesch. der Marienburg, 525.
stTpen, stUpen, sw,^ stäupen ; schimpfen,
schelten. S. aussttpen.
Stipiter, n., pltd., das franz. chapitre
Kapitel, Rede, Materie. Op dat Stipp-
ter heft ml recht dat gnädge Freileinke
gebrächt, v. Auer.
Stipp, m., s. Stips.
Stippel, pltd. StKppel, m.^ kleines höl-
zernes Gefafz mit aufrechtstehender
Handhabe zum Wasserschöpfen; in
ärmlichen Haushaltungen auch Nacht-
geschirr. Von stippen. Bock, 66.
Hennig, 264. Sperber, 30. Nsslm.
Forsch. 3; Th., 177. In Königsberg
giebt es eine Stippelgasse ^ in der in
früherer Zeit wohl die Stippelmacher
wohnten.
stippen, 8W.J tippen^ tupfen; tunken,
eintunken, tauchen^ eintauchen, auf
und niedertauchen. Nach Treichel
zur Verstärkung stUppen. Die Wäsche
stüppen.
Stips, m. 1. das plötzlich Auftretende,
nur kurze Zeit Andauernde. Auf den
Stips (auch Stipp) kommen. 2. unreifer,
vorlauter junger Mann. Treichel.
stipsen, sw,^ fein und listig stehlen.
S. bestipsen.
Stipstap, Medik., ünguentum pedicu-
lorum. Togemäkt (zugemachter) Stip^
stap Das Gleiche fordert man auch
als togemäkt Stoffsaat.
stTren, sw,^ s. stUren.
Stirnen, plur, . . . man soü weder zu
den Korken noch zu den Trippen „Styr-
nen^ verarbeiten, Rolle der Kork- und
Trippenmacher aus 1439. Dzg. Hirsch,
317.
Stimtuch, pltd. StKmdölc, früherer
Kopfputz der Frauen auf der Dzg. Nhrg.
Violöt, 173.
StTsel, 972., s. Schnäsel.
Stobbel(opf, Stobbenl(opf, Stubbenicopf,
77», stumpfer, stubbenharter Kopf, der
schwer begreift. Davon stobbelcopfsch,
-Icopsch, ad)'., hartköpfig, schwer von
Begriff. Vgl. Stobben.
Stobben, Stubben, m. 1 . Stumpf, Stock,
Stammende eines gefällten Baumes.
Angs. steby stybb^ engl, stub^ schwed.
stubbe. Verwandt mit Stoppel^ stumpf,
Adelung IV, 461. Solte (soll) aber
der Bawn einen Stobben über der Er-
den lassen^ als wirds nöthig sein etc,
Linem., Gc 3b. 2. zur Bezeichnung
eines unbeholfenen, wortarmen Men-
schen. Er ist ein rechter Stobben —
steht da wie ein Stobben. Richey, 297.
Brem. Wb. IV, 1074. Vilmar, 405.
Bock, 67. Hennig, 264.
stobbig, adj. von Stobben, mit Stob-
ben bestanden. Einen stobbichten Acker
zu roden haben sie an einigen Orten
eine gewisse Art Pßug. Pierson, Matth.
Prätor., 117.
Stobbling, m., kleiner Pilz mit weifzem
Hut, der an Stobben wächst Mdh-
ling.
374
Scüber — stofen.
SHber, m. - 1. Bjt kann einen guUn
StSber vertragen^ er kann tächtig trin-
ken. Mahling. VgL StiebeL 2. s.
sUbcniy nc^ s. siiwcrn.
Stock, m., Stab, Stecken. Ift^ ^fan
S^MTit kriegen, eine Einladang zor L*ber-
nähme eines Patenamtes erhalten. M ä h-
ling.
Stock, 171. 1. froheres LangenmaTz in
PreoTzen: zwei Stock ungefähr eine
Elle. ErL Preufz. III, 438. Im Volks-
mnnde ist Stock die Lange zwischen
den beiden Bäumen des SchSrhecks,
2 Ellen. Dam, Make, dam, Wt wag-
geld dl din rodet Bockke, Fif Ele 6k e
Stockke, Dam etc. Volksr., 42, 163,
Yar. 2. Gefängnis; Retirade. Doi
Beste war abo, die drei Grazien in den
Stock werfen zu lauen. Soph. R. I,
617 ... derselbe (Freund) wunderte
sich, wie das Haufz Balga sehr schoen
gAawet, und dafz in Sonderheit der Stock
(wird das vomembste und festeste letz-
tere Gebäwde genennet, konte tcol die
reterade geheissen werden) so glat und
sauber gemawret were. Line m., Zz 2 b.
3. die Schutze an der Schleuse, oft
auch die Schleuse selbst. 4. die Nässe
an und in den Wänden; Schimmel,
Moder. S. Peitschenstock.
Stockbreity n., englisches Tuch. Ein
1430 von Danzig nach Keyal verlade-
nes Schiff enthielt unter anderm: eng-
lische Laken, Stockbreit, Hosen, Lein-
wand etc. Hirsch, 197. 253.
stocken, sw., feucht, nadz und faul
werden. Es stockt in dem Hause, die
Wände sind feucht und naiz. Davon
stockig, adj. Ein stockiges Zimmer, an-
stecken, verstecken, durch Feuchtigkeit
verderben. Die Leinwand ist verstockt,
verrottet. Hennig, 264.
Stockfisch, m. 1. einfältiger, dummer
Mensch, wobei an den gedorrten Kmbd-
jan gedacht ist. 2. Prägel, Hiebe mit
dem Stock, Stecken. Ek gab Stock-
ßuX. YgL Kloppfiscbe.
Steekgetste, /., sechszeilige Grerste,
Hordeum hexastichon L. Aach WMer-
gersle. Hagen, 1063.
StockfiMer,-poie,m^ Mensch, derkdne
andere Sprache als die titanische, pol-
nische kann und versteht. Der letztere
heiJzt gewöhnlich StockpoUack.
stockrig, adj. 1. holperig. Oberland.
2. stammelnd, stockend in der Rede.
Mahling.
Stockrose, /., Gartenmalve; Eibisch,
Althaea L.
stOcksinnig, adj., starr-, eigensinnig.
Elbinger Ndrg.
Stoder, StOder, m., s. SIehder.
Stodöll, /., s. StadML
StAf, pltd. StSp, n., Hohlmaix, der
90. Teil einer Tonne, der 120. eines
Ohms, ungefähr ein Liter. Untre
Brauertonnen sollen sein 92 Stauffe,
und die Vaj'ze zweimal so grojz. Wer-
den sie kleiner befunden, man soll ihnen
den Boden ausschlagen. Danziger Will-
kür von 1369 und 1455. Bock, 67.
Hennig, 265. 94 Staufe soll eine
Tonne Bier halten, aber 96 Staufe eine
Tonne Meth und 132 Staufe ein Rhei-
nisch Fafz Wein. Landes Ordnung (1307).
Bock, Nat. I, 688. Ahd. stouph, stouf,
stauf, mhd. stouf Becher, angs. stedp,
altnord. stäup, holl. stoop, engl, stoop,
schott. stoup, in Thüringen Stübchen,
Vgl. Schade, 876b.
stöfen, stowen, sw., Früchte oder Ge-
müse dick einkochen; Fleisch dämpfen,
oder in zugedecktem Topfe in eigener
Brühe einkochen; schmoren; nach
Schemionek, 39, und Sperber, 30,
auch Obst einmachen. Oestdfte Bru-
ken, — Möhren^ — Pflaumen mit Rind-
Stoff — Störbude.
375
fleisch. Gestufte ZfwiAeln^ — Preifzel-
beeren. Als scherzhaftes Mittagsgericht:
Gestowte Nachtwächter mit gehackten
Fensterladen, Sprw. I, 2640c. Hen-
nig, 265. Hupel, 229. Sallmann,
41b.
Stoff, m., leichtes Zeag aus Wolle,
Seide, Halbseide, vorzugsweise zu
Sommerkleidern benutzt Die Nimphen-
schaar^ so sich gezieret mit Flor und
Stoff, Carm. nwpt, II, 1 17 b. Vgl. Brem.
Wb. IV, 1040.
Stoffsaat, /., s. Stipstap.
stOkem, sw,^ s. stikem.
Stollen, 9n., feiner Kuchen mit Ro-
sinen in Brotform. Treichel.
Stollschwamm , m,^ Hornwarze am
Schenkel der Pferde in der Nähe des
Knies. Gegen Zahnschmerz hilft:
Katzendreck mit Dagget und vom renn-
schen Pferd vom Stollschwamm, Ran-
tau, Dorf im Kirchspiel Pobethen, Kr.
Fischhauseu.
Stolpertiln, /., Trine, Katharine, welche
stolpert, zur Bezeichnung eines unge-
schickten Menschen.
stolz, adf;., von der Butter, wenn sie
im Winter, steif geworden, sich schwer
streichen läi'zt. Bock, 67. Hennig,
265.
StKIze, /., spannende Holzstelze zu
beiden Seiten des Einganges am Keitel-
netz, lit. botelUs. Benecke, 339. Vgl.
Keitel.
Stonupifhnen, Ortsn., Dorf im Kirch-
spiel Friedrichswalde, Kr. Pillkallen,
im Volksmunde Srogen. Lit. sragus
grimmig, grausam ; poln. srogi, N s sl m. ,
Wb., 496 b.
stöpeln, sw.^ studentischer Ausdruck:
einen Paukanten wegen Feigheit oder
inkommentmäfzigen Betragens von der
Mensur verweisen. Sperber, 30. Einen
stopeluy ihn fortjagen, aus seiner Stel-
lung entlassen.
stopfen, stoppen, letztere Form auch
plld., ^w, 1. stark und viel essen. 2.
aufhören Torwarts zu gehen, anhalten,
und in dieser Bedeutung vorzugsweise
stoppen^ engl. tx> stop. Stopp = Hult!
Die Fahrt stoppen^ anhalten.
Stopfzu, Stuppzu, rein pltd. Stopptö,
?n., Ackerklee, Trifolivm arvense L.
Hagen, 779. Wegen seiner konstrin-
gierenden Wirkung.
Stoppelgans, /. 1. Gans, die auf den
Stoppeln weidet. Doch kein' Stopfel-
Ganfz Er wehlt, Die im freien Feld
venoüdet, Carm, nwpt, I, 205. De Lied
(Leute) krien äre (ihre) Stoppelgans,
Dorr, 16. 2. Gastmahl, das zum Emte-
abschluTz den Knechten und Mägden
an einem Sonntage gegeben wird. Nach
-dem Hauptgerichte genannt. Westpr.
Hintz, 136.
Stoppelhengst, m, 1. Hengst, der auf
den Stoppeln weidet. 2. in Pr. Eylau
Benennung der Seminarzöglinge, an-
geblich, weil sie Michael, zur Zeit der
Stoppeln, in die Anstalt eintreten.
stoppeln, sw,, von Stoppel, zusammen-
tragen, legen in wirrem Durcheinander,
daher gewöhnlich zusammenstoppeln.
Stöpsel, m., Stöpsel; auch kleiner, un-
geschickter Mensch.
Stop'sloch, m,y rundblättriges Hasen-
öhrchen, Bupleurum rotundifolium L.
Hagen, 219. Vgl. Stopfzu.
StKrbude, /., in früherer Zeit Häus-
chen zu Alt-Pillau, in dem der Stör ma-
riniert, und sein Rogen zu Kaviar ver-
arbeitet wurde, den man nach Frank-
reich, England, Litauen und Bulzland
ausführte. Stein, Peregrinus. Act
Bar.1,200. Benecke, 302. Hennig,
265.
376
Storchblume — Sträk.
Storchblume^ /., Wasserliesch, Buto-
mu8 vmfibeüatus L., wohl weil die Dolde
von einem langen Stiele getragen wird.
Weichseldelta. Treichel, Volksth.m.
Nach Hagen, 568, heifzt die Busch-
anemone, Anemone nemorosa L., Storche
blume.
storchen, str., einhergehen wie ein
Storch, mit langen Beinen vorsichtig
oder suchend einherschreiten.
Storchenfett, n., s. y. a. Adebarfett,
Storchklapper, /., Schachtelhalm. Nach
der Mitteilung aus Dönh. Eqaüetum
vulgaris^ bei Garcke und Leunis nicht
zu finden, also wohl arvense.
Storchschnabel, Pflzn., GQrtel-Eranich-
schnabel, Pelargonium zonaleW, Weich-
seldelta. Treichel, Yolksth. III.
Stordel, m., s. Sturgel.
Stifrgarn, n., Garn zum Störfang. Es
werden dazu groize Netze von starkem
Bindfaden (Marling) gebraucht, welche
mit Pricken in der Tiefe des Haffes
aufjgestellt werden, und deren Maschen
nicht enger als 6 Zoll im Quadrat sein
dürfen. Fisch.- Ord. f. d. fr. Haff § 35.
Benecke^ 376.
Storge, /., unnütze Grille, sonderbarer
Einfall. Er hat rechte Storgen — wahre
Storgen. Ermland. Mühling. Von
atorgen.
Storgel, m., s. Sturgel.
storgen y aw.^ ungestüm anklopfen,
Lärm verursachen. Ermland. Müh-
ling. Ahd. storjan, störran^ storan^
mhd. stoeren, zerstreuen, zerstören, un-
terbrechen, stören. Schade, 876a.
StOrlanke, /., s. StUrlanke.
Stomicksel, m., s. Sternicksel.
storr, ac^'., s. sturr.
Stolz, pltd. Stot, Stut, w., als Zeit-
und Wegbestimmung. Wt speie no e
Stöt, wir spielen noch eine kurze Zeit,
Wi welle en Stdt gän^ wir wollen eine
Strecke gehen. Werder.
Storzbrache, /., Brache des Flachses
durch Stolzen. S. puchen.
Stofzbrot, n., durch Stolzen zerklei-
nertes Brot, das gleich dem Reibbrot
in Klops- oder Wurstfleisch gemischt
wird.
Stofzkantey /. 1. der kantig hervor^
stehende Rand an einem SchifFe, durch
den dasselbe bei einem Stolze gesichert
wird. 2. die innere untere Randein-
fassung an Frauenröcken. Hennig,
265.
Stotterbock, m.^ Stotterer, Stammler.
Als Einderschimpfwort. Vgl. stftmem.
stowen, sw.y s. stewen, u. stAfen.
StKwer, m., stSwem, sw, s. Stewer etc.
strackSy strack, adv., sogleich, unver-
züglich, sofort, geradeswegs. Kamm
stracks wedder, komm ohne Aufenthalt
zurück. Se antword stracks. Ml as,
OS sulld ock stracks vergane. Volksl.,
4, 411, 1. Ech mu/z stracks reite.
Ermland. Freisch., 9. Ek gleew, ji beid
vmdden ju strack wedder befrien (ver-
heiraten). Dorr, 1. Wiew. , 62. De
lewe Sonnke ward strcxks undergäne.
Bei Jeroschin strac als adj.i mit
strakin eidin, Pfeiffer, 226. Wat
hanthert he da straJcs; 'ka doch hie wol
staonf Soph. R. IV, 450f. Hermes
übersetzt: Warum lärmt er gleich? ich
kann doch wohl hier stehen? Schwed.,
dän. u. holl. straa, stracks^ engl, straighty
mhd. strac. Vgl. Weigand II, 828.
Hennig, 265.
Strafer, m., Bettler, der nicht abzu-
weisen ist. Nu kommt wedder e Strafer.
Samland.
Sträk, m, 1. Strich, Streifen, Lage.
Dat Föld liggt ön drei Sträk. Dat Be-
tag (der Bezug, Überzug, des Bettes),
Sträk — Strandreise.
377
heft drei Sträk. 2. Dohne. Sträk'
stellen, Dohnen zum Vogelfang auf-
stellen. Vgl. Strik.
Sträk, n., Streicher zum Wetzen der
Sense. S. Strich 5.
strftken, sw,, streichen. Davon stra-
kein, streicheln.
Sträken, plur,, die Saugwarzen,
Zitzen, am Euter der Kuh. Marold.
Sträm, m.y Strich, Strieme. Sträm
halten. Strich, Richtung halten. Vadder
Vofz, hSl Sträm ! Zuruf an einen Trun-
kenen.
stramm, adj. 1. straff, gespannt, fest
angezogen. Stramme Boxe, straffe,
enge Beinkleider. Eine Saite, ein Seil
stramm ziehen. Stramm gehen, in stei-
fer Haltung gehen. Hennig, 265.
Sich stramm haken, sich gut halten,
sich anstrengen, seine Kräfte anspannen.
2. wohlgebaut, schmuck, hübsch; aus-
geschmückt; aufjgeputzt. En strammet
Make, ein schmuckes, hübsches Mäd-
chen. Sie hat stramme Kleider, wohl-
schmückende. Dat lett em stramm, das
kleidet ihn gut. Dat sond stramme
Maden, gut geratene, wohlschmeckende.
Ein strammes Pferd. Wer woll stramm
rede, de mot 6k Itde, zu Kindern, welche
beim Kämmen klagen, dafz es weh
thue. Wer wöll stramm gäne^ mot vel
ütstane. Stramm on barwt, stolz und
barfufz. Sprw. I, 3654 f. Vgl. Belege
zu Bröch, Butzer und schirren. 3. schnell,
sofort, stracks. Gd af (Bauer^, renn
stramm Galopp. Llirztg. 4, 355 a.
strammbulstrig, adj,, widerspenstig,
ungebärdig, aufsässig, schwer regierbar,
eigensinnig. Nach Mühling und
Sperber auch: aufgeblasen; nach er-
sterem noch geckenhaft, übermäGzig
geputzt. Er ist gleich strammbulstrig.
Doch wenn du (Napoleon) so strambulr
strig best, Met luter Krieg on Löge,
Dann warst du dt, dat gl6w du fest.
Am Ende solwst bedröge. Dat Danziger
Vollblod. Wohl Zusammenziehung aus
stramm (stremmen) und balstürig. Im
Goitiug. strambiUsterigYeTstbTt^ verwirrt,
schlaftrunken^ unwohl. Schambach,
212. Schemionek^ 39. Sperber,
31.
StrammbUxensaat, /., Saat, aus der
stramm sitzende Büxen erwachsen.
Man schickt danach am 1. April. Sam-
land. S. Blauzwirnsaat
strampein, sw., die Füfze lebhaft tre-
tend bewegen, was im Auftreten, aber
auch im Sitzen und Liegen geschehen
kann; kurze Tritte machen. Das Kind
strampelt im Bette — auf dem Mutter-
schofz. Vgl. ampeln.
Strandamt, n., früher Amt am Strande,
auf welchem der am Strande gesammelte
Bernstein aufbewahrt wurde. Hennig,
266.
Strandbauer, m., Bauer, der am
Strande wohnt. Hennig, 266, hat
noch den Zusatz: und den Bernstein
schöpft.
Strandboot, n., scharf auf Kiel ge-
bautes Boot für den Fischfang am
Strande.
Strandgam, n., das an unserem See-
strande gebrauchte, groize Wadegam
(s. d.). Beschreibung s. Be necke,
254.
Strandinspektor, m., Oberaufseher über
den Seestrand und den gesammelten
Bernstein. Hennig, 266. Veraltet.
Strandlachs, m., s. Lachs.
Strandrecht, n., das Recht, nach wel-
chem die gestrandeten Güter dem Be-
sitzer des Strandes zufallen. Hennig,
266.
Strandreise, /., Reise durch Samland
nach und längs dem Ostseestrande zu
Fulz und zu Wagen. Es Uegt in dieser
378
Strandreiter — strebig.
Freude der Städter^ die sich durch eine
zweitägige Strandreise für die Entbehrung
des ganzen Sommers entschädigen^ ein
eigener Reiz, Passarge, Balt, 32.
Strandreiter, m., Aufseher zu Pferde,
welcher den Straod bereist, um die
Uulerschlagung des au^efundenen Bern-
steins zu verhindern. Hennig, 266.
Veraltet. Vgl. Bock, Nat. II, 222.
In Estland berittener Soldat zur Ab-
wehrung des Schmuggels. S all m ann ,
72 b.
Strandsegen, m, der in losgerissenen
Tangtnassen (s. Kraut 1) durch die
Wellen ans Ufer getragene Bernstein
des Ostseegrundes.
stranzen, sw.^ sich, sich dehnen, auf
der Lagerstätte wälzen (aus Faulheit).
In Bayern: sich ranzen und siranzen.
Schmeller III, 687.
strapzieren, sw., strapazieren, durch
andauernde Strapazen ermüden; ge-
wöhnlich abstrapzieren, abmatten, ab-
quälen, müde machen. Seine Pferde
strapzieren — abstrapzieren, Sper-
ber, 5.
Strafzenkifter, m,j grofzer Hund, der
viel auf derStraize liegt. Nach Müh-
ling auch: Strafzenhure.
Strafzenräuber , m, , Haubenlerche.
Alauda cristata,
Straubhuhn, n., s. Kraushuhn.
Strauch, pltd. StrQk, Struck, m, u. n.,
Reisig. Strauch lesen, Reisig sammeln.
Einem Strauch zu riechen geben, ihn
durchprügeln. Sprw. I, 1.
Strauchbesen, m,, Besen aus Birken-
reisem. Er sieht vne ein Strauchbesen
aus, hat wirres Haar, ist ungekämmt.
strauchig, adj,, strauchartig. StraiL-
chiges Haar.
Strauchschlepper, pltd. StrQkschlepper,
m., langsamer Walzer. Musekante,
speit e mal den Strukschlepperi Dafzs
im Wald dunkel ist! Samland.
Strauchteufel, m., Teufel, der im Ge-
sträuch auf Beute lauert (wie Strauek-
dieb), überhaupt wilder und in den
Kleidern abgerissener Mensch. Er sidU
aus wie ein Strauchteufel.
Strauchzaun, m., Zaun aus dem Ab-
fall von Ästen und Zweigen gefallier
Bäume hergestellt; doch verwendet man
zu dem Flechtwerke oft auch junges
Gezweig von Fichten, Tannen, Birken,
Espen und Erlen.
Straufzklang, pltd. StrOlzkiang, m., klin-
gender StrauCz, ein mit bunten Bändern,
Papierstreifen, Enasterblank (Rausch-
gold) etc. beputzter kleiner Tannenbaum.
Die Tannenhändlerinnen führten ihn,
Gaben sammelnd, in der Fastenzeit
und begleiteten damit, ihn rhythmisch
bewegend, ihren Gesang: h&p an de
hinge, de Strvfzklan^ klinge etc, Sam-
land. Vgl. Volksr. 225, 796.
Streben, Str&wen, n., eine besondere
verbotene Art der Sommerfischerei, bei
welcher das Garn von zwei vor dem
Winde segelnden Böten an den Enden
desselben mit gröl'ztmöglicher Geschwin-
digkeit durch das Wasser gezogen wird.
Der Fang ist zwar auf diese Weise
beträchtlicher, als geschähe er vor fest-
liegenden Böten, die mitgefangenen
kleinen Fische aber finden keine Ge-
legenheit zu entweichen und werden
durch den starken Druck getötet. Bock,
Nat IV, 720. 742. Benecke, 410.
strebig, strSwig, adj\, kräftig, straff,
ziemlich grofz, rüstig, strebsam, aufstre-
bend, widerstandsfähig. Ein strebiger
Hecht Ein strebiger Junge, ein kräf-
tiger, starker Junge. Ein str ewiger
Mensch, ein strebsamer Mensch, der
eifrig um sein Fortkommen bemuht ist.
strebitzen — Streimel.
379
Bei Jeroschin: strSwen^ sw,^ in dem
Sinne von kraftig und mutig vorwärts-
dringen: 81 strewin vor sich sam dt le-
win. Pfeiffer, 226. Strebiges Haar^
hartes Haar, das sich nicht leicht krau-
seki läf'zt. Hennig, 266, schreibt
strebicht. Von streben, womit strafe
sträuben etc. verwandt.
strebitzen^ sw.^ stehlen, s. sttbHzen.
Streck, m., auch Strecker, m., zur
Bezeichnung von Earpfenbrut. S. Be-
necke, 494.
Strecke, /. 1. Werkzeug zum Strek-
ken; in früherer Zeit die Folter. 2.
gröl'zerer, sich in die Länge erstrecken-
der Raum. Im Löbenichtschen Hospital
zu Königsberg beii'zt das längste und
gröfzte Gebäude, in dem sich nur zwei
grolze Säle für die Kranken befinden,
die Strecke: die Männer- und die
fratienstrecke. Von strecken, H e n n i g ,
266.
Streckteich, m., Teich, iu den junge
Karpfen eingesetzt werden, um sich
zu strecken, d. h. heranzuwachsen. S.
Benecke, 493. Vgl. Streck.
Streckung, Streckungswake, /. s. Winter-
fischerei.
Stregfische, plur. Item man fürt aus
Preussen mancherlei fische yn fessir ge-
saltzeny getreuget von oele, von stüre,
von laxin, von heringen^ von hechtin,
von rontfischen und von bressem und
diese nennett man stregfüsse von der
SteUcy do man sie erst hott in der luft
getreuget. Simon Grünau, Tract. I,
cap. IV. Perlbach, 47.
Streichbrett, n., Teil der Zoch (s. d.).
Streichbrut, /., Karpfenbrut. Benecke,
494.
streicheln, sw. Einen streicheln, ihn
prügeln.
streichen, strichen, st, laichen, im
Laichen begriffen sein.
Streichteich, m., Laichteich, Teich zur
Vermehrung der Karpfen.
Streichtuch, n., kurz Tuch, Netztuch,
längs dem die Fische hinstreichen, das
Verbindungsnetz zwischen den Säcken;
es heifzt auch Leidings und Uldings. An
der Öffnung der Säcke befinden sich
zwei wenigstens drei Klafter grolze
AufhaltflUgel. Fisch.-Ordg. f. d. fr. Haff
§ 28. Vgl. Wenter.
streifen, pitd. strfipen, sw. 1. abziehen,
abstofzen, schinden: die Haut, den Bast
etc., dann gewöhnlich abstreifen; auf-
schlagen, zurückschlagen: den Ärmel,
aufstreifen. 2. überziehen. Einen Rock
— eine Bluse überstreifen. Eine weite
Leinwandsjacke, die bei der £mte
über die leichte Kleidung gezogen wird,
heifzt nach Müh ling StrSprocl(, Streif-
rock. 3. hart behandeln, als wolle man
die Haut abziehen. . . .june kattestree-
perge Keerls. Dorr, 1. Wiew., 8.
Manche Herrschaft streift das Gesinde —
mancher Fuhrmann die Pferde, er über-
lastet sie, verlangt von ihnen mehr,
als sie nach ihren Kräften leisten kön-
nen. Sind schwere Abgaben zu zahlen,
so hört man die Klage: Da word man
je glik gestrept. Hennig, 267, hat
noch als Frequent. von strepen\ strippen,
oft durch die Finger ziehen.
Streifer, pltd. Strfiper, m., einer, der
streift, Schinder, Tyrann. Er ist ein
Pferdestreifer — ein Menschenstreifer,
er behandelt Pferde und Menschen
hart. Von streifen. Hennig, 267.
Streimel, Strfmel, pltd. StrSmel, m. u.
n.y Dem. Streimelchen, Stremelke. 1.
langer, schmaler Streifen; kleines Stück
als Abschnitt, Ende. Ein Streimel
Papier — Tuch — Leder — Land.
Ein Streimel Wurst. Vom Mond ist
nur ein Streimel zu sehen. Ein Streimel
Aaly — Lachs (s. d. folg.). Hennig,
380
Streimelaal — Stremnaiz.
266. He sack doch mot der Tiet so
enen daher kahmen^ de hingen op dem
Rigk en schwartet Streimel drooch (eiDen
Advokaten). Carm. nupt III, 50 b.
2. 5 Gebinde Elunkergam. Natangen.
3. ein Stuck Leinwand.
Streimelaaly m.y der in Streimel ge-
schnittene nnd dann geräucherte Aal.
Streimeliachs, m. Die Lachse von
mittlerer Gröfze werden hier im Lande
aufgeschnitten^ ausgenommen^ in sehmale
Stucke (Streimel) von Kopf bis zwm
Schwanz in die Lange zertheilet^ besaU
zen und einige Tage geräuchert, welche
Stucke Striemellachs hei/zen und unter
diesem Namen in Königsberg auf den
Straf zen häufig zum Kauf angetragen
werden. Bock, Nat. IV, 591. Bock,
67. Hennig, 266.
sireiplich, adj., sterblich. Veraltet.
Mühling.
Streibei, /., s. Stiifzei.
Streitvogely m., s. Brausehahn.
Streiven, n., s. Steiem u. Streben.
StrSk, m, u. n., Strich, Stück unbe-
arbeitetes, rohes Ackerland. Vgl.
Sträk 1.
StrSmchen, n.. Striemchen, Streimel-
chen. Streifchen; ein wenig, etwas.
Haben etwa die grofzen offenen Augen
da durch ein Strehmchen Gold sich blenden
lassen? Soph. R. III, 221.
stremmen, sw. 1. drängen, mit Kraft
entgegenstemmen. In Königsberg:
BöhnkCy stremm dt! InDanzig: Karlke
— Anton, stremm dt! als anspornender
Zuruf. S. Sprw. 1,418. 2, sich stremmen,
sich stramm halten, stemmen, mit An-
strengung nach etwas streben. Stremm
dich, nimm dich zusammen! Sperlj^er,
31. 3. coire,
Strempei, m., Dem. Strempelchen,
Stumpf^ kurzes abgebrochenes, abge-
schnittenes oder übrig gebliebenesEnde;
holziger, oder verholzter, mit der Wurzel
zusammenhängender Stengelteil , vei^
trockneter Wurzelrest. Auch Stnilll|iel
und Stummel. Ein Strempel — Stummel
Licht — Zahn etc. Scherzweise aoch
von untersetzten alten Personen: aber
Strempel,
strempein, sw,y Arme und Beine leb-
haft und unregelmäfzig bewegen, wie
ampeln; davon: thätig sein, sich gegen
die eindringenden Widerwärtigkeiten
stremmen, vorwärts zu kommen streben.
Du armer Bür blowst Biir, du magst
dt noch so strampele Möt Kraft on möt
Bravour, Lhrztg., 4, 354. Vgl. streHh
men.
streng, adj., vom Boden, Idunig.
Der Boden ist sehr streng, hat harten
Lehm.
Strenz, f., hageres, langes Franen-
zimmer. Wenn es sich „schlecht und
schmutzig trägt'', wie Hennig, 266,
anführt, auch Strunz, Strunze. AUe ge-
sellen, alte Jungfern, alte bock, alte zigen,
alte pferd und alte strenzen sind in
gleichem wert Stein, Peregrinus XI V,
9. W. Mtsbl. VI, 184. Man nennt
auch hagere männliche Personen, na-
mentlich lange, hagere Jungen Strenze.
In Bayern Strenz stolze, faule Dirne,
Strenzen faule Weibsperson. Seh mel-
ier III, 688. In Hessen Stenz, m,,
grolzer, unbehilflicher, plumper Mensch.
Vilmar, 399. Vgl. Bakbtet
Strenzel, m., Pflzn., s. G&rsch.
strfipeHy sw., Strfiper, m.y Streprock, m.,
s. streifen.
Streumafz, n., die Vergütung, welche
dem SchiflFer bei Getreideladungen be-
willigt wird; sie beträgt pro Last ge-
wöhnlich ^ SchefiFel, und wenn die
Reise ausnahmsweise lange gedauert
oder die Ungunst der Witterung eine
besonders sorgfaltige Bearbeitung des
Streapalver — Strilzel.
381
Getreides erheischt hat, sogar einen
ganzen Scheffel pro Last. Altpr. Mtschr.
IV, 346.
Streupulver, n., s. Biitzpulver.
Streusel, m, a. n. 1. was gestreut,
aufgestreut wird. Gestofzener Zucker,
Kanel etc. sind Streusel. Mühling.
2. nach Gordack im Oberlande Rute,
mit der Kinder gestraft werden.
Streuven, Streven, n, s. Steiern und
Streben.
Strewe, /., seitwärts gestellte Stütze,
die entgegenstrebende. Die Strewen^
lit. szarp kulai^ des Lachswehrs. Be-
necke, 381.
str&wig, adj,^ s. strebig.
Striwzargke, n. Aus strewen streben
und Zargen zärgen, necken, zusammen-
gesetzt. Strewzargke reifzen^ den Gegner
an den in einander gehakten Fingern
(einhändig oder zweihändig) ziehen;
als Kraftprobe.
strlbitzen, sw.^ stehlen, s. stibitzen.
Strich, m. von streichen. 1. Borte,
Besatz. Der Strich an Hauben und
Frauenkleidem. 2. die Laichzeit, die
Zeit des Streichens der Fische, auch
Stilch. BHne Tonne " der besten Fische
soll theurer nicht denn 5 Mark, und
da es gutei* Fang wäre^ daruntei\ und
im Strieche halb so viel, Prfz. Fisch-
ordnung, 16. Hennig, 267. 3. Name
für junge, höchstens einjährige Karpfen;
auchStrecku.Bnit Benecke, 494. 4.1n
Redensarten: Au f den Strich gehen^ am
Abende Mädchen nachstellen. Noch
auf dem Strich gehen können^ auf der
Dielenritze, zum Zeichen, dafz man nicht
betrunken ist. Das Gehen geschieht,
indem man dicht Ful'z vor Fufz setzt.
Mit einem Strich halten^ Gleiches leisten,
z. B. im Marschieren, Trinken. Einen
auf dem Strich haben^ ihn scharf beob-
achten, ihn hänseln, scheren. 5. Werk-
zeug zum Streichen, Brettchen mit
Teer und Sand bestrichen, zum Schär-
fen der Sensen, auch Streich, Strilk ge-
nannt. Mühling. Schemionek, 39.
strichen, sw.y s. streichen.
Strick, n., durchtriebener, munterer
Mensch. Ein lustiges Strick. Vgl. Gal-
genstrick. Er ist besoffen wie ein Strick.
Strickdreller, m., Strickdreher, Seiler.
Ermland. Mühling.
Striffel, m. u. n., s. StrVffel.
Strlme, /., s. Strip.
StrTmeliachs, m., s. Streimellachs.
Strink, m.y Strunk, kurzer dicker
Stengel. Davon strinkig, adj.^ strunkig,
holzig, zähe Ruben^ Spargel sind oft
strinkig^ strunkig.
Strip, 77»., Streif, namentlich ein sol-
cher, der durch Schläge mit ejner Rute,
Peitsche etc. auf dem Körper entstanden.
Auch Strime, /. Op jedem Hei e Stttp^
auf jeden Schlag eine Strieme. Davon
stripig, gestreift. Stripige Leinwand.
Vgl. steifen.
Strippe, /., Schleife zum Anziehen
an Stiefeln. Hennig, 267.
strippen, sw.y s. streifen.
Strips, 9n., kurzer streichender Schlag,
Rutenhieb. Es gab Stripse^ Hiebe auf
den Hintern. Davon stripsen, sw.
Strifzel, Streifzel, /., Strifzeistock,
Drifzelstock, DrSIzelstock, m.^ aus Ruten
gedrehter oder geflochtener Peitschen-
stock. Gewöhnlich wird eine junge,
gerade gewachsene Eiche bis auf den
als Handgriff bestimmten Teil der Länge
nach in dünne Ruten geschnitten, und
diese werden alsdann zusammengedreht.
Besteht die Strtfzel aus 12 Ruten, so
heii'zt sie ZwifK-, pltd. Twelfdrllzel.
Strtfzel ist wohl verwandt mit Straufz^
Dem. Sträufzely pltd. Strü/zel; Dr-fzel
durfte zur Wurzel drehen haben. Vgl.
Schmeller UI, 691. Vgl. Stritzel.
382
Stritze — strallen.
Stritze, /., 8. SterL
Stritzel, m., längliches, brotförmiges
Gebäck aas feinem Weizenmehl, in
Schlesien Strützel^ in der Niederlaas.
Striezel^ in Bayern StrtzeL, Strüzel^ mhd.
strutzeL Anton, 4, 14. Schmeller
III, 691. Sallmann, 48. S. Wei-
g and II, 838. Kanftbtritzely Stritzel mit
Kanel bestreut Butterstritzel, Stritzel
aas Butterteig. In der provinziellen
Geschichte berühmt sind die 8 grolzen
Königsberger Stritzel, deren jeder
4| Ellen lang war and welche, neben
6 randen Kringeln von entsprechender
Gröfze, von den Bäckern im Jahre 1601
in feierlichem Aufzöge durch die Stra-
fzen der Stadt getragen wurden. Das
Quantum des Mehles, das zu diesen
Gebäckei} erforderlich war, betrug
12 Scheffel. Erl. PrJz. I, 29. Hen-
nig, 267. Vgl Strtfzel
stritzlig, adj.y steif und teilnahmlos.
Schemionek, 39.
strtzen, sw,^ scherzhafter Aasdruck
für stehlen. In der Verstärkung weg-
strlzen. Sperber, 31.
Stroe, auch Mense, /., Behältnisse für
rohes Wachs. 14. u. 15. Jahrhundert
Danzig. Jedes dieser Gefafze enthielt
mehrere Fastagen oder Bodeme^ in
welchen das Wachs in grofzen Stücken
lag. Hirsch, 255.
Strotan, plur. Feh, Strafen, Klip-
pen im Meere. Stein, Peregrinus,
3. Teil, 3.
Stritttel, m. u. n., Strich, Landstrich^
Gegend. Et wör ön dem Ströfel, es
war in der (bezeichneten) Gegend. Bei
MühlingStriffel, Streifen, länglich ge-
formtes Stück, und StrUffel, dasselbe
und auch Strafze. Letzteres im Erm-
lande üblich.
Strohkobbely /., groCzes, häfzliches
Frauenzimmer. Samland.
Strohwisclireciity n. Eis vertrat in der
alten Danziger GerichtsverfiEissiuig die
Subhastation. Es wurde nämlich, weon
der Pfennigzinsscbuldner (s. Pfenmiff-
zins) nicht zahlen konnte, Tom Gericht
auf Aussteckong des Strohwisches er-
kannt, und wenn der Strohwisch Tor
dem Hause eine gewisse Zeit aasge-
steckt hatte und dennoch nicht bezahlt
war, der Gläubiger ohne weiteres in
den Besitz des Hauses gesetzt. W.
Seidel, 34.
Strem, m., Name des Tiefs bei Pillao.
StrVmling, m. 1. der Hering, Clupea
harengus L., auch Ostseehering; altpr.
sylecke, lit. kur. silke, kass. ileds^ iUc,
sledzik, estn. silk. Benecke, 169.
Sallmann, 130a. Geräuchert heifict
er BSckiing. 2. eine Uckeleiart, Alburmu
bipunctatusL. Heilsberg. Benecke, 128.
3. Bildlich : langer, hagerer Mensch. Er
ist ein rechter Str&nüing. Hennig,
267.
strompeln, stnimpein, str.^ strauchehi;
durch Straucheln fallen, auch hinfallen
überhaupt. In letzterer Bedeutung ge-
wöhnlich hinstrompeln. Der strompeüe
gut hin. Holl. strompelen, Bock, 67.
Hennig, 267.
strompig, stnimpig, stnimplig, odf;.,
struppig. Ein strompiger, — strump-
liger Besen, ein fast aufgebrauchter
Strauchbesen.
Stromsack, m., das im Strome, Flusse,
benutzte Sacknetz; auch Flufzsack,
Strom- u. Flufzwenter. S. Haffsack.
StrKven, n., s. Steiem u. Streben.
Struckgaleer, /., ein groi'zer Kahn.
Elbing.
struf, adj.y s. struw.
StrUffel, m. u. n., s. Strttffei.
StrQje, /., s. StrQse.
strullen, sw. 1. von Flüssigkeiten,
die mit Geräusch und im Strahl laufen.
Strutnpel — Stuck.
383
Die Müch struUt aus dem Euter der
Kuh, Strully strull^ strulU strull den
Stippel vull! Alter Reim. 2. pissen;
namentlich in der Kindersprache. Strahl
und Strudel klingen in dem Worte
durch.
Strumpel, m., s. Strempel.
strumpelig, adj.^ uneben, rauh, s. v. a.
rumpelig. Muhiing. S. strompig.
strumpeln, sw., s. strompeln.
strumpig, strumplig, adj. s. strompig.
Strunz, Strunze, /., s. Strenz.
Struschke, n., Bach^ Fliel'z, kleines
Flüizchen; von dem gleichbed. poln.
struga, Treichel.
StrOse, StrOje, /., flaches, plattes Flufz-
fahrzeug für den Transport von Ge-
treide, Holz, Sand, Steinen etc., be-
sonders in Rul'zland in Gebrauch. Die
Striism laden 60 — lOOLast ä 60Schfl.
bei 3—5 Fulz Tiefe. Ihre Länge be-
trägt 170 Fulz, die Breite oben 25,
unten 24 Fufz, die Höhe 5 — 6 Fufz. In
Ostpreufzen nennt man derartige Fahr-
zeuge Witinnen (s. d.) Russ. stt^uffy
poln. strug^ Struck^ lett. struhja, Ns s Im.
Forsch. 3. Bock, 67. Hennig, 268.
Bock, Nat. I, 585. Hirsch, 163.
FurLiv- und Estland beiHupel, 231.
Stnitz, m.^ Blumenstrauf'z. Trei-
cheL
strQw, siruf, adj.y spröde, rauh, hart,
struppig. Struwe Haar^ — Haut
Hennig, 268.
StrUzern, Pflzn., gemeine Lonitzere,
Lonicera ayhsteum L. Auch Zäunling
und Zaunkirsche. Hagen, 240.
Stubben, -köpf, m., s. Stobben etc.
StubbOrsch, pltd., Pflzn. für Stub(beny
iarscÄ, Wasserdost, ÄMfensL. Weichsel-
delta. Das Wort erscheint als Zu-
sammensetzung von Stubben u. Barsch:
das Volk hat die Widerhaken des
Stammes der Pflanze zu den Stacheln
der Flofzen des Barsches in Beziehung
gesetzt. Treichel, Volksth. HI.
Hagen, 848: Stubifrsch, Bidens tripar-
tita L. Nach einer Mitteilung aus
Dönh. auch Stukb&rsch. Mühling hat
Stuckborsch.
Stubchen, pltd. Stawke (a^a), n., Dem.
von Stube, Spiel: Stubchen zu ver^
mieten*! — Das Stabchen hinter dem
Ofen^ der Raum hinter dem Ofen, zwi-
schen Ofen und Wand, als Wohnung
für den Altsitzer oder Ausgedinger (s. d.)
Vgl. Kachel 3.
Stubchenvater, m., s. Altsitzer.
Stube, grofze^ /., bestes Zimmer,
Prunkzimmer. Hier §s siene grote Staw
etc. Dorr, 1. Wiew., 107.
Stubengebäude, n., Hofgebäude, Wohn-
haus, Herrenhaus. Es Stöwegebaid hot
a man ver e p6a JSa gebaut. Ermländ.
Freisch., Manuskript.
Stubenknochen, m. , Zimmergenosse.
Schulausdruck.
Stubenmädchen, n., Dienerin, welche
die Zimmer des Hauses — im Gegen-
satz zur Köchin — unter sich hat. Vgl.
Kleinmädchen.
Stubenwaschtag, m., Tag, an dem die
Stuben gewaschen, gescheuert werden.
Es sei morgen Stubenwaschtag. Soph.
R. in, 248.
StUbernase, /., s. Stiebernase.
Staibttrsch, Pflzn., s. Stubbifrsch.
Stuchllnski, m., Fischn., s. Stachlinski.
StUck, w., plur. Stücker^ Dem. Stücker-
chen. Ein StOcker fünf; auch von
Menschen. Vgl. Jahr, Das Glas ist
in Granatstücker zerbrochen , ... es (das
Schiff) müste denn in Stück stücken zer-
brochen werden, Linem., H 3b. zu
Stück gehn^ in Stucke gehen, zerbrechen,
zerreü'zen (s. U hl and, das Glück von
EdenhaU, letzte Strophe: Die Steinwand^
spricht er, springt zu Stück); ebenso
384
StuckboTScb — stfikeo.
zu Stück Tnachen. Davon: zustUcken,
adj. Ein zustückenes Kleid^ ein zerris-
senes Kleid. Sperber, 31.
StUckborsch, Pflzn., s. StubbKrsch.
Stuckdorsch, pitd. StOckdersch, m.,
nach Bock, Nat. IV, 547, der besal-
zene and aasgeDommene Dorsch; doch
auch blofz der ausgenommene. Die
Königsbei^cr Handelsfrauen rufen ihn
aus: Frm^ Stockdersch!
staicken, mo.y s. stQkeru
staickem, sw., s. stQkem.
Stuckerwagen, m., Wagen ohoeFedenj,
der stuckert. Gedanism. In Ostpr.
Kiapperwageru
StUcknenei, StUknessel, Stinknessel, /.,
Wald-Ziest, Stachys sylvatica L, Ha-
gen, 622. Pritzel, 388.
Stucks, m,y Stofz.
StUcks-chen, pItd. StVckske, n., Dem.
von Stuck^ Lied, Arie. Das ist ein
hübsches Stückschen,
stUcksein, sw., zerstückeln; daher auch
zerstücksein.
stucksen, sw.^ stofzend niederdrucken,
zornig ducken, fortstofzen. Saalfeld.
Sperber, 36, schreibt stuksen.
Student, m., ein abgelöschter Feuer-
brand, der von den Brauern Königs-
bergs ausgesetzt wurde, wenn sie noch
Tafelbier zu verkaufen hatten. Hen-
nig, 268. Veraltet.
Studentenblume,/., spitzblättrigeMalve,
Alalva alcea L. Hagen, 725.
Studentenfutter, n , -haber, m., Kosinen
und Mandeln. Hennig, 268.
Studentennelke, /., Tagetes patula L.
In der Saalfelder Gegend auch Schranitz.
Studentenrose, /., Tagetes erecta L,
Weichseldelta. Treichel, Volksth. III.
stuf (u kurz), adj,^ stumpf, abgestutzt.
Im Nds. stauf. Eine stufe Nase^ eine
kleine, stumpfe Nase. Stufnase, eine
Stutznase, aber auch Mensch mit
stumpfer Nase. Hennig, 168: Sts»-
nase.
Stufe, /., Dem. Stufchen^ Überrest
von einem Stücke Tuch, ZeafZf, Lein-
wand. Hennig, 269: Stave. Üblicher:
Stufende (u gewöhnlich kurz), die Stufe,
der Rest von einem Stücke Zeug, auch
Rest eines der Länge nach mefzbaren
Gegenstandes überhaupt Soht da! en
Stuwengd Land (Lunte). Cami. nupt
I, 282, 3. Hennig, 269. 59.
Stuff, m., eine Art Wollenzeag, das
früher sehr beliebt war. StllffUeid, m.,
Kleid aus Stuf.
Stufnase, /., s. stuf.
Stuhlschreiber, m.y eine Art halbamt-
licher Notar, der auf dem Artashofe
über die gemachten 6eschäfi;e schrift-
liche Vertrage, Wechsel und Urkunden
ausfertigte und von denselben Abschrif-
ten in seinem Amtsbuche niederlegte,
welche im Falle eines Prozesses vor
Gericht Glauben fanden. 15. Jahrh.
Danzig. Hirsch, 231.
Stuhltlügerin, /., Begleiterin der Heb-
amme, die ihr „den Stuhl nachträgt,
der bei Entbindungen gebraucht wird*.
Hennig, 268. Jetzt begleitet die
Stuhlträgerin mit dem Stuhle (Fufz-
bank) die Hebamme in die Kirche zur
Taufe des Kindes.
Stukbgrsch, Pflzn., s. Stubbttrsch.
stQken, übel vhchd. stauken, auch
stucken, sw,^ stauchen, wiederholt ab-
wärts stolzen, drücken, stampfen. Einen
mit der Nase auf den Tisch stuken.
Karte fein stuken^ zu Brei drücken. Die
Wäsche stukeny sie durch Stauchen rei-
nigen, sie ausstQken. einstOken, unreine
Wäsche einweichen in Lauge. Den
Mägden kommet zu das Stuhcken^ Schrob-
ben^ Bohnen, Carm. nupt ü, 266c.
Die Hand voll Wäsche, welche ge-
stuckt wird, heü'zt StQksei, n. Bock,
Stükerfalz — sturen.
385
67. Hennig, 268. Sperber, 36.
Schemionek, 39.
SfOkerfafz, n., hölzernes Gefafz mit
Wasser und einem Stück Sandstein
oder Glimmerschiefer zum Schärfen der
Sensen, das in manchen Gegenden bei
der Mahd an einem um die Hüften
gehenden Riemen über dem Hintern
getragen wird. Von atükem.
stflkerig, stuckerig, adj\ holperig, das
was stukert. Der stukerige Weg — aber
auch der stukerige Wagen^ Wagen ohne
Federn. Vgl. Sfuckerwagen.
stQkem, stuckern, abgeblafzt vhchd.
staukem, auch stuckern, Frequent. von
stuken^ durch Stofz gestakt, erschüttert,
gerüttelt werden. Manches Pferd stu-
kert. So geschah es beim Stukem des
Wagens. Soph. R. VI, 525. Die Me-
dizin stukem^ sie durchschütteln. In
der Zusammensetzung: dUrchstOkem.
Schemionek, 39: stuckern stofzen im
Fahren; auch wenn es mit etwas ha-
pert. Bock, 67. Hennig, 268. Sper-
ber, 36.
StUknessel, /., s. StUcknessel.
StOksel, n., s. stOken.
stuksen, sw.^ s. stucksen.
Stulpe, /. 1. gewölbter Deckel zum
Zudecken von Gefafzen, s. v. a. Stürze
(s. d.). Fine Schüssel mit derartigem
Deckel heifzt StUlp-, StulpschUssel. 2.
Stulpe: Manschette; steifer oberer Teil
des Stiefelschaftes.
stülpen, sw. 1. eine Stülpe auf etwas
legen oder decken: ZUStUlpen, aufstUlpen.
Die Terrine zustülpen ^ einen Deckel
darauf legen. Den Hut aufstülpen^ ihn
lebhaft und mit Druck aufsetzen. 2.
umkehren, umwenden das Unterste zu
oberst: umstUlpen. Den Topf umstülpen^
wobei der Inhalt verschüttet wird. Die
Kaffeemaschine umstülpen^ damit das
siedende Wasser über den Kaffee laufe;
FriBehbier, WÖrtorbaeh II.
daher StUIpmaschfne. In diesem Sinne
auch umstürzen, umfallen, mit einem
Fuhrwerk umwerfen. Mit einem Fuder
Kumst umstülpen. Vgl. Sprw. I, 2147.
3. zurückschlagen: aufetUlpen, abstülpen.
Die Manschette^ den Kragen auf- oder
abstülpen. Hennig, 268.
StUm, m., s. StTm.
Stump, m.. Dem. Stumpchen, Stumpf,
unteres Beststück. Zahnstump, Stump-
chen lAcht. Bei Jeroschin strumpf
= truncus. Pfeiffer, 227. Eogl. u.
schwed. stump^ holl. stomp, dän. stumpe.
Hennig, 269.
stump, stumpig, adj.j stumpf, abge-
nutzt. Ein stumpes Messer. Ein stwnv-
piger Besen. Hennig, 269: stumpicht.
stUmpern, sw.y sich, sich elend durchs
Leben schlagen. Man stümpert sich so
durch, ist ein elender Stümper.
Stumpfschnepfe,/., s. Fledermaus,
stumpig, adj.y s. stump.
stumizen, sw,^ schupsen, stofzen.
stunden, sw.^ Glockengeläute von der
Dauer einer Stande; auch substantivisch
das Stunden. Das erste und eigent-
liche Stunden geschieht unmittelbar
nach dem Verscheiden, das andere und
letzte bei dem Begräbnis. Der Arme
kann dem Verstorbenen nicht stunden
lassen. Er Id/zt sich nicht stunden^ es
wird ihm nicht nachgeläutet. Hen-
nig, 269.
StUpe, /., stUpen, sw., s. Stfp etc.
stUppen, sw., s. stippen.
Stuppzu, n., Pflzn., s. Stopfzu.
stOr, adj.^ s. sturr.
Stur, m., Pflzn., gemeiner Amarant,
Amarantus blitum L. Ostpr. Pritzel,
23.
Sturak, m., Branntwein, Schnaps.
Sprw. I, 1532.
stUren, stTren, sw. 1. steuern, lenken.
2. wehren, beschwichtigen, beruhigen.
26
386
Sturgel — Stusel.
Dem Unheil stiren. Er ist gar nicht
zu stiren^ zu beruhigen, zu lenken.
Bei Jeroschin sturen. Pfeiffer, 228.
Ebenso besteuern, besttren, bestUren.
EfT läfzt sich schwer besteuern^ besänf-
tigen, beruhigen, versttren, beunruhigen,
belästigen, stören. Möt Gonst^ myn
lawer Herr Afcath^ myn WoU ös nichy
en to verstj/re, tüihl hey hyd Kästing
heft to fyre. Carm. nupt V, 216 b.
Muhling hat zerstTren, bewältigen, be-
zwingen, zu Stande bringen, beseitigen.
Sturgel, SturI, Storgel, Stordel, m., Stab
mit einer Scheibe oder einem zncker-
hutförmigen Knopf am Ende. Der
Scheibensturgel ist der Stab im Butt^r-
fafz, derEnopfsturgel dient den Fischern
zum Aufscheuchen der Fische aus dem
Uferversteck. Nsslm.^ Forsch. 2; Th.,
178, vermutet in Sturgel und Sturl
preulzische Wörter. Vgl. auch Nurgel.
Sturgel, m., nach Schemionek, 39:
plötzlicher Anreiz, Anstofz, Verlangen
wonach. In der Elbinger Niedrg: He
krigt den Sturgel, er wird staiT, stör-
risch, eigensinnig.
sturgeln, sw. 1. mit einem Sturgel
stolzen, stoi'zend auf und ab fahren.
Vgl. kleppem. 2. unsicher gehen, be-
sonders von kleinen Kindern gesagt,
die das Gehen erst lernen. Mar o Id.
Stflrkopf, m., s. Sturrkopf.
Sturl, 7n., s. Sturgel.
StUrlanke, /., eine Art Fischernetz,
von Be necke, 269, Störlanke genannt,
findet sich erwähnt in dem Gründungs-
Privilegium der Stadt Fischhausen vom
Jahre 1305 (Voigt, Cod. dipl. Pruss,
II, 60), das den Bürgern freie Fischerei
im HafiF und in der See verleiht: ea-
cepto tarnen rethi quod Nywat vulgari-
ter nuncupatur, et praeter reihe quod
Stürlanke dicitur. Lit Idnkas Reifen,
Bügel. Nsslm., Th., 179, möchte
Stürl4ankc lesen, am eine Zasammeo-
setzung aus Sturl (ßturget) and Idnkm
zu erhalten, Sturllanke w&re somit Stofz-
Bügel zu übersetzen. Vielleicht ist
Stur die Stammsilbe von Staren^ Steiem,
der noch heute verbotenen Art des
Fischens. S. Intern.
Sturmfisch, m., kleine Seenadel, S/yng-
nathus ophidion. Benecke, 190.
Stumicksel, m., s. Stemicksel.
sturr, stQr, adj.^ starr; steif. JBXn star-
res Gemüt, ein störrisches, eigensinniges.
Sturres Zeug, sturre Leinwand^ steif
gummiert, gestärkt. Nach Marold
auch storr.^ Treichel hat: stiU und
stur dasitzen^ still and stier, anbekam-
mert dasitzen. Davon sturrig, cuij. Vgl
stursch.
Sturrkopf, Stfirkopf, m., Starrkopf,
Eigensinniger. Von sturr.
sturschy stOrsch, adj. 1. störrisch,
widerhaarig. Er hat recht stursehes
Haar, struppiges, hartes Haar, das sich
schlecht glätten läi'zt. Er ist ein stur-
scher — sturscher Mensch, er hat ein
störrisches Gemüt, ist mürrisch, gräm-
lich. Der Eigensinnige hat einen stur-
sehen Kopf. 2. herbe, hart, starr, steif;
von Getränken und Zeugen. Sturschet
Wand, ein hartes, grobhaariges Ge-
webe; ebenso stursche Leinwand.
Sturzacker, m., Acker, der gestürzt
worden ist. S. stUrzen.
stürzen, m., den Acker mittelst der
Pflugschar umkehren. . . . so taie man
(in I^eussen) das Stürzen nennety wenn
man das Land (im Herbste) umpflüget,
welches in demselben Jahr Feldfrüchte
getragen hat Bock, Nat. III, 680 f.
Die Braacke stürtzen^ die Brache stür-
zen. Hartwich, 329.
Stusel, m., Stolz; vom Winde. E
Stusel Wind ret em den Hot af. Fried-
land Ostpr.
stut^rsen — Sumpfaloe.
387
stuttreen, sw.^ s. kaisem.
Stutz, m , kleiner^ niedriger Becher.
Mühling.
stutzen, sw, 1. tauschen. WöU wt
stutze^ wollen wir tauschen? Im Han-
del hat man das bemercket^ Da/z Stutzen
selten Vorteil bringt Carm. nupt II,
238 c. Hennig, 269. 2. passen, über-
einstimmen, harmonieren. Zu den Per-
gamentbdnden^ die ihr (^der Studenten)
Handwerkzetig sind^ stutzt mir die seidne
Jähe nicht so recht. Soph. R. I, 176.
Die übrigen Bedeutungen wie hoch-
deutsch: Da» Pferd stutzt^ es bleibt,
durch eine äul'zere Einwirkung befrem-
det, stehen. Eck war hier ganz ver-
narrt^ wie sei so kästUch stutzt^ wie sie
so köstlich prangte. Carm. nupt. I,
282, 11. Den Hut stutzen^ ihn steifen
und ihm neuen Glanz geben; daher
auch putzen überhaupt. ausStutzen, aus-
putzen, ausstaffieren; nach Mühling
auch aufhören zu tauschen. Das Haar
stutzen — einem Hunde den Schwanz
stutzen^ kurz schneiden. Der gestutzte, d. i.
gestoi'zene Käse. Vgl. Stutzchenzwerg.
Stutzchenzwerg, pltd. Stutzkedwarg, m.,
ein cylinderformiger Zwerg (Quarkkäse),
dessen Enden durch stutzen, stolzen,
platt gedruckt sind. Vgl Dwarg.
sUbbem, sw., s. sibbem.
Suchel, /'. 1. Blute des (roten) Klees.
2. kurze Pfeife.
suchein, sw.. s. suckeln.
Sucht, /'. 1. Krankheit, von stechen.
Die fallende Sucht, Epilepsie, die Gelb-
sucht, Schvyindsucht , Wassersucht Vgl.
Schmeller III, 195. 2. von saugen.
Die See hat heute groj'ze Sucht, zieht
in sich hinein.
sUchtig, pltd. süchtig, adj., schwärig,
eiterig, schwer heilend ; von der Haut.
Er hat eine süchtige Haut, eine solche,
die bei leichten Verwundungen schwärt,
eitert, schlecht heilt. Wir (Kinder) sind
alle süchtig, leiden an Ausschlägen.
Ebenso süchtige Wunde, eine schwer
heilende Wunde. Von Sucht In Bayern
süchtig, ansteckend. Schmeller UI,
195.
Suck, /., Hündin, s. Zock.
suckeln, sucheln^ sw., saugen, an den
Fingern saugen; auch rauchen, weil
man dabei auch suugt; darben, Not
leiden. Vor euem (der Lehrer) Petitio-
nen bekam Mühler Respekt, ging fort
und läjzt uns weiter suckeln.* Lhrztg.
f. d. Prov. Preufz. 1872, S. 76a. In
Bayern, im Göttingenschen suckeln,
sukeln saugen, im Nds. auch kränkeln.
Schmellerm, 198. Schamb., 218a.
Brem. Wb. IV, 1090. Vilmar, 407.
SQdel, m., das galgenartige Gestell
aäi Ziehbrunnen, durch welches das
Schöpfen des Wassers ermöglicht wird.
Von Süd Brunnen.
sUlen, sw, s. Sälen.
SUIzfulz, m., s. Knisch.
SUme, /., Fischer- Kolonie. An den
Strömen und Küsten des frischen Haffes
und der Ostsee hatten sich (zur Ordens-
zeit) Fischer-Colonien, Sümen genannt,
angesiedelt, die jedes Jahr vom Orden
ihre Keutelbriefe kauften und darauf
ihr Gewerbe betrieben. Voigt, Gesch.
Pr. VI, 636. Benecke, 267.
Summkauf, m., Aufkauf, Ankauf eines
ganzen Vorrates. In der Landesord-
nung von 1640 ist bestimmt, dafz der
Summkauf erst gegen Schlu(z des
Marktes erfolgen daif. Mühling.
Summs, m., von summen. 1. Ort,
wo lautes Wesen, Getöse herrscht,
schlechterer Verkehr stattfindet, s. v. a.
Bums. 2. Wortschwall, überflüssiges
Gerede, unwillkommene Rede. Auf
den Summs höre ich nicht Treichel.
Sumpfaloe, /, s. Wassersäge.
25*
388
SnmpfTeder — Szäken.
Sumpffeder, /.^ PAzd., aach Wasser-
garbe, Sumpf-Hottonie, Hottonia palustris
L. Hagen, 216. Pritzel, 185.
Sumpflilie, /., s. Teichlilie.
sUndigen, sw.^ sich mit jemand sün-
digen^ sich mit jemand heramärgem
müssen. Treichel.
SUng, /., Sunde. Jl/ma Süngy meiner
Sunde! als Beteuerung, Fluch. S.
Volksl, 68, 44, 11.
sUnnen, sir., sonnen, an die Sonne
legen. Die Betten sünnen. Hennig,
270.
sUpen, sw.^ s. sipen.
Suppe, /. 1. rote Supp\ Blut.
Sperber. 27. 2. in übertragener Be-
deutung: Verlegenheit, Klemme, Nach-
teil. Ef' sitzt in der Suppe^ in der
Patsche. Er mu/z die Suppe bezahlen^
er hat den Schaden.
Suppen, sw. 1. Sappe essen. Wer
lang suppt^ lebt lang, za Kindern, welche
die Suppe nicht essen wollen. Dönh.
2. stark träufeln, sich in Tropfen er-
giefzen, triefen. Das Blut suppt ihm
aus der Nase. Durchnäfzte Kleider
suppen. durchsuppen, durchtriefen, ein-
regnen. Vgl. Sappen.
Supptopf, m. 1. Topf zur Au&ahme
der Suppe. 2. unfreundlicher, finsterer
Mensch, mit der Nebenbedeutung der
Beschränktheit. Er ist ein rechter Supp-
topf. Vgl. Sauertopf, Sauermaul.
Surinkimininker, Susirinkimininker, m.,
wörtlich die Versammelten, Kon ventikler,
von surinkimas, Versammlung, Konven-
tikel, Mitglied einer religiösen Sekte in
Litauen. Spottweise heil'zen die Su-
rinkimininker auch Maldininker, Malde-
ninker, Beter, von dem lit. maldä Bitte,
Gebet. Hintz, 20, Anmerkung: Über
die Maldeninker. Näheres in den Pr.
Prov.-Bl. VI, 204 ff. Vgl. auch Pas-
sarge, Balt., 261.
surmeln, sw^ summen. Marold.
Surrchen, n., Treibballspiel, 8. Sauchen.
Sdrus, m., grofzer Käse, Lart and
stark gesalzen, lit suris. Litauen.
Bock, Nat I, 268.
Susannenkraut , n. , breitblättriger
Ehrenpreis, Veronica latifoUa Z/., auch
Acker-Vergilzmeinnicht^ Afyosotis ar-
vensis L, Hagen, 25. 197.
Suse, /. 1. weibl. Vom., Susanne.
2. langsame, unpraktische., träumerische
Person, auch männlichen Geschlechts.
Er ist eine rechte Suse, — eine Klatsch-
suse.
sQsen^ sw. 1. sausen. Hennig, 270.
2. schlafen, einschläfern. Vgl. ichuichen.
SQsewind, m., Sausewind^ Windbeutel.
Hennig, 270.
Susirinkimininker, m., s. Surinkimininker.
SUSt, adv., sonst. Stist kam ock na
Bus to spade. Volksl., 7, 51, 2.
sUfz, adj., s. sauer.
SUrzholz, Tl., icildes, sül'zholzblättrige
Bäreuschote, Astragalus glycyphyllos L.
Hagen, 767.
Sufer, Sutter, Dem. Sutetrhen, Suterke,
SutterkCy m., Sandaal, Ämmodytes to-
bianus und A. lanceolatus. Lett. suttis
Aal, st^f^m Neunauge. Der Suter heilzt
auch Tobies, Tobieschen, lit und kur.
tubis, poln. tobijak, auch Seepeitzker
und, nach Bujack, Sandspirring.
Hennenberger, Anh. 29. Benecke,
99f. Bujack, 397. Nsslm. Forsch.
3; Th., 182. Vgl. 6ru.
Suiergarn, n., s. Hauschnur.
Sutter, m.y s. Suter.
Szäken (2 = i), Ortsn., Dorf bei
Tilsit. Er ist aus Szäken, wo der He-
ring an der Kette liegt. Für sämt-
liche Bewohner des Dorfes war, wie
der neckende Volks witz erzählt, ein
Hering angeschafft, der im Schulzen-
hause an der Kette hing. Um die
Szaw — Tabbert.
389
Mittagsstunde versammelten sich die
Hausfrauen und machten an ihm ihre
Kartoffeln ab. Sprw. II, 2619.
Szaw, /. s. Sau 3.
Szenfe, vi , Schwiegersohn, von dem
gleichbed. lit. ihitas. Zu Zeiten wird
ohne Noth^ aus Faulheit zu arbeiten und
ihre Wollust und Kurzweil zu treiben^
gemacht^ dafz sie (die Litauer) entweder
eine Mariz%che (s. d.) oder einen Szen-
ten vor der Zeit auf etliche Jahr ins
Haus und Geschäfte nehrnen, Kirchen-
Visitat. Insterburgschen Amtes. Hen-
nig, 270.
szingersch, adj ^ s. zings.
szings, szingersch, adv.^ augenblicklich,
soeben. Kastenburg. Vgl. Singer.
Szittkehmen, Ortsn., Dorf im Kr.
Goldap. Nach Bock, Nat. V, 392,
von dem poln. zyto Roggen, „weil da-
selbst vorzüglich der reineste Roggen
wachset."
Szud, w. Vom., s. ^chud.
Szupone, /., Frau. Von dem lit.
Zupone vornehme Frau. Nsslm. Wb.,
550 b. Gefallen Dir denn die Szuponen
Hie (in der Gegend von Tilsit) besser
als sonst anderwerts, Carm. nupt, I,
232. SzuponCy dat ös Fruke. Volksr.,
114, 477.
Szufzkehmen, Ortsn., Dorf im Kirch-
spiel Nemmersdorf im Kreise Gum-
binnen. Er geht nach Szufzlcehmen^ er
schläft ein, geht schlafen Von der
Ähnlichkeit des Klanges mit schuschen
schlafen. Sprw. I, 3'J05.
T.
t harter Zungen- oder Zahnlaut, fällt
in der Mitte der Wörter und auslautend
im Plattdeutschen, besonders hinter Z,
häufig ganz weg: es und os ist, nich nicht
As Axt, 61 und oll alt, öler alter, hole
halten, selle^ solle selten, schelle^ schölle
schelten, spole spalten; oder bleibt auch
am Ende: deit thut, heft hat, wird abe^'
dann doch gern nahe dem d gemildert.
rod, rot^ bred breit. Inlautend wird es
d\ stride streiten, selbst in der Verdop-
pelung bleibt es ein einfaches d und
der vorhergehende Vokal verlängert
sich: Bläder Blätter. Sonst geht tt in
dd über: bedden, bödden bitten, Bedde
Betten, Gevadder Gevatter, redde retten,
hadde{n) hatten. Anlautend wird es
regclmäi'zig ein d: drägt, drächt trägt,
drift^ dröft treibt, Düwel Teufel, done
thun, dal nieder, zu Thal; selbst im
ausgearteten Hochdeutsch zeigt sich
diese Umlautuüg: dausend Dahler^
Deiwely dolly dichtig (tüchtig). Hinter
n klingt es, wie auch das d, gleich dem
Nasenlaut in Natangen und den Nie-
derungen: hinge hinten; dagegen in
Samland, Litauen, Oberland etc. eben-
falls wie ein d: hinde hinten. Die zuerst
bezeichnete Bequemlichkeit, das auslau-
tende t wegzulassen, zeigt sich auch im
Hochdeutschen, indem gesprochen wird:
is, nich, Ax statt ist, nicht, Axt. Leh-
mann, Volksmd., 32.
ta-, Vorsilbe, er-, s. ter.
fä (ja, lang), adj , zäh, s. tag.
Tabarre, /., Fischn., s Dfbel.
tabbern, »w., s. fobbern.
Tabbert, m., in früheren Zeiten ein
Schleppkleid für Frauen. Mühling.
In Hessen: Tabart^ Daphart, Tapport
390
Tabelle — Tfigel.
im 14. und 15. Jahrhandert als Be-
zeichnung eines langen Gewandes. V i 1 -
mar, 408.
Tabelle, /., Fischn., s. Dtbel.
fab'rig, adj,^ ungeschickt, plump, zu-
tappend, unnütz. Davon Tab'rigkeit, /.
Tach, w., Decher, mhd. teclier^ aus
dem lat. decuria Zehent: 10 Stück
Felle. Mühling. Weigand I, 311.
Tächerwerk, n., s. Däkerwerk.
lacht, locht, Dacht, m. u. w., Docht,
Leuchte. Im Augenblick meines Falk
war das kleine Tackt umyefaüen und
gab nur ein ganz schwaches Licht.
Soph. R. I, 73 f. Sperber, 30.
Tacht, /, Prügel. Saalfeld. Davon:
Tachtel, /., im Samlande Hieb, Schlag,
aberauch,wieandernorts,Ohrfeige. Brem.
Wb. V, 3. Schamb., 223b. Dähn.,
481b. Hupel, 285. Sallmann, 42a.
Bernd, 36: Dachtel.
tachteln, sw.^ von Tachtel, ohrfeigen,
prügeln, schlagen überhaupt. S. matll-
tachteln.
tachtentig, num., achtzig. Ek liew^o
nu all tachtentig Jahr on mehr op dem
Riggen. Dorr, 1. Wiew., 58.
Tachter, m., s. Täter.
Täckel, m, s. Teckel.
Tafel^ /., in der Schulsprache die
Schiefertafel.
Tafelbier, w., zweiter, auch dritter
Absud des Bieres, Dünnbier. Auch
Schemper und Trinken genannt (s. d.).
Ebenso in Bremen und in Pommern.
Brem. Wb. V, 4. Dähn., 483a. Vgl.
Bock, Nat. I, 271. Hennig, 30. 271.
In Königsberg auch Tafeltrinken, also
ein Bier, das an der Tafel armer Leute
getrunken wird. In Danzig gab es
zur Ordenszeit drei Arten von Bier:
Joppen- oder Schiff bier^ gewöhnliches
Bier und Tafelbier oder Covent.
Hirsch, 245. Der Rheinsche Wein.
der war vor ihm zu achten teie gerinfei
TafeUner^ darnach nickt viele trocken,
Carm. nupt. IV, 13 b.
Tafelläken, n., Tafeltuch, TischtacL
Tafetetein, m., Schieferstein, Schiefer^
Stift. Mühling.
Tafeltrinken, n., s. TafeltNer.
Tafelzeug, n., Tischzeug, Tischwäsche.
Hennig, 271.
Taft, w., TaflFet. Vgl. Sprw. 1, 3688.
3354; II, 2366.
Tag, pltd. Dag, m., plur. Tagner. Se
ÖS mot gode Dag, sie ist mit guten
Tagen, ist schwanger. Sprw. I, 69p.
Es ist nicht alle Tage Sonntag. Ab-
lehnend: In den ersten Tagen nächster
Woche, entweder Freitag oder Sannabend.
Am hellen Tag Licht brennen. Dorr,
I. Wiew., 32. Vgl. Sprw. I, 3690 ff.;
II, 2622 ff. Ein Tagner zehn.
tag, tä, adj., zähe. Tages Fleisch.
Täet Holt, zähes Holz. Der Aal hat
ein tdges Leben, ein zähes Leben. Auch
vom lehmigen Wege. Vgl. bloilig.
Angs. toA, engl, totigh, hoU. taai, ditm.
taag, im Götting. td, brem. tcui, tae.
Hennig, 306, hat auch vhchd. zage.
Brem. Wb. V, 1. Schamb., 223a.
Danneil, 220a. Mi, 91a. Hennig,
271.
tag, adj., tüchtig, s. d§g.
Tagbalg, m., Balg, der tag ist; von
einem unfolgsamen, ungezogenen Kinde.
Davon : tagbalglg,adf/., ungezogen, schwer
lenksam. Ein tagbalgiges Kind. Nach
Hennig, 271, dickhäutig, wörtlich und
bildlich.
Tage, /., nach Treichel eine Art
Schwengel = Bracke (s. d.).
Tägel, w. 1. Zagel, Schwanz, engt
tail, Da auch penis Zagel, Taget, hoüzt,
und die getrocknete Rute des Ochsen
als Prügelinstrument dient (vgl. Peserik),
80 ist Ta^el der Ochsenziemer, aber
tagein — Tag und Nacht.
391
auch die aus Lederriemen geflochtene
Feilsche, das zum Prügeln dienende
Tauende, der kurze Strick. 2. Hiebe,
Schläge^ Prügel. Aus der ersten Be-
deutung.
tägeln, su?., mit einem Tdgel schlagen,
aber auch prügeln überhaupt, abtftgeln,
abprügeln, durchprügeln; ebenso auf-
tägeln. Vgl. tachfeln.
tagen, tagern (a kurz), «tr., sichy sich
zanken, reiben, streiten. Er tagert sich
mit andeim, fangt mit ihnen Zank und
Streit an. Bock, 68. Hennig, 271.
Nach Bock wird es auch „von Per-
sonen beiderlei Geschlechts gesagt, die
sich mit einander wohl verstehen und
gerne leiden können" : — was sich ta-
gert (neckt), das liebt sich. Vgl. tar-
gen unter zargen.
Tagg, /., das Schaf. Westpr. (Jer-
rentowitz.)
tagger, adj. u. adv,^ tapfer, tüchtig,
wacker, rührig, rüstig, ausdauernd, em-
sig, fleii'zig, hurtig, lebhaft, munter.
Er hat sich tagger gespüt^t^ er hat etwas
hurtig, eifrig und schnell ausgerichtet.
Er ist tagger bei der Arbeit Dat geit
möt em noch ganz tagger^ er ist noch
recht rüstig und kräftig, trotz seines
Alters. Als Zuruf: iVa, tagger^ tagger!
Man immer tagger! Tagger drauf los!
Vgl. tanger.
Täglichneti, Pflzn., zweijährige Nacht-
kerze, Oenothera biennis L, Auch Wein-
blume. Hagen, 407.
Tagntt, im Volksmunde Königsbergs
und Danzigs TangnM, m. u. /., nach
Hirsch, 211, in Danzig 1416: Tendete,
Verkaufsstelle für alte Kleider und
altes Hausgerät, Trödelmarkt. Ich gab
denn also einen Rubel auf den Hut zu^
den ich auf dem Tagnet um einen hal-
ben Otdden haben konnte, Soph. R. V,
115. Das Danziger Dampfboot, Jhrg.
1833, No. 20, S. 112, führt Tagnot auf
das franz. vendre verkaufen zurück.
Hiervon zunächst la vente der Verkauf,
davon das Dem. la vendette der Klein-
verkauf, Trödel. „So finden wir noch
in den alten hiesigen Concessionen der
Trödler: und sollen dieselben mit ihren
Waaren nirgends anders als auf der
Vendette aussitzen. Aus Vendette macht
der Pole wendeta und aus diesem das
gebräuchlichere tandeta^ aus tandeta
aber macht der Kassube, seinen häufi-
gen Nasentönen gemälz, tangneta. Letz-
teres hat der Plattdeutsche angenom-
men und daraus Tangnete gebildet".
Auch Nsslm. Forsoh. 2; Th., 184, ver-
mutet in beiden Wörtern eine Umge-
staltung aus dem poln. tandet^ tandeta
in derselben Bedeutung, von tani, tania
wohlfeil, oder eine Entlehnung aus dem
mlat. tenday tendeta und weist auch
vergleichsweise auf kslav. tenüta^ tenta,
ngr. tevra tentorium hin.
Tagntter, Tangntter, m.^ Trödler, An-
tiquarius, poln. tandeciarz, tandetnik.
In Danzig giebt es eine Tagnetergasse.
Löschin, 43. Klein II, 185.
TagnMer-, Tangntterbude, /., Trödler-
bude.
tagn§tern, tangnttem, sw.^ mit alten
Sachen handeln. Klein II, 185, der
sich allein für die letzte Wortform er-
klärt.
Tagschlaf, 7n., Tagschläfer, europäische
Nachtschwalbe, Capnmulgus europaeus]
auch Hexe und Grofzmaul. Bujack,
369. Mühling, Tiern., 178.
tagtäglich, adv., als Verstärkung von
täglich^ jeden Tag, wiederholt, unaus-
gesetzt, ohne Unterbrechung. Das lAed
kort man tagtäglich,
Tag und Nacht, Pflzn., Hain-Wachtel-
392
Tähnkefuhrer — Talk.
Weizen, Melampyrum nemarasum L.
Auch Kuhweizen and Rinderweizen.
Pritzel, 232. Hagen, 645.
IUhnkefUhrer, m., s. FähnkefUhrer.
T4k, m., Narr. Dzg. Nhg. De Mensch
blef awerscht doch en Tenk, Parad., 80.
Täk, Täig, plur.y Streiche; wohl von
Tdk. Ek donen nik leewen dee Täk
(solche Streiche). Dorr, 1. Wiew., 24.
Wenn ju miene domme Täig besehnen.
Ibid., 46.
Täkel, n. 1. Tauwerk eines Schiffes.
2. Gesindel, Pöbel; als Verstärkung in
diesem Sinne: Täkelzeug. Solch Täkel!
Das i8t einmal rechtes Täkelzeug! Doch
auch gemütlich als Menge, Volk: Dat
war to schüe düsend Spa/z^ Sich mal
dat hsfge Takel. Samland. Firme-
nich lU, 498b. Hennig, 271.
Tftkel, /., Lachsangel. Danzig. Von
pommerschen Fischern seit etwa 10 Jah-
ren an unserer Ostseeküste eingeführt.
Benecke, 401.
takeln, sw.^ ein Schiff mit Tauwerk
versehen. Holl. takel Zugrolle, engl.
tackle, Zusammensetzungen: betakeln,
auftakeln, abtakeln. Letzteres auch in
dem Sinne von blofzstellen, herunter-
machen. Er hat ihn gut abgetakelt^ er
hat ihn scharf ausgescholten, ihm kein
gutes Haar gelassen. Er ist abgetakelt,
er ist heruntergekommen, unbrauchbar
im Dienste geworden, auftakeln, sich,
sich auffallig, überladen herausputzen;
namentlich von Frauenzimmern. ^St^
hat sich gewaltig aufgetakelt Einem
etwas auftakeln, ihn durchprügeln.
Sprw. I, 1.
Takelware,/., schlechte Ware;schlechte
Menschen. Mühling.
Täkelzeug, n., s. Tftkel.
taktr, adv., der Quere nach. Taker
gäne, in die Quere gehen; auch weinen,
lamentieren.
TakTsch, TaUsch, Takischa, /. u. ts
das Lachswehr, lit. takisza. Skirwi^
Beschreibung und Abbildang in Be-
necke, 380ff. Fisch.-Ord. £ A kor.
Haff § 23. Sperber, 4L
TftI, (?), Wurm am Finger, Panari"
dum. Mühling.
T&le, /., s. Talke.
Talghacker, m,, Meise. Aach Talg-
mttskey Talgmeise.
TalglUmmel, m., Schimpfwort für einen
groben und rohen Menschen. Bock,
68.
Talj, n., s. Tall.
Talk, m., Talke, /. 1. freiwillige Hilfs-
arbeit, die man dem Nachbar leistet
und welche nicht mit Geld, sondern
mit Speise und Trank und schliefzlich
mit einem gemeinschaftlichen Schmause
vergütet wird; daher auch 2) ein der-
artiger Schmaus, wobei der Tanz nicht
zu fehlen pflegt. In der Landesordnong
des Hochmeisters Konrad von Erlichs-
hausen von 1450 heiizt es: Ouch sal
man am fiertage ume talke oder bete
(Bittej E\n\sidang) nicht arbeyten, Geb-
ser u. Hagen, Gesch. d. Domkirche
I, 297. Korntalk, Arbeit in der Roggen-
ernte und Festschmaus nach Beendigung
derselben. Federtalk, Reil'zen der Fe-
dern auf Talk, gewöhnlich in der Zeit
der Zwölften. Fbenso: Kartoffeltalk,
Flachetalk. In diesem Kirchspiel (ELrau-
pischken) ist ein Pawer geicesen, der
hat auf einen Sonnabent Talck gemacht,
das Holtz vom Rodtacker abzureumen,
Hennenberger, 63. In den Talk
gehen, i tälkq eiii, zu einer derartigen
Zusammenkunft gehen. Lit. talkä, lett.
talka, talks, daher lit. talkimnkas, lett.
talzineeks ein solcher Hilfsarbeiter, lit.
sU'tkUcti die Nachbarn zu solcher Arbeit
zusammenbitteo ; poln. tluka Cmte»
schmaus, dagegen tloka, russ. toloka
TäJke — TannnedBeL
393
Scharwerk, Frohn dienst. N s s 1 m. Forsch .
2; Th., 184. Sallmann, 19a, hat für
Estland TaUcus bäuerliches Erntefest.
Mühling hat das Wort auch in ad-
verbialer Bedeutung; die Ermländer
sagen: ich tau ihm talk^ ich fahre ihn
umsonst. Hennig^ 272.
T&lke, T4le, /"., Dohle, Corvu8 Trume-
dula. Def* Redner t/ieurste Warf ein
Voi'trag nur der Thacden. Carm, nupt
m, 8c. Hennig, 272.
talken, stü., im Talk arbeiten, Hilfs-
arbeit leisten; in der Deklaration des
Herzogs Albrecht von 1564. Hennig,
272.
Tall, n, Maiz für Garn, Wolle: 10
Gebinde k 40 Fäden. 2 Tall machen
1 Stück Garn (ä 20 Gebinde). 2 Strei-
mel machen 1 Tall. Von tälen, teilen
zählen. Nach Muhling hört man im
Ermlande die Redensart: Die Sache ist
Ober Tall, sie ist unnütz, überflüssig;
also: über die Zahl, überzählig. Sehe-
rn ionek, 40, hat Talj, \on Zahl: Zähl-
stück vom Hundert oder Schock.
Tallpat, m., tallpattisch, adj., s. Toll-
patsch etc.
talpsen, ^;., s. v. a. tapsen^ unge-
schickt, schwer, plump auftreten. Trei-
chel. Vgl. trappsen.
talierdequalfer, adv., das lat. taliter
qualiter. Et geit so talterdequalter, es
geht so so. Auch: hatterdequalter. Westpr.
Sprw. I, 1137.
Tambour, m., feste Lederdecke an
Halbwagen und andern Fuhrwerkenzum
Schutz der Beine Wegen der Ähn-
lichkeit mit einer Trommel, auch Trom-
mel genannt. Hennig, 336.
fa-mit -= mit einemmal, plötzlich; ist
wohl Kürzung von da mit {einemmal).
Es ist alles schon und gut , , . ich seh
meine Kinderchen um mich her; ich
mach Suppe, Thee, Caffe^ was ich bei
der Seele habe. Ta-mit geht der Tanz
(der Streit) hs. Soph. R. V, 589.
Tamre, w. jüd. Vorname, Thamar.
Flatow. Schmitt, 115.
Tannapfel, m., Tannenzapfen. S.
Schischke.
Tangelholz, n., Holz mit Tangein,
Nadelholz.
Tanger, m,, Fichtenwald. Ich sah mit
herzlichem Verlangen nach einem Tan-
ger hin, dessen Säuseln mich aufs sanf-
teste einlud. Soph. R. IV, 509.
tanger, adj,, frisch, hurtig, gesund.
Bei Jeroschin ^aTi^^r tapfer, was un-
ser tagger: ein man zu strtte zangir 49 a.
Pfeiffer, 285. Ein tanger Kind, ein
munteres, gesundes Kind. Ebenso im
Brem., in Pommern; im Götting. auch
danger. Brem. Wb. V, 23. Dähn.,
484b. Schamb., 39a. 224b. Hen-
nig, 272. Vgl. tagger.
Tangnftt, /. etc., s. TagnM etc.
Tank, m., Tang, Seegras.
Tankgabel, /, gabelartiges Fischerei-
gerät. Aus Tang Zange u. Gabel (?).
S. Winierfischerei.
Tanne, /., Fichte, Pinus abies L. Ich
bemerke noch, da/z man in Ostpreussen
die Fichte stets Tanne nennt und die
Kiefer immer Fichte. Passarge, Balt.,
109. Nach Hagen, 1010, auch Rot-
tanne, Schwarztanne, Pechtanne, Harz-
tanne. Vgl. Fichte.
Tannenklee, m., gemeiner WaldUce,
Anthyüis vulneraria L. Treichel,
Volksth. II.
Tannenweib, pltd. DannewTw, n., Weib,
das Tannenlaub zum Verkauf ausbietet.
Ihr Ruf durch die Strafzen ist: Danne,
recht grene Danne! Kgsbg. Der Fast-
nachtsgesang der Tannenfrauen und
Kinder, jetzt nicht mehr klingend, fin-
det sich in den Volksr., 224, 796.
Tannnessel, /., weifze Taubnessel, La-
394
Tante — tarren.
miwm cJbum L. Saalfeld. Nach Ha-
gen, 612, auch tote Nessel andWurm-
nessel.
Tante, /., allgemeine Benennong für
erwachsene, namentlich Respekts-Per-
sonen weiblichen Geschlechts in Fa-
milien. Gieb der Tante die Hand!
Majch der Tante einen Knicks! Vgl.
Onkel. Nach Treichel: Tante Meier
= Abtritt.
Tanz, pltd. Danz, Dangs, m., Dem.
Damkey Dangske. Beliebte Tänze frü-
herer Zeit waren: Kinger ^ jagt de KU
kel üt dem Dömpel. Carm. nupt l, 282,
16. De Katt klaut an e Haibek. Pro-
vinzielle Tanzreime vgl. Volksr., 271,
940 ff.
Tanzmeister, plur.^ in früherer Zeit bei
Hochzeiten die von dem Bräutigam mit
der Aufführung der Tänze beauftragten
Personen; sie hatten allein das Recht,
Frauen und Mädchen zum Tanzen auf-
zufordern. N. Pr. Prov.-Bl. a. F. VII,
377.
Tapar, ^n., Fischn., s. Dfbel.
Taper, m., ungeschickter, unbehoKener
Mensch. Sperber, 31.
Tapiau, Ortsn., Stadt am Pregel mit
einer Korrektions- Anstalt. Er ist reif
für Tapiau,
Tapis, n., Tapet, Teppich, gewirkte
Tischdecke. Etwas aufs Tapis (Ta-
pet) bringen, vortragen, zur Sprache
bringen. Du siehst, wenn von solchen
Dingen was aufs Tapis kommt, so freund-
Uch aus. Soph. R. V, 3.
TappebTter, m., s. Zapfenbeifzer.
tappeln, sw., häufig gehen; von dem
onomatop. top tap. Marold.
Täpper, Tepper, m., Töpfer.
ttppern, teppern, sw.y irdenes Ge-
schirr, Töpferzeug, zerschlagen; zer-
schlagen, zerbrechen überhaupt. Sper-
ber, 81.
Tapp in die Grlltz, m. Hei os e Tapp-
on-de-Grott, ein Einfaltspinsel. Sprw.
I, 3705. In Hessen Tapch, Dc^pch,
plumper Mensch. Yilmar, 409.
taprig, adj. von Taper, angeschickt,
unbeholfen. Sperber, 31.
Taradei, Taraday, Tarradei, /., Spazier-
wagen, welcher vor den Thoren von
Danzig zur Miete bereit steht; an-
dere Wagen werden nicht so benannt
Klein n, 186. W. Seidel, 35. Pas-
sarge, 142. Nach Treichel auch
im Dem. Taradeike. Vgl. DUttchenposL
taradeien, sw,, von Taradei, ange-
strengt arbeiten. Ich h^ibe die ganze
Woche getaradeit, nun mu/z ich dafür
auch eine Bairische im Jäschkenthale
trinken, Danzig. Passarge, 142.
Tarant, m,, Pflzn , gemeiner Enzian,
Gentiana pneumonantiie L. Bock,
Nat. III, 344. Hagen, 296. Pritzel,
162. Bock, 68. Hennig, 273. Das
Kraut wird Kindern in die Wiege ge-
legt, um sie gegen das Behexen zu
schützen. Vgl. auch Hexspr., 10. Nach
Bock, Nat. lU, 345, heüzt auch Genr-
tiana campestris Tarant, In der Ge-
gend von Saalfeld Dorant
tären, t§ren, sw,, s. dßren.
Targ, m,, Wochenmarkt; von dem
poln. targ Markt, Marktplatz. Sper-
ber, 40.
targen, sw,, vhd. zargen (s. d.).
Tarn, Tom. /., Kreislauf, Reihenfolge,
tumus. In der Seemannssprache. Wenn
mtn' Tarn ward sön, wenn ich an die
Reihe komme. Pillau.
Tarradei, /., s. Taradei.
Tarras, m., dicker, klebender Schmutz,
Straizenkot. Danzig. W. Seidel, 35.
Die Hosen sind ein Tarras, sie sind
voll dicken^ klebenden Schmutzes. El-
bing. S. Schalt]., 3^ 4. Oberland.
tarren, sw., mit Handstreicheln hiu
Tarterich — Taubenkraut.
395
und wieder Gesicht oder Leib über-
fahren; necken, narren. Treichel.
Tarterich, m., s. Tattrich.
Tartitze, /., Fackel. . . . darnach ztci-
sehen achten vnd neünen mit vier vnd
nicht darüber, yhrer eygnen tartitzen
zuhaws gebracht, Kleid. -Ordg., 376.
In Bayern Tortzen gewundene Fackel,
Pechfackel, ital. il torchiOy franz. la
torche, span. antorcha. Schmeller I,
458.
Tarluffel, TartUffel, /., Kartoffel. A
propos bei Kartoffeln: wie hei/zen denn
die Dinger recht . . . hier sagten die
Leute TaiiMffeln, Soph. R V, 330. S.
Knollen.
Tasch, m. Vom. Tasch, Peter, Gre-
ger mag dabei, Was Schlapperment, was
ist dasf sagen, Carm, nupt, V, 26b.
TAsche^ /., die Brust einer Säugen-
den. Daher tAschen, sw,, säugen. Dzg.
Klein II, 186.
Tasehe, /. 1. kleine, einem gröfzem
Hause angebaute Wohnung, Taschen-
gebäude, Danzig. Klein II, 186. 2.
sackartige Falte.
Taschendieb, Pflzn., s. Nimmerstill.
Taschengebäude, n., s. Tasche.
lassen, sw,, das Getreide oberfläch-
lich, d. h. nicht ganz rein ausdreschen,
Yorklopfen, vorschlagen; es in die
Fächer, Tasse, legen. Mühling.
Tafz, m,, Fach in der Scheune, wo-
hin das unausgedroschene Getreide ge-
legt wird. Mühling.
Tatä, Täte, Tati, m,, Vater, in der
Kindersprache. In Natangen auch:
Teita. Poln. tata. In Posen der TaU.
Bernd, 307 ff.
Tatarek, m., s. Tftter.
Tftter, m. 1. wilder, frecher Mensch;
ungeschickter Mensch. Von Tatar
(Tartar), spät-mhd. tater, thater, that-
ter, tatter, tarter. Vgl. Weigand II,
879. Wi de Täter orit Land kern, on
wi et Kringel regeni, zur Bezeichnung
einer längst vergangenen Zeit. Wehlau.
2. Prugelinstroment von zusammenge-
drehten Stricken, geflochtenen Riemen
etc., Tauende, auch Ochsenziemer und
Peitsche. De Tatet ward wanken, es
wird Hiebe geben. Sost, wenn dat vor
den Voader kommt,. Denn weetst, dat he
den Toater nommt. Dorr, 67. Volksl.,
13, 5, 4. De Schwinjung dröft met st-
nem Tater Pur junge Herrschaft ut dem
Stall, Seelen w., 80 f. Im Oberlande
auch Tatarek. Es giebt mit dem Tata-
rek, Nach Mühling in dieser Bedeu-
tung auch Tachter, von Tackt,
tftterig, tatrig, adj., zum Prügeln ge-
neigt; in der Saalfelder Gegend unge-
schickt.
tfttem, sw,, von Täter, schlagen, prü-
geln.
Tati, m,, s. Tatft.
Tattrich, m,, das Zittern der Hand
eines Branntweintrinkers. Er hat den
Tattrich. Sperber, 31. Nach Trei-
chel Tarterich.
tätzen, sw,^ laufen, öck sich (sah)
em tätze. Von Tatzef Samland.
Tau, m. Vor Tau und Tag, frühzei-
tig. Königsberg.
Tau, /., Bracke (s. d.) mit zwei
Schwengeln. Gr. Werder.
tau bang, Ruf, durch den das Vieh im
Stalle auf den Platz gewiesen wird;
also soviel als: auf den Platz, in die
Bahn, in die Bande! — oft auch zu
den Kindern in ärgerlichem Ton, wenn
sie in Unordnung gekommen.
Taube, w. jüd. Vom., Übersetzung
des gleichbed. hebr. Joruif Flatow.
Schmitt, 115.
Taubenkraut , Pflzn. , gebräuchlicher
Eisenhart, Fi^ri^naoj^na/tsL. Pritzel,
431.
396
Taubenmajor — Taxbier.
Taubenmajor, m., zur Bezeichnung
eines Taubenliebhabers und Tauben-
zuchters, der diese Vögel mit Eifer
zum Fliegen antreibt. In Posen Tau-
henfeester, Bernd, 312.
Taubenschmiedy m.^ ironisch ein Über-
kluger, ein Pfiffikus, der allenfalls als
Schmied geschickt genug wäre, den
Tauben Hufeisen aufzulegen. Trei-
chel.
Taubenschnabel, Pflzn.,TaubeD-Storch-
Schnabel, Geranium columbinum L
Hagen, 716.
Taubert, Täubert, m., die männliche
Taube. Sperber, 31. WeigandH,
881. Vgl. DifferL
Taubhaber, Pflzn. 1. taube Trespe,
Bromtis aterilis L. 2. Flughafer, Avena
fatua L. Hagen, 116. 124.
Täubrich, m., zur Maskierung des Wor-
tes Teufel. Hol mich der Täu-brichl
Soph. R. VI, 210.
faubschlaubig, adj.^ s. döwschlQwig.
taubschneidig, adj.^ Messer, Schneide-
werkzeug überhaupt, mit zu weicher
Schneide, die beim Gebrauche sich
leicht umbiegt. In der Rastenburger
Gegend auch soviel als tavhschlavMg,
Taude, /., s. TOde.
tauen, sw, 1. gehen, fahren, reisen.
Nd Heihbeck taue^ nach Heilsberg
gehen etc. Sich hintatie?i sich hinbe-
geben, hingehen. Ermland. 2. eilen,
Tau dl! beeile dich, spute dich. Sam-
land. Htde tau dt^ morge rau dt^ heute
beeile dich, morgen ruhe. Sprw. I,
3708. Vgl. tau bang.
tauen, sw^ gerben, Leder bereiten,
Leder tauen, Engl, taw^ angs. tawian
bereiten, holl. touwen gerben, bereiten,
Tauer, Ledertauer, m., Gerber. Uen-
nig, 273.
Taufeltenu In Masuren die beiden
Eheleute, welche bei der Taufe als
Zeugen gegenwärtig sind. Aofzer ihnen
ist nur noch ein dritter Taa£Eeage, ein
Jüngling oder eine Jungfraa, geladen.
Hintz, 76.
Taufmutter, /., die Frau Patin, welche
den Täufling in die Kirche und wieder
zurück ins Haus trägt; sie heifzt aach
Säugemutter. Hintz, 76.
Taugras, Pflzn., gemeiner Windhalm,
Agf^ostis spica venti L. Auch gro/ze
Ackerschmele. Hagen, 74.
Taurel, (?), Trinkgef&fz, Trinkhom.
Aufzerdem haben sie (die Nadraucr)
Homer oder Taurelen, die sie insgemein
von Leinbaumholz machen. Pierson,
Matth. Prator., 111.
Tauschnarre,/., Yogeln., Wasserralle,
Raüus aquaticus, Bujack, 384. Nach
Mühling, Tiem., 178, auch der Wiesen-
schnarrer, Crex pratensis.
tausend ja, Ausruf der Verwunderung,
des Staunens. Er hat dafür 2000 Mk.
bekommen, y^TausendJa^ das ist viel!^
Tausendschönchen, n., Pflzn., aus-
dauernde Malzliebe, Bellis perennis L.
Hagen, 888. Vgl. Marienblume.
Tautudel,m.,lustiger,muntererBursche,
der seine Umgebung durch pfiffige und
schlaue Einfalle unterhält. Norden bürg.
tauzen, sw. Ein Töchterlein,, Das
stoltz geht hrein^ Ihr Eltern fromh^
Anstehet krumby ^chimpßich anscknautzt,
Auch offmals tuutzt, Viel klappern kan,
Da ist nichts an^ Dafür sich hütte jeder^
man, Anibr. Lowasser. Hennen-
berge r, 360.
täwern, sw,^ zanken, streiten, lärmen.
tawill, tawills, adv, derweil, derweilen.
Taicillzwea de Krät (Kröte) vaschuninge.
Natangen. Firmenich, lila.
Taxbier, n. Bier, das, weil es um-
geschlagen oder sauer geworden, um
geringeren Preis verkauft wird. Hen-
nig, 30. Jetzt aufzer Gebrauch.
te — teil. '
397
te- (Vokal kurz), Vorsilbe er-,
s. ter.
T§, (?). Sunst ging ock äwer He on
2V, On was doch stets vergnoglich,
Samland. Firmenich, III, 116 b:
^über alle Berge." Wohl richtiger:
über Höhe und Thal.
fechrig, adj ^ leicht gebaut, zerbrech-
lich. Elbinger Ndrg. Vgl. däkerig.
Teck, (?), Zieh -Leine. Ungewohnt
(ist es dem Touristen in Antwerpen)
die zweispdnnigen Wagen mit nur einer
Leine — in der Elbinger Niederung
nennt man sie „ Teck*^ — lenken zu sehen.
Hausburg, 31.
Teckel, Tekel^Täckel, Däckel,9n., Dachs-
hund.
Teerbltime, /., gemeine Pechnelke,
Lychnis viscaria L., auch Teemelke und
Mennonlienblume. Treichel, Volksth.
III. Hagen, 484.
Teerbott, w., Teerbutt, Pleunorectes
passer. Danzig. Mühling, Tiern.,
178.
TeerfUhrer, m.^ Hausierer mit Teer.
Hennig, 336. Ebenso: Teerjude.
Teemelke, /., s. Teerblume.
Teerpaudel, /., Behälter für den Teer,
der an Frachtwagen unter der Hinter-
achse hängt Vgl. schlickem.
feerschwarz, adj.^ schwarz wie Teer,
tiefschwarz. Zur Verstärkung noch:
pechieerschwarz. Hennig, 336. Vgl. kohl-
rabenschwarz.
Teerwasser, n., figurlich: schlechte
und unreine Brühe, schlechter Kaffee.
Hennig, 336.
fehöp, ZUhöf, adv.^ zusammen, zuhauf,
E/n mienem Lewen lach §k nich so^ as
ivenn §k m§t dem Atäken fhop si. Dorr,
1. Wiew., 29. Vgl. vontn.
Teichert, m.^ Teufel. Da/z da Tai-
chat mufz hole^ 's Ford steht noch omma
an a Dctchlötta. Ermld. Freisch., N.
Pr. Prov.-Bl. IX, 397.
Telchgiüber, m., Gräber, Arbeiter mit
dem Spaten, vorzugsweise ein solcher,
welcher Gräben auswirft und instand-
hält. Mühling.
Teichlilie, Pflzn., Wasserschwertel,
Iris pseudacorus L. Auch Sumpflilie
und roter oder falscher Kalmus. Ha-
gen, 45.
Teichrohr, pltd. Dfkrohr, n, gemeines
Rohr, 8. Deckrohr. Hagen, 127.
Teichwasser, n, Wasser in und aus
dem Teiche, letzteres zur Bezeichnung
des sog. weichen Wassers.
Teidung, /., Ansicht, Meinung. Zum
andern sprechen sie (die Gegner der
Rotationslehre): wegen solchen sehr ge-
schwinden Laufs (der Erde) vmrden
die Thurme und Häuser umgeworfen
werden^ die Thier und Menschen würden
den Schmndel kriegen^ die Vogel würden
ihre Nester nicht wieder finden. Aber
zur Antwort auf diese und dergleichen
einfältige Teidungen kann etc. Linem.,
N3a. Vgl. Schmeller I, 428 f.
feig, adj.y mehlig. Eine teige Birne.
Treichel.
Teigaffe, w., pltd. Degdp^ Spottbe-
zeichnung für den Bäcker.
Teine, f., s. TIne.
Teita, m, s. Tatä.
Tekel, m., s. Teckel.
T§le, /., s. Tbie.
Teige, /., Ast, Zweig. Dzg. W. Sei-
del, 35. Angs. telga^ holl. telg, fries.
tulg u. telge^ nds. telge. Brem. Wb. V,
51.
teil, cuij. y,Es ist nicht teU^ nicht lell^
sagt mao in Preufzen, wenn man auf
eine Anfrage eine Antwort erhalten
hat, die nichts in sich enthält.^ Hen-
nig, 273. Hennig weist auf das nds.
teilen schwatzen, plaudern und auf lallen
398
Tellelkfl — Terling.
hin, „sodafz es also ein an verständliches^
nichts enthaltendes Geschwätz anzeigt.^
8. 303 schreibt Hennig toll und löU
and erklärt in Parenthese: „ vielleicht
nicht taUter^ nicht quaUter,^ Sprw. I,
3712. In Estland: er vei*steht nicht
Nül noch Tai, d. h. gar nichts. Sall-
mann, 112b.
Tellelks, TVIIellcSy m, 1. eine Art sehr
fetter Kuchen, heute nicht mehr be-
liebt. Ein gro/'zes Stuck Butter wurde
wie ein Braten an einen hölzernen
Spiel'z gesteckt, bei einem gelinden
Feuer geschwinde umgewandt und
im umwenden schnell und ausreichend
mit geriebenem Weilizbrot bestreut. 2.
Schimpfwort auf einen Menschen, der
wenig Witz^ Verstand und Manier be-
sitzt. Bock, 69. Bock, Nat. I, 265.
Hennig, 277.
Tellergeld, n., die Gabe, welche bei
Kindtaufen dem Prediger oder Or-
ganisten auf einen Teller gelegt wird.
Hennig, 274.
Tels, /, Ortsn., Tilsit. E SchoU
meister st eck en Tels en de Stadt
Firmenich I, 105a.
temide, ad;., timide, verzagt^ nieder-
geschlagen.
Temlitz, /., s. Temnitz.
Temnitz, Timnitz, Temlltz, TVmlifz, /.,
Gefängnis, besonders in den Dörfern.
Sie gehen mit ihm in die Temnitz. Al-
lein Jagal hohe seine Bojaren gefangen
genommen, si mit wasser gemardert, si
in Eisen geschmiedet und in Temeniczen
gesetzt Voigt, Gesch. Pr. V, 534.
In der Willkür der Stadt Marienburg
von 1365 im Plural: tymmeniczen.
Voigt, Marienburg, 525. Bei Gebser,
Gesch. d. Domkirche I, 143, tyminicze;
bei Stein, Peregrinus XVI, 12: Tem-
niss. Lit. temnyczä, teininyczä, kslav.
ttminica, russ. ternntca, poln. ciemmea^
magyar. tSnUocz; von kslav. tinuty mss.
fma, böhm. tma, poln. cnuiy sanskr.
tamas Finsternis, kslav. thnimi, mss.
thnnyi, böhm. temn^, poln. ciemfng fin-
ster, lit. t^msta, temo, thniiGnster wer-
den, tamsiis finster. Nsslm. Th., 187.
Bernd, Einl., 29, fordert die sla?i-
schen Wörter als germanische zurück,
denn ags. ist dim (thimm), dima, dim^
gend, dimlic, engl, dim, isl. dinrnir noch
jetzt dunkel, finster, und ags. dimneL,
isl. dimna Dunkelheit, Finsternis, vor-
mals auch im Deutschen Thimstemisse
etc. Vgl. auch Schade, 99a, anter
demerunga. In Braunsberg gab es
frQher eine TymmenytzcegoMe^ Gefang-
nisgasse. Braunsberger Rreisbl. 1864,
Nr. 19. Sprw. I, 1132.— TemUtz auch
s. V. a. Gericht, Kichterstuhl. Ek Idi
ihn vor mien gerechte TemUtz forddere
s. die Stelle vollständig unter kreppefC).
Tendele, /., s. Tagnet
Tennenklatsche, /., s. Klatsche.
Tennis, Tönnigs, Dens, NTs, m. Vom.,
Dionysius. Hartwich, 54.
Tepper, m,, teppem, sw., s. TMpper etc.
ter-, Vorsilbe ät-, oft auch ta und fe.
ferfrösen, st, erfrieren, s. frtsen. ter-
futtem, sw,, ernähren. Möt wot ter-
futter' m söckf Volksl. 3, 3, 4. ter-
köwern, sw., s. erkowem. ferkriegen, sw.,
sich, s. erhiegen, terl§wen, sw?., er-
leben, termindern, termingem, sw., sich,
sich erholen, s. mindern, femähren,
sw,y ernähren, terobem, sw., erübrigen,
ersparen, s. erobern, tafahren, sf., er-
fahren, Kenntnis sammeln. Na, sdd
de Mutta, gah ok hen. Denn warscht et
woll tefaJvre. Lhrztg. 1878. S. 57 e.
tßren, sw., s. dßren.
Terling, m., Ballen Tuch. Das Tuch
kam atis der Fremde in grojzen Pn-
Terloch — tewern.
399
keten^ welche TerUnge hiefzen, Danzig.
Hirsch, 250. Terling^ TerKnk zu-
nächst Würfel. S. Mnd. Wb. IV, 535b.
TCrioch, n.y Zehrstelle im Eise. El-
binger Niederung.
lernen, 9w.^ ein Holzflofz (auch eine
Wittinne) mit dem Tempfahl ankern,
anhalten; lit.. temauti. Ein Schiffer
springt mit dem durch ein Tau an das
Floi'z befestigten Tempfahle ans Land
und st<>izt die Spitze desselben in den
Boden. Nsslm. Wb., 10a. 97b.
Terner, Holztemer, plur,^ Ankerleute,
die für die Sicherheit der Holzflöl'ze zu
sorgen haben. Sie begleiten die Trauen,
haben bei dem Transport derselben für
die Sicherheit der Schiffbrücke bei Til-
sit zu sorgen und schliefzlich die Flöi'ze
vor ihrem Eingange ins Haff hafftüch-
tig zu machen. Vgl Egsbg. Hartung-
sche Ztg. 1866. Nr. 211, Uauptblatt.
Ternpfahl, m., Pfahl zum Temen. In
Danzig Wurfpfahl.
Tfirsch, TSreche, /., Hexe. Alte Ter-
sehe. Vgl. tfiwem u. Ttwerhexe.
terschaken, «u?., durchprügeln. Bock,
69. Hennig, 274. Vgl. dreschaken.
f erwachten, str., erwarten. S. ver-
wachfen.
Teschäcke, /*., Taschenpistol^ TerzeroL
Es soll kein Scholar auf der Gasse oder
in den Schulen keine Wehr^ es sey 2V-
schaken, Rappier, Dolch etc. tragen^ bei
Verlust der Wehr. Fund. d. Kgsbg.
Akademie vom 24. Oktober 1541.
Gleiche Benennung hatten auch die in
Teschen gefertigten Büchsenröhren :
Teschinen oder Teschinken. Hennig,
274. Adelung, IV, 558.
Test, 77»., Milchnapf. Saalfeld.
Tetfg, n., s. Theezeug.
fStschelny sw., in Zärtlichkeit strei-
cheln. Er hetschelt und tetschelt das
Kind zu sehr^ verwohnt, verz&rtelt es.
Treichel.
tSt8Chen, sw.^ ein Boot durch sanften
Kuderschlag fortbewegen; auchpSfschen,
pStscheln Wohl onomatop. Bildungen.
Treichel.
Tttschk, Pflzn., s. Tubchk.
Teufebblume,/., grofzblumiges Vogel-
kraut, SteUaria holostea L. Pritzel,
389.
Teufebhand, /., Pflzn., Orchis maculata
L. S. Gotteshand.
Teufebkind, n., Iltis, Mustela putorius.
Hennig, 275. Für Liv- und Estland
Hupel, 237.
Teufebkralle, /., Werkzeug zum Ste-
chen des Bernsteins, lange Stange mit
kräftiger eiserner Kralle.
Teuf elszu jager, m., einer, der dem
Teufel Seelen zujagt. Hei ös Dtweh"
träger. Sprw. I, 3751. B}r hat Teufels-
zujager^ Helfershelfer.
T6we, Tif, /., Hündin. Ebenso in Nds.,
holl. teef schwed. tafoa; im Götting.
tifte, tife, die Hündin, tewe der Hund.
Brem. Wb. V, 57. Schamb., 229 b.
230 a. In Hessen Zkjowe; im Fulda-
schenZopp. Vilmar, 471. Vgl. Zock.
ftwen, sw.^ s. fVwen.
TCwerhexe, /. 1. Hexe. 2. altes,
hexenartiges Weib. Da qoohm en
Tover-Hex tom Onglock en den Wech.
Carm. nupt. I, 282, 5. Komm ' runder ^
du Teewerhexy du schlechtet Wie f stock!
Dorr, 1. Wiew., 100. Auch Tewersche,
Ttrsche. Kinder jagt man mit dem
Rufe in Furcht: Die alte Tersche kommt!
Bock, 68. Hennig, 274. Sprw. H,
2641. Vgl. Volksr., 181, 694. S.
MoJkentewer.
tftwem, sw.y zaubern. Er kann te-
wem, er versteht zu zaubern. Se ggft
sik m^ Teewem, m§t Beschwäreny m^
400
Tew8 — Thnniudit
Tahlenberekning on 9Cne Konstxtockaka
af. Dorr,l. Wiew., 100. Holl. tooveren,
Bock; 68. Hennig, 274. Davon: be-
ttwem, behexen.
TSwSy m. Vorn., Matthäos. Hart-
wich, 54. ErmlancL
Oialem, »it., dem Vieh eine Kennung^
Erkennungszeichen; Marke, selbst ein-
brennen ; vielleicht weil die Marke un-
gefähr von Thalergröfze ist. Tr eichel.
Tharau, Ortsn., Kirchdorf im Kreise
Pr. Eylaa. Bekannt durch „Ännchen
von Tharau. ^ S. Annke.
Theaterspiel, n., Theatervorstellung,
Theater. Wie et nu Oawend wea^ doa
warre de grote Frind mött dem AfeUa
Pölz goane dat TheoataschpoU beseeke.
Boldt, 6.
Thebald, m. Vom., Theobald. Hart-
wich, 54.
Thechen, pltd. Theke, w. Vom., s. DoröL
Thedor, m. Vom., Theodor. Hart-
wich, 54; doch ist die Kürzung all-
gemein
Thee, m. Er ist im Thee^ hat einen
Kausch.
Thee, m., wilder^ gebräuchlicher Stein-
same, Lithospermum offidnaU L. Ha-
gen, 199.
Theebrett, w., Präsentierteller, Ta-*
blettc.
Theezeug, pltd. TMlg, n., Tassen.
Dzg. Nhg. Viol^t, 104.
ThCrsche, /., s. TCrsche.
ThSs, m. Vom., Matthias, s. ThTs.
Thierenberg, Ortsn., Kirchdorf im
Kr. Fischhausen. Bei steit hinde toerst
op wi de Tharenbarger, Sprw. I, 3759.
Die Thierenberger stehen hinten zuerst
auf. Das Rindvieh (Thiere) erhebt
beim Aufstehen den Hinterteil zuerst,
welche Eigentümlichkeit der Lokalspott,
durch den Nameo veranlafzt, auf die
Bewohner von Thierenberg überträgt.
ThUy Thte, m. Vom., Matthias. Hart-
wich, 54. In der Daiiziger Nehnmg
auch Tben.
TbOms, Tome, m. Vom., Thomas.
Thom, Ortsn. Bei Jeroschia: To-
run: eine burc Torun genant, 25 d.
Pfeiffer, 233. Glühen wie die intern
Ddeher von Thom. Müller, Handb.
d. Prov. Preofz., S. 85.
Tborwagen, m^ Jouraaliere, welche
an den Stadtthoren halt und far ein
Billiges nach den vor der Stadt ge-
legenen Vergnügungsorten fahrt. Egsbg.
Dauzig. Vgl. DDttchenpost, TaradeL
Thorweg, n Das Thorweg steht ofen.
Tbrftn, Thrftne, /., Dem. Tkranehem,
Thrane, Tropfen, Fettauge. Auf der
Suppe ist kein Thrdnchen Fett zu sekm.
Mühling. Bei Jeroschin: trän^ «i.
Vgl. Pfeiffer, 236.
Tbran, m. Im Thran sein, betranken
sein. In kühner Metapher das Ein-
schmieren der Stiefel verglichen mit
dem ^Einschmieren der Gurgel*. Da-
von thranen, sw.^ fleilzig denoi Glase za-
sprechen; beOiranen, sich^ sich betrin-
ken.
Thrantrichter , m. , Thranentricht^,
schwarzer, hoher Hut
Thrftn-TrTne, /., Tbränen-Katharine,
Spitzname für ein weinerliches (larmo-
yantes) Frauenzimmer. So sali sAr
frintlichj kehn Trahn- Thrin^ ddby hübsch^
rieck on tcörüich syn, Carm, nupt V,
145c.
Thres, TrSs, w. Vom., Therese.
Thiim, m., Dom, s. TQm.
thun. Man mu/z etwas dafür thun,
gegen die Krankheit ein Heilmittel an-
wenden. Einem etwas thun = leihen.
Thu mir dein Messei\ Treichel.
Thunuscht, m., der Thuenichts, Faul-
pelz, Müfziggänger. In Posen Thu-
nischt, Bernd, 314.
Thunasditgat — tillem.
401
Thunuschtgilty m.y der Thuenichtsgat,
Taugenichts.
ThUpgericht, «., Thürgerüst, Thür-
pfosten. ,, . die Bände und Krämpfen
9ind van den Thürgerichten abgesprun-
gen gewesen. Linem., £ 3a.
TT, /*., Name des FlaTzchens Thiene
in der Elbinger Ndrg.
Tibberangel, /., aus Blei geformtes
Fischmodell mit 2 Angelhaken. Die
blankgeputzte Angel tibbert den Fisch,
d. i. reizt ihn, lockt ihn herbei.
tibbem, no., reizen, ermuntern. Einen
Schlummernden auftibbem.
Tick, m., Eigensinn, Grille. Er hat
seinen Tick Davon ticMsch, adj.^ eigen-
sinnig. Vgl. Sallmann, 42a.
TTder, TUder, vhchd. Zeider, /., Strick
an kurzem Pflock, womit man Yieh
und Pferde an einem Fufze auf der
Weide fesselt, damit sie nur eine be-
stimmte Strecke im Kreise abweiden.
Nds. auch Uer^ engl, tedderj holl. und
fries. tudder. Brem. Wb. V, 63. Hen-
nig, 275.
ttdem, tUdem, vhchd. zeidern, sw. 1.
ein Tier mittels einer Ttder anpflöcken.
Nds. auch ttren und tuddem; in Han-
nover toddem. 2. verwickeln, verwir-
ren. Der Zwirn ist ganz verttdertj die
Fäden sind wirr verwickelt 3. fest
stricken. Du h<ist wieder gut gettdert,
4. wegschieben. Er tidert die Läuse
weiter, sagt man in Natangen, wenn
jemand sich am Leibe kratzt. Sämt-
liche Bedeutungen lassen sich auf ltder
zurückfuhren: das getiderte Tier ver-
wickelt sich leicht in der Ttder (2),
vertTdert, verzeidert sich, zieht sie, so-
bald es den ihm zugänglichen Kreis
abgegrast, straff (3) und strebt über
die Peripherie des Kreises hinwegzu-
kommen (4). Im Götting. toder in iip-
toder verwirren. Schamb., 231a. Brem.
Prlfdibitr, Wftrtwboek IL
Wb. V, 63 Hennig, 275. Davon:
anttdem, vhchd. anzeidem, sw
TTding,/., Nachricht; Zeitung. Dzg.
Nhg. Violöt, 104. De ded wol so,
as wenn he flttig an den Tidingen les.
Elbinger Höhe. N. Pr. Prov.-BL a. F.
IX, 243. Firmenich IH, 494b.
Tief, pltd. D6p, n., Durchbruch der
Nehrung, durch welchen das Haff mit
der Ostsee in Verbindung steht, Wasser-»
strafze. Es giebt in der Provinz deren
zwei: das Pillauer und das Memeler
Tief. Preufz, Pr. Land.- u. Volksk.,
11. 35. Hennig, 275, hat noch das
Wogrammsche Tief. Das Tief (ß. i.
die Einfuhr aus der Ostsee ins frische
Haff) bey Lochstädt erfvUete sich und
die See eröffnete ein anderes bey dem
Schlofz Balga. Bock, Nat. I, 689.
Tiemägelchen , -nägelein, n., Pflzn.,
rauhe Nelke, Diantkus armeria L. Ha-
gen, 457. Pritzel, 133.
Tif, /., s. TÄwe.
THfert, m., Täuber. Schemionek,
40. S. DHfert.
ttkem, sw., suchend, prüfend fühlen,
mit einem Stocke: der Blinde thut's
stets, der Sehende im Finstem. Fried-
land Ostpr.
Fllk, m. u. /., Pfütze, auch kleiner
Landsee mit geringem, schlammigem
Wasser. Li Schlesien eine Tiefe, ein
enges Thal. Mühling. Li Posen
Tüke, f. Bernd, 315.
Tilken, plur,, Hintergärten, von dem
poln. t^ Hinterteil, Kücken. Schmitt,
Westpr., 168.
Tille, w. Vom., Mathilde; w. jüd.
Vom. Flatow. Schmitt, 115.
Tiller, m., penis. Vgl. Piller.
tillern, sw,, die Fülze viel und ofi un-
willkürlich bewegen; sich selbst hin
und her bewegen. Davon aus beiden
Bedeutungen:
26
402
tillfufzen — Tiechbier.
tillfurzen, pltd. tfllttuten, at^., mit den
FoTzen tillem; taumeln^ tarkeln. Trei-
chel.
Tlls, Tllse, Tilsit, Ortsn., Stadt an der
Memel, von dem Flufzchen TiUe be-
nannt, lit. Tilie. So ist es wenn man
Tih mit Koenigsberg vergleicht Carm.
ntiptJl^ 203 c. Wol dir^ du scliones
Tilfz! Ibid., 231b. Über Tüdt ist
auch der Himmel schwarz, S chl ei eher,
Lit. Märchen etc., 182. Sprw. I, 3763.
Nsslm., TL, 188.
Tilz, m.y Ekelname, Schimpfwort.
Stein, Peregrinus Xn, 82: Tiltz. W.
Mtsbl. V, 191.
Timmbrett, n., von den zwei oder drei
zusammengeschlagenen (gezimmerten,
pltd. getimmerten) Seitenbrettem des
Arbeits Wagens das grölzere. Tr ei-
chet. S. Tunkbrett.
Timnitz, /., s. Temnitz.
Timpf, m. 1. Nasenstüber. 2. Ein-
fQnftel-Thalerstuck, Achtzehner (s. d.).
Der Name ist in Westpreuizen und in
Polen üblich und rührt daher^ dafz
diese Münzsorte von einem Münzpäch-
ter Andreas Tympf zuerst geprägt wor-
den ist. Bock, Nat. V, 383. So wel
ek nt mtner langen Fikefi JEnen Timpf
heruter riken, Volker., 277, 966. Be-
käme sie gleich tausend Timpf en, Carm.
nuptlj 127. üntervi Timpf vrird nicht
geblasen = billiger ist's nicht. Elbinger
Ndrg. Vgl. Soph. R. I, 18. 167 und
öfter.
TTn, TTne, vhchd. Teine, /., hölzerne
Bütte, Kübel, Wanne. WaschttneyWasser'
ttne. Die Brunnen und Wassertienen,
welcJie mit Wasser beständig au/zer im
Winter angefüllt stehen müssen . . . sol-
len ,.. im guten Stande erhalten wer-
den. Feuerordnung vom Jahre 1719.
Bock, 69. Hennig, 275. Nds. tine,
lit. ti/ne, schwed. tina^ ital. tino. Brem.
Wb. V, 71. Lit. Aeq., 21. Adelung
IV, 604.
TTne, w. Vom., Christine, Emestine.
Tink, /., Zinke. Harkednke^ die Zin-
ken, Zähne eines Rechens. Eggetinke.
Tinklas-Leidomassis, -Mettomassis, (?),
s. Leidomassis.
Tinklasizaunamassis, (?), Netzwand bei
grofzen Lachswehren ; die Maschen dör-
fen in derselben nicht enger als 3 Zoll
im Quadrat sein. Fisch.-Ord. f. d. kur.
Haff, § 23. Lit. tinklas Fischemetz.
Nsslm., Wb., 105b.
Tinkleitis, /., Netz zur Sommer- and
Winterfischerei im kurischen Haff", erst
seit etwa 40 Jahren eingeführt, von
einer Länge bis zu 30 m. Vgl. Be-
necke, 375.
Tipp, Name und Lockruf für das
Huhu; auch Tipps, Tschipp, Tscbippa,
Tschippchen, Tschippeck. Yolksr., 64,
242 i.
Tippel, m.y Dem. Tippelchen^ Tüpfel,
Punkt. E Farkel möt e untte Tippd.
He trefft em grdd öm Tippel. He heffi
den Imktippel getroffen, er hat den rich-
tigen Punkt berührt, den Nagel auf
den Kopf getroffen. Sprw. I, 3823.
1801. Hennig, 276.
tippeln, sw., Tippel maclien^ punktie-
ren. Getippelte Leinwand,
tippen, sw. 1. tupfen, tupfen. Mit
dem Finger tippen. 2. picken. Die
Hühner tippen. Daher tipp tipp! als
Lockruf für Hühner. Hennig, 276.
Nach Treichel auch: auf eine Karte
setzen, wohl weil dabei mit dem Fin-
ger darauf getippt wird, und coire.
Tiptam, Medik., Radix DictamnL
Tiras, m.y Hundename.
tirren, sm?., zerren, reifzen. Tr ei cheL
tisch, interj.y Scheuchruf zum Feder-
vieh. Litauen. Volksr., 242 i.
Fischbier, n, s. Schemper.
Titi — tocken.
403
ra, /., 8. TiÄe.
Titte, /., Zitze. 1. die Warze an
der Brast, Brustwarze^ Mutterbrast. 2.
die Brost selbst. Ahd. tuUd, tutd^
tutto^ tutti, mhd. tutte^ tute. In der
Kindersprache Titf. Gieb ihm die Titi,
Schwed. dia säugen, isld. titla.
TlZ^, m. Vom., s. ThTs.
Tobak, 7n., Tabak; scherzweise auch
Tobich. Nach Tabak reiten^ in kurzem
Trabe reiten. Einem solchen Reiter
rufen die Jungen nach: Nä Tobak!
Nä Tobak! Das ist von Anno Tobak^
aus alter Zeit, die sich nicht feststellen
lälzt. Sprw. I, 90.
tobbem, tubbem, sw, 1. anreizen, an-
regen durch Zureden; beunruhigen,
aufstören durch Stolzen; stelzend an-
treiben. Daher auch antobbern, antub-
bem; ~ auftobbem, auftubbem. Müh-
ling hat in gleichem Sinne auch tab-
bem. 2. in Natangen auch: aufhalten,
zurückhalten in oder bei einem Unter-
nehmen. Friedland Ostpr. In Ham-
burg und Bremen tobben und toppen
zupfen, ziehen. Brem. Wb. V, 83. Vgl.
tu/rbieren von dem lat. turbare. Bock,
69. Hennig, 276.
Tobian, m., von toben gebildet, wie
Crrobian von groby Tobender, Wüterich.
Treichel.
Tobiasfisch, m., Tobies, m., Tobieschen,
n., s. Suter.
Tobich, m., s. Tobak.
Tobies-chen, pltd. TobTsIcen, nach Hen-
nig, 276, Spottname für die ehemaligen
Memeler Stadtsoldaten^ weil sie kleiner
als die Feldsoldateu waren; nach dem
Tobiasfisch.
Tobies-chengarn, n.. Gram zum Fang
der Tobieschen. S. Benecke, 356.
tobig, adj. von toben: tobiges Wetter^
ein tobiger (tobender) Mensch, Trei-
chel.
Tobolize, /., Tasche. Wer ouch stylt
eynem ledigen knechte^ der an wip ist^
US syner tobolizen^ daz ist syne tasche . . .,
daz her dar inne hat^ her buszet ouch
XII mar g, Volckmann, ältest. pok.
Rechtsdenkmal, 13. Kslav. tobolici =
Saccus^ poln. und böhm. tobota^ tobolka
Ranzen, Reisetasche, lit. tobelis^ tobnycza
Klingsäckel. Nsslm. Forsch. 3; Th.,
189.
Toches, m., der Hintere. Jüdisch-
deutsch.
Tocht, m., s. TachL
Tochtbinse, /., geknäuelte Binse, Jun-
cus conglomeraius L, Das schwammige
Mark dient als Lampendocht. Hagen,
373.
Tocic, m,, Tocice, /:, Dem. Tockchm,
Töckchen. 1. Flachspuppe am Rocken.
2. kleines Gebinde Baumwolle, Zwirn,
Seide. Hole ein Tockchen Seide! Ahd.
tocchdy mhd. tocke Puppe, walzenför-
miges Stück Holz, Zapfen (so bei Je-
roschin: tocke. Pfeiffer, 233); nd.
dockcy schwed. docka, dän. duJdke. Vgl.
Schmellerl, 356. 3. Puppe, zur Be-
zeichnung eines Frauenzimmers. Ich
hob ins Haus gefOhret mein eigen ün-
glikk^ ein Spielvogel, Spielpop zu tisch
und zu bedt hoffertige Tock die alles in
die neue Muster, Hauben, KoUer, Me-
der, Hembd, Krencken, Neden und an^
dere Hofart steckt. Stein, Peregrinus
Xm, 86. W. Mtsbl. VI, 159.
tocicen, sw., ziehen, zupfen, zucken;
locken, lockend ziehen. Möt kUne
Brocke . . . död man em voidertocke^ wei-
terziehen. Lhrztg., 4, 355b. Aus dem
Prät. von tene ziehen, tog, engl, tug,
isl. toka, Brem. Wb. V, 77. In Hessen
eigentlich : Fäden ausziehen, beim Spin-
nen; gewöhnlich aber gebraucht für:
F&den verwirren. Vilmar, 4lf. Nach
Marold bildlich auch: einen bearbei-
26*
404
Tockenwerk — Tolkemit.
ten mit Scheltworten oder mit Schla-
gen.
Tockenwerk, n., Puppen werk, Spiel-
werk; von Tocke. WeÜ^ die du närrisch
UA$t der Ekrmckt Tocken- Werck ! Cann.
nupt in, 182 c.
Tod, m. In Redensarten: I}r sieht
auSj wie der Tod von Dirschatu, — tßie
der Tod von Kieioten^ — loie der Tod
von Warschau^ — wie der Tod von
Eylau^ — wie der Tod von Gruntau^
alle zur Bezeichnung eines kranken,
hagem und geisterbleichen Menschen.
Das Genauere s. Sprw. I, 202—204;
n, 207. 208. Hennig, 276. — Der
Tod lauft über mein Orab^ — über den
Rücken, ein Schauer überlauft mich.
Er hat dem Tod ein Pcuir Schuhe ver-
sprochen^ ist von schwerer Krankheit
genesen. Er ist gut nach dem Tode zu
schicken^ er kommt, wenn er fortge-
schickt wird, gar nicht oder sehr spät
wieder. BJr trägt den Tod Huckepack,
auch: Der Tod sitzt ihm auf dem (im)
Nacken, — auf der Zunge, er ist ein
Todeskandidat. Für den Tod kein
Kraut gewachsen ist Des einen Tojdy
des andern Brot Tweierlei D6S kann
man nich starwe, öck hadd mt eher
den Dod vergesteUt, wenn etwas Uner-
wartetes geschieht. Ömmer mehr! seggt
de Dod. Ver^m Dod 6s kein Krvt ge-
wasse, Sprw. I, 3773 ff; II, 2688 ff.
Tod, schneller, s. Seelenverkäufer.
Toddehase, m., nach Hennig, 276,
ein nachlässig ^kleideter Mensch, dem
„Hosen und Strümpfe herabhängen".
Schemionek, 40: Toddhaas, Lum-
pazivagabundus, Strolch.
toddern, sw., zögern, langsam handeln.
Ygl. zoddeln. Davon Todderei, /.
Todesgeruch, Dodesgeruch, m., Geruch
nach dim Tode, nach Leichen, zur
Bezeichnung eines heruntergekomme-
nen, verödeten Geschfifites: Hier nt
Dodesgeruch.
todreif, adj,, s. tot.
Toff, Ortsn., Tiegenhof im Werder;
Kürzung des Namens.
Toffel, m. Yom., Christoph. Aodi
blolz Toff: Der Toff hat je doch aOt
Jähr Gebortstag. Schaltj. 1, 438^ YgL
Tusch.
tohOp, ado., wörtlich: zuhaiif^ dem
Sinnenach: zusammen, insgesamt. ABe
tohop, alle insgesamt. He hett mät der
Wedfru sock tohop verspräkej verlobt
Vgl. versprechen.
tojahr, adv,, im vorigen Jahr, s. ze-
jahr.
TVIe, T6le, /., Hündin; aber auch
Hund.
Tolk, Tolke, m., Dolmetscher im bür-
gerlichen und kirchlichen Dienst in
frühester Ordenszeit and später; auch
Mäkler. Das Wort ist altpr. If rspnings,
lit iulkas, lett tulks, tuikatnis, estn.
tuUc, schwed., isländ., dän., hoU. tolk
Dolmetscher. Das Wort ist erhalten
in Ortsnamen: ToUcs, Tolksdorf, Toi-
keim, Tolklauken, und als Personen-
name. Vgl. Toppen, Einige Reste der
altpr. Sprache. Altpr. Mon. IV, 147 £
Nsslm. Forsch. 2; Th., 189. Bock,
69. Hennig, 276.
Tolkemit, Ortsn., Städtchen am fri-
schen Haff. Spott: Er ist aus Tolke-
mit am frischen Haff, alhco der Aal
an der grofzen Kette liegt. Toücemü,
ein Stedtlein im Hockerland, da man
den fürwitzigen Leuten den gefangenen
Ael an der Ketten im Haff wfeisset
Hennenberger, 463. In ToUcemit
wohnen 99 Töpfer, taenn det* hundertste
jung wird, stirbt einer. In Tolkemit
liegt ein grojzer Stein, und wenn der
Hahn kräht, rührt er sich (nämlich der
Hahn). De Tolkemitta sene sua üt
tolken — Topf.
405
sagt man in Frauenborg, wenn im
Westen der Himmel sich bewölkt.
Sprw. I, 3788ff. — Tolkemit, Mühl-
hausen und Domnau sind die ost-
preufzischen Rivalen Abderas. Höhnend
spricht man vom Tolkemiter „Hafen^,
vom Kirschbaum auf der Kirche, vom
Aal an der Kette, von der Belagerung
Tolkemits durch ein Heer von Stinten.
Seit dem siegreichen Kampfe mit die-
sen Fischen heiizen die Tolkemiter
StinUtecher. Der Aal aber bedrohte
einst die Stadt und mufzte^ damit er
sie nicht ins Verderben brächte, von
derselben gut gepflegt werden. Als
man ihm aber von dem Tolkemiter
Bier (es hiefz Rorkatter^ Rarkater, also
BrQlikater, s. Bier) gab, starb er daran
und wurde jubelnd an die Kette ge-
legt.
tolken, 9w , dolmetschen; nach Müh-
ling auch hehlen und stehlen.
Tolker, m.^ s. Holker.
toll, adj,y stark, schön, br|v, vorzQg-
lich. Mühling.
Tolle, /., Dem. ToUchen. 1. kleine
Quaste von Wolle, Seide etc. Die Tol-
len an einer Pfeif emchnur. Bock, 69.
Hennig, 277. 2. quastenartig aufge-
rollte oder natürlich gekräuselte Haar-
locke. 3. Krause an der Halsöffhung
des Frauenkieides. 4. beim Schwein
die quastenförmigen Warzen am Halse.
Vgl tullen.
TVIIelks, m., 8. Tellelks.
tollen, sw.y s. dollen.
Tollkraut, n., s. DoHkrauL
Tollpatsch, Dollpatsch, Tallpat, m.^ der
Fehlgreifende, Linkhändige, Unge-
schickte, Tölpel. Rochholz, alera.
Kinderlied, 137. Nach WeigandH,
910, TolpaUch zunächst ungarischer
FuTzsoldat; aus ungar. tcJ/pas breit-
fufzig, von ungai*. talp FuTzsohle. In
Posen Talpa1»ch. Bernd, 304. Da-
von:
tollpatsohig, dollpatsohig , tallpattlsch,
adj, u. ocfe., linkhändig, ungeschickt,
plump.
Tollterrollter, m.^ s. v. a. ToUpatach.
Friedland Ostpr. S. Toltorjan.
Tollvater, m.y s. Dollvater.
tVlIvVten, 8W., in Schmerzen liegen.
Dzg. Nhg. Violöt, 104.
Toloster, m.j ungeschlachter Mensch,
der mit der Thur ins Haus fallt. Sche-
mionek, 40.
toKerig, adj.^ s. toltem.
Toltorjan, m., ungeschickter, plumper
Jan, Tollpatsch. Samland.
toltern, sw.y ungeschickt, plump sich
bewegen, unsicher und polternd gehen,
taumeln. Davon toHorig, toHrig, adj.
Samland. YgL hoKorlg,
TOmbank, Tönbank, /., Ladentisch,
Zahltisch, Krämerlisch, auch Lit, Litt
(s. d.). Von dem hoU. toonen zeigen,
weisen, sehen lassen. In Hessen Don-
bank. Vilmar, 78.
TVmlitz, /., s. Temnitz.
Toms, m. Vorn., s. Thoms.
Tön, m. Vom., Anton, Antonius.
Ermland.
TOnbank, /., s. TOmbank.
Tonnchenfuner, m., Schimpfwort. £1-
bing.
Tonnenband, m., s. Band.
Tonnengift, n., altes Getreide, das als
Gut in Tonnen verschifFt wurde. Bock,
Nat. I, 689.
Tonnenstein, m.^ TonnenstUck, n., Bern-
stein besserer Sorte, der nach dem Ton-
nenmalz verkauft wird. Bock, Nat. U,
218. Vgl. Stein.
TVnnigs, m. Vom., s. TonnTs.
Topar, m., Fischn., s. DTbel.
Topf, m,y Malz beim Flachsbinden,
Bündel von 40 bis 60 Händen voll. Es
406
Topfchenkicker — tot.
soll eigentlich heifzen: ein Zopf Flachs.
Hennig, 277. Vgl. Glage.
Topfchenkicker, m., einer, der ins
Topfchen gockt, ein EJeinigkeitskrämer,
der sich um alles kümmert, ein Kick-
in-den-Topf. Sprw. I, 3807.
TSpferguty n., Töpferwaren: Töpfe,
Schusseln, Teller etc.
TVpferiatein, n., in Dzg. Topperiatein,
in Egsbg. Tepperiatein, pltd. Tepper-
latfnsch, Sprache der Schaljagend, in
der es aaf ein eigentümliches Bach-
stabieren ankommt, wobei jeder Kon-
sonant Tor and hinter ein kurzes o
gesetzt wird, während der Vokal dem
Klange nach angegeben wird. Mein
Name z. B. warde wie folgt gerafen:
fof rar i scho^ch hob % ror. Das
Topferlatein wurde in meiner Schulzeit
von der Königsberger Volksjagend mit
grofzer Geläufigkeit gesprochen, scheint
jetzt jedoch verklungen.
tSpfem^ pltd. teppem, «u?., irdenes Ge-
schirr zerschlagen.
Topfflicker, m.^ einer, der Töpfe flickt,
ausbessert, mit Draht bestrickt; als
Schimpfwort. Wm bistu anders ah ein
elbingscher baünrer vnd ein Dopfflicker
vnd ein verloffner Danzker. Morgspr.
anno 1532.
toppen, 8w.^ wetten, von der luterj.
topp = es gilt. Nach flennig, 277,
auch tauschen. (?) Bei Hier m es topp-
machen wetten: Und nun . . . wäre denn
Ihre Wette verloren^ wenn Sie hätten
toppmachen wollen. Soph. R. HI, 22.
Toppkestricker, m., Slovake, der Töpfe
mit Draht bestrickt. Vgl. LapHschke-
Schwenker.
Topptuch, m.y Lappen, mittels dessen
man den Kochtopf vom Feuer hebt.
Torbe, /., Tasche, Bettelsack. Von
dem gleichbed. poln. torba.
Tordei, m., Strudel, WasserwirbeL
Mühling.
tordefn, nr., vom Wasser^ wenn es
sich wirbelnd dreht. Mahling.
Torf, tn- Bei Torf sein^ bei Yeistand
sein. Treichel.
Torfschweifiy n.. Glück. TreicheL
Torfstecher, pltd. Torfsteker, m., Spott-
name für Blinder, deren Nase durch
erhärteten Nasenschleim schwarz ge-
färbt ist. Oberland.
Torkel, Türkei, m. 1. Taumel, Zu-
stand der Trunkenheit; von torkeln. Er
ist im Torkel. Bei Jeroschin: der
turc. Pfeiffer, 236. 2. Branntwein,
weil er torkeln macht ös denn gar
kein Torkel op em Dosckf 3. Glück,
das, nach der Volksmeinnng, dem Trun-
kenen günstig ist. Er hat heute den
Torkel, Glück im Spiel. Sprw. I, 3808.
torkeln, turkeln, sw,, taumeln, wanken,
meist aus Trunkenheit. Ebenso in
Bayern. Schmeller I, 456.
torlelderv^., jemand abfahren. Dzg.
Nhg. ViWlöt, 105. leiden = leiten:
jemand zum Thor leiten, ihn dorthin
ins Ge&ngnis führen, das sich oft in
dem Stadtthore befindet (?).
Torn, /., s. Tarn.
Tornister, n. Das volle Tornister,
toröm, adv., zu Raum, zum Vorschein.
To rom kommen, hervorkonunen. Na-
tangen.
torschen, sw,, dürfen, wagen, sich ge-
trauen. Wenn ich man torscht! Ober-
land.
Tort, m. Im Tort sein, betranken
sein. Oberland. Verwandt mit TarkeL
Tosch, m. Vorn., Christoph. Dönh.
Mien Broda wör mie goth, tvie Krogen
Tosch der Öw (Eva). Carm. nupt. III,
77 c.
tot, adv., total, völlig. Das Katm ist
Totenblume — tralfien.
407
totreify ist völlig reif. Dönb. Marold
schreibt todreif.
Totenblume, /., Faulbaum, Pruntcs
padiis L. Treichel, Volksth. III.
Totensand, m., Sand vom Begräbnis-
platze.
Totenstroh, w., Stroh, das bei Begrab-
nissen an der Grenzmarke vom Leichen-
A^agen geworfen wird, damit darauf der
Tote, wenn er sein Heimatdorf besuche,
ausruhe. Öm blingen Brock Da wankt
dat Spook^ Da sott et op em Dooden-
Stroh On schnort ju aWn de Oorgeln to,
Elbing. Spook, 471.
Totenwache, /., Wache zur Ehre eines
Verstorbenen am Abende vor dem Be-
gräbnis. An dem mit brennenden Ker-
zen umstellten Sarge werden Sterbe-
lieder gesungen, später giebt es Trank
und Speise. Hennig, 293.
totfUttem, pltd. dOtf uttre(n) , sw.^ zu
Tode füttern. Hei lätt sock dotfuttre^
er lebt im Ausgedinge, erhält Nahrung
und Kleidung bis an sein Lebensende.
Towarren, ^/wr., nach Bock, 70, u.
Hennig, 278, eine Anzahl beladener
Frachtwagen. Lit. taworä^ tawöras^
russ. poln. towar Ware. Nsslm. Forsch.
3; Th., 190.
tSwen, tCwen, sw., warten, verweilen,
verziehn. Eck kann nick langer towen^
ich kann nicht länger warten. Töw\
Racker j warte, Racker! On wer met
syner Wahl plegt altolang to thöwen,
Dey wiü bohl dit bohl dat. Carm, nupt
111, 133 b. Nu teewt man bat on schwiet
man stoU. Dorr, 60. Volksl., 97, 39,
1. Im Götting. ^i^^n, holl. toeven,
schwed. to/t?a. Schamb., 231b. Hen-
nig, 277.
tSwern, sw.^ s. tCwem.
Trabant, m., wilder, unnutzer Junge.
Er ist ein rechter Trabant,
Traber, m.j s. Dreher. .
trachaideln, n^., zwecklos herumziehen,
sich herumtreiben; daher auch herum-
trachaideln. Friedland Ostpr. Vgl.
rachaideln.
Tracht, /., s. DrachL
Trachtschlunk, m, s. Drachtschlunk.
Traft, /., s. Dritt
Tragband, m. u. w., Hosenträger.
Trilger, plur.y zur Ordenszeit eine be-
sondere Zunft. In Danzig unterschied
man die Kohlen-^ Bier-j Salz- u. Korn-
oder Sacktrager. Sie galten als „ge-
schworene" Leute, besorgten den Trans-
port der Waren unter Garantie und
vermittelten wohl auch als Mäkler Ge-
schäfte. Hirsch, 219. 328.
Tragheim, m., Name eines Stadtteils
von Königsberg, der im 14. u. 15. Jahr-
hundert noch ein Dorf war. Vgl. Ge-
naueres bei Faber, 111 ff.
Tragsei, n., s. Siel.
Träkel, /., weiter Stich beim träkeln.
Träkelfaden, m., langer Faden, mit
dem man trdkelt^ Heftfaden. Den Trä-
kelfaden ausziehn; es geschieht, wenn
die Nähterei fertig ist.
trftkeln, sw.^ mit weifzem Faden die
Richtung der Naht vorzeichnen; mit
weiten Stichen das Futter an das Ober-
zeug, oder einzelne Stücke einer Nähte-
rei zusammenheften; nach Adelung
lY, 644, hchd. anschlagen. Engl, to
irace, schwed. träckla, dän. trokle. an-
trftkeln, mit Trakelstichen anheften.
Trakelstich, m.^ Sticii beim Trakeln.
Traktat, n. u. m.^ Traktament, Gast-
mahl, Schmaus. Er hat ein grofzes
Traktat ausgerichtet^ ein grofzes Gast-
mahl gegeben. Auch TraktemenL
Tralä, n., Aufheben, Gerede. Was
machst du für ein grofzes Trald von
der Sache! Vgl. Trararum.
traläen, sw.^ trcUa singen, trällern,
ludtig und munter sein; viel reden.
408
Traljen — tranken.
Traljen, plur.^ eingemauerte Eisen-
stabe vor den Fenstern der Gefängnisse
and Kassen.
Trame, /., Leitersprosse. Treichel.
Der Train Balken, mhd. drchne^ trdme.
Vgl. Weigand ü, 918.
trampeln, s/w^ trampen, mit den Fa-
fzen stampfen, stampfend auftreten.
TrampeV mir nicht auf die Füfze; Bei
Jeroschin als starkes Neutrum: do
wart so luite ir gebrach unde ir tram-
peln dd vor 137c. Pfeiffer, 234. In
Bayern trappeln^ treppdn und trippeln,
Schmeller I, 497. betrampeln, . . 6^
lächelte er gar höhnischer Weise^ da er
sähe, da/z die Fischer Knechte jhre nasse
Oewand' Handschuhen in dem Schnee
starck betraten und (wie wm zu nennen
pflegen)betrampelten. Wann aber dienasse
Handschue in dem Schnee betreten oder
betrampeU worden^ so ziehet sich ...das
Wasser aus denHandschuen indenSchnee.
Linem., Ttla. Nach Mühling hat
betrampeln auch die Bedeutung: über-
treffen, gewinnen ; also einen unter die
Füfze bekommen, heramtrampeln, viel
umhergehen. Ich bin heut viel herum-
getrampelt. S. Küken, zertrampeln, zer-
treten.
Trampeltier, n., Schimpfwort auf einen
plumpen, ungeschickten Menschen mit
grol'zen FüTzen.
Trank, m.^ s. Drank.
Tranktonne, /, s. Dranktonne.
Transch, Trantsch, m., Schelte, Vor-
wurf in scharfer längerer Rede. Einem
einen Transch blasen — machen. Trei-
chel.
Trappe, /., Tritt, Fulzspur, von trap-
pen treten. Ich will aber auch allhie
den Trappen folgen und Augenschein-
lich erweisen etc. Linem., U3a.
trappeln, sw^ von trappen treten, oft
auf etwas treten. ^Hennig, 278.
Trappen, m., Muster, Schema. Ver-
altet Mühling.
Trappier, Trappirer, m., der vierte anter
den obersten Gebietigem des deatschea
Ritterordens, der die Montienmg der
Ordensbrüder verwaltete. Wn' Bruder
Günther von Schwarzburg ^ ObrtMter
Trappirer. Franz. drap Tuch. Hen-
nig, 278.
trappsen, pltd. drafeen, atr^ beim Ge-
hen stark auftreten. Von trappen. Im
Gotting. draffen. Schamb., 46b. hi
Hessen trappchen und trassen. Yil-
mar, 414. abtrappsen, abgehen^ ab-
laufen. De Schoh aftrappae^ ablaufen,
aufirappsen, stark auftreten.
Traratrum, n., Theater. Doa tcea ok
so e grotet Traratrum errecht (errichtet);
hier s. v. a. Kanzel. Volksl. 36, 251,
1. Vgl. Trijaler.
Trararum, m , der ganze Kram ; grofz
Geschrei über etwas erheben. Sehe-
mionek, 40. Vgl. TralL
Traste, /., Witinne, langer flacher
Kahn.
Tratel, Treltel, m. jüd. Vom. Flatow.
Schmitt, 113.
tratschen (a lang), tratschen, 8tr. 1.
viel, lebhaft und breit über eine Sache
reden. 2. klatschen, schänden. Da-
von : Trätscher, m., Schwätzer, Elatscher.
Geti4t8Ch, n.
Trau, pltd. TrD, /., Trauung. Enge-
segnet hefft de Paster Jan an lAeüen
en de Tru. Dzg. Nhrg. Viol^t, 188.
Gr. Werder.
Traubchen, Pflzn., Muscari Tm.
Weichseldelta. Treichel, Volksth. III.
Traubenelche, /., s. Steinelche.
Traufkraut, 7^, gebräuchliches Glas-
kraut, Parietaria officinalis L. Ostpr.
Pritzel, 265.
trauken, sw.^ ziehen, sich mühsam
fortschleppen, faul einhergehen. Sam-
traumnasig — Treibnetz.
409
land. Mit trecken verwandt. Davon
traukisch, adj. Er hat einen traukschen
Gang. MüLling.
traumnasig, pitd. drömnäsig, adj., schlä-
ferig im Wesen. Natangen.
Traut Babichen sieh mich an, Pflzn.,
gemeine Mondraute, Botrychium lunaria
Sw. Ostpr. Pritzel, 61.
trautst, adJ , Schmeichelwort, traut,
wert, innig geliebt. Trautster Vater!
Trütstet Mutterke! Mein trautstes Mar-
geliehen! Aw^ Mannke trütstet. Herrke^
trütstet, kepe se doch! Auch substan-
tivisch: Allerliebstes, Trautstes! was ist
Ihnen? Soph. R. I, 348. Aber mein
Trautster — meine Trautste! Trauster-
chen, wie kannst du glauben etc. Hen-
nig, 278.
trawalgen, sw,, nach Schemionek,
40, schwer arbeiten; s. jedoch dra-
walgen.
TreciCyTn., Zug, das Ziehen, Schleppen.
Von trecken.
Treckbanl(, /., Reckbank, Folterbank.
M&hling. Von trecken.
Treckelband, n., G&ngelband. Von
trecken. Mühling.
trecken, sw. 1 ziehen. Die Bauern
sahen mit Staunen und Schrecken die
arme Frau Wirthin (vom Teufel) van
dannen trecken. Schottmüller, 7b.
Draht trecken, schnell fortlaufen. EI-
binger Ndrg. Vom Ledder trecken, das
Schwert ziehen. Dorr, 1. Wiew., 53.
2. eine neue Wohnung beziehen. Marbg.
Ndrg. anblecken, austrecken, eine Woh-
nung beziehen oder verlassen, aber auch
aokleiden, auskleiden, weil man hier-
für auch an- und ausziehen hat. —
abtrecken, abziehen, auffarecken, aufisiehen,
nachtrecken, nachziehen. Hew nü
schwärt ml angetrocke. Ward. Buur,
5, 5. 3. sich in der Rede keinen
Zwang anthun, scharf drein fahren.
Wenns manchmal ausrei/zty so treck ich
los, da/z es eine Art hat Soph. R. YI,
534. Hennig, 278.
Trecker, m., eine Person, die etwas
zieht, oder ein Instrument, mit dem
man etwas zieht. Ein Bärentreckerj
ein Mann, der einen Tanzbären hinter
sich herzieht, leitet Proppetrecker,
Pfropfenzieher.
Treckpott, m., s. Trecktopf.
Trecksage, /.,Ziehsäge, welche von zwei
Personen gehandhabt wird. Mühiing.
Trecksei, n., das hinten Nachgehende
oder Nachgezogene. Ein Trecksei Leute—
ein Trecksei Heu. Hennig, 279. Vgl.
Nachta^ecksel.
Trecktopf, pItd. Trecktopp, m., die
Theekanne, weil in ihr der Thee trecken,
ziehen mufz. Dzg. Gr. Werder. Hen-
nig, 279 : Treckpott.
Treibbaum, m., der treibende, span-
nende Holzstab, der als Sprosse zwi-
schen die beiden Stolzen (s. d.) ge-
stemmt, dem Eingange des Eeitelnetzes
Spannung und rechtwinkelig-ovale Form
giebt. Lit. boms.
Treibkeil, pltd. DrtwkTI, m., zunächst
Keil, der treibt, dann auch zur Bezeich-
nung eines durchtriebenen, aufdring-
lichen Menschen. Hei os Steffen Drlwktl.
Treibleine, Dripleine, Drfwieine, /., lange
Zugleine an den Fischernetzen, die
diese treibt.
Treibnetz, n., Netztuch, das von Wind
oder Strömung getrieben wird. Es be-
steht aus einem dreifachen, 12 Klafter
langen und 4 FuTz breiten Netze, an
welchem sich an der oberen Simme
viel Flofzwerk, an der untern kleine
Steine oder Bleistücke befinden. Das
Flofzwerk erhält die Obersimme auf
dem Wasser, die Steine oder Blei-
stücke spannen das Netz gegen die
Tiefe. Die Maschen in den beiden
410
Treibnetzfischerei — Trent.
äuizeren Netzen, die Lederang, auch das
Geleite, dürfen nicht kleiner als 6 Zoll
und die in dem mittleren Netze, Schlänge,
nicht enger als 2^ Zoll im Quadrat
sein. Jedes Ende des Netzes ist mit
einem hölzernen Klotze (Boje) ver-
sehen. FiscL-Ord. f. d. fr. Haff § 24.
Treibnetzfischerei, /., Fischerei mit
dem Treibnetz^ wobei man die durch
Senker und Flotthölzer in senkrechter
Stellung schwimmend erhaltenen Netz-
tücher von Wind oder Strömung län-
gere Zeit forttreiben läfzt, um die ihnen
begegnenden Fische darin zu verstricken.
Diese Art Fischerei wird in unseren
Provinzen nur in beschranktem Mafze
ausgeübt Nach der Fisch.-Ord. f. d.
fr. Haff, § 24, wird sie auch mittelst
zweier Kähne und eines Games, ahn-
lieh dem Keitel^ ausgeführt; doch dürfen
beim Betriebe dieser Fischerei keine
Segel, sondern nur Ruder gebraucht
werden. Die Treibnetzfischerei heil'zt
auch Brassen- oder Bressenfischerei.
Treibstange, /., poln. chochla^ Gerät
bei der Winterfischerei in Masuren =
Rute auf den Haffen. S. Winterflscherei.
Treideldamm,??»., aufgeschütteter Damm
an den Ufern schiffbarer Flüsse, wo-
rauf die treidelnden Menschen oder
Pferde einherschreiten. S. treideln.
Treideler, 9n., s. treideln.
Treidelmarkt, m., Trödelmarkt, Markt
der Trödler. Ihre (armer Leute) hof-
art komt zu kaufen auf den Treidel-
markt mit hauffen. Stein, Peregrinus
X, 13. W. Mtsbl. V, 158.
treideln, str., ein Schiff an einem
Seil ziehen. Nach Hennig, 280, auch
trudeln. Nds. treueln^ holl. treylen. Da-
von Treideler, m. Nach Marold trei-
deln auch ohne Grund und Ziel lang-
sam umhergehen; hierfür üblicher trö-
deln. Vgl. triddeln.
Treidelweg, w».. Weg längs einem
Flufzufer für die Treidelnden.
treife, adj,^ unrein; von dem hebr.
trefa, Schmitt, 111.
treig, treug, odf;., trocken; hager.
. . ,do es 9o getämmet tcard, und die
Werder treuge worden. Hart wich, 6.
. . . indem ich die treuge scacre PSÜzkm
für ein unhoffiiches Essen auch nidA
schätzen toill. Linem. , Sslb. EA
hat a ja mot^ wt wa em traige Wal m '
AchteUiolz füre, Ermld. Freisch., 7.
Hennenberger redet S. 412 von einen
treugen Johr. Se os wie ^ne treuge
Zdrf^ ein hageres Mädchen. Sehe-
mionek, 40.
TreilTn, /., Leine zum Treideln; bei
Stein, Peregrinus III, 3: JV^eyHn,
Treis (s =/z)y /., als Zeitbezeichnimg.
Er mu/zte eine Treis viel arbeiten, m
einer gewissen, nicht näher bestimmten
Zeit. Friedland Ostpr.
Treitel, m. jüd. Vom., s. Tratel.
treitschen, sw. 1. Wasser verspritzen,
spritzen. Es regnet, da/z es treiischt,
daCz das Wasser in Pfützen von den
Regentropfen umhergespritzt wird, ht-
treitschen, bespritzen. Ich unirde vcm
Wagen betreitscht^ mit Strafzenschmatz
besprengt Bei Bock, 70, in diesem
Sinne betreutchen. Vgl. treuschen. 2.
schänden, Geklätsche verbreiten, also
= tratschen.
Trent, m, nach Hennig, 279, Ge-
gend, Schritt, Gang, Gewohnheit. In
diesem Trent haV icKs verloren — er
wohnt in diesem Trent, in dieser Ge-
gend. Er bleibt bei seinem Trent, bei
seiner Gewohnhiet. Als Adverb hat es
Mühling für: draul'zen, aofzerhalb;
ebenso, vom Raum auf die Zeit über-
tragen, ist das Wort noch in Natangen
gebräuchlich: trent Pfingsten, trent Ja-
kobi, d. h. ungefähr um die Pfingstzeit
trenteln — Trinkemedder.
411
etc. In adverbialer Form und in der
Bedeutung von ungefähr auch bei
Line mann: Da Jesus umb trent (wie
tcir bei uns zu reden pflegen) 30 Jahr
alt war^ mehr oder * weniger^ da/z also
daraus keine Gewi/zheit des 30, Jahres
mag geschlossen werden, L i n em. , LI 3a.
Hennig, 283, schreibt umtrent - un-
gefähr, beinahe: Es ist umtrent sechs
an der Uhr, Das Wort hat sich auch
im Lit. erhalten; man sagt um Tilsit:
i tq trentq (statt des Lokativs) in der
Gegeud. Nsslm., Forsch. 2.
trenteln, sw.^ sich mit unerheblichen
Beschäftigungen abgeben, zaudern, zö-
gern. Hennig, 337. Bei Adelung
IV, 646, trändelny bei Schmeller*I,
493, fy^endeln. Vgl. Weigand 11, 925.
Treppe, /., Teil der Zoche (s. d.),
stufenartig gesägtes Eisenband am vor-
deren Ende des Pflugbaumes, zur Ein-
stellung des Joches.
Trts, w. Vom., s. Thres.
treschaken, sw.^ s. dreschaken.
Trfiskammer, m.y s. Drftskammer.
Tresler, m.^ der Schatzmeister des
deutschen Ritterordens. Über die Ab-
stammung vgl. Dreskammer.
Tresp, Dresp. m.^ Trespe, Bromus;
auch Taumellolch, Lolium temulentum,
Bock, Nat. III, 297. Hagen, 135.
Dresp hoU den Bur fest Awer Schmel
schmett em von e DeL
trespig, adj. u« ado., s. drespig,
Tressen, p/wr., Korrump. von Inter-
essen, Zinsen. Wenn ock min Gold
op Tresse gaff. N. P. Prov.-Bl. II,
347.
Tressenherr, ^n., in Danzig der Real-
gläubiger, der die Zinsen erhält. W.
Seidel, 35.
tressieren, no., mit Härte behandeln,
prügeln. Bir hat die Frau so tressiert^
hart behandelt. Nu wird er die Pferde
schon tressiei^en^ die ihn abgeworfen, er
wird's ihnen mit der Peitsche vergelten.
Aus dressieren.
tretschen, sw., s. tratschen.
treuartig, pltd. trllarUg, adj.^ von
treuer Art. En trimrtger Moriich.
treug, adj. s. treig.
treuschen, sw.^ stark und hörbar
regnen. Es regnet^ dafz es treuscht^ so
stark, da(z man den Schall davon hört.
Holl. druisschen rauschen, summen.
Bock, 70. Hennig, 279. Davon
nach Bock, a. a. O. betreuschen = be-
treitschen. Vgl. treitschen.
tribuUeren, sw.^ dringend und an-
haltend um etwas bitten, mit Bitten
quälen; aus dem lat. tribulare. Im
Samlande auch trimulieren.
Trichterkuchen, m.^ eine Art Napf-
kuchen. Vgl. Porzel.
triddeln, sw.^ zögern, lausem. Saal-
feld. S. ta*eideln.
Trieitrappe, /., Zwergtrappe, Otis te-
trax. Bujack, 380. In Muhling,
Tiem., 178, fehlerhaft Triebtrappe.
Trift, /., s. Drift.
triftig, adj., s. driftig.
Trijäter, w., Theater, Bühne, Orgel-
chor. S. Volksl. 38, 25 H, 2. Vgl.
Traratrum.
triilen, sw.^ s. drillen.
Trimmel, m.^ Trommel. Er bläst auf
dem Trimmel, sagt man, wenn jemand
prahlt. Kgsbg.
trimpeln, pltd. trSmpeln, str., trippebid
gehen; auch: viel gehen.
trimulieren, sw., s. tribulieren.
TrTn, Trine, /., Dem. Trtnchen, Trinke,
w. Vorn., Eatharine. Dumme Trtn.
Trtn, hal de Ltn! Volksr., 74, 283.
Jy Jungfer Trthncke on gy Liescke sen
to kloock. Carm. nupt. III, 136d.
Trinkemedder, /., Tante Trinchen.
Gr. Werder.
412
Trinken — Trompeterdsch.
Trinken, pltd. Drtnke, n. 1. Getränk
überhaupt. 2. Tafelbier, Schemper
(s. d.). HoV Trinken! Sie spricht: Er
gebe mir^ mein SchatZj doch einen Trunckj
90 tritt er gleich her für, und vdrd ihr
gantz 'mbmiss ein Gläschen Trincken
bringen, Caim, nupt I, 128. Auf den
Eönigsberger Jahrmärkten rufen Kinder
dies Bier aus: Na LOedy Drinke, wem
derscht (wen dürstet), DrinkCy Drinke!
Hennig, 279.
Trinkrecht, n., preufzisches^ s. Recht
TrtniTse, w. Yom, Zusammenziehung
der Vornamen Tr!ne und Ltse^ Ka-
tbarina Elisabeth. Nun wandte ich
mich an die alte Trinlise. Soph. R. lY,
151. HansheftdeTrinliskelef. VolksL,
21, 13, 1.
Trinort, w. Vom., Zusammenziehung
der Vornamen Katharina und Dorothea.
Dönh.
trippen^ 8w,y das vhchd. drippen (s. d.).
Trippenmacher, m., Verfertiger von
Trippen^ Pantoffeln mit Holzsohle und
ohne Hackenleder, in der Provinz
Klotzkorken genannt. Mnd. Wb. IV,
613 a. Sie bildeten zur Ordenszeit mit
den Korkenmachem eine Zunft. Die letz-
teren scheinen (Hirsch, 317) ihre
Pantoffeln aus Korkholz, gewöhnlichem
Holz und Leder gefertigt zu haben,
dürften jedoch vorzugsweise Verfertiger
von Lederkorken gewesen sein. Vgl.
Korke.
Trippstrill, m., s. Dripsdrill.
Tripptrapptrull, Medik., Unguent By-
drargyri rubrum,
Tripviole, /., Pflzn., Lupine, Lupinus
L. Friedland Ostpr.
trfseln, sw.y quälen. Treichel.
Tritt, m. Er ist im Tritt^ ist be-
trunken.
Tritze, /., Rolle, Winde, zum Heben
von Lasten. Auch die Hewelten am
Webstuhl hängen in Trüzen and wer-
den mittelst dieser gehoben. Altn.
tnps. Hennig, 280. Sallmann,
51b.
tritzen, sw. 1. *an einer Tritze auf-
ziehen, aufwinden. 2. Bildlich: im
Preise in die Höhe treiben, steigern.
Einen in der Miete trüzen. 3. ein-
sammeln, koUektieren: Dann tritzd
he (der Lehrer) sine Flade^ Wors^
Eier 6k dabt. Lhrztg. 4, 355a. ver
tritzen, im Gegensatz von 3: Geld leicht-
fertig verthun. Er hat sein Oeld vertritzt,
trO, num. = frz. trois drei. Solo
en trö.
TrSchel, Trllchel, m., der hoch auf-
getriebene Unterleib kleiner Kinder;
wohl Dem. von Trog, Friedland Ostpr.
Trockenifrilscherin, pltd. Dr6g8VlriiS€he^
sehe, /., scherzhafte Bezeichnung für
eine Wäscherin. ' Sprw. I, 3839.
Troddel, /., Büschel herabhängender
Fäden von Wolle, Seide etc.,, oben
knopfartig zusammengebunden. Die
Troddeln an der Pfeife. Die Troddd
an der Mikze\ daher auch TroddelmlHze,
Schlafmütze mit Fadenquaste. Hen-
nig, 280.
trudeln, sw,^ s. treideln.
Trog, m,y Behältnis für Schweine-
futter.
trogschnautzig, pltd. trogschnQtzig, adj.^
zudringlich, frech in Rede und Wesen,
dreist wie die Schweine, welche mit
der Schnantze voraus, gierig sich zum
T9*oge drängen. Samland.
Troine,m.jüd.Yorn. Flatow. Schmitt,
115.
Trommel, /. Er ös de Drommel an-
gehängty sie ist geschwängert.
trVmpeln, sw,, s. trimpeln.
Trompetertisch, m,j eigentlich Tisch
für den Trompeter, und da den Mu-
sikern allein gedeckt wird, auch der
Tröilisnltö — trumpfen.
413
Tisch, den man neben einer gröCzeren
Tafel aufgestellt hat. £V mufz am
Trompetertisch sitzen. Kinder gehören
an den Trompetertisch,
TrVmsnftS, /., träumerische Nase,
Träumer, Kopfhänger. Schemionek,
41.
Tronig, m. „ Tronig hiefz vor 200 Jah-
ren der beste Meth/ Pisanski,
Nachtr.
. Trope, /., s. Aaltrope.
Trüpfe, /., Traufe; Die dem regen
enüauffen wollen kommen gar in die
tropf, S4ein, PeregrinusXIV, 6. W.
Mtsbl. VI, 184.
Trosse, /., dicker Strick, mittels des-
sen die Holztraften und Galler am
Ufer befestigt werden. Dzg. W. S e i d e 1 ,
35. Die Trossen der Witinnen (s. d.)
sind aus Weidenzweigen gewundene
Taue. Ygl. abtrossen,
trossen, herumtrossen, »w. 1. sich
auf den Strafzen herumtreiben. In
Bayern trossiren^ herumtrossiren^ herum-
ziehen, herumgehen, der Liederlichkeit
nachgehen. Schmeller I, 500. In
der Pfalz: schlecht reiten. 2. ziehen.
Bock, 70. Hennig, 280.
Trost, m., Verstand. -Er ist nicht recht
bei Trosty es fehlt ihm am Verstände,
er ist nicht recht gescheut. Hennig,
280.
trSsten, sw,, abtrttsten, einen Bitten-
den zurückweisen, mit (leeren) Worten
abfinden. Er läfzt sich nicht so leicht
abtrosten^ er ist dreist, wiederholt sein
Anliegen mit Energie.
TrVster, m. 1. altes Buch, Schmöker.
2. scherzweise jedes PrQgelinstrument.
Der Troster kommt! ruft man unge-
zogenen Kindern drohend zu.
trO, adj.y treu. Wie heft den Oüen
se geplächt (gepflegt). Wie hartUch on
wie tru. Dorr, 30. Nu lacht se tru'
on greU. Ibid., 15.
TrllbetUmpel, m.y trüber Tümpel;
bildlich: unklarerEopf, konfuser Mensch.
Je^ Puf^ du Trübetümpel .. .ich dachte
in der Vertoirrungy ich hatte schon alles
mit ihm abgemacht. Soph. R. VI, 137.
TrUchel, m.^ s. TrVcheL
Tnid, Trude, w. Vom., Gertrude.
trudeln, siw,^ regellos und ohne jeg-
liche Ordnung gehen, rollen. Der eine
trudelt hier hin, der andere dort hin.
Da trudeln sie^ sagte der Bauer, . als
er ein Gefafz mit EohlrQben umwarf,
und die einzelnen Häupter fortrollten.
Trüffel, /., s. Tuchel.
TrUffeleiche, /, Traubeneiche, X^^-
cus sessüiflora Sm. Bock, Nat. III,
67.
Trull, Truller, (?), Benennung für
5 Gebinde Klunkergam. Mühlin g.
Trumme, /., s. Dnimme.
Trumpf, m.^ korrump. aus Triumph.
1. die siegende Farbe im Kartenspiel.
2. die tuschartige Chormusik, welche
in kathol. Kirchen ertönt, wenn der
Priester die Monstranz erhebt Erm-
land Nach Firmenich I, 113: der
Marsch, welcher am Schlufz des Gottes-
dienstes während des Verlasseng der
Kirche geblasen wird. On an aKerch
könne se nech e mol Trumpf mache^
wenn da Mechel nich Trompet blast
Ermid. Freisch., 7.
trumpfen, sw.^ Trümpfe ausspielen,
damit stechen ; in Worten aufbegehren,
laut auf seinem Rechte bestehen, einen
beleidigen und kränken. Heut habe
ich einen Kranken erquickt^ den Laste-
rungen getrumpft. Soph. R. I, 366.
Doch fem sei es, da/z ich hier trum-
pfen wollte. Ibid. VI^ 395. abtrumpfen,
durch derb» Antwort zum Schweigen
414
trondeln — Tode.
bringen, aosschelten^ durch energisches
Auftreten abfertigen. Sperber, 5.
aiitminpfefiy Tmmpf anziehen, auftnim-
pfen, mit kräftigen Worten för eine
Sache eintreten, wobei oft, wie beim
Aasspielen der Trümpfe, aaf den Tisch
geschlagen wird. Sperber, 6. aiM-
inimpfen, Trampfausspielen, aber auch
Trumpfe abholen.
tnindeln, sw.y sich^ sich drehen, um-
herdrehen, wälzen, besonders von kor-
pulenten Personen; auch beim Tanze.
Trßichel.
Trunkelbeere, /., s. Drunkelbeere.
Trunkelpfeife, /., Pflzn., s. Drunkel-
pfeife.
Triinichel, m., Bauch. Samland.
TrOnz, 771., Abtritt Ermland. MQh-
ing.
Trupp, m., je zwei mit einander ver-
bundene Netzhälften des Ziegennetzes.
Gewöhnlich werden drei Trupps aus-
geworfen, die man als losgelassenen,
Mittel- und Kahntrijpp bezeichnet, der
letztere deshalb so genannt, weil an
seinem Ende der Kahn liegen bleibt,
der den Gang der Netze beobachtet.
Eurisches Haff. Be necke, 372.
truppen, sw.^ s. abtnippen.
Trusch, Trufehe, Tru§chel, pltd.Truichke,
n., Kaninchen. Alle Namen auch als
Lockruf. Lit. truszkas, triiszke; lett.
^rt^cA»n«cÄ Eichhörnchen. Die gemein-
same Wurzel liegt wohl in russ. truszuy
(rüfif feige, bange sein, poln. trus,
trusioL^ tmaka feiger furchtsamer Mensch,
auch: unschuldiges Geschöpfeben, liebe
Unschuld. Nsslm., Forsch. 3; Th.,
191. Vgl. Mocke.
Tschappel, m., /., Fischreiher, pob.
czapla. Er. Neustadt.
Tschezke, m , Hänfling, Fringilla can-
nabina. Poln. russ. czeezotka, Pi-
sanski, in den Nachtr. schreibt
Tschetzke. Bock, Nat. lY, 429: Tschf-
tzschke; in Litauen miindgerechter
^etschke und Schesehte. Hennig,
280. Nsslm., Forsch. 2; Tli., 191.
Muhling, Tiem., 178.
Tschimscherim, m., muhseliger, elender
Mensch. Mühling.
Tschipp, Tschippa, s. Tipp.
Tschirfc, m., Tschirke, /., s. SckirkE
TschQ^ TschQscMI, s. ScbQ.
Tschuprtne, /., d. Schuprtne.
Tubbas, m,^ grofzer Kahn = IMai
(s. d.). Elbing. •
tubbern, sw.^ s. tobbem.
Tuch, n., s. Sb^efehtuch.
Tuch auf Stutzen, pltd. Dock op StMkn,
in früherer Zeit Halstuch der Frauen,
das sie beim Tragen so geschickt in
Falten legten, dafz das gefaltete Tuch
weit vom Halse abstand und das (?#-
nickstuck (s. N.) sehen liefz, während
zwei Ecken des Tuches auf die Brust
und eine auf den Rücken niederfielen,
woselbst sie befestigt wurden. D^.
Nhg. Viol^t, 176.
Tuchel, Tuffel, /., Kartoffel. Tvchk
scharren^ Kartoffeln graben. In Na-
tangen auch Trüffel. In Westpr. TM-
ken, (Flatow. Firmenich I, 118 ff.)
und Tuften (Treichel, Volksth. U).
Tuck, m. 1. schmerzhaftes Zucken.
2. ruckweiser Einzellaut. Er sagt nickt
Muck, nicht Ttick. Treichel. Vgl
hamin.
tucken, tuckern, tucksen, aw., zucken.
Der Puh tuckt, — der schmerzende
Zahn, — die Wunde. Hennig, 281.
Schemionek, 41.
tUcksch, pltd. tScksch, adj., tückisch,
voll Tücke, Tücke ausübend. Tückscher
Hund, auch als Schimpfwort.
Tode, Tote, /., vhchd. Taude, Dem.
Toder — tuntek).
415
TOdche, TQdke, Dute. Nds. Tute, in
Hamburg Tüte. Brem. Wb. V, 134.
Bock, 70. Hennig, 280. Davon:
TQtchendreller, pltd. TOdkedreller, m.,
Dutchendreher. Spottbeneunung für
einen Gewürzkrämer. Auch TQtchen-,
TQdkeffster.
TUder, /., tUdem, sto., s. Tfder.
Tuffel, /:, TUffken, Tuften^ plur., s.
Tuchel.
Tugend, n., Vieh, Rindvieh. Der
Mann hat strammes Tugend, er hat
gutes Vieh. Wonnditt. Mühling.
Tulla, Kosename, den Hebammen
Säuglingen gegenüber gebrauchen.
Sperber, 40.
Tullacky m,, Landläufer, Herumtreiber;
von dem gleichbed. poln. tutacz, tutak.
Flatow. Schmitt, 109; Westpr., 168.
Tülle, /., Name für ein feiles Frauen-
zimmer: Das ist seine TuUe. In zweiter
Bedeutung s. Tolle.
tullen, tUllen, »w,, mit einem durch
einen glühenden Bolzen erhitzten, run-
den Eisen, dem sog. Tullelsen, TUllefsen,
die Bänder und Spitzen einer Haube
runden und steifen. Vgl. ToUe 3.
Tulpanenschuster, m., Glückspilz. Tie-
genhof.
Tulpok, m., s. V. a. ToUpatsch, HeskoU.
Tum, ThOm, w., Dom. Der Gutt-
Städter, der Frauenburger Thum, Der
Thum zum heiigen Geist . . . den 5, Maij
in der Kneiphoffschen Thum Kirchen
ehrlich zur Erden bestaitet worden,
Linem., Oo3b.
TQmherr, ThOmherr, m,, Domherr. Bei
Jeroschin: tumherre. Pfeiffer, 236.
Tummelchen, n.. Dem. von Tümmler,
kleiner Becher in Form einer Halb-
kugel, der sich schwankend selbst be-
wegt, taumelt. Engl. ^um62er. Hennig,
337.
Tümmler, m, 1. Kriegswerkzeug nach
Art der alten Ballisten. Schütz, Pr.
Chron., 76. Hennig, 281. 2. Seil-
tänzer. Im seihen Winter t?of Fa;stel-
«
obendt spute ein Tumler zu Dantzke auf
dem König Artus hoffe im foüen Rar-
nisch bei Obents Zeiten; voi* dem Rat-
stul sprang er den Mordsprung und bey
Lichte von einer Tafeln vnd hatte 2 De-
gen auf seiner Kehle, Ein Holander^
der ihm zusach, der beschweimte. Kaspar
Weinreich. Passarge, 68.
Tundel, m. Tundel kriegen, im Kopfe
verwirrt werden. Treichel.
Tunk, Tunke, /., Sauce, in. die man
tunkt, eintaucht.
Tunkbrett, n., Teil des Wagens,' hchd.
Ausdruck im Voc. 304: Tunkbret. Nach
Nsslm. Thes., 52, bewegliches Seiten-
brett im Bretterwagen. S. TImmbretL
Tunke, /., s. Tunk.
tunken, sw,, tauchen, eintauchen; in
Berlin stippen.
TQnkeschllker, m. , Zaunschleicher,
Zaunkönig. Natangen. *
TQnpe8t,j?/t^r.,Zaunpfosten,Zaunpföhle.
Schemionek, 41.
Tunte, /., s. Tuntel.
Tuptely /. 1. Nase, namentlich wenn
sie grofz ist Er hat eine gute TunteL
Er hat sich die Tuntel begossen, hat
sich betrunken. 2. altes, plapperhaftes
Frauenzimmer; auch Tunte, bei Müh-
ling Duntel.
Tunteldose, /., Zunderbüchse. Ja,
ja! sehr och ok on grep na miner Tunf-
teldos, Awer da wor wat to tunjteln!
Ptp on Toback on Dos, alles wor weg.
Spook, 474. Engl, tinderbox, holL
tondeldoosje. Nds. tander, Zunder.
Brem. Wb.V, 130. Bock, 70. Hennig,
281.
tunteln, sw. 1. verwickeln, in ein-
ander schlingen. 2. sich aufhalten,
zögern. 3. Tabak schnupfen. 4. trinken,
416
Tuntelstock — Twöduster.
sich betrinken, die Tuntel^ (Nase) be-
gielzen: sicAbetunteln. vertunteln, auchbe-
tunteln, sich heimlich verloben. Sie hat
sich vertuntelt, sie hat sich heimlich
verlobt. Hennig, 281.
Tuntelstock, m.y Klöppel. Möhling.
Vgl. Brem. Wb. V, 133.
TupTn, Turrlne, /., Terrine.
Turk, m.^ Hundename. 'Turk^ nem
dat Lamm! Volksr., 143, 602.
Türkei, m.y turkeln, sw., s. Torkel etc.
Türkischer Bund, Pflzn., Türkenbund,
Lilium martagon L. Hagen, 360.
Turkopelier, m., beim deutschen Orden
der Oberste über diejenigen Brüder und
Soldaten, die nicht Ritter waren. „G^t-
bertuSy lib, 3. Hierosol. c. 8 nannte des
Kaisers Aleadi familiäres milites (Leib-
garde) Turcopolos.^ Hennig, 281.
Turm, m. 1. blauer^ ehemals stadti-
sches Gefängnis im Kneiphof zu Kö-
nigsberg. Er geht wie der Bauer in
den blauen Turm. Sprw. I, 1106.
2. grüner^ Turm des grünen Thors im
Kneiphof zu Königsberg, im Jahre
1864 zur Erweiterung der Passage ab-
gebrochen. Hei kickt em an^ wt de
Kau dat grene Dor, Sprw. I5 93.
Hennig, 275.
Turmeule, /., Schleier -Kauz, Strix
pxmmea, Bujack, 369. Mühling,
Tiem., 178.
Turre, /., älteres, widerspenstiges
Frauenzimmer. &ie ist 'ne alte Turre,
Treichel.
Turrlne, /., s. Turin.
Tusch, Dem. Tuschchen, pltd. Tuschke,
Tuichel, w. Vom., Dorothea; auch Ka-
tharina. Schulte Tusch^ du trutste Popp!
Volksr., 236, 832. Seh onse Tuichel
Ohrt on onsen Toffel an, Carm,
wtipe.IV,324b. Bock, 70. Hennig, 281.
tuscheln, str., heimlich flüsternd mit
einem andern sprechen. Aach tob
Friedrich Wilhelm I. gebraucht S.
Gartenlaube 1863, S 442. Von tuMhci
zum Schweigen winken und rufen. YgL
betuschen.
Tote, /., s. Tode.
tutschen, stc., sich anscluniegen. Dm
Kind lutscht sich an die Mutter. Nach
Treichel auch lutschend, allmählidi
trinken. Er hat sich einen (Rausch)
angetutscht.
Tutschk, Pflzn., Schweinekraat, CaUa
palusttns L. Er. Carthaus. Aach
TCtschk (Wahlendorf). Treichel,
Volksth.
tuttem, 9U7., liebkosen, herzlich und
mit zärtlicher Ängstlichkeit behandeb.
Kinder tuttem^ an ihnen herumtuOem,
ängstlich besorgt sie pflegen.
Tuttl, n., in der Eindersprache: das
Trinken. Tutti^ Tutti! ruft ein kleines
Eind, das zu trinken begehrt, hnmer
Tutti^ Tutti^ äwer pappe ntischty zum
Trinker, der gewöhnlich wenig iizt
Sprw. I, 3848. Vgl. pappen.
Twalch, my a. Dwalch.
twalisch, adj.y s. y. a. dwaUsch, s.
dwalen.
Twarg, m.y s. Dwarg.
twatsch, adj.y s. dwatsch.
Twedlster, Twttdilster, n., Schimmer-
stunde. Dzg. Nhg. Viol^t, 104. Aus
dem 2kcielicht ist ein ZunedOster ge-
worden. •
Twelfschlunk, m,y s. Zwttlfechlunk.
Twelfstrlfzel, /., s. Strfrzel.
tw6r, adj, u. adv.y quer, s. dwftr.
Twerg, w., s. v. a. Dwarg (s. d.).
Twerre, /., s. Schroiwurm.
TwttdUster, n., s. TwfidTster.
0 — über
417
u.
U, Vokal. Das gedehnte u wird platt-
deutsch am häufigsten ein gedehntes o,
zuweilen ähnlich dem ä: BSk Buch,
Schol Schule, Stato Stube, god gut
Ä-Äfer Bruder, F6t Fufz, Sch6 Schuh,
Stol Stuhl, Dok Tuch, RikdSm Reich-
tum, Blot Blut; auch mit einem leisen
Anstrich von vorgeschobenem w: guot
gut; selten ein geschärftes: Bessern
Busen; zuweilen geht es dann vrieder
in au über (besonders in und um Dan-
zig) : Schau (auch im Samlande) Schuhe
Faut Ful'z, und in Natangen mit vor-
geschobenem j: fjaut; oder in den
Umlaut ö: söke suchen. EndL'ch geht
es auch in ei über: deist thust, deit
thut. Sehr selten bleibt es ein u: du
du, nu nun. — Das geschärfte u bleibt
in: bunt^ Hund^ hungre hungern, hun-
nert hundert. Stund Stunde^ gesund,
unde oder unge unten, rund^ gefunge
gefunden, gesunge^ gesprunge^ geJdunge^
überhaupt vor nd^ nt und ng mit we-
nigen Ausnahmen (on und); geht aber
sonst meist in ein geschärftes o über:
Bo^r Butter, (2t>mmduDim, iS^orm Sturm,
Po/z Kufz, Fofz Fuchs, Torrn Turm,
Woj'scht Wurst, tom zum, dorch durch,
ons (auch os) uns (in Natangen auch
mit vorgesetztem ui uonser unser); zu-
weilen auch in ein gedehntes: M6der
Mutter, F6der Futter. In einigen we-
nigen Wörtern hört man statt desselben
ein e oder e (ja): derch durch, derschte
dursten, oder auch o, besonders in der
Vorsilbe um: omwende umwenden, öm-
stölpen umstülpen. Die in der Volks-
sprache sehr seltene Endung ung hat
ein i: Behring Nehrung, Wandetnng
(gewöhnlich Wanderschaff) Wanderung,
Fnsebbi«r, Wörterbach II.
J?arM//t7i^ Handlung. Echt ermländisch
ist Blitt Blut. Lehmann, Volksmd.,
22 f.
U, Umlaut von u, wird plattdeutsch
häufig e oder ö: Fe% Fot Fülze, Beker,
Böker Bücher, se% söt süfz, bleje blü-
hen, lege lügen, rore rühren, ewer über,
Schetel (in Königsberg ScA^^Z) Schüssel,
StrSmpe Strümpfe, und klingt auch dem
ä ähnlich oder gleich: Mal Mühle,
Fällen Füllen, Berscht Börste, Glacke-
tärmke (Ermland) Glockenturmchen,
Not Nüsse, dag tüchtig. Selten wird
es ein i; beim Num. fünf geht es in i
über: fiWy ftf^ bei den Zusammen-
setzungen mit fünf entweder gleichfalls
in i: fifhundert^ ftfdüsend^ oder in e
und o: föfftien^ fefftien fünfzehn, fofftiy^
fefftig fünfzig, also nach der Analogie
des Hochdeutschen. Zuweilen wird es
o: motte müssen, und im Natangischen
sogar äu : Fiaut Fülze, staut süfz. Leh-
mann, Volksmd., 26. — Im Hoch-
deutschen wird ü meist i gesprochen:
Mein erst Gefihi etc.
übelheit, /., Übelkeit, Neigung zum
Erbrechen. Bock, 71.
Übelnehmen, st^ leicht erzürnt, erregt
werden, etwas „krumm^ nehmen. Da-
von das Adj. Ubelnehmerig. He solwst
wea oawasch sea dwelndmerig. Boldt^
12.
Über, pltd. äwer (a lang), prap.y ade.
1. über und über^ pltd. äwer on äwer^
auch* über un düber ^ äwer on däwer^
vollauf, mehr als zu viel. Das ist übe^
un düber genug^ dem Worte völlig ent-
sprechend. Er rennt ihn über und
über, über den Haufen. 2. voraus.
Öck s! dt äwer, ich bin dir voraus, bin
27
418
uberärsch — überlfister.
über dich. Awer den ock kann^ s' öck
Mann. Sprw. I, 3849. 3. Abkürzung
von: vorüber, vorbei, ü ist all vber^
es ist schon über: die Übelkeit, das
Unwohlsein, die Ohnmacht ist über-
standen. 4. elliptisch: der Kranke ist
aber^ er ist über die Krankheit hin-
über, ist aui'zer Gefuhr.
Uberärsch, pltd. äwerärsch, adv^ ver-
kehrt, umgekehrt. Den Sarg äwerärsch
stellen^ das Fuizende dahin stellen, wo
das Kopfende stehen soll.
Uberbollärschen, sw., rasen, tollen,
sich übereinander werfen. Müh-
ling.
Uberdilmpeln, pltd. äwerdttmple(n), sw.,
einen dahin bringen, dal'z er unserem
Willen folgt. In Pommern öwerdum-
peln. Däbn. , 334 b.
Ubereins, adv.j überein. Sie sind
abereins gekommen,
überfähr, überfähre, /*., Fähre, Boot,
zum Übersetzen über einen Flul'z; auch
die Stelle, wo diese Fähre liegt: an
der Überfähr,
Übergang, pltd. Awergang, m.^ kleine,
nicht sonderlich Besorgnis erregende
Krankheit. Das wird ^oohi nur ein
Übergang sein^ Herr Doktor. Dat os
man so 'n kleener Awergang^ säd de
Fos^ wie se em dat Fell äwre Ohre
streepte, Sprw. I, 3850.
Übergeben, od/., eingebildet, hoch-
mütig, anspruchsvoll. Ein Ohei^gebener
Kerl — ein Obergebenes Frauenzimmer^
Personen, die sich über Vermögen,
Wert und Können geben.
Übergeben, st,^ sich^ sich erbrechen.
übergufz, m.. aus Obergiefzen, Das
kommt mit dem Ubergu/Zy eine heftige
Rede voll Zorn und Galle. Hennig,
282.
überhftbschen, plur.^ die Bewohner
jenseits des Haffes, die über dem
Haffe wohnen. Von den Keuteln soübh
nicht allein die üebethacJwchenj sondern
auch die Vitien 20 Mark Zinsen. Fischer-
ordnuog von 1640. Hennig, 282.
Vgl. Haff.
Uberhapsen, sw.^ voll and scUeimig
mit einem Haps (s. d.), etwas abbeifzen,
abmachen. Das Stück Fleisch war so
gro/z^ dafz er^s kaum Uberhapsen hmnii.
Ich mochte gern noch einmal uberhapsen^
einen kurzen, tüchtigen Schlaf thon.
Treichel.
Überhaupt, adv.^ in Danzig and an
vielen anderen Orten nicht da gebraocht,
wo man vom Speziellen aafs Allge-
meine übergeht, sondern gerade umge-
kehrt den Übergang zum Speziellen
bezeichnend, wird also dadurch synonjm
mit vorzüglich und besonde»^: er ist seit
langer Zeit krank^ überhaupt seit drei
Tagen. E. Förstern. Das Getreidi
ist gut geraten^ überhaupt das Korn.
Überholen, sw.^ überset/.en über einen
FluCz. Man ruft dem Bootsmann za:
Hol über! Hennig, 103. 282.
Überkahn, m., s. SprotL
Uberlangs, adv.^ einige Zeit nachher,
später. Hennig, 337. Schemionek,
41.
Uberlangs, adv.^ nach der Länge. Edi
drängd mie äwerlängs dortnu, Carm,
nupt. I, 282, 7. Oeck must mie dag io-
schleppe^ bet eck mie äwerlängs scho/ na
de groote Poort, Carm. nupt. VI, 242b.
überlast, /., unbillige Belastung, Be-
drückung, zuviel Last, Ungerechtigkeit,
Unrecht. In der Saalfelder Gegend
auch überlafz. Öck wöU keinem Awer-
last done^ ich will keinem Überlast thun.
Bei Jeroschin: ubirlast Pfeiffer,
238.
überiftster, m., seidenartiger Stoff von
schwarzer, glänzender Farbe. Violit,
170.
überlaufen — Udraro.
419
überlaufen, pltd. äwerlApe(n), über-
kommen, überfalleo. Der Ärger^ Zorn
überlief mich^ ich wurde heftig, aus-
fahrend.
Uberlei, adv,^ übrig, überflüssig. Es
ist von der Speise 7ioch viel uberlei^ noch
viel übrig geblieben. Er hat noch Recht
überlei^ noch Recht übrig. Hennig,
337.
Übernehmen, st^ überwältigen, über-
mannen. Ich wollte ein bischen von
der Leber wegreden ^ aber es übei^nahm
mich; mein Herz woUte nickt so wie
ich, Soph. R. VI, 417.
Uberreifzen, st, s. reifzen 3.
Uberschlächtig , adj, , oberschlächtig ;
von Wassermühlen, bei denen das Was-
ser von oben treibend auf das Rad
fällt. Aus über {ober) und schlagen zu-
sammengesetzt. Treibt das Wasser das
Rad von unten, so ist die Mühle un-
terschlächtig. In Pommern öwerslägtig.
Dähn., 335b.
überschlagen, st, überdenken, beden-
ken, überlegen. Ich werde mir die Sache
noch überschlagen.
überschnappen, sw., den Verstand ver-
lieren, närrisch werden. Der vnrd noch
überschnappen. Er ist etwas überge-
schnappt. Davon das Adjektiv über-
geschnappt, verrückt, närrisch. Hen-
nig, 282.
Überschte, Oberste, pltd. Awerschte,
m., der Erste. Er ist der Überschte in
der Klasse — de Äwerschf. Vgl. ba-
werste unter, bawen, auch ttpperscht
überschwaddern, sw., s. schwaddern.
überschwauksen, sw,j s. schwauksen.
übersichtig, pltd. äwersttchtig, adj., über
sich sehend, zur Bezeichnung eines
Augenfehlers: schlecht sehen oder
etwas gar nicht sehen, aus Kurz-
sichtigkeit, Flüchtigkeit oder Unauf-
merksamkeit. Er ist übersichtig, pltd.
Hei ÖS äwenöchtig, er übersieht Nahe-
liegendes. . . . ma/zen die Liebe gemei-
niglich übersichtig, oder, wie sie gemahr
let wird, blind ist Cai^n, nupt I, 183.
überspirkeln, sw., mit Spirkcln be-
legen. Bildlich: Einen Schnaps über-
spirkeln, ordinären Schnaps mit besserm
oder mit Rum versetzen.
überstudierter, m., einer, der zuviel
studiert hat und dabei etwas überge-
schnappt ist.
überwams, pltd. Awerwams, n., Ober-
wams, blaue Tucbjacke mit blanken
Knöpfen. Dzg. Nhg. Viol^t, 177.
überwendlich, adv. überwendlich nähen,
mit engen, in einander geschlungenen
Stichen nähen, schürzen.
überwicht, /., das Übergewicht. J)ie
Wagschaal wolte schon auf jene Seite
schlagen . . . Die schöne Kienderin
(Name der Braut) macht itzt die Ueber-
vncht Carm. nupt. I, 158.
überwocken, m., der obere Teil des
Wockens; derWockenstock. Vgl. Spinn-
stock.
überwuichen, Uberwutschen, sw., s. wu-
schen.
überziehen, st Einen überziehen, ihn
über das Knie, über die Bank strecken
und ihm den Hintern klopfen. Einem
eins überziehen, ihm einen Hieb über
den Rücken geben.
Uckel, Ukel, /., im Oberlande, Erm-
lande und in der Elbinger Gegend =
Okel (s. d.). Saalfeld. Schemionek,
41. Sperber, 46.
Uckelei, Ucklei, m., Fischn., Ukelei,
s. Ickelei und Nesteling.
Udas, (?), s. Dalkis.
Udram, Uderam, m., Pflzn., Gunder-
mann^ Glechoma hederacia L. Hagen,
610. Pritzel, 166. Bock, 71. Hen-
nig, 282. Im Samlande auch Undram.
Nach Milhling auch Udramb; ebenso
27*
420
Ukel — umschichtig.
in: Muller, Bilder ausMasaren. Volks-
schulfreund 1873, S. 190 b. S. Gunde-
ram.
Ukel, /, 8. Uckel.
Ul (u lang), /. 1. Eule, Stria , ahd.
ütoila^ rahd. iuwel^iule. Das ist ^ne ül. Hei
OS wt de Ul mank de Krege^ wie die
Eule unter den Krähen. Wat dem ine
Sin Ul ÖS, ÖS dem andre sM NachtgäL
Sprw. I, 771; 11, 676. 2. Larve der
Neunaugen. Die Querder (s. d.) des
Bachr und Fitissneunauges werden in
unseren Provinzen als Uhle, Angeritze,
VingiUe bezeichnet. Benecke, 199.
Muhling, Tiem., 178.
QlepiQstrig, adj., pausbackig, aufge-
blasen^ wie eine Eule(C/Ze) aufgeplustert.
Dönh. Muhling hat ullenplusirig.
Ulespfigel, m., Eulenspiegel, im Erm-
lande Name für den Teufel.
Ulk, 7n., Iltis, Marder, s. Duck.
Ulke, JQlke (tr=t{), w. Vom., Julie.
Hartwich, 55.
ullenplustrig, adj , s QlepIQstrIg.
uhnig, adj,, alt, verwittert. Danzig.
W. Seidel, 35.
Ulrich, m. Vom., Huldaricus. Hart-
wich, 54.
Umbitter, m., in den Werdern der
Bote, welcher die in Form einer Kur-
rende abgefaCzte Einladung zu einer
Hochzeit oder einem Begräbnisse herum-
trägt. Die Einladung zur Hochzeit be-
wahrt er in einem Futteral von bunter
Farbe, die zu Begräbnissen in einem
schwarzen Futteral. Pas sarge, 216.
Umgelder, j?/ur., in der alten Danziger
Verfassung Bezeichnung für die direk-
ten Abgaben. W.Seidel, 35. Klein
II, 205: Umgeld oder Ungeld heii'zen
alle Abgaben, welche die zu Schiffe
ankommenden oder abgehenden Waaren
zu entrichten haben. Der Abnehmer
fährt sie in seiner Rechnang onter der
Rubrik: Umgelder, Danzig.
umgewandt, pltd. omgewendt, a^^
Korrump. von unguentum in den Na-
men der Medikamente: UngenL jUunh
bicum, Napoleon etc.
umherfliben, sw., s. flitzen.
umhVren, sw., sich, sich erknndigeD,
umfragen, umher hören, wie es am eioe
Sache steht. Danau mot ock tnt noch
erseht ömhöre.
umkampeln, -kantem, str., s. kanfem.
umkeif ein etc., sw,, s. keif ein.
umklaftern, sw., mit ausgestreckten
Armen {ElafUr) umfassen, amannen.
umkrämpeln, sfm, s. kiümpeln.
umkrllcken, st^., mit einer Kracke,
Ofenkrücke, umrühren.
umlangs, pltd. omiangs, ado., so weit
als man langen oder reichen kann, als
man mit einem Gange umgehen kann;
rings umher. Es ist umlangs kein Bier
zu haben, es ist ringsum, in der gan-
zen Nachbarschaft, kein Bier zu haben.
Hennig, 282. Darbi §s he met siene
Fasten so fluck bi der Hand, wie om-
lang urschend wer. Dorr, 1. Wiew.,
24.
Umläufer,m.,Mond. Sie TnüssenhemaJf
lauffen lassen .... den Jovem mit sei-
nen vier Umbldufem etc. Linem.,
Mlb.
Umläuflein, n., in alten Yerschreiban-
gen ein kleiner See oder Teich, den
man in kurzer Zeit umgehen (amlaafen)
kann. Hennig, 282.
umpummeln,«t/7., umwickeln, einhüllen,
s. pummeln.
umschichtig, pltd. omschiclitig, adf.,
Schicht um Schicht, eins um das an-
dere, wechselweise. Umschichtig eine
giv/zere Arbeit ausftihren lassen, Mi
fror so grulig, dat mi de Tähnen öm
amschlagen — un beschrieen.
421
Mtd klapperden on ek omsc/Uchtig op
dem eenen on dem andern Been huppsen
deed. Dorr, Driewjagd.
umschlagen, at 1. verderben; von Ge-
tränken: Bier, Wein etc., wenn sie
säuerlich werden. 2. im Preise fallen,
zurückgehen. Der Kaffee ist umge^
schlagen — das Getreide.
umschmeifzen, umwerfen, st^ amfallen ;
auch bildlich. Der Wagen wirft um.
In der Rede^ im Gesänge umwerfen^
stecken bleiben. Wie ich denn im Fran-
zosischen manchmal urnschmeifze^ sogings
auch hier, Soph. R. I, 385. Im Ge-
schäft umschmeifzen^ Bankerott machen.
Gewann Thalei' auf Thaler und —
schmifz um. Soph. R. VI, 556.
Umstand, 9n., anderer^ zur Bezeich-
nung der Schwangerschaft. Sie ist in
andern Umständen.
umstechen, st.^ durch Stechen um-
wenden, das aufgespeicherte Getreide
mit Schaufeln umwerfen.
umstülpen, sw.y s. stUlpen.
umtrelben, gewöhnlich rumtreiben, pltd.
rttmdrtwe(n),romdrTwe(n),s^., sich, zweckv
los herumschlendern; in bösem Sinne:
vagabondieren. Gewöhnlicher: sich
herumtreiben. Denken sie mir doch dran^
dafz ich ihn frage^ wo er sich gestern
umgetrieben hat Soph. H. Hennig,
283.
Umtreiber, Umtrift, Rumtrift, pltd. Rom-
drttft, m., Herumtreiber; Yagabond.
Du heegsche (höhischer, von Höhe)
Romdr§ft^ du! Dorr, 1. Wiew., 10.
Hennig, 283.
umtrenty adv.^ beinahe, ungefähr. Es
ist umtrent sechs an der Uhr. HoU.
omtrenty ontrent. Hennig, 283. YgL
trent
Umtrift, m., s. Umtreiber.
umwerfen, st, s. umschmeifzen.
umzech, pltd. omzech, adj. u. adv,,
der Reihe nach, abwechselnd einer nach
dem andern, ümzech hüten. Wir wach-
ten (wachen bei dem Kranken, warten
seiner) umzech. Elwen kniept em om-
zech! Dorr, 1. Wiew., 122. 123. Auch
sollen die verordenten tentz{-) oder platz-
meyster die frawen vnd iungfrawen vmbt-
zecht vf zuziehen schuldig sein, Kleid.-
Ordg., 377. Gortzitza hat umzelgs.
Hennig, 283, schreibt umzechlg. Sper-
ber, 32, erklärt umzech als Zusammen-
setzung von um, und zechen^ im Kreise
herum trinken.
Unart, pltd. Onart (a=d), m,^ Mensch
ohne Art, ohne Anstand. Sie sind ein klei-
ner Unarty sagt das zudringlich zärt-
lich behandelte Mädchen, dem. derartige
Aufmerksamkeiten aber nicht unange-
nehm waren. Sei kein Unart! zum
Kinde. Vgl. Unband, Undocht Hennig,
283.
Unftsel, m., s. OnnAseL
unftsllch, adj,y s. onnOselig.
Unband, m.^ s. Onband.
unbändig, pltd. onbändig, cuij. u. adv.
1. ausgelassen, lustig, zügellos, unge-
zogen, aus Rand und Band. Es ist
ein unbändiger Junge, 2. sehr, sehr
viel. Er hat unbändig zu thun. In
diesemSinneauch: ausbUndig. Mielcke
n, 56 b.
unbebott, odf;., ungeladen, uneingela-
den, unberufen. Mühling. Vgl. ver-
botten.
unbegamsch, adj.^ ungeschickt, unbe-
holfen, tölpelhaft, unangemessen. Müh-
ling, der es von gehen ^ begehen her-
leiten möchte.
unbeholfen, ad).^ unbehilflich^ unfähig
sich selbst zu helfen. Ein korpulenter
Mensch ist unbeholfen. Hennig, 283.
unbeschrieen, adj. 1. untadelhaft, recht-
sch^en, lobenswert. Mühling. 2.
nicht zu verrufen. S. unverrufen.
422
und^ — unlieb.
undfig, adj, u. adv.^ Gegenteil von
deg (s. d.), untüchtig; krank, uopäfz-
lich. In der Saalfelder Gegend auch
substantivisch in allen Geschlechtern
Uncf^i^r, das Ungesunde. Hennig, 284,
hat undägsch.
Undererdschke, -firske, -hätschke,
-hütschke, n.y s. Untererdschke.
Underpigge, /., Unterjacke; vgl. Pigge.
Underschaschke, m,, s. Schasch.
undersfiken, m,, s. untersuchen.
Undocht, m, s. Ondocht.
Undram, m.. s. Udram.
unenglichy adj.^ verdrierzlich, unauf-
geräumt, mürrisch. Bock, 72. Hen-
nig, 284.
Unfall, pltd. Onfall, m. Se ös to On-
fall gekäme ^ sie ist schwanger. Sprw.
I, 69.
unflätig, pltd. onflätig, adj.^ von un-
gewöhnlicher Länge, Gröize, Stärke.
Ein unflätiger Kerl^ ein hochgewachse-
ner Mann. Ebenso in der Niederlaus.
Anton, 5, 9.
unfrAdsch, unfrOtsch, adj,^ dumm, un-
verständig, unklug. Ermland. Müh-
ling. Vgl. frOden.
ungattllch, adj,^ was nicht zusammen-
pal'zt, nicht von einer Gattung ist. J7n-
gattliche Handschuhe — Strumpfe —
Schuhe. Hennig, 284.
ungebacken, adj , roh, unmanierlich,
ungeschliffen, gemein; vom Menschen.
Ebenso ungehobelt, ungesalzen. Stein,
Peregrinus XII, 82: ungeschliffener^ un-
gebackenei\ ungesaltzcfter Kerl. W. Mtsbl.
V, 191.
unger, adt?., unter, drunter. Unger
an ewer^ drunter und drüber. Dzg. Nhg.
Viol^t, 105.
ungesalzen, adj., s. ungebacken.
Ungeschickt, m., aus ungeschickt per-
sonifiziert. Ungeschickt läfzt grüj'zen,
wenn jemand etwas fallen läfzt oder
ungeschickt ausführt.
ungeschmack, adj., schlecht schmek-
kend. Mein Vater ungeschmack, die
Mutter, so mich zeugt. Schmeckt allen
trefflich wohl. Carm. nupt I, 225.
ungewaschen, adj. 1. nicht gewaschen.
2. Ungewaschenes Zeug sprechen, zur Be-
zeichnung eines unklaren, unlogischen
Geschwätzes.
ungewiegt, adv., ohne Wiege, ohne
gewiegt zu werden. Ich werde heute
ungewiegt schlafen, ich werde vor Mü-
digkeit leicht einschlafen und so bald
nicht aufwachen.
Unglück, pltd. Onglttck, n. 1. das
Höchste, die Epilepsie. 2. ein krank-
licher, elender Mensch. Dat ös en wah-
ret Hüpke Onglöck, ein wahres Häuf-
chen Unglück.
ungut, pltd. ongOt, adj. u. adv., böse,
schlecht, übel. Niehts für ungut! als
Entschuldigung in dem Sinne: um Ver-
zeihung!
unkäsch,a£^'., krank, unpäf'zlich. Bock,
72.
Unke, /., Spinne. Müh ling, Tiem..
178.
unklar, pltd. onklar (a = a), ad}., un-
aufgeklärt, zweideutig. Die Sache* ist
unklar, in sich nicht richtig, nicht ehr-
lich geraeint. Hennig, 284.
Unland, pltd. Onland, n., unberührt
gebliebenes, unfruchtbares, schwer kul-
tivierbares Land. Mag sie (die sam-
ländische Ebene) nun Heide genannt
werden oder Palwe^ immer ist es das-
selbe t^nste, undankbare Land, dessen
Humv^äure nicht zu vertilgen^ das der
Landmann mit dem einen köstlichen
Namen y^Unland^ bezeichnet. Passarge,
Balt., 29.
unlieb, pltd. onl6f, adv., übel. Nehmt
Unlust — Untererdschken.
423
et nich/ör onleef, nehmt, deatet es nicht
übel Dorr, 1. Wiew., 12 f.
Unlust, pltd. Onlost, /. 1. Eiter in
Geschwüren und Wunden. Die Un-
lust mufz heraus. Auch Unzeug, pltd.
OntTg. 2. Unwohlsein, Krankheit über-
haupt. Die Hockzeit in dem Herbst ist
selten recht vergniigt^ Weil dessen Witte-
rung viel Unlust mit sich führet Carm.
nupt I, 243. Die (Braut) so Leid als
Unlust stillt. Ibid. II, 4c.
Unlust, m., Kehricht, Schmutz. Den
Unlust aus dem Hause schaffen. Bock,
72. Hennig, 284.
unmak, unmaklich, adj., unwohl, un-
behaglich, das Gegenteil von mak und
maklich.
unmanierlich, adj. u. adv.^ ohne Ma-
nieren. Sich unmanierlich aufführeny
Blähungen entlassen.
unnot, adj.^ unnötig, ungem.
UnOsel, Unftsel, Unnosel, Unnus(s)el, m.,
s. OnnCsel.
unnuselig etc., adj.y s. onnOselig.
unpaar, adj. u. adv,^ in ungerader
Zahl, ungleich. S. paar.
unpaarig, adj.^ nicht zu einem Paar
gehörig: unpaarige Strümpfe. Ebenso
in Estland. Sallmann, 131a.
Unrat, m. 1. allerlei schlechtes Haus-
gerät. 2. Uberflui'z in Speisen und
Getränken. Auf der Hochzeit herrschte
(war) ein reiner Unrat. 3. zur Be-
zeichnung der Unrichtigkeit einer Sache,
oder der Ahnung einer Ungebörigkeit,
eines bevorstehenden Übels. Sie safz
auf einer Bank vor der Thür und schien
Unratfi zu merken^ sobald sie mich kom-
Tnen sah. Soph. R. IV, 150. Dafz nic/U
ein Kluger unrathmerken sollte. Ibid.
V, 486. Hennig, 285.
unraumsch, adj., unau%eräumt Ma-
rold.
unrecht, adj.^ falsch, unrichtig. Etwas
in die unrechte Kehle bekommen, in die
Luftröhre. Es i&t ihr unrecht gegangen,
sie ist vor der Ehe schwanger gewor-
den. Stein, Peregrinus XIII, 48. W.
Mtsbl. VI, 157. In dieser Bedeutung
auch unrichtig. Hennig, 285.
unrilchtbar, adj., untadelhaft, von gu-
tem Ruf. Landesordg. von 1640. Müh-
ling.
Unruh, /. 1. Balancier der Uhr; auch
zur Bezeichnung eines unstäten Men-
schen, wilden Kindes. Er ist die Un-
ruh am Seger. 2. Pflzn., s. Mestel.
unses = unser. Ach du, kick (sieh),
da» is ja unses Hennche (Hühnchen)!
Saalfeld
unstUrig, adj., unruhig. Efi* schlaft
unstürig, er wirft sich im Schlaf von
einer Seite zur andern. Bock, 73.
Hennig, 285.
unterbodmen, sw., besohlen, einen
neuen Boden unter die Stiefel legen.
Sperber, 46.
Unterdach, n., Obdach. Marold.
Untererdschken, Unterfirsken, pltd. Un-
dererske(n), jp/ur. 1. die Unterirdischen,
Erdmännchen, Heinzelmännchen, Ko-
bolde, die unter der Erde, oder unter
dem Herde ihren Sitz haben. Bei den
alten Preufzen als Hausgötter gedacht
und gepflegt und Markopfiten, Marco-
peczei (Bock, 71, hat Marcopelen, der
preufz. Sammler II, 1243: Marop6ten
oder MaropOten), auch Koltki und Bar-
stucken genannt. Heute auch: Unter-
firdschen, Unterherdschken, Underfitschken,
Underhätschken, Underhtttschken. Btdem
fröere Kreger Hans ön Aleawange . . .
hadde sock de Underhördscfikes ange-
wennty ere Teppkes op e Herd to stelle.
Samland. Firmenich I^ 104a. Die
Untererdschken vertauschen gern ihre
Wechselbälge gegen neugeborene Kin-
der der Menschen, können dies aber
424
uDterfadsen — Unzucht.
nur, so lange die Kinder ungetauft sind.
Vgl Pisanski, Überbl., §5. 2. Bild-
lich: ein kleiner Mensch. Eir ist ein
ünderetschke,
unterfassen, pltd. underfate(n), sw.y
unter den Arm greifen, sich jemand in
den Arm hängen. B}r fa/zte sie unter^
er ergriff ihren Arm. Sie fa/zten sich
unter^ sie gingen Arm in Arm. Scherz-
weise auch unterhaken.
unterhollig, adf/., hohl. Muhling.
Unterkauf, m,^ Vorwegkauf, Ankauf
von Waren, auf welche bereits ein an-
derer Kaufmann Vorschüsse gemacht
hat. Zur Ordenszeit. Danzig. Hirsch,
167.
unterkütig, pltd. underktttig, adj.^ eiternd,
schwärend von innen heraus^ von einem
Geschwür unter der Haut. Die Wunde
ist unterkotig. Doch sind auch Torf-
wiesen und Moore unterkötig, wenn ihre
Kruste über Sumpf (Kot) steht. Nach
Schemionek, 41, morsch bei Eis-
und Landweg. Bildlich von einer Sache,
die bedenklich, nicht anständige ge-
heuer, die faul und schmutzig bestellt
ist. Hennig, 285.
unterkraufen, st, s. krauten.
unterkriegen, culv.y unterbekommen,
niederbekommen. Ek war den Tolpatsch
uingerkrien. Dorr, 1. Wicw., 49.
unterkrttig, adj., fraglich, gefahrlich.
Treichel.
unterh'egen, pltd. underligge(n) , st,
sterben, dem Tode erliegen. Er ist un-
terlegen, gestorben. Natangen.
Untermittag, m., Zeit während der
Mittagsarbeitspause. Treichel.
unternäsig, unternasig, adj., die Nase
herabhängen lassend ^ krank, mutlos.
Evne7i unternäsig machen, ihn in Furcht
jagen, mutlos machen. Im £rmlande
ungana'sig. Hennig, 285.
Unteroffizier, m., Frau, Gattin; als
ScherzbezeichnuDg. Mein UnteroffiziBt
ist mit.
unterschlächtig, adj\, s. UberschBcMii,
untersetzt, adj,, klein von Wachs. jESm
untersetzter Mann.
Unterspann, n , der vierte Teil eines
Tagewerks. Man unterscheidet: ersta
und zweites ünterspann^ am Vormittage,
drittes und viertes Unterspann am Nach-
mittage und Abend. Hennig, 285.
untersuchen, pltd. under-, ungersekeCn),
sw., besuchen, ündersek mt doch e mal
Samland. Herr Marizio . . . tcad wol
nascht dawedder hehben, wenn tct encf
en Glas Win unjgerseken. Elbinger
Höhe. N. Pr. Prov.-Bl. a. F. IX, 241.
Firmenich III, 493a.
Unterwart, m., s. Wart
Untier, pltd. Ondfir, Ondftrt, n, Woi£
£rmland. ^Man soll den Wolf nicht
beim Namen nennen, sonst kommt er*",
sagt das Sprichwort, daher nennt man
ihn Untier. Vgl. Mühling, Tiem.,
178. Ek war ju en Ondeert wiesen.
Dorr, 1. Wiew., 64.
unUbel, pltd. onäwel, adj/., Qbel, weh.
Mir ist so unübely ich verspure Neigung
zum Erbrechen.
unverrufen, pltd. onverrOpe(n), st., als
dem Zauber wehrendes Wort. Lobt
man ein Kind, so hat man zu sagen:
es ist unverrufen gesund, starke grofz etc.
Unterbleibt dies, so murmelt oder denkt
die besorgte Mutter: Unverrufen, Knob-
lauch, gestern war es besser! Oder: Un-
verrufen, Knoblauch, Zwiebeln und Mohr-
rüben. Gedanism. Über das Verrufen
s. Bexspr., 3 ff. Vgl. unbeschrieen.
unverzogen Recht, n., s. Recht.
Unwetter, pltd. Onwedder. 1. sehr
schlechtes Wetter. 2. Gewitter. Da-
von Unwettern, pltd. onweddem.
Unzeug, n., s. Unlust
Unzucht, m., das verhochd. Undocht
Ur — Utschek.
425
Du bist ein Unzucht. Auch: Ungezo-
genheit. Se beschweade seck äwa solk
üontuachL Natangen. Firmenicb I,
110 a. Vgl. Ondocht
Ur, m., s. Eisensand.
Uren, m. jud. Vorn., s. Aarndt
urgend, adv., s. urschend.
Urinar, 7n., Brandstifter, Mordbrenner.
In dem Zeugenverhör über die 1331
von dem Ordensheere in Polen ver-
übten Gewaltthätigkeiten (Script rer.
Pruss. 11, 728) heiizt es : Quidam cru-
cifer presbyter prapria manu incendebat
domus et ponebat ignem in eis in Pisdr
(Stadt Peisern), dictus Jacobus^ et ex-
tunc vocatus est per omnes Vrinar,
quod dicitur latine incendiarius, Nsslm.,
Th., 22 J, weist auf das lat. urere^ ver-
brennen, hin, woran ürinar stark an-
klingt. Hoffheinz, Forsch. 3. (Altpr.
M. VIII, 691) giebt dem Worte eine
ganz andere Deutung; er sagt: „urinar
wahrscheinlich aus dem hebr. W =
iffnis^ incendium, £s scheint dieses
Wort im mittelalterlichen Latein eine
Rolle gespielt zu haben. In der von
Tempelherren gegründeten Uauptkirche
zu Hannover findet man unter der Or-
gel eine Tafel mit folgender Inschrift:
Turris principium tria CCC nume-
rant L et aevum
Gratia romana fuit et pestis tinduanna
Funera flens polis luiec tria millia
7nensibus in sex
Tunc Stimulus Stoicos fuit VR tor--
quens et Bebraeos.
Das VR ist hier Feuer, Scheiterhaufen
(Verfolgung der Templer und Juden,
welche verbrannt wurden), und es ist
etwas Mystisches im Gebrauch dieses
grofz geschriebenen Bibelwortes. Bei
Vrinar ist auch der grofze Anfangs-
buchstabe aufiTallend. Wahrscheinlich
fallt beides in eine Zeit. Es ist nicht
zu vergessen, dafz auch der Plural
'urtm gebraucht wird.*
urschend y adv. 1. exprel'z^ eigens,
besonders, einzig um deswillen. Weü
mein Mann Fleisch essen wollfy mujzi
ich urschend zur Stadt laufen. Eck st
urschend dato hergekämen. Auf der Dzg.
Nhg. urgend. Yiol^t, 105. Sonst auch
urschends. 2. sofort, unverzüglich, so-
gleich. Du geist urschend in de Stadt!
Ehr werdt es wschent heere^ ihr werdet
es sofort, sogleich hören. Schaltj. 1,
440. Oberland. Werder. Elbing. 3.
irgend, urscliend ener^ irgend einer.
Denn w§Wk er frien^ wenn dat urschend
vemonftig §s. Dorr, 1. Wiew., 13. Ek
kri darbi so leicht Striety as urschend
eener. Ibid., 16. Vgl. umlangs,
-USChke, -USChe, Endung, welche eine
Verkleinerung ausdruckt: Mutteruschke^
MutteruschCy Kleinuschkey kleinusches
Kind. Diese Deminutiv -Silben sind
wohl aus dem poln. ös und ösia en^
standen; vgl. jedoch auch nutsch.
UfzbaddoSy plur.^ kleinere Pfahle im
Lachswehr. Lit. Be necke, 381.
Ufzgirren, Ort^n., Dorf im Kirchspiel
Friedrichs walde, Kreis PiUkallen^ im
Volksmunde Ganderkemen Storchdorf:
Lit. gandras der Storch.
Uterspann, n., Gespann^ welches die
arbeitenden Pferde ausspannt, ablöst.
Uterspann bringen^ neue Pferde bringen.
Beim Pfluge arbeitet das Viergespann
immer nur vier Stunden. Die Redens-
art wird aber auch figurUch gebraucht.
Niederung. Passarge, 221.
Utkick ( 27 = ti)y m.y Altan ; der Aus-
kuck, Platz, von dem man auskuckt,
Aussicht hat. Dzg. Nehrg. Violet,
105.
Utfichek, m., ein Reifzaus. Von dem
poln. u^ciekac entiliehen, davon laufen.
Flatow. Schmitt, 109; Westpr., 168.
426
üzen — ver-.
Ozeriy 8w,, necken, verhöhnen, vexie-
ren, zum besten haben, foppen. Ebenso
in Bayern, Hessen etc. Schmellerl,
134. Vilmar, 428. Nach Weigand
II, 983, aus dem gaunerischen aod ur-
sprünglich jüd. vze, aus hebr. uz enge
sein, einen drangen.
V.
V, hchd. mit /gleichklingender Laut,
virird pltd. in- und auslautend sanft
gleich w gesprochen, anlautend stets
wie /: Polwer Pulver, brawer braver,
Vader Vater. Lehmann, Volksmnd.,
30.
Vadder, Vader, m. 1. Gevatter. To
Vadder stan^ zu Gevatter stehen. Ge-
genstande, die man in Versatz gegeben,
stehen auch Vadder. Hennig, 286.
Angs. cumpaeder = compater, mnd. vad-
dere^ schwed. fadder^ nds. vadder. Brem.
Wb.I,330. Schamb.,255a. 2. freund-
schaftliche Benennung jeder männlichen
Person. Goden Dag, Vadder^ wt geit
et? Ei^ Vader Jost, dat ös endSnt
Seelenw., 85.
Vadderbriefy m,, Gevatterbrief, Ein-
ladungsbillet zum Patenstande.
Vadderkosen, n., Geplauder über gleich-
gültige Dinge, „wie gemeine Weiber
bei Kindtaufen in der Wochenstube zu
thun pflegen." Hennig, 286.
Vadderschaft, /., Gevatterschaft. Daf
Kind 08 doty de Vaddei'schaft lieft e Ena
— liggt öm Dreck. Sprw. I, 1991.
Vaddersche, /', Gevatterin; auch Ge-
vaddersche, Göde Morge, tiHtste Ge-
vadderscfie^ w% geit etf Kgsbg. Fir-
menich I, 101a.
vader, Vader (a = ^), Dem. Vdderke,
m. 1. Vater. Das kann Vater und Sohn
essen^ zur Bezeichnung eines guten Ge-
richtes. 2. Anrede des Gesindes an
den Hausvater; auch, veredelter, VAder;
sonst noch Herzväder^ Hartoäder^ Han-
vader. Diese Anreden sind vielfach
schon durch das gens Herrkey gnädiges
Herrchen, verdrängt. Vgl. Moder.
Vagäs, m., s. Fagäs.
Vagotze, /., Fotze, cunnus. Kr. Neu-
stadt.
vanfir, adv.^ wann. Fots oder vaner^
sofort oder wann? Oberland. Vgl.
fCrts u. wennfir.
värfots, färfots, verfautsch, adv., sofort,
ohne weiteres. Nomm man vdr/ots freg,
nimm von vorne herein, gleich vor der
Hand weg.
Värlfiw, /., s. Vorlaube.
Värschoft, /, s. Schott
Vaterche(n), n., Väterchen ; s. Mutte^
che(n).
Vatsch (o = a), VOtsch, w., Vater, Vä-
terchen. De Lott säd: Vätschy den ioell
öck nick! Volksl., 19, 10, 8.
Vedder, m., Vater. Anrede Unver-
heirateter an Verheiratete. Oberland.
Vgl. Medder.
Veigel. Vogel, m. jüd. Vom. Flatow.
Schmitt, 115.
Veit, Vorname; Teufel. Bruder Veit
nimt es weg. Stein, Peregrinus VIII,
32. W^ Mtsbl. V, 142.
VejOle, /., Pflzn., W^aldanemone, Ane-
mone silvesti'is L,
ver-, Vorsilbe in der Bedeutung fort,
weg, hin, verloren; daher auch als Ad-
verb: Das ganze Spiel ist ver (zu er-
gänzen: loren). ver tritt jedoch auch
veraasen — verbeutein.
427
als er auf: verhitzen^ verkäUeriy vermü"
den^ verachrecken, verspüren^ vertränken,
verzählen etc, statt erhitzen etc.
veraasen, sw,^ s. aasen,
veraffenthalen f zweites a=ä)^ sw,
einholen, erreichen. He ward em schon
veraffenthalen. Pregelniederung.
verallmachten, sw., in Unordnung brin-
gen, veraasen. Die Betten verallmachr
ten^ was Kinder thun, die im Bette
sich balgen.
veiiLndem, 8tr., sich^ sich verheiraten,
den Zustand der Ehelosigkeit ändern.
So wiltu^ mein Jonathan^ jetzt dich ver-
ändern? So tvillttu erwählen die EKf
Cai^m. nupt. III, 189 a. In Hessen sich
verändern, andern. Vilmar, 11. Hen-
nig, 286.
verankern, sw., Balken und Maaem
mittels eines Ankers fest zusammen-
fügen. Vgl. Anker.
verarbeiten, sw., einem eine d^rbe
Lektion geben mit Worten oder mit
der Faust. Der Geistliche hat ihn ver-
arbeitet., ernstlich und nachdrucklich
vermahnt. Hennig, 286. Den haben
sie gut verarbeitet, von dem, der nach
einer Prügelei Beulen und Wunden im
Gesichte trägt.
veräschern, sw., sich, mit Anstren-
gung, aber ohne Erfolg arbeiten, sich
unnötige Muhe geben, sich atemlos
laufen oder arbeiten. Nu liebb öck mt
so veräschert on os doch nuscht drut ge-
worde. Vgl. abäschem.
verbaggem, »w., zusammenbacken oder
zusammenkleben; eigentlich verbackem.
Haare, welche lange nicht gekämmt
sind, verbaggem; der Weichselzopf ist
verbaggertes Haar. Schadhafte Wände,
welche nur oberflächlich ausgebessert
wurden, sind nur etwas verbaggert oder
zusammengebaggert Bock, 73. Hen-
nig, 286.
verbauen, su?., den Ballen des Ful'zes
beschädigen^ drücken, dalz ein Hinken
eintritt; von Pferden. Das Pferd ver-
baut sich auf hartem Boden, indem der
gedrückte oder beschädigte Ballen sich
entzündet und anschwillt. Friediand
Ostpr.
verballern,8K7. l.zerschlagen, und zwar
im Gesicht. Dem haben sie die Augen
verballert, blau geschlagen. Der ist gut
verballert, im Gesicht zerschlagen und
zerschunden. 2. schwängern. Sie ist
verbaUert vxyrden. Vgl. verarbeiten.
verbammeln, verbummeln, sw.^ durch
unordentliches Wesen verlieren, durch-
bringen. Für Estland bei S allmann,
105 a.
verbasein, siw., «verwahrlosen. Sche-
mion ek, 41. Vgl. verwessein.
verbei, adv., vorbei. Et ist verbei mit
ihm, er mufz sterben.
verbeifzen, pltd. verbTte(n), st. 1. einen
Imbü'z nehmen, eine kleine Neben-
mahlzeit geniefzen. Wt wolle e betke
verbtte. Veibeifs^ ein Bi/zchen! zum
Gaste, dem man einen Imbil'z vorsetzt.
Es gab Brot und Heringe zum Ver-
beifzen, sonst aber keine Speisen. E.
Wiehert, Heinrich v. Plauen 1, 109.
2. unterdrücken. Den Schmerz — Ver-
drufz verbeifzen y nicht merken lassen;
ein hartes Wort, das man aussprechen
wollte, zurückhalten. Bock, 73. Hen-
nig, 286. 3. reflexiv: in Streit, Un-
einigkeit, geraten, sich in Worten über-
werfen, nach Mühling auch ver-
beifzem.
Verbesserung, /., Benennung derjeni-
gen Kapitalien, welche nach dem Pfen-
nigzins auf ein Grundstück geliehen
wurden und welche zur zweiten und
folgenden Stelle standen. Dzg. W.
Seidel, 35.
verbeuteln, su;., durch Unachtsamkeit
428
verbiegen — verbüffeln.
verlieren, nicht aasschliefzlich vom
Gelde. Vgl verbuttern,
verbiegen, st. s. verbohren.
verbieten, st 1. ein Kinderspiel, na-
mentlich Greifchen, durch den Ruf:
Ich verbiet^! aufheben. Gewöhnlich als
letzte Rettung, wenn der Greifende ge-
fährlich nahe ist. Vgl. rein ab! unter
rein. 2. Einem den Mund verbieten^
ihm das Reden verbieten, Schweigen
auferlegen.
verblstem, sw.^ s. bistem.
Verblasen, st,^ sich^ in gewöhnlicher
Sprache sich verpusten^ verschnaufen,
durch Ruhe wieder gleichmaizigen Atem
gewinnen. Er kam^ oder vielmehr sein
Wanst kam vor ihm^ ins Zimmer . . .
Er verbUes sich^ zündete sich eine Pfeife
an etc, Soph. R.. VI, 31. Nach Ma-
rold sich Verblasen^ gewöhnlich scherz-
haft verblosen (o kurz), sich unmöglich
machen.
verbiecken, sw., s. blecken,
verbochten, sw.y s. bochten.
verbohren, sw.^ falsch bohren, durch
Bohren etwas verderben. Bildlich: Ef*
ist verbohrt, er ist nicht recht bei Sin-
nen. Derb und vielleicht studentisch:
IlA* ist im Arsch verbohrt, er handelt
verdreht, unsinnig. In diesem Sinne
auch: er ist im A, verbogen,
verbolgen, sw., böse machen, erzürnen.
Muhling.
verbollärschen, sw., sich, sich bei
mühevoller Arbeit abquälen. S. boll-
ärschen.
verbollwerken, sw.^ verhauen. Tr ei-
ch el.
verbolzen, sw., s. bolzen.
verbümen, sw,, anfaulen, verstecken.
Nur von vegetabilischen Körpern ge-
braucht. Muhling.
verbotten, sw.y verboten, durch Boten
vorfordem, vorladen, entbieten, citie-
ren. Der damit Beauftragte heiJzt Vtf*
botter. Man findet VerboUer nur noch
bei den Gewerken, und ist dies ge-
wöhnlich ein Junggeselle resp. Jung-
meister. Do aber Dusingk vorbatet ist
worden zur Morgensprack, Die Zünfte,
27. Auch bebotten. Vortmehr wemnSi
AdlerUüte die Companey bebotten. Der
(Königsberger) Fischer Rolle. Be-
necke, 288. nennig, 287.
verbrämen, «tr., s. brämeffL
verbrechen, st^ sich, durch Heboi
schwerer Lasten sich verrenken, ver-
heben, einen Bruch erleiden. Sperber,
32.
verbrennt, adj. n. ado.^ von brennet^
entbrannt, sehr begierig sein. Er ist
une verbrennt aufs Kartenspiel^ erpicht
darauf. Hennig, 337. Nach Muh-
ling nichtswürdig, gottlos, dorcfatrie-
ben. (?).
vQrbruddeln, verbrQdeln, s/w. \. dorch
Ungeschick verderben, verpfuschen, zu
schlechtem Ende führen. Schemio-
nek, 42. Nach Treichel aach ve^
brudem. Da» Spiel ist verbrudert. 2.
sein Geld verthun. Vgl. prfldeln und
pruddeln.
verbrühen, pltd. verbrege(n), str., s.
brllhen.
verbubanzen, sw., schwängern. Sie
ist verbubanzty geschwängert. Sprw. I,
69. Nach Treichel im Kr. Neustadt
auch überhaupt: etwas in Unordnung
bringen.
verbuddeln, sw., verlegen, durch Un-
ordnimg abhanden kommen lassen.
Muhling. Nach Sperber, 45, ver-
graben, verbummeln, verderben. Vgl
buddeln,
verbüffeln, verpuff ein, verpSflfeln, w.,
zum BüJflfel, Tölpel, werden, verbauern,
rohe Manieren aünebmen. Bock 73.
Hennig, 287. Schemionek, 43.
verbumfeien — Verdung.
429
verbumfeien, sw., s. verfumfeien.
verbumndeln, sw,^ schwängern. Sie
ist verbumfidelt Aach: verfumfldeln,
verfomfideln u. verfomfädeln. Friedland
Ostpr.
verbummeln, m., s. verbammeln.
verbürgen, verbürgen, sw. verbürget
oder verbürget nehmen: fest halten und
nur gegen gestellte Bürgschaft vorläufig
frei lassen. Die Eiter- und Gertleute
sollen den hof tmd Gai*ten aksbalde
schliessen vnd solche vnrtihige leute vnd
verbrechere verbürget nehmen^ auf dass
sie femer in gebührliche strafe genomr-
men werden. Abschied der Morgspr.
im Kneiphof v. J. 1608. Die Zünfte,
26. Do aber Jorge sost des anderen ta-
ges dy beyden hot wollen vorburgt nemen
vnd vor den alterman varbothen lassen^
haben sie keine Bürge setzen toollen.
Eoni^uItuIn aus 1531. Ibid., 27.
verbuttern, sw, 1 . durch unordentliche
Wirtschaft, unordentliches Wesen ver-
lieren, einbülzen. Er hat alles verbut-
tert. Den Verlust in beschränkterm
Sinne drückt einbuttern aas. Vgl. ein-
buddeln. 2. verkümmern, versiechen,
elend werden. Mühling. Treichel.
verdäbbeln, verdebbeln, sw., durch-
bringen, verschwenden. Hennig, 287,
schreibt verdöbbeln, S. däbbeln.
verdämmern, «tr., durch Dämmern,
Lärmen, Geräusch betäuben. Mir ist
der Kopf ganz verdämmert^ benommen,
mir ist ganz wüst im Eop^ auch wenn
dieser Zustand von Dunst, Schnupfen
etc. herrührt. Hennig, 287, schreibt
verdömem und verdommem^ Bock, 74,
verdrömmem.
Verdarf, w., Verderb, Verderben, Un-
glück. Dat ÖS Sfn Verdarf HoU. ver-
darf schwed. f Order f
verdebbeln, sw., s. verdäbbeln.
Verdeck, n. , schützendes Lederdach
über elegante Wagen und Schlitten:
Verdeckwagen^ -schütten. Für Liv- und
Estland bei Hupel, 246.
verdeffendieren, verdiffendieren,8f/7., sich,
sich verantworten, verteidigen, aus dem
lat. defendere. Da hebb ock stracks mt
opgemäkt^ Om hier vor disem hochweise
Rat . . . Dem Adebar to verdeßendere.
Aus einer Verteidigungsrede für den
Storch in der Sitzung des Tierschutz-
vereins zu Kgsbg. am 4. Mai 1877.
Kommunalblatt 1877, No. 105. Ver-
difendder dich man noch! Sperber,
45: verdeffentieren; ebenso in Posen.
Bernd, 374.
verdAden, vertoten, sir., absterben, ein-
schlafen. Das Bein ist mir verdSt
verdoktern, sw., Geld für Arzt und
Medizin ausgeben. Er hat einen Hau-
fen Geld verdoktert^ Arzt und Apothe-
ker haben ihm bedeutendes Geld ge-
kostet. Vgl. doktern.
verdttmem, verdämmern, si^., s. ver-
dämmern.
verdonnern, sw. 1. verurteilen. Er
ist zu drei Jahren 2kichthaus verdonnert,
2. adj. u. adv. als Verstärkung: Das
ist verdonnert teuer. Ein^ verdonnerter
Kerl. Mühling. Letzteres auch in
Posen. Bernd, 334. In Estland auch
ausschimpfen. Sallmann, 105b.
verdrellen, 8to., verdrehen. Den Schlüs-
sel verdrellen. Sich den Fu/z verdreUen.
De Mensche (werden) van Joa ze J6a
vadreüta on gätüosa. Ermland. Fir-
menich HI, 104b. Davon, nach Trei-
chel, verdrellig, adj.y verdreht.
verdrVmmem, sw.^ s. verdämmern.
Verdrufz, m.^ Buckel. Er hat (trägt)
einen kleinen Verdrufz.
verduften, sw.^ verschwinden.
Verdung, Verdungs, m., Akkord; von
verdingen. Arbeiten icie auf Verdungs.
Memel.
430
▼erdu8cfaeln — verfiiinfeien.
verdttfehebi, verduseln, mc.^ verwirrt,
Terdreht sein oder werden. Mühliog.
S. dvseln,
verdQstem, sw ,TerdaDkelD, verfinstern.
Muhling.
verdwfts, o^ft?., qaer. Treichel. Vgl.
dwarsch.
verdwftr, adv., s. verquer.
verehren, sw. Einem etwas verehren^
ihm eine Ohrfeige geben, überhaupt:
ihn schlagen. Dan. faraere.
verewigen, sw.^ sich^ aof Reisen, Fahr-
ten, Spaziergängen seinen Namen auf
Wände, Tische, Stangen etc. schreiben.
Schuler verewigen sich dadurch, dafz
sie ihre Namen in die Schultische ein-
schneiden.
verfahren, «tr., sich, lügen, sich durch
Unwahrheit in der Rede festfahren.
verfassen, plid. verfate(n), sw., sich,
sich fassen, sammeln, zusammennehmen.
öck stell mt nü so recht, an verfdt mt,
an zieP an zieV mödden an de ScMw
henen. Pommerellen.
verfautsch, ado., s. värfofs.
verfSren, sw.^ s. verfeuern.
verfeuern, pltd. verfUren, verfTren, ver-
fSren, verfOren, in Pommerellen auch
verfOrden, «tr., sich, vor Schreck oder
Scham erröten, sich verfärben; kurz:
erschrecken. Sie verftrt sich an sagt
nuscht. Schal tj. 3, 7. Daräwer mott
he sik gewaltig verfeehren. — Wenn he
sik uk nich verfeehrt, gehuigt ward he
doch etc Dorr, 1. Wiew., 118. Da
flogen de Rapfianer op, an öck verfard'
ml so, dat öck ganz bedämelt stund.
Die pltd. Form ist fast ausschlielzlich
im Gebranch Aufzcr 2i\ii Feuer dürfte
für die Abstammung auf das ahd. fü-
ren, fürchten, hinzuweisen sein. Hen-
nig, 287. Sperber, 32.
verfinstern, sw., s. finstern.
verfinzein, 9w., s.
verfipsen, sw., s. fi|»en.
verfiren, sw., s. verfeaern.
verflogen, pari, von verfliegen. Nach
Mühling: verflogenerwei»e etwas £jbm,
auf verstohlene, listige Weise.
verfofflfSdeln, -ftdeln, str , s
ftdein.
verfttrdem, verfBren,
verfressen, st. 1. verprassen dorch
Fressen und Saufen. Er hat alles ver-
fressen. 2. verfressen sein, stark, viel
essen.
verfrieren, st, erfrieren. Da abdoam
die Ackersleute sich befürchtet, das die
Blühte vom Schnee würde verfriereiL
Linem., Ccc2a. Particip der Verg.
= frostig. Ein verframer Mensch, ein
solcher, der keine Kälte zu ertragen
vermag. Du bist ja ganz verfroren,
verfuchsschwänzen , aw., verleamdeo.
Sie haben ihn gut verfucksschwdmt, arg
verleumdet. Das Verbum fuchssckwan-
zen ist hervorgegangen aus der alten
Redensart: Einem den Fuchsschwanz
streichen, eigentlich: Einen mit dem
Fuchsschwanz streichen, d. i. ihm eine
^vohlthuende Empfindung machen,
schmeicheln, zu Gefallen reden. Wei-
gand I, 501 f.
verfucicem, sw., Brot oder Braten un-
gleichmälzig schneiden. TreicheL
verfumfeien, sw., verpfuschen, verder-
ben, verhunzen. Die Sache ist ver/um-
feit, unrecht angefangen, schlecht fort-
geführt, so dalz sie schwer oder gar
nicht mehr in Ordnung zu bringen ist.
Hennig, 287. Bei Schemionek, 42,
verbumfeien, ebenso in Estland. Sall-
mann, 42b. 105a. In Hessen verfum-
feien, verbornheisen u. veipopeizen. Vil-
mar, 111. 47. 305. Vgl. Weigand
11, 91)2. Im ßrem. Wb. I, 467, ver-
verfumfideln — verhageln.
431
fumfeien bei Tanz und Musik vertän-
deln; wollüstig verschwenden; durch
Unbedachtsamkeit um etwas kommen.
verfumfTdeln, sw.^ s. verbumftdeln.
verfuntscheln, verfunzeln, verfinzeln, m.,
zu klein, zu kurz machen, verschnei-
den. Das Kleid ist verfuntschelt etc.
Treichel. Üblicher ist verfipsen, S.
fipsen.
verfUren, «u?., sich^ s. verfeuern.
Vergftderung, /., kirchliche Versamm-
lung der Mennoniten in den Werdern.
Und demnach tat es auch gescheiten^
da/z sie (die Mennoniten) nicht allein
in Dantzig und Marjenburg^ sondern
auch in den Werdern ihre freye Verga-
derung oder Versammlung jetzo haben.
Hart wich, 279. S. auch 290 u. f.
Von dem hoU. vergaderen versammeln.
vergaloppieren, sw.^ sich, sich in der
Rede vergessen; etwas sagen, was man
eigentlich verschweigen wollte; über-
haupt sich versehen, irren.
vergattern, sw.y vergittern, etwas mit
einem Gatter einschliei'zen. Hennig,
288. Vgl. Gadder.
vergeben, pltd. verg6we(n), st 1. etwas
Falsches, Unrichtiges statt des Richti-
gen geben. 2. vergiften. Er machte
ihn mit einem Löffel Wasser vergeben^
so hal'zt er ihn. Dat schmeckt Katt on
Hund to vergewe. Sprw. I, 3352. 3.
übertragen^ verleihen, an jemand geben.
Die Stelle ist bereits vergeben.
vergehen, st 1. ergehen. Sich etwas
vergehen^ sock e bitke vergäne^ der Ge-
sundheit halber sich Bewegung machen.
2. durch Gehen etwas los werden, be-
seitigen. Sich die Grillen vergehen,
vergessen, pltd. verg6te(n), st In den
Tod etwas vergessen^ gar nicht daran
denken. Vergi/z dein Wort nicht! wenn
man die Rede eines andern unterbricht.
Sich vergasen^ sich unmanierlich auf-
führen, pedere.
vergischen, sw.^ s. gischen.
verglären, sw., verglühen, allmählich
in der Glut ersterben. Die Kohlen ver-
gldren. Nach Hennig, 337, dem glä-
ren = glühen, fehlt; nds. glaren glühen
wie Kohlen, ohne Flamme. Brem. Wb.
n, 515.
vergniddern, »w. Er ist vergniddert
und vergnatzt, griesgramig. Treichel.
S. gniddern.
vergnurren, str., sich, sich erzürnen,
knurrend schelten. Treichel. S. gnor-
ren.
vergolden, sw. Du kannst deine Hände
vergolden lassen! zum Ungeschickten.
Lat di doch vergolden on ent Glasschaff
setten! zum Arbeitsscheuen, Zimperlichen.
Elbinger Ndrg.
vergreifen, st 1. einen falschen Griff
thun. Sich die Hand vergreifen y eine
Muskel der Hand verrenken. 2. re-
flexiv: eine Respektsperson angreifen.
Er hat sich an seiner Mutter vergriffen.
vergretzen, sw., s. gretzen. Aulzer
der dort angegebenen Bedeutung auch:
sich vergretzen, sich durch Zank ver-
feinden, einärgern, das Leben verbittern.
Schemionek, 42.
verhabbern, verhappem, sw., s. hab-
bern.
verhackstecken, sw., verabreden. He
heft wat to verhcuikstecken. Tiegenhof.
verhäddem, sw,, s. häddem, heddem.
verhftden, verhftten, vahftte (joi=^a), sw.,
verzehren, verbrauchen. Du kannst de
Kartoffle nich verhdte, nicht in deiner
Haushaltung verbrauchen. Mühling
hat nur verhftden und erklärt: zu sich
nehmen, verdauen, beherbergen kön-
nen,
verhageln, sw. Das ist ein verhagelt
432
verhappern — Verkaotemng.
Stuck Arbeit, ein schwieriges, verzwei-
feltes Stuck Arbeit. MühÜDg.
verbappem, sw., s. y. a. verhabbem.
verhaspeln y sw. 1. mit einer Haspe
verschlietzen Hennig, 288. 2. den
Faden falsch auf die Haspel winden;
daher bildlich: den Faden der Rede
Terlieren, sich in der Rede verwickeln,
konfus sprechen. 3. sich verhaspeln^
sich entzweien, erzürnen. Sie haben
sich verhaspelt.
verbaten (a-^ä), sw., s. verbftden.
verhauen, sw. Er hat ein verhauenes
Maul — eine verhauene Schnauze., ist
frech, beil'zig, rücksichtslos im Reden.
Hennig, 288.
verheddern, sw, s. heddem.
verheuern, <tr., vermieten, s. heuern.
verhitzen, sw.., erhitzen. Sich ver-
hitzen. Verhiben, n., Pferdekrankheit,
erzengt durch Erkältung nach voran-
gegangenem Erhitzen. Mühling.
verholen, sw , sich^ sich erholen, aus-
ruhen, Luft schöpfen. Lafz die Pferde
sich ein bifzchen verholen!
Verholgeld, n., Abgabe,* welche ein
Schiff entrichten mufz, wenn es seinen
Ort im Hafen mit einem andern ver-
tauscht, sei es freiwiJL'g, sei es auf Be-
fehl der Behörde. Pr. Prov.-Bl. XVH,
49.
verholzen, sw,, tüchtig durchprügeln.
Sie haben ihn gut verholzt.
VerhOr, n , auf dem Lande Benennung
des Konfirmations-Unterrichtes. Danzig.
W. Seidel, 35.
verhucken, sw,^ sich., versitzen, zu an-
haltend sitzen, sich steif und müde
sitzen. Ock hebb mi ganz verhuckt
Vgl. hucken.
verbuddeln, verhQdeln, sw., Zeit ver-
trödeln. Vgl. huddeln.
verhundflsen, pltd. verhungflsen, .>m,
eine Sache verderben, durch Nachlässig-
keit za schänden, nnbraochbar machwi,
sie gleichsam anf den Hand bringCB,
zum Hnndaase machen. In gleichem
Sinne verhunzen.
verbutzeln, sw,y s. hutzeln.
verTfem, sw., vereifem. JSr ist drauj
sehr vert/ert.
verjachem, sw., sich^ sich durch Um-
herlaufen erhitzen; s. jacbern.
Verjähr, n., s. Vorjahr.
verjappen, sw. Er sieht verjappt am,
von einem Menschen, der von grofzer
Anstrengung abmagert und elend wird.
Mühling.
verjttscben, sw., s. gischeru
verjuchen, verjucheln, sto., nach Tr ei-
ch el auch verjucken u. verjuppen, leicht-
siünig das Seine durchbringen. In Est-
land t?^r^Ä:^m. Sallmann, 106a. S.
juch.
verjüngen, sw,, sich. Junge werfen;
bei Katzen und Hunden. Schemio-
nek, 42.
verkabbeln, sw., sich, sich entzweien,
s. kabbeln.
verkacheln, sw,, schwängern, s. ka-
cheln.
vertäHen, pltd. verkille(n), verkDIIen,
sw., sich, sich erkälten. Davon Ver-
kältung, pltd. Verkillung, VerkUllung, /.,
Erkältung. Zu sehr erhitzt kam er nach
Haus, Verkdltung folgte drauf. Aus
einer Grabschrift auf dem Kirchhofe
zu Angerburg. Vgl. killen.
verkantem, sw., von kantem (s. d.).
Vgl. auch das folg.
Verkanterung, /., Veränderung, Wand-
lung. Vgl. kentern. Auf gleiche Art
zeigete er (der Mond) durch solche
Scheins Veränderung die andere helft
seines Laufs, und solches that er Jähr-
lich 12 bis 13 mahl, woraufz nothwen-
digst eine sehr ordentliche verkanterung
in dem Lauff des Himmels . . . konnte
verkäschern — Terknüsen.
433
geschlossen werden. Linem., 6g 3a.
In Danzig Verkanterung froher die Ver-
tauschang der Amter und Fanktionen,
welche die Mitglieder der drei Ord-
nungen jährlich vornahmen. Davon
verkantern. E 1 e i n II, 213.
verkäschern, sw,, mit einem Koscher
jagen, durch käschem vertreiben, daher
überhaupt verjagen, vertreiben.
Verkehr, m.^ s. verkehren.
verkehren, sw,^ Umgang haben, Ka-
meradschaft unterhalten. In einem.
Hatise verkehren^ als Hausfreund aus-
nnd eingehen. Ich verkehre nicht mehr
mit ihm^ ich habe meinen Umgang mit
ihm abgebrochen. In diesem Sinne
Verkehr, m., nach Hennig, 338^ n. Er
hält starkes Verkehr^ bei ihm ist starke
' Verkehr^ er liebt Umgang und Gesell-
schaft, oder er hat als Geschäftsmann
zahlreiche Kundschaft.
verkeilen, sw.^ sich^ sich verlieben. Er
hat sich in sie verkeilt Die andern Be-
deutungen s. ujiter keilen.
verkicken, sw. 1. versehen, sich durch
Sehen, namentlich in der Dämmerung,
die Äugen verderben. Ve^^kick dir man
noch die Äugen! Ygl. kicken. 2. sich
verlieben. Hei heft sock on er verkickt;
auch hchd.
verkille(n), sw,^ s. verkälten.
verkiicheln, sw.^ s. kiicheln.
verkttem, sw,j s. kttem.
verklftmen, sw., erstarren vor Kälte
oder Nässe, namentlich an Händen und
Füfzen. Ich bin ganz verkldmt Mi
sönd de Fingre verklamt^ vor Kälte
steif, ungelenk geworden. Ei* ist ver-
kldmt wie ein Schneider, Sprw. I, 3371.
Worau;s denn folget^ dafz die Kälte an
die Fäuste der Fischerknecht gelangen
kan^ und also dieselben erstarrend und
verklamend machet Linem., Tt la.
HoU. verkleumen erstarren. In Posen
Fritdkbier, WdrUrbaoh IL
vet*klom7nen. Bernd, 335. Schemio-
nek, 8, hat derkiftmen. Hennig, 288.
Vgl. kiftmen u. klamm. S. Weigand II,
996: verkldmen.
verklarren, sw.^ verklieren, Papier ver-
schreiben, verschmieren. Ygl. klarren.
verkleckern, sw, 1. verschütten^ von
dickflüssigen Speisen. S. kleckern. 2.
sein Geld durch Anschaffung unnützef
Kleinigkeiten verschwenden. Was unUst
du mit dem Geld^ du verkleckerst es ja
doch man. Er hat all das Seinige ver^
kleckert, Bock, 74. Hennig, 288.
verkleiden, pltd. verkl6de(n), m., sich^
sich maskieren. Die Schauspieler ver-
kleiden sich.
verkloppen, sw.^ verkaufen = verkeilen,
verklunkern, sw.^ Garn oder dergl. in
Unordnung bringen, verwirren, sich
verklunkern y sich zu Klunkern ballen^
wie das schlecht gehaltene Betten thun.
Ygl. klunkern.
verknacksen, sw.^ s. knacksen.
verknallen, sw.^ durch Knallen ver-
puffen. Sein Pulver verknallt haben^
zur Bezeichnung der Impotenz. Sie ist
verknaUty geschwängert. Ygl. knallen 2.
verknautsch'en, sw.^ s. verknQtschen.
verkneifen, st, unterdrücken, zurück-
halten. Das Lachen verkneifen. Sich
einen Wunsch verkneifen,
verkniddem, sw., verknittern^ zerknit-
tern, faltig zusanmiendrücken. Sali-
mann, 106b. Hupel, 247: verknudr
dem,
verknillen, sw,, s. knlillen.
verknippeln, sw., zusammenknüpfen.
Das ist zu sehr verknippelt, verknotet.
verknlillen, verknillen, sw., s. knlillen.
verknuicheln, sw., s. v. a. verknOt-
sehen.
verknQsen, »w., ertragen, dulden, aus-
halten, leiden; vorzugsweise in der
Yemeinung. Ich kann das (erlittene
28
434
rerioifitscben — Yeriafe.
Unrecht) gar nicht verkntuen. Ich iatm
dm Kerl nicht verhmuen^ niclit leiden,
ausstehen. De Fruesliedy de tonnen se
dtterhaupt nich verkmuen. Dorr, 1.
Wiew., 16. Dan. forknuxe; im Götdng.
verknusen aach yerdaaen im eigentl.
Sinne; in Estland bildlich. Schamb.,
263a. Sallmann, 106a. Yg^ Vil-
mar, 213.
verknOtsehen, nr., dorch onregelmafzi-
gen Dmck faltig machen. Die Wäsche
verkn&tschen. Yerhchd. veitaauhchefU
So in Posen nnd verknütschen. Bernd,
335. Vgl knOiselieii a. knDllen.
verkoddem, mr., s. koddem.
verkolken, no., stark kolken (s. d.).
Ich bin verkalkt^ mir ist schlecht za
Mate. T reich el.
verkommen, ^., an Geld und Gut,
Gesundheit und Kraft, Fröhlichkeit und
Munterkeit abnehmen; verwahrlosen.
Der arme Kerl verkommt gam^ er nimmt
augenfällig ab^ vermagert etc. Er ist
ein verkommener Mensch^ ist verwahr-
lost. Bock, 74. Hennig, 288.
verkoppeln, sw,^ verwirren, verknüpfen.
Mühling.
verkramen, sw.j s. kramen.
verkribnpeln, sw.^ s. kriünpeln.
verkriüigeln, «tr., s. krängein.
verkraufen, pltd. verkrOpe(n), st^ sich^
sich verkriechen. Vgl. kraufen.
verkrauten, sw,^ voll von Kraut wer-
den. Der Schlo/zteich ist dieses Jahr
ganz verkrautet, Königsberg. YgL auo-
krauten.
verkriicheln, sw,^ verbraten, zu stark
schmoren. Ygl. kriicheln.
verkrfschen, sw.^ verkaufen, nament-
lich heimlich. Heft hei e Pehrd v^leicht
schlecht verkrieschtf Nowack, 55. Der
Dieb hat die gestohlenen Sachen alle
verkrischt. Ygl. verkeilen, verkloppen,
verkrtseln, sw.^ durch kreisendes Dre-
hen andere oder sich sdbst sckwimKg
madien. Packt em himde^ paekl em
vörcy Bott wuen Fratske ganz verbrieutL
Nowack, 42. DerUeine Z€nU(?\aAi\
wpol eine halbe Meü mit dem Keutd im
Walser heramb gezogen^ wird dadmtk
im Kopfe verkrüsdt und mm/z zu nidä
gdien. Beschwerde der Sadcfischer
über die Keutelfischer aus d. 17. JahiL
Benecke, 303. Kinder, welche sick
auf der Ferse drehen, vertrUebs sid
den Kopf Auch sagt man, wenn der
Kopf durch Lärm und Greransch ^be-
nommen*' ist: ich bin gcmz verkrUdL
Bock, 74. Hennig, 288. Y^ bfi-
sein.
verkrUmeln, »r., s. toHmeto.
verkrümmen, sw., krumm werden. lA
wiU verkrummen und verlahmen! ak
Beteuerung.
verkrunkeln, verkrimecbebi, verfcnniilii,
Str., s. kninicheln.
verkuddeln, str., kuddlicli (s. d.) wer-
den, s. V. a. verklunkem.
verkDmmeln, sw., s. kümmeln.
verkuppeln, sw. 1. verhandeln, ver-
tauschen; namentlich von den Tausch-
geschäften der Kinder. 2. die Yer-
heiratung einer Person vermitteln, wo-
bei meist nicht ^suiz redliche Mittel
angewendet werden. . . . dcu will auA
Syrach nicht haben^ dass EUem ihre
Töchter öffentlich Schau führen, auMe-
then, verkuppeln etc. Carm. nupL I, liK).
In Posen verkaupeln. Bernd, 335.
S. kuppeln.
verlaip8chelle(r)n, sw., s. kupscbeilen.
verläbbem, sw.y s. labbern.
verlahmen, sw., lahm werden, matt
und müde werden, erlahmen. YgL Vf^
krummen.
Verlab, pltd. Veriftt, m., Zuverlässig-
keit, Yertrauen. Op dt os kein Ver-
lät
verlatschen — vermaddern.
435
verlatschen, m,, s. latschen,
veriftwen, verlOwen, «u;., verloben. He
sett flw e verläwte Brut Sprw. I, 3517.
Vgl. I&wen.
vSriftwen, sw.^ s. vorloben.
VeriäwniSy VerlOwnis, /., Verlöbnis,
Verlobung. S. Lftwe.
veriebbem, «u;., s. labbern.
verladen, adj, u. adü.^ letzt verflossen,
unlängst, neulich. Verledenen Harfst
(Herbst) vor *nem Jahr. Dorr, Driew-
'jagd. Ich binjoerleeden in der Stadt
gewesen. Hennig, 338.
Verl6f,>. s. VeriBf.
verlohnen, pltd. verl§ne(n) u. verlten,
sw,^ verleilien,£ ausleihen. Er )fiat aW
sein Geld verlehnt Vgl. lehnen.
vorlenzen, sw. 1. etwas verderben.
2. schwängern. Kr. Neustadt. Trei-
cbel.
verlesen, st.^ durch Lesen aufrufen.
Die Arbeiter^ Schüler verlesen^ ihre An-
wesenheit durch Aufruf feststellen.
Wäsche verlesen^ die Richtigkeit der
abgelieferten Wäsche nach dem Wasch-
zettel prüfen; nach Hennig, 289, diese
in Ordnung bringen und gehörig zu-
sammenlegen ; letzteres wohl infolge der
Prüfung.
vorliegen, pltd. verligge(n), st^ sich^
durch Liegen versteifen, in den Glie-
dern absterben. Kranke verliegen sich.
verltsen, st^ \ verlieren. Emiland.
Sperber, 46. In Natangen vorlSson.
S. Beleg unter Büisenhaken. Die erm-
ländische^Form stimmt überein mit dem
mhd. verliesen^^dem alts. u. ahd. farlio-
San verlieren.
vorloddem, sw.^ durch Faulheit und
Nachlässigkeit verderben, zu Grunde
gehen. Er fangt an zu verloddem^ lie-
derlich zu werden. Vgl. loddorn.
VerlSf, VerlM, m., Erlaubnis. Mot
Verlöf] mit Erlaubnis. Drom ging eck
mot verlohf na hinge. Carm. nupt I,
282, 15. Eck woU Dy mott Verlow man
welke Lehre gäwe. Ibid. V, 48c. Hen-
nig, 289.
verlosen, sw.^ s. verlTsen.
Verlot, n , s. Solders.
verlOwen, su?., VerlSwnis, n., s. ver-
Iftwen etc.
verIQdem, sw.^ eine Sache oder sich
selbst durch ' Trägheit, Nachlässigkeit
zu Grunde richten, gleichsam zu Lu-
der werden lassen. Vgl. IQdom.
vorluntrussen, sw.^ von Luntrus (s. d.^,
ein Taugenichts werden, verkommen.
vorlustieron, sw.y belustigen, amüsie-
ren; auch reflex. Lat dat geile Ver-
losteem! Dorr, 1. Wiew., 123. Wie-
der* (weiter) fehlt uk nuschty om dat
Verlosteem on Romdriewen §m ganzen
Köninkrick op den Hund to bringen.
Ibid., 125. Ich liabe mich gut ver-
lustiert.
vorlufz, prät von verlassen, verlieJ'z.
l)a verlu/z ihn das Fieber. Und da
verlussen sie ihn. Treichel.
Vermach, m., Verschlufz, Kaum, den
man vermachen, verschlieizen, kann.
vermachen, sw. 1. verschliefzen, ein-
schliefzen, einsperren. Sie haben ihn
in der Kafmmer vermacht, ihn einge-
schlossen. 2. sich vergnügen. Danzig.
W. Seidel, 35.
vormackeln, sw., verwirren, absicht-
lich oder unabsichtlich. Marold. Vgl.
mackoln.
vermaddern, sw. 1. etwas durch Mad-
dem verderben, aus der richtigen Lage,
Stellung bringen; verderben überhaupt.
Er hat seine ühr vermaddert Du weerst
vermaddert all em Mutterliew. Dorr,
1. Wiew., 122. 2. Geld für resultat-
lose Versuche ausgeben. Er hat viel
Geld vermaddert und doch nichts zu-
recht gebracht. Bock, 74. Hennig,
28*
436
Vermahner — - vüiiuiiiiteni.
289. 3. Sieh vermaddem^ sich albern,
läppisch betragen. Vermadder dt doch
rUch so! Vgl. maddern.
Vermahner, m., froher Bezeichnung
fär den mennonitischen Prediger. Dzg.
W. Seidel, 35. „Woraus zu ersehen
isiy da/z die Mennordten in den Wer-
dem .... auch ihre absonderliche Ver-
sammlung und Aeltesten^ welches die
Vermahner sind^ haben halten können.*^
Hartwich, 278 f.
vertnanienieren, sw.^ sich^ sich (mit
Worten) verteidigen. Gedanism. W.
Seidel, 35.
vermftsem, suj. 1. in Unordnung brin-
gen, verwühlen, verwirren, verzausen.
Ihm sind die Haare ganz vermasert^
verwühlt oder gar durch Unreinlichkeit
zusammengefilzt Vgl. mftren und ver-
musem. Übertragen: anklar, unrichtig,
nicht ganz in der Ordnung, schwer zu
entwirren: De Sach de mot gi wo em
Affohat vehrbringen^ dat Ding körnt my
verwort an sehr vermaasert vehr. Carm.
nupt ni, 50 b. 2. vermaserty stark mit
Masern durchsetzt; vom Holz. Vgl.
maserig. Schemionek, 42, erklärt!?^-
masem = herunterkommen. VgL Bock,
74. Hennig, 289.
vennat8Chen,8to., durch Matschen (s.d.)
verderben.
vermauscheln, sw.^ s. mauscheln.
vermeizen, sw. 1. mit einer Metze
(Mafz) messen. Auf der Sacklucht wird
das Getreide vermetzt^ gemessen und
aufgeschüttet. 2. mit einer Metze vom
Scheffel den Müller bezahlen, statt des
Mahlgeldes. Oberland.
vermickem, vermiickem, vermickert etc.,
s. mickern.
vermtsen, stv.^ von mts (s. d.), trau-
rig stimmen, betrüben, einem die Freude,
den „Kram" verderben. Treichel.
veitntsem, sw.^ s. misem.
verniteeily tw^ TerfeUen, irre gdwo.
Den Weg vermissen. So dammUek muß
ock send: min Gold vergrawe^ de Stdl
vermesse^ kein Pal btsehläne. Ab-
Pillau. Er hat e ROffff' vemdfzt^ beim
Säen ein Ackerbeet ans Versehen über-
sprungen, ausgelassen.
vermKzquimen, mt., aofdaiiseii, sidi
kümmerlich entwickeln. Er iti ganz
vermifzquimt. VgL qulmeiL
vermttbeln, sw. 1. Möbel Yerkaofeo.
überhaupt Sachen verkaufen; verbrin-
gen. Er hat alles vermöbelt. 2. aos-
schelten, durchprügeln. ^Br hat ihn gut
vermöbelt. In der Niederlans. mcbdn.
Anton, 2y 12. 3. dnrchbringen, ver-
schwenden. Geldvenndbeln, Sperber,
32.
vermockeln, sw.^ verschimmeln, ver-
modern. Samland.
vermOdbarachen, sw., sich, s. nrid-
barschen.
vermoddem, sw., zu Moder, SchlamiD
werden. Vgl. Modder.
vermoden, sw., vermuten, erwarten.
Dat weer mien Hasken sik denn dod
nich vermoden getoest Dorr, Dricw-
vermSlen, sw., s. mBlen.
vermolschen, sic, verüaalen, s. mobch.
vermordsptpeln, sw., verderben, ver-
lieren. Treichel.
vermOren, sw., zu Grunde richten.
Schemionek, 43.
vermotteln, sw,, heimlich aufbewahren.
S. Mottel.
vermUden, sw., ermüden.
vermummeln, sw, dicht einhüllen: re-
flexiv: sich maskieren. Hennig, 289.
Vgl. mummeln.
vermuntern, sw., ermuntern, erholen,
zur Besinnung, in den alten Zustand
kommen. Ehr ek mi awer so toiet ver-
muntert, dat ek (nach einem Fall) cp
vermusern — verplaukschen.
437
de Kneeen to liggen keem. Doir,
Driewjagd.
verrnuiern, sw.y s. muiem.
vermutbaren, sw,^ des Mates bar wer-
den durch angestrengte Arbeit, sich
überarbeiten. Schemionek, 43.
vertnufzen, sw. 1. uneben und kurz
Terschneiden. Der hat ihm das Haar
gut vermutzt. 2. einen derb abfertigen^
ausschelten, zur Rede stellen. £}r hat
ihn gut vermutzt. 3. ohrfeigen, Hiebe
an den Kopf geben. Vgl. Mutz.
vernagelt, adj\ von vernageln. Er ist
vernagelt^ beschränkten Verstandes.
vernaggen, sw.^ verkommen, ver-
schmutzen. Hei ÖS ganz vemaggt^ ver-
saut.
vernälen, sw,y durch Ndlen (s. d.)
versäumen, vergessen.
vemegieren, sw.^ s. vemeugieren.
vernehlen, sw., nicht verzehren. Dzg.
Nhg. Viol^t, 105.
vemeugieren, vemegieren, su?., erneuem,
ausbessern, renovieren. Der Altar mu/z
vemegiert werden. Nach Schemionek,
43, sich verändern, etwas Neues ver-
suchen.
vernifflig, adf.^ naseweis, übermütig,
mit der Niff^ der Nase, voraus.
Vernimm, tt».. Verstand, Fassungsver-
mögen. Er hat einen guten Vernimm,
Hennig, 289. In Mecklbg.-Vorpom.
und in der Altmark als Adjektiv : ver-
ständig, klug. Mi, 102a. Danneil,
238 b.
Vemiitb'ng, /., Vernietung, feste, un-
lösliche, Vereinigung, Verknotung („ Ver-
knotigung.^ Herder.) Krankheit^ Ver-
fälgung^ Bedröfnoa on PUm^ Sali unse-
rer Love Vemottinge syn, Simon Dach,
Anke von Tharaw. Volks!., 27, 18, 5.
Vemumft, /., Vernunft.
vernuicheln, sw.^ s. nuicheln.
veroloien, «c., verrotten, vermorschen.
F!?roZm^(abgestandener)i3at«m. Sche-
mionek, 43. Vgl. olmig.
verpaddeln, sw.^ s. paddeln.
verpaschen, «u;., s. paschen.
verpftsern, sw.^ unwirtlich verbrennen.
Viel Holz verpasem. Vgl. pflsern.
verpassen, sw.^ Kleidungsstücke un-
passend anfertigen. Der Schneider hat
den Rock verpafzt. Hennig, 289.
verpatschen, sw.^ s. patschen,
verperzeln, m.^ s. verpirzeln.
verpfisem, sw.^ s. pftsem.
verpetzen, sw.^ anklagen, s. petzen.
verpicht = erpicht, auf eine Sache
mit Leidenschaft bestrebt sein, voll
Eifer losgehen. Er ist aufs Lernen
verpicht Eigentlich zweites Part, des
Verb, verpichen mit Pech überziehen.
Vgl. Weigandl, 409. Bock, 74.
verpimpeln, verpUmpeln, verpSmpeln,
sw.^ verweichlichen, verwöhnen, s. pim-
peln.
verpirren, pltd. verpSrren, sw.^ vor-
bauen, verhindern, hintertreiben, ver-
wehren, verschliefzen, versperren, etwas
in den Weg legen, verderben. Ich
werde ihm das schon verpirren^ ich werde
seine Absicht zu vereiteln wissen. Das
Vergnügen /uxbe ich ihm verpirrt. Nds.
verpurren^ durch purren, d. i. Stechen
und Bohren, machen, dalz etwas ver-
stopft oder verderbt wird. Brem. Wb.
UI, 380. Pierson, Lit. Aeq. 9, weist
als verwandt auf das altpr. perstlanstan
Fensterladen hin. Schemionek, 43.
Sperber, 24. 42. Hennig, 289.
verpirzeln, verperzeln, sw,^ verderben,
verhudeln; namentlich von Kleidungs-
stücken. Das Kleid ist verpirzeltj es
ist zu kurz und enge gemacht. Vgl.
verfipsen, verpassen,
verpladdern, mü., s. pladdern,
verplämpern, sw.^ s. verplempern,
verplaukschen, sw., vergielzen, Flüssig-
438
verplempern — verquer.
keiten nüt einem Plauksch verschütten.
Vgl. plaukschen.
verplempern, verplämpern, 'yerplimpem,
8w. 1. Flüssigkeiten vergiefzen. Wasser
verplempern. 2. Geld leichtfertig und
nnnütz ausgeben. Se hätten den schee-
nen Knups Geld, den se vom Alten
hätten^ schon meist verplempert. Schaltj.,
1, 441. 3. schwängern. Sie ist ver^
plempert. Vgl. plumpem, 4. sich ver-
plempern^ sich in ein [geheimes Liebes-
verhältnis^einlassen, sich heimlich ver-
sprechen, zu früh und übereilt verloben.
Was soll nun der machen^ welcher sich
schony wie m^n sagt^ heimlich verpläm^
pert hatte? Soph. R. I, 551. Ebenso
auch im Holst., in Posen, in der Nie-
derlausitz, in Estland. Schütze III,
218. Bernd, 337. Anton, 14, 13.
S allmann, 107 b.
verplengen, sw,y durch Plengen Schän-
den, Verleumden, zwei Personen gegen
einander erzürnen. S. plengen.
verplicken, sw., s. plicken.
verplimpern, sw.^ s. verplempern.
verpiTsern, sii;., etwas zerzausen, zer-
zupfen. Vgl. piTsern.
verplOmpem, sw.^ s. plumpem.
verplurkschen, sw., s. plurkschen.
verpOffeln, m., s. verbUffeln.
verpOmpeln, sw., s. verpimpeln.
verpompen, sw,y in alten Landesver-
ordnuDgen zu Zeiten des Ordens von
Kleidern gebraucht, welche man aus-
besserte und nachher für neu verkaufte.
Pijsanski, JSTachtr.
verposamentieren, sw.^ leichtfertig Geld
ausgeben, durchbringen.
verprachem, sw,^ verarmen, zum Pra-
cher (s. d.) werden.
verprudeln (u kurz u. lang), sw. 1.
unordentlich nähen, ein Kleidungsstück
schlecht passend anfertigen. Das Kleid
ist ganz verprudelt Hennig, 289. 2.
übertragen: eine Angelegenlieit dorn
ausführen, in der Behandlung to^
pfuschen.
verprOmen, sw.j nach Schemionek,
43, schlecht stopfen und nähen, ve^
derben; also gleich dem vorigen. V^
prflmen.
verprunzeln, sw. 1. zusammenschrum-
pfen, alt und schwach werden. Er üt
schon recht verprunzeU. 2. vermuckeni,
überfromm werden; namentUch von al-
ten Betschwestern.
verpUffeln, sw., s. verbUffeln.
verpummeln, sw.^ s. v. a. bepuwmdm
(s. d.).
verpumpelny^su;., steh, sich vermam-
men. Vgl. Pumpel 2.
verpUmpeln, sw, s. verpimpeln.
verpUngeln, sw., s. bepUngeln.
verpQsten, sw,, sich, s. pQsten u. ve^
blasen.
verputzen, sw.y s. putzen.
verquackeln, sw. 1. mit seinem Yer-
mögen nicht haushälterisch umgehen,
es durchbringen, verthun. Hell, quak-
ken, quakkelen wankelmütig verschlea-
dem, verthun; vom Wetter: veränder-
lich sein. 2. sich wider den Willen
der Angehörigen heimlich verloben, ver-
kuppeln. In Bremen: sich unbedachtsam
und leichtsinnig in eine Ehe einlassen.
Brem. Wb. III, 391. Bock, 74. Hen-
nig, 290.
verquantschen, sw., s. quanischen.
verquflsen, sw., s. quSsen n. quMen.
Nach Hennig, 290, verquasen, reflexiv,
durch Trunk und Völlerei sich zu
Grunde richten.
verquelcheln, sw., s. queichein.
verqueken, sw., voll Quecken, wachsen.
Der Acker ist ganz verquekt, von Quek-
ken durchwurzelt. Vgl. qufikeil. Hen-
nig, 290.
verquer, verdwir, adv., qaer, in die
▼erquimen — Terschättem.
439
Qaere, verkehrt. Mir geht ailes ver-
dwer. Verquer auf dem Pferde sitzen.
verqutmen, verquTnen, sw,^ s. qutnen.
verqirtsten, sw.^ vergeuden. S. ver-
quflsen.
verrftben, m.^ gewöhnlich beraben
(s. d.).
verrackem, sw.^ sich^ s. rackern.
verrammeln, sw. 1. verrammen, ver-
sperren, verschliefzen, unzugänglich
machen. 2. in Unordnung bringen.
Betten verrammeln, 3. schwängern. Sie
ist verrammelt Vgl. rammeln.
verraben, sw.^ sich^ s. raben.
verreden, sw.y durch Drehung des
Gespräches eine Angelegenheit unbe-
sprechen lassen, etwas zu besprechen
vergessen.
verrommen, su?., s. rommen.
verrostem, sw,j verrosten.
verrotten, «to., verfaulen, vermodern,
Verstecken. Verrottete Leinwand. VgL
RotL
vemibbeln, sw.^ scharf tadeln; von
nibbeln,
verrücken, sw. 1. durch einen Ruck
erschüttern, von der Stelle bringen. 2.
scharf und eindringlich zur Rede stel-
len, Vorwürfe machen. Den hat er
(der Vorgesetzte) gut verruckt
verrufen, st 1. in schlechten Ruf
bringen. 2. behexen, bezaubern. Ge-
naueres s. Hexspr., 1 fF. Vgl. Sprw. I,
3907. Hennig, 290. S. unverrufen.
vemihen, sw.^ ausruhen. Zu Mause
angelangt, verruhten wir uns,
vernimmen, sw,, verrammen. Vgl. ver^
rammeln.
verningenieren, sw., ruinieren, ver-
derben, zu Grunde richten. Es mufz
alles verrungeniert werden!
verruicheln, sw,, Glattes in Unordnung
bringen, namentlich Haare. Er hat
einen verruichelten Kopf. H e n n i g , 290.
Vgl. niicheln.
verrflsen, sw.^ s, rOsen.
versäbeln, sw.^ mit dem Säbel verar-
beiten; mit gutem Appetit etwas ver-
speisen (das Messer als Säbel); nach
Mühling verschmeifzen, verlieren.
versacken, sw., sich, sich verstopfen;
s. sacken.
versäen, sw., beim Säen ein Acker-
beet, oder auch nur ein Stück dessel-
ben auslassen. Wem das passiert, der
stirbt in dem Jahre. Hexspr., 136.
versauern, sw., Sauerwerden; davon:
1 . nicht vorwärts kommen : Der Beamte
versauert auf seiner Stelle. 2. unver-
heiratet bleiben: Die kann versauern.
Bock, 75. Hennig, 290.
versaufen, pltd. versQpe(n), st, er-
saufen, ertrinken. Er ist versoffen^ er-
trunken.
versaufen, pltd. vers6pe(n), sw.^ er-
säufen; ertränken. Bei Jeroschin:
versoufen. Pfeiffer, 260. — Die jun-
gen Katzen versaufen. Junge Huing
versepen. Dorr, 1. Wiew., 81,
Versäumereien, plur, von Versäumerei.
Man hat so viele Versäumereien^ wird
aufgehalten, von dem eigentlichen Ge- •
Schäfte abgezogen.
verschalen, sw., s. schälen.
verschalken, sw., zum Schalk werden,
sich zu mutwilligen, bösen Streichen
verbinden. Mühling.
Verschalung, /., s. Schalung.
verschampfieren, verschampieren, auch
verschumpfieren, sw,, beschimpfen, ver-
anstalten, entstellen, verunzieren. Der
Hut verschampfiert dich. Ihr Gesicht
verschampiert mir die ganze Gesellschaft.
Wer sich die Nase abschneidet, ver-
schampfiert sich das Gesicht.
verschättern, sw.^ s. schättern.
440
Verschel — verschmören.
VerschSI, 9n., s. Verschill.
verschllen, sw. 1. difPerieren, unter-
schieden sein. 2. verschiefisen, abneh-
men in Farbe und Glanz. Selbst Glantz
und Ldcht verschelt. Carm. nupt UI,
8 b. Vgl. 8ch§len u. Verschill.
verschicherny verschUchemy bei Sper-
ber, 27, auch verschickern, sw, 1. ver-
scheuchen, fortjagen. 2. einschüchtern.
Scheu einflöfzen, schüchtern machen.
Jü motte man nick de Hener venchicKre.
Königsberg. Ich hab^ ihn vei^schichert^
ich habe ihm Furcht eingejagt und ihn
vertrieben. Der Junge kriecht venchichert
der Hütte zu. Vgl. schichem.
verschiefzen, pltd. verschfiten, st 1.
in der Farbe ausbleichen. Dos Tuch
ist verschossen, 2. versiegen, zu fliefzen
aufhören, verschwinden; von der Milch
nährender Frauen. Ihr ist die Milch
verschossen, Bock, 75. Hennig, 291.
3. verschnaufen, den Atem verschiefzen
lassen, verpusten lassen. Lafz die
Pferde ein Bi/zchen verschie/zen^ halte
stille, fahre langsam.
Verschill, Verschal, m., Unterschied,
Differenz. Ob schon bi/zweilen die Ostern
newes u. altes Calenders auff einen Tag
* einfallen^ so feilet dennoch auch tin Ver-
Schill oder eine Diferentz ein der alten
undnewen Ostern^ bi/zweilen auf 4 Wochen
etc. Linem., N 3b. ...ist ein ver^
schiel auff vier Jahr^ dafz der Herr
Christus ehe gebom ist, als wie es die
gemeine Jahr Christi^ deren wir uns ge-
brauchen^ geben. Ibid. LI 2 b.
Verschifz, m.j s. Schifz.
verschlabberrt , sw.^ sich^ sich ver-
sprechen, etwas Unrichtiges wider Wil-
len sagen. Von schlabbern 3.
verschlackem, sw., s. schlackern.
Verschlag, m. u. n., Wirkung, dauern-
der Nutzen, Zutraglichkeit. Das Geld
hat bei ihm keinen (auch kein) Ver-
schlag^ er versteht es nicht zusammen-
zuhalten^ zu sparen. • Vgl. verschlafSR.
verschlagen, st. 1. anschlagen, ^ei^
fangen, vorhalten^ lohnen, von Wirkung
sein. Die Butter verschieß nichts^ hah
nicht vor, macht nicht gat ab. Doi
verschlagt ihm soviely wie dem EUfanta^
eine Hvnibeere. Vgl- Sprw. I, 2827.
2. von leicht erwärmten Getränken.
Las»e das Bier etwas ver9chUigen^ stelle
es in die Ofenröhre, damit es die Ed-
lerkälte verliere.
verschlagsam, ad/., von Kraft, Nach-
druck, Wirkung; kompakt , nahrhafl
Alte Butter ist verschlagsamer cUs fritchey
macht gut ab und hält darum länger
vor. Verschlagsame MuSj dick* gekochte,
mehlreiche. Hennig, 290.
verschlampampen, sw.^ dorch Schlem-
merei verschwenden, durchbringen. S.
schlampampen.
verschlicken, sw., mit Schlick über-
decken. Die Dämme werden verschiidd.
Westpr.
verschlucken, sw.j etwas Speise in die
Luftröhre kommen lassen. Ich hoif mich
verschltcckt Vgl. unrechte Kehle. •
verschlQdem, verschluddem, sw.^ ver-
lumpen; verschleudern; verschwenden.
Vgl. schlQdem.
verschlunzen, sw.^ s. schiunzen.
verschlQpen, sw.^ verschleppen, ver-
zögern. Der Prozefz verschlüpt sidi
von einem Jahr ins andere. Bock, 75.
Hennig, 290. Vgl. SChlQpen.
verschmäden, sw.^ verschmähen^ ver-
achten. Hennig, 291. Nds. versma-
den^ smadCf die Schmach, hoU. versmae-
den. Brem. Wb. IV, 853.
verschmarutzen, sw.^ s. schmamtzen.
verschmieren, sw.^ den Ofen von innen
mit Lehm ausschmieren.
verschmirgeln, sw.j s. schmirgeln,
verschmören, sw. 1. zu stark schmo-
verschmaddeln — versitzen. 441
ren. 2. vor Hitze fast ersticken, ge- verschrompelny -schrumpeln , sw.^ s.
schmort werden. Es ist heute rein zum schnimpen.
Verzchmoren. 3. durch Kneipen sein verschUcherny sw,^ s. verschichem.
Geld verthun. Vgl. schmoren. verschumpfieren, sw.^ s. verschampfie-
verschmuddeln, «to., s. schmuddeln. ren.
verschnabbeln, -schnabbelieren, -schnap- verschurren, mv,, s. verschorren.
pen, sii;., s. schnabbeln. verschwaddem, bw.^ s. schwaddem.
verschneeen, sw.^ s. schneeen. verschwauksen, «tc., s. schwauksen.
verschnippem, verschnip(p)seln,M(7.,zer- verschwelen, sw,, vom Holze, das ohne
schneiden, in kleine Stuckchen zerschnei- Flamme glüht und unter starkem Rauche
den, zerschnitzeln; vernichten, verder- verkohlt. Von schwelen (s. d.).
ben. Papier verschnippernjverschnipseln. verschwTgs, verschwings, ado.^ viel
JEiy den schonen Margen mir so zu ver- weniger, geschweige denn. Dat hAV
schnippem! Soph. R. IV, 70. Vgl. ock noch sinn Da^ nich gesehne^ ver-
schnippem u. schnip(p)seln. schimegs gegete^ das habe ich noch nie-
verschnobbeln/ -schnubbeln, sw.^ s. mals gesehen, geschweige denn ge-
schnabbeln. gessen.
verschonen, sw. Wenn ich nicht mehr verschwbneln, sw.y s. Schwfm.
versc/um\ hau ich Ihnen eine Ohrfeige! verschwlngs, ocfo., s. verschwTgs.
verschorren, verschurren, sw.^ aus der verschwTren, «u;., mit Schwtren durch-
richtigen Lage weichen, sich schieben, bringen. JEr hat aU sein Geld ver^
verschieben; von scharren. Das Hemde schwtrt Er sieht verschwtrt aus. Von
ist verscharrt. Vgl. schorren. schwtren 2.
verschossen sein, s. Scholz. verschwiben, sw.^ vergessen. Ich hob*
verschrecken, st u. ato. 1. erschrecken, aüe Geschichtsza/Uen verschwitzt^ sie sind
Pui^ was hab^ ich mich verschrocken! meinem Gedächtnis entüallen.
2. von einem Vorrate mehr als nötig, verschwuchten, sw.^ s. schwuchten.
mehr als vermutet, abnehmen, ver- versehen, st^ sich. Sie hat sich ver-
brauchen, auch diebischer Weise ent- sehen: 1. sie hat sich mit einem' Manne
wenden. Na^ ihr habt das Brot gut abgegeben, ist geschwängert. Für Liv-
verschracken^ ihr habt tüchtig davon ge- und Estland bei Hupel, 249. 2. sie
gessen. Die BuMd" ist ziemlich ver- hat in der Schwangerschaft sich über
schreckt^ es ist mehr davon gebraucht Mii'zgestaltetes erschreckt, entsetzt, und
worden, als erforderlich gewesen wäre, dadurch dem Kinde, das sie trug, den-
Ebenso: Der Knecht hat den Eafej selben körperlichen Fehler angeheftet
verschreckt. Hennig, 338. verseilen, sto., s. seilen.
verschrfigen, sw.^ versengen^ ausdör- versitzen, st 1. durch langes Sitzen
ren, anbrennen. Holl. verschraeijen. Ich steif werden. VgL verhucken. 2. nach
hab mir de Hand verschrtt, verbrannt. Bock, 75, und Hennig, 291, von
De Kartoffle sein rein verschrlt^ das Mälzenbräuem,' wenn sie das ganze
Kraut ist in der Sonne gänzlich ver- Jahr über ihre volle Zahl nicht aus-
dorrt. Sperber, 46. Schemionek, brauen können. Sie haben zweir^ drei^
43. Rein. Vos,V. 6640. Vgl. schrfigen. mal versessen^
442
versohlen — versucheiL
versohlen, sw.y prügeln. Einem den
Fuckelj — das Fell versohlen.
versAren, sw.^ vertrocknen, absterben,
verdorren. Mühling. Ebenso bei
Jeroschin: 6 irdischiz paradtSy toi gar
ist dlner wunnen prts vorselwit (be-
schmutzt, verwelkt) und varsorit und
jemirlich zustorit 149d. Pfeiffer, 260.
Vgl. sOren.
versorgen, sw., verheiraten. Die äl-
teste Tochter ist versorgt^ ist verheiratet.
verspftken, sw., s. spflk.
verspftren, sw.^ verstärktes sparen, auf-
heben, bewahren, aufschieben. Das ver-
spür ich mir auf morgen.
V§rsp6ger, m.y von spegen^ spähen,
Vorspäher, Verräter. De Verspeger
schleppt nich. Samland. Sprw. II, 2793.
Vgl. Kläffer. S. Mnd. Wb. IV, 454a.
verspielen, sw. 1. verlosen durch eine
kleine Lotterie. Es wird eine goldene
Uhr verspielt. Ebenso ausspielen. 2.
verlieren, unterliegen. Die Franzosen
liaben anno 1870 u. 71 verspielt. Einen
Prozefz verspielen. Der verspielt^ der
sich erhebt. Carm. nupt. IV, 44 b. Ge-
gensatz: gewinnen.
Verspielung, /., Verlosung. AufVer-
spielung gehn^ zu einer Verlosung gehen.
Oft giebt es nach derselben noch Tanz.
Königsberg.
verspillem, verspiltem, sw., unnütz ver-
thun, verschwenden, sein Vermögen
versplittem. Hei heft alles verspillert
Hennig, 291. So (sie) schlachte beyds
nah ähre Ölhre, dey opp wat rönlichs
Gold oerspöllre. Carm. nupt. V, 216 d.
S. spillern u. schlachten.
verspitzen, sw., sich, auf eine Sache
mit Gewifzheit rechnen. Sich auf eine
Erbschaft verspitzen. Bock, 75.
verspiftren, sw.^ s. splären.
verspQren, sw,, s. spQreo.
VIrstäksel, n., s. V§r8teek8eL
Verstand, 9n., scherzweise für Haaie.
El* hat sich den Verstand ahschneidai
lassen.
verstandewO? scherzhafte französierte
Frage: verstanden (^verstandez'vcus)i
Sperber, 45.
Verstandskasten, m.^ Eop£ Er hat tid
den Verstandskasten gestofzen.
verstauken, sw.y s. verstOken.
Verstechche, n , s. Versteckchen,
verstechen, st, s. stechen.
Versteckchen, Verstechche, pltd. Ve^
stSckke, n., Versteckspiel der Kinder.
Wir wollen Verstechche spielen! Sper-
ber, 33. Hennig, 291.
verstecksei, Vfirstäksel, n., weifze, ge-
stickte Bettdecke. Dzg. Nhg. VioUt,
105. Im Gr. Werder Bettdecke über-
haupt. Aus vorstecken.
versteigen, st.y sich, sich betrinken.
Er hat sich verstiegen, sich betrankt.
versteinern, sw., versteinen, wie zu
Stein werden. Ich bin wie versteinert!
durch eine unerwartete Nachricht.
verstellen, sw., sich, sich äulzerlich
anders zeigen, als man denkt und em-
pfindet. Warum, wie man hier in
Preufzen sagt, warum verstellen Sie sich
auch sof Sie sind aufgeboten, und da-
mit holla. Soph. R. III, 220. Vgl. plm-
mein.
verstickstacken, sw., s. Stickstack.
verstTmen, sw., s. stlmen.
, verstTren, sw., s. stUren.
Verstopfung, /. Verstopfung im Kopfe,
Schnupfen. Kgsbg.
verstQken, sw., verstauchen, verrenken.
Sich den Fu/z verstüken. In Liv- und
Estland verstucken. Hupel, 250.
verstUmpeln, sw., verstümmeln, ver-
derben. Muhling.
versuchen, pltd. verseken,9tr., besuchen.
versadeln — verwennen.
443
Nu kSnrC wi oUe Frind verseeken On
moal e klooket Woortken spräken. Dorr,
13.
versudeln, sw.^ versäamen, aufhalten.
Dat versudelt söcky versäamt sich, hält
sich auf.
versusengen, sw.^ Geld verthun. T r ei -
cheL
vertestamentieren, sio.y sich^ sich ein
gegenseitiges Testament machen. Die
beiden (^Efieleute) haben sich vertestamen-
tiert Hennig, 291.
vertrdem, sw.^ s. tTdem.
vertoppen, su?., jemand verleiten. Dzg.
W. Seidel, 35.
vertrackt, adj. 1. unangenehm, böse,
verworren. Das ist eine vertn'ackte Ge^
schicIUe. 2. yerstockt. Er hat ein ver-
tracktes Herz, Dönh. Nach Mühling
durchtrieben, gottlos. Nds. vertrecken^
verziehen, verzerren, mhd. hin u. her
zerren, durch Zerren abschwächen. Vgl.
Weigandll, 1008.
Vertrag, pitd. Verdrag, m.^ Eintracht,
Friede. Es ist kein Vertrag unter ihnen^
sie leben in Unfrieden. Kein Verdrag^
kein Verschlag, Sprw. I, 3919.
vertragen, pltd. verdräge(n), st, 1. er-
tragen, aushalten^ dulden. Das kann
ich nicht vertragen. 2. reflexiv: sich
vertragen^ sich verdingen, durch einen
Vertrag binden. Er hat sich als Knecht
vertragen, Treichel.
vertreten, st.^ sich, sich ergehen, gehend
Bewegung machen. Sich ein bifzchen
vertreten — die Füfze vertreten^ ein we-
nig umhergehen, wenn man lange ge-
sessen hat.
vertrinken, st. 1. ertrinken. Eir ist
vertrunken. Schon bei Jeroschin: in
der vlut st vortrunkin 140 a. Pfeiffer,
311. 2. verheiraten und zwar beim
Trinken. Mich hat man jung vertrun-
ken, Litauen. Nsslm., Dainos, 119.
vertritzen, sw.^ s. tritzen.
vertunteln, sw,j schwängern. Auch im
Sinne von betunteln^ sich heimlich ver-
loben. Vgl. tunteln.
vertuscheln, sw.^ s. vertuschen.
vertuschen, sw,y verheimlichen, ver-
schweigen, eine Angelegenheit durch
Schweigen unterdrücken, verhehlen^
vergessen zu machen suchen. He (der
Lehrer) lewd blo/z von Geschenke^ —
dat het (hat) Tnan so vertuscht, Lhrztg.
4, 355a. Schemionek, 43, hat ver-
tuschein als Frequentativ. In Hessen
verdutscheln heimlich etwas thun; etwas
verbergen; etwas heimlich vernaschen.
Vilmar, 81.
verunwilligen, sw.^ in Unfrieden, Zank
und Streit geraten^ entzweien. . . . da/z
sie sich unter einander verunwiüiget vnd
geschlagen, Morgspr. 1608.
veruraksen, sw,y s. wurachen.
verwachten, sto., erwarten. Ich kann
ihn nicht verwachten^ auch: terwachten,
Mühling.
verwandt, adj. Zur Bezeichnung weit-
läufiger, kaum nachweisbarer Verwandt-
schaft: Verwandt sein auf dreitausend
Meilen (Kgsbg.), — durch Grofzvaters
Peitsche (Samland), — durch drei Schef'
fei {Erbsen-) Aussaat (Westpr.), — aus
der hundertsten Tasche (Sprw. U, 2813).
Er ist das zehnte Wasser vom Kissel
(s. d.), — die neunte Kachel vom Ofen
(Kgsbg. Sprw. n, 1361).
verwarken, st, verweben, von wirken^
warken (s. d.). Sie hat viel Garn ver-
worken,
Verwatmtttze, pltd. Verwatmetz, /., s.
Mutze.
verweilen, au?., sich^ sich die Zeit ver-
treiben, verkürzen. VerweiT dich mit'm
Stückche Brot! Saalfeld.
verwennen, sw,^ verwöhnen. Sehebbe
dat Kind got verwennt
444
Terwengt — Vesperkost
verwengty adj^ umgewendet, Terkehrt.
Er gab ihm eins mit vermengter (ver-
wendeter) Hand^ mit der Ruckseite der
Hand.
verwerfen, st,^ etwas durch Werfen
schliefzen, ausbessern, ergänzen. Das
Dach cerwerfen^ den losgebröckelten
Kalk durch Anwerfen neuen Mörtels
ersetzen. ha»s es (das Haus) bessern,
verwerfen und teeren^ e es sincktj durch-
leichtig und durchsichtig will werden.
Stein, Peregrinus XI, 13. W. MtsbL
V, 159. Bock, 75.
verwesseln, sw.^ verwahrlosen. 1. von
Personen: aus der Art schlagen, aus-
arten, in Sitte und Wesen zum Nach-
teil sich verändern. Die Kinder sind
ganz vencesseU. 2. von Wunden : durch
nachlässige und unsaubere Behandlung
eine Wunde verschlimmem. Ebenso
vergrdtzen. Der Stamm ist nach Hen-
nig, 291, wechseln oder wesen verwesen.
Lit weisle Ghtttung, Art, Rasse, lett
waisla Art, Zuwachs, Zuzucht, vom
Yieh, is-waislotees aus der Art kom-
men. Nsslm. Forsch. 3; Th. 221.
verwichsen, sw.^ s. wichsen.
verwicicen, sw.^ s. wicicen.
verwillert, adj. u. ocfo., verwildert Ver-
lüillert aussehen. S. pusten.
verwissen. sich nicht verwissen^ von
Schreck oder Überstürzung so verwirrt
sein, dai'z man nicht im vollen Besitze
seiner Verstandeskräfte ist. Marold.
Mhd. oerwizzen^ ahd. farwizan wissen,
reflexiv bei Yerstandeskräften sein.
Schade, 169b.
verwOgen, sw,^ verwegen. Verwegen
wie ein Stint, — wie ein Leiermann.
Sprw. I, 3921.
verzabbeln, m^ s. zabbeln.
verzählen, sw.j erzählen. Was nun
hiervon mehr zu oerzehlen, achte ich
niciu nötig. Linem., E 3a. Selbiger
(Plato) verzeJdet im Namen Crüiae em
sehr Uhr alte Historiam, Ibid., Aa4b.
Auch heute noch: Verzähl doch ein
Märchen!
verzeckett, adj., s. zickeln.
verzeidem, sw., s. ttdem a. zeident
verzickelt, adj.y s. zickelru
verziehen, st, die Wohnang oder den
Wohnort wechseln.
verzipst, adj., übertrieben ängstlich,
blöde, allzu verschämt, kindisch, prüde,
zimperlich. Mühling. YgL Zippei-
ztrke.
verzoddem, sw., s. zoddem.
verzUmen, pltd. vert8me(n)y «c., erzur^
nen. Sie haben sich verzümt, entzweit
Ek mucht mi om aüet Q^ld fn der
Welt m§t er nich verteemen. Dorr, L
Wiew., 63. Davon: verzümt, pltd. ver-
temt als adj. . . . wenn se nich gebdden
hadd, doch man nich vertemt to setu
Elbinger Höhe. N. Pr. Prov.-BL a. F.
rX, 244. Firmenich m, 495b.
verzussein, sw., s. zusseln.
verzwicicen, sw., die Fugen und Ritzen
in Mauern fest zustopfen. Yon Zwicke
Zwecke. Bock, 75. Hennig, 291.
verzwicict, adj., verwickelt, verwirrt,
kritisch. Das ist eine verzwickte Ge-
schichte.
verzwirnen, sw., sich, sich erzümeD,
veruneinigen. Scherzweise gebraucht
Sie haben sich cerzwimt. Ebenso in
Posen, in der Niederlaus. Bernd, 339.
Anton, 15, 4.
Vesperbrot, n. 1. Brot, das zur Vesper
genossen wird. 2. Bündelchen mit Stei-
nen an einer Schnur, die an der Mitte
der Schienen des Webestuhls befestigt
ist. Das Vesperbrot verhindert das Rut-
schen der Schienen gegen die Eamm-
lade. S. Das Wirkgestell, 125.
Vesperkost, /, Speise, welche man
am spätem Nachmittage, um die Vesper-
Vibranze — Vij6lche(n).
445
zeit geniefzt, Vesperbrot. Essen Sie so
spät Ihre Vesperkostf sagte ich, y^Abend-
essen wollen Sie sagen^^ antwortete die
Mutter. Soph. RH, 181. Läfzt die
Weberin bei der Arbeit die Schütte
fallen, so sagt man: De Vesperhost os
weg. Dönh.
Vibranze, m.^ s. Wibranze.
Vieh, n., karze Benennung für Rind-
vieh.
Viehgras, n., einjähriges Rispengras,
Poa annua L. Hagen, 94.
Vielsamen, PAzd., vielsamiger Gänse-
fnh^ChenopodiumpolyspermumL. Ostpr.
Hagen, 288. Pritzel, 92.
Vlerchen, n., geprägte Ordensmünze
aus der letzten Hälfte des 14. Jahr-
hunderts, der vierte Teil (daher der
Name) eines Hcdbschotters^ der 180. Teil
einer Mark, im Silbergehalte von etwa
10 Pfennigen. Genaueres s. Hörn,
Vom preufz. Gelde. Altpr. M. V, 51.
Vgl. SkotL
Vierdener, Vieriner, auch Firdener, m.^
Beamter, der von den zum Fischmarkte
kommenden Verkäufern die Abgabe des
Vierten einzutreiben hatte. Ordenszeit.
Hirsch, 8. 210. Die vierte Tonne soll
allerwege der Stadt abgexetzet und dem
Vicrdtner gelief ert, von selbigem der Stadt
zu Gutt verkauft werden. Elbinger
Verordg. von 1578. Benecke, 292.
Vierdung, m., Rechnungsmüuze in
Preuizen zur Ordenszeit, der vierte
Teil der Mark. Vgl. Skott
Vierelche, /., s. Steineiche.
Vierkant, pltd. Virkant, n., Geviert,
Quadrat. Am andern Ende aber ist
aufgerichtet insgemein ins Vierkant . . .
ein dichtes Schürtzwerk etc. Pierson,
Matth. Prätor., 107.
vierkantig, pltd. virkantig, adj., vier-
eckig; übertragen: vierschrötig, derb.
auffällig, augen&llig. . . . damit ich ein
vierkantiges Eaempel bringen möge. Li-
nemann, G 2a. ^ne Verkant'ge! zur
Bezeichnung. einer vierkantigen Flasche.
iDanzig.
Vierkllwer, m.^ s. Kllwer.
VierrSuberessig, m., Medik., Acetum
aromaticum ( Vinaigre de quatre voleurs).
vierspillig, adj.^ s. spillig.
.Viertel, n., als Hohlmafz der vierte
Teil eines Scheffels. Der Scheffel soll
haben 4 Vtertheile^ ein Viertheil 4 Metzen.
LandesordnuDg (1307). Bock, Nat I,
689. Auch Holzmafz : vierter Teil vom
Achtel (s. d.).
Vieriner, m.^ s. Vierdener.
VIerzehntageuhr, /., Uhr, die nur alle
14 Tage aufgezogen werden darf.
Vierzigerleinwand, /., Leinwand von
40 mal 20 Fadenbreite. Vgl. Gang.
Viferitze, /., s. Fiberitze.
Vigeletten, plur.^ Levkojen. Gr. Wer-
der.
Vigeletvergnllgen, n., Tanzvergnügen;
von Vigelin: Es ist ein Vigeletvergnügen.
Kgsbg.
VIgeltn, VIgIfn, /., Violine. Dat SchnU
dake hald e Vigltn ungdm Rock vct.
Rastenburg Firmenichl, 109b. Auch
VijOI, Dem. VijSlke. Dat es e wahret Lü-
den^ wenrit Vijolke nich geity wenn ein
Werk nicht gelingt, keinen guten Fort-
gang hat. Mockrau bei Graudenz. A
kann Vijol speie on Waldhorn. Ermld.
Freisch. Manuskript.
Vijölche(n), auch Vijllche, Pflzn., Veil-
chen, viola. Doch nennen die Land-
leute oft auch jede Frühlingsblume Fi-
jolche: das Gänseblumchen, Bellis pe-
rennisy die Vogelmiere, SteUaria media,
Achy das sein wohl schon von de Vijol"
chenf Saalfeld. Im Weichseldelta Ffo-
letten, Vijoletten^ pltd. Vigeletten: Chei-
446
yijolen — Vogeldiang.
ranthus' Arten. VioUce Goldlack, Ch.
Chetri. Treichel, VolkstL. ID. S.
Violen.
vijölen, 8w. 1. verlangend sich auf
etwas freuen, auch überhaupt sich freuen.
Ihm vijoü der Bart. Sohd^ vne vijohld
mie dau de Baart? Carm. nupt. I, 282,
14. De Näs vijdlt em^ er verlangt nach
einer Prise Tabak. 2. glühen. Ihm
vy oft d»€iVase,iiem Trunkenbold. Bock,
75. Hennig, 292: violen.
Vijuchel, 77». etc., s. Fijuchel.
vijuchelig, adj., s. jacheln.
Vingille, /., s. Ul 2.
Violen, plur.^ blauem Leberblümchen,
Anemone hepatica L. Ostpr. P r i t z e 1 ,
28.
vielen, 8w., s. vijölen.
Violenrumor, Med., Theriaca, Müh-
ling.
vir — vier, in Zusammensetzungen:
virzehn^ virzig^ Virtel.
visintieren, pltd. vi8fntere(n), mc, visi-
tieren, durchsuchen, untersuchen.
VItle, kurz Vilt, pltd. Vött, /., Ursprung-
lieh am Seestrande abgegrenztes Fischer-
lager, das zur Zeit des Fanges der
Fische (Heringe) die Gestalt einer An-
siedlang gewann, diese mit der Zeit be-
hielt und sich hin und wieder allmäh-
lich zum festen Wohnorte ausbildete.
Die ältesten Vitten (der Hansestädte)
lagen auf Schonen; die preufzischen
Städte gewannen hier 1368 Grund-
eigentum zur Anlage einer Vitte. Die
Vitte bei Memel^ ursprünglich nur von
Fischern, später noch von Lotsen be-
wohnt, hat sich zu einem Teil der Stadt
ausgebildet. Die Schaakensche Vitt.
Schwed. vitte Ufer, Spitze. S. Hirsch,
143. Passarge, Bali, 133. Voigt,
Gesch. Pr.V, 221. Dähn.,530a. Mnd.
Wb. V, 263b. Nsslm. Forsch. 3,
schreibt Witt^ Witte und erklärt nach
Hennig, 292: Bucht, Hafßnbacht, am
kurischen Haff gebräuchlich.
Vittner, m., Bewohner einer FSCfe.
Vibe, /., Rute, Zweig.
Vllt, Fiet, Tl., Holzflofzy nur zur Thal-
fahrt geeignet und meist belastet mit
andern Holzstucken, oder Asche, Pech,
Teer, Getreide. Ordenszeit. Die da-
mals leibeigenen Führer der Vlete hiefzea
VUter Flöizer, jetzt Füssen, Danzig.
Hirsch, 173.
vodder = vorder. VodderkcmSy -stube.
Voder-, Foderhemde, n.^ eine Art Jacke
mit kurzen, spitz zugeschnittenen £d-
tenreichen Armein. Über der Brust
wurde diese Jacke mit einer silbernen
Eette^ an deren Ende eine Schnör-
nadel von gleichem Metall befestigt
war, oder mit einer seidenen Schnur
zusammengeschnürt Die Schnümadd
wurde dann an einem Häkchen au^e-
hängt, welches an der rechten Schulter
angebracht war. Sechs Rosetten von
dem Stoffe des Foderhemdes schmück-
ten die Seiten und den Rücken der
Jacke, die jetzt aufzer Mode. Dzg.
Nhg. Violöt, 182. Vgl. Oggagarrten.
Vogel, m. De heft e Vägel^ er ist über-
spannt, hat einen Nagel. Elbing. Im
Plur. Läuse. B}r hat VogeL Sprw. I,
3933. 3930.
Vogelbahn, f., Milchstraize, weil die
Zugvögel nach ihr in der Nacht ihren
Flug richten. Dönh.
Vogelfufz, -klaue, Pflzn., kleine Klauen-
schote, Omithopttö perpusiUus L. Ha-
gen, 763.
Vogelmeier, Pflzn., s. Mfre.
Vogelmilch, geWe^ Pflzn., gelber Grold-
stern, Ornilhogalum luteum L. Hagen,
361.
Vogelszung, Pflzn., gemeine Kreuz-
blume, Polygala vulgaris L. Auch
Milchblume (s. d.). Pritzel, 295. Nach
Yogeltrittgras — vor.
447
Hagen, 430, ist Vogelzunge derHecken-
knöterich, Polygonum dv/metjorwm Z/.,
Vogelzungenbaum heifzt die gemeine
Esche, FrcMnu^ excehior. Hagen,
1077.
VogeHrittgras, -wegtritt, Pflzn.^ Vogel-
knöterich, Polygonum aviculare L, Ha-
gen, 427. S. JungferntritL
VogeltrittholZy n., jedes Holz, weil der
Vogel jedes Holz betritt. Auf die Frage
nach der Holzart hört man scherzweise :
Es ist Vogeltrittholz. Ghrün Hoh^ rot
Höh, Vogeltrittholz, Volksr., 150, 640.
Nach Treichel, Volksth. H, 8, bezieht
sich der Name besonders auf Faulbaum,
Rhamnus frangula L, Auch: Vogel-
bauertrittholz.
VHgelzeH, /., Zeit, in der die Vögel
im Herbste von uns ziehen. Er ist in
der Vogelzeit entwohnt, er hat ein un-
states, fluchtiges Wesen. Das Volk
entwöhnt Kinder in der Zugzeit nicht,
da diese den erwähnten ungünstigen
Einfluiz auf die Kinder ausüben würde.
Hennig, 292.
Vogelzunge, /., -zungenbaum, m., s.
Vogelszung.
voll, adj. u. adv. 1. bis zum Rande
gefüllt. 2. auf den Menschen über-
tragen: betrunken. Eck was von erst
noch rommelduhn on voll. Carm. nupt
1, 282, 2. 3. unsauber, unrein, schmutzig.
Ich habe mir die Hände voll gemacht
Du hast dir dein Kleid voll gemacht.
volläddich, adj., mit Eiter angefüllt.
Nu OS et e grötet Geschwür, ganz Idar
on volläddich. Kgsbg. Firmenich I,
102a.
Vollbort, n., s. VollworL
vollbrllstig, adJ., stolz. Von Menschen,
die sich brüsten. Hennig, 292.
Vollhofer, m., s. Hofer.
vollkaddem, sw., beschmutzen, beson-
ders Zeug, Wäsche. Mühling. Vgl.
kaddern.
vollkantig, adj., von einem scharfkan-
tig zugehauenen Bauholz, im Gegensatz
zu baumkantig (s. d.). Hennig, 292.
vollkommen, adj., völlig, weit, lang;
von Kleidern. Der Rock ist ein bifz-
chen vollkommen.
vollmachen, sw., s. voll.
vollschlagen, st, sich. Sich das Leib
vollschlagen, übermälzig essen. Sper-
ber, 33.
Vollwerk, n., Vorwerk, Nebengut.
Vollwort, n., Zustimmung, Einwilli-
gung. Einem Vollwort geben, ihm zu-
stimmen, ihn in seinen Ansichten be-
starken. Hennig, 338. Sprw. I, 3937.
Ouch sali keyn aldirman vorba/zmer
macht haben jn sunderheit gerdeleute czu
sich czu kifzen an>e wissen vnd volborth
der oJeri^^scAr. (geschriebenen) A^'n. Aus
der Morgenspr. von 1492. Die Zünfte,
28.
von, präp., die häufig mit dem Ak-
kusativ gebraucht wird. Er ist vons
Land — vons erste Regiment
vondag, vondäg, adv., heute. Dzg.
Nhg. Viol^t. Im Werder vondogn.
Ek kam noch von Dag, m§t er £hop.
Dorr, 1. Wiew., 29. On von da// soWn
wi Bescheed krien. Ibid., 64. Es von-
dag keene Schoolf Ibid., 88. Sche-
mionek, 44, vondag gestern. (?)
vonfin, adv., auseinander. Schemio-
nek, 16. 44.
von weitem, adv., ausholend, neben-
bei, scheinbar absichtslos. Er kommt
so von weitem. Er tcird auch von weitem
fragen nach ihrem Leben seine Freunde,
die die Magd kennen. Pierson, Matth.
Prätor., 70.
vor, präp., für. vor mir, für mich^
meinetwegen. Vor mir hanris geschekn.
448
Vorarbeiter — vorkriegen.
Ebenso in der Niederlausitz. Anton,
15, 5.
Vorarbeiter, wi., Arbeiter, der an der
Spitze der Arbeiter als erster thätig ist.
Vorderbauch, m., erste Abteilung eines
Sackes oder Wenters.
Vordergesäfz, n., s. RUckgesäfz.'
Vordergestell, n., der vordere Teil des
Wagens, die Vorderachse.
Vorderkranz, 7n., vorderste Abteilung
der Metritze des kurischen Wadegams.
Vordersiele, /., s. Siel.
VorderstUbchen, n., cunnus. Sie hat
ihr VorderstübcJien zur Miete gehetiy ist
eine Hure. Sprw. I, 3938.
Vorderteil, n., vorderster Abschnitt des
Eeitelgams. S. Herd.
Vorderzeug, n., Vorderbüste der
Frauen. Sie hat ein gutes Vorderzeu^^
einen vollen Busen. Allgemeiner: Sie
hat einen guten Vortrag. Sprw. I, 3939.
Vorflucht, /., s. Vorflut.
vorflunkern, -fluntem, sw,^ s. flunkern.
varfluntem in Natangen.
Vorflut, auch Vorflott, /., Abfluli, Ab-
leitung der Flut, des Wassers. Klein
II, 221, hat Vorflucht: die Ableitung
des Weichsel Wassers im Werder. Weil
auch der Vorflott halben grofze Irrunge
und Spaltungen sich oft erregen^ so
wollen inir^ da/z kinführo ein Nachbar
dem andern umceigerlichen die Vor/lott
zu räumen schuldig sey. Landesordnung
von 1640. Hennig, 338.
vorhalten, st^ ausreichen, hinreichend
sein, von Dauer sein. Das Essen halt
vor^ liegt lange im Magen. Das Zeug
hält vor^ ist stark und dauerhaft. Hen-
nig, 95.
Vorhängeschlofz, n., Vorlegeschlofz.
Vgl. Knippschlofz.
Vorhaube, /., Fischergerät, Pierson,
Matth. Prätor., 117.
Vorhauer, m.^ der Vorhauende. Zween
(Fischer) mOssen die grofzem undUeh
nem Eiswuhnen mit den Eisäaten komm
und werden Vorhauer genannt. Bock,
Nat. IV, 717. Dem HoMskneeht, Vor-
häuer^ Ze/zer, Schtede-Leute und Bof-
knecht jedem wöchentlich 2JUk. 10 Gr.
Pr. Rolle d. Kgsbg. Gildef. von 1662.
Ibid. V, 559. Auch der erste Mäher
in der Reihe der Schnitter helTzt Vor-
hauer,
vorigt, adj.^ vorig. Vorigte Wock^ wh
rigtes Jahr,
Vorjahr, pltd. Verjähr, n., Frühjahr,
Frühling. Ist es gewifz^ wie viel unter
den Gelehrten meinen^ da/z die Wdt im
Vorjahr erschaffen, Cartn. nupL 1, 139.
Auf diese Oedancken bringet mich einef
Theils die liebliche Vofyahrs-ZeiL Ibii,
141. De Verjoahrschloft weiht Und m
an, Dorr^ 41. ., .vermeinen aus einer
Schwalben^ so irgends ohngefehr gesAeUj
ein Vorjahr zu erjagen. Li nem., H3a.
vorkftkeln, vorkäkeln, sw.^ dummes, an-
Dützes, albernes Zeug schwatzen. Vgl
kakeln.
Vorkäufer, m., Käufer, welcher eine
Ware ersteht, bevor sie zu Markte
kommt, holl. voorkooper. Der Vorkauf
geschieht vor den Thoren, indem die
Vorkäufer die zu Markte kommenden
Vorräte (namentlich Getreide) schon
hier für ihre Auftraggeber kaufen. Kö-
nigsberg. Hennig, 339. Vgl. Proben-
träger u. Buxer.
vorklanelen, sw,y s. klaneien.
vorkolzen, sw., vorschwatzen^ vorreden.
Mühling.
Vorkost, /., Suppe als Vorspeise. Bei
Adelung IV, 1276, Speise, welche nach
der Suppe, vor dem Fleische gegessen
wird, also das Gemüse.
vorkriegen, sw.^ eine Sache oder Per-
son; sich mit ihr beschäfidgen, sie mit
Worten oder mit der That angreifen.
Vorland — vorspükeD.
449
Ich mujz Ihnen sagen ^ da/z ich diesen
Mann^ wenn ich lustig bin^ oft varkrige.
Soph. K. I, 377.
Vorland, n., das vorliegende, äuizerste,
vordere Land; das Land zwischen den
Dämmen (Deichen) und dem Strom-
bette der Weichsel. Durcrh Anlage von
Querdämmen, den sog. Buhnen^ oder
durch Legung von Faschinen sucht man
ein Abspulen und Unterwaschen des
Vorlandes zu verhindern. Passarge,
187. Das Vorland wird aui'zerdem noch
durch Nesterpflamung von Weiden-
strauch befestigt, und Gleiches geschieht
auch mit den Strominseln oder Kam-
pen.
vorlangs, vorlängst, adv.^ nebenbei.
Treichel.
Vorlaube, pltd. Värlfiw, /., Vorbau auf
Ständern (Pfeilern) an der Vorderfronte
der Wohnhäuser in der Niederung; die
Ständer reichen bis zur Hohe des
Daches, mit welchem die Vorlaube un-
mittelbar in Verbindung steht. Vgl.
Passarge, ^37. Viol^t, 87. De
SchwalmkesonderVarleewbuu^n. Dorr,
58. S. Laube.
vorlaudem, sw. Sie laudert mir er-
schrecklich viel vor (rompre les oreilles
ä force de prihes\ von Sophien nicht
abzustehn. Soph. R. VI, 229.
Vorlauf, 97)., der dem Angelhaken vor-,
d. i. voranlaufende Teil der Lachsangel,
die eigentliche Angelschnur, oberhalb
des Angelhakens mit kleinem Bleige-
wicht beschwert. S. Benecke, 402.
Vorläufer, w., einer, der vorläuft, er-
ster Sackträger (s. d.).
vorifiden, adv.^ vordem, einstmals.
Schemionek, 44.
Vorlegeschlofz, n., Vorhängeschlofz.
Ein Vorleeg-Schlo/z kan zwar jedermann
zudrücken und zuschliefzen^ aber er hat
PrLicbbier, Wörterbach II.
nicht sogleich den Schlüssel es vneder
aufzumachen. Carm, nupt III, 11c.
Vgl. Knippschlofz u. Vorhängeschlofz.
Vorlegpferde, plur , Pferde, welche
man vor ein Fuhrwerk legt, wenn die
bereits vorgespannten Pferde allein den
Wagen nicht fortzuziehen vermögen.
Nach Mühling im Samlande Vorleig,
Verleig, n.
vorloben, pltd. Vfiriawen, lobend an-
preisen, öck wöU ju de gode Gawe
(Erbsen), De mi Gott gegewe heft, Ju
als Nawersch nich verläwe, Volksl, 67,
44, 7.
Vormeister, m,^ Meister vorauf und
voran, einer, der überall dabei sein
mui'z. Er ist ein Hänschen Vormeister.
Danzig.
vorpalen, vorpalern (Hennig, 339),
sw.^ s. palern.
Vorsatzfenster, n., s. Vorsetzfenster.
Vorschnur, /., die eigeotliche Angel-
schnur an den Dorschangeln. S. Vor-
lauf.
Vorschubnetz, n., vorgeschobenes Netz,
lit. tinklojs^ am Lachswehr. Zu seiner
Befestigung dienen die Vorschubpricken
und die Ansteckpricken. Vgl. Benecke,
381.
Vorschubpricke, /., Pricke zur Befesti-
gung des Vorschubnetzes.
Vorsetzfenster, n., inneres (Doppel-)
Fenster, das man während des Win-
ters dem eigentlichen Fenster vorgesetzt
hat; auch Vorsatzfenster.
Vorspfiger, m,, s. Vfirsplger.
Vorsprung, m., das beste Getreide,
welches, beim Reinigen durch Werfen,
auf der Tenne seiner Schwere wegen
am weitesten fliegt, vorspringt. Trei-
chel.
VorspQk, w., Vorzeichen, Omen.
VorspQken, sw.^ vorher spuken, „auf
29
450
Vorstellnetz — Wachmeister.
eine ungewöhnliche Art etwas Künf-
tiges voraus merklich machen.^ Hen-
nig, 339. S. i^uken 3.
Vorstellneb, n., das quer über den
ganzen Flufz vor-, d. h. unterhalb des
Wehrs gestellte Netz, lit. tinklas metta-
maszü oder uszmettamagey früher beim
Lachsfange angewandt. Benecke,
382.
vorstofzen, st, vorragen, hervorragen.
Das vorgestofzene NetZy in der Fischer-
sprache die Ketzwand in deai grofzen
und festen Lachswehr der Flüsse. Die
in einiger Entfernung von dieser Wand
aufgestellte zweite Netzwand ist das
ausgeworfene Netz. Vgl. Vorechub- o.
Vorstellneb.
Vortrag, m.^ s. Vorderzeug.
Vöter, m., s. Vftder.
Vötsch, 9n., Vater. Dzg. Nhg. Vio-
Ut, 105.
W.
Wy aus u hervorgegangener Halbvokal,
klingt plattdeutsch wie hochdeutsch.
Wabbel, m., s. Wabel.
wabbelig, adj. 1. flau, widerlich weich,
ungewürzt; von Speisen. Eine wohin
lige Suppe. 2. unwohl, übel, flau. Mir
ist so wabbelig ums Herz^ mir ist flau
zu Mute, ich spüre einen Reiz zum
Erbrechen. 3. schlotterige weich, schlapp,
flaccidus. Bock, 76. Hennig, 293.
Vgl. quabbelig; auch schwabbelig.
wabbeln, sw.y schlottern, beben, wie
es weiche oder fette Eirper thun. Vgl.
Brem. Wb. IV, 158. Hennig, 293.
Vgl. quabbeln.
Wabel, Wabbel, m, 1. Käfer, in Li-
tauen jedes kriechende Insekt. Ahd.
wibH^ wipüy mhd. toibel Käfer, Kom-
vnirm; in Bayern ujibel^ wibhel, altpr.
webil (Voc. 781), lit. wdbalas^ lett. wab-
boh. Schmeller IV, 8. Nsslm.,
Forsch. 3. Mühling, Tiem., 178.
SchTtwabbel, m.j Schelizwabbel, in der
Bischofsteiner Gegend der Rofzkäfer,
der allgemeiner Pferddreckskäfer heiCzt.
2. nach Gordack Witz^i^Z auch junger,
halbreifer Bursche.
Wachabendy m., Abend, an dem ge-
wacht wird, an welchem die Leiche,
eingesargt, in Parade steht. Die Ver-
wandten und Nachbarn finden sich ein,
um den Verstorbenen zum letztenmal
zu sehen. Im Samlande sieht dicht
neben dem Sarge ein Stuhl leer, wo-
rauf der Geist des Verstorbenen aus-
ruhen kann. Vgl. Totenwache.
WachbUdner, m., Inhabe^.einer Wach-
bude, bestehend aus Wohnhaus und
Stall (zur Aufnahme verschiedener Ge-
rätschaften), der für die Zeit der Eis-
wachen oder so lange am Damme ge-
arbeitet wird, die Verpflichtung hat,
Ausschank und Hökerei zu betreiben.
Passarge, 196. Vgl. Eiswache.
Wache, /. Einem die Wache ansagen^
ihn zur Rede stellen, ihm mit Strafe
drohen. Sprw. I, 3950. Wohl aas
militärischen Kreisen: mit einer Straf-
wache drohen.
wachen, sw.^ s. wachten.
Wachmeister, m. 1. Wachtmeister;
Exekutor. Hei nommt em wie de Wackr
meister deWorscht. 2.Wiedehopfi üpupa
Epops. Mühling, Tiern., 179. S.Keil
der^ Brettschneider, der auch Warrkei
heil'zt. Muhling.
Wacbsblome — WMegarn.
451
Wachsblume , /. , pfirsicbblättrige
Glockenblume, Campanula persicifolia
L, Weichseldelta. Treichel, Yolks-
thümliches III.
Wachsgiefzen , n., das Gierzen ge-
schmolzenen Wachses ins Wasser, um
aus den zufällig entstehenden Figuren
das Schicksal zu enträtseln. Nach
Hennig, 293, bei den alten preul'zi-
schen Heiden beliebt; er schreibt tTarA«-
schmelzen. Vgl. Zinngieben.
Wachte, /., Sturm welle in der See.
Samländischer Ostseestrand. Da8 waren
keine Wellen mehr, wie wir sagen, oder
Wogen, sondern Wachten^ wie sie die
Schiffer hier nennen, wtuihtende Wasser-
massen, die nicht in den regelmäfzigen
Linien der Rollinge an das Strandufer
schäumen. Passarge, Balt., 374.
wachten, sw. 1. warten, verweilen,
verziehen; in der Saalfelder Gegend
auch wachen. Wachf ein Weilchen. Öck
kann nich so lan^ wachte. Wachi man,
öck war dl schon kr ige! Wachf man,
wachf, seggt jen Jung^ ons K6 ward 6k
starwe, dann war öck june Hund 6k
davon wegjage. Sprw. I, 3952. WacV
doch, ich mufz dir noch was sagen! De
Oäste kerne bold hervor On lete nich
lang* wachte. Samland. Firmen ich
III, 499 b. Lat ons nich lang wachte,
Wi motte htr verschmachte! Volksr.,
226, 14. 2. beaufsichtigen, pflegen:
Kinder, Kranke; auch abwachten. ab-
W€u:hten auch in dem Sinne von er-
warten. He kann de Ttd nich afwachte,
er kann — vor Ungeduld — die Zeit
nicht erwarten. 3. sich hüten, in acht
nehmen. Ich werde mich aber schwohr
wachten (sehr hüten), ihm morgen vor
Augen zu kommen. Soph. R. V, 612.
Hennig, 293.
Wächter, m. 1. grauer Würger, La-
ntus excubitor; auch WUrgengel. Bu-
jack, 370. Mühling, Tiem,, 179.
Vgl. Kaddigheister. 2. Wächter auch
Hundename.
Wachtgeldy n., s. Wartgeld.
wack, adj., feucht, weich; vom Ge-
treide. Mühling. Schemionek, 44.
wackeln, sw., s. waggeln.
Wackelpeter, m , Pudding von feinem
Buchweizen- oder Grickenmehl, der
bei leichter Erschütterung wackelt.
V. Au er.
Wackelstein, m,, kleiner Fluizstein.
Hennig, 66. Vgl. Feldwftke.
wacker, adv., viel, wacker tanzen, —
trinken^ viel tanzen, trinken. — wacker
deg, s. deg.
Wftd, m., s. Wand.
Wadbaum, m., hölzerne Walze am
Ende des Flügels der Wadnetze, an
der man das Netz aus dem Wasser
zieht. Vgl. Bock, Nat. IV, 715.
Waddik, Waddig, Weddik, /, Molken,
Eäsewasser; nach Hennig, 294, auch
das Wässerige in nicht genügend aus-
gedrückter Butter. Im Brem. Waddik,
Wattke, im Holstein, auch Waje, im
Osnabr. Wacke, im Götting. wdke, f.,
angs. hwaeg. Brem. Wb. V, 161.
Schamb., 284a. Man bestreicht mit
Waddik oder auch mit Schlichtmus
Bündel von Beifufz, die man an die
Stubendecke hängt, um darin Fliegen
zu fangen; bei der Abnahme werden
die Bündel mit einem Sacke überzogen.
Waddras, m., Widerrist des Pferdes.
Ermland. Mühling. Wohl nur mund-
artliche Eorrumpierung des hochd.
Widerrist.
Wftde, Wade, /., s. Wftdegarn.
Wftdegarn, Wfttegam, n., auch Wftde,
Wade, Wftte, Wathe, lit. watultts, f., Zug-
netz aus zwei Flügeln und einer Me-
tritze bestehend, das vom Lande aus,
oder, wo sehr seichtes Wasser dies un-
29*
452
WÄdegarnfischerei — Wählbamn.
thunlich macht, von im Wasser wa-
tenden Leuten oder aach von fest-
liegenden Kähnen aus aufgezogen wird;
in See heifzt es Strandgam. Das Wade-
gam des kurischen Haffes heifzt auch
Zuggarn und Zugneb, das des frischen
Landgarn und Ziehnetz; das Wadegam
heifzt auch Klappe, Klappe, Klippe, So^-
mergarn, Schargam Bei Prätorius:
Wade^ die zweierlei^ ohne oder mit dem
Sack. Pierson, Matth. Prätor., 117.
Die Wate ohne Sack ist auch jetzt noch
im Gebrauch. Bei dem Fischen auf
den Landteichen bedienet man sich der
Klappen und eines Sacknetzes^ das man
in Preussen eine Wathe nennet. Bock,
Nat. IV, 711. S. Benecke, 348. 356.
Die Eassuben nennen die Wate rwadika.
Fisch.-Ord. f. d. kur. Haff, § 33; f. d.
fr. Haff, § 27. Hennig, 294.
Wftdegamfischerei, f.y Fischerei mit
dem Wadegam, Sie heifzt auch: Land-
garnfischerei,Strandgarnfi8cherei,Ziehneb-
fischerei. Vgl. Wftdegam.
Wadel, m 1. Yollmondszeit, auch
der Vollmond. Ähd. wadal, wadil, mhd.
wadel Phasen des ab- und zunehmen-
den Mondes, Vollmond. Schade, 1071a.
Vgl. Adelung IV, 1329. 2. Zeitraum,
zur FälluDg des Holzes am geeignet-
sten: 1. Oktober bis 1. April. Holz,
aufzer dieser Zeit geschlagen, ist als
Brenn- und Bauholz untauglich, wird
vom Wurm angefressen. Mühling.
Wftden, Wftten, sw,, mit Waden fischen.
Wftdmann, m., s. Wand.
Wftdsack, m. 1. Sack zum Fischen,
Wadegam, 2. Felleisen, Ränzel. Müh-
ling. 3. korpulenter Mensch.
Wafel, Wapel, /., Waffel, dünner, wa-
benähnlicher Kuchen, zwischen zwei
Eisenblechen, dem Waffeleisen^ gebacken.
Hennig, 294.
Wage,/., s. Bracke.
Wagen, m,^ Sternbild des grofzen K-
ren. Es heifzt auch der grote, der
schiefe Wagen, das groKze Siebengetfin.
Wagenschauer, n., Wageoschoppen.
Wagenschofz, m, 1. Planke and dicke-
res Stück aus astfreiem Eichen-SUuniii-
holz von 10 — 18 Fuiz Länge und bis
30 Zoll Durchmesser, frei von dem in-
nem weichem Kern (Seele, Peddik)
und richtspaltig; engl. watnscot-logL
Die beiden gangbarsten Artikel des Dan-
ziger Holzhandels in der Ordenszeit trom
Wagenschofz und Klappholz. Hirsch,
215. 2. zehnzoUige eichene Diele in
der Stärke von 7t bis zu einem Zoll,
zum Bootsbau und zo Yerkleidongen
verwendet Hirsch, a. a. O.
Wäger, ?n., vereidigter Beamter, der
den Stadtwagen vorsteht. Im Dienste
der Wäger stehen die SchalbeleknioL
Schalknechte, Königsbei^. Danzig.
waggellg, adf, s. waggeln.
waggeln, sw. 1. wackeln. Davon
waggellg, adj. Der Tisch tcaggelt, —
ist waggelig, steht nicht fest. £}r wag-
gelt^ er geht wankend. Dan£ ^ Mäkt,
dan£, wie waggeU di diu rodet Rockte!
Volksr., 42, 163. 2. prügeln. Einen
auswaggehiy durchwaggelUj gewöhnlicher
durchwackeln ^ ihm ettvas aufwackeln^
auswackeln ^ ihn tüchtig durchprügeln,
so dafz er wackelt. Allitterierend mit
wiggeln: vnggeln und waggeln. In den
Eönigsberger Zeitungen liest man oft
Gratulationen, so herzlich gemeint, daiz
Stralze und Wohnhaus des Beglück-
wünschten „vnggeln und waggeln*^ sollen.
abwaggeln u. abwackeln. 1. wackehid
abgehen. 2. einen durchprügeln.
Wählbaum, 9n. VomWählhaum auf den
Faulbaum fallen^ auch : vom Wählbaum
auf den Nälbaum^ vom Ndlbaum auf
den Faulbaum^ durch langes Prüfen und
Zögern (s. nalen) bei der Brautwahl
wählig — wälig.
453
schliefzlich unglücklich treffeu, „hinein-
fallen". Sprw. I, 3961. Davon wähl-
bäumen, sw. Er wehJbäumt vom weht-
bäum auf den faulbaum. Die viel wehi-
bäumen bekommen hernach di£ ergste.
Stein, Peregrinus XIV, 6. W. Mtsbl.
VI, 184.
vAhlig, adj.^ s. wälig.
Wahre, /., Wahrheit. Andere haben
die Ursache gesucht und auch vermeinet
die Wahre gefunden zu haben^ wenn sie
des Monds Licht bi/z an die Fixsterne
geschicket Linem., Aa2b.
während, adv. Es regnet in einem
während, ununterbrochen. Egsbg.
Wahrschauen, sw.^ verwarnen, in der
früheren Gerichtssprache Danzigs. W.
Seidel, 35.
Wahrwolf, m,^ s. Werwolf.
Waidehnen, Ortsn., s. Iwenberg.
Waidelei, Weidelei, /*., Zauberei. {Ein
Weih in Wankallen) war eine Bauchr
rednerin und gebrauchte diese Kunst zur
Waidelei^ wie ich sie selber davon über-
führet Pierson, Matth. Prator., 18.
Waideier, Weideier, m.^ s. Waidelotten.
waidein, weidein, sw.^ zaubern. Im
altpreui'z. Katechismus, in der Luther-
schen Erklärung des zweiten Gebotes,
steht, keinem Worte des deutschen Tex-
tes entsprechend, das Verbum waid-
leimai wir waidein. Nsslm. Forsch. 3.
Abstammung unter Waidelotten. Vgl.
burten.
Waidelotten, in deutscher Bildung
Waideier, Waidler, auch Weidelotten etc.,
plur,^ Priester der heidnischen Preuizen.
. . . vmb vnd vmb woren hübsche tuchir
vorgezogen ein schrit aber 3 von der
eichen wol 7 elen hoch^ do mocht nie-
mandt eingehen^ ag der kirwaito vnd
die obirsten waidolotten. Grünau, Tract.
n, Kap.V. Perlbach, 78. Hennig,
295, Weideier oder auf Preusch Weir
duUi oder Weidulutten. Pierson^ Matth.
Prätor., 43. Hennig, 295, weist für
die Abstanmiung hin auf das preul'z.
waidu Wissenschaft, waidas Gesicht,
weizdzu ich sehe^ waydis Seher \ Nsslm.
deutet auf die preuiz. Wurzel und wis-
sen, hin: waid^ Verbalstamm von der
Wurzel und^ davon waist^ Infin., wissen,
waiseiy waisse du weil'zt, waidimai wir
wissen, waiditi ihr wisset, auch Imp.
plur. wisset. Der Zusammenhang mit
dem sagenhaften Waidewut ist unver-
kennbar. Vgl. Nsslm. Forsch. 3; Th.,
195. Hartknoch, A. u. N. Preuiz.,
149 ff. 2. Waideier und Waidler später
auch s. V. a. Zauberer.
Waidler, m., s. das vor.
Waiting, m., s. WTting.
Wftke, /. 1. ein ins £is gehauenes
Loch, also gleichbedeutend mit Wune
(s. d.); doch heii'zen mehr noch die
natürlichen Öffuungen im Eise Waken,
gewöhnlich Windwftken, weil der Wind
ihr Zufrieren (bei nicht aulzergewöhn-
lichem Froste) verhindert. Solche Stel-
len heifzen auch Blanken (s. d.). 2.
kleiner Feldstein. Vgl. Feldwftke.
Waldburg, Ortsn., s. Kapustigal.
Waldcy presse, Pflzn., s. Sadebaum.
Waldgänger, m., im Volksrätsel der
Jäger. Pflzräts., 8.
Waldglocke, Pflzn., s. Riesenglocke.
Waldheelin, Pflzn.^ weü'ze Osterblume,
Anemone nemorosa L., auch Waldviolen
und Augenwurz. Pritzel, 28 f. Nach
Hagen, 568, Waldhähnchen.
Waldläufer, m., s. Wart
Waldviolen, Pflzn., s. Waldheelin.
Waldwart, m., s. Wart
Waldwolfsmilch, Pflzn., s. Rehehirschen.
weigern, sw.^ im Boot hin und her
schaukeln. Treichel.
wälgem, sw., s. wVItem.
wälig, wählig, wllig, adj. 1. jugendlich
454
Waligkeit — Wandpelz.
übermütig, mutwillig, £röhlicli und aus-
gelassen vor Wohlgefuhl; von jungen
Leuten und Tieren, namentlich von
Pferden. Angs. welig^ ahd. welak^ md.
welic^ im Brem. Wb. V, 223, welig^ bei
Schamb., 284b, wälig^ in Hessen ge-
welig heiter, munter, umgänglich. Vil-
mar, 447. Holl. weelderig, 2. wähle-
risch, mäkelnd im Essen. Er üt
sehr wählig im Essen und Trinken^ er
ifzt und trinkt nicht alles, was ihm vor-
gesetzt wird. Von wählen. Hennig,
295.
Waligkeit, /., von wdlig, Wohlgefühl,
Wohlbehagen. Er weifz vor Waligkeit
nichtj was er angeben soll.
Wali(, m,, Pflzn., eine Art Trespe.
Mühling.
wali(en, sw. 1. prügeln, einer Walke
gleich jemand mit den Fäusten bear-
beiten. Philipp y komm und walk mir
diesen Nichtswürdigen! Soph. R. VI,
111. Einen auswalken, durchwaiicen, ihm
etwas ailfwali(en. Ich werde noch einmal
den Puckel ihm auswalken. Soph. R. I,
508. In gleichem Sinne: Einen in die
Wali(e nehmen. Bock, 76. 2. nach
Treichel ein Spiel, in welchem meh-
rere Paare, die sich mit verschlungenen
Händen nebeneinander aufstellen, je-
mand in die Luft prellen und wieder
auffangen, wobei sie singen: Komm\
unr wollen walken^ Brüderchen^ waUc !
Wallkasten, m,y in der alten Danziger
Verfassung die Fortifikationsbehörde.
W. Seidel, 35.
Wallrutscher, m., gemeine Hure, Sol-
datendirne. Königsberg. Danzig.
Walm, /., in Bayern Atr Walben^ die
Einbiegung des Daches schief herab an
der Giebelseite des Gebäudes. S ch m el-
ler IV, 61.
Waltelle, /., s. Handkahn,
wältem, svo.y s. Woltern.
walzen, sw.^ fechtend, bettelnd reisen;
auch sich auf den Weg machen: nm
wollen wir nur walzen.
Wams, n., Jacke, Eaniisol der Män-
ner und Frauen, Ärmelweste. Im Wer-
der die Weste meistens von dunkel-
blauem Tuch mit Ärmeln aas blauer
geblümter Leinwand oder hellblanem
Flanell. Holl. wambes^ wambais^ ahd.
wambeis aus warmha Banch. DaJt 5$ t
ander Wams, dat heft Scho/zkea, Spnr.
I, 3969. Der das Wambs bey nadär
licher kühler Lufft anbehält, verhindert
die warme Aufzdünstung au/zdem menaA-
liehen Leibe^ weil das Wambsy wegen da
dichten Anliegens gar keinen^ oder ja
gar zu einen kleinen Platz der Aufzr
dunstung verleihet. Li n em. ^ Nn 1 b.
Hennig, 296.
Wamse, /., Prügel. JB^ giebt Wa$nu,
Mühling. Einem das Wams auskhpfei^
— ausstewemy ausstauben, ihn durch-
prügeln. Bernd, 343, schreibt Wamfzi
und wamfzen,
wamsen, sw.., aufs Wams klopfen, prü-
geln. In Zusammensetzungen: ab-, auf-,
aus-, durchwamsen. . . . um Ihnen nad
Herzenslust den Pelz auszuwamsen. SopL
R. II, 460. Wie manch ehrlich Mutter-
kind er durchgewamst hat. Ibid. Y,
285. Bock, 76. Hennig, 296.
Wand, Want, m, u. n., auch Wad, WIt,
wollenes Gewebe, grobes litauisches
Tuch. In den Ordenspapieren wird
Wand stets als aus England eingefühlt
bezeichnet. Hirsch, 253. Nach Müh-
ling auch Wark, nach Hennig, 297,
auch Wftdmann. Mnd. wand^ want,
Tom Rock kep dt Wand,
Denn blöfst bi Verstand;
To Boxe kep dl Ledder^
Denn krögst dtn Gold du wedder,
Kgsbg.
Wandpelz, ?n., Wandrock mit Pelz-
Wandrock — Wardßrer.
455
kragen und Pelzeinfassung. Nebstdem
gebrauchen die Weiber im Winter einen
ziemlich langen Wand-Pelz^ da die Kan-
ten mit Mardern oder Fuchs benäht sind,
Pierson, Mattb. Prätor., 112.
Wandrock, m., Rock aus Wand,
Wand-, Wantschaf, n. 1. Schaf, aas
dessen Wolle Wand gewebt wird. M ü b -
ling, Tiem., 179. 2. nach Hennig,
296, adjektiv wandschaffen für grob und
ungeschliffen, dsiWandschafe die gröbste
Wolle haben. Es ist dies wohl das nd.
wanschapen^ adj. u. odb., mhd. wdn-
Schafen^ wabnschaffen, milzgestaltet, in
der Bedeutung: 1. einfältig, albern, thö-
richt, stumpfsinnig; 2. halzlich, unor-
dentlich. Schamb., 286a. Mi, 105a.
Danneil, 244b. Schemionek^ 44,
hat wandschäffen = unförmlich , unbe-
holfen.
Wandstreicher, ^., vereidigter Beamter,
der die Aufsicht über alle Gattungen
Tuch (Wand, Laken) und Leinwand,
die in der Stadt angefertigt oder von
der Fremde her eingeführt waren^ führte.
Die Wandstreicher mufzten zum Ab-
schlüsse jedes Tuchgeschäftes im grofzen
hinzugezogen werden; die Richtigkeit
der von ihnen geprüften Stoffe bezeich-
neten sie mit dem Stadtsiegel. Ordens-
zeit. Hirsch, 219.
Wange, /., schlecht bestandener Eich-
wald, halb ausgerodete Waldfläcbe; von
dem gleich bed. altpr. wangus ^ Da-
merau (s d.). Häufig in einfachen u.
zusammengesetztenLokalnamen: Wange^
Wangen^ Wangeninken^ Wangenkrug^
Wanghusen^ Wangitt, Wangnick^ Abschn
Wangen^ Aleawangen, Kaltwangen^ Kin-
Wangen^ Porwangen etc. Nsslm. Th.,
199.
Wangelstein, m., behauener Stein, wel-
cher den Rand, die Wange eines Bau-
werkes bildet. Die Beischläge in Dan-
zig waren gegen den Graben hin durch
eine niedirige Mauer von Wangelsteinen
in zierlicher Form begrenzt. Passarge,
52.
wanken, mi^., zunächst schwanken;
dann sich bewegen, gehen, herumwan-
deln, meist ohne Ziel und Zweck. Es
hat noch nichts gewankt auf der Strafze.
Hier wankt selten einer. Er wankt über--
all herum^ geht suchend, prüfend^ spio-
nierend umher, — geht ruhelos aus einer
Stube in die andere. Gespenster wan-
ken. Der Tater wird wanken^ er wird
über die Unnützen geschwungen wer-
den. Elbinger Ndrg. Eine Krankheit
wankt ^ zeigt sich hier und da herr-
schend. Hennig, 296.
Wankerblume, /., s. Wucherblume.
Wanne, /, Waschkübel, Bütte. Ist
sie völlig rund, so heifzt sie auch TTne,
Telne. Ostpr. Lx Westpr. Balge (s. d.).
wannehr, ocfo., s. wennfir.
Wanst, m. 1. der Pansen, Rinds-
magen ; AVLcliBansen. 2. Bauch, Schmer-
bauch. Dem ohne gefft se wat an sinem
Wan/z to ßhU. Carm. nupt. IV, 59c.
Want, m., s. Wand.
Wanzen, sw,, als überflüssiger Mann
ratend beim Kartenspiel sitzen. T rei-
ch el.
Wanzke, Wanzk, /., Wanzker, m,, Wanze.
Das eine Haufz kann sich von den Wantz-
ken nicht erretten^ das andere Häufzehen
aber weifz von keiner Wandlauf z zu sagen,
Linem., Uu3b.
WanzkebrVch, m., s. BrVch.
Wapel, /., s Wafel.
Warder, ti., s. Werder.
Wardfirer, ?»., Pfleger, Würdiger,
Wertschätzer; Nachbildung von War-
dein. Dem Wardeerer von de platdOtsche
Mundaart dem Herrn Qemnasial- Di-
recker Lehmann to Marjewerder den
6, Februarji 1842 äwerrekt. Titel eines
456
Wardiren — Warteweilchen.
pltd. Widmangsgedichtes v. Almonde:
Fliegendes Blatt 1842.
wardfren, pltd. wardere(n), sw.^ prüfen,
schätzen, dem Werte nach würdigen.
Vgl. das vor. Bleibet also die ürsach
solcher G-rofze (der zu verschiedenen
Tageszeiten verschieden scheinenden
Gröfze der Sonne), die faka aestimatiOj
oder die falsche Schätzung oder War^
dirung der Grofze. Linem., S ib.
Warfauf, m^ s. Weriauf.
Wark, n., s. Wand,
warken, sw,, s. wirken.
Warkg^ll, n., s. Wirkgestell.
warklichy adj.^ wunderlich, absonder-
lich; aber auch einfaltig. Ein tcark-
Ucher Mensch, Mutter ( Fiufer), st doch
nich so tcarklich, sei doch nicht so wun-
derlich. Böst warklichf bist dumm,
einfaltig, verrückt? Zur Verstärkung
auch grundswarklich.
Warkstell, n., s. Wirkgestell.
Warmien, Warmia, n., ursprünglicher
Name des Ermlandes. V"gl. Preufz.
Land.- u. Volksk., 65. Toppen, Hist.-
comp. Geogr., 16. S. Ermland.
Warpenwagen, m., Vt^agen, der von
den Erbkrügen (Ereczem) zum Trans-
port von Kriegsgerät gestellt werden
muizte. In des „Ambtes Sehestinn
Jahres-Kechnungk ... Abgehört Königs-
berg den 31. July 1655 heiizt es: An
ErbkrOgem sind ihrer 14 und müssen
einen Warpenwagen halten und 104 ML
zahlen,^ Das b't. wärpa, lett. icahrpa
Ähre, dürfte auf die Erntewagen deu-
ten, welche sich zum Transport von
Kriegsgeräten wohl eigneten. Vgl. N.
Pr. Prov.-Bl. a. F. HI, 265. Nsslm.
Forsch. 2; Th., 201.
Warpoten. Des so sollen sie uns van
jeglichem Krezmer mit seiner Hufe jähr^
lieh auf Lichtmejz zinsen und geben
3 Mark gewöhnlicher Alünze^ und darzu
warpoten und beleiten ah andere icmm
Krezmer zu Ilaiü und Lunenburg Am.
Primordial- Verschrei bung von Sehesta
von 1401. Toppen, Altpr. M. IT,
513. Nsslm. Forsch. 2; Th., 201.
Warre, Werre, /., im Samlande auch
Warwely m., Maalwar£sgriUe, GryOm
GryUotalpa,
Warrkeil, m., s. Wachmeister 3.
WaKzke, (?). Sie (die Nadraaer) ger
brauchen atu:h noch ein Essen WarJ^k
genannty welches ist saure geromune
Milchy gepressP mit Salz, Coriandsr,
Senf etc. und einigem Schmand Pier-
son, Matth. Prator., 110.
Wart, wi., Wärter, Wächter, Höter,
Au&eher, in WaldwarL Man unterschei-
det Ober- und Unter(wald)warte (Ober*
und Unterförster) and nennt die letz-
tem auch Waldläufer. Mirhiing.
Wärt, m,y Enterich, mit elidiertem r
auch Wft'L Wdt^ fcat da todtl seggt dt
Wctt on trett de Renn. Sprw. I, 4030.
Ebenso: Ward, wat toardy wat ward^
wird, was wird, etwas wird. Kgsbg.
Vgl. Wedik u. Erpel. S. Korrespbl. VI,
39. 51. Muhling, Tiem., 179. Hen-
nig, 296.
Warte, /., neben einander aufgestellte
Fischsäcke oder Wenter. Wohl Ton
dem lit. wartas Thor, tcarte Pforte (pa-
warte Nebenthor, Pforte neben dem Hof-
thor). Nsslm. Wb., 54b. Man unter-
scheidet, je nach den Fischen, die man
mit Warten fangt, Neunaugen- a. Quap-
penwarten.
Wartenburg, Ortsn., Stadt im Kreise
Allenstein. Er ist aus Wartenburg, ist
ein Langsamer.
Warteweilchen, n., das Warteeinweü-
chen. Auf die Frage des Kindes: Was
giebtes zu Mittag? heiizt es: SUbemes
Nivche (Nichtschen) und goldenes Warte-
weilchen. Sprw. II, 1854e.
Wartgeld — Wasser.
457
Wartgeld, Wachtgeld, n.y Abgabe zur
Ordenszeit. Es wurde von jedem Pfluge
erhoben und diente ursprünglich zur
Unterhaltung von Wachen an der litaui-
schen Grenze.
Waiiklatte^.,wahrscheinlichWeichsel-
zopf, Kopfgrind. Muhling.
Warwely m. 1. Wirbel. 2. s. v. a.
Warre.
waSy 1. pron,^ fragend = wie. Auch
Deminutiv was-che^ was-chen = wie sa-
gen Sie, wie meinen Sie? Sehern io-
nek, 44, hat: wm denn! als Entgeg-
nung: wie kann es anders sein. 2. Prät.
des Hilfsverbs sein — war. Ech was
dat% ich war dort. Vgl. Weigand 11,
686. 3. Adv. von was (wovon) iourde
gesprochen? zu was (wozu) brav^ckst du
dasf Vgl. was == etwas unter Wärt.
Wasche, Waschke, /., kleiner Wagen
oder Schlitten ohne Eisen beschläge;
nach Bock ist der letztere aus breiter
Baumrinde verfertigt. Am kurischen
Haff nennt man Wasche auch einen auf
einSchlittenuntergestellgesetztenKasten
zum Transport von Waren und anderen
Gegenstanden. Vgl. lit. wdzis kleiner
einspänniger Schlitten fiir eine Person;
preuiz. Voc. '608 wessis Spazierschlitten,
lett. waschus Kinderschlitten, waschini
Kinderwagen. Nssim. Forsch. 2; Th.,
201. Nach Mühling versteht man
gegenwärtig unter Waschen groCze un-
beschlagene Frachtschlitten^ welche, mit
vier Pferden bespannt, vorzugsweise
zum Getreidetransport gebraucht wer-
den. Bock, 76. Hennig, 297.
waschen, st 1. schwatzen, unnützes
Zeug reden. „Da/z Eltern ihre Töchter . . .
nicht verzärteln oder verziehen^ nicht zur
Ueppigkeit^ Hoffart und Faulheit, nicht
zum Naschen, Spielen und Waschen etc.
Carm. nupt I, 190. 2. prügeln. Er
hat ihn tüchtig gewaschen. Ich werd!
dir gleich eins um die Ohren waschenf
auswaschen, durchwaschen, ausprügeln,
durchprügeln. Davon :
Waschhaftigkeit, /., Schwatzhaftigkeit.
. . . das verhafzte Laster der Waschhafftig-
keit Carm, nupt I, 183.
Waschholz, n., platter Holzschlegel
mit Griff zum reinigenden Klopfen der
nassen Wäsche. Am Sylvesterabend
schlagen heiratsfähige Müdchen mit dem
Waschholz an einen Zaun und achten
genau auf die Richtung, woher der
Schall kommt; von ebenda konmit auch
der Bräutigam. Ermland. Volkskal.,
48.
Waschke, /., s. Wasche.
Waschkodder, n. 1 . Waschlappen. Nu
ÖS negemäl rund, nü ös am Waschkodder,
beim Kartenspiel^ wenn eine Pause ein-
treten soll, in welcher die Kreideauf*
Zeichnungen vom Tische abgewischt
werden. Vgl. Sprw. U, 2230. 2. Mensch
ohne körperlichen oder moralischen Halt ;
Schwätzer, Zuträger. ImSamlande heifzt
ein klatschhaftes Weib Waschkodder-,
Waschlappenschlepperin. Sprw. I, 3978.
Vgl. Kodder.
Waschleine, pltd. Waschlfn', /., Leine,
woran Wäsche zum Trocknen gehängt
wird. Der schlechte Reiter sitzt zu
Pferde, wie die Klammer auf der Wasch-
leine. Kgsbg.
Waschschild, n., Bretter (zwei), zwi-
schen welchen die unsaubere Wäsche
rein geschlagen wird. Samland. Müh-
ling.
WaschtTne, /., Tine, worin Wäsche
gereinigt wird. Vgl. Wanne.
waser, pron., zusammengezogen aus
was für einer. Aus waser Macht fragen
Sie? Soph. R. V, 7.
Wasser, m., Hundename. Hei mot op,
wt Heidmanns Wasser. Alt-Pillau.
Wasser,n.,8cA/im7ne8,böses^denFischen
458
Waaserbekickcr — Waasersfige.
gcfalirliches Wasser, speziell Wasser
des Draasensees gegen den Winter hin.
Die faulenden Wasserpflanzen im See
schädigen den Gehalt des Wassers und
nötigen die Fische zum Abzüge (nach
dem Haffe). Sobald das schlimme Was-
ser eintritt, verstellen die Fischer den
Ausgang des Sees mit Netzen. Müh-
ling.
Wasserbekicker, m., Wasserbeschauer,
Arzt, welcher aus dem Urin Krank-
heiten erkannte und heilte. Op een
Worty Herr Waterbekicker. Dorr, 1.
Wiew., 53.
Wasserblume, /., doldenblütige Schwa-
nenblume, Butomus umbellatus L. Saal-
feld.
Wasserbrech, m., Wasserdorchbruch,
Wasser, das den Damm durchbricht.
Westpr. Niederung. Mühling.
Wasserfenchel, Pflzn., Wasserhahnen-
fufz, Ranunctdus aquatüü L. Ostpr.
Pritzel, 324.
Wassergarbe, Pflzn. 1. Tausendblatt,
MyriophyUum L, Ostpr. Pritzel, 242.
2. Sumpf-Hottonie, s. Sumpffeder.
Wasserherzgespann, Pflzn., gemeiner
Wolf strapp, Ly<?opt« «^ropo^i« L. Ha-
gen, 36.
Wasserhundi m,^ Tauchkäfer, Dyticus.
wasserkalt, adj ^ von der Kälte des
Wassers. Dat öa so wätekölt segt jenner
on steckt bet an e Hab öm Samp, Jer-
rentowitz. Sprw. 11, 2861.
Wasserkunst, /., Springbrunnen, Fon-
täne, künstliche Wasserleitung. Auf
dem Altstadtischen Markt ist eine Wasser-
kunst. Die Historiker zweifeln trotz des
noch stehenden mächtigen Thurmes an
dieser „ Wasserkunst^ (Hebung des Was-
sers aus dem Baudekanal auf die Höhe
des Domberges zu Frauenbnrg), denn
sie finden darüber nichts in den Urkun-
den, Passarge, Balt., 74.
Wassermutier, /. 1 . Libelle. De TToo-
termoodem greepen Sik op der üoarm
Floot Dorr, 24. 2. ein mythisches
Wesen, wie die Kommutter, Die Wattr-
moder zieht Kinder ins Wasser.
wasserpafz, adj.^ horizontal, wa88e^
recht. Und schneidet den Strauch redd
Horizontal und Wasserpas in der miUt
abe. Linem., Cc la. ... damadi m
mufz auch der Platz (zum Visieren)
Wasserpafz genommen (gewählt) werim.
Ibid., Cc 3b. Es stehet eine stardu
Fichte oder Danne an einem Berge dir
steil ist^ säget jhn ab Wasserpafz^ so be-
findet jhr die wäre grosse seiner Wadnh
State, Ibid., Ss4b.
Wasserperlen, plur.^ Pflzn. 1. gemeine
Ftachsseide, Cuscuta europaea L. Ha-
gen, 180. 2. Feldspark, Spergula ar-
vensis L.; auch Knebel a.' Marienspark.
Ostpr. Pritzel, 385.
Wasserpole, Wasserpollak, m.^ polni-
scher Ruderknecht, Flölzknecht. Man
schimpf hinführo nicht so auf die Was-
ser-Pohlen. Carm. nupt UI^ llSd. Ihr
Idiom nennt man im Gegensatz zam
Hochpolnischen das Wasserpolnisch, wo-
mit man jedoch auch das ordinäre Pol-
nisch (Preufz.-Poln.) bezeichnet, das in
den Provinzen geredet wird. S. Bock,
Nat. I, 122. Vgl. ^himke, RTs.
Wasserpollei, Pflzn , rundblattrige Ly-
simachie, Lysimachia nummtdaria L.
Ostpr. Hagen, 220. Pritzel, 227.
Wasserrecht, n., das zu Wasser gül-
tige Recht, im Gegensatze zum Land-
recht. Nach demselben wurden ge-
richtet: aUerley scheling tuschen Schip-
pem Copluden vnd Schepeskindem van
fracht und van hure, von foringe^ von
Inschepinge vnd vtschepinge. 15. Jahrh.
Hirsch, 77.
Wassersäge, -segen, -sichel, Pflzn., aloe-
blättrige Krebsschere, Stratiotes aloida
wasserstriemig — Wedendank.
459
L. Hagen, 1050. Pritzel,391. Nach
Hagen auch: Säckelkraiit, Sumpf aloe;
nach Muhling Säbelkraut and Sichel-
kraut
wasserstriemig, adj, u. adv, 1. wasser-
streifig; vom anausgebackenen Brot. 2
weich, mürbe, gerührt, attendrir. Ich
wiU mir das Herz nicht wieder wasser--
striemig machen. Soph. R. VI, 247 f.
Wassertanne, /., gemeiner Tannwedel,
Hippuris vulgaris L Hagen, 2.
Wasserteufel, m., das Bläfzhahn, Fun
lica atra. Mühling.
Wafze, /., Dock am Lande, auf wel-
chem die Schiffe ausgebessert werden.
Hirsch, 265.
Wafzen, Watten, (?), ein Fi^chermalz^
das zwei Ausschläge (s. d.) enthält =
zwei Eäscher voll. Hennig, 297.
Wftt, 771. a. Tl., s. Wand.
Wft't, m , s. wart.
Wftte, /., Wategam, n.^ s. Wadegam.
waten, 8U7., s. waden.
Wathbaum, tn., s. BottknUppel.
Wathe, /., s. Klippe u. Wadegarn.
Watten, (?), s. Wafzen.
Wattendistel, /, Sumpf- Eratzkraut,
Cnicus pabistre L. Hagen, 839. Leu-
nis, 922.
Wauwau, 7n., Hund in der Kinder-
sprache.
Wechselniederung, /., der Teil der Til-
siter Niederung, welcher sich bei feuch-
ter Lage hoch genug befinde^ um ge-
gen Sommerstau geschützt zu sein. Der
Name deutet die eigentümliche Wirt-
schaftsweise an, welche in beliebigem
Wechsel dieselben Stücke zeitweise als
Acker und wieder als Wiese nutzt. Vgl
Prov. Preulz., 293.
Weck, m., Wecke, Wegg, Wegge, /.,
keilförmiges Weizengebäck, Semmel.
Nach Hennig, 298, eine Art Weizen-
brot in der Gestalt eines Sternes oder
Kreuzes. Wecke ist ein kleines Weizen^
brodt, so an den vier Ecken vier Zipfel
hat. In vorigen Zeiten wurde jedes Weijz-^
brodtj das insgemein Oesebrodt hei/zty
Wecke genannt. Bock, Nat. V, 390.
Weck ursprünglich: Keil. Das gilt —
steht fest — ist^ tbie beim Bäcker die
Wegg. „Die Wecke behielt immer einer^
lei Preis, daher man von allen Dingen^
die einen festgesetzten Preis behalten,
sagt: es gilt, wie beim Bäcker dieWecke.^
Bock, a. a. 0. Sprw. I, 225. Kukuk
stM Wegge^ Nachtgal touU segge. Volksr.,
56, 213. Öck ete Wegg' on drinke Wtn.
Ibid., 243, 854.
Wfidasche, /., Waidasche, Asche von
gebrannten Weinhefen. Brem. Wb. V,
207. Unbrauchbare Stämme (von Fich-
ten und Tannen) könnten zu Pott- und
Weydaschbrennerey genützet werden,
Bock, Nat. I, 626.
wedderig, adj.^ von Stammholz, das
sich seiner ästigen und gewundenen Tex-
tur wegen schwer spalten und schneiden
läizt. Von weddefT wider. Ermland.
Mühling.
Weddik, m., s. Waddik.
Wide, /., s. Weide.
Wededung, Pflzn., s. Wedendunk.
Wfidehut, m., JuDge^ der das Vieh
hütet. 15. Jahrh. Er bekam jährlich
3 Vierdung Lohn. Landes- Willk. vom
J. 1420. Aus weden weiden und hüten
zusammengesetzt. Mühling.
Wedem, /. u. m , s. Widdern.
wfiden, sw.^ Unkraut ausziehen^ jäten,
angs. weodian; engl, weed Unkraut.
Nach Treichel auch wSten, wTten. aus-
wfiden, ausjäten, ausreuten, nach Hen-
nig, 298, auch ausweiden, das Einge-
weide herausnehmen.
Wedendunk, m., Pflzn. 1. giftiger Was-
serschierling, Cicuta virosa L,; auch
Bärstkraut und Witscherling. Ostpreurz.
460
Wederik — Weibervolk.
Pritzel, 99. Hagen, 326: WIHscher-
ling. Nach Mühling im Ermlande
auch Weding. Witscherling heil'zt auch
die Unndsgleilze, Aetkusa cynajnum L,
Vgl. Grofzwedendunic 2. Kleinwedendunk,
Pferdekammel^ Oenanthe pheUandrium
Lmk. Ostpr. Pritzel, 250.
Wederiky m., s. Wedilc
WMewing, W§dwing, WMwinde,/.,Pflzn.,
Weiden winde, Winde, die sich am
Weidenruten windet (s. Weide)y Acker-
winde, Convolvuius arvensis L, Sam-
land. Friedland Ostpr. Aach Feld-
winde, Windenkraut, Anisblume. Hagen,
222.
Wedik, Wed'k, Wederik, m., Ente-
rich. Lit wedtkas Führer; im Erm-
lande auch Wedig. Nsslm. Forsch. 3;
TL, 202. Vgl. Wart u. Erpel.
WSdwinde, WSdwing, /., s. WSdewing.
WM, /., wSfen, sw,^ s. Weif.
wSfzageln, su; , s. weifzageln.
weg, adv.^ hin. wegbleiben, in Ohn-
macht fallen. Er war ganz weg^ er
war aafzer sich, besinnungslos. Hen-
nig, 298. S. bleiben.
Weg, m. Der Weg geht mity wenn er
so erweicht ist, da(z er an den Eiadern,
am Schuhwerk festsitzen bleibt. Müh-
ling.
Wegblatt, Wegeblatt, n., Pflzn., grofzer
Wegerich, Plantago majar L.; auch
WegetritL Hagen, 168. Hennig,
298.
wegbleiben, s^., s. weg.
wegen, präp. mit Dat. wegen mir kann
das gescheiten, wegen meinthalben, pltd.
wegen mtndalwen. Elbing. Vgl. meins.
Wegetritt, m., s. Wegblatt.
Wegewirt, m., Landwirt, der durch
stärkere Düngung seiner Acker an den
Wegen hier einen bessern Stand der
Saaten erzielt, also weniger rationell
als blendend wirtschaftet. Treichel.
Wegg, Wegge, /l. s. Weck.
Wegkost, /., Zehrkost, MnndToml,
den man auf die Reise mitnimmt
weglehnen, »w.y wegleiheiL, s. Mmm.
wegpOsten, «u?., wegblasen; weg-
schiefzen; wegstehlen. Hennig, 198i
S. pOsten.
wegschediten, sir., s. schechten.
wegstrlzen, sw^ s. stMzen.
wegwutschen, wegwutehen, mt., s. w
ichen.
Wehlau, Ortsn., Kreisstadt am Ein-
flüsse der Alle in den PregeL Sprick-
wort: Wer nicht wagtj kofmnt nidd
nach Wehlau. Die alte Wehlauer Brücke,
im Jahre 1807 von den Rassen abge-
brannt, galt als überaus gefahiüche
Passage und war dies namentlich in
den Tagen des groizen Wehlauer Som-
mermarktes. S. N. Pr. Prov.-Bl. I, 399.
Sprw. I, 3955. Im Gegensatz zu die-
sem Sprich worte heil'zt e«: Wer zutid
wagty kommt nach Tapiau (s. d.).
WehtagejoZwr.,pltd.ir<?MW^,Schmerzen,
sowohl am Leibe als an der Seele. Er
hat Wehtage. Er geht mit Wehtagen
herum, er ist kummervoll, verstimmt,
quält sich mit Sorgen. £r hat mAr
Angst als Wehta^, ein Knabe z. ß., der
sich einer kleinen Operation unterwerfen
soll und vor Angst schreit. Er hA
Leibwehtage, er hat Bauchschmerzen.
Ebenso: Kopp-, Magen-, Zahnwehtagei
bei Linem., BbbSa auch Cfichtwdh
tage. Rein. Vos, 5230. 5672. SingoL
nicht üblich. Vgl. WohKage.
Weibergnager, m., Schimpfwort aaf
einen bösen Ehegatten. Stein, Pere-
grinus Xni, 88. W. Mtsbl. VI, 159.
Weibertr88ter,7n. Er ist ein aUer Weiber-
tröster, ein weibischer alter Mann.
Weibervolk, n., Weiber in der Mehr-
heit, doch auch die einzelne Frau, Ar-
beiterin, das Mädchen. Dat Wtwervolk
Weibsbild — weilerweid.
461
(die Arbeiterinnen) geit op^m KartoffeU
acker! D6r geht en Weibervolk^ da geht
eine Frau. Oberland. AUa^ wo» e
Waiwavolk könne suU, kann se^ sie ver-
steht jede weibliche Arbeit. Ermländ.
Freisch., 7. Vgl. Frauenvolk u. Mann.
Weibsbild, n., Mädchen, Fraa, Frauen-
zimmer. Ich denk immer^ die beiden
Weibsbilder haben mich zum Narren!
Soph. R. VI, 121. Wie denn die We^s-
bilder^ wenn sie auf die Gassen kommen
(in Algier), das Angesicht mit zwey
Tücher bedecken. Carm. nupt IV, 92c.
Ebenso WeibsstUck, n. . . . allein er (der
Vater) vrird sich wegen des Weibsstückes
(es ist -die zu wählende Braut des
Sohnes gemeint) nicht sonderlich be-
mühen, Pierson, Matth. Prätor., 70.
Datnarrsche Wie f stock. Dorr, 1. Wiew.,
73. Vgl. Mannsbild.
weich, odfy., gelinde, milde; vom Wet-
ter. Et ward weket Wedder. Vgl. kol-
ken. Vom Wasser: Flui'zwasser, im
Gegensatz zu hartem (sprindigem, Quell-)
Wasser. Vgl. hart
Weichselkahn, m., Eahn, Schiff, das
die Weichsel befahrt; im 15. Jahrh. die
groi'zen Kähne, welche von Danzig Salz
nach Kauen (Kowno) führten. Sie wur-
den auf dem Weichselkahnfeld auf der
Lastadie gebaut. Hirsch, 164. 269.
Weichwanne, /., Wanne, worin die
Wäsche erweicht, eingeweicht wird. Er
Mül krusd sock bt'm Knäkebesuge^ als
war de Wekwann voüEtik gewese, Kgsbg.
Firmenich I, 103b.
Weide, WTde, WSde, /. 1. salia. Die
hohen Weiden heil'zen Sturmweiden;
die buschartigen Steckweiden; die ge-
köpften Kopfweiden ; die 8 bis 10 Fuiz
hohen Setzlinge Pof^^ufen. Treichel,
Volksth. III. 2. dünne geschmeidige
Rute, weil sie am häufigsten von der
Weide geschnitten wird. Bei Jero-
schin wide^ nach Pfeiffer, 279, aus
Baumzweigen gedrehtes Band, als Strick
zum Hängen gebraucht, auch wit. Ibid.,
283. Vgl. Liswede. In Hessen Wide,
Widde, ^u einem Strang gedrehte Gerte,
mit welcher Reisigwellen,Getreidegarben
u. dergl. zusammengebunden werden.
Vi 1 mar, 452. 3. In der Bedeutung
von Baum: Langwtde (Voc. 301: ar-
warbs = Langun/t), Langbaum, Lang-
wagen. VgL Nsslm. Th., 8.
Weidedrtech, n., Unland, das nur als
Viehweide benutzt wird. Vgl. drisch.
Weidelei, /., Weideier, m, weidein, sw.,
Weidelotten, plur., s. Waidelei etc.
Weidenkäfer, m., Maikäfer. MQh-
ling.
Weidenröschen, n., Schotenweiderich,
EpHobium L. Hagen, 408 ff.
Weif, Weife, WM, /., Drehhaspel, Hand-
haspel. In Bayern Waif Haspel.
SchmellerlV, 35.
weifen, wSfen, sw., schwingen, drehend
schwenken ; haspeln, Garn auf die Weife
winden.
weifzageln, wSfzageln, sw.y wörtlich:
mit dem Zagel (Schwanz) weifen, wie
es der Hund thut, wenn er verlangend
die Hündin umkreist, schweifwedeln;
daher bildlich: sich um eine Sache oder
Person viel zu schaffen machen, sie in
ängstlicher Erwartung und eifriger
Spannung verfolgen. Sie hat ihn gut
weifzageln lassen — ehe sie ihm Gehör
schenkte. Geschlechtlich begehren;
auch: wehklagen. Nun kann er weif-
zageln gehen — wenn die Frau krank
ist. Be weifzagelt wie de Kuigel on de
Sefzwäke. Sprw. I, 4008. Schemio-
nek, 44: wefzägeln.
Weih, m., Huhnergeier. Schemio-
nek, 44.
weilerweis, adv, zeitweise, auf Augen-
blicke. Ich habe Kopfschwindel und
462
weimeni — Weitung.
Ohrenbrausen^ so, da/z weiUneevt die
Augen finster tcerden. Egsbg.
weimem, mr., wimmern, wehklageD,
jammeni. Vielleicht aas dem jQd. o
wai o weh. •
Weinblume,/., s. Täglidineu.
Weinbomer,Weinbumer,m. Im lö.Jhrh.
durften in Danzig vier Weinbamer ge-
brannten Wein feil haben, and schei-
nen diese damit eine Art ärztlicher
Praxis verbanden za haben. Hirsch,
262. Daselbst 303 heii'zt es in dem
Abschnitt „Barbiere *': die iceynbumer
sollen niemand verbinden^ wenn sie nicht
Werkgenassen sind, und keine Salbe ver--
kaufen,
Weindienst, m., nach Hennig, 298,
„eine sehr eintragliche P£arre, wobei
man auch ein Glas Wein trinken kann*'.
Weinidc, im Yolksmande Name für
das Vorwerk Wangnick, za Prassen (bei
Schippenbeil) gehörig. Dönh.
Weinlaudi, m., s. Saatknoblauch.
Weinmann, m., Weinhändler. Danzig.
15. Jahrh. Hirsch, 261.
WeinschrSter, m., s. schröden.
weisen, pltd. Wl8e(n), st , zeigen. Weis'
mir doch deinen schlimmen Finger,
Weiser, pltd. WTser, Wteer, 7n., die
Uhr, aber aach der Zeiger an der Uhr;
\on weisen. Wieviel ist der Weser f Ober-
land. Vgl. SSger a. Klocic
weifz, pltd. Witt, adj, u. adv, 1. rein,
saaber, unbefleckt. Bjin weifzes Tisch-
tuch — weifze Wäsche, Sich weijzbren-
nen, sich entschaldigen, schaldlos hin-
stellen, rechtfertigen. 2. anentschieden,
charakterlos. Er ist die reine wei/ze
Salbe.
Weifzbauch, m., Name der Pfeifente,
Anas Penelope. Mahling, Tiem., 179.
Weifzbrot, n., Brot aus Weizenmehl,
Weizenbrot: Semmel^ Zuneback^ Krin-
gel^ Frambroty Milchbrot, AmArötAm,
Mundbrötchen^ Weck. S. BroL
Weilzdienstag, m., Dienstag in der
Karwoche. Vgl. Btaumontag.
Weifzfisch, m., der Gieben. M fihling
Tiem , 179. S. Gieb'.
¥veifzfl8terig, adj., s. fM'rig.
Weiblcopf, Pflzn., Acker -Steinsame,
Lithospermum arvense L. Weichseldehi.
Treichel, Volksth. III.
weifziachtig, adj., s. laditig.
Weifzling, m , s WitUing.
weifznatig, pltd. wTenSsig, wittidUg, o^f.
naseweis. In Hamburg und Bremen
wtsndsed. Brem. Wb. V, 272. Hen-
nig, 298: weisndsig. »
WetfznicMs, n., Medik., NikÜMm alr
bum.
Weifzzopf, m., Name f&r eine weifz-
geschopfte wilde Ente, wahrscheinlick
A/ergus albeüus. Mühling, Tiem^ 179.
weit, pltd. Wtt, adü. öck s» so «/<;
ich bin so weit, sagt die schwangere
Frau. In gleichem Sinne: Se össo ir/t»
als de Mutterke sdd,
Weitetuch, n., das weite Tuch, Ab»
teilung am Flügel des Herbstgams mit
Maschen von 9 bis 10 cm im Qaadrat
S. Windegam.
Weiting, m.^ s. WTting.
Weitung, /., von wetten j ausdehnen,
Raum geben, lassen, freier Kaum. In
Bartenstein hiei'zen die innerhalb an
die Stadtmauer gebauten Hauser die
Weitung, wie noch jetzt, nach dem
Plane der Stadt zu Behnisch' Ge-
schichte von Bartenstein, der grölzte
Teil der alten Ringstrai'ze. Da die
Bürger die Stadt mauerten^ da liefzen
wir die Stadt weiten mit der AfaMier^
und dieselbe Weitunge geben wir, und
verleihen zu HiUfey der Stadt. Privi-
legium von 1359 von Jo. Schindenkop,
Weiz — Wengtiner.
468
Komtur zu Balge and Vogt zu Na-
tangen. Behnisch, 80. 503.
Weiz, /., der Weizen. Danzig. Ur-
sprünglich ist dieser Ausdruck eio apo-
kopierter Plur. masc, wie man kauf-
männisch sagt dieXuche, die Wollen etc. ;
dieser Ursprung wird aber später ver-
gessen und das Wort mit dem Singul.
konstruiert, z. B. die Weiz ist gefallen.
E. Förstern.
Welch, m.y Fischn., s. Welz.
welche, pronominales Adj., etliche.
Welche Bäume sind ausgegangen. Welk
ole Wiewa schöddere mott dam Kopp.
Boldt, 8.
wSlen, sw.y nicht völlig trocknen; da-
von wSllg, adj. : weUges Chras^ nur etwas
gedörrt, welige Wäsche^ halb trockene
Wäsche, auch beweit. Dat Heg (Heu)
OS weidreg = welk trocken. Im Brem.
welen welk werden. Brem. Wb. V, 224.
Vgl. Dähn., 544b.
wSllg, adj.y 8. wälig u. das vor.
Welke, Welk, /., Pflzn., Wollkrau^
Verbascum ihapsus L. Hagen, 241.
Pritzel, 430. Hennig, 299. Nsslm.,
Th., 202, meint, der Name würde mehr
auf Wolfskrauty Sedum telephium L. hin-
weisen : von poln. wiÜCy lit. toilkas Wolf.
Der ostpr. Name für die letztere Pflanze
ist nach Hagen, 478, und Pritzel,
371, Wolfsbohnen.
wellen, sw., kochend aufwallen, auf-
sieden lassen. Gewelltes Fleisch, das
nicht völlig gar gekocht ist. Angs.
toellan, wylan, holl. toellen, schwed.
waeüa. Brem. Wb. Y, 225. Hennig,
299, auch verweilen.
wellkomm = Willkomm, willkommen.
Na, seie se wellkomm! Oberland.
welschen, sw., wechseln, tauschen.
Sich einen Thaler welschen, sich für
einen Thaler Scheidemünze einwechseln.
Bock, 76, hat als Beispiel: Der Hut
istverwelscht, vertauscht. Hennig, 299.
Welschling, m. 1. Wechselbalg; von
welschen. 2. kleines Kind, das sehr
viel schreit. Nach Mnhling auch ein
verweichlichter Mensch. Ahd. toihseling.
Grimm, Myth., 437. Hennig, 299,
schreibt Wesling; Bock, 77: WefzIIng.
Welz, WSIz, nach Mühling, Tiem.,
179, Welch, m., Wels, Süurus glanis.
Altpr. kalis, lit. szamas, kur. szams,
mas. kass. szum, poln. sum. Benecke,
103.
wems =» wessen. Wems Tochterche bist
duf y,Ich bin dem Muschlin seine. *^
Wems Messer ist dasf Auch : Wem seine
Mütze ist dasf
Wendfahr, /, das Wendefahren, das
zweite Umpflügen des Ackers der Quere
nach. Weil der gute {gestürzte) Acker
bald mit Unkraut bewächset, so erfolget
nach vier Wochen das Wenden oder das
P/lügen des Ackers in die Quere, welche
zweite Fahre man in Preussen die Wena-
fahre nennet. Bock, Nat HI, 680.
wendig, adj. von wenden, munter, ge-
schäftig, geschickt. Für Liv- und Est-
land bei Hupel, 262. Vgl. karwendig.
Wendum, m., von wenden, umwenden.
Du verdreiter Wengum, du verdrehter
Wendum, du Ungeschickt!
wengen, st, wenden. As 'hei den
Braadewengd. Carm.nupt.l,28i. Vgl.
hot.
Wenger, m., Kungstock aui Wagen,
der Wender. Muhling.
Wengschemel, m., die Unterlage des
Wagenkorbes auf der Vorderachse, mit
dieser nur durch den Spannnagel ver-
bunden, um den die Vorderachse nach
beiden Seiten durch die Deichsel ge-
wendet werden kann. Marold.
WengtTner, Wenkttner, m., umherziehen-
464
wenner — Werk.
der Handwerksburscbe, Bettler, Strolch,
Landstreicher. Schemionek, 44: Wen^
tiner^ von trankt einer?
wennSr, wennehr, wannehr, fanßr, vanSr,
adv,^ wann. Hennig, 57. 299: wenn
eher. Wennehr soll ich kommen? Ein
oberlandischer Knecht, der einen Auf-
trag aasrichten sollte, fragte: Fots oder
faner, sofort oder wann? Das holl.
wanneer, althoU. hoeneei\
Wenniky Wenning, Wennig, m,, kurzer
Rock, Jacke, nach Schemionek, 44,
Jacke ohne ÄrmeL Dzg. Nhg. Wer-
der. Elbing. Violöt, 177.
Wenter, m., der Fischsack, daher
auch kurz Sack genannt, lit wintara»,
wintaris, wSnterü (poln. wi^cierz Fisch-
reuse), ein im wesentlichen cylindrisches
Netz, das klingbeutelartig über 3 bis
4 Bügel ausgespannt ist, mit einer oder
zwei trichterförmig gestrickten Ein-
kehlen (s. d.), die in einander gehen,
und zwei vor dem ersten Bügel senk-
recht stehenden Netztüchem, den Flü-
geln, Spamay. Es wird an drei Pricken
befestigt. Der zwischen dem ersten
und zweiten Bügel liegende Netzteil
heifzt Vorderbauch, lit. pryszekkis, der
zwischen dem zweiten und dritten ge-
legene Mittelbauch, lit. vndmanta, der
Rest Stagge, Staggin, lit. stagginnisy auch
Kuli, Kulle, lit. kullys. Die Stagge ist
an ihrem Ende mit einer Schnur zu-
gebunden, nach deren Lösung die Fische
hier ausgeschüttet werden. Werden
mehrere Wenter durch StrelchtUcher
verbunden, so heifzen sie Panten,
Wenterpanten. Benecke, 383. Fisch.-
Ord. f. d. kur. Haff, §27. Nsslm.,
Forsch. 3; Th., 203. Hennig, 299.
Wepe, /., Decke, die von Frauen in
Stelle eines Muntels um die Schultern
gehängt wird. Voc. 494 zur Erklärung
des altpr. pasta. Lett. weepe dass., v}eept
sich verhüllen, weepUs Hülle. Nsslm^
Th., 203. Die Weiber (in ZalawnM}
gebrauchen Wepen, das sind petcotimi
tceijze Decken^ die sie auff die Scknlkr
hdnf/en^ so da/z eine au^ einer, dieoh
dre auf der andern Schulter, und wi
einem silbernen Pretzel zusammengehefttiy
hanget. Pierson, Matth. Prätor^ 112.
Weppsterz, m., Bachstelze. Oberiaad.
Schemionek, 44: Weppsiarz, S.Qrik-
stert.
wer, pron,, jemand, einer. Esistfur
da^ es ist jemand da.
werden, sL Wir tcerden heute »aek
Juditten (zu ergänzen: gehen, f&hra).
Ich teer (werde) dir was braten. Du
wirscht (pltd. tcarschi) zu Mause NeibaL
Werder, pltd. Warder, n., das Marsdt-
land des Weichseldeltas, bei Jeroschin
werdir und wert (P f e i f f e r , 278). MM.
wert, werd^ ahd. warid, toerid erhöhles,
gegen Uberschwemmang und Feuck-
tigkeit geschütztes Land in Flüssen oder
zwischen Sümpfen, auch im oder am
Meere, Werd, Insel. Schade, 1098b.
Vgl. SchmellerlV, 144. Brem. Wb.
V, 236. 307. Prov. Preufz., 470. Eine
Insel im Geserichsee heiizt das heUigi
Werder^ weil hier die heidnisches
PreuTzen noch lange nach ihrer sog.
Bekehrung den alten Götzendienst heim-
lich fortsetzten. In alten Handschriften
werden die preufzischen Werder insdai
Prussiae und Marienwerder insula Mo-
riana genannt. Mühling.
Werfauf, pltd. Warpop, Wappup, m., im
Tierräts. 30 der Maulwurf, als Erd-
aufwerfer.
Werft, 7n., Salweide, Salix caprea L
Bock, Nat. m, 134.
Werg, 7n., nach Schemionek, 44,
der Werch schreibt, gezupftes altes Taa-
werk zum „Deichten" der SchifEe.
Werk, n., Handwerk. j^Die Bürger-
Werkgestell — Wette.
465
Schaft in Danzig sonderte sich in zwei
Klassen, in die Amter und Werken d. h.
die Handwerker, und in die gemeine
Bürgerschaft^ d. h. die Eaufleute*'.
15. Jahrh. Hirsch, 202.
Werkgestell, Werkstell, n., Webstahl,
8. Wirkgestell.
Werl, m., s. Schrotwurm.
Wermutbler, n., Getränk aas Wemiat
bereitet. Bock, Nat. I, 271.
Werp, 7n., Wurf. In den Fischer-
dörfern am Strande üblich: 3 Fische =
1 Werp, 20 Werp = 1 Schock.
Werp, n., Zeug aus Wolle uod Garn.
Nur des einzigen Wunsches war ich fä-
hig,.,, an diesem geliebten Ufer, in
Werp gekleidet^ bald wieder zu sitzen,
Soph. R. IV, 481.
Werre, f.y s. Schrotwurm.
WSrtsche, /, Wirtio, Wirtschafterin.
Die uf 'ne Art seine Amme §s^ oder
seine Kdksche^ oder Weerthsche, Dorr,
1. Wiew., 17.
Werwolf, m. 1. Mensch, der in einen
Wolf verwandelt worden ist, oder sich
in einen Wolf verwandelt hat. Die
geeignetste Zeit zu solcher Wandlung
sind die Zwölften (s. d.); Menschen,
welchen ein kurzer Wolfsschwanz zwi-
schen den Schultern gewachsen ist sind
Werwolfe, Hennig, 295,schreibtlVaAr-
toolf. Das Wort ist zusammengesetzt
aus ahd. u. alts. wer, goth. vair, ags.
ver Mann, Mensch (lat. vir), und aus
Wolf. Genaueres über den Werwolf s.
Grimm, Myth., 1048 ff. Pr. Prov.-Bl.
XXVI, 436. 2. Bildlich: ein starker
Esser. Er ist ein rechter Werwolf — '
frijzt wie ein Werwolf Auch: böser,
erzürnter Mensch. Hei! da war er (der
Hofmeister) toie ein Warwolf, Soph. R.
lY, 221.
WerZy Werze, /., s. Hahnchenbier.
Wtobaum, m., s. Wtsbaum.
PrUehbitr, Wftrttrbneli IL
Wtoehund, -wolf, m., NachtÜEdterraupe.
wSsen, s/w. 1. nicht fest schlafen,
schlafen uud doch glauben, man wache.
Ich habe nur gewest, ich habe halb ge-
schlafen, halb gewacht. 2. dummer,
schlechter werden; von Speisen. Dönh.
Vgl. nachwisen. 3. verwesen, in Ver-
wesung übergehen. Der Tote west schon.
Hennig, 339.
Wesen, n. 1. nach Klein U, 231, in
Dzg. zur Bezeichnung eines weitläufigen
Gebäudes, mit welchem eine Art von
Hantierung verknüpft ist. Er hat ein
Wesen in dem und dem Dorfe, er hat
eine kleine Landwirtschaft. Er hat ein
Wesen, eine Gastwirtschaft. — Nach
E. Förstem. ein gröfzeres Grundstück
mit Nebengebäuden, Hof, Garten etc.
Das Schmidtsche Wesen^ das Grundstück
des Schmidt. Dähn., 547, giebt aus
Vorpommern die Redensart: De hett een
groot Wesen unner sikk, er verwaltet ein
grofzes Gut. 2. Gerücht. S. aufbringen.
3. böses Wesen^ s. Höchste.
wesenbar, adj., wesentlich. Das ist
ein wesenbarer Unterschied, Treichel.
Wesling, m,, s Welschling.
Wespe, /., Pflzn., s. Mestel.
wesseln, sw,, s. verwessein.
W§st, /., s. Wiste.
Westerfahrt, /., FahrstraTze zur See
südwestlich der Westerplatte. Pas-
sarge, 158. Vgl. NorderfahrL
Wefziing, m., s. Welschling.
wetche, pronominal. Adj., etliche,
einige, manche, welche. Wetche trinken
das (z. B. Absud von Schafgarbe) sehr
= mit gutem Erfolg. Saalfeld.
Weitdiener, m., s. Wette.
Wette, /., in der alten Danziger Ver-
fassung diejenige Behörde, welche das
Polizei- und Handelsgericht vorstellte.
Eigentlich hiei'z es Wettgericht, doch
war die Abkürzung volkstümlich. W.
80
466
wetten — 'Wiehert.
Seidel, 36. Hirsch, 202. Davon:
Wettdiener, m.^ Diener der Weite, nie-
derer Polizeibeamter. -Da aber E. E.
Raht zu Dantzig solche ütMlligkeit er-
fuhr^ hat er durch den Wett-Diener die
Butter wiegen lassen^ und befunden^ da/z
sie nicht voll Gewicht hatte etc. Hart-
wich, 541. Wettherr, w., Gerichtsherr,
Rat aus dem Polizei- und Handels-
gericht der Wette ^ der die Aufrecht-
erhaltong der Wettordnung za über-
wachen hatte, nach welcher Fremde
ihre Waren nur an Einheimische ver-
kaafen durften. Schrnerlenfänger dür-
fen die Fische nicht ohne Erlaubnis des
Wettherm von der Stadt fortbringen,
Schmerlenfanger-Ordg. aas 1601 — 1610.
Benecke, 300. Vgl. N. Pr. Prov.-Bl.
H, 349.
wetten, sw.^ handeln, Handel treiben.
Die Wett- und Liegerordnung galt als
Gesetz für einheimische Eaufleute und
lAeger (s. liegen),
Wetter, n. Vielfach in Sprichwörtern
und Redensarten: Es giebt gut Wetter^
die Kälber spielen ^ wenn Erwachsene
sich kindisch gebärden. Um schon Wet-
ter bitten^ um Nachsicht^ Verzeihung
bitten. Dem guten Wetter ist nicht zu
trauen. Es wird schlecht Wetter^ die
Sau trägt Lager. Wedder wi Speck^
fruchtbares Wetter. Elbinger Ndrg.
Wir werden schlecht Wetter bekommen^
die Krähen schreien. Friedland Ostpr.
Mench ener ging btm schenen Wedder
fit on kern bt Regen na Hus, Elbinger
Ndrg. Schlecht Wetten* ist besser vne gar
keins. Sie ist auf ander Wetter, ist
schwanger, über das kurische Wetter
s. Küre. Vgl. Sprw. I, 69. 4037 fiF; H,
2895 S.
Wetterboden, m. Seit der Entzündung
der Thurmspitze (in Bartenstein) durch
den Blitz 1815 und besonders durch die
Arbeiten bei dem Wiederaufbau dersAeiu
war die Kupferhdeguruf des Wetterhoim
an vielen Stdlen schadhaft ffewordOf
dafz alle Nachhälfe den Bdag nidi
mehr wasserdicht machen kannte^ in
Gebälke darunter und der GlodumifH
selbst fingen an za leiden. Behnisek,
320.
Wetterlisch, m., der Ptsker (s. d.), wd
er nahendes Gewitter dorch nnrahiges
Aufsteigen vom Grunde des Wassen
anzeigt; er wird deshalb Yiel&ch in
kleinen Gläsern als Wetterprophet ge-
halten. Benecke^ 145.
Wettgeridit, -herr, -Ordnung^ s. WUlt
wibbeln, siw.^ wimmeln, haufenweise
sich lebhaft regen and schDell beweges.
Der Käse wibbelt von Maden. Es wäh
beU von Menschen. Er kribbdt wd
vnbbeU voller Läuse. In einigen Ge-
genden Deutschlands noch Wibbd Käfer,
ahd. wipüy wibil^ mhd. wibeL Ade-
lung lY, 1530, hat wiebeln. In Hessea
wibbeln und wvwweln. Vilmar, 461.
Bock, 77. Hennig, 299.
Wibranze, m. 1. Zeit^ oder Erbpadi-
ter von kleineren Besitzungen and Go-
tem . in Westpr. und Ernüand zur Zeit
der poln. Herrschaft. Von dem pob.
wybraniec der Auserwählte, weil die
Wibranzen von den Geistlichen und
Starosten zu diesen Besitzungen aos-
ersehen wurden. S. Genaueres über
die Wibranzen (Vibranzen) in den Beitr.
z. Kde. Pr. IV, 342 ff. 2. nach Hen-
nig, 299, die Landmiliz, weil wybraniec
auch Rekrut heiizt, im Plural ansge-
hobene Mannschaften, wybrai\ russ. «^
brat\ vyybriaf auswählen. Sache and
Wort gegenwärtig aufzer Gebraach.
Nsslm. Forsch. 3; Th., 222.
Wiehert, w., nach der Volksmeinang
böses Wesen im Drausensee, das die
grolzen Risse im Eise verursacht Es
Wichse — Wickelpoppe.
467
ist nur zu bannen, wenn man, sobald
es losbricht, kreuzweise Löcher dorch
das Eis schlägt. Der Wiehert ist wohl
nichts anderes, als die gasartige Luft,
welche sich in dem moorigen Grunde
des Drausen entwickelt und gewaltsam
durch das Eis bricht. Der so gebildete
Rifz friert nicht mehr fest zu. Müh-
ling nach den N. Pr. Prov.-Bl. ohne
nähere Angabe.
Wichse, /. Es giebt Wichse, Prügel
Denn bei solcher Gelegenheit habe ich
einst gar weidliche Wixe gekrigt Soph.
R. I, 369.. Ygl. Schmier Hennig,
304.
wichsen, sw. 1. reichlich Hiebe aus-
teilen, prQgebi. Einen unchsen. Ja, du
sollst gewixt werden, nach der Schwier-
lichkeit! Soph. R. II, 483. In gleichem
Sinne in Zusammensetzungen : ab-, auf-,
aus-, durch-, verwichsen. Dafz ich den
Burschen nicht abgewixt habe, das thut
mir leid. Soph. R. I, 176. aufwichsen
auch: gut und reichlich bewirten, auf-
tischen. Er hat heute tüchtig aufge-
wichst, gute Speisen und Getränke vor-
gesetzt; vom Glanz hergenommen, den
die Wichse erzeugt, verwichsen auch
durch glänzendes Prassen seine Bar-
schaft, sein Vermögen durchbringen.
Er hat all sein Geld verwichst, 2. re-
flexiv: onanieren. Er wichst sich, ist
Onanist.
Wicht, /., Gewicht. Der Pelz hat eme
gute Wicht; ebenso Wucht Beides von
wiegen. Hennig, 300. 339. Danzig.
W. Seidel, 36.
Wicicel, m. 1. das Gewickelte, das
mehrmals um sich selbst Gewundene.
Ein Wickel Flachs, Hede — der um
den Wockenstock gewundene Flachs etc.
2. der Gegenstand, auf den etwas ge-
wickelt wird. MacK mir einen Wickel!
Geschieht am einfachsten, wenn man
etwas Papier zusammenfaltet, oft aber
werden die Wickel kunstvoll aus Pappe
etc. geklebt: Wickehteme. A\iA,wichüi,
wiccheliy mhd. wicheltn^ wickel eine Hand
voll, pensum, manipulus. Schade,
1154 b. 3. Schopf, Kragen, Kopf. Einen
beim Wickel nehmen — kriegen,
Jdkt mi de Puckel, bött mi e Lus,
Krieg öck em bfm Wöckel an schmiet
em Sn't Hüs!
Er ist nicht recht beim Wickely er ist
nicht recht im Eopfe, bei Verstand.
Vgl. Sprw. I, 490. Bock, 77. Hen-
nig, 300.
wiciceln, «17. 1. winden, drehen — einen
Faden^ eine Schnur; aber auch bild*
lieh Rede und Verhältnisse, indem man
durch Worte oder Thaten aus einer
verwickelten Lage, aus einer Verlegen-
heit sich zu befreien oder in schweren
Lebenslagen sich fortzuhelfen sucht.
Der versteht gut zu wickeln — heraus-'
zuwickeln. Der hat sich gut herausge-
wickelt, er hat durch geschickte Reden
sich aus einer kritischen Lage heraus-
gearbeitet. Ich mufz mich sehr wickeln,
um allen Menschen gerecht zu werden,
ich muü mir's bei der Arbeit recht
sauer werden lassen und mich in mei-
nen Ausgaben sehr einschränken, um
mein Fortkommen und keine Schulden
zu haben. In gleichem Sinne: Ich
mufz mich durchwiclceln. 2. Einen unckelny
zunächst ihn fassen und niederwerfen,
dafz er sich auf dem Boden windet und
dreht; überhaupt: ihn stofzen, schlagen,
zum Hanse hinauswerfen. 3. schief
gewickelt sein^ eine falsche Ansicht von
einer Sache haben, sich in einer An-
gelegenheit auf falschem Wege befin-
den.
Wicicelpuppe, /., Flachspuppe am Wok-
ken ; scherzweise auch kleines Windel-
oder Wickelkind.
80*
468
Wicken — WieseDblome.
Wicken, plur. In du Wicken gehen^
verloren gehen. Das Spiel (in der
Karte) geht in die Wicken. Treichel.
Vgl. WTke 1.
Wfcken, WTken, Wieken, Pflzn., rüster-
blättrige Linde, Tüia ulmifolia Scop.
Ostpr. Pritzel, 403. Nach Hagen,
293, Wieken die langgestielte Ulme, Ul-
mtu effusa WiUd.
Wicken, verwicken, «to., erzeugen.
Wickentiolz, n., von Pratorias unter
den Bäumen Preuizens aufgezahlt.
Pierson, Matth. Piätor., 13. Vgl.
Wicken.
Wickerbninn, m,, wippender Sumpf-
boden. Treichel.
Widdern, Widern, Widim, pltd. Wedem,
WBddem, /., die zu einer Püarrkirche
gestifteten nutzbaren Gründe, der Pfarr-
hof^ das Pfarrhaus, daher auch Pfarr-
füiddem; auch Haus für die Pfarrer-
witwen, gewöhnlich Pfarrwitwenkaus,
Ahd. toidamo^ tüidemo^ widimo^ mhd.
iüideme^ widern. Schade, 1137a. Auf
den 8, Julii'dea 1706. Jahres in der
Auhwehnischen Widdern angestelltes hoch-
zeitliches Ehrenfest Carm, nupt AI^ 277 A.
Wie dies dir mag zu Herzen gehn^ Ob-
gleich die KircK und Widdern stehn (nach
einem Brande in der Stadt Dt. Eylau).
Carm. nupL IH, 55 c. Da/z sich all
der Priester-Segen Mög um Eine Wid-
dern legen. Ibid. HI, 101 d. Do Wöd-
dem steit my bäter an, da fing ock myhnen
rechte Mann. Carm. nupt V, 145 c. As
öck nu awer on de Wöddem (hier Pfarr-
haus) köm^ on de WoUehrworden mi den
Breef reekt, wurd mi doch so allerhanjd.
Elbing. Spook, 472. Mühling hat
auch Widum. Zur Widdern gehen, zum
Konfirmanden-Unterricht. Schemio-
nek, 44. Im Brem. Wedem^ in Po-
sen die Widemut. Brem. Wb. V, 215.
Bernd, 350. In Estland Widme Frei-
gut. Sallmann, 51b. YgL Heinel,
Einige Nachr., 225. Hartwich, 167.
172 u. o. Hennig, 298.
Wide, /., s. Weide.
Widern, /., s. Widdern.
Widertod, Pflzn., Widertbon, Haar-
moos^ Polytrichum L, Ostpr. Pritzel,
300. Auch WieeemchafbeiL
Widerwort, 91., Widerrede. Hei gmä
Wedderword^ ^ er widerspricht. Efen
hatf de Vater was befohlen^ förz gab u
Wedderwort Schalt). 3, 6. Schon bei
Jeroschin: dar an in ffenügete ntndk
alle widirwort 120c. Pfeiffer, 282.
Widim, Widum, /., s. Widdern.
wie, im Volksmonde = als, das in
der Bedeutung von quutn dem Volke
in Dzg. gar nicht, in dem Sinne Ton
quam nur wenig geläufig ist. Solcher
Gebrauch des une tritt zaweilen auch
in der Schriftsprache auf. E. Förstern.
Fragend am liebsten im Dem.: wieckeHi
pltd. unke = was sagst da? In dem
Sinne von: welcher, welche, welches,
was für einer etc. wtner^y wtne^ wtnei,
kürzer wtns^ in der Mehrzahl wm>
Oberland. Elbing. Wien^s (welches)
§s dein Casus accusaüvusf Dorr, L
Wiew., 90.
Wiecken, Pflzn., s. Wicken.
Wiedewol, m., Pirol, s. BierhoL
wiegeln, «r., wiegen, auf der Wage
die Schwere prüfen. Treichel.
Wiegemeister, 9n., s. Kornmeister.
Wieicen, Pflzn., s. WTcIcen.
Wienspamas, m., einflügeliger Sack
des kurischen Haffs. Litauen. S. Be-
necke, 389 f.
Wiese, /., in Kgsbg. u. Danzig korxc
Bezeichnung für Holzwiese^ Stapelplatx
für Brenn- und Nutzholz. VgL H i rs ch,
216.
Wiesenbaum, m., s. WTsbaum.
Wiesenblume, /., gelbe, s. Kuhblume.
Wiesenkasper — WillfaDg.
469
Wiesenkasper, m,y s. Grasser.
Wiesenkrauty n., s. Seegras.
Wiesenschaf heu, n., s. Widertod.
Wiesenschnarre, /., s. Grasser.
Wiesenwasser, n., Wasser auf der
Wiese. Wesewäter <m Herregon&t Mle
nich stand, Dönh.
wiggeln, sw,^ wackelnd hin und her
wiegen. Mit dem Stuhle tviggeln^ sich
auf dem Stahle hin und her wiegen.
An einem Pfahl wiggeln^ ihn kräftig
hin und her ziehen, um ihn los zu
machen. In der Vereinigung mit wag^
geln allitterierend: wiggeln und waggeln.
Muhling hat Wiggelwaggel, m., eine
Person mit wackehidem Gange. Er
ist ein Wiggelwaggel. Sprw. I, 4046.
InHessemoicken. Vilmar, 454. Bock,
77. Hennig, 300. Vgl. waggeln.
Wiggelwaggel, tt»., s. wiggeln.
WTk, f.y Meerbusen, Bai, Bucht, alt-
nord. vik von vi/^'a, nd. wtken weichen.
Das Putziger Wtk. Blicken wir nach
Westen^ wo die „schone Wyk^^ Fisch-
hausen und ein kleiner Saum des Mee-
reSy das Auge erfreut Passarge, Balt ,
33. Vgl. Weigandn, 1114. Sali-
mann, 43b. 52a.
WTkbohne, /., Pflzn., Saubohne, Vicia
faba L, Hennig, 300.
WTke, /. 1. ein ins Eis gehauenes
Loch, eine Wake, Hennig, 300. 2.
Ulmus efusa, s. WTcken.
WTkfischerei, /., Fischerei in den Wt-
ken^ besonders in denen des frischen
Haffes. Diese Fischerei wird verzeit-
pachtet. Bock, Nat. IV, 721.
wild, adj.^ davon das Wilde. Es geht
ins Wilde y ins Ungeheure, Unglaub-
liche.
Wildfeuer, n , wildes Feuer, Ausschlag
im Gesichte. Er hat Wild/euer. Muh-
ling.
Wildkatzenfett, n., Medik., Schweine-
schmalz.
Wildnisbereiter, m., Waldaufseher,
Förster. Der Titel Förster kam nach
Hennig 1739 in Gebrauch, „weil S.
Eon. Majestät keine Wildnis in ihren
Landen erkenneten " Die studirten
Schulmeister sollten aufzerdem 4, die
andern 3 Achtel Höh von den Wildnifz-
bereitem angewiesen und von den Kirch-
spieUkindern angeführt erhalten. Kogge,
Gesch. d. Diöc. Dark., 35. Hennig,
300.
WildschOr, /. u. m.^ der Wolfspelz,
Pelz aus Wolfsfellen. Das poln. wü-
czuray von wiÜc Wolf, sh6ra Haut, Fell,
Balg. Wie aber^ wenn man einen an-
genehmen und liebenswürdigen Mann im
Schlafrock oder im Wildschur sieht?
Soph. R. H, 154. Bock, 77. Hen-
nig, 301.
Wilge. /., Weide, salix. Ostpreufz.
Pritzel, 352.
Wilhellem, 9n., m. Vorn., s. Willem.
Wilhelm, Pflzn., sprossende Felsnelke,
Dianthus prolifer L. Auch Kopfnelke.
Hagen, 458.
Wilkie, /., Wald bei Königsberg, fast
ausgerodet, der Wolfssitz; von lit vÜ-
kas^ poln. wilk^ lett. vriUcs Wolf. Frü-
her begann hier die Wilkie^ der „ Wolfs-
wald"^. Passarge, Balt., 20. Wilk
tritt hier noch öfter in Ortsnamen auf.
Vgl. Nsslm. Th., 205.
Wille, Will, /., Name und Lockruf für
die Ente, hockrui Auch: vnUewill! Vgl.
Volksr., 64, 242 g.
Willem, Wilm, W»lm, m. Vom., WU-
helm, breit hochd. in Königsberg Wil-
hellem.
Willfang, t»., Wildfang, wilder, ruhe-
loser Mensch, namentlich J unge. Bock,
77. Hennig, 301.
470
Willkomm — Windekus.
Willkomm, m. 1. der Willkommen,
Grufz, die BegräfzuDg. 2. die Hiebe,
welche früher ein Verbrecher bei sei-
nem Eintritte ins Zuchthaus erhielt.
3. ein Trinkbecher, den man dem Gaste
darreicht. Im Kneiphöfischen Gemeinde-
garten wurde nach Hennig, 301, der
Willkomm der Schüizengilde aufbewahrt,
dessen Inschrift begann:
Dieser Willkomm ist dem werthen
Schützenorden
Im Kneiphof Königsberg zu gut ge-
stiftet worden,
Willkür, /., Statut, Gesetz. Die Satzun-
gen der Willkür regelten namentlich
den Geschäftsbetrieb and enthielten die
dem lokalen Bedürfnisse entsprechen-
den Polizeigesetze. S. Hirsch, 201.
Hennig, 301. Willkür der Stadt Kö-
nigsberg — die Danziger Willkür. Ahd.
churiy chure^ mhd. küre^ kür Prüfung,
Überlegung, Wahl.
WTIos, von poln. icylos^ Name der
Einlalzöffnung bei der Winterfischerei
mit dem Niewod. Masuren. Benecke,
360.
Wimmerholz, /., Guitarre.
Wimmerkasten, tti., Klavier.
wimmern, sw.^ die Nachbarschaft be-
lästigend singen oder ein Instrument
spielen.
Wind, m., Windhund, schneller Jagd-
hund. Vier Jagd-Hund und ein Strick,
gut eingehetzte Winde, Die sollen heute
Fuchs und Hasen gratcsam sein . . . und
ihn der rasche Wind mit offnem Rachen
fängt Carm, nupt IV, 56 b.
Windbarg, m., das beim Giebel eines
Gebäudes dem Strohdach vorgeheftete
Brett, die Windberge. Treichel.
Windegam, Windgarn, n., Fischernetz,
bestehend aus einer Metritze von nicht
mehr als 16 m Länge und zwei Flü-
geln, deren Länge nicht über 180«,
deren Höhe nicht mehr als 6 m be-
tragen darf. Nur zum Auswerfen des
Netzes sollen Kähne benutzt werden,
es ist nicht erlaubt, das Netz hinter
den Kähnen nachzuschleppen: die Be-
wegung des Netzes geschieht durch
den Wind; erst wenn die Kähne Tor
Anker gegangen sind, dürfen die Zug-
leinen mit Hilfe von Winden einge-
holt werden. Das Windegam des ku-
rischcn Haffes heifzt auch WindkarteB-
garn, -netz, lit. winkartelle^ das des
frischen Haffes FlUgelgam, Grofziandgan
und Herbstgam. Jeder Flügel des Herbst-
games hat gewöhnlich NetztQcher tod
vier verschiedenen Maschen weiten, und
unterscheidet man nach der Weite der
Maschen: das Weitetuch, das Stagge^
oder PIStzentuch, auch Pletzenzug, das
Fischertuch und das Daumenfuch. Die
Metritze hat die Maschenweite des
Daumentuches von 2,5 cm bis auf das
letzte Dritteil derselben, die Hdckdung
oder den Häckel, Häkel, dessen Maschen
2 cm im Quadrat grofz sind. Beschrei-
bung in Benecke, 342 ff. Fisch.-Ord.
f. d. fr. Haff § 20. Hennig, 80. 302.
Winde-, Windgamfischerei, /., Fischerei
mit dem Windgam. Es dürfen bei
derselben weder Ruder noch Segel ge-
braucht werden, um das ausgebreitete
Garn in der Länge vorwärts zu ziehen.
Auch darf dieselbe nur in der Tiefe
des Haffs stattfinden und weder die
Scharen und flachen Strecken dessel-
ben, noch die Laichstellen berühren,
auch nicht in den Bezirk der Sack-
fischerei eindringen. Fisch.-Ord. f. d.
fr. Haff § 20. Die Windgamfischerei
heiCzt auch Grofziand- und Herbstgam-
fischerei.
Windel(us, Windil(us,m., windiger^ leicht-
Windeltreppe — winken.
471
fertiger Mensch, Windbeutel. Im Ober-
lande windekusch, adj,^ flüchtig, unzu-
verlässig. Saalfeld.
Windeltreppe, /., Wendeltreppe. Da-
von das Adj. windeltreppig. Es sey die
Bewegung spiralts (dafz üt einfältig zu
sagen, Windeltreppig umb eine Kugel),
Linem., Pp 3b.
Windenkrallt, n., s. Wedewing.
Windfang, 7n., Holzverschlag in Haus-
fluren und an Stubenthuren zum Ab-
halten des Windes und der Zugluft.
Hennig, 302.
Windfisch, m., s. Homfisch 2.
Windgarn, n., Windgamfischerei, s. Win-
degarn etc.
Windhauer, m., eifernder Redner, leb-
haftgestikulierenderSchwätzer.Schimpf-
wort. Stein, Peregrinus XII, 82. W.
Mtsbl. V, 191.
Windikus, m.^ s. Windekus.
Windkartellgam, -netz, n., s. Winde-
garn.
Windkeitel, m., gröfzeres Keitelnetz,
das vom Winde getrieben wird. Hen-
nig, 302.
Windkopf, m., Gebilde von Wolken,
woraus die Windrichtung des nächsten
Tages zu ersehen sein soll. Trei-
chel.
Windlage, /., überdeckter Vorbau im
Untergeschofz eines Kaufhauses, worin
die Waren zum Verkaufe ausgestellt
wurden. Kein Kaufmann durfte mehr
als eine Windlage haben. Dzg. Ordens-
zeit. Hirsch, 232.
Windlasche, -latsche, /., s. Lasche.
Windmamsellen, plur.j Medik., Morsuli
contra flatulentiam.
windrig, adj.^ was sich windet. Win-
drig Uoh^ Holz, dessen Fasern nicht
gerade, sondern in Windungen gewachsen
sind; es spaltet daher schwer. Hen-
nig, 302.
Windsack, 9n., leichtfertiger, leicht-
sinniger Mensch, Verstärkung von Wind-
beuteL Ich weifzy da/z sie den Schulz^
den Windsack^ hafzt, Soph. R V, 602.
Vgl. Windekus.
Windschwark, /., s. Schwark.
Windsutter, m., s. Hornfisch.
Windwake, /., s. Wake.
WTne,2>Zwr., Weihnachten. GreneWine
— untte Ostre, Lachte Wine — düstre
Schüne. Helle Nächte in der Weih-
nachtszeit verkünden eine reiche Ernte.
Rauschen. Samland. Sprw. U, 2917 f.
Vgl. Zwölften.
Wingille,/., Querder, Neunaugenlarve.
Litauen. Bujack, 391: Vtngille. Nach
Nsslm. Wb., 81a, wingiUis Peizker,
besonders eine kleinere Gattung.
Winkel, m. 1. Platz, Raum, Abteilung
in den Junkerhöfen. Ihre Zusammen-
kunft halten sie (die Fischer) auf dem
altstädtischen Junkerhofe^ an welchem
nicht nur Kaufleute und Mälzeribräuer^
sondern auch die Fischer einen Aniheü
oder^ nach der alten Sprache^ ihren
eigenen Winkel haben. Bock, Nat. V,
554. Vgl. Hölkenioinkel, unter Holke,
und Rosemoinkel, 2. eckiges Stück
Land, Landstück überhaupt. Nach
Mühling hat das grofze Werder fünf
Winkel: den Montaner, Schönauer^
Lichtenauer, Neuteicher und Lesewitzer
Winkel.
Winkelknig, m., Wirtshaus, Gasthof
niederen Ranges, der gewöhnlich in
einem Winkel liegt. Egsbg.
winken, sw., doch fehlerhaft auch st
1. ein Zeichen geben mit Hand oder
Auge (vgl. plirücen). 2. Einem eins
winken^ ihm eine Ohrfeige, einen Hieb
an den Kopf geben. Scherzweise auch:
Er hat ihm eins gewunken. 3. beim
Versteckspiel (s. Spinkehoinkel) sich die
Augen zuhalten. Vgl. lugen u. plinzen.
472
Wianlatsche — Winterfisoherei.
Winnlatsche, /., s. Latsche.
winsch, adj,^ windig, ränkevoU. Wohl
ZasammenziehaDg aus toindüch. En
klüker Kopp^ en winscher Brägen, Brie-
sen.
Wintereiche, /., s. Steineiche.
Winterfischerei, /. Zur Betreibung der
Winterfiscberei mit grofzem Gezeuge
oder mit dem grofzen Wintergam ge-
hört zunächst ein mit Pferden bespann-
ter Schlittten zur Beförderung der Ge-
räte und Personen (15 bis 20). A. D as
Gerät. 1. Das Garn (s. Wintergarn),
2. Eisäxte und Eisstemmen zum Durch-
hauen und Durchstofzen des Eises. 3
Ruten, mindestens zwei, oder Vorschiebe«
Stangen, lit. parta^ lange Stangen zur
Weiterbeförderung der Leinen des Gar-
nes unter dem Eise. 4. Zofzgabeln,
lit. szakisj ebenfalls wenigstens zwei,
Holzstangen mit stumpfer Eisengabel
von zwei auswärts gebogenen Zinken
zum Wenden und Weiterschieben der
Ruten unter dem Eise. 5. Zofzhaicen,
lit. kabü^ zwei, Holzbugel mit eisernen
Endhaken. Sie werden gebraucht, um
die unter dem Eise in Verwirrung ge-
ratenen Garnflugel wieder in Ordnung
zu bringen und die Ruten und Leinen
aus dem Wasser zu holen. 6. Die
Tankgabel, lit. mina^ minella, Sie ist
von Holz und hat zwei nach auswärts
gehende in Kugelform endigende Zin-
ken. Beim Aufziehen des Garnes wird
mit ihr die untere Simme zusammen-
gehalten, damit die gefangenen Fische
nicht wieder entweichen. — B. Die
Ausführung der Fischerei. Das
erste Geschäft der Fischer ist, eine
grol'ze Wune in das Eis zu hauen, den
sog. Einlafz oder das Einlafzloch, durch
welches später das Garn ins Wasser
gesenkt, eingelassen wird, lit. illata.
Kechts und links vom Einlafzloche wer-
den hierauf in der Entfemung je emer
Flügellänge des Games zwei kleinere
Wunen in das Eis geschlagen, die Orl^
wftlcen. Zwischen den Ortsw4ken und
dem Einlafzloche werden sodann in
entsprechenden Entfernungen kleinere
Eislöcher aufgehauen, die man Zoll-
IScher nennt, lit. wakai. Diese Reihe
von Zoi'zlöchern nennt man dieStreckun|i
lit. strahote^ die abschliefzenden Ort&-
wäken auch Stredaingswftken, lit tUain
kampas. Ihnen gegenüber yrerden eben-
falls Wäken ins Eis gehauen, die un-
gefähr rechtwinkelig den Streckongs-
wäken gegenüber liegen und Zukehnings-
wftlcen, lit. iszwalkos kampas, heifzen,
weil die arbeitenden Parteien sich von
hier ab einander zukehren. Die Strek-
kungs- und Zukehrungswäken werden
ebenfalls durch ausgehauene Zo/zlöcher
mit einander verbunden, welche die
Wände heifzen, und ist durch diese
Löcher die Regierung des Gamzuges
unter dem Eise ermöglicht. Am Ende
des Zuges, dem Einlalzloche gegenüber,
wird eine zweite groCze Wune in das
Eis geschlagen, die Holung, so genannt,
weil durch sie das Netz aus dem Was-
ser herausgeholt wird; im kurischen
Haffe der Auszug, lit iszwalka. Die
Eisstrecke zwischen der Holung und
den letzten Ortswdken ist ebenfalls durch
Zofzlöcher unterbrochen, welche die Zu-
kehrung heii'zen. Während dieser Vor-
bereitungen ist das Garn in das Eih^
lafzhch gelassen, und jeder Flügel des-
selben wird unter dem £ise in ent-
gegengesetzter Kichtung durch je eine
Rute^ an der eine lange mit dem Rt^
dem Ende des Garnflugeis, verbundene
dünne Leine befestigt ist, vermittels
der Zo/zgabely von einem Zofzloch zum
andern bis zu den ersten Ortawdken ge^
zofzt^ d. i. gezaust, gezogen. Hierauf
WintergarD — Wippelsümge.
473
wird auf jedem Flügel die RtUe ver-
mittels der 2joJzgabel nach dem der
zweiten Ortswdke zulaufenden Zo/zloche
gewendet, and während in dieser Rich-
tung die Ruten von Zofzbch zu Zofz-
loch nach den zweiten Ortswdken ge-
zolzt werden, wird zugleich auch die
dünne Leine erfaizt und so lange aus
den ersten Ortswdken herausgezogen,
bis das Ref folgt Durch Menschen-
oder Pferdekrafi; wird sodann das Garn
gestreckt, so dafz dessen Flügel in die
ersten Ortswdken treten. Bei den zwei-
ten Ortawdken wird ebenso verfahren
wie bei den ersten, und werden dem-
nächst die beiden RtUen, die Leine^
die Refs und die hieran befestigten
Gamflügel nach der Holung gebracht,
wo dieselben alsdann mittels einer an
einem Schlitten befindlichen Winde
herausgezogen werden, wobei mit der
Tankgabel^ lit. mtna, mineUa^ die un-
tere Simme des Games zusammen-
gehalten wird. Eurisches und frisches
Haff. Vgl. Beschreibung und Bild in
Benecke, 357 ff.
Wintergarn, n., Zuggam zur Fischerei
während des Winters, unter dem Eise;
es besteht aus zwei Flügeln und einer
Metritze. Fisch. -Ord. f. d. kur. Haff
§40; f. d. fr. Haff § 20. Es heifzt
nach Hennig, 80 u. 302, auch Sfa'nt-
gam, weil damit im Winter Stinte ge-
fangen werden. Das Wintergam des
Putziger Wieks heilzt kass. jadro.
Wintergerste, /., s. Stockgerste.
Winterkraut, Pflzn., Preilzelbeere, Vac-
cinium Vitis idaea L., wohl weil es
beim Volke dem Sinngrün, Vinca minor
L,y gleich erachtet wird. Paleschken.
Treichel, Yolksth. Vgl. Borowski.
Winterlager, n.y -teich, 7n., s. Kammer-
teich.
Wintermonat, m., nicht einer der drei
Wintermonate, sondern der Dezem-
ber.
winterrieseln, sw., s. giadelsen.
Winterung, /. 1. Wintersaat, das im
Herbst gesäete Getreide. Winterung
einstehe (einsteibe)^ Sommerung einklebe
(einkleibe)y die Winterung gedeiht ein-
gestaubt, d. h. trocken eingesäet ; der
Sommerung schadet es nichts, wenn
sie naTz eingesäet == eingeklebt, einge-
kleibt wird. 2. s, v. a. Kammerteich
(s. d.).
WTpe, /. 1. Strohbündel als Sitz im
Wagen. Ich war auf meinem Korb-
wagen und Strohtoihpen sitzend^ ganz
stillschweigend dahin gefahren. Sopb.
R. IV, 244. Hier ausdrücklich noch
als „Wagensitz von Stroh" bezeichnet;
in Pommern nennt man auch die Fu^
sen u. Fauden Wlpen. S. LSper. Vgl.
Dähn., 549b. 2. Hagebutte, Frucht
der weichhaarigen Rose, Rosa viUosa.
Hagen, 521.
Wippauf, pltd. Wippup, WSppup, 9n., im
Volksrätsel der Frosch, der Hüpfauf,
Hüpfer. Tierräts. 30.
Wippchen, pltd. WSppke, n., Dem. von
Wippe ^ von wippen auf- und nieder-
schweben machen, Ausflucht, Zote,
dummes Zeug. Mach mir keine Wipp-
chen vor^ denn ich bin vom Schneider-
char. Vgl. WeigandH, 1123.
Wippe, /., das wippende Ende (z. B.
eines Baumstammes); das Auf- und
Abschwebende, die horizontale Schau-
kel; diese auch Wippwapp. Auf der
Wippe stehen^ unsicher stehen, dem Falle
(Bankerott) nahe sein.
Wippelstange, /., Stange, die wippt
öck sH op ena Wöppelstang^ WoppeU
stang wull breke. Volksr., 120, 507. In
Danzig: Wippenstang; inPommerellen:
Wipfelstang woM brechen, Volksr., 158,
669.
474
Wippenzagel — Wirt
r Wippenzagel, m., s. QuSksterL
wipperig, pltd. wSpperig, adj. von wip-
pen^ wippen mit Zittern. Wdpperig sin-
gen. Vgl, Sprw. I, 1170.
wippquSksterten, sw.^ s. wippsterten.
wippsen, sw.^ von der gröi'zte Schnellig-
keit ausdruckenden Inteij. tmpps. 1. ent-
wischen. Sehern ionek, 45. 2. be-
trügen, im Handel wie beim Karten-
spiel. Bock, 77. Hennig, 302.
Wippstange, /., s. yVippstock.
Wippstert, -sterz, m., Bachstelze. In
Hessen Wipatert. Vilmar, 455. Da-
von:
wippsterten, wippquSicsterten, sw., ruhe-
los sein, nach Art der Bachstelzen.
Mühling.
Wippstock, m.y auch Wippstange, /.,
der senkrechte wippende Stock am
Wocken, der mit dem Fulztritt und
dem Rad in Verbindung steht und letz-
teres in Bewegung setzt. Ich werde
dir für den Wocken, atich für den Wipp-
stock geben, dir, was du verdient, mit
einemmale auszahlen (Schelte, Prügel).
Donh. S. Wippelstange.
Wippwapp, /., horizontale Schaukel
primitivster Art, aus einem Brett be-
stehend, das über einen querliegenden
Gegenstand gelegt wird. Treichel.
Wipp-, Wippenzagel, m., s. QuSksteit
wirbelsUchtig , adj,, verrückt. Pi-
sanski, Nachtr. Nach Adelung IV,
1573, schwindelig.
wirgeln, wurgeln, sw, 1. hin- und her-
drehend einen Gegenstand losmachen,
herausziehen. Den Zahn — einen Stein
loswirgeln — auswirgeln. Nach Sper-
ber, 45, auswurgeln, einen Stoff, z. B.
Butter, ausarbeiten. 2. wirgeln beim
Gange, den Hinterteil des Körpers auf-
föUig hin- und herbewegen.
wirken, pltd. warke(n), sw. u. st, we-
ben. Wenn du den Faden knüptest, als
sie Leinwand wirkte. Soph. R. Y, 391.
Der Unterleib toird bedeckt mit zwei
roth und um/z strichweise geworkenen
Decken, Pierson, Matth. Prator., 112.
Du motst spönne on warke, On wasche,
on brav starke. Volksl., 3, 3, 4. Im
Oberlande auch wSfken.
Wirkgestell, Wirkstell, Warkgesteli, Waik-
stell, Werkgestell, Werkstell, Steilwark,
Stell, n., Gestell zum Wirken, Web-
stuhl; er fehlt keiner ländlichen BLaos-
haltung. Die genaue Beschreibung des
Wirkgestells s. W. Mtsbl. VII, 124 bis
128: Das Wirkgestell und das Wirken
(vgl. Abkürzungen).
Wirrwarr, m., unruhiger Kopf, kon-
fuser Mensch, „einer, der im Reden
alles durch einander mengt^. Bock,
77.
Wirrwasch, m., wirres Gewäsche,
Klatscherei. S. Beleg unter Hitze-
patsch.
Wirt, pltd. WSrt, m. 1. Vorstand einer
Gastwirtschaft. 2. Vorstand einer länd-
lichen Besitzung, Bauer. In alten Zei-
ten hiefzen die kleinen Landbesitzer
Bauern, dann kam die Bezeichnung
y,Wirth^ auf; aber auch diese genügt
heute nicht mehr und sie nennen sich
Gutsbesitzer, oder doch etwas verschämt:
Gutseigenihümei*, , . , Wirth ist nur der
Ein-, Zwei- und Mehrhüfener. Pas-
sarge, Balt., 39 f. Die Wirtin nennt
man Wirtsche, pltd. WSrtsche. Vgl. -sehe.
3. Zeche, Bewirtungsbetrag. In dieser
Bey Morgensprache (8. Januar 1597)
hat sich erklaget Steffen HUdebrandt^
dohmals Gerthman, wie er in den Rosen-
winckell mit dem Beuitel vmbgangen,
die Wirthe abzufordern^ habe Friedrich
t>on Ellen nebenst dem Wolf frühen mä
ihme hader angefangen. In der Mar-
gensprache am 18. Februar 1604 ist „««-
heUiglich geschlossen, da/z ein Iglicher
Wirtschaft — Wischwasch.
475
fuf seinen Winh iczigei* teurer Zeit vnd
gelegenheit nach drey groschen gehen soll,
S. Die Zünfte, 30.
Wirtschaft, /., Hoch/.eit. Es soll auch
ein yedcTy der nicht zur wirtschafft ge-
laden . . ., sich derselbigen gentzlichen ent-
halten. Wirtschaft thun^ Hochzeit ge-
ben. Kleid.-Ordg., 376.
WTsbaum, Wtobaum, pltd. WTsbOm, Wte-
bOnriy m, Baum, durch welchen das
aufgeladene Heu und Getreide in gera-
der Richtung und Ordnung festgehalten
wird. Yon wisen weisen, in der Be-
deutung von dirigerCy conducere. Das
hchd. Wiesbaum erinnert an Wiese, und
erklärt daher Weigand U, 1115: Baum
für das Heimbringen des Ertrages der
Wiesen. Es wird aber auch Getreide
und Stroh durch den Wtshaum zusam-
mengehalten. In Bayern heilzt das
Gängelband Weisband, Schmeller IV,
178.
Wisch, pltd. Wusch, m, u. n.. Dem.
Wischchen, 1. eine Handvoll, soviel,
als man mit einem Griff erwischen kann.
Ein Wisch Heu^ Stroh, Den Pferden
ein Wischchen Heu gehen, Masurisches
Sprw.: Von den Erbsen ein Wisch (in
der Scheune), so sitze des Abends, nach
der Erbsenernte beginnt die Abend-
arbeit. Sprw. II, 3055. Er hat ihm
ein Wisch Haare ausgerissen, 2. eine
grölzere Menge, ohne daiz diese sich
gerade durch einen einfachen Griff er-
reichen läl'zt, doch ebenfalls von er-
wischen. Er hat mit seiner Frau einen
ganzen Wisch Geld mitbekommen, —
Allgemein: Werkzeug zum Wischen,
Abwischen: Federwisch^ Wischtuch^
WischJcodder. Ebenso bekannt: Wisch
als Bezeichnung einer schlechten^ un-
bedeutenden Schrift. Bock, 78. Hen-
nig, 302.
Wiiche, /., Wiege. Yon wiichen. Nach
Bock, 78, auch Wischice. Hennig,
303. Vgl. ^chuichQ, Haha.
wiichen, sw.^ einwiichen, einschläfern.
Schwed. vyssja. Aus dem einlullenden
umch wisch der Mutter und Einder-
wärterinnen entstanden. Mit dem Kinde
herumunschen. Vgl. ichiiichen.
wischen, pltd. wif8Che(n), sw. 1. ohr-
feigen, prügeln. Einem eins wischen^
ihm kurzweg eine Ohrfeige geben. An
ihm wischt sich jeder die Händ^^ eine
verlassene Waise wird von jedem ge-
mifzhandelt 2. schnell laufen; unbe-
urlaubt einen kurzen Besuch machen,
entwischen. Wenn de Deppke e Wieüce
Tied haddy wascht he bi sien Mutschke.
Boldt, 19. Renn, Keerl^ w^ch^ boJk
on lärm. Dorr, 1. Wiew., 111.
wiichig, adj., kopflos, verwirrt, kon-
fus, vergefzlich, zerstreut. Er ist ein
recht wikhiger Mensch. Klein II, 234,
hat für Danzig noch herumwiichen, zer-
streut leben. Sperber, 43: wizig.
Auch Substantiv.: Wiichiicus.
WischJcewaschJce, n., allgemein üblicher
Wischiwaschi, leeres Geschwätz, Ge-
wäsche. Fbigs drinK öck mi an Schnapske
satt. Stracks geit et wischke waschke,
VolksL, 57, 38, 7. Vgl. Ktkeilcftlcel.
Bock, 78. Hennig, 303.
Wischlcodder, n., Wischlappen, s. Wisch.
Wischlcoii, m., Kragen, loses Kleid ungs-
stuck, Jacke. Einen beim WischkoU
kriegeny ihn beim Koller (Kragen) er-
wischen, überhaupt: ergreifen. Marold
erklärt: dichter Lockenkopf. Einen beim
WischkoU kriegen, ihm in die Haare
fahren. Vgl. Krafzfil, Krepscholl, Schla-
fittchen.
Wischleine, /., Leine an der Zeise
(s. d.) mit Strohwischen besetzt« durch
welche die Fische vom Meeresgrunde
aufgescheucht werden. Vgl. LOper.
Wischwaschy m.^ Ge wasche, Geschwätz.
476
Wifinack — WitiDg.
Dies alles^ dünkt mich, ist Wischwasch.
Sopfa. R. VI, 229. Ygl. Wischkewaschke.
Wisnack, m., Kirschmet, Eirschwein,
poln. loisniak, von wim, wisnia die
Kirsche. Der polnische Kirschmeth, oder
Wisnacky Übertrift alle fremde Getränke
an lieblichem Geschmack. Bock, Nat.
I, 677. Vgl. KirschmeL
wTsnäsig, adj., s. weibnasig.
Wispe, PflzD., Mistel, Viscum dOmm
L. Samland. Gewifz ist da ein Schatz
verborgen, wo ein HaseUmsch Wispen
trägt Keusch, Sagen, S. 66, Nr. 56.
Treichel, Volksth. Vgl. Mestel.
Wispel, ?n., Getreideeinheit von 24
Scheffeln; 12 Scheffel machen 1 Malter.
Vgl. Last
wissen, pltd. w(te(n). Wat fner nich
wet, dat wet en andrer. Wat twee wc-
ten, wet de Welt. Elbinger Ndrg. Wer
kann alles weijzen^ sagt der Maurer
und streicht mit Wasser. Königsberg.
Nicht aus (hinaus), nicht ein (hinein)
wissen. So richtiger als eimoissen (s. d.J.
Sich wissen. Mag er sich tvissen, sich
selbst raten und helfen. Sich mit je-
Tnand wissen, in vertraulichem, nament-
lich geschlechtlichem Verkehr stehen.
Wissowatten, Ortsn., Dorf im Kreise
Lötzen. Die Bewohner v^erden zum
Spott mit dem Rufe: Hltsch! begruizt.
Über die Entstehung des Spottnamens
s. Sprw. I, 1611.
Wist, Wiste, pltd. Wtst, f., Schnur-
leib, Korsett, lit. wyste. Bock, 80, u.
Hennig, 306: Wüste. Nsslm. Forsch.
2; Th., 222. Sperber, 33.
WTfzel, /., poln. Wisla, lat. Vistula,
Weichsel; bedeutet poln. hängendes
Wasser, von dem starken Gefalle in
ihrem obersten Laufe. Bei Jeroschin
Wtzel. Vgl. Pfeiffer, 284. Titel einer
Sammlung plattdeutscher Gedichte von
Robert Dorr: ^Twöschen Wiessei on
M
Noacht^ (S. Anmerkungen). Anno £^
as de Wissel brennd! wenn jemand alte
Geschichten erzahlt. Westpr.
Witfrau, pltd. Wrtfrd, WedfrO, /., Witwe.
Wfting, Weiting, Wuting, m., in älterer
Zeit im Lande, besonders in Samland,
ansässiger Stammpreafze, der wegen
seiner Treue gegen den Orden gewisse
Vorrechte genofz; seit dem 14. Jab-
hundert Ordensdiener oder Orden»-
beamter preufzischer Nationalität Die
Witinge erscheinen als Wirtachafter,
Fahrleute, Vorreiter, Boten^ Handwer-
ker (besonders Schneider), nehmen na
Eönigszügen, Verteidigung der Greof-
burgen etc. heirvorragenden Anteil uad
bilden im Felde abgesonderte Heeres-
teile mit eigener Fahne. In Ragnit er
scheint sogar ein Wttingsherr^ der im
dortigen Ordenshause sein eigenes Ge-
mach hatte: „der Wittinffsherm Ge-
mach**. Vgl. Ausführlicheres bei Top-
pen, Altpr. Mtsschr. IV, 141ff. Neo-
mann in den Script, rer. IVuss. II,
p. 455, deutet wMng, indem er auf ht
untöti einem Gaste zutrinken, ihn will-
kommen heifzen, hinweist^ als „will-
kommenerGastfreund**; Nsslm. Forsch.
2; Th., 197, verwirft diese Etymologie
und weist hin auf das poln. tooi/t (li-
tuanisiert waitas) Vogt, Schulze, Dorf-
richter, und auf das preufz. wcnddi re-
den, waite (vgl. wayde^ Ansprache,
russ. wjeUjä, uitn Redner, so dafz tcei-
ting (etwa in preufz. Form tcaitinih)
derjenige wäre, der für die Gemeinde
oder in derselben das Wort fuhrt, der
Sprecher des Volkes. Über die IVtHngt
in ältester Zeit, in der sie als bevoi^
zugte eingeborene Edle und Gutsherren
erscheinen, vgl. u. a. Voigt, GescL
Pr. III, 420ff. Gottschalk, Preuli.
Geschichte I, 82. Weitere Quellen fuhrt
Toppen, a. a. O. an. Bei Jeroschin:
Witing — Wixe.
477
von der vestm sich her ab machte bru»
dir Conrdt Swdb^ genant von den Ei-
binge ^ und mit im vü toitinge 69 d.
Pfeiffer, 283.
Witing, m.y Fischn., s. WitUing.
Witinne, Wittinne, /., flaches robgebau-
tes Flai'zfabrzeug bis 170 Fufz lang,
5— 6Fufz hoch und von einer Ober-
breite von 25 Fuiz. Memelflufz. Wilia.
Pregel. Weichsel, wo jedoch über-
wiegend die unter Gefä/z aufgeführten
Namen fOr derartige Kähne im Schwange
sind. Witinnen werden nicht zur Hei-
mat zurückgeführt, sondern vom Be-
sitzer als altes Holz verkauft, während
die Witinniker die Heimreise (früher
vollständig zu Fu/z) antreten. Lit. tci-
1^ne\ poln. wicina. In den FlOssen
au/zerhalb des Landes haben sie die
Wittinnen^ eine uralte Art von preu/zi-
schenSchifen. Pierson, Matth. Prätor.,
118. Vgl. Nsslm. Forsch. 2; TL, 209.
Altpr.M.IV,324. Hirsch, 163. Bock,
Nat. I, 585 f. Bock, 78. Hennig,
303.
Witinniicer, m.y Schiffer, Knecht, Füh-
rer einer Witinne. Vgl. ^chimlce und
FITs. Lit witiinininkas^ abgek. tciünin^
kas. Vgl. Nsslm. Th., 209. Hennig,
304.
Wi^OI, (?), Milchsuppe. Natangen.
Hennig, 304, hält das Wort für eine
Zusammensetzung aus uitt weifz und
Jol Suppe.
Witmann, m., Witwer. S. Witfrau.
witscheln, sw. 1. wedeb. Der Hund
toitschelt mit dem Zagel. 2. vor einem
andern hergehen, herzageln. Kinder^
witscheü mir nicht immer vor den Fiifzen.
Saalfeld. In dieser Bedeutung gern in
Verbindung mit watscheln. Das Volks-
rätsel nennt die Gans Witschelwatschel.
S. Tierräts. 79.
Witscheriing, m., Pflzn., s. Wedendunlc
Witt, Witte, /., s. VitL
Witte, Voc. 305, hchd. Ausdruck für
das altpr. greanste (greauste) Strick von
zusammengedrehten Reisern. Nsslm«
Thes., 52.
Witteitag, tti., die kleine Kaiende,
welche im Werder Geistliche und Schul-
lehrer erhalten. j^Sie (die kathol. Kir-
chen) bekommen auch bis dato noch von
den Einwohnern (der Werder) ihren
gewissen Decem, Cedendo und Witteitag^
wie auch alle Accidentien gleich den
Lutherischen Predigern etc. Hartwich,
59. Auf Ostern zum Witteitag dem
Pfarr-Herm 15 Eyer und ein Haufz-
backen Brodt^ dem SchuUMeister 8 Eyer
und ein Brodt. Aus einem Instrument
V. J. 1677. Ibid., 93. Das Wort ist
wohl aus Vitcdis-Tng^ Tag des heil. Vi-
talis (28. April) entstanden, an welchem
Tage ursprünglich die Osterkalende ab-
geliefert sein wird. Ebenso in Pom-
mern. Nach Dähn., 554b, soll der
Tag von dem Dominica in albis so ge-
nannt werden.
Wittewald, m., Pirol, s. Bierhol.
WitUnne, /., s. Witinne.
Wittice, 97»., Fischn., s. WitUing.
WitUing, Weifzling, m., der Merlan,
Oadus Merlangus ; auf Heia Witing. B e -
necke, 88, schreibt Withing. Bock,
Nat. IV, 550. Ebd. S. 687: WitUing u.
Wittke Name für ein kleines Fischchen,
„das sich in den Earpenteichen von
selbst finden soll*'. Mühling, Tiem.,
179: Weifzling, WitUng.
Witz, m. Es ist heute gro/zer Witz^
groize Gesellschaft, Versammlung.
Schmitt, Westpr., 168, leitet dies
Witz von dem poln. wiec Gerichtsver-
sammlung her; nach Mrongov. I, 571,
ist udeCy Adelsgericht, jedoch eine Anti-
quität und jetzt unbekannt.
Wixe, /., wixen, sw.^ s. Wichse etc.
478
wo — wohnen.
WO. 1. relatives Pronomen. DieFrau^
wo da geht Das Geld^ wo sie heute
eingenommen hat^ ve>iubelt sie auch.
Schwogersch Jülke er Mann^ vyo op de
Sptkersch to done heft Kgsbg. Fir-
menich I^ 101b. Eigentumlich ist das
Auftreten der Genitiv-, Dativ- und
Akkusativform: wos^ wdm (der Dativ
¥mrd oft, wie auch in dem folgenden
zweiten Beispiel, mit dem Akkus, ver-
wechselt), was der Deklination des engl.
Pron. relat.: who^ whose^ whom ent-
spricht. Se seggt^ dat wer de Bohmsche
fdie Frau Böhm), w6s Emmre (deren
Eimer) ick suU genome hebte. Da ver-
teüde se ok von dem Mann^ wom (dem
«= den) se hadde hinderm Tun gefunde.
Gegend von Schippenbeil. 2. Adverb:
wie. Wo helewt^ wie beliebt? etwa,
vielleicht. BA:k sehd de Nahbers an,
of hier wohr Kesting weerf Carm, nupt
IV, 324b.
Woche, /. Die stille Woche, Karwoche.
Die Namen der Tage dieser Woche s.
unter Blaumontag. Vgl. Korrespbl. II,
26. 66. 92. In die Wochen kommen;
in den Wochen liegen, von der Entbin-
dung der Wöchnerin. Sie ist in die
unrechten Wochen gekormnen, hat ab-
ortiert.
Wochenttfipel, m., Ekelname und
Schimpfwort. Stein, Peregrinus XIJ,
82. W. Mtsbl. V, 191.
WOchner, m,, der Geistliche, welcher
für die Amtshandlungen die Woche hat.
Er ist jetzt Wöchner. Veraltet. Hen-
nig, 304.
Wocken, m., Spinnrocken, Rocken.
In Hamburg Wu^ken, in Brem. Wocke,
im Götting. wocken, in Hessen Wocke
und Wocken. Vgl. das slav. vyracac,
torodc drehen, wickeln. Brem. Wb. V,
284. Schamb., 303a. Vilmar, 457.
Bock, 78. Hennig, 304. Vgl. Kor-
respbl I, 77 ; IT, 77. S. auch Frisck-
bier. Der Wocken und das Spinno.
W. Mtsbl. Vn, 205—207. Fru woii
Wocke, Make mot dusend Locke. Volbr.^
136, 570. Mädchen, bist du dritmeiif
Komm' mit deinem Wocken 'raus, WH
dir helfen spinnen, Volksr., 235, 826.
Wockenbrief, pltd. WockebrSfy m., das
steife Papier, mit welchem der zu Ter-
spinnende Flachs, die Flachgpupfi,
Wickelpuppe, umbunden wird. Vgl
Viol^t, 105.
Wodke, /., s. Wotke.
Wogram, Ortsn., Dorf bei Alt-Pillao.
Altpr. wogrym, wogrim (jJcogrin), «»•
gerann, ein Wald auf der Nehrung.
Nsslm. Thes., 210. AU-PiOau wi
Wogram bilden topographisch nur aRA
einzigen Ort an der Spitze der Haf-
bucht, welche die beiden Halbinseln, dar-
auf Pillau und Kamstigcdl liegen, ton
einander scheidet. Passarge, Balt, 57.
Tritt auch als Personenname in der
Provinz auf.
wohl, adv. Er wird wohi (mit der Zeit)
kommen Er kann wohl (noch) warten.
Was werden wohl (doch) die Leute sa-
gen. Hat man wohl (jemals) dergleichen
gehörtf Bock, 78.
wohlschlafend, adj., wohl zu schlafioL
Ich wünsche ihnen eine wohlschlafendi
Nacht. Vgl. nachtschlafend.
Wohltage, plur.. Tage, an denen es
uns wohl geht, Freudentage; Wohlbe-
hagen, Lust, Freude. Als mir voUendi
Herr Gros mein Würmlein JoJeob schickt/t,
da wufzte ich gar nickt, tocts ich fir
(vor) Wohldage beginnen sollte. Soph.
R. VI, 532. He kann de Wolldag" nidi
verdrage. Elbinger Ndrg. Vgl. Weil-
tage.
wohnen, sw. 1. verheiratet sein. Wir
wohnen schon sieben Jahr^ sind schon
sieben Jahre verheiratet. 2. sich an-
Woilak — Wolm.
479
ierwegs lange aufhalten« Die bleibt gleich
wohnen^ sagt man, wenn ein Dienst-
mädchen, das fortgeschickt wird, lange
aasbleibt. Hennig, 304.
Woilak, m., wollenes Laken, Woll-
decke. Das poln. woyhk Filzdecke an-
ter dem Sattel.
Woifehe, /:, s. Wuiche.
Wola, Wolka, /., nach Sperber, 40,
Amtsfreiheit, freies Bauerngut; nach
Mrongo y. I^ 580, uola Ansiedelang,
Kolonie, wolka freies Eolonistendörfchen.
WoUa u. Wolka heifzen mehrere Dör-
fer, Vorwerke und Güter in den Re-
gierungsbezirken Königsberg und Gum-
binnen.
Wolf, m, 1. ein vom brennenden Licht-
dochte sich lösendes, glühend glänzen-
des Fädchen. Wannenhero das Licht
einen wolff überkommen kann. Linem.,
Uu4b. 2. ein Wurzelschöfzling oder
Wildling an einem Baumstämme, den
man entfernt, damit er der Krone die
Kraft nicht entziehe. 3. eine Haut-
entzündung, die in der Kerbe durch Rei-
bung vom Reiten oder Gehen entsteht.
Ich habe mir einen Wolf geritten. Bock,
78 f. Hennig, 304. 4.m. Vom, Wolf-
gang. Hartwich, 54. 5. Fischn., s.
StachlinskL 6. Pflzn , s. Nätsck
Wolfen, 9w.^ von Wolf^ hastig fressen.
Marold.
wOlfen, abwOlf en, sw. , die Wolfe (2)
abbrechen, entfernen. Mühling schreibt
abwVIften.
Wolferlei, Wolffelein, Pflzn., s. SUcb-
krauL
Woifebohne, /., grofze Fetthenne, Se-
dum telephium L., auch Bmchwurzel.
Ostpr. Fritz el, 37L Hagen, 478.
Die Wolfsbohne sucht man, wenn in der
Johannisnacht der erste Hahn kräht
und steckt sie anderen Tages unter den
Balken der Stubendecke. Wächst sie
aus und bleibt bis zum zwölften Tage
frisch, so heiratet die betreffende Per-
son noch in demselben Jahre, ver-
trocknet sie aber, so ist der Tod der
Person gewifz. VolkskaL, 114. Nach
der ihr zugeschriebenen Kraft, Leben
und Tod zu verkünden, heüzt die Wolfs-
bohne auch Lebemhraut (s. d.).
Wolfsdorf, Chr.y Ortsn., Dorf im Kreise
Rastenburg, führt den Namen nach sei-
nem Erbauer Konrad von Wolphes-
dorff (1361), Komtur des Hauses Leu-
nenburg bei Schippenbeil. Die Aus-
sprache der Einwohner von Gr. Wolfs-
dorf verspottend, ruft man ihnen nach:
Ringerer Ddhä(r) 8td(i)t e JP(t)tulel mot
Täiä(r\ haol se hää{r)y wt wöUe de
Waoge schmd({)rey wi wäre noa
Baor(i)te on e Jaohrmarkt faohre. Hinter
der Thür steht eine Pandel mit Teer,
hol' sie her, wir wollen den Wagen
schmieren, wir werden nach Barten in
den (zum) Jahrmarkt fahren. (Die
eingeklammerten Buchstabea tönen nur
ganz kurz an). Dönh.
WOIger, Voc. 396, hchd. Ausdruck f&r
das altpr. noploz; nach Nsslm. Thes.,
114, wahrscheinlich RollfaPz, Falz, das
gerollt wird. Wolger wäre sodann ver-
wandt mit wSHem, wälzen, rollen, wo-
für auch wälgem vorhanden.
Wolkenschieber, m. 1. ein hoher run-
der Hut, Cylinder. 2. Spottname für
die Musketiere. Das Tolk nennt sie
Wolkeschütoersch.
Wolkenwender, tti., ähnlich wie WoUcen'
Schieber 1, doch wird vorsagsweise da-
mit ein kleiner, niedriger Damenstroh-
hut bezeichnet.
Wolkog, m. Nach Simon Grünau,
Tract X, cap. HI, ein Fisch in Preufzen.
. Wolm, m. 1. Geländer, Lehne. Trep'
penwolmy Brückenwolmy Wolm an den
sog. Bollwerken. Bock, 79. Hennig,
4B0
Wöla — Wndc
305. Wer daz Wauer tna den TrSgem
auf die SieMrieien . . . gieaet^ mmd
nickt über den WoUm in den Pregel^
9oa KK Saik ö ML abzugeben sdbf2-
dig $ejfn. Bolle d. Kgsbg. Gildef. tod
1662. Bock, Nat V, 561. 2. Barriere
an den Dorfkrögen, woran die Pferde
angebunden werden. Ock bunt (band)
den Ringgt doar faU am Wcifn. Dorr,
22. 3. Yortreppe mit Geländer, in Dan-
zig Beischlag (s. d.). Die kndpböfisclie
Langgasse in Königsberg hatte früher
TOT allen Hansem Wolme. In derSprache
der Banlente heiizt der horizontale Ober-
balken eines Gelanders Holm. Nsslm.
ForscL 3: TL, 222.
WM«, m. Vom., s. WiHaiL
WotaiMcter, m., in Elbing die Ecken-
steher, weil sie meist aof den Brücken
an die Wolme gelehnt stehen. Sche-
mionek, 45.
WMprecM, WMprecM, w. Vom., Wal-
pnrgis; Kalendertag der 1. Mai.
wMem, 9ip,j wälzen, rollen. Er wöl-
tert nch im CrrasCj im Bette^ im Schnee^
wälzt sich darin omher. Hei fcoUert
Mock wi Forschte Su dm Lager, Sprw.
I, 2437. Ebenso in Hamburg, im Brem.
Wb. V, 173, tcdUem, weitem^ tcoUem^
bei Schamb., 293b, tceltem^ bei Yil-
mar, 446, welgenty holL u. ylamL wen-
telen^ eogL to tcelter, schwed. vdUra.
Hennig, 296, schreibt nAHem, Müh-
ling vAlgem.
Wolv, Pflzn., 8. StichkraiiL
WMz, m., s. Web.
WAfie, /., 9. WOne.
Wonzen, p/ur., wonzig, adf., s. Wim-
zen etc.
Woralzker, m^ zur Bezeichnung einer
schlechten Biersorte. Stein, Peregri-
nus UI, 3. Vgl Bier.
Worbel, m., s. Schrotwurm.
wBrken, nr., s. wirkea
Wim«, Qrtso., StJMh im KreiR
Braonsberg. Die Bewohner heiizenqMttr
weise: Fleckdrescher. Sprw. I, 90Q.
WeKzbrte, /. ...(das Kmd) haim
dasdbet unter eine War/zbaie gestodim
und todtkungem laasem. KonitzerHexca-
prozelz T. J. 1623. Pr. ProT.-BLII,
116. Das. firagUch als GefiUz mn
Waschen bezeichnet.
WM, m., Wort Da» igt daek en Wart,
das ist doch eine bestimnite, eine bin-
dende EiUinmg! Hennig, 306^ hat:
Der Prediger predigt ein gckSnes Wort,
er ist ein gnter Redner.
WOrihaken, sar., far wahr halten, zu-
geben. Und dafz keiner dergdben (der
Prediger) es vearthaben artZI, dag Ver-
derben sei gOy dafz ihm fttm haid ab-
geholfen werden mujz. Soph. R IlL
68. Sie mOte dag niM wcrAaben, dgfz
gie unrecht gethan hatte. Ibid. I Y, 349.
Worusdikefi, p&fr., eine Blätterpilzart,
in B ock , Natlll,622, Agaricug Georgü;
aach, seines brennenden Geschmackes
wegen, Beifzering.
Wtsp, /, PflzD., 8. Nestel.
WSspel, /., Wespe. Bie on Wotpd
sölfn nich sehwarm' n, Dorf, 57.
Wotke, Wodke,/ , Betschwester, Schein-
heilige. Von dem ^eichbed. poln. it-
wotka. Wieder nach einiger Zeit werdm
noch einige Wodken (so nennen wir im
Ermlande die Betschwestern^ begnadet
Kgsbg. Härtung. Ztg. 1878. No. 6. Bei-
lage.
wotschen, su?., nachlässig nnd schlep-
pend gehen, so dafz die FaTsbekleidaiig
ruiniert wird. Davon: Wotscber, pbr.,
aasgetretene Schuhe oder Strümpfe.
Marold. YgL Wiilsclim u. Wufebe.
Wrack, n., Aosschoiz einer Ware,
fehlerhafte, nntangliahe Ware. Grewöhn-
lich Brack (s. d.). Hennig, 305.
wrfiken — wuchten.
481
wrftkeny sw.^ s. v. a. brdken (s. d.);
davon Wrftker. Asche, Holz, wurden
gewrdkt In Danzig hatte der Verkäufer
Holz auf der Wraker- Wiese zur Prüfung
vorzulegen und sodann y^geringet vnd
gewraket^ dem Käufer zu überliefern,
Ordenszeit. Hirsch, 178.
Wrang, /., Wrangel, m., s. wringen.
Wrangen, plur.^ Schiffsräume zwischen
den Bodenhölzern. Hirsch, 265.
wrangen, sw.^ sich^ nach Treichel
s. V. a. rangen (s. d.).
Wratt, /., Warze. Heft de gnadge
Hen* nich 'ne Wratt äwerm Og? Dorr,
1. Wiew., 28. 29.
wrebbeln, sw.y wedeln. Die Hunde
tcrebbeln mit dem Zagel. Vgl. Preblau.
S. wribbeln.
wrSken, sw.^ schwanken. Mot dem
Stöl wreken. He heft sik den FSt ver-
vyrekt, den Fufz vertreten, durch Fehl-
tritt ist der Gelenkknochen aus der
richtigen Lage gewichen. Elbinger
Ndrg. Treichel hat hierfür wricken,
umwricken: er wrickte mit dem Fu/ze
um und konnte lange nicht auftreten
und gehen. Im Brem. Wb. V, 298, und
VI, 422: vyricken^ wrickeln hin und
her drehen oder bewegen. Festes durch
Wackeln los machen; unser ujiggeln u.
waggeln.
wribbeln, »w. 1. mit den Fingern an
einem Dinge zerrend drehen. Ich . . .
toribbelte unterdessen so lange an meinem
Hutknopf so in Gedanken^ da/z er ab--
sprang, Soph. ß. I, 639. 2. nach
Treichel: vielfach hin und her bewe-
gen, namentlich Hände und Füfze; ein
kleines Kind, das stark mit den Beinen
arbeitet, hei/'zt Wribbelmajor. Vgl. wreb-
beln.
Wrimmel, Wrummel, m,^ zusammen-
geballtes Papier. Treichel. In Meck-
Friachbier, Wörterbuch II.
lenburg-VorpouL WriMnioel kleines zu-
sammengedrücktes Stück. Mi, 109 b.
wringen, 8t, ringen, ausringen, dre-
hen. Das Schlofz an der grofzen Stw-
benthüre hätte er abgewrungen, Ko-
nitzer Hexenproz. v. Jahre 1623. Pr.
Prov.-BL II, 120. Die Wäsche wringen,
Alts, toringan = eaprimere^ engl, to
wring^ holl. uringen. Schamb., 306a.
Die Kurbel einer Winde heil'zt Wrang,
/. (Dönh.), in Kgsbg. Wrangel, m.
WrOse, /., nach Treichel auch FrAse,
ein Stück ausgeschnittene Grasnarbe,
Rasenstück. Der kommt auch bald un-
ter die Wrosen^ ins Grab, das mit Ra-
sen überdeckt wird. . . . (das Geld)
vergraben^ und Strauch und Gras erst-
lich y darnach auch eine Wrose darauf
geleget, Eonitzer Hexenproz. v. J. 1623.
Fr. Prov.-Bl. II, 128.
Wrosen, (?), Heideland, von dem
gleichbed. poln« wrzosy. Schmitt,
Westpr., 168.
Wrucke, Wrflke, /., Kohlrübe, s. Brflke.
Der Vollständigkeit wegen sei ange-
führt, daf'z Wruke nach Leunis, 667,
von enica abzuleiten ist: eruca ent-
weder von erugerCy dem Stamm worte
von eructare aufstofzen, rülpsen, oder
von eniere aufwühlen, oder erodere zer-
fressen. Ibid., S. 670.
Wucherblume, /., eigentlich Chrysan-
themum segetum L., neuerdings der sie
verdrängende Frühlings- Baldgreis Se-
necio vemalis W. K, Das Volk nennt
diese Pflanze Wankerblume, weil sie
wuchernd von einem Orte zum andern
wankt = wandert, durch ihren leicht an-
haftenden Samen. Treichel, Volks-
thümliches HI.
Wucht, /., s. Wicht
wuchten, sw, 1. mit Kraft wiegend
niederdrücken, durch Wucht, d. i. Ge-
31
482
wuchtig — Wuppdich.
wicht) etwas auf- nnd abschoelleD. Ver-
wegene Jangen uruchten auf dem jun-
gen Elise, daäs so lange es sich elastisch
auf- und abbewegt^ Woditeis genannt
wird. 2. eine schwere Last heben,
mittels eines Hebels machen, dalz die
Last das C' berge wicht bekommt und
übt^rschlagend sich selbst aus der Stelle
bringt. Gnyz^ Steine tterden b»^
WUChtil« adj,. böse, gereizt, grob.
Wie kamn Man pteicA so KucAtiff tein!
Friedland Ostpr. Gewöhnlich fichG|
(s. d.).
«Mit M*^ wiederholt die Liteij. mn
aasstoizen^ klagen, wehklagen, jammern«
lamentieren. Er tcmt «i^n ihtMzem Tmj.
SW irw^ »M ikren Mamm. ZV ^maifpe
Kram $cmt tceü de MufmueitcdteA miek
treitj ¥r9rd. Se nUUn dem Kymik zek^f
cor de Fi»^ 9cuäen im ij^ymsehem so
tami ^\ Schale). S^ 7. Selbs>t klagende
Tiertauce nie&n; maai ^cuienz de KtMtz
cw»:. Sv'hwed. rtvu av, en;ri. *ctv. YgL
cw.« raaben, stehlen wie ein
w. ^ onx « Sw Vra^prccM.
■ndt . ir^cJsch. v-erssärk-jnc:
^ Actmcc icftjtder trie riet :ewvmnei% zu
Mj» *tT/i ^ftrriL Mir ■: 1 1
VmhrtoriL «vtiztftk v»iiäarT:£er Wet-
lecr, T'-vic-»/»* .vmtfViftcu!n L. Ha^*?ii,
WMivshaftiii. ^dc. . Tifpsacas weisse«
5tir Prvoe. Xasiaipfn.
■fett. ^, ein in via£> Elis ier Seen.
Tetcäe :md Flus^ ^oiULeaH^ Loccl
Wa^^s^uch«. Lt>ca sam F^.2H.'anu2if. Lufb-
hich är oie F^'oe. Zar W;ir^im^ im-
jatik aBBi 4fr ^wOhmii:!! mit iea
^irimftffin 'ind •firicncec
& Turnfliw*** F'*st. H-eai:.;.
305, hat in erster Stelle Wtae. Ob
zur Erklärung des Wortes herbeizu-
ziehen lit wandi, dän. vand^ lat. wnia
Wasser? Vgl. Wftke u. BBbihe.
wttnen, sir., Wunen ins Eis hauen,
das Eis anfwinen.
Wunk, m.« scherzhafte Umbildong von
Wink. Einem einen Wunk mut dem
ZaumspfaU geben. DaTonmnkn« win-
ken. Er hat mir gewunken. Er kai
war eins gettunien (s. tcinien 2).
Wnzen. Wmizm, pher.^ Schnurrbart,
Barthaare bei Tieren, z. B. bei der Kaue.
Hei gr-y nd sine rode Wonse undn
Crurkendt. Königsbg. Firmenich L
103a. Altpr. wtnuo der erste Bart
poln. rifs. lit. nun, ktt. uJkia Schnurr-
bart. Im Flasower ELreise FbbHL
Xsslm. Forsch. 2z Th^ 210 (1»).
Schmiit, 109: Westpr.. 168. Heu-
nig. 306. In Poeen: Wume n. IFoaae,
r\ Bernd. 3m.
wmB§,wmB§,adf.Ton Wumse. WtmzL
bArd;sr. iLunendich mit st^arkem. Schnurr-
b«rte.
«ippL imien. o. stark, m. Als Intei}.
c«^n Srhall nah'hahiBtfnd, der i?nrsteki.
wenn mdn mii: einer Geite kurz xnA
kraäi:^: viurck iiis Loa «ohlaiet. Wi^f,
I^£ la.'z yr. if*r Hieb. Al< Sabist- ein
kiTzer. -schneller Schlag. Scoijt. KoA.
/Vö vrttr -fl» TwiÄ-v/w W^KPty. Ut bt-
>?rTeitioa erhdlr 3«:H:h die Endon^ -#
:m<i ^ricr iann in ier B^edeotonz Toa
^vroneiL ^eschwimie. kardt? etc. in a^
jekäT-em Sinne aof. wobei all^diucs
i:k> S:äii«lendtf ier Bew^e^un^ bleibe
Gebec: WjäM 't'JCL jwö«^ LttitL Bok a/.
Zar V ir^iGarkum? 3£?ck:
T»»»il -fF 3UC ^iineni W»»» iwnnka
wri. Einen
würachen — Wurst.
483
Schnaps trinkeii. Etwas mit einem
WuppHch herausreijzen^ mit scharfem
Ruck. In einem Wuppdich^ in einem
Nu, im Moment. Sprw. I, 1532. Sper-
ber, 33, der erläutert: eigentlich toiptp'
dich == dreh' dich um. Vgl. Weigand
II, 1144.
wQrachen, 9w. 1. angestrengt arbeiten;
nach Marold mit dem Nebenbegriffe
des Nichtfertigwerdens. Ich habe den
ganzen Tag gewuracht 2. mit dem
Pfluge tief in die Erde greifen, also
auch wieder mit Anstrengung arbeiten ;
eine Vertiefung oder Öffnung auswei-
ten. In Westpr. und Pommern^ nach
Marold, davon: Wurach, m. Über-
tragen: 3. gierig essen, tief in die
Schüssel fahren. Sperber, 43: tcur-
rächen würgen; 'runterwurrachen hinab-,
hinunter würgen. Treichel hat noch
veruraksen, wohl vencurachen^ mit An-
strengung vernichten, zerstören: die
Hühner haben alles verurakst Kr. Neu-
stadt. Von 3. das Adj. wQrachig, gie-
rig. herauswOrachen, etwas mit An-
strengung aus der Tiefe bringen, z. B.
einen Stubben, eine Zahnwurzel.
wUrfeln, sw., worfeln, das Getreide
zur Reinigung mit der Wurfschaufel
gegen den Wind werfen. . . . da/z da-
durch der Wind eingehen kann, wenn
sie das ausgedroschne Getreide auswurfein
wollen. Pierson, Matth. Prätor., 107.
WurfnetZy n., kreisrundes Netztuch von
4 — 6 Tn Durchmesser mit starker Schnur
im Centrum. Es wird mit besonders
geschicktem Wurf ins Wasser geschleu-
dert. Beschreibung und Abbildung in
Benecke, 368 ff.
Wurfpfahly m., Pfahl, um den die
Schiffstaue geworfen werden, um die
Schiffe zu befestigen oder weiterzu-
ziehen. Danzig. Vgl. Tempfahl.
wurgeln, su?., s. wirgeln.
wUrgeriy st^., mit Eifer essen, mit An-
strengung schlucken, hotte wergt an
dei stibitzte Flinse. Nowack, 38.
Würgengel, m., s. Wächter.
Wurm, pltd. Worm, m., plur. Warm,
Wermer. I.Eingeweidewurm. Der Wurm
hat mir das Herz bepifzt, beim „Zu-
sammenlaufen des Wassers" im Munde.
2. Wurm am Finger, Finger- oder Nagel-
geschwür, Umlauf, Panaricium. Vgl.
Nagelwwrm, Gegen beide Arten Wv/r-
mer gab es früher den Wurmdoktor, der
vorzugsweise Besegnungsformeln an-
wandte. S. die Besprechungsformeln
gegen Würmer in Hexspr., 97 ff. Rüt
(heraus) motte se^ seggt de Wormdokter.
Sprw. 1, 1573. 3. jeder wirkliche Wurm,
jede Made, Larve etc. S. Kommade. 4.
kleines Kind und dann gewöhnlich n.
Das arme Wurm!
WUrmelmaus, /., s. MOrmelmaus.
Wurmkraut, n., eine gewisse Art von
Fetthenne, Sedum L.; es hält von Topf-
gewächsen, besonders Myrten, Blatt-
läuse (Würmer) fem, wenn man es in
die betreffenden Töpfe pflanzt. Trei-
chel, Volksth. III.
Wurmnessel, /., s. Tannnessel.
Wurmwurz, Pflzn., gemeiner Wiesen-
knopf, Sanguisorba offlcinalis L.; auch
schwarze Bibernelle, Blutkraut, Bluttrttpf-
lein, braune Leberblume. OstpreuTzen.
Pritzel, 362.
Wurre, /., kleiner Kreisel, der am
einfachsten aus einem Knopfe gemacht
wird, durch dessen Mittelloch man ein
Pflöckchen steckt. Beliebtes Kinder-
spielzeug. Davon wurren, nach Müh-
lin g auch wurreln, sw., mit einer Wurre
schnurren, sie drehen.
Wurst, Wurscht, pltd. Worscht, /. 1.
zur Speise gefüllter Darm. In der pro-
31*
484
Wurstgicht — Wütscherling.
vinziellen Geschichte bekannt ist die
lange Wurst, welche von den Eönigs-
berger Fleischern 1601 gefertigt wurde;
sie war 1005 Ellen lang und wog 23
Stein und 30 Pfund. Sie wurde im
Festzuge aufs Schlofz und in allen drei
Städten von 104 Mann herumgetragen.
S. Erl. Pr. I, 847; lU, 240. Act. Bor.
II, 770. Hennig, 305. Vgl. Strifeel.
Das ist mir man Wurscht^ zur Bezeich-
nung der Leichtigkeit, mit der man
eine Arbeit etc. auszuführen vermag.
Die Wursty die schmeckt nach Seife^ eine
sonst gute, scheinbar günstige Sache
zeigt eine unerwartet unangenehme
Seite. 2. nach der Ähnlichkeit mit 1
penis. Auch eine LutJiersche Wurst kann
in einer katholischen Pfanne gebraten
werden. Ermland. Sprw. I, 4130. 3.
Börse, Geldkatze, wenn sie gefüllt ist.
Einem die Wurst anschneiden^ ihm im
Spiel die Börse leicht machen. Ibid.,
4131.
Wuretgicht, /*., Wurstsuppe, s. Gicht
Wurstkessel, m.^ Kessel, worin die
Würste gekocht werden. Er ist im
Wurstkessel^ — ist in den Wurstkessel
gefahren^ sagt man zu Kindern, wenn
sie ängstlich nach jemand fragen.
Wurstkraut, n.y s. PfefferkrauL
wurzeln, s«^., ringend niederwerfen,
den Gegner gleichsam entwurzeln. Einen
hinwurzeln^ ihn zu Boden werfen.
Wu§che, /*., ursprünglich aus Tuch-
kanten (Eggen = Ecken) geflochtener
Schuh, daher auch Eggenschuh, jetzt
auch weiter warmer Filzschuh; in der
Gegend von Friedland Ostpr. Woi§che.
Dem Laute nach wohl identisch mit
dem lit. wyzos^ lett. tvikscu Bastschuh,
Par^ke; als vyzud aach ias Estnische
gedrungen. S. NssIm. Forsch. 2; Th.,
213. Ygl. Nage.
Wufehe, /., Dem. Wuichchen, pitd.
Wuichke, Wufehely Schmeichelwort für
Sophie und Luise. Vgl. Futoh u. LuiciNL
wuichen, wutschen, mo., eigentlich und
zunächst auf Wuschen gehen oder ko-
fen, daher leicht, leise, unhörbar gehen,
laufen^ entwischen. Er wuschte zum
Zimmer hinaus. M§t eenem mal dem
umtschen jenne ut 'ner Sandkul vor.
Dorr, 1. Wiew., 105. Li Zosammen-
setzungen : durchwu&chen , -wutschea,
durchgehen ohne au%elialten zu wer-
den, hinauswufehen, -wutscheru Uier-
wutschen, überspringen. Wutsch über!
sagt man scherzweise zum schlechten
Leser, wenn er ein Wort nicht zu be-
wältigen vermag. ELier seltener uber-
uMschen. wegwuichen, -wutschen, en^
springen, entweichen, weglaufen.
wUst, adj. 1. schwindlig. Mir ist der
Kopf ganz wüst Die Alte ist aU 9o
blinde da/z se ganz wüst unrd^ wenn u
^rum/wankt. 2. leer, öde. Eine wüstt
Stube,
wutsch, interj.^ schallnachahmend, zur
Bezeichnung einer leichten, kaum hör-
baren Bewegung (s. umsehen)^ aber
auch des stofz(ruck-)weisen Geraasches,
das ein rollender Wagen verursacht
Möt de gi'ote Fönsterkutsch, Denn geit
et ömmer wutsch vmtsch umtsch. Volksr.,
120, 505.
wutschen, sw., s. wuichen.
wütscherling, Pflzn., s. Wedendunk.
z — zageln.
485
z.
Zy es bleibt im Plattdeutschen in eini-
gen Wörtern: Zocker Zucker, Zippel
Zwiebel und Zipfel, Zoch Zoche, zart
zart, Zägel Zagel, Zopp Zopf, Zieg Ziege,
Motz Mütze; geht in andern Wörtern
in t über: to zu, tujesche zwischen. Holt
Holz, Solt Salz, twe und twei zwei, tene
ziehen, Tett Zitze — hin und wieder
auch in d: Dwarg{ch) Zwerg; am Ende
wird es «: Kräni Kränze, Schwänse
Schwänze, Tänse Tänze. Lehmann,
Volksmnd., 33.
zS, ze (Vokal kurz und scharf), Zu-
ruf an das Zugvieh beim Pflügen, wenn
es links biegen soll; auch zä weg! Vgl.
ksä.
zabbeln, sw.^ zappeln; mit kurzen, un-
sichem Schritten gehen, wie kleine Kin-
der. Bei Jeroschin: st zabiltin und
krüchin 11c. Pfeiffer, 284. abzab-
beln, das Deckbett durch Zappeln ab-
werfen. Hennig, 306. herumzabbeln,
zappelnd herumgehen, verzappeln, sich,
sich mit den Füllen verfangen; aber
auch: in der Rede stocken, konfus wer-
den. Vgl. Hesse.
zach, adj, 1. zähe; nach Bock, 80,
und Hennig, 306, zage. Das Fleisch
ist zäh und zach. 2. zach zur Bezeich-
nung eines leichten Hinkens der Pferde.
Oberland.
zacheiem, sw,, streiten, zanken. Bock,
80. Hennig, 306. Vgl. zaggern.
Zachudel, m., unordentliches Frauen-
zimmer. Saalfeld. Schemionek, 45.
Zackerlot, allgemein üblich Sackerlot,
Fluchwort, nach Weigand II, 513,
Kürzung und Nachbildung des franz.
Fluches sacri nom de dien.
Zackerment, als Fluchwort, entstanden
aus lat. sacramentum, S. Weigand
II, 513. Davon Zackermenter, m., ver-
fluchter, pfiffiger, geriebener Kerl, und
zackermentsch, adj. Ebenso Zapper-
ment etc.
zackrieren, sw.^ s. v. a. sackerieren,
Se zahrirf mit em (ihrem Mann) Tag
on Nacht Schalt). 1, 441.
Zadd, Zadde, /., Garten; von dem poln.
sad Banmgarten, Obstgarten. Flatow.
Schmitt, 109; Westpr., 168.
Zäen, ati;., zäunen, einen Zaun setzen.
Natangen.
zag, adj., s. zagg.
Zftg, Zftge, n., Zeug, Wollenzeug;
dasselbe was Rasch; eigentlich Sei; da-
her Soimacher, Zagemacher, m., Ver-
fertiger von Soi oder Zage, Zeugmacher;
in Dzg. Zoimacher. W. Seidel, 36.
Vgl. Bock, Nat. V, 408. Bock, 80.
Hennig, 307.
zftg, zftge, adj., s. tflg u. zach.
Zagel, m., Dem. Zagelchen, pltd. Zä-
gel, Schwanz, Schweif; jeder schweif-
artige Anhang, daher d^xicYipenis. Kcymrri
ich über den Hund, so komm' ich auch
aber den Zagel, Sprw. I, 1724. Strei-
chel man de Katt, glik ringelt sei den
Zagel. Carm. nupt I, 282, 6. Die
Sache hat einen langen Zagel, hat noch
viel im Gefolge, yrird sich noch lange
hinziehen. Hennig, 307. Vgl. Tagel.
zageln, sw. 1. schwänzeln, wedeln.
2. viel hin und her gehen oder laufen.
Er zagelt in einem weg. Bei Jero-
schin als zogein langsam ziehen: des
drittin tagis st gesen wurdin vurbaz zog-
len in das gebtt Eroglen 175a. ver-
zogein hinziehen, in die Länge ziehen,
aufschieben. Pfeiffer, 286. 263. Da-
486
Zagemacher — zanDen.
von Gezagel, n. Was das für ein ewi-
ges Gezagel ist! ruft man Ein dem zu,
die viel aus- und eingehen. Gezagel
a. s. V. als zahlreiches, überflüssiges
Gefolge. Da kommt sie mit dem gan-
zen Gezagel an^ eine Mutter mit all
ihren Kindern. Das ist ein langes Ge-
zagel^ ein zahlreiches Gefolge, eiu lan-
ger Schweif, nachzageln, sw,^ nach-
laufen. Davon Zagelnach, pltd. Zagelnäy
m. Du bist ein rechter Zagelnachy sagt
die Mutter zum nachlaufenden Kinde.
herumzageln y zwecklos sich umhertrei-
ben.
Zagemacher, m., s. Zftg.
zager, zagger, adj.j zag, zaghaft, mut-
los, niedergeschlagen. Er ist ganz zag-
gel* und toie auf den Kopf geschlagen.
Zagg, Zagge, /., altes Pferd, Pferd
überhaupt. De öle Zagge tene (ziehen)
nuscht mehr^ weil sie zu kraftlos sind.
Et ÖS e dd^ Zagg^ es ist ein tüchtiges
Pferd. Bock, 81, Hennig, 307, haben
nur kraftloses Pferd. Ygl. Zock.
zagger, adj,^ s. zager.
zaggern, m,^ s. zargen.
Zäglich, adf;., was wie ein Zagel, Zipfel
herabhängt. Das Kleid ist zaglich ge-
macht, es wirft starke Falten, schleppt
nach. Bock, 80, und Hennig, 307,
schreiben zäglich.
zähbalgig, adj.^ Yerhochdeutschung von
tagbalgig, S. Tagbalg.
Zahlhecht, w., Hecht, der in seinem
Erlös der Herrschaft zu gute kam. Weü
aufs Hechtsalzen viel Unkosten gehen^
soll der ZahUiecht frisch verkaufet wer-
den^ aufs theuerste man kann, Amts-
artikel von 1642, No. 41. Bock, Nat.
IV, 697.
ZähnchenfUhrer, ?n., s. FähnkefUhrer.
zähnebrecherig, pltd. tänebrikerig, adj.,
spöttisch, ironisch, satirisch. Natangen.
Zahnensauger, m., alter Mann. Stein,
PeregrinusXIU, 44: alter Zanensauger.
W. Mtsbl. VI, 128.
Zahnwehtag', pZur., Zahnschmerz. Vgl
Wehtage. Nach Mühling auch Zahh
wUting.
Zahnweide, /., Purparweide, Salii
purpureaL. Mühling. Nach Hagen,
1021, Zähweide, Schufzweide, Koralle»-
weide.
Zai, m.j früherer Kleiderstoff. Dzg.
Nhg. Viol^t, 178. Vgl. Soi unter
Zdg,
Zaig, n., Zeug, das zur Ackerong be-
nutzte Rindvieh in der Gesamtkeit
Ermland. Sperber, 33.
zaicrieren, sto., s. sackerieren.
Zaiat, 7n., Fischn., s. R&p.
zamatlem, «o., raisonnieren. Flatov.
Schmitt, 109, meint, es wäre vielleicht
korrumpiert aus dem gleichbed. poln.
zam>arkota6, Mrongov. hat für rai-
sonnieren rezonowac^ rozumou^ac,
Zamel, m. Vom., Samuel. Hart-
wich, 54.
Zamm, Lockruf zu Schaf and Ziege.
Volksr., 64, 242 d.
Zander, m. Vom., s. Alex.
Zander, m., Fischn., s. Zant
Zangen, n.. Emporheben der Steine
von dem Meeresgrunde mittelst Stan-
gen mit zangenartiger Eisenspitze.
Brüsterort.
Zanice, /., Kralle, Spitze, Zacke. Tier-
räts., 25: Zwei Blanke^ vier Zanke^ ein
Bratspie/z. (Die Katze.)
Zanken,^Zt^r., Pfähle, auf welchen in der
Niederung die Wirtschaftsgebäude ste-
hen, die an den Ufern der Rinnen lie-
gen. Passarge, 236. Engl, shank
Schenkel; in der Gascogne chanqm
die Stelzen; in der Divina commedia
Yon Dante zanche.
Zannat, m., Fischn., s. ZanL
zannen, sw.j unterdrückt wemen, grei-
Zanner — Zarm.
487
nen. Gordack. Vgl. Seh melier IV,
263.
Zanner, w., Grinser, Greiner, Weiner,
von zäunen. Ich frage dich, du alter
Zanner. Nestler, Bijb.
Zant, Zander, Sandat, Sannat, in Danzig
auch Zannat, m., Sander, Lucioperca
Sandra. Altpr. starkü, lit. st^kas, kur.
sterks, starkiSy mas. kass. sendacz. Be-
necke, 63. W. Seidel, 36. Bock,
Nat. IV, 652. Bujack, 397. Müh-
lin g, Tiern., 179.
zanteln, zanzein, stc., zaubern. Sam-
land. Natangen. zanzein auch: yiel
unnutze Reden machen (Gegend von
Schippenbeil). Mühling hat letztere
Erklärung ebenfalls und noch: durch
Besegnungsformeln heilen. Beide Er-
klärungen ergänzen sich: Beschwörer
machen gern viele Worte, bezanteln,
bezanzeln, bezaubern, behexen, beseg-
nen. Davon: Zantelei, Zanzelei, /., Zau-
berei. . . . ak vnrd die Anna Berg au in
ihrer grausamen begangenen und aus-
geübten Teuffeley und Zanteley halber
mit dem Feuer vom Leben zum Tode
condemniret und verdammet. Beitr. z.
Kde. Pr. IV, 69. Zanteler, Zanzeler,
?n., Zauberer, Wahrsager. Endlich hat
man auch bei dieser Visitation erfahren,
da/z die Littau^r ihre Todten durch
Pracher oder Zanteler besingen lassen
und ihnen an Fleisch, Brot, Getreide,
Kleidung u. a. Sachen mehr geben, ihren
Aberglauben zu stärken, als sie dem
Schulmeister geben würden, wenn er sie
besingen u. belauten umrde. Insterburg.
Kirchen -Receiz. Vgl. auch: Grube,
Corp. Constit Brut I, 72. Hennig,
308. Nsslm., Th., 222.
Zantklopa, m., Klops von Zantfleisch.
Zantkopf, pltd. Zantkopp, m. 1. Kopf
des Zantes. 2. Schimpfwort auf einen
einfaltigen Menschen.
Zantnetz, -sack, Zandersack, m., Netz
zum Fange der Zander. S. Benecke,
392.
Zanzel, m.y Geronnenes, Hautartiges,
z. B. die Haut auf der gekochten Milch.
Treichel. Vgl. Plftster.
zanzein, sw., s. zanteln.
Zapfenbeifzer, pltd. Tappebtter, Tappe-
bita, m., Kreuzschnabel, Loaia curvi-
rostra,
Zapfendezem, m., Dezem vom Zapfen,
den in früherer Zeit die Kruger an die
Kirche zu zahlen hatten.
Zapfenhopfen, m., weibliche Pflanze
des gemeinen Hopfens. Hagen, 1040.
Vgl. Fimmel.
Zapke, n., Bläfzhuhn, Fulica atra.
Werder. Von Zapken on von önten ver-
teUd he gruuUch väl. Dorr, 27.
Zapperment et<^., s. ZackermenL
Zargas, m., Wächter, Hüter, in den
Fischerdörfern die Schulzen. Litauen.
Mühling. Lit. sargas von sergeti be-
wahren, behüten, Wache halten.
Zargen, zergen, pltd. targen, sw.y zer-»
ren, necken, durch Neckerei zum Är-
ger reizen; auch zaggern und im Ober-
lande zärgeln. Moder, Peter zargt mt!
Een driestet Buasdhnke zarcht sock gean
motfm. Boldt, 12. Bock, 81. Hen-
nig, 307. Vgl. SchmellerlV, 281.
Brem. Wb. V, 26. S. zacheiern.
Zärke, w. Vorn., Sara. Hart wich,
55.
Zarm, m., Trauermahl bei Begräb-
nissen, Begräbnis-Schmaus, wobei es
schlielzlich oft munter und lustig her-
geht. Sie gAen einen Zarm. Ich bin
heute auf Zarm. Bei (auf) dem Zarm
ging es sehr vergnügt zu. Den Zarm
begrabet ganz der frohe Hochzeitschmaus.
Carm. nupt. I, 125. Hier scheint Zarm
in dem Sinne von Harm (dolor) ge-
braucht zu sein. Wat ös hier^ Zarm
488
Zarmsuppe — Zaunrück.
oder Larmf Begräbnis oder Hochzeit?
Wenn es bei einer fröhlichen Gelegen-
heit still hergeht. Sprw. I, 4145. Die
Begräbnis -Schmause, bei den alten
Preufzen sirmen^ heii'zen bei den Litauern
sz^rmens^ szh'menys^ szhmenes, nach
Passarge^ Balt.^ 264, bei den Euren
ssürmints. Item czu den sirmeriy dy
die prewsen pflegen czu trinken (halden)^
sal ufs hogeste nicht mehr denne eyne
tonne hier getrunken werden, Landes-
ordnung des Hochmeisters Konrad von
Erlichshausen (Jacobson, Gesch. der
Quellen des Kirchenrechts I, Anh., 293.^
Vgl. Toppen, Gesch. des Heidenth. in
Pr. Prov.-Bl. I, 348. Altpr. M. IV, 27.
Nsslm. Forsch. 2; Th., 161. 214. Nach
Mühling wird der Zarm nicht allein
am Begräbnistage, sondern oft den 3.,
6., ja wobi gar am 40. Tage darnach
ausgerichtet. Sie (die Nadrauer) hal-
ten solche jährliche Gedächtniss zum we^
nigsten drei oder vier Jahre hernach,
da sie zu Hause Bier haben, bitten sie
ihre Freunde zusammen und halten also
Szermines oder Trau>ermahl, ah vne
zuerst beim Begräbniss. Pierson, Matth.
Prätor., 100. Bock, 81. Hennig,
308. Auch Zärm (Oberlaod), Zenri
(Elbiug). Schemionek, 45.
Zarmsuppe, /., Biersuppe, die bei
Leichenbegängnissen den Gästen vor-
gesetzt wird. Schippenbeil.
zarr, interj., schallnachahmend. Zarr!
schlug's in den Baum, dafz die Stucken
und Splitter nur so regneten, Soph. R.
IV, 163.
Zart, /., die Zärthe, Abramis vimba
L,, altpr. szabre, lit. szobris, kur. sebre,
kass. certa. Benecke, 120. Hennig,
310: Zehrte.
Zäse, Ztfse, /. 1. gekämmelte Wolle.
2. das ganze Schaf vliefz. Mühling.
Zaisen {zaesen\ zaiseln zaosen, zupfen,
besonders Wolle ^ ahd. zeisan, mhd.
zeisen. Schmeller lY, 287. Schade,
1241b.
Zftster, m,y Strick^ Tauende, Peitsche.
Den Zaster nehmen. Natangen. Da-
von: zftstem, sw,y mit einem Zaster prü-
geln. Poln. szastam, Prät. von szastac
peitschen.
Zatrei, Pflzn.^ Pfefferkraut^ Saturejc
hortensis L. Hagen, 599.
Zatzken, Zacken, pZt^r., alberne Streiche,
dumme Geschichten, Winkelzuge, Al-
lotria. Was sind das für Zatzken ! Modi
keine Zatzken! Vgl. Sperber, 43.
Zauberkraift, n., rauhhaariger Schoten-
weiderich, EpHobium htrsutufn L. Ha-
gen, 409.
zauen, sw., eilen, das vhchd. tanuh.
Im Schmalkaldischen : zauen — zait
dich! Vilmar, 465. Vgl. Schmeller
IV, 209.
Zauke, /., Pflzn., LilienconvaUie, Om-
vaüaria majalis L. Mühling.
Zaunblume, /., Graslilie, Anthericum
L, Hagen, 365.
Zäunen-, Zaunchenschleicher, pltd. TQn-
keschlTker, m,, Schleicher hinter Zäunen,
hinterlistiger Mensch, Spion; Zaun-
könig.
Zaunkireche, /., Zäuniing, m,^ Pflzn., s.
StrUzern.
Zaunmorchel, /., ein neben einem Zaun
hingesetzter Haufe Menschenkot. Trei-
chel. In Egsbg. Zaunroulade.
Zaunraute, Pflzn., Knöterich und zwar
Polygonum convolvulus und dumetorum
L. Der Same heifzt DreikanL Weichsel-
delta. Treichel, Volksth. III.
ZaunrUck, /., oberste Latte eines Boh-
lenzaunes, der Zaunrücken. Sperber,
33. Gewöhnlich Stecken eines Rücken-
zaunes. S. RUcken.
Zaunschleicher — zeidern.
489
Zaunschleicher, m.^ s. TOnkeschltker.
Zaunwicke, /., Wiesen-Platterbse, La-
thyrus pratensis L, Hagen, 744.
Z§, pltd. t§, präp.^ zu. Komm ze mir!
Ich bin zefrieden. Vgl. auch zä.
Zfib, Yoc. 346 Zeeh^ als hehd. Aus-
druck für altpr. baytan^ ein Gebäck:
Wecke^ Vlade^ Zeeb. Nsslm., Thes.,
14, vermutet, dafz die Brezel gemeint
sei, mit Hinblick auf kslav. czepiy russ.
cgep' Kette.
Zebedäus, m., penis, S. Sperber,
45. Ebenso in Posen. Bernd, 359.
zfibern, sw.^ schelten, sackerieren(s. d.).
zebest, adv. 1. gut, best. Ich trag
diesen Rock zebest^ als Sonntagsrock.
2. gern. Das Vieh frijzt den Sauer-
ampfer nich zebest Saalfeld.
Zech, Zeche, /., Reihe, Ordnung, in
der ein Geschäft abzumachen, nament-
lich das Geschäft des Hütens (vorzugs-
weise während der Nacht); daher auch
Herde selbst. De fuU bol ut der Zech^
er fiel (kam) aus der Ordnung. Carm.
nupt I, 282 , 5. He mot bl de Zech
stanCy er mul'z die Herde beaufsichtigen,
hüten. Bei Jeroschin: want in do
trat dt zeche an (die Reihe Wache zu
halten) 151 d. Pfeiffer, 285. Hen-
nig, 346.
Zech, Sech, f. Im Voc. 244 hchd.
Ausdruck für Pflugmesser, altpr. wagniSy
das die £rdschoIlen vertikal schneidet.
Nsslm., Th., 195. Heft kein Zech on
kein Schar On plegt doch sin igen Fär.
Tierräts. 34.
Zechner, 7n., Aufseher über die Zeche.
Mühling.
Zecke, /., Zeckel, n., s. Zicke.
Zeddel, m., Zettel.
2edder, adv,^ seit. De Lewark singt
zedder gister so ruschkens schmeck ilst-
bowen en de Loft, die Lerche singt seit
gestern so sehr schön dort oben in der
Luft. Dzg. Nhg. Violöt, 98.
Zefog, w., Pflzn., Wirsing-, Savoyer-
kohl, Brassica oleracea sabauda L.
Danzig.
ZSg, ZSge, /., s. Ziege.
Zeg&n, m,^ s. Zig&n.
Zeh, m., die Zehe. Mir ist der kleine
Zeh ang^roren.
Zehenwasser, n., schlechter Kaffee.
Oberland.
Zehlau, /., Name eines grofzen Bruches
bei Friedland Ostpr., nach der Sage
Aufenthaltsort unverheiratet gestorbe-
ner Mädchen. Zu wählerischen Mäd-
chen sagt man warnend : Du wirst auf
die Zehlau kommen! Sprw. I, 4135.
Über dieZ^A^uvgl. Schumann, Geo-
logische Wanderungen durch AltpreuTz.
Kgsbg. 1869, S. 96 ff.
Zehnebrot, n., Brot, das um 10 Uhr
(vormittags) gegessen wird, zweites
Frühstück, das man gewöhnlich um
10 Uhr geniel'zt. Mama^ gieb mir doch
mein Zehnebrot mity bittet das Kind,
das zur Schule will und sich für die
auf 10 Uhr fallende Zwischenpause
vorsieht.
Zehrte, /., s. Zart
Zehse, /., s. Zeise.
Zeichen, n., angeborenes, s. Merice N.
Zeider, /*., s. TTder.
zeidern, sw. 1. zaudern, zögern, ver-
zögern, etwas in die Länge ziehen.
Gezeider, n., das unnutz in die Länge
Gezogene, Überflüssige, wie z. B. lange
Bänder, lange Kleider. Dat ganze Ge-
zeider ÖS dmrig. 2. das vhchd. ttdem.
Davon: nachzeidem, nachgehen, wie
solches Kinder thun. Was zeiderst du
mir allenthalben nach, sagt die Mutter
zu dem Rinde, das sich gleichsam an
sie anttdert. Li diesem Sinne bei Bock,
490
Zeiger — zergreinen.
82, und Hennig, 310, die zeudem
schreiben, verzeidem, sich in der Zei-
der verwickeln; auch s. v. a. verzod-
dem,
Zeiger, m., die Uhr, s. Sßger.
zeihen, ein Tier an den Hinterfufzen
fesseln, also gleich zeidem^ ttdem,
Treichel.
Zeiner, m,^ im 16. Jahrh. eine Art
Tanzes. Schmeller IV, 268. Hiemit
sollen auch die neicen vngetvonldcJien
tentz^ ah ßpizzenickel^ Jeger^ vnd zeü-
ner tentze, neben dem aushaltendt gentz-
liehen . . . verboten sein, Kleid. - Ordg.,
377.
Zeise, ZTse, /. 1. Kürzung von Ac-
cise, Steuer. S. Beleg unter Schloddet*-
köpf. Vgl. ErL Pr. I, 69. Hennig,
310. Schemionek, 45: Zies. 2. s. y. a.
Zese (s. d.).
zeisen, sw, 1. zinsen, Zinsen zahlen,
von Zeise 1. Anno 1439 vor Weihnach-
ten die Landschaft und die Städte des
cölmischen Landes zum Colm versammelt^
sollten 10000 Fl, ungar, bis zu Ostern
Zinsen, Hennenberger Landt. 2. zei-
sen, s. zesen.
Zeisener, m., s. ZSsener.
Zeit, /. En Weath üt Pobete (Pobe-
then) het enige mal vateUt, dat erC Magd
. . . tom Onfall gekäme on anno Tlt
wea, und an der Zeit, d. h. der Nieder-
kunft nahe war. Natangen. Firme-
nich I, 110b.
z^jahr, pltd. tOjahr, adv.^ im vorigen
Jahr. S. Beleg unter narren. Vgl.
Rein. Vos, 3438. 5628.
Zele, (?), Seehundsfett. Hirsch,
134.
Zelleri, Pflzn., gemeiner Sellerie, Apium
graveolens L, Bei Trauungen trug imd
trägt auch noch jetzt das Brautpaar,
um nicht verrufen zu werden, Wurzel
oder Kraut der Pflanze in Tasche oder
Schuh. Treichel, Volksth. H.
ZellzTre, /., Dem. Zellzirchen, kleiner
Beisatzteller; nach Schemionek, 45.
Beisatzteller mit Abteiluiigen. Wahr-
scheinlich von Saladtere. On ofm Toid
stunden eberall ScJieiben on Zellzeerdm
met Schnettchen on Kränzchen^ Zepp-
chen^ Pohmely PälchenkticJisn ^ Zämpd-
wecky kleene Zwieback , Butterplatz,
Christorbeeren y Appel on Beeren (Bi^
nen). Schalt). 3, 9 f.
zemmeln, sw,, zaudern. Elbinger
Niederung.
Zempelpelz, m., s. Zimpel.
z6mzu, adv,, gerade über, gegenüber.
Ermland. Hennig, 310, deutet auf
schremzu = schräge über, hin.
Zender, m. jüd. Vorn., Alexander.
Flatow. Schmitt, 111.
ZenOge (beide e kurz), (?), altes schwa-
ches Pferd. Dönh.
Zeppchen, n., ein Backwerk. Beleg-
stelle unter Zellzire.
Zeppersamen, m., Zitwersamen. Ober-
land.
Zepter, w., Lehrer. De niekomme
Zepter het Abasch, on es derüg Jahr
ohlt Danzig. Nhg. Viol6t, 98. In
Litauen Präzeptor.
zerackern, sw, s. ackern.
zerarbeiten, sw., sich, sich abquälen.
Ich bewirihe sie, so gut ich kann, zer-
arbeite mich mit soviel Betten y Streu-
Stroh; thu, maclie, was ich kann, Soph.
R. V, 589.
zerb6ren, sw,, sich, s, b§ren«
zerbochten, sw,, s. bochten.
zerbolzen, sie, s. bolzen.
zerdämmem, sw, s. dämmern.
zerfitzen, zerfitzeln, sw., s. fitzen 4.
zergen, sw,, s. zargen.
zergreinen, pltd. tergrTne(n), «u?., sich,
zerhaben — Zese.
491
sich durch Weinen erschöpfen. Vgl.
greinen.
zerhaben, sw.^ sich^ sich für eine Sache
oder Person lebhaft interessieren. Ich
zerhaV midi so um das Viehzeug und
das ist mein Dank! Vgl. haben,
zerhacheln, sw., s. hachein.
zerkeilen, sw., s. keilen,
zerkniddern, sw., faltig machen. S.
kniddern.
zerknüllen, sw.^ s. knüllen.
zerknOtschen, sw.^ s. knOtschen.
zerkoddern, 8t^., s. koddem.
zerkommen, st^ erholen, kräftigen, zu
Kräften kommen. Er zerkommt wiedei\
erholt sich von seiner Krankheit.
zerkOwern, sm., s. erkobern.
zerlaufen, pltd. terlOpe(n), stc., sicA.
Der hat sich was zu zerlaufen^ er läuft
viel hin und her, ohne etwas zu stände
zu bringen. Marold.
Zerm, m., s. Zarm.
zermaddern, sw,^ an einer Sache so
lange herumarbeiten, bis sie zunichte
ist.
zermarachen, sw.^ s. marachen.
zermatschen, sw,^ s. matschen.
zermOdbarschen, sw,^ sich^ s. mOd-
barschen.
zermUh'n, pltd. termttge(n), sw,, si<:h^
sich krank grämen.
zerpaddeln, sw., s. paddeln
zerpatschen, su?., durch Patschen zer-
drücken, zerwühlen. Reife Früchte wer-
den leicht zerpatscht. Vgl. patschen.
zerplästern, »w.^ s. plästem.
zerplTsern, sw. 1. zerzupfen, zerpflük-
ken. 2. reflexiv: auseinandergehen, sich
selbst zerzausen. Die Manschette hat
sich schon ganz zerplisert^ hat sich an
den Rändern in Fäden aufgelöst Vgl.
pITsem.
Zerrbein, n., s. Mummeltäucher.
zerrebbeln, siü., s. rebbeln.
zerreifzen, st.^ sich eifrig bemühen,
etwas mit grofzem Eifer betreiben. Er
zerreif zt sich gleich. Ich kann mich doch
nicht zerreifzen^ mehr vermag ich nicht
zu thun, ich kann nicht überall sein.
Ahnlich wie zerhaben u. zerwoUen.
zerschiefzen, pltd. tersch6te(n), se., er-
schiefzen. He heft sock terschäte.
zerschlagen, st., in Stücke zerbrechen.
Die Ostseeschiffer sprechen von einer
zerschlagenen See^ wenn sich die Wellen
mit wildem Ungestüm in der Nähe des
Strandes unregelmälzig brechen. Ygl.
Passarge, Balt., 132.
zerschmieren, sw.^ s. schmieren,
zerspicken, sw., s. spicken,
zerstechen, pltd. terstfike, tastfike, st,
erstechen. Wie nu dat TheoataschpoU
lossgeit, doa ös ömma so^ als wenn eena
dam angere taschtäke loöU. Boldt, 6.
zerstfren, sw , s. stUren.
zerstücksein, sw., s. stücksein.
zerstQken, sw,, zerquetschen. Zer-
stükte Kartofieln, Kartoffelbrei. S. stu^
ken.
zerstQkem, sw,, durchrütteln. Im fe-
derlosen Wagen wird man zerstükert.
Vgl. stflkem.
zertäppern, -teppern, s. v. a. täppem.
zertragen, st, ertragen. Das werd^ ich
schon zertragen! Das kann er nicht
zertragen, die Last ist für seine Kräfte
zu schwer.
zertrampeln, sw,, s. trampeln.
zerwollen, sw. 1. in dem Sinne von
zerhaben: über die Kräfte hinaus wollen^
thätig sein. 2. einen durchprügeln, dafz
gleichsam die Wolle stäubt.
zerziehen, pltd. tert6ne(n), st, fort-
ziehen; einer Last, sie ziehend, Herr
werden. Ich kann es nicht zerziehn,
fortziehen.
zerzoddem, sw,, s. zoddern.
Z6se, Zehse, Zeise, /., Netz zum Fisch-
492
a^sen — ziehen.
fang in der See, aas einer Metritze und
zwei Flügeln bestehend. Beschreibung
s. Benecke, 346 f. Nach Mühling
BMch^Zesse; vgl. Bock, Nat. V, 560.
zfisen, zeisen, sw., mit einer Zese
fischen.
Zteener, Zeisener, auch Z6ser, Zesser,
Zessener, m. 1. Fischer, der mit einer
Zese fischt. 2. nach Bock, Nat. IV,
717, derjenige Fischer, welcher bei der
Winterfizcherei (s. d.) die Stangen durch
die Wunen unter dem Eise fortschiebt.
3. Fischer überhaupt, und dann auch
Zetter. Dzg. Nhg. He ös besäpen as
en Zetter. Sprw. I, 445.
Z&senfischerei, /., Fischerei mit der
Zehse oder Zeise; sie liefert vorzugs-
weise Plattfische, in geringer Anzahl
auch Dorsche, Zärthen etc. B e n e c k e ,
347.
Z6ser, m.^ s. Zfisener.
Z6ske, m., kleiner Rausch. Er ist im
Zeske. Vgl. zTsen.
Zesse, /., s. Z6se.
Zesser, m., s. ZSsener.
Zefzioch, n., s. Zofzioch.
Zetschke, m., Hänfling, s. Tschezke.
Zetter, m., s. Zfisener.
zeudern, sw.^ s. zeidern.
Zeug, Zeugs, n.. Unbrauchbares, Un-
nützes aller Art. Das Zeug kann ich
nicht braiLchen! Was soll ich mit dem
Zeugsf
Zeuwe, /., s. Sau 3.
zibb, adj.^ s. zipp.
Zibbe, /., Mutterschaf; von dem poln.
cabanka schlechtes Schaf. Flatow.
Schmitt, 109; Westpr., 168.
Zibbel, /., s. Zippel.
Zibock, m., s. Rehbock.
Ziehe, ZUche, /., Zieche, Bezug, Über-
zug eines Bettkissens, hin und wieder
auch des Deckbettes. Die eigentliche
Ziehe brauchen schlichte Leute auf Rei-
sen als Tasche. Masar. Rätsel:
Zichlein ohne Semm. Das Ei. S. Ha-
gen, Nonka. Leipzig, 1874, 84. Sehe-
mionek, 46: Einem emf die Ziehe ge-
ben^ ihm derb die Wahrheit sagen. Vgl
BUre.
Zick, m.f Birkenteer, gewöhnlich Dof'
gert. Treichel, Yolksth. IL
Zicke, Zecke, ZIgge, Z6g, /., Dem.
Zickel^ Zeckel, Ziggel. 1 . die Ziege. Se m
verdregt wt e Zigg. Sprw. I, 3920. t
Zicke und Zigge auch Perücke, wd
man Perücken vorzugsweise aus Ziegeo-
haaren anfertigte. Bock, 82. Hen-
nig, 311. Min Meister schof de Zigg
op ene Std, Königsberg. Firmenich
I, 103a. Nach Mühling aach Schlaf-
mütze. Ziggeversaler (a=a), m., Spott-
name für Perückenmacher.
Zickeln, sw.^ Junge werfen; doch nur
von den Ziegen, verzickelt sein, \e>
liebt sein. Bock, 82, schreibt nr*
zeckelt.
Zfdelbär, m., s. ZTselbär.
Ziegebein, Pflzn., Kornblume, Cen-
taureacyanusL. Kr. Berent. TreicheL
Bei Pritzel, 87, für Schlesien: Ziegen-
bein,
Ziegel, /., der Ziegel, plur. Ziegeln.
Ziegenbart, m,^ graues Silbergras,
Aira canescens L. ( Weingaertneria can,
Bemh,) Hagen, 85.
Ziegenlauch, m.^ gelber Goldsteni,
Gagea lutea Schult Auch ErdnUss'.
Ostpr. Pritzel, 156.
Ziegennetz, n., Treib- und Staknetz
zum Fange der Ziege, Pelecus culirtUus
L.y lit. oszkinnis^ von oszka Ziege. Be-
schreibung u. Abbildung in Be necke,
371 f. 375 f.
Ziegenpeter, m., starke Anschwellung
des Halses und Gesichtes. Sperber,
34.
ziehen, st Sich mit jemccnd ziehen^
Ziehgurt — zimpelich.
493
ein lange währendes Verhältnis haben,
das keinen bräatlichen oder ehelichen
Abschlufz findet Treichel.
Ziehgurt, m., Gurt, an dem die Zug-
leinen des Wadegaros gezogen werden;
sein Ende trägt ein kurzes Stück star-
ken Marieins mit ausgehendem Holz-
oder Bleiknopf^ das um die Zugleine
geschleudert wird und sich mit dieser
so fest verschlingt^ daCz ein Mann mit
dem ganzen Gewicht seines Körpers
daran ziehen kann. Benecke, 349.
Der Ziehgurt an den Lachsnetzen von
Heia, poln. zeUcay besteht aus einem
handbreiten gekrümmten Stück Holz
und zwei Riemen, an welche sich ein
Strick mit der 3 — 4 Zoll grofzen Holz-
kugel anschliefzt. Benecke, 355.
Ziehnetz, n., s. Wadegam.
Ziehnetzfischerei, /., s. Wadegam-
fischerei.
Ziehtag, m.^ ^^g? &i^ d^ni gezogen
wird, aus einer Wohnung in die an-
dere oder aus einem Dienst in den an-
dern. Ziehtage für den Wohnungs-
wechsel sind in Egsbg. der 7. April
und der 7. Oktober. Für das unver-
heiratete Gesinde ist in Ostpr. Martin
(11. November), für das verheiratete
Michaelis (29. September) der Ziehtag;
in Westpreufzen zieht alles Gesinde am
Martinstage.
zielen, zTlen, sw.^ schielen. Mit einem
Aug^ zielt er nach Speck, mit dem an-
dern nach Schinken. Einen Schielen-
den nennt man Ziellcedreiaug, auch Ziellce-
zimm. Vgl. 2Tmen.
zieren, »w,^ sich^ stolz thun, schön er-
scheinen wollen. Hennig, 311.
Zigftn, Zegftn, Zig6ner, m.^ Zigeuner;
poln. cygan^ böhm. cykani^ ital. zingaro.
Vgl. Sprw. I, 1696.
Zigeunericraut, n., schwarzes Bilsen-
kraut, Byosciamus niger L. Hagen,
247.
Zigge, /., s. Zicice.
Zilcrfit, n., Sekret, geheimes Gemach,
Abtritt.
Zimbel, 9n., Zimbelblume, /., s. Zim-
pel etc.
zTmen, »lo., einen verstohlen von der
Seite ansehen, anschielen. Bock, 84.
Hennig, 311. Vgl. zielen.
ZTmen, m. Yom., Simon. Hart-
wich, 54.
Zimkerlltzchen, plur.^ nach Marold
s. V. a. Kinkerlitzchen (s. d.).
zimmeln, sto., zaudern. Danzig. W.
Seidel, 36.
Zimmer, w., Ziemer, Hirsch-, Reh-
rücken. Hennig, 311.
Zimmermannshaar, n., wörtlich das
Haar eines Zimmermannes, hier als
Mafz, scherzweise = 7 FuGs. jEs stimmt
um ein Zimmermannshaar ^ es stimmt
gar nicht. Sprw. I, 4174.
Zimpel, Zempel, im Ermlande Zimbel,
pltd. Zttmpel, m. 1. Zipfel. Ein Zim-
bel Land^ ein spitz zulaufendes Stück
Land. Ermland. Zimpelbrtttchen, n.,
Zipfelbrötchen. Vgl. Kntst. Zimpel-,
Zempelpelz, m.^ Zipfelpelz, Schafpelz,
an dem die Schwanzzipfel der Felle
als Schmuck hängen. Vgl. VolksL, 46.
30. Zimpelweck, /., nach H e n n i g , 3 1 1,
eine kleine Semmel von Weizenmehl
in Form eines viereckigen Sternes. 2.
penis. Vgl. Zagel.
Zimpelblume,/'.,ranunkelartiger Frosch-
löffel, Alisma ranunctUoides L. Hagen,
403: Zimbelblume.
Zimpelfi, Pflzn. , Dach - Hauslauch,
Sempervivum tectorum L., Verplattung
des lateinischen Namens. Treichel,
Volksth. n. Vgl. ZippeHeig.
zimpelich, adj. u. ocb., zimperlich.
494
zimpeln — Zioten.
zimpelny sur., s. zimpern.
ZimpelpelZy m., -weck, /'., s. Zimpei.
zimpern, nach Mühling auch zim-
peln, 8w.y zimperlich than, affektiert
Diedlich, zartfühlend. Ich dachte es wohl^
da/z sie nicht maulen oder zimpern wür-
den. Das Zimpern und Blödethun und
Verschämtsein^ das ist mein Tod, Soph.
R. VI, 138.
zingem, sw,,^ brennen, schmerzen, mit
Prickeln verbanden. Mühling. In
Hessen bezeichnet zingem^ auch mit-
unter zingeln, das schmerzhafte Gefühl,
welches die in der Kälte erstari-ten
Hände durchzieht, sobald sie plötzlich
in eine warme Temperatur kommen,
oder wenn die Glieder „eingeschlafen^
sind. Vilmar, 470.
zingSyZingersch, zingerst, zUngerst, zingst,
adv»^ vor einem Augenblick, soeben,
jüngst; auch sofort. Do heft sock zun-
gerst late true on nömmt Pfarrs öhnzget
Kind tor Frue, Carm. nupt V, 145 c.
Awer Kinger, öt wör doch man zingst,
Sp5k, 470. Zings gef ock em ent,
Dönh. Natangen. S. szings.
Zinken, m., Mund, Nase. Zinken an-
ziehen! den Mund halten, schweigen.
Wehlau. Er hat einen guten Zinken^
eine tüchtige Nase.
Zinngteizen, n., Sylvesterbelustigung,
s. Bleigieizen u. Glück.
Zinnober, w., im vorigen Jahrhundert
Name eines schwarzen Doppelbieres,
das in Insterburg gebraut und nach
auswärts verschickt wurde. Bock,
Nat. in, 698.
Zinsbauer, m., s. Hochzinser.
ZInse, /., Mietsgeld für Wohnungen
und Häuser. Die Zinsen von einem
Kapital heilzen Interessen. Klein II,
247. Dzg. Zinsmahner, tt»., Beamter,
der das Geld für die Wohnungsmieten
oder auch die Interessen ausgeliehener
Gelder einforderte. Hennig, 311.
Zinsekailf, m., wirklicher Kauf des Un-
terpfandes, der unter gewissen Bedin-
gungen auf Wiederkaaf geschieht Ge-
naueres hierüber s. in Pr. SammL, 131.
und Hennig, 311. Veraltet
Zinten, Ortsn., Stadt im Kreise Hei-
ligen beiL Zinten wird spott weise das
Ausland genannt, und seine Bewohner
heilzen Ausländer. Nach der KonstitotioD
des Bischofs Moritz Ferber vom 22. Sep-
tember 1526 durften Nichtkatholiken
nur vorübergehend sich im £rmlande
aufhalten, wie es hielz, ^kein ToUtä
Jahr^ dort irgendwo bleiben; nodi
weniger war ihnen gestattet, Boden-
besitz zu behalten, zu kaufen oder n
pachten. Dennoch hielten sich viele
protestantische Gewerbtreibende in den
Städten und besonders in Braansberg
au£, wo der Stadtprafekt Johann tod
Preuck, selbst heterodoz, die Lndie-
raner unterstützte. Die Mandate des
Bischofs Hans Flachsbinder, und seioes
Nachfolgers Tiedemann Gieses Lauheit
änderten darin nichts; der Jesuiteo-
freund Stanislaus Hosius lag mit den
Braunsbergcm zeitlebens im Kampfe.
Man genügte der Konstitution zum
Scheine, indem die in der Stadt an-
gesessenen Nichtkatholiken, Handwer-
ker, Dienstboten etc. zu Weihnachtes
in jedem Jahr nach dem Herzogtum,
gewöhnlich nach dem nahegelegenen
Zinten reisten. Nach Neujahr kehrten
sie aus dem ^Auslande^ zurück und
waren kein volles Jahr im Ermlande
gewesen. Darum heilzt Zinten das
Ausland. N. Pr. Prov.-Bl. 3. F. X
160. Vgl. auch: Hartknoch, Kirch.-
Hist. Frankfurt a. M. u. Leipzig 1686,
1049. Pisanski, 3. Hennig, 17 f.
Sprw. I, 191. In Zinten bdUn die
Hunde von hinten. Sprw. I, 4176. Kin-
zipen — Ziske.
495
derreim: Johann^ spann^ an^ Drei Katzen
voran^ Zwei Ziegen {vier Hunde) nach
hinten^ Wir fahren nach Zinten. Volksr. ,
74, 281.
zTpen, BW, 1. ziehen, zapfen. Was
Neues im Jahrchen^ Zip zip am Haar-
chen! Vgl. zubbeln. 2. quälen, peini-
gen durch Ziehen und Zupfen. In die-
sen Bedeutungen auch zipsen, zupsen.
3. nach Sehern ionek, 4d: zu weinen
anfangen.' Vgl. sTpen u. zippeln.
zipp, adj. u. adv,^ zimperlich, affek-
tiert sittsam, prüde. Sie ist so zipp,
da/z sie unausstehlich wird. Schemio-
nek, 45: zibb, schüchtern, verschämt;
von Mädchen;
Zippel, /., Zwiebel; nach Hennig,
310, Zibbely lit. ctbule\ ctbulis^ pobi. ce-
bukt. Nach Sperber, 34, auch ZwTfel.
Er ist vne eine Zippel^ zur Bezeichnung
hoher Trunkenheit. Eine Zwiebel setzen^
poln. cebul^ sadzir, hinfallen. Die Re-
densart deutet auf das Hinhocken beim
Setzen der Zwiebeln. Treichel, Volks-
thümliches H. Königsberg wird reich
mit Zwiebeln versorgt von den Zippel-
kQren. S. KQre.
Zippelfeig', Pflzn., Aloe. Als Heil-
mittel bei Verwundungen. Saalfeld.
Völlig pltd. Zippelftg, Zippelfi, so auch
im Weichseldelta. Das Wort ist Zu-
sammensetzung aus Zippel, Zwiebel^ und
Etg^ Feige; die Aloe zieht wie diese
die Wandhitze aus. Treichel, Volks-
thümliches HI. Nach Schemionek,
45: Zimpelfeige. Vgl. Zimpelfi.
zippeln, sw., wein^ü; von Kindern.
W. Seidel, 36.
Zippelz6rke, /*., affektiertes, geziertes,
zimperliches Frauenzimmer. Man sagt
von einem solchen: Sie thut verzipsL
Zippen, sw,, zurückhaltend und ver-
schämt thnn, geziert, prüde sein; von
zipp. Hennig, 312.
zipperig, ad},^ zimperlich. Gordack.
Ebenso zipperlich.
Zippe, m., Zipfel. Davon das Dem.
Zippschen, ein Zipfelchen, ein bifzchen.
Vgl. Schnippschen.
zipsen, zTpsen, zupsen, sw. 1. ziehen,
zupfen, rupfen. Einen bei den Haaren
zipsen. Bildlich: betrügen. Er hat
ihn gut gezipst 2. zipsen, zupsen quä-
len. 3. sitzend schlafen, nippen. Bock^
84. Hennig, 312.
ZTrop, TW., Sirup. S. Sprw. I, 3844.
Zfropshäker, m,, Höker mit Sirup,
Schimpfwort, zunächst auf einen Ge-
würzkrämer. „Probehr bling Zierops-
Häker f Carm. nupt I, 282, 9. Gah
ZieropS'Häcker fort! Ibid. V, 190b.
ZT8, /., 8. Zeise 1.
ZTselbär, Zeieelbär, m., schwarzer Bär,
der zur Schau umhergeführt wird, Tanz-
bär. Weigand H, 1165, meint: Zeisel
= gezupft niederhängende Haarzotte,
von zeisen Verworrenes auseinander-
zupfen. Er sieht aus wie ein Ztselbär,
ihm hängen die Haare in wilder Un-
ordnung. Er brummt wie ein Ztselbär^
der Mürrische. Die Köchin kam end-
lich; sie war erst vne ein Zeiselbär und
ward wie ein Ohrwürmchen, als ich ihr
einen Gulden . . . insinuirte. Soph. R. I,
411. Grimmig wie der Zieselbär, wenn
er vom Honigbaum kommt her. Ibid. III,
217. Bock, 83. Hennig, 312.
zTseln, sw,, körperlich und geistig
quälen. Er (der Stiefvater) hat mich
genug geziselt Treichel. Vgl. trlseln.
zTsen, zteen, sw,, von ziehen, in lan-
gen Zügen trinken, stark trinken, na-
mentlich Berauschendes. Er ztst gut,
er ist ein starker Trinker. Davon Ztser,
Zteer, m., Trinker, und Zle, Zto, m,,
Rausch. He ös öm Zes. bezTsen, sich,
sich betrinken.
Zleke, m,^ Zeisig, altpr. czisia^ poln.
496
Ziske — Zoch.
czyzyk^ böhm. cziiek^ mhd. ztse. Nsslm.,
TL, 214. Vgl. Schade, 1286b. Früher
hielzen in Egsbg. die Stadtsergeanten
Ztskes^ wegen ihrer buntfarbigen Uni-
form. Vgl. Stieglitzk.
ZTske, n., kleine Wurst, auch ZTske-
wurst; von Saucischen. Idel gebrädne
Ziskes^ Dat sond andre Müskes, Volksr.,
25, 95. Bock, 84. Hennig, 312.
Zitze, pltd. TBtl, /., Saugwarze, Mut-
terbrust; übertragen: Frauenzimmer,
namentlich altes. Hei grtnt wie e Tott^
wie ein altes Weib. Friedland Ostpr.
Zitzensauger, m., Ekelname, Schimpf-
wort. Stein, Peregrinus XU, 82. W.
Mtsbl. V, 191.
zttbern, st^?., zaubern. Schemionek,
46. Vgl tewern.
Zoch, Zoche, /., altpreufzischer^ pol-
nischer Pflug, ohne Vordergestell (Rä-
der), gewöhnlich von Ochsen gezogen;
unter Pflug wird in Ostpreufzen nur
ein Raderpflug, von Pferden gezogen,
verstanden. Russ. sochä Pflug, poln.
socha Gabelholz, Pflugsech, Pflughaken.
Aus diesem socha klingt goth. hßha
Pflug, sanskr. koka Wolf, eigentlich
Zerreifzer, in der Sprache der altind.
Veden auch Pflug (als Erdzerreifzer).
Vgl. Schade, 412b. Nsslm., Th.,
214. Dos Volk der heidnischen Preufzen
war nicht bloa ein tapferes^ es war ein
edles und fleifziges Volk^ dem vnr Ost-
preufzen das unvergleichlichste Acker-
instrument verdanken^ von eine)* Genior-
litdt der Erfindung, die selbst unsere
geistvollsten Techniker in Erstaunen
setzt^unsere — Zoche. Passarge, Balt,
8. — Beschreibung der ZocJie: Pflug-
baum, Zochbaum oder Rogätsch, lit.
ragöcze^ ragöczus, ragözius, und Sterzen,
auch Httmer, bilden ein Ganzes, unter
einem rechten Winkel zusammen-
stofzend: ein junger Tannenbaum mit
zwei horizontal laufenden Wurzeln. Der
eigentliche Pflugkörper, die GafM, Gl*
bei, wird vermöge des Schwanzes m
eine am Winkel aDgebracbte ent-
sprechende Öffiiong des Pflogbaumes
gesteckt und vermittels der Podtm-Kdk
am Pflugbaum befestigt Abgesehen
von dem Winkel, welchen Gaffel und
Pflugbaum bilden, weicht die ersten
auch seitlich von der Richtung des
letztem ab, so dafz, wenn das Instni-
ment arbeitet, der Pflugbaum nicht mit
der Pflugfurche parallel läuft, sondern
nach dem gepflügten Acker hinübe^
neigt. Es folgt daraus, daiz der Nebeo-
ochse auf dem gepflügten Acker geht
wahrend der Leinen-Ochse, ReHoctef
auf dem abzuschneidenden Erdstreifeo
an der Kante der Furche schreitet
Prov. Preufz., 283. — Die Homer des
Pflugbaums sind oben durch den über
das rechte Hom hinausragenden Que^
Steg, der als Griff dient, Verbundes.
Von dem linken Hörn geht zum eig^t-
liehen Pflugbaum der Bllgel, ein fester
gebogener Ast. An dem vordem Eode
des Pflugbaumes ist unten zur Ein-
stellung des Joches ein gesagtes Eisen-
band angebracht, die sog. Treppe. Das
Joch besteht aus dem Jochbaum, den
beiden Kaibaken oder JochviereckeD
(nach andern heifzen die untern, ge-
krümmten Jochhölzer Kalbacken, Kol-
balken, Kolpalk, Kulpalk, lit. kulbökm)
und der Jochkette. Die Gaffel ist ein
gabelartig ausgearbeitetes Stück Eichen-
planke von 3 Fufz Länge und 3 Zoll
Starke, auf deren Spitze die beiden
eisernen Pflugschare, Zocheisen, auf-
gesteckt sind; häufig ist die Gra£Fel auch
aus 3 durch Bolzen verbundenen Tei-
len zusammengesetzt, damit die Be-
schädigung eines Homes nicht die ganze
Gaffel unbrauchbar mache. Die linke
Zochbaum — zoddern.
497
Gaffelspitze heüzt Reithom, weil sie auf
der Seite des Reitochsen liegt, ihre
Pflugschar Reiteisen und das über dem
Hom aufwärts gekrümmte Eisen Pa-
lltsch, Politschy nach Mitteilung ausDönh.
auch Kroik. Die rechte Gabel ist das
Nebenhorn, ihre Pflugschar heii'zt Neben-
eisen und das über dem Hom sich aus-
breitende gewölbte Eisen Sta*eichbretty
nach Mühling auch Budnlck. Das
eiserne Band, welches Reithorn und
Nebenhorn verbindet und mit einem
Haken über dem letztem endet, heii'zt
der Podiem, Poding, auch das Podimke.
Die Podfmkette verbindet, wie schon
angegeben, Gaffel mit Pfliigbaum und
hängt über letzterm in der sog. Zunge.
Ein unter diese getriebener Keil giebt
der Verbindung gröfzere Festigkeit. —
Die Zoohe ist 15 — 17 Fufzlang. Bock,
Nat. HI, 664 ff u. V, 502 ff, hat stets
der Zoch; s. das. Beschreibung und
Abbildung Bock, 84. Hennig, 312.
Zochbaum, m.^ s. Zoch.
ZochbaumnetZy n., Netz mit zochbaum-
ähnUchen , schlittenförmig gebogenen
Bäumen als Grundlage, die an ihrem
aotem Ende durch eine senkrechte
Stange im Scharnier verbunden sind.
Poln. kosa^ auch krzyicuiay /., wörtlich
Krummhom, krummes Blasehom. Das
Zochbaumnetz wird vorzugsweise von
unberechtigten Raubfischem angewandt.
S. Benecke, 353.
Zocheisen, n., s. Zoch.
Zochschleife, /., Schleife (s. d.), wor-
auf die Zoche gefahren wird.
Zock, Zocke, Zogg, Zogge, in Masuren,
im Oberlande und Westpr. auch Zuck,
Zucke, im Ermlande auch Suck, /., Hün-
din, poln. russ. suka^ mbd. zohe^ ahd.
zohd. In Bayern Zohe^ Zauch^ Zaup^
Zuppj im Götting tache^ im Fuldaschen
Prifcbbier, W5rterbacta II.
Zopp. SchmellerlV, 218. 248. 277.
Schamb., 223a. Vilmar, 471. Vgl.
Nsslm. Forsch. 2. Sperber, 40.
Schemionek, 46. Schmitt, 109;
Westpr., 168. Hennig, 312. Im Ober-
lande ist Zugg, Zuck eine Art Hand-
schlitten. Vgl. Hund 4. Übertragen:
liederliches Frauenzimmer, Hure.
Zoddel , / , Zotte , Zottel. Davon :
Zoddelbär.
zoddeln, sw., Zodder, /. u. n., Zodder-
klops, m., Zodderkopf, m., s. zoddern.
zoddern, hin und wieder auch zuddem,
8w, 1. zausen, zerren, reifzend pflücken.
Der Hund zoddert an der Decke^ — am
Rock^ er zerrt ihn hin und her. Der
eine zoddert ihn hier^ der andere da.
Einen herumzoddern, ihn hin und her
zerren, reifzen, ziehen, schlagen. 2.
durch Zerren und Zausen auflösen, zer-
reüzen, und dann gewöhnlich zerzod-
dem. Schüler zerzoddem die Lösch-
blätter, Biicher. Der Unterrock^ das
Hemde ist zerzoddert. Zodder, /. u. n.,
zerrissener Fetzen. Die Zoddern (eines
Kleides, Unterrockes) hängen beiher.
Zodder^ auch s. v. a. Kleidungsstück
(vgl.Kodder) und zähes, sehniges Fleisch,
an dem man beim Genüsse zoddern und
zerren mufz. Das Fleisch ist eine Zod-
dei\ In Zusammensetzungen: Zodder-
klops, 771., geklopftes und dadurch zer-
rissenes Rindfleisch, gedämpft, mit ge-
pfefierter Sauce. Zodderkopf, Kopf mit
verzodderten Haaren. 3. verwirren,
verwickeln, verflechten, in verzoddem.
Der Zwirn ist verzoddert^ die Fäden
sind durcheinander gewirrt und in sich
verflochten. Die Haare sind verzodderty
in Unordnung. Im Götting. intoder.
Schamb., 92b. 4. zögern; zotteln, und
daher richtiger und auch häufiger zod-
deln. Wat zodder ji dennf Bringt dat
32
498
zoddrig — Zofzhaken.
io der Waschfru. Dorr, 1. Wiew., 71.
Er zoddert auf der Strafze^ treibt sich
herum. Daraus nachzoddern (nachzod-
deln), nachzotteln, nachziehen, beim
Gehen zurückbleiben, aus Müdigkeit
oder Lässigkeit; vorzugsweise von Kin-
dern, zoddrig, adj.^ zerlumpt, voll Zod-
dern und Zotteln, in Unordnung. Zodd-
riges Haar. Bock, 84. Hennig, 312.
zoddrig, ad)'., s. das vor.
zoff, g>dj.^ betroffen. Natangen. Nach
Mühling ängstlich.
zogen, sw,^ ziehen, fliei'zen. Das (ein-
gedämmte) WaMei' kann nicht zögert^
nicht über die Dämme fliei'zen. West-
preufzen.
Zogg, Zogge, /., s. Zock.
Zoimacher, m., s. Zäg.
zoings, adv,y sonnabends. Dönh.
Zoller, m., Lutschbeutel, Brot und
Zucker in einen Leinwandlappen ge-
bunden, den man Säuglingen, um sie
still zu halten, an Stelle der Mutter-
brust in den Mund steckt; auch Zucker-
titt,/., Zuckerzitze. Marold. In Bayern
Zuller. SchmellerlV, 255. S. Zulp.
Zttls, m. Vorn., Cölestin. Hartwich,
54.
Zttmpel, m, u. Zusammensetzungen s.
Zlmpel.
Zopf, 77». I.Rausch. Einen Zopf ha-
ben^ einen Rausch haben. Sprw. I,
445. 2. beim Flachsbinden = Topf
(s. d.).
Zopp, Zupp, (?), Wasserhuhn. Na-
tangen. Lett. kuhpis dass., während
sonst umgekehrt preufz.- litauischem k
lettisches z zu entsprechen pflegt.
Nsslm., Th., 222.
Zoppe, /., Fischn., Zope, Abramis
ballerus, Dzg. Nhg. Violet, 187.
Sperber, 34: Zop'.
Zoppen, seltener zuppen, sw,^ zurück-
gehen, zurückschieben, zurückweichen.
Vielleicht mit zucken verwandt Jft
dem Fuhrwerk zappen^ zurückzappen —
es durch die Pferde rückwärts schie-
ben. Bildlich von einem Menscho,
der freiwillig oder gezwungen von sei-
nem Vorsatze oder Vorhaben abzustehea
im Begrifife ist. Er fängt an zu sof-
peny er macht Miene, von seinem Vo^
nehmen, Vertrage etc. zarückzaweicheo.
Er mufzte zoppen, er mufzte nachgeben,
seine Absicht aufgeben. Zopp! als In-
terjektion. Zuruf zu den Pferden, zur
Bezeichnung der Rückwärtsbewegmu^
überhaupt: De mot zopp zopp herwder
von de Ledder. Seelen w., 64. Sper-
ber, 34. Bock, 85. Hennig, 312.
Zofe, /., zofelig, adj.^ s. zoien.
Zttse, /., s. Zäse.
zofeln, 8to., s. zoien.
zofen, zufen, «u\, zausen, zerrend
ziehen und reifzen, ziehen, reifzen über-
haupt; auch zofeln. In der Fiscbe^
spräche zofen, zofzen die Thätigkeit
durch welche bei der Winterfiscberei
unter dem Eise die Flügel des Netz-
games (durch Ziehen) ausgebreitet wer-
den. Daraus: Zofe, /., Faser, Zaser
eines au%ezausten, zerrissenen Gewebe^
Bildlich: ein unordentliches, abgerisse-
nes Frauenzimmer. Mhd. Zuse Haa^
locke, zofelig, zoilig, zu&lig, adj., ze^
zaust, zottig, ungeordnet; vom Haar.
Was, mit so zofzligem Haar wiüst A
auf die Strafze gehen! Hennig, 313:
zusen,
Zöser, w.. Zauser, Wolleznpfer, von
zOsen zupfen. Kein Ttichmacher muß
dem andern die WoUleser^ Zöser^ Kam-
meler und Spinner . . . ahspänsUg machen,
Bock, NatV, 407.
Zofzgabel, /., gabelartiges Fischer-
gerät zum Zofzen.
Zofzhaken, m., Bügel mit eisernem
Haken, Gerät zum Zofzen,
Zofkloch — zuknefeln.
499
Zofzioch, n , kleineres Eisloch, durch
welches die Ruten und Leinen der
Garnflügel weiter gezofzt werden. P a s -
sarge, ßalt.^ 297, schreibt Zefzioch.
Vgl. Winterfischerei.
Zotk, /., Tante. Westpr. Von dem
gleichbed. poln. ciotka.
ZU, pitd. tOy tau, als: geschlossen,
zugemacht, verschlösse q; verstopft. Wir
fuhren im zunen Wageti^ im geschlosse-
nen Wagen. Die zune^ auch ztcene,
ja sogar zti'ffe Thür. Zune Fenster, Zue-
ner Schmandkuchen. Er leidet am zunen
Leib^ an Verstopfung.
ZU (u lang ausgehalten), interj.^
Scheuchruf zum Schwein. Samland.
zubacken, sw,^ s. backen.
zubbeln, sw,^ zupfen. Zubbel^ zubbel
bt de Hm\ Wat Niet vom Jahr! Fried-
land Ostpr. Vgl. zipen.
Zubehör, pltd. TobehSr, n., das zur
Sache Gehörige. Dorr, 1. Wiew., 92.
zubiegen, st^ zuwenden, verdienen,
gewinnen lassen. Man mufz dem an-
dern auch etwas zubiegen, Treichel.
zubringen, st,^ verbringen, verschwen-
den, verderben, vernichten. Ebenso in
Hessen. Vilmar, 472. zubringerig,
adj,^ verschwenderisch. Weil sie och eei*
Mann sehr zubringrich waren ^ hadden
se all veel von eet*em Erbtheel doi^ch-
gebrocht, Schaltj. 3, 10. Schemio-
nek, 46: zubringrisch. Zubringer, m.,
Vei*sch Wender, Durchbringer. Er ist
ein grojzei^ Zvhnngei\ Spiler und Döb-
ler. Stein, Peregrinus XIII, 87. W.
Mtsbl. VI, 159.
Zubrot, pltd. Tobrot, n., Zuspeise, das
zum Brote Gehörige : Butter, Fleisch etc.
S. Brot.
ZUche, /., s. Ziehe.
ZUChen, sw.^ ziehen, empfindliche Luft-
strömung veranlassen. Es zucht. Da-
von ZUChig, adj. Es ist zuchig.
ZUchner, w., Weber. Ordenszeit.
Hirsch, 320.
Zuck, Zucke, /., s. Zock.
zuckeln, m\, s. §chuckeln.
Zuckerpuppe, /., Puppe aus Zucker,
auch beliebtes Seh meichel wort zu Kin-
dern.
Zuckertitt, /'., s. Zoller.
Zuckung, /., Epilepsie, s. Httchste.
zuddern, sw,^ s. zoddern.
Zudeck, pltd. Taudeck, Tödeck, m.^
Deckbett. Wer kein'n Taudeck heft,
legg sock op em Buk on deck sock mot
em Arsch tau. Sprw. I, 4182.
zudecken, sw,^ s. decken.
zQen, adj,^ s. zu.
Zug, m, 1. antreibender Zuruf: vor-
wärts; von ziehen, Zug, Zug! Zug in
die Beine! Kgsbg. Sprw. II , 3014.
2. die VerschifiFung des Getreides see-
wärts. Dzg. Klein I, 4. Vgl. Ab-
kunft 3. Stelle in Seen etc., an wel-
cher das grofze Garn erfahrungsmäizig
gezogen werden kann, ohne an Steinen,
Holz oder dergl. hängen zu bleiben.
Sünse7*see mit 16 zögen, Grrossendorfsclie
See mit 9 zögen, Rechnung des Amtes
Heilsberg von 1587. Ben ecke, 293.
Zuggam. n,, s. Wädegam.
Zugift, /., Zugabe. Die Zugift ist
bei den Bäckeim abgekommen, Bock,
85. Hennig, 313.
Zugleine, /'., Leine an den Netzenden,
durch welche das Netz fortgezogen
wird. Sie heifzt auch Reef, n., kassub.
leper. Vgl. LOper.
Zugloch, n,y masur. vmrwakiy bei der
masurischen Winterfischerei das Zo/z-
loch, S. Winterfischerei.
Zugnetz, n., s. Wädegam.
zuhause kommen, s. Haus 4.
zuhOf, adv,j s. tohOp, tehOp.
Zakehrungswäke, /., s. Winterfischerei.
zuknefeln, sw,^ zuknöpfen. Oberland.
32*
500
zuknippen — Zuris.
zuknippen, sw.^ s. knippen.
zukOsen, sw.y zusprecheD, ansprechen,
anreden. Ak Chim em togekoosty an de
Afkaat vernahmen^ wie sine Sache stund.
Carm. nupt III, 50 c. S. kösen.
Zukost, pltd. Tokosty nach Bock, 85,
ZumOs, /., die Nebenspeise, sonst Vor-
kost, Vorspeise (Suppe), weil sie dem
Hauptgerichte zugegeben wird und in
vielen einfachen Familien heute noch
n a ch demselben genossen wird. S che-
mionek, 46, erklärt, allgemein ver-
ständlicher, aber nicht zutreffend: das
Gericht, welches auf die Suppe folgt.
Hennig, 313.
zukrampen, sw.y s. krampen.
Zukumft, /., Zukunft.
zulacken, sw.^ mit Siegellack ver-
schliefzen, auch mit Oblate (s. Mund-
kwk),
zulegen, sw. 1. anschaffen. Sich einen
Garten zulegen^ eine Frau zulegen. 2.
erziehen^ grofzziehen. Sich ein Kalb,
ein Füllen zulegen, es für den Gebrauch
grol'zziehen.
Zulp, m., Lutsch- oder Saugbeutel.
Gortzitza. Für Estland bei Sall-
mann, 74b. S. Zoller.
ZumalZy pltd. Tomat, n., im Getreide-
handel Mafz von Geschäft z u Geschäft
in der Stadt, wobei das Maiz ein ge-
nau richtiges. Egsbg. Vgl. Abmafz u.
Aufmalz.
Zum&fZy adv, zumdjz kommen ^ zur
rechten Zeit, zu passender Gelegenheit
kommen. Af dinge kommt ommer to-
mät
Zumft, /., Zunft.
zumpeln, sw., hinkend, schwerfällig
gehen. Mühling. Vgl. humpeln.
ZumQs, /., s. Zukost.
ZUndy adv., jetzund, gegenwärtig. Ek
hol (halte) zund blot (blolz, nur) noch
dree Mann on eenen Jung. Dorr, I
Wiew., 15.
Zunder, m., von zünden^ Mut D
hast 6k ken Zunder^ du hast auch kd
nen Mut. Elbing.
zOner, adj., s. zu.
zUnftlg, pltd. zttnflig, adJ.vLiMdv., eigeni
lieh: zur Zunft gehörend, Zanftred
besitzend; dann: gut, vollständig. 1
stammt zonftigy es stimmt zunftig, d.
auffallend gut, vollständig. König!
borg.
Zunge, /., Teil der Zache (s. d.).
Zungenpeitsche, /., kletterndes Lal
kraut, Galium apctrine L. Hagei
166.
zungers, ado., besonders. Ermland. (
Beleg unter frtdeln.
zUngerst, adv., s. zings.
zunichty adv., zu nichts in dem Sini
von entzwei, verderben, vernichten. Di
Bengel schlägt alles zunickt. Die Eä
ner haben das ganze Beet zunicht j»
macht.
Zunzel, /., altes Weib. Treichel.
zupampsen, sw,, mit Geräusch zufull«
Treichel. S. pampsen.
zuplinken, sw,y s. plinken.
Zupp, (?), Vögeln., s. Zopp.
zuppen, sw,, s. zoppen.
ZuprTne, /., s. SchuprTne.
zupsen, sw., s. zipsen.
ZUiüumen, sw,, zuschliel'zen, zumache
Es hat uns der Tag versäumt, Det^
die Thür war zugeräumt, Aufschrift g
täusch ter Diebe auf eine Thür. Spe:
ber, 34.
zurichten, pltd. torttchte(n)y «tr., b
schmutzen, die Kleider, Gesicht ui
Hände. Wie hat er sich wieder zuj
richtet? S. abrichten.
Zuris, m., eine Art groizer Zwei]
(s. Dwarg), Voc. 688: mris, lit. sur
zarücklernen — Zwäskezagel.
501
mss. poln. böhm. syr Käse. Nsslm.,
Th., 21. Hennig, 313.
zurUcklernen, Str., Ruckschritte machen.
Wie kann eine Stadt zweifeln, ob ihr
Prediger zurücldemen mu/Zy wenn er
vom Morgen bis zum Abend in der
Kirche zu sein, gezwungen ist. Soph.
R. III, 475.
zurückzahlen, sw.^ heimzahlen, wieder-
vergelten. Wie sali §ck em dat trigg-
tahlenf Denn betahlen w§ll §k em dat
Dorr, 1. Wiew, 31.
zusäen, pltd. to8ege(n), sw. 1. Die
Aussaat beenden. , . .in Johannis^ wenn
sie zugesäet haben, pflegen (sie) oben uff
einer langen Stange ein Pusch von aller-
handt Kraut anzubinden. Pierson,
Matth. Prätor.,1^25. 2. schwängern. Bt
er OS tugesegty sie ist schwanger.
zusälen, 8w., s. sälen.
zusammenbasteln, sw., s. basteln,
zusammenfuchsen, sw., s. fuchsen,
zusammenkrunzeln, »w., s. krunicheln.
Sich zusammenkrunzeln, den Körper in
eine Lage bringen, in welcher die
Glieder völlig eingezogen sind. Ma-
rold.
zusammenreifzen, pltd. tosamme(n)-
rTte(n), st. 1. zur Bezeichnung von
Geschwurbildung, Vereiterung, Gicht-
knorren. Vgl. Reifzung. 2. in bösen
Streit geraten. Ich bin mit ihm heute
gehörig zusammengerissen.
zusammenstoppeln, sw., s. stoppeln,
zuschanzen, pltd. toschanze(n) , sw.,
zuwenden (einen Kunden), zukommen
lassen (eine Arbeit).
zuscheln, sfio., zischeln. Treichel.
Zuse, /., Nachtanz, Schlufztanz, der
orewöhnlich über Tische und ßänke
ging. Der Nachtantz, als die Zuse Ober
die Bäncke etc., sollen ziemlicher und
gebührender mcisse gehalten werden. Altr-
stadtische Hofordnung v. J. 1544. Erl.
Fr. I, 497. Hennig leitet das Wort
von zusen, zausen, ab. Die Zuse hat
sich in dem Orofzvatertanz („Als der
Grofzvater die Grolzmutter nahm etc.^
Volksr., 273, 945) erhalten. Bock,
85. Hennig, 313.
Zuseher,m., Aufseher, welche schlechte
Ware aus den Bänken und von den
Märkten zu entfernen hatten. Hirsch,
310.
zuien, sw., zuilig, adj., s. zoten.
zusseln, sw., aus zu^en zausen; nach
Treichel in thätlichen Streit geraten:
wenn sich zwei Frauen prügeln, so
zusseln sie sich. Davon Zusselei, /.,
Ärgernis, Zank, Streit verzusseln, sw.,
verzausen, in Streit geraten.
zustecken, sw., heimlich zuwenden.
Die Köchin steckt ihrem lAebhaber et-
was Braten zu. Bock, 85. Hennig^
313.
zustUck, zustUcken, adj., s. StUck.
zustUlpen, sw, s. stUlpen.
zuwas, zu was, adv., warum, wozu«
Zuwas hast nicht gehortf Zuwas fragst
nicht?
zwacken, sw., im Preise drücken. Ich
hab ihm doch noch e halben Gulden ab^
gezwackt, ich habe die Ware um 50
Pfennige billiger gekauft.
Zwalchweizen, m., nach Pritzel, 68,
in Ostpreufzen auch Mattwisch, s. v. a.
Dwelch, Dwalch (s. d.). Nach Hagen,
135, Zwalchweizen Tanmellolch, Lolium
temulentum L.
Zwasel (a kurz), m., Baumast, Knüt-
tel. S. Zwei u. Zwassel.
Zwäske, ZwSske, n., Pärchen, Zwillinge.
Dönh. InDitmarschenTti^escA^n. Quick-
born, 368.
Zwäskezagel, Zwtekezagel, m., Zangen-
käfer, Ohrwurm, Forßcula, nach der
502
Zwassel — Zwölften.
Zange, die in ihren beiden Gliedern
ein Pärchen bildet, also eigentlich Pär-
chenzageL Dönh.
Zwassel, m,^ kleiner und verwachsener
Mensch. Schemionek, 46. S.Zwasel.
zweispillig, adj,, s. spillig.
Zweitrüt, m., Tanz, bei welchem mit
jedem Falz zweimal nacheinander auf-
getreten wird. Mäke^ lät den Wocke
statte^ Komm^ wt wolle den Tweitrött
gäne, Volksr., 236, 831.
Zw6l, m.. Zweig, Äst. Natangen.
Nsslm. Forsch., 3. Vgl. Zwasel.
Zwile, /., Handtuch. Hagen, No-
rika, 84. In Hessen u. Bayern 2jweihle^
Zivehle^ Handzwehle. Vi 1 mar, 474.
Schmeller IV, 304. Hierher gehörig:
Zweltngf Denkst noch an 'ne Zweling?
De kosft mt manche Schelltng. Volksl ,
15, 7, 1.
Zwerg, tt»., s. Dwarg.
Zweske, n., s. Zwäske.
ZwSskezagel, m., s. Zwäskezagel.
Zwiebel, /., s. Zwickel.
Zwickel, hin und wieder auch Zwichel,
/., rote Rübe, Runkelrübe, Beta vul-
garis L. Lit. swiklas (bei Pierson,
Matth. Prätor., 149: czivikla), lett.
hnklsy poln. iwikla. Nsslm. Forsch.
3; Th., 214. Er hat Hände vne ^ne
Zwickel^ rot von Frost. Ei* ist von
der elften Zmckel die zwölfte Supp\
zur Bezeichnung entfernter Verwandt-
schaft. Oberland. S. Pritzel, 58.
Bock, 86. Hennig, 314. Vgl.
Bete.
zwicken, sw, 1. kneipen, einklemmen.
Jeroschin: und zwicten in (den Na-
bel) in den boum 62h. Pfeiffer, 290.
2. übervorteilen. Sie haben ihn gut
gezwickty ihn übers Ohr gehauen. 3.
nach Mühling mit klein geschlagenen
Steinen oder Ziegelstücken etwas aus-
füllen. Bock, 86. Hennig, 314.
Zwickholz, Pflzn., europäisches Pfaffen-
käppchen, Evonymus europaeus L, Ans
dem Holze werden Schuhnägel, Zwicken^
Zwecken verfertigt. Hagen, 259.
Bock, Nat. m, 176. Pritzel, 150.
Zwieback, 9n., Taschenuhr; Scherz-
bezeichnung.
zwiebeln, sw.^ peinigen, plagen, quä-
len, wie die Zwiebel das Äuge zu
Thränen reizt. Sie haben ihn im Examm
gut gezwirbelt Ich tcill die Meinigen
so lange zwiebeln^ bis sie in Aminen
Eigensinn einwilligen, Soph. R. VI, 214.
In Hessen auch ztcibbeln. Vilmar,
474.
ZwiedUster, n., ^. TwedTster.
ZwTfel, /., s. Zippel.
zwingen, sty überwältigen, nieder-
kriegen. Er zmngt ihn^ er wirft den
schwachem Gegner zu Boden; auch
bezwingen. Er hat ihn bezwungen. Ich
kann es nicht (mehr') bezwingen, ak
Ablehnung beharrlicher Nötigung zum
Essen.
Zwirn, w., blauer, Kombranntwein.
Hei di dittum, blaue Twem^ bost mn
Mann, on seh dl gern! Volksr., 251^
870. In gleichem Sinne auch im
Brem. Wb. I, 96, und bei Schützel,
112.
Zwirnsfaden, m., Zwimfaden.
Zwirnwurm, m., Fadenwurm, der das
Ansehen einer Darmsaite hat, daher
Saitenwurm, 6o7'rfM«. Mühling, Tiem.,
179.
ZwOlfschlunk,pltd. Twelf8chlunk,Twelfte-
SChlunk, m.y Schlunk, Schlund, der für
zwölf schlingt, Vielfresser, Nimmersatt.
Vgl. Schlunk.
Zwölfstrlfzel, /., pltd. Twelfrtrifzel, j\
s. Strtfzel.
Zwölften, /., Zeit der zwölf Tage
zwischen Weihnachten und dem hol.
drei Eönigstage, 25. Dezember bis
Zwölftenascbe.
503
6. Januar. Nach der Yolksmeinung
entspricht jeder dieser Tage der Witte-
rung eines Monates. Lichte Zwölften^
dunkle (volle) ScJieunen; düstre Zwölf-
ten^\ lichte (leere) Scheunen. In den
Zwölften darf nicht gesponnen, nicht
gemangelt, nichts geliehen werden, sonst
kommt der Wolf in die Herde; auch
darf der Dünger nicht aus dem Stall
und der Kehricht nicht aus der Stube ge-
schafft werden (letzteres namentlich nicht
in dem Hause eines Hirten). Der Keh-
richt wird später zu Asche verbrannt,
und diese ZwOlftenasche ins Saatgetreide
gemengt, wodurch man eine gute Ernte
erzielt. In den Zwölften fahren auch
die Wencölfe aus. Wenn in den Zwölf-
ten in einem Dorfe jemand stirbt, so
sterben im Laufe des Jahres 12 Per-
sonen in demselben Dorfe. Es ist in
den Zwölften^ man darf den Wolf nicht
nennen. Er hungert wie ein Wolf in
den Zwölften, Die Winterkälte treibt
die Wölfe aus den Wäldern in die
Nähe der Dörfer; doch treten sie gegen-
wartig in unserer Provinz nur noch als
Gäste aus Polen und Rufzland auf.
Das erstere Sprichwort gebraucht man,
wenn man Scheu trägt, den Namen
dessen zu nennen, von dem man Scha-
den fürchtet. Sprw. I, 1763. 4196. 4197.
N. Pr. Prov.-Bl. VI, 214. Hexspr.,
135. 143. Bock, 86. Hennig, 315.
ZwOlftenasche, /., s. das vor.
Nachträge und Berichtigangen.
Zum ersten Bande.
A.
a(la) klingt im provinziellen Hoch-
deutsch oft bmg: arbeiten^ Arbeit^ arg,
arm, Arm, Arzt, Arznei (davon ärzt-
lich mit langem ä); bärmlierzi^y darben^
erbarmen, Garbe, Gärriy Gärten (Plural
GärteUj auch Gärte — d lang — ), Ge-
genwart^ Härm, Gemäch, karg, Narbe
etc.; d klingt kurz in: schmal (scbmall),
davon schviäller statt schmäler, erschrack,
a, ä, interj,, auch in Verbindung mit
wo: a WO, ä WO, Zweifel oder Verwun-
derung ausdrückend, in dem Sinne von :
ach warum nicht gar, nicht möglich?!
Üblicher jedoch i wo. Vgl. ä wo.
ä (1 b), wird hochdeutsch auch falsch-
lich lang gesprochen: sätigen statt sd^-
tigen, nachlä/zig statt nachlässig, gegen-
wärtig,
aalen, sw., sich, sich wie ein Aal
kräftig und wohlbebaglich 'winden und
wenden; s. älen.
Aalschnur, f, 1. Schnur mit Angel-
haken zum Aalfange. Vgl. Aalangel.
2. Exkrementhaufen. Er hat Aalschnur
gelegt Sprw. I, 1098.
Aaskaule, /., s. Schinnkaule N.
abarbeiten (4b), auch: eine schuldige
Summe durch Arbeit abtragen. Ma-
rold. Vgl. abspinnen.
abbekommen, st^ ausgescholten wer-
den. Die hat dafür gut abbekommen.
abbluten, nltd. afblOde(n), sw., ver-
bluten, veroluten lassen, schlachten.
öck war de Hener altk noch aßlöde,
ich werde die Hühner gleich noch
schlachten, sagte eine ßäueriu zur Haus-
frau, als sie ihre Huhner verkauft hatte.
Kgsbg.
Abedillendok, Med., Opodeldok.
Abendbrot (5 b), oft auch AbenbroL
Abendschlag, m., s. Letzte N.
aber (6 a), oft auch aberst, abencM,
awerscht, awarscht Verwechselung mit
oder (s. d.): Wirscht horchen aber nei,
wirst du gehorchen oder nicht! Finf
aber sechs Stück.
abgnupsen, »w., s. gnuffen.
abgOnsfa'g, od/., abgünstig, neidisch.
abhalsen, sw., s. aufhalsen N.
abhauen, sw., das Getreide mähen.
abkeilen, sw., Schulerausdruck: 1.
schriftliche Arbeiten absehen, abschrei-
ben. 2. Zeichnungen, Karten durch-
drucken, durchpausen. Nach Schmidt
für 1 auch abkloppen, abklopfen; nach
Frey tag für 2 abknUllen, durchknllllen,
durchknailen.
abklünzen, sw. 1. Böttcherausdruck:
den kranzartigen Bodenrand eines Uolz-
gefai'zes (Eimer, Tonne), der morsch
geworden, abnehmen, wegschneiden,
und den Boden etwas höher in einen
neuen Einschnitt einfugen; also s. v. a.
abkrösen (s. d.). 2. nach Marold auch
= abgrenzen (s. d.); doch dürfte in die-
sem*-Sinne k wohl nur sehr vereinzelt
gehört "werden.
abkratzen (8a), auch: beschämt da-
von gehen. Ebenso in der Niederlaus.
Anton, 7, 3.
abkündigen, sio.^ von der Kanzel herab
die bevorstehende Verbindung eines
ablaufen — allschoDst.
505
Brautpaares kund thun. Wann der
Bteuügam nach alter löblichen gewonheit
kostung machen icilly sal er »ich den
Sontag wann er abgekündiqet tvirt dem
Bürgermeyster anzeigen, Kleid.-Ordg.,
375. Gewöhnlich aufbieten (%, d.).
ablaufen (9a), durch Lauten, zahl-
reiche und wiederholte Besuche^ andere
müde machen, gleichsam abnutzen; für
sich etwas zu erreichen trachten. Er
läuft dem Teufel ein Ohr ab^ der Stellen-
jäger.
abmergeln (9 b), in der gegebenen
Bedeutung richtiger auf nd. marken
(Schamb., 138 b) zurückzuführen. Vgl.
Weigandn, 77.
abpftsern, sw,^ s. p&sem.
abpfeifen (10 a), nach Marold über-
haupt die iStunde durch Pfeifen an-
zeigen; in Kgsbg. jedoch nur in betreff
der letzten Stunde.
abplustem, sw.y s. plustern.
abpochlonschen, sw.^ lungernd um
Speise betteln; von dem poln. pochion
Vielfrafz. Oberland.
abraizen, sto., s. ratzen.
abrutschen, str., sterben.
abschieben, st, s. v. a. abschauben 2.
Er mujz abschieben^ un verrichteter Sache
abziehen. Schieb a6, mache, dal'z du
fortgehest!
abschinden, -schingen, st, sich, sich
eine Hautwunde zuziehen; sich abquä-
len. Vgl. schinden.
abschlubbem, sw., sich, sich abschüt-
teln, von sich schieben, fem halten.
Sich die Arbeit abschlubbem, sie von
andern ausführen lassen. Saalfeld.
abschrecken (IIb). Beleg zu 1: Die
Hühner vom Beete abschrecken, verjagen,
indem man sie erschreckt.
absolut, adv.^ durchaus, schlechter-
dings. He (der Eber) umll abs'lut nich
öm Stall rin. Samland. Vgl. partQ.
abspinnen, st. 1 . den Vorrat an Flachs,
Wolle etc. von der Puppe fertig spin-
nen. 2. durch Spinnen eme Schuld ab-
tragen. De Uwe Gottke ward et betäle
on de Grofzmutterke afsponne. Vgl.
abarbeiten N.
abstaken, sw,^ s. stäken.
absund, adv,^ absonders, abgesondert,
besonders. Ich mufz den Schorscht
(Eaminofen) un auch den Oben (Zim-
merofen) absund hitzen, Saalfeld.
abtreiben (13a), nach Marold auch
intrans. schnell weggehen, also gleich
dem allgemein üblichen abziehen. Vgl.
abschauben.
Achtehalber (14a), oft auch Achthalber,
Achtalber.
Achtzehner (14b), gewöhnlich Ach-
zehner. [Ebenso spricht man a^hzig
statt achtzig.]
Ackerpfrlenrien, m., Pflzn.,Färber-Wau,
Reseda luteola L. Hagen, 497. Pritzel,
328.
Ackerschnriele, /., grofze, s. Taugras.
adchfi (15 b), gewöhnlich im Dem.
adcheche^ adgeche; in der Kindersprache
auch adJdä.
Adebar (16a), zu lesen ist: ahd. ode-
bero, mhd. adebei*o, ahd. u. alts. beran.
äderkauen (17a), nach v. Auer im
Samlande auch oderkauen.
Adjudant, m., Adjutant.
adrett, adj.y aus dem franz. adroit^
gewandt, wohlaussehend, propre, stramm
gekleidet. Dat ös e adretter Kerl,
Afkät, m.y Advokat. Er spuckt wie
ein Afkät, der Verschleimte.
Ahlkirsche, /., s. Faulbaunri N.
ahnden, sw., ahnen. Da» ahnd mir
schon, da/z es so kommen würde. Vgl.
Grimm, Wb. T, 193.
Akebosade, /., s. Argepassarge N.
akkedieren, sw,, akkordieren.
alart, adj., aus dem frz. alerte, be-
reit, auf dem Platze, zum Ausmarsche
fertig.
Alebasterpulver, Medik., Conchae prae-
paratae,
alen (19 a), 1. dien, pltd. dien,
Alkirschbaunri, m.^ s. Faulbaunri N.
allgewalt, adv., mit aller Gewalt, un-
ter allen Umstanden, durchaus. Er
vmll partu un allgewalt ins Zimmer,
Saalfeld.
allmachten, »w., im Bett sich ruhelos
umher werfen. Er hat die ganze Nacht
feallmachtet ^ der Kranke, der keine
Luhe fand. S. verallmachten.
Allmodengasse, /., Strai'zenname in
Danzig = neumodische Gasse, Strafze
ä la mode Löschin, 47.
allschonst (20 b) steht fehlerhaft mit^.
506
allweg — Apfeldumke.
allweg (21 a)^ auch : auf alle Fälle.
almodisch, adj. == ä la mode, neumo-
disch. Bei Stein, Peregrinus X, 5:
almodische J ecken, W. MtsbL V, 158.
alskalbern (21 a), für die Ableitung s.
kalbern.
Alte (21a)^ für 1. auch Altche.
AltelOröl, AntelOröl, Medik.. Oleum lau-
nnum unguinosum,
Alter (21b), als vertrauliche Anrede
der Frau an den Mann: Alterchen.
altern, sw,^ altern. Was sind sie ge-
altert!
anriend (23 a), auch ameng.
ampeln (23 a). Nach etwas ampeln,
begierig nach etwas greifen, streben.
V. Au er. Vgl. angeln.
Amizel, /., Vögeln., Amsel.
anbelken, »w., anbölken, laut mit hef-
tigen Worten anfahren = anbellen. S.
belken.
anbraten, st., leicht braten lassen;
bildlich: etwas oberflächlich behandelu,
in eine Frage nicht gründlich eindrin-
gen. Schmidt.
angeben (24 a), auch toben, wüten.
Der giebt so an, da/z es bis auf die
Strafz^ zu hören ist. Saalfeld.
Angeritze, /., s. Ul.
angewandt, im Volksmunde = unguen-
tum in verschiedenen Medikamenten.
anhaggern, sw., s. haggem.
Anhängsel, 7i., Anhangendes, Gefolge.
Eine Witwe ohne Anhängsel, kinderlos.
Anlsftster, m., Gewürzer. Schmidt.
ankolken, sw.^ anreden; von einem
lästigen Menschen. Schmidt.
Ankumft, wi., Ankunft.
anlaufen (27 a), ursprünglich militäri-
scher term. techn. für angreifen; Gegen-
satz ablaufen = zurückgeschlagen wer-
den. Freytag.
anleckern, sw., si^h, bestrebt sein, sich
einzuschmeicheln. Gortzitza.
anmachen, siv. 1 . anlehnen, zumachen^
schliefzen. Di£ Thür — die Fenster-
laden anmachen. 2. anzünden. Fetter
anmachen. 3. herrichten. Salat an-
machen.
anmandOren, sw., s. einmandtren.
anmelem, sw., s. bemeiem N.
Annmarie, w. Vom., Anna Maria.
anno (27 b). Im letzten Beispid L
Anno.
anpesern, sw.y s. päsem.
anpettem, anvettern, 9w.y sich, sich
einzuschmeicheln suchen. Mar cid.
anplndeln, -pingeln, sw., s. pUngeln.
ansäfzig, adj., die ursprünglich rich-
tige Form, ansässig. S. safzhafL
Anschlfz, m., anscheifzen, sw., s. Schib.
Anschlag, m., s. Letzte N.
anschmeifzen (29a). Dies Spiel wird
in Königsberg mit Knöpfen und na
Knöpfe gespielt, wobei besondere Fest-
setzungen über den Wert der Abstände
bestehen: Spanne und Daumenbreite;
berühren zwei Knöpfe einander, so
brennt es, und der Besitzer des ge-
troffenen Anschmisses befindet sich in
gröi'zerem Verluste. Stücke von Messer-
klingen sind in Königsberg zum An-
werfen nie gebraucht worden; auch ist
der Ausdruck awpWnvmen für dies Spiel
hier unbekannt, Rosenkranz wird ihn
von seinen Studenten aus der Provinz
überkommen haben. In Gumbinnen
wird (vgl. die Rezension der 1. Liefe-
rung des Wb. in der Kgsbg. Härtung.
Ztg. 1882. No. 55. Erste Beilage.) djß
Anschmeifzen mit zerbrochenen Messe^
klingen genau nach der Angabe von
Rosenkranz gespielt: die Abstände
sind dort: Spann (die ausgespannte
Hand ) , Daumchen ( Daumenbreite ).
Druffke (eine Klinge liegt auf der an-
deren). In der Tilsiter Gegend heilzt
das von Rosenkranz anplimm^n ge-
nannte Spiel Pinkerling QKossinna), in
Westpr. penschen (s. d.).
anspafzen, sw. Einen anspa/zeuj ib
um eine Kleinigkeit in Freundschaft,
aus Seherz bitten: um eine Cigane,
ein Schnäpschen etc. Vgl. kiiUiken N.
anstaffieren (30b), s. ausstaffieren N.
AntelOröl, n., s. AltelörOI.
Antoniuskraui Sankt, Pflzn., schmal-
blättriger Schotenweiderich, Epilobium
angustifolium L., auch Weidenrüscben.
Pritzel, 139. Hagen, 408.
anvettern, sw., sich, s. anpettem N.
Apfel, Appel, Appel,^77i., ApfeL
Apfeldumke, plur., Apfelklöize, Eloiu
worin zerschnittene Apfel gethan wer*
äpfeldwatsch — aufreifzen.
507
den; sie werden, mit Zucker und Zim-
met überstreut, in zerlassener Butter
gegessen. Treichel, Volksth. III.
äpfeldwatsch, pltd. äppeldwabch, ad}.,
nicht recht bei Sionen.
Apotheke (31 b), auch hchd. Aptheke ;
ebenso Aptheker.
Appelquint, Medik., Colocynthk,
Aprillen, n., auch Aprilschicken, April-
{'agen. Man erlaubt sich am 1. April,
lin und wieder auch am 3., mehr wie-
der am 30., andern unglaubliche Dinge
mit der ernstesten Miene zu erzählen,
oder sie nach unmöglichen Dingen zu
schicken: der Pregel brenne; Mücken-
fett, Blauzwirnsaat soll aus der Apo-
theke geholt werden etc. Der Ange-
führte wird mit dem Rufe geneckt:
April^ April! oder Aprils April! Ich
kann dich nari*en^ vde ich itrill! Vor-
zugsweise in Kinderkreisen beliebt. Vgl.
Volkskal., 76.
Argepassarge, Medik., Arkebusade,
Mixtur a vulneraria acida. Auch Ake-
bosade.
^Arme, plur, von Arm, Mit blofze
Arme, v. Au er.
Armee (32 b). Zar grojzen Armee ge-
hen = sterben, wohl aus dem Jahre
1812, in dem la grande armee in Rufz-
land umkam. Frey tag.
Armesin, m., besserer Kleiderstoff in
älterer Zeit. Viol^t, 178.
arret6re(n), sw,^ arretieren, festnehmen,
verhaften. Se hebbe em arretert^ nie:
8€ hebbe em vei'hafft,
Arschkerbe, /., früherer Strafzenname
in Königsberg, s. Burgfreiheit N.
Arwst, w., Herbst, engl. Iiarvest, Gor-
dack. Üblicher ist jedoch pltd. Harwst
Äsche, /., Fischn., s. Nase.
Aschenfett, n., Medik., Oleum Jecoris
Aselli flavum.
Aschenpacker, m., nach Hirsch, 217,
wohl gleichbedeutend mit Aschbräker.
Aschpflanze, /., Cineraria maritima L.
Weichseldelta. Treichel, Volksth. HL
ätsch (34 a) in 2. Bedeutung wird
vielfach kurz gesprochen.
attackieren, sw,^ sich leidensöhaftlich
benehmen, wüten; auf jemand einwir-
ken wollen. Saalfeld.
Attan, m. jüd. Vom., Natan. S.
NQ(zen.
au (34b): Z. 1 ist zu lesen: bleibt
im Plattdeutschen au.
aufbakebSren, aufpackebSren, sw,, je-
mand eine Last aufnötigen. Saalfeld.
Vgl. BakebSren.
aufbansen, sw,y aufschichten; auch re-
flexiv: sich etwas aufbansen^ aufladen.
Vgl. Banse.
aufdrOseln, »w,^ s. v. a. aufdrisseln. Im
Oberlande auch auftröddeln.
aufdrUcken,82^., durchprügeln. Schmidt.
Auferstehungsbaum, m.^ verschieden-
farbiges Schief blatt, Begonia discolor R.
Br, Treichel, Volksth. HL
aufhalsen, sw,^ sich^ sich etwas auf-
bürden, auf den Hals laden. Da hob'
ich mir eine gute Geschichte aufgehalst
Gegensatz: abhalsen, entlasten; ab-
streifen: das Pferd hat sich abgehakt^
den Halsriemen abgestreift.
aufkepsen, sw,, in Kepse (s. d.) setzen,
häufen, aufhäufen. Keps dir nicht so
viele Kartoffeln auf den Teller, Saal-
feld.
aufkniwein, sw,^ durch Kniwein (s. d.)
Verwickeltes entwirren, einen Knoten
auflösen. S. aufpUngeln N.
aufkommen, st.^ bestehen im Streit.
Mit de7ti kann er nicht aufkommen, der
wirft ihn nieder, redet ihn nieder.
aufmachen, sw,, herrichten, in Ord-
nung briogen. Ein Bett aufmachen,
es für die Nachtruhe herrichten, wobei
das Deckbett zurückgeschlagen wird.
aufmintern, sie, aufioiuntem.
aufpackebSren, siv., s. aufbakebSren N.
aufpäppeln, sw., s. pappen.
auf pIQstern (37 b); auch aufblasen : vom
Kalbfleisch etc. v. Auer.
aufpullen, sw., s. pullen,
aufpulstern, sw., s. v. a. aufplustern.
aufpUngeln (37b), nachMarold auch:
einen Knoten mühsam auflösen. Vgl.
aufkniwein N.
aufputzen, sw,, s. putzen.
aufrabasteln, sw,, s. rabasteln.
aufreifzen, st, den Mund, das Maul
weit öffnen zu Schimpf- und Tadel-
reden. Er rei/zt sich das Maul bis an
die Ohren auf.
508
aufruscheln — ausmergeln.
aufruteheln, sw.^ s. ru§cheln.
* aufschmirgeln, sw., s. schmirgeln.
auf schönen (38 a), auch reflexiv: es
schönt sich heute noch auf,
aufstäken, sw.^ s. stäken.
auftonnen, sw.^ durchprügeln. Ich hab^
ihm gehörig was aufgetonnt Darkeh-
men. Schmidt. Vgl. aufdrucken.
auftröddeln, sw.^ s. aufdröseln N.
auftubbern, sw,^ nach Marold auch
= verzögern. S. tobbern.
Augenbran, /., Augenbraune. So schon
bei Herder. Vgl. Grimm, Wb. I,
804. Weigand 1, 92.
Augennichte, n., s. Nichte.
Augenwurz, Pflzn., s. Waldheelin.
ausarbeiten, sw,^ sich, sich müde ar-
beiten. Wenn der Mensch sich ausgear-
beitet fuxt^ so hat er auch Appetit zum
Essen.
ausbauern (40 b), im Ermlande und
Oberlande auspauem, abwirtschaften.
ausblasen, st^ s. ausklingem N.
ausbrUcken, sw., pflastern. Den Stall
au^sbrücken, ihn mit Brettern pflastern.
Vgl. Nsslm., Dainos, 196.
ausdrehen, sw., ausdrehen, auswinden,
ausringen, auswringen; die Wäsche,
nasse Tücher.
ausfenstern (41a), zunächst jemand
aus dem Fenster Vorwurfe machen.
Vgl. den süddeutschen Gebrauch des
fensteiTis. Freytag.
ausfeuern, 8u*., schlagen, ausschlagen.
Pferde feuern aus. Ich werd! dir gleich
eins ' ausfeuem^ eine Ohrfeige geben.
Saalield. Von feueim 2.
ausflammen, sm?., prügeln. Elbinger
Ndrg.
ausflitzen, sw,^ einen Ausflug machen.
Vgl. flitzen.
ausgeschlagen in ausschlagen (45 a).
Nach Frey tag bezieht sich der au^s-
geschlagene Tag nicht auf das Aus-
schlagen der Bäume, wie E. Forste-
mann meint, sondern auf das Aus-
schlagen der Turm- oder Wandutr.
ausgreifen, st^ ein Mädchen lüstern
angreifen; auch exgreifen. Letzteres
nicht speziell preulzisch.
ausklären, sw.^ sich,, sich aufklären,
heller werden; vom Himmel. Nu mird
das Wetter besser^ es klärt sich so schon
aus. Saalfeld. Vgl. UAren and iri-
schOnen N.
ausklauen, sw.^ die Klaue (s. d.) zom
Laufen gebrauchen, davonlaufen, ent-
fliehen. Der Spitzbube Idaute auSj ent-
lief dem ihn transportierenden Schutz-
mann. Kgsbg.
auskleiden (43 a), nicht allein bei E-
bing, sondern auch sonst in der Pro-
vinz gebräuchhch.
ausklingem, sw.^ amtliche Yerordnnn-
gen dem durch eine KUnger (s. d.) zu-
sammengerufenen Publikum bekannt
machen. Je nach dem Instrument heilzt
diese Art kleinstadtischer BekaIm^
machung auch ausblasen, austrommein.
ausklOkern, pltd. Qtklttkere(n), sw^ Ton
klok klug, ausklügeln, aushecken, aa&-
düfteln (austüfteln). Bei Prozessen
kommt es auf richtiges Ausidokem an.
Darkehmen. Schmidt.
ausklQwen, st/?., s. klOwen.
auskobem, sw.^ sich, s. v. a. erkowem.
auskommen, st 1. entstehen, aos^
brechen; vom Feuer. Wie ist das Feuer
ausgekommenf 2. verträglich leben, zu
behandeln sein. Mit dem kann num
auskommen^ läfzt sich leben. Es üt
kein Auskomm^en^ oder AtcskommenSy mit
ihm,
auslatschen, -lauischen, sw.,, s. latschen.
auslecken, »w., sich. Nach dem Hunde,
der seine Wunden durch Lecken heilt,
auch von einer zähen Mensch ennatnr,
die sich selbst hilft. Dem schadet das
nichts, der leckt sich aus.
auslenzen, sw,, s. Lindstock.
auslesen, st, lesen. Ich kann das
nic/U auslesen, ein schwieriges Wort
nicht fertig bringen. Schülerausdruct
Lötzen. Schmidt.
ausmachen (44 a). 3. ausschelten, aas-
schimpfen, Verweise geben (wie in Po-
sen). Öck mook er uk so hd/zlich vU
As dat schwarte Taschendook. Dorr.
65.
ausmelden, stt\, abmelden, entschul-
digen. Ein Schuler meldet den andern
at«, wenn dieser die Schule versäumen
muiz. Lötzen. Schmidt.
ausmergeln, sw,,^ kraftlos machen: den
Acker, sich selbst. Das ist ein cats-
gemergelter Kerl. Vgl. abmergein N.
ausmastern — Bammlack.
509
ausmustern (44 a), sich^ sich erb ölen.
auspauem, sw.^ s. ausbauem N.
ausplatzen, aw.^ schlagen, ohrfeigen.
Snalfeld. Erweiterung zu platzen 4.
ausrTstern, m\, s. rCstem.
ausschechten, »w., s. schechten.
aussitzen, st^ einen Stuhl, ein Sofa
durch Sitzen bleibend vertiefen. Für
Liv- und Estland bei Sallmann,
92 b.
ausspTlen, sw.y von M>eäen (s. d). Zum
kranken Kinde: Sptf doch dem Hei^m
Doktor das Zungchen aus!
ausstaffieren, sw.^ mit Kleidern aus-
statten, zur Reise ausrüsten; auch re-
flexiv. Ebenso anstaffieren. Marold.
Austletterwagen, m,, Erntewagen mit
hohen und langen Leitern. S. Leiter-
wagen N.
ausverschämt, adj,^ unverschämt. Das
wäre zu ausverschdmt
auswundern, sw.^ sich,, sich wundem,
verwundem, nicht aufhören können sich
zu verwundern. Ich kann mich gar
7iicht auswundeim^ beruhigen.
Aufzennehrung, /., der aufzerhalb der
Deiche liegende Teil der Nehrung. Die
auf der sogenannten Aufzennehrung^ im
Weichseldelta^ liegenden Dörfer hatten
von Versandungen viel zu leiden. Pas-
sarge ^ Balt., 103. Vgl. Aufzendeich.
ä wo, inierj. (47 b), s. a N.
ÄX (47 b), auch Äxt. Oberland.
äxern, sw., necken. Marold.
B.
b (47a) wird anlautend auch p:
Buckel Puckel^ Bündel Pandel^ Pungel.
baba (48 b), in der 2. Bedeutung ruht
der Ton auf der zweiten Silbe.
Babbichen. TrautBabbiclien^ sieh mich
an^ nach Pritzel, 61, in Ostpr. Name
für die gemeine Mondraute, Botrychium
lunaria Sw,
Backel (49 a). Berichtigend sei er-
wäbot, dafz Schabe und Keller wurm
nicht zu den Käfern gehören; doch
werden beide Backel genannt.
backern (49 b). auch bakem, bakerig.
Backmull, /., s. Mulle.
Badergasse, /., Straize in der Alt-
stadt Königsbergs, in welcher vorzugs-
weise einst Bader, Barbiere, Chirurgen,
gewohnt haben mögen.
Baga§ch (50 a), auch Packa§che (s. d.).
Bagatell, n., Kleinigkeit, ein Leich-
tes, das franz. bagatelle. Dat ös mt
man Bagatell; so stets und nie: das
ist mir ein Leichtes, v. Auer.
baggern, sw.^ eine Wirtschaft nach-
lässig fuhren, so dafz sie in Verfall
gerät. Marold. Vgl. baggern unter
backem.
Balte (50 b). Zur Ergänzung der
Ortsnamen seien noch angeführt Baiten
im Kr. Memel und Baitkciven bei Lyck.
bald, adv.^ beinahe, es fehlte nicht
viel daran. Ich war bald die'JTrepp*
^runterge fallen^ in einem Haare.
Baldgreis, Pflzn., gemeines Kreuz-
kraut, Senecio vulgaris L. Ostpreufz.
Pritzel, 374. Nach Hagen, 869,
Baldgreise,
Balditi, n., in der Fischersprache am
kurischen Haff das Klopfen, durch wel-
ches die Fische nach den Netzen ge-
scheucht werden; es geschieht mittels
der Rimen oder Bootshaken^ oder des
Baldas^ eines Stabes, der unten mit
einer Scheibe versehen ist. Lit. baldyti
stark stofzen, klopfen. Mühling.
Nsslm., Wb., 326a.
Baldrian, griechischer ^ Pflzn, blaue
Himmelsleiter, Polemonium coeruUum
L. Pritzel, 294. Hagen, 224.
Balg (51 b), in 2. Bedeutung auch
das Balg.
Balgen, plur. von Balg, die zur Orgel
gehörigen Blasebälge. Davon: Balgen-
treter.
Balinger, vi.^ kleines Schiff zur Ordens-
zeit. Danzig. Hirsch, 2(3^.
baller, als Teil von aller^ s. aller-
baller.
Ballrose, /'. , Schneeball, Vibumum
oüulus L. Weichseldelta. Treichel,
Volksth. lU.
Bammluck (a = a), m.^ Strohbündchen
510
Band — behitzen.
als Teil der imtern (vordem) Lage des
Strohdaches. Schirwindt. Lit. bam-
beluka% bamblukai^ nach Nsslm. Wb.,
320b, die Strohbündchen, welche längs
der First des Strohdaches angebracht
werden.
Band (52 b). Auch schlanke Birken-
äste werden zu Bandstocken gespalten.
Bank, /. AUe durch die Bank, alle
ohne Ausnahme.
Bank, /*., kleinere Genossenschaft in
der Artus brüdorschaft Danzigs. Die
Brüderschaft sonderte sich in den klei-
nen und gro/zen Hof^ jeder von beiden
wiederum in Bake. Die Aufseher und
Diener der Bänke hiel'zen Bankmeister.
Genaueres s. Hirsch", 202 ff.
Bär (54 a). Peter Bär mit der langen
Scher scheint in der ganzen Provinz
bekannt zu sein.
Barabas, m., grofzer ungeschlachter
Kerl. Gortzitza. Vgl. Barabaus.
Baranken (54 a), poln. baran Schaf-
bock.
Barb (54 a), Kürzung von Barbe.
Barbuschchen, 7i., Name für die Käfer
der Familie Coccinella, namentlich C\
septetnpunctnta. Gortzitza. S. bu§che.
BarkhOlzer, j^lur,, s. Pulpeinen.
barnausch, adj., nach Marold s. v. a.
bemautsch (s. d.).
Barnkraut, Pflzu., gemeine Bärenklau,
Heracleum sphondylium L. Ostpreul'z.
Pritzel, 180.
Barsch, 7W., Pflzn., Sumpf-Porst, Le-
dum paltcstre L. Rössel. Mühling.
barschen, barschen, sw, sich, s. pir-
schen.
Barse, /., Schiff zur Ordenszeit, ur-
Srün glich von geringerer Grölize.
irsch, 264.
Bärstkraut, n., s. Wedendunk.
Bartel (56a), nach Gortzitza Bart-
scher Rekel.
Bartlomä, m., Kürzung von Bartho-
lomäus. Op Bartlomä, am 24. August,
dem Bartholomäustage.
basseln, sw., umherschlendern und
nichts Rechtes vorhaben. Wie ist es
blo/z möglich, so 'rum zu basseln f Saal-
feld.
bateijönsch, ad/., aulzerordentlich, vor-
züglich. En bateljonsclier Kerl, ein
Mann, dessen Leistungen hervorragaid
sind, der allenfalls allein leistet, wss
sonst nur ein Bataillon ausführt.
Batze (57b), auch Patze (s. d.).
BauerknUppel, m., s. Knüppel.
Bau§chan(59a). Vielleicht Entstelloog
von Sebastian.
beaaseln, sfio., beschmutzen, s. beaastti
beda§eln, sw., von Schlägen an dea
Kopf (s. Dasei) betäubt sein.
bedeuten, Sil?., deuten, deutlich madies,
erklären. Wart\ ich werd^ dif^s bednh
ten, sonst weifzt du vom hellen^ Uchtt^
Tag nichts. Saalfeld.
bedrippt (60b), in 2. Bedeutung aach
betreten, verlegen.
bedUstern, sw., \om. Düster^ dem Aheni,
der Finsternis erreicht werd^i- Wir
müssen machen, da/z wir nach Hause
kommen, sonst bedOstem tair noch.
befallen, st Sie ist befallen^ geschwän-
gert. Sprw. I, 69 b.
befimmeln, von fimmeln.^ hin und her
fahrend mit den Händen betasten, strei-
fen, abstreifen. Beßm^meV doch diete
Kmmähren! Wenn der Roggen blüht,
soll man drei Ähren stillschweigend
pflücken und befimmeln und das also
Gewonnene hinunterschlucken. Gut ge-
gen Fieber und Krankheit überhaupt
feaalfeld.
befingern, sw., s. fingern.
befleidern, st«?., geschmacklos und über-
laden ankleiden. Saalfeld.
befreien (61a). Wovel Jähr war eck
noch bltwe onbef rieht (onhefrigt)^ S-
Kuckuck.
begegnen, sw., mit dem Akkusatir:
Ich bin sie gestern begegnet,
beglamsem, sw., Frequent. von beglam-
sen, s. glamsrig N. Es tritt namentlich
im partic. auf, auch in übertragener
Bedeutung: Sie haben ihn gut begUtm-
sert, beschmiert, angeschmiert, betrogen.
beglarren, sw., mit grol'zen, stieren
Augen besehen = beklaren. S. glarreiL
begnupsen, sto., uneben, schlecht be-
schneiden, s. gnupsen.
begraggeln, sw.y s. schraggeln.
begrofzaugen, sw., mit grol'zen Augen,
verwundert etwas besehen.
begrUfzen, sw., bestehlen. Marold.
behitzen, sw., hetzen, behetzen. Jt-
Bein — besalzen.
511
mand behitzen^ einen Hund auf ihn
hetzen. Oberland. S. hitzen.
Bein, zubein seiriy pltd. tobm sön, auf
den Beinen sein. Uorr, Driewjagd.
£V* ist noch gut zubein^ marschiert tüch-
tig.
Beinwell, Beiwahl, Pflzn., gebräuch-
liche Wallwurz, Symphytum officinale
L. Hagen, 205.
BeKzerlinq, m., s. Woruschken.
Beiwahl, Pflzn., s. Beinwell N.
beizu (65 a), auch im Überlande.
bekitern, »w,, s. kltern (365) und N.
beknappsen, sic,^ durch Abknappen
etwas beiseite legen. Sie hat dabei
manchen Groschen beknappst
bekraggeln, sw,, s. schraggeln.
bekrisehen (67 a), von dem in der
Pfanne kreischenden Speck: bekreschte
Kartoffeln, Bildlich: Er loird dich schön
bekreschen. Jetzt bist du gut bekrescht^
angeführt, schmerzlich betroffen.
belämmern (67 a). In der Bedeutung
3 auch von Gordack bestätigt: jemand
belästigen, bedrücken, quälen durch
Umhalsen. Ebenso in Saalfeld: Kin-
der, belämmei^t (belästigt) mich nicht
immerwährend !
beleidern, ««?., von Leid, Klage = be-
klagen. Sie haben ihn sehr beleidert,
Saalfeld.
belesen, st^ s. lesen.
belupsen, sw.^ rupfen. Die Gänse be-
lupsen. Saalfeld.
Bemberlepp, /., s. BImberlippe N.
bemeiern, anmeiem, sw.^ übervorteilen,
betrügen. S. meiern.
ben\ef\gef\jSw.^sichy sich hineinmischen,
in eine Angelegenheit, ein Gespräch.
bemerken, partic. von bemerken.
bemuttern, sw., der Mutter gleich für
jemand sorgen, sich mühen.
benibbeln, sw.^ sich^ sich benebeln, be-
trinken. S. nippem.
beniesen, sw.^ durch Niesen bestätigen.
S. niesen.
benittem, 8u\, sichy sich beschmutzen,
beflecken. Wenn die Kinder Blaubeeren
essen, benittem sie sich das ganze Ge-
sicht
benötigen, su?., notig haben, bedürfen.
Geld benötigen. Ebenso in Estland.
Sallmann, 97a.
bepajen, sta., s. pajen.
bepladdem, stc., s. pladdern.
bepITsem, st^*., bezupfen etc., s. pitsern.
bepJOmpem, sw,^ s. plOmpem.
bepuffen, sw., mit Puffen aufbauschon;
schlagen, dafz es puflt. Mäk se sock
man op de Strömpe, sonst bevuf öck er
(ihr) de Flörr! Aus einem Manuskript:
„Die Berliner in Königsberg. "Schmidt.
beputzen, sw., s. putzen,
bequarksen, sw., s. quarksen.
Berapfel,^?^., Birnapfel, eine Art birn-
förmiger Äpfel.
berappen, stv.^ s. rappen.
berdauks (71a), s. pardauz,
bereden, sw,, verleumden.
bereihern, sw.y s. reihern.
bSren (71a), sich, auch: schwer tra-
gen, engl, to bear. Sei bert sick met
dem Holt^ sie plagt sich unter der Last
Holz ab. Gordack.
Berg, m,^ schiefer^ Strafzenname in
Königsberg, jetzt Bergstrafze.
.Bergerfische, plur.^ Fische aus Ber-
gen, welche zur Ordenszeit von dort
nacn Preufzen eingeführt wurden und
deren es mannigfaltige Arten gab. Un-
ter einer Schiffsladung aus 1423 be-
finden sich folgende Bergerfische: Halff-
tcassen^ Cropelinge^ Lothßsche^ Langen^
Lubben, Tydlinge, Rakelfische und Ore.
Danzig. Hirsch, 154.
Bergnelke, /., Pflzn., s. Seegras.
Bernstein (73 a), im Volksmunde auch
Bimstein.
Bemsteindreher, m., Bearbeiter,Drech8-
1er des Bernsteins. In Danzig nach
ihnen genannt die Drehergasse.
berschten, smj., bürsten; bersten.
Berstengras (73 a). Vielleicht s. v. a.
Bürstengras^ da Kinder die Kolben, so
lange sie noch fest sind, als Bürsten
benutzen. Da für Typha nicht nach-
weisbar ist, dafz dessen übermäfziger
Genul'z das Vieh zum Bersten bringe,
so könnte Berstengras wohl Name für
den Wasserschwaden Glyceria aquatica
Whlbg.^ sein, der blähende Wirkung
hat und in der Niederlausitz Platzegras
heilzt. Treichel, Volksth. HI.
besalzen, pltd. besolte(n), sw.^ mit
Salz bestreuen; doch auch ironisch:
das Brot ist gut besalzen y wenn man's
612
besammeln — bifzchen.
auf sandbestreuten FnCzboden hat fallen
lassen. Bildlich: Das ist ihm gut be-
sahen worden^ er hat für seine That ver-
diente Unannehmlichkeit gehabt.
besammeln, sw.^ benagen, abnagen:
das Fleisch von den Knochen.
beschämen, sw.^ vorhöhnen. Sie be-
schämten mich bei jedem Tritte, Nsslm.,
Dainos, 196.
beschicken, sw.^ besorgen, die Ge-
schäfte beenden ; mit einer Sache schnell
fertig werden, sie schnell verbrauchen.
Hast all die Pferde beschickt^ bedient?
Das Kind beschickt sich bald mit seinem
Weihnachtsteller^ bat die Näschereien bald
verzehrt. Sperber, 27.
beschlagen (74 a), in 2. Bedeutung
intrs. : sich mit Feuchtigkeit überziehen.
Die Fenster beschlagen.
Beschnitt (74 b), auch im Oberlande.
beschraggeln, sw., s. schraggeln.
beschreien (74b), in 2. Bedeutung: .
bedrohen, zur Ruhe weisen. Lärmende,«
zankende Kinder werden vom Vater
beschrieen ^ wenn die Mutter sie nicht
mehr zu bewältigen vermag: Beschrt
se doch e betke!
beschwaddern, sw.^ sich^ sich beim
Schwaddem begiefzen.
beseichen, sw,^ s. seichen.
Besemer (75 b), auch Besmer.
bestoppen (77a), sich^ sich langsam
und tüchtig vollessen.
Betengeher, pltd. Bedegäner^ m.^ Kon-
firmand. Vgl beten 2.
bethranen, sw.^ sieh^ s. Thran.
bethun (78 a\ pflegen, hegen. Ich
bethV meine Kinde)\ wo ich nur kann,
Saalfcld.
betoben, sw,^ betäuben, beruhigen.
Das Mittel half: die Schmerzen betobten,
Saalfeld. S. das folg.
betoten, pltd. bed6de(n), sw. 1. ab-
sterben. Das Bein betetet in unpassen-
der Lage, man kann beim Aufstehen
es kaum gebrauchen und fühlt darin
prickelnden Schmerz. Auch vertoten,
verdoden, gewöhnlich einschlafen. 2. zu
schmerzen aufhören. Zum Kiude, das
sich gestofzen hat: Laj'z nur betoten (den
Schmerz aufhören), dann ijoird's besser.
betrappsen (s. betrabbeln)^ einen bei
der That betreffen, erwischen, attrappie-
ren.
Beutelmehl, n., feines Mehl, weil es
durch einen Beutel gegangen und so
von der Kleie getrennt worden ist
Beutelschneider, m., Schweinschneider,
Kastrierer; unter Beutel ist hier das
scrotum verstanden.
bewunderlich, adj.y wunderbar.
Bezug, n., das Bett-y das Kissenbezug.
bezwingen, st,, s. zwingen.
Bibernelle, /., schwarze , s. Wurmwurz.
Bibi, m., Herrenhut, zunächst wohl
Biberhut. Berlinisch.
Bierholtsche Gasse, jetzt Beerholdsche,
Name einer Strafze in Danzi^, die
Bierholtsche^ BierhaUsche Gasse^ m der
Bierschenken lagen. Löschin, 44.
Bierschisser, m., s. Schi/z,
BijOn (83 a), auch Bijone, Bione, im
Weichseldelta Bijonnle, sonst auch noch
Klatschrose. Treichel, Yolkstb. m.
blllewT (83 b), halbpolnisch, nach poln.
byle jako erstwie. Damach aach Dille-
wer (83a) gebildet, wie poln. byle co.
Gortzitza.
Bimberlippe, pltd. Bemberlepp, /. Dt
Bemberlepp opsetten, schmoUen. Elbin-
ger Ndrg.
bimsen (83 b), in 2. Bedeutung hauen:
bims^ ihm eins! Kgsbg.
Bimstein, m., Bimsstein.
bin (83 b), auch im Oberlande darin,
drinnen. Du sollst bin (in der Stabe)
bleiben!
Bindfzunen, Ortsn., Dorf im Kr. Dar-
kehmen. Da kann einer Bindfzunen
sehen! von einer dünnen, wässerigen
Suppe, die man schöpft und langsam
aus dem Löffel fliefzen läfzt. Schmidt.
Birkenreizke, Birkling, s. RTzchen.
birschten, sw.^ s. bürsten N.
bischke (84 b), von dem poln. bysuk
(bys) Ochse, also Zuruf an den Ochsen:
byska! Gortzitza.
bTsen, sw.^ schnell eilen. Der tXsen-
bahnzug bist. W ohl = bisen, Schmidt
biizchen, adv. Das ist ein bi/zchen
wenig ^ zum Verkäufer. Weitere De-
minutivbildungen von bi/zchen: bissut-
chen^ bissuletzchen, bissuletzulchen, bis-
sululchen. Gortzitza.
Blangschett — Bordschaben.
513
Blangschett, n., Blankscheit, das franz.
planchette. Vgl. Weigand I, 203.
Blanke (86b), kurz Blank; im Ober-
lande aach die Eisfläche.
Blatt, n., 1. Blatt des Fufzes^ gewöhn-
lich in der Zusammensetzung Fufzblatt,
die Oberfläche des Fufzes, der Sohle
entgegengesetzt. Die Stiefel sind im
Blatt zu eng, 2. Dativ Blade, Vom
Blade spielen,
Blaugerber, m., Scherzbenennung für
den Lehrer. Vgl. gerben.
Blech (88 a). 1. dünn geschlagenes
Geld. 2. alberne Rede. Der BegriflF
des Dünnen, Geringwertigen ist das
tertium ccytnparationis. Zu den dünnen
Geldblechen sind die Blockstucke der
Gegensatz. Frey tag.
Bleichblume, /., Pflzn., ausdauernde
Malzliebe, Bellis perennis L., weil sie
auf Bleichen wäcnst. Saalfeld.
Blick (89 a). 3. falscher Blick, das
Schielen. Er hat den falschen Blick^
er schielt.
BITse, /., Windstofz; zugleich der von
stol'zweisen Winden plötzlich gebrachte
und schnell vorüberziehende Regen-
schauer^ oder ein derartiges Schneege-
stöber. Elbinger Ndrg. Wenn sich
eine Bltse erhebt, fliegt, nach der Volks-
meinung, der Teufel über den Schorn-
stein. Gordack.
blitzblau (89 b). Z. 9 v. o. 1. Blitz-
blau.
blofz (90b), auch zur Abschwächung:
Das ist blofz ein Unteroffizier.
blubbecn (90 b). Die ursprüngliche
Bedeutung von blubbern ist wohl der
eigentümbche Ton, der entsteht, wenn
ein Gegenstand ins Wasser geworfen
wird.
blühen (90 b). Man sagt von jedem
Wasser, es blühe, wenn es die grünen
Pflänzchen trägt.
Blutigel (91b), s. Eule N.
Blutkraut, -tröpflein, n., s. Wurmwurz.
Bobas, /., aus dem lit. bobä. Gen.
bobos^ altes Weib. Wer zuerst fertig
ist^ ist Kaiser und König, wer zuletzt
fertig ist, ist Dobas. Du bleibst Bobas,
als Letzter, Alte. Gambinnen. Litauen.
Bock (92a). 4. s. KriwQle.
Frischbier, Wört«rboob 11.
Bocksbeutel (92 b), in 2. Bedeutung
richtiger Boksbeutel^ von Bdk Buch.
BocKspeterlein, m., gro/z^ Pflzn., grofzer
Steinpeterlein, Pimpinella magna L.
Ostpr. Pritzel, 276.
. Boddem, Bodem, ^., Boden, der innere
Schiffsraum, in welchem sich die La-
dung befindet. Hirsch, 264.
Boddemwerk, n. , ein Rauch werk.
Danzig. 1438. Hirsch, 260.
Bohne, /. Bohnen haben^ Furcht haben.
Schwarze Bohnen, Gewehrkugeln.
BOIIan, m, Bauch. Masuren. Schmidt.
S. Bröch.
Bollard, »i., gröberer Kleiderstoff.
Ordenszeit. Hirsch, 250.
BollebUdel (94 b). 2. Pflzn., gemeiner
Frauenschuh, Cupripedium Calceolus L.
Treichel, Volksth. HL
Bollen, Pflzn., Silber-Pappel, Populus
alba L. Ostpr. Bolle, Belle, Beiz,
wohl von beilen = spalten, sansk. phal,
da diese Gattung das beste Spaltholz
liefert. Pritzel, 300.
Bollepeserick, m., s. Pesrick.
bOlsterig (95 a) kurz bOlstrig, steif,
hart, besonders von Zeugen, die, zu
Kleidern verarbeitet, bauschig sitzen:
verwandt mit sturr.
Bolzen, m., s. Sfreiehbolzen N.
Bombasseng (95 b), bei YioUt, 178,
Bonriasin.
Bonnitke, /., eine Art Mütze. 1438
kostete 1 Dutzend davon2Mk. 12 — 18sc.
Hirsch, 251.
bonteheln (96 b), in d^r Elbinger Ndrg.
bun§cheln und junicheln.
Bonske, Bunske, m., kleiner Kerl^
Zwerg. Oberland. Vgl. Bonsch.
Bootsmannsgasse , Strafzenname in
Danzig, Gasse der Bootsleute.
Bordiert, m., der Jahrmarkt acht Tage
vor Weihnachten, womit der gemeine
Mann den 24. Dezember bezeichnet.
Eticas auf dem Borchert gekauft haben.
Saalfeld.
Bordingsfeld, n., in Danzig auf der
Lastadie ein Feld, auf dem Bordinge
(s. d.) gebaut wurden. Hirsch, 212.
269.
Bordschaben (97 a), im Oberlande
Bordschoben, sing. Bordschob.
33
514
Borg — Bröch.
Borg (97 b), plur. BOrge.
Borgemeister, m., Bürgermeister.
Borschdorfer Apfel, m,^ Borsdorfer
Apfel; nach dem böhmischen Dorfe
Borsdorf, seiner wahrscheinlichen Hei-
mat.
Böshaken (99 a). Hände tote Bös-
haken haben, steif und blau gefroren.
Bössack, m., Zusammensetzung aus
Bös und Sack, wie Giftsack j s. v. a.
Bofzhawmel.
Botenge, /., Pflzn. = Potenge. Ostpr.
Pritzel, 387.
BotschwTn (100 a), auch Botschwin.
Bott (100a), nach Freytag in Nord-
deutschland allgemein als Bezeichnung
für die Leine am Kinderdrachen.
Bottchen, n , kleiner Bottich zur Auf-
nahme des Spülichts. Oberland.
Brabank, /., s. Bragebank N.
Brache, /., in Branntweinbrennereien
die Maische, nachdem sie zu Brannt-
wein ausgenutzt, die Schlempe. Sie
wird als Viehfutter, namentlich zur Mast
verwandt. Sack.
Brackan, Brokan, m., nach YioUt,
172 u. 178, Tuchart früherer Zeit.
Bragebank, Brabank, /., Platz zum Um-
legen auszubessernder Schiffe. Danzig.
Die alte Willkür bestimmt: Niemand
soll seine Schiffe „bragen^ odei* „stürzen^,
anders als auf der Bragebank, die von
der Stadt dazu gemacht ist, bei 10 Mar-
ken. Hirsch, 212.
bräken (102 a). In Danzig gab es
zur Ordenszeit folgende Brak-Institute:
HolzbrakCy Aschbrake, Teerbrake^ Pech-
brake,Hopfenbrake; uneigentlich Flachs-,
Hanf-, Kabelgam-, Kaudelgam- und
Honigbrake. Die betr. Bräker hatten
auf dem Platze, auf dem die Prüfung
geschah, ihre Amtswohnung, die Bräker-
bude. Hirsch, 215 ff.
Braksbrak (Brack 101 a)^ n., die schlech-
tere Sorte des ausgebrakten Holzes:
gutes Holz, Brak und Braksbrak.
Hirsch, 216.
Brandlottchenblatt, n., s. Lottchenblatt.
Branilge, n., entstellt aus Brennöl.
Gortzitza.
br&schen (103 a), davon Br&schhans,
Schwätzer, Renommist. Gordack.
Brätschchen, brätschig (104 b). Hei
geit brätschig, mit aasgebreiteten, ge-
spreizten Beinen: aus Schwachheit, wie
das kleine Kind, das Brätschchen, oder
aus Dummheit und Hochmut, wie der
sich überhebende Mensch.
Brausehe (105 a), auch hchd. BrOsch.
Brach (106 a), als Scheit- a. Schimpf-
wort auf ungezogene Kinder auch im
Oberlande; ebenso Brich.
brechen (106a), sich, sich erbrechen.
Brechung, m., Schimpfwort auf Kinder,
in dem Sinne von Schmierfink; aaeb
Brtling. Oberland. S. Brech, BrOch and
BrUhling.
Breda (106b) nach Gortzitza Bre-
dack.
Brei, /., statt der Brei.
Bremsenkopf (1 07 a). Ehemänner,
denen die Kinder fehlen, make lAter
Bremsekaop, machen lauter Bremsen-
köpfe. Sack.
brennen (107 b). Das Partie, zur Be-
ziehung der Innigkeit, heftigen Ver-
langens. Ich bin dir brennend gut
Das esse ich brennend gem.
Brennkraut (107 b), auch knolliger
Hahnenfufz, Ranunculus btilbosus L.
Ostpr. Pritzel, 324. Nach Hagen,
583, auch Krähenfufz u. RUbenhahnenfufL
Brennsuppe, f, Suppe aus Wasser und
gebrannten Mehlklümpchen; feiner zu-
bereitet, mit einigen wenigen Spirkel-
chen überbraten. Sie heilzt ge^v^öhnlich
Prachersuppe.
Bresilgenholz (107 b), auch kurz Bre-
silge.
BrNing, m., s. Brechung N.
Brimm, Pflzn., Pfriemen, Sarothamnus
scoparius Koch. Westpr. Hier auch
die Redensart: Auf den Brimm gehen
— kommen, verloren gehen, d. h. auf
eine Stelle kommen, die solch schlechten
Boden hat, dal'z nur der Pfriemen wächst.
Treichel, Volksth. U.
brTschen (108 b), in 2. Bedeutung
schlagen, ohrfeigen. Segg hei docK
worom sien Ohl&r em georieschtf No-
wack, 55.
BrOch (109 a), im Oberlande auch die
Prech. Die Prech thut mir weh. Willst
schon wieder was in die Prech haben?
In Zusammensetzungen noch Dickbrttch,
Speckbritch. Der Dickbröch heilzt auch
BrockloBengasse — bfirsten.
515
Brüchling. Dat os 0 rechter Bröchlina.
Vgl. Brechung N.
Brocklosengasse, Stralzenname inDan-
zig, von Brak Hose, Beinkleid, also
die Sansculottengassc, wahrscheinlich
Spottbenennung. Löschin, 46.
Brök (109 b), Z. 3 bis Rock.
Brokan, m., s. Brackan N.
brosch, adj.^ spröde, brüchig,[_ brockig
(s. d.); wohl aus brechen, pltd. breken.
Elbinger Ndg.
Brot (110 a), plur. Brode.
Brotknecht, m., s. Handelsknecht N.
browSren, sw., aufbegehren, räsonnie-
ren, zanken; wohl von franz. braver
trotzen. Se (die Dienstleute) weeten
nuscht, as bloot broweeren. Dorr, 14.
Vgl. bravieren.
Brflch, m., hchd. Form für Brök.
Bruchrelzke, n. u. m., s. RTzchen.
Bruchwurzel, Pflzn., s. Wolfsbohne.
Brflse, /., von bnhen, brausen. Scheibe
aus einem Stück Schiefertafel .'geschnit-
ten, in der Mitte mit zwei Löchern,
durch welche eine Schnur gezogen wird,
die man zusammenknüpft. Durch Dre-
hung und Zug bringt man die Scheibe
zu brausendem Kreisen. Spielzeug,
das die Volkskinder sich selbst fertigen.
Im Oberlande auch Brufehe.
Brustlatz (114a). VioUt, 171, hat
das Brustlapp, Brostlapp^ westenartiges
Kleidungsstück ohne Ärmel und Kragen.
Brut, /., s. Strich 3.
bubenzen, sw.^ schmollen, mucken,
bocken (Gordack), wohl auch buban-
zen, wovon das Adj. bvbanzig (114 a).
Gordack erklärt noch: wie ein Popanz
(Bubenz) in der Ecke stehen.
Buche, /., Buche.
buddeln (115 a), in 3. Bedeutung von
Gortzitza oft gehört.
Budschwlng, /., s. v. a. Botschwin 2.
bUffeln, sw., ß. pUffeln.
Bulle, /'., s. Solders.
Bullebaus, m., ein der Figur nach un-
geschlachter^Mensch. Gortzitza.
Bullenkalb, n., s. Kalb N.
bullern (117b), rollend poltern, ru-
moren. Das rollende Fa/z btUlert. Es
bullert mir im Leib.
Bums (118 b), auch Bums-, Bomskeller.
Bundmacher, m., Kürschner, richtiger
Buntmacher. Hirsch, 318. Das Pelz-
werk wird unterschieden in Bunt- und
Grrauwerk.
bunteheln, sw., s. bon§cheln N.
Bunske, m., s. Bonske N.
Buntzeug, n., buntfarbiges Gewebe,
wie es namentlich zu Bettbezügen her-
gestellt wird. Gortzitza.
Burgfreiheit, /., Stadtteil in Königs-
berg, der zum Schlosse, der herzog-
lichen Hofburg, gehörte und aufzerhalb
der Grenzen der drei Städte: Altstadt,
Kneiphof u. Löbenicht, lag. Die Be-
wohner der Freiheit (s. d.) waren Be-
dienstete der Burg und hatten gegen
die Städte keinerlei Verpflichtung. Zur
Burgfreiheit gehörten: der Alünzplatz;
die Junkerstra/ze, welche mit Einschlufz
der heutigen Poststs'q/'ze bis an den
Steindamm reichte, als Wohnsitz der
herzoglichen Hof bedienten ; die Theater-
strafze, in älterer Zeit, als ihr noch der
Ausgang nach dem Paradeplatz fehlte,
Kehrtoiederstra/ze^ vor 200 Jahren Arsch-
kerbe^ weil der Rinnstein in der Mitte
der Stralze lag; die französische Straf ze^
Ansiedelung der französisch-reformierten
Flüchtlinge, welche am Ende des 17.
Jahrhunderts hier Aufnahme fanden;
der Burakirchenplatz, früher der refor-
mierte oder deutsch-reformierte Kirchen-
platz ; die Kasemengasse^ früher Stallen-
gasse, weil den Hofbedienten daselbst
rferdestalle eingeräumt waren; der
Königsgarten (jetzt Paradeplatz) als
landesherrschaftlicher Garten, teilsLust-,
teils Hetzp^orten; die Prinzessinstrafze^
in der die herzoglichen Damen ihre
Residenz gehabt haben sollen. Hoff-
heinz, Strai'zenn., 601 f.
Burgkirche, /*., die zur Burgfreiheit
gehörige deutsch-reformierte Kirche,
welche seit 60 Jahren den Namen Burg-
kirche auf hohem Befehl führt. Hofi-
heinjz, Strai'zenn.^ 601.
Burjack, m., hinterlistiger, falscher
Mensch. Königsberg.
burschtig, adj.y borstig, ärgerlich.
bürsten (121a), auch bUrschten, birsch-
ten. Ich birscM ihm eins, oder (aber)
da strompeli er auch forts.
33*
516
Buse — Ddsel.
Buse, /., eine Art Schi£F. Ordenszeit.
1430 wird eine Brise für 66 Mark ge-
kauft. Hirsch, 264. S. Busse.
Busem, ^., Busen.
Butte y w. Vorn , Kürzung von Bar^
bara. Vgl. Barb.
BUttelplatZy m., früher grofzer Platz
auf dem Steindamm, nach dessen Be-
bauung (seit 1811) nur noch als Reste
Heu- und Strohmarkt übrig geblieben
sind. Von Büttel^ Gerichtsdiener, Hä-
scher, Henker, Scharfrichter, da der
Platz ursprünglich der Scharfrichterei
diente. Hoffheinz, Stral'zenn., 603.
In Elbing giebt es eine BütteUtrafze,
Butterblume (123 a); vielfach auch
Name für gelb blühende Blumen über-
haupt.
Butterfrauenfrab (123 b). Es ist dtr
wahre Butter frauentr ab ^ wenn sie »
Markte gehn. Shakespeare, Wie
es euch gefallt. Akt. 3, Sz. 2. Deutsch
von Schlegel.
Butterstaff, m., Stab im ButterfaTz.
Buxäde, /. Einen in Btixdde jagen,
ihm Furcht einflöfzen = ihn ins Boda-
hxym jagen.
buxen (125 a), in 2. Bedeutung stofzen.
Schaler buxen einander in der Sehd"
bank, geben sich Püffe.
bUxen (125 b). Er büate^ was er
bOxen konnte.
c.
ch (125a), Z.l statt „mundartlich" be-
zeichnender : plattdeutsch.
Christäuglein, vlur,^ vnlde, Pflzn., ge-
meine Lichtnelke, Lychnis dioica L.
Auch MargenrOslein und weifze Raden.
Pritzel, 223. Hagen, 485.
Christenmensch (127 a). In Z. 2 ist zu
lesen: dies fast jeder. Dem angeführ-
ten Beispiel stellt sich entgegen die
Redensart: das kann kein Jude aus-
halten.
Christiwundenicrauty Pflzn.,du^chlöche^
tes Hartheu, Hypericum perfaraüim L^
auch Jesuwundenlo-aut, Unsers Herrgotts-
wundenlcraut Ostpr. Hagen, 791
Pritzel, 187. Im Oberlande Christal-
blut Die zerdrückte Blumenkrone färbt
rot. Vgl. Treichel, Volksth. HI.
Christophelsicraut, Pflzn., ähriges Ohri-
stophskraut,^cto^asptcato//., auch Felle^
kraut Ostpr. Pritzel, 10.
Cikade (359 b), auch Cikat
D.
dabei sein, gegenwärtig, mit thäüg
bei einer Arbeit, Sache sein. Ich bin
schon dabei gewesen^ als Ablehnung bei
Nötigung zur Teilnahme an einer Mahl-
zeit.
Dachreiter, m., s. Kappel.
Dachsfett, n.,Medik.,Schweineschmalz.
däl (129a). Setzen sie sich dal! Na
seit di dal! übliche Aufforderung an
den Gast, Platz zu nehmen.
Däler, w.. Thaler. Zehn Däler,
Dalles (130a). Dalles heil'zt in Frank-
furt a. M. der Platz, auf welchem sich
Arbeiter, namentlich die von auswärts
gekommenen, versammeln und warten,
bis sie jemand dingt; der Dalles ist
also hier der Armen-, der Arbeitennarh.
Sack.
Damaschke, Pflzn., gemeine Nacht-
viole, Hesperis matronalis L. Weichsd-
delta. Bei Vil m o r i n DamaskerMumi^
franz. Damas u. Julienne des Damn.
ensl. Dames violet Treichel, Volksth.
III.
Damenspiegel, Pflzn., Coreopsis Hneto-
ria DC. Weichseldelta. Treichel,
Volksth. III.
dämmern (131a). Mit der Tkir
dämnieim^ sie heftig zuwerfen.
Dammstrafze, /., s. Millionendamm N.
DAsel (133 b), auch mit kurzem a:
Da§el.
da£z dich — Dormos.
517
dafz dich (134a), in dem Sinne von:
ich werdl dich! Dich soll gleich! Willst
du wohl! auch als Ausruf der Verwun-
derung, des Unwillens zu fassen; in
letzterem Sinne ein abgebrochener
Fluch: dafz dich (zu ergänzen: der
Teufel hole)!
Daumchen, n., s. anschmeifzen N.
daweg, adv.^ dorthin. Saalfeld.
Däz (134b), auch DOz.
deicht (136 b). DeichterKamm^ KAmm
mit engen Zähnen.
Deiwel, Deuwel, m., Teufel. Eor ihn
der Deiwel!
Deiwelhol. Zur Bezeichnung eifriger,
aufreibender Thätigkeit. Auf Deiwel-
hol fahren^ scharf zufahren, auf die Ge-
fahr, dalz die Pferde draufgehen, dai'z
sie der Teufel hole. Ein rfarrer, der
mehrere Brautpaare nach einander
kirchlich eingesegnet hatte, erklärte
sogar: auf Deiwelhol getraut zu haben.
Deiwelszeug, n., Teufelszeug.
deigen, »iv.^ s. v. a. dalgen (s. d.).
Schmidt.
denken (137a). Als Antwort auf
y^ich dachte^ auch: Ach was^ Kurr
(Kalkun) denkt auch ! oder Dachte sind
keine Lichte! S. Dacht
dennä (137a), auch dennfts, Dat
andre denna, später.
Deputant, m., s. Kämmerer N.
d6pen(137b). Z. 6 ist das erklärende
„durfte" zu streichen, da durscht wohl
als Umbildung von torste^ dem mhd.
prät von turren aufzufassen ist.
Dermits (137 b), auch DormOs, im Ober-
lande auch cunnu;s. Vgl. MOse.
Desem (138a^. 2. Pnzn., Centaurea
suaveolens Hort. Weichseldelta. Trei-
chel, Volksth. lU.
DSwken (138 b) nennt auch der Bött-
cher die Holznägel, welche die einzel-
nen Teile des Falz- oder Eimer bodens
zusammenhalten.
dick (138 b). Statt er thut sich dick
auch nur: ^ thut dick.
Dickbröch, m.^ s. BrOch N.
Dickerchen, n. u. m., s. Dickus.
Dickus (139 b), nicht bloi'z Gedanism.,
sondern allgemein.
Diebssack (139b). Gortzitza kennt
nur Dibsack (das i zwischen Kürze und
Länge schwebend) = Tasche.
Diener, m.^ Kompliment. Mach dem
Onkel einen Diener!
Dienergasse, /. Danzig. Elbing. Es
sind wohldie Ratsdiener gemeint, welche
ehemals in diesen Strafzen wohnten.
In lä^amhuTg Dienerreihe. !Förstemann,
StraCzn.
Dingerchen, Dem. von Dinger^ plur.
von Ding., zur Bezeichnung kleiner
Kinder. Das sind allerliebste Dinger-
chen.
Dings, n., Ding. Was willst du mit
dem Vingsf
disch, ad;\ müde, abgemattet; her-
unter, abgetragen. Ich Bin ganz disch.
Der Rock ist disch. Gordack.
dischkorieren, sw.^ diskurieren.
disentieren, pltd. disentSre(n), sw., aus-
reii'zen, fortlaufen, fr. d^serter.
DTsling, /*., Kopfschmerz. Saalfeld.
Vgl. dOseln.
disseits (i kurz), adv. u. präp. dies-
seits.
Dochtbinse, /., s. Ruteche.
Dochtgam, n., s. Klatten N.
Dölge (142a), in Mcklbg. Teige, Mi,
93 a.
doli (142a). Das wird imTner doller.
Als es gerade am dollsten regnete.
Dollpunkt, m., Punkt, in dem man
toll ist oder wird, Kaprice. Das ist
sein Dollpunkt^ darauf hat er seinen
Kopf gesetzt, das hält er eigensinnig
fest.
Donnernessel, /., Pflzn., zweihäusige
Nessel, Urtica dioica L. Ostpr. Ha-
gen, 991. Pritzel, 420.
doppelt (144 a), auch hchd. dobbelt
Dorant, Pflzn., Andorn, Marrubium
vulgare L ; doch irrtümlich vom Volke
auch farLychnis gebraucht. Ein Büschel
Dorant wird am Johannisabend (23.
Juni) über die Hausthür gehängt, um
allem Unheil zu wehren; ebenso bringt
man's gegen Hexerei in die Ställe und
legt eine Handvoll davon in die Krippe.
Saalfeld. Hagen, 629. Vgl. Tarant
DorfknUttel, m., s. KriwQle.
Dormentill, Pflzn., s. SchUrwurz.
DormSs, /., s. Dermits N.
518
dosig — düselD.
do§ig (144b)^ iai Oberlande auch
dostig.
dollig, adj.^ dumm, verwirrt, s. dOselig.
döt, dödig, ad},^ tot. Eine dodige
Krähe, Man hört auch toUg,
Dottemessel, /., Brennessel, Urtica
urens L., auch Itternessel. Saalfeld.
S. Hedder- und Hettemessel.
Drähn (145 a), in 3. Bed. Weüe, an-
dauernde Zeit. Einen guten Drähn ge-
schlafen haben^ eine lange Zeit.
di^meln, sw.^ schlummern; s. drimmeln
und drömeln.
dränen, sw , in der Gegend von Nor-
denburg s. V. a. drämeln^ drimmeln^
drömeln.
Dreckhäuser (147 b), Z. 3 1. Rotzber-
ger.
Drehung, w., gedrehter Peitschenstock
aus jungen Stammchen der Hainbuche,
Hasel oder Eiche, welche in Strähnen
zerteilt werden, die man zusammen-
flicht, während das Stammende ganz
bleibt. Westpr. In Ostpr. Drtjzel,
Geifzel^ Strt/zeL
dreibastig (148), dem Wortsinne nach
dreifach bastig (s. d.), also sehr grob,
plumi) (Kossinna, Gegend von Tilsit),
gewöhnlich jedoch in dem Sinne von
überklug, dummdreist = dreihärig und
si^bensinnig ,
Dreiblatt, /*., Pflzn., dreiblättriger
Biberklee, Menyanthes trifoliata L.
Dreidistel, /., Pflzn.^ s. StechwarL
Dreikant, ?/*., Knöterich-Same, s. Zaun-
raute.
drSmlachtig, adj.^ gedankenlos, träu-
merisch; von drrw^w. Gordack. Vgl.
lachtig.
DrSmshaube, /., s. DrSmskasten N.
DrCmskasten, tti., Schlafmutze, Schlum-
merkopf, von dremen träumen, schlafen,
engl, to dream. Auch DrSmshaube, /.,
Gordack. Vgl. DermSs.
DrSsch (149 b), auch im Oberlande
versteht man unter die DmcA die Brache,
das Brachland.
Drossel (152 b), in der Elbinger Ndrg.
Dro§el, Ende Band, Schnur.
Druffke, n., s. anschmeifzen N.
Dnimmel, /., Trommel, davon dnim-
nrieln.
Drunkelpfeife, pitd. Oninkeiptp, Pflzn.
( 153 b ) , auch Wasserschachtelhahzu
Equisetum limosum L. Samland.
DschSse, Dschfis, Dschttse, Schüse, ;.
Schüssel, Gefafz zur Aufnahme von
Milch. Gortzitza. Schmidt. S.
SchSs u. Sehitsche.
Dschibber, m., s. v. a. Schibber.
Dschitse, /., s. DschSse.
du, 'pron,^ Dem. du-chen^ pltd. dike.
Du wird in anredender Frage häufig
fortgelassen: Verstehst? Na hommü
nicht? Weißt noch f Willst nicht? Gtha
schon? Bleibst nicht noch?
Ducker, ^n., ein Pelzwerk (vom DwA,
Iltis?). 1435 ein Zimmer 6 Mk. Hirsch,
260.
Duderkeule (^^^^i io^ WeichseldelU
auch DTderkeule. Treichel, Volkstk.
III.
Dunrimbart, m., als gemütliche Anrede
bei Zurückweisungen 9 Ablehnungen.
Nein^ kleiner Dummbart, das geht mdL
Dunrimlak, m., s. v. a. Dammlak.
dUmpeln, pltd. ditmpeln, »w.^ im Wasser
plätschernd baden, antertaucheo, hoQ.
dompelen. Im Sinne von ubervorteflen,
schädigen, betrugen in bedämpeln.
Dunk, m. Ein Dunk Hede^ wohl ein
nach Gedunken gegriffenes Quantom.
Die Uberliefet^ng (eines Geistes) er-
folgte gewöhnlich in einem y,Dunk Hedt
eingewickelt in einem Kober. Tettaao.
Temme, 264.
dunnemals, adv^ damals, ehemals.
Duntel, /'., s. Tuntel.
durchknallen, -knllllen, s<o., s. abkeiei
N.
durchsappen, .^r., stark durchsickera
Vgl. Suppen.
durchträtschen, sw,^ von tratschen,
Durchwachs, m., gelber,, RubenkoE
Brassica rapa L, campestris. Ostpr.
Pritzel, 66.
Durscht, m.^ Durst. Davon dursdiba
sw,, durschtig, adj,
duichig, adj,^ schläfeig, dumm, träo-
merisch --- du^chlig.
DUselkopf (160a), auch Dusettopf.
0hl Dusselkopp, Hei bindt nU doch t
Mährke op! Nowack, 55.
dOseln (160 a), auch onthätig die Zeit
Düwke — einmandieren.
519
hinbringen, ohne Zweck handehi. NcLch Dwatschhans, m., dwatscher, dummer
dem Frühstück dthel ich so herum, Hans, Spafzvogel. EristvierallDwatsch'
DQwke, Dem. von DuWy Duwe^ Taube, fians. Vgl. dwatech.
S. Diffeit
E.
e (163 a). Zeile 4 statt „in der Mund-
art" bezeichnender: im Plattdeutschen.
Im provinziellen Hochdeutsch wird kur-
zes e hin !;md wieder Jang: jeglicher ,
jedweder^ Ele Elle, Ege Egge.
ebend, adv,^ eben. Ebend war er hier.
Ebendso^ ebenso.
£gde (164 a), auch £gd, £ge, davon
Sgen, sw.^ £ger, m.
ehgestem, orfi?., ehegestem, vorgestern.
S. ehrgestern.
ehrpu§chlig (165 a), nicht blolz in
Danzig, sondern auch sonst in der
Form ehrpuslig. Gortzitza.
ei (165a). Z. 1 bezeichnender ^im
Plattdeutschen" statt „in der Mundart".
Ei, n. Ein Eichen legen^ Kinderspiel;
eigentlich nur episodischer Neck beim
Greif cheo spiel. Höhnend rufen die
Freien, indem sie sich hockend nieder-
lassen, dem Greifenden zu: Ich le^
auch noch ein Eichen^ pltd. Öck legg*
6k noch e Eike! Kgsbg.
Eierpläster, w., grofzer dicker Eier-
kuchen. Oberland! S. Piäster.
eigen (165b). 1. penibel: er ist sehr
eigen. 2. sonderbar, wunderlich: ein
eigener Mensch 3. auffallend: das ist
eine eigene Art^ wenn jemand sich auf-
fallend benommen hat. 4. schwierig:
das ist eine eiaene Sache. Auch in der
Niederlaus. Anton, 8, 3.
einbrägen (1^6 a). Könnte das Wort
nicht auf Brdgen zurückzuführen sein
= in den Kopf bringen, klar machen?
Analoge Bildungen wären: einbansen^
einkacheln. Damit wäre eine recht
volkstumliche Vorstellung gewonnen,
während der BegriflF „einprägen" mir
in dem Beispiel nicht recht zur Sache
zu passen scheint. Gortzitza.
einbrocken C166a). In 2. Bedeutung:
zu schulden kommen lassen, in der
Redensart: Was man sich eingebrockt
hat^ mu/z man auch ausessen. Sprw.
n, 615. Ebenso in der Niederlaus.
Anton, 8, 3.
einemweg (166 b), auch in der Aus-
sprache einemweck. Die Präp. in ge-
hört notwendig dazu.
Einer, Eyner, m., ein Schi£F. Eyner
bringen 1444 Holz au;s England. Hirsch,
264.
einfalTd, od)'., invalid, arbeitsunfähig.
V. Auer.
einfeuern (167 a), in 3. Bedeutung
aus 1: behende machen, Furcht ein-
flöfzen. Ich werdÜ ihm schon einfeuern^
er soll aus Furcht und Respekt das
ihm Aufgegebene schnell verrichten.
einfuppen (167 a), auch einfuppern.
Dar mucht woll eener von de Herren
Schützen^ de grote Jagdtuschen drogen^
dat Hasken en/uppert hebben. Dorr,
Driewjagd.
einbauen, sw., von dem militärischen
Angriff übertragen aufs Essen, tüchtig
essen.
einkommen (168a), in 2. Bedeutung
in den Sinn kommen, einfallen. Wir
reden^ vrie^s uns einkommt^ ohne lange
Vorbereitung.
Einlailmpfung, /., s. krumpen.
einlocben, sw.^ s. Loch N.
einmandieren, pltd. OnmandSre(n), sw.^
einkleiden, mit vollständigem guten
Anzüge versehen; von montieren. Öck
hebV ml g6t önmandert^ sagt der Knecht,
der Bauer, wenn er sich für den Win-
ter einen tüchtigen Anzug angeschafft
hat. Ich hab den Jungen zur Einseg-
nung schön einmandiert. Marold hat
anmanduren = feine Kleidung anlegen,
stattlich ankleiden. Die Form Mandur
für Montur tritt im Volksmunde wohl
nur sehr vereinzelt auf^ da man selbst
in militärischen Kreisen meist Montie-
rung braucht, das sich der gemeine
520
einmullen — etsch.
Mann in Mandierung, pltd. Manderung
mundgerecht macht.
einmullen, sw,^ sich, s. mullen.
einschachteln, sw.^ s. schachteln.
einschlafen, st, s. betoten.
einschustern (171a), in der Bedeutung
einschmeicheln nur: sich einschuste)7i.
einseifen (171a), reflexiv: sich be-
trinken. Er hat sich gut eingeseift.
eintränicen, sw. Das werde ich ihm
eintränken, zur rechten Zeit böse ver-
gelten.
eintrinicen , st, , Medizin einnehmen.
Gegen Geschwulst Werden eingetrunken
rosa Katzenpfötchen, Gnaphalium dioi-
cum L., mit sül'zer Milch. Saalfeld.
einwamsen, sw., von Wams, tQchtig
essen, unter das Wams bringen.
einwissen (172 a). Die Redensart lau-
tet auch: Nicht aus, nicht ein löissen.
In Zeile 1 ist „der" einmal zu streichen.
einzelnd, adv., einzeln. Jeder einzelnde,
Eisblume, /., s. Feuericraut N.
ei§che (172a), auch eisä, mit dem
Ton auf der zweiten Silbe.
eifzern, sw,, sich, sich graulen, grauen.
Vgl. aifzen.
eitsch, etsch, interj,^ s. v. a. heitsch.
Eicelname, m., s. Öicelname.
El(lepa§ch(e), /., Equipage, vornehmes
Fuhrwerk.
£lge u. Ölge (173 b) wohl allgemein
in der Provinz.
Elisabethicraut, n., gemeiner Sonnen-
ffunsel, Helianthemum chamaecistus Mill,
Hagen, 556. Pritzel, 178.
Slitzig, ad}., ehelos, s. einlitzig.
Eltice, m.; wilder Apfel, in vulgärem
^o\n.eltka. Treichel, Volksth. II. Vgl.
Hölzcl)en.
£mer, m., Eimer^ s. Emmer.
End' (174 a), Dem. auch Engehe.
EngelschwUrz, n., englisch Gewürz.
Entenflott (175 a), stellenweise in der
Provinz auch Entengrütze Treichel,
Volksth. IL
Entspekter, m., Inspektor.
entwutschen, sw., entlaufen, mit Leich-
tigkeit, unhörbar weglaufen. Vgl. wut-
schen u. Wu§che.
entzwei (175a). Vorzugsweise pro-
vinziell sind die Formen inzwei, enzwei
und die Ableitungen entzweig, entzwein:
entzweige, entzweine Stiefeln; ebenso m-
zweige, imweine, enspweige^ enzweine.
6nzeg, adj., einzig.
enzwei, adv. u. adj.., s. entzwei X.
-er, Endung. Falsche Mehrzahlbil-
düngen auf eT\ Steiner statt &i^
Stücker statt Stücke^ HOscher, Büscher,
Flicker, Ender, Späner.
erbarm', von erbarmen (175 b), auch
als adj. sehr beliebt, namentlich im
Superlativ: erbarmster Himmel! erbarm-
stes Gottchen! Ebenso: erbärmlich =
aul'zerordentlichj vorzüglich, absonder-
lich gut. Das ist erbärmlich vieL Den
ist erbärmlicher Weizen ., ganz aaizer-
ordentlich gut geratener.
Erbse, pltd. Arft, plur. Arfte(n), /., die
der Provinz eigentumliche Pflanze, na-
mentlich als graue Erbse ^ Pisum qua-
dratum Mill, Die Fracht wird ver-
schiedenartig zubereitet: gekrillt und
mit Butter durchgeschüttelt: gestukU
Erbsen; gekrillte Erbsen mit Heringen
oder Spirkeln; in sauerer und suJzer
Sauce mit gebratenem Speck: sauer
und sü/ze Erbsen. Auizeraem werden
die grauen Erbsen in Biersappe and
in Bouillon gegessen. Kinderoelusti-
gung: Sa^ einmal: Graue Erbsen mü
Speck! Während dies geschieht, wird
der Unterkiefer des Sprechenden auf
und ab gestofzen.
Erdnufz, Pflzn., s. Ziegenlauch.
Erdwender (176 b), auch Erdwenger.
ermindern, ermingern, sw.^ ». mindenv
Ermländische MUbe, /., s. Milbe.
Erpel (177 b), Zeile 7 lies Wedik.
£iichegrUtz, /., Hirsegrütze, s. trse.
erstens, adv., vorhin, vordem, vor-
her. Wo bist du erstens gewesen f Ich
war erstens (vorhin) auf dem Hof.
eschapere(n), sw., s. schappieren.
Eselsmöhre, Pflzn., gemeine Möhre^
Dav^uscarotaL, Hagen, 306. PritzeL
131.
Esping, (?), die gröizte Schaluppe
eines Kauffahrteischiffes; eine solche
fafztUn 17 Mann. Danzig. Hirsch,
264.
estemere(n), estimfiren, sw.., franz.
estimer, für voll ansehen. Hei estemtrt
em ver gamuscht
etsch, intei^., s. eitsch N.
etzlige '— Feuerflamme.
521
etzlige, etzliche, pronominales Adj.,
etliche, einige.
eu (178 b). Zeile 1 ist hinter „wird«
anzufügen: im Plattdeutschen. Beson-
ders betont werde noch, daiz auch im
preufzischen Hochdeutsch eu ~ ei ge-
sprochen wird.
Eule (178b). Schriftdeutsch Egel
(^Blutegel); aus Egel wurde im Volks-
munde Igel (Blutigel) ^ welche Form
jetzt, nach Weigand 1, 212, die all-
gemein geläufige ist. Bei uns kürzte
sich Igel pltd. zu // (i lang), und aus
M bildete aer Plattdeutsche, es verhoch-
deutschend, Eile =Eule (Bluteule). Dafz
er weder bei Igel an das Säugetier,
noch bei Eule an den Yogel denkt,
ist selbstverständlich; ersteres nennt er
Stctchelschwtn^ letztern Ul,
Ewigkeit, /., grüne^ besserer Kleider-
stoff älterer Zeit. Viol^t, 178.
Exquerer, Exquirer, m, Mensch, der
durch unausgesetztes Bitten und For-
dern etwas erlangen will, das lat. ea~
quirere. Ygl. Quälgeist
exter, adv.^ extra, aulzergewöhnlich,
besonders. Oieb ihm noch e Düttchen
exter.
F.
Facke, /., der Fock- oder Vorder-
mast des Schiffes. De Facke feUn^ das
Grol'zsegel am Fockmaste fallen lassen.
Hirsch, 265.
Fähnkef Uhrer (180 b), verderbt auch
nnkefUhrer, die erste Silbe scharf ge-
sprochen. Neidenburg. Gertz itza.
Falbelan (181a), auch Falblan und
Fabian.
Färbe (181b), ^It allgemein.
Farsch (181b), in Ostpr. Farscht von
Fint (gespr. Pirscht). Farschtpfanne^
Farschtein; letzteres Abschwächung von
Farschtstein (Farschtschtein).
Fasel (182 a). Dei* Lenz ist endlich
wieder neu für alles Fasel kommen . . .
Sieh^ Liebchen.^ bis die Fiühlingszeit das
Fasel treibt zur Liebe. Liebeserklärung
eines kalekutischen Hahnes an seine
Hennen in den Gedichten von Ulr.
Frcihr. von Schlippenbach. Mitau
1812. S. 107. 110. (Der Dichter hat
längere Zeit in Königsberg studiert.)
Vgl. Grimm a. a. 0^.: Unter Fasel ver-
steht man hin und wieder das Feder-
vieh. Für Estland s. Sali mann, 49b.
Faselherrschaft, /. (182 a), auf dem
Lande die Hausbedienten im Gegen-
satz zu den Feldarbeiten!, v. Au er.
Fastelchen, Pflzn., gemeine Schmink-
bohne, Phaseolus vulgaris L. Ostpr.
Pritzel, 271. Der daselbst für Preufzen
angegebene Name Schwabbelbohne ist
Schreib- oder Druckfehler für Schab-
belbohne.
Faulbaum, m.^ Yogelpflaume, Rrunus
vadus L. Auch Ahlkirsche, Alkirsch-
Daum. Hagen, 507. Pritzel, 317.
Faxe (183 a), auch Fax.
fehlen, sw.^ als Ausdruck des Erfor-
derns, der Notwendigkeit. Die Fenster
fehlen rein zu machen, es ist nötig, sie
zu putzen.
feinscheifzerig, adj., übertrieben fein-
fühlig.
FeldkUmmel, FeldkUmmelkraut, Pflzo.,
Feld- Quendel, Thymus serpyllum L, .
Hagen, 633. Pritzel, 401,' für Ost-
preulzen : Feldkomelkraut, die pltd. Form,
richtiger FeldkdmelknH.
Feldsafran, m., loilder, s. Stech wart
Feldwinde, /., s. Wedewing«
Fensterkopf (185 a), man hört nicht
selten: das Fensterhopf.
Fensterpeter, m., das Holzkrenz im
Fensterrahmen.
Fernabuk (185 b), auch Fernebock.
fSsch, adj.y adrett, fein gekleidet «
forsch 2. Ein fescher Kerl. Gordack.
Fettkausch, Pflzn., glatter Feldsalat,
Valerianella olitoria Mnch. Hagen,
41. Pritzel, 427.
Feuer (186b), leichte (unschädliche)
Entzündungen in der Mundhöhle und
im Gesicht.
Feuerflamme, Pflzn., Lychnis chalce-
522
Feuerkraut — Friüs.
donica L. Weichseldelta. Treictel,
Yolksth. III.
Feuerkrauty n., schwarze Niei'zwurz,
Helleborus niger L, Weichseldelta. Die
Pflanze heil'zt auch Eisblume, weil sie
unter Schnee und Eis schon im De-
zember ihre weil'zen Bluten entfaltet;
daher sonst auch Christrose. Treichel,
Yolksth. in. S. Christophelskraut
ficheln (187 a), in 1. Bed. fächebi,
wedeln.
fiddem (188 a), auch s. v. a. ärgern.
Das fiddet^t mich. Oberland.
fimmeln (188 b}, auch suchen, wühlen.
Was fimmeUt du immer in den Taschen?
Saalfeld. S. befimmeln N.
Fingerling, w., wie Däumling gebildet,
Erdmännlein, anderer Name für die
üntererdschken u. Barstucken. S. Tet-
tau u. Temme, 157: Die Braut des
Fingerlings. Pierson (Ztschr. f. preufz.
Geschichte u. Landeskunde XIV, 1877,
S. 259) findet in Fingerling eine Er-
klärung des Namens Berstucken: dieses
sei verderbt aus pirstukaSy Dem. von
altpr. pirstis {pristis) Finger. Vgl.
Nsslm., Th., 129.
Fiölkebaum, w., die Palmweide. West-
preul'zen. Treichel, Volksth. HI.
fipsig (189b), auch fipsrig.
Firdener, m., s. Vierdener.
flren = fahren. Sie ftren Gerscht^ sie
fahren Gerste. Saalfeld.
fi§lig, adj.^ zimperlich, penibel. El-
binger Ndrg. Vgl. ff selig.
fi§rig, ad)'., von Fis., auch s. v. a.
pi§rig.
Fitke (in Fitkehalloh) = Hure. Kgsbg.
Fitz, /. Den Mund in die Fitz ziehen^
einen schnippischen Mundausdruck an-
nehmen. Elbinger Ndrg.
Fitze, Vitze, Witze, /., Rute, Zweig.
Memel. Davon fitzen 3.
fitzendnafz, od/., s. v. a. fitze fasemafz.
Flabbe, /., feuchtes und nicht steifes
Zeug, schlappe Leinwand; davon flab-
big, schlaff; engl, to fiap. Gordack.
Flachspuppe, pltd. Flafzpopp, /., der
am Rocken zum Abspinnen aufgebun-
dene Flachs.
Flackfisch. ?n., Flachfisch, im Gegen-
satz zu Rund- (Voll-) fisch, Stockfisch.
Hirsch, 247.
Flammplafz, m., s. Platz.
flankieren (195 a). Bjt mu/z ibenä
'rumßankieren,
flattSre(n),9U7.,pltd., flattieren, schm^
cheln.
Flausch (195 b), zunächst das dicke
Wollenzeug, dann der Rock aus Flanutk
Fleckfieber', n. Er ist wie ein FUtk-
fi£ber^ aufdringlich, schwer los zu wct-
den.
Fleischmulle, /., s. Mulle.
Flexibel, n., an den langen Tabab-
pfeifen die biegsame (flexibele) Röbre
zwischen Spitze und Rohr.
Flicht (197b) auch im Oberlande.
Flickhecht (195 b), von i^Turi = Lap-
pen, Stück.
Flieder, m,, wüder., s. Madchenkraiit N.
fliegen, sty im Präs. flog (p kurz).
Flirr (199 a), im Oberlande auch nach-
lässiges, unordentliches Frauenzimmer.
fliben (199 b), auch tanzen.
Fludder, m.^ dünnes Tuch^ leichter
Kleiderstoff. Der reine Fluddler. Gor-
dack. In der Saalfelder Gegend auch
Lappen.
fluschen (202a). Dat fluscht beterl
nach V. Au er in der Schlacht an der
Katzbach (26. August 1813) von den
preufz. Landwehrmännem gesagt
foddem, sw,^ fordern.
Foderhemde, n., s. Voderhemde.
Forst, /. Die statt der Forst ist selbst
bei Gebildeten sehr gebräuchlich.
fo§eln = fosen. Übertragen auf den
Menschen: er foielt rein aus, vrird über-
lustig. Foiel man nich üt! wenn man
befürchtet, dafz jemand in seiner Laune
über das Schickliche hinausgehen könnte
Frafz (204b). Gortzitza hörte in
der Rastenburger Gegend Frissation.
Frauenrose, /•, Hundsrose, Rosa ca-
nina, und Weinrose, Rosa rtMginosa
L. Ostpr. Pritzel, 338. 341.
Frauenstreit, w., Pflzn., Feld -Hau-
hechel, Ononis arvensis L, Ostpreufz.
Pritzel, 252.
frischmilch (207 b), auch frischmilchend.
Wenn der kalte Herbst Schnupfen mit
sich fuhrt, sagt man auf dem Lande:
cfe Näs ward fröschmelk,
Friüs, FrD's, plur.^ Frauens = Frauen,
Hausfrauen. Negeöge, fVius! Neon-
Fröse — Gelbchen.
523
äugen, (kauft) Frauen! Fr&s, Rewe^
Gelmäre y Pastemack^ ^rüsche Reddig^
Zipple^ Petitzuljick! Vrauen, (kault)
Jßuben, Gelbmöhren, Pastinak, preufzi-
sche (schwarze) Rettige, Zwiebeln, Pe-
tersilie! Königsberger Strafzenrufe der
Handelsfrauen {iSipvelweiber). Vgl.
Weiteres Sprw. II, 1636.
Fröse, /l, s. Wröse.
Frü's, plur,^ s. FriQs N.
Fuchszagel, nltd. Foszagel (a = a),
Pflzn., Ackerschachtelhalm, Equisetum
arvense L. Samland. Auch Dninkel-
pfeife u. Katzenzagel.
FUder, n., Fuder. Ein tucMges Fu-
der Heu, Oberland.
FMhre, /., Furche, s. Fahr.
Fuppsack, m. 1. Tasche, Tautologie,
da jedes Wort der Zusammensetzung
Tasche bedeutet. De Rock ist so eng
wie e Fuppsack, 2. übertragen: Dieb,
der das Gestohlene einfuppt, einsackt.
Samland.
fUrmeinsparty adv., für meinen Teil,
meinetwegen.
Fu§ch (^11 a), auch Futehe.
Füse (211b). Nach v. Auer wurde
früher in Preuizen an die Fusenstange
aufzer dem Strohwisch noch ein Ton-
nenreifen und ein ^Knippel" gehängt.
Das sollte andeuten: der Übertreter der
durch die Fuse ausgedrückten War-
nung müsse sich entweder mit einer
Tonne Bier auslösen, oder er werde
über ein Bund Stroh gestreckt und be-
komme mit dem Knüttel.
Fu§e, /., s. V. a. Fose,
Fufzblatt, n., s. Blatt N.
Fufziing, w., Füi'zling, Teil des Strum-
pfes, der Socke, der den Fuiz umschlielzt.
Futtergerste, /., s. Sommergerste.
Flitterhemde, n., Eamisol, früher Tracht
junger Männer in der Danziger Nhi^.
Violet, 175. Vgl. Voderhemde.
futtern, sw.^ futtern.
Futterspark, Pflzn., s. Knirkraut N.
G.
g (213 a). Z. 1 bezeichnender platt-
deutsch statt mundartlich.
GaidfS, m,, Schimpfwort, das lit. gai-
dys Hahn. Schmidt.
Galeise, Pflzn., Färber-Ginst, Genista
tincto^ria L.^ auch Genst. Hagen, 733.
Pritzel, 128.
Galuschel, Pflzn., s. Gelbchen.
Gänschen, fettes^ Sedum acre und S.
sexangulareL. Sie liefern einen Thee für
Fieberkranke und werden, oft im Ver-
ein mit Sempervivum tectorum^ auf
Gräber gepflanzt. Saalfeld. Gänschen
auch das Gelböhrchen (s. d. u. Päz).
Gänsestfz, ?/i., Käfig zur Gänsemast.
Natangen.
Gast, w., Fremder. T heilweise als
gefährliche Nebenbuhler^ fÄeilweise vyie-
derum als gemnnbringende Bändels-
freunde standen den einheimischen Kauf-
leuten die Fremden oder Gäste zur Seite.
Danzig. Ordenszeit. Hirsch, 230.
gaunern, sw.^ unerträglich betteln, un-
verschämt geilen (s. d.).
geben, st^ im Ermlande und im Ober-
lande g6'e. Geben giebt er nichts^ aber
nehmen nimmt ej\ wo er kann. Eck
wer^s dir gf'^e^ ich werde es dir geben.
gebrauchen, »w , coire. Er hat sie ge-
braucht
gefallen, st^ sich. Wie gefällt er sich
da^ wie behagt's ihm, wie geht es ihm?
gehen (222a). GeK wir^ gehen wir!
GehUsch, w., Busch, Gebüsch. De
Vegel sunge im GehUsch, Saalfeld.
geilen (223a), auch im preufz. Hoch-
deutsch gTlen.
Geiseler, m, Viehhändler, aber auch
Schlächter hiefzen Geiseler ^ weil sie,
z. B. auf dem Geisseimarkte in Danzig,
geschlachtetes Vieh, das sie aber nicht
zerstücken durften, verkauften. Elbin-
ger Tagefahrt 24. Juni 1440: Geiseler
und Fleischer dürfen, um Vieh zu kaufen^
durch das ganze Land reisen^ das Same-
land ausgenommen, S. Genaueres
Hirsch, 309.
Geizmagen, m,^ Geizhals.
Gelbchen, GelbVhrchen, Gel Vhrchen, auch
Galuschel, Pflzn., PfefiPerling, Speise-
524
Gelke — Olockchen.
FaXtenschwskmixiyCantharelluscibarimFr.
Elbing. Kgsbg. Treichel, Volksth.
II, 5. S. Leunis, 1900.
Gelke (erstes e kurz), s. v. a. Crilke.
Pritzel, 72.
Gemacht, n., das mäDnliche ZeuguDgs-
glied, namentlich die Hoden. £lr hat
ihm eins ins Gemacht gegeben^ bei einer
Schlägerei einen Stolz mit dem Fufee,
oder im Kingkampfe einen Druck mit
dem Knie.
Gemllllhaiifen, m., s. MUllhaufen.
Genickstuck, pltd. GnVckstöck, n., Hals-
schmuck früherer Zeit: Seiden- oder
Sammetband, woran hinten (im Genick)
eine silberne Platte und Schleifen von
demselben Bande angebracht waren.
Dzg. Nhrg. Viol^t, 176.
Genst, rflzn., s. Galeise N.
GeprQdel, n., schlechte Näh- und
Strickarbeit; schlechte Arbeit über-
haupt, Pfuscherei. Vgl. prfldeln.
Gepsch, /., 8. V. a. Geps.
Gepu§chel, n., s. puicheln.
Gequatel, Gequafehel, n., s. quateln.
Gerift, n., Gerippe. Saalfeld.
Geroch, n., Geruch. Saalfeld.
Gerecht, /., Gerste.
iA^ Gerüst, n , Bogen an der z^m Mähen
ausgestatteten Sense, woran die fallen-
den Halme sich lehnen und in regel-
mälziger Lage sich zu Boden senken.
Geschätter, n., s. Schatter.
Geselle, m., s. Handelsknecht.
Gesselblume, /., Feigwurzel, Ranun-
culus ßcaria L. Auch Lämmerblume,
Rapünzchen, Klein -Schöllkraut. Hagen,
580. Pritzel, 325.
Gefzel, /., die Geifzel (s. d.). Ober-
land.
gewaltig (232 a). Gewaltig viele Men-
schen. He schreg gewaltig. Ein gewal-
tiges Geld.
Gewimmer, n., Feldfrüchte von der
Gerste abwärts bis zu den Bohnen und
"Wicken, vielleicht für Geivimmel^ weil
sie, gemäht, unordentlich durcheinan-
derliegen und sich nicht in regelmäfzige
Garben binden lassen. Werder. N.
Pr. Prov.-Bl. II, 405.
Gework'ne, n., das Gewirkte, Gewebte,
vorzugsweise die Leinwand. Sie zeigte
mir ihr GewarUn£s,
Gezarge, Gezärge, n.^ Neckerd, g.
zargeh.
Gezodder, n., das Verzaaste, Zer^
nssene.
Gibbel (232 b), in 2. Bedeatong ma-
geres Pferd. Nordenburg.
GTbel, m., Fischn., s. v. a. Gieb'.
Gichtbeere, /. = Bocksbeere. Pritzel,
335.
Giftkraut, n., gröfzeres Schellknuit,
Chelidonium mapts L. Nach Hagen,
720, auch das 'Schwalbenhraut (s. d.).
Giftsack, m., s. BAssack N.
Gigotärmef, m., s. SchOpsenkeule.
Gils, m. Vom., Julias. Elbinger
Ndrg. Vgl. Gels.
girbeln, sw.^ den Köder der Angd^
benagen, ohne anzabeilzen. Bitnigit''
belt schon ener (ein Fisch). Vielleicht
verwandt mit gnibbeln. Kgsbg.
GTz (235 a). Unter Qet2en pltd. Gr'-
zen, versteht man das Ausbrechen der
sich entwickelnden Seitentriebe der
Tabakspflanze (s. Leunis, 813). Glz
heilzt zunächst der aas diesen unaos-
gewachsenen Trieben fabrizierte Tabak.
glamsrig (235 b). glcnnsrig ist auch
glabbrig^ aber mit dem ßegriff des
Glänzenden, Blänkemden. Daiz etwas
glabbrig ist, fühlt man, daJ'z etwas
glamsrig ist, sieht man. Ein fettiger
Mund, ein vom Nasenschleim über-
zogener Ärmel, den man als Taschen-
tuch gebraucht, ist beglamst, beghm-
sert. Ungeräucherte Wurst, wenn sie
anfangt zu verderben, die wässerige
Kartoffel, die beim Druck aus der Pelle
gleitet, ist glabbrig^ glibbrig,
gläsaugen (236 a)^ auch mit verglasten
Augen sehen, wie sie das abgestochene
Tier im Verenden oder der mit dem
Schlafe ringende Mensch zeigt. Vgl
glasen.
glau, adj ^ blank und voll. Westpr.
Marold.
glauben, dran (236b), d. h. an den
Tod, an das Ende; das dran^ daran,
träte so als Euphemismus auf.
GI§dwaS8er, w., Glied wasser, Flussig-
keitsabsonderung bei Gelenk k rankhei-
ten; es heifzt auch Weggeleiswasser.
Oberland.
Glückchen, pltd. Klockke, n., Name
Glockenblume — Grabesgrün.
525
für jede Pflanze mit glockenartiger
Blute, namentlich im Kindermunde.
Glockenblume, /., nach Pritzel, 415,
in Ostpr. Trollius europaetis L. S.
Kugelranunkel.
Glubskoper, m., s. Mütze.
Gluch (238 a), auch bösartiger, räche-
brütender Mensch. Davon gluchsch,
adj. Er ist immer so gluchsch. Ober-
land.
Glück (238 a). Das Glück blüht, wenn
sich weilze Flecken in den Finger-
nägeln zeigen.
GlUhschlunk, m., Mensch mit glühen-
dem Schlünde, Saufaus, Nimmersatt.
GlUhzecker (239 a). Im Oberlande
GlUhzeck ein racheschnaubender Mensch.
Vgl. Gluch N.
Glums (239 a). Schmand und Glumse
darf als provinzielles Lieblingsgericht
ohne jede Beschränkung bezeichnet
werden.
glQpsch (239 b). Wie man einem
glupsch etwas nimmt, so kann man ihm
auch glupsch d. h. heimlich, unbemerkt,
etwas zustecken, geben oder darreichen.
gnabbern (240 b). Übertragen : in Be-
zug auf eine Arbeit, mit der man sich
ungern und stückweise beschäftigt : An
der Arbeit gnabberst du auch nur so
herum.
gnabbrig, adj.^ benagt, uneben. Vgl.
gnagen.
gnägeln (240 a), auch ans dem Ober-
lande in der von Hermes angegebenen
Bedeutung bestätigt: unaufhörlich ta-
delnd Milzfallen und Unzufriedenheit
aussprechen.
gnarren (241 a), auch in wimmerndem
Tone immer dasselbe fordern, wie das
begehrende Kinder thun. Davon noch
Gegnarre, n. und Gnarrhans, m. Man
spricht auch von einemgnarrendenllusten.
(jordack.
Gnarrsack (241 a), Z. 2 lies QuarrsacL
gnatschen (241a). Die Schweine
f latschen, wenn sie kauen, fressen,
inder, aber auch Erwachsene, die
ohne Lust, „mit langen Zähnen^ essen,
gnatschen, wenn ihr Kauen gehört wird.
*Vgl. ktlfretsch.
gneddem, sw., s. v. a. gnoddeim (s. d),
mit den Zähnen knirschen, zergneddem,
in kleine Stücke zerbeifzen^ mit den
Zähnen zerreifzen.
Gnick, n., Genick.
gnTtsch(242b). Schimpfwort auf einen
Mann: gnttscher Hund, auf ein Weib:
gnitsche Zock,
Gnitten, plur,^ kleine Mücken, engl.
qnats, Gordack. Im Brem. Grnid,
Brem. Wb. 11, 524.
gnittem, sw., nach Gordack s. v. a.
gmddem,
Gnorpel, m., junger unausgewachse-
ner, nicht mannbarer Mensch. Gor-
dack.
Gnorpely Gnurpel, m., Knorpel.
Gno§el, Gnu§el (244 a). Vgl. poln.
Susny faul, träge, aasig, feige, nach-
;sig.
Gnuibock, m., kleiner, unschöner
Mensch = Gnusely GnoieL Oberland.
gödengenög (245a). göd^en-genog: en
= Verkürzung von und, wie z. B. in
Kdsenbrot Vgl. Schweizerisches Idio-
tikon von Staub und Toblerl. 323.
Goldblume, /. , Saat - W ucherblume,
Chrysanthemum segetum L, Vgl. Gilke.
Goldchen, n. Mein Goldchen, mein
Trautster!
golden, adj. Mein goldener Junge!
Meine Goldene! Mein goldenes Herzchen!
Superlativ: goldenst
Goldkarosse, f,, Laufkäfer, Carabus
canceUatus ML Gortzitza.
Goldknöpf chen , Pflzn . , kriechender
Hahnenfnl'z, Ranunculus repens L. mit
gefüllter Blüte, in Gärten; im Weichsel-
delta Krunkeln. Tr e ichel, Volksth. IIL
Vgl. Knopfchen.
Gottesbäumchen, n.y Pflzn., Eberreis,
Artemisiu abrotanum L. Gottesbäum-
chen, junge Eberraute, Wie wächst du
im Garten unter Rauten! Nsslm.,
Dainos, 29. 194.
Gotteshemdchen, n., Pflzn., s. Mandel-
blume.
Gottespfennig (247b). Nach Hirsch,
220, auch der gesetzliche Mäklerlohn.
Danzig. Ordenszeit.
Gottheil, Pflzn., gemeine Brunelle,
Pininella vulgaris L, Ostpr. Pritzel,
69.
Grabesgriln, Grabesruh, Pflzn., Fett^
henne, Sedum^ weil man die Grabhügel
526
Gramillje — haben.
damit besetzt. Weichseldelta. T rei-
che!, Volksth. III.
Gramillje, /. , unendliche Tiefe. (?)
Schirwindt.
Granssacky m.^ Knabe, aber auchMano^
der leicht granst. S. gransen.
Grasblume, /., s. Seegras.
Gratelierung, /., Gratulation.
grätig, adj,^ unnachgiebig, fest behar-
rend, ausdauernd im Widerstände ge-
gen die Meinung anderer. Klein abet'
grätig,
gratulieren, st6\, mit dem Akkusativ:
Ich gratuliere Sie,
Grawenort (251b), richtiger Grawen-
orth, nach Sack älterer Name Draskin.
gr§n (252 a), auch hchd.: Mir icurde
ganz grün und ^elb vor den Augen.
Grensel, Grinsel, n., Gerinnsel, Ge-
ronnenes, Zusammengelaufenes. Die
Milch ist ein Grrensel. Davon: grenslig,
grinslig, a^'., unklar^ trübe; von Flüssig-
keiten. Oberland.
Grick (252 b). Der Name bedeutet
griechisches Getreide, d. h. ein von
Süden gekommenes, fremdes; nachge-
tragen sei noch: russ. gre6a^ grecuchay
greiicha^ kleinruss. hrecka^ walach. hrisk^
magyar. haricska. Hehn, Kulturpflan-
zen etc. Vierte Aufl., S. 416.
Grlfe, /., s. Grope N.
griflachtig, nach Gordack adj. und
adv, von griflachen.
griggeln, sw., s. v. a. kriggeln.
Grindmagen, m.^ Pflzn., Klatsch rose,
Papaver rhoeas L., auch Himschal. Ost-
preufzen. Pritzel, 263.
Srinzen, sw.^ grinsen.
iripsch, w., s. v. a. Grips in beiden
Bedeutungen. Oberland.
grtseln (253b). Die S. 254 mitge-
teilte Redensart auch: Der Tod läuft
übers Grab,
gilsmaulen (254 a), zu ergänzen:
schmollen. Elbinger Ndrg.
Gritschan (254 a)^ das Gebäck wird
auch einfacher, ohne Korinthen und
Zucker bereitet.
Grompel (s. Grumpel^ 257 a), die pltd.
Form Grompel tritt auch hchd. *uf.
Davon gromplig, cuij\
Grope, /., die Stelle am Schiffe, wo
der Vordersteven an Deck kommt (jetzt
Sponung), Rodergat (s. d.) u. Spoma^
zusammen heifzen die beiden CMciL
Hirsch, 265.
Grofzschlunk, pltd. GrOtschlunk, m.,
Mensch mit groi'zem Schlonde, Viel-
fresser.
grofzspQrig, adj.y von i^nir r= Gelase.
Ein grofzsptmger Mensch^ der grolz
thut, sich breit macht.
grottig, adj, von Grott (s. d).
urUnkraut, n„ grünes Kraut, das Grüne,
das man in Sup{)en nimmt, Gemäse.
Davon GrUnkrauthändlerin = GrimfroM
(s. d.).
GrflS (258 a) ist provinziell hoch-
deutsche und plattdeutsche Form.
GrUtzblume,/., gemeines Täschelkraat
CapseUa bursa pastoris Mnch. Saal-
feld.
GrUtze, /. 1. nach Pritzel, 298,
Name für Buchweizen in Ostpr. ans
1590. Vgl. Grick. 2. rote Grütze,
Amarant, Amarantus spectosus Swa..
wohl weil der Same dem Buchweizen
ähnlich ist. Treichel, Volksth. IIL
GrUtzschlunk, pltd. GrOttschlunk, m.,
Vielfresser. Elbinger Ndr^.
GUIdenklee, m., gebräuchlicher Stein-
klee, MeUlotus officinalis Desr. Ostpr.
Pritzel, 233.
Gutfreund, m , als Erkennungs-, Lo-
sungswort (Parole). Begehrt jemand
abends klopfend Einlalie in eingeschlosse-
nes Haus, so wird, bevor die ÖfFnong
der Thür erfolgt, gefragt: Wer daf
Lautet die Antwort „Gfutfreund!^ so
wird der Bekannte eingelassen.
H.
haben (261b), Prät. ich hätt^^ Part.
aehatt. Ich häk grofze WäscK, Vgl.
können, sich haben auch = sich zieren,
sich geltend zu machen suchen and
dabei sich albern benehmen. Hab^ diA
doch nicht!
Haber — Haugenblum.
527
Haber (262 a), m. Langer Haber ^ die
Pferdepeitsche. Treichel, Volksth. II.
Hacke (263b) = Ferse und Absatz:
Sich (nach einer Stelle) die Hacken ab-
laufen. Sich (beim Gänsemarsch) die
Hacken abtreten. Der Hackenlose be-
kommt kein Vesperbrot , sagt der Volks-
mund.
Hadderkraut, Pflzn., Labkraut, Galium.
Die Hausfrauen kochen damit die 6e-
falze aus, in denen Milch aufbewahrt
wird. Saalfeld.
Haferschleim, m., s. Schleim.
Haferweihe, /., sie wird am zweiten
Weihnachtsfeiertage in den katholischen
Kirchen des Ermlandes durch den Prie-
ster vorgenommen. Der geweihte Hafer
wii'd in kleinen Portionen unter anderes
Getreide gemischt und dadurch Milz-
wachs, Unkraut etc. verhütet. Volks-
kal. 22.
Hahä (266 b). In die Bdba gehen ist
berlinisch allgemein.
Hahnenbalken, m,^ s. v. a. KeicheU
baUcen.
Hainbuche, /., nach Pritzel, 83, der
ostpr. Name für Carpinus betulus L,
Vgl. Heibuche.
haisch, Zuruf an Zugvieh, s. heitsch.
Hakelwerk, n., Stadtteil von Danzig,
ursprünglich Ansiedelung polnischer
oder danziger Fischer. Der deutsche
Name Hakelwerk scheint nichts anderes
als tabema Erug zu bedeuten; jedenfalls
gab es in jenem polnischen Ort« nur
ein einziges Grundstück, und dieses
scheint Hakelberp geheifzen zu haben.
S. Genaueres ifirsch, 8. Vgl. Lö-
schin, 45.
Halbkännche(n), n., halbes Kännchen,
zur Bezeichnung eines kleinen Schnapses.
Oberland.
halbwachsen, pltd. half- u. hallwa88e(n),
adj.^ noch nicht völlig reif, unausge-
wachsen. Ein haüwassener Mensch.
halsen (269 b). Sie halsen und küssen
sich^ sie umhalsen, umarmen sich.
Halwander, m., s. Halbander.
Hälzkäpple, plur.^ Holzäpfel == Hölz-
chen. Oberland.
Hambott (269b), im Oberlande Ham-
botk.
Hamm (270a). Hamm heüzt auch
der eiserne Ring, der die Sense mit
dem Sensenbaum, kurz Baum, ver-
bindet.
hanbuchen (270 b), auch hanbUchen.
Händelkraut, Hendelkraut, n. dreiblättri-
ger Ehrenpreis, Veronica triphyUos, L,
Ostpr. Hagen, 29. Pritzel, 433.
Handelsknecht, m., Handelsgehilfe,
Kommis; auch Brotknecht und Geselle.
Danzig. Ordenszeit. Hirsch, 226.
Handgemahl, n., s. Merke N.
Handschke (271a), auch Handschk.
hanebüchen, hanebUchen, adj. Ein
hanebüchner Kerl, ein grobgebauter
Mensch, wie aus Hainbuchen gezimmert.
Vgl. Heibuche.
hängen, st, Prät. hang. Das Hemd
hang auf dem Zaun.
hantieren, sw., laut und lärmend sich
zu schajffen machen. Beleg unter stracks.
Hardel (273a), nach Sacks Mitteilung
nicht die Oberhaut am Flachsstenge^
sondern der Stengel überhaupt. Wenn
der Flachs lang, dick, gerade, ohne
Seitensprossen gewachsen ist, dann hat
er sclione Hardels.
harmon6re(n), stv.y harmonieren, über-
einstimmen. Der Plattdeutsche braucht
für diesen Begriff nur das Fremdwort.
V. Auer.
Harsch, m., s. v. a. Harres. Violöt,
178.
Harztanne, f.. s. Tanne.
Haselblume, /., geWe, gelbe Osterblume,
Anemone ranuncuhides L., auch gelhe
Waldviolen. Hagen, 569. Pritzel,
30. S. Aprilblume.
Hasenkohl, m., nach Hagen (481.
804. 831.) Name für den gemeinen
Sauerklee, Oxalis acetosella L., die gem.
Gänsedistel, Sonchus oleraceus L. und
den gem. Rainkohl, gem. Milche, Lamp-
sana communis ; nach T r e i c h e 1 , Volkstt.
in, im Weichseldelta für die krause
Malve, Malva crispa L.
Hasenpappel, /., rundblattrige Käse-
pappel, Malva rotundifolia L. Hagen,
722. Pritzel, 229. S. KatzenkBs.
Hasenwurz, Pflzn., Haselwurz, Asarum
europaeum L. Gortzitza.
hauen, sw., part. gehaut statt gehauen.
Er hat ihn gehaut.
Haugenblum, /., s. Romei.
528
Hauhau — hinechmieren.
' Hauhau, m.^ Klangwort, der Hand.
Der Hauhau wird dich beijzen!
Hausmarke (277 b), s. Merke N.
heben, s^., rrät hob (p kurz).
heddern (279 a), davon Hedderei, /.
Hede, /., s. Klunker N.
H§dechs, /., s. v. a. Heidechs.
Heibek f280a), pltd. auch llabek,
Weichseldelta. Treichel, Volksth. III.
Heiche, n, s. Sprefze.
Heideldei (280 a). Da kommt die ganze
Heideldei an, die ganze Sippschaft.
Heidnäglein, w.,Pflzn., Feldnelke, i)Min-
ÜIU8 deltoides L. Pritzel, 134. S.
Jungfernägelchen.
heil (281 b), die pltd. Form hei auch
hchd.: aiLs heier Haut Zur 1. Bedeu-
tung: Man verkaufte (in Danzig zur
Oraenszeit) im Grofzhandel das Tuch
in der Regel in ganzen (^helen^) oder
halben Stücken. Hirsch, 250.
Heilbaum, m., Heilblatt, n., s. Hoffnung
und Liebe N.
Heinrich, stolzer, Pflzn., nach Hagen,
280, Chenopodium bonus Heni'icus; nach
Treichel, Volksth. IH, bunte Garten-
Lupine, die im Poln. Stolzer Andreas
heil'zt. Im Oberlande heilzt der stolze
Heimlich auch Stolzheinrich und Hochnas.
heischen (283a), Z. 8 v. o. 1. Ver-
käufer.
heifzen, st, mit dem part gehie/zen.
helfen, st 1. als Drohung mit Strafe:
Ich wercP euch ungezogenen Jnngen hel-
fen! Wenn du das noch ein einzigesmal
thust, dann werd^ ich dir helfen, dufz
du nicht weifzt, wo du hin sollst! 2.
eine Behauptung ablehnen, zurück-
weisen. Ich kann dir nicht helfen, es
ist falsch, was du sagst
Helling, (?), von Hirsch, 260, unter
den Rauch- und Lederwaaren aufge-
führt. Ordenszeit.
Hempsaat (284b), auch Hemfsaat.
Hendelkraut, n., s. Händelkraut,
herauskahnen, sw., s. kahnen.
herauskomfeien, sw., s. komfeien
Herbstaster, /., Chrysanthemum indi-
cum L. Weichseldelta. Treichel,
Volksth. HL
Herbstflieder, m., Phlox pannictdata
var, hybrida Hort Weichseldelta.
Treichel, Volksth. UI.
Herbstnelke, /., gebräuchliches Seifen-
kraut, Saponaria ofßcinalis L. Trei-
chel, Volksth. Ul.
Hermoos (285 b). Die dem Vieh schld-
liehen Arten von Equüetum (nament-
lich paiustre) heil'zen Hermus a. Eer-
mus, die unschädlichen Kuhmus. Trei-
chel, Volksth. III. Daselbst ist Hn
= Herde gedeutet, weil die Pflanze
dicht verbreitet Yorkoznmt.
hernacher (286 a), aacb hemft.
Herr (286 a). Nach dem ostpreoüa-
schen Kalender Mit Bonifacius (Märt)
auf den 14. Mai; die drei gestrengok
Herren folgen somit unmittelbar auf-
einander.
Herrgottswundenkrauty n., s. Chrisi-
wundenkraut.
herrjeche (286 b). Für die Deatong
ije = i geh sprechen die weiteren For-
men: ägeh und ei geh! Alle drei drucken
nicht sowohl Staunen und Be Wanderung.
als Ablehnung aus.
Herrmohn, m., Elatschrose, Papaxer
rhoeas L. Weichseldelta. Treichel,
Volksth. III.
herumstofzen , sich, keine bleibende
Stätte haben. Er hat sich in der WA
herumstofzen müssen, es ist ihm nie gm
fegangen, er hat nie ein eigentliches
leim gehabt.
herumtrossen (287 a), I. s. trossen.
Herzisse, /., Narzisse.
Herzspann, /., s. Hartspann.
hetzen, sw. Er ist mit allen Hunden
gehetzt Sprw. I, 1716.
Hijezint, /., Hyacinthe.
HimmelsschlUssel, Pflzn., Gebirgs-Fett-
henne, Sedum fabaria Koch. Weichsd-
delta. Treichel, Volksth. UL Vgl
HimmelschlUsselchen.
hinge(n), adv., hinten.
hinhauen, sw., mit Vehemenz fallen,
hinfallen; ebenso hinsausen. Vgl hin-
schmieren.
hinplästern, sw., sich, sich breit hin-
setzen; namentlich von Frauenzimmem,
die sich beim Sitzen mit ihren Röcken
weit ausbreiten. Sie safz da hinge-
pldstert Vgl. Pläster.
hinsausen, sw., s. hinhauen N.
hinschmieren (290a), in 2. BedL etwas
schlecht hinschreiben.
B[interge8&fz — hnsten.
529
Hintergesäfz (290 b), Z. 2 1. Oesäfz.
Hirnschal, /., Pflzn., s. Grindmagen N.
Hirschhorn, n., PAzd., s. Skorpionkraut
Hirschtalg, m.^ Medik., Sebum (ml-
lum,
hitzen, sw.^ heizen. Beleg s. absund N.
HVbbel, 9n., s. v. a. Hubbel. Ober-
land.
Hochnase, /. 1. Monsch, der die Nase
hoch trägt^ Hochmatiger. 2. Hochnas^
Pflzn., s. stolzer Heinrich N.
Hoffnung und Liebe, Pflzn., Steinbrech-
art, Saxifraga sarmentosa L , weil das
Blatt aaf einer Seite grün, auf der
andern rot ist. In der Saalfelder Ge-
fend auch Heilbaum, Heilblatt: dieäufzere
aarige, grüne Seite wird zum Heilen,
die innere rötliche, nachdem sie ein
wenig geschabt u. raah gemacht wnrde,
zom Ziehen aufgelegt. Treichel,
Yolksth. III.
Hofmarke, /., s. Merke N.
Höfner, m.. Mann vom Hofe, Herren-
hofe. Herbeigeritten kam ein junger
Höfer Vom Hofe^ Betrachtete die Höf-
nerin^ die junge^ Im Hofe. Nsslm.,
Dainos, 72.
hög, adj.^ hoch. Der hoge Baum.
Heike, (?), von Hirsch, 261, unter
den Waffen der Ordenszeit aufgeführt.
Heike (295a), bei Hirsch, 263, der
Holk.
hell (295 b), auch Imperativ von hal-
ten: holl op^ halt auf!
HollHiiderei (295 b). Auch bei Willen-
berg ^iebt es eine Hoüänderei u. zwar
ganz m der Weise, wie sie Bock be-
schreibt, etwa eine halbe Meile sich
hinziehend. Gortzitza.
Holzmesser, m.^ Aufmesser von Brenn-
holz ; früher vereidigter Aufseher beim
Verkaufe von Brennholz. Hirsch, 219.
Hopfen, m.^ wilder^ hopfenartiger
Schneckenklee, Aledicago lupulina L.
Ostpr. Pritzel, 231.
HopfenkUhn, Pflzn., s. Nesselhopfen.
Horscht, 771. Horst; ebenso horschten,
horsten.
Hotz (299 b), zu 2: ein besonders in
Schaf- und Pferdeställen dicht unter
der Decke angebrachtes Bett für den
Fritchbi«r, WörttrbachIL
Schäfer oder Knecht, zu dem man auf
einer Leiter aufsteigt. Schippenbeil.
Hub', /., die Hufe
Hubschlag, m., kleine bäuerliche Be-
sitzung. Saalfeld.
Huf^ /. Du setzt mich auf die Hüft
und pust mich in die Luft. Reim, den
Yernachlälzigte, Zurückgesetzte an-
wenden. Egsbg.
Hut (302 a;, auch Huinase.
Hummel (303 a), ursprünglich wohl
das bekannte Insekt Hummel (Bombus).
Hund (303 b). Hündchen^ als Schmei-
chelwort zu Kindern. Mein Hundchen i
hundemüde, adj.^ müde wie ein Hund.
hunderackermUde (304 b): müde wie
ein Hunderacker^ wie ein Racker, der
die Hunde fangt. Gortzitza.
hundsgemein, adj.^ sehr gemein.
Hundsjung, m.y als Schimpfwort hchd.
u. pltd. Wo de Hundsjung blofz mag
stocke f
Hundsknoten, plur.^ s. v. a. Hunds-
noten.
Hundskott, /. 1. Kotte der Hündin.
2. nach Viol^t, 178, grober Kleider-
stoff älterer Zeit.
Hundskrät, /. u. m., Schimpfwort. S.
Krät.
Hundsmilch, /., Pflzn., Wolfsmilch,
Tiihymahis Scop,, nach dem bittem
Milchsaft. Ostpr. Ha gen, 501. Pritzel,
404.
HundstUrkei (305b), nach v. Auer
auch in Ostpr. Bezeichnung für einen
unfruchtbaren Distrikt.
HundwUrger, m., Pflzn., Knäuel, Scle-
ranthus L. Ostpr. Pritzel, 367.
Nach Hagen, 450, Hundwirgel. Auch
St Johannisblut
huppaschen (306 a), gewöhnlich hüp-
fen.
Hurenwirt, m., beim Kegelspiel der
Schütze, der auf 101 „Holz** zu stehen
kommt; auch die Zahl selbst.
hurr (306 b). Sehr beliebt ist auch
Hurrgott.
Husch (306 b), plur. HOscher.
husten, sw. Einem etwas husten^ ihm
das Erbetene oder Gewünschte nicht
gewähren.
34
530
i — Jungfer.
I.
I (308) wird in Imperativen e: les
lies, nehm doch Dimm doch, seh sieh,
stech stich, sterb stirb, werf wirf! I^e-
fehl ihm doch! Erschreck man nicht
Efz doch noch was! Flecht mir einen
Kranz! Fr efz nicht zu viel! Helf mir
auf! Mefz mal die Höhe! Scheit ihn
ordentlich! Schmelz die Butter! Sprech
lauter! Treff gut! Tref mir nicht auf
den Fufz! Verderb uns nicht die Freude!
VergeJ'z uns nicht! Erwerb erst mein
Vertrauen ! Empfehl mich ihr ! v. A u e r.
Ilske (310 b), auch lizke.
indem, adv., in diesem Augenblick,
sogleich. Er mufz indem kommen^
warte doch!
ineins, adv,^ ananterbrocheiL Sit
mufz den ganzen Tag ineins kalbdcern,
instrujieren, pltd. instnijereCn), nc^
instruieren.
Intresse, n., Interesse. Ebenso b-
tre^nt, intressieren.
\s = ist. Is wcts is ! gewöhnlich mit
dem Zusätze: der Mensch freut tiich doA,
auch eine kleine Gabe, einen geringes
Verdienst empfangt der Dankbare m^r
di§. Sprw. I, 1811. S. just N.
it&ges (312b) aus hiu tctgu an diesem
Tage = ahd. hiutUy kiuto^ hiuta^ mhi
hiute heute. Ygl. Schade, 403.
Ittemessel, /., s. Dottemeswl N.
jabbern, sw., s. fehabbem.
Jagehen, n., von jagen^ Kinderspiel,
s. V. a. Greif chen. Wir wollen Jagehen
spielen!
jagen (314a), im Prät. statt jagte
auch jyg.
Jakobsholz, Pflzn., Mandelweide, Salix
amygdalina L., auch Maiholz. Hagen,
1015. Pritzel, 354.
Jankel (315), s Joschel.
jedwede, jedwide, zählendes Adjektiv-
pronomen, jedweder, jedermann, ver-
stärktes jeder. Saalfeld. Vgl. jitw^der.
Jerusalem, m. 1. Pflzn., gemeiner
Friedlos, Lysimachia vulgaris L, als
Gartenpflanze. Rauschen. Samland.
2. Der Jerusalem auch Name eines
Hügels in unmittelbarer Nähe der Stadt
Lyck. Gortzitza.
Jesnitz, Fischn., s. v. a. Gfse. Dzg.
Nhg. Viol^t, 187.
Jesuwundenkraut, n., s. Christiwunden-
kraut.
jetsch, interj,^ Abscheu ausdrückend.
Gordack. Verstärkung von je (s. d.).
JTper, m.y s. V. a. GTper.
Johannisblume, /., s. Rindsauge.
zu
Johannisblut, St, n., s. HundwOrger.
Johannisfeuer(317b), nach Gortzitza
bei Lyck noch ganz gewöhnlicL
Johannisroggen, m., gemeiner Roggen,
Seeale cereale L. Man säet ihn am
Johannis oder Jakobi. Hagen, 137,
Pritzel, 414.
Jopenbier (318 b), s. SchApe.
Joschel, Joschke, m., jud. Vom, Joseph,
gleich s. V. a. Jude. Man raft diese
Namen, wie auch Jankel, Ibig, Sciifflil
den Juden nach.
Judenmyrte, /., kleines Sinngrün, Vinea
minor L, Weichseldelta. Treichel,
Volksth. m.
JQdke, w. Vom, 8. Jäke.
Jung (320 b), plur. Jungens^ Junges.
Nackte Jungens^ Klöfze aus zerriebenen
Kartoffeln, auch Klöfze überhaupt, in
Milch gekocht. Saalfeld.
Jungfer aus dem Busch, Pflzn.^ weiden-
blättrige Spierstaude, Spiraea soäev
folia L. Weichseldelta. Treichel,
Volksth. III.
Jungfer kick Obern Zaun, Pflzn., dass.
was Kick Obern Zaun (s. d.). Treichel,
Volksth. n.
Junker — kaldups.
531
Junker (321a). Nach Sack (Die
Neue Welt. Illustr. Usterlialtungsbl.
Stuttgart 1883, S. 600, in dem Artikel
„Preulzisches Wörterbuch") werden von
den „gemeinen Leuten" in Preu(zen
die Söhne adeliger Gutsherren aus-
scblielzlich Junker angeredet. Die
Dienstleute auf dem Lande mufzten
noch vor wenigen Jahrzehnten eine be-
stimmte Titulatur-Ordnung genau beob-
achten. Der adelige Rittergutsbesitzer
mul'zte gnädiger Herr, seine Gemahlin
Sädige Frau^ die Tochter gnädiges
äolein^ der Sohn gnädiger Junker
genannt werden; der bürgerliche
Kittergutsbesitzer mul'zte hochgeehrter
Herr^ die Gemahlin hochgeehrte Frau
oder Madam, die Tochter MamseUchen^
der Sohn junger Herr angeredet werden.
Da auch „gewöhnliche Frauenzimmer"
sich Mamsellchen nennen Uelzen, und
die bürgerlichen Gutsbesitzerdamen den
adeligen nicht nachstehen mochten, so
wurde wenigstens für die Töchter das
Fräulein angenommen. Das Beiwort
gnädig wurde noch vor dreifzig bis
zwanzig Jahren in bürgerlichen Fa-
milien mit richtigem Takt als eine
Albernheit erachtet. Der bäuerliche
und kölmische Gutsbesitzer hieiz
geehrter Herr oder auch blofz Herr^
pltd. meistens Herrke, die Frau Madam^
Madamke, die Tochter Mamsell^ Mam-
sellke. Den Bauer nannten die Dienst-
leute Wirt, die Frau Wirtin, in man-
chen Gegenden auch Bür und Bursche.
Der Gärtner (Instmann) wurde vom
Scharwerker, den er halten mufzte. He,
Hei = Er, dessen Frau Se, t^ei = Sie
genannt. Die Söhne der Bauern wer-
den mit den Vornamen, die Töchter
mit den Vornamen in der Deminutiv-
form angeredet: Hannke, Gustke etc.
Die Titulatur-Ordn ung wurde den Dienst-
leuten vorgeschrieben.
Junkerstrafze, Strafzenname in Königs-
berg, s. Burgfreiheit N.
junfoheln, sw,, s. bonicheln N.
just, interj, (321b). Ist all! klingt
echt preui'zisch: ts all!
E.
Kabuse (323 a), 1. s. Kabtse.
Kachel (323 a). Beleg zu 4: Z>u bist
meine alte, gute Kachel — m^in trautstes
Kachelchen!
Icadfticschen, s. v. a. kaddksen, von dem
Rufe kadäksch! den die Henne hören
läf'zt, namentlich wenn sie ein £i ge-
legt hat Übertragen: das Geschrei
eines erregten Weibes. Kadäksch doch
nicht so! ruft der Mann zur Beruhi-
gung.
Kaddig (324a). Pritzel, 196, führt
als entstellte ostpr. Namen noch Kad-
dichnestrauch und Kattick an.
Kaffe (e kurz), w.. Kaffee.
{(agtnen, sw., s. IcajTnen N.
kahnen, sw,, in einem Kahn fahren^
gewöhnlich: Kahnche fahren, Bootehe
fahren. Zusammensetzung: herauskah-
nen, in übertragener Bedeutung: mit
einem Löffel etwas aus der Suppe
schöpfen. Er kahnt sich aUe KeUchen
WausI
Kahntrupp, m., s. Trupp.
Icajfnen, Icagtnen, sw., winseln, winselnd
klagen, auch s. v. a. mtfen; zunächst
vom Hunde. Oberland. Erweiterungen
des Wortes sind kaßnken (I 326 a), ko-
jinken (siehe N.) und kujienen (I,
433 a).
Kalb (327 b). Das männliche Kalb
heii'zt zunächst Bulienlcaib, pltd. Bolle-
kalw, erst wenn es kastriert ist, nennt
man es Ochsenicalb.
I(alb6l(en (327 b). kalbekem nicht nur
in Westpr., sondern auch im Oberlande.
Kälberbraten, m., Kalbsbraten.
Kälbersprock, m, Pflzn., Kälberkropf,
Chaerophyllum L. Saalfeld.
Kalbsbrägen, m., -geschling, n., -gesiebt,
n., -köpf, m., beliebte Schimpf- und
Scheltwörter, zunächst auf dumme oder
für dumm gehaltene Menschen.
kaldups, käldups, Klangwort zur Be*
Zeichnung stolzweiser Bewegung. Auf
holperigem Wege, oder wenn man einen
84*
532
Kal^k — Ear^.
nnebenen Abhang hinuntermtscht, geht
es kaldups^ kaldups. Schmidt.
KalSky n., a. V. a. Kalet
Kal6r, /., Kouleur, s. Kolor,
kaieschen, sw.^ prügeln.
Kalfönje (329 b), auch Kalfönjum.
KalTn, w. Vorn., Karoline.
Kalinchen8trauch(329b).NachPritzel,
435, in Ostpr. auch Kalinichen u. Ka~
ninchenbaum. Der pol. Name Kalina
vielleicht von kal Kot, Schlamm, Pfütze:
die wilde Schlinge pflegt an feuchten
Stellen unter Gebüsch und in Laub-
wäldern zu wachsen. Treichel,
Volksth. III.
Kalmus, m., faUcher^ roter^ s. Teich"
lüie.
Kaluppe (330b), auch Chaluppe, wie
schon 126 a aufgeführt.
KalQs, /., Gefängnis. Litauen. S.
KIQse.
Kamm6dje, /., Komödie, Theater. Ich
geh heute in die Kammedje.
Kammer, /., Kontor zur Ordenszeit.
Hirsch, 231.
Kämmerer (331a), gekürzt wohl all-
gemein Kämmer, selbst Stadtkämmer.
Auf grofzen Gütern ist, nach einer Mit-
teilung von Sack, die Rangordnung
des Personals folgende: der Herr^ der
Inspektor oder Wirtschafter; der Kchn-
Vier; der Vorarbeiter; die Arbeiter (Gärt-
ner, Instleute j Knechte^ Scharwerker).
Wenn auf dem Hauptgute ein Kämme-
rer angestellt ist, fehlt gewöhnlich der
Vorarbeiter. Der Kämmer vertritt den
Inspektor, beaufsichtigt eine Arbeits-
kolonne, arbeitet nicht mit und trägt
vor den Leuten hohe Stiefel, wie der
Herr und der Inspektor. Der Vorar-
beiter trägt (trug?) keine Stiefel, führt
auch Aufeicht, mufz aber mitarbeiten,
beim Mähen als Erster; sonst geht er
größtenteils mit den Scharwerkern. Auf
nicht zu grol'zen Vorwerken sitzt in der
Regel ein Kämmer; hier darf er ein
Reitpferd halten, und hier kommt es
auch manchmal vor, da(z er unverhei-
ratete Knechte zu speisen hat. Der
Kämmer gehört zu den sogenannten
Deputanten (Handwerker, Gärtnierer,
Kutscher — wenn er verheiratet ist —
Schäfer, Brenner etc) ; sie haben einen
besseren Lohn als die Gärtner und Inst-
leute, die besten Wohnangen, brauchen
oft keinen Scharwerker za steUen, ihre
Frauen gehen nie zur Arbeit, sie dür-
fen zwei Kühe anf Kosten des Be-
sitzers halten und was dergleichea Vor-
teile mehr sind. Der VorarbeiUr ge-
hört nicht zu den Deputanten; et hat
weniger Lohn als diese, wenn aodi
mehr als die Gärtner, maCz einen Schai^
werker halten, und seine Frau hat maneb-
mal auch mit in die Arbeit zu gehen,
namentlich hat er nur eine Eoh £rel
Sparsamere Besitzer schaffen darom den
Kämmer ab und suchen mit dem Fbr-
arbeiter auszukonmien.
kammöd, od)'., bequem, das franz.
commode, DcU6 os he vel to kammcd!
Kampe, Kämpe (332a). Das Citat
aus Bock, Nat. III, 1022, ist Beleg
zur fehlenden 3. Bedeutung: aus einem
Bruche hervorragendes festeres Erd-
stück.
Kampf erfolium, Pflzn., Geisblatt, Lo-
nicera caprifolium L, Weichseldelta.
Treichel, Volksth. III.
Kandftt, Kundftt, m., Kandidat.
Kanditer (332 b), auch Kanditter.
kanöffeln, sw,^ (333 a), auch von den
Pferden, wenn sie sich gnappend jucken.
Kantholz (334a), nach Sack vierkan-
tig beschlagenes Holz: Balken, Sparren,
Riegelholz.
Kaplan, m , allgemein übliche Kürzmig
von Kapellan. '
KapQse (336 a), kurz KapQa, die unter
Kappe (335 b) beschriebene litcadtchi
Mütze, Nach Sack wird in Preuiz.-
Litauen die Kapuze niemals Kceppe ge-
nannt; Kappe^ gewöhnlich im Dem.
Käppchen^ neiCzt nur das Klutchen;
selbst die Mütze ohne Schirm erhält
nie den Namen Kappe. Ein Kdppchen
mit einer Troddel heüzt TroddelkSpp-
chen, -klutchen.
Karäkul, m., s. Racköpel N.
Karamaus, m.^ s. v. a. Karmaiis.
karassere(n) , pltd., das frz. caresser,
den Hof machen.
Karftte (338 a), in der Elbinger Ndg.
auch ein zerbrechliches Fuhrwerk; in
der Saalfelder Gegend Karet^ /. u. m.,
altes Möbel etc.
Karr — Kir.
533
Karr, /., Earre, Spinnrocken. Saal-
feld. Vgl. Spinnkarre.
karrjos, adj,y kurios, seltsam.
Karschty Korscht, Knischt, /., Kr aste,
s. Kirste.
kaicheKre(n), ka§choliere(n), sw,^ lieb-
kosen, franz. cajoler, v. Au er.
Käschenkraut, n., übersehene Käse-
pappel, Malva neglecta Wallr, Weichsel-
delta. Treichel, Volksth. III.
Kaschinnitz, Pflzn., s. Kattschinneck N.
kaicholiere(n), sw., s. kaicheiere(n).
Katerlischen (345 a) 1. KaterlTschen.
katern, 8w.^ von Kater = coii^e.
Katsch (345 bj, auch kdtsch als Zuruf
an die Enten, wenn sie fortgetrieben
werden. Saalfeld. Katschke werfen.
S. Kaschke.
Katsche, Pflzn.^ weifze Seelilie, Nym-
phaea alba L,j wohl weil die schöne
weii'ze Blume, der Ente, poln. kaczka^
gleich, auf dem Wasser schwimmt.
Weichseldelta. Treichel, Volksth. III.
Katterschtnohen, n., s. v. a. KataschTn-
chen.
Kattschinneck, Pflzn., Schweinekraut,
Calla palustris L., auch Kaschinnitz, be-
liebtes Schweinefutter. Saalfeld.
Katze, /., als Schmeichelwort zu Kin-
dern, namentlich kleinen Mädchen.
Kleine Katze! Mein Katzchen!
Katzenschwanz, Pflzn. 1. gemeiner
Weiderich, LyihrumsalicariaL, Weich-
seldelta. Treichel, Volksth. III. 2.
Ackerklee, Trifolium arvense L. Ostpr.
Pritzel, 407. Vgl. Katzenzagel.
Katzensteig (347 b), auch = heimlicher,
versteckter Weg für gefallige Frauen-
zimmer.
Kaudelgam, n. Flachs, Hanf Kabel-
gam und Kaudelgam, das nach Danzig
gebracht voird, soll zur Brake und zur
Wage kommen. Alte Willkur. Hirsch,
218.
Kaufgesell, pltd. Köpgesell, m., Hand-
lungsdiener, Kommis. Litauen. Vgl.
kaisem.
Kaufmannsmerke, -marke, /., s. Merke.
Kaulchenmacher, m,y s. Kaul.
KaulpOrschk, m., s. POrschk.
Kavallierchen, n., s. Mütze.
-ke, Deminutiv-Endung, im Pltd. von
vielen* Wörtern fast untrennbar: de lewe
Gottke, fVeileinke, Madamke, Hdfke^
Hemske, Hölike^ Häske, Kruschke^ Duwkey
llske.
Kehrwiederstrafze,/., früherer Strafzen-
name in Königsberg, s. Burgfreiheit
Kelchel (351a). Keichelbraten mit
gestowten Christorbeeren, gebratene Hüh-
ner mit Stachel beer-Kompott.
Kennung, /., s. thalem.
Keps (355 a), auch Kepse, plur. Kepse
und Kepsen.
Kersei, m,, nach Hirsch, 251, zur
Ordenszeit in Danzig = Kergei,
kibbicken, sw., durch leisen Stofz,
freundschaftliches Kneifen oder sonsti-
ges Angehen machen, dafz jemand sich
re^t, inn reizen, kitzeln, necken, sich
mit ihm zergen; aus dem gleichbed.
lit. kibbinii. Junge Burschen und Mäd-
chen kibbicken sich. Einen phlegmati-
schen Ehemann neckt man mit den
Worten: Dt mot de Mutter (Frau) ux>l
ommer erseht e bö/zke kibbickef Litauen.
Sack.
kickein, kTkeln, sw,, mit zusammen-
gekniffenen Augenlidern sehen, wie
solches Kurzsichtige tbun.
Kicks, m.^ Klangwort, Fehlstoi'z im
Billardspiel, der nur den Ball streift.
Kienapfel, m., Tannapfel, Samen zapfen
der Kiefer. Kienapfel und Kühnappel
(Mörder des Bischofs v. Hatten) auch
rersonennamen in der Provinz.
kfkeln, »w., s. kickein N.
Kinderfrag (362 a). Das ist man Kin-
derfrag, die Frage l&lzt sich mit Leich-
tigkeit beantworten ; die Sache ist leicht
= kinderleicht
Kindke (H62a), auch hchd. : er will
sich lieb Kindche machen.
Kindskopf, m.y Schimpfwort für einen
einfaltigen, albernen Menschen. Gort-
zitza.
Kindsmargell, /., Margell, Mädchen,
zur Aufsicht über die Kinder, Kinder-
mädchen.
KTpenkerl, m., s. PlUnder.
kippig, adj. u. adv,, von Kippe, kippen.
Das Glas ist sehr kippig, — der Tisch
steht kippig = steht auf der Kippe^
ist dem Umfallen nahe.
Kfr, /., Einzahl von Kfre (364a), auch
ungeduldiges Wesen; Laune. Herr
534
kiren — klingenu
Grott^ was gieht du blofz für Ktren an^
eK du einen Löffel Medizin nimmst!
Was du auch aües für Ktren hast! nun
setzt du dir gar den Hut verkehrt auf.
Saalfeld.
ktren, st^., von Ktr^ ungeduldig sein,
übele Laune zeigen. Wenn die Kinger
Zdhnches kriege^ ktren sie in eins, Saal-
feld.
Kirsche, /., spanische^ Name für jede
Sülzkirsche.
Kiichak, n., Pferd, namentlich kleines,
junges. Der gewöhnliche Lock- und
Schmeichelruf für Füllen ist: Kisch^
Kisch! aulzerdem die Deminutivbildung
Kischchen, Masuren. Gortzitza. S.
Kiichlak.
ki§cheln (364 b), auch schlecht kochen.
Sie kischelt alles ab^ dafz maris kaum
zur SeeV bringen kann. Saalfeld. Auch
in Nataugen kücheln — kochen, und
Ki§chel, m.^ ein stark eingekochter
Brei aus Brot und Milch.
krtem (365 b). Sie hat die Schwelle
bekiterty sagt man, wenn die jüngere
Schwester vor der älteren heiratet.
Werder.
ktwig, adj., auch kühn, keck, feurig.
Sich ktwig machen^ dreist auftreten,
wichtig thun. Oberland. Vgl. kTfen.
Klackern (367 a), Z. 1 1. klackem.
Klafter, w. statt f. Das Klafter Holz.
klämerig, adj. Es geit klämerig^ es
geht fast schlecht, noch trüber wie
mittelmäCzig; wohl von klamm. Elbin-
ger Ndrg. Vgl klamerig.
klammheimlich, o^'. Zusammensetzung
aus klamm und heimlich. Sie safzen
ganz klammheimlich zusammen. Ober-
land.
Klapka (368b). klapka poln. auch
Brett eben. Bjt hat eine Klapka zu viel
vielleicht analog: Er hat einen Sparren
zu viel^ verwandt mit: Er hat ein Brett
vorm Kopf. Gortzitza.
klappern (369 b). Klappern gehört
zum Handwerk^ Reklame muiz gemacht
werden. Vgl. klippern.
Klapperwagen (;-i69b), federloser Wa-
gen, der beim Fahren klappert. Er
ist nicht nur durch Seitenleitem, son-
dern auch durch Vor- und Hinterleitem,
die sich beim Abladen leicht heraus-
heben lassen, abgeschlossen; diese sog.
Leitern haben volle Flächen, während
die beiden Seitenleitem des Leitenvi-
gens wirkliche Sprossenleitern sind Die
Klapperwagen haben stets Beschlag-
räder, während die Leiterwaaen aadi
auf Piiffrädem gehen. Trägt der Klap-
per wagen Tritte, so heifzt er Spazie^
wagen; hat er statt der Leitern ein
Geflecht, so nennt man ihn K(
Sack.
Klatschkasten, m., s. SchrobretL
Klatschrose, /., s. BijOn N.
Klatlen (372 b). Die Klunkern 2 (s.
d.) heilzen im Weichseldelta auch Klalr
ten; daraus Klattgärriy KlatÜauend^ Ans
Klattgam werden auch Lichtdochte ge-
dreht, daher heifzt es aach Docktgam,
pltd. Dachtgäm. Treichel, YolkstL
Klatterkamm (372 b). Der Kamm mit
engen Zähnen heifzt dichter Komm.
Lauskamm wird nur in grober Sprache
und als Ekelwort gebraucht. Sack.
Klauen (373 b), auch Klaun, m., und
Klein, /., Dem. das Klaunche, Klanch,
Klebstake, /., s. Lehmstftke.
Kleck (373 b), auch n.
Kleiderrump, m., s. Rump.
Kleidrock, Kiedrock, m., Rock. So 'n
Kledrock hab' ich auch mal gehatt
Saalfeld.
Klein, n., s. Klauen N.
Klein-SchOllkrauty n., s. Gesselbiume N.
Kleister (376 a). Das pltd. KUster ist
auch ins Hochdeutsche gedrungen.
klemmen (376 a), das 2. part. gewöhn-
lich geklemmt.
Klesemes, (?), ein Pelzwerk. Dts
Tausend 1422 52 Mark. Hirsch, 280.
Kletsche, /, im Oberlande s. t. a.
Klitsch.
Klimbim, Tn., Unsinn. In Berlin: Mach
keenen Klimbim ! Nach Schmidt aach
Musik.
Klimmer, plur., die Finger. Schüler-
ausdruck. Er hat auf die Klimmer be-
kommen^ Hiebe auf die Finger. Königs-
berg.
kiTn, klinn, adj.^ klein. Davon Klfeier.
KiTnerchen, n.^ kleines Kind. Oberland.
klingem (378 a). Sie kUngem « es
klingelt, läutet
Elinkerbaa — Enopfchen.
585
Klinkerbau, m., AufzenbekleidaDg des
Schiffes, bei welcher die Bretter mit
den Säumen über einanderfassen.
Klipp (378b), gewöhnlich im Dem.
Wir woUen Klippche(n) spielen! Das
Hölzchen, worauf geschlagen wird, ist
vierkantig und zugespitzt, die vier Sei-
ten sind auch numeriert
Klipping, (?), von Hirsch, 260, un-
ter den Rauch- und Lederwaren auf-
geführt; 1428 ein Hundert 5 Mk.
kifstrig, adj. von Kltster^ Kleister,
KiTter (379 a), plur. Klttem^ wird auch
in Ostpr. neben Khmkem gebraucht,
aber in etwas verschiedener Bedeutung:
jene sind fest, diese weich. Gort-
zitza.
KIVbe, /., das mit einem Hobeleisen
für die Drehbank zugehackte Bernstein-
stück, woraus Perlen oder Korallen ge-
dreht werden sollen. Elebs, Gewin-
nung etc. des Bernsteins, 32.
kloppem, sw.^ von Klopper^ klopfen.
Wer klappert daf
kiugkolken, sw.^ s. kolken N.
Klunker (383b). Wenn der Flachs
durch die Hechel gezogen wird, dann
feilt Hede (1, 279 b) ab. Bede wird
in eigentümlicher Weise aufgeschüttelt
(Hed scheddre\ in zwei Sorten geschie-
den und zu dicken Rollen zusammen-
gethan. Aus der bessern Sorte wer-
den Kratzen (I, 424 a) gemacht, wie
man auch die auf dem Kamm befind-
liche Hede nennt; der Rest von diesen,
der beim Abspinnen auf der Kratze
liegen bleibt, heii'zt Klunker: er wird
abgenommen und im Klunkersack, auch
Klunkerkrepsch, angesammelt. Ist eine
genügende Menge von Klunkern bei-
sammen, so werden sie gekämmeK (wie
Wolle) und versponnen, häufig auch
mit Wolle vermischt. — Beim ochwin-
gen des Flachses (mit dem Schwina-
messer auf dem Schwingblock) giebt s
auch Hede: die Schwingelhede (n,332a);
sie ist die schlechteste Sorte. Nach
der Güte des Gespinstes unterscheidet
man absteigend: Flachsgam^ Kratzen^
gam^ Hedgam, Klunkergam u. Schunn-
gelhedgam; ebenso ordnet sich das Ge-
webe als Leinwand. Sack.
Klutchen (384b), vorletzte Z. des
Artikels 1. bäwe.
Klute (385a), Z. 3 v. u. L Klüten-
pedder.
Kluwander (385 b). Dasselbe Spiel
(mit einigen Abänderungen) lernte
Bezzenberger in Gropischken (Li-
tauen) kennen und beschreibt es in
den Lit. Forsch., S. 205. Der Ruf
lautet: klukhvhtderä.
KiDwe, /. Hirsch, 252, führt „Mützen
mit 4 und 2 Kluwen^ auf; erstere
kostete 1426 2 Mk. 6 sc, letztere 12 sc.
knacksen (386 a). Nach dem scher-
zenden Volksglauben hat man so viele
Bräute, als man Finger zum Knacken
bringen kann.
Knagel, Knaggel, m.^ s. KriwQle.
knarren (387 b). 2. Bedeutung =
gnarren.
Knarrholz, n., nach Hirsch, 254,
s. V. a. Klappholz.
Knasterbart, -blank, -gold u. knastern
(388a), auch mit geschärfter erster
Silbe: Knasterbart etc.
knauen (388 b), gleichbcd. mit gnauen.
Knebel (388 b). 4. Griff am Sensen-
baum, den die rechte Hand falzt 5.
Pflzn., s. Knirkraut N. u. Wasserperlen.
Knecht (389 a), dekliniert im Sing,
schwach: des^ dem, den Knechten. Gort-
zitza. Vorletzte Z. 1. Eönigsberger
Brauer.
KnSfchen, n., s. Knopfchen N.
Knieling, m.^ von Hirsch, 260, unter
den Rauch- und Lederwaren zur Or-
denszeit aufgeführt. Nach Grimm,
Wb. V, 1429, Kniebekleidung von Tuch
oder Leinen.
Knipsgroschen, m., von knipsen 3,
s. V. a. Marktgroschen.
Knirkraut, n., Feldspark, Spergula ar-
vensis L, Samland. Auch Knebel, Ma-
rienspark u. Futterspark. Hagen, 492.
KnSbel, w,, s. v. a. Knebel 1.
Knochenbrechen, n., Krankheit, Glie-
derschmerzen im Fieberfrost. Ich haV
solch Knochenbrechen.
Knop (o kurz), m., hchd. Form für
Knopf, namentlich im Oberlande.
Knopfbinse, /., s. Rutsche.
Knopf chen, Knötchen, pltd. Knopke,
536
Enorrke — KoiiLe.
Dem. von Knopfe Enöpfchen, Gesamt-
name för Pflanzen mit knopfartigen
Blüten oder Samenkapseln. Aach Name
für die Samenkapseln allein. Die Knef"
chen von AlchemiUa vulgaris (s. krause
Marie) werden gern gegessen; ebenso
sind aie Knefchen von Malva rotundi-
folia eine beliebte Leckerei. Vgl. Gold-
knVpfchen N.
Knorrke, m, u. n., plur. Knorrken^ in
der Gebend von Listerburg, Darkeb-
men, Nordenbarg die Steinchen oder
Knöchel, mit denen die Elinder fangen.
S. knöcheln 2. Das Spiel heifzt dort
Knorrkespiel: Wir wollen Knorrke spie-
len! Sack. Knorrke wohl Dem. von
Knorren = Knoten, Knöchel.
Knuiel (397 b), gleichbed. mit Gnuiel.
kochendig, adj,, kochend, siedend.
Kochendiges Wasser.
Kogei, /., eine Art Mütze, Kappe,
Kapuze. Ordenszeit. Hirsch, 252.
Vgl. Grimm, Wb. V, 1578.
KOhlen, stü., albernes Zeag reden, von
iCoAZ^ langweiliges, dammes Geschwätz.
Vgl. Weigandl, 835.
KVhlerblume^., Schoten weiderich, Epi-
lobium angvstifolium L., weil sie sich
aaf alten Kohlen brennstatten häufig
findet. Treichel, Volksth. 11.
Koike, Pflzn., Fichte, Pinvs Toum,^
von dem poln. choyka^ choina (Stamm
cAo;a) Fichte. Treichel, Volksth. III.
kojinken (o kurz), winseln. Elbinger
Ndrg. S kajTnen N.
kOkeln, sw.^ mit dem Licht oder Feuer
spielen. Wer abends mit dem Licht
kokelU pil'zt nachts ins Bett. Schmidt.
KOIke (403 b), auch kurz die KoUc.
Auch im Oberlande wird die Krank-
heit auf ein im menschlichen Körper
lebendes Tier zurückgeführt: es ist
von grauer Farbe und mit Fingern aus-
gestattet. Saalfeld.
kolken (403 b), in erweiterter und wohl
moderner Bedeutung: unaufgefordert
seine Meinung abgeben, namentlich
beim Spiel; auch klugkoiken = khig-
kosen (s. d). Schmidt.
Kolkknecht, m. Seit 1421 waren auf
dem Artushofe dienend ihätig: ein Keller-
meister mit seinem Knechte^ ein Bank-
meister^ zwei Knechte, vier Jungen^ em
KoVcknecktundein Thorwächter. Hirsch,
206.
KiUmerkind, n., Tochter eines £a-
mers (s. d.). tun kolmisch Kind out
Kölmerkind ist bei den Bauern, warn
es sich ums Werben und Heüfothen ian-
deU^ ungefähr das, was man in anderm
Kreisen als Goldfischchen bezfiehuL
Voss. Ztg., No. 397, Sonntags-Beflage
No. 34. 1883, bei Besprechvng des
„Preufz. Wörterbuches".
Koltung, /., der Weicbselzopf. Saal-
feld. Es ist das poln. kaitun, kass.
klatan.
Kommersch, m,, Kommers.
KVnigsblume, /., Königskerze, VerbtES-
cum L.
KVnIgsgarten, m., Name des ^röfzten
und schönsten Platzes in Königsberg,
jetzt ParadepUxtz. S. BurgfreiheJt
Konsistorialvogel, m., s. v. a. Kaitun
(s. d.). Der nächste Ursprung des Na-
mens ist auf die Inspektionsreisen der
Konsistorialräte zurückzuführen.
Konstantinopel, Pflzn., Türkenbond-
Lilie, Lilium martagon L. Weichsel-
delta. Treichel, Volksth. III.
Konz, m. Vom., Konrad, s. Koneit
Kopfschuster (408 a), c^e wohnlich Kopp-
schuster, nach Schmiat auch Bezeich-
nung für einen Lehrer.
KorallenblUmchen, n., Sommer-Teufels-
auge, Ädonis aestivalis L, Weichsel-
delta. Treichel, Volksth. III.
Korallenkraut, n., gemeiner Spargel,
Asparagvs officinaUs L. Hagen, 367.
Pritze'l, 47.
Korallenweide, /., s. Zahnweide.
Koreil, Koreile, /., Perle. Von Koralk.
Saalfeld.
Korinthen, plur., wilde, Pflzn., Gebirgs-
Johannisbeere, Ribes alpinum L. Ha-
gen, 263. Nach Pritzel, 336, die
rote Johannisbeere, Ribes rubrum L.
Korke (409 b). Korke ist nichts wei-
ter als der edlere Name für Schlorre;
darum nennt man zum Unterschied ron
den rein ledernen Schlorren die Sohlor-
ren mit ledernem Oberteil und hölzer-
nen Sohlen Klotzkorken, Holzkorken,
Klotzschlorren etc. Durch Vorstehendes
Korkholz — Ejreide.
537
wird die nicht völlig zatreffende Be-
zeichnung (Z. 31 y. o.): ^Pantoffeln
von Holz" präzisiert.
Korkholz (410 a). Nach einer Mit-
teilung von Sack werden Korken aus
Eichenholz nie gefertigt, schon weil
dieses zu schwer ist. Das beste Kor-
kenholz liefern Linde, Erle, Weide; wo
dieses nicht zu haben^ nimmt man Es-
penholz.
Kornette, /., s. Mütze.
Kornzwiebel, /., s. Saatknoblauch.
Korscht, /., Kruste, s. Kirste.
koscher (o kurz), s. v. a. kauscher.
Koschgeng, tti., in früherer Zeit Rock
aus hellbraunem oder blauem Tuche,
der bis an das Knie reichte. Der Kosch-
geng hatte keinen Kragen, engan-
schliefzende Ärmel mit grol'zen Auf-
schlägen, auf der Brust zwei Reihen (je
9) grofze silberne Knöpfe, bei den
Armeren besponnene; auf beiden Seiten
waren Taschen mit grol'zen Patten an-
gebracht, welche oben mit Franzen be-
setzt waren. Unter jeder Patte be-
fanden sich drei silberne Knöpfe; auch
die Aufschläge waren mit Knöpfen be-
setzt. Dzg. Nhg. Viol^t, 170.
Koichlaren, plur,^ Landleute, z. B. in
der Neidenburger Gegend, die aus Bast
geflochtene Schuhe tragen. Gortzitza.
Koichlerk, m., s. Kulchiark N.
kowmel, kownei, Zuruf an Schweine.
Saalfeld.
kracheln, sk?., viel husten. Vgl. krak-
kein.
Krähenbeere, Kränbeere, /., Pflzn.,
schwarze Rauschbeere, Empetrum ni-
S^mL. Hagen, 1036. Pritzel, 139.
ach Hagen, 415, auch die Moos-
beere, Scholler a oxycoccos Rth.
Krämpei (420a). Der Krämpel gefällt
^^/"^ — fängt mir an zu gefallen,
Kränbeere, /., s. Krähenbeere N.
kränken, 8w, Einen um eine Mark
kränken^ ihm eine Mark im Spiel ab-
nehmen. Vgl. anspafzen N.
kränkerllch, adj., kränklich.
Kraschel,/., die Kinderklapper. Ober-
land.
Kräten (423 b), sing. Krate, /., Sprosse,
Gitterstange, Gitterstab.
Kratze (424 a), plur.y Kratzen und
Kratzengarn, n., s. Klunker N.
kraulen (424b), krabbeln, 'romkrau-
len, umherkrabbeln. Elbinger Ndrg.
Kraut (425 a). 3. Man wirft auch
den aus neunerlei Kraut gewundenen
Kranz auf einen Baum. Bleibt er beim
ersten Wurf hängen, so heiratet man
noch in demselben Jahre; jeder miiz-
lungene Wurf bezeichnet ein Jahr des
Wartens.
KrawQI (425b). Z. 7 ist nach „nach
dem Abendbrote zusammen^ einzu-
schalten: „schleifzen Federn und^ etc.
Der Kravml beginnt am ersten Abende
nach den Weihnachtsfeiertagen (28. De-
zember) und endet, wie die Zwölften,
mit dem Dreikönigstage: am Sylvester-
abende wird vorzugsweise Glück ge-
griffen. Das Schlui'zstuck des Krawuk
ist das Begräbnis des Königs, Vor
Mittemacht wird ein Bursche als Kö-
nig gewählt. Er stirbt, und nun trägt
man ihn in feierlichem Zuge zur Be-
stattung hinaus: die ganze Erawul-
gesellschaft folgt. Vor dem Dorfe wird
er in Schnee gebettet, wobei man na-
mentlich das Gesicht überdeckt. Alle
umgehen den Begrabenen. Auf einmal
springt dieser auf, die Gesellschaft stiebt
schreiend auseinander, und jeder läuft
nach Hause. Damit hat der Erawul
sein Ende erreicht. Gegend von Ger-
dauen. Sack. Zur völligen Richtig-
stellung der Schlul'zsätze des Artikels
sei darauf aufmerksam gemacht^ dal'z
in vielen Gegenden die Dori^ugend sich
nur ungern an den Abenden der Sonn-
tage und zweiten Feiertage das Ver-
Siugen des Tanzes entzieht, an solchen
rten wird an diesen Abenden selbst-
verständlich kein Krawül stattfinden;
die Hauptzeit für die Krawule sind,
wie das auch am Anfange angegeben,
die Zwölften.
Kreide (426a). Zu Förstemanns
Bemerkungen: In Frankfurt a. M. nennt
man unsere Kreide 2 Latwerge, auch
rheinisch Krauts am Rhein nur Kraut.
Es wird, namentlich im Winter, den
Kindern und Dienstboten auf Brot (statt
Butter) gestrichen. Sack.
538
Ejreier — Karnik.
Kreier, m., Seeschiff, kleiner als die
HoUce. In Seekriegen, in denen die
Kreier den Friedenskoggen die Lebens-
mittel nachfahren, z. B, 1398, erhalten
sie eine Besatzung von 10 Gewappne-
ten, während die Friedenskoggen selbst
40 bis 100 Gewappnete aoizer dem
Schiffsvolk fassen. Hirsch, 264.
Kreolfn, /., Krinoline.
Kretizbaum, m., gemeiner Schindel-
baiim, Pfaffenhütlein, Evanymus euro-
paeus L, Weichseldelta. Treichel,
voiksth. m.
Kreuzblume, /., breitblättriges Knaben-
kraut, Orchis latifolia L. Hagen, 913.
Vgl. auch Vogeiszung.
Kreuzholz, n., Pflzn., gemeiner Kreuz-
dorn, Rhamnus cathartica L, Hagen^
257. Pritzel, 329.
KreuzkUmmel (428 b), Z. 5. L quer-
runzeligen Samen.
Kreuznessel, /., s. Sauknoien.
Krillvogel, m,^ nach Bujack, 382,
s. V. a, Grillvogel.
Krisilnenkraut (431b), auch Kerstin!-
kenkraut, KrVstInkenkraut Pritzel, 191.
Kroll, /., Kralle, Nagel an Hand oder
Fulz. Saalfeld.
Kronsbeere, /., rote Heidelbeere, Vac-
cinium vitü idaea L. Hagen, 418.
KrVtenkraut, n., s. Jungfergras.
Krücke (434 b), auch kurz Krack, und
in dieser Form Schimpfwort auf ein
altes Weib: alte Knick!
Krude (435 a), /., eine Art von Ge-
würzkuchen (hoU. kruid Gewürz), ge-
würztes Zuckerwerk, Konfekt^ welches
die Apotheker, Krudener, bereiteten. Es
gab Kubeben-y Koriander-^ Anis-^ Kor-
demom- und Kanel-Krude ohne bedeu-
tenden Unterschied des Preises. Man
verkaufte sie pfundweise oder in Laden,
deren jede ^ Pfund wog. Ordenszeit.
Hirsch, 244.
KrullmulL n., einDurcheinander. Saal-
feld. Vgl. Schorrmorr.
Krunk (436 b). Das Krunkspiel wird
auch im Oberlande von Knaben ge-
spielt. Die von einem Rundholze ge-
schnittene Scheibe wird durch Wurf
ins Rollen gebracht und von der Ge-
genpartei durch Schlag oder Stolz, wie
sonst Schlag- oder Warfball, angehal-
ten oder zurückgetrieben.
Krankein, Pflzn., s. GoldknBpfchen.
Kraschke, /. Man verlud das Wadu
nach Damig nicht nur in gereinigtem
Zustande^ sondern auch in rohem Zur
Stande in y^Krtischken^ oder „Stöcken^,
Hirsch, 166. In einer Note spricht
Hirsch die Meinung aas, dafz mit die-
sen Kruschken der litaaische Honig
(Lippitz oder Lindenhonig — s. Lip-
piz) nach Danzig gekommen sein winL
Krascht, /., Kruste, s. Kirste.
Kruschüks (438 a), yielleicht richtiger
von Krth = Krug.
Krazeck, m.^ die Wasserkäfer Effdro-
philus piceus und aterrimus Esek
Gortzitza.
Kubbus, 97»., Flachsknoten mit abge-
rissenem Stengelende. Gegend von Zin-
ten. Gordack.
kubern, sw.^ kränkeln, s. köbem.
Kuddeln, plur., Kutteln, Gedärme.
kuddlich (440 b), in 2. Bedeotong:
leicht erregt. Ein kleiner, leicht auf-
gebrachter, zu Streit geneigter Mann
ist ein kudcUicher Kerl. Insterborg.
Kuhfladen, tt»., die Kotmasse des Kin-
des auf Weiden und Wegen.
Kuhmus, Pflzn., s. Hgrmoos N.
KUhnblUmen, plur., s. MUnchshaupt K.
Kuhweizen, m., s. Tag und Nacht
kujenieren, kujonieren, andere Formen
für kuijonieren (443 a). Ich toerd" sdißu
halten, was ich versprochen hab\ aber
kujenier mich nicht!
Kulas, m., Knüttel, krummer Hakeo-
stock, im Masurischen, aber auch im
Deutschen gebraucht. Dafs en guier
Kulas! Gortzitza.
KQIke, /., s. V. a. KSlke (s. d.).
Kullrad (444 a), auch Kullerrad.
Kundftt, m.y Kandidat, s. KandäL
Kupscheller (448a), nach Sack auch
in Litauen Pferdehändler.
Kurnik, m., von dem poln. kumik
Hühnerhaus, Hühnerstall, ein Schlag-
spiel für zwei Parteien. Jede hat ihre
fünf Klötze, Hühner vorstellend, v^relcbe
mit einem Stocke in mannigfachem
Wechsel aus den fingierten StalleD ge-
schlagen werden.
kuschen — lichten.
589
kuschen (451 b), Z. 7 y. u. l. poln.
huczei^ kuczyc hocken, sitzen.
Kuschinne, /., s. v. a. Kuijelfichte^ s.
hui.
Kuichlark, Kofehlerk^ m., Kuhpilz,
Boletus bovinus L. Aach Ptmke. Ober-
land. S. Glattling u. Kozelarke.
Kutka (451b), auch Kurtka und in
beiden Formen auch /.
Zum zweiten Bande.
L.
Ladder (4 b), n. 1 . hautartiges Fleisch.
Was soll ich mit dem Ladder^ gieb mir
doch wenigstens ein Stück Fleischt
Ladichohr, n. u. m., Tier, namentlich
Pferd, mit hängenden Ohren; Schimpf-
wort auf einen lässigen, unansehnlichen
Menschen. Vgl. Latsche etc.
Lahmschink, m.. Hinkender. Ma-
rold.
lakeien, sw.. einem Lakai gleich sich
dienstwillig zeigen. Marold. S. la-
keidem.
Lämmerblume, /., s. Gesselblume.
Lappen, plur. = Koddem (s. d.), Klei-
der. Die Lappen vollgeschmiert bekom-
men^ ausgehauen werden.
Lasten, plur , Wieselpelze. Hirsch,
260.
Lauser (13 b), in 2. Bedeutung von
lausem\ langsamer Mensch, der mit
seinen Arbeiten nie zur rechten Zeit
fertig wird.
Lausewenzel, m. = Lauswenzel. Vgl.
Drängsei.
Leberblume, /. 1. weifze^ Sumpfherz-
blatt, Pamassia palustris L, Hagen,
345. Pritzel, 266. 2. trauTW, s. Wurm-
wurz.
Leberkletten, Pflzn., gemeiner Oder-
mennig, Agrimonia eupaUyiia L. Ha-
gen, 513. Pritzel, 13.
Lebkraut, n. = Lebenskraut
leckerig, leckrig, adj., lecker, lecker-
haft.
Leggat, tt»., s. v. a. Laband, Litauen.
Schmidt. Lit. Ugotas Lümmel.
Leib und Leben. Über Leib und Le-
ben, über den ganzen Körper.
Leiterwagen, im Oberlande Letter-
wagen, m., s. Klapperwagen N.
Leitsmann, Lotsmann, m., Lotse.
Hirsch, 265.
Leken, tt»., Leck im Schiffe. Hirsch,
265.
lell, oJ;., 8. teil.
LSn (22 a), auch LCne.
LenOr (22 a), auch LenOre.
Les-chen, n., von lesen^ der kleine
Topf, den die Beerenleser vor sich in
einem Gürtelbande tragen, die gepflück-
ten Beeren hineinzuthun. Die Leschen
werden in die grofzen abseits stehenden
Gefafze entleert. Die heimkehrenden
Beerenleser, meistens Kinder, singen:
Ti'ull, trtdl^ wer hat nich voll?
Dem schei/zt der Boll das Lesche voUl
Oberland.
Letzte (23 b). 2. Der Schlag wird
auch begleitet von dem Rufe : Anschlag^
Anschlag ohne Widerschlag! Statt des
Rufes Anschlaa hört man, wenn s am
Abend geschieht, auch den Ruf: Abend-
schlag! und darauf bezüglich den höh-
nenden Ruf des Getroffenen: Awend-
schlag, Awendschlag — Biet de Katt
den Zagel af! Marold.
lichten (25b). Vorletzte Zeile des
Artikels lies: Sich im lichten stehen.
540
Lichtzieher — M&asleiD.
Uchtzieher, m,^ Spottname für ein
Kind, dem die Nasenflussigkeit aus
der Nase hervorhängt,
Lieberchen, n, u. m., vertrauliche An-
rede.
Liebrose, /., roter Fuchsschwanz,
Amarantus catulatus L. Dafz weifz ich
würde Und roth von Antlitz^ Gleichioie
meines Vaters Liebrose blühet. Nsslm.,
Dainos, 194.
liila (28a). Zur Bezeichnung ge-
schmackloser Farbenzusammenstellung:
liüa und kumstfarben.
Lischke (30a). Auch: Kopf ab, Za-
gel in die Lischke. Sprw. 1. 2139.
Loch, n., Gefängnis, davon : einiocheriy
sw.^ ins Gefängnis stecken. Sie haben
ihn eingelocht S. KalQs N.
Lodderinski, tti., von lodderig mit pohi.
Endung.
LOpäwer, /., s. Schrotsuppe N.
Lorbläiter, pltd. Lorbläder, pbtr^ Lo^
beerblätter.
Lotl, w. Vom., Charlotte. Dicke LoU:
die Zahl 88; nanoientlicli beim Kegelr
spiel.
LVwenfufz, m., Pflzn^ gemeiner Bär-
lapp, Lycopodium clavatwm L. Ostpr.
Pritzel, 226. Nach Hagen, 178,
heifzt Lowenfu/z der gemeine Sinnu,
Alchemilla vulgaris L,
Luck, n., s. Schlipp N.
Ludd (39b), auch Name für jeda
in seiner Kleidung nachlässigen, io
seinen Bewegungen linkischen, dazu
einfaltigen und beschränkten Menschen.
Das ist ein rechter L/udd.
lupsen, sw.^ rupfen, s. belupsen N.
M.
Mädchenkraut, n., echtes MädesuCz,
Spiraea ulmaria L., auch vrilder Flie-
der. Saalfeld. Nach Pritzel, 387, in
Ostpr. Medkraut {Mädkraut).
Magdblum, /., s. Romei.
Maiholz, n., Pflzn., s. Jakobsholz N.
Mandierung, /., s. einmandieren.
MantelOrrock, m., mantelartiger Rock.
Marold. Vgl. RocklOr.
Maraun, Pflzn., Mutterkraut, Chrysan-
themum parthenium Bemh, (Jstpr.
Pritzel, 95.
MargenrSslein, n., s. Christäuglein N.
Margenwerder, Ortsn., Marienwerder.
Margret, scfiöne^ Pflzn., griechisches
Heu, Trigonella foenum graecum L,
Ostpr. 1590. Pritzel, 409.
Mariendorn, Pflzn., Hundsrose, Rosa
caninaL, Pritzel, 339. Auch Frauen-
rose (s. d. N.).
Marienkolben, m., s. Seekolben.
Marienspark, m., s. Knirkraut N.
Marke, /, s. Merke N.
Markt (52 b). Z. 1 ist die Zifi^er
zu streichen.
Marktknecht, m , Aufseher, Ordner,
auf dem Fischmarkt, ursprünglich Fisch-
markts Wächter. Dan zig. Ordenszeit
Hirsch, 210.
MarlTse, w. Vom., Marie Elise.
Mart, m , der Marder. Elbinger Ndrg.
Vgl. martig
Martfn (53 b). Der Martinsta^ ist,
nach Gortzitza, der Tag des Dienst-
wechsels auch für städtisches Gesinde;
er heii'zt gewöhnlich Martini. Yomame
auch Martin.
Maschlaber, Maschleber , Pflzn., nach
Pritzel, 226, in Ostpr. Name för
Lycopodium selago L. S. Mirsemao.
masrig, adj.., elend leidend. Saalfeld.
Gewöhnlich miirig (s. d.).
Masseln (54 b). Z. 6 1. Wundmal.
Mattwisch, Pflzn., s. Zwalchweizen.
Matz (54 b). Eine beliebte Zusam-
mensetzung ist noch Schei/zmatz.
Matzebill, /., Schimpfwort für eine
schwerfallige, korpulente Frau. Saal-
feld.
Mauerschirk (57 b), das Wort hat a.
a. 0. ein c zu viel.
Matiseratzefaller,77t., Zusammensetzung
aus Mause- und Ratze faller.
Mäuslein, n. Dajz dich dca MäusUw
M&asschw&ozlein — Münchshaupt.
541
beifzt! als Ausruf der Verwunderung,
des Staunens. Sprw. I, 2589.
Mäusschwänzlein, Pflzn., Myomrus mi-
nimtis L, Ostpr. Pritzel, 241.
Mauter, Pflzn., Mutterkraut, Chrysan-
themum parthenium Beruh. Saalfeld.
Medewachs, m. Bei Hirsch, 256,
unter den Waldwaren aufgeführt.
Meerbrackdistel, /., s. Mannstreu.
Meergrasblume, -nägelchen, s. Seegras.
Meerwurzel, /, s. Mannstreu.
Meyenschein, m.^ Pflzn., knollen tragen-
der Steinbrech, Sdxifraga granulata L.
Ostpr. Pritzel, 364.
Melifz, Melisse, Pflzn., einjähriger
Ziest, Stachys annua L. Pritzel, 387.
Hagen, 626.
Menken, plur. Bei Hirsch, 260,
unter den Rauch- und Lederwaren auf-
geführt.
Mennig (61 a). Marold hat die Form
Menning für Honigkuchen im Yolks-
munde häufig gehört.
Mense. /., Behältnis für Wachs. Vgl.
Stroe. Hirsch, 255.
Merke, /., auch angeborenes Zeichen,
Hofmarke, ursprünglich Handgemahl, aus
einfachen geometrischen Strichen zu-
sammengesetzt, als Besitzzeichen ange-
wandt, aber auch auf das bewegliche
Eigentum übertragen. Sie ging später
vom Grundbesitzer auf dem Lande auf
den Bürger und Kaufmann über und
wurde zur Haus- und Kaufmannsmerke,
-marke. In Preufzen war nach einer
alten Rechts^ewohnheit^ die man auf ein
ausdrückliches Gebot des Hochmeisters
Winrich zurückführte^ jeder Kaufmann
verpflichtet^ seine ^^Kaufmannsmerke^ in
einem Ringe eingegraben bei sich zu
führen, Hirsch, 223.
Messer, m.j der Messende. In den
groi'zen Städten gab es und ^ebt es
Kom^j Holz- u. Kohlenmesser. Danzig.
Hirsch, 219.
Metbrauer, m , Brauer von Met.
Hirsch, 305.
mt, adv.y mehr. Immer mt^ immer
mehr. Saalfeld.
Michei (63 b), in 1. Bed. mehr noch
Michel; auch zur Bezeichnung eines
dummen Menschen: er ist ein Michel^
— ein dummer Michel. Als Kalender-
tag auch sehr gebräuchlich Micheli.
Mike (64 a), wohl Kürzung von dem
pltd. Marike.
Miichbiume, /., s. d. und Vogeiszung.
Milchkraut, n., gemeine Bachburgel,
Peplis portula L. Ostpr. Pritzel,
267. Nach Hagen, 389, auch Zipfel-
kraut Unser lieben Frauen Milchkraut
ist, nach Pritzel, 319, in Ostpr.
das gebräuliche Lungenkraut, Pulmo-
naria ofßcinalis L,
Millionendamm, m., früher Strafzen-
name in Königsberg, jetzt neue Damm-
gasse^ weil der Damm aus dem Schutte
des grofzeti vorstädtischen Brandes 1769,
welcner Millionen verzehrt hatte, auf-
geschüttet war. Hoffheinz, Straizn.
605.
Millkohl, m., Gemüse von MiU^ Melde.
Mfs (65 b), auch Mfse u. Mize.
Miser (66 a), in der Gegend von Nor-
denburg auch Miseritz u. Miseritzki.
Mite (67 a), auch Name für Gruben
zur Aufbewahrung von Kartoffeln und
Gemüse.
Mittelfrupp, m., s. Trupp.
Mtze, w. Vorn., Marie; auch Katze.
S. M!8. •
Mompitz, Mumpitz, tt»., wertlose Sache,
inhaltsloses Geschwätz, Unsinn. Das
ist Mompitz. Kgsbg.
MOnkezebrer, m., s. v. a. Molkentewer,
Oberland.
Montwurm, m., s. v. a. Moltwurm.
01)erland.
Moppchen (72 a). Mopke is^ wo^ wenn
man nich hat, auch Bimstein nehmen
kann.
Moppe, Mopp, /., Ohrfeige : einem eine
Moppe geben. Gortzitza.
mVrderlich, adj , s. v. a. mords, mords-
mäfzig. Das ist mörderlich viel^ eine
frofze Menge, auch ein sehr hoher
reis.
mSrdem (72b), auch morderieren.
Motte, /., als Drohung: Da/z du die
Motten kriegst! Du sollst die Motten
kriegen! Sprw. I, 2665.
muckstill (75a), auch muckchenstill.
MUnchenhof (79 a), Z. 4 1. Thum.
MUnchshaupt , Pflzn. , gebräuchliche
542
marachen — nuzand.
Kuhblume, Taraasacum officinaU Web ;
auch KUhnblUmen. Ostpr. Pritzel, 396.
murachen, sw,^ s. v. a. marachen.
Mursemau, MUrsemau, Pflzn., andere
Formen für Mirsemau (s. d. ). Pritzel,
227.
Muskat, /"., h*atise^ Topfoflanze, Pelar-
gonium radula roseum W. Saalfeld.
müssen. Ich müfzte noch auf 'n Sack-
heim gehn^ ich hatte noch ein notwen-
diges Geschäft auf dem Sackheim ab-
zumachen.
mtitbarschen, sw,^ sich, im Oberlande
= mOdbarschen.
Mutter (82 a), zu den Schmeickd-
formen noch: Muttretzchen, Muttrezuir
chen.
Mutterkraut (82b), nach Pritzel,
432 f., in Ostpr. aach Veranica chamai-
drgSy latifoliay teucrium a. prastraia L.
mutzen (84 b), in der Bedeatuog maa-
lend trotzen auch bei ans: Warscht m'
woll noch vH mutze ^ wirst wohl noch
aufbegehren! Sack.
Mutzkopf (84b), auch aas mutzen in
vorstehender Bedeatang: er ist ein Mutz-
kopf^ begehrt leicht auf, mault, räson-
niert.
N.
n (84). Beispiele für die Vertau-
schung des n mit m: samft sanft,
Zumft Zunft, Sämfte Sänfte, Semf
Senf, Einkümfte Einkünfte, ATikumft
Ankunft, Zukumft Zukunft, fümf fünf,
Fümftel Fünftel, fumfzehn fünfzehn,
fumfzig fünfzig. In den beiden letzten
Wörtern wird das n auch ausgelassen:
fufzehn^ fufzig, ja sogar m^t o ver-
tauscht: fofzehn^ fofzig.
Nachtskann' (87 b), die Redensart
auch : Die Nachtskann^ hat ein Ohr be-
kommen (zu dem eigenen, das ihr schon
der Töpfer gegeben).
nachwSfzagein, verstärktes nachzageln
(s. d.). Vgl. auch weifzageln.
nachzockeln, sw.^ s. v. a. näsockeln,
s. socken.
Nadelohr, Natelohr, n., Nadelöhr.
Naxkopf, m.^ verstärkter Ausdruck
für Trotzkopf. Gortzitza.
nel (94 b), auch = nicht. S. aber N.
-ner (94 b), auch hchd. ein Tagner
acht etc.
NSschken (95 a), mehr wohl Umbil-
dung des plur, von Neige, pltd. Nege,
Nessel, /, tote^ s. Tannnessei.
Niff (99 b), Z. 7 1. Nif ist etc.
nurgeln (103 b), in 3. Bedeutung auch
coire. In 1. Bed. auch übertragen:
nurgeln und purgeln^ fortwährend in
jemand um etwas bittend eindringen.
Oberland.
nuscht (104b), Z. 4 lies: hchd. nieks
nicht.
Nufzschlagen, n., früher beliebtes Kna-
benspiel. Jeder Knabe hatte durch-
bohrte Haselnüsse auf eine lange Schnur
fezogen, deren Enden geknotet waren,
line Nufz wurde an den vordem Kno-
ten geschoben, die übrigen Nüsse gegen
den untern. Diesen Teil der Schnur
wickelten die beiden Gegner am die
Hände. Es galt nun mit der vorderen
Nufz die (auf einer Büchertasche oder
einem Stuhlpolster liegende) Nufz des
Gegners mit einem Hiebe zu zerschla-
fen; gelang*s, so war der Kern der
lohn.
nuzund (105b), bezeichnender: Bil-
dung wie jetzund aus nun und und mit
Eintreten des z aus jetz. Gortzitza
sieht darin ein Analogen der Bildung
von (irjxBTi nach oixHi, Eine ^m-
liche Bildung ist Saunigel ^ Sauigel,
durch das eingeschaltete n, das sich aus
Schwein (Schweinigel) hinverirrt hat
o — Peischel.
543
0.
0 (105a). Beispiele fQr die Dehnang
des kurzen o: Pforte Pforte, Dröfzel
Drossel, erdrofzeln erdrosseln, Lorbeer-
bldtter^ Antw&rt
Oben, m., Ofen, Beleg unter absund
Obenruhr, /., Ofenröhre, Wärmloch
in der vordem Ofenseite. Oberland.
ob80iv(re(n), pltd. Form von obser-
vieren, beobachten, wahrnehmen. Dat
hff ich noch nich obsolvert. v. Au er.
oder (107 b). Beliebt auch als Vor-
wort bei Anreden. Oder Herr Leitnant^
uns Rapp will nich fressen,
oderkauen, &w.^ s. v. a. dderkauen.
Ofen, m. Der Ofen ist eingefallen^
die Frau ist entbunden.
Ohr (108 b), auch s. v. a. Öhr.
OhrwUrmchen (109 b). Der Mangel
an Aufrichtigkeit liegt nicht notwendig
in der Freundlichkeit des „Obrwürm-
chens
..^
Ort (o lang), w., Pfriem, Ahle. Zu
Ort (111b).
P.
Padöllak, Podöllak, m., ungeschickter,
plumper Mensch. Von padölchy podölch
(s, AT),
Palte (llSa), auch bei uns als grofzes
Stück, namenüich grofzes, unförmliches
FleischstQck. Das Schwein^ das vsir
gestern schlachteten^ hat gehörige Palten.
Saalfeld.
Panitschken (119b), das Wort ent-
spricht mehr noch dem poln. panicz
junger Herr, Junker.
panjebrfttsch (119b), in beiden For-
men auch mit kurzer letzter Silbe, wie
das schon aus dem Beispiel hervorgeht,
das den Sinn hat: er sagt zu jedem
gleich panie bracie.
pftpern (120b), in gleichem Sinne
wie Paper paper im ersten Beispiel,
auch Pdpertapdp und Paperlapap
pappein (121 a), kann als härtere Form
für babbeln angesehen werden.
Parchem (121b), auch Parchim.
Pardck, /., Perücke.
Pftsiack (124a), Z. 5 y. u. 1. poskin-
nik,
Pastrangas, m., wohl aus dem poln.
postronek Strang, zur Bezeichnung
übermäfzig langer Gegenstände. Ein
zu langer Faden, oder auch Stock ist
ein langer Pastrangas, In zweiter Be-
deutung auch penis, Schmidt. YgL
Postronke.
Patschak, Patschsack, m., einer der
patscht. Schmidt. Vgl. patschen.
Patschorken, plur,., die von den Geist-
lichen abgehaltenen Gebetverhöre, poln.
paciorki, Gortzitza.
Paukenstock, m,, Schinken der Gans;
nach der Ähnlichkeit.
Pausch, m. In Patisch und Bogen^
allgemeiner: in Bausch und Bogen im
grolzen u. ganzen, alles in allem. Vgl.
Weigand I, 141.
Pazuren, Pazoren (128b), nach Gort-
zitza auch Pasuren, Pasoren.
peddein, sw,y von paddeln, mit den
Fül'zen kratzen, wie aas Hühner thun:
sie zerpeddeln ein Beet.
Pedaig (129 a). 4. der unreine Rest
von Flüssigkeiten, z. B. von Bier im
Glase; auch die Flüssigkeit, die sich
beim Rauchen einer Pfeife vom Tabak
in der Schwammdose ansammelt. Gort-
zitza.
PSdehaken (129bX auch Name für
die Zahl 77, weil sie zwei (umgekehrten)
Pedehaken gleicht; beim Eegelspiel.
Vgl. pticldige Freundschaft,
Peischel, m., Strohbündel zum Dach-
decken. Schirwindt. Lit. paiszlas^
544
Pemke — pkunpen.
nach Nsslm., Wb. 281a, die kleinen
Strohbündchen, welche die Dachdecker
bei dem Decken eines Strohdaches zur
Befestigung der First längs derselben
anbringen. Vgl. Bammluck und Sch6-
fei N.
Ptmke, m., s. Kuschlack N.
Perpelitze (134a), poln. przepiörka,
przepiöreczka,
PeierzVIge (136 a), auch Peterzilge,
Petersifge.
Petition (136 a) in Masuren ganz ge-
wöhnlich, aber nicht für alle Salende,
sondern nur für das zu liefernde Ge-
treide. Gortzitza.
putschen, petschefn, »w., s. tetschen.*
petzen (136 b), davon der Petzer.
pf (136 b), es wird nicht bloi'z plattd.,
sondern auch hochd. fast regelmäi'zig
durch pp oder / ersetzt.
Pfarrin, /., Pfarrerin, Pfarrfrau.
plkfein, adj.^ hoch fein, vorzüglich.
pillem, «W7., von Piller (s. d.), coire.
Pillkauer (143b), Druckfehler für Pill-
kaner.
Pilz (144a), im plur. auch Pilsen.
pimpeln (144b), Z. 2 v. u. 1. Pimpel-
lise,
Pinkerling, m,, s. anschmeifzen N.
Pinokel, beliebtes Kartenspiel, dem
66 ähnlich. Lötzen. Schmidt.
Pint (146 a), auch Schimpfwort, ver-
stärkt Dammelpint
Pfphahn (147 a), auch hchd. PIpan.
Pirägge (148 a), nach Gortzitza Pje-
rogge, Quarkflinze.
piichen (149 a), auch Piichull machen^
Pinchullchen machen.
Piicher (149 a). Püchei* u. Pischer-
chen auch Namen für kleinere, im
Wachstum zurückgebliebene Bäumchen.
Pischkachel ('149a), zwar Schimpf-
wort, doch nicht übel gemeint. Nach
Gordack rührt der Name daher, dafz
solch' junge Mädchen auf dem Lande
eine Ofenkachel als Nachtgeschirr be-
nutzen.
PTsker (150a), Z. 3 1. Auch.
PTfzen, w.. Bissen, Stück. Bau Pifzen
Brot. Memel.
Plachanske, n., kleines Schnapsmai'z
von Blech. Insterburg.
pladdern (151b), statt abpladdern sack
auspladdem.
plarrig, adj.y grofz and onförmlich,
von plärren 2. Eine vlarrige Schleife,
Platz (154 b), m.xi./. Im Oberlande
flache Koggenmehlkachen in nmder
Jform, hin und wieder mit Salz be-
streut, beim Bäcker käuflich. Das itt
80 sicher^ wie beim Bäcker die Flatz^
zunächst mit Bezug auf den festen
Preis einer Ware. Das geht wie beim
Bäcker die Platz, die Ware hat schnellen
Absatz. Vgl. Sprw. 1, 225. Nach
Sacks Mitteilung Plätzchen y pltd.
Plätzkes, ganz kleine, sehr dünne Kochen,
die zum Kaffee oder Thee gebacken
werden. — Plätzchen^ Plätichka nennen
in der Insterburger Gegend die Kinder
auch die flachen Scherben, Späne etc,
welche sie mit Wurf von der Wasser-
fläche wiederholt aufprallen lassen:
Plätzche, Plätschke scnmei/zen. Vgl.
Butterbrot 1.
Piemper, Plimper, PIBmper, PlQmper,
m., dünnes Getränk, dünne Sappe. S.
plumpem.
Plenps\ plur,, Hiebe. Zu Hause giebii
Ptenps. Oberland.
Plick (157b), nach Gortzitza auch
kahle Stelle auf dem Schadet Lit.
plikas kahl. S. plicken.
plicken (157 b) sich.^ sich rauf^,
schlagen, pflücken. Eine g^te Mutter
sagte beim Abschiede zu ihrem Sohne,
einem strammen Studenten mit vielen
Schmissen: Aber Paulche^ plick dir mcA
mehr! Schmidt.
plinken, plinkem (158 a). Beliebte
Unterhaltung, namentlich unter Kindern,
ist es,, den andern darauf scharf anzu-
sehen, wie lange er die Augenlider
offen halten kann, ohne zu pUnken oder
plinkem.
plinzen (158a)=die Augen verdecken,
auch in Masuren. Gortzitza.
PIfske (159a), Z. 2 1. Dönh. statt
Dähn.
Pludderhose (160a), auch PllJdde^
bUxen, pltd. Pludderboxe.
plumpen (161a), auch stark regnen.
Das plumpt gut. Es regnet^ da/z es man
so plumpt
Plompsack — Patzschere.
545
Piumpsack (161b). Mit dem Plump-
sack yi'wA bei maDchen Spielen auch
auf Schaltern und Rücken geschlagen.
pilischen (163 a). plauschen ist wie-
nerisch: plauschen! s nit so geschwollen.
Wander, Sprw.-Lex. V, 1660.
Poch (1 63 b). NiedlicheiuDge Schwein-
.chen nennt man Pochel^ JPochelche, pltd.
Pochelke. Auch zu Kindern sagt man
kosend: Mein Pochelke^ mtn Pochelke!
namentlich dann, wenn sie sich der
Mutter zärtlich mit unsauberm Gesichte
nahen.
Podöllak, 97»., s. Padöllak.
Polen (166a). PoUn ist ogenl druckt
wohl ursprünglich die Freude aus,
welche sicn äiSzert, wenn die Grenz-
sperre gegen Polen angehoben oder
gemildert wird. Gortzitza.
pOlsch (167 b), auch polsch (kurzes o).
Pompex (168 b). Der Name ist in
Ostpr. allgemein bekannt.
ponfeheln, su?., s. v. a. bonichein.
Oberland.
Pürschke, m., s. v. a. Barsch; ebenso
KaulpSrschky Kaulbarsch. Oberland. S.
KQIbärsch.
Pösew (170 b), in 2. Bedeutung auch
in Masuren sehr gebrauchlicji. Gort-
zitza.
Post, /., (170a). Gortzitza macht
für die Herleitung auf das näher lie-
gende poln. po4cic fasten aufmerksam.
PotrschebowskI, m., einer, der oft in
Verlegenheit ist und Hilfe, namentlich
Geldhilfe braucht; von dem poln. jpo^2^
bowac bedürfen, nötig haben, brauchen.
Masuren. Gortzitza.
Power (173b), nicht blofz im Sam-
lande.
Pracherchen , plur, , Deminutivform
von Pracher = Bettlerchen , zur Be-
zeichnung der Luftbläschen, die in
gutem Bier aufsteigen. Neidenburg.
Gortzitza.
Prils^pche, Presipche, Pros6pche, /. u.
n., von dem lat praesepe Krippe, Stall
etc., Bett; Gefängnis, in die Präsepche
gehen ^ zu Bett gehen. Sie gehen mit
ihm ins Prosepche^ ins Gefängnis.
Priaehbier, W6rt«rbadi II.
prflten (177 a). prdtschen verstärktes
brdschen.
Prech, m, u. /., verstärktes Breche
s. BrVch. Die Prech thut mir weh, ich
habe Leibschmerzen. Willst schon wie-
der was in die Prech haben, willst schon
wieder essen? Oberland.
Pres6pche, /. u. n., s. Präsepche N.
prickeln (180 a). Als Ausgestaltung
der 3. Bedeutung: beim Dominospiel
solche Steine zurückbehalten, die es
dem Gegner unmöglich machen, die
seinigen anzulegen. Kgsbg.
Prinzessinstraf ze , /., Strai'zenname in
Königsberg, s. Burgfreiheit N.
' Prissel, f., Zweig von Pinv^s silvestris,
Kieferzweig. Saalfeld.
Prifz, /., schlechter Kuchen. Das ist
bhfz e Prifz. Kgsbg.
Prosfipche, /. u. n., s. PrHs^pche N.
prOst (182b). Pröst de Mälttt auch
hchd. und zwar in der Form: proste
Mahlzeit! als wäre 'orSste ein Adjektiv
«= dem damit wecnselnden: gesegnete
Matdzeit, koTTxnnmeri gesehnte MoMzeit,
Sehntemahlzeit, Sintemcthlzeit! Gort-
ZI tz a
Pulle (187 a), letzte Z. 1. Buddel.
pulstrig, adj\, verstärktes buJstrig, s.
bultrig.
Puppe, /. Die Puppe nehmen und
nach Hause gehen, erzürnt sich ent-
fernen. Es geht tiber die Puppen.
purgeln, sw., s. nurgeln.
purr (190b), auch Purrchen, Purr-
pferdchen.
PUrzelftiche, /, s. v. a. Perzelaiche,
auch als Gangart des Pferdes. Das
Pferd hat eine gute Pürzelascfie.
Puichel (191b). 2. auch Puichellfse.
Puschnägelchen, n., Pflzn., bärtige
Nelke, Dianthus barbatus L Saalfeld.
PQster (193b), auch Benennung für
den Feuerrost, unter dem eine nach
auizen fuhrende Öffnung den Luftzug
für das Feuer vermittelt. Marold.
Putzniaer (g weich) statt Putzruicher
uDter pulerig.
Putnchere (195 b), auch Putscher (e)
gesprochen.
36
546
Qoackeler — Ratscb.
Q
Quackeier (196a). Ziffer 1. ist zu
streichen.
Quassement (199 b). Z. 3 1. Verla
dungsschein.
Quatsch (200 a), in 2. Bedeutung /.
qtiesten (203 b). Ziffer 1. ist zu
streiciien
QuHsche (205b), Z. 3 v. o. 1. QuHschel.
Quitsche auch = Quitschenbawm.
R.
Rftdbeil, /., bösartige Beule, grofzes
Geschwür, namentlich skrofulöses äulze-
res lialsgeschwör, das in den meisten
Fällen geschnitten werden mul'z. Ober-
land.
Ragnit (210a), im Volksmunde auch
Rangnitz,
Rahmen, m., Rahmen, s. Räm.
Raköpel, m.^ Kuchenschabe, Blatta
orientalü; auch KardkuL Masuren.
Gortzitza. Vgl. Franzosen.
Ramft, m.. Dem. Ramftchen, n., erster
Schnitt vom neuen Brote, das Köpfchen
Oberland. Das ahd. ramft^ mhd. ran/t,
nhd. Ranft. Vgl. Sohnchen.
Rapünzchen, n., Pflzn., s. Gesselblume
N.
Rassel, m., Rausch. Er ist im Rassel
Oberland.
Ratzkefaller, m.^ s. v. a. Ratzifaller.
Raubritter, m , zur Bezeichnung eines
kleinen Gutsbesitzers, der sich aus
bäuerlichem Land sein Gütchen gebil-
det uud meistens unsicher in seiner
Existenz ist. Gortzitza.
raug, pltd. rüg, adj.^ rauch = rauh.
Rauge Backen. Ein ratiges Gesicht
Gortzitza.
Regimentsbefehl, m., Geldtäschchen,
welches der Soldat laut Regimentsbe-
fehl an einem Bande unter dem Rocke
auf der Brust zu tragen hat.
regnen, sw. Es regent = regnet.
reifzen (221b). Rtt dem Kathrmke!
noch gewöhnlicher Ritem etc. gespro-
chen.
Reifzung (222 a), auch hchd. = Risse,
Hiebe: es giebt Reifzung.
Rheinfahrt, Pflzn., s. Schlagwasser
N.
Ribbas, m., s. v. a. Rabbas (s. d.).
RtthrVm, /., s. Schrotsuppe N
Rosemöck (233a). Gortzitza hat
als Kind in Neidenburg Rosemöck oder
vielmehr Rosemockchen in ganz anderer
Weise kennen gelernt WiUst du Rose^
niockchen sehen? wurde gefragt Na-
turlich wollte man es, wenn man mit
der Sache noch nicht bekannt war.
Dann wurde eine Schüssel mit Wasser
hingestellt, und die Neugierigen mufzten
sich herumstellen und tief gebQckt hin-
einsehen, um die Rosemockchen zu er-
blicken. Der mit der Sache Bekannte
machte dann allerlei Manöver und
schlug endlich scharf in das Wasser
hinein, dal'z alle bespritzt wurden. Der
Name Rosemockchen für diesen Scherz
findet seine Erklärung in poln. oder
masur. rozmoknq6 nafz werden, durch-
weichen.
Roserock (234 a), auch das poln. roz-
ruch wird unverändert gebraucht.
Rotzkodder, n., Taschentuch.
RotziVffel, 97»., Schimpfwort auf un-
reife und vorlaute junge Leute, auf un-
ordentliche Menschen.
'rumwanken, sw., s. wanken.
Rutsch, /., Bett Jn die Rutsch gehen.
Oberland.
a — Sdierdeltuch.
547
s.
8 (240 a). s klingt oft Jz^ z: emfzig
emsig, Perfzon Person, grinzen grinsen.
Sack (242b). Zur Ergänzung: 1.
Sprichwörter: Eft klopft auf den Sack
und den Esel meint er. Die Katze im
Sack kaufen. 4. als Schimpfwort:
BSsaack^ Fuppsack^ Giftsack, Granssack,
Patschsack, Quarrsack.
Sackträger (243 b). 2. Sack hat hier
die Bedeutung scrotum.
saggeln, sw., mit stumpfem Messer
sägend schneiden. Schmidt.
Saloppe, /., s. y. a. Salupp. Gort-
zitza.
safzen, sich, s. v. a. sassen. S. an-
säTzig N.
Sauerffst (249 b), Z. 4 L sulphura-
tum.
Sauerkohl (249 b), Z. 3 ist hinter
Brassica das Komma zu streichen.
Saunigel (248b. 250b). Über die
Bildung des Wortes s. nuzund N.
Schabbel (251a). Schabbein, plur.,
für Schabbeibohnen auch in Ostpreufzen
ganz gewöhnlich.
schabbeln (251a), beim Schreiten
andere mit den Fulzen stolzen, sie be-
lästigen oder gar verletzen; davon
Schabbelfufz (u auch kurz) u. Schabbel-
fritz.
ochabraky m., Mensch, der dummes
Zeug schwatzt. Sperber, 40. Poln.
zabrac glos das Wort nehmen, anfangen
zu sprechen. Ygl. fehabbem.
Schaff (253 b), auch Efzschaf und
Wäschschaf. Für Speiseschaff auch
Speischaf.
Schappkenmtttze (257 b), Z. 3 1 Gegen-
satz zur.
schattern (261a), in 2. Bed. in Ver-
bindung mit ^chcu)bem: Sie hat unauf-
hörlich zu schattem und zu 4chMem.
-sehe (263a). -sehe tritt bei pol-
nischen Namen auf -skii^Ti dessen Stelle:
die Brodowsche für: die Brodowski.
Gortzitza.
^chebrak, m., Bettler, das gleichbed.
poln. zebraJc. Sperber, 40.
Scheck, Pflzn. Die Pflanze, welche ich
in Rauschen, wo mir der Name zuerst
entgegentrat, nicht habe erhalten können,
soll dem Mir^chemau (s. d.), Bärlapp,
ähnlich aussehen. Sie heilt Wunden
an Menschen und Vieh, ist selten und
mufz sofort gepflückt werden, wenn
man sie sieht; geht man yorüber und
wendet sich nachträglich, um sie zu
pflücken, so ist sie nicht mehr zu fin-
den.
scheffeln (264a), auch intransitiv. Das
Getreide scheffelt, giebt reichen Ertrag.
S. schütten 2.
Schelf z, m., Scheifze, /., pltd. Schtt,
m. u. /., Dem. Scheifzche, pltd. Schttke,
als Wort der Verneinung, Zurückwei-
sung, Bekräftigung, des kurzen ^Ent-
schlusses, der Kesignation, des Über-
drusses; auch blolzes Flick- und Füll-
wort. Scheifz! Ach was, Scheifz! Scheifz,
komm! Scheifz, ich geh heui ins Thea-
ter! Das ist eine Scheifze, einerlei.
Beliebt auch im Hochdeutschen ist das
pltd. Schttke. Haben vdr heute Kar-
tofelflinzenf „Ja, Schttke^. Euphe-
mistisch: Scheibe! Ja Scheibe! Scheibe!
sagt Neumann. Von Scheifz: Schelf zer,
m. Alter Scheifzer^ alter, schwächlicher
Mann. Scheifzerel,/, Diarrhöe. In Zu-
sammensetzungen: Scheifzdreck, Scheifz-
haus, Scheifzkeri, Scheifzmatz etc. s. 264 b.
Vgl. Klugscheifzer.
Schdnschbiätter, plur., s. v. a. Semsch-
blatter, Oberland.
Schemfehe,/., Binse, Juncus L. Ober-
land.
Schfimschleder, n.^ s. sämisch.
schenken (267 a), Z. 2 1. lautet das
part .auch geschoiücen.
Scherdettuch (267 b). Für den Zu-
sammenhang des Wortes mit Tuch
sprechen die reinhochd. Zusammen-
setzungen, namentlich das westpreulz.
Schurztuch, wie denn auch die Schürze
Solu, fartuch— Vortuch heilzt, und für
as verwandte Schurzfell, poln. szurcfal
(auch fartuch sk&rzany Schürze von Le-
der) das Grundwort ebenfalls dem Deut-
schen entlehnt ist.
35*
548
Sch^ — Schrotsuppe.
Sches (268 b), s. Dschfise N.
ichibberig (269b), auch Gortzitza
kennt nar SChieberig.
Schiebern (269b).' 2. reflexiv: sich
schickem,
SChichrig, adj,^ s. v. a. schuchrig.
schief (270b), auch: Er ist schief ge-
toickelt
Schinnkaule (274 a), auch Schinder-
icaule und Aaskaule.
schipp (274 b), auch tschipp. Vgl.
Volksr., 32, 122: Schipp^ schipp^ mein
Hahnke, hchd. mein Hähnchen. I
schirken (276 a), auch tschirken.
Schischkenkopf, -kopp, m,, Kopf mit
wirrem Haar, wie er aussieht, wenn
man das Haar durch hineingeworfene
Klettenköpfe (s. Schischke) verfilzt hat.
Oberland.
Schlachnutke (278 a), 1. Schlachuntke.
Schlaggwetter (280 b), auch Schlacker-
wetter.
SChlagrUhrend. Sich schlagrührend
ärgern,
Schlagwasser, Pflzn., gemeiner Rain-
farn, Tanacetum vulgare L. , auch rö-
misch Rheinfahrt Samland.
Schiftlos (281a), nach Gortzitza
auch Schlftlo.
Schlensak (285b), in Neidenburg in
Gortzitzas Kinderzeit ein sehr be-
liebtes Backwerk, das nicht die Form
des Zwiebacks, sondern eines Oblon-
gums hatte und auch, ja fast gewöhn-
lich, Schlinsak genannt wurde.
Schlichtmehl, n., Mehl, in dem die
Kleie zurückgeblieben ist; daraus be-
reitet man Schlichtbrot^ Schlichtmus.
schlickern (286 a), auch schlicker di
schlacker,
Schlipp (287 a). Im Oberlande auch
Schlupp, von schlüpfen^ und Luck^ n.,
weil durch das Autziehen des Baumes
oder Brettes im Zaun eine Lücke ent-
steht.
Schlorrchenglitschen (288 a). I)as
Schlittenfahren am Fastnachts- Diens-
tage auch in Masuren üblich, der Name
dafür nicht. Gortzitza.
Schlorre (288 b), Z. 6 1. Schlurre. S.
Korke N.
Schlosse, /., Scblofze.
Schlumpschufz (290 b), im deutschen
Billardspiel der Stofz, mit dem man
gleichzeitig die Karoline and den fol-
genden Earambolball in das Mittelloch
und das Eckloch macht Nach der bei
Schlumpschlag angegebenen Bedeatung
wäre es also = Glücksschufz. That-
sächlich ist es freilich nicht ein solcher;
denn geschickten Spielern gelingt er
recht oft. Gortzitza.
Schlupp, m., s. Schlipp N.
Schmftchen (291b), auch Schmäsch-
chen.
SChmackostem (292 a). Das Begiefzen
mit Wasser ist auch in Masaren üb-
lich. Gortzitza.
Schmackostemite (292b). Das Aos-
grunen dor Ruten ist allgemein üblich.
Schmäker, m., Schmöker, s. Pl^ 2.
Schmandengel, m., Mädchen in weifzem
Kleide, Knabe in weilzen Beinkleidern
(s. Schmandbüaen),
Schmelchenzagel (296b), 1. Schmfil-
chenzagel.
schmieren (297b), auch schlecht
schreiben.
Schmurgeln, sw,^ s. v. a. schmirgeln.
schnarren (302a^. He geht, dat de
Hacke schnarre. Elbinger Ndrg.
schntben, sw.^ s. v. a. schnOwen und
reflex. sich schneuzen. Oberland.
schnickern, sw., s. v. a. schnippsein.
Schnipp -schnapp -schnurr (305 b), in
Neidenburg für Baselorum auch Basi-
lurr.
schnTwen (306 b), auch s. v. a. schnQ-
wen.
Schnuppen, 971., Schnupfen.
SchnDt (309 a). Schnutchen als Kose-
wort auch sonst gebrauchlich.
SchVIlkraut {Klein-), n., s. Gessel-
blume N.
SChVnen (310b)^ auch: das Wetter
schönt sich auf.
Schrotsuppe, /., Wassersappe aus Rog-
gen-Schrotmehl mit etwas Milch oder
etwas Fett abgemacht. Ist sie sehr
dünn gekocht, so heifzt sie Rohrom,
Kührum, dick gekocht /ScA^WckZ (s. d.);
zwischen beiden Arten steht als Lop-
äwer (Laufüber) die mitteldünne Schrot-
suppe. Sie führt ihren Namen daher,
dai'z sie beim Kochen leicht überläuft,
da den Leuten meist Zeit zur Aoüsicht
schrumpen — StolzheiDrich.
549
in der Küche fehlt. Diese Unterschiede
gelten in Notjahren, in denen die tiuppe
wohl täglich in dreierlei Gestalt, wie
angegeben, morgens, mittags und abends
von den armen Leuten bereitet und ge-
gessen wird. In besseren Zeiten wird
die Suppe etwa drei- bis viermal wöchent-
lich gekocht. Gerdauen. Sack.
schrumpen (318b), Z. 7 1. fhopge-
schrumpelt.
schüchtern (319b), Z. 5 1. zum an-
dern fahrend.
Schuprtne (323 a), auch Tschuprfne.
Schufeheikopf, nz., s. v. a. RmcheUcopf.
Oberland. S. verschufeheln N.
ichQfehen (324a), nach Gortzitza
auch schu^chen (u scharf).
^hQfehkehmen (324 a), kein fingier-
ter Ortsname, wie irrtümlich angegeben,
sondern ein wirklicher und S. 389 b un-
ter Szufzkehmen richtig aufgeführt. Die
mitgeteilte Redensart ist durchaus im
Schwang.
SchOichü (324 a), nxicAiSckaschüy Schu-
schlichen machen = schlafen. S. §chQ-
ichen N.
Schusterplatz, m., im Oberlande =
Schusterjunge. Vgl. Platz N
Schufzwelde, /., s. Zahnweide.
SchQte(n), st^ schiefzen, engl to shaot
Gordack.
SchUttel (325 a), so richtig statt Schot-
tel.
schwaddem (326 a), Z. 11 1. värto-
schwaddre.
Schwammklopper (327 b), politisch in-
diflferenter Mensch. Das Wort ist in
der ganzen Provinz bekannt.
schwappendiq (327 b). Auch das Verb
schwappen übhch, besonders im Eom-
pos. Überschwappen, wie das Simplex
sowohl transitiv, als auch intransitiv.
Gortzitza.
schwarken (327 b), das vart auch 6e-
schworken.
Schwingen,;»., Schwingblock, m., -messer,
n , s. Klunker N.
Sechser (334 a), Z. 1 1. Einfünf zehntel.
Sechserbrot, n., Imbifz um die sechste
Abendstunde, s. v. a. Schweinevesper.
Seele, /. Zur SeeC bringen können =
geniei'zen können, s. kifeheln N.
Sehntemahlzeit, /., s. prOst N.
seigen, su?., s. v. a. seaen 1.
Sebhin (339 a), Z. 3 1. nemorosa.
Siebenzägliger, m., Peitsche mit sieben
Zägeln, siebenschwänzige Knute, auch
Ende Tau oder Strick als Prügelinstru-
ment. Kriegst mit dem Siebenzägligen!
Oberland.
Siel (340 b). In die Hintersielen kom-
men^ im Geschäfte, in der Wirtschaft
zurückkommen. Sprw. II, 1209.
Sielenstrick, n., Strick an den ^Un.
Im Oberlande als Schimpfwort: du
Selenstrick !
Sintemahlzeit, /., s prOst N.
Sommerung, /., s. v. a. Sommerkom.
Spann, /., s. anschmeifzen N.
Spanschferkel (a = a), n., Spanferkel,
noch saugendes Ferkel. Oberland.
sparteln (347 b), reflexiv sich sparteln^
sich absparteln,
Spazierwagen, m.y s. Klapperwagen N.
Speckbrüch, m.^ s. Brttch N.
Spei, m., Speichel. Vgl. Spuck.
Spicker (350a), im Oberlande Spek-
ker^ plur. Speckers; davon speckem =»
spickem: es speckert, spickert
Spickpfahl, «n., spitzer Pfahl, der in
die Erde getrieben wird. Von spickenm
Oberland.
spikeltren (351a), auch im Hchd. in
der ursprünglichen Form spekulieren.
Spind (351b), auch E/zspind,
^innwocken (352 b), Rocken.
Spirkucks (353 a), auch Sperekucks.
splinter (354 b). splitterfasemackt auch
in unserer Provinz nicht ungewöhnlich.
Gortzitza.
Stadtkämmer, m., s. Kämmerer N.
Stallengasse, /., Strai'zenname in Kö-
nigsberg, vorzugsweise mit Pferdeställen
bebaut: 1. auf der Laak; 2. auf der
Burgfreiheit(s. d. N.). Letztere heifzt jetzt
Kasemengasse^ weil später eine Schwa-
dron Kavallerie daselbst ihre Ställe
hatte. Vgl. Hoffheinz, Stralzn., 601.
Steckel (364 b). Ich mufz ihm ein
Steckelchen spielen^ einen Possen thun.
Oberland.
stfb, adj.^ steif, stibstehen^ steif stehen.
Oberland.
Stieglitzk (371b), nach Gortzitza
auch Stiglitz.
Stolzheinrich, m.^ s. Heinrich N.
550
StorchkUpper — rerkloppeii.
Storchklapper (376 a), L Eqmetum
vulgare.
Streichboizen, tt»., Streichholz. Berli-
nisch.
Strippe (381b), aach aa Beinkleidern
zum Straffziehen derselben.
Stück (383 b), plur. auch Stückner^
Stückne. Ein Stückner drei. Hatten^
da/z die Stücke fliegen, Gro/ze Stücke
auf einen halten.
Stumskehuinpel, m., kleine unansehn-
liche Person. Schmidt. VgL Hum^
pel.
stürzen, mo., umlegen, z. B. ein Schiff;
auch bragen. S. Bragebank N.
Stuterei, /., Gestüt.
SUrzholz (388 b). Süjzholz raspeln.
Sprw. 11, 2618. S. raspeln.
T.
Talgliclit, n. Reden wie ein Endclien
Talglicht, Vri. Sprw. 1, 3082. ^
Tambor, in., Trommelschläger; Spritz-
leder am Wagen. S. Tambour.
tapsig, adj.^ s. v. a. (abrig (s. d.).
Taschengebäude (395 a), auch sonst,
nicht bloiz in Danzig üblich.
Thres (400 b), auch Threse.
Thunichgut, m. «= Thunuschtgut
Timpf (402 a). in 2. Bed. auch in
Ostpreufzen üblich gewesen.
Tipp (402b) und die Nebenformen
Name und Lockruf nicht bloiz für das
Huhn, sondern überhaupt für Vögel.
Tobak (403 a), o lang und kurz.
Trog (41 2b), auch grol'ze Mulde zum
Brotbacken: Backtrog.
tschapsen, «tr., s. v. a. schapsen.
Tschippe, /., Dem. TschippclCsn^ Vopel,
preul'z.-poln. czykka. Mein Tschippchen!
SchmeichelwortzuKindern. Gortzitza.
Vgl. Tipp.
ü.
U (417 a). Gedehntes tt wird im pro-
vinziellen Hochdeutsch zuweilen kurz:
Betrug statt Betrüg^ Gru/z statt Grü/z
(plur. Grüfze); kurzes lang: Geburt
U (417 b). Langes ü wird hin und
wieder kurz, kurzes lang gesprochen:
Büste (kurz), Luke statt Lücke,
Überschwappen, sw.y s. schwappendig N.
Umlauf, in., Anschwellung am Finger,
Fingerwurm.
unberufen, st, s. v. a. unvemifen.
unllbel (424 b). Das ist gar nicht un-
übel = nicht übel.
Utichek (425 b), auch Utscheck ge-
sprochen. Einen Utscheck machen^ weg-
laufen. Masuren. Gortzitza.
V.
Vaterche (426 b), auch der Vaierche.
verbohren (428a), auch: im Arsch
VCfTÜckt.
verdienen, sw. Der hafs heute ver-
dient^ sagt man, weon man für jemand
ein Stück Brot schneidet und das Messer
tief in das Brot hineinfahrt; geht der
Schnitt nach oben hinaus, so hat der
Betreflfende es nicht verdient
Verdung (429 b), auch : arbeiten wie ver-
dungen.
verglaffen, sw.^ sich, sich vergaffen,
verlieben. Er hat sich in sie verglafft
verhauen (432 a), bildet das 2. pari.
stark.
verjüngen (432 b), auch verjüngen.
verkloppen (433 b), auch ^ verspielen,
durchbringen. Gortzitza.
rerloch — worgeln.
551
verloch, Ruf der am Male angelan^n
Kinder, in dem Sinne : ich bin am Mal,
in Sicherheit. Gortzitza. S. verbieten.
verrflgen, aw.^ sich^ im Oberlande =
sich verruhen,
verschuicheln, sw^ s v. a. vernUfcheln.
Oberland.
verschwingen, st , verschwinden. Ober-
land.
vertobbern, sw.y verleiten, verfahren,
verlocken; von tobbem 1. Einen zum
Kartenspiel vertobbem, Elbinger Ndrg.
Vgl. vertoppen.
verwimmern, sw.^ verwachsen, ver-
heilen. Saalfeld.
vonCn (447 b), im Oberlande auch
entzwei.
Vorarbeiter, m., s. Kämmerer N.
W.
Wabbel (450 a), früher anch Name
für juDge Lente, die von Gymnasien,
mitunter von Tertia, abgegangen, nach
kurzer privater Vorbereitung die Ma-
turitätsprüfung vor einer Universitats-
Kommission machten, während der Vor-
bereitungszeit. Die Anforderungen, die
diese Kommission stellte, waren weit
geringer, auch Unterschleife leichter;
davon war auch das Wort wabbeln =»
als Wabbel sich vorbereiten, üblich.
Mit dem Aufhören dieser Kommissions-
prufungen mag auch der Name Wabbel
aufzer Gebrauch gekommen sein, wenn
er nicht etwa noch üblich ist für Schü-
ler, die sich privatim zum Abiturienten-
examen vorbereiten, das sie dann bei
einem Gynmasium machen. Gort-
zitza.
Wache, /., Woge, Welle. De Kröckent
schockelt op de Wachen, Dorr, 21.
Vgl Wachte.
Waddig (451 b). Zusammenstellung:
Waddiffund Wehdag^y Wehtage. Gort-
zitza.
Waldvioien, gelbe, s. Haselblume N.
Weggeleiswasser, n., s. GlCdwasser N.
weglegen, MI7., verlegen, auf die falsche,
unrechte Stelle legen. Die Hühner
haben die Eier weggelegt.
W6r, /., 8. V. a. Warre, Oberland.
WCrtke, n., das Wertchen, Wertvolle,
kleiner Blumenstraul'z, den Land trauen
zur Kirche mitnehmen. Das Wertchen
wird in gefalteten Händen auf dem
weil'zen Taschentuch, unter dem das
Gesangbuch rpht, getragen. Mtn Sahn,
ISp on e Garde on mak mt e WSrtke!
Samland.
Wessel, fn.^ einfaches Subst. zu ver-
wesseln, verwesselter, verwahrloster
Mensch.
WichöpjCn, m,, vielleicht richtiger TTt-
köpjen, beim Brotbacken ein Brötchen
aus den Teigresten; wohl von poln.
mykopac aus dem Brottrog ausgegraben,
zusammengegraben. Neidenbnrg. Gort-
zitza.
Wickhaus, eigentlich WTkhaus, ein der
Stadtmauer angebautes Hinterhans.
Wtkhäuser gab es und giebt es viel-
leicht noch in Neidenburg. Gortzitza.
Ahd. wtghus, wichüs, mhd. mtchüs, pro-
pugnaculum, Bau oder Turm zur Be-
festigung und Verteidigung. Schade,
1149 b.
Wtk (469), ist /. u. n. Das Putziger
Wik heifzt auch Pauzker Wik.
winken (471b). 4. einen Schlafen-
den durch besondere Manipulationen
dahin bringen, dafz er, ohne aufzu-
wachen, sich erhebt und schlaftrunken
herumwandelt. Gortzitza.
Witze, /., Rute, Zweig, s. Fitze N.
worgeln, sw., s. v. a. wirgeln.
552
zecken — zosteckeln.
z.
zecken, sw.^ zacken. Saali'eld.
zeisen (490a), Z. 6 1. zeüen st. Zinsen.
HeDDeDberger Laodt., 52.
zerrackern, sw,, steh, sich zerarbeiten,
darch Arbeit aufreiben. Vgl. rackem.
zerschnippsein, sw,^ verstärktes schnipp-
sein,
Zigeunerkraut (493 a), 1. Hyoscyamm.
Zipfelkraut, n., s. Milchkraut N.
zubein, adv.^ s. Bein N.
zudach, adv.,, in zudach kämmen^ nahe
kommen mit dringendem Anliegen, zu-
dringlicher Bitte, unverschämtem Ver-
langen. Damit komm' mir nickt zu-
dach! Saalfeld.
zumessen. Ihnen nicht zugemessen.,
pltd. enne nich togemete^ als abwehrende
Formel, wenn von einer Krankheit die
Bede ist. Vgl. nebbig.
zupafz, adv.^ passend, gelegen, ange-
nehm. Das kam mir recht zupafz, VgL
pafzmftt
zusamsti auch zesamst, adj. u. präp.^
zusammen; mit. Vgl. mitsamts.
zusteckein, zustecl^eln, sti?., mit einem
Stecket oder Stecksei verschliefzen.
Nachtrag zu den Abkürzungen.
Hirsch. Danzigs Handels- und Gewerbs-
geschichte unter der Herrschaft des deutschen
Ordens. Von Theodor Hirsch. Leipzig 1858.
Klebs* Der Bernstein. Seine Gewinnung,
Geschichte und geologische Bedeutung. Er-
läuterung und Katalog der Bernstein-Sammlung
der Firma Stantien u. Becker. Von Richard
Elebs Königsberg i. Pr. (1880).
Gewinnung und Verarbeitung des Bern-
steins. Mit 22 Lichtdruckbildern, 1 Lithographie
und 3 Holzschnitten. Von Dr. Rieh. Klebs.
Königsberg 1883. [Zur Erinnerung an das
fönfundzwanzigjährige Geschäfts -Jubiläum von
Stantien u. Becker. Königsberg, den 16. Mai
1883.]
Mflller. Über die mitteldeutsche poetische
Paraphrase des Buches Hieb. Ein Beitrag zur
Geschichte der Sprache und Literatur des
Deutschordenlandes von Dr. W. M ulier. Halle
1883.
N« Nachträge und Berichtigungen.
N88liii.9 Bainofiu Dainos. Litauische Volks-
lieder übersetzt Ton G. H. F. Nessel mann.
Berlin 1853.
Pritiel* Die deutschen Volksnamen der
Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprach-
schatze. Aus allen Mundarten und Zeiten zu-
sammengestellt yon Dr. G. Pritzel und Dr.
G. Jessen. Hannover 1882.
Schlufzwort.
JJitwaA später, als im Prospekt versprochen, habe ich das Preufzische
Wörterbuch zum Abschlüsse bringen können. Die Abonnenten auf das
Werk werden diese Verzögerung wohl gern entschuldigen, da sie dem Buche
zu gute gekommen: — es hat durch die während des Druckes eingegangenen
Ergänzungen an Vollständigkeit und, wie ich hoffe, auch an Wert gewonnen.
Dem gröfzern Umfange nach konnten diese Beiträge in das Werk hinein-
gearbeitet werden, und nur ein verhältnismäfzig kleiner T<'il davon hat in den
Nachträgen seinen Platz erhalten.
Ein aufmerksamer Blick in das Werk wird darthun, dafz ich vielfach mit
grofzer Hingabe, Ausdauer und Sachkenntnis unterstützt worden bin. Für
diese Unterstützung, wie für jede der Sammlung zugewandte Förderung, spreche
ich allen Freunden derselben, den neuen wie den alten, noch besonders
meinen herzlichsten Dank aus. Im Laufe der Jahre, von Beginn meiner Samm-
lungen bis in die neueste Zeit, erhielt ich für meine Arbeiten Beiträge von
folgenden Herren und Damen:
Lehrer AIbi*en in Hohenbcrg, Er. Bagnit. Lehrer Alkewitz in Alt-
Eattenau, Er. Stallupönen. General v. Auer in Goldschmiede bei Eönigsberg.
Rabbiner Dr. Bamberger in Eönigsberg (Erklärung judisch -deutscher Aus-
drücke). Lehrer A. Blau in Ereuzburg. Professor Dr. F. A. Brandstäter
in Danzig. Lehrer Brehm in Angerburg. Lehrer Browleit in Allenburg.
Lehrer Brüfz in Neudorf bei Graudenz. Lehrer Cabjolsky in Romeyken,
Er. Stallupönen. Lehrer Denskulz in Seikwethen, Er. Niederung. Ober-
lehrer Dr. R. Dorr in Elbing. Lehrer Dröse in Marienwerder. Emeritus
in der Gegend von Eonitz. Pfarrer Fabricius in Barenhof im Gr. Werder
(durch Herrn Oberlandesgerichtsrat Passarge). Lehrer Festerling in Stab-
lauken, Er. Pillkallen. Freiherr Fragstein v. Niemsdorf, Eönigl. Hofliefe-
rant in Eönigsberg. Lehrer H. Freytag in Mewe. Dr. Ludwig Frey tag
in Berlin, (für die Nachträge. Die letzte, nach Beendigung des Satzes ein-
gegangene Sendung konnte leider nicht mehr verwertet werden). Lehrer
Gall in Jerrentowitz bei Briesen Westpr. Fräulein Alma Gänike aus
Silberbach, Er. Mehrungen, jetzt in Liebstadt. Lehrer Gast in Glabitsch auf
der Danziger Nehrung. Lehrer Julius Gehrmann in Eönigsberg, aus Liebe-
mühl. Eantor Gerhard in Ragnit, früher in Eönigsberg. Lehrer Gerfz in
, 554 Scblufzwort
Seeheslen, Kr. Sensburg. Lehrer Gohr in Danzig. Sprachlehrer Walter
Gordack in Königsberg. Gymnasial-Professor a. D. W. O. Gortzitza in
Lyck, geb. Dezember 1811, Neidenburger bis Ende 1823. Kantor Gutzeit
in Sensburg. Lehrer Harnack in Börgersdorf bei Wehlau f (Manuskript
durch Herrn Tribunalsrat Dr. R. Reusch). Privatgelehrter Robert Hein
in Berlin, geborener Danziger. Direktor der stadtischen höheren Töchterschule
Heinrich in Königsberg (Sammlung aus Tiegenhof im Werder). Lehrer
Hetz in Rominten, Kr. Goldap. Kantor Hilberger in Dönhoffstädt *{-. Lehrer
Hildebrandt in Schönau bei Marienburg. Küster an der Ober -Pfarrkirche
zu St. Marien A. Hinz in Danzig f. Geheimer Medizinalrat Prof. Dr. med.
G. Hirsch in Königsberg. Privatgelehrter Eduard Hubaczek in Königs-
berg f. Fräulein Anna Jacobi, Lehrerin an der städtischen höheren Töchter-
schule in Königsberg. Lehrer Jasch in Wittenberg, Ki*. Pr. Eylau (Manu-
skript durch Dr. R. Reicke in Königsberg). Buchhändler Paul Jensen,
früher in Königsberg. Lehrer Aug. Kahler aus Nordenburg, jetzt in Königs-
berg. Lehrer Kalepky in Wehlau. Karl Käswurm in Darkehmen (für
die Kreise Stallupönen, Gumbinnen, Insterburg n. Darkehmen). F. Karsten
in Braunsberg. Lehrer Kerwien in Plimbailen, Kr. Ragnit. Lehrer Kirbnfz
in Plehnen, Kr. Rastenburg. Kaufmann Rud. Knoppke in Königsberg f.
Lehrer Kobbert in Insterburg. Dr. G. Kossinna in Halle a. S. (für die
Gegend von Tilsit). Lehrer K rafft in Rominten, Kr. Goldap. Schuhmacher-
meister Kratz in Königsberg. Buchhändler Eduard Krause in Königsberg,
aus Dogehnen im Samlande. Lehrer Krömke in Neuendorf, Kr. Pr. Holland.
Lehrer J. Kutschki in Tolkemit. Lehrer Lau in Pillau. Kaufmann Ernst
Lau aus Königsberg (das Manuskript erhielt ich aus Telok Betong auf der
Insel Sumatra). Regierungs-Sekretär C. A. Laudien in Königsberg. Fräulein
Elisabeth Lemke in Rombitten bei Saalfeld Ostpr. Rechtsanwalt Otto
Lewald aus Königsberg, in Berlin f. Seminarlehrer G. Liek in Löbau
Westpr., früher in Königsberg. Lehrer Löhrke in Flatow. Dr. Wilhelm
Mannhardt in Danzig f. Rektor Marczowka in Grabnick bei Lötzen.
Gymnasiallehrer Dr. C. Marold in Königsberg. Frau Eveline Mattern
in Rauschen, Ej*. Fischhausen. Justizrat H. Meier in Königsberg f. Uaupt-
lehrer R. Meier auf den Hufen bei Königsberg. Dr. W. H. Mielck in
Hamburg. Lehrer Milke in Mockrau bei Graudenz. Besitzer Minuth in
Rauschen, Kr. Fischhausen. Hauptlehrer Rud. Morre in Königsberg. Lehrer
Mortzfeld in Thiergart. Rittergutsbesitzer Müller in Bergfriede, Kr. Allen-
stein. Buchbinder Fr. Münch in Königsberg. Herr Paul Muscatein Brom-
berg. Landes - Hauptkassen - Rendant K. Nagel in Königsberg, früher in
Marienwerder. Professor Dr. G. H. F. Nesselmann in Königsberg -j*. Leh-
rer Nippa in Budweitschen, Ki\ Goldap. Kantor Panzer in Tenkitten, Kr.
Fischhausen. Oberlandesgerichtsrat Louis Passarge in Königsberg. Maler
Petzenburg in Königsberg. Stadtschulrat Dr. O. Pfundtner in Königsberg
(für Gumbinnen). Lehrer Polen z in Angerburg. Fräulein Elise Prill in
St. Lorenz, Kr. Fischhausen. Ed. Putzrath in, Tolkemit. Rittergutsbesitzer